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COMPARATIVE ZOÖLOGY.
AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS.
No.//,7-öVr
DENKSCHRIFTEN
DER
KAISERLICHEN
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AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
FÜNFZIGSTER BAND.
'"WIEN.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREL
1885.
INHALT.
Erste Abtheilung.
Abhandlungen von Mitgliedern der Akademie.
Seite
Etüngshausen Frh. v. : Die fossile Flora von Sagor in Krain. III. Theil und Schluss. (Entbalteml Nach-
träge und die allgemeinen Resultate.) (Mit 5 Tafeln.) 1
Neumayr : Die geographische Verbreitung der Juraformation. (Mit 2 Karten und 1 Tafel.) 57
Gegenbauer : Zur Theorie der Determinanten höheren Ranges 145
Gegenbauer : Zur Theorie der aus den vierten Eiubeitswurzcln gebildeten complexen Zahlen .... 153
Oppolzer V. : Über die Auflösung des Kepler'scheu Problems 185
Zweite Abtheilung.
Abhandlungen von Nicht-Mitgliedern.
Stapf: Die botanischen Ergebnisse der Polak'schen Expedition nach Persien im Jahre 1882. I. Theil . 1
Stapf: Beiträge zur Flora von Lycien, Carlen und Mesopotamien. I. Theil 73
Toula: Geologische Untersuchungen in der „Grauwackenzone" der nordöstlichen Alpen. Mit beson-
derer Berücksichtigung des Semmering-Gebietes. (Mit 1 Karte, 1 Tafel und 43 Holz-
schnitten.) 121
Purschke: Cfe?«;«ys sarw(*i/ca n. sp. aus dem Tegel von Hernais bei Wien. (Mit 1 Tafel.) 185
Unterweger : Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen. (Mit 2 Tafeln und
3 Holzschnitten.) 19^
Bruder : Die Fauna der Jura- Ablagerung von Hohnstein in Sachsen. (Mit 5 Tafeln, 1 Holzschnitt und
1 Tabelle.) 233
Laube: Ein Beitrag zur Keuntniss der Fische des böhmischen Turon's. (Mit 1 Tafel und 2 Holz-
schnitten.) 285
Toida und Kall : Über einen Krokodil-Schädel aus den Tertiärablagerungen von Eggenburg in Nieder-
österreich. (Mit 3 Tafeln und 3 Holzschnitten.) 299
Erste Abtheilung.
Abhandlungen von Mitgliedern der Akademie.
Mit 2 Karten und 6 Tafeln.
DIE
FOSSILE FLORA VON SAGOR IN KRAIN.
Reo..Rath Prof. Dr. CONSTANTIN Freiherr von ETTINGSHAUSEN",
CORRKSPONDIKENDEM MITQI.IEDE DER KAISERLICHEN AKAIIEMIE PER WISSENSCHATTEN.
m. THEIL UND SCHLÜSS.
(EJITIiALTEP \ACIITRÄ(;E OM DIE UI.GEHEnES RESULTATE)
(31LLfc 5 SafefH..)
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 8. JÄNNER 1SS5.
Heit der Veröffentlichung des I. und II. Tlieiles meiner Arbeit über diese fossile Flora (Deukscbr., Bde. XXXII
und XXXVII) sind aus den Scliichten von Sagor noch fortwährend neue oder in irgend einer Bezieliung
bemerkenswerthe Pflanzenfossilien /um Vorschein gekommen. Es sind nicht nur die Fundstätten in Sagor von
mir wiederholt bssucht, sondern auch grosse Quantitäten Rohmaterials von dort an das pbyto-paläontologische
Institut in Graz ges^'ndet worden, wo die Pflauzeufossilien meistens durch das Verfahren der Frostsprengung
gewonnen werden konnten. Das verspätete Erscheinen des vorliegenden letzten Theiles meiner Arbeit über die
fossile Flora von Sagor dürfte dcssball) wohl Entschuldigung finden. In demselben sind die neuen Funde
beschrieben und am Schlüsse die allgemeinen Resultate der Bearbeitung zusammengestellt.
Hievon hebe ich hervor, dass die fossile Flora von Sagor zwei Abschnitte derTertiärjieriode nnd zwar den
letzten der Eocäuzeit und den ersten der Miocänzeit umfasst; ferner dass in dieser Tertiärflora die Mischung
von Florenelementen mindestens ebenso deutlich zu erkennen ist, wie in anderen, was den schon aus anderen
fossilen Floren deducirten Schluss, dnss in der Tertiärflora die Florenelementc noch vereinigt waren, vollkommen
bestätigt. Dies gilt aber nicht bloss tlir die Tertiärflora Europas. Es ist schon a priori anzunehmen, dass die
gesellige Verbindung der Florenelemente eine allgemeine Eigenscbaft der Tertiärflora ist, denn es liegt kein
Grund vor, yerade der europäischen Tertiärflora eine völlig abweichende Eigcnthiimiichkeit zuzuschreiben,
während die Annahme, dass die Tertiärflora überhaupt eine Universalflora ist, welche die Elemente aller
jetzigen Floren in sich fasst, durchaus nichts Absurdes an sich hat. Gegenwärtig findet diese Annahme durch
die rntersuehuug der aussereuropäischen Tertiärfloren immer mehr Begründung.
Die Vergleichung der Fossilien mit den entsprechenden Theilen der lebenden Pflanzen halie ich grössten-
theils während meines längeren Aufenthaltes in Kew Gardens bei London vorgenommen. Für die mir daselbst
freundlichst gestattete Benützung der reichhaltigen Sammlungen der Museen und des botanischen Gartens
spreche ich den Herren Director Sir Joseph Hooker, Prof Daniel Oliver und J. G. Baker den verbind-
lichsten Dank aus.
Denkschriften der mathem.-naturw. Gl. L. Bd. i
Constantin v. Ettingshansei
A. Beschreibung der neu hinzugekommenen fossilen Pflanzen.
Class. FUN Gl.
Sphaerici miuutissinui u. sp.
Taf. XXVIII, Fig. -2, 2 «, h.
S. penthecik sparsis iionnunqiumi <i<l ««vw.s- »ecundarios seriafi^, iHhintissimia, rotundatis nigris, odiolo confonni
pertusis.
Fuudort: Savine (.Stollen). Auf eiuein Dicotyledoneu-Blattreste, wahrscheinlich einem Theilblättchen
von Rhus.
Auf dem hier abgebildeten unscheinbaren Fetzen eines Dicotyledouen-Blattes bemerkt man sehr feine,
schwarze Pünktchen, welche auf der Fläche des Blattes zerstreut liegen. Da dieselben oft den Netznerven auf-
sitzen, so könnte mau bei oberflächlicher Betrachtung verleitet werdeu, das Fossil für einen Farnrest, allenfalls
der Gattung Pol i/podium oder Äspidium zu halten, wo ))ei mehreren Arten die der Nervation von Dicotyledonen
ähnliche iiercatio Dri/nariae vorkommt. Bei genauerer Untersuchung mittelst der Loupe findet man jedoch, dass
weder die Nervation des Blattrestes, noch die Anordnung der erwähnten Pünktchen alsSori zu einem Farn passt.
Die Pünktchen sitzen nämlich zuweilen auch auf den Secundärnervtn zu mehreren in einer Reihe. In Fig. 2 a ist
eine Stelle des Fossils vergrössert gezeichnet, an der man die erwähnte Anordnung der Pünktchen beobachten
konnte. Fig. 2 b hingegen zeigt eine Partie, wo die Pünktchen an den feinsten Netznerven einzeln sitzen.
Um den Beweis, dass man es hier mit einem Pilze zu tliun hat, zu vervollständigen, hebe ich noch hervor, dass
die Pünktchen bei starker Vergrösserung sieh als Perithecien deutlich erweisen. In der Mitte der rundliehen
Perithecien bemerkt man bei einigen eine Öffnung, was an Fig. 2 h zur Anschauung gebracht ist. Den Peri-
thecien nach schliesst sich der l)eschriebeue Pilz der Spliaeria interpumjens Heer an, unterscheidet sieh aber
von dieser wie auch von der ähnUchen folgenden Art durch die ausserordentliche Kleinheit der Perithecien.
Der Blattfetzen, auf welchem der Pilz vorkommt, zeigt nach der Form, Baudbeschaffenheit und Nervation
viele Übereinstimmung mit Theilblättchen von Rhus.
Sphaeria Fiel tenulnervis u. sp.
Taf. XX Vm, Fig. 3, 3 a— c.
S. perithecüs sparsis minuHssimis, ovalibus, nigris, nstiolo rotundato 2)ertusis.
Fundort: Savine (Stollen) auf einem Blatte von Fiaiis temdnerms.
Die Perithecien dieses Pilzes gleichen denen der Sphaeria interpungens Heer, sind jedoch noch kleiner
als diese, so dass sie dem unbewaffneten Auge kaum sichtbar sind. Bei genauerer Untersuchung erkennt man,
dass sie auch durch ihre ovale Form von den Perithecien der genannten Pilzart abweichen. In der Mitte des
Peritheciums bemerkt man eine sehr kleine, rundliche Öffnung (Fig. 3 a — 3 c).
HpJuieria Secretmii Heer.
0. Heer, Tertiärflora der Schweiz, Bd. I, S. l.i, Taf. I, Fig. 4«.
Diesen von 0. Heer auf einem Stengel einer fossilen Pflanze aus dem Mergelschiefer von Öningen
entdeckten Pilz fand ich im Steinbruch bei Savine auf einem Blatte von Fhragmifes oeningensis.
Hhytisma gründe n. sp.
Tat. XXVIII, Fig. 1.
li. periflieciis magtiis rotundato-ovaUbus, sinuosis, irregidariter dehiscentibus.
Fundort: Savine (Steinbruch). Auf einem unbestimmbaren Dicotyledonen-Blatte.
Die fossik Flora von Saf/or in Krain. H
Die Perithecien kommen denen von Rhytisma lyoptiU nahe, weichen aliei' in der Form und Grrösse Yon den-
selben ab. Sie erreichen eine Länge von 7""' nnd eine Breite von 4-5""' und liegen deutlich vertieft. Die
Furchen derselben sind nicht so regelmässig angeordnet, wie bei erwähnter Art aus der Tertiärflora der
Schweiz. Die kleineren Perithecien gleichen wegen ihrer mehr rundlichen Form sehr denen des Xi/lomifef>
umbilicuHis Vn^. Letzteren fehlen jedoch die Furchen; überhaupt kann ich nicht die Ansicht theilen, dass der
Xyloinites umhilicatus ein Rlujtisma sei.
Class. ALGAE.
Chondrites laurencloldss m.
Fossile Flora von 8agor, I, Denkschr. Bd. -Sa, S. 161, Tat". I, Fig. 1.
Ein kleines Bruchstück dieser Alge wurde in letzterer Zeit im Schürfstollen bei Savine gefunden.
Cystoseira comtnunis Ung. sp.
Syn. : Cystosmiies communis Vng. Cliloris protogaea, p. 125, Tab. 28, Fig. 1, 2.
Fundort: Trifail.
Von dieser in den fossilen Floren \'on RadoboJ und Podsused in Oroaticn häufig, anderwärts aber selten
vorkommenden Fucacee habe ich ein einziges Exemplar aus den Schichten von Trifail erhalten.
Ord. CHARACEAE.
Charit Meriani A. Braun.
Taf. XXVni, Fig. 6.
Ettingsli. Fossile Flora von Sagor, I, 1. c, S. ici.
Am a. 0. erwähnte ich des häufigen Vorkommens dieser Art in den Mergelschiefern von Savine. Um eine
Vorstellung von diesem Vorkommen zu geben, wurde in Fig. 6 auf cTafel ein kleines Stück Mergelschiefer mit
d;iranf abgedruckten SporenfrUchteu, in natürliciier Grösse gezeichnet, dargestellt.
Ich habe in Savine Steinplatten gesellen, welche mit den Sporenfrüchten dieser Art ebenso dicht bedeckt
waren. Dieselben sind aber meistens verkohlt und zusammengedrückt, so dass man von ihrer Structur nur
undeutliche Spuren wahrnehmen kann.
Class. MUSCI.
Muscites savinensis n. sp.
Taf. XXVIII, Fig. 5, 5 a.
M. caule filifoi-me foliato ramoso, ramulis abhreviatis, angulo acuta patentibus, alternü, foliis confertis, tenuissimis,
subsetosis.
Fundort: Savine (Steinbruch^
An derselben Stelle in Savine, wo ich die meisten Exemplare des Hijpuiim saijorianuiti erhielt, fand ich das
auf C.Tafel in Fig. 5 in natürlicher Grösse und in Fig. r>a vergrössert dargestellte Fragment eines Moosstengels.
Dasselbe scheint zu keiner der bis jetzt beschriebenen fossilen Moosarten zu gehören, obgleich es mit Hi/pnum
»S'tf^jortotMm Schimp. f Muscites setosus Sap.J und entfernter mit H. Heppii Reer Ähnlichkeit verrätli. Der
fadenförmige Stengel ist mit feinen fast borstlichen Blättern, die nur bei stärkerer Vergrösserung erkennbar
sind, besetzt. Die Aste sind zahlreich, verkürzt, aufrecht-abstehend oder fast anliegend. Da die Gattung, nach
diesem einzigen Fragment, sich noch nicht bestimmen lässt, so bringe ich dasselbe vorläufig zu Muscites.
Ord. POLYPODIACEAE.
BlecJintirn Braunii m.
Ettiugsli., Fossile Flora von Biliu, 1, .S. 15, Taf. III, Fig. 5—8.
Fundort: Savine (Steinbruch).
4 Consfantin v. Etfiugs hausen.
An der bezeichneten Fundstelle kam eine einzige Fieder dieses Farn vor, die mit der am a. 0. Fig. 7
abgebildeten Fieder der fossilen Flora von Bilin am meisten übereinstimmt. Es liegen Al)druck und Gegendruck
des Fossils vor. Au Erstereni l)emerkt man die lederartige Textur, au Letzterem die Nervatiou besser crlialten;
an beiden ist die feine Zähnung des Randes deutlich sichtbar.
Fig. 7 auf Taf. XXVIII stellt eine schneckenförmig eingerollte Knospe eines Farnkrautes dar, ülter dessen
Bestimmung jedoch zu wenig Anhaltspunkte ermittelt werden konnten. Der derberen Textur nach wäre diese
Knospe vielleiclit zu Blcchaum zu stellen. Das Fossil stammt aus dem Mergelscliiefer des Scliurfstolleiis bei
Savine.
Ord. EQUISETACEAE.
Equisetutu repens m.
Taf. XXVIII. Fig. 4, 4 a.
Ettiugsh., Fossile Calam.-irien, in Haidiuger's naturwiss. Abluimll., Bd. IV, S. 93.
E. rJdzumate rejjente ramoso, diametro circa 3"""; ramis yracilibun adscetidentibus simplicibus, diam. 1-5 — 2"^"%
articHÜH teiiuiter Mriatis, inferioribus abbreoiatis, circa 2""^ Jongis, superioribus iisqiie ad ü™'" lonyiis; vaginis
2 — 5""" metientibus, laxiuscuUs, multißdis, laciniis capiliaribus.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Der in Fig. 4 in natürlicher Grösse und in Fig. 4« vergrössert gezeichnete Fossilrest ist ein Ästchen des
verzweigten Rhizoms der beschriebenen Equisetum-kxt. Es zeigt nur wenig über 1""" Durchmesser; die Glieder
erreichen kaum 2-5™'" Länge; die Scheiden haben haarfeine anliegende Zipfel.
Ord. CUPRESSINEAE.
Liboeedrus saltcomioides Ung. sp.
0. Heer, Tertiärflora d. Schweiz, Bd. I, 8.47, Taf. -21, Fig. 2. — Ettiugsh., Fossile Flora von Biliu, I, S. .i.s, Taf. 10
Fig. 1 — 7, 14. — Syn.: Thmjtes s. Unger, Chloris protogaea, p. 11, Taf. i, Fig. 1 — 1; Taf 20, Fig. 8. — Libom/rilcs
s. Endlicher, C'onif. S. 275. — O.Weber, Tertiärflora d. niederrhein. Brauukohlenformation , S. 46. Taf. i, Fig. lo.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Von dieser in der Tertiärflora weit verbreiteten Cupressinee fand sich ein Zweigbrnchstück vor, w'^lches
dem in Unger's Chloris profogaea Taf. I, Fig. 4«; abgebildeten Exemplar von Radoboj nahezu vollkommen
gleicht, wesshalb ich es für überflüssig hielt, hier eine Abbildung desselben beizufügen. Es geliört zur Form mit
schmäleren Astgliedern, zu denen auch das Bruchstück von Monod in Heer's Tertiärflorader Schweiz, Fig. 2b,
Taf. 21 und einige Reste, die aus der Braunkohlenformation von Leoben und von Scliönegg bei Wies mir vor
liegen, zu zählen sind.
Taxodium distlchum mlocenicum Heer.
0. Heer, Miocene lialtische Flora, .S. IS, Taf II ii. III.
Es sind neuerlich wohlerhaltene Zweigehen dieser Cupressinee, jedoch nur aus Sagor und Trifail zum
Vorschein gekommen und ist bemerkenswerth, dass dieselbe an den so reichlialtigen Fundorten bei Savine
bis jetzt nicht aufgesammelt weiden konnle. Die Zweigchen haben alle eine auffallend dünne und zarte Spindel
und sind daduich von denen der Seqaoia Laitgsdorßi leicht zu unterscheiden,' worauf schon 0. Heer aufmerk-
sam gemacht hat.
1 Das von A. G. Natliorst iu seineu Beiträgen zur Tertiärflora Japans, Taf. IV, Fig. 8 abgebildete Zweigehen kann
daher unmöglich zu Taxodinm dlslichmn tiiioc. gehören, da dasselbe eine dicke, starke Spiudel zeigt, wie sie bei den Zweig-
eheu dieser Art nie vorkommt. Auch muss ich gegen Herru Nat liorst's Auualime in'otestiren, dass Heer dieses Zweigeheu
als 3'. distichiim bestimmt haben würde, wodurch er den Fehler eines Anfängers begangen hätte. Wenn aber Herr Nathorst
das citirte Fossil so bestiuimte. so möchte ich die anderen nicht abgebildeten Exemplare, die er nuu auch für Taxodium
distichum mioc. hält, doch erst sehen, bevor ich seine Angabe als richtig annehme, und vorderhand nur das Vorkommen
von Sequoia Langsdorfii in der Tertiärflora Japans als zweifellos betrachten.
Die fossile Flora vov Sagor in Kra'iii. 5
Ord. ABIETINEAE.
Sequoia Couttsiae Heer.
Taf. XXVni, Fig. 10.
Etthigsh. Fossile Flora vou .Sag-or, I. 1. c, S. IGÜ. Taf. 2, Fig. 1—8.
Unter den vielen Zapfen dieser .\rt, welche in Savine an beiden Localitäten gefunden worden sind , ist
mir der liier in Fig. 10 abgebildete vom Stollen bei Savine durch die etwas grössere Zahl seiner Schuppen und
durch seine mehr längliche Form aufgefallen. Er bekundet hiedurch eine Annäherung an die Zapfen der Sequoia
Bowerbankn Ett. ' des London-Thons vou Sliep]iey, welche vielleielit die Stammart der .s'. CouiUiae und anderer
Sequoia-Arten jüngerer Tertiärscliichten ist. Die mit etwas kleineren Schuppen versehenen Zapfen, welche
Heer auf Taf. 60, in Fig. 27 seiner Abhandlung über die Lignite vou Bovey-Tracey abbildete, scheinen eben-
falls Annäherungsformen zur S. Bowerbankii zu sein.
Den zahlreichen Fundorten der S. Couttsiae im Braunkohlenzuge Sagor-Tüffer ist auch noch Trifail hinzu-
zufügen, wo Zweige dieser Art gesammelt worden sind.
Araucaria Steniberf/U Goepji. sj).
Syn. Sequoia Steriibeiyii Heer, Tertiärflora der Schweiz, Bd. I, .S. .55, Taf. •_>!, Fig. 5. — Ettingsb., Foss. Flora von
Sagor I, 1. c, S. 167.
0. fleer's Ansicht, dass diese fos.sile Conifere 7A\ Sequoia gehöre, hat sich nicht bestätigt. In den
Schichten von Häring, wo die Zweige dieser Art zu den häutigsten Fossilresten zählen, sind in letzterer Zeit,
Dank iler grossen Verdienste, welche sich die Herren Bergrath Sclirott in Kirchbichl und Oberbergverwalter
A. Mitteler um die Aufsammlung der fossilen Ptianzen vou Häring erworben haben, Schuppen und Bruch-
stücke vom Zapfen einer Araucaria gefunden worden. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass die in hohem
Grade araucaria-ähnlichen Zweige obiger Art und die erwähnten Zapfenreste zusannnengehören. Nach den
Zapfen und Zweigen ist die Araucaria Stern.herijii nächst verwandt der A. e.crelsa R. Brown.
Finus Palaeo-Hti'ohii s w.
Fossile Flora von Sagor, I, 1. c., S. 167.
Ausser dem schon am a. 0. erwähnten Nadelbüschel aus der Bachschichte kam im Bereiche der fossilen
Flora vou Sagor auch ein Sammentlügel dieser Art im Steinbruch bei Savine vor. Er stimmt mit dem auf der
Tafel I, Fig. 11 meiner Abhandlung „Beiträge zur Phylogeuie d«r Pfianzenarten" (Denkschr. Bd. XXXVUI)
abgebildeten Samenflügel der PinuK J'alaeo-Sfrobus vollkommen nbereiu.
Piniis JPalaeo-Taeda m.
Taf. XXVIII, Fig. 11.
Fossile Flora von Sagor, 1, 1. c, S. 167, Taf. I, Fig. 22— -25, 27, Hl— 38.
Ausser den zu dieser Art gehörigen Zapfen, Nadelbttscheln und Samen, die sich im Bereiche der Sagor-
Flora gefunden haben, kam in neuerer Zeit auch ein männliches Blütheukätzchen, Fig. 11 aus dem Steinbrucii
1 Unter der Benennung Stquoia BouvrlMiiL-ii vereinigte ich einige früher von J. .S. Bovv erbau k als Fetrupki/okks
bezeichnete Zapfenfrüclite aus dem Loudon-Thon der Insel .Sheppey lEtt., Report on l'hyto-Palaeontological Investigations
of the Fossil Flora of Sheppey, Proeeediugs of the Royal Society of London, Nr. 198, 1879, p. Bi. Diese Sequoia -Art unter-
scheidet sich von der S. Couttsiae hauptsächlich durch die grössere Zahl der Zapfeuschnppeu. Über die SVgwo/a- Natur der
erwähnten Zapfen kann kein Zweifel obwalten; Sir Joseph Hooker und Prof. Oliver in London, welchen ich dieselben
zeigte, slimmteu meiner Ansicht vollkommen bei. Hingegen hat Herr J. St. Gardner in seiner Monographie der Britischen
eocenen Gymnospermen S. 12 die Zapfen der Sequoia Boicerhai(kii für Alnus-Zapfen erklärt und will seine An.sicht damit
begründen, dass er unter den Zapfenfrüchten von Sheppey Einen Erlenzapfen entdeckte. Allein das Vorkommen von Alnus
im Londoner Thon schliesst doch das von Sequoia keineswegs aus. An vielen Lagerstätten der Tertiärformation ist das
Zusammenvorkommen von Sequoia und Alnus als unläugbare Thatsache bekannt. Auch die fossile Flora von Sagor gibt hiefiir
Zeugniss ab.
tj Consfanfin v. Eftiiigshausen.
von Savine zum Vorsclieiu, das ich nur zu Pimifi Palaeo-Taeda bringen konnte. Es ist kleiner als die Blüthen-
kätzchen von P. Larkio.
Piiuis holothana Uug.
(Juger, Fossile Floia vou Kumi, Ueukaclir. Bd. XXVI. 8. 43, Tal'. 2, Fig. 1 — U.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Es fand sich am bezeichneten Fundorte eine auffallend breite Föhrennadel, welche den Nadelblättern der
I'. holothana aus den Tertiärschichten von Kumi vollkommen gleiclit.
ürd. PODOCARPEAE.
Podocarpus eorenica Ung.
Ungci-, Fossile Flora von Sotzka, Denkschr.Bd.il. 8. 158, Tat. 23, Fig. 11—16.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Ein lanzettlich-lineales Blatt von derber Textur, das ausser einem breiten, gegen die Spitze zu allmälig
verfeinerten Mediannerv keine Nervation zeigt. Ich vereinige dasselbe mit den Blättern von Podocarpus eocenica,
zu denen es in allen seinen Eigenschaften am besten passt.
Ord. SMILACEAE.
Smilax HaidiiKjerl Ung.
Taf. XXVIII, Fig. .s, 9.
Ettiiigsh., Fossile Flora von 8agur, I, .S. 171, Taf. II, Fig. 32, 33.
Von wohlerhaltenen Blättern dieser Art aus dem Mergelschiefer beim Stollen von Savine konnten
Stückchen der Epidermis abgetrennt werden. Dieselben sind in Fig. 8 und 9 vergrössert dargestellt. Sie zeigen
unregelmässig viereckige oder buchtig gerundete Zellen, deren Begrenzung mit doppelter Contour erscheint.
Spaltöffnungen sind an Fig. 8 keine sichtbar. Wenn die.se auch nicht vollständig gefehlt haben, so waren sie
jedenfalls sehr selten, so wie dies an der oberen Blattseite oft vorkommt. Hingegen gehört die mit Spalt-
öffnungen versehene Epidermis eines anderen Exemplares der unteren Blattseite an. Die Epidermis passt voll-
kommen zu der lebender .sW/te-Arten.
Ord. CASUARINEAE.
Casuarina sp.
Taf. XXVIII, Fig. 13, 14.
C. fructibus ovalihus, compressis, ala lanceolata, acuminata, stylt basi mucronata.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Das in Fig. 1.3 und I4 in natürlicher Grösse und in Fig. 13a und 14i vergrössert und ergänzt dargestellte
Fruchtfossil zeigt grosse Ähnlichkeit mit den geflügelten Achenien von Casuarina. Der Fruchtkörper ist oval,
der Flügel schmallanzettlicii, in der Mitte von einem bis zur Spitze verlaufenden Nerv durchzogen. Es liegt
jedoch nur der halbirte Flügel vor; die fchkiide Hälfte ist glücklicherweise so abgebrochen worden, dass der
MitteJnerv noch sichtbar ist. Am Ende des Flügels bemerkt man ein dem Mittelnerv aufsitzendes Dörnchen, das
icii für einen Griffelrest halte. Ein ähnliches Dörnchen an der Spitze des Fruehtflügels, die Griffelbasis bildend,
kommt bei der gegenwärtig in Victoria lebenden Casuariim thuyoides Mig. vor.
Es sind im Steinbruch bei Savine zwei Arten von C'a,sM«r/Ha gefunden worden; welclier von beiden die
i)('seliriebene Frucht zukommt, inuss vorderliand unentschieden bleiben. Docli seheinen einige Anhaltspunkte
gegeben zu sein, dass dieselbe zu C. sagoriana gehöre. Der stichhältigste Grund zur obigen Annahme dürfte
sein, dass die Zweige genannter Art von vier, hingegen die der ('. sotzkiana nur von zwei Fundorten im
Gebiete der fossilen Flora von Sagor erhalten worden sind, daher zu vermuthen wäre, dass die vorgefundene
Frucht von der mehr verbreiteten Art stammt.
Die fusi^ile Flora von, Sagor in Krain. 7
Endlich ist die Anuahme nicht auszuschliessen, ja vielleicht am meisten berechtigt, dass diese Frucht
einer dritten Art angehört. Die erwähnte Aliulichkeit des Fossils mit der Frucht V(ni Casuarina thuijoides hässt
mit Wahrscheinlichkeit vermuthen, dass auch die Zweige der Art, von welcher dieses stammt, denen der
genannnten lebenden Art ähnlich waren. Die C. thuijuicles ist in ihrer Tracht durcli die sehr verkürzten Inter-
uodien, wodurch die Zweige ein thuya-artiges Aussehen erhalten, ausgezeichnet. Weder die Zweige der C.
sotzhiana, noch die der C. smjoriaiia alier haben ein solches Aussehen, wesshalb hier die Annahme einer
besonderen Art zulässig wäre. Indem wir die Entscheidung hierüber künftigen Forschungen überlassen,
bemerken vsir schliesslich nur noch, dass auch aus den reichhaltigen Tertiärschichten von Schönegg bei Wies
eine Caswarmo-Frucht zum Vorschein gekommen ist. Dieselbe gleicht mehr der von C. quadrivalvis. Näheres
soll die Bearbeitung der genannten fossilen Flora bringen.
Ord. MYRICACEAE.
Myrica depei^dlta Ung.
Ettingsh., Fossile Flora von Sagor, I. 1. c, S. 175.
Fundorte: Savine (Steinbruch); Sagor, Bachschichte; Trifail.
Von der erstgenannten Localität liegt mir einBlattfragment dieser Art vor, dessen Nervation bis ins feinste
Detail eriialten ist. Die Vergleichung derselben mit den lebenden Mi/rica-Arten ergab, dass die Nervation der
Myrka deperdito mit der von M. cerifera am meisten übereinstimmt, daher die Letztere als die nächst ver-
wandte Analogie der Ersteren zu betrachten ist und nicht die M. penssylvanica Lam., wie 0. Heer angibt.
In Trifail fand sieh ein etwas breiteres, aber sonst vollkommen zur 1\I. depenlita passendes Blatt, und in
der Bachschichte von Sagor ein kleineres Blatt, welches ich ohne Bedenken dieser Species beizähle.
Myrica salieina Ung.
Ettingsh., Fossile Flora vou Sagor, 1. c, I, S. 17.5.
Es fand sich diese Art in neuerer Zeit aucii in den Schichten von Trifail vor. Es kommt demnach derselben
eine grössere Verbreitung im Gebiete unserer fossilen Flora zu.
llyn'cd anuninata Ung.
Uuger, Fossile Flora von Öotzka, S. 30, Tat". 6, Fig. 6, 7. 9; Tat'. 28, Fig. 2. — .Syu.: Dnjandroides a. Ettingsh., 1. c. I,
S. 109.
Als vor 13 Jahren der I. Theil der , Fossilen Flora von Sagor" in die Öftentlichkeit gelangte, war ich noch
der Ansicht, dass die M. aeuminafa Ung. eine Proteaeee sei, die mit anderen ähnlichen Pflanzenfossilieu zu
Dryandroides gehöre. Seither sind jedoch Thatsachen zu Geltung gekommen, welche für die Beibehaltung der
Unger'schen Bezeichnung sprechen. Insbesondere ist es die Nervation, welche entschieden mehr zu Myrica als
zu den Proteaceen passt. Es liegt mir ein Blatt der 31. ucuminata von Savine vor, dessen Nervati(ni viel besser
erhalten ist, als an den Blättern von Sotzka und Häriug. Dieselbe ist am meisten übereinstimmend mit der
Nervation von M. tindoria lluiz (Ettingsh., Blattskelete der Apetalen, Deukschr. Bd. XV, Taf. 4, Fig. 5, 6),
welche ein feineres Blattnetz zeigt, als die M. cerifera.
Auch M. Hynihuii {fiuercus l. Ung., Dryandroidea l. Ettingsh. 1. c. S. 199) ist nach wohlerhaltenen
Exemplaren von Parschlug keine Dryandroides, sondern eine echte Myrica.
Ebenso sind M. haerinyiana Ung. {_Banksia h. Ettingsh. 1. c. S. 198) und M. banlcsiaefoliaUrig. (^ßanksia
Uncjeri Ettingsh. 1. c.) bei Myrica zu belassen.
Einen nicht geringen Fehler würde man aber begehen, wenn man auf Obiges bin sämmtliche Proteaceen
der fossilen Flora von Sagor nun streichen und zu den Myricaeu stellen wollte. Unzweifelhaft kommen in der
Tertiärtlora Myricaceen neben Proteaceen vor, sowie daselbst Carpinus und Eii<jelh(irdtia, Ulinus und Ciipaniu
u. s. w. sich vergesellschaftet finden. Es herrsehte ja zur Tertiärzeit, als die Elemente der Floren noch ver-
einigt waren, eine ganz andere Vortheilung der Pflanzen als in der Jetztwelt.
8 Constantin v. Ettingshausen.
Ord. CUPULIFERAE.
Carplnus Heer 11 m.
Taf. XXVIII, Flg, 19, 20.
Fossile Floi-a vou Sagor, I. Theil, 1. c, S. 177.
Im Steiiibrucli bei Saviue fanden sich wolilerhaltene Blätter dieser Art, vou denen icli Eines in Fig. 20 in
natürlicher Grösse, und die wohlerhaltene Nervation desselben in Fig. 20 a vergrössert zur Anschauung bringe.
Aus derselben Localität kam ein inäunliclies Bliithenkätzchen (Fig. 19) zum Vorschein, das nur zu Carpiniis
gehören kann, und welches ich mit den Blättern obiger Art vereinige. Dasselbe gleicht in Bezug auf die Grösse
und Form der Schuppen den Kätzchen von Carpinus Betulus L., ist aber etwas länger als diese.
Fagus Fevonlae Ung.
Ettiagsh., Fossile Flora von Sagor, I, 1. c, S. 178.
Es haben sich noch einige Blätter, im Ganzen jedoch sehr wenige Reste dieser Art in Savine und Trifail
gefunden.
Ich glaube nachgewiesen zu haben, dass Aiq Fcujus DeucaKomsXlng.'^ in die Entwickluugsreihe dieser
Art geliört und dass sie als die unmittelbare Vorpflanze der recenten Fagus sijlvatica zu betrachten ist. Diese
jüngere Entwickliuigsform, weiche auch als Fagus syJvatka fossiUs bezeichnet werden könnte, ist im Gebiete
der Sagor- Flora bis jetzt noch nicht zum Vorschein gekommen und daher wohl anzunehmen, dass dieselbe
zur Zeit dieser Flora noch nicht existirt hat.
Castanopsis sagorlana m.
Taf. XXVni, Fig. 18, 18 a.
Syn. Ficus laiiceoldfo- aoumina/a. Ettingsh., Fossile Flora von Sagor, l, 1. c, S. 182, Taf. VI, Fig. 3, 4.
C. foliis petiolatis coriaceis, angiiste-lanceolatis, integerrimis, apice aaiminatis, basi acutis, nervatione camptodroma,
nervo primario palido prominente recto, nercis secundarüs distinctis, approximatis, inferiorihus siib angulis
70 — 6'0°, superoribus suh angulis 45 — 55° orientihus, marginem versus ascendentihus, nerois tertiariis tentm-
simis, approximatis, flexuosis, ramosis, oblique insertis, inter se conjunctis, rete tenerrimum includentibus.
Fundort: Savine (Steinbruch und Schürfstollen); Sagor (Baclischichte); Trifail, Tiiffer.
Die Ähnlichkeit dieser Blattfossilieu mit denen echter JP/««- Arten, insbesondere mit F. lanceolata Heer
verleitete mich, dieselben -/AiFicus zu stellen. EinExemplar dieser Fossilien, in Fig. 18 dargestellt, das kürzlich
aus dem Steinbruclie bei Savine zum Vorschein kam, dessen Nervation (Fig. 18 a) bis in das feinste Detail
wohl erhalten ist, belehrte mich aber, dass diese Blattfossilien nicht zu Ficus, sondern zu Castanopsis gehören,
bei welcher sehr ähnliche, lanzettförmige, zugespitzte Blätter mit genäherten bogenläufigcu, nach dem Rande
aufwärts ziehenden Sccundärnervcn vorkommen. Die Tertiäiuerven, welche kurz, geschlängelt und zum Primär-
nerv fast rechtwinkelig verlaufen, sowie das feinere Netz charakterisiren diese Custanopsis-BVättev, sowie die
der jetztlebenden C. urgentea DC. (s. Ettingsh., Beiträge zur Tertiärflora Australiens, Denkschr. Bd. XL VII,
S. 122, Taf. 7, Fig. 8) und C. tribuMdes DC, welche zu den nächstverwandten Analogien der fossilen Species
zählen.
1 Wenn Herr A. G. Nathorst in seinen „Boraerkungen" über meine Abhandlung zur Tertiärflora Japans die Fagus
Dmcalionis von seiner Fayns fernit/iiiea fossilis der Art nach unterschieden wissen will , so ist er im Irrtliume. Die europäische
und die nordameiikanische Buche haljen dieselbe Vorpflauze. Von regressiven, d. i. den VorpHanzen sich anschliessenden For-
men scheint Herr Nathorst keinen Begriff zu haben, sonst hätte er wohl verstanden, was icli mit den Formen der Fagus
ferrug'inea, die eine etwas gcringereZahl von Secundäiuerveu aufweisen als die gewöhnliche Form, meinte; sonst hätte er auch
nicht diese „Racc" der F.ferniginea, auf welche ich eben für meine Ansicht grosses Gewicht legte, da sie eine Annähe-
rung zi\r Sta,miü\'oYm F. Veucalionis bedeutet, gegen diese Ansicht ins Feld geführt.
Die. fossile Flora von Sagor in Krain. 9
QuercHS Dayhnes Ung. Var. clilovophylla.
Syn.: Quercus chlorophylht Ung. Chloris pvotog., S. 111, Tai'. ;(1, Fig. 1.
Fundort: Savine (Stollen).
Das Pflanzenvorkoinmcii in den Scliichten \ou Farsclilug lelirt, dass Quoma Dapliiiea und Q. cliloropliijlla
durcli i'bergänge verliuiidcn sind und dass Letztere als eine iireitbiättrige Varietät der Ersteren aufzufassen
ist. Ein dieser Variet.ät vollUominen enlsprcclieudes Blattfossil hat sich in Savine gefunden. Weiters führt das
Studiiun der aus den Parsehhiger Schichten zu Tage geförderten Blätter, welche man bisher als Qiierciis Daphnes
und (7(/o/vjiy;Ay//(/- bezeichnet hat, zur Au.siciit, dass hier zwei ganz verschiedene Pflanzen, die einander
in Filättern und zwar bezüglicii der lederartigen Textur, der länglich-elliptischen Form und der genäherten
parallelen Secundärnerven selir ähiilicli sehen, vermengt sind. Die Eine, welche der jetztlebendeu Quercxs
virens sehr nahe verwandt ist und die Bezeichnungen Q. Daphnes und (J. chloroplitßa erhalten hat, lässt sich
durch eine, wenn auch nur sehr geringe Schlängelung und Biegung der Secundärnerven, sowie durch die etwas
stärkere Entwicklung der Terliärnerven und ein dem entsprechend etwas iiieiir hervortretendes Blattnetz
erkennen. Die Andere, welche die Bezeichnung Sapotacites Daphnes beibehalten mag, besitzt feinere geradlinige
Secundärnerven und ein wenig hervortretendes, daher im fossilen Zustande meistens verwischtes Blattnetzj
Eigenschaften, welche, in Combination mit den oben erwähnten gemeinsamen, zu /Srt/Joto(t'e»-Blättern am besten
passen.
Quercus Nauniamvl m.
Fossile Flora von Sagor. I, S. 178, Tat. I, Fig. II.
Von dieser Art, welche itisher nur in Savine gefunden worden ist, kam ein Biattfossil aus Trifail zum
Vorschein. Es ist etwas grösser als das a. a. 0. abgebildete und hnt daher auch etwas stärker eatwickelle
Secundärnerven, stimml aber in allen übrigen Eigenschaften mit diesem vollkommen überein.
Quercus Nyinphdruni n. sp.
Taf. XXV III, Fig. i.-,, 1.5«.
Q. form rigide coriaceix, orafo-ob/aiif/is, baini rersus aiKjiisfafis, in superiore parte margine dentatis, in inferiore
inlegerrimis, nerimtinne ini.vta, snpra craspeilodroina, in.fra i-aiiiptixiroma, nervo primario permlido prominente
recfo, apicem persus attenuato; nervia seciniilariis promine)dibm arcuatis, afrinqiie 9 — dO, siilj arnjulig
45 — 55° orientibiis simpUcibus ; nervis tertiariis tenuibax siinpdieibiia vel fureatis, inter .sc coiyundi'i, rcte
tenerrimum includeidibus, marr/lnalHiiitf prominentibus.
Fundort: Trifail.
Dieses Blattfossil trägt die Eigenschaften eines Eichenhlattes sehr ausgesprochen an sich. Die Textur ist
auflallend derb, lederartig, etwa wie bei Quercua fulpa Lieh.] die Forin länglich, gegen die Basis mehr als
gegen die Spitze verschmälert; der Band ist bis über die Mitte der Lamina hinaus ganz, erst gegen die Siiitze
zu gezähnt. Die Nervation ist wie bei vielen fliehen combinirt, unten bogenläufig, oben randläufig. Der Primär-
nerv ist bis zur Mitte der Blattfläehe seiir mächlig, von da ab verschmälert er sich aber sehr rasch und erreicht
an der Spitze die Feinheit der obersten Secumläi-nervcn. Stärke, Ursprungswinkel, Distanz und Verlauf der
Secundärnerven sind nicht gleichmässig. Am unteren Theile treten sie mächtig hervor, schliessen mit dem
l'rimärnerv Winkel von 45 — 50° ein und stehen weiter von einander ab als die oberen dünneren, welche unter
etwas stumpferen AVinkeln entspringen. Die Krümmung der Secundärnerven ist nicht gleichförmig. Die Tertiär-
nerven sind ziemlich fein, verbindend, gebogen, fast rechtwinklig entspringend, einfach oder gabeltheilig, nach
vorne zu etwas aufgerichtet, so dass sie sich der Innenseite der Secundärner\en unter stumpfen Winkeln ein-
fügen. Die randständigen Tertiärnerven sind stärker und treten etwas mehr hervor, daher dieselben das Aus-
sehen von Gabelästen der Secundäriier\cn gewinnen. Das reich entwickelte sehr ausgebildete Blattnetz,
Fig. 15 a, besteht aus rechtwinkligen fast quadratischen, sehr engen Maschen und zeigt die Feinheit des Netzes
mancher mexikanischen oder indischen Eichen, wie Q. undidata Benth., Q. salicifoUa Ne6, Q. fenestrata
Koxb. u. s. w.
DeiikschrifLeu der maUiem.-üaturw. (II. L. Bii. 2
10 Constantin v. Ef/ ingshausen.
Nach den beschriebeneü Merkmalen ist diese Art mit Quercus furcinerois Rossm. sp. am nächsten verwandt,
unterscheidet sich aber von derselben durch eine andere Randbeschaifenheit, durch die rechtwinklige Einfügung-
der Tertiär- und Netzmaschen und durcli ein feineres, reiidilich entwickeltes Blattnetz.
Eine genaue Vergleichnng der Eichenblätter in dem Royal Herbarium zu KewGardcns bei London mit dem
Blatte der beschriebenen Art ergab, dass derselben zwar keine lebende Art in allen Eigenschaften sehr nahe
kommt, jedoch die mexikanische Q. cuneifolia Liebm. nieiir bezüglich der Textur Form und Nervation, weniger
in der Randbeschaffenheit gleicht.
Quercus Drymeja U n g.
Ettingsh, Fossile Flora von Sagor, I, S. 179.
Ausser dem einzigen a. a. (J. erwähnten Bhitifragment von Savine, auf das ich diese Bestimmung stützen
konnte, haben sich später noch einige Fragmente daselbst gefunden, welche das Vorkommen dieser Art in der
fossilen Flora von Sagor bestätigen.
Quercus Louchitis üng.
Taf. XX VIII, Fig. 16.
Ettiugsli., 1. c, S. 179, Taf. IV, Fig. 1—9.
Aus dem Mergelschiefer von Savine (.Steinbrucii) kam eine Eichenfrucht, Fig. 16, zum Vorschein, welche
ich dieser Art, als der häutigsten Eiche der fossilen Flora von Sagor und insbesondere in der genannten Localität,
am besten einzureihen glaube. Sie entspricht auch der Frucht der analogen, jetztlebenden Art der Q. Lonchitis.
Quercus tephrodes II ng.
Taf. XXVIII, Fig. 17.
Unger, Icouogniphia plautarum i'ossiliuni. Deukschr. Bd. IV, S. .37, Taf. IS, Fig. 13. — Ettingsh. Beitrag z. Tertiärfloia von
Java, Sitzungsb. Bd. 87, I. Abth., S. 178, Taf I, Fig. 1, -2, Taf 2, Fig. 1.
Fundort: Trifail.
Das hier abgebildete Blattfossil aus Trifail stimmt in allen Eigenschaften mit den Blättern der Quercuü tepli-
roths überein. Insbesondere passt dasselbe zu dem Blatte Fig. 1, 1. c. von Radoboj. In der (Grösse, Form und Ner-
vation gleicht es auffallend dem Blatte Fig. 2, 1. c. der nordanierikanischeu Q. uquatkn Walt., welche als die
nächstverwandte lebende Art der Q. iep//rodi'!< zu betrachten ist.
Ord. ULMACEAE.
Ulmus Bronnit Ung.
Taf. XXVIII, Fig. 21, 22.
Ettiugsh., Fossile Flora von Sagor, I, S. 181.
Während mir früher von Sagor und Savine nur einige Bruchstücke der Flügelfrucht vorlagen, fand icli in
etzterer Zeit ein wohlerhalteues Exemplar dieser Frucht, Fig. 21, aus dem Steinbruche von Savine, welches
das Vorkommen der Ulnms Bronnii in unserer fossilen Flora bestätigt. Mit derselben kam das [//w?«s-Blatt,
Fig. 22, zum Vorschein, welches sonach wohl zur selben Art zu zählen ist.
Ord. MOREAE.
Ficus clusiaefolia m.
Ettingsh. Fossile Flora von Bilin, I, S. 6S, Taf. 21, Fig. 4
Fundort: Savine (Steinbruch).
Es liegt mir ein Blattfossil aus den Schichten von Savine vor, das allen seineu Merkmalen nach unzweifelhaft
zu Ficm gehört und von den bisher beschriebenen tertiären Arten dieser Gattung mit dem Blatte der Q. clusiae-
folia aus den Schichten von Kutschlin die meiste Übereinstimmung hat. Dasselbe gehört einem etwas kleineren
Blatte an, als das Kutschliner Fossil, zeigt aber die gleiche Form, Blattcousistenz und Nervation, daher ich die
Gleichartigkeit dieser Fossilien als sehr wahrscheinlich annehme.
Die fossile Flora von Sagor in Kraiii. 1 1
Ficus savinensis u. sp.
Taf. XXIX, Fig. i, 4«.
F. foliis siibairidceis , cuiimfo-obloiifjis, 'ndegerrimis ; nerratione brocliidodroma, iierro primaiio prominente redo,
liifra uplrctii ndiJe iitfvnnato, nervis fieciunlari'^ fenuihvs , mh aii(/i(l/.-< '^0 — P)0° orienfihus, fieruoxis ramosis,
laquei-; viari/inem (ij>i>i-o.riinalis pundli'/iHque, neroia fertiariis an(/idis acutis ec/redientihm , ramosis dictyo-
(Iromis.
F u 11 d ort: Saviue ( Steinbrucli).
Die verkohlte. Substanz des Fossils ist zwar verloreu gegangen, der stäriiere Eindruck jedoch, welchen
der Blattrand im Gestein /.nriickliess, lässt die derbe lederartige Textur des Blattes immerhin annehmen. Die
Form ist ähnlich der von Dup/ute aquitanica, jedoch inelir länglich-keilförmig. Bei letzterer Ait fehlen aber die
Kandsclilingen, welche hier iu einen saumläufigen Nerv zugammenfliessen (s. die Vergrösserung der Nervation,
Fig. 4a), wie dies bei mehreren F/r«.s-Arten vorkommt. Die Seciuulärnerven entspringen unter auffallend
spitzen Winkeln wie bei einer ostindischen Art (s. Ett., Blattskelete der Apetalen, Taf. 18, Fig. 3), mit deren
Blättern unsere Art in allen übrigen Eigenschaften am meisten übereinstimmt. Unter den fossilen Ficus-Avten
kommt F. paradoxa Sap. (Etudes sur la Vegetation etc. I, 2. >S. 207, Taf. 6, Fig. 7) der/'', savinensl.t am näch-
sten. Unsere Art unterscheidet sicii aber von der genannten Art aus den bituminösen Kalkschichten von Saint-
Zacharie durch das viel grössere Blatt und die hervortretenden Eandsehlingen der Sccundärnerven.
Ficus hanisteriaefolht n. sp.
Taf. XXIX, Fig. 3, 3 a.
F.folüs coriaceis, elliptids vd obJmiif/^, iniegerrimis, basi acutis; nerratione camptodroma, nervo primär io valido,
prominente, nerms secnndariis basilaribus sub unijulis 40 — 50'' , reliquis siib anijidis obtusioribus orientibus,
curratis, marginem ascendentibus, inter se remotis; nervig tertiariis distindis, ramosis siibiransversis didtjo-
dromis.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Ähnlich dem Blatte von Ficus lieussü Ett., aber durch die spitzere dreiuervige Basis und die fast quer-
läufigeu Tertiärnerven, durch welche letztere das Blatt au Banisteria und andere Malpighiaceen erinnert, ver-
schieden. Diese haben aber keine grundständigen oder spitzläufigen Secundärnerveii. Das hervortretende Blatt-
netz, in Fig. '6 a vergrössert dargestellt, gleicht am meisten dein von Ficus Heussii. Das Blatt hatte vielleicht,
sowie das genannter Art, einen längereu Stiel, der aber am Abdruck verloren gegangen ist.
Ficus tenuinervis m.
Taf. XXIX, Fig. 1, 1«.
Fossile Fliira vnu Sagor, 1, S. 184, Taf. VI, Fig. s.
Fundorte: Savine (Steinbruch und Stollen); Sagor (Bachschichte); Godredesch; Islaak; Trifail.
Das Blatt Fig. 1 vom Steinbruche bei Savine gleicht iu der Grösse mehr dem am Moskenberg bei Leoben
aufgefundenen Exemplare dieser Art. (S. m. Beiträge z. Kenntnis d. Tertiärfiora Steiermarks, Taf. 2, Fig. 4.)
Die vorzüglich gut erhaltene Nervation, in Fig. 1 a vergrössert, zeigt eine grosse Übereinstimmung mit der eines
Blattfossils von Monod, das Heer zu seiner Ficus lameohda gestellt hat. (S. 0. Heer, Tcrtiärfl. der Schweiz,
Bd. n, Taf. 81, Fig. 2, 2/;.) Bei beiden sind die Secundärnerven genähert, verhältnissmässig fein und die Netz-
masehen länglich. Es scheint mir desshalb dieses Fossil eher zu unserer Art, als zu /'. lanceolata zu gehören,
wo die Secundärnerven stärker sind und von einander weiter abstehen, als bei den Blättern unserer Art.
Überdies zeigen die (Jninger Blätter der /*'. la/icco/dfu durch ihre rundlichen Maschen eine ganz andere Netz-
bilduug. Es dürften daher die Schichten von Monod und von Savine um eine gemeinschaftliche Species mehr
haben.
12 Consta>itin v. Ettingshausen.
Ficus Persephones u. sp.
Taf. XXIX, Fig. •>.
F. folüs coriaceis obovatis integerrimis, ajiice miicronatli^, nianjine intmjeniwis ; nerratiom brochiJodroma, uerro
primario oalklo recto excurrente, nerris secundariisfere pdraUelis, sub angiilia 65 — 75° orientibus, flexuom
ramosis, basin versus approximaiis et ahbreviatis ; rcmiis inter se conjunrfis ; iierris terfifirns fere fransrersiSf
ramosis, in rete distinctum conjunctis.
Fundort: Saviue (Steiubrucb).
Dieses Blattfossil zeigt selir cbarakteristische Merkmale. Der Umriss iles Blattes ist verkehrt-eiförmig; der
ungezälmte Rand tritt scharf hervor und deutet auf eine mehr derbe, lederartige Textur hin. Die ein wenig vor-
gezogene Spitze tr<ägt ein Enddörnchen. Die wohlerbaltene Nervation zeigt einen starken geraden, gegen die
Spitze zu allmälig verseinnälerten und über dieselbe hinaus das Dönicben bildenden l'riniärnerv. Die Seeundär-
nerven sind gegen die Basis des Blattes zu verkürzt und daselbst einander mein- genähert; am Ursprünge sind
dieselben etwas divergirend gebogen, verlaufen sodann unter wenig spitzen Winkeln etwas geschlängelt gegen
den Rand zu, in dessen Nähe sie sich verzweigen. Durch die Anastomose der Äste werden wiederholt Schlingen
gebildet, deren Bögen stärker gekrümmt sind als der Blattrand ; die Tertiärnerven gehen von der Aussenseite
der Seeundären unter spitzen, von der Innenseite unter stumpfen Winkeln ab und verästeln sich bei bin- und
hergebogenem Verlaufe. Die Richtung derselben ist oft fast senkrecht zu der des Primärnervs. Das zarte Netz
ist aus vorherrschend querlänglichen Maschen zusammengesetzt.
Die beschriebenen Eigenschaften lassen die Annahme der Gattung Ficus wohl zu. Es kommen bei einigen
lebenden Arten derselben sogar Blätter vor, an deren kurzer oder mehr vorgezogener Spitze der Primärnerv als
Enddörnchen hervortritt sowie an unserer Art.
Von den bisher bekannt gewordenen i'ossilen Arten dürfte /•'. Jijux Ung. der beschriebenen am nächsten
stehen.
Ficus Martil m.
Tiif. XXIX, Fig. 8, 8«.
FossiU; Flora von Sagor, I, S. 187, Tal'. VII, Fig. 8.
F. folüs roridccis kispidis hrerifcr pcfiohifis , orato-elliptiris rel (ih/ongis, hasi rntinidatd quinque-nervUs, mort/iiie
undulatis; nervatioiie aiiniitodronid, iterro primario oalido\ pruiniiwiite, recto, )icrpis secuttdariis jtr<ini/iu'u-
tibus, sub angulis 45 — (J0° orientibus, adscendentibus; nerris tcrliuriis lunjiiln siibrcrto e,ceu.ntihus, nnuosis,
inter se conjunctis^ rete mui-rosijHminuttuni includentibus.
Aus dem Steinbruche bei Savine sind einige wohlerbaltene Blattfossilien zum Vorschein gekommen,
welche unsere Konntniss der Blattbildiing dieser Art vervollständigt haben. Das in der Nervatiim und Ober
fläcbeubeschaffenbeit am besten erhaltene ist in Fig. 8 zur Anschauung gebracht. Es stimmt mit dem zuerst
entdeckten und a. a. 0. abgebildeten Blatte der Ficus Martii in allen wesentlichen Eigenschaften überein und
weicht nur in der Grösse von demselben etwas ab. An der Oberfläche bemerkt man in gleichmässiger Ver-
theilung zahlreiche verkohlte Pünktchen, Fig. 8 «, welche nicht von einem Pilze herrühren, sondern jedenfalls
von einem Überzüge, und zwar von kurzen Borsten oder Knötchen, wie man solche z. B. bei Ficus liispida und
iilmifolia wahrnimmt ( vergl. m. Blattskelete der Apetalen, Taf 16, Fig. 2; Taf. 18, Fig. 4); insbesondere ähnlich
ist die Grösse und Vertheilung der Knötchen bei der Letzteren.
Das Blatt di-r Ficus Martii zeigt eine bemerkenswerthe Ähnlichkeit mit dem der F. p/aiücostata hesq.,
insbesondere der Var. Gohliana aus der amerikanischen Tertiärflora (Lesqu ereux, Contributions to the Fossil
Flora of the Western Territories, II, Taf. 33, Fig. 1 — 3). Letztere hat jedocii zahlreichere und längere Aussen-
nerven an den grundständigen Secundärnerven und es fehlt ein Überzug; wenigstens erwähnt Lesquereux
nichts von einem solchen.
Ein Blattfossil der Ficus Martii ist auch in Trifail gefunden worden.
Die fossile Flora mti Sagor in Krain. 13
FicHs Lanyeri m.
Taf. XXIX, Fig. 7.
Fossile Flora von Sagor, I, S. ISS, Taf. VII, Fig. 9.
Das hier abgebildete l'.lattfossil kam mir aus Tril'ail zu. Es gehört einem grösseren Blatte an, als die bisher
aus der Bacbschiehte und Friedhofschichte zu Tage geförderten Reste. Die Textur ist derb lederartig und die
Spitze abgerundet stumpf. Durch diese Merkmaie unterscheidet sich die F. Lauf/eri hinlänglich sicher von der
ihr vielleicht nahe verwandten /''. ti/kicjhtin, welche in der flrösse der Blätter und in der Ncrvation mit ihr
übereinstimmt.
Ord. PLATANEAE.
Plataniis arerokles C4oepp.
Goeppert, T(U-ti:ii-flora vou .Schossuit/, , S. 21, 'l'ai'. 9, Fig. 1 — 3. — Ettingsli. Fossile Flor.i von Biliu, I. c. . S. 84, Tat'. 29,
Fig. 7.
Fundort: Trifail.
Es liegen einige Blattreste aus ckr oben genannten Localiiät vor. Da diese Art auch aus dem l'olirschiefer
von Kutschlin zum Vorschein gekommen ist, wie ich a. a. 0. nachgewiesen habe, so kommt derselben eine
grössere Verbreifung sowohl in jüngeren als in älteren Tertiärschichten zu.
Ord. NYCTAGINEAE.
JPisonia eocenirti m.
Fossile Flora vou Sagor, I, S. 189, Tal'. IX, Fig. 4 — 8.
Fundorte: Saviue (.Steinbruch), Trifail.
In Savine hat sicii eine Frucht dieser Art gefunden, sehr ähnlich dem in Fig. 21 Tal'. 1 1 meiner „Tertiär-
tiora von Uäring" abgebildeten Exemplar. Aus Trifail liegen einige Blätter dieser Art vor.
Ord. LAURINEAE.
Lnui-us pyimiyenki. II n g.
Tat'. XXIX, Fig. 5, :, a.
Ettingsli. Fossile Flora von Sagor, I, S. l'.td.
Das Vorkommen dieser L(iiirns-Ai-\ in der fossilen Flora von Sagor bestätigte sich durcli neue Funde. Es
kamen einige Blattreste aus den Schichten vou Savine (Steinbruch) zum Vorschein, deren Nervat.iou zum Theil
wohlerhalten ist. Von denselben ist das in Fig. 5 dargestellte Fossil am meisten charakteristisch. Es zeigt die
Oberseite des Blattes. Die Secundärnerven sind ziemlich fein, einander genähert und ihre Ursprungswinkel
sind, besonders an den unteren, ebenso auffallend spitz, wie bei den aus der fossilen Flora von Sotzka zum
Vorschein gekommenen l>lätterii. Das Blattnetz ist in Fig. 5 </ vergrössert zur Anschauung gebracht.
Auch aus Trifail liegt mir ein wohlerhaltenes Blatt dieser Art vor.
Die bisher von den Autoren 7A\ Laurus jirimitieiiiii gebrachten Blattfossilien ents])rechen meistens nicht
dieser Laurinee. Ich will hier nur bemerken, dass die von Heer in seiner Tertiärflora der Schweiz Bd. 11,
Taf. LXXXIX, Fig. 15 und Bd. 111, Taf. CXLVU, Fig. 10; Taf. CLllI, Fig. 3 abgebildeten Exemplare eher
zur folgenden Art als zu L. primigeida gehören dürften.
Lauriis phochoides m.
Tai'. XXIX, Fig. C; Taf. XXX, Fig. .■;— 7.
Fossile Flora von Sagor, I, S. 190, Taf. IX, Fig. 1.3.
L. fuliift petiolKfis. cofiaceix, ooatu-ldueeolaiia rel lanccolato-dcnm'niatif:, iiäeyerrimix, upice producfiit basi aiigiialafts;
neroatione camptodroma, neriw primario prominente, redo, apictm rerfsus valde (ittennato; nervig seciimlariis
siih angnlis 45 — 00° orientibus, 4 — P""" inter se (Iktantibiis, tennibiis ramosis; nervix terfiariis fenuissiitiis,
cmn nerris reticularibus atiyvio rectu exeuntibus rmnosis, rete wicrosynnamatvm furmaniibus.
14 Constanfin v. Ettingshausen.
Von dieser Art liegt mir eine Eeibe von Blättern aus Savine vor, welche den Formeunmfang besser
entnehmen lässt, als dies früher der Fall sein konnte, wesshalb eine Ergänzung der Diagnose vorgenommen
werden musste. Fig. 4 auf Taf. XXX stellt ein mehr eiförmiges, gestieltes, lang zugespitztes Blatt von leder-
artiger f Konsistenz dar, dessen Nervatiou (in Fig. 4« vergrössert) sehr gut erhalten ist. Fig. 3 und 7 ebenda-
seihst stellen Formen dar, die sioli den bisher in den fossilen Floren von Häring, Sagor und llilin auf-
gefundenen anschliessen, zugleich aber auch mit Fig. 6, Taf. XXIX den Übergang zur ersterwähnten Form
vermitteln. Fig. C> auf Taf XXX, ein liuear-lunzettliches Blatt, zeigt die schmalldättrige Form dieser Art und
zugleich die Annäherung zur Latirus jirimigenia. Es fehlen ihr aber die grundständigen spitzläufigen Secundär-
nerven, welche die letztere Art auszeichnen. Von L. ocofeaefolia unterscheidet sich diese Form durch die unter
stumpferen Winkeln abgehenden nicht nach aufwärts verlängerten Rccundärnerven. Fig. 5 a. a. 0. stellt eine
kleinblättrige Form dar. Die Secundärnerven sind entsprechend einander genähert. An allen genannten Blatt-
fornien ist der gleiche Nervationscharaktcr, die gleiche Netzbildung (s. Fig. 5 a, 6 a) zu erkennen; sie gehören
zweifellos zu einer und derselben Species. Fig. 3 stammt von Trifail; die übrigen, aus dem Steinbruch bei
Savine, kamen aus einer und derselben Schichte neben einander liegend zum Vorschein und können zu den
Abfällen eines und desselben Baumes gehören.
Lfturus ocoteaefolia m.
Taf. XXX, Fig. 2.
Fossile Flora von Sagor, I, S. 100, Taf. IX, Fig. 9.
Das hier in Fig. 9 abgebildete Blattfossil aus dem Steinbruch bei Savine zeigt die Nervation besser
erhalten, als an dem bisher aufgefundenen Blattreste derselben Art, wesshalb ich es für gut fand, von derselben
in Fig. 2 « eine Vergrösserung darzustellen. Die früher erhobenen Zweifel, ob diese fossile Pflanze eine Laurinee
sei,, sind nun vollständig beseitigt, da das Rlattnetz ganz und gar das Gepräge jenes der Laurineen an sich
trägt. Wie sich diese Art von der L. primigenia unterscheidet, habe ich schon a. a. 0. auseinandergesetzt.
Aus Trifail liegen ebenfalls einige Blattfossilien dieser Art vor.
Eine analoge Art der nordamerikanischeu Tertiärfloia ist Laurua ocoteoides Lesq., welche der jetztlebenden
Ocotea yvianeiisis Aubl. (s. Ett., Blattskelete der Apetalen, 1. c. Taf XXXII, Fig. 7) ausserordentlich nahe-
kommt und von unserer fossilen Art sich nur durch etwas breitere Blätter zu unterscheiden scheint.
Ciwimnionvu/ni laneeolatuui, IJug. sp.
Taf. XXX, Fig. 1.
Ettiugsli. Fossile Flora vou Sagor, I, 1. e., S. I9:i.
Aus dem Steinbruch bei Savine kam ein Blatt dieser Art, Fig. 1, zum Vorschein, welches bei einer Breite
von nur 12""" eine Länge von 14'""' erreicht, daher wohl zu den längsten r.lättern bezeichneter Art gehören
dürfte. Au einem anderen Blattlbssil dieser Art aus derselben Localität ist die Nervation prachtvoll erhalten.
Dieselbe wurde in Fig. 1 a zur Anschauung gebracht.
In Trifail sind sowohl von dieser Art, als auch von Cinnamomum Rossmaessleri und C. Scheuchzeri Blätter
zum Vorschein gekommen.
Ord. SANTALACEAE.
Santaluin saUcinutn m.
Taf. XXX, Fig. ii.
Fossile Flora von Sagor, I, 1. c, S. 191, Taf. X, Fig. 24, 25.
Fundorte: Savine (Steinbruch), Trifail.
Ein kleines Blatt mit wohlerhaltener Nervation. Aus einem geraden, verhältnissmässig starken, bis zur
Spitze auslaufenden Priniärnerv entspringen jederseits 3 — 4 sehr feine, im Blattgewebe sich verlierende Secun-
därnerven unter AVinkeln vonGO— G!")°. Sie sind bogenläufig, einlach oder gabeltheilig. Tertiär- und Netznerven
fehlen. Die Textur ist fast lederartig.
Die fossile Flora von Saijor In Krain. 15
Santalinn (icherontlctiin, m.
Taf. XXX, Fig. 8.
Ettiiigsli. Tertiäre Fora von Ilärini?. S. l'.i , Tal'. XII. Tig. C — 10. — Fo.s.silo Flora von Bilin, S. -200, Tat'. XXXIV, Fig. i.
Fundort: Trifail.
Ein Blatt mit vollständig eihaltenem Stiel. Durch den verliältiüssmässig längeren Stiel und die nulir
eirunde oder kurz-elliptische Form de.*; Blattes ist die Art von den übrigen liis Jetzt bekannt gewordenen fossilen
Santabim- Arten zu unterscheiden. Die derbe, lederartige Textur gibt sieh am Abdrurk durch die ziemlich
mächtige, verkohlte Substanz zu erkennen.
Ord. DAPHNOIDEAE.
Ttaphne aquitaniin m.
Tat". XXX, Fig. 12.
In Tritail fand ich das hier abgebildete Blatt dieser Art, welches die Nervatlon wohlerhalten zeigt. Es
hält in Form und Grösse geradezu die Mitte zwischen den bis jetzt aus Savine vorliegenden Blättern. Durch
eine sehr dünne Lage verkohlter Substanz an demselben verräth sich die zartere, mehr krautartige Textur.
Ord. PROTEACEAE.
Hakea fraxinoides n. sp.
Taf. XXX, Fig. II, 11 a.
II. seminum ohlongorum ala fenue membranacea, ovafa, eneri'id, iilri/npa; semi-ilcciirrenfe; itiicho compresso
lanceolato, dorso rugoso-cristato.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Ein Same, welcher mit //a/.en-Samen am meisten übereinstimmt. Er cliarakterisirt sich durch den
schmäleren, lanzettlich zugespitzten Kern, an des-'^en beiden Seiten der kaum etwas längere nervenlose Flügel
halb herabläuft. Bei oberflächlicher Betrachtung hat das Fossil einige Ähnlichkeit mit einer kleinen Eschen-
frucht. Von den bisher beschriebenen fossilen i7rt/iC«-Saraen sind einige mit läiigliclien Kernen hier in Betracht
zu ziehen. Hakea aftika Ung. aus der fossilen Flora von Kumi hat einen verhältnissmässig grösseren Flügel,
der zu beiden Seiten des eiförmig länglichen Kernes ganz herabläiift. Hakea Myrshiites Ett. der fossilen Flora
von Häring zeigt einen längeren Flügel, der nur an einer Seite des lanzettlichen Kerns herabläuft. Hakea sfeno-
sperma Sap. Etud. III, p. 20, t. 1, f. 5 hat einen netzadrigen Samenflügel, was bei den jetztlebenden Hakea-
Arten nicht vorkommt. Die genannten Arten haben einen glatten Samenkern; an unserer Art aber ist dieser
der Länge nach runzlich-gerippt, wie die Vergr()sseruug desselben Fig. 11« ersichtlich macht.
Baitksia sayorkutff u. sp.
Taf. XXX, Fig. 10, 10 a.
B.foliiii coriaceis üneari-ohlongis, in petiolum breoein attenuafis, margine spinuloso-ilenticulatisj nervatiom campfo-
droma, nervo primario ßrmo, prominente, recto, neroin secundariii> ienuibus, (tpproximatis, nub angul/s 70 — S0°
orientibus, inter se conjunctis; nervis tertiariis breviasiinis dicigodromix. rete prominente microsyiinamatiini
formantibus.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Die auffallend starke Verkohluug der Substanz und der Eindruck, welchen das Fossil im Gestein hinter-
licss, zeigen die derbe lederartige Textur des Blattes an. Das Blatt ist lineallänglich und verschmälert sich in
einen kurzen Stiel. Der Rand ist entfernt-klein-gezähnt. Die Zähne treten jedoch etwas verdickt hervor und
erscheinen als stumpfliclic Dörnchen. Es ist jedoch anzunehmen, dass die zugespitzten Enden der Dörnchen
im Gestein verborgen sind, umso mehr, als das Fossil die obere Blaltfliichc zeigt, während die untere mit
den nach abwärts gebogenen Dorii.>pitzen am Gestein haftet. Der starke rrimärnerv liegt dcutlicli in einer
rinnenförmigeu Vertiefung, wie dies der oberen Blattfläche entspricht. An der Basis biegt er sich zum Stiel liiu
16 Consf antin v. Ettingshausen.
und es erscheineu die beiden Blattseiten daselbst iingleicb, ein im vorliegenden Falle vvobl ausservvesentliclies
Merkmal, das aber bei schmalen lederartigen Blättern oft vorkommt. Die >Secund;irnerveu sind fein, genähert,
unter wenig spitzem oder nahezu rechtem Winkel eingefügt, schwach nach dem Rande gebogen und daselbst
durch kurze Schlingen unter einander verbunden. Die Tertiärnerven sind sehr kurz und sogleich in ein sehr
engmaschiges Netz verästelt. Die Netznerven sind verhältnissmässig stark, die Maschen im Umrisse rundlich.
v^. die Vergrösserung dei' Nervation Fig. 10 n.)
Die angegebenen Eigenschaften des fossilen Blattes passen zu keiner Gattung so gut als zu Banksia. Bei
melireren Arten derselben mit kurzem Blattstiele finden wir oft, jedoch nur als zufällige Bildung, die Blattbasis
etwas ungleichseitig und den Primärnerv zum Stiele hingel)ogen, wie an unserem Fossil; ich nenne nur B.
oblongifoUa, B. australis und B. inaryinata (s. m. Blattskelete der Apetalen 1. c. Taf. 43, Fig. 4; Taf. 44, Fig. 3;
Taf. 46, Fig. 8), welche vielleicht als verwandte Analogien zu betrachten sind. In der Netzbildung gleicht
erstere Art dem Fossil am meisten, So ähnlich das fossile Blatt auf den ersten Blick mit Blättern von Mtjrica-
Arten zu sein scheint, so darf es doch nicht mit diesen verwechselt werden. Bei Myrka sind die Netznerven
feiner und die Maschen meist im Umrisse queroval. (Vergl. a. a. 0. Taf. XXI, Fig. 1—4.)
Ord. CINCHONACEAE.
ClncJionidium anyitstifollunt m.
Taf. XXX, Fig. 15, 16.
Fossile Flora von Saffor, II, 1. c, Bd. 37, S. 163, Taf. XI, Fig. 2.
C. capsulifi eUqMco-ohloiigis, teiiuifer driatis.
Fundort: Savine (Stollen und Steinbruch).
Ein Blattfossil, Fig. 16, das in allen seinen Eigenschaften mit dem a. a. 0. abgebildeten Blatte vom
Stollen bei Savine, mit Ausnahme der etwas schmäleren Form, übereinstimmt.- Mit Ersterem fand sich im
Steinbruch bei Savine eine Frucht, Fig. 15, welche zu den bisher aufgefundenen fossilen Cinchonaceen-Früchten
am besten passt. Sie stellt eine elliptisch-längliche gestreifte Kapsel dar, welche nüt der von Cinchona Titanum
Ung. aus der fossilen Flora von Badoboj die grösste Ahnlicldveit hat, jedoch etwas kleiner als diese ist und
feinere, weniger hervortretende Streifen zeigt.
Ord. APOCYNACEAE.
Apocynophtßllum ReussU m.
Fossile Flora von Sagor, II, 1. c, S. 16C, Tat'. XI, Fig. -21, i-2.
Von dieser im Bereiche unserer fossilen Flora bisher nur bei Savine aufgefundenen Art kam aus dem
Tagbaue bei Trit'ail ein wohlerhalteues Blatt zum Vorschein.
Apocynophi/llnni Anisonla Ung.
Ettiugsh. Fossilu Flor.-i vnn Sagor, II, 1. c, S. Uis.
Das von dieser Art vorliegende Material wurde in neuerer Zeit durch einige Blattfossilien aus dem Brauu-
kohlenlager von Trifail \ermehrt. Dieselben gleichen in ihren Eigenschaften den in Radoboj, Sagor und Savine
aufgefundenen vollständig. Das Blattnetz muss entweder sehr zart, oder wenig ausgebildet gewesen sein, da
dasselbe an allen diesen Resten nicht sichtbar ist.
J^chitoniuni nn'crosperinnin Ung.
Taf. XXX, Fig. 13, 13 a.
Kttingsli. Fossile Flora von Sagor, II, 1. c, .S. 169, Taf. XII, Fig. 9.
Fundort: Savine (Stollen und Steinbruch).
Der vorliegeuilc Same vom Steiubrurh bei Savine ist kleiner, als der a. a. 0. abgebildete. Der Haarschopf
ist besser erhalten und zeigt eine Länge von etwas über 2''". Er läult in eine sehr verschmälerte Spitze aus.
Die fossile Flora ran, Sagor In Krai II. 17
Der Form und Kleinheit des Samens nach ähnlich, ist der von Vypselites teiiuis Heer, welcher höchst wahr-
scheinlich ein Apocynaceeu-Same ist; wie wohl die Mehrzahl der zu Cypsdites gestellten Fossilien als
Apocyneen-Sameu gelten dürften.
Ord. SAPOTACEAE.
Mimusops terttaria m.
Taf. XXX, Fig. U, 14 a.
Syn. : Sapotacites Mimusops Ettingsh. Fossile Flora von Sagor, II, 1. c, S. 17-2, Taf. XIII, Fig. 1.
Ein wohlerhaltenes Blattfossil dieser Art, das aus dem Steinbruch bei Savine gewonnen wurde, zeigt
folgende in Fig. 14« zur Anschauung gebrachte Nervation. Aus einem starken Primärnerv entspringen feine,
einander genäherte Secundärnerven unter Winkeln von 60 — 7U°. Au ihrer Ursprungsstelle sind sie schwach
divergirend; zwischen den längeren, die in der Nähe des Randes durch Schliugenbogen verbunden sind, ver-
laufen einige kürzere mehr oder weniger geschlängelte feinere Secundärnerven. Die Tertiärnerven sind sehr
kurz, netzläufig. Die Netzmaschen sind vorwiegend queroval. Diese Nervation ist ausserordentlich ähnlich der
von Mimusops obovata (s. Ett., Rlattskelete der Dicotyledonen , Taf. 34, Fig. 8') mit deren Bliittcrn das Fossil
auch in der Form und Textur so sehr übereinstimmt, dass man immerhin auf die Identität der Gattung
schliessen darf. Ich bringe desshalb die von mir früher zu Sapotacites Mimusops gebrachten Blattfossilien nun
unter die obige nähere Bezeichnung. Fig. 14 stellt ein anderes Blattfossil dieser Art aus denselben Schichten
dar, welches durch die auffallend starke am Abdruck haftende Kohlensubstanz die steife, derbe Textur des
Blattes anzeigt.
Btimelia scahra n. sp.
Taf. XXX, Fig. 18, 18 a.
B. foliis subcoriaceis scabris, petiolatis, obovato-oblongis in petiolum attenuatis, apice obtusis, margine iiitegerrimis,
nervatione brochidodroma, nervo primario recto, basi prominente, apicem versus valde attenuato, nervis secun-
dariis tenuibus sub angulis 60 — 70° orientibus, laqueis margini subparalhlis, nervis tertiär iis paucis ramosis-
Fundort: Trifail (Brandschiefer).
Das vorliegende, ziemlich wohlerhaltene Blatt aus einem Brandsehiefer des Kohlenflötzes von Trifail zeigt
so viele Ähnlichkeit mit dem Blatte der Bumelia snlicifoUu Sw. (s. Blattskelete der Dicotyledonen. Taf. 36
Fig. 1) und einigen anderen Arten von Bumelia, dass es wohl keinem Zweifel unterliegt, dasselbe als zu dieser
Gattung gehörig zu betrachten. Es ist länglich verkehrt eiförmig, stumpf, in einen 12""" langen Stiel ver-
schmälert und zeichnet sich durch einen rauhhaarigen tiber/.ug aus, dessen Überreste am Abdrucke deutlich
zu erkennen sind. (S. die ^■ergrösserung, Fig. 18 a.; Bei jetztlebenden Bume/ia- Arten, z.B. der obengenannten,
kommt eine Bekleidung der Blätter zwar nicht mit steifen, abstehenden, sondern mit weichen, anliegenden
Haaren vor, die einen seidenartigen Überzug bilden. Von den bisher beschriebenen fossilen Bumelia-Arten
unterscheidet sich die B. scabra ausser dem erwähnten Überzug noch durch folgende Merkmale der Nervation.
Die Secundärnerven entspringen unter wenig spitzen Winkeln und auastomosireu durch hervortretende Eand-
schlingen. In den dadurch gebildeten Segmenten verlaufen noch 1 — 2 kürzere, mehr geschlängelte und ästige
Secundärnerven. Die Tertiärnerven sind spärlich entwickelt und treten nicht hervor.
Ord. EBENACEAE.
Diospyros haeringtana m.
Taf. XXX, Fig. 17, 17 a.
Ettingsh. Tertiäre Flora von Häring, .S. 61, Taf. XXI, Fig. 26; Taf. XXII, Fig. II.
Fundort: Trifail (Brandschiefer).
Das voriiegende Blattfossil, Fig. 17, stimmt in der Form, Nervation und Textur mit den aus den Schichten
von Häring zum A'orschein gekommenen Blättern dieser Art am besten überein. Die Nervation des Trifailer
Denkschriften der mathem.-naturw. Gl. L. Bd. -j
18 Constanf in r. Ef/ingshau.^en.
Blattes, Fig. 17 a, vergrössert dargestellt, ist sehr gut erhalten unfl zeigt ein Netzwerk, welches dem von D/o?-
pyros lanceolata Koxb. t^s. Blatfskelete der Dicotyledonen, Taf. 37, Fig. 12) sehr ähnlich ist.
Diospyros hiUiiica m.
Taf. XXX, Fig. 19, 19 a.
Ettingsh. Fossile P'lora vou Bilin, II, 1. c, S. 233, Taf. 39, Fig. 17,18. — Beiträge z. foss. Flora vou Eadoboj, Sitzber.
Bd. 61, S. 55, Taf. 2, Fig. 11.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Ein vierlappiger Blütlieukelch, welcher mit dem von Diospyros bilinica vollkommen übereinstimmt. lu der
Grösse hält er gerade die Mitte zwisclien dem Biliner und dem Kadobojer Exemplar. Das Blatt dieser Art,
welches dem der vorhergehenden ähnlich, aber viel breiter als dasselbe ist, konnte bis jetzt an den Fundstellen
der fossilen Flora von Sagor nicht entdeckt werden.
Ord. ERICACEAE.
Andromeda protogaea Ung.
Taf. XXX, Fig. 20.
Ettingsh. Fossile Flora von Sagor, II, 1. c, S. 177, Taf. XIII, Fig. 20—33.
Von einem wohlerhaltenen Blatte dieser Art aus den Schichten von Savine (Stollen) liess sich die Epider-
mis ablösen, welche unter dem Mikroskop bei stärkerer ^'ergröäserung das in Fig. 20 dargestellte Bild gab.
Dieselbe entspricht der Epidermis der oberen Blattfläche von Andromeda coriifoliu DC, von welcher Fig. 21
ein Bild in der gleichen Vergrösserung zur Anschauung bringt, vollkommen, nur sind die Zellen der letzteren
verhältnissmässig etwas grösser. Bei beiden fehlen die Spaltöffnungen. Diese sind aber an der unteren Biatt-
fläche der genannten lebenden Art äusserst zahlreich. Das Gleiche wird auch bei der fossilen Art der Fall sein,
was sich jedocli nicht ermitteln liess, da die untere Blattfläche von dem anhaftenden Gestein nicht losgelöst
werden konnte, ohne das Fossil gänzlich zu zerstören.
Rhododendron sagorianum m.
Fossile Flora von Sagor. II. 1. c, S. 178, Taf. XIV, Fig. 30.
Es fand sich ein Blatt dieser Art im Trifailer Tagbaue, das mit dem aus Savine vorliegenden in allen
Eigenschaften übereinstimmt.
Ord. SAXIFEAGACEAE.
Hydrangea sagoi'lana m.
Taf. XXXI, Fig. 3.
Fossile Flora von Sagor, II, 1. c, S. 184. Taf. XIV, Fig. 22, 28.
Bisher ist nur eine einzige Hydrangea-Blume aus den Scliichteu des Stollens bei Savine zum Vorschein
gekommen, mit welcher ich ein Fdattfossil aus derselben Lagerstätte vereinigte. Neuerlich ist ein zweites
Exemplar einer Hydrangea-Blume aus dem Steinbruch bei Savine entdeckt worden, von welchem Fig. 3 eine
Abbildung gibt. Dieselbe ist kleiner und zarter, als die ersterwähnte, zeigt aber die gleichen Nervationsver-
hältnisse. Da das Blatt einer zweiten Art, H. dubia m. aus dem Steinbruch von Savine \ orliegt, so wäre es
möglich, dass die kleinere Hydrangea-Blume zu dieser zweiten Art gehört.
Ord. MAGNOLIACEAE.
Gen. MAGNOLIOIDES nov. gen.
Zu dieser Gattung bringe ich solche magnolia- ähnliche Blätter, welche allerdings zu den Magnolvicem
gehören, jedoch ihrer Tracht nach weder zu MiujnoUa selbst, noch zu Maynoliadrani gestellt werden können.
Spätere Untersuchungen werden zeigen, ob die hieher gebrachten Formen in der That einer ausgestorbenen
Gattung, oder ob sie jetztweltlichen Gattungen einzureihen sind.
Die fosiiile Flora von Sagor in Krain. 19
MagnoUoides carnioUca n. sp.
Taf. XXX, Fig. 22, 22 a.
M. foliis anguste lanceolatis acuminatis petiolatis mfeyerrimis, suhcoriaceis, nervatione hrocMdodroma, nervo pri-
mario hasi prominente, recfo, apicem versus valde attenuafo, nervis secundariis approximatis, tenuissitnis, stib
angulis acufis f30—40°J orienfibus, murginetn adscenrJentihus, inter se conjunctis; nervis tertiarüs abhreviatis,
ramosis dictyodromis, rete distinctum formantihus.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Ein sclimallanzettliches zugespitztes ganzrandiges Blatt, welches am Grunde in einen 10"" langen Stiel
verschnicälert ist, von etwas derber Consit;teiiz und mit wohlerhaltener Nervation, s. Fig. 22«. Aus einem, an der
Basis hervortretenden, nach der Spitze zu sehr verfeinerten Primärnerv entspringen zahlreiche feine geucäherte
Secundärnerven, den Rand hinaufziehend und schlingenförmig unter einander verbunden, unter ziemlich
spitzen Winkeln. Die Tertiärnerven verlieren sich in einem verhältnissmässig hervortretenden Netzwerk. Von
den bisher bekannt gewordenen fossilen Dicotyledonen nähert sich das beschriebene Fossil einigermassen der
MagnoJia primigenia Ung., welcher jedoch grössere und breitere Blätter zukommen. Die Nervation ist aber bei
der letzteren zu wenig im Detail bekannt, um mit der unserer Pflanze verglichen werden zu können. Das her-
vorspringende Netz verräth immerhin etwas magnolia-artiges.
Ord. RANÜNCÜLACEAE.
Clematis sagoriana n. sp.
Taf. XXXI, Fig. 2.
C. achenio lanceolato, in stylmn 2 — 5"" longum produdo.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Gehört in die Abtheilung Viticella De Cand, mit kürzerem kahlen Griffel, welche nur wenige meist auf
Südeuropa oder Nordamerika beschränkte Arten zählt. Ist nahe verwandt der Clematis radobojana Ung., aber
durch die schmälere, lanzettförmig zugespitze Achene und den kürzeren Griffel von dieser Art wohl verschieden.
Die in dieselbe Abtheilung der Gattung Clematis gehörige C. oeningensis Heer weicht durch rundliche Achenen
von beiden genannten Arten der Tertiärflora ab.
Ord. BOMBAGE AE.
Bombax sagorianutn m.
Fossile Flora von Sagor, 11, 1. c, S. 186.
Die Theilblättchen der Bombaceen, welche sich von dem gemeinschaftlichen Blattstiel leicht lösen, dürften
unter den Pflanzenabfällen der Tertiärzeit häufiger sich finden, als bisher angenommen worden ist. Diese
Blättchen haben meistens ein juglansartiges Aussehen und könnten, wenn das sehr feine Nervennetz, das sie
zeichnet, verwischt oder zu Grunde gegangen ist, als Jw^^aws-Theilblättchen gedeutet worden sein.
Aus den Hangendschichten des Braunkohlenlagers von Trifail kam ein Blattfossil zum Vorschein, welches
ich nur der obigen Art einreihen konnte, da es mit dem aus Savine vorliegenden vollkommen übereinstimmt.
Ord. ACERINE AE.
Acef integrilobum 0. Web.
Taf. XXXI, Fig. 13, 14.
0. Weber, Tertiärflora d. niederrheinischen Braunkohlenformation, Paläontogr. n, p. (96, Taf. 22, Fig. 5.
Fundort: Trifail.
Es fanden sich nur die zwei hier abgebildeten Blattfragmente. Das feine Blattnetz ist an denselben nicht
erhalten. Fig. 14 zeigt eine Andeutung von Randzähnen, kommt aber in allen übrigen Eigenschaften dem von
0. Weber an a. 0. dargestellten Blatte am nächsten.
20 Consfanfin v. Etfingshausen.
Acei ' JRüminlanum Heer.
Taf. XXXI, Fig. 8, 9, 9 a.
Q. Heer, Tertiäiflora d. Schweiz, Bd. Ill, S. 59. Taf. 118, Fig. 11 — 16; S. 199, Taf. 155, Fig. 136.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Eine Flügelfrucht, welche mit der von 0. Heer n. a. 0. Fig. 14 abgebildeten am meisten übereinstimmt.
Das charakteristische lockermaschige Netz des Flügels (in Fig. 9« vergrössert dargestellt) ist an dem
Exemplar von Savine wohlerhalten. Die FlUgelbasis ist etwas mehr verengt als an dem citirten Fruchtfossil
von Monod.
Acer stenocarpu/Di n. sp.
Taf. XXXI, Fig. 10— 12.
A. fructibus parvis, mtctiUs anguste ellipücis, alis oblongis, hast angustatis, iienis sub angitlis amtissitnis ascen-
denUbus.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Durch das schmälere Nüsschen und den nach der Basis stärker verschmälerten Flügel, dessen Nerven
unter sehr spitzen Winkeln aufsteigen, von der nächst ähnlichen Frucht der vorhergehenden Art verschieden.
Ord. MALPIGHIACEAE.
Tetrapteris mimita m.
Tai. XXXI, Fig. 1, 1 «, 5.
Beiträge z. fossilen Flora von Radoboj, Sitziingsber., Bd. 61, S. 60, Taf. 2, Fig. 3, 8.
Fundort: Savine (Steinbruch), Trifail.
Eine Frucht und ein Blatt. Erstere passt in allen Eigenschaften zu dem in Fig. Sb a. a. 0. abgebildeten
Exemplar der Frucht von Tetrapteriit miiinta. Die unvollständig erhaltenen Fruchtflügel zeigen sehr zarte
Nerven, welche in Fig. \a vergrössert zur Anschauung gebracht, an dem genannten Exemplar von Radoboj
aber verloren gegangen sind. Der Körper der Frucht ist stark gequetscht, aber deutlich von den Flächen
abgegrenzt.
In Trifail hat sich ein Blatt, Fig. 5, gefunden, welches mit dem in Fig. 3 a. a. 0. dargestellten Blatte von
Leoben am meisten übereinstimmt und auch die Nervation eines Tetraptens-YiX&iien zeigt. Die querläufigen
Tertiärnerven, welche an dem citirten Leobener Blattfossil sich nicht erhalten haben, sind hier deutlich wahr-
zunehmen.
Ich bemerke hier noch, dass von Tetrapteris sagoriana, die bisher nur von Savine bekannt war, nun auch
aus Trifail ein Blatt vorliegt.
Malpighiastru/m rotundifolium m.
Taf. XXXI, Fig. 6.
Fossile Flora von Sagor, II, I. c, S. 189, Taf. XVI, Fig. -24.
Das vorliegende Blatt, welches aus dem Steinbruch bei Savine zum Vorschein kam, ist zwar etwas
grösser und mehr elliptisch als das a. a. 0. beschriebene, stimmt aber in den übrigen Eigenschaften,
insbesondere bezüglich der Nervation mit demselben überein, so dass ich an der Gleichartigkeit dieser Blatt-
fossilien keineswegs zweifle. Die Secundärnerven, welche ebenso nach vorne gebogen sind wie bei dem
citirten Blatte, treten entsprechend der Grösse des Blattes stärker hervor. Die querläufigen Tertiärnerven
jedoch zeigen keinerlei Abweichung, weder bezüglich der Stärke, noch der Distanz.
Ord. SAPIlNDACEAE.
Sapindus aspei'lfolius n. sp.
Taf. XXXI, Fig. 7, 7 a.
S. foliis pinnaHfi , foliotis subcoriaris , scobris, breviter petioJath, snibfakafis obliqve lanceolafis, apice acuminatis
basi acvfis, margine integer) imk ; nervatione camptodroma, im vis seanidarüf: latere latiore sub angulis
Die fossile Flora von Sagor in Krain. 21
ohtusiorihus orietttibus, simplieihus , maryinem adscemJentihus inter se conjundis; nervis iertiarns in con-
spicuis.
Fundort: Savine fSteinbrucli).
Ein Theilblättchen, welches seiner Form und Nervatioii nach mit denen von Sapindus saldfolius A. Braun
am meisten übereinstimmt und Uberliaupt seiner Tracht nacli sehr \Yohl zu Sapindus passt. Es unterscheidet
sich aber von den Theilblättcben der genannten Art wesentlich durch einen Überzug von feinen Knötchen (s.
die Vergrösserung Fig. 7 a) und durch die anscheinend etwas derbere Textur. Wegen der letzteren und des
erwähnten Überzuges sind die Tertiäruerven, von welchen nur Spuren vorhanden sind, verwischt. Die Secun-
därnerven stehen in fast gleichen Distanzen von einander und sind gleich stark, während bei Sapindxig falei-
folius längere stärkere mit kürzeren und feineren abwechseln. Blätter mit Überzug finden wir aucii untei den
lebenden Sapindus- Arten, doch haben sie nicht durch Knötchen rauhe, sondern unterseits wollig-haarige
Blättchen, wie die indischen 6'. emargiiiatus Vahl, .S'. rubirjiiiosus Roxb. u. A. Es könnte daher die Frage auf-
geworfen werden, ob denn das beschriebene Theilblättcben in der That zu Sapiiidus gehöre. Die Beantwortung
derselben kann hier nur die sein, dass nach der Behaarung aliein keineswegs die Annahme einer besonderen
Gattung zulässig ist.
Gen. SAPINDOPHYLLUM.
Folia pinnata, foliolis faciem Sapindi, Cupaniae nee non PauUiniae conjimgentihiis ; nervis tertiariis valde flezuosis
didyodromis.
Sapindophyllum paradoxum n. sp.
Taf. XXXI, Fig. 4. 4 a.
S. foliis amplis, foliolis hreviter petioJatis coriaceis anguste lanceolatis falciformihus, basi obliquis apice acuminatis,
margine grosse et in aequaliter dentatis; nermfione camptodroma, nereo primario valido prominente, nervis
secundariis teniiibus, anguh suhredo exeuntibus, approximatis ; nerris tertiariis sub angnlis acutis lariis
insertis, abbreviatis.
Fundort: Trifail.
Ein Fragment eines grossen gefiederten Blattes, das ein Stück der Blattspindel und auf einer Seite der-
selben angeheftet drei unmittelbar aneinander grenzende Blättchen zeigt. Auf der anderen Seite sind die
Blättehen abgefallen, mit Ausnahme eines einzigen, das in fragmentäreni Zustande und verkehrter Lage noch
an der Spindel haftet. Die Spindel ist stark c(unprimirt und gestreift; die Dicke derselben verräth, dass das
vorliegende Blattstück weit von der Spitze entfernt ist und die ganze Länge des Blattes auf mindestens 1-5"'
veranschlagt werden darf Die Theilblättcben sind verhältnissmässig kurz gestielt, schmal-lanzettförmig,
sichelförmig gebogen und an der Basis schief, gegen die Spitze zu verschmälert, am Rande ungleich grob
gezähnt. Die Consistenz der Blättchen ist, der verkohlten Substanz nach zu schliessen, als lederarfig anzu-
nehmen. Die Nervation der Blättchen (in Fig. 4« vergrössert dargestellt) bietet mehrere sehr auffallende Merk-
male. Der Primärnerv tritt mächtig hervor, verfeinert sich aber in seinem Ve.rlaufe gegen die Spitze zu
bedeutend. Die Seeundärnerven sind auffallend fein, unter sehr wenig spitzem oder fast rechtem Winkel
entspringend, einander genähert, vor dem Rande kurz nach vonie gebogen und verästelt, aber nicht in die
Zähne einlaufend. Die sehr feinen Tertiärnerven entspringen von der Aussenseite der Seeundären unter ver-
schiedeneu spitzen Winkeln, sind kurz, auffallend hin- und hergebogen, in ein nniegelmässig eckiges Maschen-
netz sich auflösend. Die Grösse des Blattes, die Form und Zahnung desselben erinnern an Cupania; die Sichel-
form der Blättchen und die auffallend ungleiche Basis an Sapindus; die Nervation an Paullinia.
22 Constantin v. Ettingshausen.
Ord. PITTOSPOEEAE.
Bursaria radöbojana Ung.
Taf. XXXn, Fig. 11, 12.
Ettingsh. Fossile Flora von Sagor, 11, 1, c, S. 191.
Ausser dem Fragment eines Fruchtstandes, Fig. 11, dessen schon im II. Theile gedacht wurde, fand sich
auch ein Blatt dieser Art, Fig. 12, vur. Es stammt vom Steinbruch bei Savine. Es ist etwas kleiner und
schmäler als das von Unger in der Sylloge plant, foss. II, Taf. I, Fig. 22 abgebildete, stimmt aber in den
übrigen Eigenschaften mit demselben wohl Uberein. Es sei hier noch bemerkt, dass ein Fruchtstand und ein
Blatt dieser Art auch in Sotzka zum Vorschein gekommen ist. Ersterer zeigt längere Stielchen und entspricht
der Fig. 18 1. c. der Sylloge.
Ord. CELASTEINEAE.
Celastrus Aeolt m.
Tertiäi'flora von Häring, S. 72, Taf. 24, Fig. 9—11. — Heer, Tertiärflora cl. Schweiz, Bd. III, S. 68, Taf. 121, Fig. .55, 56.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Von dieser die untern Tertiärschichten bezeichnenden Art fand sich an der oben bezeichneten Localität
ein wohlerhaltenes Blatt.
Celastrus sagorianus n. sp.
Taf. XXXII, Fig. 3, 4.
C. cajjsuJu pedkellata, mhghhoaa coriacea loctdicide trivalvi, valvis suhrotundis ohtusissimis, pedicello vix brevioribus;
foUis coriaceis rotundato-ovatis in petiolum brevem angustatis, tnargine dentatis; nervo primario distincto,
nervis secundarüs obsoletis.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Eine gestielte, fast kugelige lederartige Kapsel, welche eben im Aufspringen begriffen war, als sie vom
Schlamme umhüllt wurde. Die drei rundlich-eiförmigen, stumpfen Klappen erreichen die Länge des Stielchens.
Die Kapsel ist ähnlich der von Celastrus aidJioides Andr., deren Klappen jedoch länglich sind, die Länge des
Stielchens aber nicht erreichen. Mit dieser Frucht fand sich an der gleichen Lagerstätte ein Blatt, das die
Eigenschaften eines Celasfrus-B\attes zeigt und dem von C. oxijpjiijllus Vng. am nächsten kommt. Es unter-
scheidet sich aber von demselben durch die kürzere mehr rundliche Form und die scliärferen Randzähne.
Unter den lebenden Arten dürfte C. ovatus Eckl. vom Cap der fossilen, der Blattbildung nach, am meisten
analog sein. Die Blätter dieser Art sind ebenfalls klein, mehr rundlich und haben scharf zugespitzte Rand-
zähne. (Vergl. Ett., Celastrineen, Denkschr. Bd. XIII, Taf. VII, Fig. 17, 18.J Die feineu Secundärnerven,
welche sogar an den Natnrselbstabdriicken nur wenig hervortreten, erklären das Verschwinden dieser Nerven
au dem fossilen Blatte. Letzteres unterscheidet sich von dem der genannten lebenden Art durch die Ver-
schmälerung der Basis in den Stiel.
Celastrus oxi/phyllus Ung.
Taf. XXXII, Fig. 1.
Ettingsh., Fossile Flora von Sagor, II, 1. c. S. 193, Taf. 16, Fig. 21.
Fundort: Savine (Stollen und Steinbruch).
Das vorliegende Blatt vom Steinbruch bei Savine ist viel grösser als das a. a. 0. abgebildete; es gleicht
in der Grösse, Form und Zahnung dem von Unger in der Sylloge plant, foss. II, Taf. II, Fig. 4 dargestellten.
Ausser dem Primärnerv sind keine Blattnerven erhalten.
Celastrus Plutonis n, sp.
Taf. XXXn, Fig. 2.
C. foliis coriaceis elliptids, basi acutis, apice obtiisiusculis, irregulariter dentatis, nervo primario distincto, recto,
nervis secundarüs tenuibus, siib angulis peracutis egredientibus ramosis dicfyodromis.
Die fosfiih' Flora ro» Sacjur in Krain. 23
Fundort: Savine (Steinbrucli).
Die Spuren der verkohlten Substanz, die am Abdrucke dieses Blattes haften, deuten auf eine steife leder-
artige Textur. Die Form des Blattes ist elliptisch, die Basis kaum verschmälert, die Spitze stumpflich, der
Rand ungleich gezähnt. Die Seeundärnerven entspringen unter sehr spitzen Winkeln, sind fein und verästelt.
In diesen Merkmalen nähert sich das Blattfossil am meisten den Blättern von Celastrus collinus Eckl. et Zeyh.
vom Cap (s. Ett., Celastrineen 1. c. Taf. VI, Fig. 9, 10), welche sich nur durch die Zuspitzung an den Enden
von jenem unterscheiden. Von den bisher beschriebenen fossilen Arten schliesst sich unsere neue Art dem C.
Ärethusae der fossilen Flora von Bilin an, unterscheidet sich von derselben jedoch durch die Form und Zähnung
des Blattes.
Bezüglich der übrigen bereits beschriebenen Celastrus-krien der fossilen Flora von Sagor ist nocli zu
bemerken, dass C. europaeus Uug. auch in Trifail gefunden worden ist.
Elaeodendron Per sei Ung. sp.
Taf. XXXII, Fig. 5.
Ettingsh., Fossile Flora von Bilin, III, S. 36, Taf. 48, Fig. 25, Taf. 49, Fig. U.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Ein Blatt, welches zu dem a. a. 0., Fig. 25, abgebildeten Blatte von Kutschlin in allen Eigenschaften passt.
Es zeigt, so wie dieses, eine Verschmälerung nach beiden Enden.
Elaeodendron degener Ung. sp.
Taf. XXXII, Fig. 6.
Ettingsh., Fossile Flora vou Biliu, III, S. 37, Taf. 49, Fig. 5, 7—10.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Dieses Blatt passt zu kleineren Blättern dieser Art, welche aus den fossilen Fbren von Sotzka und
Kutschlin bei Bilin vorliegen, am besten, wesshalb ich diese im älteren Tertiär verbreitete Art für die fossile
Flora von Sagor annehme.
Ord. ILICINEAE.
Ilex sagoriana n. sp.
Taf. XXXII, Fig. 17.
Lfoliis coriaceis ohlongis, undulatis vel remote dentatis vel integerrimis ; nervatione brockidodroma, nervo primarlo
pervalido, redo; nervis secundarüs sub angulis 50 — 60° orientibus, apice ramosis inter se coHJumtis, laqueis
prominentibus ; nervis tertiariis paucis subtramversis, ramosis.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Es war zu vermuthen, dass die Familie der Ilicineen auch der reichhaltigen fossilen Flora vou Sagor nicht
fehlen werde. Nachdem schon zwei //ca;-Arten für dieselbe nachgewiesen waren, brachte eine sorgfältige
Untersuchung in Savine, der reichsten Fundstätte, einige Blattfragmente in meine Hände, welche zu einer
dritten Art gehören dürften. Das Blatt derselben, in seiner Form und Nervation ergänzt, zeigt viele Ähnlichkeit
mit dem der nordamerikauischen Ilex Dahoou Walt. (Vergl. Ett., Blattskc'ete der Dicotylcdonen, S. 162,
Fig. 148, Taf. 66, Fig. 4 und 7).
Ord. BHAMNEAE.
Zisyphus savlnensis n. sp.
Taf. XXXII, Fig. 7, 7 «,
Z. foliis breoiter petiolatis ovato-lanceolatis , utrinque acumiitatis, basi aequali margine deniiculatis tripliuervüs,
nervis lateraUbus infimis hasilaribus, acrodromis ; nercis secundarüs subtransversis, flexuosis ramosis.
Fundort: Savine (Steinbruch).
24 Constant in v. Eitingshausen.
Steht in der Blnttbildung dem Zizyphns Uiiyeri Heer sehr nahe, unterscheidet sich aber von dieser Art
durch die zugespitzte nicht ungleiche Basis, die etwas spitzeren Randzähne und durch die dem Rande weniger
genäherten vollkummeu gruudstäudigen seitlichen Basalnerven. Ob man es hier mit einer Varietät des Z. Unyeri
oder mit einer besonderen dieser nächst verwandten Art zu thun hat. lässt sich nach dem einzigen Blatte,
Fig. 7, das in Savine zum Vorsehein kam, nicht befriedigend entscheiden. Bemerkenswerth aber ist, dass in
Häring, wo die Blätter fies Z. Ungeri zu den häufigsten Pflanzenfossilien zählen, und einige Varietäten des-
selben zu Tage knmen, eine dem oben beschriebenen Blattfossil entsprechende Varietät nicht beobachtet
worden ist. Die Nervation, in Fig. la vergrössert gezeichnet, stimmt mit Ausnahme des erwähnten Verhaltens
der Basalnerven mit der von Z. Ungeri überein.
Ich erwähne hier noch, dass .^/^y/p/ms/)arrtrfmacMS Ung. sp. auch in Savine (Steinbruch) und in Trifail
gefunden worden ist. Von den übrigen Rhamneen der fossilen Flora von Sagor ist Berchemia muUinerms A.
Braun auch an der erstgenannten Localität zum Vorschein gekommen.
Ord. JUGLANDEAE.
Juglans rectinervis m.
Taf. XXXII, Fig. U.
Fossile Flora von Sagor, II, 1. c, S. 198, Taf. n, Fig. 1.
Fundorte; Savine (Stollen und Steinbruch).
Im Steinbruch bei Savine fand sich das Blättchen Fig. 14, welches die charakteristischen Merkmale der
Nervation dieser Art bestätigt und ergänzt. Die Secundäruerven erscheinen fast noch mehr einander genähert,
als an dem a. a. 0. abgebildeten Exemplar vom Stollen bei Savine, und die auffallend schiefe Basis des
Blättchens ist besser erhalten.
Carya prae-oUvaeformls n. sp.
Tat". XXXII, Fig. 20.
C.folüs sub S-Jugitif^J, folioliti brevissime petiolatis ovato-lanceolatis, basi inaequalibus, apice acuminatis, margine
remote serrulatis; nervatione brochidodroma, nervo prwiario prominente recto excurrente ; nereis secundarüs
paucis sab angidis 40 — 55° orientihus, prominentibus marginem adscendentibus, inter se conjunctis; nervis ter-
tiariis angido acuto vel subrecto egredientibus, remotis inter se conjunctis.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Auf einem schönen Schaustücke zusammen mit Sequoia Couttsiae, Banksia longifolia, Mgrica lignitiini und
Salix aquitanica sieht man ein Theilblättchen dieser Art. Dasselbe ist ausserordentlich ähnlich dem der nord-
amerikanischen Carya oh'vaeformis Nutt. (s. Ett., Blattskelete der Dicotyledoneu, S. 175, Fig. 175) und unter-
scheidet sieh von demselben nur durch das weniger kurze Stielcheu und die viel kleineren, entfernter von
einander gestellten Randzähne, die dem unbewaifneten Auge kaum sichtbar sind. In der Nervation, von welcher
Fig. 20a eine Vergrösserung gibt, konnte ich keinen Unterschied zwischen beiden entdecken.
Carya trifatlensls n. sp.
Taf. XXXII, Fig. 13, 13 a.
C. foliis 3 — i-jugis{'ij, foliolis lanceolatis apice acuminatis, margine serrafis, subtus liispidis scabris; nervatione
camptodroma, nervo primario valido, prominente recto, excurrente; nervis secundarüs nuinerosis sub angulis
55 — 65° orientibus, inter se conjunctis; nervis tertiariis angulis acutis egredientibus, approximatis inter se
conjunctis.
Fundort: Trifail (Brandschiefer).
Es liegt nur ein Bruchstück des länglichen lanzettförmigen Blättchens dieser Art vor, das jedoch so viele
charakteristische Merkmale zeigt, dass die Bestimmung der Gattung und sogar der nächstverwandten lebenden
Art keinen Zweifel übrig liess. Das Fossil trägt das Gepräge der C'ar(/a-Blättchen, insbesondere der nord-
amerikanischen C. sulcata Nutt. (Ett., Blattskelete der Dicotyledoneu, Taf. 74, Fig. 5; Taf. 75, Fig. 9)
r)ie foi^sile Flora von Sagor in Kraiii. 25
ganz und gar an sicli. Doch vcrrätli es eine mehr längliob - Innzettliche Form und dieser entsprechend zahl-
reichere Secuudärnerven. Am Fossilreste, welclies den Gegendruck der unteren Blattfläche darstellt, gewahrt
mau dicht gestellte kleine l'unkte, welche Knötchen entsprechen, an denen steife Härchen sassen. Bei passen-
der Beleuchtung des Abdruckes kann man die Abdrücke der Borsten deutlich sehen und selbe von den feinen,
minder gedrängt stehenden Tertiärnerven wohl unterscheiden. (S. die Vergrösserung, Fig. 13«.) Ahnliche
Knötchen und Haare zeigen auch die Blättchen der Carya sulcata, wie man an den citirten Naturselbstabdrücken
wahrnehmen kann.
Von den übrigen Carya-kxten der fossilen Flora von Sagor ist nur noch zu bemerken, dass C. Heerii Ett.
auch aus dem Stolleu von Savine zum Vorschein gekommen ist.
ErigelhardUa Brongniayti Sap. var. producta.
Taf. XXXII, Fig. 15.
Au dem verlängerten mittleren Flügel der Hülle des in Fig. 15 dargestellten Fruchtfossils von Savine
(Stollen) sind die grundständigen spitzläufigen Nerven auffallend verkürzt und eine verhältnissmäs.sig grössere
Zahl von Secundärnerven zur Entwicklung gekommen. Der vierte kleinste Zipfel des Involucrums fehlt. Es hat
fast den Anschein als hätte man hier eine besondere Art vor sich. Es dürfte jedoch das Fruchtfossil, Fig. 5, auf
Taf. XVII der fossilen Flora von Sagor, IL Theil, eine Übergangsform zu der in Rede stehenden bilden, da
dort die grundständigen Nerven des genannten Mittelflügels, in iln-er Entwicklung etwas zurückgeblieben, die
Spitze nicht erreichen, hingegen die oberen Secundärnerven etwas reichlicher auftreten. Das Fehlen des
vierten Flügels kommt oft vor, da er abfällig, manchmal auch verdeckt ist, wesshalb man hierauf kein Gewicht
legen kann. Eine solche Frucht mit einer scheinbar nur dreitheiligen Hülle, in Fig. 16« dargestellt, ist von
Exemplaren, die den vierten Zipfel besitzen, wie Fig. 4 und 6, Taf. XVII, in keiner Weise verschieden.
Ord. ANACARDUCEAE.
Uhus prisca m.
Ettingsh. Tertiärflora vou Iläriug, S. 79, Taf. XXVI, Fig. 13—23. — 0. Heer, Tertiiirflora der Schweiz, Bd. III, S. 83,
Taf. Ii7, Fig. 10—1-2.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Es liegt von obiger Localität ein Theilblättchen dieser Art vor, das mit dem vou 0. Heer a. a. 0., Fig. 12t,
abgebildeten am meisten übereinstimmt; dann ein zweites, das die Mitte hält zwischen den Blättchen, Fig. 20
und 21 1. c, der fossilen Flora von Häriug.
RJius sagorlana m.
Taf. XXXII, Fig. 10.
Fossile Flora von Sagor, II, 1. c, S. -200, Tat. 18, Fig. 1—5, 8—14, 16—19.
Von den zahlreichen Blattformen dieser Art, welche am a. 0. dargestellt werden konnten, füge ich noch das
in Fig. 10 abgebildete Blättcheu von Savine (Steinbruch) bei, das zwar in der Grösse von den erwähnten sehr
abweicht, aber wegen der vollständigen Übereinstimmung in der Nervation und allen übrigen Merkmalen
gleichfalls hieher gehört. Dieses Theilblättchen, au dem der lange Blattstiel noch haftet, gleicht kleinen Blätt-
chen von wildwachsenden Exemplaren der analogen Bhus viminaUs.
Bims obovata Ung. sp.
Taf. XXXII, Fig. s, 8 a.
Ettingsh., Beiträge zur Kenntnis der fossilen Flora von Radoboj, Sitzungsber., Bd. 61, S. 24 u. 64. — Syn.: Echitoniuin
obovatum Ung. Sylloge plant, foss. III, Tab. V, Fig. 13, 14. — Fossile Flora vou Kadoboj, Taf. IV, Fig. 3.
Fundort: Savine (Stollen).
Ein Theilblättchen, welches zwischen den von Unger a. a. 0. dargestellteu in der Form und Grösse vou
einander etwas abweichenden Blattfossilien die Mitte hält. Das Blattnetz, welches an unserem Fossil besser
Denkschriften der mathom.-naturw. Gl. L. Bd. 4
26 Consianfln r. Effingshausen.
erhalten ist als au dem Blättclien von Radoboj, ist in Fig. Sa vergrössert zur Anschauung gebracht. Dasselbe
stimmt sehr gut zu der Nervation einiger südafrikanischen Bhus-Artan mit dreizähligen Blättern, was ich auch
schon aus den Radobojer Fossilien nachzuweisen in der Lage war.
Mhus Latotiiae n. sp.
Taf. XXXII, Flg. 9.
B. foliis trifoliatis, foliolis subtnembranacäs, rotundato-obovatis , remote denticidatis, basi attenuatis; ntrvaiione
camptodroma, nervo iJrimario prominente recto , apicem versus valde attenuato, nervis secundarüs paucis, sub
angulis 65 — 75° orientibus, temiibus, infimis abbreviaüs, angulis acutioribus egredientibus; nervis tertiariis
tmuissimis, angulo subrecto insertis, dictyodromis.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Ein Theilblättchen, welches dem der vorigen Art in der Form und dem Charakter der Nervation nach
ähnlich ist, jedoch durch folgende Merkmale von demselben abweicht. Die Textur ist mehr häutig, der Rand
mit einigen Zäbnchen besetzt; der Priraärnerv tritt stärker hervor; die Secundärnerven sind in geringerer
Zahl vorhanden und stehen weiter von einander ab; die untersten verkürzten entspringen unter viel spitzeren
Winkeln; das Netz ist feiner und desshalb am Abdruck mehr verwischt. Das Theilblättchen ist überdies
bedeutend grösser; da dasselbe an einer anderen Fundstelle als das der vorigen Art zum Vorschein gekommen,
so dürfte endlich auch dieser Umstand dafür sprechen, dass es einer besonderen Art angehört,
Ord. ZANTHOXYLEAE.
AilantJius Ovionis n. sp.
Taf. XXXU, Fig. 19.
A. Samara lanceolato-oblonga, subcoriacea, nervatione obsoleta, pericarpio elliptico.
Fundort: Savine (Steinbruch).
In der Grösse und Form der Frucht schliesst sich diese Art an Ailanthusmicrosperm.aI{eer, unterscheidet
sich aber von derselben, sowie von allen anderen bisher beschriebenen fossilen Arten dieser Gattung durch die
derberen, fast iederartigen Flügel. Die Nervation der letzteren ist verwischt; doch lassen sich Spuren von
Längsstreifeu , wie solche an den Äilanthus-FmchtMgein vorkommen, noch erkennen.
Ord. MYRTACEAE.
Eucalyptus oceanica Ung.
Taf. XXXn, Fig. 16 6, 18.
Fossile Flora von Sagor, H, 1. c , S. 203, Taf. XVH, Fig. 10—18.
Von dieser im Gebiete unserer fossilen Flora sehr verbreiteten Art kam das hier in Fig. 16i abgebildete
Blatt aus einem Brandschiefer bei Trifail zum Vorschein. Die sehr selten erhaltene Nervation ist deutlich
wahrnehmbar und stimmt mit der eines Blattes dieser Art von Savine (Stollen), in Fig. 18 vergrössert
gezeichnet, vollkommen überein. Neben dem erwälinten Blatte liegt eine wohlerhaltene Frucht der Engelhardtia
Brongniarti Sap., Fig. 16 a.
Ich füge hier noch die Bemerkung bei, dass von Eucahjiitus grandifolia m. auch in Trifail und Savine
einige Blattfossilien entdeckt worden sind ; endlich, dass von CalUstemophyllum melaleucaeforme m. ein Blatt in
Trifail gefunden worden ist.
Ord. AMYGDALEAE.
Prunus mohikana Ung.
Ung er, Sylloge plant, foss. III, p. 62, Tab. XIX, Fig. 1—7.
Fundort: Trifail.
Von dieser bisher nur aus den Schichten von Radoboj zu Tage geförderten Art sind mir von Trifail einige
Blattreste zugekommen, welche zu den von Unger a. a. 0. abgebildeten Blattfossilien vollkommen passen.
Die fossile Flora von Sagor in Krain, 27
Ord. PAPILIONACEAE.
a) LOTEAE.
Psoralea palaeogaea Sap.
Fossile Flora von Sagor, II, 1. c, S. 205.
Fundorte: Sagor (Bachschichte), Savine (Steinbruch).
Ausser dem Theilblättchen, das aus der Localität „Bachscbichte" in Sagor zum Vorschein gekommen ist
und dessen schon a. a. 0. Erwähnung geschah, fanden sich noch zwei Blättchen dieser Art im Steinbruch bei
Savine.
Glycyrrhi^d Blanduslae Ung.
Taf. XXXII, Fig. 25, 26.
Unger, Sylloge plant, foss. II, p. 20, Tab. IV, Fig. 6—10.
Fundort: Savine (Stollen).
Zwei Theilblättchen, welche zu den von Unger a. a. 0. abgebildeten Resten dieser Art gut passen.
Fig. 26 zeigt die Nervation wohlerhalten, jedoch eine verletzte Basis. Dieselbe ist aber am Blättchen, Fig. 25
erhalten. Form und Nervation des Letzteren stimmen mit Fig. 9 1. c. von Parschlug genau liberein.
Hobinia Sesperiäum Ung.
Unger, Sylloge plant, foss., p. 21, Tab. IV, Fig. U— 17.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Aus der genannten Localität liegen Hülsen, Samen und Blättchen, wie aus Parschlug vor, welche weder
über die Zugehörigkeit dieser Reste zur Gattung Bobinia, noch über das Vorkommen der Bohinia Hesperidum in
unserer fossilen Flora einen Zweifel übrig lassen.
Als die nächst verwandte lebende Art ist R. Pseudo-Acada L. zu betrachten.
Robinia Druidum n. sp.
Taf. XXXII, Fig. 28.
B. leguminihus oblongis, compressis, hast angustatis, medio valde coardatis; seminibus rotundatis.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Eine Hülse, welche länglich, auffallend flach, an der kurz gestielten Basis verschmälert und in der Mitte
stark zusammengezogen ist. Durch diese Merkmale dürfte sich dieselbe von der ähnlichen Hülse der vorigen
Art unterscheiden.
h) PHASEOLEAE.
Erythrina TTngeri m.
Taf. XXXII, Fig. 21, 22.
Fossile Flora von Sagor, U, 1. c, S. 206, Taf. XIX, Fig. 2—5.
Fig. 21 stellt ein wohlerhaltenes Blättchen dar, dem nur die Spitze fehlt; Fig. 22 ein kleines Blättchea
dieser Art. Beide Exemplare stammen vom Steinbruche bei Savine. Die Theilblättchen der Erythrina üngeri
unterscheiden sich von denen der verwandten E. daphnoides Ung. auch durch die abgerundete oder fast herz-
förmige Basis, was an Fig. 21 deutlich ersichtlich ist.
Kennedya PhaseolUes m.
Taf. XXXn, Fig. 23.
Fossile Flora von Bilin, III, 1. c, S. 56, Taf. 55, Fig. 22.
Fundort: Savine (Steinbruch).
Das in Fig. 23 dargestellte Fossil ist ein Seitenblättchen, das noch mit dem gemeinschaftlichen Blattstiel
in Verbindung steht. Die Kennedi/a- Arten haben dreizählige Rlätter mit einem gestielten Endblättchen und
4*
28 Constantin v. Ettincjshausen.
zwei sitzenden Seiteublättclien. An genanntem Fossil sind die Tertiärnerven besser erhalten als an dem a. a. 0.
abgebildeten Blättchen von Kntschlin. Dieselben entspringen beiderseits der Secundärnerven unter nahezu
rechtem Winkel.
Eennedya orbicularis Ung. sp.
Taf. XXXII, Fig. 24.
Syn.: Phaseolites orhicularis Ung. Fossile Flora von Sotzka, S. 54, Taf. 39, Fig. a, 1. — Ettingsh., Fossile Flora von Sagor,
n, 1. c, S. 207, Taf. XVII, Fig. 19.
Fundorte: Tüffer, Savine (Steinbruch).
Die Blättchen dieser Art haben eine auiTallende Ähnlichkeit mit denen der australischen Ketiimh/a-Arten,
namentlich der A'^. arenaria Benth. und der K. prostrata \\. Brown (vergl. Ett., rapilionaceen, Sitzungsber.,
Bd. XII, Tat'. V, Fig. 4—6). Fig. 24 stellt ein kleineres Blättchen dar, das aus dem Steinbruch bei Savine zum
Vorschein kam.
Phaseolites eutychos Ung.
Uuger, Sylloge plant, foss. II, p. 21, Tab. V, Fig. 13 (ex parte).
Fundort: Trifail.
Es fanden sich an bezeichneter Localität einige Theilblättchen, die einer Phaaeolee angehören dürften und
welche ich am besten dieser Art einreihen zu sollen glaube.
Ord. CAESALPINIEAE.
Cassia hyperborea Ung.
Ungei-, Fossile Flora von Sotzka, S. 58, Taf. 43, Fig. 2. — Ettingsh., Tertiäre Flora von Häiiiig, ,^.91, Taf. 30, Fig. 12-14-
— Heer, Tertläiflora d. Schweiz, Bd. III, S. 119, Taf. 137, Fig. 57—61.
Fundort: Trifail.
An benannter Localität fanden sich einige Blättchen dieser Art, zugleich mit denen der Cassia Phaseolites
Ung. und C. Berenices Ung.
Cassia Memnonia Ung.
Taf. XXXII, Fig. 27.
Fossile Flora von Sagor, II, 1. c., S. 222.
Das hier abgebildete Blättchen dieser Art stammt von Trifail. Ausserdem wurde dieselbe auch im Stein-
bruch von Savine gefunden. Ich bemerke endlich, dass Blättchen von Cascia amlii(jua Ung. nun auch von Trifail
und Sagor (Friedhofschichte) vorliegen.
Ord. MIMOSEAE.
Acacia sotzkiana Ung.
Taf. XXXU, Fig. 29.
Ettingsh. Fossile Flora von Sagor, II, 1. c., S. 212.
Die Hülse, Fig. 29, welche /.u den bis jetzt bekannt gewordenen Htilsenfragmenten dieser Art am besten
passt, stammt vom Steinbruche bei Savine. Die geschnabelte Spitze derselben ist wohl erhalten.
Die fossile tlora von Sacjor in Krain. 29
B. Allgemeine Resultate.
I. Reichhaltigkeit der Flora.
Die Bearbeitung der aus dem Braunkohlengebiet Sagor-Tüifer bis jetzt zu Tage geförderten fossilen
Pflanzenresfe ergab eine Flora von 387 Arten, welche sich auf 170 Gattungen, 75 Ordnungen und 33 Classen
vertheileu. Es fallen den Kryptogamen 21, den Phauerogamen 3G6 Arten zu. Von den letzteren gehören zu den
Gymnospermen 18, zu den Monotyledoneu 14, zu den Dicotyledonen 334 Arten. Die Apetalen zählen 117, die
Gamopetalen 61 und die Dialypetalen 156 Arten. Von den beschriebenen Arten der fossilen Flora von Sagor
sind 132 für die Flora der Vorwelt neu; die übrigen bereits aus anderen tertiären Localfloren bekannt. Nur
18 Arten sind Wasserpflanzen und von diesen lebten drei im salzigen Wasser, die übrigen, wie die zu Ohara,
Equisetum, Pliraymifes, Cijperus, Pofamotjeton, Najadopsis, Najadonium, Ti/pita, Ledum, Änceciomeria und
Nymphaea gehörigen Gewächse waren Bewohner des süssen Wassers. Den bei weitem grössten Theil der
Flora aber bildeten die Bewohner des Festlandes. Die Ordnungen der Pandaneen, Palmen, Cinchonaceen,
Apocynaceen, Sapotaceen, Ebenaeeen, Bombaceen, Malpighiaceen, Vochysiaceen, Combretaceen; die Gattungen
Firns, Pterospernium, EngeUmrdtia, Dalhergia, Caesalpinia, Cassia und Acacia deuten auf ein tropisches oder
wenigstens subtopisehes Klima hin. Die Mehrzahl dieser Gattungen fällt auf die Flora der Liegendschichten
(Friedhofschiclite). Von den Ptlanzenformen der gemässigten Zone, wie Betulaceen, Carpinus, Fagus, Corylus,
Ulmus, Acer, Juglans u. s. w., kommt die Mehrzahl der Flora der Hangendschichten zu. Es sind daher in
Sagor zwei dem Alter und dem allgemeinen Charakter der Flora nach verschiedene Floren zu unterscheiden,
was weiter unten noch ausführlicher begründet wird.
Die Erhaltung der fossilen Pflanzenreste kann im Allgemeinen als eine vortreffliche bezeichnet werden;
insbesondere lieferten die Savineschichten ein prachtvolles Material. Es fanden sich daselbst zahlreiche Blätter
mit wohlerhaltener Nervation, ganze Zweige, Blüthenstände, einzelne Blütheu oder deren Theile, Frucht-
stände, einzelne Früchte und Samen. Es war sonach in vielen Fällen möglich, die Bestimmung der Gattung
und Art auf Pflanzentheile verschiedener Kategorie zu stützen. In der Mehrzahl lagen allerdings nur Blätter
vor. Ein sorgfältiges vergleichendes Studium der Blätter kann aber auch hier zum Ziele führen. Wir haben es
desshalb im Interesse der Sache vorgezogen, uns diese Mühe aufzuerlegen, anstatt arbeitsscheu das ganze
Material als unbestimmbar bei Seite zu schieben. Nicht ein beliebiges Aburtheilen Unberufener, sondern
spätere Forschungen auf Grundlage eines vollständigeren Materials werden zu entscheiden haben, welche von
den vorläufig nur auf Blätter gestützten Bestimmungen der Arten sich bewähren.
II. Floreuelemente.
Je weiter wir in der Erforschung der Tertiärflora fortschreiten, desto deutlicher tritt der Charakter dieser
Flora als einer die jetzigen Floren vorbereitenden universellen Stammflora hervor. Dieselbe enthielt die
elementaren Bestandtheile der Floren noch vereinigt. ' Ein specifisclier Charakter ist daher in der Tertiärflora
noch nicht ausgesprochen. Im Verlaufe der Florenentwicklung trennten sich diese Elemente zu selbstständigen
Floren, was aber nur dadurch geschah, dass die Elemente sich in verschiedenen Gebieten der Erde in ver-
schiedener Weise ditferenzirt haben. Durch die vorwaltende Ausbildung Eines Elementes entwickelte sich der
Charakter einer Flora. Ich habe vorgeschlagen, die Florenelemente nach jenen Erdtheilen, in welchen dieselben
ihre grösste Entfaltung erreicht haben, zu bezeichnen. Selbstverständlich soll damit nicht zugleich die Genesis
1 In mehreren von der kais. Akademie der Wissenschaften veröflfentliehten Abhandlungen habe ich den Nachweis
geliofert, dass die Tertiäiflor;i Europas in dieser Bcziohuug keine Ausnahme bildet, sondern dass auch die Tertiärfloren
anderer Erdtlieilc, so weit dieselben untersucht werden konnten, den gleicheu Mischlingscliaralitcr an sich tragen.
30 Constantin v. Etf ingshausen.
der Florenelemenfe angedeutet sein, denn es wäre wolil ein Irrthum, anznnehmen, dass die Florenelemente
immer dort entstanden sind, wo dieselben die grösste DiiFerenzining erlangten. Die Gattung Glyptosirohus
zählen wir zu dem chinesisch japanesischeu Florenelement. Es ist aber kein Grund vorhanden, anzunehmen,
dass dieselbe in China oder Japan entstanden sei. Wir finden diese Gattung im Tertiär viel weiter verbreitet
als in der Jetztwelt. Es ist anzunehmen, dass dieselbe aus der Tertiärflora in die heutige Flora übergegangen
ist; über den Ursprung jedoch wissen wir bis jetzt nichts. Die Gattung Cinnamomum ist fast in allen bis jetzt
genauer untersuchten Tertiärfloren enthalten. Wir zählen dieselbe zu dem ostindischen Florenelement. Ob sie
aber in Ostindien, wo heutzutage die grösste Zahl ihrer Arten anzutreffen ist, ihren Ursprung genommen hat,
entzieht sich noch jeder Untersuchung. Dies zur Berichtigung von Missverständnissen.
Die oben erwähnte Beschaffenheit der Tertiärflora hat durch die fossile Flora von Sagor weitere Bestätigung
erhalten. Es sind hier folgende Florengebiete der Jetztwelt vertreten (s. die Tabelle):
Australien durch Actinostrohus, Casuariiia, Leptomeria, Saiitahim sp., Conospermtim, Persoonia, Grevilleu,
Hakea, Lambertia, Lomatia sp., Banksia, DrijancJra, Notelaea, Myoporum, Loranthus sp., CaUicoma, Ceratopetalum,
SfercuNa sp., Dodonaea sp„ Bursana, Elaeodendron sp., Pomaderris, Eucali/pfus, Kennedya sp.
Nordamerika und Mexico durch Taxodium, P/wms sp., Myrica si^., Betida s^., Fagus s^., Ostrya »\>.,
Quercus sp., Ulmus sp., Platanus sp., Symplocos sp., Vaccinium sp., Cornus sp,, Magnolia sp., Acer sp., Evonymus
sp., Prinos, Berchemia, Ile.r, Carya, Ptelea sp., Prunus sp., Bobim'a, Erythrina.
Brasilien und das tropische Amerika im Allgemeinen durch Blechnm». s\y., Ficus sp., Pisonia sp.,
Persea sp-, Ocofea, Andromeda sp., Weinmannia sp., Bomhax sp., Ternstroemia, Tetrapteris, Banisteria, Sapindus
sp., Zanthoxylum sp., Vochysia, Dioclea, Machaerium, Cassia sp., Acacia sp.
Ostindien durch Casfaitojms, Ficus sp., Phoebe sp., Cinnamomum, Mimusops, Sterculia, Pterospermum,
Pitfosporum sp., Dalhergia, Sophora sp., Caesalpinia.
China und Japan durch Glyptostrohus, Cinnamomum sp., Hydrangea sp., Acer sp., Styphnolohium.
Europa durch Pinus sp., Phragmites, Zostera, Typha, Älnus, Carpinus, Corylus, Casfanea, Ulmus sp.,
Ligustrum, Olea sp., Fraxinus sp., Vaccinium sp., Acer sp., Pisfacia sp., Prunus sp., Psoralea sp.
Afrika durch CallUris, Kennedya sp., Olea sp., Coussonia, Celastrus sp., Pterocelastrus, Rhus sp.
Ausserdem sind in der fossilen Flora von Sagor vertreten: Kleinasien durch Populus sp., Oleasp.,
Bhododendron sp., Juglans sp.; der Kaukasus durch P/awera sp., Rhamnus sp., Pterocarya; Californien
durch Libocedrus sp., Sequoia, Pinus sp.; Chile durch Podocarpus sp., Laurelia, Cassia sp.,; Canarien durch
Davallia sp., Laurus sp., Persea sp.; Neuseeland durch Hedycarya sp., Cenarrhenes, Weinmannia sp.; Java
durch Zizyphus sp.; die Philippinen durcli Ahtonia sp. und Engelhardtia sp.; Madagaskar durch Dios-
pyros sp.; Norfolk durch Araucaria sp., Elaeodendron sp.; St. Mauritius durch Celastrus sp.
III. Vergleichimg der fossilen Flora von Sagor mit anderen Floren der Tertiärzeit.
Gruppirt man jene bis jetzt untersuchten Tertiärfloren, deren Vergleichung mit der von Sagor ein Interesse
darbietet, nach der Zahl der übereinstimmenden Arten, so erhält man folgende Reihenfolge: Bilin (121);
Schweiz (100); Moskenberg (88); Radoboj (76); Häring (70); Sotzka(68); Eocänflora Englands (66); ältere
Braunkohlenflora der Wetterau (51); Tertiärflora vom süd-östlichen Frankreich (42); miocäne baltische Flora
(38) ; Senigallia (38) ; arctische Tertiärflora (37) ; niederrheinische Braunkohlenformation (37 j ; Parsclilug
(36); fossile Flora der Cerithiea- und Congerienschichten (36); nordamerikanische Tertiärflora (32); Monte
Promina (31).
Mit der fossilen Flora von Bilin ' hat die von Sagor nachfolgende Arten gemein; und sind hier die
Arten aus den tieferen Schichten (Kutschlinj durch gesperrte Cursivlettern hervorgehoben: Bleclmum Braunii,
Libocedrus salicornioides, Taxodium distichum miocenicum, Glyptostrobus europaeus, Sequoia Langsdorfii,
1 Ettingsb., Fossile FloiJi des Tertiärbeckens von Bilin, I— III, Denkschriften, Bd. 26, 28 u. 29. 1866—1869.
T>ie fus.stlc Flora 'twn Sagor in. Kram. 31
Äraticaria Sternher gii, Podocarpus eocenica, Phragmites oeningensls, Typha latissima, Casuarina sotz-
kiana, Myrica salkina, M. Ikjnitum, M. acuminata, M. liaerhigiana, M. banksiaefolia, Betula Dryadum,
B. prisca, B. Brongniartii, Alnus Kefersteinii, A. gracilis, Carpinus Heerii, Fagus Feroniae) Castanea atacia,
Quercus Daphnes, Q. drymeja, Ulmus Bronnii, U. Braunii, Planera Ungeri, Ficus lanceolata, F. Morluti, F.
Goepperti, F. clusiaefolia, F. rectinervis F. Jynx, F. arcinervis, F. ApolUnis, F. wetteravica, F. Daphno-
genes, Artocarpidium Ungeri, Platanus aceroides, Populus mutabilis, Hedycarya europaea, Laurus
primigenia, L. p>hoehoides, L. ocoteaefolia, L. Lalages, L. Agathophyllum, L. princeps, Persea speciosa,
P. Heerii, Cinnamomum Eossmaessleri, C. Scheuchzeri, C. lanceolatum, C. polymorphum, G. specta-
hile, Santalum salicinum, S. acheronticum, Banksia longifolia, Grevillea haeringiana, Cinchonidiutn
bilinicum, Ligustrum priscum, Fraxlnus primigenia, Apocynophyllum Reussii, A.pachyphyUum, A. Amso nia,
Fchitonium superstes, Myrsine Doryphora,Sapotacites sideroxyloides, S.Daplines, S. emarginatus, S. minor,
Buinelia Oreadum, Diospyros hraclbysepala, D. hilinica, Androineda protogaea, Vaccinium acJicronii-
cum, Cornus Büchii, Callicoma microphylla, Ceratopetalum haeringianum, Anoectomeria Brong-
niartii, Nympliaea gypsorum,Bombax chorisiae/olium,Sterculia Labrusca, S. laurina, Ternstroemia
bilinica, Acer integrilobum, A. trilobatum, A. Eüminianum, Sapindus falcifolius , Dodonaea Apocyno-
phyllum, D. Salicites, Celastrus Aeoli, C. cassinefolius, C. Acherontis, C. Pseudo-Ilex, C. Hippo-
lyti, Pterocelastrus elaenus, Elaeodendron Persei, E. degener, Berchemia multinervts, RhamnusGau-
dini, R. paucinervis, Pomaderris acuminata, Juglans acuminata, Pterocarya denticulata, Engelhardtia
Brongniartii, Rhus hydrophi la, E.jrrisca, Eucalyptus oceanica,E. grandifolia, Callistemophyllum
melaleucaeforme, Eugenia ApolUnis, Kennedya Phaseolites, Dalbergia haeringiana, Machaerium
palaeogaeum, Cassia Phaseolites, C. hyperborea, C. Feroniae, Acacia sotzkiana, A. parschlugiana, Mimo-
sites palaeogaea.
Es tritt deutlich hervor, dass hier jene Arten, welche auch den Schichten von Kutsehliu zukommen, über-
wiegen.
Mit der Tertiärflora der Schweiz ^ theilt die fossile Flora von Sagor folgende Arten. Die Namen der
den älteren Schichten der aquitauischen Stufe augehörenden Arten sind in gesperrter Cursivschrift gedruckt.
Es sind: Sphaeria Secretani , üliara Meriani, Taxodium distichum miocenicum, Glyptostrobus europaeus,
Sequoia Langsdorfii, Araucaria Sternbergii, Pinus Palaeo-Strobus, P. liepios, Podocarpus eocenica,
Phragmites oeningensis, Zostera Ungeri, Typha latissima, Myrica deperdita, M. salicina, M. ligni-
tum, M. acuminata, M. banksiaefolia, Betula Dryadum, B. Brongniartii, Alnus Kefersteinii, A. gra-
cilis, Carpinus Heerii, Quercus Daphnes, Q. drymeja, Q. Lonchitis, Q. tephrodes, Q. Gmelini, Ulmus
Bronnii, U. plurinervia, U. Braunii, Planera Ungeri, Ficus lanceolata, F. Morloti (?), F. multinercis,
F. Jynx, F. arcinervis, Platanus aceroides, Populus mutabilis, Pisunia eocenica, Lauras primigenia, L.
ocoteaefolia, L. Agathophyllum, L. princeps, Persea speciosa, Cinnamomum Rossmaessleri, C. Scheuch-
zeri, C. lanceolatum, C. polymorj^ihum., C.spectabile, Grevillea haeringiana, Banksia longifolia,
Sapotacites emarginatus, S. minor, Mimusops tertiaria, Diospyros brachysepala, D. anceps, Andromeda
protogaea, Vaccinium acheronticum, Cornus BäcJiii, Acer integrilobum, A. trilobatum, A. Räminianum,
Sapindus falcifolius, S.undulatus, S. dubius, Celastrus Aeoli, C. Andromedae, C. cassinefolius, C. Ache-
rontis, C. protogaeus, C. Pseudo-Ilex, C. oxyphyllus, C. Murchisoni, Pterocelastrus elaenus. Hex steno-
phylla, Berchemia multinervis, Rhamnus Gaudini, R. Dechenii, Juglans acuminata, Carya
elaenoides, Pterocarya denticulata, Rhus prisca, TerminaUa radohojensis, Eucalyptus oceanica, Gly-
cyrrhiza deperdita, Robinia crenafa, Kennedya orbicularis, Dalbergia valdensis, D. primaeva, SopJiora
europaea, Cassia Phaseolites, C. Berenices, C. liyperborea, C. Feroniae, C. 1 ignitum, C. ambigua, C.
stenophylla, Podogonium Lyellianum, Acacia sotzkiana, A. parschlugiana.
• 0. Heer, Tertiärflora der Schweiz, Bd. I— III. I8ö5— 1859.
32 Consianfin v. Efthu/fihausen.
Mit Moskenberg bei Leoben ' hat Sagor, und zwar sind es vorzugsweise dieSavinesclüchten, folgende
Arten gemein: CaUifris Broiicjniartii, Libocedrus saUcornioides, Taxodium distichum miocenicion, Gli/ptostrohus
europaeus, Sequoiä Lanc/sdorßi, S. Couttsiae, S. Tourncdii, Pinus Palae-Strohus, P. Iiepios, Podocarpus eocenica,
Phragmiies oeningemis, Typha latissima, Casuarina sotzMana, Myrica salkina , M. haeringiana , M. liynitum
BetuJa Dryadum, B. prisca, B. Brongniartii, AJnus Kefersteinii, A. graälis, Osfrya Ätlantidis, Fagus Feroniae,
Castanea atavki, Quercus Apocynophylhim, Q. Lonchitk, Q. Gnielini, ülmus Bronnii, U. Braunii, Planera TJngeii,
Ficus Janceolaia, F. Morloti, F. tenuinenis, F. Jynx, Platanus aceroides, Laiirus primigenia, L. ocoteaefolia,
L. AgathophyUwn, Cinnamomum Bossmaessleri, C. Scheiichzeri, C. lanceolatum, C. polymorphum, Santalum
salicinum, S. osyrinum, Persoonia Daphnes, Grevillea haeringiana, Fhnhothrium macropterum, Banksia longifolia,
Cinchonidium Ulinicum, Apocynophyllum Beussii, A. haeringianum, A. Amsonia, Echäonium microspermum,
Myrsine Doryphora, Sapotacites sideroxyloides, S. emarginatus, S. minor, Bumelia Oreadum, Diospyros hrachy-
sepala D. anceps, Vaccinium acheronticum, Andromeda protogaea, Ceratopetalum haeringianum, Anoectomeria
Bronuniarfii, Sterculia Labrusca, S. laurina, Acer triJohatum, Sajnndus falcifolius, S. didiius, S. Pythii, Cela-
strus Aeoli, C. Hippolyti, C. europneus, Elaeodendron styriacutn, Bex stenophylla, Bhamnm Gaudini, Pomaderris
acuminata, Juglans acuminata, Terminalia miocenica, Eucalyptus oceanica, CallistemophyUmn acuminatmn, Pru-
nus Palaeo-Cerasusj Balberyia haeringiana, D. primaeva, Sophora europaea, Cassia Phaseolites, C. Berenices, C.
lignitum.
Mit Eadoboj ^ haben Sagor, insbesondere die Savineschichten, gemein: Cystoseira communis, Eqvisetum
affine, CaUitris Brongniartii, Libocedrus salicornioides, SequoiaLangsdorßi, Pinus Urani, Podocarpus eocenica, Smi-
lax Haidingeri, Zostera Ungeri, Typha latissima, Myrica deperdita, M. salicina, Betula Dryadum, B. prisca, Car-
pinus Heerii, Ostrya Ätlantidis, Fagus Feroniae, Quercus Lonchitis, Q. tephrodes, Ulmus Braunii, Planera Ungeri,
Ficus lanceolata, PopuJus mutabilis, Laurelia rediviva, Cinnamomum Bossmaessleri, C. Scheuchzeri, C. lanceolatum,
C. polymorphum, Santalum acheronticum, Persoonia Myrtillus, Grevillea haeringiana, Apocynophyllum Amsonia,
Neritinium majus, Echitonium superstes, E. microspermum, Myrsine Doryphora, Sapotacites Daphnes, S. minor,
S. Chamaedrys, Bumelia Oreadum, Diospyros brachysepala, D. Wodani, D. bilinica, Symplocos radobojana,
Andromeda protogaea, Ledum limnophilum, Vaccinium acheronticum, Magnolia Dianae, Acer Büminianum,
Tetrapteris minuta, Sapindus PytJiii. Bursaria radobojana, Celastrus Aeoli, C. cassinefolius, C. protogaeus, C.
oxyphyllus, C. oreophilus, C. europaeus, Bex stenophylla, I. parschlugiana, Zizyphus paradisiaca, Engelhardtia
Brongniartii, Rhus stygia, B.obovata, Terminalia radobojensis, T. miocenica, Eucalyptus oceanica, Prunus mohikana,
Kennedya orbicularis, Phaseolites Eutychos, Palaelobium radobojense, Sophora europaea, Styphnolobium europaeum,
Cassia hyperborea, C. Feroniae, C. Memnonia.
Mit Häring^ theilt Sagor, vorzugsweise die Friedhofschichte, nachfolgende Arten: CaUitris Brongniartii,
Sequoia Tournalii, Araucaria Sternhergii, Pinus Palaeo-Strobus, Podocarpus eocenica, Typha latissima, Myrica
lignitum, M. acuminata, M. haeringiana, M. banksiaefolia, Planera Ungeri, Ficus Jynx, Artocarpidium integri-
folium, Pisonia eocenica, Laurus phoeboides, L. Lalages, Cinnamomum Bossmaessleri, C. lanceolatum, C. poly-
morphum, Leptomeria distans, Santalum salicinum, S. acheronticum, S. osyrinum, Persoonia Daphnes, P.
Myrtillus, Grevillea haeringiana, Embofhrium leptospermum, Banksia longifolia, Apocynophyllum haeringianum,
Myoporum ambiguum, Sapotacites sideroxyloides, S. minor, Mimusops tertiaria, Bumelia Oreadum, Diospyros
haeringiana, Andromeda protogaea, Ceratopetalum haeringianum, Dodonaea Salicites, Celastrus Aeoli, C. Acherontis,
C. protogaeus, C. Pseudo-Eex, C. deperditus, C. oreophilus, Elaeodendron Persei, E. dubium, Bex parschlugiana,
Rhus hydrophila, B. prisca, Zanthoxyhim haeringianum, Eucalyptus oceanica, E. haeringiana, Callistemophyllum
melaleuceforme, Eugenia Apollinis, Kennedya Phaseolites, K. orbicularis, Phaseolites microphyllus, Dalbergia
haeringiana, Palaelobium heterophyllum , P. radobojense, Sophora europaea, Caesalpinia Haidingeri, Cassia
1 Ettingsh., Beiträge z. Kenntniss der Tertiärflora Steiermarks. Sitziingsber. Bd. 60, 1S69.
2 Unger, Fossile Flora von Radoboj, Denkschriften 29. Bd., 18G9. — Ettingsh. Beiträge zur Kenntniss der fossilen
Flora von Radoboj, Sitzungsber., 61. Bd., 1870.
3 Ettingsh., Tertiäre Flora von Häring, Abhandl. d. k. k. geol. ReichsanstaU, II. Bd., 1852.
Die fossile Flora von Sagor in. Kraiii. 33
PhaseoUtes, C. hypeiiorea, C. Feroniae, C. lujnitum, C. ambigua, Acacia sotzkiana, A. parsclduyiana, Mitmsites
hueringiana.
Mit Sotzka' bat Sagor die folgenden, meist der Friedhofscliichte zufallenden Arten gemein: Davallia
Haidingeri, Araucaria Sternbergii, Podocarpus eocenica, Casuarina sotzkiana, Myrica acuminata, M. haeringiana,
M. banksiaefolia, Castanea atavia, Quercus drymeja, Q. Lonchitis, Planera Ungen, Ficus Morloti, F. Jynx, Arto-
carpidium integrifoUum, PIsonia eocenica, Laurus prhnigenia, L. ocoteaefolia , L. Lalages, L. Agathophyllum,
Cinnamomum Scheuchzeri, C. Inuceolatum, C. polymorphum, Santalum salicinum, S. acheronticmn, S. osyrinum,
Persoonia Daphnes, P. Myrtillus, Banksia Jongifolia, Dryandra Ungeri, Sapotacites sideroxyloides, S. emarginatus,
S. minor, Bumelia Oreadum, Diospyros Wodani, Andromeda protogaea, Vacdnium acher onticum, Cissus Heerü,
Weinmannia sotzkiana, Ceratopetalum haeringianum , Sterculia Labrusca, S. laurina, Bursaria radobojana,
Celastrus Aeoli, C. Andromedae, C. protoyaeus, C. oreopkilus, Pferocelastrus eJaemis, Elaeodendron Persei, E.
degener, Rhus kydrophila, R. prisca, Zantlioxylum liaeringianum, Terminalia Fenzliana, Eucalyptus oceanica,
Eugeiiia Apollinis, Callistemopliyllum melaleucaeforme, Kermedya PhaseoUtes, K. orbicularis, PhaseoUtes eriosemae-
folius, Dalbergia primaeva, Palaeolobium heterophyllum, Sophora europaea, Cassia PhaseoUtes, C. Berenices, C.
hyperborea, C. Feroniae, Acacia sotzkiana, A. parschlugiana.
Mit der Eocänflora Englands* theilt Sagor bis jetzt folgende Arten, welche ebenfalls meiste ntlieils der
Friedbofscbichte angeboren: Glyptostrobus eiiropaeus, Sequoia Lanysdorßi, S. Tournalii, S. Cotittsiae, Araucaria
Goepperti, Podocarpus eocenica, Myrica sagoriana, M. salicina, M. lignitum, M. acuminata, M. haeringiana, M.
hanksiaefolia, Quercus drymeja, Q. Lonchitis, Ulmus plurinervia, Planera Ungeri, Ficus lanceolata, F. Jynx, F.
bumdiaefolia, Artocarpidium integrifoUum, Pisonia eocenica, Laurus primigenia, L. Lalages, L. Agathophyllum,
Cinnamomum Bossmaessleri, C. polymorphum, Santalum salicinum, S. acheronticum, S. osyrinum, Baphne aqui-
tanica, Apocynophyllum Reussii, A. haeringianum, Sapotacites sideroxyloides, S. emarginatus, Mimusops tertiaria,
Bumelia Oreadum, Symplocos radobojana, Andromeda protogaea, Vacdnium acheronticum, Ceratopetalum
haeringianum, Bombax sagorianum, Sterculia Labrusca, Ternstroemia bilinica, Sapindus faldfolius, Pterocelastrus
elaenus, Elaeodendron dubium, Rhus prisca, Euciihjptus oceanica, E. haeringiana, CalUstemophyllum melaleucae-
forme, Eugenia Apollinis, Glycyrrhiza deperdita, Kcnnedya orbicularis , PliascoUtes eriosemaefolius, Dalbergia
haeringiana, D. primaeva, Palaeolobium heterophyllum, Sophora europaea, Caesalpinia Haidingeri, Cassia Phaseo-
Utes, C. Berenices, C. sagoriana, C. hyperborea, C. Feroniae, C. Memnonia, Acacia sotzkiana.
Mit der fossilen Flora der älteren Braunkoblenformation der Wetteraii'' tbeilt Sagor folgende
Arten: Callitris Brongniartii, Libocedrus salicornioides, Taxodium distichum miocenicum, Glyptostrobus europaeus,
Sequoia Langsdorßi, Podocarpus eocenica, Phragmites oen/nyensis, Typha latissima, Myrica salicina, M. lignitum,
M. acuminata, M. Ungeri, Betula prisca, B. Brongniartii, Alnus Kefcrsteinii, A. gracilis, Carpinus Heerü, Fagus
Feroniae, Castanea atavia, Quercus drymeja, Q. Gmelini, Q. tephrodes, Q. Lonchitis, Ulmus Bronnii, U. pluri-
nervia, U. Braunii, Planera Ungeri, Ficus wetteravica, Populus mutabilis, Laurus primigenia, L.princeps, Cinna-
momum Bossmaessleri, C. Scheuchzeri, C. lanceolatum, C. polymorphum., C. spectabile, Santalum acheronticum,
Cinchonidium bilinicum, Apocynophyllum pachypliytlum, Myrsine Doryphora, Bumelia Plejadum, Diospyros
brachysepala, D. lotoides, Andromeda protogaea, Acer trilobatum, A. Rüminianum, Sapindus Pythii, Rhamnus
Decheni, Juglans acuminata, Terminalia radobojensis, Cassia PhaseoUtes.
Mit der fossilen Flora im südöstlichen Frankreich^ hat Sagor gemein: Callitris Brongniartii,
Libocedrus salicornioides, Taxodium distichum mioc, Glyptostrobus europaeus, Sequoia Tournalii, S. Couttsiae,
1 Unger, Fossile Flora von Sotzka, Denkschr. IL Bd., 1850. — Ettingsh., Beiträge zur Keantniss d. fossilen Flora
von Sotzka, Sitzimgsber. 28. Bd., 1S58.
- Gardner et Ettingsh. Britisch Eocene Flora, 1, 11, ls79 — 1883. — Ettiugsli. Keport on phyto-palaeontol. investi-
gations of the Fossil Flora of Sheppey. Proc-eedings K. S. Nr. 198, 1879. — Report on phyto-palaeont. investigations of
tbe Fossil Flora ofAluraBay, I.e., Nr. 202, 1880.
3 Ettingsh., Sitzungsber. 57. Bd. 1868. — R. Ludwig, Foss. Flora d. ältesten Abth. d. Rbeinisch-Wetterauer'J'ertiär-
formation. Palaeontogr. VUI. Bd. 1859.
* G. de Saporta, Etudes siir la vfigötation du Sud-Est de la France a l'epoque Tertiaire, I— LU. 1863 et sq.
Denkschriaeu dtir mathem.-Duturw. Gl. L. Hd. 5
34
Co n s i a n / / n v. Eif 1 ii (/ s h a u .s e n.
Pinus Palaeo-Strobus, Pochcarpus eocmica, Ti/pha latissima, Myrica salidna, M. lignitum, M. hanksiaefoUa,
Betula Dnjadum, Ostrija AÜanHclis, Casfanea atavia, Quercus Lonchitis, * Ulmus Bronnn, U. phirinercia, Lanrus
primigenia, L. LaJages, Cinnamotnum lanceolatum, C. pohjmorphum, C. spedabile, Leptomeria distans, Greinllea
haeringiana, Embothrium leptospermum , Mimusops tertiana, Diospi/ros haeringiana, Ändromeda protogaea,
Anoedomeria Brongniartii, Nympliaea gypsorum, Acer trüohatum, Zizgphics paradisiacus, Engelhardtia Brongni-
artü Ehus prisca, Psoralea palaeogaea, PhaseoUtes gJycinoides, Dalhergia heatstophyUirm, D. pxdaeocarpa,
Sophora europaea, Cassia PhaseoUtes, C Berenices. Die Flora des unteren Horizonts entspricht mehr der Flora
der Friedhofschichte.
Von den Arten der niiocenen Baltischen Flora ^ werden folgende auch in der Flora von Sagor an-
getroffen: Taxodium distichum mioc., Glyptostrobus enropaeus, Sequoia Langsdorfii, S. Couttsiae, Pinus Palaeo-
Strobus, P. hepios, Phragmites oeningensis , Typha latissima, Myrica lignitum, M. aewminafa, M. hanksiaefoUa,
Betida prisca, Abius Kefersteinü, A. graäUs, Carpinus Beerii, Planera Ungeri, Ficus lanceolata, Pojmlus
mutabiUs, Laiirus tristaniaefoUa, Cinnamotnum Scheuchzeri, C. lanceolatum, Myrsine DorypJiora, Sapofacifes sidero-
xyloides S. minor, Diospyros brachysepala, D. anceps, Ändromeda protogaea, Ledum Umnophilmn, Vaccinium
acheronticum, Sapindus faldfolius, Celastrus profogaeus, Elaeodendron Persei, Hex stenophylla, Rhamnus Gaudini,
Eucalyptus oceanica, Cassia PhaseoUtes, C. Berenices, C. amhigua.
Die Arten, welche die fossile Flora von Sagor mit der arktischen Tertiärflora''' tlieilt, sind aus der
untenstehenden Tabelle zu entnehmen. Die Melirzahl der gemeinsamen Arten (32) fallt auf die fossile Flora von
Grönland. Die Insel Sachalin theilt 16, Spitzbergen 12 und Island 6 Arten mit Sagor.
Übersicht der Verbreitung der gemeinsamen Arten im Gebiete der arktischen Tertiärflora.
Aufzählung der Arten der fossilen Flora von Sagor
Taxodium distichum miocenicum Heer
Glyptostrobus europaeus Brougn. sp.
Sequoia Langsdorfii Brongu. sp. . .
„ Couttsiae Heer
Araucaria Sternbergii Goepp. sp.
P/«Ms PaZoeo-S<ro6H.s Ettingsh. . .
Phragmites oeningensis A. Braun
Myrica lignitum Ung. sp
„ acumiuaia Ung
JBeiw/apmm Etttngsh
„ Brongniartii 'Ett\iiSfih. . .
Alnus Kefersteinü Goepp. sp. . . .
Carpin us Heerii Ettingsh
Corylus Mac Quurrii Heer . . . .
Fagus Feroniae Ung • •
Castanea atavia Ung
Quercus drymeja Ung
Ulmus plurinervia Ung
„ Braunii Heer
Planera Ungeri Ettingsb
Plataniis aceroitles G o e p p
Populus mutahitis Heer
Laurus jirimigenia Ung
„ AgathophyUum Ung
O
+
+
Anderweitiges Vorkommen
Maekenzie, Grinnel-Land, Tschirimyi-Kaja, Amur-
land. Mandschurei.
Maekenzie, Simouowa.
Maekenzie, Mandschurei.
Grinnel-Land.
Grinnel-Land
Grinnel-Land
Maekenzie, Grinnel-Land.
Mandschurei
Maekenzie
1 Diese Art, dann Grmillea haeringiana, Embothrium leptospermum und Acer trilobatmn sind unter anderen Benennungen auf-
geführt worden. Wahrscheinlich sind noch melircre Arten dieser Flora mit Arten anderer fossilen Floren zu identificiren.
was aber erst bei gen.auerer Vergleichung der bezüglichen Objecte festgestellt werden könnte.
2 O.Heer, Miocene Baltische Flora. 1869.
3 0. Heer, Flora fossilis avctica. I— VII, 1868 et seq.
Die fossile Ilora von Sarjor in Kraiii.
'65
Aufzählung der Arten der fossilen Flora von Sagor
O:
B
§
a
fD
SS
5'
CK
"2.
a
a
s
Anderweitiges Vorkommen
CititicimotHutH Sch&iichzßvi HöGr
+
■
Simonowa.
Simonowa.
Simouowa
Mackenzie
+
+
+
-+-
•
Acer triiohaUtm K.Hx^wn
öelüstt'us cussificfol ius ün^
Hex steuoiihullci Unj^
Rhamyiufi GundiHi Heer
+
,
JualuHS GCKmiftütd A. Briiiin
Canja tleer/i Ettiugsh
„ elaeiioides Uug
Pterocanja dentictiluta 0. Web
Die niederrheinische Braunkohlenformation ' hat mit Sagor folgende Arten gemein: Libocedrus
salicornioides, Sequoia Langsrlorßi, Myrica Ikjnitum, ' Älnus Kefersteinn, A. gmcilis, Quercus Lonchitw, Ulmus
Bromiii, U. phmnervia, Planera Unr/eri, Lauras primigenia, L. ÄgatltoplujUum, L. tristaiiiaefoUa, Litsaea
dermatoplußlon, Cinnamomum Eossmaessleri , C. lanceolatum, C. polynwrplnim, Banksia longifolia, Sapotacites
minor, Bumelia Oreadum, Ändromeda protogaea, Acer integrilobuw, A. frilobatum, Celastrus Andromedae,
Elaeodendron Persei, Hex parschlugiana, Zizyphus paradisiacus, Rhammis DecJienii, Juglans acuminata, Carya
elaenoides, Pterocarya denticulata, Terminalia miocenica, Eucalyptus oceanica, Phaseolites eriosemaefoliiis, Cassia
Phaseolites, C. Berenices, C. pjalaeogaea, Acacia sotzkiana.
Parschlug" theilt mit Sagor, insbesondere dem oberen Horizonte, folgende Arten : Glyptostrobus euro-
paeus, Taxodium distichum miocenicum, Pinus hepios, Myrica deperdita, M. salicina, M. lignitum, Betula Dryadum,
Quercus Daphnes, Q.drymeja, Q. Gmelini, Ulmus Bronnii, U. plurinervia, Populus mutabilis, Cinnamomum Boss-
maessleri, C. polymorphum, Fraxinus primigenia, Myrsine Dorypliora, Sapotacites minor, Ledum limnophilum,
Acer trilobafum, Sapindus Pythii, Celastrus cassinefolius, C. eurojmms, Pterocelastrus elaenus, Hex stenopJiyl/a,
I. parschlugiana, Juglans acuminata, Carya elaenoides, Engelhardtia Brongniartii, Bobinia Hesperidum, Kennedya
orbicidaris, Cassia hyperborea, C. ambigua, C. Memnonia, Acacia parschlugiana.
Mit Senegallia^ hat Sagor die folgenden Arten gemein, welche grösstentheils den Savine-Schichten an-
gehören: Taxodium distichum mioc, Glyptostrobus europaeus, Libocedrus salicornioides , Sequoia Langsdorßi,
Araucaria Sternbergü, Podocarpus eocenica, Betula Dryadum, B. prisca, Quercus drymeja, Castanea atavia, Car-
pinus Heerii, Ulmus Braunii, U. plurinervia, Planera Ungeri, Ficus lanceolata, Populus mutabilis, Cinnamomum
polymorphum, C. Scheuchzeri, C. lanceolatum, C. spedabile, Santalum acheronticum, Bumelia Oreadum, Sapo-
tacites minor, Mimusops tertiär ia. And roineda protogaea {?), Sterculia Labrusca, Acer trilobatum, Sapjindus falci-
folius, S. dubius, Celastrus oreophUus, Hex stenophylla, Rhamnus Dechenii, Carya elaenoides, Bhus hydrophila,
Eucalyptus oceanica, Cassia Phaseolites, Acacia sotzkiana, A. parschlugiana.
1 0. Weber, Die Tertiäi-flora der niederrlieinischen Braunkohlenformation. 1852. — Ph. Wessel und 0. Weher, Neuer
Beitrag zur Tertiärflora der niederrheinischen Hraunkotilenfürmation. 1S55.
2 F. Unger, Die fossile Flora von Parschlug; Steiermark. Zeitschr. Neue Folge. 9. Jahrgang, 1KI7. — Sylloge plantarum
fossilium. I — III.
3 Massalongo, Studii sulla Flora fossile e Geologia Stnatigrafica del Senigalliese. 1859. In die obige Liste konnten
einige Arten, welche für die fossile Flora von Senigalia angenommen worden sind, nicht aufgenommen werden. Die als
Chamaecijixmtes Hariiii bezeichneten Fossilien gehören theils zu Taxodiitm distichum mioc., theils zu Sequoia Lan/jsdorfii; die
als Pinus hepios bestimmten Nadelbüschel zu P.Laricio. Die als Quercus chhrophi/lhi, risonia eocenica, Vaccinium acheronticum, Cera-
topetalum haeringianum , Celastrus e/acnus , Euejenia Apollinis, Olycyrhiza deperdita , Phaseolites microphyüus, Dalbergia primaem und
Sophora eurupaca bestimmten Fossilrestc gehören zu anderen Arten, welche in der fossilen Flora von Sagor nicht enthalten sind.
36 Constantin V. Ettingshausen.
Mit der fossilen Flora der Congerien- und Cerithien- 8ehiehten ' thcilt Sagor, niimentlich die
.Savine-ScliicliteUj folgende Arten: Callifris Bromjniartii, Libocecirus salicornioides, Ghjptosh'ohiis eurojmeus,
Seqiioia Lanysdorfn, Pli raijmites oeningensis, Typlia latissima, Mi/rica deperdita, M. lignüum, Betida Dryadum,
B.prisca, B. Brongniartii, Alnus Kefersteinii, Carpinus Heerii, Quercus drynieja, TJlmus Bronnii, U. plurinervia,
Planera TJnyeri , Plaiaiiiis aceroidex, Fopidua mutahiUs, Cinnamomum polymorplmm, Santalum acheronticum,
Sapotacites minor, Bumelia Oreaduni, Dioapyros hrackysepala, Acer trilohatum., Sapindus falcifolius, S. dubius,
Hex parschlugiana, Rhamnus Gaudini, Juglans acuniiinita, Carya Heerii, Cassia PhaseoUtes, C. Berenices, C.
hyperborea, C. Memnonia, Acacia parschlugiana.
Mit der nordamerikanisclien Tertiärflora''^ tlieilt Sagor folgende Arten; Taxodium distichmn mioc,
Glyptostrobus europaeus, Sequoia Langsdorßi, Pinus Pakieo-Strobus, PJiragmites oeningensis, Myrica acuniiiiata,
Alnus Kefersteinii, Carpinus Heerii, Fagus Feroniae, Corylus Mac Quarrii, Quercus cldoropliyUai^), Q. Drymeja,
Castanea atavia {intermedia Lesq.\ Popidiis nnitabilis, Plafanus aceroides, Uliims plurinervia (tenuinervis Lesq.~),
Planera Ungeri, Fictis lanceolata, F. Jynx, F. nmltinervis, Laurus primigenia, L. Lalages (z. Th. L. socialis
Ijesq."), Cinnamomum Scheuchzeri, C.lanceolatwii, C. polymorplium, C. spectabile (^C. affine Lesq.), Diospyros
brachysepala, D. Wodani, Callicoma microphylla, Acer trilobatum, Sapindus falcifolius (z. Th. unter S. ancjusti-
folius Lesq., z. Th. unter S. coriacens Lesq.), Berchemia midtinervis.
Mit Monte Proniina''' hat Sagor folgende Arten gemein: BJeclummBraunU, Araucaria Steriibergii , Myrica
haeringiana, M. banlisiaefolia, Ficus Morloti, F. Jynx, Pisonia eocenica, Laurus Lalages, Cinnamomum Ross-
maessleri, C. lanceolatimi, C. jwlymorphnm, Santalum salicinum, S. acheronticum , S. osyrinum, BanJcsia longi-
folia, Sapotacites Daphnes, Bumelia Oreadum, Andromeda protogaea, Vaccinium acheronticum, Sterculia Labrusca,
Celasfrus Andromedae, C. oreophilus, Eucalyptus oceanica, Callisteniopltyllurii meJaleucaeforme, Eugenia Aiwllinis,
Kotnedia orbicularis , D(dbergia primaeva, Sophora europaea, Caesalpinia Haidingeri , Cassia Phaseolitcs, C.
hyperborea, C. ambigua.
Aus der Vergleichuug der fossilen Flora von Sagor mit den oben aufgezählten Tertiärfloren ergibt sich:
1. Den Leitpflanzen nach ist die fossile Flora von Sagor verwandt mit den fossilen Floren von
Häring, Sotzka, Monte Promina, Kutschlin bei Bilin, der tieferen Horizonte der Tertiärformation der Schweiz,
der älteren Braunkohlenformation der Wetterau, der Eocenformation Englands, der unteren Tertiärschichten
des südöstlichen Frankreich, der baltischen und der niederrheinischen Tertiärschichten. Hieraus folgt, dass
Sagor mehr als blos Eine Stufe der Tertiärformation repräsentirt. Die genauere Bestimmung der
Horizonte kann jedoch erst aus der nachfolgenden Zusammenstellung der Localfloren resultiren.
1 ünger, Blätterabdrücke aus dem Schwefelflötze von Swoszowiece in üalizieu. Haidingers naturwissensoh. Abhand-
lungen. Bd. III, 1S49. — Fossile Flora von Gleichenberg, Denkschr. 7. Bd.. 1S54. — Fossile Flora von Szäntö in Ungarn.
Denksehr., 30. Bd., 1.S70. — Ettingsliansen, Foss. Flora von Wien. issi. — Beitrag zur Kenntniss der fossilen Flora von
Tokay. Sitzungsber. XI. Bd., 1S53. — Fossile Pflanzenreste aus dem tracliytischen Sandstein von Heiligenkreuz bei Kreinnitz.
Abhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt. Bd. I, 1852. — Goeppert, Tertiärflora von Schossnitz in Schlesien. 1855. — Stur,
Fossile Flora der Süsswasserqiiarze, Cerithieu- und Cougerienschichten. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt. Bd. XVII, 1867.
Die nachfolgenden Arten, welche für die fossile Flora der Cerithien und Congerionscliichten angegeben wurden,
sind in diis obige Vorzcichniss nicht aufgenommen worden. Die bezüglichen Fossilreste gehören entweder zu anderen Arten,
welche in der fossilen Flora von Sagor nicht vorkommen, oder konnten bis jetzt nicht sicher bestimmt werden. Die Auf-
nahme von l'iiuis Pfilrieo-Strahiix beruht auf der irrigen Annahme, dass Pinites Pseudostrobiis Endl. mit dieser Art identisch
sei. Pinus Jinwiiis Kow. gehört nicht zu P. hepios, sondern zu P. Lariciu. Die Aufnahme der Ficu^ lanceolcita in diese fossile
Flora beruht darauf, dass ein sehr mangelhaft crhaitenes Fossil, welches Unger in seiner Abhandlung über Swoszowice,
Taf. XIV, Fig. 11 als Apoci/iiüphi/Uuiii hinwohitum bezeichnete, für die erstere Art erklärt wurde. Ebensowenig kann Acer sub-
aimjiestre Goepp. mit A. inieyrilubiiin 0. Web. vereiniget werden. Zweifelhaft begründet, imd daher in das obige Verzeichniss
der Leitpflanzen nicht aufnchmbar sind hier Laurus AyuthophyUum, Celasfrus Andromedae, C. elaenus, Rhamnus Dechenü, Termi-
luäia radobojaiia und miocenica, Eiiyenia ApoUinis, Soj/horfi europaea, Podoyoiihoii LyeUiaintm.
a L. Lesquereux, Contributious to thc Fossil Flora of the Western Territories, Part. IL The Tertiary Flora. 1878.
3 Ettingshausen, Die coceue Flora des Monte Prouiina. Denksehr. 8. Bd. 1855. — K. de Visiani. Plante fossili della
Dalmazia 1858.
Die fossile LJora ruii Sayor inKidin.
37
2. Die grössere Zahl der geraeinsamen Arten mit Bilin, Moskenberg und Radoboj beruht hauptsächlich
darauf, dass diese Localitäten genauer untersucht und der Keichthum ihrer Arten nahezu erschöpfend ans
Tageslicht gebracht worden ist. Die Verbreitung erwähnter gemeinsamer Arten ist jedoch keineswegs so
bezeichnend, dass daraus ein wesentlicher Anhaltspunkt zur Bestimmung des Alters der Sagor-Flora abgeleitet
werden kann.
3. Die geringe Zahl der gemeinsamen Arten mit Monte Promina ist aus der gegenwärtig noch unvollstän-
digen Kenntniss der Flora dieser Localität erklärlich. Diese Arten sind jedoch zur Altersbestimmung nicht
wenig geeignet und zeigen vielmehr deutlich an, dass die fossile Flora von Sagor einer jüngeren .Stufe als der
aquitanischen nicht angehören kann.
4. Die Mehrzahl der gemeinsamen Arten mit Parschlug, Senigallia und mit den Cerithien- und Congerien-
Schichten kommen in Sagor nur selten vor. Es ist dies dahin zu deuten, dass diese Arten zur Zeit der
Ablagerung der Sagor-Scliichteu erst im Entstehen begriffen waren oder noch nicht jene Verbreitung erreicht
hatten, als in den jüngeren und jüngsten Abschnitten der Tertiärperiode.
IT. Die Localfloren.
A. Flora des Liegenden des Braunkohlenflötzes bei Sagor.
Nächst dem Friedhofe von Sagor tritt eine Schichte eines gelblichgrauen Schieferthons zu Tage, welche
unter die Kohle einfallend, unzweifelhaft dem Liegenden angehört. Diese Schichte, die ich kurzweg Friedhof-
Schichte nenne, enthält zahlreiche wohlerhaltene Pflanzenreste. Herrn Director G. Fächer gebührt das Ver-
dienst, diese Schichte entdeckt und die Lagerungsverhältnisse derselben genau ermittelt zu haben.
Von den gesammelten Pflanzenresten sind besonders hervorzuheben: Fruchtzapfen von Actinostrobus;
Samen einer Piniis-Art der Abtlieilung Abies; Samen von Embotliriiini UptospenmuK und Haken nnio-opiera;
Blüthenkelche von Celastrus proto(/aeiis; Flügelfrüchte von Termi mdia FenzlmiKi \ Rhizom-Fragmente derZostera
Unijeri; Blätter der Conjlus Mac Quarrii, einer Art der arktischen Tertiiirflora; eigenthümliche Arten von
Ficus, Zizyphus; eine Loraiifliacee u. s. w.
Die Flora theilt Iß Arten mit Häring, L3 mit Sotzka, 12 mit Kutschlin, 10 mit den unleren Tertiär-
schichten der Schweiz und 9 mit Monte Promina. Sie trägt den Typus der Floren von Häring und
Sotzka an sich. Die 40 Arten derselben sind:
Pferis sp.
Adinostrübus miocenicus.
Seqiioia Couttsiae.
Araiicaria Stern bergii.
Piuus Pahieo-AbieK.
Fotnmogeton Poacües.
Zostera Ungeri.
Typlia lafissima-
Mgricn salicina.
„ haerinyiana.
Corijlus Mac. Quarrii.
Quercus cuspidata.
Ficus primaera.
„ AjwUinis.
Ficus Langeri.
ÜinHaitiomum Scheuchzeri.
„ lanceolatuni.
pohjmorpimm.
(ireriUea haeringiana.
Hakea mucroptern.
Embothrium leptospermum.
ßanksia loiigifolia.
A2)0cyiu)pliglhiii( Amsonia.
Sap otacites sideroxyloides.
„ emarginafus.
A ndromeda proiogaea.
Phthirusa Palaen- T/ieobromae.
Dodonaea Salicites.
Celastrus protogaeus.
Zizyphus undulatus.
Terminalia Fenzliana.
Eucalyptus oceanica.
„ haeringiana.
„ grandifolia.
Dalbergia primaeva.
iStyphnnlobimn eiiropaeum.
Caesalpinin Haidingeri.
Cassia sagoriana.
„ ambigua.
Acacia parschlug iana.
B. Flora des Hangenden des Braunkohlenflötzes bei Sagor.
Im Hangenden des Kohlentlötzes in Sagor sind bis jetzt mehrere Schichten, welche Pflanzenreste führen,
aufgefunden worden, nämlich von unten nach oben gezählt: die Bachschichte; Tagban Schichte I; Francisci-
Erbstollen; fiscbführende Schichte; Tagbau Schichte IL Zu diesen kommen noch die pflanzenführenden
38
Consfantin v. Ettingshausen.
Schichten von Godredesch und von Savine nnweit Sagor. Die Godredeschschichte entspricht der Bachschichte
von iSagor; die Savineschichten (Steinbruch und Stollen) dürften höheren Schichten des Hangendsystems von
Sagor äquivalent sein. Den Pflanzeneinschlüssen nach lassen sich keine merklichen Altersunterschiede für die
aufgezählten Hangendschichten erkennen. Es ist sonach anzunehmen, dass die Bildung dieser Schichten nicht
in so grossen Zeitintervallen stattgefunden hat, um einer Veränderung der Flora Raum zu gehen. Die Leit-
pfianzen weisen auf die fossilen Floren der älteren Braunkohlenfoitnation der Wetterau, der niederrheinischen
Braunkohlenforniation und der aquitanischen Schichten der Schweiz und im südöstlichen Frankreich hin. Die
Flora der Hangendschichten, deren Arten im Nachfolgenden aufgezählt werden, gehört demnach
der ersten (aquitanischen) Stufe des Miocän an. Die Gesammtflora von Sagor umfasst also
zwei Abschnitte der Tertiärformation. Die Florulen der genannten Hangendschichten sind imFolgenden
zusammengestellt.
1. Bachschichte.
Ein dunkelgrauer Schieferthon, welcher am Bache nächst Sagor zu Tage tritt. Er enthält zahlreiche
Pflanzenabdrücke, deren Erhaltung jedoch meist minder gut ist, da die verkohlte Substanz sich vom Abdruck
leicht ablöst und nur einen schwachen, vom Gestein wenig contrastirenden Eindruck zurücklässt. Durch die
abwechselnde Einwirkung von Nässe und Sonnenstrahlen zerfällt das Gestein. An den oberflächlichen Lagen
sind desslialb nur Bruchstücke von schlecht erhaltenen Pflanzenabdrücken zu finden. Eine hinreichend sorg-
fältige Durchsuchung der tieferen Lagen dieser Schichte führte zur Kenntniss der im Folgenden aufgezählten
79 Pflanzenarten.
Chondrites laurencioides.
Davallia HakUngeri.
CaUitris Brongniartii.
Taxodimn distichum inioc.
Ghjpfustrohus europaeus.
Sequoia Langsdorfii.
„ Tournalii.
„ Couttsiae.
Pinus Palaeo-Strobiis.
Smilax Haidingeri.
TgpJin lafissimn.
Pandcmus carniolicus.
Flabellaria sagoriana.
Casuarina sagoriana.
Myrica sagoriana.
„ lignitum.
„ acuminata.
„ hanksiaefolia.
Betida prisea.
„ Brongniartii.
Alnus gracilis.
Osfrga Afirn/fidis.
Castanopsis sagoriana.
Quercus Lonchitis.
Ulmus Bronnii.
Ficns Janceolata.
Ficus sagoriana.
„ multinervis.
„ tenuinervis.
„ Jynx.
„ Deschmanni.
„ humeliaefolia.
„ Langeri.
Artocarpiditim integrifolium.
Salix aquitanica.
Laurus tristaniaefolia.
Persea sjjedosa.
Oinnamomum Rosstnaessleri.
„ Scheuchzeri.
„ lanceolatmn.
„ polymorphum.
„ spectabile.
Banksia longifoUa.
Dryandra sagoriana.
„ Ungeri
Cinchonidimn latifoUum.
Ligustrum priscum.
Sapofacites sideroxyloides.
„ Daphnes.
„ minor.
„ longepetiolatus.
Mimusops tertiaria.
Bumelia Oreadum.
Diospyros sagoriana.
Andromeda protogaea.
Cissus Heerii.
Sapindus Pythii.
Zizyphus paradisiacus.
Carya Heerii.
„ elaenoides.
Rhus hydrophila.
Terminalia miocenica.
Eucalyptus oceanica.
„ haeringiana.
„ grandijolia.
Callistemophyllum melaleucaeforme.
Eugenia ApoUinis.
Psoralea palaeogaea.
Dalbergia hecastophyUina.
r, primaeva.
Palaeolohium heterophyllum.
Sophora europaea.
Cassia PhaseoUtes.
„ lignitum.
Acacia parschlugiana.
Mimosites haeringianus.
2. Tagbau, Schichte L
Das Gestein ist ein gelblichgrauer bis gelblichweisser Scliieferthon, der hie und da mit Pflanzenfossilien
erfüllt ist. Die ergiebigsten Stellen sind nächst der Zinkhütte in Sagor gefunden worden. Es hat einst daselbst
Die fossile Flora von flnr/or /// Krain. 39
ein Tagbau bestanden. Frliber bezeichnete ich diese Schichte als „Zinkhiittenschichte", was an einigen Stellen
des I. Theiles noch beibehalten blieb. Die aufgesammelten Fossilien gehören zu folgenden Arten: ' Cullitris
BrongniarUi, TaxorHum (h'sfIcJmtn ntiocenictmi, Glyptostrobus eurojJcieus, Sequoia TouiiiaJü, S. Couttsiae, Pbms
Palaeo-Taeda, *P. hepios, Casuarina sagoriana, Mijrica deperdita, Fagus Feroniae, Banksia lotigifoUa, Andro-
meda protogaea, *Pterospermum sagorianum, Bursaria radohojunn, Ergthn'na Uiigen) *DaJhergia raldensis
Mimosites haeringianus.
3. Francisci Erbstollen.
In einem blaugrauen Thoue daselbst komuieu Pflanzenreste sehr selten vor. Es konnten bisher nur einige
wenige Fossilien, deren Erhaltung viel zu wUnsciien übrig Hess, an dieser LocaHfät gesammelt werden. Die
Untersuchung dieser Reste Hess folgende 7 Arten erkennen : Glyptostrobus europaeus, Sequoia Couttsiae, Firns
sagoriana, F. bumeliaefolia, Banksia longifolia, Andromeda protogaea, Eucalyptus oceanica. Bemerkeusw erth ist
dass diese Arten in den reichhaltigeren Schichten, z. B. in Sänne und in der Bachschichte, vorherrschen.
4. Fischfuhrende Schichte.
Ein grauer Schieferthon mit oft wohl erhaltenen Fischresten. Pflanzenreste finden sich jedoch darin selir
selten. Bis jetzt hat man nur 6 Arten aus denselben herausfinden können und zwar: Glyptostrobus europaeus,
Sequoia Couttsiae, Ficus bumeliaefolia, Cinnamomum polymorpliuvi, BumeJin Orcadum, Andromeda protoqaea. Von
diesen Arten kommen vier in allen oder doch in den meisten Schichten des Hangenden des Sagor-Flötzes vor.
5. Tagbau, Schichte 11.
Diese tritt eine kurze Strecke oberhalb der Tagbau-Schichte I zu Tage, jene überlagernd, und besteht
aus einem kalkreichen, bald lichtgrauen, bald gelblichen Schieferthon, der zuweilen mergelartig wird. Der-
selbe enthält nicht selten Pflanzenreste, die bis jetzt zu folgenden 16 Arten gebracht werden konnten: *Cliani
Ungeri, Ch. Langeri, Glyptostrobus europaeus, Sequoia Couttsiae, Zostera Ungeri, Castanea ataoia, Quercus
Lonchitis, Ficus bumeliaefolia, Pisonia eocenica, Banksia lungifolia, *Ap)0cyH0pliy1lum hreve-petiolatum, Andrunieda
protogaea, Robinia crenata, *Dalbergia haeringiana, *Cassia palaeogaea, Podogonium Lyellianum.
6. Godredescb.
Diese Localität, benannt nach dem nächst liegenden Dorfe, besteht aus einem dunkelgrauen Schieferthon,
welcher dem der Bachschichte sehr ähnlich ist. Die darin vorkommenden Pflanzenfossilien vertheilen sich auf
folgende 11 Arten: Glyptostrobus europaeus, Ficus sagoriana, F. tenuinertis, F. Jynx, Banksia longifolia,
Myrsine Endyinionis, Andromeda protogaea, *Cussonia ambigua, *Pistacia Palaeo-Lentiscus, Eucalyptus oceanica,
Cassia Phaseolites.
7. Savine.
In der Nähe des Dorfes Savine liegen Schichten eines hellgrauen bis gelblichweissen Mergelschiefers zu
Tage, welche einen grossen Reichthum an wohlerhaltenen Pflanzeufossilien bergen. Diese sind an zwei Fund-
stelleu gesammelt worden, die im Ganzen 313 Arten, also den grössten Theil der Gesammtflora von Sagor
geliefert haben. Es werden zuerst die eigenthümlichen und dann die gemeinsamen Arten aufgezählt.
Aus einem Steinbruche bei Savine ^ sind folgende Arten gesammmelt worden :
Xylomites sagorianus. „ Suessii.
Sphaeria Eucalypti. „ Secretani.
Bhytisma grande.
Chara Langeri.
1 Die mit* bezeichneten Arten kommen in der l'ossilen Flora von Sagor nur an Einer Localität, nämlich, wo selbe
verzeichnet sind, vor.
•- Zu dem genannten Fuudorte führte mich im Jahre 1850 der um die Geologie der österreichischen Alpenländer viel
verdiente, und der Wissenschaft durch den Tod zu früh entrissene A. v. Morlot. Dieser wichtige Fundort ist gegenwärtig
leider nicht mehr zugänglich, da der Steinbruch daselbst aufgelassen worden ist. Unweit davon, jedenfalls in derselben
Schichte, liegen einige unbedeutende Steinbrüche, in denen PÜanzcufossilien vorkommen, jedoch nicht so häufig uud wohl-
erhalten, wie au der zuerst ausgebeuteten Fundstelle.
40
Hypnum sagorianmn.
Muscites samnensis.
Blechnum Braunii.
Davallia Haidingeri.
Equisetum repms.
,. affine.
Cunninghamia miocenica
Pinus Palaeo-Strobm.
„ holothana.
Podocarpus eocenica.
Poadtes savinends.
„ geniculatus.
Cijperus laticodatus.
Ümilax lymicinervk.
Potamogeton sacinensis.
Najadopsis divarkata.
Najadonium longifo/iiiiii.
Pandanus carnioliciin.
Casuarina sp.
Myrica sagoriana.
„ sali ci na.
„ Iiaeriiigiaua.
Betula Dryadum.
„ prisca.
„ Broiigiiiartii.
„ 'plafypter((.
Fagus Feroniae.
Querem ApcjcynoplitilU«)
„ Naumriiüii.
„ drymeja.
aucubaefolia.
decurrens.
Gmeliiii.
sagoriana.
Ulmus plurinervia.
„ Braunii.
Celtis meinb i ■anifolin .
„ coriacea.
Ficus sagoriana.
„ pilosa.
„ Goepperti.
clusiaefolia.
samnensis.
banisteriaefolia .
multinervis.
PersepJiunes.
arcinervis.
wetteravica.
Constantin v. Ettingahausen.
Ficus Atlantidis.
„ Martii.
Artocarpiidium integrifoUum.
„ Ungeri.
Populus mutabilis.
Pisonia eocenica.
Laurelia rediciva.
Laurus ocoteaefolia.
„ stenophyUa.
,, Lalages.
„ Agatlioplrylluni.
,, princeps.
Persea Heerii.
Litsaea dermatopJi.yllum.
Cinnamomum ScJieiichzeri.
„ specfabile.
Daplinogene emaryinata.
Santaluin scdicinum.
„ osyrinum.
„ cuspidatutn.
Pimelea dubia.
Conospermum macropJiyllmn.
Cenarrhenes Plaueri.
Persoonia cuspidata.
Hakea stenocarpifoJia.
,. fraxinoidcs.
Lambertia extincta.
Embofliriwm stenospernnim.
Lomatia oceanica.
Banksia sagoriana.
Dryandra Ungeri.
Dryandroides elegaiis.
Cinchonidium biUnieuni.
,, mucroHutum.
Olea carniolica.
Fraxinus primigenia.
Apocynophyllmn paciiyphyllum .
haeringianum,.
salicinum.
Amsonia.
longepetiolatum.
Myrsine Dorypliora.
„ eiicalyptoides.
Sapotacites Chamaedrys.
Diospyros bilinica.
Symplocos sa cinensis.
Lorantlius extinctus.
Hydrangea dubia.
Magnolia Dianae.
Magnolioides carniolica.
Clematis sagoriana.
Acer Eüminianutn.
„ stenocarpum.
Tetrapteris minnta.
Malpighiastrum rotundifolium.
Sapindus undulatus.
„ asperifolius.
Bursaria radobojana.
Celastrus Aeoli.
Andromedae.
sagorianus.
Plutonis.
oreophilus.
„ europjaeiis.
Elaeodendron Persei.
„ degener.
Eronymus Heerii.
Hex sagoriana.
Zizypitus paradisiaca.
„ savinensis.
lihanmus Gaudini.
„ paucinerC'is.
Pomaderris acuminata.
Juglans acuminata.
„ venosa.
Carya prae-olieaeformis.
Rhus stygia.
„ prisca.
„ Latoniae.
Ptelea intermedia.
Ailanthus Oreonis.
Vochysia eiiropaea.
Eucalyptus grandifolia.
Callistemopliyllum acuininatwn .
Psoralea palaeogaea.
Robinia Hesperidum.
„ Druidum.
„ crenata.
Erythrina Ungeri.
Kennedya Phaseolites.
„ orbicularis.
Dalbergia haeringiana.
Podogonium Lyellianum.
Callicoma microphylla.
Nächst dem Scliurfstollen ' bei Savine sind folgende Arten zu Tage gefördert worden:
' Diese Fuudstelle, welche durch Herrn Schichtmeister J. .luzelv aufgeschlossen wurde und uiir ein ausserordentlich
reiches Material lieferte, ist gegenwärtig ebenfalls uuzugäuglicli.
Die fossile Flora von Sagor in Krain.
41
Sphaeria miitufissima.
„ Fici tenuinerois.
Chondrites laurendoides .
Actinostrobus miocenicus.
Libocedrus salicornioides.
Castanea atavia.
Quercus Daphnes.
„ Fseudo-Lonchitis.
Flanera Ungeri.
Ficus Morloti.
„ Daphnogenes.
Lauras tristaniaefolia.
Femea speciosa.
Cinnamomum Rossmaessleri.
Leptomeria distans.
Emboihrium macropterum.
Hijoseriten Liinjua.
Cinchoniclium sagorianum.
„ latifulium.
Oka Noli.
Noteiaea rectinerois.
Lagtistrum pyriscuin. '
Fraxinus savinensis.
„ palaeo-excehior.
Neritinium majus.
Echitoniuni superstes.
Ahionia earninüca.
Mjoporuiii tSnlicites.
„ amUguum.
Mgrsine savinensis.
„ Endymionis.
Sapotacites emarginatus.
Beiden Fundstellen, beim
Sphaeria limbata.
Ohara Meriani.
Callitris Brongniartii.
Ghjpfostrnbus europaeus.
Sequoia Langsdorfii.
„ TournaUi.
CoHtfsiae.
Finus Falaeo-Taeda.
„ inegalopfera.
Phragmites oeningensis.
timilax Haidingeri.
TypJia latisshna.
Flabellaria sagoriana.
Casuarina sotzkianu.
„ sagoriana.
Mgriva deperdita.
„ lignitum.
Denkschriften der m aibem.-naturw. Cl. L. Bd.
Sapotacites Heerü.
„ longepetiolatus.
Ciirysophyllum sagorianum.
Bumdia Flejadum.
„ Hefiadmn.
Diospyros bracliysepala.
,, anceps.
„ lotoides.
„ Wodani.
Ämlromeda sagoriana.
Bltododendron sagorianum.
Lediim linniopiiilum.
Vaccinium acJieronticiim.
„ Palaeo-Myrtillus.
Äraliophyllum hederoides.
„ usperuni.
„ Saportanum.
Cornus Bücliii.
Lorantlvits Falaeo-Exocarpi.
Catlicoma pannonica.
Bombax sagoi ian um.
Sterculia lauriiia.
Ternsfroemia b/'/inicu.
Sapindus faldfolius.
„ dubius.
„ Fytliii.
Dodonaea ÄpocynopiiyUHm.
„ Salicifes.
Fittosporum palaeo-tetrasperni inn.
Celasfrus cassinefoUus.
„ protogaeus.
„ Miorhisoni.
Celastrus deperditus.
„ Hippolyti.
Pterocelastrus elaenus.
Elaeodendron sagorianum.
,, styriacum.
„ dubium.
Frinos Jiyperborea.
Rhamnus Deciienii.
Carya Heerü.
Pterocarya denticulata.
Rhus Jiydropliila.
,, ohovata.
Zanthoxylum Itaeringianum.
Ptelea microcarpa.
Eucalyptus haeringiana.
CaUistemop hyllum melnle iieaefo) -me.
Glycyrrhiza deperdita.
„ Blandusiae.
Dioclea protogaea.
Phaseolites glycinoides.
„ eriosemaefolia.
Dalbergia retusaefolia.
Macliaerium pialaeogaeum.
Palaeohbium radobojense.
Styp JiHolobium europ aeum.
Caesalpinia Heerü.
Cassia Berenices.
„ lignitum.
" amhigua.
„ stenophylla.
Acacia parscJdugiana.
Mimosites liaeringianus.
.Steinbruclie und beim 8tollen, kommen folgende Arten iremeinschaftlieh zu:
Myrica acaminata.
„ banksiaefolia.
Alnus Kefersteinii.
Carpinus Heerü.
Ostrya Atlantidis.
Castanopsis sagoriana.
Quercus Lonchitis.
Vhnus Bronnii.
Ficus lanceolata.
„ rectinercis.
„ tenuinervis.
„ Jynx.
„ Apollinis.
„ Deschmanni.
„ bumaeliaefolia.
Salix aquitanica.
Lauras primigenia.
Laurus phoeboides.
Cinnamomum lanceolatum .
„ pohjmorphum.
Daphne aquitanica.
Fersoonia Daphnes.
„ Myrtyllus.
Banksia longifolia.
Dryandra sagoriana.
Cinchonidium angustifolimu.
Apocynophyllum Reusmi.
„ angnstum.
,, tenuifolium.
Sapotacites sideroxyloides.
„ Daphnes.
„ minor.
Münusops tertiana.
Bumelia Oreadum.
42
Consf antin v. Ettingshau sen.
Diospyros SMjoriana.
tiymplocos raclobojana.
Andromeda protogaea.
Araliophyllum crenulatiim.
Loranfhus Palaeo- Eucalypti.
„ extinctus.
Weinmannia sotzhiana.
Ceratopetalum haeringianum.
Hydranyea sagoriana.
titercuUa Labrusca.
Acer trilohatum.
Tefrapteris sagoriana.
Banisteria carnioUca.
Celastrus Acherontis.
„ Pseudo-Ilex.
„ oxyphyllus.
Eex stenophylla.
Berchemia multinervis.
Juglans rectinercis.
Engelhardtia Brongnia i ii.
Rhus sagoriana.
Terminalia radobojensis.
Terminalia miocenica.
,, Fenzliana.
Eucalyptus oceanica.
Eugenia Apollinis.
Cofoneaster Persei.
Sophora europaea.
Cassia Phaseolites.
„ sagoriana.
„ Memnonia.
Acacia sotzkiana.
C. Flora der übrigen Fundorte im Braunkohlenzuge Sagor Tüffer.
Es konnten ausser den oben genannten noch liinf Lagerstätten fossiler Pflanzen im Gebiete der Braun-
kohlenflora Sagor-Tütfer untersucht werden. Dieselben sind: Islaak, Trifail, Hrastnigg, Bresno, Tüffer. Die
im Folgender, zusammengestellten Floruleu dieser Localitäten passen zu der Flora der oben aufgezählten Han-
gendschiciiten des Kolilenflötzes von Sagor vollkommen. Es kann demnach keinem Zweifel unterliegen, dass
die Bildung sämmtlicher Lagerstätten unserer fossilen Flora, mit Ausnahme der Friedhofschichte, in eine und
dieselbe Epoche fällt, deren Flora wir schon als der aquitanischen Bildungsstufe entsprechend bezeichnet haben.
\. Islaak.
Die Pflanzenfossilien finden sich in einem graulichweissen Mergelschiefer, welcher dem des Steinbruches
bei Savine oft so ähnlich wird, dass die Unterscheidung dieser Gesteine mit Schwierigkeiten verbunden ist.
Auch bezüglich des Vorkommens und der Erhaltung der Fossilien gleichen sich die beiden Localitäten. Es ist
daher kaum zu bezweifeln, dass der Mergelschiefer von Islaak zur Fortsetzung des Hangendsystems des
Sagorer Kohleiiflötzes gehört und den Savine-Schichten entspricht. Die ans demselben bis jetzt zu Tage
geförderten fossilen Pflanzen sind: Glyptostrobus europaeus, Sequoia Langsdorßi, S. Couttsiae, Quercus Lon-
chitis, Q. Pseiido-Lonchitis, Ficus sagoriana^ F. tenmnervis, Banksia longifolia, Echitonium. tnicrospermum, *Helio-
tropites ■parvifolius, Sapotacites minor, Terminalia Fenzliana, Eucalyptus oceanica, Glycyrrhiza deperdita, Acacia
parschlugiana.
2. Trifail
Im Hangenden des Kohlenflötzes daselbst finden sich Schichten eines dunkelgrauen Schieferthons, sehr
ähnlich dem der Bachschichte von Sagor, welcher mit Pflanzenfossilien reichlich erfüllt ist. Über die Erhaltung
der Einschlüsse gilt dasselbe, was schon vom Schieferthon der Bachschichte gesagt worden ist; sie lässt
Manches zu wünschen übrig. Die besseren Stücke erhielt ich aus einem Tagbaue. In einem Braiidschicfer des
gleichen Horizontes bei Trifail fanden sich einige vortrefflich erhaltene Pflanzenahdrücke. Die in Trifail bis
jetzt gesammelten 76 Arten fossiler Pflanzen sind :
Cystoseira communis.
Taxodium distichum mioc.
Glyptostrobus europaeus.
Sequoia Couttsiae.
Pinus Palaeo- Taeda.
„ Vrani.
Myrica deperdita.
„ salicina.
Betula prisca.
„ Brongniartii.
„ platyptera.
Alnus Kefersteinii.
Carpinus Heerii.
Fagus Feroniae.
Castanea ataoia.
Casfanopsis sagoriana.
Quercus Naumanni.
„ Nympharum.
„ Drymeja.
, aucubaefolia.
„ decurrens.
„ tepkrodes.
Ficus lanceolata.
„ sagoriana.
„ tenuinervis.
„ Deschmanni.
„ Langeri.
Platanus aceroides.
Laurus Lalages.
Cinnamomum polymorphum .
Santalum acheronticum.
Daphne aquitanica.
Banksia longifolia.
Die fossile Flora von Sar/or in Krain.
43
Acer integrilohum.
Cotoneaster Persei.
„ trilohatum.
Prunus muhikana.
Tetrapten'ti itiinuta.
r
Palaeo-Cerusus.
Sapindophijllum jjannhj.nuii.
Phaseolites dolichop hyllos.
Celastrus europaeus.
Eutychos.
Hex parschlugianii.
Palamlobium heteropliyllum.
Zizyphug para(l/sificu)>.
SopJmra europaea.
Carya tiifailenma.
Cassia Phaseolites.
Eni/dliariltia BtuiK/iüarti.
r>
Berenices.
Pidacia Palaeo-Lentiscus.
»
hyperhorea.
Tenninalia miocenica.
)7
ambigua.
Eucalyptus oceanka.
n
denticulata.
„ ynuulifolia.
V
Mmmonia.
Cullistemophyllum melaleucaeforme.
Euyenia Apollinis.
Banksia Haidingeri.
Dryandra sagoriana.
AporgHophyllum Eeussii.
„ Amsonia.
Myrsine Doryphora.
Sapotacites sideroxyfoides.
„ minor.
Mimusops tertiaria.
Bumelia Oreaduni.
„ scabra.
Diospyros haeringiana.
Androtmda protogaea.
Rhododendro}!. sagorianum.
Bomlmx sagorianum.
„ chorisiaefoliutn.
3. Hrastnigg.
Das Vorkommen vou Pflanzenfossilieii in den Schichten des Kohlenflötzes daselbst ist höchst selten. Bisher
erhielt ich nur wenige Reste aus einem lichtgraueu Mergelschiefer im Hangenden. Derselbe ist sehr ähnlich
dem Mergel schiefer des Steinbruches von Savine. Es konnten unter den Einschlüssen desselben folgende Arten
unterschieden werden: Hi/pnuni sia/orinnum^ Glyptostrohus europaeus, Scqiioia Couttsiae, Typha latissima, Cinna-
MüiiiiiiH pülyinorphiim, Banksia longifolia, Butnelia Oreaduin, Aiidrunmia protogaea, Anoectomeria Brongniartii,
Nymphaea gypsorum, Enadypfus oceanira, Phaseolites microphyllus. Vou diesen Arten kommen 9 auch im Stein-
bruch von Saviue vor, darunter Hypnum sagorianum.
4. Bresno.
In einem gelblichgraueu Schieferthou im Hangenden des Kohlenflötzes finden sich daselbst wohlerhaltene
Pflanzenreste. Dieselben gehören zu folgenden, auch in den Savine-Schichten vorkommenden Arten: Glypto-
strobus europaeus, Sequoia Tournalii, S. Couttsiae, Carpinus Heerii, Fiims Jynx, F. bumeliaefolia, Cinnamonmm
polyniorphum, Banksia lonqifolia, Sapotacites sideroxyloides, S. emarginatus, Mimusopis tertiaria, Bumelia Oreaduni,
Andronwda protogaea, Celastrus protogaeus, Eucalyptus oceanica.
5. Tuffe r.
Die Pflanzeufossilien kommen hier in einem lichtgraueu bis riithliidiweissen Mergelschiefer vor, welcher
den Schiefern von Saviue ähiilicli ist und ebenso wie diese den Schichten des Hangendsystems von Sagor ent-
spricht. Die Erhaltung der Pflanzenreste ist nahezu so gut wie in Savine. Die meisten der aufgefundenen Arten
kommen auch in Savine vor. Dieselben sind: Hypnum sagorianum, Glyptostrobus europaeus, Sequoia Couttsiae,
Pinus Palaeo-Taeda, Typha latissima, Myrica salicinu, Castanopsis sagoriana, Quercus Lonchitis, Ficus sagoriana,
F. bumeliaefolia , Pisonia eocenica, Hedycaria europaea, Laurus Haueri, Cimiamomum piolymorphum, Banksia
longifolia, Sapotacites sideroxyloides, Bumelia Oreaduni, Andromeda protogaea, Celastrus protogaeus, Eucalyptus
oceanica und Eugenia Apollinis.
44
Const antin v. Ettingshausen.
Vergleichung
der fossileu Flora von Sagor mit den näcbstvervvandten Tertiärfloreii und der Flora der Jetztwelt.
Systematische
Anfzählimg der Arten
Fundorte im Gebiete der Braunkolilen-
flora Sagor-Tüffer
Verwandte
Tertiärflorei
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Analcige Arten der Jetztwelt
Regio I. THALLOPHYTA.
Class. FUNGI.
Ord. PYRENOMYCETES.
1. Xylomites sagun'aims Ett. ...
2. Sphaeria limhatii Ett
3. „ Eucalypti Ett
4. „ Suessii Ett
5. „ minutissima Ett....
6. „ Fiel tenuinervis Ett.
'• „ Secretani Heer. . . .
8. Ehytisma gründe Ett
Claas. ALGAE.
Ord. FLORIDEAE.
9. Chondrites laurenciuides Ett.
Ord. FUCACEAE.
10. Ci/stoaeii'a cunimuiiis Uug. ...
Ord. f'HARACEAE.
11. Chara Meriana A.Braun...
12. „ Uiigeri Ett
13. „ Langer! Ett
Regio n. CORMOPHYTA.
A. Acotyledoue.s.
Class. MUSCI.
Ord. P.RYACEAE.
14. Hypuum sagmianuiii Ett....
15. Muscites savinensis Ett
Class. FILICES.
Ord. POLYPODIACEAE.
16. P/erix sp.?
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A'yt)»iu- Arten.
Spliiiej-ia-Arteu.
S. herburiiin Pers.
Ehytisma sp.
('. hiirhuta Ag. Adria.
('. hitrlntta.
Charii sp.
JIi/jiniiiii sp.
17. Bleclnium Bruunii Ett
18. DavuUia Haidingeri Ett
19. Earnwedelknospe
Class. CALAMARIiE.
Ord. EQUISETACEAE.
20. Equisetiim repens Ett
21. „ afßne Ett
B. atrial Hin R.B r., ß. hrasilien^. Rad
/>. cuiiariensis J. Sm.
Equisetum sp.
Die fossile Flora von Sagor in Krain.
45
Systematische
AiitV.älilnns- iler Arten
Fundorte im Gebiete der Braunkohlen-
flora Sagor-Tüffer
&H
B. 6\Tnnospennae.
Class. CONIFERAE.
Ord. CUPRESSINEAE.
•22. Aclhiostrobiis niioceiiiciis Ett.
23. Callüris Bronyiiiartil E u d. sp.
24. Libocedrus salicuniiouhs U. sp,
25. TaxodiuiH distichum miuc. H..
26. Ghjplostruhuri eiiro/iaeus
Brongn. sp
Ord. ABIETINEAE.
27. SeqiioiaLaiigsdorfiihrng. sp
28. „ TuurnaJü Brng. sp..
29. „ Coiätsiae Heer.
30. Arauairi« Sternbergii
Goepp. sp
31. Cuiiiiinyhatm'a mioci'iiica Ett..
32. Piiiüs Palaeo-Slrohiis Ett....
33. „ Palaeo-Taedii Ett
34. ., Urani Ung
35. „ Impios Ung
36. „ iniytilujjlei'u Ett
37. „ hohjthana Vng
38. „ Palaeo-Abiex Uug
Ord. PUUÜCARPEAE.
39. Fodonii-jiua eiiceiiiai Ung.
OJ — ü Ig
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40.
41.
42.
43.
44.
4.5.
C. Monopiityledones.
Class. GLUMACEAE.
Ord. GR AMINE AE.
PhruymHes oeiihiyensix A. Br.
Poacites aavinensis Ett
„ yeniculatus Ett
Ord. CYPERACEAE.
Ci/pet'Ks Ititicnstatn^ Ett
Class. CORONARIAE.
Ord. SMILACEAE.
SmiUix Hukiinyeii Ung
„ jimicinerviü Ett
Class. FLUVIALES.
Ord. NAJADEAE.
4r.. Potamoyeton Poacites Ett. . . .| +
47. „ savincHSis Ett...
48. Zostera Unyeri Ett
49. Najadopsis divaricuU( K 1 1. . . .
50. NajudoHiioßi Itinyifoliiim Ett..
+
Class.SPADICIFLORAE.
Ord. TYPHACEAE.
öl. Typha latissimu A. Braun. .
+
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Ä ffl
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Verwandte
Tertiärfloren
^i ff)
N |-.- i a 1.3 -s
X |K S M |Ph
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Analoge Arten der Jet/.twolt
Aclmuitrobus sp. Australien.
I('. quadrivalvU Vent. Nordat'rika
L. decurrens Torr. Californien.
T. distichum Rieh. Nordamerika.
+
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G.lieterophyllus End. China, .Japan
S. .■iempervireiis Californien.
Araiicaria escelsa B. Br. Norfolk.
P. Strohus L. Nordamerika.
/'. sp. Nordamerika.
P. Jüifolici Li ndl. Guatemala.
P. iiiilis Mich. Nordamerika.
. + .
I 1
P.iiisiyiiis Dougl. Californien.
F. Ahies L. Europa.
P. Chili IUI Rieh. Chile.
/'//. commiiiiis Linn. Europa etc.
Cyperus sp.
Smilax sp.
PotaiiKiytioii sp.
Z. marina L. Europa.
+ +
T. lati/olia L. Europa etc.
46
Constantin v. Ettingshausen.
Systematisclie
Aiifzähliing der Alten.
Fuudorte iui (iebiete der Braunkohlen-
flora Sagor-Tüflfer
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Verwandte
Tertiärfloren
cq
Analosre Arten der .Jetztwelt
Ord. PANDANEAE.
52. Faiit/iuiiia ctiniii)lici(!< Ett.
Class. PRINCIPES.
Ord. PALMAE.
.53. Vhtheitaritt ^aiforiaiui Ett....
D. Apetalae.
Class. JULIFLORAE.
Ord. CASUARINEAE.
54. ('asiian')i(i sotzkiatiu Ung. sp.
55. „ sayoridiia Ett....
56. „ s|)
Ord. MYRICACEAE.
57. MijricK äaijijiiaiifi Ett. ..
58. „ dejierdita U n g. . . .
59. „ .•id/iciiia Ung
0(1. „ liyitHum Uug. ...
<>1. „ acumiiiata Ung...
62. „ hderiiiyiujui Ung.
63. „ banksiaefoliu Ung.
Ord. BETULACEAE.
64. Betidu IJri/adiim Brngu. .
65. „ prisnt Ett
66. „ BruiKjiiitirlü Ett..
67. y. jilati/iiferii Ett. . . .
68. Aliius Kefersteinii Goepp
69. „ tjraciViK Uug.
Ord. CUPULIFERAE.
70. Varpiniis Uee.rii Ett
71. Oslryu Alliiiilidii; Ung. ..
72. Cori/lua Mac Quairii Heer
73. Fayiis Fcroiilae Ung
74. Castanea utaoia Ung
75. Castaiiopsis rfayoficiJia Ett
76. Quercui Daphtiex Uug. var.
rlilorophylhi
77. j, Apocijttoplty//f(ni Ett
78. „ Naumunni Ett..
79. „ NyinjiliiiruiH Ett
80. „ cuspidalaJiosiim.sl>.
81. „ Drytmja Ung.
82. „ Lonchitis Ung,
83. „ Fseudo-Loiwhitis ]i,tt.
84. „ aucubaefulia Ett..
85. „ decurrens Ett
86. „ tephrodes Ung. ...
87. „ Gmdiiü A. Braun
88. „ sayorlana Ett. ...
Ord. ULMACEAE.
89. TJlmtis Bruimii Ung
90. „ plurinerviu Ung
91. „ Braunii Heer
92. Plamra Unyeri Ett
+
+
+
+
Pandanus ap.
C. sunialraiiu Juugh.
sp. Australien.
C. Ihuyoklef: Mig. (?) Australieu.
M. jjeiiiisijhxoiica La in. Nordamer.
M. cerifcru L. Nordamerika.
Ausgestorbene Typen mit Frutea-
(;(!f((-Hal)itns
B. Rhiiiptiltrii Wall. Nepal.
B. leittu L. Nordamerika.
A. coidifolia Ten. Süd-Europa.
A. oiridis D C. Europa.
C. Betulus L. Europa.
0. oiryinica Willd. Nordamerika
C. Avellanu L. Europa ete.
F.ferniyhwa Ait. Nordamerika.
C. vescii L. Europa etc.
C. aryentea D C. var. Ostindien.
Q. cireiis Ait. Nordamerika.
Q. Saiiorii Liebm. Mexiko.
g. laiicifoliu Sciriede. itfexiko.
y. aquatica Wa,\t. Nordamerika.
Q. alba L. Nordamerika.
U. campestris L. Europa.
U. amerkuna Miclix. Nordamer.
U. cUiuta Ehrh. Europa
F. Rkhaidi Mich. Caucas., Greta,
Die fossile Ilora von Sagor in Krain.
47
Systematische
Aiit'zähluuff der Arten
Fundorte im Gebiete der Braunkohlen-
flora Sagor-Tüffer
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Verwandte
Tertiärfloren
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Analoge Arten der Jetztwclt
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110.
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113.
114.
115.
116.
117.
Ord. CELTIDEAE.
( Vft/V memhratüfoHa E 1 1.
„ con'acea E tt
Ord. MOREAE.
Ficiia liiinxulafa Heer . . . .
„ sagoriana Ett
„ primaeva Ett
„ Morloti U n g
„ piloaa Ett
„ Goeppeiii Ett
., cluHaefolki Ett
,, navinenm^ Ett
„ hanisteriaefolia Ett.
,, recHiiervis Ett
„ »lulliiiemiü Heer. . .
„ tenuinei-vis Ett
,. Persephones Ett....
,, Jyiix ü n g
„ arcinervis Heer.
„ Apollmis Ett
„ Deschmanni Ett. . . .
„ hmnel iaefolia Ett. . .
„ wettei-uvica Ett
„ Atlant idis Ett
., Daphnngeties Ett. ..
„ Martü Ett
„ Langen Ett
Ord. ARTOCARPEAE.
1 18. Äiiucarpidhim inlegrifoliuni
119. „ Ungeri Ett, .
Ord. PLATANEAE.
Plrttduus aceroides Goepp.
Ord. SALIOINEAE.
I'opuluH mutal/ilis Heer. . . .
Su/ix aqtiitanka Ett
120.
121.
122.
Cliiss. OLERACEAE.
Ord. NYCTAGINEAE.
123. /V«i»/« coceiiiai Ett
Class. THYMELEAE.
Ord. MONIMIACEAE.
124. Hedycana europaea Ett...,
125. Laurelia redwimi U n g
Ord. LAURINEAE.
126. Laiinis primigenid Ung.
127. „ phoeboiiles Ett..
128. „ ocoteaefol kl Ett.
129. „ stenophy/la Ett.
130. „ Lalages Ung...
131. „ AgathopJujUuiii Ung
132. „ tristanmefolia Web.
133. „ Lauriis Hmieri Ett..
134. „ princeps Heer . . . .
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i+i
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('e/lia Arten.
F. prinoejiH Kunth. Trop. Aiiiei
/''. e/(istim R, 0.stindieu.
F. h.HCOsticta Hort. O.stindicu.
F. fernigiiiai H. B. S. 0.'<tiudieii
F.cilinlosu T,ink. Ostindien.
FicKs sp. Ostindien.
F. Bmjmni)ie.a L. O.stindien.
/''. Ifiiirifolia, F. aiiguslifolki.
F. tittiüfcens N. Ostindien.
F. aDiericiiiia. F. hiiviitn.
F. hciiga/ka. Ostindien.
+
r. occkkntalis L. Nordamerika.
/'. fiiphrulica Ol. Asien.
r. Kitbcorduta Sw. Brasilien.
H. deiUata Forst. Neuseeland.
L. semperviren» R, P. Chile.
L. canariensis Sm. Canarien.
Plioebe laiici'olata Wall. Ostindien
Ocoten giiiananeiisiii Anbl. Guiana
+
48
Constantin v. Ettinqshausen.
Systematische
Aufzähliiiig- iler Arten
Fundorte im Gebiete der Hraunlcohlen-
flora Sagor-Tüffer
Verwandte
Tertiärfloren
Analoge Arten der .Jetztwelt
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Tagbau, Schichte II
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Savine (Steinbruch)
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135. Persea spea'osa Heer
136. „ Heerii Ett
137. Litsaea dermatopliylloii W. sp.
1 3s. Ciiimimomum Rossmaessleii H.
139. „ Scheuchzet-i H. .
140. „ lanceolafKmU.sp
141. „ j)oli/niO)jiIiU)iiYiY.
142. „ spectabik Heer
143. DuphnofjeHe emarginala Ett.
Ord. SANTAI-ACEAE.
144. LeptoHwn'a dista/ia Ett.
14.5. Santalum salicinam Ett
146. „ acheroi/liciiiii Ett..
147. „ osi/riiium Ett
148. n cuspidutum Ett...
Ord. DAPHNOIDEAE.
149. Daphiie- aquitaiika Ett
150. Fimdea tlubia Ett
Ord. PROTEACEAE.
151. Cunospermmn macrophylliim E.
152. Cenarrhenes Hatieri Ett....
153. Persoonia Daphnes Ett
154. „ cuspidata Ett
155. „ Mi/rtiUus Ett
156. G-reviVea luteniii/iaiKt Ett...
157. Hakea macroptet-a Ett
15S. „ stenocarpifol ia Ett....
159. „ fraxinoides Ett
160. Lamhertia extincta Ett
161. Enibothrium leptospermumE 1 1.
162. „ stenospermum
Ett.
163. „ macroptefmum
Ett.
164. Lomatia oceanica Ett
165. Bunkfu'a sagoriana Ett
166. „ hiigifolia Ett
167. „ Haidingeri Ett
I6,s. Dri/diidra sagoriaita Ett. ...
169. „ Ungeri Ett
170. Dryandroides etegans Ett....
E. Gamopetalae.
Class. AGGREGATAE.
Ord. COMPOSITAE.
171. llijoserites Lingua Ett
Class. CAPRIFOLIACEAE.
Ord. RUBIVCEAE.
172. CinchonidiumbiUnicum Ett..
173. „ sagorianmnE tt.
174. „ angustifolimn E.
175. „ latifulium Ett..
176. „ mucronatum'E^..
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P indica L. Canarien.
P. gratissima Gärtn. Trop. Amer.
C. eucahjptoldes Nees. Ostindien.
C. pieduncidatum T h u n b. Japan
C. Camphora L. sp. Jiipan.
L. adda B. Brown. Australien.
S. obtusifoUum B. Br. Anstralien.
S. lanceolatum B. H r. Australien.
C. hngifolinm Sm. Australien.
C. nitida K. B r. Neuseeland.
P. dnplinoidca Sieb. Anstralieu.
P. mxß-tiUoides Sieb. Anstralien.
G. oleoides Sieb. Australien.
SteHOcai'pm salignits R. Br. Austr.
L. uiiiflwii R. Br. Anstralien.
L. polymorpha R. Br. Australien.
B. oblongifüliu R. B r. Australien.
B. spimdosu R. B r. Australien.
B. coccinea R. Br. Australien.
D. hngifolia R. B r. Australien.
D. arm'ata R. Br. Australien.
Amerikanische Cinchonaceen.
Die fossile Flora von Sagor in Krain.
49
Systematische
Aufzählung der Arten
Fundorte im Gebiete der Braunkohleu-
flora Sa.^'or-Tüffer
J3
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Verwandte
Tertiärfloren
t» w s
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M
Analoge Arten der Jetztwelt
Class. CONTORTAE.
Ord. OLEACEAE.
177 Olea Noti Un g
178. „ carniolica Ett
179. Noteiaea rectiiiervh Ett
ISO. Ligiistruyn priscum Ett
181. Fraxinus primigenia Ung. ..
182. „ saviitensis Ett
183. n palaeo-ejccelsior 'Ett.
Ord. APOCYNACEAE.
184. Apocynophyllum Beunsii Ett.
18.5. „ pachypliiß. E.
166. n haeringiaii.F,.
187. •, saUcinum E.
188. „ angusfidiiE..
189. „ tenuifoliiiDiE.
190. „ Amsonia U..
191. „ lange petiol.E.
192s n hreve-petiol.^.
19.?. NerHinium majiis Ung
194. Echitonium superstes Ung...
19.T. „ microspennum U..
196. Alstonia carniolica Ett
Clasa. NUCULIFERAE.
Ord. MYOPORINEAE.
197. Mijoiiontm Salicites Ett
198. „ ambiguum Ett. . .
Ord. ASPERIFOLIACEAE.
199. Hdiotropites parvifoUus Ett..
Class. PETALANTHAE.
+
200.
201.
202.
20.3.
•204.
205.
206,
207.
208.
209.
210.
211.
212.
213.
214.
215.
216.
Ord. MYRSINEAE.
Myrsine Vnrypliura Ung. .
„ Qiicalyptoides E 1 1.
„ savinensis Ett. . .
„ Endymionis Ung.
Ord. SAPOTACEAE.
Sapofdcites siileroxyluides E. .
n Daphnes Ett. . . .
^ emarginatii^ Heer
p minor Ett
„ Heerii Ett
., longepetioldtiis Ett.
„ Chaniaedrya U. sp.
Miniiisops tertiaria Ett
Chrysophyllum sagorianiim E.
Bumdia Oreadum Uug
„ Plejadnm Ung
„ Heliudiim Ett
„ scabra Ett
+
Ord. EBENACEAE.
217. Diospyros hfierimfiana Ett.
218.
brachysepala A. B r
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+ +
+
+
+
+
+
0. exasperata Jacq. Cap.
0. europaea L. Süd-Europa, Orient
O. europaea L,. .^UQ-Jliuropa, Uriei
N. loiiyifolia R. B r. Australien.
L. vulgare L. Europa, Caucasus.
F. excdsior L. Europa.
+ +
+
+
+
+
Amsonia laiifolia Michx. Nordam
Periploca graeca L. Süd-Europa.
A. mucrnphylla Wall. Philipp.-Ins.
MyoporioH sp. Australien.
M. lancifolia Mart. Brasilien.
M. salicifolia DC. Guadeloupe.
+
Bumdia rctusa Sw. Jamaika.
3//»iHS()jw sp. Ostindien.
Ch. argcnteum J HC. Trop. Amerika
B. neroosa Spr. Jamaika.
-t- +
D. Lotus L. Süd-Europa etc.
DcukBchriften der mathem.-naturw. Gl. L. Bd.
50
Consfantiti v. Etfingshausen.
Systematische
Aufzählung der Arten
Fundorte im Gebiete der PSrauukolilen
flora Sagor-Tüfl'er
Er M
219. Diosjtyros ancejjs Heer. .
220. „ /otoides Uug. . .
221. „ sagoriana Ett.
222. „ Wodanl Ung. .
223. „ biUnica Ett. . .
Ord. STYRACEAE.
224. Symplocos mdobojana Ung.
225. „ stivinensis Ett. ..
Class. BICORNES.
Ord. ERICACEAE.
226. Amlromeda protogaea Ung. .
227. B sagoriana Ett. . .
228. RJtodudeiidron sagoriamim E,
229. Ledmn limnophüum Ung. . . .
Ord. VACCINIEAE.
230. Vac tnium acheronficum Ung.
23 1 „ Palaeo-Mgiiillus E,
F. Dialypetalae.
Class. DISCANTHAE.
Ord. ARALIACEAE.
232. Oiissonia ambigua Ett
233. Ardliophyllum hedei-oides Ett
234. „ crenu/atiim E. .
235. „ asperum E....
236. „ Saportaiium E
Ord. AMPELIDEAE.
237. Cissiis Heeiii Ett
Ord. CORNEAE.
238. Camus Büchii Heer
Ord. LORANTHACEAE.
239. Loranthus Eucalypti Ett. . . .
240. „ extinctus Ett
241. „ Palaeo-Exocarxn E.
242. Phfhirusa Falaeo-Tlieobromae
Ett.
Class. CORNICULATAE.
Ord. SAXIFRAGACEAE.
243. C'allicoma pannonica Ung. ..
244. „ micfophylla Ett....
245. Ceratopetalum haeringiaHum
Ett.
246. Weinmannia sotzkiana Ett
247. Hydrangea saynriaua Ett.
248. „ dubia Ett
Class. POLYCARPICAE.
Ord. MA6N0LIACEAE.
249. Magnolia Dianae Ung
250. Magnolioides carnioHca Ett.
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CS O
H|C5
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Verwandte
Tertiärfloreu
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+ +
+
+
+
Analoge Arten der Jetztwelt
D virginiana L. Nordamerika.
D. lanceolala Poir. Madagaskar.
S. ma-inca HB. Mexiko.
A. cucahjploides DC. Trop. .\mer.
li. acahides D e s f. Kleinasien.
V. Klainiiieiiiii Alt. Nordamerika.
V. Myiiillus L. Europa.
C. thyrsißora Tliiinb. Cap.
Cormi-s sp. Nordamerika.
L. miraculosus Mi q.. Australien.
L. oleaefoUiis Ch. et Seh. Cap.
L. Exocarpi Behr. Australien.
Ph. Tlieobromae Will d. Tr. Araer
C. serratifolia Andr. Australien.
C. yummiferttm Sm. Au.stralicu.
Weinmannia sp. N.-Seeld. u. T. Am
H. Hortensia D C. China, Japan.
M. grandifloraLinu. Nordamerika
Die fossile Flora von Sagor in Krain.
51
Fundorte im Gebiete der Braunkohlen-
flora Sagor-Tüffer
Systematische
Aufzählung der Arten
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Verwandte
Teitiärfloren
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«l-Ä
Anah)ge Arten der Jetztwelt
Ord. i; AN UN C UL A( JEAE.
251. Clematis sagoriana Ett
Class. NELUMBIA.
Ord. NYMPHAEACEAE.
S.öS. Anoectomeria Brunyniaiii S. .
25ii. Nyinphaea gjipsorum Sap. ..
Class. COLUMNIFERAE.
Ord. BOMBACEAE.
•254. Bombax sayorianum Ett....
255. „ choriäiaefoliuiH Ett..
U.d. STERCULIACEAE.
256. Sterculia Labrusca Ung
257. „ Jaurhta Ett
Ord- BÜTTNERIAOEAE.
258. Pterospermum sagorianuut E.
Class. GUTTIFERAE.
Ord. TERNSTROEMIACEAE
259. TeritfitiveiHia hilinica Ett....
Class. ACERA.
Ord. ACERINEAE.
260. Acer büegrilobum 0. Web..
261. ri trilobatum A. Braun .
262. „ Eüminianuin Heer...
2(J3. „ stenocarpum Ett
Ord. MALPIGHIACEAE.
264. Tetrapteris sagoriana Ett..
265. „ minuta Ett. ...
266. Banisteria carniolica Ett. . .
267. Malpiyhiastrum rotundifol. E.
Ord. SAPINDACEAE.
268. Saphidus falcifolius A. B r. . .
269. „ undulatas Heer. . .
270. „ duhius'üug
271. „ PytJdi Ung
272. „ asperifoUus Ett....
293. Sapixdophijllum paradoxumE.
274. Dodonaea Apocynophyllum E.
275. „ So//ates Ett
Class. FRANGULACEAE.
Ord. PITTOSPOREAE.
276. Pitlosjjvrion pulaeo-tetrasper-
tnuni Ett.
277. Binsaria rudohojana Ung. . .
Ord. CELASTRINEAE..
278. Celasirus AeoU Ett
279. „ Andromedae Ung. ,
280. „ cassinefoUus Ung.
+
+
+
+
+
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B. gluucescens Sw. Brasilien.
Chorisia ajjeciosa St. Hill. Tr. Am.
S. diversifolia G. Don. Australien
Sterculia sp. Ostindien.
/'. laiiceaefi)lium Roxlj. Ostindien,
. +
. +
+ +
+
+
+
+
T. dentatu S w. u. A. Trop. Amer,
A. campestre L. Europa.
A. rubrum L. Nordamerika.
A. pühjmorphum Sieb. .Tapan.
Tetrapteris sp. Trop. Amerika.
Banisteria sp. Brasilien.
S. surinamensis Poir. Trop. Amer.
D. viscosa L. Australien.
D. laurifulia Sieb. u. A. Austral.
/'. tetraspermum W. et A. Ostiud.
B. spitwsa Cav. Australien.
C. Iriyi/iius DC. St. Mauritius.
C ylaiwas Salt.
C buxifoüas L. Cap.
7*
52
Consf antin v. Ettingshausen.
Systematisehe
Aufzähluus iler Arten
Fundorte im Gebiete der Braimkohlen-
flora Sagor-Tüflfer
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Verwandte
Tertiärfloren
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Analoge Arteu der Jetztwelt
281. Celastrus Acherontis Ett
282. „ protogaeuü Ett
283. „ Pse«fZo-27(a; Ett
284. „ sayoriamis Ett. ...
28.5. „ oxyphyUus Ung. ...
28G. „ P/«tom!S Ett
287. „ JlfwrcÄisoH/ Heer . .
288. ,, (h2}erdit HS Ett
289- „ (ireophtjUus Uug. ..
290- „ Hiiipohjti Ett
291. „ europaeiis Ung. ...
292. Pterocelustfiis elaeMKsVug.ap
293. Elaeodenih-OH Persei Ung.sp
294. „ sagorianwnEtt
29.5. „ styriaciim Ett.
296. „ rifej/eHecUug.sp.
297. „ dubium Ett. . .
298. Evoiiymiis Heetii Ett
Ord. ILICINEAE.
299. Hex steHophylla Ung
300. „ parscJilugiana Ung. ...
301. „ saguriaiia Ett
302. Prinos hyperhorea Ung. ...
Ord. RHAMNEAE.
303. Zizyphus puradisiacus Ung.
304. „ undiüatus Ett....
30 5. „ savinensis Ett....
306. Bercliemia mitltlnervis A. Br,
307. Bhamnus Gaiidini Heer....
308. „ Z>ec/je/»V Weber .
309. „ paticinervis Ett...
310. Pontaderris uciotiiiiataEtt. .
Class. TEREBINTHINEAE.
Ord. JUGLANDEAE.
Sil. Juglans acuminata A. Br. . . .
312.
313.
314.
315.
316.
317.
venosa Ett. .
„ recthiervis Ett
Carya prae-oHoaefortiiis Ett.
„ e/aeiioides Ung. sp. ..
„ trifailensis Ett
„ Ueerii Ett
318. Pterocarya deiitiadata Web..
319. Engelhardüa Brongniarti S a p
Ord. ANACARDIACEAE.
320. PiMacia Palaeo-LeiUiscus Ett.
321. Bhus stygia Ung
322. „ 2«'i^<^ l^tt
323. „ hydrophila Ung
324. „ sagoriana Ett
325. „ obovata Ung. sp
326. „ Latoniae Ett
Ord. ZANTHOXYLEAE.
327. Zanthoxylum haeringianum E,
328. Ptelea intermedia Ett
329. „ microcarpa Ett
330. Aüanthus Orionis Ett
+
+
+
+ +
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+
+
+
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+
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+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+ . \+ C. emplmtrifolius E. et. Z. Cap.
.1 + 1+ C. riyidiis Thunb. Cap.
+ . !+ C. itttegriß-ilius Thunb. Cap.
C. ooatus Eckl. Cap.
+ + C. acuminulus Thunb. Cap.
C. colUnus Eckl. et Z. Cap.
C. iteterophyllus'Ei c k 1. et Z e y h. Cap
+
+
+ . ' +
+ . +
+
C. caiiipestris E. et Z. Ca]j.
C. myiiifoliiis L. Jamaika.
Pterocelastrus sp. Cap.
E. cur-tipendulum Endl. Norfolk.
+ ..£". (iiisfrale V. u. A. Australien.
E. atropurpureusic (p Nordamerika,
+ J. anguslifolia Willd. Nordamer.
J. DahooH Walt. Nordamerika.
P. glaber L. Nordamerika.
Z. cätidifnlius D C. Java.
B. voiiibilis DC. Nordamerika.
+ . \+ B. yraiidifnlius Fisch. Kaukasu.'i.
+
+
+
+
+
+
+
Pomoderris sii. Australien.
J. regia I.. Persien.
C. olivaeformi.i N u 1 1. Nordamer.
C. sulcata Nutt. Nordamerika.
C.aquatica Mich. Nordamerika.
P. caiwasica Kth. Kaukasus.
Engdhardtia Sp. Philippinen.
P. Lentiscus L. Süd-Europa.
Bhus sp. Amerika.
Bh. viminalis Val. Süd- Afrika.
Bhus sp. Süd-Afrika.
Z. horrldiwi Brasilien.
Pteleu sp. Nordamerika, Mexiko.
P. podocarpa DC. Mexiko.
Die fossile Flora von Sagor in Krain.
53
Systematische
Aufzählung der Arten
Fundorte im Gebiete der Braunkohlen-
flora Sagor-Tüifer
Verwandte
Tertiärfloreu
Analoge Arten der Jetztwelt
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Class. CALYCIFLORAE.
Ord. VüCHYSL\tEAE.
331. Vochysia europaea Ett
Ord. COMBRETACEAE.
332. Terminaliu radobojensis Ung.
333. „ miocenica Uug. . .
334. „ Fenzliami Ett. . .
Class, MYRTIFLORAE.
Ord. MYRTACEAE.
335. Eucalypitus oceanica Ung. . . .
336. „ haeringiana Ett..
337. „ grandifolia Ett. .
338. Call istcmuphytl um iiieluleucae-
forine Ett.
3.'!9. „ acuminatum E.
340. Metrosideros europaea Ett...
341. Eugenia Apollinis Ung
Class. ROSIFLORAE.
Ord. POMACEAE.
342. Cotoneaster Persei Ung
Ord. AMYGDALEAE.
343. Prunus mohicana Ung
344. „ Palaeo-C'erasus Ett..
Class. LEGUMINOSAE.
Ord. PAPILIONACEAE.
345. Psoralea palaeogaea Sap. ...
346. Glyzyrrhiza deperdita Ung. .
347. „ Blandusiae Ung.
348. „ Hesperidum Ung.
349. Robinia Druiduni Ett
350. „ crenata Heer
351. Erythrina Ungeri Ett
352. Diodeu protogaea Ett
353. Kennedya PhaseoUtes Ett. ..
354 „ urbicularis Ung. sp.
355 PhaseoUtes glycinoides Sap. . .
356 „ microphyllus Ett..
357 „ dolichophiillus W. .
358 „ Eutychos Ung
359 „ erioseniaefolius U. .
360. Dalberyia hecastojjhi/lliiiaS Stp.
361. „ palaeocarpa Sap. .
362. „ haeringiana Ett. . .
363. „ valdensis Ueev . ..
364. „ retusaefoliaWeh.si).
365. „ primaevu Ung....
366. Machaerium palaeogaeum Ett.
361 PalaeolobiumheterophyllumVlig.
368. „ radabojense Ung..
369. Soplwru curupaea Ung
370. Styphnolubium europaeum Ett
+
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+
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+
+
-f
+
V. atuminatu H. M. V. Br.-i.silieu.
Eucalyptus sp. Australien.
M. polymorpha G a u d. Oceanien.
P. caruliniaiut Ait. Nordamerika.
P. Cerasus L. Europa.
P. hituminosa L. Süd-Europa.
G.lepidota Nutt. Nordamerika.
B. Pseudo-ActKia L. Nordamerika,
ft. hispida L. Nordamerika.
E. coralloides DC. Mexiko.
D. lasiocarpa Mart. Brasilien.
K. arabiai H. et S t. Afrika.
K. arenaria Benth. Australien.
Dalberyia sp. Ostindien.
D.ferruyinea Koxb. Ostindien.
M. muticum Benth. Brasilien.
S. tomenlosa L. Ostindien.
St. japonicum Schott. Japau.
54
Constantin v. Ettingshausen.
Systematische
Aufziililung der Ai-ten
Fundorte im Gebiete der BrauiiliDlilen-
flora Sagor-Tüffer
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Verwandte
Tertiärfloren
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W
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Analoge Arten der .Tetztwidt
Ord. CAESALPINIEAE.
371. Caesalpinia Haiditujeri Ett
372. „ Heerii Ett. .
373. Cassia Phaseolües Ung.
374. „ Berenkes Ung...
375. „ sayuriana Ett...
376. „ hi/jjerborea Ung.
377. „ Feroniae Ett
378. „ liynitum. Vng.. . .
379. „ ambi(/ua Ung. . .
380. „ denticuJafa Ett. .
381. n stenopliyUa Heer
382. „ Meninonia Ung..
383. n xiulaevijaea Web.
384. Podogonium Li/ellianum Heer
Ord. MmOSEAE.
385. Acacia sotzkiana Ung
386. „ parscMiujkina Ung. .
387. Mimosites haerinykiims Ett..
+
+
+
+
+
+
+
+ 1 +
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+
+
+
+ +
+ +
+
+
+
+
+
+ +
+ ' +
+
+
+
C. itepiaria Roxb. Ostiadien.
C. micrunthera D C. Brasilien.
C. laeviyata W. Trop. Amerika.
C. planisiliqua Lam. Troji. Amer.
C. laeciyata W. Trop. Amerika.
C. stlpulacea A i t. Chile.
C. chri/solricha Coli. Antillen.
C. australis Sims.
A. poiiortceiiaif W. Trop. Amerika.
Acacia sp. Trop. Amerika.
Die fossile Flora von Sagor in Krain. 55
Erklärung der Tafelu.
TAFEL XXVIII.
V\g. 1. lilujUsiiia yrandc Ett. Pilz, .•iiit' einem iiubestiiiimbaren Dieotyledonen-Blatl. Vom Steinbruch bei Savinc.
„ 2. SjiJia^fia minutissima Ett. Pilz, auf einem Dicotyledonen-Blattreste, wahrscheinlieh von JUius. Vom Stollen bei
Savine. 2a u. 2b Vergrösserunj^en der Perithecien.
„ 3. Sphaerin Fici teiiuinervis Ett. Auf einem Blatt von Fiats tcmiiiiiTvi.<. Vom Stollen bei Savine.
„ 'I. Equisefum repens Ett. Vom Steinbruch bei Savine. Fig. in Vergrösserung.
„ 5. Muscites savinensis Ett. Steinbruch bei Savine. Fig. 5a vergriissert.
„ G. Ohara Mer tan i A.Braun. Von derselben Localität.
„ 7. Furnwedelknosije, vielleicht zu Bhchiium Braunii gehörig. Von derselben Localität.
„ s. Epidermis yitn Smihix HaidiiKjeri Ung. Von einem Exemplar aus dem Stollen bei Savine.
„ 9. Epidermi.s eines anderen Exemplars derselben Art; zum Vergleiche mit der vorigen.
;, 10. Sequüia Couttsiae Heer. Zapfenfrueht. Vom Stollen bei Savine.
„11. Pinus Palaeo-Taeda Ett. Männliche BlUthe. Steinbruch bei Savine.
„ 1-2. Podocarpus eocenica Ung. Blatt vom Steinbruch bei Savine.
„ LS, U. Samen von Casimrimi. I3(i und 136 dieselben vergrössert dargestellt. Vom Steinbruch bei Savine.
„ 15. Qucrcus Nympharum Et't. 15 a Vergrössernng der Nervation.
„ 16. Quercus Lonchitis Ung. Frucht. Steinbruch bei Savine.
„ 17. Quercus fephrodes Ung. Blatt. Trifail, Tagbau.
„ 18. Custanopsis sagoriana Ett. is«. Die Nervation vergrössert gezeichvet. Steinbruch bei Savine.
„ 19. -20. Carpinus Heerii Ett. Fig. 19 Blüthenkätzohen ; Fig. 20 Blatt, beide vom Steinbruch bei Savine.
,., 21. 22. Ulmus Bronnii Ung. Fig. 21 Flügelfrucht; Fig. 22. Blatt. Steinbruch bei Savine.
TAFEL XXIX.
Fig. 1. Ficus teniiinervis Ett. Fig. la. Vergrössernng der Nervation. Steinbruch bei Savine.
„ 2. Ficus Persephones Ett. Von der genannten Lagerstätte.
„ 3. Ficus banisteriaefolia Ett. Von eben daher. Fig. 3a die Nervation vergrössert dargestellt.
„ 4. Ficus savineiiKis Ett. Fig. 4« Vergrössernng der Nervation. Aus der gleichen Lagerstätte.
„ .i. La urus primigen ia Ung. Fig. öa die Nervation vergrössert. Steinbruch bei Savine.
„ 6. Laurus plioeboides Ett. Von eben daher.
„ 7. Ficus Langeri Ett. Trifail, Tagbau.
„ 8. Ficus Martii Ett., Steinbruch bei S.-iviue. Fig. 8« Die Nervation vergrössert dargestellt.
TAFEL XXX.
Fig. 1. Ciimamomum lanceolatum Ung. Fig. la Vergrössernng der Nervation. Steinbruch bei Savine.
„ 2. Laurus ocoteaefolia Ett. Fig. 2« die Nervation des Blattes vergrössert. Von derselben I^agerstätte.
„ 3—7. Laurus plioeboides Ett. Fig. 4o, 5n, 6 a Vergrösserungen der Nervation. Fig. 3 von Tagbau bei Trifail, die übrigen
ans dem Steinbruch bei Savine.
„ 8. Santalum acJieronticum Ett. Aus dem Tagbau bei Trifail.
„ 9. Santalum salicinum Ett. Aus dem Steinbruch bei Savine.
„ 10. Banksia sagoriana Ett. Fig. 10« die Nervation vergrössert dargestellt. Steinbruch bei Savine.
„ 11. Hakea fraximides Ett. Geflügelter Same. Fig. l\a derselbe schwach vergrössert. Steinbruch bei Savine.
„ 12. Daphne aqniianica Ett. Aus dem Tagbau bei Trifail.
„ 13. Echitonium microsp ermum Ung. Same mit Haaischopf. Fig. 13« Vergrösserung. Steinbruch bei Savine.
„ 14. Mitnusops tertiaria Ett. Fig. 14« Vergrösserung der Nervation. Steinbruch bei Savine.
56 Cons tantin v. Ettingshausen. Die fossile Flora von Sagor in Krain.
Fig. 15, 16. Cinch/oniiUum niigustifolium Ett. Fig. 15 Frucht. Fig. 16 Blatt. Steinbruch bei Savine.
„ 17. Diospyros haeriiujiaim Ett. Fig. 17« Vergrösserung der Nervation. Au.s einem Brand.schicfer bei Trifail.
„ 18. Bumdia scabra Ett. Fig. 18« ein Blattstück schwach vergrössert. Aus einem Brand.schiefer bei Trifail.
„ 19. Diospyros bih'nica Ett. Blüthenkelch. Fig. 19« der.selbe schwach vergrössert. Steiubruch bei Savine.
„ 20. Epidermis von Andromeda protoyaea Ung. Von einem Blatte aus dem Stollen bei Savine.
„ 21. Epidermis der Aiidromeda (Lciicoflioe) coriifoHa DC. von Brasilien, zur Versleichung mit obiger.
„ 22. MagnoUoldes carnioUca Ett. Fig. 22« die Nervation vergrössert dargestellt. Vom Steinbruch bei Savine.
TAFEL XXXI.
Fig. 1, 5. Tetrapteris nmiiifa Ett. Fig. 1 Frucht. Steinbruch bei Savine. Fig. 1« ein Fruchtflügel vergrössert gezeichnet.
Fig. 5 Blatt von Trifail.
„ 2. Clematis sagoriana Ett. Frucht mit Griffel. Steinbruch bei Savine.
„ 3. Ilydiangea sagoriana Ett. Frucht mit Griffel. Steinbruch bei Savine.
„ 4. Sapindophyllum 2Mrado.Kiim Ett. Fragment eines grossen gefiederten Blattes aus dem Tagbau bei Trifail. Fig. In die
Nervation vergrössert dargestellt.
„ 6. Malpighiastrum rotundifolium Ett. Steiubruch bei Savine.
„ 7. Sapindus asperifolius Ett. Theilblättchen. Fig. 7a Vergrösserung eines Stückchens desselben, um den Überzug zu
zeigen. Steinbruch bii Savine.
„ 8, 9. Acn- Riiminiriiium Heer. FlügelfrUchte; aus dem Steinbruch bei Savine.
„ 10—12. Acer stenocarpum Ett. FlügelfrUchte; Fig. 9« eine derselben schwach vergrössert. Steinbruch bei Savine.
„ 13, 14. Ave)- integrilobum O.Weber. Blattfossilien aus dem Tagbau bei Trifail.
TAFEL XXXIL
Fig. 1. Celastrus oxyphyllus Ung. Steinbruch bei Savine.
„ 2. Celastrus Plutoiüs Ett. Von derselben Localität.
„ 3, 4. Celastrus sagorianus Ett. Fig. 3 Kapselfrucht; Fig. 4 Blatt von ebendaher.
„ 5. Elaeodendron Persei Ung. sp. Von derselben Lagerstätte.
„ 6. Elaeodendron degener Ung. sp. Von ebendaher.
„ 7. Zizyphm savinensis Ett. Von ebendaher. Fig. 7« Vergrösserung der Nervation.
8. Uhus ohovata Ung. sp. Theilblättchen. Vom Stollen bei Savine. Fig. 8a die Nervation vergrössert dargestellt.
„ 9. Bhus Lafoniae Ett. Theilblättchen. Vom Steiubruch bei Savine.
„ 10. Bhus sagoriana Ett. Theilblättchen. Von derselben Lagerstätte.
„11, 12. Bursaria radobojana Ung. Fig. 11 Fragment eines Fruchtstandes, von der Tagbauschichte I in Sagor; Fig. l-> Blatt
vom Steinbruch bei Savine.
„ 13. Carya trifailensis Ett. Fragment eines Theilblättchens. Aus einem Brandschiefer bei Trifail. Fig, 13 ein Stück vergrös-
sert dargestellt, um die Nervation und den Überzug zu zeigen.
„ 14. Juglans rectinervis Ett. Theilblättchen. Steinbruch bei Savine.
„ 15. Engdhardtia Brongniarti Biip. i\tr. producta. Fruchtfossil. Stollen bei Savine.
16« Engdhardtia Brongniarti Sap. Frucht sammt Hülle; b Blatt \im Eucalyptus oceanica Ung. Aus einem Braudschiefcr
bei Trifail.
„ 17. Ile.i- sagoriana Ett. Steinbruch bei Savine.
„ 18. Vergrösserung der Nei-vation eines Blattes von Eucalyptus oceanica Ung. vom Stollen bei Savine.
„ 19. Ailanfhus Orionis Ett. Frucht. Steinbruch bei Savine.
„ 20. Carya prae-olivaeformis Ett. Theilblättchen. Von ebendaher.
., 21, 22. Erythrina Ungeri Ett. Theilblättchen. Von ebendaher.
, 23. Kennedya Phaseolites Ett. Theilblättchen. Von ebendaher.
„ 24. Kennedya arbicularis Ett. Theilblättchen. Von ebendaher.
„ 25. 26. Glycyrrhiza Blandusiac Ung. Theilblättchen. Vom Stollen bei Savine.
„ 27. Cassia Memnonia Ung. Theilblättchen. Aus dem Tagbau bei Trifail.
„ 28. Robinia Druidum Ett. Hülsenfrucht. Aus dem Steinbruch bei Savine.
_ 29. Acacia sotzkiana Ung. Hülseufrucht. Von ebendaher.
Cv-.r.ttinÄstoisPnrKüs.silc Kluia vnii Sa^or.
T:.r.XX\TIl.
üthugeäridJckHof-u Staatsdruckeiei .
Denkscliriften d.k.Akad.d.W.math.nalurw^. Classe L Bd l.Ablh.
(' v. Elliiiisliiiiiscii: Kiissili' Fliiivi von .Sajjiir.
TmIXXK.
Lilh u godr 1 i Müiof u Stojt--:<)riicl<erel .
/ Fniix IcniiiniTiis. " K Pcrsi-phoircs. •? E biinistcriac/iiliti 't F. saxincnsis.ö l.iiuriix /iniiurfciun ti I, /ih,tvhoiilrx TVUusl.tuuii'ii X h'.Muriii .
Denkschriften d.k.Akad.d.W.math.nalurw. Classe.LBd.I.Abth.
(' v.Ellin^sliausen: Fossile Klmj von Sa;!"!'
IVif.XXX.
lith u gedridWüiof-u Staatsdruckerei .
/ Cinnammmmi Inm-eolalum . '.: lauriis o,;>f,;u-/b!„r3.-'i l../,/,o,-/>o,Jc-s. A' S,u,h,/„m iK'/icnm/irum ■ .9 S.sftiuimun lU Kanl.-sia satforiaiui
It Haken rraxinoi,lcs.l2 Dofi/im- aqititanicn . t.'lKrhitimiimi wicrKspmnum l'i Miniuxu/is Icrlmria 15, Iti liitchonidiiim nnx/iislirohum
n Dtospyros haeriutfiana /,V l!,u,ielu< xcn^hra l.'l IJuispyi-o.s hUinict .:UI .l„drniiu-iia ,jr,rto<faea. :'/ A roriilohn .2Z Maff/wlioide.i carnioTica.':
Denkschriften d.k.Akad.d.U'.niath.naturw. Classe L.Bd.l.Abfh.
(" r. Ftlin^sliauseii: Kussile Flma von Sai'dr.
TmC.XXXI.
brhugectrididcHofu Staatjdruclterei.
/, s. Telrn/iloris muuilti -? Clrmalis sngoriana . 3 HydTttnijeit sagorta/ia . 'f Sapindophi/lUi/ri iJiirinÜKviuu G MaLpi<f/iiasli-iun roliirnii „
foUiim . 7 Snpmitiix asperilbiinx. ti, 9 Acer Ramiinununt . 10. l'-i A.stcnocaipiutL . 13, l'l A. üUfijrilohuiii .
Denksclirifleii d.k.Akad.d.W.malli.naluiw. Classe L.Bd.I.Ablh.
r v.Kttiii&liauseTi: Fossile Klora von Saj!or.
Lith-ugedridklcHof-u-Staat^druckeret.
/ (etaslrii.-.- n.vi/phi/llas . Z C. Flutonis. .?, * r.sa^oriani/s r, F.lneodendroi) Fcrsei li K.ihuiciier. 7 y.i/.i/plius sarinensis. S R/iiix öbai-atw.
;)n.LiiloiuaclO k saxionana.ltj'^ Bursaritt vudobojmia i:i Carya LvUaUciLsis.l'f Jiitjlans reclinerris.lSEniicIlumitiiiBrongniarlii . 11
.flp.v siiqorianit .IS Rucali/pliis orcaiuni . 1!) AilanOix Orionix. ::0 raiya piac-oUi-ueformis iV, ;'S' f;rifll,rina 7'n,/pri i'3 Kentu-dia
l'litiseolUcs. Z'l K orbU-alnri.-.-. ^5. 7tJ llli/rt/rltr/.n Blnndiunn,' ;'7 (assia Mi'mnonia :;,S Kohi/nn Oruidum.29 Acada sofxkiana .
Denksrlirifteii d.k.Akad.d.VV. math.naturvv. ClasseL.Bd.l.Abtl\.
57
DIE
GEOGRAPHISCHE VERBREITUNG DER JURAFORMATION.
M. NEDMAYR,
CORRESPONDIRENDEM MITOUEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCIIAITEN,
(&\IU 2 3ia-cicn lUiS i Sa fei.)
VORGEI-KfiT IN PRU SITZUNG AM 12. FEBRUAR 1885.
I. Einleitung".
Der Stratigraphie fällt zunächst die Feststellung der Reihenfolge zu, in welcher die Schichten mit ihren
Thier- und Pflanzenresten nach einander auftreten, sie gibt die chronologische Scala für die Geschichte der
Erde und ihrer Bewohner. Als eine zweite Aufgabe reiht sich daran das Problem, auf dieser Basis den Zustand
unserer Planeten zu verschiedenen Zeiten zu reconstruiren, ein Problem, das der Geologe nie aus den Augen
verlieren darf, dessen Lösung aber mit ganz aussergewöhnlichen Schwierigkeiten verbunden ist. Nur für
gewisse, besonders sorgfältig studirte Abschnitte der Erdgeschichte wird es möglich, wenigstens in den rohesten
Umrissen, ein Bild von den klimatischen Verhältnissen, von der Vertheilung von Wasser und Land u. s. w.
zu entwerfen.
In einem früheren Aufsatze habe ich versucht, das Vorhandensein von klimatischen Zonen während der
Jura- und älteren Kreidezeit über die ganze Erde nachzuweisen, * indem ich zeigte, dass gewisse marine Formen
in einem Gürtel um den Äquator das Maximum ihrer Entwicklung erreichen, dass andere über die gemässigte
Zone hinaus nicht oder nur sehr spärlich gegen die Pole sich verbreiten, während eine polare Fauna wenigstens
in der nördlichen Hemisphäre mit voller Deutlichkeit nachgewiesen werden konnte. War es auch durchaus
unmöglich, absolute Werthe für die damaligen Temperaturen zu erhalten, so konnten doch die relativen Unter-
schiede festgestellt werden, und es scheint mir das in derThat der einzige Weg, auf dem überhaupt ein Resultat
zu erzielen ist. Allerdings gibt es noch eine andere Methode, welche mehrfach angewendet wird, und welche
nicht nur relative, sondern absolute Werthe geben soll. Dieselbe geht ausschliesslich von der Untersuchung der
Landfauna- und Flora aus, sie vergleicht die geologisch alten Formen mit ihren jetzt lebenden Verwandten
und nimmt an, dass jene unter denselben äusseren Bedingungen, namentlich unter denselben klimatischen
Verhältnissen gelebt haben, wie diese.
Es ist das in letzter Linie nichts Anderes als eine Übertragung des berühmten pfianzengeographischen
Grundsatzes von Griesebach, nach welchem nuter gleichen äusseren Verhältuissen ähnliche Formen
1 „Übur klimatiache Züueu wälu'eud iler ,Jui':i- luul Kreidüzeit." Diosi; Dciiksclirirteii. I8S.1. l!il. 47. 8.277 ff.
Deiil^äcUrifttiU dur mathum.-uaiur^v. Ci. L. Ud. g
58 M. N('ii.mai/r.
auftreten; allein so grosses Verdienst sicli dieser Autor um die Pflanzengeograpliie erworben, und mit so
grossem Aufwände von Geist und Gelehrsamkeit er gerade diese Auffassung vertreten hat, so haben doch die
neueren Forschungen dieselbe nicht bestätigt, die Botaniker haben dieselbe, wenn ich richtig orientirt bin,
ziemlich allgemein verlassen.
Auch in der Geologie darf einer derartigen Richtung kein zu grosser Einfluss auf die Beurtheilung der
Verhältnisse eingeräumt werden; man muss berücksichtigen, dass nahe verwandte Thiere und Pflanzen oft
unter sehr verschiedenen äusseren Verhältnissen leben, und dass ein und derselbe Typus sich verschiedenen
Bedingungen anpassen, sowohl in einem warmen als in einem kalten Klima existiren, ja seine Lebens-
gewohnheiten und Bedürfnisse total ändern kann. Ich habe früher auf einzelne besonders auffallende Beispiele
dieser Art hingewiesen, auf Rhinoceros und Elephanten im Eisboden Sibiriens, auf das Zusammenvorkommen
von Riffkorallen und cyclostomen Bryozoen in den älteren Ablagerungen. '
Sobald die Anpassungsfähigkeit der Organismen an verschiedene Temperaturverliältuisse anerkannt ist,
muss natürlich der Werth der Landbewohner für die Beurtheilung der Klimate in der Vorzeit auf ein geringeres
Mass beschränkt werden. Bis zu einem gewissen Grade bleibt sie immerhin von Bedeutung, namentlich wenn
es sich um geologisch sehr junge Vorkommnisse handelt. Wenn z. B. in diluvialen Ablagerungen zusammen
Reste der Zwergbirke, des Halsbandlemmings, des Rennthiers, des Polarfuchses und anderer hochnordischer
Säugethiere, endlich die Schalen von Landschnecken gefunden werden, die jetzt etwa in Lappland oder in den
höchsten Theilen der Alpen leben, dann wird man hier mit Sicherheit auf ein kaltes Klima schliessen dürfen.
Schon bei Beurtheilung der Tertiärformation müssen wir in dieser Richtung sehr vorsichtig sein, und es
lässt sich wohl kaum die Überzeugung abweisen, dass die meisten Forscher, welche auf diesem Gebiete
arbeiten, in ihren Schlüssen etwas zu positiv sind. Wenn man aus der Tertiär- und Oberkreideflora Grönlands
schliesst, dass das dortige Klima damals wärmer war als heute, so ist das ohne Zweifel richtig, aber man geht
zu weit, wenn man aus der Flora geradezu die mittlere Jahrestemperatur einer weit zurückliegenden Zeit für
diesen oder jenen Ort berechnet. Es ist dabei ganz unberücksichtigt geblieben, dass nicht nur einzelne Formen
sondern ganze Faunen und Floren sich acclimatisiren können.
Auch muss es befremden, dass in manchen derartigen Werken nur die auf warmes Klima hinweisenden
Formen hervorgehoben werden; daneben aber kommen in jenen alten Ablagerungen oft auch ausgezeichnete
Vertreter der jetzt in gemässigten Breiten lebenden Typen vor. So hat z. B. Velenovsky kürzlich Epheu,
Weide und Kirsche in der böhmischen Kreide nachgewiesen.^
Vor Allem ist dabei eine auffallende Erscheinung zu beachten, die sogenannte Polflüchtigkeit der Floren
und Faunen des festen Landes; Buffon hat die Idee ausgesprochen, dass bei der allmäligen Erkaltung der
Erde die Pole zuerst eine genügend niedrige Temperatur iur die Existenz von Organismen erlangen mussten,
und daher das Leben an den Polen begonnen und sich von da aus verbreitet habe. Diese Ansicht ist namentlich
für die Festlandsorganismen mehrfach hervorgehoben worden, und besonders in neuerer Zeit hat sich die Auf-
fassung in der Form wesentlich befestigt, dass die grossen Landmassen im nördlichen Theile der Nord-
hemisphäre die Geburtsstätte der meisten Typen der Binnenorganismen darstellen, welche sich von hier aus
nach den verschiedenen nach Süden auslaufenden Continentalmassen verbreiteten. Solche Ansichten finden wir
unter anderen bei G. Jaege r;* Wallace sucht das Vorkommen gemeinsamer Gattungen oder Familien auf den
einzelneu durch weite Meeresflächen getrennten Festländern der südlichen Halbkugel stets in der Weise zu
erklären, dass sie dorthin von einer gemeinsamen Heimat auf dem grossen, bald zusammenhängenden, bald in
eine ameiikanische und in eine europäisch-asiatische Hälfte getheilten Nordcontinent gelangt seien." Mag auch
diese Art der Erklärung nicht für alle Fälle ausreichen, so kann es doch in der That kaum als ein Zufall
1 L. c. S. 279.
2 Velenovsky. Die Flora der böhmischen Kreideformation. Beitrage zur ralaontologie Osterreich-Uug-arns. Bd. IL,
Heft L, Bd. V., Heft I.
ä G. Jäger, in Sachen Darwins. 1874. p. 204.
^ Wallace, die geographische Verbreitung der Thiere; deutsche Ausgabe. 1876.
Die geographische Verhreittauj der Juraformation.
59
betrachtet werden, dass die alten Vorfahren der anthropoiden Affen, der Lenuiren, der Tapire, der Centetiden
u. s. w. in älteren Ablagerungen unserer Gegenden gefunden werden. E. Suess hat kürzlich darauf hin-
gewiesen, dass in gewissen zoogeographischen Zonen der Jetztzeit, die von Südosten her aufeinander folgen,
sich die Analoga jeuer Wiibelthierfauuen nachweisen lassen, welche nacheinander in Europa gelebt haben und
im Laufe der Zeit immer weiter aus ihrem ursprünglichen Verbreitungscentrum fortwanderten und durch nach-
rückende Faunen gedrängt wurden.'
Es Wcäre durchaus unrichtig, diese stetige Bewegung einer immer fortschreitenden Temperaturerniedrigung
von den Polen her zuzuschreiben; unter dieser Voraussetzung müssten gerade in den Tropenregionen die
geologisch ältesten Typen angesiedelt sein, während diese thatsächlich in der südlich gemässigten Zone im
südlichen Neuholland, Tasmanien und Neuseeland in grösster Zahl vertreten sind und die bedeutendste Eolle
spielen. Überdies sehen wir ohne eine klimatische Änderung denselben Proccss sich unter unseren Augen fort-
setzen; speciell die Pflanzen der nördlich gemässigten und subarktischen Region der alten Welt sind im aller-
höchsten Grade befähigt sich über neue Gebiete zu verbreiten und sich solche zu erobern. Speciell für den
skandinavischen Florentypus wird das von Hooker^ hervorgehoben und Wallace führt eine Reihe sehr
bemerkenswerther Thatsachen hiefür an.'
Wir sehen darin die Fortsetzung einer Erscheinung, welche für die Verbreitung der Landorganismen seit
uralter Zeit, vielleicht seit der Steinkohlenforuiation massgebend war; während nordische Typen nach Süden vor-
drangen und sich daselbst acclimatisirten, wurde ein Theil derselben in der ursprünglichen Heimat durch neue
Typen verdrängt; sie werden sich der warmen Temperatur der neuen Verbreitungsbezirke im Laufe von
Hunderttausenden oder Millionen von Jahren so vollständig angepasst haben, in den tropischen Regionen ver-
weichlicht worden sein, dass sie in dem kalten Stammlande nicht mehr existiren könnten. Auf diese Weise
werden, ohne dass grosse Veränderungen der klimatischen Verhältnisse auf der Erde dazu nöthig wären, boreale
Typen sich in tropische umwandeln können; es geht aber daraus auch hervor, dass die Temperaturbestim-
mungen nach dem Habitus alter Floren und Faunen auf einer unzuverlässigen Grundlage beruhen und daher
vermuthlich ungenaue Resultate geben, die um so unrichtiger sind, je älter die in Rede stehenden Ab-
lagerungen sind.
Seit wann dieser Vorgang des steten Drängens nordischer Faunen und Floren nach Süden dauert, ist schwer
mit Sicherheit zu entscheiden. Es ist eine bekannte Thatsache, dass nach der Mitte der paläozoischen Zeit in
der Carbonformation die grosse Hauptmasse aller Kohlenflötze sich nördlich \ oni 30. Grad nördl. Br. befinden,
wir haben also hier eine Concentration von Landmassen in der nördlichen Region, und so sehr deren ümriss
und Ausdehnung sich geändert hat, so ist doch dieser Charakterzug seit jener Zeit nicht dauernd verschwunden,
wenn derselbe auch während maucher Zeiträume, z. B. während der Ablagerung des oberen Jura, zurücktrat.
Darauf gründet es sich, dass ich oben sagte, dass die Polflüchtigkeit des continentalen Lebens, oder richtiger
dessen Ausstrahlen aus dem nördlichen Theil der arktischen Halbkugel vielleicht bis in die Steinkohlen-
formation zurückgehe. Ob sich in der jetzigen Verbreitung der Organismen noch Spuren jener uralten Vorgänge
direkt nachweisen lassen, ist wohl schwer zu sagen. Die grossen reich verzierten Aftcrspinneu, wie sie in den
europäischen Kohlenbildungen vorkommen, sind jetzt vorwiegend charakteristisch für Südamerika; die
Liphistiden, die einzig sicher nachgewiesenen Vertreter der Spinnen in der Kohlenformation, sind jetzt auf eine
Art auf einer kleinen Insel der Sundagruppe reducirt;* weniger prägnant sind die Ergebnisse, zu welchen die
Verbreitung der Insecten führen, da gerade die wichtigsten Carbontypen, Kakerlaken, Termiten u. s. w. auch
in weit späterer Zeit noch in Europa verbreitet sind. So kommen wir hier zu keinem entscheidenden Resultate
1 E. .Suess, über die vermeiutlicheu .säculareu Schwaukimg-en einzelner Theile der Erduberflächc. Verhandlungen der
geologischen Reichsanstalt, 1880. p. 177.
- Hoolser, Introductory essay on the Flora of Australia. p. 103.
3 Wallace, Island Life. p. 479.
* Karsch, über ein Spinneuthier aus der schlesischen Steinkohle u. s. w. Zeitschr. der deutschen geol. Gesellsch. 188-j.
S. 558.
8*
60 M. Neuinayr.
und finden erst in dem Vorkommen von Hatfeiia, einem friadisclien Reptiltypus, auf Neuseeland sichereren
Boden.
Diese Erwägungen verbieten es bei Untersuchungen über die klimatischen Verhältnisse älterer Forma-
tionen, in unserem Falle des Jura, den nächstliegenden und scheinbar naturgemässesten Weg einzuschlagen
und aus der Verbreitung der nächsten Verwandten damaliger Formen in der Jetztzeit die wichtigsten Fol-
gerungen zu ziehen. In ähnlicher Weise verhält es sich, wenn wir die Methoden ins Auge fassen, nach welchen
wir die Verbreitung von Meer und Festland in der damaligen Zeit verfolgen müssen; am einfachsten wäre es
natürlich, auf der geologischen Karte die marinen Vorkommnisse aufzusuchen und die äussersten derselben mit
einer Linie zu umziehen. Ein solches Vorgehen würde aber zu durchaus falschen Resultaten führen, da die
ungeheure Wirkung der Denudation dabei ganz ausser Berücksichtigung bliebe, und wir müssen daher den
Charakter der einzelnen Ablagerungen, die Verbreitung der organischen Formen sehr wesentlich berück-
sichtigen, und die geologische Beschaffenheit der sedimentfreien Strecken genau prüfen, ob der Mangel an
Meeresablagerungen ein ursprünglicher ist, oder ob früher vorhandene Jurabildungen an diesen Stellen zerstört
worden sind.
Beschäftigen wir uns zunächst mit der zuletzt genannten Frage, welche die meisten Schwierigkeiten
bietet, so finden wir, dass eine Reihe von Merkmalen vorhanden ist, welche ein Urtheil gestatten, und zwar um
so sicherer, wenn mehrere solche Charaktere zusammentreffen. Sehen wir ein aus vorjurassischen Gesteinen
bestehendes Massiv, an dessen Rändern die Juraablagerungen horizontal in tieferem Niveau liegen, so ist
damit der Schluss noch nicht unmittelbar gestattet, dass wir es mit einer Insel oder einem Festlandstheil der
Jurazeit zu thun haben; eine Erklärung ist hier ebenso gut in der Weise möglich, dass man es mit den Folgen
des Absinkens an einer Verwerfung zu thun habe. Auf dem stehen gebliebenen Theile, dem „Horste", sind in
Folge der Höhenlage die oben liegenden jüngeren Bildungen zerstört, während sie auf der tieferen, abgesunkenen
Scholle sich erhalten konnten. Wenn wir demnach aus dem Vorhandensein einer älteren Masse ohne Jura-
ablagerungen schliessen sollen, dass dieselbe damals über Wasser war, so müssen andere Kriterien hinzu-
treten. Solche sind das Auftreten von Strandbildungen, ferner von eingeschwemmten Landpflanzen in den
anstossenden Jurabildungen, oder das Vorkommen der letzteren nicht in einer grösseren Masse aufeinander
folgender Niveaus, sondern nur in einem vereinzelten Horizonte. Ferner werden wir denselben Schluss ziehen
dürfen, wenn sich zu beiden Seiten der älteren Ablagerung Unterschiede in dem Sediment oder der Fauna der
anstossenden Jurabildungen zeigen, grösser als sie sonst auf gleiche Entfernung zu erscheinen pflegen. Endlich
wird ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit für eine solche Annahme vorhanden sein, wenn auf der alten
Masse jüngere Schichten, speciell in unserem Falle solche der Kreidezeit, übergreifend auftreten, ohne dass
an irgend einer Stelle zwischen diesen und den älteren Gesteinen Reste von Jura zu finden wären.
Wo keines dieser Kriterien zutrifft, wird man zwar nicht mit Sicherheit, aber doch mit Wahrscheinlichkeit
schliessen können, dass das Fehlen des Jura nur der Denudation zuzuschreiben sei; um mit Bestimmtheit ein
solches Urtheil fällen zu können, müssen allerdings noch andere, positive Anhaltspunkte dazu kommen.
Von besonderer Bedeutung ist es namentlich, die Grenzen der grossen Meeresbecken festzustellen. Wie wir
aus dem Vergleiche zwischen mittelländischem und rothem Meere, zwischen atlantischem und stillem Occan
wissen, treten in solchen Fällen unter Umständen ausserordentlich tiefgreifende Verschiedenheiten ein. Von
sehr grossem Betrag sind dieselben jedoch nur, wenn die Trennung eine sehr lange dauernde war; ist dieselbe
dagegen eine verhältnissmässig junge, so sind die Abweichungen weit weniger ausgeprägt, wie es das Auf-
treten zahlreicher pacifischer Formen im karaibischen Meere zeigt.
Beim Versuche, in ähnlicher Weise bei den Jurabildungen vorzugehen, bieten sich Schwierigkeiten
für die Unterscheidunng derjenigen Abweichungen, welche durch die Zugehörigkeit zu verschiedenen Becken
bedingt sind, von jenen, welche der Faciesentwicklung oder klimatischen Differenzen zugeschrieben werden
müssen. Die erste Klippe ist dadurch verhältnissmässig leicht zu vermeiden, dass man nur in gleicher Facies
ausgebildete Sedimente zum Vergleiche heranzieht, soweit das überhaupt möglich ist, und in der Regel, allein
nicht immer, kann n'an sich auf die Betrachtung der allverbreitelen Cephalopodenablagerungen beschränken.
Die geographische Verbreitung der Juraformation. 6 1
Schwieriger ist die Unterscheidung von jenen Merkmalen, welche mit den klimatischen Verhältnissen im
Zusammenhange stehen. Die letzteren wurden in dem früher citirten Aufsatze schon geschildert, und wir
brauchen daher nicht auf diesen Gegenstand zurückzukommen; für die Faunen versciiiedener Meereshecken
bei gleichen Temperaturverhältnissen kann gelten, dass sie namentlich dadurch charakterisirt sind, dass nicht
sowohl andere Gattungen als vielmehr verschiedene Formenreiheu ein und derselben Gattung auftreten, und
vor Allem, dass im Verlaufe der Zeit eine fortwährende Steigerung der Unterschiede stattfindet, was bei
klimatischen Ditferenzen nicht der Fall ist.
In erster Linie habe ich mir die Aufgabe gestellt, eine Übersicht über die bisher bekannten Jura-
vorkommnisse und die wesentlichsten Charaktere ihrer Faunenverwandtschaft zu geben, wobei naturgemäss
die sehr bekannten Verhältnisse nur kurz erwähnt und das Hauptgewicht auf die Beziehungen der Ablagerungen
aus weniger genau erforschten Gegenden gelegt wurde. Eine derartige Zusammenstellung ist seit 25 Jahren
seit dem Erscheinen der Lettrcs sur les roches du Jura von Marcou nicht mehr versucht worden, und
seit dieser Zeit ist das Beobachtungsmaterial ausserordentlich angewachsen, so dass das Bild ein wesentlich
anderes geworden ist. Allerdings bat Marcou später wieder die bis 1874 bekannt gewordenen Angaben in
seiner Erläuterung zur zweiten Auflage einer geologischen Karte der Erde mitgetheilt, doch konnte der Natur
des Werkes nach kein zusammenhängendes Bild gegeben werden. *
An die Übersicht der einzelnen Juradistricte knüpft sich eine Besprechung der Beziehungen, in welchen
die marinen Ablagerungen zu den Binnenbildungen und zu älterem Gebirge stehen, und es führte dies zu dem
Versuche, die Verhältnisse von Festland und Meer zur Jurazeit annähernd zu bestimmen, und wenigstens in
den gröbsten Umrissen auf einer Karte graphisch darzustellen. Natürlich kann es sich dabei nur für die best-
bekannten Theile von Europa darum handeln, etwas in Einzelheiten einzugehen, im Übrigen ist es nicht mög-
lich mehr zu bestimmen, als z. B. dass zwei Meere, deren Lage durch wenige isolirte fossilfiihrende Localitäten
angegeben ist, durch ein Festland getrennt gewesen seien. Welche Form und Grösse dieser Continent gehabt
habe, lässt sich durchaus nicht feststellen, die Zeichnung auf der Karte soll nur die Anwesenheit überhaupt
markiren, sie macht aber nicht den mindesten Anspruch auf irgend welche Genauigkeit. Trotzdem gelingt
es, wenigstens die wichtigsten Hauptzüge der Landvertheilung vorzuführen. Vor Allem aber tritt eine That-
sache mit überraschender Klarheit und in vollem Umfang zu Tage, nämlich der ausserordentliche Unterschied
in der Verbreitung zwischen Lias und Malm und die riesige Ausdehnung, in welcher die mittleren und oberen
Schichten des Jura über ältere Gesteine übergreifen und zwar vorwiegend in der nördlichen Hemisphäre. Es
bildet das einen merkwürdigen Contrast gegen die Gleiclnnässigkeit, welche sich in der Vertheilung der
klimatischen Zonen während Jura- und Kreidezeit geltend macht.
Der Plan zu der vorliegenden Arbeit ist seit langer Zeit gefasst und Material zu derselben gesammelt
worden; trotzdem trat dem Abschlüsse derselben eine unüberwindliche Schwierigkeit entgegen in den
herrsehenden Ansichten über die Bedeutung der alten Massen, deren Auffassung als Inseln zu einer Ver-
theilung von Land und Wasser in Europa führten, wie sie mit der BeschaiTenheit der Jnragesteine und ihrer
Fossilreste in unlösbarem Widerspruch stand: die älteren reconstruirten Karten zeigen kleine Binnenmeere, in
welchen man als Sediment vorwiegend Sandsteine oder an Muscheln und Schnecken reicheThoue hätte erwarten
sollen, während in derThat pelagischeThiere in der grossen Mehrzahl der Ablagerungen dominiren, und stellen-
weise dicht an den Rändern der angeblichen Festländer gelegene Bildungen den Charakter von Sedimenten
aus küstenferner, hoher See tragen. Diese Schwierigkeit ist jetzt durch das Erscheinen des ersten Bandes des
Werkes von E. Suess, „das Antlitz der Erde" gehoben, der die archaischen Massen als stehengebliebene
Pfeiler anffasst, um welche herum alles Land in die Tiefe gesunken ist, und von welchen die jüngeren Sedi-
mente durch Denudation entfernt sind. Es kam nun für die mitteleuropäische Area darauf an, diese allgemeine
Autfassung auf den speciellen Fall anzuwenden, die einzelnen „Horste" auf ihr Verhalten zu den Jurasehichten
zu prüfen, und daran konnten dann die übrigen Beobachtungen und Folgerungen angeknüpft werden.
Marcou, Explicatiou (l'nnc secondc Edition de la carte geologique de la terro. Zürich 1875.
62 M. Neumayr.
Bei der Ausarbeitung wurde ich von einer Reihe von Fachgenossen in freundlichster und erfolgreichster
Weise unterstützt, theils durch Mittheilung von Thatsachen, theils durch Unterstützung bei der Aufsuchung
der nicht immer leicht zu erreichenden Literatur, theils durch Überlassung vrerthvollen Versteiuerungsmaterials
aus wenig erforschten Gegenden. Ich erlaube mir für diese werthvolle Hülfe den folgenden Herren meinen
wärmsten Dank auszusprechen: l)en Herren Geheimrath E. Beyrich in Berlin, Professor Dames in Berlin,
Dr. H. Dohrn in Stettin, Professor E. Kayser in Berlin, Dr. W. Kobelt in Schwanheim, Dr. 0. Lenz in
Wien, Professor B. Lundgren in Lxind, Professor Muschketoff in Petersburg, Magister Pawlow in Moskau
Dr. Pohlig in Bonn, Ingenieur Eomanovsky in Petersburg, Professor Sollas in Dublin, Professor Sness,
Dr. Tietze und Professor Toula in Wien, Professor Waagen in Prag.
II. Der süddeutsche Jura und seine Ausläufer.
Wir beginnen unsere Betrachtung mit den am längsten bekannten Vorkommnissen der mittel-
europäischen Provinz. Die grössten zusammenhängenden Massen unserer Ablagerungen sind hier der
Jurazug, der von Franken durch Schwaben, die Schweiz nach Frankreich verläuft; hier erlangen die jurassi-
schen Bildungen südlich vom Centralplateau eine sehr grosse Verbreitung, sie schlingen sich in breiter Ent-
wicklung um dieses herum, und bilden einen fortlaufenden Kranz um das Pariser Becken, unter dessen jüngeren
Bildungen sie verborgen aber sicher vorhanden sind. Durch den Canal unterbrochen treten sie dann in England
wieder auf und sind hier theils unbedeckt, theils von Kreide- und Tertiärbildungen verhüllt im ganzen Süd-
westen des Landes von Lyme Regis bis zur Mündung des Tees vorhanden. Endlich ist noch das Gebiet des
nordwestlichen Deutschland zu nennen, dessen unzusammenhängende Scliollen allerdings kein so grosses
Areal an der Oberfläche einnehmen, als es der Jura in anderen Gegenden occupirt, die aber trotzdem von
grösster Bedeutung sind.'
In den hier besprochenen Gegenden ist der Jura im Allgemeinen vollständig entwickelt ; nur die alier-
obersten Schichten desselben fehlen oder zeigen brakischen Charakter, während untergeordnete Süsswasser-
bildungen im mittleren Tlieile local an gewissen Punkten von England und Frankreich vorkommen.
Es wird unsere nächste Aufgabe sein, die Verhältnisse der mitteleuropäischen Hauptbecken zu bestimmen,
doch müssen wir uns zu diesem Zwecke zuerst mit dem Vorkommen einiger isolirter Juraschollen beschäftigen.
Es gehört hierher in erster Linie der Jura zwischen Regensburg und Pas sau, dann seine Fortsetzung
in Mähren in der Umgebung von Brunn, und weiterhin in Polen.
Während bei Regensburg der Lias noch vorhanden ist, fehlt er weiter im Osten gegen Passau, das
älteste Glied, welches hier auftritt, ist der in Franken so entwickelte Eisensandstein, welcher in die Unterregion
des mittleren Jura gehört und die beiden Zonen des Harpoceras Murchisonae und das Harpoceras Sowerhyi
repräsentirt; ob derselbe hier bei Passau beide Horizonte darstellt oder nur den jüngeren derselben, muss
unentschieden bleiben. Die höheren Schichten des mittleren Jura sind schwach entwickelt, dagegen finden wir
die Unter- und Mittelregion des oberen Jura sehr schön vertreten, jedoch in einer Ausbildung, welche von jener
Frankens in manchen wichtigen Punkten abweicht, und sich an die Vorkommnisse von Brunn und Krakau
anschliesst.^ Die ausserordentliche Entwicklung der Zone des Peltoceras bimammatum, sowie eine Anzahl von
Fossilien, die diesen östlichen Localitäten gemeinsam sind, sonst aber fehlen oder nur selten vorkommen,
bilden das gemeinsame Band.
Wir treffen hier zum ersten Male auf einen der Fälle, in welchen der Lias fehlt und höhere Schichten sich
übergreifend auf altes Gebirge, hier auf die Gesteine des Randes der böhmischen Masse legen. Ein ähnüches
1 Vergl. die Übersichtskarten inOppel, Jurartirm.ation iu Eiigland, Frankreich und im südwestliclien Deutschland, und
in Seebach, „der hannoverische Jura".
2 Gümbel, Geognostische Beschreibung des Königreiches Baiern; Bd. 11., das baierisch- böhmische Grenzgebirge,
p. 695. — L. v. Amniün, die Juraablageruugen zwischen Kegensburg und l'assau. • — V. Uhlig, die Jurabildungen in der
Umgebung von Brunn ; Beiträge zur l'aläontologie Österreicli-Üngarns. Bd. I.
Die geofimpliisclic VrrhreifniKj der Jurdformdltoii. 63
Verhältuiss findeu wir in der Umg'ebuug vou Brünu, bei Olomutschan iiud ;iu den beuacliburteu l'unkteu, au wel-
chen nahe der Grenze der böhmischen Masse, doch schon der sudetischen Entwickhuig angehörig, der Jura
ungleichmässig auf Syenit und devonischem Kalke liegt. Das älteste Glied sind Kalke mit ziemlich undeutlichen
Fossilien, die sich einerseits den sogenannten Zeit larner Kalken bei Passau, anderseits den Oolithen von
Bai in und anderen Punkten bei Krakau innig auschliessen und vermuthlich gleich den letzteren den oberen
Theil der Bath- und der Kellowaystufe repräsentiren. Darüber folgen mächtiger entwickelte Kalke der Oxford-
stufe, Schichten mit Cardioceras cordatum, dann solche mit Peltoceras transversarium, endlich eine Corallien-
Entwicklung vom Alter der Zone der Peltoceras bimammatum. '
Waren die Vorkommnisse bei Passau und Olomutschan sehr kleine Denudationsreste einer ursprünglich
sehr weit ausgedehnten Ablagerung, so treten uns viel ansehnlichere Complexe derselben in den zusammen-
gehörigen Vorkommnissen in Oberschlesien, in der Gegend von Krakau und von Czenstochau in
Russisch-Polen entgegen.^ Über Grundgebirge von verschiedenem Alter treten hier zuerst mitteljurassische
Bildungen auf, unter denen das älteste bisher sicher nachgewiesene Glied ein Saudstein mit Inoceramus
■pohjplocus ist, vom Alter der Zone des Harpoceras Sowerhiji und vergleichbar dem aus der Gegend von Passau
erwähnten Eisensandstein. Dann folgen Schichten mit Parlhiso)iia ferruginea, mit Park. Parkinson/, dann die
wegen ihres ausserordentlichen Fossilreichthums berühmten Oolithe mit einer dem oberen Theile der Bathstufe
und dem Kelloway entsprechenden Fauna. Zu oberst folgen überaus fossilreiche Kalke der Oxfordstufe in der-
selben Weise wie bei Olomutschan gegliedert.
Es entsteht die Frage, ob sich in späteren Abschnitten der Jnrazeit das Meer nicht hierher erstreckt habe,
ohne aber Sedimente zurückzulassen. Es ist wahrscheinlich, dass Kimmeridgebildungen vorhanden waren, die
aber vermuthlich als leichter zerstörbar vollständig denudirt wurden, während erst der harte, oft kieslige
Oxfordkalk eine feste den Einflüssen widerstehende Decke darstellt. Es ist namentlich das vonZeuschner
und F. Römer erwähnte Vorkommen von Schichten mit Exoyyra virgula im Gebirge vou Kielce'' weiter im
Osten, welches das frühere Vorhandensein jüngerer Schichten im Westen anzeigt.
So sehen wir zahlreiche Reste einer den südlichen und südöstlicheu Theil der böhmischen Masse um-
ziehenden Jurapartie, in welchen der Lias stets fehlt; in derselben Weise finden wir im Nordosten dieser Masse
isolirte Reste oberjurassischer Ablagerungen, welche von Meissen nach Zittau und vou da nach Böhmen
dem Fusse des Riesen- und Isergebirges entlaug fortstreicheu.* Es sind das die seit langer Zeit durch ihre
merkwürdigen Lagerungsverhältnisse berühmten Jurapartien von Hohenstein, Weinböhla und anderen
Orten in Sachsen, die schon vor langer Zeit die Aufmerksamkeit von A. v. Humboldt, L. v. Buch, C. v.
Leouhardt, Elie de Beaumont und ihrer Zeitgenossen erregt haben; weiterhin gehören die Vorkommnisse
von Steruberg, Khaa und anderen Orten iu Böhmen hierher. Es kommen hier nur unbedeutende Erosiousreste
vor, die grosse Hauptmasse der sehr weit ausgedehnten Ablagerung ist zerstört und nur isolirte kleine Schollen
haben sich in Folge ihrer eigenthümlicheu Lagerung erhalten; die Juragesteine ruhen auf oberer Kreide auf
und werden von Granit bedeckt, und nur unter dem Schutze des letzteren haben sie sich stellenweise der
Denudation entzogen.
1 Uhli^, 1. c. — Suess, das Antlitz der Erde. Vol. I. p. -274 if.
- Hohenegger - Fallaux, geognostisclie Karte des ehemaligen Gebietes von Krakau. Diese Denkschriften 1867.
Bd. 24. — Römer, Geologie von Oberschlesien. — Oppel-Waageu, die Zone der Ainmonites transversarins. Beuecke,
geoguostisch-paläontologische Beiträge, Bd. I. — Neumayr, C'ephalopodentauna der Oolithe von Baiin. Abliandl. der geol.
Reichsaustalt. Bd. V. — Vergl. ferner Arbeiten von Zeuschner, Reuss, Laube, Alth u. s. w.
^ Zeuschner, die Gruppen und Abtheilungen des polnischen Jura; Zeitschrift der deutscheu geologischen Gesellsch.
1869. p. 791. — F. Römer, Geolojjie von Oberschlesien, p. 273.
^ Cotta, Geogn. Beschreibung des Königreiches Sachsen, Heft 5. Geolog. Wanderungen Heft. 2. — Ewald, Zeitschr.
der deutschen geolog. Geseüschaft Bd. XI. 1858. p. 8. — Lenz, das Auftreten jurassischer Gesteine in Böhmen, Zeitschrift
für die gesamnite Naturw. 1870. (Mai Heft). — v. Dcchen, über grosse Disloeationeu; Natm-w. Verein f. d. Rheinlande.
1881. Sitzungsb. S. 9. — Bruder, zur Kenntnis der Juraablagerungen von Sternberg bei Zeidler iu Böhmen. Sitzungsber.
der Wiener Akademie. Bd. 83. Abth. 3. 1881. — Dames, Zeitschrift der deutschen geolog. Gesellschaft. Bd. 26. S. 210. —
Suess, das Antlitz der Erde, Bd. L S. 276. — Bruder, Zeitschrift der deutschen geolog. Gesellschaft, Bd. 36, S. 413.
64 M. Neumaijr.
Die ältesten Scliicliten, welche liier auftreten, sind schwarze Thone, die vermuthlich dem unteren Oxford,
den Perarmatenschichten, vielleicht einem wenig höheren oder tieferen Niveau entsprechen; darüber folgen
Kalke mit Formen aus den beiden Zonen des Pdtoceras bimammaUim und der Oppelia fenuilobata. Der Charakter
dieser Ablagerungen mahnt in erster Linie an die süddeutschen Vorkommnisse, die nächsten Beziehungen sind
znm Frankeujura vorhanden; daneben tritt aber in Pdtoceras Geinitzi Brud. eine Form auf, die sich an Typen
von der Ostseite der böhmischen Masse, von Olomutschan, ansehUesst, während Gryphaea düatata und einige
Seeigel an norddeutsche Vorkommnisse erinnern.
Wir haben hier eine überaus wichtige Erscheinung vor uns ; die sächsisch-böhmische Jurazone hängt
nirgends mit dem süddeutschen Jura zusammen, und trotzdem zeigt sie mit ihm die allernächste Verwandtschaft;
At^pidoceras acanthicum, loncjispinmn, Perisphindes polygi/ratiis, inconditus, involuhis, OJcostephanus stephanokhs
sind lauter Arten, die noch nie in Norddeutschland oder im oberschlesisch-polnischen Jura gefunden sind, die
abgesehen von dem sächsisch-böhmischen Zuge nur südlich von dem vorspringenden Sporne des ThUriuger-
waldes auftreten.
Wir werden auf diesen Gegenstand später wieder zurückkommen ; wir beschäftigen uns hier zunächst mit
den Daten, die sich aus den bisher besprochenen Thatsachen ergeben. Aus den vielfachen Beziehungen
zwischen all' den Ablagerungen, die sich von Eegeusburg über Passau nach Mähren und von da nach Krakau,
Oberschlesien und in die Gegend von Czeustochau erstrecken, kann mit Sicherheit geschlossen werden, dass
die böhmische Masse nach Südwesten, Süden und Osten von einem zusammenhängenden Meere mit sehr gleich-
massiger Fauna umgeben war; wenigstens wissen wir das für die obere Hälfte des mittleren und die untere
Hälfte des oberen Jura mit Bestimmtheit, während speciell für den Lias nähere Daten fehlen.
Wir können hier nocli um einen Schritt weiter gehen ; au dem südlichsten Theile der böhmischen Masse
zwisclien Linz und St. Polten treten die Gebilde der alpinen Provinz, in welchen der Jura durchaus abweichend
entwickelt ist, sehr nahe an die böhmische Masse heran, so dass zwischen beiden für einen Meeresstrich, der
die Passauer mit der Brünner Entwicklung hätte verbinden können, kein Raum bleibt. War hiefür kein Platz
neben der böhmischen Masse, so musste die Verbindung über diese gehen, es musste ein breites Stück ihrer
Südliälfte vom Meere bedeckt gewesen sein, wie das schon melirfach angenommen worden ist.
Man könnte auf die Vermuthung kommen, dass ganz Böhmen zur Jurazeit unter Wasser war, und dass die
damals gebildeten Ablagerungen wieder zerstört wurden; es scheint mir das aus zweierlei Gründen wenig
wahrscheinlich; in erster Linie spricht dagegen der Umstand, dass nirgend im Innern des Landes auf der lang
gestreckten Linie von der mährischen Grenze bis Saaz der Jura im Liegenden der übergreifenden Kreide auf-
tritt. Ausserdem aber spricht noch ein zweiter Grund dafür, dass ein Theil der böhmischen Masse damals festes
Land war und Sediment von da nach Süden ins Meer gelangte; gerade südlich von derselben sind sowohl
Trias- als Juraablagerungen in den Alpen reich an Saudsteinen und Schieferthonen (Lunzer Sandstein,
Grestener Schichten), auch Landpflanzen finden sich reichlich, und wir können als deren Heimat nur jenes
nördliche Festland betrachten.
Dass von Oberschlesien aus ein zusammenhängendes Meer längs dem Fusse der Sudeten sich erstreckte,
dürfte wohl von keiner Seite in Zweifel gezogen werden, und dieses vermittelte die Verbindung mit dem
sächsischen Jura, von dem aus das Meer nach Südosten, nach Böhmen an den Fuss des Riesen- und Iser-
gebirges vordrang.
Welche Rolle dabei den Sudeten zukam, wird später noch besprochen werden, hier sei nur darauf hin-
gewiesen, dass die an deren Fusse befindlichen Ablagerungen des oberen Jura grösstentheils keine Spur vou
mechanischen Sedimenten, überhaupt keine Andeutung von Küstennähe zeigen, es sind meist Kalke mit durch-
aus pelagischer, an Cephalopoden und Kieselschwämmen reicher Fauna.
Ehe wir mit der Betrachtung der weiter im Westen gelegenen Theile des mitteleuropäischen Jura beginnen,
müssen wir noch dessen Verbreitung nach Osten erwähneu. An den Krakauer Jura, der mit Schichten des
Doggers auf älterem Gebirge übergreifend auftritt, schliessen sich isoiirte Vorkommnisse von oberem Jura an,
über die nur wenig bekannt ist; abgesehen von der Umgebung von Czenstoebau finden sich solche an einigen
Die (jmyraphische Verbreitung der Juraformafioii. 65
Ptinkteu in Grosspolen vor, die namentlich an der Pilicza und au der Lyssa Hora bei Kielce in grösserem
Umfange auftreten; aus dem letzteren Gebirge werden Diceraskalke citirt (vergl. oben).
Von grosser Bedeutung sind die Kalke der oberen Kimmevidgestufe von Nizniow im Dniesterthale in
Ostgalizien, deren Fauna durch A. v. Alth monographisch bearbeitet worden ist.' Diese Ablagerungen niheu
auf devonischen Schichten auf und bilden Erosiousreste einer wahrscheinlich wenigstens in einzelnen Schollen
unter den jüngeren Gebilden der galizischen Ebene weit verbreiteten Decke. Die vorwiegend aus Muscheln und
Schnecken bestehende Fauna zeigt die meiste Verwandtschaft mit den nurdwestdeutschen Vorkommnissen,
nächstdem mit jenen Frankreichs und der westlichen Schweiz, und wir erhalten damit einen neuen Beweis für
das Vorhandensein einer weit geöffneten Verbindung mit dem norddeutschen Meere.
Nach einer sehr grossen Unterbrechung finden wir weitere Spuren von Juraablagerungen des mittel-
europäischen Typus weit im Osten in Südrussland, an den Ufern des Donetz, bei Isjum; auch hier entblösst
der tief in die Ebene eingeschnittene Fluss weisse Kalke des oberen Jura, welche höchst merkwürdiger Weise
denjenigen von Nizniow in Galizien in Fauna und Faciesentwicklung nahe stehen und gleich ihnen mit den
Kimmeridgebilduugen der Umgebung von Hannover ausgesprochene Verwandtschaft zeigen. ^ Dieser Umstand
wird um so auffallender, als es sich hier nicht etwa um eine aus Tiefseethieren und pelagischen Schwimmern
bestehende „universelle" Fauna handelt, sondern alle Anzeichen für das Vorhandensein einer Ablagerung aus
seichtem Wasser vorliegen. Wir sind dadurch berechtigt, anzunehmen, dass nördlich von den Gewässern der
alpinen Provinz ein breiter Strich Meer von Podolien her sich bis in die Donetzgegend erstreckte, dessen Nord-
rand wir bei Besprechung der Grenzen gegen die russische Provinz näher ins Auge fassen werden.
Endlich ist noch hervorzuheben, dass der Jura am Nordrande des Kaukasus den mitteleuropäischen
Typus trägt, während derselbe im Innern des Gebirges alpin entwickelt ist; der Jura der Krim ist rein alpin
und beide müssen mit den Juragewässern im Westen in offener Verbindung gestanden haben.
Kehren wir zu den Verhältnissen am Rande der böhmischen Masse zurück, so tritt eine schwierige Frage
an uns heran, wenn wir die Verbreitung des Meeres von Sachsen aus verfolgen wollen. Der sächsisch-böh-
mische Jura zeigt in klarster Weise den Typus der süddeutschen, der fränkisch-schwäbischen Entwicklung, aller-
dings mit deutlichen Anklängen an die norddeutschen, wie au die ostsudetischen Verhältnisse. Diese letzteren
sind aber doch nur in untergeordnetem Maasse vorhanden, der Hauptsache nach haben wir ein Stück Franken-
jura vor uns, und wenn Überhaupt aus dem Faunencharakter Schlüsse auf die geographischen Verhältnisse der
Vorzeit möglich sind, so ist die Folgerung unab weislieh, dass hier eine directe Meeresverbiudung vorhanden war.
Betrachten wir nun den Bau der zwischenliegenden Gegend, so bietet zunächst eine Ausbreitung des
Meeres am Nordrande des Erzgebirges keine Schwierigkeit; dann aber treffen wir auf die mitteldeutsche Trias-
landschaft und auf den mächtigen nach Nordwesten gerichteten Gebirgszug des Frankenwaldes und des
Thüringerwaldes. Wir können uns nicht verhehlen, dass wir entweder jede Möglichkeit der Erklärung der
Verbreitungsverhältnisse der fossilen Faunen aufgeben, oder in streng logischer Consequenz schliessen müssen,
dass die Sedimente des schwäbisch-fränkischen Jurazuges sich als zusammenhängende Decke über das ganze
Süd- und mitteldeutsche Triasland fortsetzten, ja selbst den Thüringerwald ganz oder zum grössten Theile
verhüllten. Wir müssen dann einen Betrag von Denudation annehmen, der stellenweise kaum geringer als
2000 Meter angeschlagen werden kann, aber für den grössten Theil der Strecke allerdings weit hinter diesem
Maximum zurückbleibt.
Glücklicher Weise hat sich in neuerer Zeit bei den Geologen eine richtige Anschauung von der uner-
messlichen Kraft und Wirkung der Denudation Geltung verschafft, und man hat sich mehr und mehr davon
überzeugt, welch' grossen Fehler man durch Unterschätzung dieses gewaltigen Factors begeht. Es darf gerade
für den vorliegenden Fall als ein specielles Verdienst der Arbeiten der preussischen geologischen Landesanstalt
1 A. v. Alth, die Verateinerungen des Nizniower Kalksteines. Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns. 1882.
Ud. 1. S. 183—354.
- Trautschold, über den Jura von Isjum. 15ulletins de la societti de naturalistes de Moscou. 187S. Vol. II.
Denkschriften der mathem.-niturw. Gl. L. Bd. 9
66 M. Neumayr.
betrachtet werden, dass sie hier einen richtigen Weg eingeschlagen und die Grösse solcher Erscheinungen
gewürdigt hat. Jedenfalls beträgt die Masse der Abtragung, die wir hier voraussetzen müssen, noch bei weitem
nicht so viel, als z. B. in dem grossen Caüondistrikte Nordamerikas nach Button,' und die Möglichkeit eines
solchen Vorganges wird sicher nicht in Abrede gestellt werden können; eine eingehendere Besprechung der
Verhältnisse wird ergeben, dass wir denselben als einen in hohem Grade wahrscheinlichen bezeichnen dürfen.
Wir müssen das süddeutsche Stufenlaud^ zum Ausgangspunkte unserer Betrachtung nehmen;
der weite Eaum zwischen dem Schwarzwakl, dem Rheiuthale und dem Odenwald im Westen, der böhmischen
Masse im Osten, der schuttbedeckten Donauhochebene im Süden und dem mitteldeutschen Gebirgszuge im
Norden wird von fast vollständig horizontal gelagerten Schichten der Trias und des Jura eingenommen, welche
nur eine ganz leichte, im Durchschnitte gegen Südost gerichtete Neigung besitzen. Geht mau innerhalb dieses
Gebietes von der nordwestlichen Grenze her nach Süden oder Südosten, so durchschneidet man der Reihe
nach alle Horizonte vom ältesten bis zum jüngsten. Geht man z. B. vom Neckarthaie bei Heidelberg aus, wo der
Fluss bis auf die granitische Unterlage einschneidet, so findet man, abgesehen von den schwachen Spuren des
Rothliegenden, zunächst die mächtigen Massen des Buntsaudsteines und überschreitet dann der Reihe nach
Muschelkalk, Keuper, Lias, mittleren Jura, und erreicht endlich den durch die untere Abtheilung des oberen
Jura gebildeten Steilraud der schwäbischen Alp. Ist dieser erstiegen, so befindet man sich auf einer rauhen
Hoclifläche, auf welcher in der Regel die höhereu Glieder des oberen Jura eine weitere Terrasse bilden.
Da alle Schichten gleichmässig ganz leicht nach derselben Richtung geneigt sind, in welcher dieser Weg
verläuft, so liegt natürlich der Rand dieser Terrasse nicht um so viel höher, als die Mächtigkeit der verquerten
Schichten beträgt, sondern die Unterschiede sind viel geringer; der Buntsandstein liegt auf dem Königsstuhl
bei Heidelberg in 1752' Meereshöhe, der vordere Steilraud der schwäbischen Alp misst etwa 2200', aber die
Liasfläche an seinem Fusse ist nur etwa 1100' über dem Meere, also viel niedriger als der mittlere
Buntsandstein auf dem Königsstuhl. Im Allgemeinen steigen die einzelnen Schichten je nach ihrer Verwitter-
barkeit und Dicke in grösseren oder kleineren Stufen oder in flach geböschten Geläuden über einander auf,
wobei die leichte Neigung der Bänke die durch die Überlagerung hervorgebrachten Höhenunterschiede wieder
ausgleicht, so dass das Niveau, bis zu welchem jeder einzelne Horizont ansteigt, lediglich von seiner
Widerstandskraft gegen die Denudation abhängt. Die festen Massen des Buntsandsteines und des oberen
Jura, und nächst iiinen der Muschelkalk bilden bedeutende Höhen, während die leichter zerstörbaren Gesteine
des Keupers, des Lias und des braunen Jura flachere Formen zeigen und ein Hügelland bilden; innerhalb
dieses letzteren bedingen dann wieder die festeren Sandsteinbäuke des Keupers, namentlich der Stuben-
sandstein, ferner die Arietenkalke des unteren Lias, die Posidonomyenschiefer des oberen Lias, und in
Württemberg die blauen Kalke mit Stephanoceras Sauzei im mittleren Jura deutliche Terrainstufen. Bei normalem
Auftreten, wo keine localen Brüche die Verhältnisse stören, streicht jede einzelne Schicht frei nach Norden,
respective Westen in die Luft aus, sie könnten sich, ohne auf ein Hiuderniss zu stossen, unbegrenzt weiter
ausdehnen, und wenn wir alle einzelnen Schichten, wo sie durch Erosion abgeschnitten sind, gleichmässig fort-
gesetzt denken, so würden sie sich ganz regelmässig auf den Buntsandstein des Odeuwaldes legen und über
diesem eine Decke von mehreren Tausend Fuss Mächtigkeit bilden.
Es entsteht nun zunächst die Frage, wie die heutigen Reliefverhältnisse des süddeutschen Stufenlandes
entstanden sind, und ob eine Ausdehnung der Jurasedimeute über das schwäbisch-fränkische Unterland und
bis auf die Höhen des Odenwaldes und des Spessart angenommen werden darf.
Wir wenden uns zu der autfalleudsteu und grössten aller dieser Stufen, zu dem vom unteren weissen Jura
gebildeten Steilrande der schwäbisch-fränkischen Alp, dessen merkwürdige Gestalt schon so mannigfache
Vermuthungen hervorgerufen hat. Man hat an Korallriffe gedacht, deren Steilabsturz hier stehen sollte, aber es
genügt, ein beliebiges Profil zu begehen, die wohlgeschichteten Kalke und die vielfach dazwischen liegenden
1 Button, tertiary histoiy ofthe great Canon. Mouographs of the United States geologisch Siirvey. Vol. II. 1882.
2 Für den schvväbiaoh-fränkischeu Jura vergl. die bekannten Werke vouOppel, Queustedt und Waagen.
Die geographische Verbreitung der Juraformai ion. 67
Mergel zu betrachten, um die Unrichtigkeit einer solchen Auffassung zu erkennen. Ebensowenig hat man es
mit einer durch tektonische Verhältnisse bedingten Grenze zu thun, denn die tieferen Schichten streichen
durchaus ungestört unter die hellen Kalke. Es ist also der Absturz durch Erosion hervorgebracht, und es kann
sich nur um die Frage handeln, ob das Meer oder fliessende Wässer und Atmosphärilien gewirkt haben. Die
erstere Annahme muss unbedingt abgelehnt werden, da nach Schluss des Jura das Meer nicht mehr hierher
vordrang, und es kann sich daher nur um sogenannte subaerische Denudation handeln.
Es fragt sich nun, wie es kömmt, dass gerade solche Formen durch Abwitterung entstanden, wie es zu
erklären ist, dass auf einer etwa 50 Meilen langen Linie überall eine in ungefähr gleicher Höhe absehneidende
Kalkmasse sich erhebt, und ob diese Erscheinung mit der Annahme subaeiischer Denudation vereinbar ist.
Die Steilheit der Stufe erklärt sich sehr einfach aus der Beschaffenheit der Gesteine, aus dem Auftreten
sehr mächtiger, widerstandskräftiger Kalkmassen über den sehr leicht zerstörbaren Thonen und Oolithen des
oberen Doggers. Es bleibt also nur die Frage nach der Ursache der gleichmässigenHöhe des Steilrandes, welche
nicht von der Mächtigkeit der oberjurassischen Kalke gegeben ist, denn nur die untere Hälfte derselben tritt
hier auf, die höheren Horizonte bilden eine zweite weiter rückwärts liegende Stufe. Wir haben es hier mit der
Wirkung eines allgemeinen, aber noch nicht genügend gewürdigten Gesetzes zu thun, nach welchem die Wir-
kung der Erosion mit der Höhenlage zunimmt. Diese Erscheinung, auf welche ich schon bei einer früheren
Gelegenheit kurz aufmerksam gemacht habe,' wird einerseits bedingt durch den intensiveren Temperaturwechsel
und grössere Niederschlagsmengen auf exponirten Höhenpunkten, anderseits durch das Bestreben der flies-
senden Wässer, einen in normaler Curve verlaufenden Thalweg herzustellen.
Diese Factoren wirken zusammen, um mit steigender Höhe nicht nur in einfach arithmetischer, sondern
in geometrischer Progression eine Zunahme der Erosionswirkung hervorzurufen, welche Alles auf ein
normales, mit der Entfernung vom Meere gleichmässig ansteigendes Niveau zurückzuführen sucht. Was
bedeutend darüber hervorragt, verfällt rascher Zerstörung. Allerdings sind es nicht etwa Höhenunterschiede
allein, durch welche die Intensität der Erosion bedingt wird, sondern selbstverständlich ist die Beschaffenheit
der Felsarten selbst auch von wesentlichstem Einfliiss; in derselben Höhenlage, in welcher ein plastischer
Thon, ein bröckliger Sandstein oder Schiefer rascher Vernichtung anheim fällt, wird harter Kalk oder Quarzit
noch sehr wenig angegriffen werden. Es wird sich für jedes Gestein in jedem einzelnen Falle ein bestimmtes
Normalniveau herausstellen, in welchem die Zunahme der erosiven Kräfte mit der Höhe die Widerstandskraft
der betreffenden Felsart leicht überwältigt ; bis zu diesem Niveau wird dieselbe überall vorkommen und nur
langsam erodirt werden, über der betreffenden Linie aber allgemein zerstört sein.
Die Anwendung dieser Gesetze gibt in einfacher Weise die Erklärung für die Entstehung eines Terrains,
wie es das süddeutsche Stufenland darstellt; man sieht nun leicht ein, wie es kommt, dass jeder bestimmte
Horizont überall in annähernd demselben Niveau auftritt, und es ist klar, dass alle höheren Schichten durch
Denudation verschwinden mussten, auch wenn über dem Buntsandstein des Odenwaldes und Spessart noch
Muschelkalk Kenper und der ganze Jura lag. Man muss sich nur daran erinnern, dass diese Gegenden seit Ende
der Jurazeit nicht mehr vom Meer bedeckt sind und also die Denudation vermuthlich seit vielen Millionen Jahren
in denselben thätig ist.
Der Ansicht gegenüber, dass der concentrische Stnfenbau der süddeutschen Jura-Triaslandschaft lediglich
der verschiedenen Wirkung der Erosion in verschiedener Höhe zuzuschreiben sei, ist allerdings ein Bedenken
laut geworden.* Wenn das Meer sich aus einem Gebiete zurückzieht, so muss sich auf dem trocken gelegten
Boden sofort ein System von Wasserläufen ausbilden, und dem in dieser Weise entstehenden Thalsysteme
muss gewissen Erfahrungen nach ein hoher Grad von Persistenz zugeschrieben werden. Da nun im Allgemeinen
ein leichtes Ansteigen der Schichten gegen Nordwesten vorherrscht, und demnach an dem nördlichen und
1 Geologische Beschreibung der Insel Kos. Diese Denkschriften Bd. XL, S. 229.
2 Tietze, die geognostischen Verhältnisse der Umgebung von Lemberg. Jahrbuch der geologischen Reichsangtalt.
1882. .S. 101,
68 M. Neumayr.
westlichen Rande die Trockenlegung begonnen zu haben scheint, so mUsste man erwarten, dass die Flüsse alle
gegen Süden und Osten, speciell in unserem Falle, dass Main und Neckar in die Donau abfliessen; es wären
das Verhältnisse, wie sie uns das Pariser Becken darstellt.
Dieser scharfsinnige Einwurf kann jedoch die hier geäusserte Auffassung nicht widerlegen; zAinächst gilt
das Gesetz der Persistenz der Flussläufe nur für Gegenden mit tief eingeschnittenem Thalsysteni, während in
sehr flachen Distrikten, wie es ein eben erst trocken gelegtes, durch Sediment allmälig ausgefülltes, flaches
Meeresbecken darstellt, die Flussläufe bekanntlich grossen Schwankungen ausgesetzt sind, wie das eine Menge
von Beispielen, die Veränderungen im Unterlaufe des Hoang-ho, die Verlegung des Amu-Darja, und vor Allem
die Umgestaltung des Fhisssystemes Norddeutschlands während der Diluvialzeit ^ erkennen lassen.
Es kömmt hier aber noch ein weiterer wichtiger Factor in Frage; wie namentlich aus den Arbeiten von
Fraas und GUmbel hervorgeht und Suess kürzlich in übersichtlicher Darstellung gezeigt hat,^ ist das
süddeutsche Stufenland ein Seukungsgebiet, in welchem ein ganzes Netzwerk von Brüchen verläuft; die
einzelnen Schollen sind zwischen den Spalten niedergebrochen, es hat also eine tektonische Veränderung des
Reliefs stattgefunden, das gerade unter den vorhandenen Bedingungen eine Veränderung der Flussläufe
hervorbringen konnte. In der That sehen wir, dass die Thalwege der Flüsse unseres Gebietes zahlreiche
Anhaltspunkte für eine solche Annahme bieten ; vor Allem kann der Lauf des Main's mit seinen grossartigen
Kniebieguugen kein ursprünglicher, das jetzige Thal muss aus verschiedenen heterogenen Stücken zusammen-
gesetzt sein, es sind in ihm Tiieile verschiedener ursprünglich von einander getrennter Draiuirungssysteme
vereinigt. Am deutlichsten tritt die ursprüngliche Gestaltung im östlichen Theile unseres Gebietes hervor. Die
Altmühl, welche in einem seichten Canon den Steilrand des Jura durchbricht, war aller Wahrscheinlichkeit
nach früher eine der Hauptabflussadern unseres Terrains, während die Thalsohle für die heutige Wassermenge
viel zu gross ist. Schon die Oberflächenverhältnisse machen es wahrscheinlich, dass der Oberlauf des Mains
oberhalb Bamberg sich durch das Regnitzthal in die Altmühl ergossen habe; dafür spricht namentlich auch das
abnorme Verhältniss, dass ein grosser Theil der Nebenflüsse der Regnitz unter einem stumpfen Winkel gegen die
heutige Richtung der Wasserläufe einmündet.
Es kann natürlich nicht davon die Rede sein, hier weitere Speculationen über diesen Gegenstand ein-
zufügen, die eine genauere Localkenutniss erfordern würden, als sie mir zur Verfügung steht. Das Gesagte
wird an sich schon genügen, um zu zeigen, dass die hydrographischen Verhältnisse kein Hinderniss gegen die
Annahme der hier gegebenen Auflassung der Bildungsgeschichte des süddeutschen Terrassenlandes bilden. Die
theoretische Möglichkeit solcher Denudationserscheinungen kann nicht geleugnet und ebensowenig bestritten
werden, dass dieselben seit Ende der Jurazeit einen so bedeutenden Umfang erreicht haben, als er hier
angenommen wird. Es entsteht demnach die Frage, ob diese möglichen Vorgänge auch wirklich stattgefunden
haben.
In erster Linie spricht dafür der vollständige Mangel irgend welcher möglichen Uferlinie; die Jura-
ablagerungen, die von Schaffhausen bis Coburg in der Regel den Rand des Hauptsteilrandes des oberen Jura
bilden, sind lichte Kalke, deren Fauna der Hauptsache nach aus Ammoniten besteht; dazu gesellen sich,
bisweilen in grosser Menge auftretend, kalksehalige Brachiopoden, wenige Muscheln, Schnecken und See-
igel, dafür aber stellenweise ungeheure Mengen von Kieselschwämmen. Wenn man für irgend welche juras-
sische Sedimente mit voller Sicherheit sagen kann, dass sie nicht in seichtem Wasser gebildet sind, so sind
es diese Kalkgebilde der Zonen des Peltoceras himammatmn und der OppeKa tetiuüobata ; sie finden in den jetzi-
gen Meeren ihr Analogen in dem Kalkschlamm mit zahlreichen Kieselschwämmen, und wir können darnach
die Meerestiefe, in der sie gebildet wurden, nicht geringer als zu 500 Faden annehmen; der Meeresspiegel
1 Berent, der Nordwesten Bedins. Abh.andlungen zur geologischen Specialkavte von Preussen. Bd. II.
2 Fraas, geognostiscbe Beschreibung von Wiivtemberg. S. XIX ff. — Gümbel, geognostische Beschreibung des König-
reiches Baiern. Bd. IT., das bnierisch-böhmische Grenzgebirge, und Bd. TIT., Fichtelgebirgc und Frankenwald; an mehreren
Orten. — Suess, Antlitz der Erde, Bd. I, S. 252.
Die geographische Verhreitwuj der Juraformation. 69
befand sich also mindestens um 3500', vielleicbt aber um 12000' höher als der mittlere Buntsandstein auf dem
Königsstuhl bei Heidelberg, wobei noch der Betrag aller Senkungen an Bruchlinien nicht in Betracht gezogen
ist, welche zwischen Odenwald und Alp verlaufen. Berücksichtigt mau die ^Mächtigkeit der denudirten
Sedimente, des oberen Buntsandsteins, des Muschelkalkes, Keupcrs, Lias und mittleren Jura, so findet man,
dass dieselben, auf die Höhe des Odeuwaldes gelegt, noch nicld bis zum Niveau des Wasserspiegels empor-
ragen konnten.
Von grösster Wichtigkeit sind die isolirtcn Partien jurassisclier Sedimente weit draussen im Triaslande;
dieselben konnten sich allerdings für gewöhnlich nicht erlialteu, dieses war nur da der Fall, wo in einer
Grabenwerfung eine Scholle in die Tiefe gesunken ist. Weitaus das interessanteste Vorkommen dieser Art
ist die „Juraversenkung" von Langenbrücken, ' dicht am Südrande des Odenwaldes, nur wenige Stunden
von Heidelberg entfernt; hier liegen zwischen den AUuvien des Rheinthaies und den Keuperbildungen, von
diesen theils durch Brüche getrennt, theils an Flexuren abgesenkt, in geringer Ausdelmung jurassische Ab-
lagerungen von den tiefsten Psilonotenschichten bis einschliesslich zur Zone des Harpoceras Murchisoiiae ;
dass aber auch noch höhere Schichten vorhanden waren and durch Denudation verschwunden sind, beweist
ein Fund von Benecke, der in den Diluvialablagerungen von Wiesloch ein Exemplar eines Sfephanoceras in
einem Icbhait gelb geiarbten Kalke entdeckte.^ Keine Spur von Strnndbildungen, nicht das leiseste Anzeichen
von Küstennahe lässt den schon nach den Lagerungsverhältnissen unmöglichen Gedanken entstehen, dass
man es mit Küstenbildungen am Fusse eines schon damals existirenden Sandsteingebirges zu thun habe.
Mit absoluter Bestimmtheit beweist uns dieses Vorkommen, dessen ehemaliger Zusammenhang mit dem
schwäbischen Jnra längst crknunt ist, dnss dieselben Ablagerungen sich auch über den Rücken des
Odenwaldes erstreckten.
Dasselbe, wie für den Odenwald, mnss auch für Spessart, Vogelsberg und Rhön, überhaupt
für das ganze grosse Buntsandsteingebiet südlich vom Thüringerwald gelten;''' die Verhältnisse sind genau
dieselben, die Kuppen dieser Gebirge sind durch Erosion aus ein und derselben Sandsteintafel heraus-
gearbeitet. Von Interesse sind in dieser Gegend namentlich die zahlreichen basaltischen Eruptivgesteine,welche
in der Mehrzahl der Fälle als Reste von früheren Decken auftreten; als widerstandskräftige Massen haben
sie sich erhalten und bilden grossentheils die bedeutendsten Gipfelhölien, und unter dem Schutze derselben
haben sich an vielen Stellen jüngere Gesteine erbalten, welche sonst ringsum überall denudirt worden sind;
es würde zu weit führen, hier zahlreiche Beispiele anzuführen, ich erinnere nur an den grossen Dolmar bei
Mein in gen, wo mitten in einer Muscliclkalklandschaft unter dem Basalte Lcttenkohle und Gypskeuper
hervortritt, oder an den grossen Gleichberg bei Hildburghausen, an welchem sogar noch der Stuben-
sandstein auftritt. Auch in Grabenverwerfungen iiaben sich mehrfach jüngere Gesteine erhalten, wenn auch in
keinem Falle die Reihe bis zum Jura hinaufreiclit. Welch' ungeheure Abtragungen hier stattgefunden haben,
hat schon Emmerich und neuerlich in sehr rationeller Weise Bücking dargethan; allein ich bin überzeugt,
dass ihre Ansichten noch weiter ausgedehnt werden müssen, und dass, wie schon früher erwähnt, auch der Jura
hier vorhanden war und abgetragen wurde.
Für diese Anschauung spricht abgesehen von dem Fehlen irgend eines Ufers eine eigenthümliche
Betrachtung; der Basalt des grossen Dolmar beispielsweise ruht auf Lettenkohle und Gypskeuper und greift
von diesen auf Muschelkalk und Buntsandstein über; seine untere Grenze fällt ungefähr mit der Isohypse
1 Deffner und Fraas, die Jiir.iver.seiikung vou Langenbrücken. Neues Jahrbuch. 1S59. S. I. S. .513. — ßenecke,
Lagerung und Zusammensetzung des geschichteten Gebirges am südUchen Abhänge des Odenwaldes, p. 45 ff. — Be necke
und Cohen, geognnstische Beschreibung der Umgebung von Heidelberg. S. 471, 604.
2 Auch Deffner und Fraas (1. c.) berichten von einem Stej'Jianoceras in der Blum 'sehen Sammlung.
3 Vgl. für die folgenden Auseinandersetzuugeu namentlich: Emmerich, geologische Skizze der Umgebung von Mei-
ningen. Kealschulprogramm. Meiningen 1873. — Bücking, Gebirgsstörungeu und Erosiouserscheiuuugen südwestlich vom
Thüringcrwald. Jahrbuch der preuss. geolog. Landesanstalt 1880. S. 60. — Frantzen, Störungen in der Umgebung des
grossen Dolmar bei Meiningen. Ebenda p. 106. — Pröschold, die Marisfehler Mulde und der Feldstein bei Themar. Ebenda
1882. S. 190.
70 M. Neumayr.
von 1800' preussisch zusammen. Aller Walirscheinliclikeit nach haben wir es mit einem Theil eines sehr
mächtigen Stromes zu tlimi, der bei seiner Entstehung sich im Thalnivean horizontal ausbreitete. Da nun heute
das Tlialniveau in jener Gegend ungefähr bei 1000' ist, so hätte man seit der Eruption der Basalte, also etwa
seit Mitte der Tertiärzeit eine mittlere Denudation von etwa 800' anzunehmen. Hätte nun in dieser Gegend
mit f]nde der Trias die Sedimentbildung aufgehört und wäre das Land trocken gelegt worden, so käme man
zu dem seltsamen Resultate, dass während des enormen, durch Jura, Kreide und unteres Tertiär repräsentirten
Zeitraumes nur sehr wenig erodirt worden ist, während in der sehr viel kürzeren Periode von der Mitte des
Tertiär bis heute etwa 800' abgetragen wurder. Ganz anders verhält es sich dagegen, wenn die Denudation
erst nach der Jurnzeit begann und über der Trias noch 1500 — 2000' jurassischer Sedimente lagen; in diesem
Falle kömmt man zu einer annähernd richtigen Proi)ortion zwischen Zeitdauer und Masse des denudirten
Materials, und wir müssen also auch aus diesem Grunde annehmen, dass Spessart, Eöhn und Vogelsberg
von mächtigen Juragesteinen bedeckt waren.
Damit kommen wir auf die schon mehrfach ausgesprochene Ansicht, dass ein directer Zusammenhang
zwischen schwäbisch-fränkischem und nordwestdeutschem Jurameere bestanden habe. Wohl ist noch ein
weiter Zwischenraum bis zu jenem Schwärme von Juravorkommnissen, die von der holländischen Grenze
am Nordrande des Harzes vorüber bis in die Gegend von Magdeburg streichen; allein es ist zum grossen
Theil nur Triasland, genau vom Charakter desjenigen, welches wir bisher besprochen haben, und alle jene
Gründe, die bisher erwähnt wurden, sprechen auch hier für eine Forterstreckung des Jura. Wir können dieses
mit um so grösserer Sicherheit annehmen, als von der Hauptmasse der nordwestdeutschen Vorkommnisse einige
isolirte Ausläufer theils in Grabenversenkungen gelegener, theils auf Bergkuppen isolirter Liasgesteine sich
weit nach Süden und Südosten erstrecken. Es gehören hierher namentlich die Vorkommnisse nördlich von
Eisenach und aus der Umgebung von Gotha, deren eigenthnniliche Verhältnisse kürzlich von Max Bauer
und von J. G. Bornemann geschildert worden sind.'
Wir sind damit dem Nordrande des ThUringerwaldes und des Frankenwaldes in unmittelbare
Nähe gerückt, und wir müssen uns zur Besprechung des letzten und schwierigsten Theiles der in Mittel-
deutschland vorliegenden Frage, zu dem Verhältnisse dieses Gebirges zu den Juraablagerungen wenden.
Liasbildungen rücken von Norden dicht an den Thüringerwald heran, und nehmen bei Eisenach an der Schicht-
aufrichtung des letzteren einen allerdings ihrer weit nach Norden vorgeschobenen Lage nach nur schwachen
Antheil. Sie weichen in ihrem Gesteinscharakter nicht wesentlich von den gewöhnlichen Vorkommen dieser
Horizonte ab, und zeigen keine Spur von den Charakteren einer Strandbildung, so dass wir mit Sicherheit
auf eine ehemalige Fortsetzung gegen Süden schliessen können.
Sehr bemerkenswerth sind die Verhältnisse am Südrande des Gebirges; der fränkische Jura biegt in der
Gegend von Berching, nördlich von Ingolstadt aus der westöstlicheu in eine südnördliche Richtung über und
verläuft dann parallel dem Bande der böhmischen Masse, des Ficlitelgebirges und des Frankenwaldes bis in
die Gegend von Coburg, unterlagert von der Trias und von dem älteren Gebirge durch Bruchlinien geschieden,
die namentlich durch die Arbeiten von Gümbel näher festgestellt worden sind. Das Mainthal oberhalb
Lichtenfels und in seiner Verlängerung eine von Lichtenfels gegen Nordwest verlaufende Linie schneiden die
zusammenhängende Verbreitung des Jura ab, die Trias tritt hervor, aber etwas weiter nordöstlich finden sich
noch zwei grosse Juraschollen. Die eine weiter nordwestlich gelegene, deren Lage wir durch Einberg bei
Coburg und Sonnenfels fixiren können, enthält den ganzen Lias und vom mittleren Jura die tieferen Partien
mit Einschluss des Eisensandsteines, also der Zone des Harpocerag Murchisonae und vermuthlich auch der-
jenigen des Harpoceras Üowerhji. Die zweite südöstliche Partie, in dem Winkel zwischen Main und Rodach bei
1 Heinrich Credner, geognostische Karte des Thüringerwaldes. — Derselbe; Versuch einer Bildnngsgeschichte der
geognostischen Verhältnisse des ThUringerwaldes. — Max Bauer, über die geologischen Verhältnisse der Seeberge und des
Galberges bei Gotha, Jahrbuch der preuss. geolog Landesanstalt 1881. — F, G. Bornemann, von Eisenach nach Tliale
uud Wutha; Jahrb. d. preuss. geolog. Landesanstalt. l88o.
Die geographische Verbreitung der Juraformation. 71
Biirgkunstadt gelegen, zeigt auch höhere Glieder imd urafasst uacli der Uüinberscheu Karte noch den grösseren
Tbeil des oberen Jura bis zur oberen Grenze der Tenuilobatenschicbten. Gegen das ältere Gebirge schneiden beide
Juravorkömmnisse mit GUmbers grosser „Culmbacher Spalte" ab, deren Verhältnisse an der Burgkunstädter
Jurainsel Heinrich Credner darstellt.
In mehreren der Richtung des Gebirges parallelen Brüchen ist die Trias von der centralen paläozoischen
Zone abgesunken; in der äussersten dieser Stufen ist Buntsandstein und Muschelkalk sehr steil gegen den
Gebirgsrand geneigt und an sie stösst unmittelbar der annähernd horizontale Jura an; bei Wildenberg liegen
die Schichten mit Peltoceras bimammatum in einer Meereshöhe von 1527', die Tenuilobatenschicbten am Gais-
hiigel bei Kirchleus in einer Höhe von 1625', während ein kleines Stück davon entfernt der obere Buntsand-
stein in einer Höhe von 1582' ansteht. Die Jurascholle ist demnach im Veri;leiche zur benachbarten Trias
wenigstens um löüO' in die Tiefe geworfen, wobei der Betrag, um welclien die Triaspartien gegen die
paläozoischen Ablagerungen abgesunken sind, noch gar nicht in Beciinung gezogen ist. Da nun überdies
gerade die obersten Lagen der Juravorkommnisse von Burgkunstadt wieder jenen oben geschilderten Charakter
eines in mittleren Meerestiefen gebildeten Gesteines an sich tragen, so können wir mit Sicherheit schliessen,
dass zu dieser Zeit das Meer hier 2000' höher stand, als heute die grössten Höhen des Thüringerwaides sind,
dass aber dem Cliarakter der Sedimente nach sein Niveau auch noch um 10.000' höher gewesen sein kann,
als dieses Minimum angibt. '
Wir müssen uns hier allerdings erinnern, dass der Tliüringerwald nicht aus horizontalen Sedimenten
besteht, sondern aus aufgerichteten Massen, und dass uns daher der richtige Massstab für seine ehemalige
Höhe fehlt. Wir wissen nicht, wie viel durch Denudation abgetragen ist, und wir wissen ebensowenig, um wie
viel er an Hölie durch nachjurassische Aufrichtung gewonnen hat. Soviel aber ist wohl jedenfalls siclier, dass
der Thüringerwald nicht etwa 12.000' an Höhe durch Erosion verloren iiat, und somit ist aus dem Charakter
und der Lagerung der am Südrande gelegenen Jurasedimente zuoäclist die Möglichkeit seiner vollständigen
Überflutung zur Jurazeit gegeben. Dass eine solche auch wirklich stattgefunden hat, geht vor Allem aus dem
Charakter der in der Burgkunstädter Scholle unmittelbar an das Gebirge anstossenden oberjurassischen
Sedimente hervor. Unsere Kenntniss der Ablagerungsvorgänge in den jetzigen Meeren sind heute nach den
grossartigen Schleppnetzuntersuchungen der Siebzigerjahre so weit gediehen, dass wir in dieser Beziehung
mit einiger Sicherheit urtheilen können. Es ist eine absolute Unmöglichkeit, ziemlich reine Kalke mit zahl-
reichen Hexactinelliden- und Litliistidenrestcn mit selir spärlichen Muscheln und Schnecken und sehr vielen
Cephalopodeuschalen als Strandbildung zu betrachten. Die Entfernung vom festen Lande niuss mindestens zehn
geographische Meilen betragen haben, war aber wahrscheinlich grösser, und wenn wir die räumlichen Ver-
hältnisse ins Auge fassen, so finden wir, dass auch die äussersten Juravorposteu im Norden und Süden des
Thüringerwaldes kaum mehr als aciit Meilen in der Luftlinie von einander entfernt sind.
Wir sind am Ende dieser langen Betrachtung zu dem Ergebnisse gelangt, dass, wie schon C. v. Se ebach
angenommen hat, das Jurameer sich aus Sudosten über die Region des Odeuwaldes, des Spessart, des Vogels-
berges (ohne seine modernen Eruptivmassen gedacht), über die Röhn, den Thüringer- und den Frankenwald
ununterbrochen nach Norden erstreckte und von da mit den Meerestheilen in Verbindung stand, aus welchen
sich der Jura Nordvrestdeutschlands einerseits, der sächsisch-böhmischen Region anderseits ablagerte. Die
jurassischen Sedimente bildeten über alles Land eine zusammenhängende Decke, welche später im weit-
gehendsten Masse der Denudation verfiel, und von welcher, abgesehen von dem zusammenhängenden
schwäbisch-fränkischen Zuge, nur vereinzelte Schollen erhalten geblieben sind.
Es drängt sich dabai wohl fast von selbst die Frage auf, ob etwa der Harz gleich dem Thüringerwalde
vom Jurameer überflutet war. Die Verhältnisse liegen hier etwas anders, zwar fehlt es auch hier an eigent-
liclien Strandbiidungeu, aber die oberjurassische Sedimente an seinem Nordrande mit ihren Rifi'korallen, mit
den dickschaligen Nerineen- und Pteroceras-Arten sind ganz typische Seichtwasserbildung en. Übrigens sind
1 Vergl. bezüglich aller Einzelheiten die citirten Werke voa Heiuricli Creduer und Giiiu bei.
72 M. Neumayr.
die in der Literatur enthaltenen Ang:aben über den Harzrand noch nioht zusammenhängend «enug, um ein
sicheres TJrtheil zu erlauben, zumal ich selbst die dortigen Jurabikhuigen nur durch sehr flüchtigen Besuch
kenne. Für die geographische Auffassung der grossen jurassischen Meeresräume ist es ziendicli gleich-
giltig ob hier eine kleine Insel über das Wasser emporragte oder nicht, so interessant auch das Problem vom
localgeologisclien .Standpunkte aus sein mag. Nachdem der von Süden an den Harzrand hinreichende Bunt-
sandstein nachdem bisher Gesagten offenbar von Muschelkalk, Keuper und Jura bedeckt war,' und die
Schichten des letzteren am Nordrande des Harzes steil aufgerichtet sind, so ist es ziemlich wahrscheinlich,
dass auch hier eine vollständige Überdeckung vorlag, aber ein wirklicher Beweis ist nicht vorhanden.
Wir haben bisher der Einfachheit wegen stets nur vom .Iura im Allgemeinen gesprochen, ohne auf das
Verhalten einzelner Glieder einzugehen; da jedoch, wie früher erwähnt, diese sich durchaus nicht immer
"•leicbmässig verhalten, so müssen wir hier auch dieser Frage einige Worte widmen. Bekanntlich dringt im ober-
sten Keuper nach langer Unterbrechung wieder die erste Meeresfauna in Mitteleuropa vor und nach der Uber-
einstinmiung der meisten Arten mit solchen aus der rliätisehen Stufe der Alpen dürfen wir dieselben als eine
Einwanderung aus dem alpinen Becken betrachten, und dasselbe gilt auch von den ältesten Liasfaunen. *
Gerade im Lias und während der ersten Hälfte des mittleren Jura ist die Übereinstimmung zwischen dem
südlichen und dem nordwestlichen Deutschland eine so auffallende, dass für diese Zeit ganz besonders die
Annahme einer directeu Meeresverbinduug an sich schon, auch ohne nähere Untersuchung der topographischen
Verhältnisse, in den zwischenliegenden Gegenden höchst wahrscheinlich wird. In der That hat v. Seebacb
schon vor 20 Jahren sich in der entschiedensten Weise für den Zusammenhang des nordwestdeutschen mit
dem süddeutschen Jura ausgesprochen, und diese Folgerung auch auf den grössten Theil des mittleren Jura
ausgedehnt.^ Auch von anderer Seite wurde diese Auffassung angenommen, so von Waagen, der allerdings
durch die Eigenartigkeit der norddeutschen Vorkommnisse aus der Zone des Harpoceras Sowerhyi gehindert
wurde die Fortdauer der Verbindung während des mittleren Jura anzunehmen.* Bei der in den höheren
Schichten des Unterooliths wieder stärker hervortretenden Ähnlichkeit scheint aber dieser Contrast weniger
durch Trennung, als durch die Faciesentwicklung bedingt, indem die ,s'o«w/%/-Scliichten im Norden in thoniger,
im Süden in sandig-kalkiger Entwicklung auftreten.
Im oberen Jura verschwindet jedoch die Ähnlichkeit beider Gebiete fast ganz, und es mag gewagt
erscheinen wenn trotzdem eine directe Verbindung angenommen wird, die allerdings gerade für diesen
Abschnitt durch die Verhältnisse bei Burgkunstadt so entschieden angedeutet wird. In der That, wenn wir
den oberen Jura Nordwestdeutschlands betrachten, wie wir ihn durch die Zusammenfassungen von Heinrich
Credner, C. v. Seebach und C. Struckraann so genau kennen,' so erseheint der Gegensatz gegen den
fränkisch-schwäbischen Typus so gross als irgend möglich. Über den Hersumer Schichten folgen in ununter-
brochener Reihenfolge Seichtwasserbildungen mit Korallen, Seeigeln, Austern und anderen Muscheln, diek-
schali"en Schnecken, unter welchen die Nerineen dominiren, und nur vereinzelt treten in den sogenannten
Portlandbildungen Ammoniten auf. In Süddeuschland dagegen überwiegen Ammoniten- und Spougien-
kalke.
Allein gerade eine nähere Erwägung des Wesens dieser gi-ellen Unterschiede beweist, dass sie für die
uns beschäftigenden Fragen ganz ohne Bedeutung sind. Ein entscheidender Beweis für die Isolirung beider
1 Vergl. auch Moest.a, das Liasvoikommeu von Eichenberg in Hessen in Beziehung auf die allgemeinen Verliältuisse
des Gebirgsbaues im Nordwesten des Thüiingerwaldes. Jahrb. der k. preuss. geolog. Landesanstalt und der Bergaliademie
Berlin. 1883. S. 57.
2 Neumayr, über unvermittelt auftretende Cephalopodentypen im mitteleuropäischen Jura. Jahrbuch der geolog.
Reichsanstalt. 1S78. S. 64. — Beiträge zur Kenutniss des untersten Lias iu den nordöstlichen Alpen. Abhaudlungeu der geo-
logischen Reichsanstalt. 1879. Bd. VIL S. 4S.
3 C. v. Seebach, der hannoversche Jura, S. 67.
* W.Waagen, A\% Zomh Aez Ammonites Sowerhyi. Benecke's geognostisch-paläontologische Beiträge, Vol. L S. ."580.
* Heinrich Credner, über die Gliederung des oberen Jura und der Wealdenbildungen im nordwestlichen Deutschland.
C. v. Seebach, der hannoversche Jura. — C. Struckmann, der obere Jura in der Umgebung von Hannover.
Die geographische Verbreitung der Juraformation. 73
Biklnngsräume wäre es etwa, weuu in Norddcutsclilaud ebenfalls Ammonitenfaunen vorhanden wären, die
aber andere Formenreihen und Arten aufzuweisen balien, als sie in Frauken oder Sobwabeu vorkommen,
unter den gegebenen Verliiiltnisscn aber finden wir nur überaus tiefgreifende Faciesunterschiede, die aber
ebensogut in ein und demselben als in verschiedenen Meeresbecken vorkommen, und die weder für noch gegen
zusamnienliäugende Meeresbedeckung das mindeste beweisen. Dass auch in Süddeutschland unter günstigen
äusseren Verhältnissen dieselbeu Formen vorkommen, zeigen die stellenweise auftretenden Pterocerasschichten
u. s. w.
Übrigens kann durchaus nicht behauptet werden, dass der Zusammenhang der beiden Meeresbecken sich
während der ganzen Dauer des oberen Jura erhalten habe. Nach Ablagerung der Tenuilobatenschichten, also
ungefähr um die Mitte der Kirameridgezeit, tritt eine starke Abnahme der Meerestiefe ein, die nicht allein
durch die Sedimentanhäufung erklärt werden kann; die „plumpen Felsenknlke", die Frankendolomite, die
Korallenbildungen von Nattheim und Kehlheim, die Pterocerasschichten, die Prosoponkalke, die hthograplii-
sciicn Schiefer u. s. w. sind ebensoviele Seichtwasserbildungen eines mehr und mehr eingeengten Beckens, das
seiner Trockenlegung entgegen geht, und es ist sehr wahrscheinlich, dass mit diesem Zurückweichen des
Meeres, also nach Ablagerung der Tcnuilol)ntenschichten, die Verbindung nach Norden aufhörte.
Mit dem Nachweise der hier ausführlich besprochenen Verhältnisse wird auch die früher schwer ver-
ständliche sächsisch-böhmische Entwicklung erklärt; das Jurameer, das den Thüringer- und Frankeuwald
überschritt, breitete sich von hier aus am Fusse des Erzgebirges nach Osten und reichte bis au das
Riesen- und Isergebirge. Wenn wir aber an diesen Ausgangspunkt unserer Betrachtung zurückkehren, und
die verschiedenen Anschauungen und Erfahrungen anwenden, die wir auf diesem Wege gemacht haben, dann
erscheinen uns diese unter den Granit gequetschten Vorkommnisse in einem neuen Lichte. Der Umstand, dass
der Jm-a nuf da erhalten blieb, wo er durch den Granit geschützt ist, läs«t auf die Denudation grosser Massen
schliesseu. Da nun die Ablagerungen von Hohenstein, Sternberg u. s. w. nichts von Strandbildungen ac sich
haben, sondern im Gegentheil gleich den öfter erwähnten Ablagerungen des weissen Jura in Frankeu und
Schwaben Sedimente aus ziemlich tiefem, küstenferuem Meere darstellen, so werden wir zu der Folgerung
gezwungen, dass auch das Kiesen- und Isergebirge, überhaupt die Sudeten vom Jurameere bedeckt waren. Es
gilt das aber nicht für die ganze Dauer des Jura, sondern dessen untere Theilc fehlen, und wir haben es hier
wie schon früher erwähnt, mit einer der Kegionen zu thun, in welchen die höheren Abtheihmgeu der Forma-
tion über bedeutend ältere Gebilde übergreifen.
III. Der Jura im westlichen und nördlichen Mitteleuropa.
An seinem südwestlichen Ende verschmälert sich der schwäbische Jurazug; er überschreitet den Rhein
bei Schaffhausen, und kurz nachdem er auf schweizerisches Gebiet übergetreten ist, wird er durch das Vor-
springen des Schwarzwaldes auf seine geringste Ausdehnung beschränkt; es ist das die tektonisch merk-
würdige Gegend, in welcher der Jurazug von der Plateau- iu die Kettenentwicklung übergeht; von hier gegen
Südwesten hat man es mit einem wirklichen Juragebirge zu thun. Sobald der Südrand des Schwarzwaldes
passirt ist, breitet sich der Jura wieder mächtig aus; einerseits ziehen sich seine aufgerichteten Ketten in süd-
westlicher Richtung bis an die Rhonealluvien bei Lyon, anderseits breiten sich die Ablagerungen nach
Nordwesten über Vesoul und Dijon aus und verbinden sich mit jenen Juragesteinen, welche die südwestliche
Umrandung des Pariser Beckens darstellen. Allerdings fehlt gerade auf der Verbindungsstrecke der obere
Jura, nur mittlerer Jura und Lias sind vorhanden, und man hat in Folge dessen au eine Trockenlegung gedacht,
welche während der Ablagerung des Malm das Schweizer vom Pariser Becken geti-ennt hätte. Diese Auf-
fassung ist jedoch durchaus unhaltbar und das Fehlen kann nur der Denudation der höheren Schichten
zugeschrieben werden; es geiit das schon aus der in vieler Beziehung sehr grossen Übereinstimmung
zwischen dem ;\Iahn des Juragebirges und demjenigen des Pariser Beckens, vor Allem aber daraus
liervor, dass die in den Kirallcnbildungen der Oxfordstufe im Departement Haute Marne auftretenden
Denkschriften der mathem.-naturw. Ol. L. Bd.
10
74 M. Neumayr.
cephalopodenflihrenden Eiuschaltungen fast nur Amnioniten von süddeutsch-schweizerischem Typus enthalten,
wie Peltoceras himammatum, Aspidoceras eucyphum, Oppelia compsa, Holbeini, tricristata, Perisphincfes Eniesti,
Tiziani. '
Zwischen den schwäbischen Jura und die östliche jurassische Umrandung des Pariser Beckens schiebt
sich ein breiter Zwischenraum ein, welcher zu beiden Seiten von Triasgesteinen gebildet wird, dann folgt
gegen innen das alte Gebirge des Schwarzwaldes und der Vogesen, die Mitte nimmt das Rheinthal ein.
Vielfach wurde diese Region als ein Festland der Jurazeit betrachtet, neuerdings aber ist sehr mit Recht die
Ansicht ausgesprochen worden, dass auch hier die älteren Gesteine nur durch Denudation bh issgelegt worden
seien.
Schon Elie dcBeaumont hatte erkannt, dass Schwarzwald und Vogesen ursprünglich ein zusammen-
hängendes Gebirge waren, dessen centrales Stück später an Bruchlinicn iu die Tiefe gesunken ist; die
Versenkung wird heute durch das Rbeiuthal eingenommen.^ Der Abbruch fand in mehreren parallelen Stufen
statt, welche das Auftreten verschiedener Partien von Buntsandstein an den Gehängen der beiderseitigen
Gebirge und in der Tiefe des Thaies bedingen. Auch innerhalb der am Fusse der Höhen liegenden Jura-
schollen lässt sieh nachweisen, dass sie selbst noch mehrfach von parallelen Verwerfungen durchsetzt sind, wie
das schon aus der alten Angabe von Fromherz hervorgeht, dass im Breisgau die einzelnen Jurahorizonte
nicht übereinander, sondern nebeneinander auftreten, so dass man vom Scbwarzwaide gegen Osten auf immer
jüngere Schichten trifft.^
Die Bedeutung dieser Erscheinungen war allerdings vou Beaumont theilweise nicht riclitig aufgefasst
worden, aber die von ihm ausgesprochene Ansicht, dass der jüngere Buntsandstein sich nach einer Hebung der
Vogesen und des Schwarzwaldes an deren Rändern abgelagert habe, blieb lange Zeit hindurch ziemlich
allgemein anerkannt. Nach den neueren Untersuchungen von Bleicher, Beuecke, Laspeyres und
Lepsius kann aber die Unrichtigkeit derselben niciit bezweifelt werden.*
Diese Beobachtungen lassen mit Bestimmtheit darauf schliessen, dass der Jura über Schwarzwald und
Vogesen eine zusammenhängende Decke bildete und erst in späterer Zeit bis auf die iu die Tiefe gesunkenen
Theile durch Abtragung zerstört wurde. Das wird auch bestätigt, wenn wir die nach aussen gerichteten
Flanken der Gebirge, den östlichen Abfall des Scliwarzwaldes und den westlichen der Vogesen betrachten.
Auch hier sitzen die sedimentären Ablagerungen an einer Reihe von parallelen Längsbrüchen vom Gebirge ab,
es tritt ein ähnlich wie am inneren Gehänge beschaffener Stufenbau auf, der sich nur durch grössere Breite
der Stufen, durch weiteren Abstand der einzelnen Verwerfungen von diesem unterscheidet. Fraas hat diese
Verhältnisse in seiner geologischen Beschreibung von Württemberg zusammengestellt, und gezeigt, „dass von
einer Anlagerung der schwäbischen Flötzgebirge an den Schwarzwald keine Rede sein kann". ^ Suess hat
aus diesen Verhältnissen und aus den analogen Erscheinungen am Westrande der Vogesen geschlossen, dass
diese Gebirge nur stehen gebliebene Pfeiler, „Horste" sind, und dass vom Centralplateau von Frankreich bis
zum Böhmerwald „eine gemeinschaftliche, zusammenhängende Unterlage von paläozoischen und archaischen
1 Loriol, Royer et Tombeck, description g6ologique des E^tages jurassiques supeiieures de la Haute-Marne. —
Tombeck, »ur la vrnie position de la zone ä Ammonites tenuilobatus dans la Haute-Marne. Bull. soc. göol. 1878, S6r. III.
Vol. VI. S. 6.
2 E. de Beaumont, Explication de la carte göologique de France. I. p. 267—437. 1841.
3 Fromherz, die Juraformation des Breisgau. 1838. — Vergl. ferner die genauen Beschreibungen der den Westfuss
des Schwarzwaldes behandelnden Kartenblätter in den Beiträgen zur inneren Statistik des Grossherzogthums Baden.
* Bleicher, essai de Geologie comparee des Pyreuöes, du plateau central et des Vosges. Colmar 1870. —Benecke,
über die Trias in Elsass-Lothringen und Luxemburg. Abhaudl. zur geolog. Specialkarte von Elsas.s-Lothringen, Bd. I, 1S77.
— Derselbe, Abriss der Geologie von Elsass-Lothringen. 1878. — Lepsius, über den bunten Sandstein in den Vogesen.
Zeitschrift der deutschen geol. Gesellschaft. 1873. S. 83. — Laspeyres, Kreuznach und Dürkheim. Ebenda 18C7, S. 803.
1868, S. 153. — Laspeyres, briefliche Mittheilung. Ebenda 1876, S. 397.
* 0. Fraas, geogn. Beschreibung von Württemberg, Baden und HohenzoUern. S. XX— XXVI.
Die gcograjiMsche Verbreitung der Juraformation. Ib
Bildungen bestand, aufwelclie die Scliicbten der Trias- und Jurameere abgelagert wurden".* leb scbliesse
uiicb dieser Auffassung vollständig an.
Ein gewaltiges System aller Gesteine, den Vogesen und dem Scbwarzwalde bedeutend Überlegen und der
böbmiscben Masse ebenbürtig, ragt aus einem Kranze jurassischer Gebilde in der Mitte Frankreichs empor,
das Centralplateau, mit seinen berühmten Vulkanen, die aus dem archaischen Gebirge hervortreten. Es
ist schwierig, sich aus der Literatur ein sicheres Urtheil über die Beschaffenheit dieses Gebietes zu ver-
schatfeu, da die französischen Autoreu selbst in dieser Richtung sehr verschiedener Ansicht sind; die
herrschende, oder wenigstens die verbreitetste Meinung ist jedenfalls die, dass das Centralplateau zur Jurazeit
eine Insel war, und dieselbe ist so oft wiederholt worden, ja sie bildet geradezu die Basis fast aller
Speculationen über die physische Geographie Frankreichs in jener Periode, dass es überflüssig erscheint, Ver-
treter dieser Richtung zu nennen. Allein darin ist keine Gewähr für deren Richtigkeit geboten, die insulare
Beschatfenheit drängt sich beim ersten Blick auf die geologische Karte in einer Weise auf, dass eine nähere
Prüfung in der Regel unterlassen wurde. Es ist das eben die natürliche Folge der falschen Tendenz bei der
Reconstruction der Meeresverbreitung in der Vorzeit, einfach die Regionen, wo heute die Formation ausstreicht,
mit einer Linie zu umziehen, ohne die Bedeutung der Denudation genügend in Rechnung zu ziehen, eine
Methode, die C. v. Seebach schon vor 20 Jahren mit Recht auf das entschiedenste verurtheilt hat.'^
Von um so grösserem Werthe sind vereinzelte Arbeiten, die von dem herrschenden Vorurtheile sicii frei
erhalten und die Verhältnisse in kritischer Weise behandeln; in dieser Richtung sind namentlich die Aufsätze
von Maguan'' und Bleicher,* ferner für einen kleinen District, den Morvan, eine Schrift von Velain und
Michel-Levy'' zu nennen. Die letzteren haben für die eben genannte Bergregion gezeigt, dass dieser nord-
östliche Vorsprung der grossen Masse von Stufenbrüchen umgeben ist, und dass in ^'ersenkungen jurassische
Sedimente sich erhalten haben. Da nun überdies südlich vom Morvan bedeutende Jurainseln von Macon bis an
die Loire vorspringen, so darf man mit Bestimmtheit annehmen, dass wenigstens dieser Theil vom Jurameere
bedeckt war.
Nicht ganz so bestimmt sind die Resultate bezüglich der grossen Hauptmasse des Centralplateau's;
Magnan" schildert auch von hier den Rand xmigebende mächtige Brüche, an denen die äusseren Theile
abgesunken sind, er weist nach, dass stellenweise eine Sedimentdecke von 1600 Meter Dicke denudirt worden
ist, dass die Ränder der alten Masse in keiner Weise alten Küstenlinien entsprechen und dass man vergebens
nach irgend welcher Spur eines alten Strandes sucht. Endlich liegen an verschiedenen Stellen des Central-
plateau's, allerdings nicht in der Mittte desselben, aber doch in sehr beträchtlicher Höhe isolirte Schollen von
Trias- und Juraablagerungen, und so darf man es denn als zum mindesten sehr wahrscheinlich bezeichnen,
dass auch diese Masse vom Meere bedeckt war, wenn auch ein sicherer Beweis bei dem grossen Umfange der-
selben nocli nicht erbracht ist, und immerhin eine kleine Insel im Centrum vorhanden gewesen sein könnte.
Die weitere Verbreitung des Jurameeres lässt sich zunächst leicht verfolgen; dass sowohl vom Central-
plateau aus gegen Südwesten das Gebiet der Gironde, als nach Norden das ganze Pariser Becken vom
Wasser bedeckt war, kann nicht dem mindesten Zweifel unterliegen.
Im Süden findet die mitteleuropäische Provinz ihre Fortsetzung im nördlichen Spanien und Portugal;
schon vor längerer Zeit hat Suess ' die Ähnlichkeit dortiger Juraablagerungen mit denjenigen des nördlichen
1 E. Suess, das Antlitz der Erde, Vol. I, S. 256 ff.
2 C. v. Seebach, der hannoversche Jura. S. 68.
3 Magnan, Etüde des formations secondaires des bords S. — 0. du plateau centrale entro les vall6es de la Vere et du
Lot. Bulletin de la sociötö d'histoire naturelle de Toulouse Vol. III. 1SC9. p. 5. Bull. soc. geol. de France. Sör. II. Vol. 27.
1869 — 70, p. 509.
* Bleicher, 1. c.
5 Michel-L6vy et V61ain, sur les faillea du revers oecidental du Morvan. Bull. soc. göol. 1877. S6i-. III. Bd. 5. S. 350.
6 L. c., S. 77 flf.
' Suess, einige Bemerkungen über die secuudären Brachiopoden Portugals. Sitzungsb. d. kais. Akad. d. Wisaensch. in
Wien. Bd. XLII. 1860.
10*
76 M. Netimayr.
Frankreich hervorgehoben; ausführlichere Berichte verdanken wir C lioffat,' nach welchem im südlichen Por-
tugal der alpine, im mittleren und nördlichen der mitteleuropäische Jura herrscht. Die Verhältnisse in Spanien
werden unten bei Besprechung der alpinen Provinz im Zusammenhang abgehandelt werden.
Noch durchaus unüberwindliche Schwierigkeiten stehen einer riclitigen Beurtheilung der ausgedehnten
Vorkommnisse archaischer und paläozoischer Gesteine im nord westliclien Frankreich entgegen; die Vc-r-
hältnisse sind hier so schwierig und bieten so wenig entscheidende Momente, dass man fast jede Ansicht in
dieser Richtung vertreten könnte; ob diese alten Gebilde vom Jurameere überflutet waren, ob sie eine
beschränkte Insel darstellten, oder ob sie die Reste eines grossen Festlandes darstellen, zu welchem auch
Com Wallis und Irland gehörten und das sich vielleicht weit in den atlantischen Ocean hinaus erstreckte,
lässt sich nicht entscheiden. Auf der diesem Aufsatze beigegebenen Karte habe ich eine vermittelnde Annahme
zur Darstellung gebracht, welche die Bretagne mit Cornwallis zu einer Insel vereinigt, ohne aber für deren
Richtigkeit einen Beweis geben zu können.
In England tritt die Hauptmasse des Jura, wie oben erwähnt, auf einer langgestreckten, von Südsüdwest
nach Nordnordost verlaufenden Zone auf, welche bei Lyme Regis in Somersetshire beginnt und sich schräg
durch die Insel bis ins nördliche Yorkshire an die Mündung des Tees zieht. Das südöstliche England ist von
jüngeren Bildungen des Wälderthones, der Kreide und des Tertiär bedeckt, unter denen die Juraschichten
durchstreichen, allerdings nicht so ungestört, als man anzunehmen geneigt sein möchte. Im Allgemeinen kann
es keinem Zweifel unterliegi^n, dass der Hauptjurazng Englands die nördliche Umrandung eines gewaltigen
Beckens ausmacht, deren Gegenflügel wir in den Ablagerungen am Nordrande des französischen Central-
plateaus finden; allein die Tief bohrungen, die in London und in seiner Umgebung zu wiederholten Malen
angestellt worden sind, zeigen, dass hier unter den jüngeren Gebilden ein Rücken älteren Gesteines, eine
„paläozoische Axe", durchstreicht, welcher von einem Theile der englischen Geologen als eine Fortsetzung der
Ardennen und des Rückens der belgischen Kohlenfelder betrachtet wird, eine Auffassung, die auch von
Suess vertreten wird. In neuester Zeit hat ein Aufsatz von Judd ausserordentlich wichtige neue Aufschlüsse
über diesen Gegenstand geliefert, und die älteren Beobachtungen zusammengefasst. Bei einer von Judd
beschriebenen Bohrung in Richmond (Surrey) wurde unter dem Tertiär zunächst die weisse Kreide, dann
oberer Grünsand und Gault durchsunken, weiter folgten schwache Andeutungen von unterer Kreide und dann
sofort mitteljurassischer Grossoolith, welcher schon früher bei einer Brunnenbohrung in London gefunden, aber
bisher verkannt worden war. Die unmittelbare Unterlage desselben bilden dann bunte Mergel und Sandsteine,
die von Judd zur Trias, von anderen zum Devon gestellt werden.*
Mag nun wirklich durch diese Tiefbohrungen ein ostwestlich streichender Bergrücken erschlossen
sein, welcher die Mendip Hills südlich von Bristol in der Richtung gegen die belgischen Gebirge fortsetzt,
oder mag diesem in der Tiefe liegenden Zuge älterer Gesteine eine solche Bedeutung nicht zukommen,
jedenfalls ist dessen Vorhandensein und die ausserordentliche Reduction des Jura über demselben sicher
festgestellt. Lias und Unteroolith fehlen ganz und ebenso der obere Jura, alles was wir kennen, ist ein Stück-
chen der Bathgruppe.
Judd zieht aus diesen Verhältnissen den wie es scheint durchaus richtigen Schluss, dass dieses Gebiet
während der Ablagerung von Lias und Unteroolith trocken lag und erst zur Zeit der Bathstufe überflutet
wurde, doch scheint dies nur für die südliche Hälfte der Fall gewesen zu sein; dass auch während des oberen
1 P. Choffat, 6tiule stratigraphique et palöontologique des terrains jurassiques du Portugal. 1. livraison. Section des
travaux göologiques du Portugal. Lissabon 1880. — Vergl. ferner D. Sharp e, on the secondary district of Portugal, which
lies on the north of the Tagus. Quart, journ. geol. soc., Vol. VI. 1849.
" Godwin-Austen, on the possible extension of the coal measuies under the south eastern pari of England. Quar-
tcrly journ. Vol. 12, 1856. p. 38. — Prestwich, on the section of Messrs. Meux and Co. artesian well in Tottenham Coui-t
Road. . .and on the probable rauge of lower Green.sand and pulaeozoic rocks under London. Ebenda 1878. Vol. 34, p. 9U2. —
Suess, Entstehung der Alpen S. 88. — Judd, on the naturc and rehitions of the jurassic deposits, which uuderlie London.
Quart, journ. X884. Vol. 40. S. 724.
Die rjc'ograplihche VcrhreiUing der Juraformation. 11
Jura das Meer die Gegend deckte, und dnss .seine Ablagerungen nur durcli Denudation zerstört sind, gelit aus
dem Umstände hervor, dass die Sandsteine der unteren Kreide in dieser Gegend liäufig Rrucbslückc von
oberjurassischen Gesteinen enthalten.
Die Ufer des englischen Jurabeckens gegen Nordwesten dürften sich von der jetzigen Grenze der Ablagerungen
nicht sehr weit entfernt haben; die Liasbildungen am Eande des südwestlichsten Theiles jeuer Zone, in
So niersetshirc und im südlichen Wales zeigen den Charakter von Strandbilduugen in ausgezeichneter
Weise/ das Auftreten der brakisehen Stonesfield-Scliiefer, endlieii die Kohlen- und Landpflanzen im mittleren
Jura von Yorkshire deuten auf die N.ähe der Küste, und nur das Vorkommen einer isolirten Jurascholle
zwischen Liverpool und Birmingliam, auf der Grenze von Chesshire und Shropshire, lässt darauf schliessen, dass
ein Meeresarm zwischen dem alten Gebirge von Wales und der Kette des Penin vorhanden war, und ebenso
vereinzelte Partien im nordwestlichsten England, in Cumberland, zeigen eine weitere Fortsetzung an.
Über die Ausbreitung des Jura gegen Norden geben uns die überaus wiclitigen Arbeiten von Judd über die
mesozoischen Ablagerungen in Schottland Aufschluss. ^ Die schottischen Hochlande bestehen der Haupt-
sache nach aus archaisclien Bildungen und alten paläozoischen Gesteinen; mesozoische Ablagerungen und unter
iiinen Jura treten nur in einer Anzahl von Schollen an der östlichen und westlichen Küste und auf den an die
Westküste sich anschliessenden Inseln Mull, Skye, Rum u. s. w. auf. Die Entwicklung schliesst sich hier
vielfach an diejenige im nördlichen England, in Yorkshire an, sie zeigt jedoch die charakteristischen Eigen-
thümlichkeiten der letzteren Gegend in bedeutend gesteigertem Maasse, indem Pflanzen und Kohlen führende
Ablagerungen, vielfach mit Brakwasserconchylien, gegen Norden, eine noch weit grössere Bedeutung
erlangen.
Diese Art der Ausbildung spricht entschieden dafür, dass wir es mit Bildungen zu thun haben, welche in
derNähe der Küste entstanden sind, und daraufweist auch das Auftreten von Breccien, theilweise mit mächtigen,
eckigen Blöcken hin, welche so eigenthiunliche Verliältnisse zeigen, dass man selbst an die Mitwirkung von
Eis bei dem Transporte des Materials gedacht hat.
Man könnte daraus zu schliessen geneigt sein, dass das schottische Hocldand schon damals ungefähr in
derselben Ausdehnung wie heute als eine Insel aus dem Meere hervorragte; allein nach der sehr überzeugenden
Darstellung von Judd wäre eine solche Annahme entschieden falsch. Die heutige Umgrenzung Schottlands ist
wesentlich durch eine Anzahl grosser Verwerfungen aus nachjurassicher Zeit gegeben, und die Lage des Jura
au der Küste ist nur dadurch bedingt, dass er hier abgesunken ist und sich in dieser tiefen Lage der Erosion
entzog, während die Hauptmasse desselben, welche in den höheren Regionen blieb, hier vollständig zerstört
und abgetragen wurde. So verhält es sich an der Ostküste, in Suthcrland und in den angrenzenden Gebie-
ten, an der Westküste und auf den inneren Hebriden dagegen haben sich selbst die abgesunkenen Jura-
partien meist nur da erhalten, wo mächtige Lavadeeken sich in späterer Zeit über dieselben ausbreiteten
und sie vor der Denudation schützten. Judd schliesst daraus, dass zur Zeit des Jura die schottischen Hoch-
lande zum grössten Theile vom Meere bedeckt waren; da ferner im nordöstlichen Irland und auf der diesem
nahe gelegenen Insel Rathlin mesozoische Ablagerungen in derselben Weise als Denudationsreste unter jün-
geren Eruptivdecken hervortreten, so wird eine Ausdehnung des Meeres bis dorthin angenommen. Allerdings
waren die Gebirge des Hochlandes vermuthlich nicht ganz unter Wasser, und einzelne Inseln scheinen immer
vorhanden gewesen zu sein; Judd äussert sich jedoch nicht über die Lage derselben, sondern behält die
näheren Angaben über diesem Gegenstand einem weiteren Aufsatze über die mesozoischen Ablagerungen
Schottlands vor.*
1 Ch. Moore, on ubnoimal londitidus ut Soeoiulary dciiosits wheu comicctcil with thc Somersetshirc aud South-Wales
coal-basin and on the age of the Button and Suthoidown Series. Quarterly Journal of the geological Society. 1867. S. 449.
2 Judd, the Secondary roeks of Scotland. Quarterly Journal of the geological socicty 1873. S.9S. Ebenda. 1874, S. 220.
Ebenda 1878. S. 660.
3 Auf den Karten habe ich, nur uui die Anwesenheit von Land überhaupt anzudeuten, eine dem Hauptzuge der Grain-
pians entsprechende Insel verzeichnet.
78 M. Neumayr.
Jedenfalls sind diese kleinen Flecken festen Landes nicht hinreichend, um in weitem Umkreis den
Ablagerungen den ausgeprägten Charakter der Landnähe zu verleihen; Judd weist jedoch darauf hin, dass
nianclie Jurabildungen inSchottland geradezu in der Nähe der Mündung eines grossen Flusses abgelagert worden
sein müssen, und wir müssen also nach einer grösseren Continentalmasse suchen. Diese kann nur im Norden
gewesen sein, um so mehr als gegen Norden die brakischen Bildungen an Mächtigkeit und Bedeutung
zunehmen, die marinen dagegen abnehmen, und wir werden bei Besprechung der nordischen Juraregion
sehen, dass auch aus anderen Gründen an dieser Stelle ein Festland angenommen werden muss, das mit dem
heutigen Norwegen zusammenhing und sich im Westen, aller Wahrscheinlichkeit nach nur an einer Stelle und
nur zeitweilig durch einen Caual durchbrochen, bis nach Amerika erstreckte.
Aus Irland kennt man ausser den winzigen Resten im nordöstlichen Gebirge keinen Jura; weder die grosse
centrale Kohlenkalktafel noch die Randgebirge haben weitere Spuren geliefert, und die Ansicht von Hüll, dass
Irland seit sehr langer Zeit eine Insel ist, hat sehr viel Waluscheinlichkeit, wenn auch keinen entscheidenden
]5cweis für sich. ^
Wir kehren von dieser Abschweifung gegen Norden und Westen wieder zu der „paläozoischen Axe" des
südöstlichen England zurück, wo ein alter Landrücken von mittel- und oberjurassischen Bildungen übergreifend
bedeckt wird. Ganz analoge Verhältnisse finden wir wieder, wenn wir den Canal überschreiten und bei
Boulogne-sur-Mer die gegenüberliegende Küste von Frankreich betreten. Hier liegen auf den Ablagerungen
der Kohleuformation zunächst Sandsteine, die man für eine Binnenentwieklung des Unterooliths hält, dann
folgen, wie in der Nähe von London, als älteste marine Sedimente ver.schiedene Glieder der Bathstufe und dann
der ganze obere Jura, und es seheint also auch hier, wie bei London bis nach der Mitte der Jurazeit keine
Meeresbedeckung stattgefunden zu haben.*
Wir kommen hier wieder an den Rand eines weiten Gebietes, in welcliem Juraablagerungen fehlen, in
welchem auch die Trias nur schwach vertreten ist, während ältere Gebilde, von übergreifenden Ablagerungen
der Kreide und des Tertiär, sowie von jungem Schwemmland theilweise verdeckt, allgemein verbreitet auftreten.
Zunächst treffen wir von Boulogne nach Osten fortschreitend auf das belgische Kohlengebiet, an das sich
die Ar denn en anschliessen, ferner jene grosse Masse archaischer und paläzoischer Gebilde im nordwest-
lichen Deutschland, zu welchem Hohe Venn, Eifel, Idarwald, Huusrück, Taunus, Westerwald und
Sauerland gehören, und welche gegen Norden unter die Diluvial- und Alluvialbildungen am Rhein und der
Maas und unter die Kreide Westphalens untertauchen.
Mehrere Thatsachen liefern den ziemlich sicheren Beweis, dass wir es hier mit den Resten einer alten
Insel zu thun haben, die zur Jurazeit aus dem Meere hervorragte. In erster Linie spricht dafür die unmittelbare
Auflagerung der Kreidebildungen und auch von Wealden auf altem Gebirge, eine Erscheinung, die namentlich
im nördlichen Theile des Gebietes so verbreitet auftritt und so allgemein bekannt ist, dass es überflüssig ist,
einzelne Beispiele anzuführen. Zu demselben Ergebuiss führt uns der eben besprochene Umstand, dass selbst
die letzten schwachen Ausläufer dieser Masse bei Boulogne und London nur von der Bathstufe und dem oberen
Jura bedeckt werden, und dass auch dieser letztere im Pas de Calais eine Seichtwasserbildung ausgesprochenster
Art ist, in welcher die einzelnen Eutwicklungsarten auf den kürzesten Strecken wechseln.^
Auch in den Sedimenten der Juraformation, welche diese alten Gesteine umgeben, findet die Nähe des
Landes deutlichen Ausdruck; es ist dies namentlich mit dem Augulatensandstein des untersten Lias der Fall,
welcher sich in seiner Verbreitung an die Umgebung dieser Insel hält; wir finden denselben im nordwestlichen
Deutschland, Württemberg, Baden, Elsass-Lothringen, Luxemburg und den anstossenden Theilen von Frankreich
1 Hüll, the physical geology and geography of Ireland. 1S78.
2 Pellat, Annales de la sod6t6 g^ologiqiie du Nord, Vul. V. — Gossolet, esquisse geologiqiie du Nord, p. lim. —
Lappai-ent, traitö de geologie, p. 856.
3 Loriol et Pellat, moviographie p.alöontologiqnc et geologiqne de l'ötage Portlandien des euvirons du Boulogne-sur-
Mer. Memoires de la soci6t6 de phys. et d'hist. nat. de Gen6ve. 186G. Vol. 19. — Loriol et Pellat, Monographie göolo-
gique et paleontologiquc des etages suporioiirs de lu foruiation jurassicpie do Üouiogne-sur-Mer. Ebenda 1874. Vol. 23, 24.
Die (/t'Of/raphit^chr Vcrlimtuini der .Jicrnfornutilon. 79
ausgezeicLnet entwickelt, wähieDcl derselbe iu etwas grösserer Eutferiuing, z. B. iu Franken, der Schweiz und
am Nordraude des Centralplateaus von Frankreich zurücktritt. Die stärkste Entwicklung finden wir im
Luxemburgischen, wo auch in anderen Horizonten des Lias sich vielfach sandige Bildungen einstellen.
Spärlicher werden derartige Andeutungen allerdings in höheren Schichten, doch darf wohl auf denselben
Ursprungsort das Vorkommen sandigen Materials in den Kimmeridgebildungen der Weserkette bei Lüb-
becke, an der Egge u. s. w. zurückgeführt werden, zumal da diese Entwickluugsart mit der meist in Nord-
west-Deutschland verbreiteten kalkigen Ausbildungsweise im auffallendsten Gegensätze steht. ^ Endlich
mag aucli an das Auftreten des dem Neocom angehörigen Quadersandsteines im Teutoburgerwald erinnert
werden.
Schwierig wird die Frage nach der Umgrenzung der Ardenneninsel, wie ich dieses alte Festland nennen
will. Schon aus den Profilen bei Boulogne, ferner aus dem verschiedenen Verhalten der umgebenden Sedimente
aus verschiedenen Abtheilungen des Jura lässt sich schliessen, dass nicht während der ganzen Dauer dieser
Formation das feste Land denselben Umfang gehabt habe, sondern dass dasselbe während des Lias am
grössten war und später bedeutend an Ausdehnung verlor. Am Südende sehen wir auch hier wie am Schwarz-
wald, an denVogesen u. s.w. ein ganz ähnliches System paralleler stufenförmig absitzender Verwerfungen, durch
welche in den Ardennen der Jura an vielen Punkten in unmittelbaren Contact mit paläozoischen Bildungen
kömmt, ^ und wir dürfen daraus mit derselben Sicherheit schliessen, dass der Jura viel weiter nach Norden
reichte, als ihn die geologische Karte angibt. Auch für das deutsche Gebiet machen sich ähnliche Verhältnisse
geltend, auch hier haben riesige Denudationen stattgefunden, ja F. v. Richthofen bezeichnet z.B. das Gebiet
der Eifel geradezu als eine Abrasiousfläche. Wie weit aber der Jura von Süden her etwa gereicht haben mag,
lässt sich nicht angeben, und ähnlich verhält es sich gegen Osten.
Im Nordosten * bilden der Teutoburgerwald und in seiner Verlängerung die Reihe isolirter Schollen , die
hier bis in die Gegend von Arolseu und Warhurg zieht, die der Ardenneninsel am nächsten gelegenen Jura-
vorkommnisse ; sie tauchen unter die Kreidebildungen der westphälischen Mulde hinab, aber sie kommen
an deren jenseitigen Rande nicht mehr zum Vorschein; hier liegt die Kreideformation unmittelbar auf dem
Kohlengebirge auf und es lässl sich nicht bestimmen, wo unter der Decke jener die Südgrenze des Jura sich
befindet.
Weiterhin nach Westen fehlen fast alle Andeutungen von Juraablagerungen, doch zeigen die Angaben
von Schlüter, welcher nicht weit von Aahaus nahe der holländischen Grenze ein Exemplar von Schlotheimia
angukita aus einer Brunnengrabung erhielt,* dass eine Fortsetzung der Jurabilduugen unter dem Diluvium
vorhanden ist. Noch etwas weiter nordwestUch wurden von Hosius aus einem Bohrloche bei Wesecke
bituminöse Schiefer mit Inoceramus amygdaloides als oberer Lias angeführt;^ es entstanden wohl Zweifel an
dieser Deutung, aber v. Dechen und Schlüter haben sich der wohl kaum zu bestreitenden Ansicht von
Hosius angeschlossen.^
Sind auch diese Daten sehr unvollständig, so geben sie uns doch eine annähernde Vorstellung von dem
Umfange der Ardenneninsel und danach wurden die Umrisse derselben hypothetisch in die Karte eingetragen.
Der nordwestdeutsche Jura, seine Lage und Bedeutung bedarf keiner weiteren Erörterung, nach-
dem die Beziehungen desselben zu den Bildungen in Süddeutschland schon eingehend erörtert wurden.
Weiterhin finden sich im Norden und Osten der dem Harze vorgelagerten grösseren Vorkommnisse zahlreiche
1 F. Römer, die jurassische Weserkette, eine geognostische Monographie. Verhandhingen des naturhistorischen Vereins
für die Kheinlaude und Westphiilen. :söS. Vol. 15. 8. 352 ff.
- Go.s8elet, Esqnisse göologique du nord de la France. S. 183.
3 Für die folgenden Verhältnisse vergl. namentlich: H. v. Dechen, geolog. und paläontolog. Übersicht der Rheinpro-
vinz und der Provinz Westphalen. — Ferner desselben geolog. Karte der Rhehiprovinz und der Provinz Westphaleu.
* Schlüter, Verhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereines für die Rheinlande und Westphalen. Is74. Bd. 31.
Sitzungsber. S. 229.
5 Hosius, ebenda. 1S60. Bd. 17. Sitzungsber. S. 290.
6 v. Dechen, a. a. 0. S. 385.
80 M. Netimayr.
vereinzelte Spuren von Jura vor, welche die Verbreitung über die ganze norddeutsche Ebene beweisen,
doch ist all' das, was man kennt, fragmentarisch, es besteht entweder aus ganz unbedeutenden anstehenden
Partien oder aus isolirten Geschieben im Diluvium, oft den einzigen bekannten Resten von Ablagerungen, so
dass eine Deutung der Einzelheiten sehr schwierig wird.
Im Allgemeinen lässt sich mit Sicherheit über das Vorkommen des „baltischen Jura", wie Beyrich
diese Bildungen genannt hat, ' sagen, dass in den westlichen Theilen des Gebietes die älteren, in den östlichen
die jüngeren Jurastufen stärker vertreten sind. In der Gegend von Hamburg und in Holstein treten ver-
schiedene Gesteine des Lias und der untersten Dogger auf, von denen namentlich die aus der Grenzregion
dieser beiden Stufen stammenden Vorkommnisse hier vorherrschen;^ für andere wird die Insel Bornholm,
das südlichste Schweden (Schonen') oder auch Mecklenburg und Pommern als Heimat genannt.
Natürlich muss man sich stets daran erinnern, dass mit einer derartigen Angabe über die Herkunft erratischer
Geschiebe nicht mehr ausgedrückt wird, als dass an diesem oder jenem Orte genau dasselbe Gestein mit den-
selben Fossilien ansteht, das man als Findling angetroflen liat. Jene Schollen anstehender Juraschichten auf
Bornholm, in Schonen, in Mecklenburg und Pommern sind nur unbedeutende Erosionsreste früher weithin im
baltischen Gebiete verbreiteter Decken von Sedimenten. Lias als einziger anstehender Vertreter des Jura ist
auch aus Mecklenburg bekannt, wo namentlich die Oberegion desselben entwickelt ist.^ In ähnlicher Weise
zeigen auch die südskandinavischen Vorkommnisse nur Lias; auf Bornholm scheinen die kohlenführenden
Ablagerungen über marinen Schichten des mittleren Lias zu liegen, während in Schonen abgesehen von den
bekannten Vorkommnissen rhätischer Schichten namentlich Arieteukalke entwickelt sind.*
Es fragt sieh zunächst, ob in diesen westlichen Gegenden die höheren Juraschichten in mariner Entwicklung
überhaupt nicht abgelagert worden sind ; es Hesse sich in der That ein Anhaltspunkt für eine solche Ansicht
in dem Umstände finden, dass auf Bornholm zu oberst kohlenführende Bildungen auftreten. Allein es liegen
doch wichtige Thatsachen vor, welche zu der entgegengesetzten Auffassung zwingen. Das Vorkommen von
Geschieben mit Parkiiisonia Farliinsoni und mit Kellowayversteinerungen würde allerdings nichts beweisen,
da diese aus den östlichen Verbreitung.sbezirken stammen können, wenn auch der Umstand von Bedeutung ist,
dass das im Geschiebelehm von Bülk in Holstein gefundene Parkinsoniergestein weiter im Osten nicht
wieder auftritt.'' Entscheidend scheint mir dagegen das Auftreten von Kellowaygeschieben auf Seeland, in
Jütland, und vor Allem bei Helsingborg und Romeleklint in Schweden.® Höhere Juraschichten
sind allerdings in dieser Region auch unter den Geschielien nicht vertreten, doch ist es mir auch hier wahr-
scheinlicher, dass das Fehlen einer vordiluvialen Denudation nicht einer Trockenlegung der betreffenden
Gegenden zuzuschreiben sei. In diesem letzteren Falle handelt es sich aber nicht um eine durch Beweise gestützte
bestimmte Ansicht, sondern bei der Abwägung der zwei vorhandenen Möglichkeiten seheint mir lediglich der
Umstand für das frühere Vorhandensein höherer Juraschichten zu sprechen, dass in Europa im Allgemeinen das
Maximum der Verbreitung mariner Ablagerungen etwa an die obere Grenze der Oxfordschichten fällt.
1 Beyi-lch, Zeitschr. der deutschen geolog. Gesellschaft. 1861, S. 143.
2 Zimmermann, Jiirageschiebe aus Holstein. Neues Jahrbuch 1818. S. 791. — Zimmermann, Jurago.schiebe von
Hamburg. Zeitschr. der deutschen geolog. fJesellsehaft. iSfiS. S. 247. — Meyn, Jurageschiebe aus Ahreudsburg. Zeitschr.
der deutschen geol. Gesellschaft. 18(57, p. 41 und 1874, p. 355. — Gottsche und Wiebel, Skizze zur Geoguosie Hamburgs
und seiner Umgebung. Festschrift der 4i). Versammlung deutscher Naturforscher 187G. — Gottsche, die Sedimentärgeschiebe
der Provinz Schleswig-Holstein. Yokohama 1883.
a E. Geinitz, Beitrag zur Geologie Mecklenburgs. Archiv des Vereines der Freuude der Naturwisseuschafteu in Meck-
lenburg. 1879. — E. Geiuitz, der Jura von Dobbertin in Mecklenburg und seiue Versteinerungen. Zeitschrift der deutschen
geologischen Gesellschaft. 1880, S. 5io.
1 Forchhammer, om de Bornholmske kulforraationen. Danske Vidensk. Selsk. Af. 1838, Vol. VII. S. 1—64. — Lund-
gren, Bidrag tili kaennedomen om Juraformationen paa Boruholm. Lund 1878. — Hebert, recherches sur l'age des grhs ä
combustibles de Helsingborg et Hogauäs. Annales des sciences geologiques. Vol. I. — Lundgren, Studien öfver faunen i
den steukolsförande bildiugar i uordviirtre Skäne. Lund 1878. — Lundgren, Undersokninger oever MoUusktauuen i Sveriges
äldre mesozoiske bildiugar. Lund, Universitäts arsskrift. Vol. 13.
•'' Gottsche, Sedimeutärgcschichto Schleswig-Holsteins 1. c. S. 37.
fi Gottsche, 1. c. S. 59.
Die geographische Verbreitung der Juraformation. 8 1
In Pommern ist Lias, mittlerer imd oberer Jura von mehreren Punkten tlieils anstehend, theils in sehr
grossen Blöcken bekannt, die nicht auf weite Strecken transportirt sein dürften. ' Der östlichste Punkt, von
welchem wir Lias kennen, ist Camniin, weiterhin treten dann nur mehr höhere Schichten sowohl anstehend
wie in Geschieben auf. Von anstehenden Vorkommnissen weiter im Osten sind namentlich einige Vorkommnisse
von Oxfordkalken mit Bhynchonella cracoviensis, Terebratula hisuffarcinata, Waldheimia trigoneUa im östlichen
Theile von Posen und in den anstossenden Theilen von Polen, bei Inowrazlaw, Parcin, Pilica u. s. w. zu nen-
nen, welche sich in ihrer Fauna enge an die Vorkommnisse in Oberschlesien, bei Krakau und Czenstochau an-
schlicssen. Ferner hat Römer bei Inowrazlaw auch ein etwas tieferes Niveau mit Harpoceras hectictim, Aspi-
doceras pcrarmatum u. s. w. nachgewiesen, und dieses findet sich vermuthlich auch bei l'insk. Bei Neudamm
im Samland treten Geschiebe mit Amaltheiis Lamberfi in solcher Häufigkeit auf, dass das Hervortreten von Jura
in dieserGegend wahrscheinlich wird, und endlich hat im äiisserstenNordosten Deutschlands das Bohrloch von
Purmallen bei Memel Kelloway- und Oxfordschiehten mit Gryphaea dilatafa und einer costaten Trigonie auf-
geschlossen. Diese Zusammenstellung mag nicht ganz vollständig sein, sie erfüllt aber jedenfalls den hier
zunächst vorliegenden Zweck, auf die weite Verbreitung einer allerdings theilweise durch Denudation zerstörten
Decke von Juravorkonimnissen unter den jüngeren Ablagerungen der norddeutschen Ebene hinzuweisen. *
Unter den Geschieben finden sich in den östlicheren Gegenden selten Vertreter der Parkinsonier-
schichten, ebenfalls ziemlich spärlich oberjurassische Gesteine, Nerineenkalke, Kalkmergel mxiExogyra virgula
imd braungrauer mürber Sandstein mit Perisphiiictes cf. blplex und einer Trigonie aus der Gruppe der Clavel-
laten, doch sind all' diese Vorkommnisse nur sehr dürftig vertreten.^ Weitaus am häufigsten finden sich die
auch weiter im Westen viel verbreiteten Gesteine der Kellowaystufe, diese bezeichnendsten Glieder des baltischen
Jura, die ihr häufiges Vorkommen wohl hauptsächlich der sehr zähen widerstandskräftigen Beschaffenheit ihrer
kieseligen Kalke verdanken. Diese Vorkommnisse, welchen schon eine sehr ansehnliche Literatur, leider aber
noch keine zusammenfassende Monographie gewidmet ist, sind durch das Vorkommen von Cosmoceras Jason
und durch eine gi-osse Zahl anderer Fossilien charakterisirt; höhere Schichten des Kelloway mit Cardioceras
Lamberti sind seltener vertreten.*
Besonderes Interesse gewinnen diese Bildungen durch ihre nahe Verwandtschaft mit jenen wichtigen,
isolirten Juravorkommen mitten auf den alten Bildungen der baltischen Provinzen Russlands; es sind das
die berühmten Localitäten von Popiläny und andern Punkten an der AVinda, theils in Curland, theils im
Gouvernement Kowno gelegen, welche von L. v. Buch und namentlich eingehend von Grewinck geschildert
worden sind. Sie stellen ein Bindeglied dar, welches die mitteleuropäischen Juraablagerungen mit jenen einer
anderen grossen Provinz, der russischen, verknüpft, und gehören darum zu den wichtigsten Juravorkomm-
nissen, die wir kennen. ^
1 Wessel. der Jura m Pommern. Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft 1S54. S.30ö. — Beyrich, ebenda.
1S61, S. 143. — Sadebeck, ein Beitrag zur Kenntniss des baltischen .Jura, ebenda ISOC. S. 292. — Berendt, anstehender
Jura in Vorpommern, ebenda 1874. S. .3.55. — Beyrich, ebenda 1870, S. G74. — Hauehecorne, ebenda S. 432 775.
2 Runge, Zeitschrift der deutschen geologiachen Gesellschaft. Bd. 21, S. 470. Bd. 22, S. 44. — Schubert Zeitschr.
für Berg-, Hütten- und Salinenwesen 1875. Bd. 23. — F. Römer, 55. Jahresbericht des schlesischen Vereines für vaterländische
Cultur. 1877. S. 59. — Jentzsch, Jahrbuch der preuss. geolog. Landesanstalt. 1880, S. 349. — Jentzsch, Jura von Ino-
wrazlaw, Schriften der Königsberger i)hysikalisi-h-ükonomischen Gesellschaft. 1883. Sitzungsb. S. 41. — Jentzsch, derUnter-
gruud des norddeutschen Flachlandes. Ebenda issi. S. 45. — Huysseu, Übersicht der bisherigen Ergebnisse der vom preus-
sischen Staate ausgeführten Bohrungen im norddeutschen Flachlande. Zeitschrift der deutschen geolog. Gesellschaft. 1880,
S. 629. — Berendt und Jentzsch, neuere Tiefbohrungen in Purnialleu bei Memel. Jahrbuch d. k. preussischen geologischen
Landesanstalt. 1882. S. 347. — Grewinck, das Bohrloch von Pnrmalieu im Lichte der geolog. Kenntniss seiner Umgebung.
Dorpat, Sitzungsber. der naturlbrsch. Gesollsch. 1877, S. 559.
ä Vergl. namentlich Berendt und Dames, geologische Beschreibung der Gegend von Berlin. 1880. S. 88. — Dames,
Zeitschr. der deutsch, geolog. Gesellsch. 1874. S. 3G4.
* Ausser den schon erwähnten Aufsätzen von Beyrich, Dames undGottsche vergl. Andrae, Zeitschr. der deut-
schen geolog. Gesellschalt. 1800. S. 573. — F. Römer, ebenda 1862. S. 619. — E. Suess. Neues Jahrbuch 1807. S. 342.
5 L. V. Buch, Beitrag zur Bestimmung der Gebirgsforniatiouen in Russland. Karstens Archiv. 1840. Bd. 15. S. 75. —
Grewinck, Geologie von Liv- und Curland. Archiv für die Naturkunde Esth-, Cur- und Livlands. 1858. Scr. I, Vol. IL
ücnkschi'ilten der inalliera.-iiatuiw. Gl. L. Bd. j I
82 M. Nmimaijr.
IV. Ursprung" der meclianischen Sedimente in Mitteleuropa.
Während bisher fast uur die Verbreitung, die Fauna und die Lagerung der Scliicbteu näher ins Auge
gefasst wurden, und der Gesteinscharakter uur ganz nebenbei Berücksichtigung fand, wird es nothweudig,
nun auch diesen letzteren etwas näher zu würdigen. Im Grossen und Ganzen kann man sagen, dass im Lias
die mechanischen Sedimente stark vorherrschen, dass im oberen Jnra dagegen die zoogenen Kalke dominiren
während der mittlere Jnra auch in dieser Richtung eine Mittelstellung einnimmt.
Wir wissen jetzt, dass die mechanischen Sedimente einen Gürtel vou 100 — 200 Seemeilen um die Conti-
nente zu bilden pflegen, dass die zoogenen Gesteine erst in grösserer Entfernung von den Küsten dominiren,
aber unter Umständen auch bedeutend näher an das Festland heranrücken. Ferner müssen wir berücksich-
tigen, dass mächtige und mit ziemlich gleichmässigem Charakter über weite Flächen verbreitete Ablagerungen
von Thon oder Sand verhältnissmässig grosse Landmasseu erfordern, durch deren Denudation das Material zur
Gesteinsbildung geliefert wurde.
Betrachten wir nun von diesem Standpunkte aus die Ablagerungen von Mitteleuropa, so finden wir in
erster Linie, dass aus dem bedeutenden Überhandnehmen der Kalke im oberen Jura auf eine Abnahme oder
ein FernerrUcken des Landes geschlossen werden muss. Li der That finden wir, dass der obere und stellenweise
auch ein Theil des mittleren Jura in vielen Gegenden über ältere Sedimente übcrgrciff, dass er bisher trockenes
Land überflutet. Es ist das in Böhmen, Schlesien, im ausserkarpathischen Theile von Mähren und in Polen und,
wie wir später sehen werden, in den weiten Ländergebieten Russlands der Fall; ebenso werden wir finden,
dass sich auch im Norden eine ganz ähnliche Transgression des oberen Jura einstellt, und dass nördlich von Eng-
land und Norddeutschland ebenfalls zur Liaszeit weite Continentalflächen existirten. Wir haben also zunächst
zwei grosse Ursprungsstellen der basischen Thon- und Sandsteinsedimente in Mitteleuropa, einen nordischen
Continent, von dem die Shetlands-Inseln und Scandinavien Reste darstellen mögen, und einen grossen Ost-
continent, dessen äussersten Vorsprung die böhmische Masse bildet. Grosse Flüsse, deren Lage wir allerdings
nicht nachweisen können, mussten hier münden.
Ausser diesen grossen Landmasseu war noch die grosse Ardenneninsel vorhanden, welche namentlich zu
Beginn des Lias eine bedeutende Rolle spielte.
Die tiefsten Ablagerungen des Lias sind vorwiegend kalkiger Natur; die ersten mechanischen Sedimente
sind die Sandsteine aus der Zone der Schlotheimia angulata. Wenn wir hier die Verbreitung der sandigen
Ablagerungen verfolgen, so finden wir, dass dieselben weitaus ihre stärkste Entwicklung in der Luxemburger
Gegend und im Norden von Elsass Lothringen zeigen; nächstdem sind die Sandsteine in Schwaben gut
vertreten, schwächer inFrauken und Nordwest-Deutschland, in allen anderen Gegenden fehlen sie ganz oder sind
nur in schwacher Andeutung vorhanden. Mit anderen Worten, der Sand ist auf die Umgebung der Ardennen-
insel beschränkt und speciell muss ein an deren Südseite mündender Fluss die Hauptmasse des Materials
geliefert haben, das sich dann nach Süden ausbreitete.
Die in höherem Niveau folgenden Arieteuschichten sind fast in ganz Mitteleuropa durch Kalke vertreten,
erst in derOberregiou des unteren Lias, in Quenstedt'sLias ß, nehmen stellenweise dieThone wieder überhand,
jedoch nicht überall, sondern diese ICrscheinung beschränkt sich auf zwei ziemlich weit von einander entfernte
Gegenden, auf das nordwestliclie Deutschland und auf Württemberg, während z. B. in Franken und im Schweizer
Jura nichts derartiges zu finden ist. Die auffallende Übereinstimung der Ablagerungen z. B. in der Gegend von
Salzgitter und in Schwaben macht es wahrscheinlich, dass eine grosse nordsüdliche Zone solcher Thone
sich aus der Gegend von Hannover bis nach Württemberg erstreckt habe, eine Annahme, für welche auch der
Umstand spricht, dass bei Langenbrücken unweit Heidelberg diese Gebilde in ausgezeichneter Entwicklung
auftreten.
Die nächsten grosseuThonmassen gehören den Amaltheen-Schichten des mittleren Lias an, welche nament-
lich im südlichen England, in Norddeutschland, Sclivvabeu, Lothringen, Luxemburg und in einigen Theilen der
Die geographische Verbreitung der Juraformation. 83
ausseralpinen Scliweiz in dieser Weise entwickelt sind; merkwürdigerweise sind diese Tlione in Franken nur
schwach vertreten, während solche hier daflir in der nächst höhereu Zone in den Schichten m\i Ämaltheus
gpinatus ausserordentlich entwickelt sind; in Schwaben ist diese höhere Zone durch thouarme, nur schwach
mergelige Kalke vertreten, in Norddeutschland und im südlichen England durch Thone. Wie immer auch das
Verhältniss der Ablagerungen in Franken und Schwaben zu einander sieh gestalten mag, jedenfalls ist es
Thatsache, dass von der Oberregion des mittleren Lias die untere Hälfte im Westen, die obere Hälfte im Osten
dieses Bezirkes durch starke Thonzufuhr ausgezeichnet ist, während dieGesammtheit dieser Stufe in Nordwest-
Deutschland und Süd-England thonig ist.
Versuchen wir nun für die Thone des unteren und mittleren Lias die Herkunft zu ermitteln, so ist in
erster Linie klar, dass die merkwürdige Übereinstimmung in den verschiedenen Gegenden, deren Ähnlichkeit
hervorgehoben wurde, auf gemeinsamen Ursprung der gleichaltrigen Scblammmassen hinweisen. Aus Westen
kann die Thonzufuhr nicht kommen, da in Frankreich die Thonentwicklung weit schwächer ist, ebensowenig
von der Ijöhmischen Masse her, da in Franken der Hauptsaclie nach dieselbe Erscheinung herrscht und nur in
der Zone des AmaltJmis spinatiis eine Ausnahme stattfindet. Ebensowenig kann das Ardennenfestland
nach der Vertheilung der Sedimente in Betracht kommen, namentlich wegen des Mangels an unterliasischen
Thonen in Luxemburg und Lothringen, während für die Amaltheen-Thone das Areal der Insel viel zu klein war,
um so gewaltige Sedimentmassen zu liefern; wir müssen also den Ursprungsort im Norden suchen. Verfolgen
wir nun diese Richtung weiter, so finden wir, dass der Mangel entwickelter Tbonbildungen in der Ober-
region des englischen Unterlias, im Gegensatz zu dem Thonreichtbum, welcher im südliehen England in der
Oberregion des Mittellins herrscht, auf zwar im Norden gelegene, aber in ihrer Lage doch verschiedene Quellen
der Thonzufuhr tür beide Abschnitte hinweist. In dem ersteren Falle scheint aus Norden oder Nordosten,
im letzteren aus Nordwesten der Schlamm herbeigeführt worden zu sein. In der Tliat werden wir sehen, dass
nach all' diesen Richtungen das mitteleuropäische Becken zur Liaszeit durch weite Festlandsmassen abge-
schlossen war, und dass von dort aus grosse Ströme ihr schlammbeladenes Wasser ins Meer gebracht haben
können.
Eine Schwierigkeit für die Erklärung bietet nur das Auftreten dieser Ablagerungen in Süddeutschland,
und speciell der Contrast zwischen fränkischer und schwäbischer Entwicklung. Wir können nur eine Deutung
dieser Thatsachen finden, wir müssen annehmen, dass eine Nordströmung östlich an der Ardenneninsel vorbei
in das süddeutsche Gebiet vordrang und dahin den fein vertiieilten Schlamm jener im Norden einmündenden
Flüsse mitführte; nach der Verbreitung und der Mächtigkeit der Sedimente lief diese Meeresströmung während
der zweiten Hälfte des unteren Lias und während der Ablagerung der Schichten mit AmaUheus manjaritatus
hart östlich von der Ardenneninsel nach der schwäbischen Region, dann aber erlitt sie eine Ablenkung nach
Osten, wie das Überhandnehmen der Thone in Franken, jene der Kalkmergcl in Schwaben in der Zone des
Amaltheus spinatiis beweist.
Im oberen Lias finden wir den Thongehalt der Gesteine geringer, die Verbreitung analoger Vorkommnisse
ist eine ähnliche wie im mittleren Lias, doch scheint sieh die an der Ardenneninsel vorüberziehende Strömung
wieder weiter nach Westen gezogen zu haben, wie die stärkere Entwicklung von Kalken in dem Posidonien-
Horizonte Frankens andeutet.
Wir mussten hier zu der Hypothese einer von Norden herkommenden Strömung greifen, welche die
Sedimente nach Süden brachte; wir werden später noch auf die Spuren ihrer Thätigkeit kommen und uns
überzeugen, dass eine Reihe verschiedener Thatsachen für die Richtigkeit dieser Annahme spricht.
Ganz andere Verhältnisse finden wir mit dem Beginne des mittleren Jura; die Unterregion dieser Abtheilung
ist in England und im nördlichen Frankreich sehr schwach und auch im nordwestlichen Deutschland nicht
stark entwickelt, die dunklen Thone an der Basis und die darüberliegendeu Eisensandsteine sind Gebilde,
deren Maximalentwicklung nach Süddeutschland fällt. Bei dieser Art der Verbreitung kann natürlich von einer
Sedimentzufubr aus Norden nicht die Rede sein, und wir können hier nur annehmen, dass von der
böhmischen Masse und ihrem ausgedehnten Hinterlande her die mechanischen Sedimente kamen; dafür spricht
11*
84: M. Neumayr.
auch der Umstand, dass die Tlione mit Harpoceras opalimim uud die Eiseusandsteioe mit Ilaipoceras
Murchisonae gerade in Franken so ausserordeutlicli entwickelt sind.
Nach dieser bedeutendsten Entwicklung des mechanischen Sedimentes, die wir im süddeutschen Jura
überhaupt kennen, erfolgt keine Sedimentzufuhr mehr von Westen her; denn gerade um jene Zeit mit den
letzten Phasen der Bildung des Eisensandsteines begann die grosse Transgression des Jurameeres nach Osten,
und der grosse Continent, dessen vorspringenden Ausläufer die böhmische Masse bildete, wurde zum grossen
Theile überflutet.
Die Oberregion des mittleren Jura ist nicht eben reich an mechanischen Sedimenten, erst in der Kelloway-
stufe und in den tieferen Oxfordschichten nehmen sie wieder starke Bedeutung an; es ist das die Region der
auch die Kellowaystufe umfassenden Oxfordthone in England und Nord-Frankreich, der Ornatenthone und der
Thone mit Terebratida impressa im Süden. Die Verbreitung der Thonsedimente ist hier wieder eine ganz andere,
als im Beginne des mittleren Jura, sie erinnert weit mehr an die Vorkommnisse des mittleren Lias, speciell an
die Amaltheentbone; auch hier ist das Maximum und mutLmasslicher Ausgangspunkt im Nordwesten, auch hier
finden wir eine auffallende Reduction der Mächtigkeit in Franken gegenüber Schwaben, und wir werden
dadurch auf gleiche Verhältnisse hingewiesen, wie sie oben geschildert wurden.
Von da an tritt der grosse Wendepunkt in der Beschaffenheit der jurassischen Sedimente ein; Thone
sind in den höheren Jurabildungen fast ganz auf England und das nördlichste Frankreich beschränkt; in allen
anderen Gegenden Mitteleuropa 's ist von nun an die kalkige Entwicklung weitaus vorwiegend, wenn auch
vereinzelte Thonbildungen nicht fehlen. DieUrsache fUrdiese Veränderung ist sehr leicht anzugeben ; wir werden
bei der weiteren Besprechung der Verbreitung des Jura uns überzeugen, dass jene weiten Festlandsregionen
im Norden und Osten, welche bisher Schlamm geliefert hatten, nun grossentheils selbst vom Meere überflutet
■wurden, die Zufuhr der Sinkstoffe hörte in Folge dessen auf. Auch als das Meer gegen Ende der Jurazeit in
Mitteleuropa seichter, und ein Theil des Landes in den letzten Phasen der Formation trocken gelegt wurde,
kam von diesem neu entstehenden Festlande kein thoniger Schlamm, sondern nur kalkiger Detritus, und zwar
so reichlich, dass das Meerwasser nicht die ganze Menge der hergeführten schwebenden Kalktheile aufzulösen
im Stande war; so konnten sich local, in Buchten, mechanische Kalksedimente bilden, wie wir sie namentlich
in den lithographischen Schiefern von Eichstädt, Solenhofen, Nusplingen und Cirin vor uns sehen.
V. Der Jura der nordischen Region.
Die Verbreitung des russischen Jura darf in ihren Hauptumrissen als bekannt vorausgesetzt werden.
Sie bedeckt grosse Räume des europäischen Russland, allein die vorhandenen Ablagerungen bilden, wie wohl
ziemlich allgemein angenommen wird, nur die Denudationreste einer früher weit bedeutenderen Ausdehnung,
die sich jedenfalls gegen Osten bis an den Fuss des Ural erstreckte, während gegen Nordosten die Ablagerungen
an der Petschora' mit jenen von Moskau in Verbindung standen; die Verbreitung nach den andern Himmels-
richtungen wird später besprochen werden.
Um über die uns hier beschäftigenden Fragen Klarheit zu erhalten, ist es nothwendig, uns etwas mit der
Gliederung des russischen Jura zu befassen. Nachdem L. v. Budi die Grundlage für das Verständniss
gegeben hatte,* bildeten einen wesentlichen Fortschritt die Untersuchungen von Murchison, Verneuil und
Keyserling,^ und die Beschreibung der von ihnen gesammelten Versteinerungen durch d'Orbigny lieferte
in paläontologischer Hinsicht das Funtamentalwerk über diesen Gegenstand. * Dagegen hatte in geologischer
Richtung noch keine richtige Auffassung platzgegriffen, indem der ganze russische Jura als dem westeuropäi-
1 Keyserling, wissenschaftliche Beobachtungen auf einer Reise in das Petsehoraland 1846.
2 L. V.Buch, Beitrag zur Bestimmung der Gehirgsformationen in Russland. Karsten's Archiv, Bd. 15. 1840.
3 Murchison, Verneuil, Keyserling, Geology of Russia iu Europe and the Ural Mountains. Vol. I. 1845.
• D'Orbigny in Murchison, Verneuil, Keyserling, Geologie de la Russie d' Europe et des montagnes de l'Oural.
Vol. U, S. 418—488,
Die rjeocjraphisclte Verbreitung der Juraformedion. 85
sehen Callovien und Oxfordien entsprechend betrachtet wurde. Es waren die Arbeiten einer Reihe russischer
Geologen, welche die Keuntniss förderten und eine Gliederung' der Jnnischicliten durchführten. Roniller,
Voisshisky, Hoffmann, Auerbach und Andere erwarben sich hier grosse Verdienste, vor Allem aber
waren es die Arbeiten von Trautsehold, welche bahnbrechend wirkten, und aufweichen alle weiteren Unter-
suchungen beruhen, w-enn sich auch in einigen Punkten die Auifassung jetzt verändert hat. '
Ich selbst habe zu zeigen gesucht, dass in den tieferen Schichten des russischen Jura die Übereinstimmung
mit Mitteieuroiia eine grössere, in den höheren Lagen eine geringere ist, als man bis dahin angenommen
hatte, und dass für jene scharfe Parallelen mit den Bildungen des Westens möglich sind.^ Diese Auffassung
ist von einer Anzahl russischer Geologen angenommen, aber die ausgesprochenen Ansichten wesentlich
erweitert und im Einzelnen verbessert worden, und einer Reihe neuerer Arbeiten von Karitsky, ^ Lahns en,*
Milasehe witsch,^ Nikitin,*' Pawlow, " 8i nzow,* Tei sseyre' und Vischniakoff '" verdanken wir nun
eine sehr j:enaue Kenntniss einer Anzahl wichtiger Vorkommnisse.
Die Reihe der Ablagerungen beginnt mit den Macrocephalcnschichten und dann folgt eine, wie es scheint
ununterbrochene Serie bis an die obere Grenze des Jura, die allerdings nur an wenigen Punkten vollständig
sichtbar ist. In denKelloway- und Oxfordschichten ist die Übereinstimmung mit Westeuropa eine ausserordent-
lich grosse; in der ersteren Stufe ist eine tiefere Abtheilung mit Macrocephalen und eine höhere mit Ornaten
zu unterscheiden, dann folgen Ablagerungen mit Canlioccrus cordation, darüber solche mit Cardioceran alternans,
welche zusammen die Oxford- und vermuthlich auch einen Theil der Kimmeridgestufe vertreten. Die Zahl der
übereinstimmenden Arten ist namentlich in den tieferen Schichten eine sehr grosse, und weist mit voller
Bestimmtheit darauf hin, dass Mitteleuropa und das russische Becken damals in offener Verbindung
waren. Die Unterschiede zwischen den lieiderseitigen Bildungen sind, wie an einem anderen Orte gezeigt
1 Es würde zu weit führen, hier die ganze ältere Literatur über russischen Jura aufzuzählen; unter den zahlreichen Arbeiten
von Trautsehold sind für die allgemeine Übersicht namentlich wichtig: Der Moskauer Jura, verglichen mit dem westeuro-
päischen. Zeitschr. d. deutschen geolog. Gesellschaft isel, S. 3(31. — Das Gouvernement Moskau, ebenda. 1S72. S. 361. —
Nomenciator palaeontohigicus der jurassischen Formation in Kussland. Bulletins de la societe des naturalistes de Moscou. 1862.
Vol. II, S. 356. — Ergänzung zur Fauna des russischen Jura. Verhandl. der Petersburger mineralog. Gesellschaft 1876. — Der
russische Jura. Neues Jahrbuch 1877. S. 474.
-' Neumayr, die Ornatenthone von Tschulkowo und die Stellung des russischen Jura. Ben ecke's geognostischpaläon-
tologische Beiträge 1870. Bd. K, S. Sil.
8 Karitzky, geologische Untersuchung im Kancwsky' sehen Kreise des Gouvernements Kiew, angestellt in den Jahren
1882 und 1883. Petersburg 1884. (Russisch).
* Lahusen, über die jurassischen Bildungen im südwestlichen Theile des Gouvernements Rjäsan. Neues Jahrbuch l.s77.
S. 483. — Die Fauna der jurassischen Bildungen des rjäsanschen Gouverueraents. Memoires du comit6 geologique, Vol. I. Nr.l.
Petersburg 1883.
s Milas ehe witsch, Etudes palöontologiques. 2. Sur les co\iches a Ammonites »lacrocephahis en Russie. Bulletins de la
societ6 des naturalistes de Moscou. 1879, Vol. II. — Geologische Untersuchung aus dem Sommer des Jahres 1878 im süd-
westlichen Theile des Gouvernements Kostrome; Materialien zur Geologie Russlands. Bd. 10. ^Russisch).
6 Nikitin, die Ammoniten der Gruppe Ups Am(ilthei<sfuiiiferns. Bulletins de la sociöto des naturalistes de Moscou 1878-
Vol. II. (Russisch). — Der Jura der Umgebung von Elatma, eine paläontologisch -geognostische Monographie. Nouvelles
memoires de la societö des naturalistes de Moscou issl. Vol. 14. — Die Juraablagerungen zwischen Rybinsk, Mologa und
Myschkin an der oberen Wolga. Memoires de l'acadömie imperiale des sciences du St. P6tersbourg. 1881. S6r. VII, Vol. 28,
Nr. 4. — Allgemeine geologische Karte von Russland. Blatt 56. Jaroslawl. Memoires du comit6 gfeologique. Vol. I, Nr. 2. —
Petersburg 1884.
' Pawlow, der Jura au der unteren Wolga. Moskau 1884. (Kussisch). — Pawlow, notious sur le Systeme jurassique
de Test de la Russie isS4. Bulletins de la societe geologique de France 1884, S6r. III, Vol. 12, pag. 694. — Pawlow, die
Jurabildungen von Ssimbirsk. Verhandlungen der geologischen Reichsanstalt. Wien 1885.
* Sinzow, geologische Beschreibung des Gouvernements Saratof. Verhandl. der mineralog. Gesellschaft in Petersburg.
1870. (Russisch).
3 L. Teisseyre, ein Beitrag zurKenntnis der Cephalupodenfauna der Ornatenthone im Gouvernement Rjäsan. Sitzungsb.
der k. Akad. d. Wissensch. in Wien, mathematisch-uaturw. Classe, Bd. 88, Abth. I; S. 537. 1883. — Przyczynek do znajo-
mosci Formacyi Jurasowcj srodkowo-rosyjskiego-rozwoju. Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe der Krakauer Akad.
1882, Bd. 10.
10 Vischniakoff, Notice sur les comtes jurassiquea de Syzran. Moskau 1874,
86 M. Neumayr.
wurde, solche, wie sie verscliiedene Meeresprovinzen mit abweichenden klimatischen Verhältnissen charakte-
risiren. i
Für ims ist vor Allem die Frage von Wichtigkeit, welclier Art die Verbindung zwischen beiden Becken,
und wo dieselben gelegen waren. Auf der einen Seite deutet das oben genannte isolirte Vorkommen von
Popiläny .■in der Winda auf das Vorhandensein einer Wasserstrasse vom nordöstlichen Deutschland aus der
Region des baltischen Jura her, und darauf weist auch das häufige Vorkommen gewisser Formen im russischen
Jura liin, welche in der Nordzone der mitteleuropäischen Provinz vorkommen, in Süddeutschland und im ost-
sudetischen Jura dagegen fehlen oder sehr selten sind; hierher gehört die Gruppe des Stephanoceras coronatum
und des Belenuiites exceniricus. Wir dürfen also die alte Ansicht vollkommen adoptiren, dass der baltische Jura
mit dem russischen in Verbindung war.
Auf eine zweite Communication hat wolil Trautschold zuerst hingewiesen, sie führte aus dem ober-
schlesisch-polnischcn Gebiete nach Iniierrussland; dafür spricht eine Reihe von Typen, welche theils für die
Krakauer Gegend, theils für Czenstocbau in Polen, theils für den Brünuer Jura charakterisch sind und
bei Moskau wiederkehren. Hieher g&h'övt Trehmtula pseudotrkjonella Ty&Vit^ eh., welche selir innig mit
Terehratula calear Suess aus Baiin verwandt ist,^ Cosmuceras Fuchsi Neum. von Baiin ist nach Teisseyre
durch eine sehr nahe stehende Form in den Ornatenschichten des Gouvernements Rjäsan veitreten. Peltoceras
instabile Uh lig des Brünner Jura hat L ah u s e n in derselben Gegend nachgewiesen, und nach einer mündlichen
Mittheilung von Herrn v. Bukowsky kömmt die Gruppe des Perisphindes mosqumsis bei Czenstochau in
Polen vor; endlich erinnere ich mich bestimmt, die von Lahuseu aus Tschnlkowo als PerispUndes variahilis
beschriebene Form von Baiin gesehen zu haben.
Waren demnach Verbindungen nach beiden Richtungen hin vorhanden, so bleibt die Frage zu erörtern
übrig, ob wir zwei getrennte Meeresstrassen anzunehmen haben, oder ein weithin offenes Meer, das den ganzen
Raum zwischen dem baltischen Gebiete, der Gegend von Krakau und dem Moskauer Becken überflutete. Das
Vorkommen von anstehendem Gestein gibt uns keinen Aufschluss, da abgesehen von dem Jura an der Winda
nielits von derartigen Vorkommnissen bekannt ist, es mUsste demnach im Fall der zweiten Annahme eine
Sedimentdecke von ganz enormer Ausdehnung denudirt sein. Allerdings bildet das keine Unmöglichkeit ; weit
schwerer wiegen dagegen die Beweise, welche der Charakter der Fauna liefert. Die russische Jurafauna
hat entschieden nordischen Charakter, auch in Gegenden, die weit südlicher liegen als die Localitäten des
baltischen Jura; das wäre kaum möglich, wenn eine ganz ungehinderte Verbindung vorhanden gewesen wäre.
Sind dagegen nur zwei Meeresstrassen von massiger Breite und zwischen diesen eine bedeutende Insel vor-
handen, dann ist es sehr wohl verständlich, dass im russischen Becken als einem nach Norden offenen Theile
des borealen Meeres die Temperatur des Wassers kalt genug blieb, um den nordischen Faunencharakter
hervortreten zu lassen.
Nach dem Ende der Oxfordstufe ändert sich das Verhältniss vollständig, es tritt eine durchaus
abweichende Entwicklung der Fauna ein. und wenigstens was die Ammoniten anlangt, können nur ganz ver-
einzelte Formen genannt werden, welche beiden Gebieten gemeinsam sind. Es ist keine Möglichkeit vorhanden,
directe Parallelen mit mitteleuropäischen Ablagerungen zu ziehen, und ich stimme daher ganz mit dem Vorschlage
Nikitin's überein, diese höheren Abtheilungen imter dem Namen der Wolgastufe zusammenzufassen, die
wir ungefähr den oberen Kimmeridge- und Tithoubildungen, vielleicht auch dem untersten Neocom des
Westens gleichstellen können.
Über die Ursachen dieser Abweichungen nnd der fortschreitenden Steigerung ihres Betrages kann kein
Zweifel herrschen, wir müssen ihn der Absperrung der Verbindung nach Westen zuschreiben, mit welcher aller
Wahrscheinlichkeit nach eine Zunahme des Einflusses der kalten nordischen Gewässer Hand in Hand ging. Ich
1 Über klimatische Zonen, vergl. oben.
2 Szajnocha, die Rrachiopodenfauna der Oolithe von Baiin bei Krakau. Denkschriften d. k. Akademie der Wissensch.
in Wien, mathem.naturw. Clasae, 1S79, Bd. 11, S. i\, Tat. IV, p. 5—7.
Die f/eograjMsrJie Verhrcifiiiif/ dar Juraformation. 87
gehe auf diesen Gegenstand nicht ein, da ich denselben sclion früher l)esprochen halje und fasse das Ergebniss
nur in wenigen Worten zusammen. Mit Beginn der Kellowaystufe wird das russische Recken vom Meere über-
flutet, eine Verbindung mit Mitteleuropa eröffnet, und das neu entstandene Meer grossentheils von hier aus
colonisirt. Die Fauna stimmt mit der mitteleuropäischen nahe überein, erhält aber durch die Seltenheit einiger,
die Häufigkeit anderer Formen nordisches Gepräge; das letztere verstärkt sich in den Oxfordbildungen, wo die
ersten Aucelleii auftreten, aber die Verbindung mit dem Westen dauert an; dieselbe wird erst mit Ende der
Oxfordstufe unterbrochen, und von da an tritt Divergenz ein.
So deutlich diese GrundzUge hervortreten, so viele zweifelhafte Punkte sind noch in den Einzelheiten
vorhanden, die namentlich durch die wichtigen Untersuchungen von Pawlow in der Umgebung von
Ssimbirsk aufgedeckt, aber auch ihrer Lösung schon entschieden näher gebracht worden sind. Die von ihm
beschriebenen Localitäten, weit südöstlich an der unteren Wolga gelegen, scheinen den Schlüssel für das Ver-
ständniss der höheren Juraschichten Russlands zu bieten. Wohl sind dieselben schon seit längerer Zeit
bekannt, ' allein die früheren Besucher dieser Gegend hatten nicht hinreichende Zeit zur genaueren Feststellung
der Schichtfolge in ihren Einzelheiten gehabt.
In den mächtigen Thonen, welche hier am Wolgaufer aufgeschlossen sind, liegen im oberen Theile
Inoceramus aitceUa Trautsch. und eine Amraonitenfauna, von welcher Lab usen in neuerer Zeit eine Mono-
graphie geliefert hat. * Diese Formen gehören der unteren Kreide an, doch ist es vorläufig noch nicht möglicli,
das Niveau innerhalb dieser Abtheilung festzustellen, welchem sie entsprechen; der ganze Charakter, der
manche Anklänge an die norddeutschen Hilbildungen und an den Quader desTeutoburgerwaldes zeigt, spricht
daflir, dass wir es mit oberem Neocom oder mit Aptien zu thun haben. In tieferem Niveau folgt dann die
Wolgastufe Nikitin's und unter dieser die tieferen Jurabildungen bis herab zu den Macrocephalenschicliten.
Die Reihenfolge ist nach Pawlow die folgende:
A. Inocerameu-Schichten von Ssimbirsk. (Neocom.)
B. Obere Wolgastufe, aj mit Oxynoticeras catenulatum Fisch., suhclipeiforme Mitasch., Okostephanus
SMW/tes Trautsch., ZascAj^Mr/cMS Trautsch. h) mit Ox.ijnotkeras catenulatum Y\a eh., Olcostephanus Okensis
Orb., subditus Trautsch.
C. Untere Wolgastufe mit Perisphindes viri/atas Buch, Quenstedti RouiU., biplex Sow., Belemnites
magnißcus Orb., absolutus Fisch.
D. Hopliten- und Cycloten-Schichten mit HopUtes pseudomutabUis Lor., Eudoxus Orb., Undorae
Pawl, Aspkioceras Upanuii Opp., Deald Herb., loiigispiiium Sow., meridionale Gem., Cardioceras aUernans
Buch, cf. Kapffi Opp.
E. Alternans-Schichten mit Cardioceras aUernans Buch., Aptychus und vielen Bivalven, darunter die
ersten Aucellen.
F. Cordaten-Schichten mit Cardioceras cordatum Sow., tenuicostat um 'S ik., quadratoides 'Sik., Pe.ri-
sphinctes plicatilis Sow., Belemnites Panderianus Orb.
F. Kellowaystufe.
Das grosse Interesse dieses Profiles liegt darin, dass hier zwischen den Ablagerungen mit Cardioceras
aUernans und denjenigen mit Perisphinctes virgatus eine Sehichtgruppe mit einer sonst dem russischen Jura
durchaus fremden Fauna auftritt, welche aus einer Reihe bezeichnender Kimmeridgeammoniten der mittel-
europäischen und der alpinen Provinz besteht. Eine Gliederung dieser Hoplitenschichten, wie sie Pawlow nennt,
ist noch nicht mit voller Sicherlieit durchgeführt, doch iässt sich nach dem genannten Autor so viel erkennen,
1 Trautschold, der luojerameutliou von Ssimbirsk. BuUetius de la societe des uaturalistes de Moscou 1850, Vol. I.
Fossilien von hier lagen schon L. v. Buch vor.
2 Lahusen, über Versteinerungen aus dem Tlione von Ssimbirsk. VerhandUmgen der Petersburger mineralog. Gesellsch.
1879, Ser. II, Bd. 9, S. 33. Besonders auftalleud ist die Ähnlichkeit von 0!costepha)ius progredicus Lah. mit Ok. Decheiü Köm.
und Verwandten, und von Ok. discofalcatiis Lah. mit Ok. Phillipsi Rom.
88 M. Neumayr.
dass die Hopliten vorwiegend in der Oberregion, die Aspidoceren in der Unterregion liegen, und es entspricht
diese Vergesellscbaftnng und Aufeinanderfolge merkwürdiger Weise der Gliederung in die Scliiehteu mit
Ojrpelia tenuilobata und in solche mit Hoplites Eudoxus, wie wir sie in Westeuropa in der Kimmeridgestufe
finden. Darnach können die Hoplitenschichten von Ssimbirsk als die westeuropäische Kimmeridgestufe in ihrer
Gesammtheit oder wenigstens zum grössten Theil ersetzend betrachtet werden.
Eine offene Frage bleibt es noch, wie in anderen Gegenden Russlands, wo die Hoplitenschichten fehlen,
und der Horizont des Canlioceras alfemans unmittelbar unter demjenigen des Perisphindis virgatus liegt, die
Kimmeridgestufe vertreten ist. Da Canlioceras altcfiians bei Ssimbirsk auch noch in die Hoplitenschichten
hinaufreicht, so wird es dadurch wahrscheinlich gemacht, dass bei Moskau, in Rjäsan u. s. w. eine zusammen-
hängende und nicht weiter gegliederte Bildung mit Carclioceras alfemans zeitlich dem obersten Theil der
Oxfordstufe und der Kimmeridgestufe Westeiu-opa's oder den Schichten mit Cardioceras altenians und den
Hoplitenschichten zusammen, wie sie bei Ssimbirsk auftreten, entspricht. Eine Entscheidung über diese Frage
muss natürlich weiteren Untersuchungen vorbehalten bleiljcu, welche die Entwicklung von Ssimbirsk mit
derjenigen im centralen Russland in Zusammenhang bringen werden.
Von grösster Bedeutung sind die Vorkommnisse von Ssimbirsk für die Deutung der Wolgastufe; da die
Virgatenschichten über dem Lager von Hoplites Eiidoxus und pseudonmtahUis auftreten, welche für den oberen
Theil der Kimmeridgestufe chnrakteristisch sind, so müssen sie bedeutend jünger sein, als man in der Regel
angenommen hat, und namentlich jünger, als sie nach meiner früheren Auffassung sein sollten.' Wenn auch
noch kein ganz sicheres Urtheil möglich ist, so werden sie doch wahrscheinlich dem unteren Tithon, dem
Solenhofer Schiefer und den Portlandbildungen entsprechen. Wie sich dann der obere Theil der Wolgastnfe
mit der Hauptmasse der Aucellen, mit OxijnoUceras catenidatiim und Olcostephanus subditus sich stellen werden,
lässt sich noch durchaus nicht entscheiden, und ebensowenig lässt sich bestimmen, wo die Grenze zwischen
Jura- und Kreideformation gezogen werden muss. Von Mitteleuropa her ist man gewöhnt, diese beiden
Formationen oder wenigstens deren marine Vertreter scharf geschieden zu sehen, aber es ist kein zwingender
Grund vorhanden, warum das auch in Russland so sein sollte. In den Alpeu ist der Übergang ein ganz allmäliger,
und wenn das Studium der mesozoischen Ablagerungen von diesem Gebiete ausgegangen wäre, so hätte
wohl Niemand daran gedacht, eine derartige Grenze zwischen dem Kalk und dem Cementmergel der Porte
France zu ziehen. Die Möglichkeit, dass die höchsten Theile der Wolgastufe schon dem untersten Neocom des
Westens entsprechen, ist durchaus nicht ausgeschlossen, die Entscheidung darüber ist der Zukunft vorbehalten,
für den Augenblick ist weder nach der einen, noch nach der anderen Richtung ein entscheidendes Argument
vorhanden.
Wie diese Frage auch gelöst werden mag. jedenfalls ist sodel sicher, dass im südöstlichen Rnssland
plötzlich Anklänge an die mitteleuropäische Entwicklung auftreten, zu einer Zeit, in welcher die Verbindung
nach Westen schon vollständig aufgehört hatte. Wir werden also dadurch auf eine Communication in anderer
Richtung hingewiesen, und zwar kann dieselbe allen Anzeichen nach nur gegen Süden gerichtet gewesen sein.
Darauf deuten auch die Vorkommnisse von Oreuburg, deren iiäiiügster Ammonit, Hoplites Kirgiseiisis Ovh.
von Pawlow ganz richtig als ein von den übrigen russischen Formen abweichender und mit mittelenropäischcn
Arten verwandter Tj'pus bezeichnet wird, nnd wo überdies auch Aspidoceras longispinum auftritt.^ Es wird
dadurch sehr wahrsclieialleh, dass diese Region mit der kaukasischen in offener Verbindung war, nnd auch
die Ablagerungen der Halbinsel Mangischlak am östlichen Ufer des caspischen Meeres, von welchen früher
gezeigt wurde, dass sie neben vorwaltenden mitteleuropäischen Typen auch Aucellen enthalten,^ machen dies
wahrscheinlich. Dagegen dürfte westlich vom Kaukasus ein Festlandsrückeu die mitteleuropäisch ent-
wickelte Jurafauna am Donetz von der innerrussischea getrennt haben, da der Contrast zwischen beiden
1 Neum.iyr, OruateuUiou vou Tseliulkovvo 1. c. S. 333.
2 A. a. 0.
3 Neumayr, klimat. Zonen u. s. w. S. 296.
iJk geof/rap/üschc Vt;rhreitaiig der Jurafonnatio)!. 89
ein gauz besouders .ausgeprägter ist, und naeli dem Charakter der Ablageruiigea iu Podolien (vergl. oben 8. 9)
müssen wir für diese Gegend dasselbe annehmen.
Nach diesen Auseinandersetzungen liejit das Verliältniss zwischen der Moskauer Region und Mitteleuropa
ziemlich klar. Während des Maximums der Meeresausbreitung ist die Abgrenzung zunächst durch die
skandinavisch-finnische Masse gegeben, mit welcher aller Wahrscheinlichkeit nach auch der nördliche Theil
der jetzigen Ostseeprovinzen Russlands veibunden war. Dann folgt eine Meerestrasse, deren Lage einerseits
durch das westlichste Auftreten des innerrussichen Jura bei Smolensk'^ andererseits durch die Vorkomm-
nisse an der Winda bezeichnet ist. Weiter reihte sich eine Insel an, die in ihrer Lage ungefähr dem
westrussischen Landrücken entsprecheu mochte. Dann müssen wir wieder eine Wasserstrasse annehmen,
welche den polnischen Jura mit dem russischen verbindet und sich aller Wahrscheinlichkeit nach aus der
Gegend von Lublin gegen Osten über Pinsk erstreckte. Endlich folgt eine lang hin von West nach Ost ausge-
dehnte Insel, deren westliche Hälfte durch die podolische Platte und den awratinsclien Landrücken angedeutet
ist, und sich weiterhin gegen Osten südlich von Kiew vorbei über Charkow vermuthlicli bis in die Nähe der
Wolga zog.
Ehe wir die Grenzen näher untersuchen, welche festes Land dem Moskauer Jurabecken in anderer Ricli-
tung gezogen hat, ist es nöthig, diejenigen Gegenden zu betrachten, welche Ablagerungen von verwandtem
Charakter beherbergen. Bekanntlich sind es die nördlich gelegenen Regionen, in welchen wir einen ganzen
Kranz von Vorkommnissen ähnlicher Natur finden. Schon im europäischen Russland haben die oben erwähnten
Untersuchungen von Keyserling^ Juraablageningen mit zahlreichen Aucellen und Moskauer Ammoniten
bis in die Nähe des Eismeeres nachgewiesen, doch finden sich unter den von ihm angeführten Formen auch
einige, die eher den Typus von Kreideformen an sich tragen, z. B. Olcostephanus iwJyptijchus und diptychus
und Oxynoticeras Balduri. Es wird näheren stratigraphischen Untersuchungen vorbehalten bleiben, da« Lager
dieser Formen und dessen Verliältniss zu jenem der Aucellen und der Jura-Ammoniten festzustellen, jedenfsxlls
kann es uicht auffallen, dass die ersten Recognoscivungen in diesem Gebiete noch zu keiner scharfen Abgren-
zung geführt haben, nachdem eine solche selbst in der viel untersuchten Moskauer Gegend der schwierigen
Verhältnisse wegen noch nicht mit Sicherheit vorgenommen werden konnte.
Etwas zweifelhaft ist noch die Bedeutung des Ural; seine .Aufrichtung erfolgte in vorjurass'scher Zeit,
und in seinen südlichen Ausläufern, den Mugodjaren, liegen Cenomanablagerungen unmittelbar auf dem alten
Gebirge.-' Weiter uördlicli dagegen treten bei Kitschigina nördlich von Troitzk Juraablagerungen übergreifend
auf Kohlenkalk und alten Massengesteinen* auf, und es darf daraus geschlossen werden, dass wenigstens ein
Theil des Gebietes vom Jurameere bedeckt war, zumal die Juraf;iuna östlich und westlich von dem Gebirge
sehr ähnlichen Charakter zeigt, was bei dem ^■orhandensein einer mehr als 300 Meilen langen, nordsUdlich
verlaufenden Festlandsscheide schwer verstiuidlicl) wäre. Trotzdem wäre es wohl zu gewagt, auf ein isolirtes
Vorkommen hin die Überflutung des ganzen Gebirges anzunehmen, und ich habe demnacli auf der Karte den
nördlichen Theil des Ural als Insel dargestellt.
Ostlich vom Ural begegnet uns zunächst Jura im Wogulenlande; Hochstetter und Toulahaben auf
ilirer Reise nach dem Ural in Petropawlowsk eine grosse und schöne Sammlung von Ammoniten gesehen, welche
175 Werst nördlich von der Stadt gesammelt worden waren und einzelne Exemplare, darunter OJcostejjhanus
subditus von dort mitgebracht. \on da an scheint die Formation durch das ganze riesige Ländergebiet der
sibirischen Niederung bis jenseits der Lena vorhanden zu sein, doch ist <las, was wir von dort kennen, sehr
wenig. Das Land ist grossentheils von jungen Bildungen bedeckt und nur an den Ufern der tiefeinschneidenden
Flüsse bietet sich stellenweise Gelegenheit zur Beobachtung. Berücksichtigt man noch die grossen Schwierig-
keiten der Reisen und des Transportes von Sammlungen in jenen wenig erforschten Gegenden, so kann das
1 Trautschold. Nomenclator pal. der jur. Form. 1. c. 357.
2 A. a. 0.
ä Suess, das Antlitz der Erde. I. S. 641.
*) Karpinsky, geologische Karte des Ostabhanges des Ural. Peteraburg 1884.
Denkschriften der mathetn.-naturw.CI. L. Bd . 12
90 M. Neuniayr.
geringe Maass uuserer Keuutnisse iiieht Wunder uehinen. Aus dem Wassergebiete des Obi brachte
Strajewsky^ eine Anzahl von Jurafossilien mit; auf der Preobraschenjeinsel an der Einmündung der
Cbatunga ins Eismeer fand Nordenskiöld unter 75° nördl. Breite einen Belemniten, welcher nach Lundgren
am meisten Ähnlichkeit mit Bei. giganteus, ferner mit der Gruppe des Bei. Puzosianus und mugnißcus zeigt,
welch' letztere im Moskauer Jura verbreitet vorkömmt. ^ Weiter kennen wir namentlich durch die Untersu-
chungen von Middendorf und Fr. Schmidt Juraablagerungen aus dem Taimyrlande, von den Ufern des
Jenissei, des Olenek und der Lena.*
In der Region des Eismeeres hat Nordenskiöld auf Novaja Semlja eine ziemlich reiche Jurafauna,
darunter Cardiocevas altermtns gesammelt,* noch weit höher im Norden hat Leigh Smith an der Küste des
Franz Josephs-Landes Belemniten gefunden, welche als der Oxfordstufe angehörig gedeutet wurden,^
und Lieutenant Anjou hat Ammoniten von den neusibirischen Inseln mitgebracht.
Diese Daten reichen vollständig zur Bestätigung der Annahme hin, dass die ganze sibirische Niederung
und das angrenzende Eismeer zur Jurazeit unter Wasser war; schwieriger gestaltet sich dagegen die Frage, wo
die Grenzen dieses Meeres im Süden zu suchen sind. Im russischen Amurgebiete und im südlichen Theile von
Ostsibirien treten die bekannten kohlenflihrenden Jurabildungen mit Landpflauzen auf, deren an Coniferen
reiche Flora Heer beschrieben hat; stellenweise sind diese Ablagerungen von marinen Molluskenresten
begleitet, die nicht mit Sicherheit bestimmt werden konnten, '' und wir müssen daher hier die Südgrenze des
Jurameeres suchen; auch der Altai enthält keine Juraablagerungen," das Ufer muss daher an seinem nörd-
lichen Fusse vorübergelaufeu sein. Der Continent, dessen nördliche Küste wir hier berührt haben, war offenbar
von bedeutendem Umfang, da in ganz China, Hinterindien und der malayischen Inselwelt der Jura entweder
fehlt oder nur durch Binnenbild ungeu mit Kohlen vertreten ist.
Auch im Thianschan spielen Juraablagerungen mit Landpflanzen und Kohlenflötzen eine wichtige Rolle
und wir haben über dieselben namentlich durch die Untersuchungen von Muschketoff und Romanowsky
sehr wichtige Aufschlüsse erhalten;* ausser den schon verütfentlichten Daten steht mir eine ausserordentlich
interessante briefliche Mittheilung zur Verfügung, welche Herr Muschketoff mir zuzusenden die Güte hatte,
sowie eine Karte, in welcher die ein/elneu Juravorkommuisse von ihm eingezeichnet sind.
Die Verbreitung des Jura ist hier eine sehr bedeutende, und es ist ja bekanntlich jetzt ftir die angebliehen
Vulkane des Thianschan (mit Ausnahme desjenigen von Beschan) durch Muschketoff nachgewiesen worden,
dass die betreffenden Angaben nur auf die Erscheinungen an brennenden Flötzen von Jurakohle zurückzuführen
sind. Im östlichen Thianschan sind Turfan, Urumtsi und andere als kohlenführende Localitäten bekannt, im
1 L. V. Buch, Beiträge zur Bestimmaug der Geblrgsformation in Russland. S. 104.
2 Luudgren, om eu Belemuit fnln Preobraschenie-ör. Oversigt af Vetenskaps- Akademiens-Förhandlinger. 1881.
Nr. 7, S. 3.
3 Middendorf, Reise in den äussersten Norden und Osten Sibiriens. Bd. I, Tlieil I, 1848, S. 203, 211, 251. Bd. IV,
1867, S. 300. — Fr. Schmidt, wissenächaftliche Resultate der zur Aufsuchung eines Mammuthcadavers von der k. Akad.
der Wissensch. an den unteren Jeuissei ausgesandteu Expedition. Memoires de l'acadeinie imperiale des scieuces de St.
Pötersbourg, Ser. VII., Vol. 18, Heft I, 1S72. — Fr. Schmidt, über die Gattung Lopatiui.i und einige andere Petrefacten aus
den mesozoischen Schichten am unterem Jenissei. Verhandlungen der Petersburger mineralog. Gesellschaft, S6r. II, Bd. 7,
1872, S. 279.
■» Tullberg, über Versteinerungen Nowaja-Semlja's. Bihang tili Sveuska Vetenskaps-Akademiens-Handlingar, Bd. 6.
5 Markham, the voyage of the Eira and Mr. Leigh Smith's arctic discoveries in 1880. Proceedings of the royal
geographica! society 1881. S. 135.
0 Heer, Flora fossilis arctica Bd. IV, 1877. Beiträge zur Juraflora Ostsibiriens und des Amurlandes.
' Cotta, der Altai, sein geologischer Bau und seine Erzlagerstätten.
8 Muschketoff, kurzer Bericht über eine Reise im Thianschan im .Tahre 1875. Schriften der Petersburger mineralog.
Gesellschaft. ls75. (Rassisch.) — Romanowsky, geologisclie und paläontologische Übersicht des nordwestlichen Thianschan
und des südöstlichen Theiles der Niederung vonTuraa. Materialien zarGeologie vonTurkestau. Lief.I. 1,S80. — Romauowsk y,
historische Geologie und paläontologischer Charakter der Sedimente des westlichen Tiiianschiin und der turanischen Niede-
rung. Ebenda, Lief.3, 1884. (Rassisch.) — Milaschewitseh, über turkestanische Liaspflauzen. Berichte der Gesellschaft für
Natarwiäseaschaftea, der Authrop jlogie, Ethaographit;. Moskau, BI. VIII.
Die geograpliiscjie Vcrhreifvtig der Jurqformatiop. 91
westlichen Theile des Gebirges zieht sich eine grosse Anzahl von A^orkomnmissen aus der Gegend der Stadt
Turkestan bis östlich von Kuldseba etwa vom 69° bis 83° östlich von Greenwich. Eine weitere Gruppe
ähnlicher Gesteine liegt südlich und südwestlich von Kokan und östlich von Samarkand.
Allein nicht die ganze centralasiatische Eegion entbehrt der marinen Juraablagerungen, und wenn solche
bisher auch nur von wenigen Localitäten bekannt sind, so genügen diese Daten doch, um wenigstens annähernd
ein Bild der dortigen Verhältnisse zu geben. Jurabelemniten sind von Regel im Borochorogebirge und
im Tagaliuskischen Rücken gefunden worden,* und es deutet diess zunächt an, dass zwischen den Binnen-
regionen des westliclien Tbianschau und jenen des Bogdo-Oola, von Turfan und Urumtsi eine Meeresstrasse
nach Süden reichte. Weitere Juravorkommnisse finden sich im Pani i r, und zwar namentlich in der Schlucht des
Kisilart und in der nördlich davon gelegenen Sa- Aalai-Kette , doch reichen sie nicht weiter nach Norden.
Wohl sind die Fossilien, welche sich hier finden, nicht sehr charakteristisch; es sind neue oder nicht ganz sicher
bestimmbare Arten der Gattungen Lima, Spoiuhjlus, Thraa'a, Pecten, Mijoconcha und Nen'topsis, doch stimmt der
ganze Habitus der Fauna gut zu jurassischem Alter, und da die Ablagerungen von Kreidebildungen überlagert
werden, so ist wohl die Deutung von Rom anowsky ausserordentlieh wahrscheinlich. Endlich sind braune Kalke
mit Belemniten von Stoliczka am Karakorumpasse gefunden worden.^
Romanowsky folgert aus den vorhandenen Daten, dass zur Jurazeit ein Festland vorhanden war, dessen
Umfang er in folgender Weise angibt: Im Westen reichte dasselbe bis an das westliche Ufer des Aralseesund
bis an den Ural, im Norden bis in den südlichsten Theil Westsibiriens, wo das Kuznitzkisehe Becken
ebenfalls Binnenentwicklung zeigt; im Süden endlich würde die Sa-Alai-Kette des Pamir die Grenze
bezeichnen.
Es muss als sehr wahrscheinlich betrachtet werden, dass die marinen Juraablagerungen des Pamir mit
denjenigen des Karakorum und des Borochorogebirges im Zusammenhang standen, und es wäre sonach, ledig-
lich nach der geographischen Coufiguration, die Annahme naheliegend, dass das ganze Tarimbecken damals
ebenfalls vom Meere bedeckt war; ein unmittelbarer Anhaltspunkt hiefür ist allerdings insoferne nicht gegeben,
als Juraablagerungen von hier noch nicht bekannt sind, doch ist auch kein Grund gegen deren Vorhandensein
unter den jüngeren Bildungen gegeben. Dagegen müssen wir den Kwenlün als ein entschieden älteres Gebirge
betrachten, das vom Jnrameere nicht überfluthet war, und dasselbe gilt von der krystallinischen Kette des
Himalaya; zwischen beiden aber befand sich ein Meeresbecken, aus welchem sich die überaus ammoniten-
reichen Ablagerungen der Spitishales niedergeschlagen haben.
Diese Juraablagerungen auf der nordöstlichen Seite des Himalaya und in Tibet bilden einen höchst merk-
würdigen Ausläufer des nordischen Jura, mit dem sie wahrscheinlich in der Gegend des Karakorumpasses in
Verbindung standen. Ich habe schon früher theils nach den Untersuchungen von Waagen,' theils nach eigenen
Beobachtungen auf die borealen Beziehungen der Fauna der Spitishales hingewiesen,* diese Ansicht ist durch
Teisseyre neuerdings bestätigt worden,^ und daher kann jedenfalls das Vorhandensein einer Verbindung
nach Norden mit Sicherheit gefolgert werden.
Die Fauna des Jnra im Himalaya ist namentlich durch Oppel,^ ferner durch Blanford ' bekannt geworden,
dagegen wissen wir noch sehr wenig über eine Gliederung der dortigen Ablagerungen. Stoliczka® hat für ein
beschränktes Gebiet folgende Reihenfolge gegeben:
1 Regel, Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. Reiseberichte 1879.
" Scientific lesults of the second Yarkand missiun; based upon the collections and notes of the late Stoliczka,
Geology by Blanford, Calcutta. 1879.
3 Waagen, Jurassic fauna of Cutch, 1. c. S. 238.
* Neumayr, Oruateuthone von Tsohulkowo und die Stellung des russischen Jura. Benecke's geognostisch-paläontol.
Beiträge, Bd. U. — Über klimatische Zonen u. s. w., 1. c.
^ Teisseyre, Ornatenthone des Gouvernements Rjäsan. I.e.
^ Oppel, paläontologisclie Mittheiluugen.
7 Blanford inStrachey, Paläontology ofNiti.
8 Stoliczka, in Mömoires of the geological Survey of India 1865, Bd. V, S. 1 — 154,
12»
92 M. Neumayr.
1. Gieumal Sandstone, hat bisher nur Bivalven geliefert.
2. Spitishales, deren Fauna eingebender besprochen werden soll.
3. Shaly limestoue mit Belemnites und Posidonomya ornata, eine nur local aui'tretende Bildung.
4. Upper Tagung, zum Lias gerechnet; mit Ammoniies cf. macrocephalm und Gastropoden, einzelnen
Bivalven und BracLiopodeu, von denen einige mit Formen der alpinen Hierlatzschichten identificirt werden.
5. Tagung limestone (Khätisch).
Der Tagling limestone, der schon zur Trias gerechnet wird, kann uns hier nicht beschäftigen; die oberen
Taglingsehichten sind dagegen um so wichtiger, als dieselben dem Lias angehören sollen, von welchem, abge-
sehen von diesem einen Punkte, in ganz Asien östlich vom Kaukasus noch keine Spur geiundeu worden ist. In
der Tliat kann ich die Deutung von Stoliczka dem Vorkommen eines Macrocephalen gegenüber nicht als
berechtigt ansehen. Die in der sogenannten Hierlatzfacies entwickelten Ablagerungen zeigen gerade in ihren
Gastropoden und Brachiopoden selbst bei ziemlich weit verschiedenem Alter auffallende Ähnlichkeit, und da
man zur Zeit der Publication der betretfeudtn Arbeit von Stoliczka derartige Bildungen nur aus dem Lias
kannte, so erscheint es ganz uatürlicli, dass er auf solche in die Augen springende Charaktere grossen Werth
legte. Seitdem hat man das Auftreten derselben Facies in anderen Horizonten kennen gelert, und ich möchte
dabei an einen sehr lehrreichen Fall erinnern. Im Jahre 1878 kam nach Wien an die geologische Eeichsanstalt
aus dem karpathischen Klippeuzug von einer Localität in der Nähe von Neumarkt in Galizien eine für die
Karpathen durchaus neue, vorwiegend aus Gastrojjoden, Bivalven und Brachiopoden bestehende Jurafauna, bei
deren erstem Anblicke Niemand daran zweifelte, dass man es mit echten Hierlatzschichten zu thun habe ; allein
dabei waren einige kleine Ammoniten vom Typus der Kellowayfauna, und darauf hin stellte Uhlig diese
Ablagerungen auch wirklich in die Kellowaystufe, so unerhört für diese auch die ganze Vergesellschaftung der
Gattungen erscheinen mochte. Spätere Funde bestätigten diese Annahme vollständig, indem eine ganze Reihe
von Ammoniten desselben Alters in jener Schicht gefunden wurde.^ So möchte ich annehmen, dass wir bei dem
oberen Tagling vor einem ähnlichen Verhältnisse stehen, und dass das Vorkommen eines Macrocephalen von
grösserer Bedeutung ist, als die Ähnlichkeit der Gastropoden u. s. w.
Die Gieumalsandsteine und der Kalk mit Posidonomya ornata können bei ihrer sehr dürftigen Fauna kaum
in Betracht kommen, und wir haben daher nur die Spitishales eingehender zu besprechen. Eine Gliederung
derselben in einzelne Horizonte ist noch nicht durchgeführt, und wir müssen uns darauf beschränken, die
Beziehungen der einzelnen Arten näher ins Auge zu fassen. Schon Oppel hat hervorgehoben, dass, wenn auch
keine Art in Europa sich identisch wiederfindet, doch eine Anzahl derselben auffallend an Kellowaytypen
erinnert. Von solchen Formen sind zu nennen:
Cosmoceras Cautleyi Opp. (l. c. Tab. 78, Fig. 2, Cosmoceras Sömmeringi Opp.
non Fig. 1). Perisphindes Sabineanus Opp.
„ Theodorii Opp. (1. c. Tab. 78, Fig. 3 Peltoceras Buprechti Opp.
non Tab. 83, Fig. 2). Belemnites Gerardi Opp.
An Fonnen aus oberem Oxford oder unterem Kimmeridge in Europa schliesst sich an:
Oppelia Lymani Opp.
Mit Formen aus oberem Tithon und unterem Neocom schliessen sich an :
Hoplites Theodorii Opp. (Tab. 83, Fig. 2). Olcostephanus Groteanus Opp.
„ Mörikeanus Opp. „ Cautleyi Opp. (Tab. 1^, Fig. 1,
Olcostephanus Schenki Opp. j non Fig. 2.)
' Uhlig, Beiträge zur Kenntnisi der Juraformation in den k;irpathischen Klippen. Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt
1878. S. 6il. — Über die Fauna des rothen Kellowaykalkes der penninischen Klippe Babieszcwka hei Neumarkt in West-
galizien. Ebenda 1881, S. 381.
Die geographische Verhreifvng dei' Jurafoyniatiov. 93
Mit dem Jura vonCutch in Indien haben die Spitishales nach Waagen folgende Arten gemein ' (das Niveau,
das sie in Cutch einnehmen^ ist in Klammern beigefügt):
Bekmnites Gerardi Opp. (Oberes Kelloway und ' Stejjhanoceras Nepalense Qiysüj (Oxford).
unteres Oxford).
Stephanoceras Maya Sow. (Oxford).
Perisphindes frequens Opp. (Untertithon).
Harpoceras KoheUi Opp. (Kimmeridgej.
In erster Linie geht aus diesen Daten hervor, dass in den Spitishales aller Wahrscheinlichkeit nach der
ganze obere Jura vertreten ist; in zweiter Linie machen sich neben vorherrschenden Anklängen an die
boreale Provinz auch einige Annäherungen an Mitteleuropa, vrenn auch nur schwach, geltend; endlich darf
aus dem Vorkommen von fünf identischen Arten auf das Vorhandensein einer Meeresverbindung nach Süden
geschlossen werden, doch müssen wir aus der überaus kleinen Zahl gemeinsamer Formen bei sehr geringer
Entfernung schliessen, dass dieselbe eine überaus beschränkte war;^ auch das allerdings ausserordentlich
seltene Auftreten eines Lytocems in den Spitishales (Lyloceras exoticmn Opp.) weist auf eine derartige Verbin-
dung hin.*
Es knüpft sich daran die wichtige Frage nach der Verbreitung von Wiisser und F.and in jenen Reginnen
wir gehen aber für den Augenblick nicht auf diesen Punkt ein, auf den wir bei Besprechung der in Asien
auftretenden Juraablagerungen von nördlich gemässigtem und tropischem Typus zurückkommen werden.
Wenden wir uns vom asiatischen Festlande nach Nordosten, so ünden wir auf den aleutischen
Inseln sehr fossilreiche Schichten, welche Eichwald* als dem Gault und Neocom entsprechend gedeutet
hat, und deren Fauna wir etwas ins Auge fassen müssen. Unter den zahlreichen Muscheln und Schnecken
ist nur das Vorkommen von Aucellen von Bedeutung, eingehendere Besprechung erfordern die Cephalo-
poden.
Belemniies pisiilliformis erinnert in der äusseren Form sehr an die bekannte Art des europäischen Neocom,
weicht aber durch seine lauge Furche sehr entschieden von derselben ab.
Belemnites sicarius, inaequilateralis und conformis gehören der im russischen Jura so verbreiteten Gruppe
der Excentrici an.
Ammonites Doroschim, ein Olcostephamis, über den ich mir kein bestimmtes Urtheil erlaube, der aber in
Nikitin's Wolgastufe seine nächsten Verwandten haben dürfte.
Ammonites Dutempleanus, Milletianus, nach den Abbildungen kaum deutbar, doch stimmen diese letzteren
nicht zu den europäischen Typen.
Ammonites Carteroni, Tab. VlI, Fig. 5, nicht deutbar, Taf X, Fig. 1, dürfte ein Stephanoceras aus der
Gruppe der Bullaten sein.
Ammonites IscJimae kann ich nicht beurtheilen.
Ammonites Astierianus, Taf. VIII, ist jedenfalls mit Olcostephanus Antierianus Orb. nahe verwandt, noch
näher scheint er dem Olc. psilostoma Neum. et Uhl. aus dem norddeutschen Hils zu stehen. — Tab. IX, Fig. 1,
gehört einer ganz anderen Gruppe an, und scheint mit Hteplianoceras Loganianum Whiteaves von Charlotte-
Island vielleicht auch mit der von Lahuseu ' als Cosmoceras Gowerianum aus den Kelloway bildungen von
Tschulkowo im Gouvernement Rjäsan abgebildeten Form identisch.
1 Waagen, 1. c. S. 237.
' Waagen I. c.
■^ Die Fauna der Spitishale(< kann keineswegs als eine typisciiboieale betiachtet werden, sondern als die Bevölkerung
eines Beckens, das von Norden aus besiedelt wurde, dann aber unter dem Einflüsse relativer Abgeselilossenheit und eines
der südlichen Lage entsprechenden warmen Klimas eine sehr selbststäudige Entwicklung genommen hat.
* Eich wald, geognostisch-paläontologische Bemerkungen über die Halbinsel Maugischlak und die aleutischen Inseln.
Petersburg 1881.
' Die Fauna der jurassischen Bildungen des rjäsanschen Gouvernements. Petersburg. M6moires du comite geologique.
Vol. I. Nr. 1, Tab. VI., Fig. 5 — 7 (uon Fig. 8).
94 M. Neumayr.
Diese Betrachtung ergibt jedenfalls, dass auf den Aleuten mehrere verschiedene Horizonte vorhanden, und
dass unter den Fossilien namentlich Juratypen von nordischer Verwandtschaft vertreten sind; vermuthlich sind
Kellowayablageuingen und Schichten der Wolgastufe dort zu finden.
Wir betreten das amerikanische Festland und begegnen hier auf Alaska Vorkommnissen, welche eine
Fortsetzung der aleutischen zu bilden scheinen. Grewiuck hat sich der überaus mühsamen Sichtung der von
dort erhaltenen Angaben und Sammlungen unterzogen. ' Unter den Fossilien findet sich Ammonites hiphx, wohl
unzweifelhaft ein Perisj)]/ indes des oberen Jura, den Eichwald wohl mit Unrecht mit Ohostephanns Milletianus
Orb. aus dem Aptien vereinigt hat. Ammonites Wosnessenshji ist eine neue, zu Olcostephanus gehörige Art.
Ferner werden Belemm'tes paxiUostis und Unio liasinus citirt, doch möchte ich ^daraus noch nicht auf das
Vorhandensein von Lias schliessen, zumal da zur Zeit der Besprechung die Gruppe des Bei. excentricus, die
manche ähnliche Formen bietet, noch nicht hinreichend bekannt war.
Nachrichten über höchst interessante Juravorkommnisse im höchsten Norden von Amerika verdanken wir
den kühneu Polai fahrten M'Clintock's, dessen Materialien von Houghton beschrieben worden sind. ^ Die
Hauptmasse des arktisch-amerikanischen Archipels bilden archaische und paläozoische Ablagerungen, welche
eine Fortsetzung der den nordöstlichen Theil des Continentes bildenden alten Masse darstellen. Hoch im Norden,
zwischen 76° und 78°, haben sich jedoch an einigen Stellen transgredirend aufliegende Partien von Jura auf
Prinz Patrick's-Insel, Bathurst-Insel und Exmouth-Insel (nördlich von Grinnell-Land) gefunden.
Von besonderer Wichtigkeit ist der Fundort an der Wilkie-Spitze, Prinz Patrick's-Land, unter 76° 20' nördlicher
Breite und 117° 20' westlicher Länge; es sind Knochenreste, vielleicht von einem Ichthyosaurus stammend,
einige Gastropodeusteinkerne, eine Avkula {Monotis septentrionalis Houghton) und Ammonites M Clintocki.
Die letztere Artist ein typisches Harpoceras, und wird von Houghton mit Harp. concamm in nächste Beziehung
gebracht; damit stimmt aber der Mündungsquerschnitt und speciell der Nabelabfall nicht überein. Die Form
scheint aus Europa noch niclit bekannt, hat aber nach den Abgüssen der Originale, die ich der Freundlichkeit
von Herrn Sollas in Dublin verdanke, ihre nächsten Verwandten vermuthlich im unteren Theile des mittleren
Jura, nicht im Lias. (Vgl. den paläontolog. Anbang.)
Minder bestimmt sind die Angaben über die anderen Punkte des arktisch-amerikanischen Archipels; von
hier werden nur Enalosaurierknochen genannt, und dieselben als Hasisch gedeutet; dass das Vorkommen
solcher Knochen an sich über das Alter nichts entscheidet, braucht kaum eingehender hervorgehoben zu werden,
aber allerdings erlangt dasselbe dadurch einiges Gewicht, dass an der Wilkie-Spitze solche Reste mit
Harpoceras M' Clintocki zusammen vorkommen; immerhin muss man sich daran erinnern, dass nach Dräsche
die Ichthyosaurierreste auf Spitzbergen nicht im Jura, sondern in der Trias liegen.
Ehe wir die polaren Juravorkommnisse weiter nach Osten verfolgen, müssen wir uns hier mit zwei weiter
südlich gelegenen Localitäten von arktischem Typus beschäftigen, welche sich in Nordamerika befinden. Die
eine derselben liegt in den Black Hills von Dakota, von wo Cardioceras, ein Belemnit aus der Gruppe der
Excentrici, sowie verschiedene Muscheln von geringerer Bedeutung beschrieben worden sind. Ich gehe nicht
näher auf diesen Gegenstand ein, da ich bei einer früheren Gelegenheit die betreffenden Daten mitgetheilt habe. '
Die Fauna ist eine rein boreale, und aus deren Charakter kann mit Sicherheit darauf geschlossen werden, dass
das arktische Meer hierher gereicht habe; der Umfang und die Abgrenzung dieses Beckens wird weiter unten
1 G rew in ck, Beitrag- zur Kenntniss der orographischen und geognostischen Beschaifenheit der Nordwestküste Amerika'»
mit den angrenzenden Inseln. Verhandlungen der Petersburger mineralogischen Gesellschaft 1848 — 49.
2 M'Clintuck, Reminiscences of arctic ice-travel in search of Sir John Fianklin and his Companions. With geolo-
gical notes and illustrations by Houghton. Journal of the Royal Dublin Society. Vol. I, 1858. S. 239. ff. — M'Clintock,
a narrative of the discovery of the late of Sir John Franklin and his comp;inions. London 1859. Geological account of the
arctic Archipelago by Houghton, S. 372. Vergl. auch Feilden and deRance, Geology of the coasts of the arctic lands
visited by the bite british Expedition under Capitain Sir George Nares. Quarterly Journal of the geolog. Society. 1878.
S. 556.
3 Kewton and Jenney, Report on the geology aud the resources of the Black Hills of Dakota. Washington 1880. —
Neumayr, über klimatische Zonen während der Juin- und Kreidezeit. Diese Denkschriften, Bd. 47. S. 302.
Die geographischi' Verhreifwicj (h-r Juraformation. 95
im Zusammenliange mit den ausserboiealen Juravorkommnisseii Novdamerika's bes-pvochen werden, da wir die
nothwendigeu Daten für die Beurtheilung dieser Verhältnisse noch nicht kennen gelernt haben.
Einer etwas eingehenderen Besprechung bedürfen die Ablagerungen, welche unter 53° nördlicher Breite
auf Charlotte-Island an der nordamerikanischen Westküste auftreten. Dieselben sind durch eine wichtige
Arbeit von Whiteaves im Jahre 1876 näher bekannt geworden, und ich hatte aus diesen Miftheilungen
geschlossen, dass dort Jura und obere Kreide vertreten seien, und dass die Ablagerungen des ersteren eine
Misclifauna von borealen und nördlich gemässigten Typen enthalten. In der Zwischenzeit ist eine neue und
eingehendere Darstellung von Whiteaves erschienen, welche über die Lagerungsverhältnisse einigen Auf-
scliluss gibt, und in welcher die sämmtlichen in Frage stehenden Bildungen von Charlotte Island, ferner der
Jura der Black Hills in Dakota, und die gesammteu Aucellen führenden Schichten Russlands zur Kreide gestellt
werden. '
Die Schichtfolge wird nach den Untersuchungen von Dr. 6. M. Dawson mitgetheilt, und zeigt mehrere
Abtheilungen :
1. Obere Schiefer mit Inoceramus problematicus.
2. Versteinerungslose Conglomerate.
3. Untere Schiefer, das Hauptlager der Fossilien.
4. Versteinerungsleere Agglomerate.
5. Unterer Sandstein mit Ammonites cf. Bequienianus Orb., ScJdoenbachia propinqua Wliit., Nemodon
Fischeri u. s. w.
Wir wenden uns zunächst der unter.sten Abtheilung zu; ist die Fauna derselben in der That eine
cretacische, und ist die Lagerung der Schiebten richtig aufgefasst, so würde damit allerdings die Frage so
gut wie entschieden sein. Über die Lagerung muss ich mich jeder Ansicht vorläufig enthalten, was aber
den Charakter der Fossilien anlangt, so ist die Frage eine schwierige. Ammonites cf. Requieniatius kann
überhaupt gar nichts entscheiden, es ist nach der Darstellung von Whiteaves ein schlecht erhaltener
Steinkern mit scharfer Externseite, keilförmigem Muudungsquerschnitt, engem Nabel und glatten Flanken,
dessen Loben nicht sichtbar siml, und man könnte denselben eben so gut mit einer Form des mittleren Jura,
z.B. Oxi/noticerasStauffense Opp. oder mit Ox.cateimlatum Orb. als mit einer Kreideart vergleichen. Schloenbachia
propinqua ist noch nicht abgebildet, und nach einer Beschreibung ein Urtheil zu fallen ist schwierig, selbst
wenn dieselbe, wie es hier der Fall zu sein scheint, gut ist. Nur soviel möchte ich hervorheben, dass die
Angabe von dem Vorhandensein eines gekerbten Kieles in der Jugend weit mehr an ein oberjurassisches
Cardioceras als an eine cretacische Schloenbachia erinnert. Nemodon Fischeri Orb. ist eine aus den Oxford-
schichten des Moskauer Jura beschriebene Art; von anderen Arten dieser Schicht ist Oxytoma mucronata aus
dem Jura der Black Hills zuerst bekannt geworden, ebenso Pleuromija subcompressa; die übrigen liier vor-
kommenden Muscheln sind ohne Bedeutung.
Wir erhalten also durch die Betrachtung der unteren Sandsteine keinen bestimmten Aufschluss; wenden
wir uns nun zu den unteren Schiefern und ihrer artenreichen Fauna, so finden wir in dieser Elemente vereinigt,
die gesondert betrachtet werden müssen.
In erster Linie seilen wir Formen, die anderwärts der Kelloway- oder Oxfordstufe angehören, oder
solchen so nahe stehen, dass sie nicht wohl ein wesentlich verschiedenes Alter haben können; es sind das:
Pleuromya subcompressa Meek.
Nemodon Fischeri Orb.
Trigonia intermedia Fahrenkohl
Stephanoceras L'Hjaniaiium Wh.
„ oblatum Wh.
„ cepoides Wh.
Belemnites densus Meek.
Oxytoma mucroncttum Meek.
1 Whiteaves, geological siirvey of Canada Vol. I, pait \. On some invertebrates from the coal-bearing rocks of Queen
Charlotte Island. 1879. part a, On the fossils of the coal-bearing deposits of the Queen Charlotte Island, collested by Dr.
Dawson in 1878. 1884. — Whiteaves, on ths lowsr Cretaceous rocks of British Columbia. Transactions of the royal society
of Canada. Sect. IV, 1882. S. 81. — Neümayr, klimatische Zonen, 1. e. S. 303.
96 M. Neumayr.
Von diesen Arten ist Steph. Loganianiim selir nalie mit Sfeph. redelohatum v. Hauer aus dem unteren
Baflionien verwandt, noch näher mit einem von Pawlow in den Macroeeplialenscliicliten von .Ssimbirslc
gesammelten Ammoniten, sowie mit der von Labusen aus Tscbiilkowo als Cosmoceras Gowerianum angeführten
Form, endlich mit der durch Eicbwald von den Aleuten als Ammonites Astierianus (1. c. Tab. IX, Fig. 1) ab-
gebildeten Art.' Steph. oblatum ist ein entschiedener Macrocepbale, Steph. cepohJeH ein Bullate, mithin sind die
drei Ammoniten sehr cliarakteristische T.ypen. Dazu werden sieh wohl noeli Periqihindes Carlotteiisis Wli. und
Stephanocems Bichurdsoni gesellen lassen, doeli ist ihr Typus uicht entschieden genug, um eine bestimmte
Ansicht zu gestatten. Nemodon Fischen und Trigonia intermedia sind Moskauer Typen, die übrigen Arten der
Liste sind zuerst aus den Oxfordschichten von Dakota beschrieben worden.
Von Formen, die auf ein höheres Juraniveau hinweisen, ist nur Perisphinctes Skidegatensis zu nennen.
Endlich ist eine grosse Anzahl typischer Kreidearten vorhanden, deren Aufzählung hier eben so wenig
nothwendig erscheint als diejenige der rein localen Typen.
Diese Zusammensetzung der Fauna muss sehr ernsthafte Bedenken gegen die Angabe wachrufen, dass
alle diese Arten in ein und demselben Niveau liegen. Lägen Formen vor, die sonst den obersten Jura und die
unterste Kreide charakterisiren, so wäre es kaum berechtigt, gegen die geologischen Daten Einwendungen zu
erheben; so aber sind es ganz vorwiegend tiefere Horizonte des oberen Jura, auf welche die jurassischen Typen
hinweisen, wälirend unter den cretacischen Formen alle Anklänge an Neocom und Aptien fehlen und kein Fossil
auf tieferes Niveau als den unteren Gault deutet. Schon dadurch wird es wenig wahrscheinlich, dass alle Fossilien
der unteren Schiefer ein und demselben Niveau angehören, allein auch die geologischen Angaben enthalten
genügende Anhaltspunkte für einen solclien Schluss. An den meisten Localitiiten enthalten die unteren Schiefer
nach den Angaben von G. M. Dawson eine reine Kreidefauua, und nur au einigen Punkten sind die juras-
sischen Typen mit cretacischen gemischt gefunden worden. Ein solches Verhiiltniss beweist mit Sicherheit,
dass eine Gliederung in mehrere Horizonte möglich ist, und wenn diese einmal durchgeführt sein wird, wird
sich auch ergeben, dass die Fossilien des Gault und der Unterregion des oberen Jura hier so wenig wie ander-
wärts in ein und demselben Horizonte liegen.
Eine eigenthiimliche Schwierigkeit bietet nur noch das Auftreten der Aucellen ; im Jahre 1875 fand
G. M. Dawson auf Vancouver-Island Aucellen zusammen mit einer Fauna, die von Whiteaves als dem
oberen Neocom angehörig bezeiclmet wird; eine Ansicht, die viel Wahrscheinlichkeit für sich hat. Da
nun Aucellen auch von Gabb aus der der Kreideformation angehörigen Shastagruppe Californiens
angeführt werden, so betrachtet Whiteaves geradezu alle Aucellenscbichten, auch diejenigen Russlands, als
Neocom.
Eine solche Verallgemeinerung ist sicher nicht richtig; Aucellen finden sicli in Russland schon in den
Schichten mit Cardioceras cordatum und kommen von da an bis liinauf in die Ablagerungen mit Oicostephanus
subditus vor,' die möglicherweise sclion dem Neocom entsprechen, man kann also nicht von einem eng begrenzten
Aucellenhorizont sprechen, wenn diese Muscheln auch an den meisten Punkten Russlands in den hölieren
Horizonten am häufigsten sind. Sobald man berücksichtigt, dass die Aucellen in einer Anzahl nicht eben leicht
von einander zu unterscheidender Arten durch eine grosse Sehichtreihe hindurchreiciien, ist die Schwierigkeit
gehoben, die sich hier zu bieten scheint, mag nun die Aucella Piochii in Californien und Columbien im oberen
Jura oder im Neocom vorkommen. Für das Auftreten des letzteren Horizontes auf Cliarlotte-Island fehlen
jedenfalls bis jetzt alle Anhaltspunkte. Unter diesen Umständen dürfen wir es als sehr wahrscheinlich bezeich-
nen, dass hier typische Juraablagerungen von nordischem Gepräge vorkommen.^
1 Vgl. oben S. 37.
- Vgl. Pawlow, uotions sur le systöme jurassique de l'Est de la Rii33ie. Bulletins de la soci6t6 gÄologique de France
1881, S^r. 3, Vol. 12, S. 691. — Quenstedt bildet eine Äucella impre.isae aus den tiefsten Lagen des weissen Jura Würt-
tembergs ab.
3 In der Zwischenzeit hat sich auch White (American Journal Bd. XXtX, März 1885, S. 228) in entschiedener Weise
gegen die Verallgemeiaeraugeu von Whiteaves ausgesproshcu. (Anm. während der Corr.)
Die qeofjrd'plihche Verhreifung der .Tiirafonuatioit. 97
Wir kehren zur Betrachtung der Polarregiou zurück, iiiiierlialli welcher wir zuletzt die Vorkommnisse des
amerikanisfhen Nordarchipels betrachtet liabeu.
Au der grönländischen Ostküste hat Payer bei der zweiten deutscheu Nordpolexpeditiou auf der
Kuhniusel Jurafossilien gesammelt, welche durch Toula beschrieben worden sind; es fand sich eine ober-
jurassische Perisphinctenform {Per. Payeri), einige Belemniten, welche mit Moskauer Arten überein-
stimmen, Aucellen, eine Goniomya und einige andere Muscheln. Ausserdem enthielt ein anderes Gestein
eine Bhyncltonella, welche wahrscheinlich mit Bit. ßssicostata Suess aus den Kössener Schichten der Alpen
Übereinstimmt und uns vielleicht eine Andeutung über das Vorkommen dieses obersten Triashorizoutes in
den Polarregionen gibt. '
Seit längerer Zeit bekannt sind die Juravorkommnisse auf Spitzbergen, welche ebenfalls in dem Auf-
treten von Aucellen und Cardioceras den borealen Charakter in ausgezeichneter Weise an sich tragen; von
anderen Fossilien ist noch ein Perisphindes zu nennen, der mit Per. tripJicatus verglichen wurde.* Die Ichthyo-
saurierreste aus Spitzbergen^, welche mau ebenfalls als* jurassisch betrachtet hat, gehören nach Dräsche der
Trias an.*
Die bisher erwähnten Juravorkommnisse bilden einen weiten Kranz rings um den Pol, das letzte Glied
desselben scheinen die wenigstens ihrer Marinfauna nach noch wenig bekannten Ablagerungen auf Andö, der
nördlichsten unter den Lofoteninseln zu liilden."' Hier treten Kohlenlager mit Landpflauzen auf, welche von
Heer untersucht worden sind und mit denjenigen von Ostsibirien und dem Amurlande sowie von Cliina und
Japan grosse Verwandtschaft zeigen. Es ist das eine Thatsache von hervorragender Bedeutung tür die Beur-
theilung der Verbreitung festen Landes; sie beweist, dass von der norwegischen Küste bis zum stillen Ocean
ein zusamn)enhängendes Florengebiet vorhanden war. Die marinen Couchylien, welche auf Andö gefunden
wurden, sind von Dahll, Kjerulf und C. Mayer untersucht worden; letzterer, welchem einige Belemniten
und die Photographieen der allerdings wenig cbarakteiistischen Muscheln vorlagen, identifieirt dieselben mit
Formen des unteren Dogger, speciell mit solchen aus der Zone des Harpoceras Murchisonae, während Dahll
und Kjerulf in denselben Oxfordtypen sehen, eine Ansicht, die mir nach dem Charakter der von Kjerulf
abgebildeten Ammoniten und der Gryphaea dilatuta, sowie nach dem von ihm angefllhrten Vorkommen von
' Toula, kurze Übersicht der geolog. Beschaffenheit von Ostgröuland zwischen 73° und 70° növdl. Br. Verhandlungen
der geolog. Reichsanstalt 1872. S. 71. — Toula, Beschreibung inesozoisclier Versteinerungen von der Knhninsel. Reisewerk
der zweiten deutschen Nordpolexpedition, Bd. II, S. 497.
2 Nordenskiöld, sketch of the geology of Spitzbergen, Stockholm 18C8. — Lindström, Trias- och Juraförsteniugar
frän Spitzbergen. Svenska Vetenskaps- Akademien» handlingar 186.5. Bd. VI, Nr.ü. — Fraas, Neues Jahrbuch 1872, S.203. —
Lundgren, Bemerkungen über die von der schwedischen Expedition nach Spitzbergen 1882 gesammelten .Tum- und Trias -
l'ossilien. Bihang tili Svenska Vetenskaps-Akademiens haudlinger Bd. VIU, Nr. 12, 1883.
3 Hulke, Memorandum on some fossil Vertebrate remains coüected by the Swedish expeditions to Spitzbergen. Bihaug
tili Svenska Vedenskaps-Akademiens Handlingar. 1872/73. I. Heft 1..
* Dräsche, petrogi-aphisch- geologische Beobachtungen an der Westküste Spitzbergens. Tscherraak's mineralogische
Mittheilungen, 187-1, S. isi, 201.
5 T. Dahll, oni Finmarkens üeologi. Videnskaps-Selskabets i Christiania Forhaudlingar l868,S.213. — Kjerul 1', Stenriget
och fjeldlaeren. Kristiania 1870. — Pettersen, Lofoten och Vestraalen; Archiv for Mathematik og Naturvidenskab udgivet af
Lie, Müller og Sars. Kristiania 1S80. — Heer, Flora fossilis avctica, Bd. IV, 1877. Übei- Pflanzeuversteinerungen von Andö.
Mayer führt in dem letzten Werke Pecten disciformis, Iimcernmns aimiydaloides'^, Lima subdiiplimfa, Askirte excivata, Behmnitex
ßJdinciUci und brevifoniiis an. Die mei.sten der genannten Mu.scheln .sind sehr indifferente Formeu, die sehr ähnlich auch im Mos-
kauer Jura vorkommen; speciell wäre zu untersuchen, ob //(u<;e/«/H/(.< ((mygduhides nicht ameAnceUa ist, deren Vorkommen auf Andö
Dahll anführt; auch ein Vergleich der Belemniten mit den russischen Typen w<äre wünschenswerth. Die von Kjerulf (I.e.
S. 274) mitgetheiltcn Holzschnitte von Fossilien sprechen eher für ein jüngeres Alter: die glatten Kammmuscheln sind wenig
entscheidend; seine G/7//<;«(ert rfZ/utote als unrichtig bestimmt zu betrachten, kann ich mich nicht eutschliessen. Die Ammoniten
sind schlecht erhalten, aber soviel lässt sich mit Sicherheit sagen, dass aus dem untereu Dogger keine derartigen Formen bekannt
sind. Fig. 330 stellt ein grosses, evolutes Exemplar mit einzelnen groben Rippen auf der Wohnkammer und mit herabhän-
gendem Nahtlobus dar, was sehr gut auf Perisphinctes plicatilis und Verwamlte passt. Fig. 331 scheint ebenfalls ein Pertsphinctes
za sein, doch ist hier die Deutung weit unsicherer. Im Ganzen möchte ich mich eher der Ansiclit auschliesseu, dass Oxford
vorliegt.
DeukschriftüU Jor matheol.-naturw. Gl. L. Bd. I o
98 M. Netimayr.
Aucellen jedenfalls plausibler erscheint. Die Ammouiten scheinen zwar schlecht erhalten, doch dürfte eine ein-
gehendere Untersuchung derselben die rorhandenen Zweifel lösen.
Werfen wir einen Blick auf den Charakter der nordischen Juraablagerungen, so finden wir, abgesehen von
den schon bei einer früheren Gelegenheit besprochenen Provinzcharakteren, als eine wichtige Eigenthümlichkeit,
dass, soweit unsere Erfahrungen reichen, die tiefsten Glieder der Formation überall fehlen. Aus der an der
grönländischen Ostküste gefundenen Rhynchonella ßssicostata kann vielleicht auf eine Vertretung der obersten
Trias (rliätisclie Stufe) geschlossen werden, wenn es auch bedenklich erscheinen mag, aus einem vereinzelten
Brachiopodenvorkommen eine solche Folgerung abzuleiten. Jedenfalls aber ist nichts von Ablagerungen bekannt,
welche mit Sicherheit dem Li;is zugetheilt werden könnten, die ältesten Vorkommnisse, diejenigen von Prinz
Patrik's-Land, verweisen wahrscheinlich auf unteren Dogger. Soweit demnach unsere Erfiihrungen reichen,
würde in der ganzen ungeheuren arktischen Provinz rings um den Pol, in ganz Innerrussland, in Sibirien und
bis nach Tibet eine Transgression des Meeres stattfinden, welche ungefähr mit dem mittleren Jura beginnt und
ihr Maximum mit der Oxfordstufe erreicht. Allerdings ist unsere Kenntniss jenes gewaltigen Ländergebietes
noch viel zu gering, um das vollständige Fehlen des Lias wirklich zu behaupten , ja es ist mir persönlich
wahrscheinlich, dass man noch ältere Jurabildungen finden wird, aber bis jetzt sind sie nicht bekannt, und
jedenfalls ist für einen grossen Theil des Gebietes das Stattfinden einer solchen Transgression nachgewiesen.
Der zweite Punkt von Bedeutung ist, dass wie in Russland, so auch in den übrigen arktischen Regionen
eine specifische Übereinstimmung von Formen aus jüngeren Ablagerungen als Oxford mit mitteleuropäischen
Typen nicht stattfindet. Es ist das namentlich von Wichtigkeit für den Versuch, die Verhältnisse auf der
Grenze zwischen der arktischen und der nördlich gemässigten Zone festzustellen. Wir haben bereits für die
Region von der unteren Wolga bis nach Skandinavien die Vertheilung von Wasser und Land besprochen, und
gesehen, dass zur Kelloway- und Oxfordzeit eine Reihe von Inseln vorbanden war, welche beide Becken
trennte, während sich vorher und nachher eine zusammenhängende Festlandsmasse von der Wolga bis Skan-
dinavien erstreckte. Da auch weiter westlich die zoogeographischen Verhältnisse dieselben waren, so müssen
wir auch hier eine Trennung durch Festland zwischen dem Nord- und dem Südmeere annehmen, die nur zur
Oxfordzeit theilweise vom Meere überfluthet war.
Den ersten Fingerzeig liefert uns der Jura auf Audö; wir haben hier eine Comltination von Kohlenflötzen,
Landpflanzen und Meeresmollusken, welche auf die Nähe der Küste, und zwar der Südküste des Nordmeeres
hinweist. Die südlicheren Theile der Lofoten sind Bruchstücke jenes Festlandes. Weitere Spuren desselben
haben wir oben bei Besprechung des Jura am Rande der schottischen Hochlande und auf den inneren
Hebriden gefunden ; schon aus der Vertheilung der Sedimente, aus der Zunahme der Kohlen und Landpflanzen
führenden Scliichten gegen Norden und der Abnahme der marinen Vorkommnisse in derselben Richtung konnte
auf die Existenz eines grossen nordwärts vorliegenden Continentes geschlossen werden, und wir sehen diese
Folgerungen durch Beobachtungen auf ganz anderem Gebiete, über die Verbreitung der marinen Organismen
bestätigt. Aller Wahrscheinlichkeit nach bilden die Shetlandsinseln ein Überbleibsel jenes Landes, das sich
von Norwegen aus hierher erstreckte. Schon früher wurde darauf aufmerksam gemacht, dass stellenweise in
Schottland die Oxfordschichten transgrediren und in ihrer Fauna subarktischen Charakter zeigen, und mau
wird daraus auf eine zeitweilige Meeresverhindung an dieser Stelle schliessen dürfen.
Gegen Westen muss dieses Festland mit Nordamerika in Verbindung gestanden sein, oder es kann
wenigstens nur eine geringe Unterbrechung zwischen beiden stattgefunden haben; es ist bekannt, dass
im ganzen Gebiete zwischen den Black Hills von Dakota, dem Golfe von Florida, dem Eismeere und dem
atlantischen Ocean keine Spur von marinem Jura, wohl aber Binnenablagerungen mit Resten von Wirbelthiereu
bekannt sind. Über die Einzelheiten der Abgrenzung des westlichen Tiieiles dieses Continentes gegen Westen
und Süden wird später die Rede sein ; gegen Norden muss dieselbe natürlich südlich von Patrick's-Land und
Grinnell-Land gelegen haben, und es ist nicht wahrscheinlich, dass die Bildungen auf diesen Inseln unmittelbar
in der Nähe der Küste abgelagert worden seien. Die Strandlinie dürfte zwischen 90° und 140° westl. von
Greenwich ungefähr da verlaufen sein, wo heute die Grenze zwischen dem amerikanischen Continent und
Die geographische Verbreitung der Juraformation. 99
dem arktischen Archipel sich befindet. Berücksichtigen wir ferner, dass Grönland an seiner Ostkliste Jura
zeigt, dass seine Hauptmasse aus uralten Gesteinen besteht, seine ziemlich bekannte Westküste dagegen ver-
schiedene Binnenablageruiigen, aber keinen marinen Jura zeigt, so kömmt man zu dem Resultate, dass der
Sund zwischen Batfinsland und Grönland nicht existirte, sondern beide zusammen eine nach Norden vor-
springende Halbinsel des amerikanischen Continentes bildeten.
VI. Der alpine Jura.
Über das Verhältniss des alpinen zum ausseralpinen Jura, über die wesentlichen Unterschiede zwischen
beiden und über die Ursachen dieser Abweichungen habe ich mieli in dem früher angeführten Aufsatze aus-
gesprochen; es entsteht jedoch die Frage, ob klimatische Verschiedenheiten, welchen ich die Differenzen
zugeschrieben habe, zur Erklärung ausreichen, oder ob, wie an der Grenze zwischen mitteleuropäischem und
russischem Becken, noch ausserdem eine Trennung durch zwischenlagcrndes Festland angenommen
werden soll. Ich habe mich schon bei früheren Anlässen gegen eine solche Annahme ausgesprochen und
namentlich darauf hingewiesen, dass in manchen Gegenden, z. B. in Mähren, die einander sehr nahe gelegenen
alpinen und ausseralpinen Juraablagerungen von gleichem Alter auffallende Übereinstimmung in ihrer Fauna
zeigen und nur das Vorkommen der specifisch alpinen Formen einen Unterschied bedingt. ' Allerdings ist dieser
Grund, wenn auch wichtig, doch nicht entscheidend, da immerhin die Möglichkeit nicht ausgeschlossen
erscheint, dass gerade an einzelnen derartigen Stellen, an welchen die Ablagerungen beider Bildungsräume
sich nähern, eine Meeresstrasse zwischen denselben vorhanden war. Auch die Unwahrscheinlichkeit, welche
in der Annahme einer langen, schmalen, vom Dniester bis nach Frankreich, vielleicht bis nach Portugal sich
erstreckenden Insel liegt, verdient zwar alle Berücksichtigung, aber sie schliesst keine Unmöglichkeit in sich.
Dagegen liefert der Faunencharakter sichere Beweise gegen das Vorhandensein eines solchen Landstriches
während der Jurazeit; wäre der Unterschied zwischen alpiner und ausseralpiner Entwicklung ganz oder tlieil-
weise durch zwischenliegendes Festland bedingt, so müsste sich derselbe im Verlaufe der Zeit steigera, wir
milssten erwarten, dass gleichaltrige und isopische Faunen aus dem Lias einander noch verhältnissmässig nahe
stehen, während sie sich im oberen Jura im schärfsten Gegensatze zu einander befinden müssten. Das ist that-
sächlich nicht der Fall; ob wir Arieten- oder Tenuilobatenschichten mit einander vergleichen, immer ist unter
den Ammnniten eine beträchtliche Artenzahl gemeinsam, und nur einzelne Formengruppen halten sich ganz
oder wenigstens der Hauptsache nach an die eine oder die andere llegion.
Kann nach dem Charakter der Fauna ein trennendes Festland nicht vorhanden gewesen sein, so
finden wir noch andere, directe Belege für offene Meerescommunication. So ist es z. B. unverständlich, wie
sich die Nähe der böhmischen Masse in dem Auftreten von Sandsteinen in der Nebenzone der Alpen auf der
Grenze zwischen Ober- und Niederösterreich geltend machen kann, wenn dieses alte Festland durch einen
Meeresarm und südlich davon durch die supponirte Insel von der alpinen Region getrennt war. Namentlich aber
verdient das bisher noch nicht hinreichend gewürdigte Auftreten der sogenannten Algäuschiefer* im Wasser-
gebiete des Lech, der Hier und in den benachbarten Gegenden hervorgehoben zu werden. Dieselben werden
der sogenannten Fleckeumergelentwicklung zugerechnet, jener Gruppe liehtgrauer etwas thoniger Kalke mit
einzelnen dunkleren Flecken, welche mehrfach verbreitet im Lias und Neocom, seltener im mittleren und oberen
Jura der Westalpen vorkommen. Die Algäuschiefer jedoch zeichnen sich vor allen Fleckenmergeln durch dunklere
Farbe, hohen Thongehalt und ausgezeichnete Schieferung aus. Durch ihre Fauna werden sie als der Zone des
AmaUheus margaritatus angehörig charakterisirt, sie fallen also dem Alter nach mit der grössten Anhäufung von
Thonen in England, Norddeutscliland und Schwaben zusammen; es wurde oben gezeigt, dass diese thonigen
Sedimente von einem am Nordrande der mitteleuropäischen Region gelegenen Festlande aus ins Meer gelangten
1 Jahrbuch der geologischen Reichsanstalf. 1871. S. 522. Verhandlungen der geologischen Reichaanstalt 1872. S. 54.
- Gümbel, geognost. Beschreibung des baierischen Alpengebirges.
1,-i'
100 M. Neumayr.
und von da durch eine am Ostrande des Ardennenmassivs verlaufende Strömung nnch Süden geführt wurden.
Nun liegt das Verbreitungsgebiet der Algäuschiefer gerade in der weiteren Fortsetzung jener Thonmassen
gegen Süden, und es wird um so wahrscheiulicher, dass diese sich wirklich dahin ausgebreitet haben, als
wir sonst durchaus ohne Erklärung für die Herkunft des Thonmaterials blieben. Auch in der Fauna lässt sich
der Einfluss der von Norden her vordringenden kälteren Gewässer deutlich nachweisen, indem gerade die
Algäuschiefer fast allen anderen alpinen Ammoniten.-^cliichteii gegenüber durch das Zurücktreten der typisch
alpinen oder südlichen Gattungen Lißoa'ins und Pln//loccras ausgezeichnet sind. Wir können demnach das Auf-
treten dieser Gebilde mit einer zeitweiligen Änderung der Strömungsverhältnisse in Verbindung bringen.
Es lassen sich noch andere analoge Ercheinungen aufführen, unter denen wohl die auffallendste das Vor-
kommen von bituminösen Schiefern des oberen Lias mit Posidonomya Bronni in den Schweizer Alpen im
Molesongebirge und in den östlichen Theilen des Landes ist;' ferner das Auftreten von Purbeckschichten in
den Freiburger Alpen. '^ Merkwürdigerweise ist sogar die Entwicklung im Jura der Ostschweizer Alpen \iel-
fach analog derjenigen im Aargau und in Schwaben, während der Jura in den Alpen der westlichen Schweiz
mit dem Typus des ausseralpinen Theiles des Cantons Bern, von Neufchatel und den angrenzenden Theilen
Frankreichs übereinstimmt, ja wenn man die Linie Bascl-Olten, welche im Juragebirge ungefähr die Grenze
zwischen der Entwicklung der östlichen und westlichen Schweiz bildet, weiterhin bis in die Alpen verlängert,
so trifft sie auch hier in der Gegend des Brienzer See's auf die Grenze zwischen östlichem und westlichem
Typus. *
Wir können daraus schliessen, dass alpine und ausseralpine Provinz in ganz offenem Zusammenhange
waren. Eine zweite hypothetische Landmasse, bezüglich deren die Ansichten ausserordentlich getheilt sind,
soll die krystallinische Kette der Alpen gebildet haben, und dieselbe Meinung wird consequeuter Weise
auch für die Karpathen gelten müssen. Fs würde viel zu weit iühren, hier eine Darstellung der verschiedenen
Auffassungen zu geben, zumal es sich bei denselben in der Hegel nicht darum handelt, die Ausbreitung des
Meeres während eines bestimmten Zeitraumes festzustellen, sondern um die Frage, ob in dieser Region bedeu-
tende vortertiäre Störungen stattgefunden haben, welche auf die Tektonik des Kettenbaues von entscheidendem
Einflüsse sind. Es ist aller Grund für die Annahme vorhanden, dass wie in anderen Gebieten, so auch in den
Alpen, zu verschiedenen Zeiten sehr verschiedene Zustände geherrscht haben. Wenn wir z. B. in denselben
Gegenden, in welchen der Jura als hochmariner Cephalopodenkalk auftritt, das Rothliegende durch die Oon-
glomeratmassen des Verrucano vertreten sehen, so müssen wir daraus auf grossartige Veränderungen schliessen,
welche in der Zwischenzeit stattgefunden haben.
Wir beschränken uns hier ganz auf den Jura, und es mag noch hervorgeholten werden, dass eine Über-
tragung dessen, was hier gefolgert wird, auf andere Formationen nicht zulässig erscheint.
Für die Beurtheilung ist die Thatsache vor allem wichtig, dass der alpine Jura, von wenigen localen Vor-
kommnissen abgesehen, vorwiegend aus Kalken besteht, neben welchen Thone ziemlich selten, Sandsteine und
Ponglomerate nur in wenigen localen Ausnahmefällen auftreten, die wir noch besprechen werden. Auch
Korallenriffe sind nicht häutig, und geliören den höchsten Horizonten des Jura an, sie bildeten sich zu einer
Zeit, in welcher die anstossenden ausseralpinen Gebiete trocken lagen oder wenigstens nur mehr die letzten
Reste eines schon stark eingeengten Meeres enthielten, so dass wir wenigstens in vielen Fällen auf ein gegen
Norden hin seicht werdendes Meer und damit zusammenhängende Ritfbildung schliessen dürfen. So treten z. B.
in den Karpathen die Riffe nur ganz am Nordrande auf, wo sie in Mähren, Schlesien und Galizien am Aussen-
rande der Flyschzone als Klippen aus den jüngeren Sandsteinen hervorragen, während die gleichaltrigen
Bildungen im Inneren des Gebirges als Ammoniten- oder Aptychenkalke entwickelt sind.
1 Fis cher-Ooster, verscliiedinu' geoiogi.ichc Mittlieihmgeii. Bevu, Zeitschr. der natuiforfschenfleTi Gesellsch. Dec. 1870.
— C. Mösch, der Jura in den Alpen dci- Ostschweiz. Zürich l,s72. S. .5.
- Gilliöron, Les Alpes de Fribourg en general et de Monsalvens en particnlier. Beitr. zur geologischen Karte der
Schweiz, Bd. 12.
' Mösch, 1. c.
Die [jeograp/nsclic l^erbreihiiKj der Ji<raf<irvinti()n. 101
Directe Beweise für das Übergreifen des Jiirameeres über die ganze Centralregion der Alpen durch
anstehende Gesteinsvorkommnisse im Bereiche des krystallinischen Gebirges liegen nnr für gewisse Theile der
Alpen vor; in der Schweiz liegt horizontal gelagerter Jura in der Gegend von C'haniounix als winziger Erosions-
rest auf dem Gipfel der Aiguilles rouges. in der Gruppe des Montblanc ist derselbe mehrfach verbreitet
und in sehr bedeutender Höhe z. B. auf den 3227 Meter hohen Tours Sallieres vorhanden, und im Südosten
dieser Gebirgsgruppe streicht eine Zone von Juragesteinen auf italienischem Gebiet im Feretthale durch und
zieht sich nach dem Wallis hinüber. ' Südwestlich davon treten die seit langer Zeit berühmten Juragesteine dei;
Tarentaise nnd Maurienne auf, während in der weiteren Erstreckung der Westalpen die Verbreitung
gleichalteriger Ablagerungen vorläufig noch zweifelhaft ist. Wir begegnen hier jenen Complexen von krystal-
linischen und snbkrystallinischen Schiefern, die jünger sind als die ältesten Schiefergesteine der Alpen, und
in der Regel als umgeänderte Sedimentärgehilde betrachtet werden. Über das Alter derselben sind aber die
Ansichten noch sehr unsicher, vermnthlicli gehören dieselben verschiedenen Horizonten an, doch lässt sich
etwas Bestimmteres darüber nicht sagen, wenn es auch wahrscheinlich sein mag, dass auch der Jura hier seine
Vertretung finde.
Günstiger gestalten sich die Verhältnisse östlich \on der Gruppe des Montblanc, speciell in der Umgebung
des Gotthard; am Nufenenpasse auf der Wasserscheide zwischen dem obersten Wallis und Val Leventina
treten die bekannten Belemniten führenden Schiefer auf, in derselben Weise charakterisirte Juraablagerungen
stehen am Lukmanierpasse zwischen dem Gebiete des Rheines und des Ticino an und setzen die Haupt-
masse des mächtigen, den Pass beherrschenden Scopi zusammen. Auch am Südabhange treten dieselben
Gesteine, allerdings nicht durch Versteinerungen charakterisirt, bei Airolo, in Val Canaria und Val Piora
auf. ^ Weiter im Süden erscheint wieder ,luia bei Arona am l'fer des Lage Maggiore und am Comcrsee, so
dass hier an einem ehemaligen Zusammenhange der jurassischen Ablagerungen über die ganze Breite der
Alpen nicht gezweifelt werden kann. Ferner liefern die viel besprochenen Kalkkeile und andere isolirte
Juravorkoramnisse der Finster-Aarhornmasse, die sich auch auf deren Südseite hinüberziehen, einen deutlichen
Beleg für das ehemalige übergreifen ausgebreiteter Jurapartieii über die krystallinische Kette. ''
Noch weiter östlich in Graubündeu und in den anstossenden Theilen von Tirol treten wieder Schiefer
weit in das Gebiet der krystallinischen Zone herein, deren Alter noch nicht bestimmt werden kann; bald
werden dieselben als Flysch, bald als dem Jura angehörig oder als paläozoisch gedeutet, ohne dass ganz
sichere Beweise für eine oder die andere Ansicht vorlägen; Versteinerungen von entscheidender Bedeutung
scheinen nicht gefunden worden zu sein, und die Angaben über das Vorkommen von Belemniten sind in Zweifel
gezogen worden.
In der Hauptmasse der Ostalpen fehlt es, so weit wir urtheilen können, an isolirten Jurapartien im
krystallinischen Gebiete. Vielleicht verbergen sich noch solche unter den ,, Radstädter Tauerngebilden"; auch
aus dem Vorkommen vorgeschobener Triaspartien, z. B. im Ortlergebiet und an der Brennerlinie, könnte ge-
schlossen werden, dass diese Trias früher von Jura bedeckt war, der nun denudirt ist; immerhin aber sind
diese Anhaltspunkte für eine bestimmte Annahme viel zu schwankend. Im Allgemeinen machen die Ostalpen
' Vergl. A. Favre, recherches geologiques dans les parties de la Savoie, du Pifemont et de la Suisse voisines de
Mont-BIanc. 1867. — Gerlach, das südwestliche Wallis. Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz. Bd. IX, Bern 1S7I. —
Gerlach, die peiiuinischen Alpen. Ebenda Bd. 27. — Studer, Geologie der Schweiz, iin zahlreichen .Stelleu. — Über Taren-
taise und Maurienne, deren Literatur überaus ausgebreitet, vergl. Favre I.e.
'i Studer, Geologie der Schweiz. Bd. I. S. 375. — C. v. Fritsch, das Gotthardgebiet. Beiträge zur geologischen
Karte der Schweiz. Bern, Bd. XV. S. 125 flf.
3 Aus der sehr ausgedehnten Literatur über diesen Gegenstand seien hervorgehoben: Studer, Notice sur les Alpes
Beruoises. Bulletins de la soc. geol. de France is:il. Vol. II, S. .^1. — Escher, Erläuterunjjen der .Vnsichten einiger Con-
tactverhältnisse zwischen krystallinischen Feldspathgestcinen im Berner Obeilando. Neue Denkschriften der allgem. Schweizer
Gesellschaft für die gesammten Naturwissenschaften. 1839, Bd. III. — Studer, Geologie der Schweiz , Bd. I , S. 166, 178 et
passim. — Baltzer, der mechanische Contact zwischen Gneiss und Kalk im Berner Oberland. Beiträge zur geologischen Karte
der Schweiz, Bd. XX. 'Ausserdem eine Reihe früher erschieuener kleinerer Aufsätze des Verfassers). — Heim, Untersu-
chungen über den Mechanismus der Gebiigsbildung. 1878.
102 M. Neumayr.
den Eiiiduuk eines Gebirges, welclies viel mehr von der Denudation angegriffen und weiter in sein Inneres
blossgelegt ist als die Westalpen. Dalür spriclit die weit schärfere Sonderuiig von krystallinischer und paläo-
zoischer Zone von einander und von dem Kalk- und dem Flyschgürtel in dem ersteren Gebiete, und die Selten-
heit jüngerer, eingefalteter Partien, welche in der Schweiz so vielfach in den älteren Zonen auftreten. Nirgends
finden wir Erscheinungen wie die der Kalkkeile des Berner Oberlandes u. s. w. Ebenso weist die viel grössere
Entwicklung breiter Querthäler in Tirol und anderen ostalpinen Ländern auf eine stärkere Wirkung erosiver
Kräfte hin. Denken wir uns die Schweizer Alpen in ihren Kammlinien und Gipfeln um etwa 500 Meter durch
Denudation erniedriegt, die grossen Hauptwasserläufe des Eheines, der Aare, der Keuss, der Rhone u. s. w.
ungefähr in demselben Niveau wie heute, wenigstens so weit sie annähernd „fertige" Thalstrecken durch-
laufen, so wäre die Ähnlichkeit mit den Ostalpeu eine viel grössere, die Scheidung der einzelnen Zonen durch
Entfernung eines grossen Theiles der den älteren Gesteinen aufgelagerten oder eingefalteten jüngeren Gebilde
weit schärfer ausgesprochen, und die Querthäler viel besser entwickelt.
Wir können hier auf eine weitere Begründung dieser Auffassung nicht eingehen, die von dem Hauptgegen-
stande zu weit ablenken würde; das Ergebniss, welches wir ans dem Auftreten isolirter Schollen von Jura
ableiten können, besteht darin, dass für das Centrum der Westalpen das Herübergreifen von Jura über die
krystallinische Zone nachgewiesen, für deren südwestlichen und östlichen Flügel wahrcheiniich ist, während fiir
die Ostalpen die Anhaltspunkte sowohl für als gegen eine solche Annahme durchaus ungenügend sind. Für
das letztere Gebiet sind wir ganz auf den Vergleich der Ablagerungen im Norden und Süden angewiesen.
Die grösste Bedeutung in dieser Beziehung haben vor allem die Liasbildungen der Umgebung von Lienz
im Pusterthal. In der Regel ist in diesem Abschnitte der Südalpen der Lias durch die sogenannten grauen
Kalke oder Rozzokalke vertreten, deren Bedeutung noch näher besprochen werben soll. Es sind das ent-
schiedene Seichtwasserbildungen mit Landpflanzen und Muscheln, die nur ganz vereinzelt Einlagerungen von
Ammonitenkalken enthalten; nur im nördlichsten Theile der Südalpeu treten hier die pelagischen Ammoniten-
kalke bei Lienz auf, unmittelbar an die alten krystallinischen Schiefer der Grossglocknergruppe angelehnt. Es
ist, wie Suess hervorgehoben hat, ein Stück nordalpinen Lias, und dessen Vorkommen wäre absolut unver-
ständlich, wenn wirklich die Centralkette ein altes Ufer gewesen wäre; wir werden dadurch zu der Annahme
gezwungen, dass ein Zusammenhang mit den übereinstimmenden Gesteinen im Norden vorhanden war.'
Es mag ferner darauf hingewiesen werden, dass die rothen Ammonitenkalke des obersten Jura mit Asindo-
ceras acanthicum und Terebratula (Uphija in den Nord- wie in den Südalpen annähernd gleich weit nach Westen
reichen; endlieh ist es wahrscheinlich, dass die mergeligen Gesteine im mittleren und oberen Lias der Lom-
bardei, namentlich im sogenannten Medolo der Umgebung von Brescia und in Val Trompia, genau im Süden
des Gebietes der Algäuschiefer, aus derselben Quelle wie diese ihren Thongehalt erhalten haben.
In derselben Weise verhält es sich in den Karpathen; am Nordrande derselben, d. h. in der Nähe des
alten Ufers tritt der oberste Jura, die tithonische Stufe, in Form von Korallenkalken auf; weiter im Süden, in
der Nähe des Südrandes der Sandsteinzone, finden wir eine Aufbruchswelle von Jura, die südliche Klippenzone,
welche gerade auf der Grenze zwischen zwei Entwicklungsformen des oberen Jura auftritt; ihre nördliche
Hälfte zeigt uns rothe Ammonitenkalke, die südliche Aptychenkalke; noch weiter südlich in der Kalkzone der
Tatra u. s. w. kehren diese letzteren wieder, und sie wiederholen sich in ganz gleicher Weise auch südlich von
der Hauptmasse der Karpathen.^
Nach diesen Thatsachen ist es im höchsten Grade unwahrscheinlich,, dass die krystallinischen Zonen der
Alpen und Karpathen zur Jurazeit festes Land waren; aber allerdings ist damit noch nicht bewiesen, dass das
ganze Gebiet während der vollen Dauer der Jurazeit vom Meere bedeckt war, ja es liegen sogar sehr bestimmte
Anhalts]iunkte vor, dass local und zeitweilig Inseln in diesem Gebiete auftraten. Für den oberen Jura fehlen
mit wenigen unbedeutenden Ausnahmen die Spuren einer Trockenlegung; nur im Gebiete der Freiburger
1 Suess, das Antlitz der Erde, Vol. I. S. 341.
- Neiniiayr, .Jurastudien, 5. Der penninische Klippenziig. Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt 1871. p. 503 ff.
Die geographische Verhrdtmuj der Juraformation. 103
Alpen sehen wir die oberste Zone des Jura durch die Binneuablagerungen des sogenannten Purbeck-
kalkes vertreten, • wie das in der mitteleuropäischen Provinz allgemeine Kegel ist, soweit Sedimente
dieses Alters nicht ganz fehlen. Auch für die Existenz einer beschränkten Insel in der Gegend der niederen
Tauern liegen einzelne Anhaltspunkte vor, doch sind dieselben noch zu unbestimmt, um ein weiteres Eingehen
zu gestatten.
Auf andere Verhältnisse treffen wir in den tieferen Horizonten des Jura ; dabei darf allerdings kein Werth
auf den Umstand gelegt werden, dass stellenweise isolirte Ablagerungen höherer Jurasohichten local über-
greifend auf Triasbildungen auflagern, wie das z. B. mit den Macrocephalenschichten im Brielthal bei Gosau
oder mit den Schichten des Aspidoceras acanthium von St. Agatha im Salzkammergut der Fall ist. Diese Er-
scheinung hängt mit der schon vielfach besprochenen Lückenhaftigkeit des alpinen Jura zusammen, deren Grund
bisher noch nicht sicher festgestellt ist, die aber jedenfalls nicht V(in zahllosen \'eränderungen in der Ver-
breitung des Meeres, sondern wahrscheinlicher mit Strömungsverhältnissen zusammenhängt.
Von um so grösserer Bedeutung ist ein solches Übergreifen, wo dasselbe nicht ganz local, sondern über
weite Striche stattfindet und von entschiedenen Anzeichen einer Küstenbildung begleitet ist. Hierlier ist
zunächst das Auftreten der dem oberen Tlieile des unteren Lias augehörigen Hierlatzschichten zu rechnen,
welche vom Sonnwendjoch am Aachensee an gegen Osten bis nach Niederösterreich an einer Menge von
Punkten den Massen obertriadischer^Dachsteinkalke aufgelagert sind, Spalten in diesem ausfüllen und Blöcke
von Kalk enthalten. Es wird dadurch sehr wahrscheinlich gemacht, dass ein grosser Theil jener mächtigen
Triasplateaus, welche diese Gegend ciiarakterisiren , während der Zeit des untersten Lias als Inseln
hervorragten.
Ähnlich verhält es sich mit den unterliasischen „Pisanaquarziten" am Nordrande der hohen Tatra, welche
stellenweise conglomeratische oder breccienartige Structur annehmen. Ferner fehlt auf der weiten Strecke von
Eperies im Saroser Comitat in Oberungarn bis Neumarkt in Galizien dem südlichen karparthischen Klippen-
zuge der Lias vollständig; die Schichtfolge beginnt regelmässig mit Thouen und Mergeln des untersten Dog-
gers mit Harpoccras opaUnum, und es ist wahrscheinlich, dass auf dieser Strecke das Gebiet, welches heute
von der karpathischen Sandsteinzone eingenommen wird, zur Liaszeit trocken lag.
In den Westalpen deutet vielleicht der Umstand, dass in der Finster-Aarhornmasse und in der Tödi-Wind-
gällengruppe wie am Calanda der dem oberen Dogger angehörige Eisenoolith das tiefste Glied des Jura bildet,
auf eine ähnliche Erscheinung, und für weiter westlich gelegene Gegenden hat Schaardt auf Anzeichen festen
Landes aufmerksam gemacht. ^
Jedenfalls handelt es sich dabei nur um verhältnissmässig kleine, isolirte Inseln, von deren Existenz zur
Zeit des oberen Jura keine Spur melir zu finden ist. Eingehende Loealuntersuchungen werden deren Zahl ver-
muthlich noch vermehren, vielleicht wird sich nachweisen lassen, dass selbst im oberen Jura noch ein oder die
andere vorhanden war, allein jedenfalls existirte die krystallinische Kette des gewaltigen alpin-karpathischeu
Bogens damals der Hauptsache nach nicht als ein über Meer aufVagender Landrücken. Dagegen finden sich
bestimmte Anzeichen von Festland in anderen Theilen der alpinen Region.
In erster Linie ist hier die spanische Meseta zu nennen. Im Allgemeinen ist der Jura in Spanien sehr
verbreitet und nimmt einen Flächenraum von mehr als 22.000 Quadratkilometer oder 4-45 7o des ganzen
Landes ein.^ Die Daten, welche über den Charakter dieser Ablagerungen vorliegen, sind noch ziemlich
unzulänglich, doch lässt sich in den Hauptzügen erkennen, dass im südlichen Theile alpine, im nördlichen
Theile ausseralpine Entwicklung herrscht, wie das von Choffat für das angrenzende Portugal nachgewiesen
1 Gilliörou, les Alpes de Fiibourg eu g6u6ral et le Montsalvens eu particulier. Beiträge zur geolog. Karte der
Schweiz. Bd. XII.
2 Hans Schardt, fetudes geologiques aiir le Pays d' enhaut Vandois. Bulletins de la sociöte Vandoise des sciences
natm'elles 18S4, fol. 20, S. 108.
ä Breve Idea de la constitiicion geolugica de Espaiia (ohne Autorangabe). Boletin de la comision del mapa geolögico
de Espaua Vol. V. 1878. S. 149. — Vergl. auch Verneuil etOoUomb, carte geologique de l'Espagne.
104
M. h'eumuy r.
worden ist.' Die von Verneuil bei Cahra in der Provinz Cordoba (Andalusien) entdeckten, und von Soliloen-
bach theilweise bestimmten Formen sind typisch alpin,''' wovon ich mich auch persönlich überzeugen konnte.
Dasselbe gilt von den von Vilauova beschriebenen Vorkommnissen der Provinz Castellon-'' und nach Orueta
wohl auch von denjenigen der Provinz Malaga, aus Vielehen Ammonites plicatilis und tatricus angeführt werden.*
Eine ausführlichere Liste der in der Provinz Granada gefundenen Jurafossilien, welche Gonzalo y
Tarin miltheilt," enthält die folgende typisch-alpine Animonitenfauna, in welcher Formen des mutieren und
oberen Lias, sowie des Tithon die grösste Rolle spielen.
Harpoceras Arolkum Opp.
Haploceras elmatum Opp.
„ Erato Orb.?
Hammatoceras variahih Orb.
Amaltheus Loscombi Sow.
Pht/Uoceras mediterraneuni Neu m.
„ ptychoicum Quenst.
, isotypus Ben.
„ silesiacum Opp.
Lytoceras quadrisulcatmn Orb.
„ nmnicipah Opp.
„ Liehigi Opp.?
Harpoceras radialis Rein.
„ Levesquei Orb.
serpentinum Rein.
Normannianum Orb.
Stephanoceras coronatum Sow.
PerispJtindes plicatilis Sow.
„ transitorius Opp.
„ microcanthus Opp.
„ Köllikeri Opp.
Olcostephamis Groteanus Opp.
Peltoceras Arduennense Orb.
Aspidoceras liparum Opp.
Anders verhält es sich in den nordwestlichen Theilen des Landes; Aranzazu schildert den Jura der
Provinzen Bnrgos, Logronjo, Soria und (Uiadalajara, welcher mitteleuropäischen Charakter zeigt,*' und Castel
führt, abgesehen von anderen Fossilien aus Guadalajara, die folgenden Ammoniten an: '
Hammatoceras uariabile Orb.
Coeloceras annulatum Sow.
„ Deplacei Orb.
„ Hollandrei Orb.
Lytoceras jurense Ziet.
Amaltheus margaritatus Mtf.
„ Spinat US Brug.
Ariefites bisulcatus Brug.
Harpoceras Aalense Ziet.
bifrons Brug.
complanatum Sow.
discoides Ziet.
radians Rein.
serpentinum Rein.
opalinum Mand.
thouarsense Orb.
„ hecticum Rein.
„ canaliculatuw Buch.
„ lunula Ziet.
Hammatoceras insigne SchUbl.
Stephanoceras Humphriesianum Sow.
Macrocephalites macrocephalus Schi.
„ microstoma Orb.
Beineckia anceps Rein.
Perisphinctes Backerine Sow.
„ plicatilis Sow.
„ Martiusi Orb.
„ transitorius Opp.
Aspidoceras perarmatum Sow.
Parkinsonia Garantana Orb.
Cardioceras cordatum S o w.
1 Choffat, ötudes stratigrapbiques et pal6ontologiques sur les terraius jurassiques du Portugal; a. a. 0.
-' 8chlöubach, die tithonische Fauua in Spanien, verglichen mit der Südtirols. Verhandlungen der geolog. Reiehs-
austalt 1S67. S. 251.
3 Vilanova, Memoria geoguostico-agricola sobre la Provincia de Castellon. Memorias de la real Academia de Cien-
cas de Madrid. Tomo IV. 1S59.
1 Orueta, Bosquejo lisico y geolögico de la region septeutrional de la Provincia de Malaga. Boletin de la cumisiou
del mapa geolögico de Espana 1877. Bd. IV.
5 Gonzalez y Tarin, Resena fisica y geol6gica de la provincia de Granada. Boletiu 1S81. Vol. VIII.
6 Aranzazu, Apuntes pora una descripcion fisica y geolögica de las pro vincias de Bnrgos, LogroSo, Soria y Guada-
lajara. Boletin de la comision del mapa geolögico de Espaüa Vol. IV. 1877.
I Castel, Descripcion geolögica de la Provincia de Guadajara. Boletiu 1881, Vol. Vlll.
Die geof/rapJtif«J/t' Verlircifiniq der Jurtiformafion. 105
Aus dieser Liste kann man auf das Vorhandensein von unterem, mittlerem und oberem Lias, von Unter-
oolitli, Kelloway- und Oxfordstufe, vielleicbt aucli von Tithon scldiessen, und da ausser dem gerade in
Mitteleuropa häufigen Lijioccras jurmse kein Angehöriger der Gattungen PhijUoceras und Lytoceras unter den
aufgeführten Arten ist, so kann man die Entwicklung mit Bestimmtheit als mitteleuropäisch ansprechen. Weiter
gegen Osten wird die Sache fragliclier; aus d<?r Provinz Huesca citirt Mallada BeJemnites compressus, Har-
2}0ceras bifrons und radialis,^ doch ist hier die Zalil der Arten noch zu gering, al-; dass man daraus auf den
Charakter der Ablagerungen einen bestimmten Schluss ableiten könnte. Auch die Angaben über die noeli
weiter östlich gelegenen Provinzen Lerida,'^ Barcelona-' und Tarragona* gestatten noch kein sicheres Urtlieii,
wenn auch die Angaben von Gombau für die zuletzt genannte Gegend eher auf ausseralpine Verhältnisse hin-
weisen. Wir wissen also noch nicht genau, wie die (irenze zwischen alpiner und ausseralpiner Entwicklung
hier verläuft. In Portugal kommt allerdings noch ausseralpiner Jura und Wealden südlich von den westlichen
Ausläufern der IMeseta vor, und man könnte dadurch auf die Vermutliung gebracht werden, dass^ wie um den
Südrand der böhmischen Masse, so auch um den der Meseta sich ein schmaler Streifen des ausseralpinen Jura-
Meeres herumziehe, doch wissen wir darüber nocli nichts Bestimmtes.
Obwohl die geologiselie Kenntniss Spaniens durcli die Thätigkeit des Aufnahmscomit6s in neuerer Zeit
ganz überras(diende Fortschrilte gemacht hat, so fehlt es doch vorläufig noch an einer eingehenden paläon-
tologischeu Untersuchung der gefundenen Fossilien, und erst wenn diese wichtige und lohnende Aufgabe
gelöst ist und eine Monographie der gefundenen Juraversteinerungen vorliegt, wird man mit Sicherheit die
Grenzen zwischen alpiner und mitteleuropäischer Entwicklung feststellen können.
Zwischen den Landstrischen, in welchen Juravorkommnisse auftreten, finden sich andere, in welchen
Ablagerungen dieses Alters fehlen; hierher gehören zunächst die aus alten Schiefern u. s. w. bestehenden
Theile der betisehen Cordillere, welchen gegen Norden eine mesozoische Zone vorliegt;' wir haben es mit einem
einseitigen Kettengebirge von alpinem Typus zu thun, welches an seinem Südrande abgebrochen ist, und wie
bei den übrigen alpinen Ketten ist kein zwingender Grund vorhanden, hier eine alte Insel anzunehmen; aller-
dings ist unsere Kentniss noch keine vollständige, doch spricht der Gliarakter der Juraablagerungen, der rothen
Ammonitenkalke, welche in der Kalkzone der i)etischen Cordillere auftreten, entschieden gegen die Nähe von
festem Lande.
Anders verhält es sich mit dem spanischen Centralplateau, der „Meseta", welche die Mitte des Landes
einnimmt und an ihrem Südrande von der hochaufragenden Sierra Morena begrenzt ist. Gegen Süden, Osten
und Norden von jurassischen Ablagerungen umgeben, nach Westen bis an den atlantischen Ocean ausgedehnt,
erhebt sich hier eine alte blasse, ein „Horst", an dessen Zusammensetzung wesentlich Granit, Gneiss und
andere krystallinische Schiefer, paläozoische Ablagerungen mit Auflagerungen von oberer Kreide und Tertiär
betheiligt sind.*' Die Grösse dieser Masse und das Auftreten transgredirender Kreidebildungen machen es sehr
wahrscheinlich, dass wir hier eine alte, der böhmis'-'hen Masse vergleichbare Insel ^or uns haben.
Östlich von Spanien haben die balearischen und pitiusi sehen Inseln Juraablagerungen von typisch
alpinem Charakter mit Terehmtulu dipluja und vielen Ammoniten geliefert, doch muss es sehr zweifelhaft
erscheinen, ob der ganze zwischen Spanien, Südfrankreich und Italien gelegene Meerestheil zur Jurazeit über-
1 Mallaila, Doscriiieion fisica y j^eolögica de la i)rovinfia de Hiiesea. Meiuorias ilc la uomisiou del mapa geolögico
de Espaua ISTS.
'- Bauza, Breve reseSa geolögica de las provincias de Tarragona y Lerida. Boletiii ls76. Bd. III.
3 Maureta und Thos y Codina, Descripeion fisiea. geologica y miuera de la piovincia de Barcelona, lleuio-
rias 1881.
* Gombau, Ee-scüa fisica y geologica de la provineia da Tarragona. l'.oletin 1877.
6 Vergl. über die betische Cordillere die Übei-sicbt bei Siiess, Antlitz der Erde. I. S. 298 — 302, welche nach den
Arbeiten von Botella, Dräsche, Gonzalez y Tarin, MacPherson und Orueta zusammengestellt ist,
'5 Gil y Maestre, Descripeion fisica, geologica y minöra della provincia du Salamanca. Memorias 1880. — Egozeue
und Mallada, Memori.i geolögica-minöra de la provincia de Caceres. Memorias 1876. — Donaire, Descripeion tisica y
geologica de la provincia de Avihi. .Memorias 1879.
Denkschriften der mathem.naturvr . C). L. Bd. 14
106 M. Neiimayr.
fluttet war;' auf Sartl inicn tritt allerdings Jura in bedeutender Verbreitung auf, und zwar sowobl im Ceutruni
als im nördlichen Tlieile der Insel;'' dagegen scheint derselbe in Corsica zu fehlen, wo Nummulitenkalk auf
rliätischen Ablagerungen ruht, von diesem durch eine fossilfreie Kalkbildung unbekannten Alters getrennt.^
Audi hier haben wir es mit altem Festland zu thun, und da die zmschen Corsica und dem toscanischen Fest-
lande gelegenen kleineren Inseln ganz aus alten Bildungen bestehen und manche zoogeographische Anhalts-
punkte für den Bestand einer grösseren Landmasse spreciien,* welche sich in der Vorzeit hier befand, so wird
es wahrscheinlich, dass Corsica mit Giglio, Pianosa, Monte Christo, Gianutri u. s. w. eine zusammen-
hängende Masse bildeten, wofür auch die thonige Beschaffenheit der toscanischen Liasgesteine spricht. Dagegen
haben wir auf Elba Liasabiagerungen, und das Meer hat sich also bis hierher erstreckt.'"
Ein weiteres Gebiet, welches als ehemalige Insel in Frage kommen kann, ist die krystallinische Masse des
südlichen Calabrien; in der That fehlen hier alle älteren Jurabildungen, allein an einer Reihe von Punkten
legen sich oberjurassische Ablagerungen, namentlich solche tithonisclien Alters auf die altern Gesteine
auf," und wir haben es daher mit einem Areal zu thuu, in welchem eine Transgression des oberen Jura
stattfindet.
Als ein altes Festland ist die Gegend des heutigen adriatischen Meeres bezeichnet worden, und ich
selbst habe mich für die Existenz eines solchen in jungtertiärer Zeit ausgesprochen;' dagegen kann für die
Existenz eines solchen in der Jurazeit kein hinreichender Anhaltspunkt beigebracht werden. Die einzige That-
sache, welche in dieser Weise gedeutet werden könnte, ist das Auftreten jener liasischen grauen Kalke mit
Ter ebratula Rozzoana, zahlreichen Muscheln und einzelnen Bänken mit eingeschwemmten Landpflanzen, welche
im Etschthal, in den Sette-Comuni und an vielen anderen Punkten jener Gegend auftreten.*' Wäre diese
bekannte Seichtwasserbildung auf das südtirolisch-venetiauische Gebiet beschränkt, so könnte daraus etwa
auf ein sehr nahes, und zwar am besten auf ein Adriafestland geschlossen werden; allein wir haben hier nur mit
den äussersteu westlichen Ausläufern einer sehr weit verbreiteten Erscheinung zu thuu. Dieselben Ablagerungen
treten in der Gegend von Laibach iu Krain auf, sie zeigen sich bei Karlstadt in Croatien^ und sind durch
die Arbeiten der geologischen Reichsanstalt iu grosser Ausdehnung in Bosnien nachgewiesen worden. '"Ein
1 Lamarmora, observations gßologiques sur les deus iles Baleares Majorqiie et Miuorque faites en Decembpr 1833 et
en Janvier 1S34. Toriuo, Memoria dell' Aceadeiiiia 1835, Vol. 38, S. 51. — Haime, sur la gi''ologie de I'ile de Majorqiie.
Bulletins de la societe göologique de France 1855, Vol. 12, S. 734. — H6rmite, litudes geologiques sur les iles BaU'ares.
Paris 1879. — H6rmite, Note sur la positiou qu'occupeut dans File de Malorque la Terebratula diphya et jauitor. Bul-
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* Forsyth-Major, die Tyrrhenis. Zeitschrift Kosmos 1883. Vol. VII, S. 104.
5 Lotti, Osservazioni geologiclie sulle isole del AichipelagoToscano. Bolletiuo del Comitato geologico d'Italia 1884, S. 52.
G Suess, die Erdbeben des siuUieheu Italieu. Denkschriften der Wiener Akademie. 1874, Bd. .'il. — Burgersteiu und
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Berlin 1878. — Mojsisovics, die Dolomitriffe in Südtirol und Venetien. Wien 1879. — Taramelli, Monografia stratigra-
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Lias im südöstl. Tirol und in Venetien. Neues Jahrbucli 1881. Bd. I, S. 207.
9 J. Schmidt, über die Fossilien des Vinicaberges bei Karlstadt in Croatien. Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt 1880.
S. 719. — Schloenbach, Verhandlungen der geolog. Reich.sanstalt 1869, S. 68. — Mojsisovics, Dolomitriffe, S. 91.
1" Mojsisovics, West-Bosnien und Türkisch-Croatien. Jahrbuch der geolog. Reichsaustalt 1880. S. 31.
Die geographische Verbreitung der Juraformation. 107
weiteres Glied derselben Kette bildeo die liasisclien Kcihlenablageniiigen von FUnfkircheu inUngam', sowie
die einem seichten Meere entstammenden, kohlenführendeu Ablagerungen im Banat, welcbe entschieden in
der Nähe einer Küste gebildet sein müssen.^ Im Balkan tritt dieser Charakter weniger hervor, wenn auch die
Armuth an Ammoniten auffällt, und z. B. die verhältnissmässig grosse Zahl von Muscheln, welche Toula im
mittleren Lias von Bratjo\re nördlich von Sophia gefunden hat, für geringe Meerestiefe sprechen. **
Aus derartigen Anhaltspunkten hatte schon Peters auf die Anwesenheit festen Landes auf der Balkan-
halbiusel geschlossen,* welches speciell zur Liaszeit seine grösste Ausdehnung erreichte. Mojsisovics ver-
folgte diese Verhältnisse weiter, und sprach die Ansicht aus, dass dieses „orientalische Festland" sich im
nordwestlichen Theile der Balkanhalbinsel befunden habe, zwischen Bosnien und dem Balkan, und dass der
Umfang des trockenliegenden Areals zur Liaszeit am grössten war, sich dann immer einengte, bis zur Kreide-
zeit die Ausdehnung des Meeres ihr Maximum erreichte.''
An der Existenz einer solchen Insel kann nicht der mindeste Zweifel gehegt werden, und es ist nicht
unwahrscheinlich, dass das Agramer Gebirge, das slavonische Gebirge, die Frusca Gera in Syrmien Überreste
derselben darstellen; Fünfkircheu dürfte ungefähr einen Punkt ihres Nordrandes während ihrer grössten Aus-
dehnung bezeichnen, eine auch nur entfernt genaue Abgrenzung ist bei unserer verhältnissmässig geringen
Kenntniss eines Theiles jeuer Ostländer und der grossen Ausdehnung deckender Diluvialablagerungen nicht
möglich. Jedenfalls war aber dieses Stück festen Landes schon zur Zeit des oberen Jura sehr viel kleiner
geworden, in den meisten Gegenden, aus welchen oben Seichtwasserbildungen des Lias angeführt wurden,
ist für den Malm nichts Derartiges zu erwähnen. In Südtirol und Venetien treten die pelagischen rothen
Ammoüitenkalke auf, und solche wiederholen sich im Gebiete von Fünfkirchen, im Banat'' und wenigstens
in einem Theile des Balkan," und Andeutungen einer noch wenig bekannten, aber zum mindesten nicht
litoralen Entwicklung des oberen Jura sind auch für Croatien* und Bosnien^ gegeben.
Schon in diesem Falle ist es kaum möglich, mehr als die Existenz eines Festlandes anzugeben, die
Begrenzung desselben ist durchaus unsicher. Wenn wir in weiterer Verfolgung unserer Betrachtung zu den
übrigen wenig bekannten Ländern vorschreiten, so wird uns immer wieder diese Schwierigkeit begegnen, und
sie wird sich oft in noch verstärktem Masse einstellen. Wir werden nur mehr die allergröbsten Züge festzustellen
suchen, eine relativ detaillirte Schilderung, wie sie für das westliche Europa gegeben werden konnte, gehört
weiterhin in den Bereich der Unmöglichkeit.
Als eine weitere Insel darf wohl das tliracische Massiv betrachtet werden, südlich vom Balkan gelegen,
welches wesentlich aus krystalliuischen Schiefern besteht; gegen Westen dürfte dasselbe nach den Arbeiten
von F. V. Hoch stetter '" bis in die Nähe des Wardargereicht haben, im Osten ist die jetzige Begrenzung durch
das Becken des Erkene, der bei Enos ins ägäische Meer mündet, wahrscheinlich einem späteren Einbrüche
zuzuschreiben; ursprünglich erstreckte sich das Massiv weiter, selbst die Prinzeninseln im Marmarameer
1 Peters, über den Juia von Fünfkiichcn, Sitznngsber. der k. Akad. d. Wissensch. in Wien. 1863. Bd. 46. S. 241.
3 Tietze, geologische und paläontolog. Mittheilungen aus dem südlichen Theile des Banater Gebirges. Jahrbuch der
geolog. Keichsanstalt 1872. S. 51.
s Toula, geolog. Untersuchungen im westlichen Theile des Balkans und in den angrenzenden Gebieten. V. Ein geolog.
Profil von Sofia über den Berkovica-Balkan nach Berkovac. Sitzuugsber. der k. Akad. in Wien. Bd. 77. Abth. I, S. 10 (des
Separatabdr.).
* Peters, 1. c.
5 Mojsisovics, West-Bosnien u. s. w., 1. c, S. 112.
6 Tietze, Banater Gebirgsstock, I. c, S. 74.
' Toula, geolog. Untersuchungen im westlichen Theile des Balkan und in den angrenzenden Gebieten. I. Ein geolog
Profil von Osmauieh am Arcer über den Sveti-Nikola-Balkau nach Ak-Piilanka an der Nisava. Sitznngsber. der k. Akad. in
Wien. Bd. 75. I. Abth. 1877, S. 40 (des Separatabdr.).
8 Stur, Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt. 1863, S. 506.
9 Mojsisovics, das westl. Bosnien u. s. w. 1. c, S. .33. ^ Tietze, das östl. Bosnien, ebenda S. 142.
1" F. v. Hochstetter, die geolog. Verhältnisse des östlichen Theiles der europäischen Türkei. Jahrbuch der geolog.
Reichsanstalt. 1870. S. 3 66.
14*
108 M. Neumayr.
scheinen einen Überrest (k>sf]1)en (Imznstellen, und aller Wabrscbeinlichkeit nacli war auch der nordwest-
lichste Theil von Kleinasien festes Land.
Andeutungen einer weiteren Insel erhalten wir diireh die Untersuchungen von Peters über die
Dobrudscba; * im nördlichen, gebirgigen Theile des Landes treten aufgerichtete Ablagerungen des Jura auf.
unter welchen sich Vertreter des Lias, des mittleren und oberen Jura nachweisen Hessen. Im südlichen, flachen
Theile des Landes werden die krvstallinischeu Schiefer unmittelbar von horizontal gelagerten Kalken des
oberen Jura bedeckt, deren namentlich an Muscheln, .Schnecken und Brachiopoden reiche Fauna an die
tithonischeu Korallenbildungen der Kariiathen, aber auch an die f¥e/-oce/'as-Schichten von Hannover, Frank-
reich und der westlichen Schweiz erinnern. Es wäre jedoch nicht gerechtfertigt, diese Bildungen als dem ausser-
alpinen Typus angehörig zu bezeichnen, wenn auch die Faciesentwickelung, welche hier herrscht, in der alpinen
Kegion ungewöhnlich ist; von den zwei Ammonitenarteu, welche hier vorkommen, gehört die eine der Gattung
Fhylluceras an. Jedenfalls geht aus diesen Daten hervor, dass die südliche Dobrudscba und wohl auch einige
angrenzende Gebiete zur Zeit des Lias, des Dogger und des unteren Malm trocken lagen und erst gegen Ende
der Jurazeit überflutet wurden.
Der westliche Theil der Balkanhalbinsel scheint von Meer bedeckt gewesen zu sein; allerdings ist die
Zahl derjenigen Funkte, an welchen sicherer Jura nachgewiesen, eine ziemlich geringe, doch ist die Ursache
hiefür wohl hauptsächlich in der ausserurdentlicben Fossihumuth der betretfenden Bildungen, sowie in unserer
geringen Keuntniss dieser Länder zu suchen. Die Vorkommnisse in Bosnien und der Herzegowina wurden schon
erwähnt, im westlichsten Croatien hat Stoliczka in der (legend östlich von Fiume dunkle Kalke mit ober-
jurassischen Ammoniten fFefisphindus cf. pohjplociif>, Haploci-ras cf. Eratoj, und Fötterle bei Lapac im
Liccaner-Eegimente Kalke mit nicht näher bestimmbaren Perisphincten gefunden. Aus Dalmatien ist eine
Reihe von Vorkonmmissen bekannt; aus der Gegend von Verlicca ist Terebratula diphya, und ein an die Solen-
hofer Schiefer erinnernder l'lattenkalk mit Fischen, Lumbricarien und Ammoniten bekannt, welche jedenfalls
der Oberregion des oberen Jura angehören. In den Hocclie di Cattaro stellen bei Castelnuovo vermuthlich
jurassische Nerineenkalke an, bei Schmokowac, unweit Risaiio, befindet sich ein vermuthlich unterliasischer
Brachiopodenkalk mit Eliynchonellinen, und im südlichsten Dalmatien kommen hornsteinreiche Kalke vor,
welche bei Budua einen Aptychus aus der Gruppe der LameUosl geliefert haben. ^ An diese Vorkommnisse
schliessen sich dann die von Tietze in Montenegro gefundenen rothen Ammonitenkalke mit unbestiinm-
bareu Perisphincten an.^
Es folgt nun eine grosse Lücke, welche durch unsere dürftige Kenntniss von Albanien und Macedonien
bedingt wird, und erst in Griec-henland treffen wir wieder auf einige Anhaltspunkte. Hier treten in ungeheurer
Mächtigkeit helle Kalke und flyschähuliche Sandsteine auf; im westlichen Mittelgriechenland, in Aetolien
und Akarnanien, wo die Reihenfolge am vollständigsten ist, lassen sich folgende Glieder unterscheiden:*
1. Obere Kalke mit Hippuriten.
2. Sandsteine, häufig mit Kalkeinlagerungen.
3. Untere Kalke.
Ausser den Hippuriten der oberen Kalke hat diese Gegend keine bestimmen Fossilien geliefert, weiter
östlich dagegen hat Bittner in einem rothen Kalke bei Agoriani im Parnassgebiete eine Fauna entdeckt,^ welche
von grosser Wichtigkeit ist. Sie enthält, abgesehen von neuen oder nicht sicher bestimmbaren Vorkommnissen
die folgenden Arten:
1 Peters, Gruudliuieu zur Geographie imil Geologie der Dobrudscli.i, II. Geologischer Theil. Denksehrifteu der kais.
Akademie iu Wien. 1867. Bd. XXVII, S. 173—189.
- F.V.Hauer, geol. Übeisichtskarte der östeir. Monarchie. Blatt 10. Daluiatien. Jahrbuch der geolog. Reiehsanstalt
1868, S. 443. — Eichenbaum, die Braehiopoden von Schmokovac bei Risauo in Dalmatien. Ebenda 1883, S. 713.
s Tietze, geolog. Übersicht von Montenegro. Ebenda 1884. S. 84.
* Neumayr, der geolog. Bau des westlichen Mittelgriecheuland. Deukschr. d. k. Akad. der Wissensch. Bd. lo, S. 120.
■T Bittner, der geolog. Bau von Attica, Boeotien, Lokris und Paruassis. Ebenda, S. 20.
Die geographische Vcrhreliung der Juraformation. 109
Haploceras latidorsatum Mich. Haploceras Beudanti Brongn.
„ Majorianum Orb. Lyfoceras Agassizianmn Pict.
Es ist das der Horizont der Perte du Rlione, wir haben es mit unterem Gault zu thun. Über das
Niveau, welches diese rothen Kalke im Parnassgebiete einnehmen, ist allerdings keine vollständige Sicherheit
vorhanden, doch scheinen dieselben eine Einlagerung im oberen Tlieile der Sandsteine zu bilden. Die tieferen
Theile des Sandsteines, und die überaus mächtigen und petrographiseh mebrt'ach gegliederten unteren Kalke
sind also älter als Gault, und es liegt die Vermutliung nahe, dass ein Tlieil derselben wenigstens dem Jura
angehöre. Ganz Akarnanieu besteht aus diesen Kalken, ebenso die au der akarnanischen Westküste gelegenen
kleinen Inseln, sowie die östliche Hälfte \(Ui Leukadia. Bei dem ausserordenilich regelmässigen Streichen der
Ketten im westlichen Griechenland kann kein Zweifel bestehen, dass diese Bildungen sich auch im westlichen
Epirus fortsetzen, und vermuthlich sind es dieselben Kalke, welche bei Avlona die akrokeraunischen Berge
bilden und hier ins Meer hinausstreicheu. In die nördliche Fortsetzung der unteren Kalke von Leukadia und
den kleinen westakarnanischen Inseln fällt aber auch Cori'u oder wenigstens sein östlicher Theil, und hier hat
Port lock vor einer längeren Reihe von Jahren auf der dem Hafen V(m Corfu vorliegenden Insel Vido Jura-
fossilien entdeckt. ' Ich selbst habe den Punkt im Jahre 187(3 besucht und unbestimmbare Ammonitenspuren
gefunden, dot h musste eine weitere Untersuchung unterbleiben, da dieselbe vou den Strandwächtern kategorisch
verboten wurde, und die Zeit zur Erwirkung einer Erlaubuiss von den betreffenden Behörden zu kurz war. Im
Pelopounes haben Boblaye und Virlet bei Xauplia Jurafossilien, Neriueen und Dicerateu, gefunden, welche
Deshayes beschrieben hat;^ dieselben scheinen einem „Corallien" des oberen Jura anzugehören, dessen
genaues Alter vorläufig nicht bestimmbar ist.
Unter diesen Umständen ist es sehr wahrscheinlich, dass ein ansehnlicher Theil der im östlichen Theil
der Balkanhalbinsel verbreiteten lichten mesozoischen Kalke dem Jura angehört.
VII. Der Jura in Afrika.
Wie die Gebirgsketten der afrikanischen Nordküste von Tunis bis zum atlantischen Ocean tektonisch
lediglich ein Stück des südeuropäischen Alpensystemes sind, so verhält es sich auch bezüglich der dort auf-
tretenden Sedimentablagerungen; auch der Jura findet sich in grosser Verbreitung, und seine Ablagerungen
sind in Algerien durch die bekannten Arbeiten der französischen Geologen, die hier aufzuzählen überflüssig
wäre, in sehr befriedigender Weise erforscht. Auch aus Marokko liegen wenigstens Andeutungen über das Vor-
kommen von Jura vor^ und der Kalk des Felsens von Gibraltar, der geologisch noch zu Marokko gehört,
wird für jurassisch gehalten, wenn auch die dafür vorhandenen Anhaltspunkte ziemlich sehwach sind und sich
auf das Vorkommen einer mit Rhynchonella concinna verwandten Form beschränken.* Über das Auftreten juras-
sischer Ablagerungen in dem Gebiete von Tunis liegt keine Angabe in der Literatur vor, und es war mir daher
von um so grösserem Interesse, von Herrn Dr. W. Kobelt in Schwanheim einen vom Djebel Zaghuan bei
Tunis stammenden Ammoniten zu erhalten, welchen er im vorigen Jahre gesammelt hafte. Es ist ein Feris-
phindes aus der Gruppe des Per. colubrinitü, der zwar neu ist, aber nach seiner Form jedenfalls dem oberen Jura,
und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach der Kimmeridgesfufe oder- dem unteren Tithon angehört. Dieser Pw.
Kobelti, wie ich ihn zu nennen vorschlage,'' steckt in einem rothen Kalke, der z. B. von dem Diphyenkalk von
1 Portlock, Quarterly jourual geolog. soc. is4ö. Vol. I. S. mV. Gefundeu wurden uubestiuimliare Plauulateu und IWe-
braliila cf. pala.
- Expedition seientifique eii Moree. Sciences physiques. Vol. II, Geologie et iiiineralogie. ü. ir,4. — Vol. III, Zoologie
et Botani(iiie. S. ls3.
3 Bleicher, sur les regiona comprises entre Tanger, el Araieh et Meftn^s. Comptes rendiis. 1874. Vol. 78, S. 1712. —
Lenz, vorläufiger Bericht in Mittheilungen der afrikanischen Gesellschaft 1S8.3. Vol. II, S. 100. — C. v. Fritsch, über die
geolog. Verhältnisse in Maroeco, Zeitschr. für die gesammten Naturwissenschaften. 18S1, Vol. 6, S. 201.
* Ramsay und Geykie, on tho gcology nf Gibraltar. <^>u:irterly Journal of tlie geological society. I,s7s, S. öo.'i.
5 Vergl. Anhang I. dieses Aufsatzes.
110 M. Neumayr.
Eoverefo nicht zu iiiiteis^cheiden ist. Dasselbe Stück enthält auch ein Fragment e,mt,s Aptychus aus der Gruppe
der Lamellosi.
Südlich von dem Gebirge von Marokko, Algier und Tunis liegt die flach gelagerte „Wüstentafel", welche
in der Schottregion an das Mittelnieer herantritt und von da an gegen Osten dessen Südküste bildet. Wie
bekannt, fehlt in diesem weiten Gebiete, dem auch die arabische Halbinsel angehört, jede Spur von jurassischen
Bildungen, obere Kreide liegt hier überall unmittelbar auf archaischen oder paläozoischen Bildungen auf. '
In dem gewaltigen Theile Afrika 's südlicli von der Sahara kennen wir einen einzigen Punkt, an welchem
jurassische Ablagerungen sich im Inneren des Landes finden; es sind das die von Blanford^ beschriebenen
Kalke von Antalo in Abyssiuien, welche eine nicht eben artenarme, aber aus wenig charakteristischen
Typen bestehende Fauna enthalten, Dass dieselben wirklich unserer Formation angeb(3ren, kann wohl keinem
Zweifel unterliegen, doch liegen keine hinreichenden Anhaltspunkte vor, um zu entscheiden, welchem Horizonte
sie angehören ; vielleicht wird ein bestimmteres Urtbeil darüber möglich sein, wenn einmal die paläontologische
Bearbeitung der Jurafauua von Cutch in Indien, von der wir bis jetzt nur die Cephalopodeu kennen, erschienen
sein wird.
Abgesehen von dieser Region scheint jedoch das Jurameer den afrikanischen Contineut nur an seinen
Osträndern bespült, nicht aber grössere Strecken desselben bedeckt zu haben. Wohl ist unsere Kenntniss noch
sehr gering, aber alle Angaben weisen darauf Iiiu, dass wir es mit einem uralten Coutiueute zu thun haben,
und aus dem ganzen Gebiete südlich von der Sahara scheinen marine Ablagerungen, welche jünger sind als
das Devon, ganz zu fehlen oder auf den äussersten Küstensaum beschränkt zu sein, während jüngere Biunen-
ablageriingen mit Landpflanzen namentlich aus dem Süden in grosser Ausdehnung bekannt sind.
Auch an den Bändern scheinen marine Ablagerungen mesozoischen Alters nur sporadisch überzugreifen;
in erster Linie sind für uns die zuerst von Fraas erwähnten und von Beyrich näher beschriebenen Jura-
ablagerungen von Mombassa, ungefähr unter 4° südl. Breite, von grösstem Interesse, deren Cephalopoden mit
solchen der Catrolgruppe von Cutch, theilweise auch mit denjenigen der Tenuilobatenschichten Europa's
übereinstimmen.^
Ein zweites Vorkommen wird durch einen von Peters im Jahre 1843 am Conduziaflusse bei Mossam-
bique gesammelten Ammoniten angedeutet, welcher im mineralogischen Museum der Universität in Berlin
aufbewahrt wird, und den Herr Geheimrath Beyrich mir anzuvertrauen die Güte hatte. Das Stück, welches
in seiner Erhaltung merkwürdig an gewisse Vorkommnisse des russischen Jura erinnert, ist ein Pht/Uoceras,
das ich von dem im Neocom der alpinen Provinz vorkommenden PJii/Il. semistriafum Orb. in keiner Weise unter-
scheiden kann.* Allerdings ist damit eine ganz präcise Altersbestimmung kaum möglich; PhijU. aeittistriatmn
findet sich bei uns im alleruntersten Neocom, steht aber dem Fhi/U. serum Opp. aus dem Tithon sehr nahe,
so dass deren Unterscheidung schon einige Aufmerksamkeit erfordert; da nun gerade die Phylloceraten zu den
etwas kritischen Ammonitengruppen gehören, so möchte ich nach einer einzelnen Art aus einer so entlegenen
Gegend kein absolutes Urtheil darüber abgeben, ob wir es mit oberstem Jura oder mit unterster Kreide zu
thun liaben, wenn auch das Letztere wahrscheinlicher ist.
Treten uns sowohl bei Mombassa als bei Mossambique die verwandtschaftlichen Beziehungen zu Europa
in der auffallendsten Weise entgegen, so verhält es sich durchaus anders mit einem dritten Vorkommniss, das
wir hier ebenfalls in Betracht ziehen müssen, obwohl es nicht dem obersten Jura, sondern der untersten
Kreide angehört; es sind das die sogenannten Uitenhageschichten des Caplandes,^ welche in ihrer sehr
1 Zittel, Beiträge zur Geologie und Paläontologie der libyschen Wüste, PalaeontograpLica Bd. 30 — Suess, das Antlitz
der Erde, Vol. I, S. 462.
" Blanford, geology and zoology ofAbyssinia, I, S. 170.
•3 Beyrich, über jurassische Ammoniten von Mombassa, Monatsber. der Berl. Akad. 1877, S.96. — Über Hildebrandt's
Sammhipgen von Mombassa. Ebenda 1878, S. 767.
1 Vergl. Anhang II.
^ Holiib und Neumayr, über einige Fossilien aus der Uitenthagefonnation in Südafrika. Diese Denkschriften. 1881,
Bd. 44.
Die geographische Verhreifnnf/ der Jinrifont/afioii. 111
reielien, schon etwa 80 Arten umfassenden Marinfauna nicht eine Form aufzuweisen haben, welche mit
Bestinimtlieit mit einer enrnpäischcn identiticirt werden könnte. Allerdings f::ehören die Uitenhageschiehten,
wie jetzt fast mit voller Sicherheit gesagt werden kann, nicht zum Jura, sondern zur alleruntersten Kreide, und
gehören daher streng genommen nicht in den Bereich unserer Betrachtungen; allein man muss berücksichtigen,
dass zwischen zwei unmittelbar benarlibarten Zonen, auch wenn zufällig zwischen ihnen hindurch die Grenze
zwischen zwei Formationen gelegt worden ist, doch stets eine sehr nahe verwandtschaftliche Bezieliung zu
existiren pflegt, und dass erhebliclie Veränderungen in der geographischen Vertlieilung von Meer und Festland
in so kurzer Zeit in der Regel nicht vor sich zu gehen pflegen, und wir werden daher die aus der Untersuchung
der ältesten untercretacischen Bildungen abgeleiteten .Schlüsse für die Beurtheilung des oberen Jura ver-
werthen können.
Als der wichtigste Punkt, welcher sich aus der Betrachtung derUitenliagcfauna ergibt, ist in erster Linie die
vollständige Verschiedenheit von allen europäischen Vorkommnissen hervorzuheben; allerdings sind unter den
Ammonitiden einige Typen mit solcbea aus Europa nahe verwandt, aber es sind das durchaus nicht Formen,
die speciell in den näher gelegenen Gegenden uuseres Erdtheiles, nämlich in der alpinen Eegion, ihre Analoga
finden, sondern die meiste Ähnlichkeit bietet der norddeutsche Hils. Der eine von den zwei Typen, welcher
beiden Regionen gemein ist, gehört überdies zu den kosmopolitischen Vorkommnissen und kehrt aucli im
uördliclien Russland, in Tibet und vcrmuthlich auch iu Japan wieder. Wir haben es also hier wahrscheinlich
mit Ablagerungen aus einem Meeresbecken zu thun, welches von den europäischen Regionen abgeschlossen
war, resp. mit denselben nur auf weiten Umwegen in Verbindung stand. Namentlich wird es dadurch
unwahrscheinlich , dass damals offenes Meer die Stelle des jetzigen sUdatlantischen Oceans einge-
nommen habe.
Kaum geringer scheint aber, so weit die allerdings noch dürftigen Kenntnisse reichen, der Gegensatz
gegen die oben besprochenen Vorkommnisse an der OstkUste von Afrika, gegen Mossambique und Mombassa
zu sein. Nur zwei Gegenden sind es, in welchen wir bedeutungsvolle Anklänge an die Uitenhagefauna finden;
einige Muscheln derselben kehren im obersten Jura im südöstlichen Theile der indisclien Halbinsel wieder.'
und eine Gruppe von Trigonieu, Steinmanns Triyoniae subqwulratae, ist bis jetzt auf Südafrika und Süd-
amerika beschränkt, wo sie sich in den chilenischen Anden wiederfindet. ''■
Auf Madagaskar nehmen mesozoische Ablagerungen den westlichen Theil der Insel ein, und Jura
scheint in bedeutender Verbreitung vorzukommen, doch ist das, was wir dafon kenneu, noch sehr dürftig;
wir wissen nur, dass Nerineenkalke und Ammonitenscliichten von alpinem Charakter auftreten, welche
sich jedenfalls an die Entwicklung von Mossambique und Mombassa, nicht aber an die südliche Ausbildung
anschliessen.*
Auf die Folgerungen, welche aus den oben geschildertea Verhältnissen abgeleitet werden müssen, gehen
wir hier nicht weiter ein, wir werden darauf zurückkommen, wenn wir die Vorkommnisse in Indien und in
Südamerika kennen gelernt haben werden.
Beiläufig sei hier noch erwähnt, dass Dr. Holub von seinen Reisen iu Südafrika zwei Gryphaeen mit der
Localitätsbezeichnung „zwischen Cradoe und der Tarkastadt" mitgebracht hat; der Fundort wäre demnach im
nordöstlichen Theile der Capcolonie. Die Exemplare stimmen in Form und Erhaltung auffallend mit schwä-
bischen Vorkommnissen von Grijphaea arcuata, und ich kann mich der Vermuthung nicht erwehren, dass
man es mit Stücken zu thun habe, die von irgend einem Einwanderer nach den Diamantfeldern einge-
schleppt und Herrn Dr. Holub mit irriger Fundortsangabe mitgetheilt wurden.
Von der ganzen Westküste Afrika's ist nichts von Jura bekannt, wenigstens liegt keine irgend verbürgte
Nachricht darüber vor. Bei der Discussion einer Arbeit erwähnte Boubee im Jahre 1850 in der Pariser
1 Medlicott and Blanford. Geology of India. S. Siii.
2 Steinmann, die Gruppe der Trigoniae pseudo-quadiatae. Neues Jalirbuch I8s-j, Vol. I, S. 219.
3 P. Fischer, Coinptes readus lS7ö. Vol. 66, S. 1H. — Vergl. Neumayr, klimatische Zonen 1. c, S. 300.
112 M. Neuniaij}'.
geologischen Gesellschaft, dass er Oxfovdfossilien vom Senegal erhalten habe, doch beschränkt sich seine, nur
etwa eine Zeile lange Kotiz einfach auf die Angabe, ' und da keine weitere Nachrieht und keine Bestätigung
aus späterer Zeit vorliegt, so darf man wohl annehmen, dass es sieh um eine Verwechslung handelt. Ahnlich
verhält es sich mit einer zweiten Angalic über Lias an der GuineakUste. Es wurden in der Londoner geologi-
schen Gesellschaft im Jahre 1836 Liasfossilien von der Westküste Afrika's vorgelegt, welche sowohl den
Arten als der Erhaltung nach vollständig mit solchen von Lym3 Regis übereinstimmten. Die Übereinstimmung
war eine so ausserordentliche, dass sofort Zweifel an der Richtigkeit der Fundortsaugabe erhoben und die Ver-
muthung ausgesprochen wurde, dass die Stücke verwechselt worden seien. Daraufgab der Capitän, welcher
die Stücke mitgebracht hatte, die bestimmte Erklärung ab, dass er dieselben selbst auf Fernando Po, Accra
und Sierra Leone gesammelt habe, und dass sie dort in Menge vorkommen. ^ Ich habe mich bemüht, irgend
welche Daten über ein derartiges Vorkommen zu erhalten; sowohl Herr Dr. H. Dohrn in Stettin, als Herr Dr.
0. Lenz, an welche ich mich um Auskunft wandte, erklärten es nach ihrer Kenntniss Westafrika's für sehr
unwahrscheinlich, dass dort etwas Derartiges vorkomme. Herr Dr. Dohrn sciireibt: „Dass übrigens aus-
gewaschene Versteinerungen in den Lngunenbildungen und Waldsümpfen von Guinea zwischen der Niger-
mündung und Cap Palmas zahlreich umlierliegeu sollten, ist an sich schon nicht glaublich."
Da es sich bei den von Leacb vorgelegten Versteinerungen nicht etwa um Fossilien handelt, die bei einer
Expedition in das Innere gesammelt worden sind, sondern dieselben nach dem mitgetlieilten Wortlaute an ver-
schiedenen Küstenpunkten aufgelesen sein sollen, so scheinen mir die Mittheilungen von Dr. Dohrn ent-
scheidend. Überdies sind ja diese Gegenden wiederholt von Naturforschern besucht worden, und wenn
die Fossilien Avirklich in Menge vorhanden wären, so hätten sie gewiss auch ihren Weg nach Europa gefunden
und wären beschrieben oder wenigstens erwähnt worden. In dieser Annahme bestärkt mich noch ein weiterer
Umstand. Murehison citirte die Liasbildungen von Fernando Po und der gegenüberliegenden Küste in der
im Jahre 1839 erschienenen Ausgabe des Silurian System, S.583, als Beleg für die ausserordentliche Überein-
stimmung der altenForraationen in weit von einander entlegenen Gegenden; in späteren Ausgaben (z.B.Siluria
4. ed. 1867) ist diese Stelle ausgelassen, und ich schliesse daraus, dass ihm die Nachricht nicht mehr glaub-
würdig erschienen ist. Ich kann nur annehmen, dass ein aus England kommendes Schiff dort Ballast ausgeladen
hat, und dass es Stücke davon sind, welche von Capitän Bullen aufgesammelt wurden.
Soweit unsere Kenntnisse der afrikanischen Westküste südlich vom Atlas reichen, hat sich au derselben
kein Jura gefunden, und es ist «auch nicht wahrscheinlich, dass er sich noch finden wird.
Während abgesehen von dem äussersten Nordwesten das Vorkommen von marinem Jura ein äusserst
beschränktes ist, scheinen pflanzenführende Binnenablagerungen in dem Gebiete Afrika's südlich vom Äquator
grossen Raum einzunehmen; speciell in der Capregion sind dieselben näher untersucht, und die Flora zeigt
ganz auffallende Ähnlichkeit mit derjenigen der gleichartigen Bildungen in Indien.
VIII. Der Jura im ausserborealen Asien.
Unsere Kenntniss des asiatischen Jura ist sehr gering, und ich habe dem, was ich früher über diesen
Gegenstand gesagt habe, nur wenig beizufügen. Der nordwestliche Theil von Klein asien dürfte mit der
thraeischen Insel verbunden gewesen sein; aus dem übrigen Theile des Landes kennt man von zwei Punkten
Juraablagerungen, und zwar aus der Gegend von Angora im Centrum ^ und von Amassy in der päphlago-
1 BuUetins de la societ6 geulogique de France 1850, Vol. VII, S. 28.3.
- Proceediugs of the geological soeiety, 183G. Vol. II, S. 415. Die Notiz lautet: „Mr. Leach a short time since pre-
sented to the soeiety some orgauic remains stated to have been obtaiued by Commodore Sir Charles Bullen on the West-
Coast of Africa. As these oi-ganic remaius agree exactly with fossils of common occurrenee at Lyme Regis, it was con-
jectured that some mistake might have occured respecting them. But Mr. Leach has been subsequently infoimed by Sir C'harle.s
Bullen, that they were collected by himself and officers at West-Bay, Fernando Po, Accra and Sierra Leone and thit
they occuri- in abuudance." — Die Ablagerungen vim Cap Bianco und Caj) Verde scheinen der Kreideformatiou anzugehören.
3 Tchichatcheft. Asie mineure, Geolugie. Vol. II, Cap. 1.
Die geograpJii sehe Verbreitung der Juraformation . 113
iiisclien Ktistenveg-ion. ' Die erstero Localität gehört nach der charakteristischen Aininouiteufauna bestimmt
der Uxfordstufe au, die zweite hat keine ganz sicher entscheidenden Formen geliefert, doch scheint es sich
auch hier um oberen Jura zu handeln.
Aus Syrien kennen wir durcli Fr aas die viel besprochenen Oxford- und Kellowayablagerungen des
Hermon, '^ während im Norden, im Kaukasus, wohl entwickelter mariner Jura vorhanden ist, unter dessen
Gliedern Vertreter der verschiedensten Stufen vom untersten Lias bis zum Tithon nachgewiesen werden
können; wir dürfen daraus schliessen, dass zur Zeit des oberen Jura der grösste Theil von Kleinasien und das
Land zwischen dem Kaukasus und der afrikanisch-arabischen WUstentafel vom Meere bedeckt war, und wir
haben oben gesehen, dass von da aus dann nach Norden eine Verbindung mit dem Meere des Moskauer Beckens
vorhanden war.
Der Jura im Kaukasus ist noch aus einem anderen Grunde von grossem Interesse; es ist hier der
äusserste östliche Punkt, von welchem wir marinen Lias kennen; ausserdem ist auf dem ganzen asiatischen
Festlande noch kein sicheres Vorkommen dieses Alters nachgewiesen worden, und wir müssen bis Japan
gehen, um wieder unzweifelhafte marine Liasbildungen zu finden. Wir treten in die Region der Liaskohlen
ein; die Vorkommnisse von Fünfkircheu in Ungarn, von Bersaska im Bauat können als äusserste Vorläufer
dieser Entwicklung gelten, auch in der Krim und im Kaukasus sind Landpflauzen im Lias verbreitet,^
dann finden sie sich in einer, wie es scheint, fortlaufenden Kette in Persien,* auf Maugischlak, •'• iu
Turkestan, im ganzen Thianschan, '^ in China' und im südlichen Sibirien** bis an die Ufer des pacifischen
Oceans.
Der Nachweis mariner Jnraablagerungen jüngeren Alters ist weiterhin gegen Osten etwas unsicher und
schwierig; bei einer früheren Gelegenheit habe ich die Angaben über das Vorkommen solcher Bildungen auf
der Halbinsel Mangischlak und bei Krasnowodsk an der Ostküste des kaspischen Meeres, von dem Nord-
rande des Usturt und vom westlichen Ufer des caspischen Meeres besprochen, aus denen die Anwesenheit
mariner Juraschiehten, aber kaum mehr, gefolgert werden kann. '
1 Schlelian, Versuch eiuer geolog. Beschreibuug der Gegend zwischen Amassy und Tyola-Asy .an der NordkUste von
Kleinasien. Zeitschr. d. deutsehen geolog. Gesellschaft 1852, S. 96.
- Fraas, Ans dem Orient. 2. Theil. Geolog. Beobachtungen am Libanon. Stuttgart 1878. — Derselbe, Neues Jahrbuch
1877. S. 17. — Neumayr, klimatische Zonen. 1. c, S. 295.
3 E.Favre, etude stratigraphique de la partie Sud-Ouest de la Crimee Genf 1877, S. 10. — Abich, sur la structure
et la göologie du Daghestan. Mömoires de 1' academie imperiale de St. Petorsbourg. 18C2, S6r. VII, Vol. 10. — Göppert,
Beiträge zur fossilen Flora Russlands. Abhandlungen der schlesiohen Gesellschaft für vaterländische Cultur. 1860. — Ab ich,
vergleichende Grundzüge der Geologie des Kaukasus wie der armenischen und nordpersischen Gebirge. Memoires de l'aca-
demie imperiale de St. Petersbourg 1S59. — E.Favre, Reclierches göologiques dans la chalne centrale du Caucase. Genf,
187.-..
* Göppert, über das Vorkommen von Liaspflanzen im Kaukasus und in der Alboruskette. Bulletins de 1' academie
imperiale de St. Petersbourg. — Tietze, Bemerkungen über die Tektonik des Albursgebirges. Jahrbuch der geolog.
Reichsaustalt l,s77, S. 389. — Tietze, Die Mineralreichthümer Persiens. Ebenda 1879, S. 599. — Vergl. ferner für die
asiatischen Liaskohlen im Allgemeinen: Hochstetter, Asien, seine Zukunftsbahnen und seine Kohlenschätze. 1876,
S. 156.
'■> Helmersen, Notiz über die Berge Aktau umi Ivtiratau auf der Halbinsel .Mangischlak am Ostufer des kaspischen
Meeres. Mölanges physiques et chimiques tirös du buUetin de l'acad. imp6r. de St. Petersbourg. Vol. Vni, 1870.
" Muschketoff, kurzer Bericht über eine geologische Reise in Turkestan im Jahre 1875. Schriften der Petersburger
mineralogischen Gesellschaft 1876. (Russisch.) — Romanowsky, geologische und paläontologische Übersicht des nord-
westlichen Thianschan und des südöstlichen Theiles der Niederung von Turkestan. Materialien zur Geologie von Turkestan.
Lief. I, 1880.
' Richthofen, China. Bd. IV. Paläontologischer Tlieil. 10. Schenk, jurassische Pflanzenreste.
8 Heer, Flora fossilis arctica. Bd. IV, 1879. Beiträge zur Juraflora Ostsibiriens und des Amurlandes.
8 Eichwald, geologisch-paläontologische Bemerkungen über die Halbinsel Mangischlak und die aleutischen Inseln.
Petersburg 1861. — Helmersen, über die Berge Akt.au und Karatau u. s. w. I.e. — Tietze, über eiaen kurzen Aus-
flug nach Krasnowodsk im westlichen Turkestan. Jahrb. d. geol. Reichsanstalt 1875, S. 1. — Vergl. ferner Neumayr, über
klimatische Zonen u. s. w. 1. c. S. 296.
Denkschriftea der mathem.-uatarvir. Gl. L. Bd. 15
114 M. Neumayr.
Dass vom Kaukasus und von Armenien nacli dem nordwestliclien Persien Juraablagerungen herüber-
reichen, kann nach den Angaben von Grewinck und Abich keinem Zweifel unterliegen/ und Pohlig hat
kürzlich an der Ostseite des Urmiah-See's Ammoniten gefunden, welche nach dem Vorkommen von Perisphinctes
und von Äjiti/ckus lamellosus dem oberen Jura anzugehören scheinen.^ Auch Loftus führt ältere mesozoische
Ablagerungen mit Ammoniten von dem Passe zwischen Ser-Abi-Sir und Faylun an.' Im Albursgebirge endlich
hat Tietze* über der liasischen Kohlenformation lichte Kalke gefunden, die zwar keine Versteinerun;;en
geliefert haben, aber nach den Lagerungsverhältnisseu mit fast absoluter Sicherheit als jurassisch ange-
sprochen werden können.
Aus dem südlichen Persien, aus Afghanistan und Beludschistan haben wir keine sicheren Daten
über das Vorkommen von Jura, keiner der Reisebericlite aus neuerer Zeit erwähnt desselben; ich habe nur
eine Stelle in der Literatur entdecken können, in welcher eine Andeutung über diesen Gegenstand gegeben
scheint. L. v. Buch sagt bei einer Besprechung des indischen Jura und speciell der Ablagerungen in Cutch,
dass die dortigen Vorkommnisse eine Fortsetzung der Gebirge von Südpersien und Mekran zu sein scheinen.
Diese Bemerkung weist dem ganzen Zusammenhange nach darauf hin, dass L. v. Buch Angaben über Jura-
vorkommnisse von dort vorgelegen haben, doch ist es mir nicht gelungen, irgend eine weitere Spur zu finden.''
Trotzdem kann gerade in diesem Falle aus den thiergeographischen Verhältnissen geschlossen werden,
dass diese Gegenden vom Jurameere bedeckt waren, und es ist sehr wahrscheinlich, dass Ablagerungen dieses
Alters auch noch gefunden werden. Um diese Verhältnisse klar zu legen, müssen wir vor Allem einige indische
Vorkommnisse kennen lernen; in der Nähe der Indusmündung treten die berühmten Juraablagerungen von
Cutch auf, welche mit wahrscheinlich der Bathstufe angchörigen Schichten mit Oppelia serrujem Waag.
beginnen und von da an nach aufwärts die ganze Schichteufolge bis zum Tiihon zeigen." Durch die Arbeiten
von Waagen ist die geradezu wunderbare Übereinstimmung dieser Faunen und ilirer Aufeinanderfolge mit
den europäischen Bildungen nachgewiesen; wir können daraus mit ab-^oluter Sicherheit schliessen, dass zwi-
schen den beiden Gebieten eine Meeresverbindung existirt habe, und für diese gibt es keine andere Richtung
als diejenige durch Beludschistan oder Afghanistan und Persien.
Allerdings haben neuere Reisende, namentlich Blanford ' und Griesbach*, weder im südöstlichen
Persien, noch in Afghanistan oder Beludschistan Jura gefunden, ja stellenweise scheint dort obere Kreide
unmittelbar auf archaischen Gesteinen zu liegen, und Blanford ist sogar geneigt, die Auffassung von Loftus
über das Vorkommen vorcretacischer Ablagerungen in Zweifel zu ziehen. Trotzdem sind die zoogeographi-
1 Grewinck, die geognostischen imd oiographischen Verhältnisse des nördliclien Persieu. Schriften der Petersburger
mineralogischen Gesellschaft. 1853. — Abich, vergleichende Grundzüge der Geologie des Kaukasus u. s. w. 1. c.
ä Pohlig, geologische Untersuchungen iu Persien. Verhandl. der geol. Keichsanstalt. 1884. S. 281. — Herr Dr. Pohlig
hatte die Güte, mir einige vorläufige Notizen mitzutheilen; das Material von dort ist noch nicht angelangt und daher noch
nicht bearbeitet.
3 Loftus, on the geology of portions of the Tureo-Persian frontiers. Quarterly Journal of the geological society. 1855.
Vol. XI. S. 289.
1 Tietze, Mittheilungen aus Persien. Verhandl. der geol. Keichsanstalt. 1875. S. 29. — Tietze, der Vulkan Demawend
in Persien. Jahrb. der geol. Reichsanstalt. 1878. S. Iis7.
'■> L. V. Buch, über Ceratiteu. S. 35.
^ Waagen, Abstract of the results of examination of the Ammouitefauua of Cutch, with remarks on their distribution
among the beds and their probable age. Kecords of the geological survey oflndia 1871. Nr. 4. — Waagen, Jurassic fauna
of Cutch. I. The Cephalopoda. Palaeontologia Indica. Ser. IX. Vol. I. — Waagen, über die geographische Verbreitung der
fossilen Organismen in Indien. Denkschr. der kais. Akad. d. Wissensch. in Wien. 1877. Vol. XXXVIII. — Medlicott and
Blanford, Geology oflndia. Vol. I. S. 250. Vergleiche die beiden zuletzt citirten Werke auch bezüglich der übrigen indi-
schen Vorkommnisse.
' Blanford, note on the geological formations seen along the coasts of Biluchistan and Persia from Karacho to the
head of the Persian Gulf. Records of the geological survey oflndia. 1872. Vol. V. S. 41. — Blanford, Eastern Persia, au
account of the journeys of the persian boundary couimission. Vol. II. Geology and Ornithology.
* Griesbach, Report on the geology of the section between the Bolan Pass in Bihichistan and Girishk in South-Af-
ghanistau. Memoirs of the geological survey of India. 1882. Vol. XVIII. S. 1.
Die geographische Verbreitung der Juraformaiion. 115
sehen Bezieliiingen der Fauna von Cutcli mit dem Westen und Südwesten zu klar, als dass ein ZMeifel an
dem Vorhandensein einer Verbindung entstehen könnte. Wie sich diese scheinbaren Widersprüche lösen
werden, ist heute freilicli noch nicht zu sagen. Es darf wohl daran erinnert werden, dass in Gegenden, in
welchen Jura und Kreide als weisse, undeutlich geschichtete Kalke mit grossen dickschaligen Muscheln
fDiceras, Reqiiienia, Badiolites, HippiuitesJ entwickelt sind, die Trennung und Unterscheidung beider grosse
Schwierigkeiten macht; so ist es z. B. in Griechenland der Fall, wo es mir absolut unmöglich war, Jura und
Kreide zu trennen, ähnlich verliält es sich in Dalmatieu und Bosnien, und dasselbe wird sich stets wieder-
holen, wo für eine Gegend mit derartiger Ausbildung nicht ganz sorgsam durchgeführte Detail aufnahmen
vorliegen. Ja selbst in einem so wohl durchforschten Lande wie Südfrankreieh bietet es stellenweise
die grössten Schwierigkeiten, im gegebenen Falle Kreide- und Jurnkalke zu scheiden. Es liegt daher die
Möglichkeit nahe, dass in Afghanistan und Beludscliistan in den als Rudistenkalke gedeuteten Bildungen auch
oberjurassische Glieder stecken, deren Nachweis erst genauen und lange dauernden Localstudien vorbehalten
sein wird; vielleicht aber lag auch die Communieation weiter im Süden und führte über die heutige Strasse
von Ornms und über Maskat. Auf der Karte wurde nur schematisch die Verbindung durch Beludschistan,
Afghanistan und das südliche Persien gezogen.
Ausser der nahen Verwandtschaft mit Europa zeigt der Jura von Cutch noch sehr auffallende Beziehungen
zu den Vorkommnissen von Mombassa an der Ostküste des äquatorialen Afrika, wie dies von Beyrich ein-
gehend hervorgehoben worden ist, ' ja die Übereinstimmung ist hier noch grösser als mit Europa. Es muss
also das Meer sich östlich von der afrikanisch-arabischen Wüstentafel nach Süden gezogen haben. Wir haben
es aber hier offenbar nicht mit einem grossen offenen Ocean zu tliun, sondern mit einem von Land umgrenzten
Mittelmeer; hiei'ür spricht in erster Linie die ganz fundamentale Verschiedenheit zwischen den Ablagerungen
des Caplandes und jenen von Mombassa, Madagaskar und Mossambique, welche das Fehlen jeder Verbindung
auf weite Strecken bekundet und sich in gleicher Weise auch in der Verbreitung der oberen Kreide zu
erkennen gibt.
Einen weiteren Beleg erhalten wir, wenn wir die jurassischen Bildungen der alten Masse des Dekan ins
Auge fassen; marine Sehichtcu sind nur am äusscrsten Ostrande bei Madras und im Godaverydi stricte vor-
handen, im Innern der Halbinsel aber finden wir ausschliesslich Sandsteine und Schieferthone mit Landpflanzen,
in welchen nie auch nur die Spur eines Meeresthieres vorhanden ist; es ist das der „peninsulare Typus"
der indischen Geologen. Es würde zu weit führen, hier auf die Gliederung dieser Ablagerungen und auf die
Flora einzugehen, zumal die Entwicklung in verschiedenen Districten eine sehr abweichende ist. Es soll nur
hervorgehoben werden, dass im Allgemeinen die Kajmahal- und Mahadeva-Gruppe ungefähr dem Lias, die
Jubulpoor-Gruppe den höheren Abtheilungen des Jura zu entsprechen scheint. Für uns ist am wichtigsten die
nahe Verwandtschaft, welche die Flora dieser indischen Ablagerungen mit derjenigen der gleichalterigen Ab-
lagerungen in Südafrika zeigt, eine Übereinstimmung, welche durch vielfach hervortretende Ähnlichkeit
der Gesteine noch gehoben wird. ^
So sieht man sich durch die Betrachtung der jurassischen Organismen zu einer Hypothese geführt,
welche von anderer Seite auf einem anderen Gebiete durch die Betrachtung der jetzigen Landfauna wahr-
scheinlich gefunden worden ist, zu der Annahme eines Festlandes, welches das südliche Afrika, die
östliche Hälfte von Madagaskar und die vorderindische Halbinsel über die Breite des heutigen indischen
Oceans hin verbindet. Diese „Lemuria" oder die indo-madagassische Halbinsel, wie sie hier genannt
werden soll, ist heute verschwunden, allein ihre Stelle wird uns heute noch durch einzelne übrig gebliebene
Fragmente, vor Allem durch die Amiranten und Seychellen bezeichnet, und die langgezogene Korallenriff-
region der Chagos, der Malediven und Lakkediven gibt aller Wahrscheinlichkeit nach die Gegend an, in
welcher ein nordsüdlich gerichtetes Kettengebirge auf diesem Festlande verlief. Dadurch erhalten wir auch
1 Loc. cit.
- Vergl. Blanford, Memoira of the geological survey of India. Vol. VI. S. 325.
15 =
116 M. Neuwayr.
den Abschluss jener grossen Bucht, welche aus der Gegend von Cutch .sicli nach dem Süden erstreckte, und
aus welcher sich die Gesteine von Monibassn, Mossambique und Madagaskar niederschlugen; wir bezeichnen
dieses bedeutende Becken als das äthiopische Mittelmeer, und als eine in den Körper Afrika's einspringende
Bucht desselben muss jenes Gewässer bezeichnet werden, iu welchem sich die Antalokalke Abyssiniens
bildeten.
Wir müssen hier noch ein merkwürdiges Element in der Jurafauna von Cutch hervorheben, nämlich das
Auftreten einiger Muscheln, welche mit solchen aus den Uitenhagescliichten Südafrika's identisch oder sehr
nahe verwandt sind ; namentlich wird Trii/oiüa veidricosa als gemeinsam citirt. Man könnte dadurch zu der
Ansicht geführt werden, dass das äthiopische Mittelmeer nach Süden, gegen das Capland zu durch
eine Strasse mit dem antarktischen Ocean communicirte, doch spricht biegegen der Charakter der Vorkomm-
nisse im äquatorialen Afrika. Überdies treten auch die Uitenhagetypen in Cutch weniger hervor, als iu den
isolirten Jurapartien, welche am Ostrande der indischen Halbinsel im Godaverydistrikt und bei Madras auf-
treten, und die Wanderung dieser Formen hat demnach auf der östlichen, nicht auf der westlichen Seite
der indo-madagassischen Halbinsel stattgefunden.'
Jedenfalls wird durch die bedeutendeÜbereinstimmung jener Juraschollen an der Coromandelküste mit dem
Jura von Cutch auch die Existenz einer Meeresverbiudung in dieser Richtung bewiesen, und bei dem Mangel an
allen marineu Juravorkommnissen an der indischen Westküste südlich von Cutch ist es am wahrscheinlichsten,
dass diese Wasserstrasse ungefähr der heutigen Ganges- und IndusmUndung gefolgt sei, wofür die isolirten
Jurapartieu in Rajputana zu sprechen scheinen.
Diese Auffassung ist mir die wahrscheinlichere, und sie wurde auch auf der Karte zum Ausdrucke gebracht,
doch lässt sich noch eine zweite Möglichkeit vertreten; im Östlichen Himalaya, z. B. in Sikkim, sind die Flötz-
formationen nicht marin, sondern nach „peninsularem Typus" entwickelt, d. h. sie bestehen aus Sandsteinen,
Schiefern u. s. w. mit Landptlauzen, ganz wie im Dekan. Man könnte daraus folgern, dass Dekan und
Sikkim eine zusammenhängende Ijandmasse gebildet haben, u\ul dass die Verbindung des Südmeeres mit
Cutch westlich von der indischen Halbinsel stattgefunden habe. Allein dieselben Gründe lassen sich für einen
Zusammenhang Indiens mit Siiditfrika anführen, und die überwiegende Wahrscheinlichkeit spricht immerhin
für die hier adoptirte Auffassung, zumal da auch der Anschluss der Lakkediven an die indische Westküste ent-
schieden zu Gunsten derselben zeugt.
Eine andere wichtige Frage, die wir heute nur in ihren allgemeinsten Umrissen beantworten können, ist
die nach den Beziehungen des Jura von Cutch zu demjenigen der nördlicheren Gegenden. Einige isolirte Vor-
kommnisse in Rajpu tan a bilden zunächst in naturgemässer Weise die Verbindung mit den Ablagerungen in der
Salt Range am Indus, südlich vuu Rawal Pindi und Peschawer; ^ hier ist der mittlere Jura und die Kelloway-
gruppe iu einer Weise entwickelt, welche an die Verhältnisse in Cutch erinnert, doch ist noch nicht sicher
festgestellt, ob die Fauna sich mehr dem mitteleuropäischen oder dem alpinen Typus nähert. In höherem
Niveau treten dann schwarze Schiefer auf, welche petrographisch mit den Spitishales des Himalaya überein-
stimmen, aber deren charakteristische Fauna noch nicht geliefert haben.
Etwas weiter nördlich, in Hazara, namentlich am Mount Sirban, den wir durch die Untersuchungen
von Waagen und Wynne näher kennen gelernt haben,* gestalten sich die Verhältnisse etwas verschieden.
Mount Sirban, ein äusserster Ausläufer des Hindukusch-Systemes, ostnordöstlich von Peschawer am Ihelum-
flusse gelegen, zeigt schon Spitischiefer mit ihrer bekannten Fauna, allein darüber folgt noch eine Bildung,
1 Vergl. die citirten Werke von BUmford, Medlicott und Waagen.
- Waagen, Salt Range fossils. Palaeontologia indica. Vol. XIII. — Waagen, geographische Vertheilung der fossilen
Organismen 1. c. — Wynne, on the Geology of the Salt Range in the Punjab. Memoirs of the geological survey of India.
1878. Vol. XIV.
•^ Waagen and Wynne, the Geology of Mount Sirban in the iipper Punjab. Memoirs of the geological survey of
India. 1872. Vol. IX. S. ^51.
Die (jeographhche Verbreifmig der Juraformation. 117
der Gieumalsandsteiii, welcher hier noch die Trifjonia ventrkosn der Uitenhageschichten in Südafrika und der
Oomiaschicbten der peninsularen Area führen; es ist also auch hier noch ein Ineinandergreifen der südlichen
und der nördlichen Entwicklung. Schon ein geringes Stück gegen WSW., südlich von Attock, haben diese
Schichten schon ganz den Typus der Himalayavorkonininisse verloren, während derselbe im Norden und
Osten, jenseits der ersten Kette des Himalaya. in voller Reinheit hervortritt.
Wir haben oben die Ansicht Waagen's kennen gelernt, dass die sttdindischen .Jura-Ablagerungen einem
anderen Meeresbecken angehören, als diejenigen desHimalaya, und dass nur eine schmale, durch das Vorkommen
weniger gemeinsamer Arten bekundete Verbindung zwischen beiden vorhanden war. Die Vorkommnisse der
Salt Range und von Hazara gehören offenbar jener schmalen nordsüdlich verlaufenden Verbindungslinie an.
Wir müssen uns hier ein Verhältniss denken, wie es heute zwischen Mittelmeer und Rothem Meer vorhanden
ist, nur mit dem Unterschiede, dass das Stück, welches dem heutigen Isthmus von Suez im Jurameere Indiens
entsprach, vielleicht dauernd, wahrscheinlich al)er nur zeitweilig vom Wasser überflutet, und so ein allerdings
sehr beschrcänkter Austausch von Arten möglich war.
Die Frage, wie die Abgrenzung des tibetanischen Beckens gegen das indische stattfand, lässt sich nach
dem heutigen Stande unserer Kenntniss noch nicht bestimmt beantworten; nach der einen Richtung gegen
Osten kann es allerdings nicht zweifelhaft sein, dass eine lange von der chinesiscb-hinterindisehen Region vor-
springende Halbinsel sich zwischen beide Meere einschob, welche der Lage nach ungefähr der südlichen Kette
de; Himalaya entspricht. Schwieriger dagegen verhält sich die Sache im Westen, da wir über den Bau des
Hindukusch noch viel zu wenig wissen. Nur soviel lässt sich sagen, dass von jener grossen, durch Roma-
nowsky reconstruirten turanischen Insel eine Fortsetzung abgezweigt haben muss, welche südlich vom
Pamir, vielleicht theilweise mit dem Hiiidukusch der Lage nach zusammenfallend, nach Südosten reichte und
sich dem westlichen Ende der Himalaya-Halbinsel stark näherte.
In den südlichen Gegenden der ferneren Thcile Ostasiens scheinen marine Jurabildungen vollständig zu
fehlen; wie in der vorderindischen Halbinsel, im östlichen Theile des Himalaya, im Thianschan und in China,
so scheint auch in Hinterindien die pflanzenführende Rinnenentwicklung verzuherrschen; wenigstens ist deren
Vorkommen in Touking neuerdings durch Zeiller nachgewiesen worden.' In der ganzen Region der Sunda-
Inseln, der Molukken, der Papua-Inseln und der Philippinen fehlt jede Spur von jurassischer Entwicklung, und
es ist im höchsten Grade wahrscheinlich, dass alle diese Länder mit den dazwischen liegenden Meeren einem
grossen Continent angehörten, der im Norden liis in die Amurregion, nach Ostsibirien und an den Altai reichte;
wie wir später sehen werden, erstreckte sich derselbe auch noch sehr weit nach Südosten über den grössten
Theil von Neu-Holland, nach Tasmanien, Neu-Seeland u. s. w.
Die spärlichen und noch etwas unsicheren Nachrichten über das Aultreten mariner Jurabildungen auf den
Lu-Tschu-Inseln und in Japan habe ich früher besprochen, und da keine neueren Nachrichten über diesen
Gegenstand bekannt geworden sind, so wäre es zwecklos, hier nochmals auf die Einzelnheiten dieses Gegen-
standes einzugehen.^ Berücksichtigt man das Vorkommen jurassischer Pflanzenschichten in Japan, ^ so wird
es wahrscheinlich, dass damals in diesem Theile Ostasiens das Meer ungefähr mit dem Aussenrande der
„Festoninseln" zusammenfiel, während die von denselben umschlossenen Binnenmeere noch festes Land waren.
IX. Der aiistralisclie Jura.
Wie in Hinterindien, so fehlt auch in dem ganzen Bereiche der malayischen und papuanischen Inselwelt
jede Spur von Jura und auch der australische Continent zeigt nur an seinem Rande Ablagerungen
1 Zeiller, snr la flore des charbons du Tonking. C'omptes rendus. 10. .Juli 1882.
- Die Literatur vergl. in Neuraayr, kliraatiselie Zonen, 1. c. S. 299.
3 Geylcr, über fossile Pflanzen aus der .Turafoiniation Japans. Palaeoutographica. Bd. XXIV. (Neue Folge Bd. IV.).
S. 221. — Geyler, über einige paläontologisclie Fragen insbesondere über die Juraformation Nordost-Asiens. Vortrag in
der Senkenberg' sehen Gesellschaft, ara -24. Nov. 1877. — Wahrend des Satzes dieses Bogens sind wichtige neue Daten über
den Jura in Japan bekannt geworden. Vergl. darüber den Nachtrag.
118 M. Neumayr.
dieses Alters; wohl könnte man diesen letzteren Umstand mit unserer geringen Kenntniss dieses schwer
zugänglichen Confincntcs erklären, doch weist die sehr allgemeine Vergesellschaftung der marinen Sedimente
mit Kohlenflötzen und Landptlauzeu daraufhin, dass dieselben in der Nähe der Küste gebildet seien.
Das wichtigste, ja das einzig sichere Vorkommen von marinem Jura findet sich in Westaustralien;
Moore ' bildet von hier costate Trigonieu von echt jurassischem Habitus ab und identificirt einige Ammonilen
mit Formen des Lias und mittleren Jura in Europa, nämlich:
Harpoceras radians
Aalense.
n
„ Walcotti.
Stephanoceras Brocchü.
Macrocephalifes macrocephalus.
Die Zeichnungen zeigen kaum irgendwelciie Ähnlichkeit mit den europäischen Typen und sind nicht
genügend, um irgend ein Urtheil über die vorliegenden Arten zu gestatten. Eine Anzahl von Muscheln wird
mit europäischen Arten indentificirt. Ein Belemnit, der mit Bei. canaliculatus vereinigt wird, steht dieser Art
jedenfalls sehr nahe und zeigt mitteljurassischen Charakter, doch darf dabei allerdings nicht vergessen
werden, dass eine ähnliche Form auch in den Uitenhageschichten in Südafrika auftritt. Glücklicherweise ent-
hält das geologische Institut der hiesigen Universität einige Fossilien aus derselben Region, welche sich mit
einiger Sicherlieit deuten lassen. Unter den Ammoniten fällt in erster Linie ein Bruchstück eines Coronaten
auf, welchen ich von dem in der Zone des Steph. Humphnesianum verbreiteten Stephanoceras Blagdeni in keiner
Weise unterscheiden kann. Allerdings ist das Exemplar zu einer absolut sicheren Bestimmung nicht genügend
erhalten, doch ist mir ein Irrthum sehr wenig wahrscheinlich. Dazu gesellen sich zwei weitere Exem-
plare von Ammoniten, von denen der eine ziemlich indifferent ist, der andere dagegen entschieden auf mitt-
leren Jura hinweist, ferner die schon von Moore angeführte Trigonia, ein cbarakterloser Myacit, und endlich
Lima (Ctenosfreon) proboscidea in einem Exemplare, welches mit den Vorkommnissen des europäischen
Unteroolithes vollständig übereinstimmt.^ Durch diese Fossilien wird mit Bestimmtheit ein der Mittelregion
des mittleren Jura, ungefähr der Zone des Stephanoceras Humphriesianum entsprechender Horizont festgestellt.
Alle weiteren Angaben über das Vorkommen von marinem Jura in Australien, die bisher vorliegen, scheinen
mir theils zweifelhaft, theils entschieden irrig.
In erster Linie gilt das von den mehrfach verbreiteten Ablagerungen mit Belemnites at<s^rafe Phillips
und verwandten Formen. Diese letztere Art ist in dem oben citirten Aufsatze von Moore beschrieben, und
stammt aus Queensland, wo sie zusammen mit Crioceras austräte Moore vorkömmt. Schon das Auftreten
eines grossen Crioceras spricht gegen jurassisches Alter; Crioceras austräte wird überdies von Waagen aus
dem Aptien von Cutch in Indien angeführt.'' Immerhin wäre es möglich, dass das Crioceras aus anderen
Schichten stammt, als der Belemnit, doch auoli der Charakter des letzteren ist ein entschieden cretacischer.
Derselbe ist, ebenso wie Bei. Canhami Täte* von Peake in Centralaustralien, durch ein sehr wichtiges Merk-
mal ausgezeichnet, nämlich durch das Verhandensein von zwei einander gegenüberstehenden tiefen kräftigen
Furchen am Alveolarende des Eostrums. Dieser Charakter ist in Europa nur bei ganz wenigen Belemniten
bekannt, nämlich bei einzelnen Formen des obersten Lias wie Bei. exilis u. s. w., bei Bei. Waageni Neum.
aus den Oolithen von Baiin bei Krakau, bei dem vermuthlich ebenfalls oolithischen Bei. Meijrati Ooster und
bei dem untercretacischen Bei. hicanaUculatus Blainv. Zwischen den oolithischen und den Kreideformen
mit doppelter Furche ist nur eine äussere Ähnlichkeit, nicht wirkliche Verwandtschaft vorhanden, indem
1 Moore, Austialian Mesozoic Geolog-y. Quurteily Journal geol. soc. 1870. S. 226. Die folgende Zusammenstelhing kann
keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen, da leider die australischen Zeitschriften sehr spät, unregelmässig und lücken-
haft zu uns gelangen, uud in Australien erscheinende Einzelwerke überhaupt nur sehr schwer zu erhalten sind; ich hoflfe
jedoch, dass meine Darstellung keine sehr wesentliche Lücke enthält.
2 Vergl. Anhang TU.
3 Waagen, Jurassic Fauna of CutcL. I. Gephalopoda, p. 245. — Palaeontologia Indica. Ser. IX. Vol. I.
* Täte, new species of Belemnite from the Mesozoic Strata of Central- Australia. Transactions. . .of the Royal Society
of South- Australia. Adelaide 188ö. Vergl. Etheridge, in Royal Society ofTasmania. Hobart Town 1878.
Die (/eograph Ische Verhreitung der Juraformation. 119
bei den evsteren eine siplioiiale und eine antisiplionale, bei den letzteren zwei laterale Furchen vorlianden
sind, und in diesem Cliarakter scbliessen sich Bd. audralis und Canhami an Bei. hkanalkulatus an. Noch
näher steht aber diesen der von Blanford aus der oberen Kreide der Umgebung von Madras beschriebene
Bei. eclusus. Die Liasarteu aus Europa haben zwar auch laterale Furchen, doch ist bei denselben der ganze
Typus ein abweichender.
Eine Anzahl von Ammoniten aus Queensland hat M'C'oy als Kreidefornien beschrieben, aber nicht abge-
bildet,* und einige weitere Arten liat Etheridge bekannt gemacht.^ Unter diesen ist Ämmonites Sutherlandi
eine sehr indifferente Form, von der ich nicht entscheiden möchte, ob sie zu Phtjlloceras oder zu Haploceras
geiiört; Ämmonites Beiulanti var. MitchelU, welcher nach Etheridge vermuthlich mit Amm. Flmlersi M'Coy
identisch ist, scheint nach Abbildung und Beschreibung, namentlich nacii der ersten, mit Haploceras Bihma
Stol. aus der Kreide von Madras sehr nahe verwandt, und Aminonites Daiittreei lässt sich mit keiner
bekannten Form mit Sicherheit in Parallele stellen. Einige Muscheln und Sehnecken werden als jurassisch
angeführt.
In neuerer Zeit ist durch Tenison-Wo o ds^ vom Palmer Eiver in Queensland ein Ammoidtes Ohne
beschrieben worden, der an gewisse jurassische Formen aus der Reihe der Oppelia subradiata, z. 15. an
Oppelia hi/lexuosa erinnert; allein nach der Zeichnung ist auch ein Vergleich mit Haploceras bicurmtum und
Verwandten aus der unteren Kreide uiclit ausgeschlossen, und die Zugehörigkeit zu der letzteren Formation
wird dadurch wahrscheinlich gemacht, dass die anderen in jener Gegend gesammelten Exemplare, so w'eit sie
deutbar sind, auf Kreide hinweisen.
Unter diesen Umständen kann von einem sicheren Nachweise für die Existenz mariner Juraschichten
in Queensland nicht die Rede sein, wenn auch nach den Zweischalern sein Vorhandensein nicht unwahr-
scheinlich ist; mit Bestimmtheit liisst sich nur das Vorhandensein von Kreideschichten feststellen, und
zwar dürften mindestens zwei Horizonte vorhanden sein, von denen der eine dem Apiien von Cutch, der
andere der oberen Kreide von Madras zu entsprechen scheint. Die Verwandtschaft mit Europa scheint
ziemlich gering.
Ähnlich Verhaltes sich mit Südaustralien; Belemnites orientaUs und Canhami sind Kreide-Bicanaliculaten;
von den wenigen Musclieln und Schnecken, welche citirt werden, gibt keine einen Anhaltspunkt, und
auch eine so indifferente Form wie Rhynchonella varians v. Buch, deren richtige Identification mir !^ehr
zweifelhaft ist, kann nicht als beweisend betrachtet werden.*
Weit verbreiteter sind Juraablagerungen mit Landpflanzcn und Kohlen, welciie mit den analogen
Bildungen in Indien, noch melir aber mit jenen auf Neu-Seeland Übereinstimmung zeigen. Die pflanzen-
fUhrenden Ablagerungen am Olarence-River in Neu-Süd-Wales, ferner aus Victoria und Tasmanien werden
mit den Kohlenschichten des Jura, die Kohle von Queensland mit den liasischen Clenthill-beds in Neu-
seeland verglichen. ^
1 M'Coy, Journal of the Royal Society of Victoria 1865.
2 Daiutree, Notes on the geology of the Colony of Queensland, with descriptions of fo.ssils by Etheridge and Carru-
thers. Qiiarterly Journal of tho geological society. 187-2. S. 271. — Vergl. noch Gregory, in Quart, journ. 1861; — ferner
Etheridge juu., in Proceediugs of tlie Koyal phy.sical siic. of Ediaburgli 1880, wo Crioceras Jockü vom Tate-Flu.ss in Queens-
hind abgebildet ist.
3 Tenison-Woods, ou some mesozoic fossils from the l'.ümer river, Queensland. Transactious of the Royal Society
of New South Wales. Sidney. 1S82. Vol. 16, S. 147.
^ Anniversary Adress of tlie President. Transaetions of the Koyal society of Soutii-Australia. Adehiide 1879. S.L. 'J'ate
fuhrt folgende Arten an: Bd. australis Phill., Bei. Canhami 'l nie, Natica variahüis Moore, Monotis BarkJyi Moore, Modiola
uiiica Moore, Modiola sp. , Cytherea Clarkei Moore, ßJiynchondla variabilis Moore. Die letztgenannte Art ist bei Moore
(Australian mesozoic geology 1. c.) nicht als neu beschrieben, soudern als RhynchoneUa variabilis Buch angeführt, was ein
liipsus calami statt Bli. varians sein dürfte.
5 Hector, on the geological formations of New-Zealand compared with those of Australia. Journal of the Royal Society
of New-South-Wales. 1879. Vol. XIII. S. 65.
120 M. Neumayr.
Die geologisclie Keimfiiiss der Juraablagei-inigen iu Neu-.Seelaiid ist weit vollständiger als derjenigen in
Australien, doch ist dieselbe bcgreifiielierweisc auch noch nicht vollständig, und es fehlt namentlich noch an
einer eingehenderen paläontologischen Bearbeitung. Die ersten Nachrichten haben wir durch Hochstetter
erhalten, ' und scitlier haben die Forscher des Geological Suvvey von Neu-8eeland viele neue Beobachtungen
gemacht.
Die Eintheilung des Jura ist nach den neueren Darstellungen von Hector die folgende:*
I. Oberer und mittlerer Jura:
a) Mataura Series; dunkle Mergel und feinkörnige .Sandsteine mit Pflanzen und wenig marinen
Fossilien.
h) Putataka Series; grobkörnige Saudsteine mit verhärteten Schiefern, nach unten Conglomerate. Enthält
Pflauzenreste und Kohlenflötze.
c) Flag Hill Series; iu der Oberregioii mit Landpflanzen, von welchen mindestens eine mit einer
Rajmahal-Form aus Indien übereinstimmt. In der Unterregion Marinchonchylien, namentlich Brachiopoden,
unter denen Spiriferina rostrata und eine mit der permischen Terebratula elongaia verwandte Form. Die
ganze Schichffolge wird mit dem „Lower oolite" parallelisirt.
II. Lias:
dj Catlines River and Bastion Series. Zaiilreiche Liasfossilien, namentlich Ammoniten, von denen
15 Arten bestimmt werden konnten.
Eine eingehendere paläoiitologische Beschreibung scheinen von all' diesen marinen Fossilien ausser den
von Hochstetter gesammelten Stücken nur die Belemnitcn erfahren zu haben. ^ Bei. Otapirknsis Hector, der
sowohl in der Trias als im Lias auftritt, könnte nach der Abbildung ebensowohl zu Aulacoceras als zu Belemnites
gestellt werden. Belemnites Aucklandicus Hau. ist mit den Canalieutalen des europäischen Dogger sehr
nahe verwandt und kömmt mit Trigonia costata und anderen mitteljurassischen Arten zusammen vor. Der nahe
verwandte Bei. Hochstetter i Hector (= Aucklandicus var. minor Hau.) wird in den oberen Jura gestellt. Eine
weitere Art, Bei. Catlinensis Hector, erinnert an Bei. culloriensis und liastatus Europa' s, und bei uns würde man
das Lager einer derartigen Form in der Kelloway-Gruppe suchen. In Neu-Seeland liegt er nach Hector
zusammen mit HopUtes Novozelandicus Hau., der seine nächsten Beziehungen, wie Oppel hervorgehoben hat,
bei Typen des Tithon und wohl auch des unteren Neocom findet* (Hoplites transitorius, proyenitor Opp.,
Neocomiensis Ovh.). Bei. australis dürfte in Neu-Seeland wie in Australien der unteren Kreide ange-
hören. Die von Hochstetter gesammelten Aucellen liegen nach diesem Forscher mit Bei. Aucklandicus
zusammen.
Suchen wir uns aus den gegebeneu Daten eine Vorstellung über die wahrscheinliche Vertheilung von
Wasser und Land in jenen Gegenden zu machen, so müssen wir vor Allem berücksichtigen, dass der Jura in
Australien und Neu-Seeland alle Anzeichen der Küstennähe trägt; bald haben wir eine Binnenablagerung mit
Landpflanzen und Kohlen, bald ein Gemenge solcher mit Mariuresten, seltener diese letzteren allein. Einen
weiteren Anhaltspunkt bildet die Übereinstimmung der Pflanzen- und Kohlenschichten in all' diesen Gegenden,
und wir werden daher annehmen müssen, dass der westliche Theil von Neu-Seeland und die australisch-
tasmanischen Loealitäten annähernd die Grenzen einer zusammenhängenden Landm;isse darstellen, und nach
dem allerdings nur negativen Anhaltspunkte des Fehlens von marinen Juraschichteu in den dazwizclien
liegenden Gegenden werden wir annehmen müssen, dass dieser Continent mit dem hinteriudisch-chinesischeu
1 Hochstetter, Geologie von Neuseeland. Reise Seiner Majestät Fregatte Novara. Geologischer Theil. Bd. I. Abth. I.
S. 27—33. 1864. — Hauer und Zittel, Paläontologie von Neu-Seelaud. Ebenda. Geol. Theil. Bd. I. Abth. IL S. 19 ff.
2 Hector, Progress Report. Reports of geological explnrations. New-Zealand 1879. 8.8.
3 Hector, on the Belemnites found in New-Zcaland. Ti-ansactiona of the New-Zealand Institute 1877. Vol. X. S. 484.
■■ Üppel, die tithonische Etage. Zeitschrift der deutschen geolog. Gesellschaft. 1865. S. 5.5,5
T)le f/eo(/raphi.sche Verhreifunrj der Juraformatinn. 121
zusamiuenliing und auch die malayisclien und papuaiiisclieu Inseln umtasste. Dagegen kann ein unmittel-
barer Zusammenliang mit der vorderindisclicn Halbinsel wegen des Auftretens mariner Juraschichtcu an der
Ostküste dieser letzteren nicbt stattgefunden haben.
Die weitere Abgrenzung dieses Continentes hat grosse Schwierigkeiten; wir müssen uns daran erinnern,
dass einzelne alte Fragmente, wie die Seychellen, und grosse Schwärme von Koralleninseln, der Chagos-
Archipel, die Lakkediven und Malediven, uns die Eeste jenes alten Continentes anzeigen, der einst Vorder-
indien mit Afrika verband. Man kann sich der Überzeugung nicht verschliessen, dass das Heer der Inseln im
grossen Ocean uns ebenfalls die Spuren eines alten Continentes anzeigt.
Diese Ansicht darf als eine begründete bezeichnet werden, aber es fragt sich natürlich, ob dieses Fest-
land zur Jurazeit existirt hat, und welchen Umfang dasselbe gehabt haben mag. Wenn wir die Inseln des
grossen Oceaus auf einer Karte ins Auge fassen, so können wir in verschiedenen Theilen verschiedene Anord-
nung und Beschafienheit der Inseln beobachten. Eine erste Gruppe umfasst die grossen südwestlichen Inseln,
von welchen ein grosser Theil ältere Sediment- und Massengesteine enthält, welche von Neu-Guinea bis zu den
Fidschi-Inseln streichen, und welchen sich im Süden Neu- Seeland anschliesst. Diese erste Gruppe wird nach
Norden und Osten von zahlreichen kleinen, aber verhältnissniässig gedrängt liegenden Inseln umgeben; hieher
gehören die Palaos, die Carolinen, der Marshalls-Archipel, das Heer von Eilanden, das sich von hier bis zu den
Niedrigen Insehi erstreckt, und Alles, was zwischen diesem äusseren Gürtel und der erwähnten Gruppe der
grossen Inseln liegt. Als ein isolirtes Glied derselben Abtheilung können die Sandwichsinseln gelten. Eine
dritte Gruppe endlich umt;\sst die ganz isolirten kleinen Inseln, welche zwischen Japan und Hawaii und der
vorigen Inselzone liegen.
Fassen wir nun Polynesien als den Überrest eines uralten Continentes auf, so werden diese drei Kate-
gorien von Inseln durch ihre Lage uns zeigen, in welcher Reihenfolge die einzelnen Theile dieser Fest-
landsmasse verschwunden sind. Zuerst versank die Region der kleinen isolirten Inseln, dann die Region der
zahlreichen kleinen Inseln, zuletzt diejenige der gi'ossen Inseln. Wir müssen nun prüfen, ob Anhaltspunkte
für die clnuuologische Fixirung dieser Piiasen vorhanden sind; das Auftreten von marinen Jurabildungen auf
Japan und den Lu-Tschu- Inseln spriclit gegen die Annahme, dass zur Jurazeit Japan noch mit den Sandwichs-
inselu zusammengehangen habe; wir müssen also die erste Phase des Processes in vorjurassische Zeit
versetzen.
Wir müssen hier etwas auf die jetzige Fauna von Neu-Seeland eingehen; man kennt ausser Fledermäusen
kein einheimisches Säugethier mit Bestimmtheit; die sogenannte Maoriratte muss als sehr problematiscii
betrachtet werden, dagegen soll in den wenig bekannten Hochregionen der Südinsel ein äusserlich an eine
Fischotter erinnerndes Thier leben, das nach Hochstetter von den Eingebornen Waitoteke genannt wird;
Haast hat die Fährten desselben angetrotfen, und zwei Engländer haben ein Exemplar aus so unmittelbarer
Nähe gesehen, dass sie mit einer Peitsche nacli demselben schlagen konnten, worauf es sich ins Wasser
flüchtete.' Diese Angaben sind so bestimmt, dass wir das Vorhandensein eines derartigen Geschöpfes als
wahrscheinlich bezeichnen müssen, wenn auch eine weitere Bestätigung nocli zu erwarten ist. Unter den
Vögeln sind die grossen i)«Mor;(/s, die bekannten Moa, zu nennen, während unter den Reptilien Zfa/to-/«; ein ent-
schieden mesozoischer Typus, her\()rznliel)en ist. Diese bezeichnendsten Vertreter verweisen jedenfalls auf
eine Trennung Neu-Seelands von dem grossen Continente in einer sehr frühen Zeit, in welcher Hatteria-'ähn-
liche Reptilien noch lebten, in welcher Säugcthiere schon vorhanden, aber nocli sehr spärlich waren. Wägen
wir die einzelnen Thatsachen gegen einander ab, so müssen wir daraus folgern, dass Neu-Seeland mindestens
seit dem Ende der Jurazeit von der australisch-malayischen Festlandsregiou getrennt ist.
Wenn dieses Ereigniss schon zu Ende der Jurazeit eingetreten ist, so wird es dadurch sehr unwahrschein-
lich, dass die australisch-polynesisehe Kegion sich kurz vorher in dem zweiten der oben genannten Stadien
befunden habe, wir müssen annehmen, dass schon damals die Ausdehnung des Festlandes auf die
1 Vergl. Hochstetter, Neu-Seeland, und W.Ulace, Island Life.
OenkscbrifteD der mathem. nuturw. Gl. L. Bd. jq
122 M. Neiimayr.
Region der grossen Inseln beschränkt war; darauf weist aueli der Umstand liin, dass in Neu-Caledonien
marine Triasablagerungen auftreten. Die Region des stillen Oceans mit Ausnahme dieses Festlandes war
bis Amerika schon damals Meer, aus dem vermuthlich verschiedene Inselgruppen hervorragten.
X. Der Jura im aiisserborealen Amerika.
Wenden wir uns von Neu- Seeland nach Osten, so treffen wir jenseits des südpacifisclien Oceans der
Jurazeit auf den südamerikanischen kontinent. • Es ist bekannt, dass in der Andenkette an vielen
Punkten in Ciiile, der argentinischen Republik, in Bolivien und Peru marine Juraablagerungen auftreten, die
vom Lias bis ins Tithon zu reichen scheinen. Aus dem südlichsten Theile bis iiinab zum Feuerland ist Kreide
von mehreren Punkten bekannt, dagegen fehlt es bisher noch an sicheren Zeichen des Vorkommens von Jura,
da für die Einreihung der HeUceras führenden Schichten der Nassau-Bucht westlich vom Cap Ilorn keine hin-
reichenden Belege vorhanden sind.^ Allerdings mnss es als im hohen Grade wahrscheinlich bezeichnet werden,
dass der Jura in der südlichen Fortsetzung jener Gebirgsketten vorhanden sei, in deren nördlichem Theile er
eine so grosse Rolle spielt, doch fehlen uns noch die positiven Beweise hiefür.
Im nördlichsten Theile der südamerikanischen Anden, in Ecuador, scheint kein Jura vorzukommen, und
es ist wahrscheinlich, dass damals die Meeresküste etwas weiter westlich lag als heute. Dagegen finden wir
vyieder einige, wenn auch vorläufig noch schwache Spuren in jenen von Südwest nach Nordost streichenden
Ketten, welche von den hohen Anden abzweigend, durch Columbien nach Venezuela streichen; Stein mann
erwähnt von einem Punkte am Rio Guayaho in Neu-Granada eine dem liasischen ^ma/^Äews sp/«rti«s ver-
wandte Form, und eine zweite aus der Gruppe des Amaltheus pmhdatus, welche zwischen Pital und La Plata
gefunden wurde. *
Wir sehen demnach den südamerikanischen Continent nach Westen und Nordwesten von einem verhält-
nissmässig schmalen Saum mesozoischer Marinablagerungen umgeben, unter welchen solche jurassischen
Alters eine bedeutende Rolle spielen. Die grosse Hauptmasse des Landes und die ganze atlantische Küste
besteht aus alten Ablagerungen, denen mehrfach mesozoische Süsswasserbildungen und transgredirende
Schichten oberer mariner Kreide aufgelagert sind ; wir haben die bestimmtesten Anhaltspunkte für die Annahme,
dass abgesehen von den Gebirgsketten im Westen und Nordwesten ganz Südamerika zur Jurazeit Fest-
land war.
Die nächste Frage, die sich uns entgegenstellt, ist die, ob die Ostküste dieses Confinentes mit dem
heutigen Verlaufe der Küste annähernd zusammenfiel, oder weiter nach Osten gerückt war. Für die letztere
Annahme spricht der Umstand, dass sich nirgends vereinzelte, an den Rändern übergreifende Jurapartien finden,
wie wir sie an der Ostküste von Afrika und auf der vorderindischen Halbinsel finden. Berücksichtigen
wir nun weiter, dass dasselbe Verhältniss wie hier auch an der Westküste von Afrika herrseht, dass also die
beiden den südatlantischen Ocean einsäumenden Festländer sich weiter ausdehnten als heute, so werden wir
dadurch zunächst mindestens auf erhebliche Einengung dieses Beckens zur Jurazeit geführt. Eine wesentliche
Bestätigung erhalten wir dafür durch das Auftreten von Bruchstücken eines alten Continentes, welche zwischen
den vulcanischen Producten derCap Verden auftreten,* während auf amerikanischer Seite die Falklands-
inseln mit ihren Thonschiefern und devonischen Fossilien auf eine Ausdehnung des Festlandes in dieser
Richtung hinweisen. Vor Allem aber ist von Bedeutung, dass der St. Pauls Felsen, welcher fast in der
Mitte des atlantischen Oceans unter dem Äquator hervorragt, nach den Untersuchungen von Renard aus einem
Olivingesteine besteht.^
1 Bezüglich der Literatur vergl. Neumayr, Ivlimatische Zonen. — Siiess, das Antlitz der Erde. Bd. I. S. 655 — 697.
■J Dana, Geology of tlic United States exploring- esposition during the yars 1838—42. New-Yorlv 1849. S. 004.
3 Steinmann, über Jura und Kreide in den Anden. Neues Jalirbuch 1882. I. S. 169.
•i Dölter, die Vulljane der Cap Verden und ihre Producte. Graz 1882.
'•> Renard, desi'iiptiou litbologique des recit's de St. Paul. Annales de la socii'te beige de Mieroscopie, 1882.
Die (jeogruphische VerhreHung der Juraformation. 123
Diese Tbatsachen legen uns die Mögliclikeit nahe, dass Siidanicrilca damals mit Afrika zusammen-
hing, und wir werden nach zoogeograjihischen Daten suchen müssen, welclie für oder gegen eine solche
Annahme sprechen. In erster Linie ist hier die Beschaffenheit der Uitenhagefauna in Südafrika wichtig,
welche, wie wir oben gesehen haben, unter ihren etwa 80 Arten nicht eine einzige aufzuweisen hat,
welche sich tibereinstimmend in Europa wiederfände. Einen so vollständigen Contrast trotz überein-
stimmender Faciesentwickhing müssen wir bei offener Meeresverbindung als in) Widerspruche mit unseren
Erfahrungen über die geographische Verbreitung der jurassischen Organismen bezeichnen. Auf der anderen
Seite finden wir beim Vergleiche der südamerikanischen Juralormen mit den europäischen, dass nicht nur eine
Menge von pelagischen Schwimmern, von Ammoniten, in beiden Gebieten vorkommen, sondern wir finden auch
eine überraschend grosse Zalil von Muscheln des europäischen Jura in den chilenischen, argentinischen
und bolivianischen Anden wieder, die sich nicht quer über ein breites oifenes Meer zu verbreiten ]tflegen.
Nach den sehr gewissenhaften Arbeiten von Gottsche und Steinmann können die folgenden Arten ange-
führt werden. '
Pecten p umilus L a m .
„ laminatus Lam.
„ alatus V. Buch.
Lima jiech'niformis Schi.
Pseudomonotis subsfriata Ziet.
„ Münsteri Br.
„ costata Sow.
Posidonomya Bronni Voltz.
Modiola imbrimta Sow.
Tricjonia signata Ag.
iMcina plana Zieten.
Astarte excavafa Sow.
Isocardia cor data Buckm.
Pleuromya jurassi Ag.
PJioladomya fidicula Sow.
Wie die vollständige Verschiedenheit der Capfauna von der europäischen für einen quer über den süd-
atlantischen Ocean hinreichenden Continent spricht, so führt auch die grosse Zahl der den Anden und Eurojia
gemeinsamen Muscheln zu der Annahme eines solchen Festlandes, an dessen Nordküste hin die Ausbreitung
auch nichtpclagischer Formen leicht stattfinden konnte. Endlich darf das Auttreten der oben erwähnten
Tri(/oiiiac pficudoquadratae am Cap und in Südamerika ebenfalls als ein Beleg in dieser Richtung betrachtet
werden, indem diese Gruppe längs der Südküste dieses Continentes ihre Wege und Wanderstrasseu
finden konnte.
Die iiothwendige Consequenz einer solchen Auffassung ist natürlich, dass das heute von Centralamerika,
dem caraibischen Meere und den Antillen eingenommene Areal zur Jurazeit von Wasser bedeckt war, und dass
sich von hier eine Verbindung nach Europa hinüberzog, welche die merkwürdige Ähnlichkeit der beiderseitigen
Faunen erklärt.
Die Zusammensetzung Centralamerika's widerspricht einer solchen Annahme durchaus nicht,
wenigstens kommt nach den Mittheilungen von Dollfuss und Montserrat mariner Jura in Guatemala vor,^
allerdings nur ein isolirter Punkt in jenem weiten Gebiete, dessen Kenntniss uns aber berechtigt, in den
überaus wenig erforschten Regionen eine weitere Verbreitung der Formation anzunehmen. Von den Antillen
ist noch kein Juravorkommen mit Sicherheit bekannt, doch wissen wir, dass mesozoische Bildungen an deren
Aufbau sehr wesentlichen Antheil haben, und von Cuba gibt de Castro wenigstens au, dass dort zwei
Ammoniten gefunden worden seien, deren Zugehörigkeit zum Jura ihm am wahrscheinlichsten sei; leider
1 Gottsche, über jurassische Versteineningen aus der argentinischen Cordillere. Palaeontograpbica. Suppl. III. Lief. 2.
Heft 2. 1878. — Steinmann, zur Kenntniss der Jura- und Kreideformation von Carocoles (Holivia). Neues Jalirbuch. Bei-
lage. — Bd. I. 1881. S. 2.39.
- Dollfuss et Montserrat, Voyage g6ologique dans les republiques de Guatemala et .Sau Salvador. Paris 1868. —
Ncumayr, klimatische Zonen, 1. c. 8. ;tOl.
16*
124 M. Neumayr.
sind jedoch diese wichtigen Fossilien his jetzt, wie es scheint, noch keiner näheren Bestimmung- unterzogen
worden. '
Mexilio ist noch fast vollständig Terra iucognita, doch ist jedenfalls eine weite Verbreitung mesozoischer
Ablagerungen sichergestellt, unter denen allerdings, soweit die wenigen Notizen eine Orientirung gestatten,
die obere Kreide die grösste Verl)reituug zu besitzen scheint, wie durch mehrfache Fossilfunde sichergestellt
ist. Doch fehlt es auch nicht an Daten, welche für eine bedeutende Entwicklung des Jura sprechen, und
namentlich Dollfuss hat bedeutende Scliiciitencomplexe, welche das ganze Plateau von Orizaba zusammen-
setzen, zu dieser Fdrmation gestellt; leider haben wir nur wenige Notizen darüber, da nur ein vorläufiger
Bericht erschienen ist, und der frühzeitige Tod des verdienten Forschers die Veröffentlicimng näherer Angaben
gehindert hat.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass von hier aus eine otfene Verbindung mit dem Meere bestand,
welches den westlichen Theil der Vereinigten Staaten von Nordamerika einnahm. Die ersten Nachrichten über
marinen Jura in Nordamerika (abgesehen von Alaska) hat Mareen gegeben, welcher eine Eeihe von Abla-
gerungen am Rande desLlano Estacado auf der Grenze von Texas undNeu-Mexiko auf Grund des Vorkommens
einiger Bivalven und der Lagerung über rothen Sandsteinen und bunten Mergeln in diese Formation einreihte,
und weit ausgebreitete Vorkommnisse in jenen Regionen damit identificirte.* Dieser Auffassung ist allerdings
in entschiedener Weise widersprochen, und die l)etreffen(len Schichten sind als zur Kreide gehörig bezeichnet
worden. Es ist natürlich für einen europäischen Geologen, der die betreffenden Gegenden nicht kennt und nie
ein Fossil von dort gesehen hat, weder möglich noch zulässig, über eine derartige Controverse eine eigene
Meinung zu äussern, wenn es auch schwer fällt, anzunehmen, dass ein so ausgezeichneter Jurakenner wie
Mareen, sich getäuscht habe. Jedenfalls aber steht das Vorkommen von Jura und zwar in grossem Massstabe
in den westlichen Regionen der Vereinigten Staaten ausser Zweifel, und ich erinnere nur an die aus Californien
abgebildeten, unzweifelhaften Jurafossilieu."
Die Entwicklung der Formation in verschiedenen Theilen des fernen Westens bietet grosse Verschieden-
heiten; ein Gebiet des Vorkommens bietet Californien und speciell die Sierra Nevada, wo Liasammo-
niten und eine Anzahl anderer Fossilien auftreten, deren Charakter bei einer früheren Gelegenheit eingehend
besprochen wurde; ich habe nachzuweisen gesucht, dass die hier auftretenden Ablagerungen den Faunen-
charakter der nördlich gemässigten Zone an sich tragen, dass aber einzelne boreale und tropische Typen sich
zugesellen, wie das von einem nach Nord und Süd weit oifenen Ocean nicht anders erwartet werden kann. Es ist
kein Grund vorhanden, hier nochmals auf diese Verhältnisse einzugehen, und ebensowenig kann die Controverse
hier besprochen werden, welchen Antheil am Aufbaue der californischen Gebirge die Juragesteine haben.
Östlich von der Sierra Nevada fehlen auf eine bedeutende Strecke die jurassischen Bildungen in dem
Gebiete der sogenannten Basin Ranges, und erst im Wahsatch-Gebirge treten solche wieder auf und
finden sich weiterhin im Uintagebirge und in dem ganzen Räume bis zu den Rocky Mountains, ja sie über-
schreiten diese sogar und treten noch am östlichen Fusse derselben auf, um dann zu verschwinden; in der
Region derPrairien fehlen alle Andeutungen ihres Vorhandenseins, und obere Kreide liegt hier unmittelliar auf
altem Gebirge auf *
Der Charakter des Jura vom Wahsatch bis jenseits der Rocky Mountains ist ein wesentlich gleicher und
von dem californischen Typus abweichender, marine Fossilien treten spärlich auf, namentlich Zweischaler
1 De Castro, Pniebas de qiie la Isla de Cuba ha estado unita al coutinente Americano y breve idea de sua
constitucion. Boletin del uiap;i geolog. de Esp.-ißa. i.ssi. Vol. VIII.
- Marcou , Geology Ol' North America. Zürich 1858. S. 17 ff. — Marco u, Lettre» sur les roches du Jura. ISSg-
S. 281.
3 Gabb, in American Journal of Conchology Vol. V — Gabb in Wliitney, Palaeontology of California. Vol. I.
■1 Clarence King, Systematical Geology. United States exploring expedition of the 40. Parallel. Vol. I. S. 28.5 — 96.
S. 340— 375. — Powell, Keport on the Geology of the ea.steru part of tlie üinta Mountains. I.s76. — Suess, das Antlitz
der Erde. Vol. I. S. 713—763.
Die geographii^che Verhrcitung der Juraßmuatioii. 125
finden sich an nielireren Punkten, von Cephalopoden ist nur der Belemnites densus der Black Hills von
Dakota gefunden worden. Neben denMceresuiolIusken kommen aber auch einzelne Binncnmollusken vor, ' und
vor Allem treten stellenweise in fabellial'teu Mengen die seltsamen Reste ungeheurer Landreptilien auf,
der Ätlantosaurus, Brontosaurus, Ceratonaurm, Diphdocits und einer Menge anderer, die wir wenigstens theil-
weise durch die Beschreibungen von Marsh kennen gelernt haben.
Für unsere Untersuchungen ist in erster Linie wichtig, dass diese Schichten sich in ihrer Meeresfauna
nicht an die westlichen Vorkommnisse in Californien anschliessen, sondern nähere Beziehungen zu den im
Norden gelegenen Black Hills zei{;en. V,ir müssen ferner berücksichtigen, dass die eben geschilderten
Ablagerungen mit ihrer eigenthümlichen Fauna nicht als rein marine Gel)ilde betrachtet werden können,
sondern ganz den Charakter von I5ildungen aus einem umschlossenen Becken nmchen, das vermuthlich nur
nach einer Richtung mit dem Meere in Verbindung steht, und in welchen in wccliseluden Perioden, oder auch je
nach seinen einzelnen Tlieilen bald das salzige, bald süsses oder brakisches Wasser die Oberhand gewinnt. Da
nun überdies dieses Gebiet von dem californischen durch eine breite Strecke ohne Jurnsedimente getrennt ist,
welche damals festes Land gewesen zu sein scheint, so erhalten wir das Ergebniss, dass die Jurabildungen der
Wahsatch, der Uinta-Berge, der Rocky Mountains sich in einer gegen Norden, gegen die Black Hills offenen
Buclit abgelagert haben, welche wir als dieUinta-Bucht bezeichnen. Die Fauna der Black Hills unterscheidet sich
von der californischen Entwicklung wesenilich durch den rein borealen Charakter der Fossilien, welcher bei
dem geringen Breitenunterschiede etwas auffallend ist. Vermuthlich dehnte sich eine Landstrecke, welche das
Uintabecken von dem californischen Meere trennte, noch weiter gegen Norden aus, so dass die Bucht nur gegen
die kälteren borealen Gewässer geöifnet war.
Die südliche Grenze der Bucht lässt sich noch nicht mit Siclierheit feststellen; im südlichen Theile der
Rocky Mountains lässt sich kein .Iura nachweisen, dagegen ist solcher in der Region des grossen Canon des
Colorado noch vorhanden; die südlicher gelegenen Gegenden sind noch nicht untersucht, und vermuthlich war
hier eine Landverbindung zwischen der Hauptmasse des nordamerikanischeu Continents und der Halbinsel
vorhanden, welche das eben besprochene Becken gegen Westen begrenzte. Die Möglichkeit aber ist nicht
ausgeschlossen, dass eine solche Verbindung fehlte, dass wir es nicht mit einer Halbinsel, sondern n)it einer
Insel zu thun haben, und dass das Uinta-Becken sich auch nach Süden öffnete.
Der ganze östliche Theil der Vereinigten Staaten scheint zur Jurazeit festes Land gewesen zu sein,
wenigstens fehlen alle sicheren Spuren von marinen Bildungen dieses Alters. Allerdings ist eine sehr vage
Andeutung vorhanden, welche die Annahme eines localen Übergreifens jurassischer Meeresbildungen nicht
ganz unmöglich erscheinen lässt. Gabb hat aus Virginien einige Fossilien beschrieben, die er als triadisch
deutet, und unter diesen befindet sich ein üeratites virginianus.'^ Allerdings sind Abbildung und Besehreibung
des kleinen Exemplares sehr dürftig, und seltsamer Weise soll der Sipho subcentrale Lage haben; die Loben
werden als Ceratitenloben bezeichnet, sind jedoch zwar schwach aber deutlich ringsum gezackt. Die Berip])ung
erinnert etwas an diejenige gewisser Jiiratypen, doch sind die Daten zu ungenügend, um irgend einen bestimm-
teren Schluss zu erlauben; immerhin müssen wir die Möglichkeit im Auge behalten, dass hier von Südwesten
her eine Meeresbucht nach Virginien übergegriffen habe, wenn ich dies auch nicht für wahrscheinlich halte.
Im übrigen fehlt jede Spur von marinen Juraablagerungen, und der östliche Theil der Vereinigten Staaten
bildete damals offenbar einen Theil jenes Continentes, zu dem auch die canadischen Territorien und die
Hudsonsbay-Länder gehörten, und der sich quer über den nördlichsten Theil des atlantischen Oceans gegen
die skandinavischen Meere hinüber erstreckte.
1 Charles A. Wüte, a review ot the non-mmiue fossil Mollusca of Nortli-America. Exti-act of the annual report of the
U. S. geological survey 1881—82. Washington 1883. Tab. 3.
- Gabb, Description of new fossils, prob, triassic, trom Virginia. Philadelphia, Journal ol' the acaderny of natural
Science. 1860. Vol. VI. S. 307. Tab. lö. Fig. 27. — Die übrigen abgebildeten Arten sind ganz indifferent.
126 M. Neumayr.
XI. Zusammenfassung.
In kurzen Zügen wurde die Verbreitung des Jura auf der P'rdoberfläclie dargestellt, so weit unsere Kennt-
nisse derselben reichen, nnd es mnss nun der Versuch gemacht werden, aus der Menge der Einzelangaben die
allgemeineren Eesultate abzuleiten. Als das auffallendste Ergebniss darf jedenfalls der überaus grosse Unter-
schied bezeichnet werden, welcher sich zwischen jenen Arealen heutigen Festlandes ergibt, welche von marinen
Ablagerungen des Lias, und denjenigen, welche von oberem Jura bedeckt werden. Wenige Abschnitte der
ganzen Reihen der Sedimentformationen kennen wir aus so beschränktem Räume vertreten, wie den Lias,
während der Malm zu den sehr weit verbreiteten Bildungen gerechnet werden niuss. Es ist das keine neue
Beobachtung, aber aus der zusammenliängenden Übersicht Über alle einzelnen Vorkommnisse tritt der Umfang
der Erscheinung klarer hervor, als das bisher der Fall war.
In erster Linie fehlt dem ungeheuren Areal der borealen Region nach unseren heutigen Erfahrungen der
marine Lias vollständig, und die ältesten Altlugerungen, über deren Stellung wir mit einiger Sicherheit ein
Urtlieil fällen können, diejenigen auf Prinz Patriks-Land, gehören wahrscheinlich dem unteren Dogger
an. Die riesigen Ländergebiete der sibirischen Niederung, ganz Inuerrnssland und eine grosse Anzahl
isolirter Punkte in den übrigen Thcilen des nördlichen Gebietes zeigen das Auftreten von mittlerem und oberem
Jura, übergreifend über ältere Ablagerungen. Um uns die Bedeutung dieses Verhältnisses zu vergegen-
wärtigen, müssen wir uns erinnern, dass die russisch-sibirische Area für sich allein mehr als die Hälfte des
Landgewinnes der heutigen Continente dem Jura gegenüber darstellt.
Damit ist jedoch die Aufzählung der Gegenden, in welchen der Lias fehlt, höhere Jurastufen aber vor-
handen sind, noch bei weitem nicht erschöpft; in dem ausserborealen Europa zeigt das östliche Norddeutsch-
land, Schlesien, Bö]}men, das ausseralpine Polen, Passau, die Umgebung von Brunn und die Donetzregion die-
selbe Erscheinung, und aus ganz Asien ist Lias nur aus dem Kaukasus und aus Jajtan nachgewiesen. In der
ganzen nördlichen Hemisphäre kennen wir marinen Lias nur aus dem westlichen Tiieil der mitteleuropäischen
Provinz, aus dem grösseren Theile der alpinen Provinz, aus Japan, der Sierra Nevada in Californien und von
einem kleinem Punkte im nördlichsten Theile von Südamerika.
Wir haben hier nur die grossen Gebiete in ihren allgemeinen LTmrissen ins Auge gefasst, allein wir treffen
auf analoge Verhältnisse in kleinem Massstabe, wenn wir in den Regionen, welche Lias enthalten, die Einzel-
heiten des Auftretens ins Auge fassen. In England bildete jener alte Rücken, der von den Mendip Hills
nach London zieht, zur Liaszeit eine Insel, während höhere Juraschichten denselben in mariner Ausbildung
überdeckten, und dasselbe ist an der Nordküste Frankreiclis bei Boulogne sur Mer der Fall. In der alpinen
Region hat die serbisch-croatisc.he Insel zur Liaszeit viel grössere Ausdehnung, als während der Zeit des
oberen Jura, im südwestlichen Tirol und in Venetien werden die pflanzenführenden Seichtwasserbildungen
der grauen Liaskalke von pelagischen Ammonitenkalken des mittleren und oberen Jura bedeckt, ' bei
Fünfkirehen tritt Liaskohle und rother Ammonitenkalk des oberen Jura auf, im Banale werden von eben-
solchen die Seichtwasserbildungen und Kohlenflötze des Lias bedeckt. In den Nordalpen finden wir nur
m Lias Strandbildungen und Kohlenflötze, und ebenso scheint der ganze Nordrand der Karpathen zur
Liaszeit trocken gelegen zu haben. Endlich liegen in Calabrien Nerineenkalke des oberen Jura unmittelbar
auf altem krystallinischem Gebirge.
Wir können das Resultat dahin zusammenfassen, dass wo immer wir auf der nördlichen Halbkugel
Verschiebungen im Stande des Sleeres bisher haben nachweisen können, überall eine Zunahme der Wasser-
bedeckung im oberen Jura dem Lias gegenüber hervortritt.
Es sind allerdings einige wenige Punkte bekannt, an welchen das Gegentheil vermuthet werden könnte.
Als ein derartiges Vorkommen kann der Lias von Schonen bezeichnet werden, wo nur mariner Lias, aber
keine höheren Juraschichten vorkommen. Allein in diesem Falle wurde gezeigt, dass wir es nur mit den Folgen
der Denudation zu thun haben, und das Vorkommen diluvialer Geschiebe das ehemalige Vorhandensein jüngerer
mariner Glieder beweist.
Die (jeof/rapJii^eJir Verhrc'ttwifi der Jiirdfor^nafinn. 127
Eiü zweites Gebiet, welches in Betraclit kommen kann, ist Scliottland und das nördliche England; wohl ist
auch hier die Oxfordstufe mindestens eben so sehr marin entwickelt, als der Lias, und sie greift wenigstens
stellenweise über, allein in anderen Horizonten des mittleren und oberen Jura treten mehrfach bedeutende Brak-
wasserbiidungen mit Landpflanzen und Binnenconcliylien auf; wenn wir aber den ganzen Charakter der
Bildungen näher ins Auge fassen, so zeigt es sich bei dem vielfachen Wechsel von marineu und brakisehen
Bildungen als wahrscheinlich, dass wir es nicht mit immer wieder oscillirenden Bewegungen im Stande von
Land und Wasser, sondern mit den Wirkungen der Einmündung eines grossen von Norden kommenden
Stromes zu thun haben, die innerhalb des Überaus langen Zeitraumes, um den es sich hier handelt, mehr-
fache Schwankungen in Riclitung, Wassermenge, Sedimentführung u. s. w. erlitt, und dass wir dieser
loealen Ursache die geschilderten Verhältnisse zuzuschreiben haben.
Wir können es daher als eine allgemeine Kegel für die nördliche Hemisphäre bezeichnen, dass, wo über-
haupt Verschiebungen im Stande des Wassers beobachtet werden können, dieselben in einer allgemeinen
Zunahme des Meeres im oberen Jura dem Lias gegenüber hervortreten. Sollten Ausnahmen überhaupt vor-
kommen , so sind dieselben rein localer Natur. Es ist das eine der grössten Verschiebungen im gegenseitigen
Stande von Land und Meer, mit der sieh innerhalb der ganzen Erdgeschichte nur das gewaltige Übergreifen
der oberen Kreide und nach entgegengesetzter Richtung der enorme Rückzug des Meeres um die Mitte der
Kohlenformation, und auf der Grenze zwischen Kreide und Eocän vergleichen lässt.
Wir haben bisher Lias und oberen Jura einander in ihrer Gesammtheit gegenübergestellt und den mittleren
Jura fast ganz ausser Betracht gelassen. Wir müssen nun zunächst die einzelnen Phasen der grossen Jura-
transgressiou ins Auge fassen. Innerhalb des Lias Unterschiede zu machen, schiene nur unter den heutigen
Verhältnissen sehr gewagt. Erst auf der Grenze zwischen Lias und Dogger tinden wir sichere Anhaltspunkte;
in der karpathischen Klippenregion zwischen Neumarkt und Eperies sind die Schichten mit Harpoceras opalinum
die erste Meeresbildung, der wir begegnen. Vielleicht lässt sich auch aus dem Umstände, dass im westlichen
Theile der norddeutschen Tiefebene die ältesten Jurageschiebe der Grenzregion zwischen Lias und mittleren
Jura angehören, für diese Region ein ähnlicher Schluss wahrscheinlich m;ichen. Von etwas jüngerem Alter sind
die ältesten transgredirenden Schichten in der Gegend von Krakau und bei Passau, es treten hier zu unterst eisen-
schüssige Sandsteine auf, welche der Zone des Harpoceras Murchisonae oder derjenigen des Harpoceras Sowerbyi
entsprechen, und vermuthlich gehören hieher im hohen Norden die Ablagerungen auf Prinz Patricks-Land.
In einigen Theilen der nördlichen Kalkalpen in der Schweiz, in der Umgebung von Brunn, auf der paläo-
zoischen Axe des Londoner Beckens, bei Boulogne sur Mer und wahrscheinlich in Cutch in Indien beginnt
die ninrine Schichtreihe mit Ablagerungen der Bathstufe.
Air das sind jedoch verhältnissmässig geringe Fortschritte des übergreifenden Meeres; erst nach Abschluss
des mittleren Jura, während der Ablagerung der Kelloway- und Oxfordstufe, überflutet der Ocean die aus-
gedehntesten Gebiete. In einem grossen Theile des europäischen Russland und Sibiriens, im Himaiaya, wahr-
scheinlich auf den aleutischen Inseln, endlich auf Charlotte Island beginnt der Jura mit dem tiefsten Niveau
der Kellowaystufe, im Verlaufe desselben Zeitabschnittes und der darauf folgenden Oxfordstufe breitet sich
das Meer in Russland und Sibirien weiter aus und die Ablagerungen der Oxfordstufe finden wir nun auch in
Spitzbergen, Novaja Sendja und in den Black Hills von Dakotah. Um diese Zeit scheint das Meer annähernd
seine grösste Ausbreitung auf der nördlichen Hemisphäre gefunden zu haben, und nur wenige Punkte lassen
sich nennen, an welchen jüngere Schichten übergreifen; es ist das der Fall in Calabrien, bei Nizniow in
Podolien und am Donetz, vielleicht auch in einem kleinen Theile des nördlichsten Karpathensaumes, in der
Region der tithonischen Korallriffe von Stramberg, Inwald u. s. w., obwohl für diese letztere Gegend kein hin-
reichender Beweis volle Sicherheit für die Annahme gibt.
Ich habe soeben erwähnt, dass die Oxfordstufe das Maximum der Meeresausdehnung auf der nördlichen
Hemisphäre bezeichnet, und wenn im Vorhergehenden von dem Contraste zwischen Lias und Malm die Rede
war, so wurde dabei immer die Verbreitung des letzteren während dieses Maximums verstanden. Nach Über-
schreitung desselben macht sich namentlich in Mitteleuropa eine Abnahme des Wasserstandes bemerkbar.
128 ^f- Neumayr.
Dieselbe gibt sich zunächst in dem massenbafteu Auftreten von Korallriffen und in der Absperrung der
Meerescoiiimunicationen, welche ans der baltischen Region und von Galizieu aus nach Riissland führten, schon
während der letzten Phase der Oxfordzeit geltend. Von da au nehmen Seichtwasserablagerungeu, Koralliiffe
und Bildungen mit zahlreichen Muscheln und Schnecken, aber wenigen Cephalopoden melir und mehr über-
hand, das Meer verlässt gewisse Regionen, es treten grosse brakische Binnengewässer auf, in welchen sich
die Furbeckbildungen absetzen, und zum Schlüsse der Juraformation ist fast die ganze mitteleuropäische
Region festes Land oder von Binnenseen bedeckt.
In Mitteleuropa treten uns diese Erscheinungen in unzweideutiger Klarheit entgegen, uud auch in den •
alpinen Regionen fehlt es nicht an Andeutungen für das Stattfinden eines ähnlichen Vorganges; ganz abgesehen
von dem localen Eingreifen von Purbeckkalken in den Freiburger Alpen zeugt dafür namentlich die Aus-
dehnung, welche in den höchsten Theilen des Jura, im Tithon die Korallenbildungen erreichen. Auch in
(!utch in Indien scheint die oberste Zone des oberen Jura zu fehlen, das höchste marine Glied in dieser Gegend,
die ()omia-Grui)pe, entspricht ungefähr den Portlandbildungen und darüber folgen Sandsteine mit Land-
pflanzen lind Kohlen. Dagegen fehlt es vorläufig an bestimmten Anhaltspunkten für die Annahme, dass es sich
in anderen Theilen der nördlichen Halbkugel ebenso verhalten habe. Wir müssen uns dabei sehr'hüten, aus den
vorliegenden Daten nach der einen wie nach der anderen Richtung bestimmte Folgerungen abzuleiten.
Allerdings sind an einer Reihe von Punkten des borealen Jura keine jüngeren Ablagerungen als Oxford-
schichten bekannt, und die Verbreitung der Ammonitenfauua der Wolgastufe ist eine verhältnissmässig
geringe und man könnte sich dadurch in der That zu der Annahme bestimmt fühlen, dass der Rückgang des
Meeres zu Ende des Jura in der ganzen nördlichen Halbkugel ein allgemeiner gewesen sei. Allein dem stehen
verschiedene sehr bedeutendeBedenken entgegen. In erster Linie haben wir nicht den mindesten Anhaltspunkt,
um zu beurtheilen, ob in jenen verhältnissmässig wenig bekannten Regionen nicht noch Vieles zu finden ist,
und ob bei dem Fehlen der höchsten Juraschichten die Wirkung der Denudation nicht eine ganz unverliältniss-
mässig grosse Rolle spielt. Die Kriterien für die Feststellung des Rückzuges des Meeres, soweit sie sich auf
das Fehlen höherer Schichten stützen, sind an sich in der Regel weit weniger sicher, als diejenigen, nach
welchen man ein Übergreifen l)estiramt. Dazukommt aber noch ein zweiter Gesichtspunkt; wir beurtheilen
die Borealfauna des obersten Jura nach der Entwicklung in der Moskauer Region, die doch nur ein süd-
licher Ausläufer des nordischen Beckens ist. Es ist sehr wohl möglich, dass die Ammonitenfauna der Wolga-
stufe sich grossentheils überhaupt nicht nach Norden erstreckt hat, und dass ammonitenarme Aucellen-
gesteine hier den obersten Jura repräsentiren.
Diese Gründe verbieten uns heute von einer Einengung des borealen Meeres gegen Ende des Jura zu
sprechen, aber die Thatsachen gestntten ebensowenig einen entgegengesetzten Schluss, und wir müssen
einräumen, dass unsere Kenntnisse viel zu gering sind, um darüber irgend eine bestimmte Ansicht auszusprechen.
Wir können also auch nicht beurtheilen, ob die Einengung des Meeres, welche gegen Ende des Jura in Mittel-
europa und einem Theile der alpinen Region nachgewiesen werden kann, eine locale Erscheinung ist
oder nicht.
Der Überblick üljer weitgreifende Änderungen in der Vertiieilung von Land und Meer kann unter
Umständen Aufschluss über deren Ursache geben und dadurch für die Lösung von Fragen der dynamischen
Geologie bedeutungsvoll werden. Es ist bekannt, dass die Verschiebungen von Land und Meer, welche sich
fortwährend in der Erdgeschichte geltend machen, von verschiedenen Seiten verschiedenen Ursachen zuge-
scin-ieben werden. Die Einen halten Veränderungen im Stande des Meeresspiegels für ausgeschlossen, sie
betrachten die Oberfläche des Oceans als eine fix gegebene Gleichgewichtsfigur und schreiben alle Umge-
staltungen den Bewegungen der festen Erdrinde und ganz vorwiegend den säcularen Hebungen und
Senkungen zu. Andere dagegen betrachten die Vertheilung des Wassers als variabel und bestreiten wenigstens
das Vorkommen von grossen continentalen Hebungen. Allein auch unter den Anhängern der letzteren Richtung
machen sich verschiedene Meinungen geltend; entweder wird angenommen, dass das Wasser des Meeres sich
abwechselnd auf der einen und dann wieder auf der anderen Halbkugel ansammle, oder es tritt die Ansicht
Die geographische Verbre'dung der Juraformation. 129
auf, dass das Wasser in alternirenden Perioden von deu Polen nacli dem Äquator und dann wieder vom
Äquator nach den Polen abströme. Endlich können noch andere,, etwa mit einer Verscliiebung der Erdaxe
zusammenhängende Veränderungen des Wassers angenommen werden.
Wenn wir von diesem Standpunkte aus die Thatsacheu betrachten, so wird es gestattet sein, abzuwägen,
für welche der verschiedenen Ausicliten dieselben sprechen. Wolil wäre es sehr voreilig, aus dieser einen
Beobaehtungsreihe einen ganz bestimmten Schluss abzuleiten ; es wird nur möglich sein, zu sagen, für welche
Auffiissung einseitig nach dieser Gruppe von Thatsachen die grösstc Wahrscheinlichkeit spricht; werden dann
von verschiedenen Seiten zahlreiche ähnliche Beobachlungsreihen zusammengestellt und kritisch geprüft, so
wird die Combination all' dieser Ergebnisse im Falle der Übereinstimmung unter einander mit einem ziemlich
hohen Grade von Wahrscheinlichkeit zu urtheilen gestatten, und hiefür iVIaterlal beizubringen, ist vorläufig die
Aufgabe, und nur von diesem Standpunkte aus wird das hier abgegebene Urtheil aufgelasst werden dürfen.
Dasjenige Resultat, welches heule vollständig klar vor Augen liegt, die Zunahme der Wasserbedeckung
auf der nördlichen Hemisphäre nach Ablauf der Liaszeit, spricht der Allgemeinheit der Erscheinung wegeu
nicht für die Annahme von Continentalbewegungen. Eine Senkung aller Festländer dieser Region entspricht
wenigstens all' denjenigen Vorstellungen, welche man sich von säcularen Ikwegungen der Erdkruste und
ihren Ursachen macht, in keiner Weise. Mag man zur Erklärung der Senkungen die Bildung einer synclinalen
Falte von sehr grosser Amplitude herbeiziehen oder die Ursache in der Zusammenziehung der l'^rde durch
Kühlung suchen, niemals wird man auf diese Weise sich eine Bewegung entstanden denken können, welche
sich in gleichem Sinne über eine ganze Halbkugel erstreckt. Eine solche Verschiebung spricht weit mehr dafür,
dass Änderungen der Attractionsverhältuisse, im weitesten Sinne gesprochen, das flüssige Element des Wassers
in seiner Gleichgewichtslage beeinflussen, nur so werden wir die Verbreitung der Erscheinung begreifen
können.
Seilen wir es also vom Standpunkte der Vertheilung der Jurasedimente auf der nördlichen Halbkugel als
wahrscheinlicher an, dass d;is Wasser seinen Stand geändert habe, so entsteht die weitere Frage, welcher Art
diese Bewegung war. In erster Linie spricht wieder die Allgemeinheit der Erscheinung dagegen, dass eine
Verlegung der Erdaxe als Ursache betrachtet werde, denn unter dieser Voraussetzung müssten auf der allein
bisher in Betracht gezogenen Nordhemisphäre manche Gebiete ein entschiedenes Ansteigen, andere ein ebenso
deutliches Zurückgehen des Wasserspiegels erkennen lassen.
Es bleiben noch die beiden übrigen, oben genannten Erklärungen, neben denen aber weitere Möglich-
keiten in keiner Weise ausgeschlossen sind; wenn wir uitheileu wollen, ob das Wasser abwechselnd von
den Polen zum Äquator und von da wieder zu den Polen strömt, oder ob alternirend die nördliche und südliche
Hemisphäre die Hauptansammlung des Meerwassers aufzuweisen haben, so müssen wir vor Allem die Ver-
breitung des Jura auf der südlichen Halbkugel ins Auge fassen, die bisher ganz ausserhall) der Betrachtung
geblieben ist.
Leider ist unser Wissen in dieser Richtung ein sehr beschränktes und gestattet kein sicheres Urtheil; in
den südamerikanischen Anden und in Neuseeland ist mariner Lias vorhanden, ja in dem letzteren Gebiete
scheint gerade dieser Abschnitt hocdimarin zu sein, während in den späteren Gliedern des Jura Sandsteine
mit Landpflanzen und Kohlenflötzen überhand nehmen und mit marinen Schichten wechsellagern. Sehr
unbestimmt ist, was wir ül)er Neu-Holland wissen: Unteroolitii ist dort sicher vorhanden, dagegen fehlt es au
sicheren Beweisen für das Vorhandensein von höheren Juraschichten. Von Moore werden einige Fossilien des
oberen Lias angelührt, doch stimmen deren Abbildungen durchaus nicht zu diesen ludentificatioueu; wir
können demnach über die Verhältnisse in Neu-Holiaud gar nichts sagen.
Etwas bestimmter lauten die Angaben für das südliche Afrika; als erwiesen kann vorausgesetzt werden,
dass das Innere des Landes vom jurasischen und überhaupt vom mesozoischen Meere nie bedeckt wurde,
Marinbildungcn sind nur von den äussersten Rändern bekannt; auch hier kennen wir nur eine einzige sichere
Juralocalität, nämlicii Mombassa, wo eine Ammonitenfauna der Kimmeridgestufe auftritt; dazu kommen noch
bei Mossambique und an der Algoabai Ablagerungen, welche der Grenzregiou zwischen Jura und Kreide
Ut;ak£chrifiea der malhem.-ualurw . Gl. L. Bd. \1
130 M. Neumar/r.
angeliören, aber aller Wahrscheinlicbkeit nach zu den tiefsten Gliedein der letzteren Formation gerechnet
werden müssen. Die Vorkommnisse auf Madagaskar sind viel zu wenig bekannt, um eine nähere Alters-
bestimmung zu gestatten.
Es sind hier nur wenige Daten gegeben, auf welche man irgend einen Sehluss bauen könnte. lu dem
Fehlen des Lias und überhaupt der tieferen Juraglieder Hesse sich etwa ein Anklang an die Verhältnisse der
Nordhemisphiire erkennen, aber dem steht die Thatsache gegenüber, dass die übergreifenden Glieder in
Afrika nicht demjenigen Abschnitte angehören, welcher dort das Maximum der Meeresverbreitung bezeichnet
nämlich der Oxfordstufe; sie sind jünger und theils zu einer Zeit abgelagert, in welcher das Meer im Norden
schon im Kückzuge begriffen war, theils entsprechen sie geradezu (Mossambique, Algoabai) dem durch die
Piirbeck- und Wealdeubildungen bezeichneten Minimum in Mitteleuropa.
Die Daten sind daher durchaus unzureichend, um irgend ein bestimmtes Urtheil über die Wasser-
bewegungen abzuleiten, welche während der Jurazeit auf der südliehen Halbkugel stattfanden, und es wird
daher auch unmöglich, über den Character der Meeresschwaukuugeu jener Zeit überhaupt schlüssig zu werden.
Wenn der madagassische und australische Jura einmal seiner Gliederung und Verbreitung nach näher bekannt
sein wird, so werden wir vielleicht etwas klarer sehen, aber ein bestimmtes Urtheil wird erst möglich sein,
wenn einmal über den geologischen Bau der den Südpol umgebenden Landmassen wenigstens einige Nacii-
richten bekannt werden sollten, wozu allerdings vorläufig wenig Aussicht vorhanden zu sein scheint.
Mit diesen Betraclituugen hängt eiue andere Frage innig zusammen; bei gleichbleibender absoluter Wasser-
menge ist es wahrscheinlich, dass stets das Verhältniss zwischen festem Land und Meer ein annähernd
gleiches bleiben, der Umfang der Continente ziemlich geringen Schwankungen unterworfen sein und Gewinn
und Verlust an Land sich ungefähr ausgleichen werden. Wir sehen nun, dass auf der nördlichen Halb-
kugel nach Sehluss der Liaszeit das Meer sich sehr stark ausbreitet, wir werden also daraus schliesseu müssen,
dass in anderen Gebieten das Gegentheil eintrat und um dieselbe Zeit weite Strecken trocken gelegt wurden.
Wo dieses aber der Fall war, ob in der tropischen, in der südlich gemässigten oder in der antarktischen
Eegion, darüber sind wir vollständig unwissend, und höchstens die Verhältnisse auf Neu-Seeland lassen uns
eine Möglichkeit in dieser Beziehung ahnen.
Aus all' dem Gesagten geht hervor, dass bei dem Versuche, die ehemalige Verbreitung von Meer und Fest-
land kartographisch darzustellen, niemals für die Gesammtzeit des Jura ein einheitliches Bild gegeben werden,
sondern dass eine solche Karte nur einen bestimmten Zeitpunkt behandeln kann. Es ergibt sich aber
auch ferner, dass für den Lias und wohl auch für den Dogger die Materialien für eiue solche C'ombination
fehlen; es kann nur hervorgehoben werden, dass während des Lias auf der nördlichen Halbkugel eine ähnliche
Anhäufung von Festland vorhanden war, wie wir sie heute sehen.
Auf der beigegebenen Karte {1.) ist der Versuch gemacht, die Vertbeiluug von Land und Wasser ent-
sprechend dem Maximum der Ausbreitung des Meeres zur Zeit des oberen Jura graphisch darzustellen.
Natürlich sind die Grenzlinien in einem grossen Theile ihres Verlaufes ganz willkürlich gezogen, nur
in den allergröbsten Umrissen mag sich das Bild den tbatsächlichen Verhältnissen nälieru. Als wichtige
Charakterzüge treten uns entgegen zunächst die Gruppirung grosser Festlaudsmasseu in den tropischen
Eegionen, während im Norden nur ein grosser Continent vorhanden ist; ein pacitisches Becken, welches
von dem heutigen in seiner Form nicht sehr wesentlich abweicht, während der Atlantische Ocean noch
nicht existirt; ein grosses Nordmeer umgibt den Pol, das im grösseren Theile seiner Breite von den
südlicheren Meeren durch festes Land getrennt ist; endlich war vermutblich ein grosses, antarkisches Meer
vorhanden.
Wir wollen die einzelneu geographischen Objecte kurz besprechen; wir finden in erster Linie drei grosse
Weltmeere.
L Der arktische Ocean. Es wurde eingehend erörtert, dass Juraablagerungen von verwandtem
Charakter sehr verbreitet im Norden auftreten; auf der Karte wurde ein olfeues Nordmaer verzeichnet, in das
Die geographische Verhreitung der .hiraformation. 131
nur Grönland als weit einspringender Ausläufer des nearktisclien Festlandes vortritt; diese Art der Darstellung
soll niclit die Existenz vcin Inseln in dieser Eegion als unwabrsclieinlich bezeichnen, sie entspricht nur dem
thatsächlichcn Verhältnisse, dass uns keine genügenden Anlialtspunkte vorliegen, nm die Existenz solcher
bestimmt zu behaupten. Abgesehen von der Eegion des heutigen nördlichen Eismeeres, gehört zu diesem
Ocean das Areal, welches heute den grössten Theil Sibiriens und das nordwestliche Amerika ausmacht. Drei
grosse Bucliten, deren Umgrenzung später besprochen werden soll, erstrecken sich von dem offenen Nord-
meere weit nach Süden, nämlich 1. das Moskauer Becken, 2. das Tarimbecken und die tibetanische Bucht,
3. die Uintabucht.
II. Der pacifische Ocean entspricht dem heutigen Becken des stillen Oceans, er ist jedoch vergrössert
um das Areal der südamerikanischen Anden und der nordanierikanischen Westregion, während im Westen das
heutige japanische und ostchinesisehe Meer, ferner das weite Gebiet der unten näher zu umschreibenden
sinisch-australischen Eegion Festland war. Mit dem arktischen Ocean stand der pacifische, wie es scheint, in
weit offener Vei'bindung.
III. Der antarktische Ocean; seine Existenz wird durch das Auftreten übergreifender Partieen von
marinem ,Juia imd Neocom im Capland und Neuliolland, sowie durch die Ähnlichkeiten in der Fauna der
Ablagerungen in Südamerika, Südafrika und Südindien bezeugt, sonstige Anhaltspunkte über dessen Beschaffen-
heit fehlen fast ganz, wir können nur aus der nahen Verwandtschaft mancher Bivalven im obersten Jura des
südlichen Indien mit solchen derUitenhageschichten im Capland schliessen, dass eine Meeresbucht, die „indische
Bucht" bis an die Ostküste der vorderindischen Halbinsel reichte, und da einige dieser Muscheln auch im Jura
von Cutch wiederkehren, so geht daraus hervor, dass eine Meeresverbindung um die alte Masse des Dekan
herum nach der Gegend der heutigen Indusmündungen reichte.
Diese indische Bucht ist von grosser Bedeutung; sie zeigt uns die Anlage, aus welcher sich unser jetziger
indischer Ocean entwickelt hat, indem durch das Untersinken der später zu erwähnenden indo-madagassischen
Halbinsel, der vielbesprochenen „Lemuria", eine Vereinigung dieser Bucht mit dem äthiopischen Mittelmeere
der Jurazeit stattfand. Die Feststellung des Zeitpunktes, wann dieses geschah, kann nicht in den Kreis unserer
Betrachtungen fallen, für die Entscheidung dieser Frage sind vor Allem die Verhältnisse der lebenden und der
tertiären Landfaunen massgebend.
Diese drei grossen Oceane, welche hier besprochen wurden, umschliessen die Landmassen, welche zur
Zeit des oberen Jura vorhanden waren; dieselben sind verhältnissmässig dicht zusammengedrängt. Zwischen
den Continenten verläuft von West nach Ost ein grosses Mittelmeer, das im Osten bis an den sinisch-austra-
lischen Continent reicht, an dessen Küste nach Süden umbiegt und durch eine schmale Wasserstrasse mit der
indischen Bucht des antarktischen Meeres in Verbindung steht. Wir bezeichnen dieses Meer als:
IV. Das centrale Mittelmeer. Dasselbe steht mit dem östlichen Theile des pacifischen Beckens in offener
Verbindung, da aller Wahrscheinlichkeit nach Mexico, Centralamerika und der äusserste Nordrand von Süd-
amerika, sowie die ganze westindische Area zur Jurazeit unter Wasser war. Von da zog sich das centrale
Mittelmeer zwischen dem uearktischen und dem brasilianisch-äthiopischen Contineut nach Osten, wobei
natürlich die Art und Weise der Begrenzung und die Breite des Meeres in keiner Weise genau festgestellt
werden kann. Da auf dieser Strecke, welche heute einen Theil des atlantischen Oceans bildet, kein Anhalts-
punkt zur Reconstruction der Küstenlinien vorliegt, so ist die Abgrenzung auf der Karte rein willkürlich, und
ebensowenig können wir entscheiden, ob etwa Inseln in dieser Region vorhanden waren.
In der weiteren Fortsetzung nach Osten, nach Europa und Nordafrika, treffen wir auf jenes grosse Becken,
in welchem sich die Schichten des mitteleuropäischen und des alpinen Jura abgelagert haben; diese Area
trägt eine Anzahl bedeutender Inseln, welche in den früheren Abschnitten besprochen worden sind. Von hier
führten drei vermuthlich enge Wasserstassen nach dem arktischen Ocean, von denen die eine nördlich vom
heutigen Schottland lag; wir bezeichnen sie als Shetlandsstrasse. Eine zweite Verbindung, die baltische
Strasse, führte über Popiläni nach dem Moskauer Becken, und ebendahin öffnete sich die Strasse von
17*
132 M- l^evmayr.
Lublin welche rlen poltiisclieii an fleii innerrussischeii Jura knüpfte. All' diese Communicationen scheinen
aher nur während verhältnissmässif;- kurzer Zeit, während der Ablagerung der Kelloway- und des unteren
Theiles der Oxfordstufe offen gewesen y,u sein, und sich dann wieder geschlossen zu haben.
"Weiter nach Osten setzt sich ilas centrale Mittelmeer zwischen der arabischen WUstentafel im Süden und
der turanischen Insel im Korden fori und erstreckte sich nach Indien, wo die Ablagerungen von Cutch und
anderen Punkten nördlich vom Dekan mil ihrer der europ<äischeu so überaus ähnlichen Fauna die Spuren
dieses Meeres erkennen lassen. Immer mehr verschmälert sich das Recken im Osten und steht endlich gegen
Süden umbiegend durch die bengalische Strasse mit der indischen Bucht des antarktischen Oceans in
Verbindung.
Von diesem Meerestheile, der sich \ on Mitteleuropa nach Indien erstreckt, führen abemials zwei Commu-
uicationen nach Norden ; die Existenz der einen haben wir oben aus den Arbeiten von Pawlow über den
.Iura von Ssimbirsk kennen gelernt; diese Verbindung, die wir die Wol gastrasse nennen, war gross und breit,
sie führte aus der kaukasischen Region nach dem russischen Becken und scheint die ganze Strecke zwischen
der unteren Wolga und dem Uralfluss eingenommen zu haben. Die zweite Communication nach Norden muss
aus der Gegend von Cutch nach dem Becken des tibetanischen Jura geführt haben, wir wollen sie als die
I n d u s s t r a s s e bezeichnen.
Wir haben gesehen, dass eine ganze Eeihe von Meerengen das centrale Mittelmeer mit dem arktischen
Ocean verbinden, während ausser der bengalischeu Strasse im äussersten Osten keinerlei Verbindung mit dem
Südmeere vorhanden zu sein scheint. Dafür zweigt .sieh eine mächtige Bucht, das „äthiopische Mittel-
meer" nach Süden ab; die Existenz desselben wird gefolgert aus dem Auftreten von Ablagerungen des oberen
Jura und der unteren Kreide bei Mombassa, Mossambique und auf Madagaskar, welche sich in ihrem Charakter,
so weit wir denselben zu beurtheilen im Stande sind, nahe an die Vorkommnisse von Cutch in Indien und in
der alpinen Eegion Europa's anschliessen, mit denjenigen des nahe gelegenen Caplandes dagegen uicht die
mindeste Ähnlichkeit haben. Der Eingang dieses vermiithlich heissesten Meerestheiles der Jurazeit ist im
Westen durch die arabische Wüstentafel begrenzt, in welcher überall Gesteine der oberen Kreide unmittelbar
auf altem Gebirge zu ruhen scheinen; gegen Osten ist derselbe durch die alte Masse des Dekan und durch
jene Landmasse abgeschlossen, welche Südafrika mit Indien verband, und welche wir als indisch-madagas-
sische Halbinsel bezeichnen. Das Vorkommen der jurasischen Antalokalke in Abys.sinien weist auf die
Existenz einer von dem äthiopischen Mittelmeere nach Norden einspringenden Bucht hin, die wir als die
Antalobucht bezeichnen.
Wir haben kurz die Meere der .Turazeit besprochen, in ähnlichen raschen Zügen mögen auch die Land-
massen aufgezählt werden, deren Existenz wahrscheinlich gemacht werden konnte.
L Der afrikanisch-brasilianische Contineul. Ganz Südamerika, mit Ausnahme des äussersten
Westens und Südens, war zur Jurazeit festes Land, und dasselbe gilt \ on Afrika mit Ausnahme der im Nord-
westen gelegenen Kettengebirge und beschränkter Partien an seinem östlichen und südlichen Rande. Dass
eine Verl)indnng dieser beiden Continente quer über die Breite des jetzigen südatlantischen Oceans vorhanden
war, wurde oben aus einer Reihe von Gründen als wahrscheinlich bezeichnet; es sprechen dafür das Fehlen
aller jurassischen Sedimente an der OstkUste Südamerika's und an der Westküste Afrika's südlich vom Grünen
Vorgebirge, das Vorkommen alter Gesteine auf den Cap Verden, das Auftreten des aus Serpentin bestehenden
Felsens von St. Paul, endlich eine Reihe zoogeographischer Gründe, wie die vollständige Verschiedenheit der
Uitenhagefauua in Südafrika von den europäischen Faunen und das Vorkommen einer grösseren Anzahl
europäischer Muscheln im westliehen Südamerika. Wir haben liier den grössten Continent der Jurazeit vor uns,
an dessen südöstliches Ende sich als eine mächtige Halbinsel eine Landmasse anschliesst, welche Südafrika
und Madagaskar mit der vorderindischen Masse verbindet. Diese „indisch-madagassische Halbinsel",
für deren Annahme alle Gründe hier zu wiederholen überflüssig ist, wird im Westen durch das äthiopische
Binnenmeer, im Osten durch den indischen Golf begrenzt, während sie imNorden das centrale Mittelmeer berührt.
Die geographische Verbreifmig der Juraformation. 133
II. Der siniscb-australische Continent. Diese zweite grosse Laudmasse umfasst den grossen süd
östlichen Tlieil von Asien, in welchem der Jura fehlt oder durch Binneuablagerungeu mit Kohlenflötzen nnd
Landpflanzen vertreten ist, ferner die ganze nialayisch-papuanische Inselregion, Neuhollaud mit Ausnahme seines
südwestlichen Theiles, Tasmanien, einen Tlieil von Neuseeland, die von hier gegen Ncu-Guinea streichende
Inselkette und die dazwischen liegenden Meere. Im nordwestlichen Theile springt demTarimbecken entsprechend
eine Bucht in dieses Festland ein, welche im Norden von der Halbinsel des östlichen Thianscban, im Süden
durch die Kwenlünhalbinsel begrenzt ist. Südlich von letzterer springt das himalaviscbe oder tibetanische
Becken als eine zweite Bucht ein und wird gegen Süden nur durch eine schmale Halbinsel, welche der südlichen
Kette des Himalaja entspricht, von der „bengalischen Strasse" getrennt. An dieser Stelle nähert sich
Sino-Australien sehr der indomadagassischen Halbinsel, während es weiter nördlich an zwei Stellen, im
Thianscban und am Karakorum, sehr nahe an die turanische Insel herantritt. Der Continent ist nach
Norden vom arktischen Meere, nach Osten vom pacitischen, nach Süden vom antarktischen Ocean begrenzt,
während er im Westen an die indische Bucht, die bengalische Strasse und an die tibetanische Bucht grenzt.
III. Der nearktische Continent, im Süden vom centralen Mittelmeer, im Westen vom pacitischen, im
Norden nnd Osten vom arktischen Ocean umschlossen, stellt die einzige, ganz dem gemässigten und kalten
Theile der nördlichen Hemisphäre angebörige grosse Landmasse dar; seine Grenzen im hohen Norden sind
durchaus problematisch. Die weiten Strecken Nordamerika's, denen der marine Jura fehlt, gehören hierher,
ferner der östliche Theil des amerikanischen Polararchipels, sowie Grönland mit Ausnahme des nördlichen
Theiles seiner Ostküste. Nach der Verbreitung und den Beziehungen der borealen Jurafauna muss sich dieser
Continent bis in die Gegend der Shetlandsstrasse nach Osten ausgebreitet haben. Im westlichen Theile des
Festlandes bezeichnen der typiscb-boreale Jura der Black Hills von Dakotah, ferner die Juravorkommnisse in
den Eocky Mountains, im Uinta- und Wahsatch-Gebirge und bis zum Coloradocafion hinab, eine tief nach Süden
einspringende Bucht, welche gegen Westen durch die „Utah-Halbinsel" abgegrenzt ist.
IV. Die skandinavische Insel. Durch die Shetlandsstrasse vom nearktischen Festlande getrennt,
tiuden wir eine gewaltige continentale Insel, welche Schweden (ausser Schonen), Norwegen, die Lofoten,
Lappmarken, die Halbinsel Kola, Finnmarken, Finnland und einen Theil der baltischen Länder Kusslands
umfasst.
V. Der europäische Archipel. An der Stelle des heutigen Europa befand sich im centralen Mittel-
raeer ein Anzahl bedeutender Inseln, deren Lage eingehend besprochen wurde; ich begnüge mich daher hier
mit der Aufzählung derselben:
1. Irland.
2. Grampian-Insel in den schottischen Hochlanden.
.S. Penin-Insel im nördlichen England.
4. Wales-Insel.
5. Armoriscbe Insel (Nordwestfrankreich und Cornwallis).
6. Ardennen-Insel.
7. Iberische Insel (Spanische Meseta).
8. Corsische Insel.
9. Böhmische InseL
10. Croatische Insel.
11. Thracische Insel.
12. Westrussische Insel.
13. Südrussische Insel.
Die beiden zuletzt genannten nehmen ebenso wie die skandinavische Insel an der Abgrenzung des
centralen Mittelmeeres gegen die Moskauer Bucht Theil.
134 M. Neumayr.
VI. Die Turanische Insel. Die eigeuthUmlichen zoogeograpliischen Verbältnisse zwischen der
borealen, der tibetanischen und der mitteleuropäischen Jurafauna sowie die Verbreitung von Jurakohlen und
Landptlanzen haben zur Annahme einer Insel geführt, welche sich vom Ural und den Mugodjaren bis zum nord-
westlichen Indien erstreckt; der westliche Thianschan schlies.st sich als eine gegen Osten gerichtete Halbinsel
an. Mit den Ausläufern des sino-australischen C'ontiuentes zusammen umschliesst sie das Tarim-Becken und
die tibetanische Bucht.
VII. Die Uralische Insel. Auf den aufgerichteten Ablagerungen des südlichen Ural liegt Jura in
tibergreifender Lagerung, dagegen ist aus dem nördlichen Theile des Gebirges nichts derartiges bekannt, und
der letztere Abschnitt daher als Insel eingezeichnet, obwolil deren Berechtigung zweifelhaft ist.
Die kurze Übersicht, welche hier gegeben wurde, zeigt uns die Gestaltung der Erdoberfläche zur Jurazeit,
wie sie nach dem heutigen Stande unserer Keiintniss wahrscheinlich ist. Es braucht wohl kaum hervorgehoben
zu werden, wie wenig genau in den Einzclnheiten die Ergebnisse sind, ja dass sie in dieser Beziehung falsch
sein müssen. Die damaligen Continente zeigten sicher keine so plimipen Massen, wie sie auf der Karte
gezeichnet sind, sondern sie halten reichere Gliederung aufzuweisen; die Menge der Inseln war gewiss nicht
auf 15 beschränkt, sondern sie zählte wie heute nach Tausenden; selbst in wichtigeren Punkten werden
vielleicht noch erhebliche Änderungen nothwendig werden. Allein das darf uns nicht hindern, in einer
Zusammenfassung die jetzige Stufe der Eikenntniss anschaulich zu machen; es tritt dadurch weit klarer
hervor, wo die emptindlichsten Lücken unserer Kenntnisse liegen, und wie weit wir überhaupt vor-
geschritten sind.
Übrigens geben uns selbst die in mancher Beziehung noch unbestimmten Resultate, die hier erzielt
wurden, die Möglichkeit au die Hand, über gewisse Probleme ein präciseres Urtheil zu fällen, als das bisher
der Fall war. So verhält es sich z. B. mit der Frage nach der Beständigkeit der Festländer und Meeresbecken,
in welcher sich verschiedene Ansichten schroff entgegenstehen. Früher wurde ziemlicii allgemein eine sehr
grosse Veränderlichkeit in dieser Beziehung angenommen und von manchen Forschern, namentlich von solchen,
die der Geologie etwas fernerstehen, von dem Untersinken und Auftauchen von Festländern der übertriebenste
Gebrauch gemacht. Im Gegensatze dazu hat sich eine andere Auffassung geltend gemacht, welche nur ganz
geringe Änderungen in dieser Richtung zugesteht, und namentlich annimmt, dass die „Sockel" der Festländer
und die grossen Meeresbecken seit den ältesten Zeiten keine wesentlichen Veränderungen erlitten haben. Diese
Ansicht hat namentlich in neuerer Zeit und speciell unter den englischen Gelehrten sehr an Boden gewonnen,
seitdem man durch die Tiefseeuntersuchungen des „Challenger" die Natur der Sedimente in den grössten
Meerestiefen und namentlich den „rothen Thon" der Regionen unter 2000 Faden kennen gelernt hat. In der
That lässt sich dem Argumente, dass man aus älteren Ablagerungen kein Gestein von der Beschaffenheit
des rothen und braunen Tiefseethones kennt, eine grosse Bedeutung niclit absprechen.
Allerdings tritt hier zunächst die Frage auf, ob denn die letztere Angabe wirklich richtig ist, und ich
glaube sagen zu müssen, dass die Nachweise in dieser Richtung viel zu wünschen übrig lassen. Schon mehr-
fach ist darauf aufmerksam gemacht worden, dass die cambrischen Trilobitenschichten mit ihrem überaus
feinkörnigen, braunen Thongestein, ihren blinden Trilobiten und dem fast vollständigen Mangel an kalkigen
Organismen allen Anforderungen entsprechen, die man an ein Sediment der grössten Tiefen stellen kann. '
1 Vergl. z.B. Mojsisovics, Dolomitriffe Südtirols. — Man hat gegen diese Auffassung angeführt, dass bei weitem
nicht alle cambrischen Trilobiten angenlos sind, und dass eine grosse Zahl derselben Augen von mittlerer Grösse besitzt.
Allein bei all' diesen Formen hat man zwar den Sockel der Augen gefunden, nicht aber die Linsen nachweisen können^
wie das sonst bei Trilobiten der Fall zu sein pflegt. Es soll das von der der Erhaltung feinerer Details ungünstigen Beschaf-
fenheit der cambrischen Sedimente herrühren; allein ganz abgesehen davon, dass man nicht einsieht, warum gerade die
cambrischen Gesteine dazu nicht befähigt sein sollen, während es bei den siliirischcn der F;ill ist, genügt der einfache
Hinweis auf die wunderbare Erhaltung der zartesten Einzelheiten bei den frühesten Jugendstadien von Sao u. s, w. , um
diesen Einwurf sofort als absolut unhaltbar zu erkennen. Die Paradoxiden und ihre Begleiter liaben eben überhaupt keine
Die geographische Ve^-hreitung der Juraformation. 135
Abgesehen davon, kommen aber auch in jüngeren Formationen Sedimente vor, welche mit vieler Wahrschein-
licheit als Absätze aus sehr grossen Tiefen betraclitct werden können. Dass man sie nicht als solche erkannt
hat, rührt wohl daher, dass man nicht am richtigen Orte gesucht oder sich eine ungenaue Vorstellung von der
Form gemacht bat, in welcher solche Gebilde auftreten müssen. Die auffallendste Eigenthümlichkeit der
rothen Tielseetbone ist die ausserordentliche Langsamkeit, mit welcher sie sich absetzen; die Menge des
Sedimentes ist eine so verschwindend kleine, dass bekanntlich tertiäre Haifisch/.ähne noch jetzt ganz
oberflächlich in deren alleroberster Lage sich finden und mit dem Schleppnetz heraufgebracht werden.
Wir werden also in der Regel sehr wenig mächtige Absätze zu erwarten haben. Denken wir uns nun, dass
ein Meeresboden mit rothem Thon sehr langsam gehoben wird, oder dass der Wasserspiegel über demselben
sinkt, so werden sich mächtige IMassen lichter Kalke als Sedimente etwas geringerer Tiefen darüber ablagern.
Finden dagegen mehrfache Oscillationeu statt, so werden einzelne sehr dünne Lagen von rothem Thon
zwischen mächtigeren Kalken eingebettet liegen.
Wollen wir also Tiefseethone finden, so müssen wir an der Basis mächtiger weisser Kalkmassen oder
zwischen diesen eingeschaltet nach dünnen Bändern von rothem Schieferthon suchen; auf solche Vorkomm-
nisse ist aber bis jetzt die Aufmerksamkeit wenig gerichtet gewesen, und sie werden auch an sich schwer zu
finden sein, da die kleinen, wenig widerstandsiähigen Schieferlagen in der Kegel von Kalktrümmern verstürzt
sein werden. Immerhin kommen solche Bildungen vor; im südlichen karpathischen Kiippenzug zwischen
Eperies in Ungarn und Neumarkt in Galizien treten in grosser Verbreitung und Mächtigkeit graulich-weisse
Aptychenkalke des oberen Jura auf, welche allgemein aus Gründen, die ich hier nicht wiederholen will, als
Ablagerungen aus bedeutender Tiefe betrachtet werden. An einigen Punkten liegt nun in diesem Kalke eine
dünne Einlagerung von rothem Schieferthon, welche den Anforderungen, wie sie hier genannt wurden, voll-
ständig entspricht. 1 Bezeichnender Weise kommen vielfach auch bedeutende Ablagerungen von reinem Horn-
stein von nicht unansehnlicher Mächtigkeit mit den Aptychenkalken vergesellschaftet vor, welche mit den
Radiolarien- und Diatomeensedimenten der Tiefsee parallelisirt werden können.
Andere Gesteine, welche hier in Betracht kommen müsseu, sind die rothen Cephalopodenkalke, welche
vom unteren Silur bis zum oberen Jura verbreitet vorkommen und namentlich in der Trias und dem Jura der
alpinen Region eine grosse Rolle spielen. Die mächtigen weissen Alpenkalke scheinen alle einen ausser-
ordentlich geringen Gehalt eines sehr eisenreichen Silicates zu enthalten, der bei der Behandlung mit Säure
zurückbleibt, ebenso wie das z. B. bei dem recenten (llobigerinenschlamm der Fall ist. In den rothen Cephalo-
podeiikalken ist dieser rothe Bestandtheil zwar noch iu geringer Menge, aber doch sehr viel reichlicher als in
den weissen Kalken vorhanden, und bei manchen Vorkommnissen bildet derselbe auf den Schiehtflächen sehr
dünne, fast metallalisch glänzende Belege. Wir haben es hier uffenbai- mit Gesteinen zu thun, welche
ungefähr auf der Grenze zwischen der Region des weissen und des rothen Tiefseesedimentes abgelagert
wurden, und bei welchen ein Theil des Kalkes aufgelöst wurde. Wahrscheinlich bezeichnen die mit rothen
Thoiibelegen verseheneu Schiehtflächen Zeiteu höheren Wasserstandes, während deren aller Kalk gelöst
wurde.
Es ist von grosser Wichtigkeit, dass wir nirgends horizontal gelagerte rothe Ammonitenkalke meso-
zoischen Alters finden; sie kommen nur in gefaltetem und aufgerichtetem Gebirge vor, während z. B. die
rothen ürthocercnkalke des Untersilur bekanntlich vielfach horizontal gelagert auftreten. Man kann daraus
folgern, dass seit der Triaszeit zwar durch Gebirgsbilduug und Aufrichtung hinreichende Ortsveränderungen
vor sich gegangen sind, um Sedimente aus einer Tiefe von etwa 2000 Faden unter dem Meeresspiegel an die
Oberfläche zu bringen, dass aber diejenigen Verschiebungen, welche nicht mit Störungen der horizontalen
Lagerung verbunden sind, seien es nun säculare Hebungen des Meeresbodens oder Senkungen des Meeres-
Linsen gehabt, es siud Formen, bei weleben die Augen nulimentäi' geworden, ilire Träger aber erhalten sind, wie das auch
bei gewissen lebenden Tiefseekrebseu der Fall ist.
1 Neumayr, der penninische Kiippenzug. Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt. 1871. Bd. 21. S. 480.
136 M. Neumayr.
Spiegels, hiezu nicht ausreichten. Dagegen sind seit dem Silur so bedeutende Veränderungen vor sich
gegangen, wie die söhligen Orthocerenkalke beweisen.
Diesen Verhältnissen gegenüber verschwindet die Bedeutung der jede weitere Prüfung abschneidenden
Behauptung, dass bedeutende Veränderungen der grossen Meeresbecken und der Festlandssoekel überhaupt
nie stattgefunden haben. Statt einer dogmatisirenden Auffassung kann die unbefangene Prüfung der Tbat-
sachen wieder in ihre Rechte eintreten, und entscheidendes Gewicht muss hiebei in erster Linie den Untev-
suchungen über die Verbreitung der alten Ablagerungen und über den Charakter ihrer Floren, Faunen und
Gesteine ziüconimen. Die vorliegende Arbeit, welche für den Jura diese Verhältnis.se klarzustellen sucht, steht
allerdings heute noch isolirt da, allein die Literatur enthält die nöthigen Anhaltspunkte, um für eine Anzahl
von Perioden zwischen Ende der Juraformation und der Jetztzeit ähnliche Resultate zu erzielen, vielleicht
für das Neocom, jedenfalls für die obere Kreide, das Eocän, Oligocän, Miocän und Pliocän. Die Aufgabe, diese
Untersuchungen durchzuführen, ist eine sehr mühevolle, aber wenn sie gelöst ist, so wird uns der Vergleich
einer Anzahl derartiger Karten, welche die Vertheilung von Land und Wasser in aufeinanderfolgenden
Formationen darstellen, mehr als irgend etwas das Verständniss der grossen Verschiebungen fördern, welche
Land und Meer im Verlaufe der geologischen Formationen erlitten haben.
Allein schon heute gestattet die allerdings noch isolirte und in vielen Punkten unsichere Darstellung der
Verhältnisse zur Zeit des oberen Jura manche Folgerung; wenn wir die Gruppiriing von Land und Meer ins
Auge fassen, so finden wir, dass dieselbe weder den Ansichten derjenigen entspricht, welche oft wiederholte,
sehr intensive Veränderungen voraussetzen, dass sie aber ebensowenig der Annahme der Beständigkeit der
Festlandmassen und der grossen Meeresbecken günstig ist.
Was die Meeresbecken anlangt, so finden wir, dass drei derselben, das pacifische, das arktische und das
antarktische, in ihren grossen Hauptumrissen schon existirten, wenn auch in diesen Regionen bedeutende
Veränderungen vor sich gegangen sind. Der pacifische Oceau erhielt seit jener Zeit im Westen erheblichen
Zuwachs durch Versenkung ansehnlicher Landmassen an der asiatischen Ostküste, in der malayischen,
papuanischen und australischen Region, während er im Osten durch die Aufrichtung der amerikanischen
Cordilleren zurückgedrängt worden ist. Im Ganzen kann man sagen, dass der pacifische Ocean seit der Jura-
zeit etwas von Osten nach Westen verschoben worden ist.
Für die nähere Beurtlieilung des antarktischen Oceans fehlen die nöthigen Anhaltspunkte, dagegen finden
wir, dass das arktische Meer seit der Jurazeit ausserordentlich stark eingeengt worden ist; das Moskauer
Becken, ganz Nordasien und das nordwestliche Amerika sind seither festes Land geworden. Wir haben hier
eine extensiv ausserordentlich bedeutende Veränderung, einen enormen Landgewinn, die Niveauversehiebungeu
aber, welche dabei stattgefunden haben, scheinen keine sehr bedeutenden, die Bewegung keine intensive
gewesen zu sein. Das genannte Gebiet, welches jetzt trocken liegt, scheint schon zur Liaszeit festes Land
gewesen zu sein, und alle jurasischen Ablagerungen dieser Region, die wir kennen, tragen das Gepräge von
Bildungen des seichten Wassers an sich. Wir finden fast ausschliesslich mechanische Sedimente, Sandsteine
und Thone und nur sehr wenige Kalke, und fast überall treten Bivalven und Gastropoden in grosser Zahl
auf, während Brachiopoden, Criuoiden und Kieselschwämme eine sehr geringe Rolle spielen. Wir dürfen
also nicht etwa annehmen, dass sich hier seit der Jurazeit ein neuer Continentalsoekel aus grosser Meerestiefe
beraufgebaut habe, sondern wir haben es nur mit der zeitweiligen Überflutung einer schon vorhandenen
Masse durch eine seichte Wasserfläche, mit einer nicht sehr bedeutenden Oscillation zu thun. Auch heute
würde ein verhältnissmässig sehr geringes Sinken des Landes oder ein entsprechendes Austeigen des Meeres-
spiegels hinreichen, um sehr viele Gebiete von Russland und Sibirien unterzutauchen.
Ganz anders verhält es sich in Westeuropa; hier war schon zur Liaszeit Meer, und wir haben für viele
Bezirke auch sehr bestimmte Anzeichen, dass dasselbe bedeutende Tiefe besessen habe. Wir müssen hier
zwischen den Ablagerungen der mitteleuropäischen und jenen der alpinen Provinz unterscheiden, von denen
die ersteren der grossen Mehrzahl nach ganz oder nahezu horizontal gelagert, die letzteren dagegen durch-
gängig aufgerichtet und gefaltet erscheinen. In der mitteleuropäischen Provinz sehen wir in einer Reihe von
Die geographische Verbreitung der ,hiraformation. 137
Sedimenteu, namentlich in den an Amuioniten und Kieselschwänimeu reiclieu Kalken de« ol)eien Jura, wie
früher erwähnt, Gebilde, welche fern von der Küste in bedeutender, aber nicht in sehr grosser Tiefe abgelagert
worden sind; diese mnss zwischen 500 und 2000 Faden betragen liaben. Da solche Gesteine heute in einer
Höhe von mehr als 2000' über dem Meere in horizontalen Schichten liegen, so sehen wir, dass hier eine, zwar
dem Umfange nach im Vergleich zu den arktischen Verhältnissen ziemlich geringe, aber sehr viel intensivere
Veränderung Platz gegrifteu hat. Noch bedeutender werden diese in der alpinen Provinz, wo Ablagerungen,
die aller Wahrscheinlichkeit nacli in einer Meerestiefe von mehr als 2000 Faden gebildet sind, in hohen
Gebirgen aufragen. Wir haben es hier mit einer Folge von Gebirgsaufstauung zu thun, durch welche Sedi-
mente grosser Tiefen eniporgefaltet wurden. In beiden Fällen, in Mitteleuropa wie in den Alpen, sehen wir
also, dass an Stelle tiefen Meeres sich Festländer sammt ihren Sockeln erheben, und wir haben es hier ebenso
wie im westlichen Amerika mit einem Landgewinne zu thun, der mit der Annahme der Constanz der Meeres-
becken in Widerspruch steht.
Ebenso stehen schon die Einbrüche im westlichen Theile des pacitischen Beckens, die Bildung des
Beckens zwischen Neu-Holland, Neu-Seeland und der Linie Fidschi- Neu-Guinea, ferner des japanischen, des
ost- und sudchinesischen Meeres u. s. w. im Widerspruche mit der vorausgesetzten Beständigkeit der Fest-
länder; noch mehr aber gilt das bezüglich der Erscheinungen im lieutigen indischen und atlantischen Ocean.
Von der grossen indisch-madagassischen Halbinsel sind nur das Dekan und Madagascar stehen geblieben, die
Continentalbrücke zwischen Afrika und Südamerika und die von Nordmerika bis Sehottland reichende
Landmasse sind verschwunden und an ihrer Stelle liegt heute tiefe See. Der atlantische und der indische
Ocean sind verhältnissmässig junge Bildungen im Vergleiche mit der Hauptmasse des stillen Oceans, des
nördlichen und südlichen Eismeeres.
Diese Folgerungen aus der Verbreitung der Jurabildungen müssen bei der Entscheidung der Frage nach
dem Umfange der Veränderungen, welche Festländer und Meeresbeckeu im Verlaufe der Erdgeschichte
erleiden, schwer ins Gewicht fallen. Zu voller Sicherheit wird es allerdings nothwendig sein, die Vertheüuug
anderer Formationen in ähnlicher Weise zu studiren.
Die Fi-age nach der Natur der Vorgänge, welche solche Umgestaltungen her vorbringen, mag hier
unerörtert bleiben; dagegen stehen andere wichtige Probleme mit Verhältnissen, wie wir sie hier kennen
gelernt haben, in einer Beziehung, welche wir besprechen müssen, wenn auch eine Lösung der Frageu heute
noch nicht möglich ist.
Von einer Reihe von Forschern, in erster Linie von Lyell,' ist der Vertheilung von Wasser und Land ein
massgebender, ja ein ausschliesslich bestimmender Einfluss auf die Veränderung des Klima's der Erde
zugeschrieben worden. Eine Concentration der Continente in der tropischen Region soll sehr warme, eine
Gruppirung derselben um die Pole sehr kalte Temperatur bedingen. Wir sehen gerade während der Jurazeit
sehr beträchtliche Veränderungen dieser Art vor sich gehen, indem die mehrfach besprochene Transgression
des Malm in der nordischen Region platzgreift. Von einem Einfluss dieser tiefgreifenden Umgestaltung ist
aber nichts zu bemerken, ja wie an einer anderen Stelle gezeigt wurde,''' bleibt die von klimatischen Verhält-
nissen abhängige Verbreitung der Gattungen Fhi/Ihceras, Lijtoceras und vieler anderer im oberen Jura die-
selbe, wie sie im Lias war.
Eine zweite Frage von grosser Bedeutung ist die, ob und in welcher Weise ein Einfluss der damaligen Ver-
theilung von Wasser und Land auf die heutige Verbreitung der Landorganismen bemerkbar ist. Wir sehen,
dass zur Zeit des oberen Jura wenigstens bis zu einem gewissen Grade eine Abweichung von der jetzt und in
einer Reihe früherer Perioden giltigen Regel einer grossen Anhäufung von Land in der nördlichen Hemisphäre
stattfand; es handelt sich aber hier um eine verhältnissmässig kurze Episode, denn während der Ablagerung
1 Vergl. z. B. Lyell, principles of geology. 12. od. Vol. I. S. -iTO.
2 Neumayr, klimatische Zoueu I.e.
Denkschriftuu der mathem .-naturw. Cl. L. BJ .
IS
138 M. Ne.umaijr.
des Lias und des mittleren Jura herrschte in dieser Beziehung ein ähnliches Verhältniss wie heute, und in der
Kreidezeit kehrte dasselbe wieder zurück.
Dagegen sehen wir in anderer Beziehung eine Gruppirung von grosser Wichtigkeit; SUd-Amerika und
Afrika hingen zur Jurazeit zusammen, und im Osten näherte sich diesem Festlande der sinisch-australische
Continent so sehr, dass die dazwischen liegende Meeresstrasse kein erhebliches Hinderniss für die Verbreitung
der Landorganismen bilden konnte. Wir sehen nun in dieser Anordnung thatsächlich einen Süd- oder richtiger
Äquatorialcoutiuent, wie ihn zahlreicheThiergeographen auf Grund der jetzigen Verbreitung vieler Organismen
construirt haben, dessen Existenz aber allerdings von Anderen und namentlich von Wallaee in der
entschiedensten Weise bestritten wird. So entsprechen jene zwei Continente der Jurazeit zusammen annähernd
dem jetzigen Verbreitungsgebiete der Ratiteu, ja der Umstand, dass der Strauss der südamerikanischen Rhea
näher stellt, als den australischen und malayischen Casuaren und Dvomaeen, könnte mit der geschilderten
Gruppirung der Festländer sehr gut in Einklang gebracht werden. Ferner entspricht der brasilianisch-äthio-
pische Continent annähernd dem Verbreitungsgebiete der Edentaten; die Bedeutung des Vorkommens der
Lemuren, von Manis, der anthropoiden Affen ist schon mehrfach hervorgehoben worden, und würde mit diesen
Vorstellungen gut übereinstimmen, und selbst die so überaus räthselhafte Verwandtschaft mancher west-
indischer Formen mit solchen Madagascars würde sich auf diese Weise sehr einfach erklären.
So verlockend aber eine derartige Auflassung auch sein mag, so müssen wir uns doch daran erinnern,
dass wenigstens für die Mehrzahl der Formen mit getrennten Verbreitungsgebieten in den äquatorialen und
südlich gemässigten Gebieten, die von Wallaee versuchte Erklärungeines Ausstrahlens aus einem ursprüng-
lichen gemeinsamen Verbreitungsgebiete im Norden vollständig genügt, ja sogar besser passt, als die
Annahme, dass der Südcontinent die ursprüngliche Stammlieimat gewesen sei. Das gilt z. B. ganz entschieden
von Elephanten, Ehinoceroten, Tapir, Löwen u. s. w. Allerdings lässt anderseits die ausserordentliche
Seltenheit von Edentateu und Ratiten im Norden gerade für diese sehr merkwürdigen Fälle eine Herkunft
von hier als weniger plausibel erscheinen.
Auch hier ist eine Entscheidung noch nicht möglich; dass eine wenig unterbrochene Continentalmasse von
Südamerika über Afiika und Lidien bis Australien und Neu-Seeland zur Jurazeit existirte, darf als im höchsten
Grade wahrscheinlich bezeichnet werden; oli aber die jetzige Verbreitung der Edentaten und Ratiten und eine
Anzahl ähnlicher Erscheinungen durch das Vorhandensein jenes Festlandes bedingt und erklärt wird, ob
dieses sich lange genug erhalten hat, um eine derartige Wirkung ausüben zu können, das wird sich erst
entscheiden lassen, wenn auch die Verbreitung der Kreide- und Tertiärablageruagen in ähnlicher Weise
untersucht und die Vertheilung von Land und Wasser während dieser Abschnitte wenigstens annähernd
festgestellt sein wird.
XII. Paläontologiscker Anhang und Nachtrag'.
Anhang I zu S. 109 PerifipJuiictes Kohelti n. f. aus Tunis. (Taf. I, Fig. 1.)
Es wurde ein juras.sischer Ammonit aus rothem Kalk vom Djebel Zaghuan bei Tunis erwähnt, welclier
von Kobelt gesammelt worden ist. Ich beschreibe das Exemplar, das mir vom Finder freundlichst mit-
getheilt wurde, als Perisphindes Kohelti u. f. — Gehäuse sehr flach scheibenförmig, sehr weitnablig , aus zahl-
reichen (etwa 6—7) langsam anwachsenden, niedrigen einander nur berührenden Windungen bestehend,
welche innen gerundet, aussen etwas abgeflacht, gerundet viereckig sind. Die Umgänge tragen zahlreiche
scharfe, bindtadenförmigc Planulateurippen, deren auf der let/.ten erhaltenenWiudung etwa 60 stehen, und
von denen die Mehrzahl kurz vor der Marginalkante einfach gespalten sind, während eine geringere Z;ihl
ungespalten bleibt. Die Rippen gehen ununterbrochen über die etwas abgeflachte Externseite weg. Ausserdem
sind sehr kräftige tiefe Einschnürungen in geringer Zahl, 1—2 auf jeder Windung, vorhanden. Lobenlinie
nicht deutlicii sichtbar.
Die geographische Verbreitung der Juraformation. 139
Perisphindes KoheUt, welcher auf den ersten Blick autleren Angehörigen der Gattung ähnelt, lässt sich
bei einiger Aufmerksamkeit sehr leicht unterscheiden, der weite Nabel, die sehr langsam anwachsenden,
fast gar nicht umfassenden Windungen, die sehr tiefen Eiuschnürnngeu und die verhältnissmässig zahlreichen
ungespaltenen Rippen verleihen der Art einen eigeuthlimlichen Habitus, der an Simoceras-Aüen, wie Sim.
Douhlieri Orb. erinnert, doch fehlt die für die letztere Gattung charakteristische Externfurche. Unter den
Perisphincteu stehen Per. colubrinus und Verwandte am nächsten. Das Niveau, welchem Per. Kohelti angehört,
ist nicht direct bekannt, doch kann nach der Form kein Zweifel herrschen, dass er der Oberregion des oberen
Jura angehöre.
Das Gestein, welches den Ammouiten umschliesst, ist ein rother Kalk, welcher sich von gewissen Diphyen-
kalken der Südalpen in keiner Weise unterscheidet; das Stück enthält an einer Stelle ein Bruchstück eines
Aptychus aus der Gruppe der Lamellosi. — Nach freundlicher Mittheilung von Herrn Dr. Kobelt sind
Ammoniten theilweise von sehr ansehnlicher Grösse an dem Fundorte häufig, konnten aber ohne Instrumente
aus dem anstehenden Gesteine nicht losgemacht werden. — Die Localität befindet sich ziemlich hoch am
Nordabhange des Djebel Zaghuan im nördlichen Tunis.*
Anhang II zu S. 110. Phylloceras .semf.striafmn d'Orb. von Mossambique (Taf. I, Fig. 2.)
Das mineralogische Museum in Berlin enthält ein prachtvoll erhaltenes Exemplar eines Phylloceras von
der afrikanischen Ostküste, welches von Peters im Juni 1843 „südlich vom Conduziafiusse, nahe seiner
Ausmündung" gesammelt wurde. Der Conduzia (auf Stanley's Karte Conducia) mündet unter 15° südlicher
Breite nur unbedeutend nördlich von Mossambique in den indischen Ocean.
Das Gestein ist ein schwarzgrauer glimnieriger Kalkstein, der allerdings nur den kleineren Theil de«
Handstückes ausmacht, während die Hauptmasse desselben aus honiggelbem bis graubraunem Kalkspath
besteht ; das Ganze erinnert sehr an gewisse Vorkommnisse des russischen Jura, mit welchem der Ammonit
auch die prachtvolle Erhaltung der Perlmutterschale gemein hat.
Das Exemplar wurde von Herrn Geheimrath Beyrich, welcher mir dasselbe anzuvertrauen die Güte
hatte, als eine vermuthlich dem Neocom angehörige Form bezeichnet, und ich kann mich dem nur vollständig
anschliessen. In der äusseren Form und Verzierung lässt sich dasselbe von Pli ijUoceras semistriatum Orh.
Terr. cr6t. Vol. I. Tab. 41, nicht unterscheiden. Auf einer späteren Tafel desselben Bandes (Tab. 59) bildet
d'Orbigny ein kleines Exemplar derselben Art ab, und gibt statt des früheren den Namen Ammoniten Tetlii/s;
hier findet sich auch eine stark vergrösserte Lolienzeichnung, die ich bei einer früheren Gelegenheit als
vermuthlich unrichtig bezeichnen zu dürfen glaubte. ^ In der That stimmt sie mit den Suturen des vorliegen-
den Exemplares aus Afrika nicht Uberein, während dieses sieh auch in dem letzteren Charakter von Original-
stücken ans französischem Neocom nicht unterscheiden lässt.
Von anderen Arten steht Phi/Ilocems sermii Opp. aus dem Tithon sehr nahe, und namentlich gilt das von
der in der Ilogozniker Breccie vorkommenden Varietät dieses Typus. Die Unterschiede sind ziemlich gering-
fügiger Natur und beschränken sich auf das stärkere Hervortreten der Endblätter an den grossen Sätteln bei
der Art aus dem Neocom.
Phylloceras semistriatum ist eine Art von sehr grosser geographischer Verbreitung, da sie ausser von zahl-
reichen Punkten Süd-Europa's und von Mossambique auch noch aus Columbien (Süd-Amerika) bekannt ist.
Allerdings ist das Vorkommen einer einzelnen Form, die überdies mit gewissen jurassischen Typen überaus
nahe verwandt ist, keine volle Sicherheit, dass die Ablagerungen am Conduziafiusse wirklich Neocom seien,
doch spricht jedenfalls ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit dafür.
1 Vermuthlich devonische Korallenkalke von Djebel Zaghuan werden von Stäche erwähnt. Vergl. Verhandlungen der
geolog. Reichsanstalt 1876, S. 36.
■-' .Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt. 1871. S. 318.
18*
140 M. Neumayr.
Anhang III zu 8. 11s. Einige Juratossilien aus West-Australien.
Das geologische Institut der hiesigen Universität enthält eine kleine Suite von jurassischen Formen,
welche nach der beiliegenden Etikette vom Gleneig-River im westlichen Australien stammen. Einen Fluss
dieses Namens konnte ich auf den mir zur Verfügung stehenden Karten nicht finden, wohl aber einen Glenelg-
District, welcher ungefähr zwischen 3ö° und 31° südlicher Breite nordöstlich von Perth im Binnenlande liegt,
und vielleicht ist der hier entspringende Garhan- oder Moore-River der Karten mit dem genannten Namen
gemeint. Die Localität ist in der Literatur, wie es scheint, bisher noch nicht erwähnt worden; der Hauptfuud-
ort, von welchem die von Mnore beschriebenen Exemplare stammen, ' ist am Greenough-Kiver gelegen und
befindet sich mindestens drei Breitegrade weiter gegen Norden; da die beiden Stellen viele Verwandtschaft
zeigen und eine Anzahl gemeinsamer Arten besitzen, so dürfte der Jura auch in der Zwischenregion
verbreitet sein.
Das Gestein, in welchem die Exemplare stecken, ist ein mürber, etwas sandiger Kalk, gelbbraun mit
grossen purpurfarbigen Partien.
Die Yorliegenden Arten, welche Herr Prof. Suess mir freundlichst mittheilte, sind folgende:
Stephanoceras Blagdeni S o w.
„ Leicharti n. f.
Perisphindes?
Trigonia Moorei Lyc.
Mijacites indet.
Lima (Ctenostreon) prohoscidea. S o w.
Von diesen Arten ist Trigonia Moorei von Lycett aus Westanstralien beschrieben worden; Lima
prohoscidea, die schon Moore aus Ausfralicn anführt, '^ ist von der europäischen Form nicht zu unterscheiden;
dasselbe gilt von dem als Sieph. Blagdeni bestimmten Fragment (Taf. I, Fig. 3). Das als Perisjjhindes (?)
bezeichnete Exemplar ist sehr schlecht erhalten und könnte auch ein abgeriebenes Jugendindividuum einer
Art aus der Gruppe des SfepJianoceras Humphriesianmn sein. Endlich liegt eine neue Art vor, die hier
beschrieben werden soll.
Stephanoceras Leicharti n. f. (Taf. I, Fig. 4)
ist allerdings nur in einem nicht gut erhaltenen Exemplare vorhanden, doch reicht dasselbe zur Charakteristik
vollständig aus. Die Art \üi \mt Steph. Humphriesianmn ^o\\., und zwar mit der typischen Form nahe ver-
wandt, ist .jedoch etwas dünner als diese. Der liauptsäclilichste Unterschied der australischen Form der
europäischen gegenüber beruht jedoch in der Scuiptnr; schon auf den inneren Windungen sind die Knoten
etwas schwächer als bei Steph. Humphriesianum; im Alter aber sind gar keine eigentlichen Knoten mehr zu
unterscheiden, sondern am Nabel entspringen gleichmässig angeschwollene Rippen, welche sich etwa unter
der halben Höhe der Flanken in 2—3 ebenfalls wulstige Rippen spalten. Diese setzen dann ununterbrochen
über die Externreihe weg. Die Verzierung auf dem letzten halben Umgang erinnert an gewisse, etwas
aberrante Perisphincten, wie sie namentlich in der Bathstufe auftreten, doch sind die Knoten der inneren
Windungen und die Abwesenheit von Einschnürungen entscheidend. Vielleicht wird Steph. Leicharti mit der
Zeit als eines der Zwischenglieder zwischen Stephanoceras und Perisphinctes erkannt worden.
Das vorliegende Exemplar stammt, wie schon erwähnt, vom Glenelg-River.
Sehr bemerkeuswerth ist die Übereinstimmung der kleineu hier angetiihrten Suite mit der Fauna der
Zone des Stephanoceras Humphriesianum in Europa, ^'on vier bestinnn baren Arten kommen zwei in Europa in
diesem Niveau vor, und die beiden anderen, Steph. Leicharti und Trigonia Moorei sind zwar bisher auf
Australien beschränkt, sie finden aber ihre nächsten Verwandten (Steph. Humphriesianum und Trigonia costata)
in demselben Horizonte.
' Charles Moore, Australian inesozoic geology and palaeontology. Qiiarterly Journal of the geological society. 1870-
Vol. 26. S. 226.
2 Bei Moore, 1. c. S. 255, Taf. 12. Fig. U.
Die geographische Verbreitmig der Juraformation. 141
Wir haben hier wieder einen jeuer merkwürdigen Fälle, in welchen eine Juraznne in Überaus grosser
Entfernung von Europa iu derselben Weise entwickelt auftritt, und derselbe reiht sich in dieser Beziehung
vollständig an die in Indien, Süd-Afrika und Süd-Amerika gemachten Erfahiungen an, welche die ungerecht
fertigten Vorurtheile gegen die Zonengliederung so rasch und glänzend wiederlegt iiabcn.
Anhang IV zu S. 94. Harpoceras ßrCUntocki Haughton von Prinz Patrick's-Land. (Taf. I,
Fig. 5-8.)
Die Abbildung und Beschreibung, welche Haughton von diesem Fossil gibt,' ist nicht ganz ausreichend ;
ich habe daher nach Abgüssen der Originalexemplare, die ich der Güte von Herrn Sollas in Dublin verdanke,
neue Zeichnungen anfertigen lassen. Haughton vergleicht seine Art m\tHarpoceras concavum Sow., und in der
That lässt sieh in der Eippenbildung eine gewisse Ähnlichkeit mit der genannten Art des oberen Lias, sowie
mit den annähernd gleichaltrigen Formen Earp. elegans Sow. und suhcoucamm Blake und Täte, nicht ver-
kennen. Allein abgesehen von Abweichungen in der Art der Schwingung der Rippen, ist hier die Nabelweite
eine andere, vor allem aber gibt die scharfe Nabelkante und die sehr stark ausgesprochene Nahtfläche den genann-
ten Liasformen einen durchaus abweichenden Charakter. Noch näher in der Eippenbildung stehen dem Harp.
M'Ch'nfocki gewisse Abänderungen von Harp. Miirchisonae Sow. mit stark rückwärts gebogenen Rippen, doch
bildet auch hier die Form des Nabelabfalles einen stark abweichenden C;iiarakter, wenn auch der Gegensatz in
dieser Beziehung nicht so gross ist, als bei Harp. concavum. Übereinstimmung in der Form des sanften kanten-
losen Nabelabfalles und in der Rippenbildung zeigt die Gruppe des Harjy.liecticwn Rein, aus der Kellowaystufe,
doch bildet hier wieder die Weite des Nabels einen Unterschied.
Im Ganzen lässt sich das Urtheil ühar Harp. M'CIiiitocki dahin zusammenfassen, dass die Art aus Europa
noch nicht bekannt geworden ist; ihre nächsten Verwandten hat sie nicht im Lias, sondern in höheren Schichten,
und man würde das Lager einer solchen Form bei uns etwa in der Mittelregion des Unteroolithes suchen, doch
ist damit natürlich eine präcise Altersbestimmung nicht gegeben und die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass
die Art älter oder jünger sei.
N a c h 1 1- a g.
Der Jura in Japan. Die Literatnrnachrichten über das Vorkommen mariner Juraablagerangen in Japan
waren zur Zeit der Abfassung dieses Aufsatzes sehr diiiitige ; in der Zwischenzeit ist eine Darstellung der Geo-
logie Japans von Naumann und eine kürzere Notiz über diesen Gegenstand von Tsunashiro Wada erschie-
nen,' welche so wichtige neue Daten enthalten, dass eine nachträgliche Berücksichtigung derselben hier noth-
wendig wird. Die wichtigste Thatsache ist die Aufündung unterliasiseher Arietenschichten, welche nach
Gottsche's Bestimmung Ärietites cf. rotiformi,? Sow., bisulcatus Brug. und ein Li/fnceras enthalten. Das Vor-
kommen der letztgenannten Form weist jedenfalls darauf hin, dass diese Ablagerungen nicht dem nordischen
Typus angehören, sondern sich aller Wahrscheinlichkeit nach an die Bildungen der gemässigten Zone
anschliessen. Ausserdem ist eine als mitteljurassisch gedeutete Brakwasserfauna mit Cijrena, Corbicula, Of<trea,
Solen, Placima, Melania und Natica gefunden worden, ein Vorkommen, welches die hier vertretene Ansicht
bestätigt, dass die Küste des Jurameeres annähernd dem. japanischen Inselbogen entspreche. Von oberem Jura
sind noch keine sicheren Spuren gefunden worden.
XIII. Erläuterung- der Karten und der Tafel.
Karte 1. Auf dieser Karte ist die Verbreitung des Meeres zur Zeit des oberen Jura, und zwar während
des Maximums der Ausdehnung der Gewässer in der nördlichen Hemisphäre dargestellt; die damaligen Fest-
> M'Clintock, Reminiscence of arctic Ice-Travel in search of Sir John Franklin and his companions. With geological
notes by 8. Haugthon. .Joui-nal of the royal Dublin society. Vol. I. 1856/.57. S. 244. Taf. 9. Fig. 2 — 4.
* E. Naumann, Über den Bau und die Entstehung der japanischen Inseln. Berlin 1885. S. 24. — Tsunashiru Wada,
die kaiserliehe geologische Reichsanstalt von Japan. Berlin 1885. S. U.
142 M. Neumayr.
länder wurden weiss gelassen, während die Meere farbig und zwar mit verschiedenen Farben für die ver-
schiedeneu klimatischen Zonen eingetragen sind; die nördliche und südliche gemässigte Zone erscheinen gelb,
die arktische Region grün, die tropische blau. Da eine antarktische Zone noch nicht nachgewiesen werden
konnte, so wurden die ihr möglicherweise angehörenden Gebiete mit der Farbe des südlich gemässigten
Gebietes bezeichnet.
Die Namen der grösseren Festländer, Inseln und Meerestheile sind auf der Karte eingezeichnet, die klei-
neren Objecte dagegen nur mit Nummern oder Buchstaben bezeichnet, deren Bedeutung die folgende ist:
1. Spanische Centralinsel (Meseta).
2. Armorische Insel.
3. Irland.
4. Wales-Insel.
5. Penin-Insel.
6. Grampian-Insel.
7. Ardennen-Insel.
8. Corsische Insel.
9. Böhmische Insel.
10. Croatische Insel.
11. Thracische Insel.
12. Westrussische Insel.
IB. Siidrussische Insel.
14. Östliche Thianschan-Halbinsel.
15. Westliche Thianschau-Halbinsel.
A. Shetlands-Strasse.
B. Baltische Strasse.
C. Strasse von Lublin.
D. Wolga-Strasse.
E. Thianschan-Strasse.
F. Indus-Strasse.
G. Karakorum -Strasse.
H. Bengalische Strasse.
Karte II. Es soll hier der gewaltige Gegensatz in der Verbreitung von Lias uud oberem Jura zur
Anschauung gebracht werden; die Verbreitung der Meere ist hier nur so weit angegeben, als sie heutiges
Festland occupirten. Die Striche, welche damals nicht überflutet waren, sind mit lichtgelbem Ton bezeichnet,
diejenigen, welche zur Jurazeit unter Wasser standen, mit blauer und grüner Farbe, diese geben also den
„Landgewiun" seit der Jurazeit an. Grün sind diejenigen Gegenden colorirt, welche während der ganzen Dauer
der Formation oder wenigstens während des grössten Theiles derselben vom Meere bedeckt waren; blau
erscheinen dagegen die Gebiete, in welchen mariner Lias und oft auch der mittlere Jura ganz oder theilweise
fehlt, oder nur ein einzelnes Glied des oberen Jura auftritt. Die blaue Farbe bezeichnet also das Gebiet der
grossen Transgression, welche mit Ende des Lias beginnt und bis in die Mitte des oberen Jura fortschreitet.
Bemerkt muss werden, dass Gegenden, welche sehr wenig bekannt sind, wie Centralamerika und
Madagaskar, mit grüner Farbe bezeichnet sind.
yeumniT: fii'iisraph.Vi'rliiTilun'J der Jiiialoi'malion
lüirli'I.
Dpnk-schriften d.k.Akad.d.W.malli.iiatunv. Clnsse I. Bd I Abth.
XflliHHVr : (Tpfl^ritph.ViThrpilunfj der .lurarnriiiütiiin.
Kiii"
1» ISO UO J« JiO 120 JID 100 90 80 70 60 50 40 30 70 10
O 10 ZO 30 40 jO CO 70 80 £>0 100 110 l?0 130 140 UO 160 t70 1£0 UO
1 Gebiet dassdion zurJuraxeit Festfand h'ar
Orbiet das sc/wn ziwLiaszcit Oa
^Gebiete in welchen das VortumdcL
Transqrcssion des oberen Jura
Orbiet das sc/wn ziwLiaszcit Ocean war
^Gebiete in welchen das }orhandenseinroiiLiaszjt'eH'eIhußistf
110 IfiO ISO 140
130 120 HD IAO M 80 70 60 SO 40 30 ?0 10
10 20 30 40 50 £0 70 80 00
100 110 I?0 130 140 iiO
170 »80 "0
KkEof-TiStaatEÖrucketti,
Denkschriften d.k.Akad.d.VV.niath.nalurvv. Classe L. Bd.l.Ablh.
Die (/eographiscJie VnJiri'itimy der Juriipiriiialion. 143
Erklärung der Tafel.
Fig. 1. Perisphinctes Kobelti n. f. Oberer Jura vom Gebel Zaguau bei Tunis. **
„ 2. Phylloceras semistriatuiii Orb. Neocom (?) vom Conduzia-Fiusse bei Mossambique.
„ 3. Stephanocerus Blagdeni Sow. Mittlerer Jura, Zoue des Steplid/iuceras Humpkriesianuin von Glenelg-
River, Westaustralien.
„ 4. Stephanoceras Leicharti n. f. Ebendaher.
„ 5 — 8. Harpocexas M Clintocki Hgt. von Prinz Patrick's-Land.
144 M. Neiiviayr. Die geographische Verbreitung der Juraformation.
Inhalt.
I. Einleitung • ö7
U. Der süddeutsche Jura und seine Ausläufer 6-2
in. Der Jura im westlichen und nördliclien Mitteleuropa 73
IV. Ursprung- der mechanischen Sedimente in Mitteleuropa s-2
V. Der Jura der nordischen Region 84
VI. Der alpine Jura 99
VII. Der Jura in Afrika 109
VIII. Der Jura im ausserborealen Asien 112
IX. Der australische Jura 117
X. DerJiu-a im ausserborealen Amerilia 122
XI. Zusammenfassung 12C
Xn. Paläontologischer Anhang uud Nachtrag 138
XHI. Erläuterung der Karten uud der Tafel 141
Tciiiiiavi' : (icooriiph.Wrlirpiluii!:; der Juratormalion
4 a.
4rb
Zst.
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fi.Schonn nach ä-Kat.gez.n.lKl..
K-lt.Kof-"u ;j-3atodniCK'i;
Denksclii'iften d.k.Aka(l.d.\^Tmath.nallln^•. blasse L.lJd.l.Ablh.
145
ZUR THEORIE
DER
DETERMINANTEN HÖHEREN RANGES.
VON
LEOPOLD GEGENBAUER,
COnRESPONDIRBNUKM MITOMUDE DEll KAISERLICHEN AKADEMIE HER WISSENSCHAITEN.
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 5. MÄRZ 1885.
In einer früheren Mittlieiluug („Über Determinanten höhereu Ranges", Dcnlischr. der k. Aiiad. der Wissensch.,
mathein.-uaturw. Classe, 49. Bd., 11. Abth., p. 225 &.) habe ich eine Classe von Determinanten höheren Ranges
behandelt, von denen jede sich unter Adjuactiou von Einheitswurzeln auf eine Determinante derselben Ordnung
von einem um eine Einheit niedrigeren Rang reduciren lässt. In den folgenden Zeilen werden Determinanten
höheren Ranges untersucht, welche sich als Rroducte von Determinanten desselben Ranges, aber niedri-
gerer Ordnung darstellen lassen.
Die Elemente a/j, ig,...,!' einer Determinante gerader Ordnung und geraden Ranges:
) \%,'2,---,i2p l(j„f„j„...,/2^ = l,2,3,...,2»)
seien so beschaifen, dass:
^J ''^h,»2J»3> •••>»> ~ "'h^hyh^---^ h>-U 2n— (Vh-1,/,j.)-i,!V+2,. . .,Jv-i , 2«— «,+1, «v-i-i , (■7+2,. . .,i2p
(iuh,h,-- -yhy = 1, 2, 3,. . ., 2?j; (J.^v; ^,v= I, 2, 3,. ,«2^
ist.
Addirt man zu denjenigen Elementen der Determinante 1), welche an der ersten Stelle den Index l haben,
jene Elemente, welche an derselben »Stelle den Index 2« — X + 1 besitzen, für Ä=: 1, 2, 3,..., «, so bleibt
bekanntlich die Determinante uugeändert, und man hat daher die Gleichung :
wo:
A ■ ■ ■ ■ z=. a- ■ ■
'll'2>'3l- ••i'if h!'2>'3j---!''>p
für:
ist, während für:
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. L. Bd. ig
«, >«
«1^»
146 Leopold Gegenhauer.
die Gleichung:
besteht.
Subtrahirt man nun in der Determinante:
I *l''3''3'--'»Vl (i„^■2,;3,...,^•2^ = 1,2, 3,. . ., 2n)
von denjenigen Elementen, welche an der zweiten Stelle den Index 2«— /+1 haben, jene Elemente, welche
an derselben Stelle den Index X besitzen, für X = 1, 2, 3, ... , n, so erhält man die Gleichung:
\a I-Ib(') i
\,H,H-.---,Hp\ I 'l,'2.'3>---,'2;> I (ij,i2,J3,...,j.^^,= 1,2, .3,...,2«)
wo:
für:
■i„ :s= n
ist, während für:
die Gleichung:
h>H,hi--->Hp ~ >\,h,k^---,iip "*" 'ii2w— /.+ l,/3,/4,...,;ap
besteht.
Nun ist aber für:
+ '^2m— H+1, 2n— »2+1, /3''4r--:'2j."^"^'l'2"~'2+l''3>»4>--- hp
= 0,
und daher hat man die Relation :
ß(l) _A
wenn:
i^ ^ n ; i^ > ?«
ist.
Genügen die Indices /, und \ den Relationen:
so wird:
während für :
ist, und für :
die Relation:
7? ~~ n I r/
^H,H, »3,. . ., »2^ = %, h, »3,-- ■ . Hp '^"'H, 2»— !2 + l, «3, »4.--> »'2;.
besteht.
Subtrahirt man ferner in der Determinante :
5(1)
h,'2 '3,--v'2^ I (,:i,J2,t3,...,i2p=l,2,3,...,2»)
/^iir Theorie der Deternünanten höheren Banges. l-AT
von denjenigen Elementen, welche an der dritten Stelle den Index 2h— X+1 haben, jene Elemente^ welche
an derselben Stelle den Index X besitzen, für A =: 1, 2, 3, ...,«, so erhält man die Relation:
\b^}'>. . ■ | = |5^'^ . . I
wo:
für:
ist, während für:
die Gleichunff:
B^^.:. ..=B^^^
'l ; '-2 ;':()••• J *2/< 'l ; '2 > '3 > • • • J '2^)
«3^«
besteht.
Berücksichtigt man die eben abgeleiteten Werthe von B{'-^ . . .so findet man die Grleichungen :
hl '-irhfi'-jj, >
wenn:
und gleichzeitig einer der beiden Indices i^, i^ grösser als n ist:
für:
für:
für:
für:
für:
H, H, h>---> i-ip "'i< '2; kl- ■ ■, «2J, ~*~ "-"— «1+1) hl hi---iHp
. - - . - — 9
*r ; «2) %;• ■ •)'2jD
R r^ . . — 9 (V» n ■ ■ . )
' ■ —- ' ^ ^ " '1, «2, «3 . • • • , Hp h 1 hl 2«— «3+ l,'i,'b,---i hp
h, hihi---ihp ~ "''i.'2. '3)- ••. hp '^"''i-'-2iH'~"—'i+^i'bi---ihp
i\ >» n ; »2 ^ H ; % >- w
'i,»2>«'3'--->'2^ — ~^>-i,,U,iz,...,iip '^'^ii,i.^,2n—i^-hl,ii,ii,...,iip
^(2) . =a- ■ •
'1 ) «2 ; '3 ; • • • > *2p hi'ii '3' ■ ■ -1 ''ip
Setzt man das eben angewendete Verfahren fort, so gelaugt man schliesslich zu der Gleichung:
I 'l,«2,'3,--v'2,.| I 'l>'2,'3.-->'2,.|(,-j^,-,^;^...._,-^^^_l_2,3,...,-i»J
WO die Elemente B'f^\- ,■ ■ der Determinante auf der rechten Seite den folgenden Gleichungen genügen:
'1 ; '2; '3 J ■ ••; «2y^
B^r^-') . =0
*ll'2l Hi---i '-Jip
wenn :
«', ^ «,
und gleichzeitig einer der übrigen ludites 4,/3, in---, if,p grösser als 11 ist,
la *
148
für;
für;
Jjeopold Gegenhalter.
hl Hl Ht
= «
'l)*2l«3>
•a.i
7>(2i^-l) —4^-^— ff
a
1)
Nun besteht, wie ich gezeigt habe („ Über üeterminanten höheren Ranges". Denkschr. der kais. Akad.
der Wissensch., mathem.-naturw. CL, 43. Bd., II. Abth., p. 17 ff.) folgendes Theorem:
Wenn für rj feste Indices alle Elemente einer Determinante ??ter Ordnung und mten Ranges, in denen
irgend einer der anderen Indices einen von n — rj gegebenen Werthen besitzt, gleich Null sind, so zerfällt die
Determinante in das Product zweier Determinanten ;);ten Ranges Ton den Ordnungen r^ und n — )\.
Die erste von diesen Determinanten wird aus jenen Elementen der ursprünglichen Determinante gebildet,
in denen die festen Indices mit den eben angeführten r^ Zahlen zusammenfallen, die übrigen Indices aber
jene /j Werthe aus der Reihe der Zahlen ],...,« besitzen, welche unter den gegebenen n — r, Zahlen nicht
enthalten sind; die Elemente der zweiten Determinante hingegen erhält man, wenn man aus den ursprüng-
lichen Elementen jene auswählt, in denen die veränderlichen Indices die gegebenen «— rj Werthe besitzen,
und die festen Indices mit denjenigen Zahlen der Reihe 1, 2, ...,w zusammenfallen, welche von den erwähnten
rj Zahlen verschieden sind. Das Product der so erhaltenen Determinanten ist mit dem positiven oder nega-
tiven Vorzeichen zu versehen, je nachdem das Product ihrer Hauptdiagonalglieder in der ursprünglichen
Determinante positiv oder negativ ist.
Es ist also :
3)
I '1 I '2J Hl--'! ^-ip I
, nin — 1) ,
4 '^ ' \a
Hi3-l^H,
jJip
a.-,
•2m— j,-+-l,J.2,J3,...,j2p|
— a
n ->rji , n-hjo , «+J3 . • • V «+J2
+
Man hat daher den Satz :
Genügen die Elemente «,■ ;^
"•""«— ii-t-l, n-i-J2,n-+-JBr--, n+hp I
{h , H ,H,--, Hp='^j 2, 3, . . ,-2»i; i] , iä ,i3 > • • ■ J-2p= 1 , 2, 3,. . ., w) .
5 '3)
a
, I-,
'l)»2>''3v
den Bedingimgen
a
<n '2! 'S)--*; 'ä;
= «;
SO ist:
einer Determinante gerader Ordnung und geraden Ranges:
■■'*'^'('l,'2-»3)---;'2p=l)2,3,...,-2«)
-1 , 2h— i'p.-l-l,/|jL+i, if,.+2,-.-,i-,-i, 2n— Jv-Hl, Jv+i , jv-)-2,..., i.,p
{ij,i.^,ig,...,Uy=l,2,3,...,2n-,n^v-, (A, v=l,-2, 3,...,-2i))
'] 1 '2) '3i---! '2p I
=4«'^-^>!«
Jt jJ-2lJi>---!.l-2p
(I.-.
■i"—Ji+i,:i-iJa>---Jji. I
""-hij W'+J2> "-H/3)---) "+J-2p'^
ii—ji-hi,ii-i-j.^,n+j3,..., n-i-j2p I
('1; '2,'B'---,^2p= li 2, 3,...,2irJi,J2>.h<-- 'J-2p= 1, 2, 8,...
Nach diesem Satze besteht z. B. für die folgende quadratische Determinante die Relation:
X, y , M, v , r, s, t, w
y, X, V, u , s, r , w, t
u, V , X, y , t, w, r, s
. V, u, y, X , ic,t, s, r
i r, s , t, w, X, y , u, v
s, r , w,t , tj, X, V, tc
t, w, r, s , t(, V , X, y
w, t , s, r , V, II , y, X
n)
x+iv, y + t , u+s , v+r
ij + i , x + w, V +r , u+s
ii + s. r+r,
v+r, u + s,
x+w, y + f
y+t , x+ir
X — w, y — t , u — s , V — r
y — t , x — w, V — r, !', — s
u—s , r — r, x—w, y — t
V — r, u — s, y — t, X — w
Zur TJieone der Determinanten höheren Ranges.
149
Da die beiden Determinanten auf der rechten Seite dieser Gleichung abermals den Bedingungen des auf-
gestellten Theorems genügen, so kann jede von ihnen wieder als ein Product von zwei Determinanten zweiter
Ordnung dargestellt werden, und daher ist ferner:
A=
x+w + u + r, y-hf + u+s
x+w — » — r, y + t — u — .s
ij + t — u — .V, ,»•+?(• — r — ;■
:v — iv+v — r, y — t + u — s
y — t+u~ü, x—w + v — r
x—w — v + r. y — t — ?<+s
// — f — «<+.s-. ,T — w — r + r
welche Relation sofort in die folgende von Herrn A. Piichta angegebene Gleichung („Ein Determinanteusatz
und seine Umkehrung". Von A. Puchta. Denkschr. der k. Akad. der ^Visseusch. , mathem.-naturw. Classe,
38 Bd., IL Abth., p. 225 ff.) :
A = {x+y + u + v-\-w + r+s + t){x+v-^w+r—y — t — u — s) (x+w + y+i—u — v—r—s).
. (x ■+- IC + V+ s — y— r — v — i)(x — w + f —r+ y — t + li — s) (jv — w + v — r- — y + 1 — ii + s) .
. (x — w — i) + r+y — t — u+s){x—w — v + r — y + 1 + a — s)
übergellt.
Ist in der Determinante 1):
n = 2«j,
und genUg'en die Elemente a,- ,• ,• ,■ nicht nur den Relationen 2), sondern auch den Gleichungen:
^'/],f., ii....,iop f'Vj,)'.,,)3,...,v-l, Shi— iVH-I. 'V+'- (V+2,.-'-*'v-i, 2»,— (v+l, /,+1, i,+i,..., i.^^,
'*('j,/2,!3,->'V—''-"l+'V+l''V+* ''!'■+*'•••, »2^ ''X,,/2,i3v--,'V-'''i''l"~':J-+l-''!' + fr'V+2r---i'''-li2"i— 'v-l-l,''-+l. ('-,+2...., «2,,
{i^,ü,i^,...,i^-l,i^,+^,...,l,-l,h+^,...,i.,^,= l,•>,^i,...,^n^\ iV, !v = l, 2, 3,..., Shi-, (a^v; ;/. , v= 1, 2, 3,..., 2^)),
so erfüllen ersichtlich die Elemente der beiden, auf der rechten Seite der Gleichung 3) stehenden Determi-
nanten die Bedingungen des abgeleiteten Theorems und man hat dalier in diesem Falle die Gleichung:
'^"'Jl,i2'Jil---J2p-l:~>'+Jip—2Jij,\-
■ I ^ «i+i, . n^-i-j.. . n ,+/, , . . . , «i-f-i.j, "n ,-hii , «,+i>. "i+ia ; • • ■ ^ n+Jip^'> ^ 3«i— j.j^_2+l, »fj-t-jo^, "^
• I — «2hi-4-j,, 2»i+i2, 2n,H-,/3,. .., 2»i-h?o^, +« 2«,-t-i,, 2Hj+J,,. 2''i+i3,-- •, -"i+i^i--! > 2«,— j.^,-!-! —
— «2«i+ii,2«,-hior-2«i+j3----,2»i-^J2p_2.?ii.-i+^i'>."^"-«i+i,,2H,+J2. 2«i-+-./3 .iip i+l-2",-i2/,+ l r
• I "-^tti-hj, , ■Aiii-hji. ■dn^+j^....,-in,-{-j.,p ^'3"i+ii • 3"i4-J2, ;^».j+/3,..., 'iih-i-j.,j, , , 3»i— jo^+l
"Siii-i-ji, ■3«i+J->,3hi+J3,...,3h,+J2^_ ,,3»,— j2^,-(-l "'"'^'3»,-h;,,3»,-f-J2,3j(j+j"3,...,3«,-(-j.2^_,,J2;. I
{'■1 , »2; '3' • • • ' »V = 1 , 2, 3, . . . , 4»j ; ./, .ia, J3, . . . ,j-sj, = 1 . 2, 3, ...,»,) .
Man sieht sofort^ dass sieh anl' dem eben eingeschlagenen Wege das folgende allgemeine Theorem
ableiten lässt:
Genügen alle Partialsysteme, welche aus den Elementen a, ,■ ,• ^^ einer Determinante geraden Rang
von der Ordnung 2^n:
a,
*1 1 ' 2 > '3 )
"■■■'* ' (^,,^2,'3v••,'2^=2>■«)
dadurch abgeleitet werden, dass die Indices /j ,?'.,, 73,..., /j j,._)_i, '^+.2,---) '■>— u 'v-t-i> 'v+2»---' '2» ^^'^
•■zj>
Werthe 1, 2, 3,..., 2'« erhalten, während jeder der beiden Indices i^, i,^ irgend eines der 2'^ ' Werthsysteme:
1, 2, 3,...,2'«;2''«4-l, 2'«-4-2, 2'm + 3,..., 2'+!«; 2'+i «-4-1, 2''+' «-^-2, 2'-*-'« + 3,..., 3.2'«;...;
(2'— '— l)2'«-^-l,^2■'— '— r)2''«-4-2, (2'— <^— l):iSi + 3,..., 2Si
r
15Q Leojiold G e (je II hau er.
durchläuft, iler Bedingung :
wo p., und V, die grössten Wertlie von / und i^ in dem von diesen Grössen durchlaufenen Intervalle sind, fU
5 _ j^ l 1 X 2 ..., A — p und /ji, v = 1, 2, 3,..., 2^}, so lässt sich die Determinante als ein Product von 2P+i
Determinanten desselben Ranges von der Ordnung 2^— P— '« darstellen, deren Elemente lineare Functionen
von ie 2P+' in leicht bestimmbarer Weise mit dem positiven oder negativen Vorzeichen versehenen Elementen
der ursprünglicheu Determinante sind.
Ist speciell:
W=: 1,
so kann die Determinante geraden Ranges von der Ordnung 2^;
als Product von 2^ Factoren dargestellt werden, von denen jeder die Summe aller verschiedenen, in geeig
neter Weise mit dem positiven oder negativen Vorzeichen versehenen Elementen der Determinante ist, und
dem Zahlenfa'ctor 40^—1)^'^'. Man sieht sofort, dass einer der Factoren die Summe aller verschiedenen Ele-
mente ist während in allen übrigen Factoren die Hälfte der Elemente das positive, und die andere Hälfte
das negative Vorzeichen besitzt. Für quadratische Determinanten hat diesen speciellen Fall Herr A. Puchta
a. a. 0. abgeleitet.
Ich will bei dieser Gelegenheit einen neuen einfachen Beweis eines von Herrn K. Weierstrass herrüh-
renden Satzes über höhere complexe Zahlen mittheilen.
Über die n Haupteinheiten ei,e^,e-^, ■,&„, aus denen die erwähnten complexen Zahlen gebildet sind,
werden folgende Voraussetzungen gemacht:
1. Die Einheiten sind von einander linear unabhängig, so dass also eine Gleichung von der Form:
«1^1 -)-a.2e.2-(-«3e3-4-..-+«„e„ = 0
nur bestehen bann, wenn alle Zahlen «^ (X = 1, 2, 3, . . . , w) den Werth 0 haben.
2. Die Multiplication der Einheiten ist commutativ, associativ und distributiv.
3. Die für die Einheiten bestehenden Multiplicationsgesetze sind so beschaffen, dass die Division im
Allgemeinen ausführbar ist.
Das System soll selbstverständlich ein begrenztes complexes Zahlensystem in der Weise sein, dass die
Producte der Einheiten sich wieder linear durch die Einheiten selbst darstellen lassen.
Für die Zahlen dieses Gebietes sind bekanntlich die Addition und Multiplication commutativ, associativ
und distributiv, es existirt ferner in diesem Zahlensysteme ein Modul der Multiplication Sj, d. h. eine Zahl,
welche jede andere ungeändert lässt, wenn sie mit ilir multiplicirt wird. In einem solchen Zahlensysteme
existiii nun aber, wie Herr K. Weierstrass gezeigt iiat, die Quadratwurzel aus — i^ nicht, wenn die Anzahl
n der Haupteinheiten ungerade ist.
Bekanntlich lässt sieb jede aus n Haupteiniieiten e^jß^^^e.^,. .,e„ den entgegengesetzten Einheiten und
den genauen Theilen derselben gebildete complexe Zahl auf die Form:
" — ^1 ^1 + «2 ^-J + =«3 63 + ■ • • + "11 ^H
bringen, wo die Grössen aj, «.>, «sv, «,, aus einer unbenannten Haupteinheit gebildete Zahlengrössen sind,
und a, ß) die Grösse bezeichnet, (]ie man dadurch erhält, dass man e- an Stelle der zur Bildung von a-^ ver-
wendeten Einheit setzt.
Zur Theorie der Determinaiiten höheren Ranges.
Hat man nun n Zaiilen des Gebietes :
151
'1 — '^l,! «1+«1,2 *'2+«l,:j «S + ---+«!,« «n
V, =«,
•'?2 = *> i ^i+cx.
-«2,« «n
^« = «,M «^ t + ««, 2 «^2 + ==«, 3 eg + . . . + a„ „ e,j
welche so beschaffen sind, dass die Determinante;
-,,y.\
It ,)!= t.
■")
ni Null verschieden ist, so kann man die ursprünglichen Einlieiten und daher jede Zahl des Gebietes, also
auch die Producte -^ix-n., linear durch die Zahlen r,^ ausdrücken.
Existivt nun in dem betrachteten Zahlensysteme die Quadratwurzel aus — Sj, so kann man stets n — 2
Zahlen v;., , vj.j, ..., y;„ von der BescliatTenlieit angeben, dass die eben erwähnte Determinante von Null ver-
schieden ist, wenn :
'1
H> ■^■> = \'
/:
•i'
gesetzt wird, weil zwischen £j und \/ — s^ keine lineare Relation besteht.
Man hat daher für die eben genannten ii Zahlen des Gebietes die Gleichungen:
''a '",;. = (^ /-"•) 1 ■" 1 + (/^j ,'-'•^2 ■''2 + ' /^j l'-h ■n-i+ ...+ {l, !J.)„ -n,, ,
wo die aus einer unbenannten Haupteiuheit gebildeten Grössen (X, iJ.\ den Relationen ,
4) (^, ^)v = {!h ^)v
5)
^ (X, (a\ (v, p), = y (X, p)^ (r, y.).
(l,lj.,p,a= 1,2,..., n)
genügen müssen, damit die Multiplication eommutativ und associativ ist.
Setzt man in dem Gleichungssysteme 5) :
X = /. = 2,
und berücksichtigt, dass :
(2,2)p = 0 (p>l)
(2,2)i = -c
wo £ der Modul der Multiplication in den aus einer Haupteinheit gebildeten Zahlensysteme ist, welchem die
Zahlen (k, f«.)^ angehören, so erhält man :
oder wegen 4) :
-(l,p),= V(2,p),(r,2), (p,a=l,2,...,n)
r=l
-(1,P).= 2^(2,p)r(2,r), (p,a = 1,2,3,...,«)
Man hat daher die Relation :
7=1
(2, P\ (2, r).
= |-ap)a|
(p,a=l,2,3,...,n)
152 Leopold Gegenhauer. Zur Theorie der Determinanten höheren Ranges.
oder uach dem Multiplicationstlieoreme der Determinanten :
' ' (p, ^= 1,2,3 n)
Ist nun /( ungerade, so erhält man aus dieser Gleicliung die Formel;
Dies ist aber unmöglicli. da die Determinante von Zahlen, die aus einer Haupteiaheit gebildet sind , der
in dem betreffenden Zahlensysteme nicht existirenden Quadratwurzel aus dem negativen Modul der Multipli-
cation niemals gleich sein kann.
Es kann daher in einem aus )i Haupteinheiten gebildeten Zahlensysteme, wenn die Einheiten der ange-
gebenen Bedingungsgleichungen genügen und die Anzahl derselben ungerade ist, v — s, niclit existiren.
Den soeben bewiesenen Satz hat Herr K. Weierstrass, wie ich aus meinen Aufzeichnungen ersehe,
schon am 17. Juni 1874 in der von ihm geleiteten Abtheilung des mathematischen Seminars der Berliner Uni-
versität in anderer Weise abgeleitet, als er seine Untersuchungen über complexe Zahlen, welche aus n Haupt-
einheiten gebildet sind, mittbeilte, die er unlängst in etwas erweiterter Form veröffentlicht hat. ( „Zur Theorie
der aus n Hauptfinheiten gebildeten complexen Grössen". Von K. Weierstrass. Nachrichten der königl.
Gesellsch. der Wisseusch. und der Georg-Augusts-Universität zu Göttingen aus dem Jahre 1884, p. 395 ff.)
^■-trSfc'a-'..
153
ZUR THEORIE
DER
AÜSDiflEfiraMIl
Jl 1 ü
ZKLMiElilLOETEKÖII'liiEnillLE^',
VON
LEOPOLD GEGENBAUER,
CORItKSPONDIRKNnEM MITGLIKDK »ER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM IC. APRIL 1885.
In den foliienden Zeilen sollen einige asymptotische Gesetze aus der Tiieorie der aus den vierten Einheits-
wurzelu gebildeten ganzen coniplcxeu Zahlen abgeleitet werden.
Es sei {n) der Inbegriff aller im Gauss'sehen Sinne primären ganzen complexen Zahlen von der Form
(/ + /)/ ausser der Null, deren Normen nicht grösser als n. sind, 9((«,) die Anzahl der Individuen des Complexes («").
Beachtet man, dass 45((^w) die Anzahl der Darstellungen der ganzen Zahlen 1,2, 3, ...,»* durch die
binäre quadratische Form (1,0, 1) ist und da.ss die Anzahl der Darstellungen einer reellen ganzen Zahl x
durcli die erwähnte quadratische Form durch die Summe:
11
angegeben wird, wo d'i alle ungeraden Divisoren von x zu durchlaufen hat, so erhält man die Gleichung:
x-=.n fiff (
I ' ,,"
Da unter den Zahlen der Reihe 1, 2, 3, . . .,m nur die Zahlen:
l.(2a;-l), 2.{2x-\), 3.(2x-l),..., f^].(2.r-l)
den ungeraden Divisor 2x — 1 besitzen, so verwandelt sich die letzte Gleichung in die folgende:
Deukschriften der mathem.-natuiw. Gl. L.Bd. 20
154 Leopold Gegenhauer.
und daher hat man auch, wie ans Entwicklungen, die ich früher angegeben habe („Asymptotische Gesetze der
Zahlentheorie." Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche
Classe, 50. Band, I. Abtheilung, p. 36 ff.) erhellt:
1) %{n) = ^ +£\/n
wo:
ist.
Es ist offenbar auch:
n
2) §too= y, ^
x=(n)
WO die Summation über alle Individuen des Complexes («) auszudehnen ist, N(x) die Norm der ganzen
complexen Zahl x vorstellt uad b{(x) den Wertii 0 oder 1 erhält, je nachdem N((x) kleiner als 1 ist oder nicht.
Man hat:
Vor/j.rZf .\^ V
Nun ist
:^(\/^
V .,/;/_^__,\= V
^ [VbNix'^ + ß '7 /- \\ (bN(x')+ß)N(y-) N(f)
wo:
ist.
Da jedesmal, wenn
ist, auch:
wird, so hat man auch:
V/:
^~^'b{p+iy+ß ^
« L_ = i
(bN(^x^)+ß)N{if) A^(r)<
« L_^l
z
^
Lässt man auf der rechten Seite dieser Gleichung x alle Zahlen des Complexes (n) durchlaufen, so hat
man zur Summe für jeden der 91 (^J.) Werthe von i/ ilij}) Einheiten hinzugefügt und legt man alsdann dem ij nur
jene Werthe bei, welche dem Theilbereiche {Ä) — {ß) des Complexes (m) angehören, wo:
Bz=
bn' + ß '^
ist, so hat man für jeden der 9t(?j) Werthe von x von der neuen Summe 21 (ß) Einheiten weggenommen und
daher ist:
V
.=,n,^,.,-J^y hNix^)\Nm + p} ÖAV)
-2t(p)9l(.4) + 3r(«)9t(5),
Zur Theorie der aus den vierten Einheitswurzeln gebildeten complexen Zahlen. 155
oder:
Man hat daher die Relation:
Sind die in dieser Gleiclmng auftretenden Grössen so beschaffen, dass
ist, so hat man :
'' I.," (fe^. -f) =„? ;" (V»(*^) - r) +|,« (VjfcÄt? -') -'"«''(^>-
Füi
Ist
speciell ;
ergebe
/ 1 •
x=(n)
n sich die speciellen '.
Formeln
y
x=(A)-
X=(Ä)
5)
'tf;/ "
-.)
-p)
ß'
W 6iV(a;') + i3
6-
6)
-f)
(:' "
4)'
W H^(*^)+p)
■S)i{n)%{B)
so erhält man die folgende, zuerst von Herrn F. Mertens auf anderem Wege abgeleitete Formel:
Es ist ferner;
^ <i^)(z^G-r
\
/_j
"==(")
wo die Summatiou bezüglich r/, über jene primären Divisoren der ganzen complexen Zahl x auszudehnen ist,
deren complenientärer Divisor eine durch C tlieilbare rte Potenz ist.
Bezeichnet man mit P/,,,.,j(.'r) die Summe der Normen der /,-ten Potenzen derjenigen primären Divisoren
der ganzen complexen Zahl x, welche durch c'' tlieilbare rte Potenzen sind, so dass also Fü,,;c{x) die Anzalil
dieser Theiler ist, so erhält man die Relation:
^= ^
20*
löü Leopold Gegenbatcer.
Verbindet man diese Gleichung mit der Formel 1), so entsteht die Relation:
7rwiV(c)'-(''-') V AT/ NW/, n . /-Af/ ^' ^'■""2''' V AV n''
^ > N{xy^''-*>+\/nN{c) 2, =xiV(ic)
9)
2 P^,.;c{x)'
l0^k.|<l).
Nun ist:
x= [m]
v-i_=vify(_i)-
d"-i
(-D^-Jjl + i + i.
Ist s > 1, so hat man:
1 1 1
1 1
1^ 2^ 3»
wo:
ist, und daher besteht die Gleichung:
Lj {2x-iy (1'' 2» 3
x=oo
• + F = ^(^)-Zi
|£'|<i
l-2a;— 1)J
x=k+i
(Ä;+l)»-*
/-/ N(xy
(2a;— !)'■
;(«)Z
(-l)^-'4
[2^- "]'"(--')■
(0^|£i|<l)
wo:
_ V (-1)-'
3:=!
^=m
^' = ^(^)Z (2X-1
t:^'-c(.) y
(-1)
x-l^'
=■ [i^-'F^^-')-
ist.
Es ist aber;
^=m+.
.=['i±?]
V _
r"'+'i I
(-!)■
<
V
1 <- ?(s)
m+3-|
(2x— 1)' w»-'
=m
;-!«'
»/
L2a;— 1
i2x-iy
<
V
x=1
2a;— 1
+ 1
(2a;— 1)''
< r l0gW+C' +
1
»M — 1
und daher hat man:
10)
M< ^ k(s)+log/«+6'+ -^}
Zur Theorie der aus den vierten Einheitswurzelu cjehildeten complexen Zahlen. 157
Es ist also für s > 1 :
;t=(oo) ^ ^
und daher hat man auch:
_7rCM^+l))L,.(,+.)
■ — i-, r, c \-^)
wo:
W,//,+ iui
W< ^-^^ i |<:(r(Ä; + l))+ — log»— logiV('-) + '^+ r,- — 1 -• f. . i~^ V"
■('■4)
'"'^ '-- '" '■■"" " "- </^mcy „(/('+l))
4tn
I , 1 ^
>1
lA^I < ^-5^-5^ p— ^ k(r(Ä;+l))+ - log «-log i^(c)+C+ -—r-- —
4/-T ( ' \/n-N{c)
/- U( — lOgW lOgN(c))+C , , ON »T/ -,T AT/ \ I 1
^CO'. 4 '4 V'« 4v/;T) V^ 2^
ist.
Aus der Gleichung 12) folgt:
Id) hm^eo ^^^^ = 4V(f'-(^-+')) (,r(;t+l)>l)
i^j nm„=eo ^^ -8r(2r(^+l) + l)iV^c^'(*+'))
} P_2t,ä,+i,,:(a:)
^ "-°° n ■~2(2'-+'X2^+')+T((2r+l)(2A;+l))iV^(c(2'-+*X«+'))
wo t2j der ate Secantencoeffieient ist.
Ist in der Formel 8) /.■ z= 0 und v = 1, so kann man dieselbe mit Hilfe der Relation 7) zunäclist in die
folgende verwandeln:
'o
p.„„,)=.E'.(.T,)-Kv^)r
V p„ , r^N _ 9 V
Berücksichtigt man die von Herrn F. Hertens aufgestellte Relation:
1 ^ r^Oog^ ^^„ ,-4 + log_2 _^ l
wo:
und:
_^y(-l)-log(2x-l)
■^'■~ ^ (2x— IV
j:=2 ^
15S Leopold Gegenbauer.
ist, so erhält man:
r«^
85«.
wo :
3 <
n \ * „ / n
i^^kK^) -^^irm)
\N{c)) \N{c),
ist.
Die Formel IG) hat auf dem ehen eingeschlagenen Wege für den speciellen Fall N(c) =z 1 schon Herr
F. Mertens abgeleitet.
Aus der Gleichung 16) ergeben sich die Relationen:
~ 16iV(c) ^
17) lim„_ ^5^__=: _^(log„ + 2C---l+ ^-logi^r(o))
2 fiW
18) • lim. «=00 -'-^^^ ^f^ = leivVÖ (^"^■" + -^-'+ ^ -^'^^'^^'^
limr|,„=oo— = 0; lim^,„=oo— =0)
y^Po,,,.(.T)- ypo.i,.(a;) ^ n,i,c(^)
19) lim,, _«, '-Ä!^ 5^i5^^^!^ = lim „=co ^
[ne]
yp„,,,,(x)— ypo,.,.(,r)
. , ,' HW log 10'
20) lini.=oo -'""> io»-10-' = l^' ^"^'^ - -^ "^'-^ + ^ -\osmc) + -9-
Von den in diesen Formeln enthaltenen arithmetischen Theoremen mögen die folgenden besonders
erwähnt werden:
Die Summe der reciproken /.ten Potenzen der Normen derjenigen primären Divisoren einer ganzen
complexen Zahl von der Form a-i-hi, welche durcii c' theilbare ;te Potenzen sind, ist im Mittel gleich dem
Ausdrucke:
JV(c)'- ('■+')
Die Summe der Normen der reciproken Ä,teu Potenzen derjenigen primären Divisoren einer ganzen
complexen Zahl von iler Form a + bi, welche durch c--' tlieilbare (2/-)te Potenzen sind, ist im Mittel gleich dem
Ausdrucke :
2r(2/-(,^+lj + l)iV(c)2'-(''+')'
Die Summe der Normen der reciproken (2Ä:)ten Potenzen derjenigen primären Divisoren einer ganzen
complexen Zahl von der Form a + bi, welche durch c^' + ' theilbare (2/-+l)te Potenzen sind, ist im Mittel gleich
dem Ausdrucke:
;-(2r+lK2/ + l,m.2>-+l)(2Z,-+l))r(2,+ lxa,+ l)_l
2(^'-+t)cu+,)+iY((2r+l)(2k+l))N{cf'-+')^'"+''> '
Die Anzahl derjenigen primären Divisoren einer ganzen complexen Zahl von der Form a + b/, welche
durch c'' theilbare ;ite Potenzen sind, ist im Mittel gleich dem Ausdrucke:
N{cY '
Zur Theorie der aus Jen vierten Einheitswurzeln gebildeten complexen Zahlen. 159
Ist:
lini^, „=oo — = 0
n
3
lim,,r,=oo — = 0
so hat jede ganze complexe Zahl von der Form (i-^bi, deren Norm in dem Intervalle // — r,-i-l. . .u + n Hegt,
im Mittel:
^{,og„ + 2C+^_,ogiV(o)}
primäre durch c theilbare Divisoren.
Ist:
3
■'■/
so hat jede ganze complexe Zahl von der Form a + hi, deren Norm iu dem Intervalle «- r; + l. . .n+ri liegt,
im Mittel eben so viele primäre durch c theilbare Divisoren, als jede ganze complexe Zahl des Complexes («e).
Jede ganze complexe Zahl von der Form a + hi mit s-zifferiger Norm hat im Mittel:
{s log 10 + 2 0'— iH ^ — logA(^c)+ ■
durch c theilbare primäre Divisoren.
Die Summe der Normen der reciproken Z-ten Potenzen der ungeraden primären Divisoren einer .izanzen
complexen Zahl von der Form a + bi ist im Mittel gleich dem Ausdrucke:
2/. + 1 '
während die entsprechende Summe l'iir die halbgeraden Divisoren:
und für die geraden:
ö»^
2^+'— 1
^p^^^L..+. ?(/,•+ 1)
L,+,<(Ä-+1)
4'.+<
beträgt.
Die Summe der Normen der reciproken \2k — 1 )tf" Potenzen der ungeraden primären Divisoren einer
ganzen complexen Zahl von der Form (( + hi ist im Mittel gleich dem Ansdrncke:
(2'"-l)(2;:)^-^,L2,
2''*+'r(2Ä,-(-l) '
während die entsprechende Summe für die halbgeraden Divisoren:
2(2■''^-l)(2nr■B,L^,
4"'+*r(2A-+l)
und für die geraden:
(2;^)^^".BtL^,
2''+<r(2/<^+i)
beträgt.
160 Leopold Gegenbauer.
Die Summe der Normen der rcciproken (2t)ten Potenzen der ungeraden primären Divisoren einer ganzen
complexen Zahl von der Form a+biM im Mittel gleich dem Ausdrucke:
während die entsprechende Summe für die halbgeraden Divisoren:
und für die geraden:
7z"'+'t[2k-JrViru
' 4M+2r(2/,;+l)
beträgt.
Ist:
lim^,„ = oo — = 0 ,
3
SO hat jede ganze complexe Zahl von der Form a + bi, deren Norm in dem Intervalle n — vj + l. . .«4-^3 liegt
im Mittel:
-^(logH + 2C'+^+log2)
ungerade,
^(log« + 2C+^
halbgerade und :
^ flog n-\r2C+ ^— '- - 2 log 2
10 V 1^
gerade primäre Di^nsoren.
Jede ganze complexe Zahl von der Form a-^bi mit s-zifferiger Norm hat im Mittel:
— (slog 10+2C'— iH ^ + log 2+ —2^ —
9
ungerade,
'^ / , in or. 1 8m. log 10
-pr s log 10+ 2 G^l + L + _^
1d V n y
halbgerade und:
"■ / 1 in o/-. 1 82^1 Ol o log 10
-^fsloglO+2C'— iH '-—2 log 2h --—
Ib V 7t \)
gerade primäre Divisoren.
Es sei ferner die zahlentheoretische Function:
wenn x. eine complexe Einheit oder aus einer geraden Anzald von verschiedenen complexen Primfactoren
zusammengesetzt ist;
<x{x) = — 1
wenn .(• aus einer ungeraden Anzahl von verschiedenen complexen Primzahlen zusammengesetzt ist, und
^(o:) = 0
wenn .<■ mindestens durch das Quadrat einer complexen Primzahl theilbar ist.
Zur Theorie der aus den vierten Einhelts wurzeln (jelildeten complexen Zahlen. 1 H 1
Hat nun ix^i^c) den Werth 1, wenn x eine complexe Einheit oder durcli keine r'e Potenz theilbar ist,
während ix,{x) gleich Null ist, wenn x mindestens durch die rte Potenz einer complexen Piimzahl flieilbar ist,
so hat man:
21) Z^(V^) = ^'<^) {d'ry-^x)
denn ist x durch keine ;-te Potenz theilbar, so ist der einzige Werth, welchen d', annehmen kann, x, ist aber
die grösste in x aufgehende rte Potenz aus r verschiedenen complexen Primzahlen zusammengesetzt, so ist:
IK#)=>-(i)-(2)-(3)-(4)--(-»'
"'r
= 0
Ist / = 1, so hat man offenbar:
22) 2K^) = 0
d
WO die Summation über alle primären Divisoren von x zu erstrecken ist, wenn x keine complexe Einheit ist, und:
23) Y.^(SC) = 1
d
wenn x eine complexe Einheit ist.
Aus den eben abgeleiteten Formeln ergeben sich die Gleichungen:
M)
Z_i h\x)' ■ — i Nix)-' ~ ^ MxY
l = (oo) • :r = (oo) ^ ^ r=(oo) ^ -^
95) V -A_ V K^) _i
" ^ Zj Mx)' • Z^ iV(a;)' ~
x = (oo) "■ ^=(oo) ■ '
und daher ist:
26)
y p-(x) _ 1
27)
Man hat nun :
^=(v'«) ^=(v'»)'"=^"'
2-
x = (m)
^)(ZK\/J).
oder :
= V ^,(a;)
^8) • V 5t(^)K^) = 0'^(n) (r>l)
-=(vV)
wo £i!.(n) die Anzahl derjenigen Individuen des Complexes (n) bezeichnet, welche durcli keine rtc Potenz
theilbar sind.
Denkschriften der mafheuti.-tialunv. Cl. L. Bd. oj
162 Leopohl G cgenhaner.
Mail hnt daher den Satz:
Di\ idirt man die Zald n durch die Normen aller dem Complexe (n) angehörigen rteu Potenzen von Zahlen,
die nur aus verschiedenen coniplexen Prinitactoren zusammengesetzt sind, und versielit die Anzahl der
Individuen des irgend einem der erhaltenen Quotienten entsprechenden Theilbereiches von {ii) mit dem positiven
oder negativen Vorzeichen, je nachdem die /'te Wurzel des Divisors aus einer geraden oder ungeraden Anzahl
von verscliiedenen Primzahlen zusammengesetzt ist, so ist die Summe der so entstehenden Zahlen gleich der
Anzahl jener Zahlen des Complexes (w), welche durch keine rte Potenz theilbar sind.
Verbindet man die Gleichung 28) mit der Formel 1), so erhält man:
_, , KU S^ p.(x) /— \^ Sx!J-(x)
"~ 4C(»-)L. ~ *
wo :
Ttn V M^ /- V s'j.{x)
ist, aus welcher Gleichung sich sofort folgende Relationen ergeben:
IM<^ fe+7log«+C-+-^} -'r Vm)L,. 0->2)
^ ^ ' \/n—V v^/ T
1
/- ( /-^ - ,, r.\ , -•■' Cr: I bn~ 1
Es ist also :
29)
2^ |A,<a;)
4C(r)L,
30) lim„=oo^^W - r(2rH-l)
-« ~ 4(2;r)2^-'£.L2,.
31) lim„-^i=ik - 2^'r(2r-H)
H. K»'-T2,?(2;-+1V
Aus diesen Formeln fliessen die arithmetischen Theoreme:
Unter den Zahlen des Complexes (n) gibt es im Mittel:
4<(r)L,
solche, welche durch keine rf« Potenz theilbar sind.
Unter den Zahlen des Complexes («) gibt es im Mittel:
r(2r+l)rt
4(2nrV'-'AL,,
solche, welche durch keine (2»-)tc Potenz theilbnr sind.
Zur Theorie der ans den n'erten Einheitswiirzeht gebildeten complexen Z'iJileii. 163
Unter den Zahlen des Complexes («) gibt es im Mittel:
;r2'-T2,C(2r+l)
solche, welche durch keine (2a + 1Vp Potenz theilbar sind.
Unter den Zahlen des Complexes (w) gibt es im Mittel :
4 V t[r)L,.
solche, welche mindestens einen Primfactor in der rten oder einer höheren Potenz enthalten.
Unter den Zahlen des Complexes (n) gibt es im Mittel :
Tzii , 2r(2/+l)
4 [ {^2-.fBrU.
solche, welche mindestens einen complexen Primfactor in der (2r )ten oder einer hölieren Potenz enthalten.
Unter den Zahlen des Complexes i «) gibt es im Mittel :
Tin / 2^'+'r(2r+l)
4 V ?:■'■+' T.,,Z(2>-+1)
solche, welche mindestens einen complexen Primfactor in der (2r+ljten oder einer höhereu Potenz enthalten.
Man hat ferner:
und daher nach 22) und 23):
o2) 2^(i^)K-) = l-
Aus dieser Formel leitet man leicht einen Ausdruck für die Anzahl aller Priinzalden des Complexes («) ab,
wenn sämnitliche Primzahlen des Complexes (\/« ) gegeben sind.
Sind nämlich J)^, j)^, j'-f, ■ ■ ■, p,- gegebene Primzahlen des Complexes (n) nnd bezeichnet:
\Z_; Jp„Pi,--;l>r
x= {n)
den Ausdruck, welchen man erhält, wenn man für x alle jene ZaliTen des Complexes («) setzt, welche nur aus
den Primfactoren^j,, jfjj, . . ., p,. zusammengesetzt sind, so erhält man aus der eben abgeleiteten Formel sofort
die neue :
WO P irgend eine Zahl des Complexes (m) vorstellt, welche keinen der eben genannten Primfactoren besitzt,
und Lg(Pj die Anzahl der Zahlen F ist.
Sind nun die Zahlen i)\, p',^, p'.^, . . ., pi sämnitliche Primzahlen des Complexes {\/n), so ist jede der
Zahlen P eine dem Complexe («) angehörige Primzahl mit einer Norm, welche die \/u. übersteigt und daher
ist in diesem Falle L^iP) die Anzahl aller dem Complexe {u) angehörigen Primzahlen mit \/}i übersteigender
Norm.
21*
16i Leopold Gegcnbaner.
Die Anzahl aller Priulzalilen des Complexes (w) ist also durch folgenden Ausdruck gegeben:
MO die Grössen ])[, p'.^, p'^, . . .,pr alle Primzahlen mit \,//( nicht übersteigender Norm sind.
71.
}l
Setzt man in der Gleichung 8) c =: 1, schreibt sodann fiir ir. — — j— , mnltiplicirt mit N{if^)i).(y) und
summirt über alle Individuen des Complexes (y/«), so erhält man:
iV(a;)'-V.(a;)
i:'(i^)(i:-(v^)^(f
Nun ist aber nach der Defiuition von i}.::{x) :
34) Z^^(\/i)^(i)'=<-(-)
wo t',.j!,^{x) die Summe der Normen der Ä:ten Potenzen derjenigen primären Divisoren von x ist, welche ;-te
Potenzen und durch keine ((7r)te Potenz theiibar sind.
Man hat daher :
35) i;. ., .{n) = V ,',_ ,, „(a.) = V 5^ / » j iV(a.)'-V,(x)
Verbindet man die letzte Gleichung mit der Formel 12), so erhält man:
^=(\/«)
-C(r(Ä- + l)~) V £4J.(a;)^l x ;tC(;/-(A-+1)) V ^-K-*^")
,_1 ^ ;^(7los» + ?(^i/.-+lj)+t'-(7logiV(.t))- 72" ^ ^
\ V 2// --U+v) ^ — ' -(1+2/,)
(o^]t-,|<i) ('•(^•+4)^-'
Ziif Theorie der ans den vierten EinheiUwurzeln gebildeten coinplexen Zahlen. 166
y ;rf(>-(/.'+iyiL,,,-+,) V f^(.^') ,
2^ r,, _,. ,( ,r ) _ ^ n _ ^.. „,,, + „ +
7ri:(r(7>'.+ l)) V JxK'^Vl, >/ // , . r. ^ Ar .A 7rC(r(Ä:+ 1)) V '■f^'-'''
+ ^^^^^ — r^ ^ -^^^--^—\oi>;ii-i-C{r{k+l)) + C^G\ogN(x)] + ^^ ■ — ^ ——^ 1-
i-— ' — ' J^(xy\r " I /.__ — ■ L
/- V ^-f^f'') Ulog'«H-rC' „,, (4+]og2)Alx)- iV(.r)' |.
+ V W / ; h Vjl , H ^ 1 ■
^ ...... ,T"+-( ^'- 4C/« V/.
= (;/T)^*)'
WA'+^1=:1
Es ist daher :
V.'
Aj • ' ^ 4<(a/-(/^+l))L,,(,+,)
wo:
,. , :rf(r(/,-4-n)-L,,/,+i)fM/.-+l)) ( , ., . ^ 1 , , 1 )
4>r
or / —
H ^ ( — ; 1- 0 + L( /■ ( A'+ 1}\ j H j i j j \-
k - \ r ! k-— k —
4h. '• 2n '• 16 h '' "'■
4h '■ 2'''
A. < ^^^-^ " "''+'-- — ^ --L \ C,( ar(k+ 1 ) ) H log ii + C
4«''' '• ' 2h'' >■ 16h^' '■ ">•
3 1
4h "^~ ^^
.+ |) = i
X=:00
.i:=2
ist.
Man hat daher die Gleichungen
6^
37) lim.. 00-"""'^ = 4^f^'^ft!^^r"^" KÄ-+1)>1, .>1)
y ^2.-, -/.-,. (^)
/_j
38) lim „ = 00 -
= |)!l
r(2t7;\A;+l)+l)5,(,,+i)L2,,^.+i
s^2-T)ä'-i'-+')*-') -' ij,,,,,,+„ n 2/-(A-+ 1 ) + r)U,r,,-+i
39) hm, — —
1» = 00
2,2, + ijt2<+i)+s^(5(^2;-+l)(2/.'+l))r((2/-+l)(2Ä,-+l))L„3,.+,,(2;.+i,
IGG Leopold Gegenbauer.
Setzt man iu der Gleicliung 3G) /,■ = 0 und ;■ = 1, so erhält man:
2^ r5, „, , (X) - ^ Po, i, 1 [-^h^) K^)
oder uacli der Relation 16):
a; ^ (71) / - \ / ™ \
Nun ist aber:
und daher hat man:
(0^|j.,.|, |si|<l)-
x = ioo)
V / ^'" i, O,, 1 83JJ, (7g, (790?,
.T=(«)
■\
wo:
\\\<^^\(^(a){\ogn^2C-l + ^'-){ii(a) + Uogn +
3 r Q
ÖI7
14
3
ist. Füi' a n: 2 ist, wie schon Herr F. Hertens hervorgehübeu hat, A^ von der Ordnung «*.
Man hat daher die Gleichungen:
/ t',, o.dCa;)
41) lim„=oo — = .,■>, ,T log »+2 C— 1 H + -y-.- =.—
^ M lbC((7)ivc ( nr C(<7) Lt, )
^ T),o,a(,a;) — 2j ^m,^(^')
^»j luc((7)y>,3 ( K C{^a) La
+2n*{l2+d—)Lj (<^>2)
('lim^,„=oo— = 0; limY),«=oo— = 0
■'i
) 7i, 0, a(*) — )^ ^<- 0. ^(^) X ^'' "■ ''(*^''
' 2rj \ne\
43) lim,,_^^-^t^i±^i^ _L^(Zi^:^^ = lim„= "-^^
3
lim^
1*1).«= 00
— = 0; lim, „=00 — = 0)
Zur Theorie der aus <1rn rierfen Einheltswurzelu gebildeten complexen Zahlen. 1()7
=°° TrT — TTTTTi = tt^^ — Tj- t'^ log lO-;-2L — 1 -i ' -; ^^ '- -— -\
^^ -j.o....,(.r)
/ '■i,ii,23+)(j;0
46) lim,
j-- = i„)
7r-'-'T2,r(27+]) ( ^ - ;r ?(27+l) r:''+' '■,, \
flini „=oo — = 0 ; lim . „=oo — = 0
^^^l.^.^.+ lU■■) — ^ r;,,,,+,(.r)
48) lim-„.„=, ^=(1+V. .■=,„-,'
'/). /I = 00
_ 2^-^r(2a+l) I . Sfflf, (2.-H)5..+ , 2^-+^r(2a+2)TO,,+ .)
flimrj.M^oo — = '*; lim ,=oo — = 0
n '
49) lim,=,
° 10^—10^-'
32(2;:)— ß,L,, ( *' ,-, ^ il t2,T)-^-/y, L,, )
50, lim.^.^^^^:^ W^^
Ans deu entwickelten Gleichiuigeu ergeben sich folgende arithmetische Theoreme:
üie Summe der Normen der reciproken /tcu Potenzen derjenigen primären Divisoren einer ganzen com-
plexen Zahl von der Form a-\-hi, welche rt'- Potenzen und durch keine (<Tr)te Potenz theilbarsiiid, beträgt im
Mittel:
nie Summe der Normen der reciproken /tcu Potenzen derjenigen primären Divisoren einer ganzen coni-
plexen Zahl von der Form ,i-hhi, welciie (27)ti' Potenzen und diirch keine (27/)fe Potenz tiieilbar sind, beträgt
im Mittel:
168 Leopold Gegcnhaucr.
Die Summe der Normen der reciproken {2k)ien Potenzen der)enii>en primären Divisoren einer ganzen
complexen Zalil von der Form u-^bi, welclie (2y-i-r)te Potenzen und durch keine {o{2r+l))ie Potenz thcilbar
sind, beträgt im Mittel :
;t('-'-+'X-^-+"C(( 2r+ 1)( 2k-'r r))r(,,^,x2/.-n)-i
2(-' + ')(«+') + '<(5( 2r+ l){2k+ 1) iPi {•2r+r)(2k+l) )L,^2.+ixv.-+i)
Die Summe der Normen der reciprokeu Ateu Potenzen derjenigen primären Divisoren einer ganzen com-
plexen Zahl von der Form a-'.-hi, welclie rt'^ Potenzen und durch keine (27/)te Potenz theilbar sind, beträgt im
Mittel:
r[2'jr{k+l) + l)C(>-(fc+ 1 ) )L,(;,+i)
Die Summe der Normen der reciprokcn Ä-teu Potenzen derjenigen primären Divisoren einer ganzen com-
plexen Zahl von der Form a->rbi, welche rte Potenzen und mindestens durch eine ('7r)te Potenz tiieilbav sind,
beträgt im Mittel :
Die Summe der Normen der reciproken Ä:ten Potenzen derjenigen primären Divisoren einer ganzen com-
plexen Zahl von der Form K-yhi, welche (2/)te Potenzen und mindestens durch eine (2c7;)te Potenz theilbar sind,
beträgt im Mittel:
f2;rV'(^'-+"B,(,+ ,)1^2,C.-+o fi _ 2r(2ar(7,--t-l)-'rl') \
2r(2r(Ä--:-l) + l) ( (,2- )--('■•+ '^ß,,(;, + ,)L2,, (,,+ ,)( ■
Die Summe der Normen der reciproken (2Z-)ten Potenzen derjenigen primären Divisoren einer ganzen
complexen Zahl von der Form a + hi, welche i2/ + I^p Potenzen und mindestens durch eine {(j[2r-hlj)io Potenz
theilbar sind, beträgt im Mittel:
^(ä,.+i)(2/.-+i)^((2r + 1)(2Ä:+ l)')r(2,+ ,)(,,+i)-i (^
2C''-+im-+i)+T((2r+l){2k+l)) l 4(7(2r-t-l )(2/fc+l))La(3,-Hi)(2/-t-i) )'
Die Summe der Normen der reciproken fct'-« Potenzen derjenigen primären Divisoren einer ganzen com-
plexen Zahl von der Form a + bi, welche rte Potenzen und mindestens durch eine (2ff*-)te Potenz theilbar sind,
beträgt im Mittel:
. , ,,,^ L 2ri2^r(7.-+i)+r) I
C{>\k+l))L,^,,+ i) \i — , ■.2,,,,,, Dß f \ ■
^ ^ ( (27r)-"^'+'^±>c,.(/,+i)-L/2cj,(/;-fi)'
Die Anzahl derjenigen primären Divisoren einer ganzen complexen Zahl von der Form a + bi, welche
;te Potenzen und durch keine (ar)te Potenz theilbar sind, beträgt im Mittel:
t('7y)L„. ■
Die Anzahl derjenigen primären Divisoren einer ganzen complexen Zaid von der Form n + bi, welche
(2/-)te Potenzen und durch keine (2ar)tc Potenz theilbar sind, beträgl im Mittel:
r(2?r-t-l)-B,-L2,.
(2;r)-'("-')r(2r+l )5„.Lj,;
Die Anzahl derjenigen primären Divisoren einer ganzen complexen Zahl von der Form n-hbi, welche
(2r + l)te Potenzen und durch keine (^'7(2;+l))te Potenz theilbar sind, beträgt im Mittel:
n--'-+';(2r+l)T3,
2-''+- l:['j[2r-'r 1 ))]\2/-+ l)Lc(.,.+ i)'
Zur Theorie der aus den vierten Einheif.wnirzeln gebildeten complexen Zahlen. IG 9
Die Anzalil deiji'nigen priiiiüren Divisoren einer ganzen complexen Zahl von iler Form a + bi, welche
/•t« Potenzen nnd dnreli keine (27/-)tc Potenz tlieilbar sind, beträgt im Mittel:
r(2(7r+l)<(r)L,.
(27r)^-5„X,„. •
Die Anz;ibl derjenigen primären Divisoren einer ganzen complexen Zahl von der Form a + bi, welche
rti' Potenzen und mindestenn durch eine (c;/-)*« Potenz thcilbar sind, beträgt im Mittel:
c(»-)^,Yi ^
<{<yr)L„
Die Anzahl derjenigen primären Divisoren einer ganzen complexen Zahl von der Form a + bi, welche
(2/-)te Potenzen und mindestens durch eine (2(7r)te Potenz theilbar sind, beträgt im Mittel:
(2kY"-B,.L.,,. ( 2r(2^r+ll
2r(2r+l) ( (^■27:f--B,,LoJ-
Die Anzahl derjenigen primären Divisoren einer ganzen complexen Zahl von der Form a + bi. welche
(2/--l-l)te Potenzen und mindestens durch eine (a(2r+l))te Potenz theilbar sind, beträgt im Mittel:
2='+'q\2r+l) ( Clt7(2r+l))L,,.,+ ir
Die Anzahl derjenigen primären Divisoren einer ganzen complexen Zahl von der Form <i + bi, welche
»■te Potenzen und mindestens durch eine (2(7/-)te Potenz theilbar sind, beträgt im Mittel:
Ist:
lim,,,,, = 00— = 0
' n
lim ,,,„=00 — = 0
so besitzt jede ganze complexe Zahl von der Form a-i-bi, deren Norm in dem Intervalle n — o + l. . .n + 'Q liegt,
im Mittel :
primäre Divisoren, welche durch keine Tte Potenz theilbar sind, und
5?r ( %, m.
^(log. + 2C'+-')(l-^-^
primäre Divisoren, welche mindestens einen Primfactor in der ijteu oder einer höheren Potenz enthalten.
Ist:
lim, „=00 — = 0
' n
i
lim ^,„ = 00 — = 0
so besitzt jede ganze complexe Zahl von der Form a->rbi, deren Norm in dem Intervalle w— vj + 1. . .« + -,7 liegt,
im Mittel ebenso viele primäre Divisoren, welche durch keine (mindestens durch eine) ate Potenz theilbar sind,
als jede der Zahlen des Complexes (ne).
Denksclirifleii der malhom.-naluiw. Gl. L. B'l. 22
170 Leopold (Jegenhauer.
Ist:
lim ,,,„=00— = 0
n
3
lim,,,„ = co^ = 0
so besitzt jede ganze complexe Zahl von der Form a + hi, deren Norm in dem Intervalle n^r,-\-\. . .n + r, liegt,
im Mittel:
-4:; — r-rr^F- log n + 2C-i '- + ;. .,,T^ — ■
primäre Divisoren, welche durch keine (2ff)te Potenz theilbar sind, und:
K
log «4-2 C+ ^-i 1
89«, w 2r(2c^ + l) > aY[2i+l) )2T(2a+l)'^2. Wo
^^^io«« + .c+ _^ ji^i ^ßny^B^J 2{27:y^-^ B,L,J (2kY^B, U,
primäre Divisoren, welche mindestens einen Primfactor in der (27)ten oder einer höheren Potenz enthalten.
Ist:
lim 7),
n =
- 00
•i
n
3
0
lim^,
n =
00
1^
—
0
so besitzt jede ganze complexe Zahl von der Form a-\-bi, deren Norm in dem Intervalle n — r. + l . . .n-hr, liegt,
im Mittel:
____^log;,+2C+ -^ + ^(2.+l) ^^^W.
primäre Divisoren, welche durch keine (27+l)te Potenz theilbar sind, und:
primäre Divisoren, welche mindestens einen Primfactor in der (27 + l)teii oder einer höheren Potenz enthalten.
Jede ganze complexe Zahl von der Form a + bi mit ,s-zifferiger Norm hat im Mittel:
sloglO + 2C'-H-*+^-^.^-^!
4C(7)LJ = ■ - ■ - ■ 9 ■ ^(5) L^
primäre Divisoren, welche durch keine ate Potenz theilbar sind, und:
TT \ . ,,, „^ . sm, log 10),, 1 ^ ^- , %, m,
primäre Divisoren, welche mindestens einen Primfactor in der c/t«'» oder einer höheren Potenz entlialten.
Jede ganze complexe Zahl von der Form a-i-hi mit .s-zifferiger Norm hat im Mittel:
primäre Divisoren, welche durch keine (25)te Potenz theilbar sind, und:
'^ * inoio^9.' i_^ ^'^'^ ^'•^S-IO), 2r(2^-H-) ^ ^r(2^ + n ( 2r( 2^ + 1)5., SWaJ
primiUc Divisoren, welche mindestens einen Primfactor in der ( 2a)te'i oder einer höheren Potenz enthalteq.
Zur Theorie der aus den vierten FAnheitsiourzeln gebildeten complexen ZaJden. 171
Jede gauze complexe Zahl von der Form a + hi mit s-zifferiger Norm hat im Mittel:
primäre Divisoren, welche durch keine (2!7 + l)tß Potenz theilbar sind, und:
-/ 1 1A o^ 1 83K, loglON/. 22'+=r(27+l) ^
— (s log 10 + 2 C—lH ' + " )f 1 5rri 1^ rr) —
4V TT 9 /V ,-z-'+'t2,(:(2c;+1) /
_ 2^T(2g + 2) / S,,+i _ 2^^+^'(2ff+l)ä)^2,+,^
;:--r,42(;+l)U(2=? + l) ü-'+'tj, j
primäre Divisoren, welche mindestens einen Primfactor in der (2';-t-l)ten oder einer höheren Potenz enthalten.
Es sei ferner :
51) <p,(x) = ^tJ.{d)N(^^'j'
d
SO dass y,(x) die Anzahl derjenigen Zahlen eines vollständigen Eestsystems für den Modul x ist, welche mit x
keinen gemeinschaftlichen Theiler haben („Recherches sur les formes quadratiques ä coefficients et ä iudeter-
minöes complexes." Par G. Lejcume-Dirichlet. Journal für die reine und angewandte Mathematik von
Grelle, Band 24).
Aus der Gleichung 51) folgt die Relation:
und daher ist:
52)
Z_i NixY ' ^ N(xy-'-- -^ N(xy
x=(oo) ^ .t = (oo) ■ ' « = (oo) ^
..= (00) ^ ^ -^
V ?M V J__ V 1
z^ Mxy ^ N(xy ~ ^ N{xy^'
x=(oo) ^ x = (oo) a: = (oo) ^ '
aus welcher Relation folgt:
53) y f,id) = Nixf
d
Man hat nun:
x = (,i) ^ ' x,y={n) ^ •'
V ./_!LvV
_ V
x = (n) ^ ^ d
, N(xf
S'u(:n).
II
Schreibt man in dieser Gleichung für ii = yT'"' multiplicirt mit ij.[i/) und summiri bezüglich // über alle
Individuen des Complexes (m), so erhält man:
22*
172 Leopold Cieye iibauer.
2«(jij)K,i=i:'>(si^)'"Wrt!')
;i=(n) x,y = (n)
oder nach 32) :
55) Y.<p,ly)=^S^^(^^)i.(y).
t/ = (n) y = {n)
Es ist aber
S',(m) = _^iV(cc)*
a: = (h()
= 2^(2:(-:)-
r=i ,11
oder wegen der Formel:
P+2*+3h
= V (_i).-.^2x-l)'Jl' + 2H3'-+ . . . +[2£rj1
;■' + ' >•'■■ ,ksB.r''-' /fc^^^r^-' /kyB^r"''
S;
OT*+i ^r^ (—1)—' .
wo:
rm+i
"^^-"^^^"^^ '■^•' ^M2L2x-lJ l2M-lL2^-lJ ^UA-3L2:c— iJ
ist, und daher hat man:
56) Siim) = -— - +\
4(1+1)
und :
|A„|<:£»re*
wo £ eine angebbare endliclie Grösse s^ nicht überschreitet.
Die Formel 55) verwandelt sich daher in:
Z ^*<^^ = 4(ITTT 2. ivHFT^ +" 1 M^ (O^I=..-l^^o)
oder auch:
wo:
4(A:+l)C(i-+l)i.,-+,
Zur Theorie der ans den vierten Einheitswurzeln gebildeten complexeii. Zahlen. 173
ist, aus welcher Gleichung folgt:
IM^ l'(il"^)^' { m-+i)+\og n+c+ -Lj + v'fao jc(:/.-)+iog «+C+ ^j (A:> i)
lA I >/3n - 7:(l-{-L,) kL,
(/.■=1).
2
Den speciellen Fall k = 1 der Formel 57) hat schon Herr Merteus mitgetheilt.
Aus der Formel 57) folgt;
58) lim„=
"-°° «'•+' -4(/.+l)^(Ä-+l)L,+,
/_, y^i-i (a;)
59) lim^^i^Ü!^- ^(2^-+ 1^
8t(2-T/-"-' i;,Loi.
\f2iix)
60) lim i^^li^ - ^"-I^(^^-+l^
Mat hat daher das Theorem
illstJinrlitrpn Tfpatsvstpms für dpn Modul ii. p-iht p«
/i iv.
Unter den C41iedern eines vollständigen Restsystems für den Modul u gibt es -y=r- A"(h) Zahlen, welche
mit ?i keinen gemeinsamen Th eiler haben.
Setzt man:
61) Y,^(cl',)=Kr(x)
so ist offenbar:
X,(a-) = fx(g)
wenn :
x-= Q.R
und R die grösste in a; aufgehende r'e Potenz ist.
Es ist also :
Xix) = 0
wenn x einen Primfactor in einer Potenz enthält, deren Exponent nach dem Modul r einer der Zahlen 2, 3, 4,
. . ., r — 1 congrueut ist, während in den übrigen Fällen:
X.^x-) = (-1)"
ist, wo 5 die Anzahl jener Primzahlen ist, welche in x in der Potenz /.■/■+ 1 enthalten sind.
Ist speciell r = 2, so hat X,.(x) den Werth +1 oder — 1, je nachdem x aus einer geraden oder ungeraden
Anzahl von (verschiedenen oder gleichen) Primzahlen zusammengesetzt ist.
Aus der Defiuitionsgleichung 61) folgt sofort:
V Ä,.(aO
x=(00) ^ ^ j:=(oo) -^ ..-=(00) ^ '
174 Leopold G('(jenb(iuer.
und dahei- ist:
62)
V h{x) _!:{rs)L,.,
/_j N{x)''^ Mxy ^ N(x)'-'
i=(oo) • x=(oo) a;=(oo) ■
aus welcher Gleichunff foli;t
o
63) y A,(d) = 0,
d
wenn X keiue /te Potenz ist, und :
64) Y. ^-('^') = 1'
wenn x eine rte Potenz ist.
Man hat daher:
WO (),.(«■) die Anzahl der Zahlen des Complexes («) ist, welche rte Potenzen sind.
Schreibt man in dieser Gleichung für j/ : -^tt-^, multiplicirt mit ix(iß und summirt bezüglich y über alle
Zahlen des Complexes («), so erhält man:
— l_, '^rix).
Schreibt man in der Gleichung 62) für s : crs und multiplicirt sodann mit ;
V 1
so entsteht die Relation :
und daher ist:
x = (00) ^
_ V 1 V m/^)
— Zj Ma,>-'-iij Mxy
x = (00) Jt = (OOJ
= «.,,.(j^)
Zur Theorie der aus den vierten. Einheitswurzeln gebildeten complexen Zahlen. 175
wo «!,.(.'') die Anzahl derjenigen Divisoren von x ist, welche (7/-)te Potenzen sind und deren complementärer
Divisor durch keine crt« Potenz theilbar ist.
Es ist mm:
■^=(0-) -5= (\' »)-"=(")
=Z'(ife)(i;>^(v'ii:
V
Man iiat also:
_ 7i!:{r'j)L,, _
wo:
ist, aus welcher Gleichung folgt:
'?:•' \r.^ log« 1 ) r ,log«
(a = 2).
Aus den eben entwickelten Formeln ergehen sich die Gleichungen:
69) hm„ = ^ = -^^(7^
/ «2,-, c(a.')
,. .rr„i (271)^"+' ^„L.,..
' ^)) ll"l " = OO = ...po , ix;-/ Nr
-^ // Ibl ylr'j-ir\)C{p)L^
... ,. , .,■ tt. _ 2^T(2<7+l)C(r(2.+ l))L,,..^.,
'"^ 11'". = CO ;^^ - ;r'^'r,,C(27+l)
/ a2,-+l.23+lU")
''■' lim.=oo ^^ - 2-'*-'+"+-I\(^2;-4-l)(2(7+l)V2,?r2cr-f-l^
176 Leopold Gcgenha iier.
Man hat daher die arithmetischen Theoreme :
Jede ganze compiexe Zahl von der Korui a + hi hat im Mittel:
primäre Divisoren, welche (5/)te Potenzen sind niul deren complementärer Divisor durch iieine ^te Potenz
theilbar ist, nnd:
primäre Divisoren, welelie (c7;-~)te Potenzen sind und deren complementärer Divisor mindestens durch eine
<jte Potenz theilbar ist.
Jede ganze compiexe Zald von der Form a + hi hat im IMittel:
2T(2rrj-J.-l\C(G^L,
primäre Divisoren, welche {2or\'Q Potenzen sind und deren complementärer Divisor durch keine jte Potenz
theilbar ist, und :
{2Ky'-B,M,., j i_(
2r(2r7+n \ r(7)L,*
primäre Divisoren, welche (27/-)'*' Potenzen sind, und deren complementärer Divisor mindestens durch eine
ffte Potenz theilbar ist.
Jede ganze compiexe Zahl von der Form a + bi hat im Mittel:
(2;r)^-('-"r(2(7+l)J?„.L^,.,
r(2rG+l)B,L,,
primäre Divisoren, welche (2iry^ Potenzen sind und deren complementärer Divisor durch keine (2ff")te Potenz
tlieilbar ist, und:
(2rY^-J3„.L.,, ( 2r(:27+l) l
2l\2ar-\-l) l i^2,-T)-'/.*,L,,l
primäre Divisoren, welche (27;)te Potenzen sind und deren complementärer Divisor durch mindestens eine
(2c7)t'' Potenz theilbar ist.
Jede ganze compiexe Zahl von der Form a + bi besitzt im Mittel:
2-'+-r(2 7 + lK0-(27+n')L,,...+ i.
--+'z,,(:[2o+l)
primäre Divisoren, welche (;(27 4-1"))'° Potenzen sind und deren complementärer Divisor durch keine (2!7+l)te
Potenz theilbar ist, und:
^0-(2.4-l))L,..,.{l-^,,.^J,^^_^^j
primäre Divisoren, welche (/•(25 + l))tc Potenzen sind und deren complementärer Divisor mindestens durch
eine (2<74-l)te Potenz theilbar ist.
Jede ganze compiexe Zahl von der Form a + bi besitzl im Mittel:
■,2,,^a+<)r(^2g+l)r,2,.+.)|3.+n-,t((2r+n(27-:-l))
2='-(2'+'T((2r+lX2ff + l)>.,C(27+l)
Zur Tlieorie der a/is den vierten Einheitswurzeln t/efnldeten eoniplexen Zahlen. 177
primäre Divisoren, welche (2r+l')('27+l)te Potenzen sind und deren compleinentärer Divisor durch keine
(2j+l)f"5 Potenz theilbar ist und:
^'^'•+"'--+"T(2.+i„2.+ii-<C((2r + l)(27+l))( 2^-+'r(27+l) \
2(-'-+')^2'+')+'l\(^2r+ 1)1 27+1)) ( ;:-'+' r,,rt 25+ 1)1
primäre Divisoren, welche (2r+r)(27 + l)te Potenzen sind und deren complementärer Divisor mindestens
durch eine (25 + l)te Potenz theilbar ist.
Jede ganze complexe Zahl von der Form a + hi besitzt im Mittel:
60^2
primäre Divisoren, welche vierte Potenzen sind und deren complementärer Divisor durch kein Quadrat
theilbar ist.
Jede ganze complexe Zahl von der Form a + bi besitzt im Mittel:
6301.2
primäre Divisoren, welche sechste Potenzen sind und deren complementärer Divisor durch kein Quadrat
theilbar ist.
Jede ganze complexe Zahl von der Form a-hbi besitzt im Mittel:
6300 L^
primäre Divisoren, welche achte Potenzen sind und deren complementärer Divisor durch kein Quadrat
theilbar ist.
Jede ganze complexe Zahl von der Form u+bi besitzt im Mittel:
623701,2
primäre Divisoren, welche zehnte Potenzen sind und deren complementärer Divisor durch kein Quadrat
theilbar ist.
Jede ganze complexe Zahl von der Form a + bi besitzt im Mittel:
G91-"L,g
425675250 L^
primäre Divisoren, welclie zwölfte Potenzen sind und deren complemenfärer Divisor durch kein Quadrat
theilbar ist.
Setzt man ferner:
74) 2^K'^n,.(v/f) = a,.(.r)
so ist offenbar:
wenn:
x= Q.R'-
nnd R'' die grösste in x aufgehende ?-te Potenz ist.
Denkschriften der mathem.-naturw. Gl. L. Bd.
178 Leopold Gcf/enbdKci:
Es ist also:
ar{x) = 0
weun X clurch eine auclere, als eine erste, rte oder (r+l)tc Potenz einer Primzahl tlieilbar ist, und:
a,.(x) = (-1)-
in allen anderen Fällen, wenn t die Anzahl jener Primzahlen ist, welche in x in der ersten oder /-ten Potenz
auftreten.
Aus der Relation 74) folgt :
Z-i N(x)''Z-j N(xY'~^ N{x)^
und daher ist:
-^ ^ N(xy " C(s)t(rs)L,L,,
y y.{x) _ V Prix) Y 1
^ mx)"~^ Nix)'' /-> N(xy
j.- = (oo) ^ ■' x = (oo) ^ ^ ^- = (00) ^ ^
aus welcher Formel sich folgende Relationen ergeben:
76) J'ff,(ci)=0
wenn o; keine yte Potenz isl, und:
77) );a.(rf) = f^(V^^)
y „ ^^7^ _
d
wenn .r eine rte Potenz ist.
Man hat daher:
y?i/^
x = (00) ^ ^ .c, ;; = («) ^ -^^
also nach 75") und 76) :
78) Z^(iV^)''^^^=Z'^^^'>
^='"^ ^ = (;/„-)
Es ist ferner:
Zj A\uO^ Zj i\r(a;)» ■ ^ Wa;)--
x = (oo) ^ '^ x = (0O) ^ ^ x = (oo1
und daher:
79) y^(7,(rf;)=:f.(x).
Es ist auch:
Zur Theorie der aus den vierten Einheitswurzeln gebildeten conqjlexen Zahlen. 179
x=(0O) ^ ^ x=(0O) ^ ' ^ = (oo) ^ ^ x = (oo) ^ ^
Z-i N(xy
a:=(oo) "• ^ a: = (oo) ^ ^ x=(oO) ^ -^ a; = (00) ^ -^
a^(x)
und demnach:
^ mxV
x = (oo) ^
80) Z>v(4.)a.(Y/j) = a„.f:.)
81) _^X,(rf)a,.Q = ff,(a;).
Man hat weiteis:
Z = (CX3) ^ 2={00) I=(00 jr=(00) z = (00)
oder:
V jM:! V p-i^) _ V f:M y _
/ . T>r, ■. . • / . -KT, \,... / . -\T/ \„ ■ / . AT
1
/_! iVia;)" ■ ^ iV(x)="-» ^-J iY(x)" ' ^-' Nix)'
x = (00) ^ - x= (OO) ' ' X=(00) ^ ' x=(00) ^
V F-(x-) V /^^-(^) _ V gr(/) y 1
Z iV(a;)" "^ Nix)" ~ ^ NixY' ' •^ N(x)'
x=(0O) x= (OO) ■ ' i= (OO) ■ a:= (OO)
und daher:
wo:
ist, wenn:
und i?"' die grösste (try)!'- Potenz ist, welche in x ohne Eest enthalten ist.
Es ist daher:
wenn .c durch eine Potenz einer Primzahl tlieilbar ist, deren Exponent nach dem Modul ar einer von den Zahlen
0, 1, 2. . ., ff — 1 verschiedenen Zahl congruent oder grösser als 2nr — 1 ist, und:
y,,,(a;) = (—1)-'
in den übrigen Fällen, wenn r, die Aii/.ahl jener Primzahlen ist, welche in .r in der (a/i^cii Potenz yorkunnuen.
180 Leojjold Geycnhauer.
Es ist nun:
^=(v/n) * = (C''>t). -'' = (")
= 2^(^)&-(\/|
oder nach 83) :
Aus dieser Relation folgt:
oder:
i = (7l)
wo:
__^ y <^r(a;) /- y ^x^,.(^)
" " 4 Lj N(xY ^ Zj ^
ist, aus welcher Gleichung folgt:
,, I TzCMn" f^. . loa;» ^, 1 \ ,/<7\ ,- /- / «n
^ V«— 1/ ^"^ T
Es ist also:
85) lim ' = "" - "
^H = 00
4C(<7)(r(r<j)iv,L„
86)
« ^2(2r)='t'-+"-'K5,,L2,iv2,,
2j X',='-(,-^')
87) lim
,„) rf2m+i)
>/;:=00
« 4(2;r)=— 'J5,,C(ff)-Cai2,.,
2_^ X2.+i,2,.+i(a;)
88) lim„ = , —"'
' n = ( OO I
--■^'''+""-+'>-*r2„Tp.+.,(2r+i)-iC(2a+l)Ca2r + l)(2a+l))
Rclireibt man in der Gleichung 2.S) für /r. --r- — und summirt sodann bezüglich y über alle Zalilen des
Complexes (\/m), so erhält man:
Zur Thi-urie dir auH den vlertni K/nJicl/sirurzcln (jchüdeien complexen Zahlen. 181
z.^'(iv(^-)= 2 KäW?)''^-^"^
oder nach 611:
89)
_ V
/
£
= Z ; (i^))(Z^^(\/j)
a:=(jl) ^ '^ d,
welche Gleichung wegen der llolation 67) auch in folgender Form geschrieben werden kann:
90) 2 ^'(¥Sv")= Z«--^^)-
Schreibt man aber in der Gleichung 2ö) tür /•: er und für ii: , summirt sodann bezüglieli y über alle
Individuen des Complexes {\/n), so ergibt sich die Formel:
welche Relation nncli den obigen Eiilwicklungen in die folgende übergeht:
91) S^Ki4y-) = Z<-(^-)-
Für £7 = 1 verwandeln sich die Gleichungen 9U) und 91 ) in :
92) ^0^(^)=.^(.).
Diese Gleichung liefert folgendes Theorem :
Dividirl man die Zahl h durch die Normen aller dem Complexe in) augeliörigen ;ten Potenzen und
bestimmt für jeden Theilbereich des (!omplexes (/(), der irgend einem der so erhaltenen Quotienten entspricht,
182 Leopold (rcgenbauer.
die Anzahl der durch keine rte Potenz theilbaren Zahlen, so ist die Summe dieser Anzahlen gleich der Anzahl
der Individuen des Coniplexes ('«).
Aus der Gleichung 92 j folgt die Relation:
-.."=(x/„) •■' = i\/n)
oder :
= ('!)
welche Gleichung solort in die folgende übergeht:
93) ^ < , .(X) = V ri;. (") .', ,., ,(.r).
Es ist ferner;
oder:
oder schliesslich :
^^'(ife))(Z'^-('^'-)) = i
rf.
94) LHmy^^^')='-
Diese Gleichung liefert die Theoreme:
Dividiit man die Zahl )i durch die Normen jener Zahlen des Complexes (u), welche nur aus (/.■/■)ten und
(A-r+l)tcn Potenzen von Prinizalilen zusammengesetzt sind, und bestimmt für jeden Theilbereich des Complexes
(m), welcher irgend einem der so entstehenden Quotienten entspricht, die Anzahl der durch keine rfe Potenz
theilbaren Zahlen, so ist die .Summe derjenigen Anzahlen, welche einem aus einer geraden Anzahl von (/i:/-+l)teu
und einer beliebigen Anzahl von (A-/)t''» Potenzen von Primzalileii zusammengesetzten Divisor entsprecheu, um
1 grösser als die Summe der übrigen Anzahlen.
Dividirt man die Zahl n durch die Normen aller dem Complexe («) angehörigen Zahlen und bestimmt für
jeden Theilbereich des Complexes (y/), der einem auf diese Weise entstehenden Quotienten entspricht, die
Anzahl der durch kein Quadrat theilbaren Zahlen, so ist die Summe derjenigen Anzahlen, welche einem aus
einer geraden Anzahl von Primzahlen zusammengesetzten Divisor entsprechen, um 1 grösser als die Summe
der übrigen.
Schreibt mau in der Gleichung 65) für ;• : or und für ;/ : -- — :- , mnltipliclrt sodann mit /J.,(y) und
summirt bezüglich i/ über den ganzen Complex ( v «), so entsteht die Relation:
Z ^" {-w(^)^'-^''' = Z;f (j^'-^^^^(^^
= ZHMZ'*''-'>'<^ß
Zur Theorie der ai(>< den vicrtoi Einheifswnrzchi f/childefcn complexen Zahlen. 183
Nun ist aber:
Zj N{xy' ^ NixY" Zj N[.i-)'' l^ ^\.^■v'
1= (OO) ' x= (oo)
und daher:
_ y ^■^-'•''•)
..= (oo) ^ ^
Es ist also:
Für u rr 1 verwandelt sich diese Furniel iu:
97) y Q\^^ Vr{x)^%\{n\
Man hat daher den arithmetischen Satz :
Dividirt man die Zahl n durch die Normen aller durch keine /te Potenz theilbaren Zahlen des Com-
plexes («") und bestimmt für Jeden Theilbereieh von («,), der irgend einem der so erhaltenen Quotienten ent-
spricht, die Anzahl der in demselben befindlichen ;ten Potenzen, so ist die Summe dieser Anzahlen gleich der
Anzahl der Individuen des Complexes («).
Man hat ferner:
S^dfe)!! «"')■« (vi)}
Es ist aber:
x=(00) ^ ' .<:=(00) ^ ^ a.- = (00) ^ ■'
und daher:
98) Vx,.(./>),x(y/|-) = K4
Die letzte Gleichung verwandelt sich daher in die folgende :
■'o
Diese Gleicbung liefert den Satz:
Dividirt man die Zaid n, durch die Normen jener dem Complexe («") angehörigen rtc" Potenzen, welche
durch keine (2r)te Potenz theilbar sind, und bestimmt für jeden Theilbereicii von (»,), welcher irgend einem
der so entstehenden Quotienten entspricht, die Anzahl der in demselben befindliclien r'eo Potenzen, so über-
trifft die Summe derjenigen Anzahlen, welche einem Nenner entsprechen, dessen Basis aus einer geraden
Anzahl von verschiedenen Primzahlen zusaniniengesetzt ist, die Summe der übrigen um 1.
184 Leopold Gecjenhauer. Zur Theorie der aus den vierten Einheitswurzehi etc.
Icli will bei dieser Gelegenheit mittheilen , dass die nenn Gedächtnissverse des Codex von Chartres,
welche sich auf die von Eadnlph von Laon erwähnten, auf dem Abacus zwischen dem ersten und zweiten
Ruche der Geometrie des Boethius, bei Gerlandus von Besannen u. A. vorkommenden räthsclhaften zehn
Wörter „Igiu", „Andras", „Ormis" u. s.f. beziehen, (Chasles, Apergu historique, p. 473; Cantor, Geschichte
der Mathematik, p. 765) auch in dem mit der .Signatur Vat. Univ. 5327 versehenen Pergamentcodex der vaticani-
schen Bibliotiick mit geringen Modificationen enthalten sind — so findet sich z. B. daselbst das im Codex von
Chartres fehlende dritte Wort des ersten Verses „sibi". Im zuletzt erwähnten Codex kommt aber überdies
noch der im Codex von Chartres fehlende zehnte auf das Wort „Celentis" bezügliche Vers vor; derselbe lautet:
„Terque notat trinum celentis nomine rithmum."
An die zehn Gedächtnissverse schliesst sich der schon von Treutlein im zehnten Bande des Biilletino
Boncompagni veröffentlichte Abacus des Gerlandus Vesontinus („Nonnullis arbitrantibus etc.") an; der
genannte Codex enthält also ein in dem vom Fürsten Boncampagni publicirtcn Verzeichnisse der Hand-
schriften dieses Abacus nicht angeführtes Exemplar.
185
ÜBER DIE
AUFLUSUNG DES KEPLER'SCHEN PROBT.EMS.
VON
Pkok. TH. V. OPPOLZER,
WIKKI.irHFM MITOr.lFDF HER KAISKHUCIIEN AKA[>EMIE TIER WISSENSPHAFTEN.
V i> it r. E r. E i; T in u e ii s i t z ü n c am 7. M A I ISSS.
-Uas in der Rewegung der Himmelskörper so wichtige K e p 1 e r 'sehe Proljlem hat bereits zahlreiche Lösungen
erfahren; die diesbezügliche Literatur ist zu einem solchen Umfange angewachsen, dass es schwierig wird,
von einer Lösung zu behaupten, dieselbe sei völlig neu. Gleichwohl halte ich die in den folgenden Zeilen
gegebene Lösung für neu; ist sie bekannt, so ist sie jedenfalls einer unverdienten Vergessenheit anheim-
gefallen.
Die fjösung der transcendenteu Gleichung
j¥z= E — esin E
in Bezug auf E bildet den Ausgangspunkt der diesbezüglichen Untersuchungen. Man kann dieselbe leiclit in
die Form
„ , ,, e sin M c sin M
tg(^-iv/) = -^^_j^ -=x-.cosM n
überführen, in welchem Ausdrucke der Kürze halber l = -. r; rr- gesetzt wurde, a wird sicli in Bezug
auf die Excentricität nur um eine Grösse zweiter Ordnung von der Einheit unterscheiden; hat man nun eine
Tafel, die mit dem Argumente tg(£ — M) sofort den Werth von Ä ergibt, oder was mir bequemer erscheint,
mit dem Argumente logtg^i/" — M) den Werth logÄ, so wird sich der auf die Gleichung 1) gegründete Rech-
nungsmechauismus, wie folgt, gestalten:
Man entlehnt mit dem Argumente log e sin ili aus der unten folgenden Tafel einen Näherungswerth von
log X, berechnet mit Hilfe desselben nach der Formel 1) den Werth log ig{E — M), der jedoch von dein wahren
Werthe, weil X nicht völlig richtig angenommen wurde, etwas abweichen, aber demselben jedenfalls schon
nahe liegen wird. Mit dem so erhaltenen Nälierungswerthe von log tg(ß— 1/) nimmt man aus der unten iol-
geuden Tafel einen verbesserten Werth von logX und gelangt damit zu einem neuen Werthe von log tg(/i' — M),
der der Wahrheit näher liegen wird als der früher erhaltene; indem man die Rechnung diesen Vorschriften
gemäss so lange wiederholt, bis keine Änderung in den Zahlen selbst hervortritt, ist der wahre Werth von
DeükäcLi'ifleu tler m.illiem.-iuifui\v. tli. L. Bil. 24
18G Th. V. Oppolzer.
log \g(E—M) ermittelt, somit auch E bekauiit, da der Unterschied der excentrischen Anomalie von der vor-
gelegten mittleren Anomalie ermittelt ist. Zunächst wird man bemerken, dass Ä für positive wie fUr negative
Wertlie von (E--M) denselben Wertli erhält, ferner, dass das beschriebene Verfahren den Vortheil hat, dass
man innerhalb der Näherungen niemals von den trigonometrischen Tafeln Gebrauch zu machen genöthigt ist;
für kleine Excentricitäten wird das Verfahren sehr rasch convergiren, minder für grössere Werthe von e. Das
eben angegebene Verfahren liisst sich jedoch so abkürzen, dass auch für sehr bedeutende Excentricitäten eine
mehrfache Wiederholung der Näherungen umgangen werden kann. Es sei /„ der Werth, welcher einer Annä-
herung '/.u Grunde gelegt ist; man erhält also nach 1)
,„ ,, «sinM „,
in welchem Ausdrucke ,r die Abweichung des wahren Werthes von (E—iM) gegen den thatsächlich gefundenen
darstellt. Ist letztere als klein zu betrachten, so dass man mit Berücksichtigung der ersten Potenzen dieses
Fehlers eine hinreichende Annäherung erhält, so wird, wenn man der Kürze halber für {E — M) den Buch-
staben a einführt, aus der obigen Gleichung 2) folgen:
X e sin M tg a
..^^ i JL^l
'^^"^cos«* a ,, /.., — (' COS jV/ ) " sin « I
a— eCOSi¥ " ^ '
ttla —
sm <x
oder, mit Rücksicht auf 1):
sm a COS a . « , „^
\, — e COS M \ " sin a )
Nun ist aber, wenn man aus der unten folgenden Tafel mit dem Argumente logtg(i!; — M+.r) den Werth
von = — ,^ ' .. =- '-^-=^A, entlehnt, mit derselben Annäherung wie früher:
8m (E — M+x) sin(a+d^') '
l = U„— A,) + Ä. = /.o — ^+ -. 1- -1^-- {1— « cotg «} ,
0 \ u i, i 0 • siu a Sin a '
daher:
cc
— (\, — ^) + -. [1— a COtgaJ.
" sm a ^ ' sm a
Führt man diesen Werth in 3) ein und bestimmt hieraus x, so wird:
, ^ sin a cos «
1„ — e COS M .s
Setzt mau also abkürzend :
80 wird:
. cos a . . ^ .
1+ : rr(l— « cotga)
A„ — e cos M^
f=. cos a ( 1 — a cotg «),
« . . , ^ \, — e cos M ,,,
\ = ,iu7 = ^ -(A -^ü) — 7 — , ^)
A„ — e cos M
wodurch der für die nächste Wiederholung der Rechnung uothwendige Werth erhalten wird. Es ist klar, dass
die Formel 6j unverändert auch iür das logarithmische Incremeut gilt, also auch geschrieben werden kann:
/
l„ — e cos M „.
log ^2 =log X,— (log X,— log \) — 2
1+ . ^
\ — e cos M
über die Jiiflüsiing des Kepler' sehen Prohlems. 187
Entwickelt man/ nach Potenzen von a, so erhält mau leicht:
a'' cos a 1- 1 , 2 ,. 1 „ 2 „ 1
f='-^\^-^
■a-
3 I 15 315 1575 31185 (
Da a von der Ordnung der Excentricität ist, so ist/ eine Grösse zweiter Ordnung der Excentricität; daher
wird für den in 7) auftretenden Factor meist einfach genommen werden dlirfen:
/
X, — e cos M '
indem man den zugehörigen Nenner der Einheit gleich setzt. Die unten folgende Tafel gibt mit dem Argu-
mente log(d=tg(£' — M)) in den ersten Columnen den Werth log), z= log-: — =, — -rj-. Sie ist theilweise von
sin ( lii — M)
mir, theilweise von den Herren F. K. Ginzcl und Dr. Eduard Mahlcr zchnstellig berechnet worden, für die
kleineren Werthe von tg(E — M) nach der Form:
(1 , 19 , . 443 . „ 707;i
logX = Mod. {-tga^-_tg«^+ ^^tg.-- j^3^tg««+ . . .
für die grösseren Werthe, bei welchen die vorstehende Reihe keine ausreichende Convergenz abgab, nach
der Form:
log / = Mod. 1^ Ä^+ -47> ='•*+ TT^ ='•'+ irir. «'+ ^ '" '
(6 ■ ISO ■ 2S;35 " 37800 467775 \'
Die Tafel selbst ist auf 7 Stellen abgekürzt hier mitgetheilt; die letzten Stellen werden den ergriffenen
Massnahmen zufolge selten um eine halbe Kinheit fehlerhaft sein; um eine hinreichend bequeme Interpolation
zu ermöglichen, wurden die AVerthe von log/ dort, wo es nöthig war, für joden lOOOO. Theil des Argumentes
angesetzt. Neben jedem Werthe von log/ findet man den Logarithmus des Factors y, der bestimmt ist nacb :
^-tg«-^'
Die Zusammenstellung der für die Rechnung nöthigen Vorschriften ist somit folgende: Jlan berechnet
mittelst der gegebenen Werthe von M und c die Werthe :
log e sin M und log e cos 31.
Mit dem Argumente log e sin J/ nimmt man aus der Tafel den Näherungswerth log/,, und berechnet:
. „ ,r esiniW e sin 1/
X„ — e cos M N '
Darauf entlehnt man mit dem Argumente logtgi-B — 3/+.') aus der Tafel den Werth log/, und schreibt
hiebei den zugehörigen Werth von log </ heraus. Dann ist :
log \ = log/,— (log/,— logXj — ^L_. 9)
A
Meist wird man 1+ -^ der Einheit gleich setzen dürfen. Der AVerth \(iu log /^ wird als /„ in die Formel
A
8) eingesetzt und die Rechnung wieder durchgeführt und so lange wiederholt, bis in den Zahlen keine Ände-
rung mehr auftritt; eine mehrfache Wiederholung der Rechnung aber wird meist nicht nöthig sein, wie dies
die folgenden Beispiele zeigen.
Es sei:
M=z 332° 28' 54" 77, log e = 9-389 7262;
daher:
log sin.¥=:9„ 664 6693, log cos iV= 9 -947 8574, log e sin. l/=:9„054 3955, h.gßcos7V/= 9-337 5836.
•24 •
188
Th. V. Ojjpolzer.
Mit dem Argumente 9 0544 wird aus der Tafel der Wertli von log X,, gefunden und erhalten:
I. Versuch.
log ^ = 0-000 9224
log^ = 9-513
Subtr: =0-106 2941
2 log
ig{E—M+x) = 8-320
log i\r= 9-894 6283
log/ =7-833
log {ts{E—M+x)\ = 9„ 159 7672
log(/:i\h = 7-938
also: logÄ,^0- 001 4910
log D = 3 • 755
D = logX,— logÄ„= +5686
8 log \ = 49
Bei der Kleinheit der Excentricität genügte es völlig, von den oben angegebenen Vereinfachungen Gebrauch
zu maclicn, nämlich (1 +/) : N der Einheit gleich zu setzen-, es wird also:
log Ä^, = 0 • 001 4861 log iV^ = 9 - 895 3482
Subtr : = 0 - 106 1379 log tg{E—M) = 9„ 159 0473
Da der Werth von log X, der sich auf der Tafel zu dem eben gefundenen Werthe von logtg(/(,' — M) findet,
0- 001 4861 ist, also mit dem Anfangswerthe übereinstimmt, so erscheint somit die Kechnung der Versuche
beendet, und es hat in der That schon der erste Versuch den wahren Werth von log Ä,, ergeben.
Es findet sich also schliesslich E—M^—H° 12' 25" 27 und somit E = 224° 16' 29" 50.
Um das vorstehende Verfahren bei einem extremen Werthe für die Excentricität zu erläutern, will ich ein
Beispiel dem Faye 'sehen Cometen entlehnen. Es sei:
M= 34° 19' 36" 14, log e = 9- 744 2503,
daher:
log siniV/ = 9-751 2106, log cos JV/= 9 -916 8936, log e sin il/= 9-495 4609, log p cos il/= 9-661 1439.
Im ersten Versuche wurde log X„ mit dem Argumente log e sin M der Tafel entlehnt, und bei den Differen-
lialformeln die strengen Ausdrucke benutzt; um nicht zu viel Raum in Anspruch zu nehmen, ist die Rechnung
für die einzelnen Versuche neben einander gestellt.
Versuch I.
Versuch II.
Vei-such III.
log ^«
0^^6 6785
o"
-017 60.55
0^1 7 6954
Subtr. :
0-260 6651
0
251 8794
0-2518087
logA^
9-746 0134
<l
765 7261
9-765 8867
log tglA'— .!/+.»■)
9-749 4475
i)
• 729 7.348
9-729 5742
log X,
0-0191225
0
-017 7066
0-017 6955
D
+ 12 4440
+ 1011
+ 1.
logi/
9-390
9-401
logtg(^-Jl/+.r)
9 - 499
9-459
log/
8 - 889
8 • 860
\os (f:N)
9-143
9-094
log(l+/:iV)
0-057
0-051
logF
9-086
9-043
logX»
5-095
3-005
8 log /,
—15170
—112
Wie man sieht, hat der zweite Versuch den wahren Werth von log Ä„ ergeben, denn der Beginn des dritten
Versuches zeigt, dass der Werth log X^ mit log X, innerhalb der Unsicherheit einer siebenstelligen Rechnung
übereinstimmt; führt man nun mit dem Werthe log X„ = 0-017 6955 die Rechnung zu Ende, so eriiält man:
log Subtr. 0-2518086
log N 9 - 765 8869
log tg iE—M) 9 • 729 5740
E—M 28° 12' 49" 66
E 6-2 32 25-80.
über die Aii/Tösiukj dc)^ Kcplcr'ncfirii rroh/itns.
log
log
log
log
log
log
log
log
1
±tg
E—M
Diff. log</
±tg
,E-M)
1
E-M
Diff.
logr/
+tg
{E-M,
E-M
Diir.
log!/
±tg
E-M)
E^M Diff.
'og ;/
sin iß—M)
sin (E—M)
sinfA'— .l/)
sin [E—M)
\
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+ 2
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93
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+ 3
+ 3
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37Ö
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523
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228
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523
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279
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523
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32S
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523
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+ 1
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+ I
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9-523
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log
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26
202
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9-0865
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16
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66
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16
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67
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516
17
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516
516
67
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516
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516
516
516
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516
516
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9-516
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9-516
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515
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515
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515
515
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26
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515
515
9-1175
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515
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515
515
515
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515
515
515
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5>5
515
515
9-1035
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9-1135
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9-515
515
9-1185
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515
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9-515
515
5>5
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9-515
515
515
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+ 5
9-515
515
515
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O-OOI 2385
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+ 6
9-515
515
515
43
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515
515
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1850
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515
515
43
44
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515
515
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94
2402
2408
515
515
9-1045
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9-506
Denkschriften der mathem.-naturw. Gl. h. Bd.
28
218
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9-488
Deukachrifteu der lualhem.-uaturw. Cl. L. Bd.
29
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SO
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log
log
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log
log
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/408
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231
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log
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log
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log
±tg
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2Ö
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o-ooS 19S2
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9-452
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452
452
452
9-452
Denkschriften der mathem.-nuturw. Gl. L. Bd.
30
234
Th. V. Oppolzer.
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^384
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. L. Bd.
31
242
Th. V. Oppolzer.
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Ol
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376
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II
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+ 81
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+ Si
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2IIO
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9-373
über 'lie Aiiflösniic/ des Kepler^ sehen Problems.
243
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sin (E-M)
sin {E—M)
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Ol
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Ol
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4028
366
366
58
59
8186
8271
363
363
9-7810
II
0-021 5812
5893
+ 81
+ 82
9-372
372.
9-7860
61
0-021 9931
022 0014
+ 83
+ 83
+ 83
+ 8t
9-369
369
9-7910
II
0-022 41 12
4197
+ 85
+ 84
+ 84
+ 85
+ 84
9-366
366
9-7960
61
0-022 8357
8442
+ 85
+ 86
+ 85
+ 86
+ 85
9-363
363
12
«3
5975
6057
+ 82
+ 82
372
372
62
^3
0097
0180
3''9
369
12
13
4281
4365
366
366
62
63
8528
8613
363
363
14
''139
+ 82
372
64
0263
+ 83
3Ö9
14
4450
366
64
8699
363
9-7815
0-021 622:
+ 82
9-372
9-7865
0-022 0346
+ 83
+ 84
+ 8-!
9-369
9-7915
0-022 4534
+ 84
+ 85
+ 84
+ 85
+ 84
9-366
9-7965
0-022 8784
+ 86
+ 86
+ 85
+ 86
+ 86
9-363
16
'7
6303
6384
+ 81
+ 82
+ 82
372
372
66
67
0429
0513
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369
16
17
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366
366
66
67
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362
362
18
6466
372
68
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+ 83
+ 83
369
18
4787
36Ö
68
9041
362
«9
Ü548
+ 82
372
69
0679
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19
4872
365
69
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362
9 7820
0-021 6630
+ 82
9-371
9-7870
0-022 0762
+ 83
+ 84
+ 83
+ 83
+ 84
9-368
9-7920
0-022 4956
+ 85
+ 84
+ 85
+ 84
+ 85
9-365
9-7970
0-022 9213
+ 86
+ 85
+ 86
+ 86
+ 86
9-362
21
22
23
24
6712
6795
6877
6959
+ 83
+ 82
+ 82
+ 82
371
371
371
37'
71
72
73
74
0S45
0929
IOI2
1095
368
368
368
308
21
22
23
24
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5'25
5210
5294
365
365
365
365
71
72
73
74
9299
9384
9470
9556
362
362
362
362
9-7825
0-021 7041
+ 82
9-371
9-7875
0-022 II79
+ 83
+ 84
9-368
9-7925
0-022 5379
+ 85
+ 84
+ 85
+ 85
+ 85
9-365
9-7975
0-022 9642
+ 86
+ 86
9-362
26
7123
+ 82
371
7ü
1262
368
2Ö
54Ü4
365
76
9728
362
27
28
7205
7287
+ 82
+ 83
371
371
77
78
I34Ö
1429
+ 83
+ 84
36S
368
27
28
5548
5633
365
365
77
78
9814
9900
+ 86
+ 86
302
362
29
7370
+ 82
371
79
1513
+ 83
368
29
5718
3"5
79
9986
+ 86
362
9 '7830
0-02I 7452
+ 82
9-371
9-7SS0
0-022 1596
+ 84
+ 83
9-3Ö8
9-7930
0-022 5803
+ 84
+ 85
+ 85
+ 85
+ 85
9-365
9-7980
0-023 0072
+ 86
+ 86
9-362
3'
7534
+ 82
371
81
16S0
368
3'
5887
365
81
0158
362
32
33
34
7616
7699
7781
+ 83
+ 82
+ 82
371
371
371
82
83
84
■763
1S47
1930
+ 84
+ 83
+ 84
368
308
36S
32
33
34
5972
6057
ÖI42
365
365
365
82
83
84
0244
0330
041 6
+ 86
+ 86
+ 86
36t
361
361
9-7835
0-021 7863
+ 85
9-371
9-7885
0022 2014
+ 84
+ 83
+ 84
+ 84
+ 83
9-368
9-7935
0-022 6227
+ 85
+ 84
+ 85
+ 85
+ 85
9-364
9-7985
0-023 0502
+ 86
+ 86
+ 87
+ 86
+ 86
9-361
36
7946
1 °j
+ 82
371
80
2098
368
36
6312
364
86
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361
37
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+ 83
+ 82
371
87
2181
367
37
6396
364
87
0674
361
38
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88
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364
88
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361
39
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+ 83
370
89
2349
367
39
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364
89
0847
361
9-7840
0021 827(1
+ 82
9-370
9-7890
0-022 2432
+ 84
+ 84
+ 84
+ 84
+ 83
9-367
9-7940
0'022 6Ö51
+ 85
+ 85
+ 86
+ 85
+ 85
9-364
9-7990
0-023 0933
+ 86
+ 87
+ 86
+ 86
+ 87
9-361
41
42
43
44
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8441
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+ 83
+ 82
+ 83
+ 83
370
370
370
370
91
92
93
94
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2768
367
367
367
367
4«
42
43
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6907
6992
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364
91
92
93
94
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1106
1192
1278
361
361
361
361
9-7845
0-021 8689
+ 82
9-370
9-7895
0022 2851
+ 84
+ 84
+ 84
+ 84
+ 84
9367
9-7945
0-022 7077
+ 85
+ 85
+ 85
+ 85
+ 86
9-3t>4
9-7995
0-023 1365
+ 86
+ 87
+ 86
+ 87
+ 86
9-361
40
47
48
8771
8854
8937
+ 83
+ 83
-V- R^
370
370
370
96
97
98
2935
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3103
367
367
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46
47
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7247
7332
364
364
364
96
97
98
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■538
1624
361
360
360
49
9019
+ 83
370
99
3187
367
49
7417
364
99
1711
360
9-7850
0021 9102
9-370
9-7900
0-022 3271
9-367
9-7950
0-022 7503
9-363
9 • 8000
0-023 1797
9-360
31
Zweite Abtheilung.
Abhandlungen von Nicht -Mitgliedern der Akademie.
Mit 1 Karte, l'i Tafeln, 52 Uolzschnitten und 1 Tabelle.
DTE BOTAMSCHEN EIlGEBNISSE
DER
POLAK'SCHEN EXPEDITION NACH PEPiSlEN
IM JAHRE 1882.
PLANTAE COLLECTAE A D^'^- J. E. POLAK ET TH. PICHLER.
VON
D" OTTO STAPF.
L THEIL.
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 13. NOVEMBER 1884.
Fungi.
Auctore R. de Wettstein.
USTILAGINEAE.
1. Ustilayo Ornit/iOfJdU Schmidt fl Kunze Dcutschl. .Scliwämiuo p. -217. (IstTj sub Vredhie. — Winter Pilze
in Kabcnh. Kiypt. Fl. Ed. 2. I. p. 86. (Is.si i.
Syn.: Cucoma Oniitkof/ali Schlecht. Fl. Berol. 11. p. IJ5. (18-21.) — Vstilni/o umhn'iia Schröter Brand- und Rost-
pilze Schles. in Abh. d. schles. Ges. f. vat. Cult. I.s69., S. A. p.3. (sec.Wint. I. c.). — (f. hcterospora Niessl in Beitr.
/.. Kenntn. d. Pilze in Verh. nat. Ver. Üriinn X. (,ls72i., S. A. p. s. t. III. f. 4.
In tbliis vivis Tulipae Kerneri Stapf in hortis in urbe Kaswin translatae ex Alainut. (1. V.)
In foliis vivis Gageae reticulatae Fall, prope Baku. (11. IV.)
Uroniifra Ornitho<jali wiii-(lc bisher hlos auf Oniitlioij<tli(iii- und (raijca-Avtcn betibaehtct. -Viif Tii/ipa zeigen
die Sporen dieselben mannigfaltigen Formen. Sie sind rundlicb, polygonal, eiförmig bis länglich, häutig an
ciucm oder Ijciden Enden in eine kurze, stumpfe, hyaline Spitze aufgezogen.
UREDINEAE.
2. Ut'0}nyt:es cai-yophilUilltS Schränk Haierschc Fl. II. p.668. (1780) snh Li/copcnliiie. — Winter l'iizc in Rabenh.
Krypt. Fl. Ed. 2. I. p. UP. (188-2).
Syn.: Urcdo Dianthi Pers. Syn. mcth. fuu.i^. I. p. aii. (1801). — Ui-oiiujces Dimi/hi Nicssl Bcitr. z. Keuntn. d. Pilze in
Verh. naturf. Verein. Briinn X. (1872} , S. A. p. 1-2. tab. III. Fig. 9.
Fiingus teleutosporifer.
In foliis vivis Dianthi Lihanotis Labill. prope Jalpan. (15. VII.)
3. UfOinyces verruculosUS Schröter in .Jahresber. d. schles. Ges. f. vaterl. Cidtur. L. (l.s7-2) p. 140.
Syn.: Uredo Li/chiiith's Schrot. Vcrz. d. 15nind- und Rostpilze Schles. p. 30.
Fungus teleutosporifer.
In foliis vivis Gypsophilue pulc/inie Stapf prope Jalpau (21. VI.}, prope Haydere. (1. VII.)
Dfiikschriften der mathem.-naturw. (;l. L. H»i. Ahhaudlungeu von Nichlmitgliii-iern. a
2 Otto Stapf.
4. JJrotnyceS Orohi l'ers. in Room. Neues Magaz. f. d. Hot. 1. p. 92. (1794; sub ^(.'«VWo. — Winter Pilze iu Rabenli.
Kiypt. Fi. Ed. 2. I. p. l.-jS. (1S82).
Syn.: frerfo Fabae Pers. 1. c. p. 9;i. (179-t). — Cieonm Lnjnininiminiin Scliiecht. Fi. ßerol. II. \). 127. (1821). —
Fucciiiiafalkiis CoolvC iu Seeui. Joiirn. of bot. IV. (l.sC6j.
Fiingus teleiitospoiit'er.
In foliis vivis Yiciae calcaratae Dcsf. in ngris prope Baku. (11. IV.)
5. Fuccima lyavJiyderma Wettstein (spec. nov.).
Acervulis oblongis ftineis convexi.s epidermidem diis.solventibus pulveraeeis. TeleiUosporae (adluic .><olum
observatae) obovatae vel elliplicae, uiedio non constnctae, i)allide liiscae, mcuibrana valde incrassata, in paiti-
bus Omnibus crassitudiue aequali, circuiUi levitcr undulala. Pediccllus liyalinus teuuis.
Teleutosporae 0-037— O-o;?""» lon-ae, 0-027— OO.'SO""" latae, nicmbraua ()-(_)05— ü-()ü6"""ci-.
In foliis vivis Gaijeae Camaaicue Stapf, et G. lymiltae Sebni. in montibus ad Jelizabethpol. ((i. IV.)
Die .Sporenhänfcheu sind länglich, 1—4""" lang, braun, sehr ähnlich den von Vromi/ces Orj/iflmf/ali W »Wv.
gebildeten. Die Teleulosporen sind durch das sehr mächtige, liclitbrauue, schwachgewellte Exospor sehr aus
gezeichnet, in der Milte nicht eingeschnürt und ohne Sidtzchen.
6. Puccinia Persica Wcttstein (spec. nov.).
Acervulis niagnis convexis orbiculariinis fusco-atris pulveraeeis gregariis ^el solitariis saepe confluentibus.
Stylosporae subglobosae vel ovatae pallide fuscae cxosporio aspero plcniMKiue apice valde incrassato. Teleuto-
sporae ovatae vel obovato-clavatae fuscae apice rotundatae, niedio itaruni vel non constrictae, exosporio tenuis-
simc aspero, apice nonuunquani incrassato, a pedicello tenui hyalino luox dissolutae.
Stylosporae diametro 0-025""" vel 0 ■ 025""" longae et 0-020""" latae. Teleutosporae 0-035— 0 -040"""
longae, 0-021—0-030™™ latae.
In foliis vivis Centaureae carduifoniils D C. in montibus propc Jalpan. (20. VI..)
Die den Teleutosporen beigemengten üredosporen sind iiellbräunlich, zart aber reichlich bestachclt, an
der Spitze meist stark verdickt. Die Teleutosporen erscheinen glatt, blos bei Fräi)aratioa in Luft treten die
überaus zarten Verdickungen des Exospors hervor.
7. Puccinia Jurineae wettsteiu (spee. nov.).
Acervulis folicolis gregariis magnis orbicularilius convexis cauiieolis confluentibus latis, omnibus pulvera-
eeis fusco-atris initio epidermido tectis mox erumpentibus liberis. Teleutosporae (adhuc solum observatae)
obovatae, vel ovato oblongae apice rotundatae, uiedio parum vel non constrictae, exosporio fuseo glabro apice
incrassato, septo crasso fusco," pedicello longo tenui hyalino.
Teleutosporae 0-035—0-052, plerumque 0-045""" longae, 0-022— 0-027, pleruuique 0-024""" crass.,
pedicellns cca. 0-070— 0-080™"' longus. Acervuli folieoli diametro 0-5—1-5™"', caulicoli 4-20™™ longi.
In foliis et caulibus vivis Jurineae nincrocepltaJae DC. in locis siccis montis Elwend prope Hamadan.
(28. VII.)
Die Sporenhänfcheu stehen auf den Blättern auf ausgedehnten ausgebleichten Flecken, oft concentrisch
angeordnet. Die Teleutosporen zeigen ausser den normalen Formen nicht selten auch rundliche oder keulige
oder unregelmässige Gestalt. Sie lösen sich nur schwer von den zarten hyalinen Stielcheu ab.
8. Puccima Menthae Pcr.s. Syn. metii. fuug-. p. 2-27. (isoi).
Syn.: Uredo Lahiafanim DC. Fior. frang. VI. p. 72. (1815).
Fungus style- et teleutosporifer.
In foliis vivis Menitiae clüorophytlae Stapf in locis paludosis montis Ehvend prope Hamadan. (26. VI.)
9. Puccinia Vossii KOruickc in sched. — Wint. Pilze iu Kabouli. Kryptog. Ed. -2. I. p. 173. (1881).
Fungus teleutosporifer.
In foliis vivis StacJiijdis seiiferae Mey. var. <jl abrescentis iu locis paludosis moutium prope Jalpan. (20. VI.)
Die hot(ii)i sehen Erc/ehnisfte der Fol (ik'sciteii Expedition nnch Persien. 3
10. Puceinia ICpUoMi tetrmjOlli DC. Fl. fiMug. II. p, USS. (ists) vur. «. UredinU vagantis.
Syu.: Aecii/iiitii Epilohii D C. 1. c. p.28s. — Piicciiiiti jiii/oeridaiila Gruv. FloniKdin. p.432. (sec. Winter). — Kabcnli.
Fiiugi Euf. Nr. 248.5.
Fuugus teleutospoiifer.
In foliis vi vis Epilohii Nasirelmulü St;i|if in locis Immidis montis Elwend prope Hamadan. (26. ^'11.)
11. Puceinia riniplnellae Sti-auss inWetteiau.Aun. ir. p. 102. ilsio) suli Uredine. — Wiutev Pilze iu Riibculi.
Krypt. Fl. Ed. ■>. J. p. 212. (1882).
Syn.: Aecidüim litiiiü Lam. et Ü C. Syu. pl. (fall. p. :<l. (IsüCj, Fl. Fraui;,. VI. p. 90. (ISlöi. — l'iiccuiia CJiacrojihi/l/i
Purton Descr. Brit. pl. III. Nr. 1.553. (1x21). — P. Ileraclci Grev. Scott. Krypt. Fl. I. tab. .12. (1823) — Caeoimi
llmhellifi'rarum Schlecht. Fl. Tiernl. II. Krypt. p. 115. (1824).
Fiiugns teleutosporifer.
In follLs vivis Bunii eleganfis Fenzl in agris prope Gendjnanu' ad niontem Elwend. (8. VI.)
12. Aecfdinm Barharaeae Dr. Fl. tVai»;. II. p. m. (1815).
Syu.: Caeoma Cnwiferatmn Link. Sp(U'. pl. (Ed. I\^. Sp.pl. Liun.) '1'. VI. P. 1. p. 56. (1821). — A. Cnicifeninii»
Rabeuh. Krypt. Fl. Ed. I. I. p. r7. (1S41).
In l'oliis vivis Lepidü Chuleimiais Ledcb. prope 'rscbitscliian.
Das vorliegende Aecidium passt vollkommen auf die Beschreibnug-, die De Candolle (1. c.) gab, daher
nebme ieb keinen Anstand es mit dem Namen Aecidium Barbanirm' DC. zu belegen. Die Angabe Winters
(Kryptog. Fl. l. p. 267. 1882), dass die Sporen Iroeken feinwarzig seien, kann ich jedocli nicht bestätigen, da
dieselben glatt sind.
13. Phrrnftnidium PotentUlae Pcrs. Synops.meth.fmig. T. p.229. (isoi) »\\hl'i<cchik,. — Winter Pilze iu Rabeuh.
Krypt. Fl. Ed. 2. I. p. 229. (1882).
Fuugus teleutosporifer.
In Foliis vivis Fotentillae FAwciKlensis Boiss. in loeis paludosis miMilis Elwcud. (22. VII.)
14. Phraninidiuni suhcortieillin, Schränk in Hoppe bot. 'l'asdünb. p. 68. (1793) suh Li/cojierdine. — Winter
Pilze in U,-ibciih. Krypt. Fl. Ed. 2. I. p. 228. (1882).
Syn.: Accidimii Rosae Rnehling Dentscld. Fl. p. 517. (1794). — l/redo Himie Pers. Dispos. meth. I'uuj;-. iu Roem.
Neues Magaz. t. Bot. I. p. 93. (1794). — Vredn minhila a. Pers. Syu. meth. t'iiug. I. p. 210. (l.sül).
Fungus hymenifer.
In foliis et petiolis vivis Bosae Oriciitulis Dup. in rupibus montis Flwend prope Gen(ljn:ime. (lU. \I.)
IT). Coleosporiui» Ccmipantdae Pers. Synop.s. l'uug. I. 11. 217. (I8OI) sub Vredine. — L6v. in Auual. d. sc. uat.
III. Ser. 8. Bd. ji. 373. (1844.)
Syu.: C. Campiunilaceafiim Fries. Sinnma veg. Scaud. ]). 501. (Islß).
Fungus stylo- et teleutosporifer.
In foliis vivis Campanulac Iltjrcauiue m. pr. urbem Moschdisei ad marc Hyrcanium. (7. ML)
PERONOSPORE AE.
16. Cystopns candidus Pers. inOmeliu Sy.-ftema uat. Ed. XIH. H. 2 p. 1173. 1791) Mib Aecidio. — Lev. in Ann.
Sc. Nat.
Syn.: Ifredu cundida Pers. Syn. nu'th. I'nng. I. (i. 223. (l.sOI) p. parte. — Rabeuh. Krviit. Fl. Ed. 1. 1. p. 13. p. parte.
(1S44).
In foliis vivis Sisymbrii Fannonici Jacq. ad agrorum margines projie Hamadan.
In foliis vivis Ortliorhizae Peivicae Stapf in aridis ad Maelirau ad Hamadan.
17. CjJSfOims CUhicilfi Stranss in Wctt. aun. 11. 11. 80. (isio).
Syn.: Uredo Candida ß. Pers. Syu. uietli. t'iuig. I. p. 223. (1801). — Rabenh. Krypt. Fl. Ed. 1. [. p. 13. (l.stl) p. parte
In foliis vivis Scorzonerae sp. in loeis siccis ])rope Kaswin.
4 Otto Stapf.
PERISP'ORIACEAE.
]s. Erysiphs Cirhoracearmn DC. Fl fVaug. ll. 11.274. (isis).
Syn.: AhpJtHomorpha communis 7. depressa horrkhda W.-iUr. in Vei'li. d. Gescllscli. iiatiiil'. Fr. I'.erl. F ji. 31. (1819). —
E. horridula Leveill. in Ann. sc. nat. IIF Ser. T. XV. p. no.
In folüs vivis Eckü Ifalici L. in agro areuoso ad Hamadaii. (7. \ll.)
19. Mrysiphe Martii LOv. in Ann, sc. nat, IIFSer. T.XV. p. IGi;. p. parte. (sec.Winterj. — Wintor Pilze in Kabeuli,
Kryptg. Fl, Ed. 2. H. p. 31. (18.84).
Forma: AUiiiear um. — Fries .System. Mycol. III. p. 240. (1S,S2).
,Syn.: Alphitaniorpha communis s. Wallr. Flor, erypt. II. p. 758. (18.S3).
In ibliis et caiilibiis vivis Aisines liiieatae C. A. Mey. in nipibus cacumiuum iiiontis Elweud. {'22. YII.)
Die Peritbecien besitzen einfacb fädige Aubängsel oder dieselben feblen ganz. Die meist vievsporigen
Scbläuche sind zu 3 — 8, gewöbnlicb aber zu 4 in einem Peritbecium.
20. Efy.Kiphe JJeraclel DC. Syn. iil. in fl.ir. Call. dese. p. .57. (1806).
Syn.: E. Scandicis DC. Fl. fran?. VI. p. 107. (ISI5). — Enjsibe pycnopus Mart. Fl. Erl. p. 392. fisn). — AlpJiito-
niorpha communis ß. Wallr. in Verb. d. naturf. Fr. I. p. 31. (1819). — E. communis i. i'mhellifei-arum Fr. Systema
myc. III. (1822). — E. Martii E. Lev. in Ann. sc. nat. III. Ser. XV. p. ICS. — E. UmhetUferarum De Bary ßeiträge
z. Morph, nnd Pliys. d. Pilze Itl. p. 50.. — Winter in Rabenh. Kvyptog, Flor. Ed. 2. I. Pilze 2. p. 31. fl.884).
In foliis vivis Fulairiae h'it'i/ii Host ad agros circa Haydere jtvoiie Hamadan. (28. VII.)
Hepaticae.
Auetore C. Fehlner.
1. lAinulftria cruciata Linu6 Spec plant, ed. l. p. 1137. (17.i3) siib Murchuntia.
Syn.: L. indyaris Mich. Nov. gen. plant, p. 4. t. 4. (1729). — Lindenb. Hep. Eiir. p. 100. fl829). — Nees ab Es.
Naturg. d. cur. Leberm. IV. p. 17. (1838). — Gottsclie, Lindenb. et Nees Syn. Hep. p. 510. (isii).
Ad miiros veteres prope Enzeli (19. IV.).
Der Micbeli'scbe Name miiss, obwobl älter, dem Liinie' sehen gegenüber fallen gelassen worden, da
Mi e bell bei dieser Pflanze nur /.ntilUig einen binären Namen anwendet, sonst aber grössfeiitbeüs Phrasen
gebraucht, und man daher auf ihn eonsecjucnterweise nicht zurückgeben kann. Der älteste ])rincipiell binär
gebraucbte Name für diese Pflanze ist Manlianiia crui-Htfa Linne in Sp. \)\. 1. c. und nicht, wie viele citiren,
Hort. (Jlift"., wo allerdings dieses Lebermoos erwähnt wird (p. 477), aber mit der Phrase: „Marchautia calyce
comniuni quadripartito, laciniis tubiilosis."
Musci.
Auetore C. Fehlner.
1. Fimafhl 1nj<ll'OinetriC<( Linne Spec jibint. ed, 1. p. MIO. (1753) sab Mniu. — Hedw. Spee. Muse. II. p. 172.
(1801).
In muris et ad iinteos prope llescht (23. IV.); in tissuris bumidis rui)ium inontis Elwend (20. V.).
2. BryilUl argenteiltn Finne Spee. pl.-mt. ed. 1. p. 1120. (1753V
In muris ad Enzeli (19. IV.)
3. liryuiH Elwcmlicum 0. Fehlner (u. sp). — Conf. Verb. d. zool.-bot. Ges. Wien. XXXIII. p. 43.'i. (188.3).
Synoicum; deiise caespitosum, caespites ca. 2'"' alti, lutesceuti-virides, subsericei. Caulis subtiis tomen-
fosas, plus minus ramosus, valde deformis, beterogeneus, funiculo centrali distincto, in sectione trans\ersali
circnitu irregulari.
Folia caulina inferiora ovato4anceolata, apicem versus sensim longiora, elongato lanceolata, subimbricata,
comalia dense couferta; ramulina vix diversa, paululum longiora. Folii margo reflexus, limbatus; limbus
e4 — 5 seriebus celhilarum ceteris lamiuae ampliorum consistens. Areolatio iWn B 11/ i rirr hat i, sed cellulae
T)i(' hotitiihcheii Erf/('l))u'ssi: der J'olal-'sclieti ExpcdHion nach I'ersicu. 5
oninino paulo minores. Nervus validus, fu.scus, in cuspidom longiiisculum, saepissime edenticiilatuni exrnrrens,
lieferogenens, ducibus 4, comitilms manifeste instrnctns, celliilis ventralibns 2, ducihns majoribiis; dorsalibns*
lieterogeueis, intercalaribus mnltis, angustis^ inerassatis, epidermalibus !i — 12 angustis.
Folia pericbaetialia panlo lougiora, angustiora, laxiiis et tenuins texta, vix vaginantia.
Flores liermaphroditi, antberidiis ])au(is (4 — G), paraphysibus niimerosis instructi.
Pedicelhis 2 — 3"" altus, siceitate snperne sinistrorsum contortus, nitidus, colore rufo-bruuueo. Sporo-
gonium oblongo-pyriforme, clavatuni, horizontale vel inclinato-snlipendubini, viridi-fiiseespens, reguhire vei
leniter incurvum, collo subaequilongo v. dimidio fere breviori instructiini, siccuui sub ore coarctatum. Celhüae
cpiearpieae niagnae, margine capsubie polygonae v. snbrotundae, deorsum sensim majores et longiores, reetau-
gulae V. irregnlariter longiuscnlae, niembranis inerassatis. Opercnluni aiirantiaeuni, nitiduhini, mamillatum,
a])i('ulo brevi, aeuto.
Anuulus latus, revolnbilis, e triplici serio eellularum ponsistens. reristomii deutes externi distantes, angusti,
b)nge acuminati, rnfescentes, apice tVre byalino dense verru('ulos(). I'eristomii interni membrana basilaris
altiuscula, pvocessibus siceitate inter dcntes externos povrectis. C'iliae 2^3-natae verrueulosae, appeudi-
eulatae.
Appendicula basi ciliae longa, a))if'cm versus sensim minora vel nulla. Sporae majusculae ea. 0-025'""'
diametro, subdiapbanae, punctulatae, i)lerumque unicam guttam olei contiuentes.
In rupibus montis Elwend (4. VI.)
Eine unserem Br. c/rrJi<iliini naliesteliende neue Art, welfdic sieb jedoch ^on demselben in mehreren
wesentlichen Blerkmalen unterscheidet. Die Rasen haben einen auffallenden Heidenglanz; ebenso auch die
Seien. Der Centralstrang des Stengels ist wenig scharf abgegrenzt, und im Querschnitt von sehr unregeb
massiger nach einer Seite in die Länge gezogener Gestalt. Der Stengelumriss ist durch die bedeutend
entwickelten falschen Blattspuren selir unrcgelmässig und verzerrt, das Stengclparencliym meist sehwacli aus-
gebildet und an seiner Stelle sind vielfach die weit in das Innere hineinragenden dickwandigen Elemente der
Blattansätze. In der Gestillt der Bliitter findet sich zwischen ß. Elivendicnm und B. cirrhatum kaum ein
nennenswertlier Unterschied; im Allgemeinen sind die der letzteien Art etwas länger zugespitzt. Hingegen
sind die Blatfzellen des ersteren namentlich gegen die Spitze des Blattes zu kleiner als bei B. cirrhatum. Die
Blattspitzc ist bei B. Eiwendiciim fast ohne Spur von Ziiiiiien, vveblic man bei B. cirrhafuiii kaum je veimisst.
Der Blatfrand des letzteren wird überall als gesäumt (linibatus) angegeben; er ist dies jedoch nur insoferne
als liei gleicliem Qnerdurchmcsser die lAamlzellen länger als die übrigen Zellen der Blatttlä(die sind und
dadurch, sowie durch die Krümmung des Blattrandes in der Fläclienansicbt enger erscheinen. Im Querschnitt
des Blattes macht sich zwischen den Randzellen ur.d den zwischen Rand und Nerven gelegenen kein Unter-
schied bemerkbar. Charakteristisch erscheint dabei auch die Znrückkrümmung des Randes in einen weiten,
spiralig einkrümmenden Bogen, während bei Br. Elivendicum die Zellen des Blattrandes viel weiter als die
ül)rigen der Blattfläche sind und der Rand sich nicht in einem weiten Bogen znrückkrünnnt, sondern plötzlich
znriickgebogen, also nach einer Kante scharf umgeschlagen ist. — Im anatonjischcn Bau des Blattnerveu
konnte ich einen auffallenden Unterschied zwischen beiden Arten ni<'lit linden, doch zeigten sich auf den
meisten Schnitten von Br. Elwendicum die Epidermalzellen verhältnissmässig w eit, so dass sie sich sehr deutlich
von den stark verdickten Füllzellen abhoben.
Die Kapseln des Br. Elwendicum sind last stets gekrümmt nnd nähern sich in ihrer Gestalt mehr den-
jenigen von Br. intermedium. Die Zellen des Epicarps sind weiter nuten nnregelmässiger a's bei Br. cirrhcdinii
nnd ihre verticalen Seitenwände stark verdickt. Die Feristomzähne sind sihm.il nml stehen etwa um ihre
eigene Breite von einander ah. Die Cilien des inneren Peristoms tragen meist nur an ihrer Basis vollständig
ausgebildete Anhängsel, während an ihrer S|iitze entweder ülierhaupt keine /nr Ansl)ilduug kommen oder
frühzeitig abfallen.
4. Bryuni ScJileicIieri Sehwaegr. .Suppl. I. r. II. p. 113. t. 73. iisic).
Ad fontes in deelivibus montis Elwend supra Haydere. (29. VI.)
6 Otto Stapf.
5. Brachytheciuni rutabulnm i.iune Spec. plant, ed. i. p. 1124. (1753) sub ilypno.— Scliimp. Bryol. Eur. VI.
p. 11. t. IX., X. (1851 — 18.50). — ,1 11 r. imd Milde Beitr. >;. Moosfl. d. Oi-. in Vci'li. d. zool.-bot. Gesell.scli. in Wien. XX.
p. 600. (1870).
In silvis ad Pirebazar.
G Philonotis! caesjntosa ww^. Uaa. mh ikuin'iiiin.
Syu.: Pli. /o;(^(//(f/ V. cne.-ipitosti Sehiuip. Syn. ed. 2. p. 020. (ISCO). — J ii r. L.aidinioosfl. p. .^:i3. (1882).
Ad foiites iu niontc Elweud siipiM liaydere. (29. VI.)
7. Trirhofitonnun tophncemn p, lid. Mant Muse. p. 84. (I822).
Syu.: Didiiiiiodiiii toiilimrim Jiir. Laubuioosfl. p. 100. (1882).
Ad niiiros in urbe Rescht. (19. IV.)
S. liaiJmla llUffniculnffl iiihreh. .Spieil. Fl. Lips. p. 78. (1771) mh Bn/o. — Hedw. Descr. et adnndir. mnsc. iVond.
V. p. .59. (1781).
In iiuiris ad Enzeli (19. IV.).
Filices.
.\uctoi-e C. Fehlner.
1. Pteris Crctica Linnö Mant. p. 1.30. (17G7i.
In buniidis nmbrosisque silvaniin pvoviiieiae Mesaiideran. (14. IX.).
i). Pferis aqililhta IJune spec. plant, ed. I. 11. 107.-.. (1753).
In muris ad üesclit. (22. IV.)
3. Aspleniuiu Adiantuni nigritni i.iune spec. pl.mt. eil. 1. 11. losi. ii7;>3;.
Tu muri« ad Rescht. (22. IV.)
Coniferae.
1. CnprcssifS scmperrirens Linne Spec. plant, ed. 1. p. 1002. (1753).
Var. horizontalis Miller Dict. II. p. 716. (17S5) pro spec. — Endl. Syn. Conif. p. 56. (1847). — Parlat. in DC.
Prodr. XVI. p. II, p. 468. (1869).
In silvis ad Eudbar. (23. IV.)
Araccae.
1. Amin vireseens stapf fu. sp.).
Tuber. . . .Folia petiolo ad vel ultra iiiediuni longc vaginato laniiiui siibduplo b^ng'iore; laiiiina elongato-
hastato-sagittata, lobis posticis acutis, anguste triaugularibus, divergentihus, reversis, loln^ aiiticn subduplo bre-
viiiribus. Pedniu-nliis petiolo longior. Spatba tubo oblougoeylindrico, exfu.s viridi, ver.siis iiuivgineui nigricnnfe,
iiitiKs albido, lamina tubo 4 — öplo longiorc, elongalo iauceolatn, longe in apiceiu attenuata, extus viridi, ver.sus
niargineni purpurascente, intus pallide virescente vel livide suffusa. Spadix totus spathae Y^, aequans; inflores-
ccntia femiuea (luain inascula 2' .^plo longinr. paliiihi; genitalia rudimentaria inferiora 3— 4cyc]a, e globo
verrucoso longe tiliforuiia; genitalia rudimentaria superiora 2 — 3 cycla, e basi verrucosa, globosa, subulata;
ap]iendicis olavn, iiiferne subito incrassatM, longe cyliiidrico-clavata, luridc nigro-purpurea, basi pallidior.
Fol. pet. 21—23'"' lg.
„ lam. 13— U"" lg.; 5— G"" lt. (basi\
„ „ lob.post.7— S'-'-lg.; 2' 2— S^^lt.lbasi).
Pedune. 3r>— 45"" lg-.
iSpatli. tub. 4' /'" lg.
„ lam. 15—20™ lg.
Tnflor. fem. IG""" lg.
liifior. fem. dist. ab mase. 7"'"'.
„ mase. 5'/,,""" lg.
„ „ dist. a eycl. rud. gen. sup. 3'""'.
Cycl. gen. riul. sup. 4""" lg.
Stipes app. 7""" lg.
App. 8V2— 9V/"Mg.; fi'""er.
Die hokumcheii Enjehnlsse der Pol ak' sehen Expedition nach Persien. 7
luter Kuclnm et Riulbar (^2. IV.); cult. in liorto Viiidob. e tuberibus a Dr. Fohik e Persia bureali
missis (1883).
Von .1. nipirola Hoiss. diiick die lauge Blülheusclieide iiud eine dickere Keule, vou A. ddninmtiini CA.
Mey. durch den langen Blülhenschaft und anders g-eformte Blätter verschieden. Am nächsten steht ihm wohl
Ä. coHophaUoides Kotsch. in Schott l'rodr. \). M7., mit welchem es uocli weiter zu vergleichen sein wird.
Cypeniceae.
1. Cat-CM .Steuophijlla Wahleub. in Act. Hohn. 1S03. p. 11-2. — Schkulu- Kieilgr. II. |i. i;. t. (i. I". äi. (1806).
Syii.: C.jiitidJ'o'i(( Schk. Uiedgr. I. p. 26. fisoi)- — C. ißumcruta Host Or.-iin. I. \\. :!l. t. II. (1801).
In humidis ad Gendjname et Käbuterchan ( 19. V.l; in collibus ad Mäiiran. i IC». VI.)
2. Ccwex divisa lluds. Kl. Angl. p. :iis. /I76-2). — Si'hkiilu- lÜL-d-r. I. \i. Vi. f. H. Nr. ül. ijSOIi rt II. \). lu. t. Vv.
f. (31. I ISOC).
.Syu.: ('. sclioeiiukle.-i Thuill. Kuvir. l'ar. p. ISO. (an VII = 1799). — Host Ur.'im. I. p. :i5. t. 45. (ISülj. — C. oh.s-/)/-
ifdfu Bertol. Rar. Lig. pl. dec. 1. p. 2.5. (IsOSi.
lu humidis ad Tschitschiau (26. V.); ad paludes ad Haniadau. (2.'>. Vi.)
.3. Cavex tUvul.sa Good. in Trans, l.inn. y-no. II. p. lOo. — Host Graiu. 1. p. 12. t. .'>:.. n.sor,. — .Sclikulir Kiedgr.
I. p. 20. t. Dil. Nr. S9. (KSOI) et U. p. 11. Nr. 35. t. Ww. f. 89. (ISOG).
Öyn.: C. miirkuta var. •/. Trevir. inLudcb. Fl. l!o.<s. IV. p. 27(1. (1853).
In liumidis ad Beseht. (19. IV.)
4. ScifJKlS ItonunillS I.iuue .Spci'. plant, ed. 1. p. 19. (1753), Syst. ed. XIII. p. 99. (178-1). — Jaeq. Fl. Uistr. V. p.21.
t. 418. 1,1778).
Syn.: HoUniclio<iiiiiüßlifijrmi:i Reiehenb. Fl. e.\e. p. 76. (ISoO — Is32). leou. 11. Germ. VII. p. 44. t. CCCXVI. (IslGi.
In declivibus arenosis ad Gendjname, 2r)00"'' s. m. (21. V.); ad Zamanabad inter Jlalajir et Hainadan
(28. V.); in aiidi^ faucium supra Ilaydere. (29. VI.").
In den Spee. plant, ed. 1. p. 49. erscheint zuerst ein S.Roinanm, und zwar war damit die einköptige Form
gemeint, wie aus dem vorangestellten Citate Barr. rar. 1249. t. 2.55. f. 3. hervorgeht. In der cd. 2. p. 72. wird
als var. (3. eine mehrköpfige Form unterschieden unter Bezugnahme auf Pluk. Alm. 200. t. 40. f. 5. Ja e quin
beschrieb und bildete a. a. O. einen Scirpns als S. lliinianus L. ab und citirte dazu die angelüiirlen StelU'ii aus
Barrelier und Plukcnet, ohne Varietäten zu unterscheiden. In der 13. Ausgabe des .Syst. Nat. bezieht
sich nun Linne auf Jacfiuin 1. c, ebenfalls oline Vaiietälen aufzustellen. Darnach ist also ganz klar, welche
Pflanze Linnö unter dem iSr. ii'o)«(T;?(rs verstand. Dagegen scheint mir die Erklärung dos Sc. (iiisiralis Sysl.
ed. 13. p. 8.5. trotz der ausnahmsweise langen Diagnose sehr zweifelhaft, umsomehr als auch jede Angabe des
Vaterlandes desselben fehlt Sc. J!oiiititi/i.-< Sturm II. 3tt und Sc. Ilolosclioeuiiü Sturm I.e. scheinen beide
ebenfalls hieherzugehören, und zwar würde dann, wenn man sich auf Linne Spec. plant, ed. 2. bezieht,
ersterer die typische Form, letzterer die Varietät ß derselben darstellen. Auch Ilost's Sc. HoloscIioeiiUf; (Gram.
III. p. 42. t. 62.) wäre hieherzuziehen. Reichenbach hat offenbar in der Fl. cxcurs. und den Ic. fl.Germ. den
.Sc. Homamis des Linne getrennt, und zwar, wie aus seinen Cilaten her\orgeht, die typische Form der ed. 2.
zu Sc. Holoschoenus gezogen, die var. ,3 aber als Sc. Jilifonnis beschrieben.
Grramiiieae.
.viictoic Ed. Hackel.
1. Setaria VerUcillata l.inne Sl>ee. jdant. ed. 1. p. .S2. (17.53) sub f'aiilco. — Beaiiv. Agi'Ost. p. .'il. (IS12|.
Prope portum Moschdiser ad mare ("aspieiim (7. VII.)
2. Uri(inthU.S liaveimae Linne Spee. plant, ed. 2. p. 14S1. M763) snh AiN/ni/w/ui/e. — Beauv. Agrost. p. 14. (1812).
In declivibus aridis montis Eiburs propc Agh. (9. IX.)
8 Otto Stapf.
3. Phalaris minor Retz. Obsei-v. III. p. 8. (i783).
Ad viam versus Mandjil. (26. IV.)
Kleine Exemplare mit fast eiförmiger Rispe, der var. ß. rjmcilis Pari. Fl. It. I. p.70. (1848) sich uähenid.
4. Alopecurus ayrestis Linn6. Spec. plant, ed. 2. p. 89. (1762).
lu udis prope Rescht. (23. IV.)
5. Alopecurus arUHfUnaceus Poir. Dict. VIII. p. 766. (I.><ii6). — Boiss. FI. Or. V. p. 4S7. (1884).
Syn.: A. BiUhenims Weinm. Cat. Doip. 1810. p.lO. — Ledeb. Kl.Koss. IV. p.463. (18531. — A. iiigrii-aiis Hoiucm.
Hort. Hain. I. p. 68. 1 1813).
Ad viam inter Dauletabad et Tschitschian. i31. V.)
(). Aristida pluniOSU Liunc Spec. plant, cd. 2. p. 16üü. (1763).
lu alveo sicco salso inter Cbanabad et Robad Kerim. (3U. VIII. ). Es ist eigentlich A. plumosa var. Eirh-
waldiana Trin. Fund. Agrost. p. 165. (1820); diese imterscheidet sich aber kaum von der typischen Form.
7. Stipa barbata Desf. Fl. Atl. I. p. 97. tab. 27. (au VIII= isoo).
a) Var. Ssovitziniia Triii^ iu Hoheuack. Kiiuui, Talyscli. p. 13. 0838) pro spec. — S. barbafa Boiss. Fl. Or. V.
p. 503 (1884).
In montibus prope Hamadan. (4. VI.)
b) Var. seininuda Hackel (n. v.).
Aristae columna a basi ad medium usque glabra, scabra, a medio ad genu usque piimo laevissima, deinde
accrescendo pilosula.
In coUibns ad viam versus Dauletabad. (31. V.).
8. OryXOpsiS holciforiHi.s Mar.sch. aBicb. Fl. Tau r. C'auc. I. p. 54. (1808) sub Aijroslick.
Syn.: Milium holcifoniw Spreng. Syst. I. p. 251. (1825). — l'iiitathenim hokifoniie Boiss. Fl. Or. V. p. 508. (1884J.
In faucibus saxosis inter Hamadan et Haydere. (4. VI.)
9. Oryaopsls pubifloi'd Hackel (». sp.).
Perennis, dense caespitosa, innovationibus extravaginalibus basi nt cnlini squamis aphyllis, substramineis
cinctis. Vaginae teretes, stiictae, laeves v. scabernlae, internodiis bie\iores, summa a panicula spatio 10—20""
longo separata. Ligula oblouga, 2 — 4"'"" lg., glabra, apice erosula. Laminae e basi acquilata anguste lineares,
g—lö«^'" Ig.^ 1 — 3"™ lt., culmeae planae v. siccando couvolutae, oinnes acuminatae, rigidulae, glaucescentes,
utrinque marginibusque scabernlae, nervis subacquaiibiis paruiu prominulis percursae. Panicula oblonga,
10 — 15"" lg., stricta, rhaclii lacvi, ramis erecto-pafentibns binis, raro ternis, brevibus (longioribus 2-5— 4"" Ig.i,
rectis, cras.sinscule filiforniibus, scabris, ad medium usque rudibus, longioribus 3 — 4, brevioribus 1 — 2 spiculas
ferentibus. Spiculae pedicillalae, iiedicellis ramorum subtenninalibus spicula circiter duplo brevioribus, lancc-
olatae, acuminatae. 5 nerv iac, nervis extimis brevibus, interioribus in '/., superiore cum medio confluentibus,
medio dorso herbaceae, marginibus anguste flave.«ceuli-scariosae. Gluma fertilis 6 — 6-5™'" longa, liueari-lance-
olata, atro fn.^^ca, dorso foto pilis brevibus, adpressis, fnlvis dense obsita; arista (valde caduca) glumam fertilem
aeqnans, gracilis, scabra. Palea atro-lusca, acuta, integra, glumam fertilem aequans, dorso pubescens. Tiodiculae
ovatae, acutae, 1"™ lg. t^tamina 3, antlieris o-5""" lg., apice barbulatis. Stigmata late plumosa, alba. Cary-
o))sis ignota.
In locis saxosis montis Elwend, ad partes ad septeutrionem vergeutes aditus ad Tusirkan (27. VI.).
Wurde bereits früher von Kotschy in Süd-Persien gesammelt und iu den PI. Pers. austr. ed. Hoheuack.
1845 n. 413 als P/ptatlienim hoJdfonne ausgegeben. Onjzopsis holdfonnis unterscheidet sich aber von der
Pflanze des Elwend, wie folgt: Foliis praesertim innovatiouum e basi valde augustata linearibus, semper planis,
culraeis 4 — 10"'" it , paniculae ovatae, 15—20"" lg., subnutantis ramis solitariis v. binis (et tum aeqnilongis),
interioribus 73 paniculae aequantibus, tenuiter filiformibus, nutanlibus, extremo tantum apice spiculiferis, scaber-
rimis, spiculis 10""" lg., gluma superiore septemnervia, florifera ovali-oblonga, dihite brunnea, leviter puberula.
Onjzopsis caendesceiis dagegen unterscheidet sicli durch folgende Merkmale: Paniculae ovatae, basi breviter
Die botaniscJit» Krijebn'n^He der Polah'srlioi K.rjin/Ifioii nach Pernlen. '.'
c Vagina exsertac, vamis solitariis, patentibus, rainulosis, inferioiibus iiinltispiciilatis, onmilius tcmiiler filifonnilin.s
fiexiKisis. spif'iilis «valo-lauceolati.s, violaRf'Ciitil)us, glnma fiovifei-a vix 4'"'" lg., dvalidbloiiga, hnuinca, excepto
callo pilnsiild-gbiberiima nitens(iiie, antlieiis apico itU^ruinque glabris.
1(». Poli/pof/on Monapeliensis Desf. Fl. Atl. F. \^. ai. (i79,s).
lu locis buiiiidis prope. llamadan. (G. VII.)
n. l*oljl})0(lon maritinius Willd. in N. Sdn-ift. (1. (Jcscllscli, iialinl. I'r 111. p. U-J. (I.sdu.
In (U'flivibu.s arenosis inop»; .Jalpaii. (2(t. \\.\
12. CalmnatjrO.Stis laxa Host (iram. Austr. IV. p. 2.i. I. 4:i. risOO).
Forma panicula densiore.
.\(1 rivnlos prope Gendiname. (4. VII.)
13. THsetimt, GatuUnimiuin Boiss. Voy. Esp. p. ß.53. (isi.i), Kl. or. V. \\. r>:\-,. (i.s84).
In tectis ad Nedjefabad. (11. V.)
Die Pflanzen von Nedjel'abad stimmen vollständig mit Exemplaren ans der Scbweiz iiberein.
14. Trisitum maeroehaetum Boiss. Dlagu. Sei. 1. r. is. p. 4S. (issa), Fl. Or. V. p. .530. (issi).
Ad Käbuterchan cum Poa Persinn. (14. V.)
15. Arena havhttta Brot Fl. Lnsit. I. \\. 10s. (iso.i).
Syii.: A. liir.-iiila Roth Catal. l)ot. III. \>. 10. (ISOC).
Prope Rustemabad. (24. IV. )
IC). AflJirnntTieVUlli Kotschlli Boiss. Diagn. S.T. I. f. 7. p. 122. (184G), Fl. Ür. V. p. 550. (1884).
fn rupibtis supra Gendjnaiue (10. VI.) inter Haideri et Hamadan. (4. VI.)
17. Cynodon Dactylon Pers. Syn. I. p. s5. (isüö).
In bortis ad Hamadau. (\2. VII.)
IS. Tioissiei'a FtiniiliO Triu. in Act. Petropnl. lS:il. p. 93. snh l'n/iiicplioro.
Syn.: Jl. hroniuidi-x üoc.hat in StcinL Nonienol. I. p. 213. (IS4ü). — Boiss. Fl. Or. V. p. 560. (IS,S4).
In declivibns arenosis prope Zemanabad ('27. V.).; ad versnras agrorum prope Tsobitscbian. i27. V.l.
lO. Catahfosa aquntica Beauv. Agiost. p. 97. (i,si2).
In bumidis prope Jalpan. (21. V.)
20. MelicaClipani 0. restiftl Boiss. Fl. Or V. p. 101. (18S4); üi.agn. Ser. I. f. 7 p. 25 (lS4r,) pro speeic.
Forma ad var. n. patiiiosam aeeedens.
In rupibus inter Haider! et Hamadan (4. VI.) et supra (rendjuanie. (27. VI.)
21. Aeluropus repens Dcsf. Fl. Atl. I. \>. 79. (i79s) suU iktchjiitie.
Syu.: A.viVosm Trin: Fnnd. Agr. p. 138. (182(1). — A. Ulluni/is ß. n-jiciis Coss. Expl. Alg. II. p. 1.^5. — Boiss. Fl
Or. V. p. 594. (18841.
In alveo sicco tlumiuis salso inter Cbanabad et Robat-Kerim. (ISO. VIH.)
22. Dactylis ijloineratii Limu' Spcc ]ilant. cd. i. p. 71. (1753).
In bortis prope Hamadan (S. VI.); in arvis prope Tschitscbian (20. V.)
2'6. Sclerochloa dura Beauv. Agiost. p. 97. (1812).
In fossis bumidis prope Algird. (I. IV.)
24. Schi.smus faseiCUlatUS Bcanv. Agrost. j). 74. (I8I2) {mat-yhidliis \n l'.xpl. tal)iil.).
In collibus siccis inter Ru.stemaba(i et Uudliar. (2;». IV)
25. Poa hulhosa Linne Spec. plant, eil. 1. p. 70. (1753).
Forma vivipara.
Prope Kaswin (1. V.) et Rudbar. (24. IV.^
Denkschriften der malheni.-nalurw. VA. ],. H<\. Al'hainlluiigea von Nichhnilgliedeni. D
10 Otto Stapf.
2G. Poa ThnoleontiS Heldr. iuBoiss. Fl. ür. V. p. G(i7. (I8S4).
Specimina omnia ]iliis inimisve vivipara.
In aridis propc Jaljjaii ad viam versus moutem Elwend. (25. V.)
27. Poa Persica Trin. iu C. A. M'ey. Euum. j). 18. (I83i).
In jiigo versus Käbufcriiian-Kavaj;liaii (14. V.l; in arvis Papaveris prope/anian (20. V."); iu arenosis prope
Zeniauabad (27. V.); in declivibus areuosis prope Haideri. ((>. VI.)
Var. -y. alpina Boiss. Fl. Or. V. p. 610. (1884).
In liumidis ad fontes montis Elwend. (22. VII.)
28. Colpodium Oulhosiini Tiiu. in Mem. Ac. 8t. Petersb. II. S6r. I. p. 39.
Syu.: Catabrosa hiiini/i.i Trin. Fund. Agr. p. i:i6. (18-JO). — Boiss. Fl. Or. V. p. 578. (1884). — Cul^iiidiiim humile Gris.
in Ledeb. Fl. Ross. IV. p. 384. (1843).
Prope Rudbar (24. IV.); in siccis prope Jelizabethpol (Trauscauc). (5. IV.)
29. Glyceria plicata Fr. Nov. Maut. lll. p. i76. (i842).
In locis liumidis prope Jalpan. (2. VI.)
30. Festura orlna Liuue vav. sulcata Hack. Monogr. Fest. Eiir. p. 104. (188-2)
Subvar. aspert'ima (nov.).
Folia aculeolato-aspcrrinia; glnmae ouiiies flavo-virentes, glaberrimae, nitidulae.
In declivibus montis Elwend supra Geudjuame. (IU. VI.)
31. Bromus tomentcllus Boiss. Diagn. S6r. I. 1'. 7. p. l-_'6. (1846).
Inlev saxa vallis inter Haideri et Hamadan (4. VI.); in locis saxosis supra Geudjuame (10. VI.) et prope
Jalpan. (25. V.)
Forma ad B. varie(/atum Bieb. vergens, foliis brevissime puberulis in monte Elwend, 2600" s. m. (8. VI.)
32. Bromus tectorutn Linn6 Speo. plant, ed. 1. p. 77. (1753).
y.) (lenuimis.
In glareosis prope Patsebinar (27. IV.), Kaswin (LV.") et Käbutercliau (14. V.).
Forma macrior, spiculis birtiilis viobiscentibus in coUibus arenosis prope Enzeli ad mareCaspicum. ( 19. IV. )
jS) wnixanthus Hackel (n. var.i.
Syn.: Anisanlha Foiitica C. Koch, I.inu. XXI. p. 394. (1848) ex descr.
Gluma tertia sola fcrtilis, qnarta florem ma^^culum ferens, snpcrioies nnmerosae(9 — 12), vacuae, disticbae,
e reliquis parura exserlis, aristis omuibus subfastigiatis. Paniiula densa, saepe compacta; spieulae nunc giabrae,
nunc bis]>idulae. Culmi bumiles, vix semipedales.
Ad agrorum versuras prope Zemanabad. (27. V.)
33. Bromus Madriten ms Liuue Spec. plant, ed. -2. p. lU. il762).
Ad Jelizabethpol (Transcauc). (5. IV.)
34. Bromus nmcrostachys Desf. Fl. Atl. 1. p. 9g. (an VllI = isoo).
Var. t/riariMatus Hack, iu Flora LXII. p. 153. ss. (1879). — Boiss. Fl. Or. V. p. 05-2. (1884).
Syu.: B. Danthoniae Triu. in 0. A. Mey. Ind. Cauc. p. 24. (1831).
Prope Tscbitsebiau (26. V.); iu declivibus areuo.sis prope Zemauabad (27. V.); ad viam iuter Gussedje et
Naverau (17. VI.).
Forma breviseta, setis lateralibus brevissiiuis vel nuUis (cf. Hack. I.e.).
In declivibus montium prope Haideri. (6. VI.)
35. LoUum pereuite Linne Spec. plant, ed. I. p. 83. (1753).
Var. tenue Linue 1. c. pro specie.
In arvis subliumidis juope Geudjuame. (27. VI.)
Die bohmiachen Ergebnisse der rolalc' sehen Expedition nach Persien. 1 1
36. Lolium teinulentuni Linuu Spec. iilant. ed. i. p. 83. (1743).
Var. inacrochaeton A. Braun.
In arvis Hordeo consitis prope Hamadan. (17. VI.)
37. LeptlirUS FeysieUS Boiss. Diagu. Scr. I. f. I.J. p. 71. (1853), Fl. Or. V. p. 685. (1884).
In arvis incultis inter Tschitschian et Dauletabad ranis. [?>\. V.)
38. Lcpturus Pannonieus Kuntli Eüum. I. |i. 4G-.>. (i83:i), Revis. Gi-am, I. p. ir.i. (1835).
Ad vianuii uiargiiies pi'ope Jalpau. (21. VI.)
39. Af/rop!/ritlli longearistatlim Boiss. Diagn. Scr. I. f. 7. p. 1-27. (I846) sul. lirm-lu/po,/;,) , Fl. Ür. V. p. 660.
(ISSl).
In rupestribus nioiitis Elwend ad partes ad scptentrionos vergentes aditus ad Tusirkan. (27. VI.)
40. Af/t'ojjf/iuni infermedium iiost Gi-am. III. p. 23. (iso.j) et 11, p. is. t. 22. (IS02) sub TriHco. — Beau v. Agrost.
p. 101. (1812).
Ad margines arvdnini innnlaiKinun \)\-i)])e Haidori (15. VI.); cum varietafe sequeute in arvis propc Tsclii-
tscliian (26. \.\.
Var. riUosinn.
Syn.: A. Sm-iiiiiuiiii Do Not. Pro.sp. Fl. Lig. p. ')7. (IS46).
In arvis prope Tschitscliian. (26. V.)
41. Ayropyrinn sqnarrosum Roth N. Beitr. L i). 12s. (1S02) sub Tiitkv. — Liuk Hort. Bor. I. p. 62. (1S21).
Var. Kofschi/aiitiin Boiss. Diagu. S6r. I. t'. l.i. p. (ig. (I85:'.) pfo spei'ie Tritiri, Fl. Ör. V. p. i;6S. (1884) ])n) forma .4.
Prope Käbuterchan [14. V.); prope Hamadan i21. V. 1; prope Tschitschiau. (2'J. V.)
42. Affropi/riiiii loiKjiylnine Haokel (u. sp.). (Scct, Rtwojj;//7(w)
Annuum, liumile, caespitosuin; eulud 6 — 10"'" alti, geniculato-adscendentes, teretiusc'ili, triuodi, inferne
g'labri, iufra spiculam puberuli, ex toto vaginati vel superue brevissime nudi. Folioriim vaginae compressae, sub-
carinatae, superiores in medio plus luinusve iuflatae, glabrae, laeviuseulae. Ligula brevis ( 1"™)^ truncata, mem-
brauacea, glabra. Larainae c basi aeijnilata lineares, acuminatae, planae, flaceidae, sub anthesi saepe submar-
eescentes, utrimpu-, pracsertim in pagina superiure prominule nervosa, minuta iiirtulae, nervo medio reliquis vix
crassiore. Spica ovalis vel ovali-oblonga (2-5 — 3-5"" lg., 1-5 — 2™ lt.), basi saepiiis vaginata, densi.ssima, com-
pressa, fragilis, liirsuta, viridis demuin straniinea; rliaclieos articuli lineares, graeiles, vix 1""° lg., glaberrimi.
Spieulae diiae imae neutrae ad glumas steriles parvas redactae, reliquae evohitae densissirae imbricatae,
] •6 — 2°'" lg., dense quadritiorae, flore suinmo tabescente, rliaebilla glabra, scabra. Gluniae steriles e basi angu-
stata, curvato-patente, subulato-lanceolatae, fertiles cunctas superantes erecto-patiilae, lierbaceae, inaequilaterae,
secus carinam cartilagineam scaberrimam complieatae, uninerviae, parte interiore (angustiore) glabrae, exteriore
datiere ) e tuberculis setoso-birtae, in aristam spinulosam b — 6""" lg. sen.sim abeuntes; glumae fertiles a rhaclii
commuui magis patenies quam steriles, onmino lierbaceae, seusim decrescentes (aristis hinc fastigiatisi, sterilibns
breviores, caeterum eis simillimae nisi sublatiores (anguste lanceolatae), aequilaterae, trinerviae, cariua band
cartilagineo incrassata, toto dorso e tubercnlis translucidis liirlae, in aristam eis duplo breviorem sensini con-
tractae, basi callo subobliquo pubescente munitae. Palea glumam fertileni (arista dempta) aequans, lanceolala,
nuicronato-bifida , carinis remote spinuloso-ciliatis. Lodiculae scmiovato-lanceolatae, acutissimae, ciliatae.
Ovarium obovatum, pilosum, stigmatibus terminalibus.
In locis siccis prope Schaneri in ditione urbis Hamadan. ( 10. V.l.
ICs stebt dem Agropi/rum urientale Roem. et .Scbult. .Syst. II. ]>. 7ö7. amnäcbsten, unterscheidet sieb aber
davon, wie folgt: i^piea breviore late ovata demum longiusculee vagina exserta, spiculis l"'" lg., glumis sterilibns
fertiles subaequantes vel eis brevioribus, uon solum cariua sed etiam nervo laterali (submarginali) cartilaginco-
incrassatis, fertilibus coriaceis late lanceolatis in acumen breve atteunatis,basi veutricosis, quiuqueuerviis, bya-
lino-niarginatis, palca obtnse Itidentula.
b ■=
12 Otto Stapf.
43. AeyilopS triailCiulis Liuue S|)er.. |il;uit. ed. 1. p. 1051. (1753).
Ad mai'gines arvorum inoiifanoruiii jiiope Haideri. (15. VI.)
Forma spiculis pubesceutibus propc Tschitschiau.
44. Aegilops Cl'ClSSd Boiss. Diagn. ,S6r. I. f. 7. p. 129. (l.Slü).
Vnr. ß. macrathera T.oiss. Kl. Or. V. p. 677. (l.ssi).
Syn.: Ae.platyatheni J;uib. ctSpacli III. Or. IV. t. 513. (1S5Ü).
Iii collibus inter T«cbitscbiau et Dauletabad. (31. V.)
45. Heterantheliuni pilifermii Höchst. iuKotsih. IM. Alepp. cxs. n. 130. — Boiss. Fl. ür. p. 672. (ISS4).
Syn.: Tritimm Olgae Regel Descr. i>l. nov. f. VIII. p. 4,s. |ln Act. hört. Petrop. VII. p. 588. (ISSI)J (ex (losi;r.).
In deelivibus arenosis monlis Elwcnd proim Haideri (li. VI.) et prope Zemauabad. (27. V.)
4l). Tloi'denill inurimiin Liimc Sptc. plaut. ed. I. p. .s5. (l7o3;.
Var. pseudoinurinum 'l'aiip. in Koch Syu. cd. II. |). 875. (18.15) pro spccie.
Ad fossas prope Zemanabad. (2i). V.)
47. llOl'deUltk Ci'iHittlin Scin-cl». Uram, p.l5. t.2l. t'.l. ()772) »nh l<:/i/iii,i. — üesf. FLAU. 1. p.ll.'.. ia\i VIll^l.soO).
lu dcclivibns areuü.sis inontis Elwcnd pi'opc Haideri, 2200"' s. m. (G. VI.)
Juiicaceae.
1. JutlCUS ai'ticillattlS Liuue Spcc. jilaiit. ed. I. p. 3-37. (1753) a. et ß. — De.sf. FI.Atl. 1. ji. 313. (au Vin=I800).
— DC. Fl. FrauQ. III. )). 16',). (1815).
Syn.: J. /aiiipucarpii.s Ehrh. Oalam. Nv. 1-26. — J. aqiiaticiis Roth Teut. II. p. prior p. 403. (1789). — ./. adsaindens
Host Gram. III. p. 58. t. 87. (180,5).
Ad paludes prope Hamadau. ^23. VI.)
2. JunCUS bufOibiUS Linn6 Spec. Illaut. ed. I. p. 328. (1753).
In bumidissimis ad Jalpau (^2t>. VI.); iu liumidis ad Hauiadaii. (G. VII.)
Liliaceae.
1. EremUl'US aalsoptei'US Kar. tKir. Bull, d Mosq. XV. p. 517. (1841) sab ILiminyia. — Kegel üescr. pl. uov.
'l'urk. in Act. hört. Petrop. II. p. 129. (1873); Fi. Tiirk. p. 127. (1870). - Boiss. Fl. Or. V. p. 32.5. (1882).
Ad salis Ibdinas prope Scbnrab in luonte Karagban. (11. V.)
2. ErentUI-US SteuophyllllS Boiss. et Buhsc Aut'z. Transk. Pers. Pfi. !>. 218. (1860) isnb Ainmo/inoiie.
Syn.: K aarantktciis Bak. in Jouru. Luiu. Soc. XV. p.285. (1877) et XVIIi. p. 102. (1881). — E. Bumjei ß. sIcHopliylhis
Boiss. FI. Or. V. p. 324. (IS84).
Ad pontem fluvio Lar inipositnm ad vadices niontis Deniawcnd. (4. VII.)
3. Pusi-llkinia SCilloides .\dams Nov. aut. Petr. XIX. p. I04. t. B. (1805). - M. v. Bieb. FI. Taur. (Jane. I. p.277.
(1,S0S). — Boiss. Fl. Or. V. p. 310. (1882).
Syn.: Ädamsia scilloides Willd. in Mag. uaturt'. Fr. II. Jahrg. p. 16. (1808).
Ad urbem Tiflis.
4. BellecalUa glauva Lindl. Bot. Reg. XIII. t. 10S5. (1827) sab Miimiri. — Kuuth Euuul. plant. IV. p. 309. (1843).
— Baker in Jouin. Linn. Soc. XI. p. 433. (1871),
Syn.: B. ciJiata ß. gUuca Boiss. Fl. Or. V. p. 302. (1884).
In montibus ad Kaswin (5. V.) ; in bortis in nrbe Kaswin (8. V.) ; in deelivibus apricis arenosis ad
Gendjname. {21. V.)
5. Miiscavi Clttsiauum Gris. Spidl. 11. 11.387. {\8H) auh BelleBalUa. — C.Koch iu Linn. XXII. p. 2.53. (1849).
Syn.: M. Cauamcim Bak. in Linn. Trans. XI. p. 4M. (1871). — Boiss. Fl. Or. V. p. 293. (1882).
In Grisebacb a. a. 0. beisst die Pflanze B. Glusiana und nicbt B. Caucasica! Der Irrtbiim wurde, wie
es scbeint, durcb Baker eingescbleppt, von dem er in Boissier 1. c. überging.
Die ho/aiÜ!ic//ni Fjiujebnisse (kr Folak'. sehen Expedition lutch reisicit. 13
6. 3IuSCaH raceinosiun Linu6 8licc. pliiut. etl. l. p. :u«. {17^>Ö) anb lli/acinlhu.
Ad Tiflis.
7. 3lnsv(frf IHlllens Marsch, a Bieb. Fl. Taiii-. C'iiuc. I. p. 28.5. (ISus) siili llijüdnlh,,. 1. c. III. p. -ir:;. (181;)). —
Fiscliei- Iiiil. pl. li. fiorenk. ]i. 9. (1SI2). — Ledeb. FI. Ross. IV. ]). l.").-.. (IS.OS). — Hoiss. Fl. Or. V. p. 2-29. (1882);
non .Reiclauili. Ic. pl r;ir. IV. |). 27. t. ■.V.M. (1826).
Ad Baku (12. IV..); ciill. in lioit. Viiid. c bulhis :i l)"- Polak inissis (1883).
8. Muscari uivale .stapf (n. sp.).
Bulbus mediociis, tunicis exteiiiis yriseo-biiinueis. Scaims tolia {lauKi .•^npeians vel aL(|ii;iiis. Fcilia 5 — 9,
lalcato-erecta, liiieari lingulala, canaliciilata, apicc .sacpius plaiiiusciila. IJac-emus 2U— 30 ilmus, jniiiid ovaliis
deusissiraus, demuni elougatu.s, (iblongo-cilindricus, laxin.scuhi«. Pedicclli .sub aiitlicsi lunizonlaU's, llm-c diniidii)
breviores, deinde paulo elongati, vetnirvati, bracteis miniinis, bilobis snffiilti. Flores sterilcjs phuc^, lnv.vitiM-podi-
cellati, caeriilci, povigonio obovalo-oblongo vcl obovato; fertib's ])rrigtiiiio alro-viulacco, (ibldiigo-globdso, urceu-
lald, upice leniter consstricto, lobis rotimdald-ovati.-i, vcl rotiuulato triaiigularibus, \ix recurvis, pallidis, cmarcidi,
brcjvitcr oblougo cyliiidrici. i'^lamina obscui'C bisoriata^ tnbo mcdio insci'ta. Cap.sula. . . .
Bulb. p/,^_2'/2'''" lg-; l'A— l'/V" t'T. [ Pcdic. ,sub anth. 2—3""" lg.
Scap. 11 — 14"" lg. (raccmo e\el.). I „ post. antli. 3—4""" lg.
Kac. antii. med. 1%— 2VV'"lg.; l\ ,^—V , .;'" li. j Corull. .sab autli. 4' .,—5 lg.; 2',.^— 3"""diani.max. lt.
Haud pnuMil a iuvibu.s supra Sepiijin, 1900"' s. m. (o. V."».
Unterscheidet sich von M. racemonum durch die .steiferen, breiteren Blätter und das weniger eingeseliiiiirte
Perigon, dessen Z.ähiic fast gerade vorgestreekt sind, vdii M. hoh-i/oiiles durch die Zahl der übrigens aucli
schmäleren und nicht so flachen Blätter und durch die Form und Farbe des Perigons.
9. AUmiii hirtifoUam üoi.ss. FI. Or. V. p. -jsi. (i884).
Syu.: A. afropurpnrcuni var. Iiiiiii/iiiii. Kci^. iMou. .VI!, p. -JIS, iu .Vct. hört. Fctr. Ili. p. II. (187.')).
In paludosis montis Elwend supra Geudjnam(^ (10. VI.)
10. AUiwn Derderidltllin Reg. Mon. All. p. 242.. in .\ct. bort. Tttr. III. p. II. (IS7..I.
.Syn.: A. hucmaiithoidcx var. lam-nihi/nm Boiss. Fl. Ol'. V. p. 27G. (1882).
In montibus inter Schurab et Aliwe (11, V.); iiiter Kaswin et Zersichk. (^5. V.).
11. Allhiui dilututn stapf (n. sp.).
Bulbus mediocris, ovatiis, (luiicis integris, internis albidis, externis pallide ciiieraseciitibus. Sca})iis interdiim
rubescens, foliis in situ spontaneo iion superatus, immo vero expansis. Folia 4 — 5, scnpum ad teitiam vel ferc
mediam partem vaginantia, fah-ato- ^el flexuoso-erecta, hiratu lanceolata sensiin in apicein atteimata, plana vel
subplana, glabra, raargine miinite ciliato-scabriuscula. l^nibella deiisa. 8])atlia [lediceilos lougiores uequans,
pallida et dilute virescens, bivahis, valvis ovafis aeutis, basi ad lertiaiu partem vel ultra coalitis, vel univalvis,
valva integra bilobave, basi vagiiiaiile. Pedicelli inaecjualcs, exteriores tlorc triplo et ultra longiores, interiores
sacpius eorum dimidium vix aequantes vel brevissimi, pr'mo omncs erecti, deinde saepc lumnulli rellexi. Flores
exteriores interioribus majores. Perigonium jiliyllis tribiis oblongo-lanceolatis, alternis paulo angustioribus, laiiceo-
latis, Omnibus aeutis, basi breviter coalitis albidis, vel dilute roseis, nervo rubescenti, superue obsoleto, post
anthesin basi vix induralis, rigidiuscule erectis, marginibus plus minus\e iuMilulis. Slamina filamentis perigouio
du|)lü vel subtriplo brevioribus, fribus e basi laliore lanceolatis, apiee abrupte euspidatis, alternis breviler liiica-
ribus, a])ice vix attenuatis. Ovai'iuni sub anthesi perigoiiii) 4 - 5]il(i iire\ius, slylo eo pauln li'iigi<ire. fililoiini.
Capsula. . . .
14 Otto Stapf.
Bulb. 1 V^ — 17/'" lg. ; 1"" er. | Tcdic. ext. 1 • 5—3™ lg.
Scap. 15—20"". Perig. phyll. 6 — 7""" lg.; 2— 2'/2™"' It.
Fol. (expansa) 15—25"^"' lg.; ext. 8—16""", int. Stam. fil. 4'""' lg.
3_gmm lt_ I gtyl_ 2""" lg.
In montibus iuter Kaswin et Zerschk. (5. V.)
Dem .1. Derderiamwi lieg, nahe verwandt, aber durch die Form der liiätter und nameiitlieh des l'erigons
verschieden.
12. AlUuni breviscapnm, stapf (u. sj).).
Humillimum, umbella fere S'olo adpressa foliis loratis 3 — 4 longissime superata.
Bulbus mcdiucris, tunicis externis atro-griseis, superne parce laeeris, internis albidis. Seapus brevis, parle
subterranea vaginatus, solo brevissime exsertus, teres glaber. Foliaa — 4 longo liueaii-lorata, undulato-fiexuosa,
inargine angustissime cartilagineo, paroc et brevissime papilloso-ciliata. Umbella densa, spatha meinbrauacea
all)ida, l)i\alvi, suft'uKa, \alvis ad quartam ])artem coalitis, ovatis, acutis. Pedicelli inaequales, flores dujdo siii>c-
rantes vel breviores nou nisi uuus alterve exteriorum spathaui aeipiautes. Perigonii jibylla linearia, acuta, basi
breviter coalita, albida, nervo rubello ]iercursa, omnia suliaequalia postanthesinbasi vix indurata, rigidinscule-
erecta, margiuibus plus minusve iuvolutis. Stamiuum HIamenta jicrigonio duplo vel triplo breviora, inferne fere
ad tertiam parteni connata, omnia subaequalia, e basi triangulär! subulatim atteuuata. Ovarium sub anthesi peri-
gonio multo brevius styluiii \ix aequans. Capsula. . . .
Bulb. 2',/"' lg.; 2^'" lt. Perig. phyll. 6-10""" lg.; 1 ',2-2™"' lt.
Scap. 5 - 6""' lg. (pai s superterr. 1 — 2'-™). Stam. fil. 2% - 3 '/j'"'" lg.
Fol. 10 - 15' '" lg. ; 5 - 10""" lt. Styl. 1 V2 - 3""" lg.
Ped. ext. 10— 14™" lg.; int. 5— 10""" lg. 1
In declivibus saxosis ad Gendjname. (19. V.)
Die Pflanze steht dem A. DcrdnidintDi Reg. und dem A. ilihiliiiii ni. sehr nahe, unterscheidet sich aber
\on l)eideu durch die fast den Ei'dboden berührende, von langen JMättern weit überragte Dolde. Ausserdem
sind die Perigouabschnitte deutlich anders zugeschnitten. Während sie hei ersterem über der Mitte, bei letzterem
unterhalb derselben am breitesten sind, sind sie bei A. hrechrapuDi bis kurz vor die scharfe Spitze gleichbreit.
Ausserdem sind sie untereinander silmmtlieh nahezu gleicli.
13. Scilla Hoheuackei'l Fisch, et Mey. iu Hohenack. Enuiii. ])i. 'l'alysch p. 2fi. (1838). - ('. Koch Lian. XXII.
p. 251. (1819). — Baker iu Journ. Liun. Soi;. XIH. p. 244. (lS73j.
Syn.: S. cenma var. pkirißora I-edeb. Fl. Kos.s. IV. \\. 157. (1853).
In silvis virgiueis ad Pirebazar. (Ul. IV.)
14. OrititlKMjalum monfaniim Cirillo in Ten. Prodi-. Fl. Neap. p. XXII. (isii)- — Ten. Fl.Nc.-ip. 1. p.iTO. t. ;;:!
(1811 — 1S15). ~ Keiclieub. Ic. Fl. Germ. X. t. 470. f. 1025. (1848). — Baker in Journ. Linn. Soc. XIII. p.2G4. (I87:i)-
In montibus versus septentriones vergentes ad Kaswin. (5. V.)
15. Oi'iiifhojaluni proceffini Stapf (n. sp.).
Proccruui, graciie, foliis 2—4 elongatis. ercctis, scapum (sine racenio) aeqantibus, racemo priino inverse
dcltoide(t,demume]onga(o, pedicellis imis longissimis, florihus pioportioiio parvis. Bulbus ovatu.s,pallide-luiiicatus,
mediocris. Folia bina vel tenia v. rarius (piaterna, elongato-lanceolaia, utrinque aequaliter atteuuata, acutn, scapi
basin breviter vel vix vaginantia, plana, glabra, tenulssime striata. Scapus tenuis. Itacemus pauci- vel pluritlorus
primo inverse delloideus, dcinde ovato oblongus, pedicellis imis valde elongatis, erecto-patentibus. Bracteae
linearis-lanceolatac, in apicem subidatuni productae, albo-membranaecae, paliide viridi-striafae, sub anlhesi jicdi-
cello aequantes vel dimidio breviores, deiude elongalae attamen eo dujdo breviores. Perigonium phyllis oblongo-
lauceolatis, obtusiusculis, exfernis jiaulo latioribus ac internis dorso viridivittatis, vilta margine albo duplo latiore
Filamenla e liasi lata, subnialim attenuata, perigonii dimidio ae(iuiionga. 0\arium media anthesi perigonio triplo
J)ic Ijotanlscluii Ergebnisse chf l'olal'schrn J'Jx/ied/iloii nach I
ersten.
15
l)reviiis, stylo filif'ovmi filamenta vix aeqiiaute. Capsula ellipsdidcd-obldiiga, valvis apifc \\\ emarginalis, media
leniter sulcata, sulco utroque ala angusta .stipato. Seinina nigra, nbtiise tiiangnlaii-dlildiiga.
Bulb. IV4— :-'"^ lg.; 7^— l'//'" or.
Scap. (sine vac.) 10 — 20"'" lg. (pleriiuupie If)'"').
Racem. 5—8'''" lg.; 3—6™ lt.
Fol. 10—20'"' lg.; 7-13""" lt.
Pedic. s. antli. med. 1 '/.i — S'/^"" lg.; deinde
i")- 6'-'".
Bract. 2— 275,'-'" lg.; deinde 3-3V,'"' lg.
Perig. phyll. 13-lG"-" lg.; 2-2'/;"'" lt.
Filam. !'>"'"' lg.
Ovar, t^ub antli. 2-3""" lg.
Styl, l'/j,— 2™"> lg.
Caps. S— 10""" lg.; 4—5"'"' lt.
In declivibut? montis Elwend !<U])ra (U'ndjname. (10. VI.)
Stellt gewis.sen Formen des 0. niontaniem Cir. nalie, besouiU'r^ aber dem (). Uinlii l'xiiss., welches
Bdi s sier übrigens in Fl. Or. V. p. 247. mit 0. inontatiutii vereinigt, unterscheidet sieh aber deutlich durch seine
schlanke und zarte Tracht, durch kleinere Zwieltel und schmälere Perigonblätter.
16. OruithoijaJnm refraftimi Wilhl. Enum. supiil. p. is. (i8i-2). - Kituib. in .Silmlt. öst. Fl. I. j.. .559. usu).
— Keii'heuli. Ic. pl. rar. II. p. 33. t. I4-.'. f. -JfiS. {18-24j. — Ledcb. Fl. Ro.ss. IV. p. i«0. (1S53). — Baker in .Touni.
Linn. .Soc. XIII. p. 267. (1873).
Ad Baku. (15. IV.)
17. Gmjea niininui Limie Sjiec. iil.-uit cd. I. p, ;i06. (17.0.!) .sub Ori,lll(o,fah>. ~ Koem. et Schult. .Syst. VII. p. 5.S0.
(1829). — Leileb. Fl. Kos-s. IV. p. 130. (Isä3). — Heg. Fl. Tiiik. p. l(i;i. (I87C).
In apricis paulo infra nives in laucibns Kaschan. (27. IV.)
18. Gdijea pusiUa Schmidt Fl.Boem. Cent. IV. p. 41. no. 339. i'1794) snb Oniilhoi/ali). — Ko(MU. et Schult. Syst. VII.
p. 543. (1829). — Letlcb. Fi. Koss. IV. p. 138. (18;>3i. — Rcichenb. le. Fl. Germ. X. t. 277. t. l(i44. (1848). — Reg. Fl.
Turk. p. 106. (1876).
Ad Jelizabethpol (Transcauc).
19. Gfujea Caucasica Stupf (n. np).
Bulbus solitaiius tunica albida in folium abeunte circumcirca invulntus, ima basi lateralitev caulem flori-
fernni inferne avete adpiessnm edens, unacuin eo tunicis membranaceis, cxsiccatis, laceris circumdatus. Caulis
tliiriferus superne tenuiter villosulus cireiter medio vel supra folium eden.s, pleriimque etiara ima basi folio fere
semper sterili rarissime in axillo bulbulum gereute obsitus in racemnm foliatum abenns. Folia inüraa liueari
filiformia, flaccida (extenta c.-inlem superantia), caulinum et Horalia anguste lineari4:ince(data, superne sensiui
diminuta, margine villoso-ciliata vel snperiora circumcirca villosula. Racemus pauciflorus, primo valde abbre-
viatus, saepe umbellam simulans, e centro detlorescens, demum plus minusve elongatns laxusque. pedicellis
villosulis vel glabrescentibus ac perigonii jdiylla longe accrescentibiis, habitu quasi irregulari iu.signis, iuferne
foliatus, pedicellis quoque inferis interdum foliolo praeditis. Perigonii phylla sub anthesi exteriora oblonga, apicem
versus vix bitiora, oljtnsiuscula vel acutiuscula, dorso viridi-flava, anguste tiavo-marginata, inferiora fere aequi-
longa, obtusiora, in basin magis attenuata, dorso. flava striis ternis viridibus percursa, post anthesin omnia valde
aueta, conniventia, demum arcte claudentia, exteriora iaete viridia, albo-nuirginata, interiora, praeter lineam iuter-
mediam viridem, albicantia, occulta. Antherae lineari-oblougae, tilamenlis duplo vel ultra breviores. Ovarium
s. a. oblongum, triquetrum, cum stylo dimidio longiore antheras aequans, paulo ])ost anthesin elongatum stylo
immutato eas superans.
Tot. plant, s. a. 5 — 7'"' alt.
Fol. intim. 8 — 12'"' lg.; '/«— l"""lt-
„ interm. 4 — 5'"' lg. ; 1 — 2""' lt.
Pedic. 8. a. 1 — l'/a"", dem. 4 — G'//'" lg.
Perl
15
&. phyll. s. a. 10—12""" lg.; 3 ',2""' lt.; dem.
-20"'"' h
Filam. 5— ö'/j lg'.
Ovar. s.a. 3 — 4'"™ lg. (stylo 4' .^—5'""' lg.).
Transcaucasia: In moutibus ad JelizabethiKd (6. IV.) et ad Baku (12. IV.) cum G. jnisilla Schmidt e*-
G. retkulata Pall.
16 ■ Otto s/(/pf:
Habituell erinuoit die Tflaiize besonders in kräftigeren Exemplaren an G. Bohemica nud G. saxati/is, in
seliwäcberen an G. pustUa; von den ersteren ist sie Jedocb, abgeseben von anderen Merkmalen, dnreli die ab-
weicbeude Innovationsweise verschieden, von G. [jimlht, mit welcber sie in dieser Hinsiebt vielmehr über-
einstimmt, diircli das fast ronstante Auitreten eines grund- und eines mittelständigeu Stengelblattes. Von
G. clilomiitha Scbult., die allenfalls udcb in ßetraclit kommen könnte, unterscbeidet sie sieb schon habituell
deutlich durch den niedrigen Wuchs, gedrungeneren Blütlienstand und grössere Blüthen. .Sehr charakteristisch
für die Pflanze ist aber das iingewölinlicb starke Auswachsen der lilüthenstiele nach der Antbese und die eben-
falls auffallende Vergrösserung der sich vollständig schliessendcn und grün werdenden Perigone. In Folge
davon bekommen in der Entwickeluiig schon weiter vorgeschritteue Blüthen ein von früheren Stadien ganz
abweichendes Aussehen.
20. Gflifea retiCUlata Pall. IJcis. d. Knss. IIl. p. 55:!. Anli. p. T-JT. t. D. f. •_>. (177-2 — 17t:3) sub (ln,itho<jiilo.— Schult.
Syst. VII. p. 54-2. (1829). — I.imIcIi. Fl. Ro.ss. IV. ji. I4-.'. (,IS.5:j). — lieg. Fl. Tiirlc, ji. 110. t. 19. f. 1.— 4. (187G).
Syn.: Oritilhuyoliiin arciiiiKitiini Liunfe Suppl. p. 199. (1781t — (1. eoniiiiiilu/ii, liipJn/lIa et siiniipiitnxa C. Kocli in
Liuu. XXII. p. 227. s.S. (1849) fide Reg. et Boiss.
In collibus inter Jelizabetbpol et Baku (Transcauc. ). (iS. IV.)
21. Gagen Oyw stapf (n. sj).).
Bulbus unicns, jiarvus, sjihaericus, sub tuuicis externis, nigrobruniieis, apice protractis et in laciniis fibril-
lisque dissolutis, caulis basiu vaginantibus, hulbillis minimis, iiuinerosis, dense et ovae instar aggregatis, obses-
sus. Caulis gracilis, glaber. F<dium radicale solitarium, lineare, flexuoso-erectum, infloreseentiain aequans vel
superans, caulina infera anguste lanceolato-linearia, supera linearia, superne sensim angustiora, breviora, in
bracteas abeuntia, margine pilis mollibns, albis plus iniiiusve ciliata. luflorescentia dichotome ramosa, irregula-
riter corymbosa, pedicellis tenuissimis. Perigoniuni glabruin phyllis externis auguste elliptico-oblongis, obtusis,
iuternis anguste obo^ato-oblongis, obtusis \el apiculo miiiimo ornatis, omuibus iutus pallide flavesccntibus,
dorso late viridi-vittatis, nonnnnquam versus apicem violascentibus. Stamina filamentis tiliformibus, anthera
oblonga. Ovarium obovato-oblongum, basi angustatum, stylo suiienie paulhilo incrassato. Capsula
Perig. phyll. G — 9"'™ lg.; circ. 2""" lt.
Stani. fil. 4—5""" lg. ; anth. 2""" lg.
Ovar. s. anth. 3""" lg.
«tyl. 4 lg.
Bnlb. Vg— 1"" alt.
Caul. c. infl. 10— 15'''" alt.
Fol. inf. 12—20'"' lg.; 1 — 1'/,"" lt.
„ cauliuf. 4'/,— 8'/2"""lg; 1-3""" lt.
Bract. sup. 3—5""" lg.; '/^""" lt.
Ad Schurab in niontibus Karagbau, 1900"' s. m. ( 1 1. et 12. ^'.); in bumidis ad Käbutercban (14. V.).
Aus der Gruppe der G. chlDnuithic, vor allem durch die zaldreichen, winzigen Bnlbillen ausgezeichnet.
22. Gagea Persira Boiss. Diagn. S6r. I. f. 7. p. los. (i84r,)-, Fl. Gr. V. p -210. (1882).
Syn.: G. ambli/oiietalci var. biilhifi-ra Boiss. in Kotscli. Exs.Pers. an.str.— Reg. FlTink. p. 1 12. t. 17. f.S.— 12. (187f>'i:
BiiWillarla (lai/euit/es Ziicc. Abh. Akad. Wiss. Bay. III. p. 2:i(). t. 2. f. 1 (1840).
In bumidis paulo infra nives supra Geudjname 2600'" s. m. (21. V.); in summo aditu ad Käbutercban in
montibus Karaghan, solo ealcareo. (14. V.)
23. Tulipa mOlltdlHl Liudl. Bot. lieg. t. lior,. — Reg. in Gartentl. XXII. p. 297. (187.5). — Baker in .Tonrn. Linn.
Sog. XIV. p. 279. (1875). — Boiss. Fl. Or. V. p. 192. (1882).
Syn.: T. chn/smilhii Boiss. in Kotscli. PI. I'er.s. bor. 1842 (spec. II. aur.). — Baker 1. c. — Boiss. Fl.ür. V. p. 19.1.
(lSS-2).
Spccimina floribus pcrpaucis luteis vel luteo-pictis exce])tis puniceis:
Ad Schurab in montibus Karaghan. [12. V.)
Specimina floribus aureis :
In partibus ad septentriones vergentibus faucinm Charson. (28. IV.).
Specimina floribus puniceis:
In cidlibus aridis inter Kam an et Ka.swin. {Jy. V.)
Die bofanischeii Ergebnisse der Pol ak' sehen Expedition nach Persien. 17
24. Tulipa systola .stapf (n. sp.)-
Bulbus ovato-obloug'us, tunicis pallide t'errugineis, intus dease lauati.s. Cauli.s paulo sujira medium t'oliatus,
glaber, leuiter flexuosus. Folia quatenia, approximata, inferiora recurvatim pateutia, latiora, obl()Ugo-laiice(data,
undubitü-flexiiosa, superidra lineari-laiK-eolata, ol)li(iue crei-ta, apicu liamatorecurva, omuia valde glauca, mar-
gine ciliata, florem «uperautia (sc. reete protensa). Perigonii magni phylla externa e basi uiiguiculata, obovato-
oblonga, acuta, enspide ciliata, basi niacula obovato-cnueata in apicnlani abrupte protracta, flavo-cincta ornata,
interna paulo breviora, obovato-nblouga, obtusa vcl brevissime mucrunata, basi cuiieatim in uuguem attenuata,
macula anguste clliptica, tenuiter flavo cincta, omnia extus pallidiora, lividescentia. Staminum filanienta e basi
dilatata, sensim in apicom lilif'ormcin aiigustata, atroeaendea, apice flava; autherae tihuneuto duplo et ultra
loiigiores. Ovariiiiii obtusc triquctro-pi-ismaticiiin tiliinienta aeqiians ve! paulo superaiis, stigmatibus brevibus.
Capsula. . .
l'crig. phyll. int. 4^/.^—^''" Ig.; 2-2\],'"' lat.
Stam. filani. 6—7'"'" lg.
„ antb. 15—17'"™ Ig.
Ovar. ^s. a.) 19—22""" lg.; 4""" lt.
Bulb. ;^-4Vj-" Ig.
Caul. (flor. excl.) 1.'')— 20"" alt.
Fol. inf. hf"! — 2(r" lg.; 2-;]'/^'"' lt.
„ sup. 10-ir'"lg.; 1 '/,■■"■ lt.
Perig. phyll. ext. 4%-6"" lg.; 2' ^—3'/,"" It.
In arvis prope Scburab in montc Karaghan. ( 1 2. V.)
Eine schöne Pflanze von gedrungener kräftigerTracht mit relativ grossen Blüthen, welche noch der T. praecox
am nächsten steht, aber doch schon auf dcu ersten Blick \ on ihr zu unterscheiden ist.
25. Tulipa cuspUUttu stapt (n. .sp).
Bulbus .... Caulis ercctus, glaberrimus, supra medium foliatus. Folia ereeta, plana, quaterna, caulem
aequantia, infima oblongo-lanceolata lalterius speciminis latissima), suprema lineari lanceolata, omuia acuta,
marginc anguste cartilaginca, glabra vel ciliafula. Perigonii phylla punicea, extus imprimis medio pallidiora,
lividescentia, externa elliptica in lircvcm unguem abeuutia, a medio vel paulo su})ra apicem versus angustata,
in cuspidem ciliatum protracta, interna obovato-cuneata. latitudine maxima in triente supremo, infra eam lateri-
bus fere rectis, ohtusa, cuspide ciliato imjjosito. omnia basi macula oblonga, atroviolacea, obsolete flavo-cincta,
ornata. Staminum tilameuta a ba.si dilatata sensim in apicem tilit'ormem attenuata, atroviolacea, apice flavo ;
antherac tilamenta aequantes. Ovarium oblongo-cylindricum staminibus paulo brevius. Capsula ....
Caul. (flor. cxd.) 25— 30=™ alt. Perig. phyll. int. 5' ^— 6'"'lg.; 2' „— S'/^"" lt.
Fol. inf. 14— 15"" lg.; 3— 4-5' '" lt. Stam. fil. 0-11°"" lg.
„ sup. 9 — lO-^" lg-.; 6 — 8""" lt. I „ anth. 10— 14""° lg.
Perig. phyll. ext. 5— 5Vj"" lg.; 2^/^—3''^ lt. | Ovar. (s. a.) 16 — 18"'"' lg.; 4'"'° lt.
In rupestribus pro))e Gendjname. (19. V.~)
T. cuspidata steht der T. praecox zweifellos sehr nahe. .Sie unterscheidet sich von ihr durch die Form der
Perigonblätter, deren innere drei bei T. praa-ox stets schmäler und oblong sind, während sie hier breiter oder
mindestens eben so breit wie die äusseren und deutlich keilförmig sind; zudem laufen sie alle in ein feines, oft
ziemlich langes, mit weissen Haaren bewimpertes Spitzchen aus.
26. TllUpn silvestris Linne Spec.plant. ed. 1. p.305. (1753). — Bak. iu.Ji)uru.Linii..Soc. XIV. p.-290. (1875). — Buiss.
Fl. Gr. V. p. 197. (1882).
E montibus ad Alamut (2100'" s. m.) in liortos urbis Kaswin translata.
27. Tulipa violacea Boiss. etBuhse AiUz. Trausk. ii. Pers. Pfl. p. 211. fl860). — Boiss. Fl. Gr. V. p. 199. (1882).
Paulo inira summum aditum ad Tusirkan prope nives, 2200"^ s. m.
28. Tulipa bi/fora I.iuiiu .Suppl. p. 196. (1791). — Reg. in Ganenfloi-a XXII. p. -lO.i. (187.ij. — Bak. iu Joiirn. I.iiiii.
Sog. XIV. p. 29-2. (I87.i).— Bois.s. Fl. Gr. V. p. 200. (1882).
.Sy n.. Onjlhiu hijlura Kiiutli. Enum. iil. IV. |). 226. (1843). — T. sihe.ftrh 'l. hißoru Ledeb. Fl. Uoss. IV. p.l36. i 18.53).
In montibus ad trajectus flu\ii Kura projie Jciizabethpol (^Transcauc). (6. IV.)
Dciik^chriaeu der luatheiu.-aaturw. Cl. L. lid. AbhaiKiluugeu von Niclilmitgliedern. C
18 Otto Stapf.
29. Tulipa polychroma stapf (n. sp ).
Bulbus ovatus, itallide-spadicens, tunicis membranaceis, teneris, extus glabris, intus deiisc lanatis. Canli.s
>;labcrriiiias, uiiifluru.s, mcdio vel paiüo supra bit'oliatii.s. Folia eloug'atülauceolata, J'alcalini recurvata, ranali-
c'Hlato-]>licata vel parte inferiore i'erc plana, glaucescentia, florem (expansa) superantia. Pedicelli ante authesin
cernua, deiude creeta. Perigonium in .speciniine vivo lato-campanulatum, deinde phyllis externis plus rainusve
pateutibus, internis erectis distendentibus, in exsiecatis infundibilitornii-eanipannlatum, phyllis exteinis elliptico-
lanceolatis, acutis, facie alba, basi niacula flava, extus violasceutibu.s vel rubcllis, exsiceatis obscurascentibus,
interioribus late, vel rotuiidato-ellipticis in brevem unguem, ciliatuluni attenuatis, plus niinusve coueavis, dorso
albis, basi flavescentibus, intus concoloribus, basi macula amplo-cordata aurea. Staraina subaequalia, filamentis
flavis, basi dilatatis, dorso gibbulosis, intus planis, papillosis vel ac extus et margine pilosis, superne glabris;
antlieris ellipticis, mucronulatis, mucrone purpureo. Ovariuni staminibus brevius, in styluni brevissimum sensim
attenuatum, stiginate parvo. Capsula.. .
Perig. phyll, int.: 2-2% ■•"■ lg.; 12-14-"'" lt.
Stam. fil. 4—5""" lg.
„ anth. 372—4""' lg.
Ovar- 6— 7">™ lg.
Bulb, 2—3'='" lg.; 2'=" er.
Caul. (incl. pedune.) 7—12"'" lg.
Fol. 5 — 10''" lg. (a basi ad summ, curvaturae) ;
Perig. phyll. ext. 2 -3"'" lt.: 5-7'"" lg.
lu niontibus Karaghan ad Schurab, solo salso-gypsaceo, IDOO'" s. m. (11. V.i; cult. in horto Viudob. e
bulbo a Dr. Polak misso (1883).
Diese zierliche kleine Tulpe steht der T. bißora \j. unzweifelhaft sehr nahe, unterscheidet sieh aber \on
ihr durch die stets einzeln stehenden Blüthen und die Form des Perigons (insbesondere durch die breiten
inneren Perigonblätter) und die dicht seidenwolligen Zv^iebelschuppen. Durch letzteres Merkmal ist sie auch
leicht von T. Biebersteiniana, T. Tio-kcxfanim und T. Intmilis zu unterscheiden.
30. FritlUai-ia OUvieri Baker in .louru. Linu. Soc. XIV. |). -iöl. (187Ö). — Boiss. Fl. Or. V. p. 18(i. (1882).
Ad Gendjname, 2100'" s. ni. (23. V.)
32. FritiUafia Fluardi Boiss. Diagu. S6r. I. f. VJI. p.lüC. (1846). — Baker m Joiini. Linn. Soc. XIV. p.265. (1875).
— Boiss. Fl. Or. V. p. 18.5. (1882).
In horto Vindob. cultn e bulbo a Dre. Polak e Persia sine loci indicatione misso (1883).
32. Met-endera trigt/na Steveu teste Adams in Web. et Mohr, tieitr. z. Naturk. I. p, 49. (1805) siib Uidbocodio. —
Boiss. Fl. Or. V. p. 168. (1882).
Syn.: M. Caucasica Marsch a Bieb. Fl. Taui-.-Cauc. I. p. -.'93. (1808), Cent. pl. rar. Taur.-Cauc. t. L. (ISIO). —
Bulbocodium triyyHuni Ledeb. Fl. Koss. IV. p. 205. (I8ft:i;.
In collibus prope Tiflis. (29. III.)
33. 31eremlera Perslca Boiss. in Kotsehy ri. Pers.bor. 1S47, Diagn, Shv. I. f. 13. p. 37. (1853), Fl. Or. V. p. 169.
(1882).
In montibus ad Schurab, 1900'" s. m. (V2. V.)
34. Merendei'ci nivalis Stapf, (n. sp.).
Cormus rninimus, ovatus, tunicis submeinbranaceis, badiis, apice longe productis, laceris, caulis et foliorum
basin plus minusve alte vaginantibus. Caulis brevis e medio corrao oriundus. Folia 3 — 4, infimum membrana-
ceum, caetera ad medium vel ultra vagiuans, supera viridia, lanceolata, acuta, oblique erecta, flores aequantia
vel paulo eis breviora. Flores 1 — 3, perigonio iufundibilifornn, pallide roseo vel albo, nnguibus anguste
linearibus, lougissimis, lamina oblongo-elliplica, basi utrinque deuticulata, denticulis pliyllorum iuteriorum
minimis. iStamina filamentis lamina triplo brevioribus, anthera dorso medio affixa, lineari-obloiiga, versatili,
filameulo breviore. Styli antheras paulo superantes.
Die hofa irischen Ergebnisse der Polak' scheu Expedition, nach Persien. 19
Perig. pliyll. uug. b—^"" lg.; lam. 17—26"™ lg.
Stam. fil. 6™" lg.; iuitli. 4"'" lg.
Corm. (sine tun.) 5—7"" lg; 4—6'"'" lt.
Oaul. 3-4'/2'='"lg.
Fol. 4—6''" Ig.; 1 — 1'//"' lt.
Paulo infra summiim aditum ad Tusirkan in nioute Elwend ad nives, 2200—2500" s. m. (20. V.).
35. Merendera quadrifoUa stapt (u. .sp.).
Cormus oblongo-cylindricus, tunici.s tcnuilins, badiis Tel atrofuscis, apice louge productis, caulem elonga-
liuu ;i(! inedinin vel ultra vaginantibus. Folia quatenia, late oblonga, obtnsa, uuiltincvvia, margiue laevia. Floves
3 — 5, perigonio unguibns filitoimibus, longissimis, lamina angusta, basi uon auriculafa. Stamina. . . Capsula
ovato-oblouga, valvis acutis.
Corm. 4"-" lg.; 1 V^"^" er. | Caul. 11— IS"-" lg. | Fol. 7—9'/,™ lg. ; 27^-3^"' lt.
Ad nives prope Sepujin. (5. V. )
Obwolil nur in zwei verblühten Exemplaren vorhanden, verdient diese Merendera doch besonders hervor-
gelioben zu werden. Die Tracht der Pflan/.e ist nämlich eine so ausgezeichnete, dass dieselbe nicht leicht wie-
der verkannt werden dürfte. .Sie wird ebenso sehr durch den oyliudrisehen, unterirdischen Stamm, als durch
die \ier ungefähr übers Kreuz gestellten, kurzen, breiten, stumpfen und fast parallehandigen Blätter bedingt.
Die Art steht der M. rohusia Eng. am nächsten.
36. (olchiciini falrifoliurn staiii'. (n. sp.)
Coruius anguste oblougus, tunicis tenuibus, submembranaceis, atrofuscis, longe supra collum productis. Folia
quatenia, inferiora, lineari-lanceolata, acuta, plicata, undulata, falcato-recurva, subcoriacea, angustissime carti-
lagineo-membranacea, bina sM])eriora spatliacea, niargine late-membranacea vel tota menibranacea, erecta,
lanceolata, eapsulam plus miuusse includenfia. Flos unicus^?). Capsula parva globoso-ovata, pallida, rugosa.
Corm. 2—3'-'" lg. ; 1 -]'//'" er. Capsul. 14' lg.; 12""" lt.
Fol. inf. 6-7 '//■" lg.; 10—12'"'" it. mx.
Ad Mandjil. ( 26. IV.)
Dieses auffallende Colchicum ist leider nur mit Früchten vorhanden. Allem Anscheine nach ist es eine der
im Spätherbst oder Winter blühenden Arten. Am nächsten dürfte es dem C. 'äteveni Bunge nach der Diagnose
bei Baker Linn. Soc. X. p. 114 stehen.
Aniaryllideae.
1. TxioUHon montanitm La Bill. Ic.pf.Syr.dec.il. p.5. 1. 1. iIVSI) an\> AmaryllUh. — Herbert Araavylf p. 125.
t. 20. (1837J.
in hortis adKaswin. (1. V.)
2. Tjtioliriou PallasU Fisch. etMey. in Ledeb. Fl. Ross. IV. ii. IIIJ. (lS5.i). - Regel iu Garteufl. XXII. p. 322.
t. 775. r. 3. 4. (1873). — Boiss. Fl. Gr. V. p. 154. (1882).
.Syu.: /. Tafaricum ct. typicum Reg. iu Act,, hört. Pctrop. VI. p. 11. p. 492. (1880) ex parte.
In arenosis ad rivulos prope Hamadan. (11. V.)
Irideae.
1. Gladiolu.<< atroviolaceu,s Bdiss. biagu. S6r. l. r. i;i. p. i4. (is5.'.), Kl- Or. v. p. ui. iiS82).
luter saxa prope Käbuterchan 2500'" s. m. (14. V.); in desertis ad Hamadan (17. V.); in montibus
Karaghan ad .Schurab. (^11. V.)
2. Iris Sisyrmchmm Linue Spec.plaut. ed. l. p. 40. (1753). — Rcdonte Lil. 1. t. 29. (1802). — Boiss. Fl. üi'.
V. p. 120. (1882;.
Syu.: I. fugax Pers. .Syu. 1. p. 54. (1805). — Teuere Fl. Neap. I. p. 15. t. 4. (ISll -1815). - Moraea Sisp-htchium
Gawl. Bot. mag. t. 1407. (1811).— (hjnundrlrU Shjinnchium Pari. NuGV-gen. p.49. (1854).— XiiMoii Sisyrlnchinn,
Bak. in Seem. Journ. IX. p. 42. (1871). - 1. U. Hook. Bot. mag. t. C096. (1871).
In hortis in urbe Kaswiu (4. V.).
* c
20 Ofto Stapf.
3. Iris reticulata Marsch, a Biob. FI. T.nu-. Cauc. I. 1). .U. (1808), Cent. pl. rar. Taiir. Cauc. Nro. XI. c. i. (1810). —
Regel iu Gartenfl. XIII. \>. l.i-J. ."23. t. 4:i-2. f. 6. (1864). — Ciivtis Bot. Mag. t. 5577. (1866). — Boi.ss. Fl. Or. V.
j). 120. (1882).
Syn.: Neubechia reticiiliita Alef. in Bot. Zeit. XXI. p. 297. 11863;. — Xiphioii ruticulatum Klatt in Liuii. XXXIV.
p. 572. (1865 et 1866).
Ad nives iu faucibiis Cbarsoii. (28. IV.)
4. Iris Caucasica Hoffm. in Comm. Soc. Phys. Med. Mose. I. p.JO. (1808). — Marsch, a Bieb. Fl. Taur. Cauc. I. j). 33.
(1808), III. p. 45. (1819). — Ledeb. Fl. Ross. IV. p. 100. (185.S). — Boiss. Fl. Or. V. p. 121. (1882).
Syn.: Thehjsia Caucasica Parlat. Fl. Ital. III. p. 317. (1858). — Costia Caucasica Willk. in Bot. Zeit. XVIII. p. 132.
(1860). — Neiibeckia Caucasica Alef. Bot. Zeit. XXI. p. 297. (1863). — Corisanthe Caucasica Klatt Linn. XXXIV.
p. 575. (1865/66). — Xiphioti Caucasicum Bak. in Seem. Jouru. of bot. IX. p. 109. (1871).
Ad nives supra Sepujin, 1900"' .s. m. (5. V.)
ö. Iris Soiigarica Sehrenk Enum. pl. nov. p. 3. (1841). — Boiss. Fl. Or. V. p. 126. (1882).
Syn.: Joniris Songavica Kl a( t in Bot. Zeit. XXX. p. 502. (1872).
In desertis ad Hamadan. (16. V.)
6. Iris ßleda Stapf (n. sp.).
Pumila, uniflora, foliis angiLstissimis, erecto-recnrvis vel suberectis spatbam subaeqiiantibus, basi vagiuis
aniiotinis, plus minusve in fibvillas tenues dissohitis, involiicratis.
Rbizoma breve, iepen.s, Iridis piimilae multo debilius. Caulis temiis, bumilis. Folia plerumque quaterna,
angustissime linearia, plicata, iuferiora recnrva vel erecto reeurva, summuin erectiim spatbam aequans vel bve-
vius. Spatba bivalvis, valvis subaequilongis, lanceolatis, inox louge attenuatis, perigoiiii tubuiii superantibus,
mox breviter attenuatis eum aeqiiMiitibus. Pcdicellus ovario cyliudrico dimidio et ultra brevior, tubo perigonii
superato. Perigonium laciniis exteruis oblongo-ellipticis, obtusiusculis, vix uuguiculatis, medio reflexis, supra
lineam intermedia ni fiavo-barbatis, caeterum lilacinis, macula intensiiis violacea, internis oblongo-ellipticis,
externis quarta parte longioribus, acutiuscuüs vel obtusiusculis, basi indistincte in unguem attenuatis, pallide-
lilacinis. Stigma laciniis obovato-ouneatis, lobis ol)tusis, deltoideis. Capsula. . . .
Caul. ad spath. bas. 5-10"" lg. Perig. pbyll.ext. S^-A^^^lg. ; 1 '/,— 17*""!^.
Fol. c. vag. 10-15™ lg; 1'/,— 3">" lt. „ „ int. H'/.-SV,"" lg.; 1-1 ■4^" lt.
Spatb. valv. 4—6'^'" lg.
Pedic. 7^— ly^-Mg.
Ovar. 17,-2"° lg.
Perig. tub. 2-3"Mg. „ lob. 5-7"'"Mg.; 4-6™Mt.
Variat floribus flavesceutibus.
In coUibus ad Käbutercban (12., 16. V.V, in aridis al Hamadan (19. V.).
Unterscbeidet sieb durcli die ungemein scbmaleu Blätter von /. aniii/oha V.A. Mey., welcber sie übrigens
uabe steht, ausserdem aber aucb nueb dureii die stumpferen Perigonzipfel und die Farbe der Blütbe.
7. Iris Polakii Stapf (n. »p.).
Pumila, uniflora, angustifolia, tiore maguitudine Iridis pumilae.
Phizoma brevissimuni. Iridis pumilae debilius. Caidis iiuinilliunis. ad medium et ultra vaginatus, vagiuis
aniKilinis, demuiu plus minusve in fibrilias tenues dissolutis. Folia augnste linearia, erecta, leviter curvata, acuta,
tldrem subaequantia vel ae(|Mantia. Spatba valvis biiiis lanceolatis, acutis,pallidis,tnbum perigonii superantibus.
Pcdicellus ovario cylindrico multo brevius. l'erigonium tnbo ovarium vix aequante vel breviore, laciniis externis
ultra medium deflexis, obnvato-cuueatis, obtusis vel oblongo-ellipticis, subacutis, secundum lineam inediam pilis
atroviolaceis, barbatis et supra eins apieem macula intense violacea vel atropurpurea ornatis, internis paulo
brcvioribus, oblongo-ellipticis, obtusis vel snbacutis lilacinis, saturate violaceo-venosis. Stigma laciniis elliptico-
spatbulatis, lobis obtusis, deltoideis, iiitegris vel creuulatis.
Antb. 13'"" lg.
Filam. 10""" lg.
Stigm. lac. 20-24"'"' lg.; 12—14"""' lt.
Die bofunische» Ergebnisse der Polak' sehen Expedition nach Fersien. 21
Perig. tub. 10—15'""' lg.
„ lac. ext. 4 7,-5 V,™ l^-. ; 2- 2 '//- lt.
„ int. 47^-5'='" lg. ; 2 • 2—2 • 4™ lt.
Stigm. lac. 27^— 3'="' lg.; 12— U'"'" lt.
„ lob. 5-7™'" lg.; 5—6"^'" lt.
Caul. ad bas. spath. 7 — 8"" lg.
Fol. c. vag. ir— 17'^'" lg., 3""" lt.
Späth. 5™' lg.
Pediccll. 5 — 7""" lg.
Ovar. 15-22"'" lg.
Subter rupibiis ad Haideri, 2600"" s. m. (4. VI.)
Der /. Meihi nahe verwandt, aber durch grössere, dnukler gefärbte Blüthen, kürzeren Stengel und relativ
längere Blätter liabituell verschieden. Zudem sind die Perigonzipfel viel breiler und die Ifiihre des Perigons
kürzer.
Orcliideae.
1. Epipactis latifolia Liun6 .Spec plant, ed. 1. p. 949 (1753) pro var. a. Sempiadk IMleboriiies. — All. Fl. Ped. II.
p. 152. (1785).
Syn.: E. Hellchorhie Crantz Stirp. Austr. p. 467. (1769).
In hortis circa domum regiam Akdessie ad radices montis Eiburs. (8. VII.)
2. Orfihis f'rngrans PoUiui Elem. hnt. II. p. i.-,:.. t. ult. f. 2. (I811). — KeicluMib, U. Fl. Genn. Xlir. t. CCCI.XVI.
(is.-.ij.
Syn.: 0. fnlHiiiiuiii S|]reng:. Plant. min. cogn. 1. p.7S. (1813). — Poll. Hort, tit Prov. Verou. I. p.-iö. (1S16). — O. mriu-
jihoni V. fruiiraiia Boi.ss. Fl. Or. V. p. 61. i'lsSJj.
In humidis ad Gendjnaiue. (8. VI.)
3. Orehis incamata Linue Fl. Suec. od. -2. p. 3i-2. (1755). — Boiss. Fl. Oi-. v. ]>. 71. (i8.s2).
In humidis ad Schewerin prope Hamndan (13. VI.); in valle Ueudjnaine ad Hamadau (19. V.); prope
nives pauio infra sunimum adituiu ad Tusirkan in inonte Elwcnd.
4. OreJiis laori/for«/ Lamavck Fl. Fraug,. 111. p. II113. (177S). — Üoiss. Fl. Ur. V. p. 71. (1882).
Syn.: <). Moiii) ß (uiit/uglifolia) Linne Sjjec. jilaut. ed. 1. t. 11. p. 940. (17531.
In humidis ad aquaeductos prope Hamadan. (13 VI.)
Convolvulaceae.
1. Convolvulns COttl/mutatUS Boiss. Dlagn. S6r. I. f. IV. p. 81. (1849). — Fl. Or. IV. p. 94. (l,s79).
Syn.: C. hinuyinoxus var. ß. Desr. in I.aiu. Ene. meth. 111. p. 552. (1789j.
Inter Gussedje et Navveran (17. VI.); in collibus siccis ad Jalpan. (21. VI.)
2. CuSCUta EpithymV m Linne SpeC pl. ed. 1. p. 124. (1753) pril var. j3. C.Europeue. — Engelm. Ciisf. p. II. |iu 'l'r n.s.
Ac. Hc. St. Lonis 1. \\. 461. (1859)] qtioad var. a. vulyaris.
In pratis ad Hamadan, Mcäicaginis, Galii, ('onvolvuli parasitica. (6. VIII.)
3. CuSCUta KotSChl/and Boiss. Uiagu. Ser. 1. f. 7. p. 29. il846j, Fl.Or. IV. p. 119. (1879).— Engelm. C'nsc. p.21.
|in Trans. Ae. Sc. St. Louis. 1. p. 471. (18ö9i|.
In Stachyde ad Dauktabad. (26. V.)
4. Cuscuta O/pprOOriniata Babiugt. Ami. or. Mag. Nat. Hist. t. 4. (1844) et t. I. (1845).
Syn.: ('.cujjulata Eng-elm. Bot. Zeit. IV. p. 276. (1S4C;. — (.'. p/aniflora var. approximatu Eugolin. Cuse. p. I ,i. [in
Trans. Ac. Sc. St, Lonis. I. p. 46.5. (1859)]. — Buiss. Fl.Or. IV. p. 116. (1879).
Ad 'rscbenierln iuter Hamadan et Teheran, Arteniisiue parasitica. (17. VI.)
5. Ouscuta Lentis .stapf (n. sp.).
(!aulis ramo.sissimus, intricatus, eapillaris. Unibella sessilis, piuicillura, saepc bractea parva ovat;i vel lan-
ceolata acuta suffiilta. Pc^dicelli inaeciuales, mox tiore breviores niux paulo longiores. C;ilyx cupulatii.s, lirevis-
sime 4 — 5 lobatus, lobis latis, obtu.-iis vel acutiusculis. CoroUa calyce duplo longior, globo.^o campauulata, iil
tota plania, albida, lobis tubo aequiloiigis vel paulo brevioribus, sub :uithesi erectis, postea conniveutibus, ovatis'
22 Otto 8t (II) f.
acuminatis, squamulis latiuscule linearibus, apice tantnni breviter fimbiiatis, tubo adpressis, faucem attiugeuti-
bus. Antherae breviter ejlipsoideae, filamentis lanceolato-subulatis brcviores. Stigmata ovario subbreviora, ses-
silia. Capsula ima basi circumcirca riimpens, eorolla emarcida, apice excepto, involnta. Semina atro-bruiniea,
ellipsoideo-globosa.
Cal. l""'lg. I Coroli. ]-7,-2""Mg.
Prope Hamadau, parasitica Krvi loifis. (16. VI.)
Die Pflanze ist zunächst mit Oiixridii imlcheUa Engelm. aus der Section A%v Epistkßnae verwandt. Sie
miferscheidet sicli von ilir durch noch kürzere, oft undeutliclie Kelchziptel und kleinere, glatte, nicht
papillose CoroUen mit breiteren, nur au der Spitze kurzgewimperteu SchluadschUppchen. Von C. Arabka Fresn.
weicht sie ausserdem noch durch nicht hervorragende Antheren ab.
Scrophulariiieae.
Autore C. Richter.
1. Celsla ArCtUrUS Liuue Spec plant, oil. I. p.l77. (17:>;ii >in\t Verbasco. — Jacq. Hort. Vindob. II. p.5o. t.ll7. (177.3).
Syn.: C.ylandulosa Bouolie Limi. V. I.iter. p. 12. (l.s:^üi. — Boiss. Fl. Or. IV. p. ,H,50. (1879).
Die mir vorliegende Pflanze stimmt vollständig mit der Abbildung bei Jacquin a. a. 0. iiberein. Auf diese
beruft sich aber Linne im Syst. cd. XIV. p..'i(il., nachdem er schon in der 13. Ausgabe des Systema, p. 471.,
die Bemerkung „In mea Folia opposita" an die Diagnose angeschlossen hatte. Linne citirte in den Spec.
plant, ed. 1. 1. c. ausser Bauhinius noch ..Column. ecplir. 2. p. 81. t. 82.'', in der cd. II. p. 254., ausserdem
noch „Alp. exot. 123. t. 122''. Die Abbildung bei Column a zeigt eine Pflanze mit wechselständigeu Blättern,
jene bei Alpini eine solche mit gegenständigen; im Übrigen lässt sich, wenn man von dem Mangel der
Behaarung bei der Pflanze des Alpini absieht, welcher Mangel auf einen Fehler des Holzsehneiders zu
rechnen ist, kein wesentlicher Unterschied anführen. Dass Columna und Alpini in der That dieselbe
Pflanze darunter verstanden, geht auch daraus hervor, dass sich, beide in gleichem Sinne auf den Arzt
Houorus Bellus berufen, welcher die Pflanze zuerst in einem Briefe an Clusius (Epist. Bell. Hist.
p. CCXCIX, 1601) beschrieb, worauf sie Pona 1608 in seiner Descr, Mont. Bald. p. 44. in allerdings sehr
unbeholfener Weise abbildete. All diesen rohen Abbildungen steht jedoch als ausschlaggebend diejenige
Jacquiu's gegenüber, so dass kein Zweifel darüber aufkommen kann, was Linne unter seiner Cehia Ardurus
verstand. Auf diese Pflanze passt aber auch die Beschreibung, welche Bouch6 a. a. 0. von C. glandulosa
gibt, vollständig. Ob die C. Ardurus Bouche non L. eine eigene Art ist oder nicht, vermag ich nach dem
mir vorliegenden Materiale nicht ganz sicher zu entscheiden. Ihr entspiicht die Abbildung im Bot.Mag. 1962.,
sowie jene der C. xublamtta in Jacq. Fragm. t. 126., und nach diesen zu urtheilen, ist wohl sehr wahrschein-
lich das erstere der Fall. Schliesslich sei noch bemerkt, dass die von Ke verchoii 1883 sab Nr. 184. ausgege-
bene Pflanze ebenfalls dieser zweiten Art, die also den Nauien Ü. sublanata Jacq. zu führen hätte, angehören
dürfte, während die vonSiutenis und Kigo auf Cypern gesammelte Cdsia mit der lykischen identisch
ist. (StaptV)
2. Celsia rersica 0. A. Meyer Enniii. p. ?.. (ISSI). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 355. (1879).
In coUibus aridis ad Hamadau (t». VI); in locis aridis partis septentrionalis iugi in via Tusirkau versus
in nionte Elwend (27. VI.); in locis arenosis ad pontem prope Mandjil. (26. IV.)
2. Celsia heterophylla Desf. iu Pers. ,Syn. ll. \,.ir,i. (1S07). - Boiss. Fl. Orient. IV. p. .S59. (1879). — .Taub, et Sp.
111. tab. 404. (1853).
luter Tschemerin et Khuschkek. (^18. VI.)
3. Celsia Orientalis L. Sp. pl. od. l. ],. G-21. (175,S). - Kebb. Icou. XX. t. 50. (18C2). — Boiss. Fi. Orient. IV.
p. 3üU. (1879).
Ad Kustemabad. (20. IV.)
Die botanischen Ergebnisse der Po lak' sehen Expedition nach Fersien.
zo
Cüi-oll. diaai. 2'/'".
3. Vei'basciiin Medum stapf (u. sp.).
Folia cauliua iufcriora lanceolata vel obloiign-lanceolata, hasi subcordata vel breviter attemiata. acuta,
obsolete cveuata, subtiis nigosa., iilriuque tomeiito teiuü et adpresso \c.stita; suprema paiiiculae ramos tulci-antia,
hite ovata, aiiiee abrupte in caudicultiiii tiexuosiiiii atteiiiuita, dense albn tomeiitosa. Uracteae ovatae, longo
eus|)idatü acumiuatac. Panieula rigida, ampla, floiuiii t'ascicuiis plus quam lougitudine sua vemotis, i)edicellis
iuaequalibus, lougissimo ealycc paulo breviore. Calyx profuniie pavtitus, lobis triangulari-laneeolatls, albo-
tonientosus. Corolla aurea, extus tomeutosa, lobis sabacqualil)n.s. Autherae omnes rcnitbimes, subaequales.
Statnina tlavescenti-barbata .
F(d. caul. inf. 19 — 2t)''" lg.; d — 7' /'" lt.
Oal. 8 — 10™'" lg.
In agris montanis supra Jalpan. (20. VI.)
Dem V. glomeratiim Boiss. (Seet. Tliapttoided) nahe verwandt, aber durch einen zarteren Filz, länger
gestielte Blüthen und kleinere Kelche deutlich verschieden.
4. Antirrhimim, Orontluni l. Sp. pi. (.d. i. p. 617. (175^).
Culta in horto Viudob. e seminibus a l)'"- Polak e Fersia missis.
5. Linaria fastkjinta Chav. Mou. p. 126. t. 7. f. a (I833). — Boisf^. Fl. Orient. IV. p. 371. (1879).
In pascuis nioutium ad Jalpan (21. VI.; 15—16. VII.); ad Hamadau (28. VII.); ad Haydere i7. VII.); in
saxosis supra ftendjuame ( 10. VI.i; in arvis ad Schawerin. (28. \\.)
6. Linaria MichaUirii Ohav. Mon. \>. 124. t. 7. f. B. (1833). — Boiss. Fl. Orieiil. IV. p. .-574. (1879).
In ditione urbis Hamadan.
7. Linaria Siinplex DC. FI. Frang. III. p. sss. (1S15). -- Prodr. X. p. 280. (1846).
Syn. : Liiiaria arvensis \a,y. flaviflora Boiss. Fl. Or. IV. p. 375. (1879). — Anlhrliiiiiim /larrißoniiii .I:icq. Ic. rar.
III. t. 499. uon Desf. — A. ai-vense var. |3. L. Sp. ed. 1. p. 614. (1753).
Ad Rudbar solo carbonico (24. IV.); ad Kaswiu. (o. V.)
8. Linaria Chalepensis ].. Sp. pl. ed. 1. 11.6I7. (1703) sub Aiilin-hino. — Mill. Dict. Nr. 12. — Rchb. Icon. XX. t,66.
(1862). — Boiss. Fl. Orient. IV. p. 381. 1I879).
Prope Rudbar. (2,3. IV.)
9. Scrophularia digitalifoUa Richter (n. .sp.) e sectione Vaiilia Dou., ctV. Btli. iuDC. Prodr. X. p. :i02.
RadiceV — : caule erecto, tereti vel obtuso-angulato, moUiter glanduloso-pubescente, in thyrsum longuni in
parte inl'criore toliosum abennte; tbliis sessilibns, c basi latc ovata, semiamplexicauli, ovatodanceolatis, in apicem
lougam protraetis, praecipue ad basiu breviter dentatis, apicem vcrvus integcrrimis, alternis, nonnullis oppositis
vel ternis, glaudnlose pubescentibus, superioribns praecipue tioralibus sensim deminutis, iut'erioribus fasciculis
foliovum axiUaril)us instructis, thyrso elongato, dense ferrugineo-tomentoso, interne foliato^ cymis uudtitioribus,
pedicellis longitudine mäxime variantibus, calycem aequantibus vel eo longioribus, hracteis parvis, setaceis,
pedicello brevioribus, calycis laciniis obtusis, membranaceo-marginatis, dense glandulose pubescentibus, corolla
quadriloba, lobe inferiore parvo, votuudato angusto, superiore cmarginato, bifido, staminis qiiinti rudimento niillo,
genitalibus exsertis, Capsula ovoidea, acuta.
Species e sectione Vendia habitu valde iusignis.
Rarissima in monte Elwend ad Haydere 2600"', in rupibus (G. \'I.); in riipestribus supra Haydere. (29. VI.)
10. Scrophularia auriCUlata Scop. Fl. Cam. ed. 2. I. p. 446 etil. t. 32. (1772). — Scroplntlaiia Scui>üUi Hoppe
Cent, (teste Pers. Syu. IL p. 100. 1S07). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 395. (1879).
In aggere humido ad Hamadan. (23. VI.)
11. Scrophularia martjinata Boiss. Diag-n. S6r. I. 4. p. 72. (ISll), Fl. Orient. IV. p. 114. ^ Bill, in DC. Pnxlr.
X. p. 314. (1879).
In locis arenosis ad .lalpau (25. V. et 6. VI.).
24 Otto Stupf.
12. Scrophnlaria prulnosa Boiss. Dhga. S6r. I. 12. p. 38. (1853), Fl. Orient. IV. 11. 416. (1879).
In locis siccis jiixta riviini ad Ilamadaii. (H. VI.)
13. Scrop/Hflaria prasiifoLia Boiss. et U;uissl<u. in Boiss. Fl. Or. IV. )). llü. (1879).
In jugo ad Kiibuterchan inia ciini .sV. iiiliild m.; L'ÜOO'". (14. V.)
14. HcyophiilaHa nitida iiichtcr m. sp.).
Infloresceutia cxcepta glabra, radice liguosa, niulticipite, canlibus jiscondentibiis, t'ülii.s iut'crioiilni.s ()\)\m-
sitis, superioribus alteriiis, petiohitis, ovalibii.s, acntis vel ol)tusis, gio.ssc et irregularitei' inciso-deutatis, aonaullis
quasi pimiatifidis, thyreo pyramidaH, iufenie tblio.sii, glaiiiUilose pnbescentc, cyoiis magnis, qninqiiefloris, pedi-
cellis longitudiue variantibus, bracteis ovatis, miiiutis, calycis laciuiis obtusis, augnstc mavginatis; coroUa siib-
globosa, hiciniis superioribus pateutibus, nidiniento staiiiinis quinti ovato,apice prol'uudc emarginato, staminibus
exsertis.
In jugo ad Kiibnterclian luui cum >icr. iintfiiifolkt. Boiss. et Haussliu. 20U0"'. (14. V.)
\h. Sct'ophuUiria juncea Uiclitov m. sp.).
SutTruticosa, glauca, caulibus e basi lignosa asceudentibus, vamosissimis, ioliis omnibus alteniis, inferiori
bus inegulariter piiinatiscetis, segnieiitis linearibus, dentatis, supeiioribus irregulariter inciso-dentatis, linearibus,
thyi-so elongato, divavicalo, cyniis longi.«, divaricatis, fioribus sessilibus, parvis, calycis laciniis acutiusciilis, late
marginatis, corollae laciniis superioribus magnis, dilatatis, renifonuibus, staminis quinti rudimeuto perraagno,
reniformi, corolla exserta magnitudiue labii corollae, staminibus exsertis.
Species inter sparsifolias thyrso divaricalo et fornui magiütudineque appeudicis corollae valde insignis.
In agro prcpe Dauletabad in ditionc Elwend (2S \.)\ in .arenosis ad rivum jirope Hamadan. ( 18. V.)
16. Veroniea Michaam'ii L;un. Hl. l. p. 14. (I791). — .F;uib. und Sp, lll. tab. 424. (18.53). — Boiss. l''l. Ur. 11. I3H.
(1876),
Ad foutes in moute Elwend ad Hamadan. loc class (22. VII.); in arenosis liumidis ad rivulos montium
circa Hamadan. (27. VII.)
Boissicr 1. c. spricht (b'v V. Micliuii.rii die Blätter der V. Beccabimya zu; die vorliegenden Exemplare
vom classischen Standorte /.eigen dieselben jedoch ebenso wenig als die Jaubert'schc Abbildung.
17. Vei'Onica COmosa Itichtn- lu. sp.) e sectione Ziccwri«//./« Gri.s. et'. Btli. in D C. Prodr. X. p. 467.
Rhizomate repente, caule glaberrimo, erecto, fistuloso, ramoso, foliis lineari-lanceolatis, oppositis, basi cor-
dati.s, amplexicaulibus, coniiatis, serratis, aciitis; raceniis axillaribus pednncnlatis, oppositis, lolia aequautibns
vel eis longioribiis, pedicellis rectis calyce diiplo loiigioribus, bracteis lauceolatis eos aequantibus, suffultis,
racemis imperfectis, bracteis longis flores superantibus, comosis, calycis laciniis acutis, breviter et obsolete den-
tatis, subaeqiialibus, corollis miniitis calyci aequilongis, Capsula (an matnra?) minima calyce persistente dnjdo
breviore, obtusa, seminibus biconvexis.
In fossis ad Rescht. (23. IV.).
Vorliegende Pflanze steht der V. AnatjalUs L. ziemlich nahe, und dürfte sich vielleiciit einst als Varietät
derselben herausstellen; gleichwohl erschien mit Kiicksiclil auf die hingen Deckblätter, welche den nnauf-
geblüliten Ähren ein schopfiges Ausselien verleihen, sowie die Kleinheit der halbreifen Früchte und eine auf-
fallende Tracht die Aufstellung einer neuen Ait berechtigt.
18. \ ei'onlca AnaiialUs L. Spec. pl. ed. l. p. 12. (I753). - Rchb. Icon. XX. t st. (1862). — Boiss. Fl. Orient. IV.
p. 4:!7. (1879).
In paludosis montanis ad Jalpan. (20. VI.)
li). Vei'onica üieber stein ii Richter (n. sp.).
Syn.: V.multijida M. 1!. Fl. Tanr. Cauc. I. p. 12. ftSOSj. — lUh. in DC. Prodr. X. p. 471. (ISlfi). — Boiss. Fl. Or.
IV. p. 112. (1870) non Linn6 Sp. pl.
In plauilie arida ad Kaswin [A. IV.); inter Schtirah et Manian {\'2. V.); ad Hamadan {2\. V.)
Die (wtuiiischeii Eri/e/jti/sse der Fvldk'sc/ien Expedition nach Persien. 25
Die hier vorliegende Feromc« wird von Marsch, a Bieberstein und Roissier als F. muUifida L. ange-
sprochen. V. innHijida L. wird aber von Linne selbst in Syst. ed. XIII. mit dem Beisatze versehen „An var.
praecedentis':"', nämlicli V. Andriacae L. und s(dion in Sp. pl. ed. 1. p. 13. wird die Abbildung in Buxb. Cent.
I. T. 38. citirt, welche, so schlecht sie aucii ist, doch auf das klar.ste beweist, dass Linne eine andere Ptlanze
gemeint hat, als die uuserige, und wurde auch bereits die Identität dieser Art mit V. Austriaca der neueren öster
reichischen Floristen, \eilr., Sadl. etc. non L. von A. Kerner in Osterr. bot. Zeitschr. XXII. p. 372—373.
( 1873), Veget. Verh. d. mittl. und östl. Ungarns p.359 — 360 nachgewiesen und von eben demselben in Sciiedis
ad Floram exsiccatam Austro-Hungaricam III. Nr. 925. p. 92 — 93. auf Boissier's Irrthum in Betreff dieser
Pflanze hingewiesen. Von Letzterem wurde jedoch allem Anscheine nach nur Marscli. a Bicberstcin's
Ansicht acceptirt, welcher 1. c. in directem Widerspruche zu Linne, der eine Veronica „cauli))us erectis"
beschreibt, der angeblich gleichen PHanzc aufsteigende an der Basis verholzte Stengel zusinicht. Überhaupt
passt die gan/.e Diagnose zwar vollkommen auf die hier ^ (u-liegende V. Bieheräeiiiii, hingegen gar nicht auf
V. multifida L. =; V. Austriaca Aut.
Ob die hier vorliegenden Exemplare nicht zum Theile zu P. iemiifolia (Her.) M. B. 1. c. p. 13, welche \on
Boiss. als eine alpine, zarte Form zu seiner V. midtißda gezogen wird, gehören, lässt sich bei dem Maugel an
Vergleichsmaterial nicht entscheiden, da die Unterscheidungsmerkmale alle relativ und keine Gfössenangabeu
vorhanden sind. Ebenso wenig ist es ohne Einsicht in die üriginalherbarien möglich, die zu V. Bieberöfeinii
gehörigen Synonime nur annäherungsweise festzustellen; nur dürfte man annehmen können, dass alle jene
Autoren, welche Jacquin als Autor zu V. inidfifida ■= V. Austriaca Aut. citiren, unter P. ntidtifida L., dem
Beispiele Bieberstein's und Boissier's folgend, unsere V. Biebersteinü verstanden haben.
20. Veronica Ofieittalis Mill. — Sei. in Ait. Kew. I. j). .S2. (ISIO). — Boiss. FI. (»r. IV. ]i. 143. (1879).
In montibus altioribus inter Kamau et Kaswin. (5. V.)
21. Veronica aclnifoUa Liuii6 Spec. pl. ed. l. ]>. lO. (170-2j. — Uchb. Icon. XX. t. 38. f. 2. (186-2). — Boiss. Fl.
Or. IV. p. 458. (1879.)
In locis petrosis ad Gendjname, 2600™ s. m. (21. V.)
22. Veronica Cnmpi/lopoda Boiss. Ui.-ign, Sör. I. f. l, p. »o. (1844i. Flor. Orient. IV. \>. 464. (1879.)
In locis arridis et in arvis ad Kaswin (V.); prope Hamadan. (20. V.)
23. Veronica opaca Fries. Nov. Ed. 2. ]>. 3. (1839). — Kchb. Icon. XX. t. 79. f. 1. (1862). — Boiss. Fl. Orient. IV.
p. 467. (1879.)
In muris ad Rescht. (22. et 23. V.j
24. Veronica. Crista Galli Stev. in Trans. Liuu. Soc. II. p. 408. t. 3i. — Boiss. Fl. Oi. IV. p. 468. (i879.)
In silvis inter Beseht et Kudrun.
V. Crista G(dli hat nach Boissier 1. c. einsamige Sameufächer, Bentham in DC. Prodr. X. p. 487 hin-
gegen spricht ihr 1 — 4samige Fruchtfächer zu, was auch bei den hier vorliegenden Pflanzen zutrifft.
25. Bungen triftda Valil. Symb. p. i. j). 44. (n90i mh l:l,in,iiitlw. — C. A. Mey. Verz. Cauc.Casp. Pfl. p. 109. (I83i).
— Boiss. Fl. Orient. IV. p. 471. (18791.
Syn. : Biirtsia trißdü 8)1 reng. Syst. II. ji. 773. (1825).
In montibus prope Schurab. (11. V.)
26. OdontitCS Aucheri Bois.s. Diagu. SiJr. I. 4. p. 74. (1814); Fl. Or. IV. ]i. 475. (1879).
In montibus supra Gendjname.
27. Bhyucliocoris niajima liiehter (n. sp.).
Dense glanduloso-pubescens, radice scpiamosa, perenni; caule erecto simplici vel parce ramoso, foliis
oppositis bre\iter petiolatis, ovalibus, utrimiuc rotuudatis \el apice aeufis, grosse obtuse deutato-crenatis, flora-
libus vix minoribus; floribus in axiliis solitariis hinge peduncuhitis, pedunculis strictis, erecto-patentibus; calycis
labiis vahle inaequalibus, siiiicrioic iutegro, late ovato, cucullato, apice bideutato, inferiore fere usque ad basin,
Donkscliriften der matheia.-naturw. Cl, L. Ud. Abhandlungen von NicUtmitp;]iederii. ^
26 Offo map/.
longitudine superius nou aeqnante; corollae flavae galea lineari, infra medium inflexa et superne g-ibba in rostrum
subiilalnm ascendens, infra medium dentibus binis, dependentibus snbtus instructum, apice truucatum abeunti,
labio inferiore amplo, galea sesquiloni^'iore, trilobo, lol)is obsolete emarginatis, Capsula ellipsoidea, apirulata,
liubescente, calyce persistente dimidio breviore.
Planta perenuis 2 — 4''™, foliis 2— 4'™, flores folia fere aequantes, labium inferius l'/a"'" lf»ugum, 2"™ bitum,
tota plauta glanduloso-pubescens, glandulis minimis.
In locis paludosis ad Pirebazar.
2<S. Fedicularis acmodonta Boiss. Diagn. Sfer. I. l. p. 84. (ISl-t^ — Flor. Or. IV. 11- l'-i-'- pr. vni: F. campestrh L.
In locis humidis in ostio vallis Gcndjaame ad Hamadan (19. V.); in salieetis vallis Geudjnanie; in fnr-
culis ad Tusirlian et Gendjname.
ßigiioniaceae.
1. Sesamuni huUcnm Linn6 Sper. plant, cd. I. p. ü;i4. (IT.'i.ii. — Endl. Icnn. geu. t. 70. !\9.?,9.).
In ditione urbis Hamadan.
Orobancheae.
Aiictort' G. Beck.
1. Ofobanche Aegyptiaca Persoon. Euch. •_>. p. isi. (I807.)
Forma: Orobanche DeJilei Decaisue in Ann. seienc. nat >Ser. 2. IV. p. 201. (1835).
In agris, in quibus cucumes coluntur prope Hehawerin. (28. VII.)
2. Orobanche cistanchoitfes Beck (n. sp.).
Scapus firmus, siniplex, ba.si ])aulo incrassatus, siccus rnliigiuosus, apicem versus copiose breviter glandu-
I08US, 17''" altus, S(piamatus. Öquamae nuraerosae, remotac, inferiores ovatae, glabrae, superiores erectae, bre-
viter glandulosae, 12"""longac. Spiea capitata, quinqueflora, floribus paulo remotis. Bracteae squamis aequales,
calycem longitudinc subaequantcs. Calyx diphyllus; sepalis snepe ad mediani partem bidentatis; dentibus
breviter aeuminatis, multinerviis, parce glanduloso-pilosis intus, aibidis, longitndiue tertiam corollae i)artem
aequantibus. Corolla maxima, .■J''™ longa, erecto-pateus, tubulosa, supra staminnm insertionem versus faucem et
seusim conspicueque :unpliata, .sicca papyraceoalba, laciniis coerulescentibus (V), extus parce breviter glandu-
loso-pilosa. Linea dorsalis basim versus et ad labium supernm magis curvata, in media parte subreeta. Labium
superius profunde bilolmm; lobis niagiiis, lafis, rotundatn-dbtnsis, saepe subqnadratis, patentibus vel protensis,
in margine inaequaliter crenulato-repaudis, glabris. Labium inferius trilolmin, lobo medio paulo majore, lobi.s
ellipticis vel ovatis, patentibus, plicas magnas includentibns, in margine repandocrenatis. Filamenta ü — 6'""',
supra corollae basim inserta, infra parce pilosa, versus autberas copiose glanduloso-pilosa. Antberae oblongae,
breviter acuminatae, ad marginem copiose pilosae, siccae albidae. Germen ellipsoideum, in parte superiore sicut
Stylus copiose glandnloso-pilosum. Stigma bilobuni, lobis confluentibus, et rima transversali profunda perforatum,
album vel ochroleucum (?).
Planta nutriens '?
In collibus prope Hamadan. (VI.)
Orobanche cistanchoides, welcbe in einem einzigen Exemplare vorliegt, hat in Folge ihrer grossen Blumen-
kronen die bemerkenswertbe Tracht einer Oistaiichc-Art, kann aber von dieser sogleich durch die Kelcbbildung
geschieden werden. In vielen Merkmalen stimmt diese interessante Orohanche auch mit Orobanche mnoena
C. A Meyer überein, weicht jedoch von derselben durch die weitröhrige Blumenkrone, durch im oberen Theil
reifhdrüsige Staubfäden mit tieferer Insertion und durch den kräftigen Stengel ab.
3. Oi-ohancJw AnatoUca Boiss. et Kcutei- in Pinard Plant. Cariac ex.sicc. 184:% — Reuter in DC. Prodr. XI.
p. 17. — Boiss. Fl. Or. IV. p. .iOl. exel. syuoii.
Forma filamentis infra glabris.
In pratis vallis Gendjname. (10. VI.)
Die iof (mischen Ergehnisse der PohiV selten Expedition nach Persien.
21
4. Phelipaea fissa C. A. Meyer Enuin. CaucOasp. |). 104. — Reuter in DC. I'roiir. XI. p. 1-2. — Boiss. F!. Orient.
IV. p. .TÜl.
lu deserlo ml tinineii Kura prope Jelizabethpol.
Borragiueae.
Auetore R. de Wettstein.
1. JJrliofropiutn EicllWOldi Steml. Nomeucl. I. p. 74-1. (1S41).. — A.D(!. Trodr. IX. p. ö.i."). (1845).
Syn.: H. dUpticum Ledcb. iuEicliw. PI. in.v. it. casp. eaue. ta^r. 1. p.c. t. I. ^I8:il). — Fisch. etMey. Ind. IX.
sem. hört. Petrop. p. 38. (1837) uou Salt. Voyage to Abyssiii. (1814). ~ //. iMosiim Notar. Kepert. flor. Lig.
p. 319. (1844). — H. litoraJe Ste v. Observ. Asp. (18.51). — H. wacrocarpiim (iusson. Enura. pl. ins. luarim. p. «14.
t. 7. (1854).
Tu eolle „Musellah" dicto pmpe Haraadaii in consortio H. Teheranici Bung. (12. VIII.)
2. Heliotrop lutn JEuropaeutn Linn6 Speo. plant, ed. i. I. ii. i.^o. (iv.'is).
lu aggere aquaeducti prope Hamadau. (8. VI. et 17. VI.)
3. Heliotropiuni Xoranum, Boiss. Di.as". Sei. H. f. a. ii. 132, ii.s.^Oi, Flor. Or. IV. |i. 128. (1879).
lu agi'is piope Chanabad. (2Vi. VIII.)
4. Heliotropiuni sericocarpiim Bunge Uie Heliotrop, a. mittelliind. oriciit. Flor, in Bull. d. soc. liiip. il. nat. Mose.
XLll. p. 322. (1870.)
lu vervactis prope Kusclikek in itiuere iuter Teheran et Hamadau. (19. VI.)
Boissier zieht (Flora Or. IV. p.l42^ H.senronirpiim Bge. '/A\H.Ai(cheri A.ÜC. (Prod. IX. p.533. (4845V
Ausser den bereit« vou Bunge 1. e. p. 318. hervorgehobeueu Uuter.scliiedeu ist ]f. sencarpiim besonders durch
die den Kelch an Lauge zweimal übertreffende Kroueuröhre verschiedeu.
5. Heliotropiuni Telieraviiciim Bunge Üb. d. Heliotrop, d. ujittclläud. Orient. Fl. in Bidl. Soc iiup. uat.Mosc. 1S70.
p. 309.
lu locis siccis lutosis prope Hamadau (12. VIII.).
Buuge sagt 1. c: „uuculis glabris (iuiiioribus) laevibus" „ntifiilas niafuras uou vidi." Auf Grund
der vorliegeuden Exemplare bin icii in der Lage die Diagnose zu ergänzen diircli den Zusatz: uuculis maturis
pilis miuimis adpressis obsitis tenuissime verrueosis.
(j. Ceriiithe minor Linu. Siice. pl. lOd. i. l. p. 137. (1753).
Ad versuras prope Jalpau. (15. VII.)
7. Anchusa arvensis Llu. spee. i)lant. ed. 1. I. p. 139. (17.531 sub Li/copaide. — Marseh. a Bieb. Fl. Taur. Cauc.
I. p. 123. (1808).
In vervactis prope Kudruu. (21. IV.)
8. Anchusa Orientalis Linu. i^\m% ])lant. cd. 1. p. 1.19. (17.53) .-iub hiiaipühU: — Ueieheub. If. H, flerni. XVIII. p. G3.
t. 109. (18.58).
lu arvis ad Zamauabad prope Hamadau (26. V.); in agris prope Hamadan. (8. VI.)
9. Anchusa strigosa La bin. le. pl. Syr. Dec. Ui. p. 7. t. iv. (1809).
In agris prope Hamadau ( 19. V.); prope Tschitschian. (28. V.)
ll>. Anchusa variegata l.iuu. Spec plant, ed. l. p. 198. (17ö3) sub Lijcup^ldc. — Lehm. Plant, e fam. Asperil'. p. I-
p. 223. (1818).
In deserto Transcaucasico. (3. IV.)
11. Nonnea longi/iora Wettaicin (spec^uov.i.
Aunua, humilis, tota pube brevi setisque longioribus hirsuta.
Caulis ereetus vel asceudens, siniplex vel parce ramosus. Folia radiealia olploiigo lauceolata, obtiisiuscuia,
in petioinm atteuuata, caiiiina iaureolata,a('utiora,sessilia,oiuiiia integra ^■el subdcnlata,])ilis brevibus setulisiiue
(• tiibtrciilo ortis ob.--ila. Flores in racemis deusiiisculis, pleruiiKine .■^imjjlicibiis, unilaterales; racemi l'nictileri
d*
28 Otto Stapf.
laxi. Biacteae lanceolatae, acntae, calyce florifero subbreviores, petiolo brevi multo lougiores. Calyx tubulosus
ad tevtinni pavtem quiiiquefidus, lobis acutis; fructifev valde aceretus, campanulatiis, uutans. Corolla glabra,
fubo calyoe multo longiore, luteo, limbo tubo bvevioro, atroviolaceo vel atroeaeriileo. Tubus medium versus
squamulis niinimis, pilosis obsitus. Nueulae subgilibae, atroi'uscae, acutae, longitudiualiter striatae, ad strias
puberulae, margiue subplicato.
Caulis 10 — 20"'" lg. Folia radicalia 30 — 35, c-aulina 15 — SO'"" longa. Calyx 8—10™"' lg., florifer
2—3""", fructifer 5 — 7""" diametro. Tuliu,s corollae 12—14""" loiigus, limbus 3—4'"'".
Ad agroguui maigiues prope Rustemabail. (24. IV.)
Nomiea loiicjißora unterscheidet sicli von den übrigen der Sect. Oiiliomnjtini , zu der sie in Folge der
geraden oder nur schwaeli einseitig gewölbten NUsschen gehört, hinlänglich durch die ausserordentlich lange,
den Kelch v^'eit überragende Kronenröhre ; von N. lutea Ivani., iler sie am nächsten steht, überdies noch durch
den nicht bis zur Mitte getheilten Kelch, die spitzen Nüsschen und die Blüthenfarbe.
12. Nonnetl lutea I.ain. 111. Nr. 1828 anh Lycopsi<le (sec. Boiss. Fl.Oiieut. IV. \>. 163). — Heicheub. fl. ckcius. I. p. 338.
(1830).
In silvis inter Tiflis et Baku. (3. III.) Flore luteo et coeruleo. (cf. Boiss. Fl. IV. p. 164.)
In locis apricis ad ruinam prope Tiflis. (29. III.) Flore luteo.
13. JVoniiea Perstca Boiss. Diagnos. plant. Or. uov. S6r. I. tasc. 7. p. M. (1846). — Flor. Orient. IV. p. 167. (1879).
In montibus prope Schurab; solo gypsaceo. (11. V.j
14. Jfonnea pieta Marscli. Bicb. Fl. Taur. Caiic. Vol. I. p. 127. (1808) sub Anchusa. — Fiscii. et Mey. Index secund.
semin. hört. Petrop. p. 42. (1835).
In deserto Transcaucasico. (3. IV.)
15. Kontiea pulla Linn. Sp. pl. ed. l. I. p. 19S. sub Lycopside (1753). — Lam. et DC. Fl. tV. Ed. 3. v. 3. p. 626. (1815.
In locis apricis prope Mandjil. (26. IV.)
16. Nonnea rosea Marsch, a Bieb. Fl. Taur. Cauo. I. p. 125. (1808) sub Anchusa, Cent, plant, rar. I. t. XLIII. (IslO).
- Boiss. Fl. Orient. IV. p. 164.
Flore luteo !
Ad muros hortorum prope Enzeli. (19. IV.)
17. Onostna Elwendicnm Wettstein (spec. nnv.).
Perennis, tota plaiita 20 — 35'""' alta, inulticaulis, glauca, racenio simplici vel bitido.
Rhizoma horizontalis vel ascendens, multieeps, ramulos steriles, ibliosos et caules floriferos, siuipHces vel
subramosos asceiidentes vel eiatos gerens. Caulis adpresse vel subpalulc setulosus. Folia radicalia longe
petiülata, lanceolata vel oblongo-lanceolata ; cauliiia iauceolata, aculiuscula, sensim atteniiata, sessilia, omnia
uninervia, niargine saepa subrevoluta, setis adpressis, tuberculis hirsutis sed non stellatini pilosis insidentibiis,
cana, interdum flavescentia, inter sctas minute pilosa, ad basin ciliata. Bracteae lanceolatae, basi rotundatae,
longe acuminatae, in pagiua inferiore saepe glabriusculae. Pedunculi breves, ut pars inferior calycis, setis longis,
albis, rarissime flavis obsiti. ('alyx niagnus, qliinquepartitus, saepe coalitione laciniarum, 3 — 4 partitus, laciniis
late lanceolatis, defloratus accrctis et dilatatis, membrannceis, in parte superiore setis tenuibus obsitis. Corolla
magna, calyce tertia — quarta parte longior, superne ampliata, pubcrula, lobis brevissimis, latis, obtusiusculis,
(Icmiini revolutis, flava \ ei (saltem e sicco) viulacea. Authcrae basi coliaerentes filamentis dnplo longiores,
apice exsertae vel inclusae. »Stylus exsertus, rarius iuclusus. Nueulae maguae, apice acutatae, laeves, nitidae,
areolatae.
Petiülus foliorum radicaliiim 2'/2 --3"" lg., folia radicalia 3-5— 6'™ lg., 7—10'"'" lata, caiilina 4—5™ lg.
5_8'"'" lata. Peduuculus 3—5""", calycis laciniae 20—26'""' long. 3 — 4'""' latae, deflorati longiores et
latiores. Corolla 25 — 32"'"' longa.
In locis lapidosis luontis Elwend i)rope Zamanabad (27. V.); in declivibns lapidosis montis Elwend })rope
Gendjname (16. VI.); in arenosis projtc Jalpan. (24. V.)
Die hotanhchoi Eij/cbiüfisc der l'ola L' sehen Expedifion iioeh J'ersieii. 29
Var. brefifoliuin.
Folia radiccalia spatluilata ut caulina obtnsiuseiila. Petiolus vadiealiiim circa 2'"' 1^., folia radicalia 3"" longa
lU""" lata, caulina 3 — 37,/'" longa, 5""" lata. Calycis floiiieri laciiiiac ItJ - 2U""" long., 3 - 4""» lata, fructi-
feri 21 — 23""" lg. Corolla 27 — 30""" longa.
In lapidosis montis Elwend itiO]ie Hamadan. (15. VI.)
Var. brevifolium ist insbesondere durch die stiiiü])t'eren und kür/.crcii Blätter, .sowie die im Verliältuiss
zur l'lütlic kürzeren Kelche ausgezeiclinet.
IS. Onosma flnvimi Lelim in Nov. iict. soc nat. cur. Bei-ol. VII. p. 9'i. t. W. siib CohiiKnniia.. — Vatke Dissert.
ined. (Jau. ISTöj ex Boias. Fl. Or. IV. p. 18C. (1879j, iu Verb. d. bot. Vor. d. t'iov. Braudpnb. XVII. Sitziingsber.
1). 18. (1875).
In locis lapidosis montis Elwend jirope Hamadan.
Die Beschaffenheit des Kelches ist sehr verschieden. Es tinden sich au demselben Exemplare
2— 5 spaltige Kelclie. Die Kelchziplei sind dem entsprechend bald einlach, bald 2 — 3zähuig, je nach der
Zahl der Zipfel, durch deren Verwachsung sie entstanden.
11*. Onosma inicrotiperniuni Stev. in litt, ail Fisch, sec. Hohenack. Euniu. jjI. itiu. Talysch. in Bull. soc. uat.
Mose. XI. p. 305. tis38).— Boiss. Fl. Orient. IV. \i. läl. (is79).
Syn.: 0. microcarpa A. DC. Prodr. X. p. 6-J. (1846).
Prope Maehran in montibus Karaghan; solo calcareo. (11. V.)
In declivibus arenosis prope Jalpan. (25. V.)
In rupestribus montium prope Dauletabad. (31. V.)
In monte Elwend prope Haydere. ( 6. VI. )
20. Onosma spothulata Wcttsteiu fspec nov.).
Perennis, caulibus erectis, simplicibu.s, circa 20™ lougis. Tofa phuita setis lougis, albis, i)atentissimis
asperrima.
Caiilis eaerulescens, setis longis, albis, tuberculis glabris, minimis insidentiltiis asi>er. Folia spatliulata,
radicalia petiolata, caulina sessilia, apice late rotuudata, superne undique, subtus margine et nervo mcdiauo setis
albis, tuberculo minimo glabro iusidentibus, patentibus, longis obsita, inter setas pube molli brevissima. Kaeemus
Simplex vel bitidus vel subramosus. Bracleac lanceolatae, longo acuminafae calyce longiores vel aequilongae.
Pedicellus brevissimus. Calyx quinquepartitus, laciniis anguste linearibus, aeutis,extus albo-setulosis, intus pilis
longis, tenuibus obsitis. Corolla calyce tertia parte lougior, tubulosa, superne ampliata, lutea, estus et intus
puberula, lobis quinque, latis, brevis-^imis, sui)revoliilis, apice ciliatis, nectario glabro. Antherae inclusae, basi
cohaerentes, filamentis latis aequilongae. Stylus exsertus. Nuculae. . . .
Folia radicalia (incL petiol.) f/'" louga, 8 — 9""' lata; caulina 25 — 30""" longa, 5— H"'™ lata. Calyx
tlurifer 13 — 15""" lg., corolla circa 20""" longa.
Inter Rustemabad et Riidbar; solo porphyritico. (23. IV.)
Eine durch die Bekleidung und die Form der Blätter sehr ausgezeichnete Art!
21. Onosma Stapfii Wettstein (spec uov.).
Totum humile, 20—30™ lg. (ex speeimine fructifero !), setis albis, patulis hispidiim.
Radix bienuis, collo multicauli reliquiis foliorum vestilo, setoso. Caiilis erectus vel ascendeiis, valde ramosus,
setis patentissimis, albis vestitus. Folia ramulorum sterilium et radicalia lineari-spatulala, iu petiolum attenuata,
obtusiuscula, caulium floriferorum oblonga-lanceolata, sessilia, acutiuscula; omnia subtus margine revoluto nervio
medio, crasso ))rominente, setis albis, patulis, tuberculo crasso, hirsuto sed nun stellatim piloso insidentibus, in
pagina superiore ubique, in pagina inferiore, praesertim ad nervum et marginem obsita, inter setas setulis
brevissimis vclutina. ßracteae lanceolata, longe acuminatae, setuldsae ut folia. Calyx patentissime setosns pedi-
cello brevi, laciniis setaceodiiiearibus,fructifcr accretus. Corolla calyce tertia— qiiarta jiarlc lougior, tuiiulosa, vix
ampliata, flava, puberula lobis brevissimis, lalis,denique rev(dutis. Nectarium glabrum. Antherae parum exsertac
30 Otto Stapf.
basi cohaereutes, filaraento duplo lougiores. Stylus exsertus. Nuculae laevissimae, saepe marmoratae, oblongo-
triuugulares, abrupte acuuiinatae.
Folia radicalia petiolata 5 — tj""lg., iu parte superiore G— 8'"" latae, cauliua sessilia 3— 4"'" lg. 5 — 7""' lata.
Pedicellus 2— 3"" lg. Calyx florifer 12—14"" fructifer 15— 17""' lg., laciniae 1 '/.^— 2°>" latae. Corolla 14—15"'"
longa, dianietro 3 — 4""".
lu declivibus areuosis montium prope Jalpan. (20. VI.)
Onosma Stapfii unterscheidet sich von (). sfeiiosijjhati (Boiss. Diagu. plant. Or. nov. Ser. I. fasc. 7. p. 35.
1846) besonders durch die reichere Beblätterung, die ^iel kürzeren Blütlieiistiele und längereu Korolleu.
0. rwpeatre (M. Bieb. Flor. Taur. Cauc. I. p. 132.) ist schon habituel, abgesehen von der perennirenden
Wurzel, iliucli den einfachen, selten schwach ästigen .Stengel verschieden.
22. MchilllH antoenuni Fi.sch. etMey. Ind. IV. sem. hört. bot. Pnüüp. p. 35. (ls3T). — Boiss. Fl. Or. IV. ).. 209.
(I879J.
Ad versuras prope Rustemabad. ( 24. IV.)
23. EcMum ItaliCUtn L. Spec. planl. Ed. ->. p. -200. (1762).
In agris aridis vallis Gendjname ad nionteni Elweud (27. VI.); in agro arenoso prope Hamadan.
(9. VII.)
24. Arnehta COfUllta LiMleb. Plant. Alt. I. p. 175. ns29), Icon. I. t. 2r> «ib Lithuspermu. (1835).
Inter Rustemabad et Derbeud; scdo porphvritico (23. IV.); in jugo prope Käbuterchan. (14. V.)
25. Arnehia Griffithil Koiss. Mv.v^w. plant, Or. nov. ,Ser. II. fasc. 3. p. 135. (lS.-,0), Fl. Orient. IV. )). 213. (1S79).
In collibus arenosis ad nioutes prope urbem Baku. (11. IV.)
26. Arnehia mhn'ma Wettatcin (spec. nov.).
Annua, caule pumilo, siiupiici, inflorescentia deusissima.
Radix verticalis,fusca. Caulis erectus, simplex, glaberrimus. Folia oblonge — lanceolata,olitusa,supra setulis
brevissimis, adpressis, albis, obsita, subtus glabra vel ad nervös setulosa, inferiora basi louge attenuata, superiora
semiamplexieaulia. Racemi floriferi breves, deusi, simplices vel 2 — 3 tidi. Bracteae lineares, obtusae, setulosae,
ad margines ciliatae, laciuiis calycis aequilongae. Calycis laciniae lineares, obtusae, setulosae, basi ciliatae.
Corolla flava, tubo calyce duplo longiore, limbo anij)lo, lobis crenatis. Nuculae. . . .
Tota ])lauta 3—5-" lg., folia iuferiora 2U— 30""" longa, 5—6""" lata, laciniae calycis floriferi 11 — 13'"'";
tubus corollae 18—22'""', lobi linibi 3—4'"'" longi.
In montibus siccis prope Patschiuar [27. IV.)
Die vorliegenden Exemplare lassen die Beschaffenheit des Fruchtkelches und der Früchte nicht erkennen.
Dennoch dürfte diese Art der A. Binigei Boiss. Flor. Orient. IV. p. 215 (1879) am nächsten stehen. Sie
unterscheidet sich von dieser leicht durch den kahlen, einfachen Stengel, die an der L'nterseite mit Ausnahme
der Nerven kahlen Blätter, die Länge der Deckblätter u. s. w.
27. LUhosperniiim avvense L. .Spec. pl. ed. 1. l. p. 132. (17ö3j.
In agris prope Akstafa. (3. IV.)
28. lAthospermuni ealyclnuni Wettstein (spec. nov.),
Auuuum, tota plaufa liumilis, 10 — 15'"'" alta, adpresse strigulosum.
Radix anuua, multiceps. Caulis erectus vel asceudens, simplex vel subramosus. Folia radicalia sjiathulata,
breviter petiolata, cauliua linearia, acuta, margine subrevoliita; omnia uninervia, adpresse strigulosa. Racemi
simiilices vel subraniosi. Bracteae forma folioium (^aiiliuorum calycibus lougiores ut calyces coerulescentes.
Pedicellus minimus, Calyx quinque-i)artitus, laciniis linearibus, acutis, fructifer accretus. Corolla calyce tertia
parte longior, caerulea, longe tubulosa, lobis quinque o\ atis, extus pubesceus, intus plicis quinque velutiuis
lougitudiualiter obsita. Antherae parti inferior! tubi adflxae tilamentis brevissimis. Nuculae trigoiiae, in rostrum
abrupte contractae tuberculis irreguiaribus ol)sitae.
Die botanischen Ergcbnifise der Po/ak'sehen Expeditio» wich Persien. 31
Folia radicalia 3—4"'" lg., cca. 8"™ lata; eaulina 14—18""" lg., 3—4"'"' lata. Oalyx .5—6"""; fmctifer
g_9mm ]f„i„.„g_ Corolla 8—9'""' lg. Nuciilae 3""" lg. —
In colle prope Jelizabethapol, Traiif?caucasia (4. IV.); ad fluineu Kura pmpe Jelizalietliapol. (H. IV.)
L. calycitmm steht am nächsten dem L. fenuifionim Linne (Snpplem. iilanl. syst. veg. p. 131. 17S]) und
L. iiirrassatKiii Guss. (Prodr. floi'. Sic. I. p. 211). Von erstevem unterscheidet es sich insbesondere durch die
viel grösseren Blüthen, die zugespitzten Blätter und die längeren und zugespitzten Zii)fel des Frnchtkelches.
Von L. incrmmtani Guss. ist es, abgesehen von anderen Merkmalen, schon durch die nicht vergrösserten
Fruchtstiele verschieden .
20. Moltkia eocrulea Wilia. Spec plant. Tom. I. par.s. 11. p. 77.5. siib Onosmatc. 11797). — Lehm, in Act. aoc. nat.
scnit. Halens. Vol. 3. fasc. 2. j). r,.
In itinere inter Rudbar et Mandjil (26. IV."); in colle prope Kiiliuterchnn (14. V.); in colle prope Zania-
nabad in ditione montis Elwend. (;iO. V.)
30. Afkaima Graeca fioiss. rt Sprun. in Roiss. Dia.nn. pl. Orient, nov. .'^er. I. fasc. 4. ji. -17. (1844).
In rupestribus ingi montis Klwend ad nrbem Tusirkan. (27. VI.)
In saxosis et deelivibns prope Geudjname. (13. V. et 21. V.)
31. MjJOSOtis silraUca Hoft'm. Deutschl. Floi-. I. p. S.5. (1800). — Uchb. Ic. tl. (ierni. et Hclv. XVIII. t, 121. (ls27).
Ad tbntem in itinere ad Tusirkan in parte septentrioiiali montis Elwend (27. VI.); in paludosis prope
Rescht.. (22. IV.)
32. MyoSOUs .sparslfloya Mikan inlloppc Taschenb. p.71. Ms07i. — Rolib. Ic. fl. Genn. et Hclv. XVIII. Tab. 824.
(18,57).
In saxosis prope Gendjname ad montem Elwend (20. V.); pro[ic urbem Hamadaii. (^20. V.)
33. MyOSOtiS Stricta Link. Enum. pl. liiut. Lcrol. 1. p. 164. (is-jl).
In vallc Gendjiiaine jirope Hamadan. (li). V.)
Var. niinuti/iorn Boiss. et Reut, rii.^ill. plant, nov. p. so. il852).
In petrosis vallis Gendjname |)rope Hamadan. (l'.l. V.)
34. Jiochelifl dispei-rntl Linne Dec pl. rai-. Inirt. Ujis.il. t. 7. (1702) sub lAtliusiimmi. — Spec. pl. Eil. I. \^.^'^\. (1762).
Syn.: BocIieJia tilc./hiki/<i Rclib. PI. crit. IL t. 122. (182;i). — C'f. Rcichenb. in „Flora" 1824. p. 243., Ideni. Ic. Flor.
Germ, et Ilelv. Vol. XVIII. p. 79. t. 132. (1856).
In rupestrilius umbrosis prope Gendjname (^19. V.); in glareosis montis Elwend prope Hamadan, 2600'"
s. m. (6. VI.); in colle prope Hamadan. (17. V.)
35. Hochelia Persieu Bunge in litt, ad Boiss. — Boiss. Fl. Orient. IV. p. 24 1. M879).
In glareosis montium prope Patschinar. (27. IV.)
36. JRocheUa stylnris Boiss. Fl. Orient. IV. p. 245. (1879).
In deserto Transcaucasico. (3. IV.)
37. Bchinospermum mierocarpmu Ledeb. Fl. Alt. I. p. 202. (i829), icon. flor. Boss. t. i83. (i829i.
In glareosis prope Patschinar. (27. IV.)
38. Echinospermum sanratUe Pall. Nov. act. Petrop. )). 30:;. 0792) sub MyosoUde (sec. A. DC. Prod. X. p. 137).
!Syn.: Mi/osotis hnrhata Marsch. Bieb. Fl. Taur. (.'auc. L p. 121. (1808), Cent. pl. rar. Hess. t. XXXVI. (1810). —
Echinospermam barhatum Lehm. Asperit'. p. 128. (1818). — Bockelia barhata Roem. et Schult. Syst. veg. IV. p. 110
et 782. (1819).
In rnpibus ad iter inter Rustemabad et Derwend; soh) porpliyiitieo (23. IV.); in locis lapidosis ad Jalpan
prope Hamadan. (Flore albo et coeruleo !) (24. V.); inter salices ad Schavverin prope Hamadan. (12. VI.)
39. JSchinospemiuni sessilißorirm Boiss. Diagn. plant. Orient, nov. ISer. L läse. 11. ji. 124. (1849).
In collibns siccis prope Dauletabad in montibus Elwend. (26. V.)
32 Otto Sl (!])/.
40. HJcJÜnOSJierinniH, splllOCHrpO.s Foisk. Descript. p. 4I suli Anchusa. (See. Vahl. Symb. II. p. :5-.>. (1774). —
Boiss. Fl. Orient. IV. p. '249. (1S79).
Syn.: Myosoth spinocarjws Vahl. Synib. bot. II. p. :i2. i_1774). — Ecltiiiospcrmiiiii ValiliaHum Lehm. Plant, o tani. Asper.
p. 132. (1818.)
In itiiiere inter Rustemabad et Riidbar (23. IV.) ; in vervactis prope Mandjil. (26. IV.)
41. Echi liospertnuni HliOVituianimi Fi.sch. et Mey. Index see. sein, liort. Petrop. p. 36. (1834.)
Syn.: Heterocanjiim pachi/poiluni. If. S:uvitzianum A. DC. Prodr. X. p. 144 — 145. (1846.)
In vinetis prope Tschitschian in ditione urbis Hamadan. (28. V.)
In aggeribus prope Kaswin. (4. V.)
42. ParaCdryuui undulatnin Boiss. Diagu.pl. Orient, uov. sei. I. fase.ll. p. 129. (1849). — Floi-. Orient. IV. p.2.56.
(1879.)
Prope Mandjil (26. IV.); in montibus prope Maehran (25. V.); in coUibns prope Jalpan (21. VI.); In
declivibns siceis montis Elwend prope Gendjnaiue. (1. VII.)
In Bezug auf die Früchte .«lagt lioissier 1. c.: .,discus areolntus tuherculatus." Dieses Merivinal tritTt
bei einem Tlieile der vorliegenden Exemplare zu, an den aiulcreu ist das Scheibeben in der Mitte stachelig
borstig, am Rande kahl.
43. Soletiantlms petiolaris A. DC. Prodr. X. p. i64. (is46}.
Inter Kaman et Kaswin. (5. V. 1882.)
44. Mattia albida Wettstein, (spec. nov.).
Perennis mnlticaulis, toto cana, caulibus simplieibus, foliosis, racemis floriferis densis, capitatis.
Rhizoma crassum, squauiinatuni. Caulis siniplex. elatus vel ascendens, crebre foliosus,pilis brevibus, lanu-
ginosis, canesceus. Folia omnia canescentia, inferiora lanceolata, longe petiolata, acuta vel obtusiu.scula, caulina
lineari-lauceolatM,sessilia,acuminata, versus apicem pilis longioribus.lanuginosis, saepe ibidem incurva. Racemi
ebracteati, floriferi densi, capitati, past .inthesin .subelougati. Pedicelli ut calyees deusissime lanati, albidi, calyce
florifero breviores. Calyx quinquepartitus, laciniis oblongo4anceolatis, acutis. Corolla calyce tertia parte Ion-
gior, coerulea vel atropurpnrea (saltem in specim. ex.siccatis), glabra, tnbulosa, lobis quinque brevibus, obtusis,
crenulatis, tubo dccolori, intra gibbos snpra basin sito, angustato. Stamina filamentis ad medium tubum
orientibus, inclusis, antheris ovato oblongis, exsertis. Stylus inclusus vel parum excedens, glaber, stygmate
punctifonni. Nucnlae...
Caulis. 20—25"" long.; folia radicalia 6—9"" lg., 3—4-""' lata, caulina 3—4™ lg., 2"'» lata. Pedicelli
floriferi 3 5'"'"; calyees floriferi 7 — 8"'" lg., corolla 8 — 9""" long. Flores infimi racemorum saepe corolla
decemloba, calyce decempartito, decandri.
In montibus Karaghan prope Schurab. (11. V.)
Mattia atbkla weicht v.ui den ihr zunächststehenden Arten mit Hohlschuppen, die an der Basis der
Kronenröhre stehen, sehr bedeutend ab.
Sie unterscheidet sich von M. Banyei (Boiss. Flor. Orient. IV. p. 274) durch den höheren reich und
langbeblätterten Stengel, die kürzeren Kroneuzipfel, besonders aber durch die viel kürzeren Staubgefässe, die
blosmitden Antheren die Korolle überrai^en; von lU. laiiafa Lani. 111. 1802 durch die viel stärkere Behaarung
alier Theile, die kürzeren Blüthenstiele, die kürzeren, weniger tief gelappten Corollen, die hervorragenden
Staubgefässe und die kürzeren GriH'el.
45. AspeVligo prOi'UinhcnS I.inn. Spee. id.mt. ed. 1. I. p. 138. (1753).
In silvis inter Rescht et Pirebazar (lü. IV.); prope Kaman (5. V.); prope Käbuterchan (14. V.)
46. Caccinia glauca Savi. Cose bot. ji.i. tab. i. (i832.)
Syn.: C. Celsil Boiss. Diagn. Sor. I. fasc. 11. p. 133. (1819).
In rupestribus inter Rustemabad et Rudbar; solo i)orphyriticü. (23. IV.)
Die botanischen Ergebnisse der Polak'schen Expedition nach Persien. 33
47. Caccinia Baawolfii C. Koch in Liunaea XVII. p. 303. (1.S43).
Syn.: Li/cojisis Dioscon'dis Kauw. Beschreib, e. Reis. i. d. .Morgenl. N. I-JO. — Caccinia Kauwolfü A. DC. Prodr. X. ji. 167.
(184()). — Cijnoylossuiiilongiflonim Lehiu. Asperif. p. 16". (ISIN).
In tumiilo alto prope Agababa (Transcauc). (29. IV.)
Es ist dies dieselbe Pflanze, die Rauwolf in „Bescbreibj,''. e. Reis, in d. Moi-g." Nr. 120 abbildet und die
in Lehm. Asperif. p. 162. als Cyiioglossum hxjijhrum beschrieben i.st. Boi ssier cf. Diagu. pl. Or. nov. Ser. I.
fasc. 11. p. 134. (1849) hält sie, ohne sie gesehen zu haben, für seine C. Busselii {}. c. p. 133) und erklärt
C. Rauwolfii Koch für identisch mit C. glauca. Savi. C. Rauwolfii ist aber von G. (jlauca wohl unterschieden
durch die schmäleren Blätter und linearen Zipfel der Krone. — Lyropsis Dioscoridis Rauw., Caccinia Rau-
irolfii A. DC. Prodr. und Cynoglossum longißoriim Lehm, sind also synonym mit C. Rauwolfii Koch, und nicht
mit C. Riis^elii BoiH». — Boiss. citirt übrigens (Fl. Orient IV. p. 208.) Lijcopsia Dioscoridis Rauw. auch als
Synonym zu Ecliiiim RauwoJßi Del., wohl nur in Folge eines Irrthums.
48. Tricliodesma molle A. DC. Prodi-. X. p. 174. aste.) — Boiss. Fl. Orient. IV. p. isi. (1879).
In locis apricis siccis prope Scbawerin (28. VI.); prope Jalpan (20. VI.); in collibus et inontibns apricis
ad montes Elwend prope Hamadan. (2S. VII. )
Solanacoae.
Auetore R. de Wettstein.
1. Hyoscyamus pungeus Griseb. Spicil. flor. Rum. II. p. 52. (1844).
Syn.: H. pusillus L. y-j,v. pnnjens A. DC. Prodr. XIII. p..i51. ^852). — H. pusiUus Boiss. Fl. Orient, IV. p. 294. (1879^
pro parte.
Prope Mandjil. (26. IV.)
2. Hyoscyatrms pusillus Linue Sp. pl. Ed. i. I. p. iso. (i753).
Syu.: //. pusillus Boiss. Fl. Orient. IV. p. 294. (1879; pro parte.
Ad Zamanabad. (27. V.)
3. Hyoscyamus reti<?ulatiis Linn. Spee. pl. Ed. 2. I. p. 257. (1762).
Syn.: //. Camemrii Fisch, et Mey. Ind. quart. sem. hört. bot. Petrop. p. 38. (1837j. — H. piimatißdus .Schlecht, in
Liuuaea 1843. p. 127.
In locis apricis pmpe Patschinar. (27 IV.)
Prope Nedjefabad ad Hamadan. (11. V.)
4. Hijoscaymus Seneeioilis Willd Enum. plant, hört. bot. Berol. p. 228. (1809).
In Jugo „Imamzam" ad Haschern in montibus Demawend (4. VII); 3000" s. m.
Var. : bqnmiatisechis Boiss. Fl. Orient. IV. p. 297. (t879.i.
Syn.: //. hipinnatisectus Boiss. Diagu. iilaut. Or. uov. S6r. I. f. 7. p. 36. (1846.)
In rupestribus prope Ask ad montes Elbrus. (11. IX.)
Plantagineae.
1. Plautago ovata Forskai Fl. Aeg. Arab. p. 31. (1775). - Dccaisne in DC. Prodr. XIII. p. I. p. 706. (1852). —
Boiss. Fl. Or. IV. p. 885. (1879) pro parte.
Syn.: P. villosa Moench Metli. p. 459. (1794). — P. arycntea Desf. Fl. Atl. I. p. 136. (an VIII = 1800). — P. micro-
cephahi Poir. Encycl. uietli. V. p. 378. (1807).
Inter Rudbar et Rustemabad. (23. IV.)
2. Plantago Orientalts stapf (n. sp.).
Monocarpica, acaulis, angustifolia, plus minusve sericeo4anata, denium saepius glabrescens, scapis tenuibus,
spicis pallidis, parvis, ovatis, fructiferis cylindrico-elongatis.
Denkschriften der mathein.-uaturw. Cl. L. Bd. Abhandlungen von Nichtmitgliedem. e
34 Otto Stapf.
Radix verticaliter vel oblique descendens, tenuis, fibrosa. Folia anguste lanceolata, acuta, longe in basin
atteniKita, Irinervia, obsolete calloso-dentata vel integra, pallide \india vcl interdum rubescentia, inui basi pilis
lougis, mollibus, serieeis obsita, sericeo-lanata, demum, imprimis faeie, saepe glabrescentia.
Scapus tenuis, adpiesse pilosus, folia bis terve superans. Spica parva, primum ovata, deinde oblonga vel
breviter cylindrica. Bracteae late ovatae, acutae, dorso carina nuitica, viridi fere nd apicem percursae, late meni-
branaceo-marginata, apice barbulatae, eacterum glabrae. Calyx bracteam subaequaus, laciniis auticis in unani,
bilobam, bicarinatam connatis. jiraeter cariuam viiidem albo-membrnnaceis, lobis apice obtuso, crassulo, minute
barbatis, postieis liberis, caiinatis, carina viiidi, iu acumeu muticiim, brevissimnm abeunte excepta, albo-mein
branaceis. Coralla lobis ovatis vel ovato-ellipticis, acuminatis, basi gibbosis, albidis, basi vel supra eam badio
notatis. Semina oblongo-ellipsoidea, dorso suleata hievia.
Plaut, tot.: I Cal. lob. ant. eirc. 2™'" lg.; 3""° lt.
Fol.:
Spica. :
Bract. circ. 3 • 5'"'" lg. ; 3'"'" lt.
., „ post. circ. 2""" lg.; 2-4""° lt.
CoroU. lob. circ. 2""° lg.; 1-3 — 1- 4'"-" lt.
In humidis, arenosis moiitium ad .Jalpau. (1,5.VII.)
Es steht diese Art zweifellos der P. Janceolata und noch mehr der in den westlichen Mittelmeerländern so
verbreiteten P. lanafa Portenschi. (Host. Fl. .4.ustr. I. p. 210. ) nahe, unterscheidet sich aber von der erstereu
durch Farbe, Form und Behaarung der Blätter, von beiden durch die Form der Bracteen, die zarte Wurzel und
dadurch, dass sie typisch einjährig ist. Dass letzteres der Fall ist, geht daraus hervor, dass unter den zahl-
reichen von Pichler gesammelten Exemplaren sehr oft noch die vertrockneten Samenlappen zu sehen sind,
obwohl schon viele sich im Zustande der Fruchtreife befinden. Der Umstand, dass dieselbe Pflanze, wenngleich
in einer etwas stärker behaarten uud kleineren Varietät auch von Luschan iu Lycien gesammelt wurde, lässt
vermuthen, dass ihre Verbreitung im Orient eine ziemlich grosse ist. und dass sie hier dieP. lanafa Porteuschi,
vertritt.
3. PlauffKJO Loefßlngii Liuu6 Spec. plant. Ed. 1. I. p. XI,5. (1753). — Jaeq. Hort. Viudob. IL p. 58. t.l26. (177-J).
— Trautvett. Imag. Fl. Ross. p. 25. t. 18. (184-4). — Ledeb. Fl. Ross. IU. p. 485. (1847—1849). — Boiss. Fl. Or.
IV. p. 883. (1879).
In siccis collibus ad Baku (Transcauc.). (13. IV.)
4. FlanUujO praecox C. A. Meyer Verz. Cauc Casp. Pfl. p. 115. (1831). — P.ani. Mou. Plant, p. 41. (1845). — Ledeb.
Fl. Ross. IIL p. 484. (1847—1849).
Syn.: P. notatu Boias. Fl. Or. IV. p. ss5. (1879).
In arenosis supra Baku (^Transcauc). (11. IV.)
Yerbenaceae.
1. Tjlppü(, nodifloi'U Linu6 Spec. plant, ed. l. L p.-2u. (t7.i3) »whVerbena. — Ledeb. Fl. Ross. IIL p.330. (1S40— 51V
— Boiss. Fl. Or. IV. p. 532. (1879).
Syn.: Zappania nodlflora Lam. 111. p. 248. t. 17. 1'. 3. (1 . ). — L. sarmmtosa Spreng. Syst. IL p. 752. (1825).
In cultis prope Etmol (prov. Mesanderan). (IS. IX.)
2. Vei'bena tenuispicata stapf (u. sp.).
Perenuis elata, stricta, simplex, iuflorescentia e spicis angustissimis racemose dispositis oblique erectis
composita, floribus niiuimis, caeruleis.
Cauli.s rigidus, quadrangulatus, imprimis in aciebus pilis brevibns, tuberculis minimis insidentibus, ad-
pressis scaber, in faciebus binis striis binis percur.sus, in alteris laevis. Folia ambitu ovata vel ovato-oblouga vel
ovato-lanceolata, summa lanceolata, in petiolum brevem, angustnm vel saepius plus minusve latiim contracta,
obtusiuscula, basi profunde pinnafim incisa, superne grosse deutata, laciniis oblonge- vel lineari-lanceolatis,
dentatis, utrinque adpressissimc strigoso hirsuta, imprimis dorso iu uervis, margine iucouspicuo-revolula. Brac-
Plaut, tot. 'So— 50"" lg.
P.ract. 2""" Iff.
Die hoffifiischen Ergebnisse dei Pol nk' selten Expedition nach Persien. 35
teae ovatae, aciitae, liivsutae, niai'S'ine dense ciliafae, calycibus tertia parte, breviovcs. Calyx quinqueangiilntus,
qninqiiedentatus, inter angnlos dentesque lierb.iceo.s albido-membranaceus, niargine ciliatiis, birsutn.s, i)aice
glnndiilosiis. f'ornlla fnenilea, tiibo bieviter exsprfo, vix incurvo, linibi Inbis ob(tvatis, siibaeqiialibus.
Fiuctiis.. . .
Calix: 2'/.^—,^"™ lg.
Corull.: 3— 8 '4""° lg.
lii paliidc partim !<icpato prope Hamadan (2. VII.)
Der V. officinuUa L. sebr nahe .stehend, aber (Uiicli die feinen. kleinblUtbigen Ähren und fast blauen
Corollen verschieden.
Labiatae.
1. 3Ientha roaeolor sta])!' (n. sp.).
E basi ranxisa, raniis ereetis vel ascendentibiis, simplicibus vel f5a,epius infloresceutia parce ranio.sa, caulibus
saepe inferne atrorubentibus, ut tota planta,molliter tomentosis, foliis plerumque plicatis, reciir\is, pallidis, spieis
oblongo-lanceolatis, densifloris, floribns albidis.
Canlis quadrangularis, iuferne atroiiibenss, .superne luteo-viridis, \ersiis basin albo-, versus inflorescentiam
lutescenti-i)nlv('nilentn-t(imentosn8. Folia sessilia, oblonge- vel ovato-laneeolata vel lanceolata, acuta, acute ser-
cata, utiinfjue inolliter tonientosa et coneoloria, pallida, inferiora, ineanoviridia, superiora lutescenti-viridia,
plicata vel infeiiora plana, plerumque valde recurva, superne sensini minora, in tloralia parva abeuntia. Verti-
cillaf<tra sub anthesi in spicani densam vel basi interruptam, oblongo-lanceolataui vel laneenlataui, denuun au-
guste obovato-oblongam vel cylindricam, apice initin braeteis alabastra superantibus, ecniatam congesta; frueti
fera plus minusve dissolula. Bracteae lineari-setaceae, longe et dense villoso-ciliatae, longitudine variae. Calyx
pallidus, patule villosus,dentibus subaequalibus, e basi triangulari-ovata subito subulatis, longe eiliatis. (Jorolla
l)allida, extus villosa, lobo postico brevissime bilobo, a.nticis ovato ellipticis, obtusis.
Oninia specimina hermaphrodita.
Tota jdanta 35— 6<>™ Cal. 2'""' lg.
Fol. interni. 1-5— 2-5"" lg.; 7 — lU""" lt. Cor.: 4""" lg.
Spie, sub anth. 27^- 4='" lg.; 9—11™" lt. |
In humidis inontium circa Hamadan (26. VII.).
AI. concohr steht der ili. canescens Roth am nächsten, unterscheidet sich jedoch habituell von ihr durch
die auf beiden Seiten fast gleichfarbigen, bleichen, meist 7Aisanimengelegten und säbelförmig nach unten
geschlagenen Blätter, .^owie durch kürzere Ähren. Von M. incana AVilld. weicht sie durch längere Stengel,
schmälere Blätter und weniger /ahlreiche Bliithenähren, von M. tomeiitosa D'ürv. durch die spitzen, aui' beiden
Seiten gleichfarbigen Blätter und viel kürzere, während der Blüthezeit dichte Ähren.
2. Mentha Hatnadanensis stapf (n. sp.).
Planta androdynamica:
E basi ramosa, ramis ereetis vel aseendentibus, simplicibus vel summa parte parce ramosa, incana, foliis
interdum plicatis, recurvis \&\ patentibus, spieis elongatis, lanceolato-cylindricis, violaceis.
Caulis obtuse quadrangularis, adpressissime et brevissime tonientosus. Folia sessilia, ovata vel ovato-lan-
ceolata vel late lanceolata, acuta, acute serrata, utrinque, impriinis vero subtus, brevessime incano-tonientosa,
pallide viridia, plana vel plicata, patentia vel saepius valde recurva, superne seusim angustiora et minora in flo-
ralia minima abeuntia. Verticillastra sub anthesi in spicam densam, lanceolato-cylindricam, dennim eylindricam
et paulo dissolutam congesta. Bracteae lineari-setaceae, ciliatae. Calyx atrorubons, pilis albis, mollibus consper-
sus, dentibus subaequalibus, e basi triangulari-ovata subulatis. longe eiliatis. Corolla violacea, extus villosuln,
lobo postico brevissime bilobo vel integro, anticis ovato-ellipticis, obtusis. Stamina longe exserta.
e*
36 Otto Stapf.
Tot. plant. 40—100"" lg. i Cal. 2™" lg.
Fol. interm. 272—4'-™ lg.; 1 -3— 2"-"' lt. Cor. 4"'™ lg.
8pic. snl) autli. Sy^— 4'/2^'» lg.; l"™ lt. i
Planta gynodynamica:
Oninia nt in androiiynaniica, sed spica brevior, tantum l'/^ — 3''" longa et "/t'"' 'ata, villosiov et ideo
magis incana, floribns paulo minoribus, pallidis, staminibus inchisis vel raiius uno aliove exserto. Ad aqnae-
ductns prope Jalpau (16. VII.) et ad livulos piope Haniadau. (28. VII.)
Unterscheidet sich von M. concotor liauptsiiclilich durch den Habitus, indem sie in allen Theilen grösser
und kräftiger ist, sowie durch das dunkle ( Vilorit der androdynamischcn Rlüthen und durch sclnvächere
Behaarung.
3. Mentha calliantha stapf (n. sp.).
E stirpe procumbeute vel breviter asceudente rauios erectos,basi raniulis p;itentibus auctis, siniplices edeus.
incano-viridis, foliis plerumque plicatis recurvisque, spicis elongatis, lanceolato-cylindricis, verticillastris inferis,
remotiusculis, siimmis dense congestis, floribus pulchre violaeeis.
Caulis obtuse quadrangularis, adpresse et breviter tomentelhis, versus basin saepe purpurascens. Folia
sessilia, ovato-lanceolata vel lanceolata, acuta, argute serrata, utrinque, imprimis vero subtus, brevissime et
tenuiter tomeutella, pallide-viridia, plicata vel subplana, ]derunique valde recnrva, superiora sensini miuora,
angustiora et magis remota. Verticillastra sub anthesi iufima breviter ])eduneu]ata, inferiora paulo remota (ideo
spica breviter interrupta), superiora densiora, bracteis alabastris longioribus couuita. Rracteae lineavi-subulatae,
ciliatae, atropurpureae. Calyx saturate atropurpureus, pilis albis, brevibus parce conspersus vel subglaber, den-
tibus subaequalibus e basi triaugulari-ovata sensim subulatim atteuuatis, breviter ciliatis. Corolla tubo albo,
limbo violaceo, extus parce villosulo, lobo postico brevissime bilobo, anficis ovato-ellipticis, obtusis. Stamina
longa exserta.
Specimina omnia audrodynamica.
Plant, tot.: 20—40'"' lg.
&•
Cal. iy,-i7^""»i
Coroll. .3— S'/j""" lg
Fol. interm. 1'/^— S'/z™ lg-; V^-l'A""" lt.
Spie, sub anth. 3— 4Vj™' lg.
Ad paludes prope Hamadan. (23. VI. et. 6. VIT.)
Diese prächtige Minze ist besonders dadurch ausgezeiclinet, dass die unteren Blüthenwirtel kur/gestielt
und um mehr als die eigene Länge von einander entfernt sind, wodurch die Inflorescenz ein cliarakterisehes
Aussehen bekommt, ausserdem aber auch durch das schöne Colorit der Blüthen, Die Behaarung ist viel
schwächer als bei den vorhergehenden Arien und es erscheinen besonders die Blüthenstände auf den ersten
Blick kahl. Ihrer Statur nach ist sie etwas kleiner und zarter als M. concohr.
Die drei Arten M. concolor, M. Hamadanensis und M. wUiantha bilden eine Reihe, deren Glieder sich sehr
nahe stehen und fast nur habituelle Unterschiede zeigen. Nur M. calliantha scheint sich auch durch frühere
Blüthezeit vor den zwei anderen auszuzeichnen. Sie vertreten ofi'enbar in ihrer Heimat unsere M. canescens
Roth und deren nächste Verwandte.
4. Thymais (nthrooclades Stapf fn. sp.).
E stirpe lignoso crasso densissime fruticulosus, ramis erectis vel suberectis, annotinis, nudis, hornotinis
parvifoliis, glabrescens, inflorescentia capitata, pauciflora, floribus albidis.
Raini hornotini quadranguiares, minute reverse puberuli. Folia infera rotundata vel transverse late elliptica,
supera elliptica, obtusa, breviter petiolata, petiolo utroque 2 — 3 ciliis albis, longis oriuitus, imprimis in nervis
minutissime puberula, in taciebus tandem glabrescentia, margine basi pilis brevissimis, superne denticulis mini-
mis obsita, nervis sulitus praecipue medio prominentibus, lateralibus feie marginatibus, secundum marginem
anastomosantibus, glandulis chlorophaeis obsita, in axillis fascicula foliorum parva, ellipsoideo-globosa, vix
„ Slip. 6— T'/j™'" lg-.; 4""" It.
Petiol. ibl. Slip. 1—1'/^""" lg.
Peduncul. 1-8— 1-9"
imm J,,.^
Die hotitnhchcii Erßcfniissc tlrr Pol ak'sclicii Expedition )iach PiTsieii. 37
evoluta gerentia. Rvacteae foliis coiitbrmia, diminuesceiitia. (J:\lyx canipaiuilalo-fiilmldsiiw, lubo tereti, aiiticc
Iiirtello, postiee niinnte pubcrnlo, labio inferiore in deiites diio.'« albo-ciliatos, labio snperiore (ibver.se laliore,
trideiitato, dentibus latc et breviter triangularibus, loiigiore.s fi.sso. Coroila tubo extus .siibglabio, intus po.stiee
viiloso, labio inferiore et snperiore extns Iiirtello- villosis.
Speciinina gynodyuamica.
Frutic. 15— 2('.''" alt. f'al. dciit. inf. 2- 2'"'" lg.
Fol. inf. S'/^— 5"'" lg.; 5—5"./"" 't- i „ 1:>1»- si'l'- 1 ■9-2-1™" lg.; 2-(j — 3""" lt.
„ „ „ dent. 1-" lg.
Coroll. tnb. ;V4""" lg.
„ lab. inf. lob. intermed. 2-G'" lg.
Cal. tub. 1-8— 2'"'" lg. „ ., snp. 2 •(')""" lg.; 2-8""" lt.
Infra Tmamzam Haschein ad radices montis Domaweud. (2. VIT.)
Stellt jedenfalls dem Tli. iIci/khs Cel. Flor. 1883, p. 1.^)2. (ex descr.) s^elir naiie, inifersclieidet sieb aber von
iiini durch die sehr zarte, dem uiibewaffneleii Auge leicht entgehende Behaarung, den flachen, nicht eingerollten,
von feinen Zäckchen rauhen Rand nml die weingelben, nicht rothbraunen Drüsen der Blätter.
5. IhyiUMs Hlweiidicus Stapf (n. sp.}.
Hasi friiticulosus, rarnis vetustis lignosis, ])rocnndK'ntibus vel ascendentibiis, intcrdiim radicantibus; r;iniuli
aiinofiiii plerumque valde a,bbre\iati ex apice hoc .-inno caules floriferos, rarius steriles edentes (et (juasi iicdcin
eorum Ibrniantes), dense folioinm cicatricibus vel foliis ipsis minimis exaridis obsessi vel caulibus floiiferis
restrictis, paulo elongatis et apicc conia folioruin parvorum, raiius praeterea in axillo alicnius cicatricis fascicnlo
folioso praediti; rami hornotini erecti vel ascendentcs, fere semper simplices caule pallido, foliis pallide viridibus,
plus minusve nndulatis vel subplanis, in axillis intirais fascicula foliosa densa, deinde in ramulos supra dictos
ecresceiitia, perdurantia, in snperioribus fascicula foliorum pauconiin gereute, iiiflorescentia ovato cajntata, flo-
ribus magnitudine valde variis, heterostylibus, albis roseis lilacinisve.
Caiilis basi subqnadrangularis, saepe tcnuitcr bicostntus, superne teres, all)i(his \ el basi pallide bruuiieus,
circnmcirca brevissime patuleque hirtellus, basi demum glabrescens. Folia varia, ramulorum perdnrautium parva
vel minima elliptica vel oblongoelliptica, crassinscula, dorso plus minus carinata, nervis secundariis fere
evanidis, glahrn, dense congcsta, vainorum hornotinorum infima obovato lanceolala vel lanceolata, superne pro
longitudine aucta angustiora, subacnt;i, j)lus minusve undulata (imprimis in forma gynodynamica liumiliore),vel
plana basi distincte in petiolum brevem attenuata, minutissinie papilloso-scabrida, fere glahra, vel utraque facie,
imprimis subtus, hirlello-pubescentin, hasi margine ac petiolus ciliis alhis, paucis ornata, vel iiiida, nervis,
praeeipue secundariis, prominulis, siihrectis, sccundum raarginem evaiiidis, lolid vix discoloribus, glandulis
rubellis, niajusculis, crehris. Bracleae basi latiores, caeteruni foliis conformes, superne diminuescentes. Pedicelli
minutissinie denseque hirtelli, calycis tubo aequilongi vel diniidio longiores. Calyx tubuloso-campanulatus,
limbo paulo ;ihrupte ampliato, tulio pallido, nervis viridibus percurso, minute hirtello, labio infero ad basin in
dentes duos, alho-ciliatos fisso, labiuni superum glabrum, ohscure viride, ultra '/., tridentatum superante,huiusce
dentibus acutis, pro ratioiie angustetriaiigulatis, margine denticulis miniinis, scabridiusculis, non ciliatis. Corolla
extus hirtello-villosa, intus in tubo parce pilosa, labio supero quam infero paulo breviore, late obovato-elliptico,
apice emarginato, infero lohis obtusissimis, quadrangulato-ellipticis. Staniina in forma gynodynamica filainentis,
brevibus, antheris parvis plus minusve sterilibus, in androdynamicn longe exscriis (inter duas formas vero tran-
situs occurruntV Stylus semper exsertus.
Suffrut.: 7— 12— 18™ alt. 1 < 'alyc. tub. 2— 2 • 7""" lg.
Fol. ram. perdur. 2—8""" lg. ; 1 V^- 2""" lt. „ lab. sup. 2—2 • 2"'" lg.
„ „ hornot. inf. 5— 9"'"^ Ig ; 3—6"'"' lt. | Oalyc. lab inf. 2-2— 2-8'""' lg.
„ „ „ sup. 12— 18"'"' Ig.; 3— 6"'"' lt.
Pedic. 2— 3 •2'"'" Ig.
Coroll. tub. 3-4- 4-7"'"' lg.
„ lab. sup. 3—3 ■ 3°"" lg.
38 Otto Sfapf.
CoroU. lab. inf. 2-2— 2-6""" lg.
Stam. fil. gyn. 1™" et 1-5'"" lg.
Stam. fil. andr. 3» />"^ lt. et 5'"" lg.
Styl, deinde: 7 — 7-5'"'" lg.
In partibus ad septentrionem \ crgentibus aditus ad Tusivkan in moute Elweud. (27. VI.)
Diese in der Form, Beliaaruug und Grösse der Blätter und in der Grösse der BliUlien sehr veränderliche
Art reiht sieh der Nervatnr der Blätter nach der voransgeheuflen Art an, ist aber durch die Behaarung, die
Form des Kelches, durch den abweichenden Habitus, am meisten aber durch die eigenthüinlichen, narbigen
Kurztriebe ausgezeiehnet, welche nach der BUithezA'it aus den Blattbüscheln der untersten Blätter hervor-
gehen und, wie au einem Exemplar noch zu sehen ist, kurze, dicht mit ziegelartig sich deckenden Blättchen
besetzte Zweige bilden. Diese Kurztriebe (ramuli) dauern allein aus, während die blütheutragenden Stengel
bis auf die untersten Internodien, zwischen welchen jene sitzen, absterben. Im nächsten Frühjahre treiben
dann die meisten Kurztriebe zu blühenden Langtrieben (rami) aus; da sich die verkürzten Internodien der
eisteren nicht mehr strecken und die Blätter derselben meist bald abfallen, erscheinen dann die Kurztriebe
als dicht mit Narben besetzte Fuss!<tücke der diesjährigen Langtiiebe. Mitunter unterbleibt aber die Bildung
dieser, und es verlängern sich dann die Kurztriebe noch um etwas, wobei sie aber ihre charakteristische
Form meist beibehalten, seltener lockerblättrig werden.
G. Thymus JaliHiHensis stapf (n. sp.).
Basi sutfruticulosus, ranüs annotiuis procumbentibus, Inn-notinis ex iis editis erectis, interdum paulo
flexuosis vel ascendentibus simplicibus vel e foliiorum superiorum axillis parce ramosis, caulibus albidis, glabris,
vel glabrescentibiis, inteiniulüs elongatis, foliis pallide viridibus, ph'rumquc angustis in axillis fascieula laxa
paucorum folioruni vel in ramulis non fluriferis saepe densa, riirius subnulla gereut ibus, inüorescentia laxius-
cula, oblonge capitata, demum valde elongata, multiflora, rare pauciflora, cymis infimis saepissime ^■alde
remotis, floribus magnitudine variis, roseis.
Caulis albidus, fere teres, glaber vel tantum snlj nodis minutc hirtelhis \ el rarius parte tota superiore,
rarissime totus parce et minutissime hirtellus. Folia lineari-lanceolata, infima saepe, rarius omnia lanceolata,
summa plerumqne linearia, acuta, sessilin, glaberrima vel superiora facie hirtello-pubescentia vel raro fere
omnia piliusculis albis, minutis in nervis parce cou'^persa, basi margiue parce et longe ciliata, glabrae, nervis
pallidis prominentibus, secundariis binis, in foliis majoribus ternis, rectis, secuudum marginem evanescentibus,
folio fere coucoloribus, glandulis erebris, chlorophaeis. Bracteae basi latiores, caeterum foliis conformes, superne
diminuesceutes. Pedicelli hirtello-pubescentes, infimarum cymarum ealycis tnbo duplo longiores, supremi eum
ae((Uantes. Calyx tubuloso-cnmpanulafus, tubo minnte hirtello, labio infero fere ad basin in duos dentes, albo
ciliatos fisso, supero diniidio breviore, tridentato, ilentibus valde variis, brevibus, e basi lata triangularibus,
lateralibus niedio niinoribus vel rarius medio brevissinio lateralibus superato vel labio supero fere ad medium
fisso, elongatis, aculis, acutissiniisve, margine miuutule denticulato, fere laevi. Corolla tubo exlus intusque sub-
glnbra, limbo extus hirtello-villoso, parvula. Stamiua longe exscrta. Stylus iouge exsertus, stigmate breviter
bifido.
Rami hörn. 15—40'"' alt. Cal. lab. sup. 1-4 — 1-5""' Jg.; l-!5_2""" lt.
Fol. form, grandif. 16— 38""" lg.; 5— 6"™ lt. ; „ „ inf 2—2 • 2'"'" lg.
„ „ parvif 15—17'""' lg.; 2'/2— 3""" lt.
Pedic. 1-5- 4""" lg.
Cal tub. 1 • ü— 2'"'" lg.
Coroll. tub. 3 • 7—4 • 6""°^ lg.
„ lab. sup. 2'""' lg.; 2 — 2-2""" lt.
„ iuf. 3'""' lg.
In collibus declivibusquc aridis et in snxis projie .Tal])an. (20. VI. et 16. ^'H.)
Der 7'/(. Jaljjaiiei/ais steht dem vorbeigehenden sehr nahe und ist wohl als Verbindungsglie«! zwischen
diesem und dem Th. Daenensis Cel. zu betrachten. Von beiden unterscheidet er sich durch die sehmalen
Blätter, den lockeren Blüthenstand und etwas kleinere Blüthen mit weit hervorragenden Stnmina und Gritfei.
Letztere Eigentliümlichkeit, welche bei der grossen Zahl der vorliegenden Exemplare stets vviederkeln-t,
lässt es fnst als gewiss erscheinen, dass die beschriebene Art nicht heterostyl ist, wie das bei T/i. Haiderensit;
Die botanischen Ergebnisse der Folak''schen Expedifioii, nach Persien. 39
der Fall ist. Bemerkeiiswerth ist schliesslich noch das Voi'kommcu einer gross- und einer kleinblättcrigen Form.
Bei erslerer sind auch die Stengel meist viel höher und dann zwischen den Knoten hin und her gebogen.
Übrigens sind zwischen beiden Formen alle Übergänge oft au einem und demselben Stock zu finden.
7. Thymus HayderensLs stapf (m. sp.i.
Suffruticulosus, ramis annotinis procumbentibus, hornotiuis ex iis scria'im editis crectis vel ascendentibus,
caulibus albidis, iuternodiis elongatis, foliis pallide viridil)us, infldrcsccntia Dvato-capitata, multiflora vel inter-
dum paiiciflora, cyniis infinns rare remotis, floribus roseoliUvcinis.
Caulis albidus, interne obtuso-quadrangularis, superne subteres, circunudrca nannte hirtellus vel inferne
binis latcribus subglabrescens. Folia oblongo-elliptica vel ellii)tico-lanceolata, acuta, infra medium in basin
sensim altennata, vix petiolata, utrinque minute hirtellii, imi)rimis subtus in nervis et inferiore parte marginis,
eaeterum denticulis minimis scabridinsculi, bnsi interdum 1 — 2 cilüs ornata, nervo niedio pallido, multo magis
prominente quam secundariis folio fere concoloribns, rectis secundum raarginem evanescentibus, glandulis ere-
bris, minutis, chlorophaeis, in axillis fascicula paucorura foliorum, sacpc valilc conferta, gerentia. Bracteae o\ato-
lanceohitae, sessiles, superne diminuesccntes, eaeterum foliis confornies. PediccUi calycis tulio longiores, dense
Inrtelli. Calyx tubuloso-camijanulatus, hibio iufero in duos dentes ciliatos, labium superum fere ad medium
tridendatum, deutibus triaugularibus, acutis, superantes, fisso, totus hirtellus. Torolla extus hirtello-villosa, lobis
labii infcri supero longioribns ellipticis, imprirais lateralibus, subtruncato-obtusis.
Planta heterostyla, androdynamicn, a gynadynamiea nisi stylo ;\b1)reviato et filamcntis exsertis et flore
oninino majore vix diversa.
Rami horu. 12— I^C^" lg.
Fol. 11 — 20""" lg.; 5—8"'"^ lt.
Form, audrod. Pedic. 3—4™'" lg.; Form, gyuod. 2-5 — .5™™ lg.
cal.tHb.21-2-2™"-lg.; „ „ 1- 8-2""" lg.
„ lab. sup. 1-7-1 -8-^ lg.; „ „ 1-2"^" lg.
„ „ inf. ■J-7-2-ir-lg.; „ „ 1-8-2"- lg.
„ .. cor. tub. 4 -2-4 -5"'" lg.; „ „ 3— 3 -4"'» lg.
„ lab. sup. 2-7-3-™ lg.; „ „ 1-9"- lg.
-))
iuf. 3 - 3 —3 - 5'"" lg. ; „ „ 2-1 """ Ig.
In saxosis ad Haydere (15. VI.); in aridis declivibus ad Jalpau. (16. VII.)
Der Tli. Hai/derensis gehört in die Gruppe des Th. lanc'ifi>Jins Cel. und Th. Daiinenais C'el. (Flora 18^2,
p. 149. s.) und steht in mancher Hinsicht in der Mitte zwischen beiden. Von ersteren unterscheidet er sich durch
das um vieles schwächere Indument, durch kräftigere Stengel und licdeutend grössere Blätter mit etwas
abweichender Nervatur, durch lockerere und weniger gleiehmässig gebaute Inflorescenz, sowie durch eine
etwas abweichende Innovation; endlich sind auch die jungen, noch nicht blühenden Zweige steifer, fast gerade
und tragen ktine Blattbüscliel in den Achseln der Blätter, wie dies bei TA. lancifolius der Fall ist. Von 7'//.
Daenensis weicht er dagegen durch seine sicli über alle Theile erstreckende Behaarung, die weniger hervor-
tretende Nervatur der Blätter, etwas kleinere Blüthen mit tiefer eingeschnittener Kelchoberlippe ab.
8. Calmnintha f/raveolens Marsch, a Bieb. Fl. Taur. Caue. II. 1I.60. (1808). — Benth. iu DC. Prodi-. XU. p. 2:U.
(1848).
In valle Haydere 2400"' s. m. (25. V.); in declivibus areuosis ad Haydere 2200'" s. m. ((3. VI.)
9. Zi::iphOI'a riglda Boi.ss. Fl. Oi-. IV. p. .586. (1879) \n-o y-m-. Z. cliiu>i>0(li<)ides M. B.
In rnpcstribus declivium ad meridiem \ergentium montis Elwend. (10. VII.)
10. Zixiphora capitata Limiö Spec plant, od. l. I. p. -21. (17.5.3). — Boiss. FI. Ol-. IV. p. 5Sfi. (18791.
Syn.: X. comimcta Friv. iu Flor. XVIII. p. 3;i6. (ISS-'i).
In arenosis supra Gendjname, 2200"' s. m. (6. VI.)
40 Otto Stapf.
11. Ziäiphoi'a temiior Liunc Spec. pl;iat. ed. l. I. p. 21. (1753). — Boiss. Fl. Or. \V. p. 587. (1879).
Ad Maudjil (26. IV.); intev .Schurab et Patschiuar (27. IV.); in valle ad Haydere 2400'"^ .s.iii. (2b. V.); in
arenosis ad Hamadan, 2200" s. m. (6. VI.)
12. Salvid Hydranijea De Cand. iu herb, ex ßentli. Lab. p. 717. (1832—1836). — Bunge Lab. Pers. p. 12. (1873).
— Boiss. Fl. Ol-. IV. p. 606. (1879).
In deserto ad Zamanabad (27. V.); in arvis rrlictis in declivibiis ad nieridiem vergentibus montis.
Elwend siipra Zamanabad. (30. V.)
13. Salvia Sxovitsiaiia Bunge Lab. Peis. p. i:i. (1873i. — Boiss. Fl. Gr. IV. p. 607. (1879).
Prope Sepujin, 1600'" s. m. (5 V.); in valle Gendjuame (19. V.); in deserto piope Zamanabad (27. V.)
An den zaldreicheu, mir vorliegenden Exemplaren sind die Blätter siimmtlicb einfach; die Lamina ist
allerdings olt nur 1-1 — 1-2'™ (5 — 10") lang wie Boissier 1. c. angibt, an anderen Stüclceu, besonders
jenen von Zamanabad, aber auch länger, bis 3 — 3-3™. Die luternodien der Infloresceuz werden von Bunge
als gänzlich kahl angegeben. Das trifft zwar für eine Anzahl von Exemplaren von Zamanabad zu; es liegen
aber andererseits vom gleichen .Standorte auch Pflanzen vor, welche alle Übergänge bis zu Formen zeigen,
welche ziemlich reich mit abstehenden, steifen Haaren betetzt sind.
14. Salvia Syriaca Linne Spec. plant. Ed. 2. L p. 36. (1762). — Bunge Lab. Fers. p. 50. (187J). — Boiss. Fl.Or. IV
p. 610. (1879).
Syu.: S.paroiflom Vahl. Eumu L p 268. (1805). — La Bill. Ic. dec. IV. p. 12. t. 7. (1812).
Iu agris prope Zamanabad. (29, V.)
15. Salvia Mchatanensls stapf, (n. sp.).
Herbacea, stricta, inferne arachnoideo-villosa, plus minusve purpureo-suffosa, superne viscosa, foliis
pallidis, subtus fere glaucescentibus, in pauiculani aniplaui, floribnndam abiens, tloribus albidis.
Caulis herbaceus, cavus, eonipressibilis, obtuse quadraugularis, inter angiilos, impiimis ad nodos, purpu-
reo-violacens. inferne albo-arachnoideo-villosus, superne glauduloso-villosus. Folia infima . . ., intermedia et
superiora sessilia, e basi cordatn lyrata vel late ovata, irregulariter repando-dentata, acuta, supra viridia,
parce arachuoideo-floccosa, subtus subglauea, tenuiter adpresseque erispulepuberula, vel partim pilis longioribus
fere arachnoidea; floralia infima late rotundnto-ovata, acuminata, denticulata, superiora integra, breviter molli-
terque ciliafula, nervis saepe purpureis, caeterum cauliuis coufoi'uiia, calyees aequantia vel subaequantia. Verti-
cillastra 6—4 flora, interuodiis calycibus aequilongis, vel summis brevioribus distiuctis, summa iuterdum sterilia.
Calyx longe tubuloso-campanulatus, tubo basi striata glamluloso-viscoso, labiis aequilongis, brevibus, supero sub-
aequaliter tridentato, infero dentibus breviter lanceolatis, ut in supero, spinuloso mucrouatis; fructifer auctus.
Corolla tubo iueurvo, intus nudo, scnsiui in fauccm ampliato, labio supero incurvo, paulo quam infero lougiore,
parce patule villosa, albida.
Specimina quae prostant sujjra biisin decerpta.
Tot. pl. quam 28™ altior.
Panic. 15—18™ lg.; 12—15™ lt.
Cal. florif. 17—19™'" lg.
Coroll. tot. 28—31""" lg.
„ tub. 18—11)""" lg.
Crebra circa Hamadan. (25. V.)
Leider liegen trotz der Häufigkeit der Pflanze um Hamadan nur zwei Stücke vor. 6'. Ecbataiieiisis gehört
in die Section HomaJoaphace, und zwar in die Nähe der S. spinosa L., i.vt aber durch die Form der Blätter, die
Behaarung und Farbe des Stengels, sowie durch die reiche, etwas dichte Infloresceuz und die deutlich
gekrümmte Kronenrölire verschieden.
Die botaidscheii Ergebnisse der Polak'schen Expedition nach Persien. 41
16. Salvia doryphova stapf, (u. sp.).
Tluniilis, b;i.si foliata, mox in pauiculani ami)laiii, divavieatam, i-aimilis rigidis, summa parte gracilibus et
i'oliolorum .sterilium pare determiuatis, quasi lanceam refcrentibus, iiisigucm abeuus, interne incano-viridis, plus
niiniusve rubescens, supra viridis, glaudiiloso-iiirsuta, calycibus tubulosis, majusculis.
Caidis sfrictus, obtuse quadrangularis, albidus, dense glanduloso-iiirtus. Folia infima petiolata, e basi trun-
cata vel rotundata ovato-oblonga, obtusa, sublobata, creuulata vel denticubita, .supra rugulosa, tenuiter floccoso-
arac'hnoidea, subtus rcticulate-venosa, adpresse arachnoideo-tomentella, ineauo-viridia; intermedia .-^aepius
tantum bina, sessilia, c basi subcordata o\ata, caeteruni conforniia; floralia late ovata, acumiuata, intima
denticulata, caetera integra, glauduloso-villosa et ciliata, calycibus breviora, acuta, summa niucronata. Verti-
cillastra 6 — 2 flora, intcrnodiis calycis longitudincni superantibus distincta, circiter tria in ramulis singulis.
Calyx obconico-tubulosus, pallidus, basi valdc striatus, sublucidus,glanduloso4iirtus, labiis aquilongis, brevibns,
dcntibus supeririobus subaequalibus, inferioribus ovatis, omnibus spiuuloso-mueronatis; fructifer auctus. CoroUa
tubo incurvo, sensim et modice in faucem iuter dente.s labii calycis inferi prorectum ampliato, labio supero sub-
recto, parce villosulo, albido, infero vix breviore, flavido.
Plaut, tot. 25—30"" alt. 1 CoroU. tot. 28—30'^'" lg.
Fol. inf. 47^— e-'^lg.; 2V2— 4™lt. „ tub. 18— 20""" lg.
Cal. florif. tot. 17—18"™ lg.; fructif. 25"'"' lg.
Ad agrorum versuras prope Hamadau (6. V.); in agris prope Zamanabad (27. V.)
Eine durch die sparrig abstellenden, arniblütliigen, mit winzigen, sterilen, stachelspitzigen Hochblättern
abschliessenden Rispenäste und die grossen, matfglänzenden, an der Basis dcrbgestreifteu Kelche selir aus-
gezeichnete Art der Section Homalosphace, die sich wohl am nächsten der Ä. ni.ucrosipho}i Boiss. auschliesen
dürfte.
Obs. Planta e seminibus a P ich 1er in Persia collectis in horto Vindobonensi culta multo elatior, ampla,
floruit anno secundo. Folia, ut in spontanea, purpiii-eo-suffusa, mngis eroso-dcuticulata, majora; floralia e basi
cordata latissime ovata, acuminata, crassisucula, lucida, nervis all)idis percursa, margine ciliata, supra tenuiter
et brevissime glandulose-pubescentia, snbtus magis villosa, fere omnia integerrima. Verticillastra sterilia pauca.
Calyx sub anthesi a latere pnulo compressus, inferne longe patuleque glanduloso-villosns, superne glanduloso-
hirtus, post anthesin basi inflatus, valde striatus, supra medium valde compressus, clausus. Corolla tubo vix
exserto, vix incurvo, alba, labio infero medio ochroleuco-albido, basi purpureo-striohito.
17. Scdvia rei'ntophl/Ua \Anni .Spec. plant. Ell. 1. p. 27. (1753). — Boiss. Fl. Gr. IV. p. 617. (1879J.
Syu.: S. exuspenäa Cavau. Ic. VI. p. 38. t. 558. (1801).
In agris prope Hamadan. (3. VI. et 8. VI.)
18. Salvia xantJlOCheila Boiss. in Kotschy PI. exs. Pers. bor. (1846).— Bcuth. in DC. Prodr. XII. p. 284. (1848).
— Boiss. Diagu. Sei-. I. f. 12. p. 59. (1853), Fl. Or. IV. p. 620. (1879).
In agris regionis alpinae montis Elvfend prope Haydere. (7. VI.)
19. Salvia brachy Siphon Stai)t' (n. ap.).
Hcrl)acea, parce foliosa, mox in paniculain amplani, pyramidatam, patule hirsutam abeuns, incano-viridis,
superne glandnloso-viscida, verticillastris distinctis, nnmerosis, floribus brevibus, corollis albidis.
Caiilis crassiuseulus, albidus, superne interangnlos viridis, basi glabresccns,caeternm patule hirsutus, superne
pilis glaiululiferis, brevibus, crebris, intermixtis. Folia intiuui bina, petiolata, e basi cordato-truncata oblonga,
obtusa, sublobata, inaequaliter miaute crcnulata vel eroso-deuticulata, supra vix rugosa, adpresse et temüter arach-
noideo-floccosa, subtus albide nervoso-reticulata, adpressissime et teuuissime arachnoideo-tomentella; superiora
in axillis ramulos floriferos gerentia, seu.sim minora, in floralia abeuntia, sessilia, acuta, deindc Integra, late ovata,
patule hirsntii, viridia, calyces aequaiitia vel iis breviora. Verticillastra 5—4 flora. ])lus quam longitudine sua
remota, summa sterilia. Calyx brcvitcr campanulatus, viscidus, longo et tenuiter hirsutus, labiis brevibus, dcn-
tibus brevibus, spinuloso-mucronatis, supcrioris intermedio minimo, inferioris late-ovatis. Corolla albida, calyce
Oenkschriften der mathem.-nalurw. Ol. L. liil. AbhiiiiclIuiigeQ von Niohtmitglie.lern. f
42 Otto Stupf.
vix duplo loug-ior, tnbo hrevissimo, abrupte ninpliato, iutns sqiiammula fimbriata aucta, lahio supero compvesse-
falcato, glanduloso-pubescente, infero magno, aequilongo.
Plant, tot. 35^"> alt. | Cal. 8—9°"" lg.
Panic 25™ lg. ; 2U™ alt. Cor. tot. 15— 17""".
Fol. iuf. 9— ir"'lg.; 5'/2— 6'/2""'lt. (pet.4' j'^"' lg. „ tub. usque ad strict. S'/j"" lg.
In desertis prope Hamadan. (17. VI.)
Ans der Verwandtscbaft der S. verhascifotia M. aB., S. frü/ida B oiss., S. mitilesfa Boi.sss. und <S'. Atropa-
taiia Bunge, aber durch die kurzen, gedrungenen Blütlien, sowie auch habituell durch den niederen Wuchs
und die mächtige, abstehend behaarte Kipse und die wenigen, ziemlich grossen, feinbehaarten Blätter aus-
gezeichnet.
20. Salvia hyiiolenca Benth. m PC. Prodr. XII. p. 279. (1838). — Bunge Lab. Pers. p. 14. (187.S). — Boiss. Fl.
Or. IV. p. 62;>. (1879).
In declivibus arenosis prope Agh in jugo mcmtis Eiburs. (5. IX.)
21. Salvia poli/adenia ßoiss. Diagn. Ser. 1. f. 5. p. 7. (I.s44). — Bungu Lab. Pers. p. 4.5. (187.'5)
Syu.: S. limhala Boiss. Fl. Or. IV. p. 623. (1879) p. parte.
In faucibus montis prope Jalpan. (20. VI.)
22. Salvia pseudosilvestris Stapt'(n. sp.).
Herbacea, pallide viridis, multifoliosa, in spicara ilensam, flexuos;ini, co eruleo-violaceam abeuns, habitu
iiiter S. silvestrem et S. diniiefonim.
CauHs crassiusculu.«, totus brevissime patuleque pubescens, imprimis superne ad nodos glandulis parcis,
chlorophaeis conspersus. Folia inferiora. longiuscule, intermedia brevitcr petiolata vel cordafo-truncata, ovato-
vel triangulari-lanceolata, acuta, crenata, supra vix rugulosa, tenuiter pubescentia, snbtus dense et minutissime
pubescenti-tomentella, tactu mollia, pallide incauo-vividia; Horalia e basi rotuudato-cordata late ovata, acumi.
nata, inferiora calyces superantia vel aequantia, pallide viridia, superiora breviora, purpureo-violascentia, bre-
vissime puberula. Verticillastra 10 — 6 fiora, dense conferta, basi demum paulo remota, supra ineunte anthesi
foliis floralibus sc imbricatiiu tegentibus. Calyx eami)nnulatus, violascens, pubc brevi canescens, glandulis chlo-
rophaeis parce conspersus, labio supero subrecurvo, late ovato, breviter et acute tridenlato, infero dentibus binis,
lanceolatis, brevissime inucrouatis. Corolla coerulea, caiyce duplo longior, tul)o intus arcu i)ilornm ornato, labio
supero subrecto, tenuiter puberulo.
Plant, tot. 35— 45"° alt. ' Fol. sup. 4—6'^'" lg.; 3— 4™ lt.
Spie. 12—14'="' lg. Cal. 5— GV^'"™ lg.
Fol. inf. 3— 4™ lg.; 1-2-2™ lt. Cor. 12— 14'"" lg.
„ interm. 5 '/j - 8 V^'^"' lg. ; 2 '/^ —4''" lt.
In humidis prope Tschitschian (28. Y.)
Aus der nächsten Verwandtschaft der »S. .-;//()e.s//-/s L., von ilir aber durch l)reitere Blätter, einen dickeren,
saftigeren Steugel und die reich und dichtbllithige, dunkelblauviolette Bliitheuähre leicht zu unterscheiden.
Die Behaarung ist stärker, die Bliithcn sind ein weing grösser als bei S. sitoedris L.
23. Salvia Vil'idis Linne. Spec. plaut. Ed. 1. p. 24. (17ö;!). — Bertoloui Fl. Ital. I. ii. 138. (18:ä3). — Bunge Lab.
Pers. p. 44. (1873). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 630. (1879).
Ad agros prope Rusteniabad. (23. IV.), ad Maudjil. (26. IV.)
Ya,v. leucolophos JStai)f(n. v.).
In Omnibus i)artibus paulo magis couipacta, statura minore at foliis floralibus fructibus majoribns raagisque
conferta; corolla alba, bracteis terminalibus, sterilibus, membranaceo-dilatis albis.
luter s})ecimiua typica ad Mandjil (26. IV.)
Die botatii sehen Ergebnisse der PolaV sehen Expedition nach Persien. 45
Unter den bei Maudjil gesiimmelteu Pflanzen befinden sich Exemplare, welciie durcli ilire weissen
Braelcenscböpie aiiftallen. Ein genauer Vergleicii mit den Pflanzen der typischen Form ergibt aber, wenn man
von geringen Grösseudiiferenzen absieht, in allen anderen Tbeilen eine so vollständige Übereinstimmung,
dass ich zu der Überzeugung gekommen bin, dass man es hier nur mit einer spontanen Variation zu thuu hat,
bei welciier mit dem Fehlschlagen der obersten Blüthen per correlationem ein Auswachsen der Bracteen
derselben eintritt. Von S. Honninum L. untersclieidet sich die Pflanze durch die \iel breiteren Blätter, die
dichU 11 Biiitlienstände und die Farbe der sterilen Hociiblätter.
Polakia stapf (u. g.).
Calyx ellipsoideo-campannlatus, bilabiatus, labiis aequilongis , postiro tridentato, antico ad basin bifido,
fauce intus nuda ; fructiier paulo auctus, medio subinflatus. Corollae tubus iuclusus, rectns, superue ainiiliatus,
intus nndus; limbus bilabiatus, labio supero ereeto, bilobo, infero patent(>, trifldo, lobo medio emarginato. Stamina
duo antica filamentis cum conuectivo articulatis, brevissime mucronulalis ; antherae dimidiatac in plantis herma-
phroditis conuectivo lineari. transverse cum filamento articnlato, postice ascendente, antice deflexo, utrinque
loculum auguste-oblongum, polliniferum vel inferiorem paulo minorem, subcassum ferente, in planta gynodyna-'
mica conuectivo multo breviore, loculis minoribus, a])proximatis, cassis ; staminodia duo, breviter filiformia. Discus
circumcirca subaequalis. Stylus apice bifidns. lobis subaeqiiilongis. Nuculae laeves, magnae, obovatae, valde
compressae, facie interiore obtuse carinatae. Herba basi conferte foliata, foliis inferioribus j)innatisectis, florali-
bus bracteiformibus. Tnflorcscentia valde et strictissime raniosa, ranjis quaternis in verticillum dispositis; verti-
cillastra e cymulis (juaternis, ternis vel in partibus superioribus binis, ad florem terminalem longe pedicallatum
reductis composita, Flores majusculi, :\lbi, diuiorphi, majores hermapliroditi, minores gynodynamici.
Affinis generi Salviae, sed bene nuculis magnis, valde compressis et ramificatioue inflorescentiae, minus
forma corollae distincta, habitu di\ erso, paradoxe.
24. Polnkia paradodca Stapfm. sp.).
Herbacea, inm. basi ramis brevissimis, vegetis, raro in caules parce floriferos abeuntibus ahcta et ideo
conferte foliafa, foliis glaucoviridibus, pinnatisectis valde insignis, mox in paniculam amplam, longe et tcnuiter
ramo.^am abeuns, ramulis ternafis vel quaternatis, superne subnudis, fl(n'ibus magnis, albidis, calycibus demum
subinflato-üvatis.
Caulis crassiusculus, albidus, iuferne brevissime puberulus, superne dense patule-hirsutus, eglandulosus,
strictus vel rarius subanfractus. Folia basalia et ramorum vegetorum petiolata, ambitu oblongo-lanceolata,
pinnatisecta, segmentis linearibus, lanceolatis vel ovato lanccolatis, forma et niagnitudine valde variis, plus
minusve ]n'ofunde dentatis et decurrentibus, glaucoviridia, brevissime pubernla; intermedia et supcriora
pauca, sessilia vel breviter ]»etiolata, superue sensini miuora, cacterum conformia; floralia lineari-lanceolata
vel linearia, inferiora utrinque laciniis singulis vel binis aucta, acutissima, breviter patule hirsnta, pedicello
multo breviora. Verticillastra e cymis 4 — 2 ad florem terminalem reductis composita, valde reniota, supcriora
sterilia. Calyx ])edunculo sul) anthesi aequilongo, dcmum subduplo iongiore sutfultus, rectus, anguste oblou-
gus, longe et patule hirsutus, vix glandulosus, fere ad medium in labia aequilonga fissus, dentibus labii superi
e basi lanceolatis, longe subulatim attenuatis, snmmo multo breviore, labii inferi ad basin fissi lanceolati.s, a])icc
subulatis, fructifer auctus, subinflato-ovatus. Corolla albida, tubo recto sensim in faucem ampliato, intus nudo,
calyce incluso, labio supero inferiore breviore, bilobo, lobis subjilanis, infero trilobo, lobis lateralibus late
ovatis, obtusis, medio bilobo, paulo convexo. Stamina inclusa filameutis glabris, conneetivis infra antrorsnm cur-
vatis, porrectis, loculo antico minore, in plantis gynodynamicis counectivo multo breviore, loculis uiinorüms vel
minimis, approximatis, cassis.
Von dieser nach Angabc des Dr. Polak seltenen Pflanze liegen mir sieben wohl erhaltene Exemplare vor,
die untereinander vollständig übereinstimmen. Der fremdartige Habitus, einerseits bedingt durch die grau-
grünen, fiederschnittigen, an der Basis des weisslichen Stengels dichtgedrängten Blätter, andererseits durch die
mächtige Rispe mit ibren wirtelig angeordneten, in lange, schlanke, steife, nur mit sterilen Hochblättern besetzte
f*
44 Otto Stapf.
Ruthen anshuifenden Ästen, in deren Grunde, gleichsam von starrenden Lanzen geschützt, die hinggestielten,
gvosskelchii;en Blüthcn stehen, Sdwie die grossen plattgedrückten Samen und bis zu einem gewissen Grade
auch der Bau der Blüthc lassen es gerechtfertigt erseheinen, eine neue Gattung aufzustellen, die sieh zunächst
an Salvia anschliesst.
25. Ifepeta microphylln stu]if (n. sp.).
Perennis, e basi ramosa, eanlibus elntis, stricte erectis, glaberrimis, piaeter partem intimam foliis paucis
parvis obsitam, subnuda, cymis pedieellatis, infimis remotis, summis approximatis, dichotomis vel abortu unius
dichotomiae rami imniediatim in raeemum abenntibus, densiusculis, sed alabastris plerisque mox deciduis,
bracteis vero parvis, persistentibus ideoque eymis demnm paucilioris, multibractcatis, tloribus fere sessilibus,
calycibus cyanescentibus, corollis cyaneis, curvatis.
Caulis rigidus, quadvangularis, tenniter striatus, glaucoviridis, glaberrinius. Folia inferiora parva, ovata,
basi truncata vel vix cordata, obtusa, obtuse-crenata, adpresse et minute scabrido-pubescentia, petiohata, suprema
minima, lanceolata vel linearia, subintegra, subsessilia, per paria valde remota, in floralia demuni breviter
filiformia, scnsim abeuntia. Hraeteae tenuiter subulatae, incurvae, pedicelhim multo superantes, dimidium calycis
tubi vix aequantes. Calyx sub anthesi anguste tnbulosus, incurvus, intus nndns, extus aspero-hirtellus, glanduiis,
albidis conspersus, ore valde obliquo, antice ad medium tissus, labii superioris tubo triplo brevioris, ultra medium
fissi dentibus breviter lanceolatis, margine membranaceis, labio infero breviore, bidentato, fructifer ampliatus,
subrectus, basi pallidus, superne cyaneus. CoroUa tubo calyce dujdo longiore, valde ineurvo, angusto, supeme
extus villosulo, labio supero ad basin bilobo, infero trilobo, lobis lateralibus brevibus, latis, medio paulo latiore
ac longo, crenulato. Nuculae laeves, trigonae, paulo compressae.
Plaut, tot. Ab—W' lg. I Cal. 6-7">'" lg.; prim. 0-75™'", dem. 2™"> lt.
Fol. inf. c. pet. 9—15"™ lg.; 7—10""" lt. Coroll. 12— 1 5"'" lg.
Bract. 3—4'""' lg.
In siccis montium ad Hamadan. (26. VII.)
Steht unstreitig der N. teitcriifolia WiWd. und der N. Traufpeifcri Boiss. nahe, unterscheidet sich aber
durch die kleineren Blüthen und Blätter, die in der Anlage reichblüthigen, schliesslich aber, durch das Fehl-
schlagen eines Theiles der Blüthen, meist armen Cymen, die mit ihren stehenbleibenden Braeteen der Pllanze
ein eigenthümliches Aussehen geben, und durch die stark gekrümmte Corolle.
26. JS'epeta .scabridi folia stapf (n. sp.).
Perennis, data, stricte erecta, caulibus glaberrimis, simplicibus vel parce ramosis, laxe foliata, foliis petio-
latis, scabridiusculis, i)anicula anipla, laxiK^sima, cymis louge pedunculatis, fioribus coroUa longo exserta,
coerulea.
Caulis obtuse quadrangularis, glaberrimus, subglaucescens, angulis albidis vel stramineis, tenuissime
striatus vel superne laevis. Folia caulina petiolala, cordata, ovata vel ovato-oblonga, grosse obtuse et saepc
irregulariter dentata, dentibus latis, ascendentibus, obtusissima; superne sensim minora et angustiora in folia flo-
ralia subsessilia, par\ a, lanceolata, denticulata vel summa linearia, iutegra abeuntia, omnia pilis brevibus, sparsis
scabrida et praeterea glanduiis minimis, aureis couspersa. Cymae louge pedunculatae, laxe trichotomae, pauci-
florae, per paria valde remotae, fioribus pedieellatis. Calyx tnbulosus, fauce subabrupte paulo ampliata, rectus,
tubo distinete striato, glanduiis minimis, aureis et pilis perpaucis, brevissimis consperso, intus fauce piloso-an-
nulato, (bnitibus hinceolato-subulatis, acutis, labii inferioris longioribus quam superioris, calyce triplo brevioribus.
Corolla calyce fere duplo Kmgior, extus breviter pilosula, tubo superne sensim anipliato, labio supero ad medium
bilobo, infero trilobo, lobis lateralibus late ovatis, obtusis, brevibus, medio duplo et ultra latiore ac longo
crenulato, violaceo-coerulea.
Plant, tot. 50—80'"'" lg.
Fol. interm. e. pet. 3—5'™ lg.; 1-5—2'^"' lt.
Cym. iufer. pedunc.: 3%-4Vj'='" lg.
Cal. 9-12'""' lg.; (tub. 6Vj-9'""').
Cor. iVj — 2"^™ lg. (tub. 13—16'""'.)
Die botanischen Erf/ebnisse der PolaV schein Expedition nach Persien. 45
In fruticetis ad Haydere (15. VI.); ad partes ad septeutiioueiii vergenfes decli\ium niontis Elweiid iu
itinere ad Tusirkau. (26. VI.)
Ist am uächsten mit N. laxiflora Beutli. verwandt, luitersclieidet a\c\\ aber von ihr durch die raulien,
leindrüsigen, sehr stumpfen Blätter, durch längere Bliithen und im ■\'erhältuiss zur Kelchröhre bedeutend län-
gere Kelchzähne, soveie durch die feinbehaarte Corolle. In vielen Fällen ist die Kelchröhre am Schlünde plötz-
lich trichterig erweitert, in anderen ist diese Erweiterung unbedeutend nn<l der Schlund kaum abgesetzt.
Dadurch nähert sich diese Art der A'. ilc/iaitpcrafa Benth., von welclier sie im Übrigen sehr abweicht.
27. Xepeta betonicoides stapf m. s]i.i.
Percnnis, e basi caules saepis.^ime siniplices, erectos vel ascendeutes edens, crebre foliosa, incana, ver-
ticillastris sessilibus, plerumque in s])icam densam ai)proximatis. infimis paulo remotis.
Caulis crassiusculus, pilis ramosis, mollibus, breviter tomentosus, versus basin glabrescens. Folia caulina
petiolata, triangulari-ovata, cordata, inaequaliter crebre dentato-crenata, iitrin(|ut; pilis ramosis, mollibus, breviter
subhmato-tomentosa, in axillis ramnligera, floralia sessilia, brevia vel brevissima, summa lanceolata vel lineari-
lanceolata, integra. Bracteae lineares, caljcis dimidium aequantcs, breviter allio-lanatae. Calyx reetus, ore
obliqno, tubo antice profundins tisso, teiuiitcr striato, breviter tomentcllo, dcntibus lanceolatis, acutis, calycis
dimidio aequilongis. Corolla villosula, violacea, tubo calyce subduplo longiore, augusto, incurvo, abrupte in
faucem valde amplialo, labio supero ad medium l)ilnl)ii. infero trilnixi. loliis lateralibns brevibus, latis, antice
magno, emarginato, crenulato. Nuculae
Plant, tot. 30-40"". Cal. 6-6'/,""" lg. (tub. 3"")
Fol lV^-2Va™ lg.; 1-2'"' It CoroU. tub. 11-11%""" lg.
Spie. 2 — 3Vj™ lg. (vert. inf. remot. negl.)
In humidis editioribus montis Elwend (22. VII.).
Eine durch Form der Blätter, Behaarung und Blüthenstand gleich ausgezeichnete Art. Besonders der
letztere erinnert an die Gattung Betonica. Da reife Früchte fehlen, ist die Entscheidung, in welche Section die
Art zu stellen ist, schwer; doch spricht der ganze Habitus für die Stenosietjiae.
2s. JVepeta crasaifolia Boiss. et Buhse Aut'z. Transk. Pers. Pfi. \). 175.(1800).— Bunge Liih. Pris. p. 5-1. (187:!).
.Syn.: N. Mussini var. crassifoUa BoLss. Fl. ür. IV. p. 660. ClS79,i.
In saxis et muris vetustis prope Ask ad radices montis Demawend. (^11. IX.)
29. JVepeta amoeiia Stapf (sp. n.).
Biennis vel perennis (?), primo vero anno jam florens, simplex vel e basi deinum indurata pluies caules
ascendentes erectosve edens, inferne foliis plerumque plus miuusve lanatis dcnsius obsita, superne i)arce foliata,
cyinis 3- — 6 fioris, in angustum racemum dispositis, inferioribus pedunculatis, summis sessilibus. calycibus sub
anthesi angustissimis, demum ampliatis, corollis cyaneis.
Caulis quadrangularis, pubescens vel, imprimis in parte inferiure, incano-sublanatus. Folia inferiora petiido
iiiniinam aequante vel ea paulo longiore suffulta, orbiculato ovata, basi cordata, obtuse crenata, crenis utrinque
8 — 12, villo albo, crispo, areolatim congregato, sublanata, vel rariiis illo brevi parce pubescentia; superiora
minora, breviter petiolata vel subsessilia, o\ ata, basi truncata, floralia ovato-oblonga, summa lanceolata, obtusa,
ses.silia, caeterum inferioribus conformia. Bracteae linearispathulatae vel lanceolatae, calycis dimidio aequi-
lougae, villosulae. Calyx pedicellatus, pedicello florum alarium demum elongato, lalcralium multo bre\iorc, sub
anthesi augustissime tubulosus, incurvatus, ore valde obliqno, linibo ampliato, bilabiatus, labio superiore lato,
inferiore breviore, dentibuspronis; fructifer ampliatus, subrectus, oblongus vel ovato-oblongus, labio supero lato,
ad medium lisso, deutibus ovatis, acuminatis, tubo 3 — 4plo breviorilms. infero breviore, ad basin fisso, dcntibus
ovato-lanceolatis, acutis, omnibus ciliatis, violascens, basi densius, suiterne parce pilis albis conspersns. Condla
tulio angusto fere recto, fauce ampla, labio supero rccto, breviter bilobo, infero trilobo, lobis lateralibns brevibus,
latis, obtusis, intermedio magno, crenato, rotundato-ovato. Nuculae triangulato-ovatae,1ul)erculato-sciobiculatac.
46 Otto Stapf.
Plant, tot. 8-24"™ alt. Goioll. tub. 11—13™" lg.; 1"" lt.
Fol. infer. 8— 12'"' lg-.; 8-12""lt. „ lab. sup. 3'"" lg.
Cal. s. anth. öV^-ß'/z""" lg-; 1'"" lt. „ „ iuf. 6' ,-7'//"" lg. et lt.
„ fnictif. 6V2-9""" lg.; 3-3V2""" lt. i
In sabuldsis prope Rudbar. (23. IV.)
A'. amoena steht dei' N. Mussini Henk, am nächsten, imterscbeidet sich aber von ihr durch eine Reihe von
Merkmalen. Sie ist im Allgemeinen niedriger, zartei', vielleicht nur zweijährig und blüht oft schon im ersten
Jahre; die Blätter sind kleiner, an der Basis gehäuft, oben sehr spärlich, relativ breiter und kürzer und meist
dichter behaart, die Kelche sind nocli schlanker, die Zähne anders geformt, die Blumenkronenröhre ist länger
und der Mittellappen der Unterlippe im Verhältniss grösser. In der Form des Kelches steht sieder iV^. m;icyophijUa
sehr nahe, von welcher sie im Übrigen durcb iliren niedrigen Wuchs und vor Allem durcii die ganz anders
gebaute Inflorescenz leicht zu unterscheiden ist.
30. jVepeta Mecla .stapf (n. sp.).
Elata, stricta \g\ paulo flexuosa, remote foliata, viridis, in paniculam multifloram, deusam, anguste con-
tractam abeuns, floiibus flavidis.
Caulis qundrangularis, crassiusculus, minutissime puberulus, scabridiusculus. glandulis parvis obsitus.
Folia intima. . ., intermedia subsessilia vel sessilia, e basi truncata vel subcordata, ovato-oblonga vel oblongo-
lanceolata, obtuse dentata, obfusa, utrinque viridia, subtus pallidiorn, minutissime sab Icnte puberula, sensim
in flornlin minora, caeterum conformia abeuntia. Verticillastra e cymis binis, pedunculatis, iteratim dicho-
tomis, densifloris formata, in paniculam anguste contractam disposita. Bracteae lineari-setaceae, breves, tubi
diniidio aequilougae. Calyx ovatus, tubo sulcato, striato, minute i)uberiilo, glandulis conspcrso, dentibus aequa-
libusjtubo aequilongis, linearibus, obtusiusculis. nervo viridi usque in apicem percursis,niembranaceo-marginatis,
strictis. Corolhi flavida, tubo vix incurvo. iucluso, labio supero abbreviato, infero lol)o medio magno, coucavo,
crenulato, emarginato, tota calyce dimidio longior. Nuculae atrobrunneae, minute tuberculatae, apiee tenuissime
muriculatae.
Plant. 40—65™ alt. Cal. 5-G""" lg.
Fol. 4 V2 - 6' " lg. ; 2-2 V^""" lt. CoroU. 9 - 1 0-"-» lg.
Panic. 10-20™ lg.; 3— 3V2™ lt. Nucul. l-ö™"' lg.
Inter frutices prope Haydere. (7. Vll.)
Aus der Section Orthonepeta Benth., von N nuda L. und N. Pmmonica Jacq. habituell verschieden durch
die schmale, dichte Rispe, zudem noch durch grössere Blüthen mit längeren, linealen Kelchzähuen. Von
JV latifolia DC. weicht sie durch ganz ander;; geformte Blätter, von N. marrubioidcs Boiss. und Heldr. durch
die zarte, mit freiem Auge kaum sichtbare Behaarung, \oü aiuleieu Unterschieden nicht zu sprechen, weit ab.
31. JVepeta mlcrauthtl Bunge Fl. Alt. II. ]>. un. (1S30), Lal). Pei-s. p. .06. (1873).— Ledeb. U. Fl. Rcss. Alt. p. 7.
t. 41:!. (18:54). — Boiss. Fl. Gr. IV. p. GG4. (1879).
Syn.: N. Meyeri Bcuth. Lab. p. 478. (1832—1836).
Prope Moschdiser ad mare Caspicum. (7. VII.)
32. Xepettl petraea Benth. iuDC. Proar. Xll. p. 394. (1848). — Boiss. Fl. Gr. IV. i). C65. (1879).
In umbrusis areuosis declivium ad Jalpau. (21. VI.)
33. Nepeta clienopodirifolki .stapf.
Syn.: 1^. pmigens Beiith. Lab. p. 4S7. ( 1832- 1836) uou lliinge. — Boiss. I'^l. Gr. IV. p. 660. (1879).
In declivilms glareosis ad Jalpan (2ü. V.); in itinere ad Dauletabad. (31. V.").
Bunge beschrieb in der FI. Alt. I. j). 23. &me, Ziziphora iningens vom Altai. Bentham erkannte sie in der
Folge als eine A'e/>«'(f und änderte ihren IJamen, jedoch unberechtigter Weise, in Nepeta pusilla um (Benth. Lab.
p. 488.). Zugleich stellte er eine neue Art aus Südwesipersien als JSepeta punyeiis auf. Da nun die Zizipliura
Die hofamsclnm Ergebnisse der PolaVschen Expedition nach Persien. 47
pungens nach den Regeln der Priorität den Namen Nepeta pungetis erhalten nmss (der Name N.pusiUa fällt weg),
so ist die persische Pflanze, welche mit der Aorliegenden identisdi ist, namenlos und ich bezeichne sie daher
nach einem Merkmal, das bereits Bentham a. a. 0. hervorhebt, als jN'. chenopodiifolia. Boissier zieht aller-
dings die echte X. piiinjeiiti Bnngc (= N.pusiUa Benth.) und die i\'. cheiiopodUfolia (= N. pungens Benth.)
als eine Art zusammen; allein diese Pflanzen sind durch eine Reilic von Merkmalen so verschieden, dass von
einer Identificirung nicht die Rede sein kann.
34. Xepeta Cryptantha P-oiss. et Hausskn. m Haussku. exs. 1865. — Boiss. Fl. Or. I\". p. 669. (1879).
Syn.: Oxynepeta iiwolucrata Btiuge Lab. Pers. p. 59. (187.3).
In saxis prope Hissar inter Schurab et Hamadan. (10. Y."!
35. Lalleinanffa Iberica Marsch. aBieU. Fl. Tarn-. Cauc. IL p. 61. (isos) sul) Di-Mocephalo. — Fiscli. etMey. IntP
VL h. Petrop. p. 53. (1S40). — Boiss. FL Or. IV. p. 67-4. (lS79j.
Syn.: L. sidphuren C. Koch, in Linn. XXI. p. 679. (1848).
Specimina floribus lutescentibus.
In arvis relictis prope Hamadan. (1 7. VI.)
36. LaUeniailtkf Moylenna Wall. I'l. As. rar. I. p. 65. (is30i sul) Dracocephah.— Benth. in Dt'. Prodi'. XII. p. 101.
(1848). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 674. (1x79).
Syn.: Nepeta erodiifoUa Boiss. Diagn. Sfcr. I. f. 5. p. 21. (1844).
Ad Patschinar (27. IV.) et in glareosis ad Agababa. (^29. IV.)
37. Tapeinanthus PerswilS Boiss. in Kotschy PI. Pars. boi-. IS46 Diagn. Sör. I. f. 1-2. p. 6.S. (1853). — Benth. in
PO. XIL p. 436. (1848). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 679. (1879).
In agris prope Dauletabad (31. V.V, in arvis relictis projie Kusi-likck et Chauabad inter Teheran et Hama-
dan. (19. VI.)
38. Scufellarfa OrientaUs Linno. Spoc. iilant. Ed. i. p. 59S. (1753).
Var. jniitiatifidn Reichenb. Ic. bot. seu pl. ciit. p. ID. t.VIII. f. 16. (ls-23). — C. Koch in Linn. XXL p.7ül. (18481.
— Ledeb. Fl. Koss. III. p. 395. (1847-1849). — Janb. et Sp. 111. pl. Or. V. p. 14. t. 413. (1854). — Boiss. Fl. Oi-.
IV. p. 682. (1879).
Ad Gussedje inter Hamadan et Teheran. (16. VI.)
39. Scutellaria Pichleri stapf, (n. sp.)
Suffrutescens, e stirpe brevi. procumbente, lignoso plurcs rainos basi demum induratos, ascendentes edens,
tota breviter gknduloso-hirtella, viridis, floribus tetrastichis in nicemuni primo confertuin, deinde elongatum,
laxuni congestis, magnis, flavis, bracteis inciso-dentatis, majusculis, suftultis.
Caulis quadrangularis, breviter patuleque glanduloso-hirtelhis. Folia caulina petiolata, ambitu ovata vel
oblonga, pinnatifida, lobis linearibns vel lanceolatis, integris vel paucidentatis, obtusis, utrinque pilis ])atu]is,
glanduligeris obsita, margiue revoluto; sonsiin in floralia sessilia, triangiilari-ovata vel summa rhombeo-ovata,
plus minusve inciso-dentata abenntia. Calyx cum jietiolo subacquibnigo bracteis innlto brevior, brevissimo
glandulüso-birtulus, squama siib antiiesi parva, obscure iüsco-viridi. C'uroUa lutea, tubo calyce 10— 12plü Ion-
giore, vix incurvo, superne sensim ampliato, basi plus minusve fuscescente, tota calyce 15 — 16plo lougior.
Plant, tot. 12-20™ alt. Cal. 2'/j,— 3""" lg.
Fol. caul. inf. c. pet. 2 '/j — 3'/2>"' lg. ; S— lö"™ lt. CoroU. tot. 3—3 • G''" lg.
„ „ „ 11— 14-"" lg.; 7— 10""" lt. „ tub. 2-1— 2-6'"Mg.
Pedic. 3'"" lg.
Eine durch grosse Blüthen, ticigc/.ähnte Hraciccn und lockeres Inihimcnt ausgezeichnete .\it, die sicli an
die S. OrieniaUs L. anscbliesst.
48 Otto Stapf.
39. SciiteUarla niiickla »i.■,\.\^i (u. sp.).
Sutfruticulosn, raiiiis vetustis proeumbentibus, caiiles simplices ascendentes, dcmum basi induratos edens,
foliis iiifiinis )):irvis, isiiperioribus majoiibiis, piuuatijiartitis, lacemis piimo densis^ deinde laxis, tota iucaiia,
quasi mucore obdiieta, enrolla longa, flava.
Caulis obtuse quadrangularis, circumcirca dense tomentosus, eglandulosus. Folia caulina iufiraa minora,
in axillis vamulos valde abbreviatos foliis parvnlis gereutia, ut caetera petiolata, ambitu late ovata, pinnatipartita,
lobis linearibiis lauceolatisve, obtusis, margine vevoluta, utrinque, imprimis vero subtus, incano-tomentosa, inter-
dum fere Candida, eglaudulo.sa, se.usim in floialia sessilia, late rhouiboidea-ovata, plns minnsve proiiinde inciso-
dentata, superionim dentibus ab apice lennitis, supra, saltem deinum, viridia, subtus incanu ideoquc plerumqne
discoloria abeuntia. Calyx peduuculo bveviore, dense toinentoso-villosus, squaraa dorsali sub autliesi parva.
Corolla tubo subrecto, villosulo, superne sensim ampliato, flava, tota calyce decuplo longiore.
Plant. 20—25°'" Cal. 3"" lg.
Fol. interm- 2— 2V2"" lg.; V/^—2"'' lt. Cor. tot. 25—30™™ lg. (tub. 20—24™™).
„ flor. interm. 1—1 '//™ lg. ; 8—12™™ lt.
Steht ebenfalls der ScuteUan'a orienfalis L. nahe, unterscheidet sieh aber v?ie die vorhergehende, mit der
sie viele Ahuliclikeit hat, durch mehr oder weniger tief eingeschnitten-gezähnte Bracteen, ihre relativ breiten
Blätter und um ein Weniges grössere Bliithen. Von S. I'icJderi weicht sie hingegen durch die dichte, drusenlose
Behaarung und etwas kleinere Bliithen ab.
40. ScuteUaria inulticailUs Boiss. iu Kotseliy PL exs. Pei-s. anstr. (1S45) Diaga. S6r. I. f. 7. p. 91. (1846),
Fl. Gr. IV. p. Ü8Ö. (1879).
Syn.: S. nepetaefoUa Benth. in DC. I'rodr. XII. p. 414. (1848).
In jugis montis Elwend (4. VII.); in saxosis editioribus montis Elwend. (22. VII."); in rupestribus dccli-
vium montis Elwend. (29. VI.)
41. Scutella.riu Taurnefortii Bot. Reg. XVIII. ad calo. Nr. 1493. — Boiss. Fl. Ov. IV. j.. (387. (1879).
In silvis virgineis ad .Siredjäram. (15. IX-)
42. Brunella vulgaris Linue Spec. plant. Ed. 1. p. GOO. (1753). — Boiss. Fl. Gr. IV. p. G91. (1879).
In pratis humidis prope Hamadan. (14. VI.)
43. 3Iurrubmn% Astracanieuin Jacq. Ic. rav. I. p. 11. t. 109. (i78i— 17S6). — Boiss. Fl. Gr. IV. p. 095. (iS79).
In declivibus petrosis montis Elwend prope Haydere, 2200™ s. m. (C. VI.); ad partes ad septentriouera
vergentes declivium montis Elwend in itinere ail Tusirkau. (27. VI.)
44. 3IarruhiUUl polyodon Boiss in Kotschy PI. Pevs. bor. 1846, Diagn. S6r. I. f. 1-2. p. 75. (1853). — Bentli. iu
DC. Pi'odr. XII. p. 453. (1S4.S). — Boiss. Fl. Gr. IV. p. 704. (1879).
In petrosis prope Zamanabad ad radices montis Elwend (27. V.); in colle Musellah projjc Hamadan
(17. VI.).
Die Antheren der Pflanzen vom Hügel Musellah sind klein mit getrennten, spreizenden, tauben Fäcliern,
jene der Exemplare von Zamanabad dagegen bedeutend grösser und in den in ein Facli zusammengeflossenen
Li:culi reich an Pollen. Oftenhar stellen die Pflanzen von Zamanabad die zwitterige. Jene vom Hügel Musellah
die gynodynamische Form dar. Die übrigen Unterschiede zwischen beiden Formen sind unwesentlich.
45. 3Iarynhmm </(uno<lo}t stapf (n. sp.).
Totum habitu praccedentis, floribns ])aulo minoribus, calyeibus demuni limbo brevissime dentato, patente.
Caulis basi albo4auatus, superne flavido-viridis, brevissime tomentellus, ex infima parte ramosus. Folia
caulina petiolata, e basi cuneata vel rofundata oblonga vel obovata, obtusa, crenulata, supra rugosa, in rugulis
flavido-tomentosa, subtus reticulato-nerviisa, albo-villoso4anata; floralia sessilia vel infima breviter petiolata,
superne sensim minora, verticillastra superantia, reflexi, caetenim caulinis conformia. Braeteolac brevissimai-,
subulatae vel uullac. Verticillastra densa, in longani spicain, interrnplani disposita. Calyx tubo villoso, superne
Die ho/(tn lachen Krgehnissr /hr Pol aVsthtn ExpedIfioH nach Persien. 49
sulcato, iiitiis lobulis miniinis, louge pilosis clausi, limbo siib anthesi denticulato, demum aucto, pateuti. Corolla
parva, albida, tubo piloso-annulato, basi tenui, supra medium abrupte ampliato, labio superiore rectaugulari,
ad tertiam partem bilübo, inferiore trilobo, quadrato. Stamina loculis divergentibus^ minimis, eassis. Nuculae
glaberrimae.
Plant. 30—40™. Fruct. tub. 3Vjj— 4""" lg.
Fol. inf. 1—2™ lg. ; %- r'"lt. ^pet. '/«— 1°" )• „ Hmb. lat. diam. 5—6""".
„ floral. interm. 1'/«— IVa"" Ig-I 6—8""° lg. Coroll. 5""" lg.
Cal. florif. 3—4°"".
Omnia specimina gynodyuamica. Inter Tscliemeriu et Kuschkek (19. VI.).
Dem M. jjoli/oJoii sehr nahestehend, aber durch kleinere Blütljen, den ganz kurz gezähnten, später teller-
förmig ausgebreiteten Kelchsaum und die tiber der Mitte plötzlich erweiterte Krouenröhre verschieden. Die
zwitterblUthige Pflanze ist mir nicht bekannt.
46. Sideritis niontaiia Linne Spec. plant. Ed. i. p. 573. (1753).
In agris prope Jalpan (16. VII.); prope Moscbdiser ad mare Caspicum. (7. VE.)
47. StacJiys setifera C. A. Hey. Verzeichn. Caiic. Casp. Pfi. p. 94. (i83i). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 7-24. (l»79j.
Ad rivulos supra Gendjname. (27. VI.)
Var. glabrescens Stapf (u. v.).
Omnia iit in forma typica, sed caulis inferne glaber vel subglaber et indumeutum partis superioris et
foliorum parcum.
In paludosis montium ad Jalpan. (20. VI.)
48. Stachys acerosa Boisa. in Kotschy Fl. Per«. (1845^, Diagu. Sbr. 1. 1'. 7. p. 57. tlS4ü;, Fl. Or. IV. p. 737. (1879)
In declivibus saxosis montis Elwend prope Haydere. ( 26. VI. 1
49. Stachys inflata Benth. Lab. p. 562. (1832—36). — Boiss. Fl. Ür. p. 769. (1879).
Prope Zamanabad (30. V.); in saxosis inter Dauletabad et Tschitsehiau. (31. V.j
50. StacJiys tomentosa Benth. in DC. Prodr. XII. p. 4,s9. (.l«48j nou Bunge. — Buiss. Fl. Or. IV. p. 741. (1879).
.Syu.: S. Borieana Bunge Lab. Pers. p. 71. (1873).
In sabulosis faucium supra Haydere. (29. VI.)
51. Stachys laxa Boiss. et Buhs. Aufzähl. Trausk. Pers. Pfl. p. 179. (1860;. — Boias. Fl. Or. IV. p. 742. (1879).
In rupibus montis Eiburs. (11. IX.)
52. StacJiys lavandulaefoUa Vahl. Symb. 1. p. i-j.. 1790;. — Boiss. Fl. Or. IV. p. 743. (1879).
Syn.: St. parva, floribus parpureU Buxb. PI. Cent. V. p. il. t. LXL f. i. i 1740;. — Zietenia Orientalis Grleditsch In Act.
Berol. 1766. p. 3. ex Benth. — SirleriHs caiycantha Marsch, a Bieb. Fl. Taur. Uauc. III. p. 393. (1819). — Keiehenb.
Ic. I. p. 17. t. 15. (1823).
In montibus prope Schurab, 2200™ s. m. (11. V.); copiose in collibus arenosis prope Haydere. (6. VI.)
53. Stachys pubescens Ten. Fl. Nap. Prodi-, p. XXXIV. (ISU), Fl. Nap. t. 239. (^18U — 1815). - Keiehenb. Ic. Fl.
Germ. XVIII. t. 1-2. f. II. (is.'jS). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 74.^. (^1879).
54. Lamium amjilexicaule Liunö Spec. plaut. Ed. i. p. 579. (1753).
Ad Titlis, Transc. (29. VI.j; in declivibus ad Gendjname. (^21. V.)
55. Lamium AleppiCUm Boiss. et Hau.ssku. in Haussku. PI. uxs. 1865, Boiss. Fl. Or. IV. p. 761. (1879).
In agris ad Kaswin. (2. V.)
56. LayocJlilus AucJlO'i Boiss. Diagu. S6r. 1. f. 5. p. 38. (1844.)
Var. lasiocalyx Stapf, (n. v.)
Omnia formae typicae, sed fioribus paulo majoribus, corolla breviter exserta et calyce in nervis piiis lougis,
patulis villoso.
Denkschriften der mathenQ.-n.itiirw. Gl. L. B<1. Abhandlungaa von Nichtmitgliedern. er
50 Olio Stapf.
OccuiTUüt etiam specimina caulibus plus minusve longe patnleque \'illosis vel tantum pilis loiigiS; singulis,
conspersis juxta alia caulibus glabris ut indicat Boissier 1. c. In colle Musellab ad Hamadaii (11. VII.); iu
aridis ad Hamadan (23. VI.).
Die Unbeständigkeit in der Behaarung des Stengels lässt vermuthen, dass auch die langzottige Bekleidung
an der Kelcbröbre der Pflanzen vom Hügel Musellab nur die Folge örtlicher Verhältnisse, wie etwa grosser
Trockenheit, ist, wesshalb ich mich darauf beschränke, diese Form als Varietät zu beschreiben.
57. Phlomis Oj'/ew/ai/s Mill. Dict. V. p.573. (1785).— Benth. Lab. p.624. (1832—367). — Boiss., Fl. Or. IV. p.78i.
Syn.: Phl. Anneniaca Bentli. in DC. Piodr. XII. p. 538 (1848) iiou Willd. — Phl. Olivieri Benth. Lab. ]). 624.
(1832—36).
In montibus in itinere ad Dauletabad (31. V.); in pascuis montis Elwend. (29. VI.)
58. Ulloniis anlsodonta Boiss. Diagn. Ser. L f. 5. p. 37. (1844), Fl. Or. V. p. 789. (1879).
In faucibus prope Haydere. (29. V.)
59. Phlomis Merba Venti Linn6 Spec. plant, ed. i. p. 687. (1753).
In aridis prope Haydere. (29. VI.)
60. EremostachyS macrophylla Montbr. et Auch, in Ann. sc nat. s6r. n. t. VI. p. ,54. (1836). — Benth. in DC.
Prodr. XII. p. 549. (1848). — Boiss. Flor. Or. IV. p. 797. (1879).
In deserto salso prope Schurab (11. V.); in collibus aridissimis prope Jalpau. (24. V.)
61. Eremostachj/s JVet'iinani stapf (sp.n.)
Perennis, robusta, pro ratione omnium partium humilis, caule et foliis plus minusve albo-hmala, spica
densa, foliis floralibus, bracteis calycibusque lana ami)lissima involuta et occulta^ floribus magnis, flavis.
Caulis quadriingularis, crassus, imprimis ad nodos albo-lanatu.^. Folin caulina plus minusve lanata, infinia
longe, superiora breviter petiolata, ambitu oblouga, bipiunatisecta, segmentis oblongo-lanceolatis vel lanceolatis,
inferioribus remotis, summis basi confluentibus, grossedentatis; florali sessiliflores superante, dense lanata, cauli-
uis consimili, minus vero disseeta. Verticillastra plerumque 6 — 7 approximata, lana intertexta, sexflora. Brac-
teae lanceolatae, longe subulatim acumiuatae, subpungentes, longe plumosae, calyce tertia parte breviores.
Calyx infuudibiliformis, post anthesin limbo ampliato; fotus densissime longe albo lanatus, pilis glanduliferis
brevibuS; lanugini iutermixtis , deutibus latissime semiorbiculatu-ovatis, breviter aüt<tatis. Corolla magna, tubo
calyci aequilougo, cylindrico, labio iufero amplo, trilobo, lobo medio emargiuato, crenulato, supero apice obsolete
obtuseque tridentato, extus et intus dense piloso. Staniina superiora basi appendiculo brevi, laciuiato ornata.
Plant. 30—40™ alt. Cal. 18—22"" lg.
Spie. 12—16'^'" lg.: 5— 7'^" lt. Cor. tot. So"" lg.
Fol. caul. inf. 18— 25'="lg.; 8— 10"" lt. „ tub. 20'""" lg.
„ „ interm. 10— 12"" Ig.; 8'° It,
Ad vias in pratis ad Rustemabad (23. IV.).
Eine sehr ausgezeichnete Art, die durch den ausserordentlich dichten weissen Pelz der BlUthenähre, welcher
die Tragblätter und Kelche nahezu ganz verdeckt, durch Blätter, welche sich iu der Form jenen von
E. laciniata (L.) nähern, und durch Kelche, welche sieh ähnlich, wenn auch nicht so stark, wie bei E. niucro-
phylla Montbr. und Auch, erweitern, von allen verwandten Arten verschieden ist.
62. Ajuga Chamaecistus Ging. Mss. in Herb. DC. teste Benth. Lab. p. 698. (1832—1836). — Boiss. Fl. Or. IV.
p. 801. (1879).
In faucibus ad Kaschan (27. IV.) ; ad
63. Ajuga comata stapt (n. sp.)
E trunco brevi, crasso, lignoso plures ramos, basi demum induratos, ascendentes edens, inferne foliis mox
emarcidis laxe obsita, superne in racemura elongatum, demum laxe foliosum, ajiice foliis congestis com atuni
abeuns, tota patule lanato-villosa, verticillastris bifloris, floribus luteis maguituJiue eorum A. Chiae.
Die loianischeri Ergebnisse der FolaVachen Expedition nach Persien. 51
Caulis pilis longis, mollibiiS; albis circnmciic.-i vel plernmque saltem inferne distiche patule lanato-villosus.
Folia caulina infima linearia, obtusa, siiperiora longe et anguste euneato-linearia, plernmque utrinque dentibus
singnlis, lineari hinceobüi.s aucta, floralia in lacinias ternas, lanceolato- lineares, superne sensim angustiores lon-
gioresqiie partita, pilis caulis conlbrmibus conspersa. Calyx tubo subglabro, dentibus, postico breviore excepto
subaequalibus, pilis caulis contbrmibus, conspersis et ciliatis, fruetifero globoso-campanulato. Corolla tubo caly-
cem vix superante, labio supero brevissimo, retuso, ciliato, infero lobis lateralibu.s, breviter linearibus, obtusis,
rubro-striatis, medio bilobo, magno, rubro-striolatis puuetatisque , extensa calyce quadruplo longiore. Nuculae
tubo calyeino longiores, facie transverse rugulosae.
Caul. 7— IS"^" lg.
Fol caul. interm. 18-26°"° lg.; 2—4""° lt.
„ floral. infl. 25— 30"" lg.
Cal4Vg-5Vi°"°lg.
Coroll. 31"" lg.
Nucul. 3V2"" lg.
A. comata steht in mancher Hinsicht zwischen A. Chia Poir und Ä. Chamaepitys L. Von der ersteren hat
sie die grossen langen Blüthen, von der letzteren die schmalen Blätter. Besonders charakterisirt ist sie jedoch
durch den kurzen, verhältnissniässig dicken, holzigen Stamm, die an der Basis in Folge des bald eintretenden
Vertrocknens der Blätter fast nackten Stengel und die an der Spitze von den fein- und langtheiligen Gipfel-
blättern dichtschopfiger Blüthenstände, sowie endlich durch die grossen Samen.
64. Teucriuni Orientale Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. ."562. (1753V — Boiss. FI. Or. IV. p. 808. (1879).
Ad Hamadan (^19. V. anth. iueunt.); in collibus aridis ad Hamadan, imprimis in colle Musellah (8. VI,); in
declivibus montis Elwend ad Haydere (15. VI.); in siccis supra Gendjname (27. VI.).
65. Teucrlum parviflorum, Schreb. Plant, unllab. p. XXXI. c. ie. (1773). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 810. (1870).
In deserto ad Zamanabad (29. V. ineunt. anth.); in humidis ad Haydere. (1. VII. anth. perfect.)
66. Teticrium HyrcaniCtim Linnö Spec. pl. ed. 2. p. 7S9. i'1763). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 8II. a870).
Prope Moschdiser ad mare Caspicum, in silvis virgineis provinciae Mesanderan (14. IX.).
67. Teticrium PoUuni Linn6 Spec plant, ed. 1. p. 566. (1753).
Var. tonsuni Stapf (nov. var.).
Floribus dense capitulatim confertis, capitulis plerumque in paniculam amplani dispositis, infimis longe
patule pedunculatis, tota planta indumento brevissimo, dense tomentoso obtecto.
In colle Musellah ad Hamadan (20. VE.).
Apocyneae.
1. Vinca Libanotica Zuce. Sitz. Ber. k. Bayr. Ak. III. p. 246. t. 8. (1840). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 46. (1879).
Syn.: F. sessilifolia A. DC. Prortr. VIII. p. 383. (1844).
Inter Kaman et Kaswin. (5. V.)
Asclepiadeae.
1. Cynanchum a^UtUVt Linnö Spec plant, ed. 1. p. 212. (1753).
In fruticetis ad Karu in monte Eiburs. (13. IX.)
Steliatae.
1. Asperula gloniercita Marsch, a Bieberstein Fl. Taur. Cauc. I. p. 107. (1808) sub Cnicianella. — Griseb. Spie.
Rum. II. p. 166. (1843). — Boiss. Fl. Or. III. p. 28. (1875).
Inter Dauletabad et Tschitschian in rupestribus (31. V.); in rupestribus supra Haydere et Gendjname,
2600" s. m. (4. IV.); in arenosis montis Elwend ad Haydere (6. VI.); ad Tschemerin inter Teheran et
Hamadan. (18. VI.)
r'idta in hört. Vindob. e .^iemiuibus a Pichler ad .lalpan lectis 1883.
g*
ö2 Otto Stapf.
Die im botanischen Garten in Wien ans den von Th. Piehler bei Jalpan gesammelten Samen gezogenen
Pflanzen weiclien babituell ziemlicb autfallend von den wildwacbsenden Exemplaren ab. Sie bilden lockere
Rasen von ziemlich bedeutendem ruifange, die Blätter sind viel schmäler und viel weniger graugrün; die in
den Achseln der unteren Blätter sitzenden Sprosse sind nicht auf Blattbüschel verkürzt, sondern in schlanke,
locker beblätterte Zweige ausgewachsen ; die Stengel sind zarter und weniger pubescent, die Blüthen endlich
weniger behaart und der Tubus der CoroUe ist manchmal um ein Geringes schmäler.
2. Asperida arvensls Linne Spec. plant, ed. 1. p. 103. (1753j.
Ad Jalpan (24. V.).
3. GaUum leiophyllum BoKsh. Diagn. S6r. I. f. ,). j). Af,. il840). - Fl. Or. in. p. .11. fl876i.
In rupestribus supra Haydere. (4. et 29. VI.)
4. Galimn SUbvelutillUm DC. Prodr. IV. p. 505. ilSSOi mh Ļperula.
Syn. : G. leiophtjUum var. subvdutinuni Bolss. Fl. Or. III. p. 51. (1875).
In rupestribus ad Jalpan. (25. V.)
Diese Pflanze ist von G. leiophyllum Roiss. durch eine ganze Reihe von Merkmalen verschieden und
keineswegs als eine \'arietät derselben zu betrachten. Da die Diagnose bei De Cand. a. a. 0. sehr knapp ist,
so gebe ich sie im Folgenden auf Grund des mir vorliegenden, reichlichen Materiales in ausführlicherer Weise.
E basi sui3fi-uticosum, raulticaule. plus miuiisxc griseo — imberulum, vel subvelutinum, caulibus erectis,
inferne internodiis abbreviatis foiia vix duplo su|ierantibus ideoque densius foliatis, superne internodiis elon-
gatis folia triplo et ultra superautibus, jam infra niedinni ramosis, ramis elongatis, gracilibus, erectis vel oblique
erectis, apice cymas iterate trichototnas, vel demum in cincinnos abeuntes, primo congestas, tandeiu laxiores
gerentibus, quare paiiicula laxa, elougala floribus mediocribus, albis.
Oaulis inferue obtuse quadraiigularis, superne sultteres, plus minusve puberulus, vel interdura velutinus,
summa parte glabrescens vel glaberriinus. Folia sena, uninervia, lineari-lanceolata, vel linearia, basin versus
paulo attenuata, acuta, vel brevissime mucrouata, plana, pubernla, nervo subtus, non nisi in parte inferiore, pro-
minulo distinctoque; floralia cymas fulcrantia, bina, vel solitaria, lineari-sul)ulata, brevia. Corolla lobis ovato-
ellipticis vel o>atis, breviter acuminatis, praeter nervös, tres parce venitlosis. Antherae nigricmtes pnrvao,
hreviter ellipticae. Ovarium glabrum stylo fere ad basin bipartito, stigmatibus globosis, nigrescentibus.
Gaul. 20—30'^"' alt. Coroll. diam. 4°"".
Fol. interm. 10—20""" lg.; 1'/^— 2'"'" lt.
5. Galium tl-ißofUm Lam. Fl. Fnm?. III. p. .184. il778) STib Vahnitin; nou Michaux Fl. Bor. Am. I. p. 80. (1803).
Syn.: Valantiu Aiiuritie Liuiie .Spec. plant, eil. 1. p. Iit.öl. (1753). — G. triconic With. Bot. Arrang. ed. 2. p. 153.
(1787) et al. auct.
Var. purpurascens Ü tapf. (nov. var.)
Omnia ut in forma typica, sed folia plerumque versus apiceni ac corollae purpureo-sufFusa et inflores-
centiae fere seuiper ad 3 — 1 flores reductae.
In agris ad Baku. (Transcauc. 13. IV.)
6. Galiwm Transrancasicwm stapf, mov. sp.)
Amin um, huniile, ima basi plerumque ramosum, vel subsimplex, ramis ascendentibus, flaccidis, tenuibus,
scabridis, folioruni \ erticillis. praeter summa, valde a])proximata, quasi comam formantia, reraotis, cymulis
pauci floris, primo breviter [ledunculatis foüis superatis, demum pedunculis valde elongatis, patentibus, vel sub-
refractis, floribus minimis, campanulatis, albo-lutesceutibus, brevissime pedicellatis.
Caulis flaccidus, aequalis, internodiis intermediis lougis folia 4 — 6plo superautibus, glaber, in aciebus
prominulis minute reverse scabridiusculus. Folia sena, iiifima elliptico-spathuhitabreviter in petiolum attenuata,
cuspidata, reticulato-venosa , superiora uninervia. sensim angustata, oliverse lanceolnta, \el summa lineari-
lanceolata, longius cuspidata, omnia glabra, margine et subtus in nervo denticulis antrorsis scabrida. Inflores-
Die botanischen Ergebnisse rier rolnVschen ExperlHion nach Persien. 53
centia in cymulis bifloiis, binis vel ternis, et tiinc tevtia saepissime ad unnni florem redxicta, disposita; foliis
floralibus cymulae infenoris auctae ad basin pedunculi sessilibus ideoque inflorescentia quasi involucrata,
superiornm solifariis, vel obliteratis. Pedunculi atqiie pcdicelli glabri, laeves. Corolla lobis ovatis, brevissime
npiculatis. Antherae pallidae, ovato-ellipsoideae. Stylus ultra medium bipartitus, stigmatibus pallidis, globosis.
Ovarium glabrnm.
Planta 5—15'="' alt. Coroll. diam. 17«°"° It-
Fol. interm. 4—7"™ lg.; vix 1°"" lt.
Inter frutices prope Jelizabethpol. (Transcauc. 1 3. IV.)
Aus der Gruppe des G. spurium L.; von diesem, von G. infeshim Kit. und G. Vaillanfii Gr. et Godr.
schon durch seine um vieles zartere Tracht, von G. teuer um Schi, durch schmälere, kleinere Blätter und reiche
Inflorescenz, von G. segetum Koch, (ex descr. ) durch die langen Internodien und kahle Früchte deutlich
verschieden. Ob es auch von G. aparinoides Koch (non Forsk.) als Art zu trennen ist, vermag ich nicht zu
unterscheiden, doch soll auch dieses rauhhaarige Früchte haben.
7. Galiurn Ghilanlcum stapf, mov. spec.i
Annuum, glabrum, ex ima basi ramosissimum, ramis inferne ramulosis, superne simplicibus, flaccidis, tenui-
bus, elongatis, scabridiusculis, ramulis densius atque minutius, ramis superne laxissime folintis, cymulis pauci-
floris, laxis, sub nutliesi folia fulcrantia aequantibus, floribus minimis, stellatis, albo-lutpscentibus.
Caulis quadrangularis, tlaccidus, internodiis in ramis floriferis multoties foliis, in ramulis plerumque vix
duplo loDgioribus, glaber, in aciebus angustissime alatus. sparse reverse-scabridiusculus. Folia sena, vel septena,
rarius octona, nninervia, obverse lanceolata, infima et ramulorum pro longitudine paulo latiora, in aristulam
brevem producta, margine et subtus in nervo scabrida. Inflorescentia in cymulis bifloris, vel ad florem solitarium
reductis, binis, rarius ternis dispositis, pedunculo coramuni foliis fulcrantibus sub anthesi aequilongo, postea
elongato, floribus, imprimis cymulae alaris longiuscule pedunculatae, ex involucro 4 — 5 pliyllo exsertis, pedi-
cellis tenuibus. laevibus. Corolla stellata, minima, lobis ovatis, vel ovato-lanceolatis, brevissime apiculatis.
Antherae globoso-ellipsoideae, pallidae. parvae. Stylus fere ad basin bipartitus, stigmatibus globosis, pallidis.
Plant. 20—25"" alt. Coroll. diam. vix l'/»™"
Fol. interm. caul. florf. 5—6'"°' lg.; 17,"'» lt.
In muris dirutis ad Rescht (22. IV.\
Der vorigen nahe verwandt, aber durch eine Reihe von Merkmalen verschieden. Die Pflanze ist nämlich
am Grunde reich verzweigt, mit vielen kleinen, dicht beblätterten Ästchen besetzt, die Stengel sind an den
Kanten fast geflügelt, die Blätter unter sich einförmiger, durchaus verkehrt lanzettlich, weniger gegen die
Spitze des Stengels gehäuft, die Inflorescenz ist ärmer und, was besonders autfällt, lockerer, die Blumenkronen
endlich sind flach ausgebreitet und nicht glockig.
8. Gnlium setaceun Lara. Encyol. meth. II. )). 5«4. 11786). — Bniss. Fl. Or. III. p. 77. fl87.5).
Syn.: G. capiVare Cavan. lo. t. 191. f. 1. (1793j. — G. microcarpum Vahl. .Syrab. II. p. .30. (1S79)
Ad Patschinar. (27. IV.)
9. Galiuni nüjrican.s Boiss. Diagu. .Ser. I. f. 3. p. is. ii8i.ii, Fl. Or. III. p. 74. (i875).
In umbrosis subter rupibus ad Jalpan (21. VI.); in monte Elwend ad Hamadan. (6. VI.)
10. Galiuni vevticillatnu Dantli. in Lara. Enc. meth. II. p. 585. ('1786). — Boiss. Fl. Or. III. p. 78. ri875).
Ad Patschinar. (27. IV.)
11. Galiurn Persicum DC. Prodr. IV. p. 605. (1830).
Syn.: G. coronatum "i stenophyl/iim Boiss. Fl. Or. III. p. so. ('1875).
Ad Kaman supra Kaswin (5. V.) et ad Haydere. (4. VI.)
54
Otto Stapf.
Valerianeae.
1. Valeriana ficariaefolia Boiss. Fl. Or. III. p. 49. (I875).
In umbra rupium prope Käbuterchan. (14. V.)
2. ValerianeUa navieularis Krok Mou. Valer. p. 63. t. ll. f. 20**. (i*^64j pro var. v. on-hmtM.
Syn.: V. playiostephana Boiss. Fl. Or. III. p. 100. il875j quoad syn.
Ad Riulbar, solo arenoso inter V. Orientalem D. C. (24. IV.).
Krok stellte aiicL audeieu Ortes, auf Grund von Früchten, die er von Buhse erbalten hatte, eine Varietät
der F. carinata mit dem Namen T'; c. navieularis auf. Boiss ier zieht sie in der Fl. Or. als Synonym zu V.
plagioaiephana. Unter den zahlreichen Exemplaren der T'^. OrientaJis DC. aus Kudbar befand sich nun auch
eine Pflanze, deren Früchte mit der citirten AbtheiUing bei Krok so vollständig übereinstimmen, dass kein
Zweifel über ihre Identität mit T'. carinata w. navieularis Krok sein kann. Zugleich ergibt sich aber auch
daraus, dass sie weder mit N. carinata noch mit T'". plagiostephana zusammengezogen werden kann, sondern eine
eigene Art bildet, deren Diagnose ich folgen lasse.
Hcrba humilis, erecta, in medio dichotome divisa, panicula cymosa^ saltem demum laxa, fructibus elongatis,
omnilius conformibus. Caulis stiiatus, papilloso-hispidulus, soabridiusculus. Folia lanceolata, vel summa
linearia, denticulis vel lacinis brevibus, utiinqne 1 — 2 inaeqnalibus auctis, margine, imprimis versus basin, bre-
viter ciliata. Oymae secundariae longe pedunculatae, pedunculis fructus subdriplo superantibus, ternariarum cap-
sulae aeqnilongis, superiorum densiusculorum breviorum. Bracteae lineares, vel exteriores lanceolato-lineares,
virides, angustissime membranaceo-marginatae papillis denticuliformibus ciliatae. Calyx limbo brevissimo,
postice in lobum rotundatum productus, glaberrimus. Corolla alba, tnbo glabro vel summa parte villosido, lobo
postico majore. Capsula elongata, oblonga, glabra, vel papillis brevissimis, imi)rimis in sulco, vestita, antice
sulco oblougo-lineari, profundo, capsulam aeqnante percurso, loculo fertili, lineari, incurvo, convexulo, a steri-
libus extus tenuissime unicostatis, majoribus striis, levissimis distincto.
Von V. carinata Lois. unterscheidet sie sich, abgesehen von den Früchten durch den Habitus, insbesondere
durch die lockere Inflorescenz, von V. playiostephana F. et M. durch grössere, weniger schmale Früchte und
das abweichende Grössenverhältniss der Fruchtfacher.
3. ValerianeUa Hxovitziana Fisch, et. Mey. Ind. III. bort. Peti-op. p. 48. (1837). — Krok Mon. Val. p. 58. t. 2.
f. 17. (1864J. —Boiss. Fl. Or. III. p. lOl. (1879).
In collibus aridis prope Hamadan. (18. V.)
4. Valer imiella Orientalis DC. Prodr. !IV. p. 625. (1830) et Möm. Val. Vn. t. 3 (1832) sub Dufresnia non
Schlechtend.
Syn.: V. Dufresvia Bunge in litt, ex Bois?. Fl. Or. III. p. 109. C1375).
Ad Eudbar; solo arenoso (24. IV.); ad agros prope Zamanabad. (27. V.)
Dipsaceae.
1. DipsaCllS pilosns Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 97. (17531 — Reichenb. Ic. Fl. Genn. XII. t. ÜCCIV. (1850). —
Jacq. Fl. Austr. II. p. 27. t. 248. (1775). — Boiss. Fl. Or. III. p. 116. (1875).
E siminibus in silvis virgineis provinciae Mesanderan a Th. Pichler collectis culta in hört. Vindob. 1883.
Die im botanischen Garten der Wiener Universität aus persischen Samen gezogene Pflanze stimmt voll-
ständig mit europäischen Exemplaren von D. pilosus L. Uberein ; nur sind die seitlichen Blattlappen zahlreicher,
ähnlich wie bei D. strigosus Schlchtdl. pat. ex Will d.
2. Cephalaria setosa Boiss. etHohenack. Diagn. S6r. I. f. 3. p. 107. (1843). — Fl. Or. III. p. 118. (1875).
Inter segetes prope Abadabad. (12. VII.)
Die holanific/ieu Erc/ehnissi- di-r Vohtk'schni HvpcJitiun nach Persien. 55
3. Cephalaria hirsuta stapf, (uov. spec.)
PerenniS; e stirpe valde abbreviato plures caules, ima basi foliis squamiformibus, brunaeis, siccis ascen-
dentes, mox erectoS; rigidos, inferue, vel saepius siipei-ne parce ramosos edeus, foliis lyratis et caulium partibus
inferioribus (^imprimis prioiibusj hiisutis, capituli.s louge peduuculatis; 1'/^ — 2"" diametro, floiibus flavis.
Caiilis ligidus^ striatus, ima basi squamatus, iuferne dense pilis reversis, superue seusim sparsioribus et
magis petulis hirsutus, summa parte subglaber. Folia iufima indivisa, oblougo-lanceolata; vel oblouga, louge
iu patioUuu attenuata, acutn, iutegra^ vel plus uiiunsve serrata, proxima liisce coufonnia, sed majora, saepius
sessilia, lyrata, basi utriuque 2 — 3 laciuiis oblique lauceolatiS; vel oblongis^ dentatis iutegrisve praedita, lobo
intermedio maximO; oblougo-lauceolato, acute, argute serrato, uervis promiuuliS; pilis adpiessiS; dense Lirsutis;
intermedia et superiora multo minora, augustiora, caeterum coiiformia, denium glabrescentia. Involucrum phyllis
exterioribus rotundato-ovatiS; obtusis, medio viridibus, margine albido-membranaceis, interioribus ovatis, tolis
membranaceis, omuibus tenuissime puberulis et praetevea parce sericeo-pilosis, apice bruuneo-spbacelatis.
Paleae oblougae, breviter acutiusculae, versus npicem rubesceutem veluigrescentem adpressissimebrevissimeque
pubescentes, caeterum glaberrimae. Involucellum quadrangulare tubo dense albo-piloso, dentibus quateruis
ei aequilougis, subulatis, intermediis dimidio brevioribus, omnibus ciliatis. Calyx brevissime multi-aristatus,
aristis inaequilongis, ciliatis. CoroUae flavae vix radiantes.
Plant. ÖO-IOO'^» alt. Fol. interm. 13— l?-^'" lg.; 2—3™ lt.
Fol. inf. 8—12"" lg.; 1-3— 2- 5'^'" lt.
In aggeribus aquaeductus prope Haydere (7. VI!.).
Steht der C. microcephala Boiss. und der C. piloxa Boiss. et Huet sehr nahe; unterscheidet sich aber
von beiden durch grössere BlUtheuköpfcheu nud die dichte, anliegende Behaarung der Blätter, von erstercr
ausserdem noch durch die längeren Borsten des Involucellum und von C. 2^ilosa Boiss. et Huet durch einen
höheren Wuchs und viel grössere Blätter.
4. Scabiosa argentea Liune Spec. plant, ed. i. p. loo. (1753). — Bertol. Fl. Ital. II. p. 57. (1835) ex parte.
Syu.: S. Ucranicaß argentea Tchich. As. Miu. II. p. 226. (1S60).
Ad aquaeductus prope Schawerin (28. VI.).
Die Pflanze stimmt mit Exemplaren aus Calabrien, die ich im Kerner'schen Herbar zu sehen Gelegenheit
hatte, in hohem Grade überein und weicht andererseits von der südriissischen »S*. Ucranica durch ihre viel
reicher zertheilten, nicht fleischigen Blätter, slärkere Behaarung, besonders in den unteren Theilen, durch-
schnittlich kürzere Involucralblättchen und bläuliche Randblüthen nicht unerheblich ab.
5. Scabiosa OUviei-i Coult. Mou. Dips. p. aC. t. II. f. lO. (1823;. — Boiss. Fl. Ür. III. p. Ul. (1375j.
Syn. : S. rhodaiUha K.ar. et Kir. Enum. \t\. au. I,s41. coli. u. 41«.
Inter Tschemerin et Kiischkek (18. VI.); in coUe Musselah prope Hamadau (18. VII.).
Die Blatttheilung ist sehr unbeständig. Oft sind sowohl die grundständigen, wie die höheren Blätter, oft
nur diese fiedertheilig, an anderen Exemplaren wieder .sind sämmtlichc Blätter ganz. Ebenso ist die Corona
des Involucellums bald ganz radförmig ausgebreitet, bald in vier au den Rändern einwärts gerollte, stumpfe
Lappen bis auf den Grund zertheilt. Einen anderen Unterschied zwischen Exemplaren mit ganzer und solchen
mit vierlappiger Corona habe ich nicht finden können.
6. Scabiosa Schinipeviaiia Boiss. etBuhse Aufz. Trausk. L^ers. Pfl. p. 112. (186O).
Inter Rudbar et Rustemabad. (23. IV.j
7. Scabiosa setulosa Fisch, et Mey. iu Auu. sc uat. p. so. (1854). — Tchich. As. Miu. U. p. 225. t. XXVIII. (1860).
Syu.: S. Phrygia Boiss. Diagn. Ser. II. f. 6. p. 96. (1859). — S. Palaesthia var. microcephala Boiss. Fl. Or. III.
p. 145. (1875).
In valle Tschemerin (18. VI.j ; in coUibus aridis prope Jalpau (20. VI.).
Die Theilung der Blätter ist ungemein variabel. Während die Exemplare von Tschemerin vollständig der
Abbildung bei Tchichatcheff auch anderen Orts entspricht, ist dies bezüglich der Pflanze von Jalpan nur
56 Oflü S/dpf.
selten der Fall. Da jedoch die Übereinstimmung- in allen übrigen Punkten eine sehr grosse ist und sich alle
Überg<änge von weniger zu mehr zertheilten Blättern i.eigen, kann kein Zweifel über die Identität der Pflanzen
von Tschemeriu und jener von Jalpan sein.
«. JPterOCephalUS canUS Coult. in litt. ISii ex DC. Prodr. IV. p- 653. (1830j. — ßoiss. Fl. Ür. 111. p. 151. il875j.
Syn.: F. dmmturum Coult. Mon. Dips. p. 32. (1823}quoad specim. ex Oriente.
Ad Haydere (4. et 29. VI.); copiose in itinere ad Tscbemerin (17. VI.); in glareosis et saxosis montis
Elwend (15. et 29. VI.); in collibus argillosis ad radices montis Elwend (1. VII.).
Die von letzterem Standorte stammenden Exemplare besitzen grob gezähnte oder gar an der Basis ein-
geschnittene Stengelblätter, unterscheiden sich aber sonst in gar nichts von der typischen Form, bei welcher
Übrigens auch, wenn schon sehr selten , ab und zu ein BUitt einen Zahn oder gegen die Basis zu einen
schmalen, kurzen Lappen zeigt.
Compositae.
Auetore A. Heimerl.
1. Mrigeron Aticheri DC. Prodr. VII. p. 28l. (1838) sub Com/za. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 170. — Kotschy Exsicc
Syn.: Erigeron Kotschyi Boisi. Diagn. plant. Or. nov. I. f. 6. p. 82. (1845). — Conyza Kotschy! Boiss. in Kotschy
Exsicc. 1845!
Inter frutices circa Jalpan atque locis humidis montis Elwend (specimina miuora, oligocephala).
2. Inula Helenlutn Linnö Spec. plant, ed. l. p. 881. (1753). — Beck Monographie von Imila, etc. p. 14. (1881). —
Boiss. Fl. Orient. 1. c. p. 186.
Locis dumosis ad Haydere.
3. Inula Britanilica Linnö Spec. pl. ed. i. p. 882. (17531 — Beck, Monographie 1. c. p. 37. (1881). — Boiss. Fl.
Or. 1. c. p. 193.
In humidis ad Schawerin prope Hamadan.
4. I^llicaria gracilis nova spec. ex affinitate P. dysentericae L.
Perennis. Tota velutino-pubescens; caiiles circ. 40 — 60™ alti, virgati, superne in ramos paucos (3 — 5)
divisi, crebre foliati et in foliorum axillis ramos abbreviatos („fasciculos foliorum"j gerentes. Folia anguste
lineari-lanceolata vel sublinearia, versus apices rainorum sensim diminuta, omnia sessilia (^media caulis
35 — 37""" longa, 6 — 8"'"' lata), aiitice breviter acutata, in vel infra medium latissima, utraque in pagina molliter
tomeutosa, subcoucoloria, in margiue plus minus evidenter denticulata, in basi auriculata. Auriculae rarius
rotundatae, saepe obtusc angulatae et denticulatae. Capitula circ. 20 — 22"™ in diametro, pedunculo, 20 — 40'""'
longo; involucri pbylla viridescentia, anguste lineari-hiuceolata, longe acuminata et dease pilosa. Ligulae
numerosae (5 — 6 •5"'" longae); aureae. Achaeuia pilosa, pappus radiis ad 12 — 14.
In humidiusculis ad Hamadan et Jalpan. (^VII)
Bekanntlich (vergl. Boissier Flora Orient. 1. c. p. 202) wird unsere Pulicaria dt/senterica (Linne) im
östlichen Gebiete zum grossen Theil durch andere Arten ersetzt, welche, freilich bei sehr naher Verwandtschaft
mit F. dysenterica (Linne), sich andererseits schon durch den Habitus von derselben auffallend unterscheiden.
Die im vorigen beschriebene P. gracilis bildet nun eine ganz erwünschte Ergänzung dieser Formenkreise, reiht
sich aber entschieden in die Nähe der typischen P. dysenterica (Linnii) ein, von der sie sich auf den ersten
Blick durch 2 — 3mal schmälere, beiderseits fein sammtige, fast gleichfarbige, oberseits nicht rauhe Blätter,
durch die zumeist stumpflich vorgezogenen und gezähnelten Blattöhrchen, durch beträchtlich kilrzere Ligulen
und daher kleinere Köpfchen unterscheidet. Eine fast völlig den vorliegenden Exemplaren gleiche Pflanze traf
ich unter den Kotschy'schen Pflanzen von Mesopotamien leider ohne genauere Angabe des Fundortes au und
ist überhaupt die P. gracilis wahrscheinlich im Orient ziemlich verbreitet.
P. Kotschyi Schultz-Bipont. ! ist durch die sehr kurzen, wenig das Involucrum überragenden Strahl-
blütheu, den sehr ästigen Stengel, den ganz an P. vulgaris Gaertu. erinnernden Habitus sofort zu unterscheiden;
Die botanischen Ergehnisse der Polak'schen Expedition nach Persien. 57
die anderen zwei noch in Betracht kommenden Pulicarien F. idiginosn Steven und F. data Bois.s. ! haben
beträchtlich kleinere Köpfclien mit kurzen Strahlblüthen und Itesonders erstere schon unterwärts verästelten,
reichverzweigten Stengel.
5. Lasiopogon imiSCOides Desfontaine Fl. Atl. IF. p. 267. tab. -iai. ilSOO) sub Gtiaphalio. — DC. Prodr. VI.
p. 216. ilN.H7i. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 224. (1875).
Prope Rudbar.
6. Helichrysum Armenum dc. Prortr. VI. p. is3. (i837). — Boiss. Fl. Or. 1. c p. 2.S6. (187ö).
Syn. : H. glanduliferum Sehn 1 tz- Bip. in Kotsohy Exsicc! — //. Kotschyi Bois.s. Diagn. plant. Or. Ser. I. f. 6.
p. 92. (1845).
In fossis vallium et in montosis ditionis Haydere.
Var. jS lactetim Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 236. (1875).
In declivibus montis Elwend ad Gendjnäme.
7. Ei'aoc, sp.?
In collibus ad Tschitschian ; specimina juniora.
8. Micropus longifoliufi Boiss. et Reuter in Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 242. fl875).
Inter segetes prope Tschitschian; in collilius ;ipricis circa Hamadan.
Leider sind die Exemplare von beiden Standorten im Zustande des Aufltlnhens gesammelt, daher die
Bestimmung sich nur auf die Blattform stützen konnte, indem das charakteristische Merkmal der von den
häutigen (nicht lederigen) Paleis eingeschlossenen Achaenen noch nicht zu constatiren war.
9. Siegesbeekm OrieiltaUs Linn6 Spec. plant, cd. l. p. 90U. H753). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 250. (1875).
Ad Moschdiser in provincia Mesanderan.
10. Achillea NeilreichU A. Kerner in Österr. bot. Zeitschr. XXI. p. 141. (1871)!
Syn: A. nobUis Aiict. mult. — A. nobilis ß. ochrokuca Boiss. Fl. Or. I. c. p. 257. (1875J non A. ochroleuca Ehrhart
nee Wählst. Kit.
In salicetis ad Hamadan.
11. Achillea micranthn Marsch, a Bicb. Flora Tauro-Caiic. II. p. 336. (1808). — Boiss. Fl. Or. I.e. p. 264. (1875).
In agris regionis montanae ad Haydere prope Hamadan; in ditione Tschitschian; prope Jalpan ad viarnm
margines et in locis praernptis. (!ulta in horto botanico Vindobonensi e seminibus in Persia a Pichler col
lectis.
12. Achillea Santolina Linn6 Spee. plant, ed. 1. p. S96. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 266. (1875).
In locis incultis secus viam inter Hamadan et Teheran; in ditione Tschitschian; ad viarum margines circa
Rustemabad ? Culta in horto botanico Vindobonensi e seminibus Persicis.
IS. Achillea tenuifoUa Lamarek Dictionnaire des scienees nat. I. p. 26. (I783j. — Boiss. Fi. Or. I. c. p. 270. (1875).
Syn.: Achillea albicaiilis C. A. Meyer Verz. der Pflanzen des Cauc, etc. p. 76. (1831).
In collibus incultis apricisque ad Schawerin prope Hamadan.
14. Achillea l'ermictllaris Tiinius in Acta Acad. Petrop. VI. 494. 1. 13. (l.sis). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p.266. (1875).
Culta in horto botanico Vindobonensi e seminibus a Pichler in Persia collectis.
15. Anthemis hyallna dc. Prodr. VI. p. 4. (1837). — Boiss. Fl. Or. I. c. p. 307. (1875j. — Hausskn. Exsicc!
In ditione Rudbar.
Dient zufolge einer Notiz des Herrn Dr. Polak als Insectenvertilgungsmittel in Persien.
16. Anthemis Haussknechtii Boiss. et Reut, in Boiss. Fl. Or. I. c. p. 310. (187.')). — Hausskn. Exsicc.
In agris ad Haydere prope Hamadan.
Der von Pichler entdeckte Staudort dieser ausgezeichneten, seltenen Äiithemiü bildet, ähnlich wie es
auch bei. ^. hyalina D. C. der Fall war, eine sehr erwünschte Ergänzung unserer Kenntnisse über die
Oenkscbrjftea der mathem.-naturw.Cl. L. Bd. Abhaadlungon von Nichtmitgliedern. h
58 Otto Stapf.
geographische Verbreitung dieser Kainilleii, indem wir als Verbreitungsbezirk derselben die ganze Zone von
Syrien über Mesopotamien bis Persien bezeichnen können.
17. Anthemis Gayana Koiss. Fi. Or. I. c. p.3l:i. (\»lbj. — Aucher Exsicc. Nr.4753!. — Kotschy Planlae Pers. bor.
1843. Nr. 34. (Teheran.)!
Syn.: Ä. scaposa Gay in sclieflulis.
In declivibus arenosis ad Patschinar.
Die vorliegenden Exemplare stimmen mit den oben citirten Exsiccaten völlig überein, so dass unsere im
Aufblühen befindlichen Stücke unzweifelhaft hieher gehören.
18. Anthemis odontOStephana Boiss. Diagn. plant, nov. Ser. I. 6. p. 85. (1845;. - Fi. Or. I.e. p. 319. (1875J. —
Haussicn. Exmcc! — Kotschy Exsicc!
In rupestribus secus viam ad Käbuterchan ducentem.
19. Matricaria aurea Linne Spec plant, ed. 2. p. 1257 (1763) sub Cotulu. — Kotschy Iter Syriacura Nr. 492!. —
Boiss. Fl. or. I. c. p. 324. (1875).
Prope Jelizabethpol et Rudbar.
20. Chamaemelmn praecoor Maisch. aBieb. Fl. Tanr. Cauc. II. p. 324. (1808) suh Fyreth 10. — Visianj Fl. Dalra-
II. p. 86 (1847). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 326. (1875).
Syn.: Matricaria modesta Boiss. in Kotschy Plant. Pers. bor. 1846!
Locis incultis ad Jelizabethpol.
21. Chnmaemelum (Useiforine C. A. Meyer Verz. <1. Pflanzen des Caucasus p. 75 (1831) sub Chnjsanthenu,. —
Vis. Fl. D.ilm. p. 85 (1847). — Kotschy Exsicc!. — Boiss. FI. Or. 1. c. p. 327. (1875).
In humidis regionis mediae montis Elvvend; circum Tscliitschian et Maehraii prope Hamadan.
Dem vorliegenden Chamaemelum disciforme kommt jenes Chamaemelum sehr nahe, welches Fischer
und Meyer in: Indice secundo horti Petropolitani p. 48 als Pyrethrum dedpiens bezeichnet und, als ich noch
keine Herbarexemplare gesehen hatte, war es mir unmöglich, beide Pflanzen bloss nach den Boissi er' sehen
Angaben zu unterscheiden. Nach Einsicht instructiver, von Kotschy gesammelter Exemplare (Iter Oilicico-
Kurdicum Nr. 286 !) kann ich folgende Kennzeichen zur Unterscheidung der zwei in Rede stehenden, sehr
ähnlichen Pflanzen anführen.
Die Achaenen von Ch. disciforme sind fast genau vierkantig-pyramidal, zugleich etwas gebogen, mit
dunkelbraunen, sehr deutlich querrunzeiigen Flächen; an zwei gegenüberliegenden Stellen besitzen sie vor-
springende, aber nicht flügeiförmige, schmale Rippen, während die eine zwischenliegende Fläche von gar
keiner, die andere aber von einer einzigen Rippe durchzogen ist. — Ch. decipiens besitzt hingegen Achaenen,
welche durch die flügelähnlich verbreiterten (etwa wie bei vielen Umbelliferen-Achaenen) und an Breite dem
übrigen Theile des Achaeninms gleichkommenden .Seitenriefen flach sind und platt erscheinen. In den
sonstigen Theilen des Achaeninms finde ich, von der lichteren Färbung bei letzterer Art abgesehen, keinen
scharfen Unterschied.
Es ist übrigens auch schon der Habitus beider Pflanzen anflfallend verschieden, indem der Stengel des
Ch. dedpiens (F. et M.) schon von der Mitte an sich in einen lockeren, weit ausgebreiteten Corymbus auflöst,
dagegen jener des Ch. disdforme (C. A. M.) erst oberwärts in den dichteren Corymbus übergeht.
22. Pyrethrum Parthenitini Linn6 Spec.plaut. cd. l. p.SOO. (1753) mh Matricaria. — Boiss. Fl.Or. 1. c. p.344. (1875).
In rivorum glarea prope Gendjnäme.
23. Pyrethrum Persicum Boiss. Diagn. plant, nov. Ser. I. f. 6. p. 89. (1845). — Fl. Or. 1. c. p. 345. (1875).
Var. puberula m.
Tota planta tenuissinie puberula, rarins hinc inde glabrescens. In rnpium rimis declivitatis ad Gendjnäme
vergentis montis Elwend.
Vergleicht man die Boissier'schen Angaben 1. c. über sein P. Persicum, so möchte es scheinen, als wären
die vorliegenden Pichler'schen Stücke kaum mit dem P. Persicum Boissier zu identificiren, indem sie
Die botanischen Ergebnisse der Po lak' sehen Expedition nach Persien. 59
weder die Kahlheit desselben, noch die „costae albidue" der Blätter besitzen. Trotzdem zweifle ich, nach dem
Vergleiche der Kotschy'schen Exsiccaten (aufweiche eben Boissier sein P. Persicum gründete) nicht, dass
unsere Exemplare dem Formeukreise des P. Persicum zuzurechnen sind. Dieselben stimmen — von der stärkeren
Behaarung abgesehen — sonst völlig mit den Kotschy'schen Stücken Uberein und es erweist sich übrigens
das von Boissier zur Unterscheidung gegenüber dem P. partlwnifolium Wild, herangezogene Merkmal der
weissnervigen Blätter insofern als illusorisch, als es überhaupt oft so wenig ausgesprochen ist, dass man kaum
beide Pyrethrum danach sondern könnte. Auch auf die grössere oder geringere Behaarung der ganzen Pflanze
ist wohl bei beiden in Rede stehenden Arten wenig Werth zu legen, indem auch die beiden nahe verwandten
Arten: P. Parthenium und P. parthtiüfolium sowohl mit schwach, als auch starkhaarigen Blättern abändern,
letzteres sogar grautilzig auftreten kann. Übrigens sind auch bei den von Pichler gesammelten f^xemplaren
nur die jugendlichen Blätter dichter behaart, die ausgebildeten verkahlen öfter, wodurch mir ganz besonders
die Zurechnung derselben zum P. Persicum begründet erscheint. Was noch das P. Persicum und das P.
parthfmfoHum betrifft, so betrachte ich sowohl die Länge der Strahlblüthen, dann jene der Achaenen-Krone,
wie übrigens auch Boissier I. c. andeutet, als gute Unterscheidungsmerkmale.
24. Pyrethrum myriophylluni C. A. Meyer, Verz. d. Pflanzen lies Ojiuc. p. 74. (1831). — Kotschy Exsicc! —
Büiss. Fl. Ol-. 1. c. p a5() et 351. (1875).
Var. /3 subvirescens D(J. Prodr. VI. p. 59. (1837).
Habitat in rupestribus trausgressus montis Elwend versus Tusirkan.
Var. Y eriocepfialum Boiss. 1. c. p. 350. (1875).
Habitat iisdem locis cum praecedente varietate.
Var. ö variegatum Boiss. I.e. p. 351. (1875).
In declivitate montis Elwend prope Gendjnäme.
25. Pyrethrum (Tanaeetuni) niodestum uov. spec. ex aftinitate Pijrethri santoUmidis DC.
Hhizoma raniosum, .subcuespitiferum , pluricephalum ramos foliatos et ramos (seu caules) florentes
emittens. Caules complures, erecti (18 — 22 — 26'" alti) striati, ad diniidium iisque parce foliati, siiperne
aphylli, vel simplicissimi, monocephali vel superiie ramis 1 — 3, plus miuiisve elougatis mouocephalisque corym-
buni pauciflorum formantibus iustructi, ceterum ut folia subdense ciuereo-tomenfosi, rariu.-i paruni glabresceus.
Folia basilaria et infima canlis }ieliülata, petiolo laminam aequante aut breviore, reliqua sessilia, lamina
üblongo-lauceolata (25 — 40""° longa, G — ll°"° lata), utrinque attenuata, subbipinnafisecta, segmentis primariis
ad 10 — 16 utrinque, lanceolatis et dense approximraatis, medii.s cum segment's secundariis circitt^r 7 — 9nis,
sunimis infimisque cum 2 — iJnis breviter obovatis, obtusatis, integerrimis inuticisque. .Segmenta foliorum supe-
liorum canlis subintegra, late lanceolata. Rhachis angusta hiuc indeque lacinula aucta.
Capitula soiitaria, terminalia (8°'"' longa et 8°"° in diametro); involucra hemisphaerico-campanulata,
foliolis ciuereo-viridibiis, densius et adpressissime pilosis, liueari -lanceolatis, margine hyalino, inprimis
antice, dilatato circnmdatis. Re<'eptaculum purum convexum.
Flores (5-5""°longi) numerosi, coroilis inlerne pallide, .supenie saturatius luteis, involucrum quarta parte
su|>ei- intibus, marginales plerique hermaphroditi, sed propter antherarum reductioiiem aut abortum subfeminei,
paucissimi anlheris destituti exfeminei ; flores disci hermaphroditi, tubo antice breviter öfido, inferne supra
iichaenia compresso. Achaenia niatura (4""" longa, vix 1°"" lata), sordide Straminen, elongato-obpyramidata,
compressa, regulariter multistriata, glaberrima, sublaevia (^sub leute teuuissime rugulosaj, antice coronam
brevissimam, achaenio multoties breviorem gerentia.
Planta perennis habitu Pyrethro millejoliatd (L.) simili inhaliitat rupes saxaque moutium prope Jalpau
Persiae borealis, quo loco rnense Junio 1882 ab oculatissimo T. Pichler detecta est.
Pyretfintm modestum ist dem Habitus nach am meisten mit /'. mntolinoides De Caudolle verwandt und
unterscheidet sich durch Blattgestalt, dann durch heterogame Köpfchen, etc. so durchgreifend von den zu
h*
'60 Otto Stapf.
Tanacetum gehörenden: *F. anjenteum ' (Willd.), '*P. fonientellum (Kotschy), *P. leucophyllum Boissier et
Hausknecht, *P. ßahellifolium Boissier et Heldr., *!'. pmnatum Boiss., P. Bouryaei Boiss., P. platy-
rhacins Boiss., P. Unyulatum Boiss., dass ich wohl mir die genauere Angabe der Unterschiede erlassen kann.
Der Beschreibung nach (Boissier 1. c. p. 3.5H) wäre wolil auch das zur eben angeführten Gruppe gehörende
P. Tahrisianum Boiss. ziemlich ähnlich, doch werden die Bllitiien als durchaus zwittrig, die Stengel als immer
einköpfig, die Zipfel des Blattsegmente in der Zahl von S^f) angegeben, was für unsere Pflanze durchaus nicht
zutrifft.
Von derselben unterscheidet sich ferner das *P. poliiphnUmn Boiss. durch vielblUthigen, zusammen-
gesetzten Corymbus, reichblättrigen Stengel, sintze Blaltzipfel, längere Krone der Achaenen, etc; das *l\ icnui-
lobiini Boiss. weicht durch lineale Blattzipfel, vielköpfigen Corymbus, dann fast kahle Involucren bedeutend
ab. — P. umheUiferum Boiss. ist monocarpisch, hat hohen Stengel, sehr zahlreiche lanzettliche und spitze
Blattzipfel, doldenähnlichen, reichköpfigen Corymbus, drüsige Achaenen, etc. Ähnlich verhält es sich mit *P.
vulgare (L.), das sich sofort durch den hohen reichblättrigen Stengel, durch ganz andere Blattgestalt, reich-
köpfigen Corymbus unterscheidet. Das P. cauescens (De Candollei hat kopiförmig zusammengezogenen
Corymbus, Köpfchenstiele, die doppelt kürzer als die Köpfchen sind, und in lineale Segmeute getheilte obeie
Steugelblätter ; P. Athanasia (Besser) ist durch reichblättrigen Stengel, nur 3 — 5 bandförmig getheilte
Segmente an den Blättern, dichten und reichköpfigen Corymbus ungemein verschieden. Endlich weicht die
letzte der noch in Betracht kommenden Arten, nändich das *P. saHtoIhwidea De Candolle, durch schmale
lineal längliche Blätter, die in fast kreisrunde herablaufende Lappen getheill sind, durch halbkugeliges Fnvo-
lucrum mit stumiifeu Blättchen deutlich ab.
26. Artemisia annua Linnß Spec. plant, ed. I. p. 847 (17.">3). — Boiss. Fl. Or. 1. e. p. Ml. (1875).
Frequentissime circa Siredjaeram in Mesanderan.
27. Artenlitt ia Aucheri Boiss. Fl. Or. l. f. p. 368. (i875).
In montosis Elbrus tractus.
28. Arfeniiski Herha-albci A s s o.
In saisis inter Cbanabad et Kobad-Kerim.
Nicht blühend.
2y. SeneciO vernaUs Waldst. et Kitaibel Plautae rariures Hiiiigaiiae I. p. 2:). tab. 24. (180-2). — Boiss. PI. Or. 1.
C. p. 389. (1875).
In arenosis piope Enzeli ad mare Caspicum; in locis rupestribus ad radices montisElwend haud ])rocul ab
Haydere; in rivulorum glarea circum Jelizabethpol.
30. Calendula JPerfdca C. A.Meyer Verz. d. Ptlauz. d. <"aiic. p. 72. (1831;. — Boiss. Fl. Or. 1. e. p. 41.8. (1875).
Syn.: C. arvensis Marsch, a Bieb. Fl. T.<iur.-Oaiic. III. p. ö9C. (1819) iiou Liuu6.
Baku in locis incultis.
Die vorliegenden Exemplare stellen Miftelformen zwischen der typischen Meyer' sehen Pflanze und der
Varietät: yracilis De Caud. (sub specie) dar.
31. G'Undella TournefortU Linue Spec. plant, ed. 1. p. 814. (1753). - Boiss. Fl. Or. I. c. p. 4-21. il87.i).
In lapidosis montium ad Gendjnäme.
32. Eehinops Cepludotes DC Prodr. vi. p. 5-26. (1837). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 435.(1875). - Bunge in Mfeianges
biologiques, etc. IV. p. 384. (1863).
Syn.: E. candiäus Boiss. Diagü. plant, nov. Ser. i. 1'. 4. p.86. (1844). — Kotschy Plant. Per», bor. Nr.4ly!. (Derbent
prope, Teheran.)
In colle „Musellah" prope Hamadan.
1 Von mir im getrockneten Zustande verglicheneu Arten wurde ein * voraiisgesetz.t.
Die botanischen Ergebnisse der PolaVschen Expedition nach Persien. 61
33. EchinopS polygamufi Üuuge in Mehmges biologiques, Btc. Tom. IV. p. :i8'2. (1863)C?j. — Boiss. Fl. Or. I.e.
]). t3;i. (1875).
In aienosis colliuiu et montium ditionis Jjilpnn.
Ich l)iu im vorliegenden F;ille uiclit in der Lage diese liilbscUe EcJuuops-kxi mit einer der Seetion Oli-
yotepis völlig identiticiren zu können; unzweifelhaft gehört die Pflanze der ganz kahlen luvolucralblättchen
halber zur ersten Untersection von OUgolepis und ist von den dort aufgezählten Arten E. Graecus Miller und
E. cyaHocepIialun l^i)is8. Hausskn., wie ich auf Grund von Vergleichsmaterial coustatiren konnte, bedeutend
verschieden. Auch mit A'. HaussJineditll Boiss. kann keine Verwechslung geschehen, indem derselbe viel
dickeren Stengel, dann wenig gelappte und wenig dornige Blätter besitzt. Nun bleiben aber noch E. Ieucu(ji-upliu>i
Bunge, E. polygamus Bnnge, E.CIwrassamcusBu}\ga übrig, alle drei von Bunge in Fersien entdeckte,
äusserst selten in Herbarien anzutreffende Arten, welche ich bei der geringen Übereinstimmung zwischen den
Angaben Boissier's und Bnnge's, dann bei der Veränderlichkeit, welche die Blattformen derselben
Arten zeigen, nicht völlig befriedigend mit unserer Pflanze vergleichen kann. Am ähnlichsten käme sie noch
dem E. poly(/aniu.s, von dem sie sich aber doch wieder durch mehr dornige, stärker getheilte Blätter, dann das
längere Involucrum unterscheidet.
34. Echinops Kerneri Heimerl n. .sp. sectionis „/W™/™" Biluge e.\ Jiffiuitate K. .luxurtkl.
Caulis rarius simplex, saepe pauciramosus (ramis 1 — 4), ad 30''"' vel ultra altus, aranoideo lanatus, inferne
tarnen cavalescens, eglandulosus, crebre foliatus. I''olia subcoriacea (infima desunt omnibus in specimiinbus),
supra sordid(^ viridia vel glabra vel i)ar(;e arachnoidea subeglandulosaque, infra albo-tomentosa elevatimque
nervata, varie partita; folia inferioria subpetiolata (100 — 140°"" longa, 30— 45"'"' lata), ambitu elongato4anceo-
lata et acuta, pinnatipartita, in segmenta triangularia circ. 7 — 12 utrinque, versus basin et apicem folii sensim
diminuta, intima remotiuscula, summa subintegra, reliqua segmenta spinoso-dentata, spiuis lutescentibus varia
longitudine, longioribus ad 5'""', minoribus circ. 2—3""", area intermedia foliorum 3—4'""' lata, spinulis minu-
tissimis in sinubus segmentorum instructa. Folia media et superiora sensim diminuta (media 50 — 70""" longa,
20'"'" lala, area intermedia 7"'"'|, profunde spinoso lobata, lobis (i - 8 utrinque triangularibus acumiuatisque,
subintegris, summa spinis 4 — 5 utrinque munitis. In volucra l4'"'"longa, pulchre coerulea, e foliolis 16 — 18nis,
dorso glabris composita; foliola extima 4""" longa, inferne filiformia, superne spathulata, media angusta, lineari-
lanccolata, longe acuminata, parce ciliata, ad 8""" longa, intima coalita, tubum membranaceum formantia.
Penicillus i)ar\us, 5""" longus, tertiam partem involucri aequaus, setis paucis, plumosis. Achaenia immatura
inferne glabriuscula, superne pilosa, pappi setis barbellatis, subliberis. Glomeruli vix aut ad l''"' pedunc.ulati,
35""" in diametro.
In declivibus siccis montis Elwend leg.T. Pichler 1882; ad pagum Aftscha prope Teheran leg.T. Kotschy.
(Plantae Persiae borealis 1843 Nr. 022!).
Kotschy bemerkte 1. c. auf der Etiquette „Echinops afßitls E. J'ersico'^ doch hat Ecli. Ptrsims F. et M. nach
den Meyer' scheu Originalexem|)laren keinerlei Ähnlichkeit, indem er ganz freie innere Involucralblättchen,
beträchtlich grösseres Involucrum und viel mehr haarigen Penicillus besitzt. Unsere Pflanze reiht sich viel-
mehr an den Ecliinops ritrodes Bunge, E. Jaxaiikm Bunge und E. MammmUcm Bunge an. Es unterscheidet
sich aber E. ritrodes Bunge durch dünne, in feine Lappen getheilte Segmente der Stcngelblätter und sowie
E. Jaxarticus Bunge durch die zierlich und regelmässig kammförmig gewimperteu Blättchen des Involucrums,
während E. Kerneri m. nur mit wenigen entfernten, kurzen Wimpern versehen ist, auch die Zahl der Involu-
cralblättchen nicht 20 — 22, wie sie für obige zwei Arten angegeben wird, erreicht. E. Maracandkus endlich
hat einköpfigen Stengel, 11'" langes Involucrum, sehr ungleiche Pappusstrahlen, mittlere Stengelblätter von
4 — 6" Länge, etc.
35. Xerantheinum aiinuum Liun6 Spec. plant, ed. i. p. 857. (i"53). — Boiss. Fi. Gr. 1. c. P4.444. (i875).
Syu.: A'. nalUUiim L ,t u) a r c Iv Fl. fraiK;. II. p. 48. (1778).
Ad viarum agrorumque margines prope Hamadau.
62 Otto Stapf.
36. Xerantheniuni longepapposum Fischer et Meyer in Nouveaux m6iDoiies nat. Mose. IV. p. 3.57 (l8.Sö).. —
Boiaa. Fl. Or. I. c. p. 445. (181 bj.
In collibus aridis circum Hamadan et Teheran.
37. Chardinia terantheniOldes Desloutaiue in Mfemoires du Museum Par. III. 455. tal).21. (1SI7). — Boiss. Fl.
Or. I.e. p. 446. (187.^).
In sterilissimis ad Tschitscbian.
38. Slebera punyens Lamarck Dictiounalre d. scieuces naturelles III. p 2^6. (1189) aub XeraiUJienio.
Var.: nana DC. Prodr. VI. p. 531. (1837).
Ad Giissedje in itinere ad Teheran.
39. Coiislnia Calcltrapa Boiss. iu schedulis adKotschy Plantaa Persiae australis 1842!, Boiss. Fl. Or. 1. c. p.49ü.
(187ÖJ.
Var: mterrupta m. Canles raiuique interrupte ueque continue spinoso-alata.
In coUe Museliah prope Hamadan.
Unterscheidet sich von der eben erwähnten Kotschy' sehen Pflanze durch die von den kurz herablaufenden
Blättern nur circa 1'"' lang- geflügelten, im übrigen aber nackten luternodien der Stengel und Äste; in den
anderen Merkmalen, welche hier zur Geltung kommen, als: Blaftbebaarung, Blattform und Zuschnitt, Zahl
der Involucralblätter, Dornen derselben, Zahl der Blüthen im Köpfchen, Receptakelhaare, etc. findet nicht der
geringste Unterschied statt.
Zur Vervollständigung der Boissier' sehen Angaben in der Flora Orientalis III. p.491, sei noch angeführt,
dass die Köpfchen (ohne die Dornen der Involucralblätter einzurechnen) auf 16°"" Höhe, S-IO""" im Durch-
messer erreichen; die Zahl der Involucralblätter schwankt von 25 — 28, die Länge des Domes von 18 — 20""".
Die linearen, am Rande tief zerschlitzten Staubbeiitelauhängsel erreichen fast 2'"™, während die EinzelbUithen
12""" lang sind, endlich messen die — leider noch unreifen — mehrkantigen Achaenen ohne Pappus blos 2'5™"',
mit demselben aber 4-5""".
40. Couslnia cylindracea Boiss. iu Kotschy Exsicc. ex Persia auatrali Nr. 671!., Diagn. plant. Or. uov. 8er. I. 6.
p. 115. (18451, Fl. Or. 1. c. p. 470. (1875).
Var.: yatula m. Involucri phylla in medio refracta et squarroso-pateutia.
In locis siccis ditionis Jalpan.
Unterscheidet sich durch die in der Mitte gebogenen und daselbst schief abstehenden Dornen der Involucral-
blättchen wohl auffallend von den citirten Kotschy'schen Exemplaren, da aber das Merkmal wenig Coustanz
und in allem l'brigen völlige IJbereinstimmung mit den Kotschy'schen Stücken herrscht, so kann ich vor-
liegende Cousiniu nur als Varietät der Cousiiila cijliiidracea Boiss. ansehen.
41. Cousinia KotSChyl Boiss. iu Kotschy Plant. Pers. austr. Nr. 568!, Diagn. plant. Or. Ser. 1. 6. p. 120. (1845j,
Fl, Or. 1. c. p. 507, (1875).
In ditione Hamadan et Dauletabad.
42. C'ousitlia Kofttluihei'i Heimerl Nov. spec. sect. ('(/«(no/i/pacHWi ex affiuitate Coitxiiiiae araneoitav DC
Tota planta elata, viridi-canescens, verisimile T" superans facie Onoporduntos.
Gaules superne ramosi, ramis simplicibus, monocephalis, ut tota, iuduuiento araneoso, floccoso subdense
obsitis, ad capitula terminalia usque dense foliati. Fulia basilaria nou vidi, cauliua media et superiora
subcoriacea, e basi latissima usque ad proximum folium decurrente, ambitu breviter et late lanceolata
(35—40 — 50'"'" : 20 — 30'"'"), antice in spinani subvalidam attenuata, elevatira nervata, irregulariter ueque
profunde spiuoso-dentata (spinae circiter 9 — 10""" longae) et inter deutes spinulis minutis crebrisque (3 — 4'""'
longis) iustructa; alae caulis latissimae (10—13'"'"), crebre spinosae et spinulosae. Folia summa (22 — 28"""
longa, 7 — 8™"" lata) non aut vix in foliola involucralia transeuntia, sensim diminuta, oninino non decurrentia, e
basi angusta, lanceoliito-rhomboidea in spinam longam attenuata, in margine vix denticulata, minute spinulosa.
Capitula magna, brevissime pedunculata (pedunculi ad 10 — 16'""' longi), circiter 35""" in diam., solitaria et
Die botanischen Ergebnisse der PolaVschen Expedition nach Persien. 63
depressa. Folia involucralia uumerosa, viridula, parce araueosa vel glabriuscula, infima paiuni patentia,
cetera adpressa etimbricata; inferiora e basi adpressissima in appendicem subpatulam, late rhoniboidcam 10"""
latam, cum spina terminali 16""" longam abeuntia; media basi cavtilagineo-incvasi-afa cum appendicc latiore
quam louga (8°"" lata, 7"™ longa), antice subito in spinulam brevem contracta. Folia involucralia infima antice
brunnescentia, lineari-lanceolata, in appendicem parvam, vix 5""° longani, cuspidiferam excurrentia. Appen-
dices, praeter infimas, subpatentes, inibricatae, tenuiter spinosae, subcoriaceae, planae, subtiliter rcticulato-ner-
vatae, nervo medio prominent], in spinulam abeunti instructae, inferiores in margine tenuiter, utrinque 5 — 6,
spinulosae, mediae utrinque cum spinulis 3 — 4 minutis vix 2""" longis, ceterae integerrimae. Spinae terminales
8 — 5"'"' longae. Receptaculi setae (23""™ circiter longae) inferne levissimae, sub apice tantum scabratac.
Flores numerosi cum corollis albidis (22 — 25""" longis), in inferiore parte angnstc cylindricis, leliqua parte
irregulariter quinqnetidis. Antherarum caudac lineares (2 — 3'"" longae) penicillatim laceratae.
Achaenia (immatura) 3™"" longa, conipressa, striatn, vix alata; pappi setae elongatae, 8'"™ longae,
scabridae, mox deciduae.
Habitat in declivibus montis Elwend Persiac boreali-occidentalis, uhi plaiitam florentcm ineunte Julio 1882
oculatissimus T. Pichler detexit.
Unsere Cousinia Kornhuberi steht der C. araueosa De Cand. (Kotscliy Plantae Pcrsiae australis Nr. 795!)
am allernächsten, unterscheidet sich aber von dieser Pflanze, mit welcher sie im Gesammthabitus, in Blattform
und Blaftbestaclielung, Stengelflügelung, etc. vollkommen übereinstimmt, sehr leicht durch die zur Basis ver-
schmälerten, nicht herablaufenden obersten Blätter der Köpfchenzweige, durcii angedrückte (nur bei den
untersten abstehende) Anhängsel der Involucralblätter, welche mit viel kürzeren Enddornen (die Enddornen
der unteren Anhängsel betragen bei den Kotschy' sehen Stücken bis 16""", jene der mittleren 10""', der oberen
5 — 8"™) versehen sind, endlich durcli die kürzeren und weniger zahlreichen Randdöriichen der in Rede stehenden
Anhängsel (bei der C. araneoaa von 3 — 4""" Länge).
Sehr leicht unterscheiden sich die übrigen noch heranzuziehenden Cousinien; C. adnafa Bunge hat nacii
der Beschreibung nur 6 — 8" hohen ungefiügelfen Stengel, nicht lierablaufende Blätter mit armzähnigem Rande,
langdornige Anhängsel, kleine Köpfchen etc. etc.; Cousinia Noeana Boiss. hat (ebenfalls n. d. Beschr.) lialb
fusshohen einköpfigen Stengel, buchtig gezähnte feindornige Blätter, 1.5 — 20blüthige kleine Köpfchen etc.;
C. purpnrea C. A. Meyer hat blaffäluiliclie, erhaben nervige Anhängsel der Involucralblätter 30— 40blüthige
Köpfchen etc. Die schöne Cousinia calocephala Jaubert et Spach unterscheidet sich nach den Abbildungen
in den 111. pl. Or. II. tab. 178 ausgezeichnet durch die verlängerten, bogig zurückgekrümmten, bandförmig
dornig-getheilten Anhängsel der Involucralblätter, das kleine Köpfchen, etc.; ebenso bei Cousinia squar rosa
Boissier! — Endlich weicht C. Konihnhcri von C iußata Boiss. et Hausskn.! und C. percjamacea Boiss. et
Hausskn. durch die nicht aufgeblasenen Anhängsel der Involucralblätter auf den ersten Blick ab, während
die letzte der anzuführenden Cousinien, d. i. C. conänna Boiss. et Hauskn. ganz kleine, äusserst regelmässig
dachige Anhängsel besitzt.
Noch möchte ich mir zu bemerken erlauben, dass keine der in neuester Zeit beschriebenen Cousinien
(Franchet Plantae Turkestaniae in Annales des sciences naturelles, Regel Flora Turkestaniae) mit der hier
beschriebenen identiticirt werden kann.
43. Carduus acanthoides Linnc, Spuc. plant, od. l. p. 821. (17.13). — Boiss. Fl. Or. 1. o. p. 518. (187.i).
Locis humidis ad Rescht.
44. Cirsium COngestum Fisch, et Mey. in DC. Proilr. VI. p. 611. (1837). — Boiss. Fl. Gr. 1. c. p. ü-25. (1875). —
Kotschy Plantae Persiae Suppl. Nr. 632!
Ad radices montis Elwend.
45. Cirstutn ferox Boiss. Fl. Gr. 1. c. p. .■)31. (1875) sub var. C. lappacei M. B. — Kotschy Exsicc. (Plantae Pers. bor.
1843 Nr. 2. „prope Teheran")!
In transgressu alpium Elwend ad Surchasar.
6'4 Otto Stapf.
Man findet an der bezeichneten Stelle in Boissier's Werk eine ganze Reihe von zum Theil sehr ver-
schieden aussehenden und in mannigfachen Merkmalen beträchtlich abweichenden Pflanzen unter „Cirsium
lappaceum MB." summirt, über welche ich mir in Kürze Folgendes zu bemerken erlaube.
Die Bieberstein' sehen Originalien zeichnen sich durch einzelne, am Ende von 30"™ langen Pedunkeln
stehende, grosse Köpfchen, durch, besonders in der Jugend, dicht spinnwebige Involucren mit häckigen PlJittchen,
durch die lockere Stengelverzweiguug, den zieudich kahlen Stengel, die mit kürzeren Borsten auf der Ober-
seite bekleideten Laubblätter, endlich durch wenig zahlreiche, kaum die Köpfchen überragende, kurzdornige
Involucralblätter so auffallend aus, dass ich sie unbedingt von der Pichler' sehen Pflanze, welche weisstilzigen
Stengel, dicht gehäufte, meist sehr kurz gestielte Köpfen, kahle Involucren, lange und stark dornige Hüllblätter
besitzt, sondern muss.
Das Cirdim Kosmein Fischer (von Boissier ebenfalls hieher gerechnet) hat entfernt beblätterten Stengel,
lange (8'""') Enddornen der Blattsegmente, unterwärts lockeres, oberwärts dichtes, spinnwebiges Indument;
die Köpfchen stehen fast immer einzeln auf bis 60"'™ langen Stielen und sind von sehr dornigen, zahlreichen
Hüllblättern, welche sie ums Doppelte überragen, eingehüllt, endlich verlaufen die unteren Involucralblättchcn
in einen geraden, gelben Dorn, wäiirend jener der oberen hackig und gekrümmt ist. Jenes von Szovits in der
Provinz Karabagh gesammelte „Cirsium KosmeUi ß" hat tranbigen Köpfchenstand, spinnwebige Involucren,
oberseits fast kahle, wenig stechende Blätter, etc.; dieselbe Influenz zeigt auch die von Boissier 1. c. aufge-
führte Varietas s. microcephala, welche noch ausserdem durch die kleinen Köpfchen ausgezeichnet ist. Äiinlich
verhält es sich mit dem Cirsiiun Hernumis Boissier (olim), das durch auch oberseits weissfilzige , tief
getheilte Blätter mit schmalem (j— 7""" breitem Mittelstreifen bemerklich abweicht.
Für das Cirsium ferox (Boiss.) sind nach all dem folgende Merkmale charakteristisch: die dicht am Ende
des Stengels gehäuften Köpfchen mit fast kahlen, an der Spitze bogig gekrümmlen Involucralblättchcn, die
stark dornigen die Köpfchen um '/j— '/s überragenden Hüllblätter, die kräftigen bis 15""" langen Dornen der
Blattsegmente, die breiten Blattmittelstreifen, die unterseits weissfilzige, oben fast kahle und sehr dicht mit
Dörnchen bekleidete Blattfläche, endlich der filzige, oberwärts dicht und gedrungen ästige Stengel.
46. Cirsitim HauSSknechtii Boiss. Fl. Or. III. p. 535. (ISTö). — Haussknecht Exsicc. („in monte Schab» Kurdis-
taniae")!
In valle quadam ad Haydere secus rivulos.
47. Cirsium LibanOtiCUtn ÜC. Prodi. Vi. p. 647. (1837). — Boiss. Fl. Or. i. c. p. 548. (1875).
Syn.: C. Kotschyanum Boiss. Diagn. plant. Or. nov. Ser. I. 6. p. 103. (1845)!
Ad aquas prope Hamadan.
Höchst ähnlich diesem Cirsium. ist das C. hi/(jrophiIum Boissier (Kotschy Plantae Persiae borealis
Nr. 691 et 642!), doch unterscheidet es sich durch die stärker dornigen oder zum Theil ganz auf Dornen
reducirten Hüllblätter der Köpfchen, durch purpurne, längere Korolle, dagegen kann ich in der relativen Länge
des getheilten Oorollenbeschnittes zwischen beiden Cirsien keinen Unterschied auffinden.
48. Ouopordou heteracanthum, C. A. Meyer Verz. d. Pflanz, des Cauc, etc. p. 68. (1831). — Boiss. Fl. Or. I. c.
p. 563. (1875).
In ditione Hamadan; cultum in horto botanico Vindobonensi e seminibus in Persia collectis.
49. Jurinea macfocephala DC Prodr.VI. p.674. (1837). — Jaubert et Spach Icones, etc. III. tab. 67. (1847—50).
— Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 579. — Kotschy Exsicc. 1843. Nr. 510 !
Syn.: Derderia macrocephala Jaubert et Spach 1. e.
In locis sterilissimis montium tractus Elwend circum Hamadan.
50. Serratnla liehen Lamarck Dictionnaire d. sciences natur. III. tab. 666.
Syn.: Serratula cennthefoUa Sibth. et Smith Prodi-, fl. Graec. II. p. 197. (1813). - Boiss. FI. Or. 1. c. p. 585. (1875).
In declivibus montis Elwend.
Die botanischen Ergebnisse der Polak' sehen Expedition nach Persien. 65
51. FfiaeopappUS Auctieri DC. Prodi-. VI. \i. 564 (1837i sub Tomanthm.
Syn.: Fh. kuzeoides Boiss. Diagu. pl. novar. I. 6. p. 1-24. (1845). — Kotst-hy Plant. Fers. Nr. 431 !
In locis arenosis montium ad Jalpan. (19. VI.)
52. Amberhoa niOSehata Liun6 Spec pl. ej. l. \>. 909 11753) ȟb Centam-ea.
Var. nana Boiss. Fl. ür. I. c. p. 6O6.
Prope Mandjil.
53. Acroptilon repens Liuue Spec pl. ed. 2. p. 1293 il763i siib Centaurea. — Jaubert et Spach Icoues plaut. Or.
I. t. 10 et 11. (184-2—43).
Syu. : Centaurea Picris Pallas in Wildeuow Spec. plaut. III. p. 2302 (1800). Acruptilon Pio-is et A. repens DC.
Prodr. VI. p. 622, (1837i. — A. Picris Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 612. (1875j.
lu itineie inter Hamadan et Teheran.
54. Centaurea pulchella Ledebour Fl. Alt. IV. p.47. (I8331. — Ledebour Icoues Florae Kossicae tab. 93. (1829)
etExsicc!. — Boiss. Fl. Or. 1. e. p. 620. i1.h75|.
In versuiis montium ad Jalpan; in agiis collibii.sque ditionis Hamadan. Ciilta in horto botanico Vindobonensi
e seminibus in Persia collectis.
55. Centaurea per gamacea DC. Prodr. Vi. p. 569 1I8371. — Bois.^. Fl. Or. 1. c. p. 624. (i875).
Syu.: Hi/alm jiergamacea et H. huzeoides Jaubert et Spach Icoues plaut. Or. III. tab. 215 et 216. (1847 — 50).
In itinere inter Hamadan et Teheran.
56. Centaurea Caudolleana Boiss. Diagu. pl. uov. I. 6. p. 127 (1845), Fl. Or. 1. c. p. 627. (1875).
Syn.: Hi/alea steiioplii/Z/d Jaubert et Spach Icoues pl. Or. III. tab. 217. (1847—50) et H. Persiai J. et Sp. 1. c.
In declivibns montium eircuiii Jalpan.
Als wichtige Ergänzung der Boissier' sehen Beschreibung dieser sehr seltenen Pflanze wäre noch bei-
zului;en, dass die Blätter der Htengelbasis im Umkreise rundliche oder verkelirteiförmige (18 — 20""" lange,
12""' breite) Spreite besitzen, die sich in einem die Blattspreite bis zweimal übertreffenden Petiolus kurz ver-
schmälert. Das ganze Blatt ist graufilzig, hat vorne ein kurzes Spitzchen und der Blattstiel besitzt öfter ein
Paar lappige Anhänge.
57. Centaurea depressa Marsch. aBieberst. Flor. Taur.-Cauc U. p. 346. (1808). — Boiss. Flor. Or. I.e. p. 635.
(1875).
Inter segetes ad Tschitschiau et Maehran.
58. Centaurea Viryata Lamarck Dietiouuaire d. sciences uatur. I. p. G70 (1783)
Var. squarrosa Boias. Fl. Or. I.e. p. 651. — Hausskuecht Exsicc. !
Syn.: C. squarrosa Willd. Spec. plaut. 111. p. 2319. (1800).
Frequeutissime in ditiouc Hamadau; culta in borio botanico Vindobonensi e seminibus a Pichlero in
Persia collectis.
59. Centaurea carduifomiis DC. Prodr. VI. p. 590. (I837). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 659. (1875). — Kotschy
Iter Cilic.-Kurd. Nr. 841!
In montosis ad Jalpan.
60. Centaurea Balsamita Lamarck Dict. d. scieuces uat. 1. p. 667 (1783). — Boiss. Fl. Ur. I. c. p. 679. (1875).
Rarissime ad muros viuearumque margines prope Hamadan; culta in horto iuitanico Vindobonensi e se-
minibus a Pichlero in Persia collectis.
Über die Achänenstructur dieser schönen Pflanze wäre etwa noch Folgendes den Boissier' sehen Angaben
beizufügen. Die mit gelbem, glänzendem Hilum versehenen, im Übrigen schmutzig- weissen Achänen haben
ohne Pappus 4-5— ö'"", mit demselben 7—8-5""" Länge, sind völlig kahl, schwach glänzend, beiderseits massig
zusammengedrückt und mit einigen feinen Linien versehen. Die Pappusborsten des äusseren Kreises sind blass
röthlich und tragen zahlreiche Zähnchen, obwohl sie nicht jene Länge erreichen, die für den Pajjpus plumosus
-charakteristisch sind. Die innere Reihe wird von kleinen, weisslichen bis 1""" laugen Böistchen gebildet, die
Denkschrifteu der mathum.-Quturw.CI. L. Bd. Abbaudluugün von Nichtmitgliederu. 1
66 Otto Stapf.
ebenfalls mit Zäckchen versehen, im Übrigen nicht Ineiter als die äusseren Pappusstrahlen, also nicht
„paleacae" sind Hiediiroh bildet Centaurea Balsamita Lam. ein Verbindungsglied zur Gattung Phaeopappus..
61. Centaurea liehen Limie Sp. plaut. ed. l. p. 914. (l~t>:\). — Boiss. Fl. Or. 1. c. ]). ilSi. (1675;; compiuiivi uiime-
rosa specimiua Orientalia!
Ad vinearum margines ditionis Haydere; seciis fossas prope Jalpan. Culta in horto botanicoVindobonensi
e seminibus a Pichlero in Persia coUectis.
62. Centaurea Belauyeriana DC. Prodi-. VI. p. G09. (1839) sub Teiramoritimea.
.Syu.; Cent, phyllucephata ß. B/flanc/eri Bois.s. Fl. Or. I. e. p. 684. (1875).
In coUe „Musselah" prope Hamadan.
63. Centaurea SOlstltialis Liuue Spec. plaut. ed. l. p 917. (leSS). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 685. (I875j.
Ad agrorum margines ditionis Hamadan.
64. Centaurea, Iberica Trevirauus in Spreugel Systema jjjaut. 111. p.406. '18-26). — Boiss. Fl.Or. I. c. p.090. (1875).
Syn.: C. Calcitrapu Marsch, a Bieb.. Fl. 'ranr.-t'aiic. III. p. 594. (1819).
Secus vias circa Hamadan.
65. Carbenia benedicta Liuuii Spec. plaut. ed. I. p. S26 (17041 sub Cnko. — Bentbam Hooker Geuera plaut. II.
p. 48-2. (1873;. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 705. (1875).
Frequeuter iu ditione Haydere et Hamadan ad margines agrorum.
66. CarthaniUH Oacyaeautha Marsch, a Bieb er st. Fl. Taur.-Cauc. II. p. 283. (1808). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p 709.
(1875).
In collibus ad Hamadan. (11. VI.)
67. J£oelpinla linearis Pallas Keise durch verseh. Provinzen des niss. Reiches. III. Appendix p. 755. (1776). —
Boiss. Fl. Or. I. c. p. 721. (1875).
In planitie ad Jeüzabethpol ; in cultis prope Hamadan.
68. Garhadiolus MedypnolH Fisch. etMey. Iudex IV. Petrupol. p.4G. (1837) sub likayadiuh. Jaub. etSpach
Icones pl. Or. 111. (1847- 50). tab. 264 et 265. — Boiss. Fl. Or. I. c. p. 723. il87o).
Syn.: G. anyalusus Jaub. et Spach. I.e.
Lüca uda ad Tschitschiau.
Oy. Leontodon asperrimutn Willd. «p. plaut. III. p. 15U7. (isiiu) sub Scorzonera. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 732. (,1 J75).
In agris montium ciicum Haydere.
7U. "il'lcriti yoniocaula Boiss. Fl. Or. I. c. p. 730. (1875).
Culta iu horto botanico Viudoboneusi e seminibus a Pjchlero iu ditione Jalpan Persiae borealis lectis.
Unsere Ptlauze hat ohne Zweifel die nächste Verwandtschaft mit der F. driyom M. B. uud i'. yonio-
caula Boiss. uud stimmt mit den Kotschy'scheu Exemplaren der letzteren Art wohl iu vielen Merkmalen
übereiu, weicht :iber andererseits wieder aulfallend durch breitere Blatter, bedeutend grössere Blütheu, blei-
graues, durchaus nicht schwärzliches luvolucrum ab. Da es aber immer misslich ist zwei unter so verschiedenen
Bedingungen herangewachseue PHauzen, die eine unter güustigeu Verhältnissen cultiviit, die audere in hoch-
alpiner Lage am natürlichen Htaudorte entwickelt, iu Vergleich zu ziehen, so luasse ich mir nicht an, über die
völlige Abtieuuung uuserer Pichler'scbeu Ficris von der oben geuauuteu Kotschy'scheu Pflanze ein definitives
Urtheil zu fällen.
71. Trayopoyon COUlnum DC. Prodr. VIl. p. 115. (ISSS). — Boiss. Fl. Or. I. c. p. 740. (1875). - Aucher Exsicc.
Nr. 4892!
In deserto ad Maehran et in planitie ad Hamadan; secus viam ad Maudjil fereutem.
Die Blattbreite ist, wie die zahlreichen vorliegenden Exemplare beweisen, beträchtlichen Schwankungen
unterworfen uud variirt von 3 bis 9""". Diese breitblätterigen Exemplare kommen dem Trayopoyon roaeum
Treviauus so nahe, dass ich nicht im Stande bin, selbe im Blüthenstadium \<m einem Treviauus' sehen
Die botanischen Ergebnisse der Polak'schen Expedition nach Persien. 67
Original (Astrachan!) irgendwie zu unterscheiden. Vielleicht bieten übrigens die Achänen haltbare Unter-
schiede dar, doch da ich weder unter den vorliegenden persischen Exemplaren, welche sämmtlich in Rlütiie
gesammelt wurden, noch unter den Herbarexemplaren reife Achänen auffinden konnte, muss hicvon einstweilen
abgesehen werden.
72. Truf/opogon yraminifoHutti DC. I'iodr. VII. (i. lu (isäs). — Boiss. Fl. ür. 1. c. p. 752. (i875).
Syn.: Tr. Kolschyi Boiss. Diagn. pl. nov. I. 11. p. 45! (1849).
In hortis ad Hamadan.
73. Tragopogon buphthalmoides DC. l>io.lr. VII. p. 121 (l,s3s) mhScorzo,iem. -Boiss. Fl. Or. 1. c. p.750. (1875).
Syn.: Tr. FersuMm Boiss. Diiign. plant, nov. I. 7. p. 4 ils4Hi. — Kotschy Itei- Cilicico-Kurdicum Ni. 322 et Suppl.
Nr. 642 !
Inter segetes ad Haydere.
74. Tragopogon erOStre Boiss et Hansskn. Fi. Ol-. III. p. 754. (1875).
Var. m/uriculata m. Achaenia tftnuiter iimiiculata.
In glareosis superioris regionis montis Elwend.
Die von Picliler mitgebrachten, leider ohne das so charakteristische Khizom gesammelten Exemplare,
stimmen in den meisten Merkmalen so tretfend mit den diagnostischen Merkmalen dieser interessanten Art
nberein, dass mir — obwohl ich leider Hausknecht's Exsiccaten nicht vergleichen konnte — kein Zweifel an
der richtigen Bestimmung bleibt, aucli die angegebenen Masse, sowie der Standort passen gut zu unserer
rtlanze. Die einzige auffallendere Differenz liegt darin, dass die Achänen als glatt beschrieben sind, während
sie im Durchschnitte ziemlich deutlich fünfkantig und längs dieser Kanten, sowie, besonders oberwärts, mit
feinen Zäckchen massig dicht bekleidet sind.
75. Podospefinum Jacqilinianuni Koch Synops. fl. Germ., etc. p.425. (1837;. — Boiss. Fl.Or. 1. c. p.757. (1875).
Prope Rudbar.
76. Scorsotiera mollis Mar.sch. a Biebcrst. Fl Taur.-Cauc. III. p. 522. (IsiO). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p.761. (1875).
— Kotschy Plantae Persicac Nr. 277 0 !
In sterilibus ad Kaswin.
77. Hcm'ZOtiera calyculata Boiss. Dia«u. plant, uov. I. 11. p. 42. (1849). — Boiss. Fl. Oi-. 1. c. p. 767. (1875). —
Kotschy Plant Pers. boieal, Nr. 314!
In valle udo ad Schaweriu, in ditione Haydere prope Hamadan.
78. ScorsOfiera lanuita Marsch. aBieberst. Fl. Taui-.-Cauc. III. p. 237 (isiu). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 776. (1875).
— Steven Exsicc.!. — Kotschy Plant. Syriae Nr. 41 !.
In transgressu montium inter Kaswin ad Sepujin.
79. Scorzotieraramo.sissinui DC. Prodr. VII. p. 12.5. (I83.si. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 781. (1875;. — Bunge
Exsicc! — Kotschy PI. Pers. austr. Nr. 8s7!.
In declivibus montis Elwend ad Haydere.
80. Tara.racn/in moiltatlWtn C. A. Meyer. Vcrz. der Pflanzen des Cauc. etc. p. 58. (1831) suh Leontodonte.
In monte Demawend.
81. Willemetia tubero.sa Fisch, et .Mey, in Hohenacker Enumeratio Talysch. p. 42. (1838). — Boiss. Fl. Or. 1. c.
p. 795. 11875).
Ad aquas prope Pirebazar.
82. Lactiica Scariola Linne, Spec. pl. ed. •_>. p. 119. > I763). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 809. (1875).
In vineis ad Hamadan cum varietate integrifolia Bischoff.
83. La-CtUCO undulaUl Ledebour Fl. Altaica IV. \). 156. tlS33). — Ledebour koiies Fl.Kossicae II. tab. 129. (1830)
— Boiss. FI. Or. 1. c. p. 813. (1875).
Var. dfnUtta m.\ Folia sinnato-dentata nee pinnatifida.
Prope Dauletabad in agris.
68 Otto Stapf.
Obwohl sich vorliegende Varietät durch die mehr weniger tief gezähnten nicht fiederspaltigen Laubblätter
auflfjillendvonden gewöhnlichen Exemplaren der Lactuca undulata Ledb. unterscheidet, so ist bei der sonstigen
Übereinstimmung durchaus nur an eine, in der That auch durch Übergänge vermittelte Variation der Blattform
zu denken.
84. Lactuca Orientalis Boiss. Fl. Or. l. c. p. sui asTS).
Syn. : Phenopus Orientalis Boiss. Voyage ea Espagne p. 390 in nota (ls39— 45). — Kotschy, PI. Pers. austr.
Nr. 702!
In muris circa agros prope Haydere ad Hamadan. (1. VII.)
85. JPieridium Tingitmium Linn6 Spec. plant, ed. i. p. 791 fl753) sub Swrzonera. — Desfont. Fl. Atl. II. p. 22u.
(1800). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 828. (1875).
ß. minus Boiss. 1. c.
Prope Rudbar.
86. Hieracium Mmnaäanense Heimerl. nov. sp. ex affinitate H. echwidis Luiiin.
Totum laete vel lutescenti-viride. Gaules e rhizomate oblique adscendente, 1—2 (38 — 67'™ alti), stricti
et angnlati, interne, imprimis basin versus, dense hirsuti vel hirsutissimi, pilis longiusculis (4™'"longis), horizon-
taliter patentissimis, superne pilis longis destituti, tamen pube adpressissima plus minus densa, sordide virides,
ceterum simplices, raro superne ramo unico instrncti, ad medium usque decrescendo paucifoliati (foliis plerumque
4), superne nudiusculi. Folia margine integerrima, pube stellata tenuissima utrinque parce instructa, in dorso
secus uervum medianum patenter longe hirsuta, ceterum vel sub-depilata vel inpriniis in margine longe ciliata;
infima florescente tempore bene evoluta, rarius hinc inde niarcescentia, ambitu lanceolata aut lineari lanceolata
(80 — 137""" longa, 15 — 33""" lata), in petiolum saepius villosissimuni brevissimumque attenuata, antice obtusi-
uscula vel acutiuscula. Folia caulina inferiora saepius basin versus attenuata, superiora basi angustata sessilia,
elongato-lanceolata, plus minus pilosa, summa minuta, squamaeformia. Capitula citrina aut lutea (12 — 15™"' in
diam.), in corymbo vel subsimplici [swh 5 cephalo) vel composito laxoque ad 25 cephalo: pedicelli inferiores
capitulis ad 2 plo longiores, superiores capitula aequantes et ut involucra trichomatibus crebris, glanduliferis,
pilis sparsis, longiusculis pubeque stellata asperati. Involucra late campanulata, ob pubem, glandulasque
sordide viridescentia, foliolis subbiseriatis acuminatisque instructa. Ligulae antice glabrae, valde profunde
incisae. Styli etiam siccitate flavi. Achaenia minuta (sine pappo vix 2""", cum pappo 6™™ longo), atra et
cylindrica, subtiliter striata; pappi uniserialis trichomata fragillima, albescentia.
Habitat in marginibus agrorum montium ditionis Haydere non procul ab Hamadan, legitT. P ichler anno
1882 mense Junio. Specimina in horto botanico Vindobonensi e seminibus, a Pichlero coUectis, culta cum
Persicis, praeter staturam multo elatiorem, inflorescentiam polycephalam, folia maiora et atro-viridia eximie
congruunt.
Unterscheidet sich von Hieracium echioides Lumn. leicht durch die relativ breiteren Basalblätter, die
weichere, nicht steif-borstige Behaarung, die dicht drüsigen, wenig borstigen Involucren; von H.Balansae Boiss.
{H. Radula Fries Epicrisis) durch das Fehlen des dichtsteifhaarigen Indumentes der Involucren, durch die nur
unterwärts beblätterten, sparsam steifhaarigen Stengel. Hieracium inca>n(m M. B. hat durch Sternfilz wie mehlig
bestäubte, graue Blätter, dichtgehäufte, kleine Köpfchen, halbstengelumfassende Laubblätter, etc. Hieracinm
fariniferum Boiss. ist ebenfalls grauweiss und hat drüsenlose Involucren. Das H. cheirifoliiim Boiss. et
Hausskn. unterscheidet sich durch schmale Basalblätter und von der Mitte an ästigen Stengel, der nur 1 — 2
Laubblätter trägt. H. macrotrichum Boiss. Diagnoses hat locker corymbösen Stengel mit meist 3 — 5, selten
6 — 10 Köpfchen, welche von langen, weissen Haaren dicht eingehüllt sind und nicht Drüsenhaare führen.
Endlich H.procerum Fries Symb. hat zur Blüthezeit keine Basalblätter, längliche Köpfchen, bis fünf Fuss hohen
Stengel, etc.
87. Lagoser is Orientalis Boiss. Fl. Gr. 1. c. p. 882 (i875).
Syn.: L. Nemausensis Marsch, a Bieberst. Fl. Taiir.-Cauc. III. p. 538 (1819).
In incultis ad Eustemabad prope Hamadan et Mandjil; prope Baku.
Die botanischen Ergebnisse der Pol ak' sehen Expedition nach Persien. 69
Gentianeae.
Auetore R. de Wettstein.
1. Gentiand OUvieri Griseb. Gen. et Spec. Gent. p. -278 nssfl-.
Ad rivulum in itinere inter Hamadan et Nehamend prope Husseinabad. (28. V.)
In locis humidis in iugo „Malajirpass" prope Hamadan. 8000' s. m. (31. V.)
2. Erythraeil Centauruni Linn. Spec. plant, ed. l. I. p. 229. (1753; sub Gentuina (excl. variot.!). - Pers. Syn. I.
p. 283. (1805).
Ad portum Moschdiser. (7. VII.)
Campanulaceae.
Auetore R. de Wettstein.
1. JlicJumxia laevfgata Vent. Descript. d. pl. nouv. jard. Gels. p. et tab. 81. (1801).
Var. setosa Wettstein (var. nov.).
Caulis in parte inferiore setis albis, patentibus, magis mimisve densis strigosus, in parte superiore albidun,
nitidus, glaber.
Ad rupes niontium prope Jalpan. (21. VI.)
2. Cumpaniila Hyrcanki Wettstein (spec. nov.).
Annua. Caulis elatus, gracilis, striatus, pilis dispersis, albis obsitns, superne gijiber, simpcx vel ramosus.
rami graciles, elati, ut caulis, in racemum longum. sparsiflorum abeuntes. Folia inferiora . . . , superiora sessilia,
parce serrata,lanceolata,hirsuta. Flores ad racemos so]itarii,bracteati, elati, breviterpedunculati. Pedicelli calyce
breviores vel aeqnilongi. Calyx glaber tubo obtuse couico, furcato, laciniis linearibus, acuminatis, erectis, tubo
triplo — quadruple longioribus, corolla brevioribus, demum valde aceretis, strictissimis vel lente conniventibus,
denticulatis, fructu sesqui — duplo longioribus. Corolla pallide coerulea, obconica, ad medium in lobos oblonges
fissa, puberula. Capsula erecta, trilocularis, poris lateralibus, in superiore parte versus medium sitis debiscens,
furcata glabra.
Planta 50 — 60™ longa. Folia radicalia et inferiora , superiora 4 — 6™ longa, sensim diminuta.
Corolla 10— 12™'" lg. Laciniae calycis fructiferi 11—15""" lg.
Ad portum prope urbem Moscbdiser ad mare Hyrcanium. (7. VII.)
Am nächsten steht diese Art der C. Ghilariensh Schlecht., von welcher sie sich besonders dnrch die
Kelchzipfel unterscheidet, die zur Blüthezeit kürzer als die Corolle sind, nach dem Verblühen aber bedeutend
anwachsen und die Kapsel 1 '/8^2mal an Länge überragen; dabei sind sie stets steif und gerade aufrecht, nur
selten schwach zusamraenneigend.
3. Podanthuni pulchelUim Fisch. etMcy. Ind. I. 8CU1. hört. bot. Petrop. p. 35. mh l'hytvumate. (1835). — Boiss.
Fl. Gr. III. p. 947. (187,0).
Prope Ask ad montem Demavend. (4. VII.)
4. Podfinthtim asperum Boiss. Diagn. pl. Orient. Ser. I. f. 11. p. 2. (1849) sub l'hyleumale. — Fl. Or. III. p. 955.
(1875).
In rupesfribus montis Elwend. (22, VII.)
Nach Boissier 1. c. ist „totiim setulis sparsis, adpressis, pellucidis, e tuberculo ortis asperum" ; bei den
vorliegenden Exemplaren reicht diese Behaarung am Stengel blos bis an die untersten Blüthen, von dort an
i st er vollkommen kahl.
Cucurbitaceae.
Citrullus Colocynthis Linnt Spec. plant, ed. l. p. lOll. (1753) snb Cucume>-e.
Ad Robad-Kerim prope Teheran. (27. VIII.)
70 Otto Stapf.
Primnlaceae.
1. Androsace nuixinui Linne Spec. plant, od. 1. p. 141. (1753). — Ludeb. Fl. Ko.s.s. III. p. 20. (1846 — 1851).
In arvis relictis prope Baku (^10. IV.); ad lipas fluvii Kura prope Jelizabethpol, Transc. (5. IV.)
Var. qlabrescens Stapf (n. var.).
In Omnibus partibus minus hirta, laete vel snbglauco-viridis, calycis laciniis pleiumque paulo longioribus,
angustioribusque.
In agris prope Kaman (5. V.) ; ad Kaswin. (3. V.)
2. Pritnula auriculata Lam. III. Nr. lOSl. — Ledcb. Fl. Ross. III. p. ll. (1846— 1861). - Boiss. Fl. ür. III.
p. 28. (1879).
In jugo versus orientem vergente aditus inter Zerschk et Kaswin (5. V.); in faucibus aditus ad Tusirkan,
haud procula nivibus. (19. V.)
3. Prltnula heterochrotna stapf (u. sp.).
Tota habitu P. acaulis L., foliis exiraie discoloribus.
Canlis valde abbreviatus, inferne in rhizomn breve praeniorsuni radicibus fiiirilliformibns obsessum, snperne
dense foliatus.
Folia oblonga vel ovata-oblonga, obtusa, oito in petiolum angustata et in eo pins minnsve decurrentia,
minute repando-denticulata, membranacea, .siipra viridia, glaberrima, suhtus alba, adpre^se et tenuiter arach-
noideo-tomentosa. Pedicelli foliis brevioribus, pilis brevissiniis et longis, crispulis, interinixtis obsitus. Calyx
tnhulosns, ad medium vel ultra in dentes anguste lanceolatos, acutes tissus, ad angnlos et margine.s breviter
hirtus. Corolla tubo calyce l'/2 — 2plo longiore, lobis liinhi obcordatis, tnbo brevioribus, flava. Capsula tubo
calycino aequilonga, globosa-ovata, dentibus brevissimis, ovata.
Fol. 3-11 """lg.; 3-4'4™lt.
Ped. 3—4'=°' lg.
Cal. 8-12""" lg.
CoroU. tub. 15 — 18"" lg.
Prope Kudrun. (22. IV.)
Der P. acaulis L. unzweifelhaft nabe verwandt, aber durch die unterseits weissen, rasch in den Blattstiel
zulaufenden Blätter und etwas kleinere Blüthen mit längeren Kelchzähnen sehr leicht zu unterscheiden.
Plumbagineae.
1. StaticS leptOStachya Boiss. in Kotschy PI. Per». (1845), Diagn. Ser. I. f. 2. p. 68. (1864), Fl. Or. IV. p. 872.
(1879).
In deserto salso inter Tschitschian et Malajir.
2. Acantholimon Oliviei-i Janb. et Spach III. pl. Or. I. p. les. t. 9;^. (1842—43). — Boiss. Diagn. S6r. I. f. 7.
p. 80. (1846).— Bunge Gatt. Acanth. p. 27. (1872).
Syn.: A.mnustum ß. Olivieri Boiss. Fl. Or. IV. p. 832. (1879).
In raontibus ad Jalpan (20. VIV, in petrosis ad radices montis Elwend prope Haydere. (29. VI.)
3. Acantholimon Senganense Bunge Gatt, Acanth. p. 29. (1872). — Bois.'*. Fl. Or. IV. p. 833. (1879).
In aridissimis ad Jalpan. (19. VI.)
4. Acantholimon incomptum Boiss. etBuhse Aufz. Transk. Pers. Pfl. p. 183. (1860). — Bnnge Gatt. Acanth.
p. 62. (1S72).
Syn.: A. Scorjnus 7. incomptum Boiss. Fl. Or. IV. p. 850. (1879).
In arenosis ad Zamanabad (27. V.); inter Tschitschian et Dauletabad (31. V.); in collibns aridis ad Scha-
werin (12. VI.) et Jalpan. (^19. VI.)
Die botanischen Ergebnisse der Polak' sehen Expedition nach Persien. 71
5. Aeantholinwn Hystrix staiif (u. sp.).
Dumulosum, glaucovirens, foliis aestivalibus longis, spinosi«, venialibus cito deciduis, scapo erecto, elou-
gato, pleiostachvo, spicis augustis, spiculis singulis, calycibus augustissime, limbatis, albis, atropurpureo-striatis,
coroUis roseis.
Rami annotini foliis vetustis, exaridis, spiiiesceiitibus, pateutibus, lioriuitiui basi foliis venialibus recurvatis,
cito defractis, superne aestivalibus, oblique erectis, rigidissimis deiise vestiti. Folia verualia linearia, acuta,
basi aequaüter membranaceo-dilatata, semiaiiiplexicaiilia, plaiiiuscnla, recurvopatentia, deiuuui recurvata;
aestivalia spinosa, longa, semiteretia, facie superiore plana, margiuibiis laevia, calcareo-lepidota, ima basi
abrupte membrauaceo-dilatata, feie vaginautia. Scapus glaber, folia superans, teres, ercctus, rigidus, ])leio-
stachys, spicis laxe dispositis, inferioribus longitudine calycis duplo triplove amplius distautibus, inter superos
spatio eam aequante. Rhachis flexuosa. Spiculae uuiflorae, longitudine bracteaiiim vol paulo ultra distantes.
Rbachidula anfracta. Bractea exterior ovato-lanceolata, subacuta, anguste albo-marginata, dorso rubello-virens,
calycis triente paulo longior; inferior oblongo-lanceolata, obtiisa, nervo purpureo fusco perciirsa, caeterum albo-
inembrauacea, calycis diniidio aeijuilouga. Calycis tubus anguste cyliudricus, basi viridis, superne purpureus,
glaberrimus, sensiui in limbuni membi'anaccum, vix dilatatuiu, plicato-contractum, breviter quinquelobatum
abeuns, lobis secuuduni nervös, ante apiceui evanidos, atro-purpureis, obtusissimis. Corollae pars exserta
calyce triplo brevior.
Fol. vern. 3 — 3'//"' lg.; 1— iVj""" lt.
„ aestiv. 5— T'" lg.; 1— l'/j-'-^lt.
Scap. tot. 13—16'"' alt.
Spat. int. spie. 2— l'/g— 1™'.
Ad Kuscbkek inter Hauiadau et Teberan. (jy. VI.
Spat. int. spicul. 5 — 7"'"*
Bract. ext. 4—5"'" lg.
„ int. 4V»-6""" lg.
Cal. 9— 11""" lg.; 2""" lt.
72 Otto Stapf. Die botanischen Ergebnisse de)' Po Iah' sehen Expedition nach Persien.
INDEX.
Fuiigi ...
Heputicae . . .
Musci ....
Filkes ....
(Joniferae . . ■
Araceae
Cyperacm£ . ■
Gramineae . .
JuniMceae . . .
Liliaceae . . .
AniuryUideae .
Irideae . . . .
Orchideae . . .
Coiivolvulaceae .
Scrophiilarineae
Biynoiuaceae
Orobandieae
Borragineue . .
Solanaceae . .
Plantagineae
Verbenaceae . .
Labiatae . , .
Apocyneas . .
Asclepiadeae
Stellatae . . .
Vakrianeae . .
Dipsaceae . . .
ComposUae . .
Gentiatieae . ■
Campanulaceae
Cucurbitaceae .
Primidaceae . .
Plumbagineae .
Seite
Auetore E. deWettsteiu 1
„ C. Fehluer 4
„ C. Fehlner 4
„ C. Fehlner 6
„ 0. Stapf 6
„ 0. Stapf 6
0. Stupf 7
„ E. Hackel 7
„ 0. Stapf 12
„ 0. Stapf 12
„ 0. Stapf 19
„ 0. Stapf 19
„ 0. Stapf 21
„ U. Stapf .... 21
„ C. Kiehter 22
„ U. Stapf 26
„ G. Beck 26
, K. de Wettsteiu 27
„ B. de Wettstein 33
, Ü. Stapf 33
„ Ü. Stapf .... 34
„ 0. Stapf 35
„ 0. Stapf 51
„ 0. Stapf 61
„ 0. Stapf 51
„ 0. Stapf 54
„ 0. Stapf 64
„ A. Heimerl 56
„ R. de Wettstein 69
„ R. de Wettstein 69
„ 0. Stapf 69
„ 0. Stapf 70
, 0. Stapf 70
-.^^*^:>c^,^-
7S
BEITRAGE
ZUR
FLORA VON LYCIEN, CARIEN UND MESOPOTAMIEN.
PLANTAE CÜLLECTAE A D^^^. pELIX LUSCHAN
ANN. 1881, 1882, 1883-
VON
D" OTTO STAPF.
I. THEIL.
VORGELEGT IN HER SITZUNG AM 13. NOVEMIiER 1884.
Fungi.
Auptore R. de Wettstein.
1. Coleospovinm, Cumpmiulae Pers. .Synops. meth. fung-. I. p. 217. (1801) sub üre,1l„e. — Lev. iu Aiiiial. .1. sc.
iiat. 3. .Sör. T. VIII. p. 273. (1847).
Syn.: C. Campanulacearum Fries Summa veg. Scaud. p. 501. (1846).
Fungus stylo- et teleutosporifer.
Lycia: In foliis vivLs CampanuJae drahifoliae Sibtli. prope Giölbasclu. (29. V. 1882.)
2. Lophodctinium aruniUnnceiim, DC. Fl. IVan?. III. p. 16G. (ISI.5) awh Uypodermate. — Chfivall. in .1(111111. de
Phya. (1821); Fl. d. eiiv. d. Pur. I. p. 435. (1826).
Lycia: In foliis lauguescentibus Alopecuri vayinati Pall. iu nioute Ak Dag-b. (17. VII. 1882.)
Filices.
1. Cystopteris fraffilis Linne Spec. pl.-int. ed. l. p. lOfll. (17ö3) suli l'„l,/,m,Uo. — Beruh, in Sclirad. Neu. Joiirn.
1. Bd. 2. p. 26. (1806;.
Lycia: Ad Katara. (23. VIII. 1882.)
2. Cystopteris alplna Wulf, in Jacq. Coli. II. p. 171. (1788) sub Pulypudio. — Link Hort. Berol. II. p. 130. (1833).
Lycia: In moutis Ak Dagb suminis declivibus ad meridiem vergentibus. (17. VII.)
3. Gt'aniniites CeterucJl Linue ,Spec. plant, ih1. i. p. lOSO. (17ö3j sub Asplenlo. — Sw. Syn. Fil. p. 22. (1806).
Syn.: Ceterach officinarum Willd. Spec. plant. V. \). 136. (1810). — Mildi^ Fil. Enr. et Atl. p. 94. (1867).
Lycia: Ad Acrojidlin supra Pbellos (1881); ad Acropolin .supia Xaiiflios (23. IV.); iuter Afakri et Levissi.
(20. IV.)
Dealcschnftaa der malUdiu.-uuLurw. Cl. L.. BU. AbUuuilluugeu von NicUlmiLglitidero. ]^
74 Otto Stapf.
4. Afipidilltn, ptlUhluin Dory Exiied. de Jlorci'. III. '2. |i.2S7. t.3G. (1832) siib AV""'''"- — Link Fil. p. 107. (1841j
Syn. : Aspidiioii rii/idiwi var. aKsfnilif: Ten. Mem. hu di uuh miov. l'elee. p. 20. t. II. f. 4. B. (1832).
Lycia: Ad Acropolin siipra Bazergyan-Jailassy (26. IV.); ad Gjölbasclii. (29. V.)
Coniferae.
1. Janlperus OjycedrtlS Linnö Spec. plant, ed. l. p. loas. (1753). — Endl. Syn. Conif. p. 10. (1847). — Ant.
Cupr. Gatt. p. 12. t. XL— XV. (1857). — Pari, in DC. Prodi-. XVI. p. 2. p. 477. (1869).
Syn. .7. rufescena Link iu Flora XXIX. 1!. II. p. .579. a846). — Endl. Syn. Conif. p. n. (1847). ~ Ant. Cupr.
Gatt. p. 18. t. 23.— 2.5. (1807).
Lycia: In monte Baba Dagb freqiientissime (^21. V.); inter Zumuru et Bulanik Dagh (19. VII.); ad Kuju
Jaila. (19. VIII.)
2. Juniperus ereeLsa Marsch. aBieb. Beschr. d. Land. a. Casp. M. p. 204. app. n. 72. (1800), Fl. Taur. Caue. II.
p. 524. (1808). — Endl. .Syn. Conif. p. 25. (1847) excl pl, Himal. — Parlat. in DC. Prodr. p. 484. (1869).
Syn.: J. Suhina Pall. Fl. Koss. IL p. 15. (1788) pro parte; J. foetkki s. cxceha Spach. iu Ann. Senat. 2. siir. XVI.
p. 297. (1841) excl. syn. Amer. — SaUna excdsa Ant. Cupr. Gatt. p. 45. t. 60. et 62. (1857) excl. syn. Royl. et.
pl. Himal.
Lycia: In monte Baba Dagb frequeuti.ssime cum autecedente Silvas densas constituens (^21. IV), ad Guriiva
(15. Vn.) et Tschescbme. (14. VII.)
3. Jliniperus foetidlssinia Willd. Spec. plant. IV. p. L p. 853. (I805). — Endl. Syn. Conif. p. 24. (1841). —
Parlat. in DC. Prodr. XVL p. IL p. 485. (18C9).
Syn.: J. Plioeiücea Pall. Fl. Ross. IL p. IC. t. 57. (1788). — J. factido i. xqmin-Khisa Spacli in Ann. sc. nat. 2. Ser.
XVI. p. 300. (1841).
Cavia: In monte Ujuklu Dagh [arbores magnae, pulcliiae. (14. VI.)| — Lycia: Ad Gurnva (15. VII.) inter
Zumuru et Bulanik Dagli (19. VII.); ad Kuju Jaila. (19. VIII.)
4. Pluus Pinea Linnö Spec. plant, ed. 1. p. 1000. (1753) — Endl. Syn. Conif. p. 182. (1847).
Lycia: Inter Makri et Levissi (20. IV.); ad Tschescbme. (24. VII.)
5. Pinus Pallasiaiia Lamb. Descr. Pin. ed. 1. t. IL p. 1. t. 1. (1824). — Pin ct. Woburn. p. 21. t. VIII. (1839).
Syn.: P. iiij/riainn var. gibbosa Hort. Vindob. (1838) = P. mgrkarix var. Hanatim Hort. Vindob. (1846). [Conf.
A. Kerner in Sched. ad Fl. exs. Austro-Hung. IL p. 135.]
Lycia: Amplas Silvas constituens prope Oinoanda; inter Zumuru et Bnlauik Dagh. (19. VII.)
Der von Luschan mitgebrachte Zapfen stimmt vollständig mit den von Kerner a. a. 0. erwähnten, im
botanischen Museum der Wiener Lniversität aufbewahrten Zapfen ans dem Banate.
6. Pinns Cedrus Liune Spec. plant, ed. 1. p. lOOl. (1753) — Endl. Syn. Conif. p. 136. (1847).
Lycia: Densas Silvas constituens in monte Baba Dagh; ad Tschescbme (14. VII.); inter Zumuru et Muhxnik
Dagh. (19. VII.)
Onetaceae.
1. Ephedra procera Fisch, et Mey. Ind. X. hört. Petr p. 4.5. (1.844). — C A. Mey. Mon. Eph. p. 91. t. 4. (1846).
Endl. Syn. Conif. p. 262. (I,s47j. — Pari, in DC. l'rodr. XVI. p. IL p. 358. (I86<i).
Lycia: Ad rniuas mouasterii ad Owadjik. (2, VIII.)
Najadaceae.
1. Potnuiogeton. nntans Linne Spec plant, ed. 2. p. 182. (1762).
Lycia: In paludilius ad Kasch. (13. VII.)
Alismaceae.
1. Alismn Plnuta/fO Linne Spec. plant, ed. 1. 11. 342. (1753).
Lycia: In paludibus ad Kasch. (13. VII.)
Beiträge zur Flora von Lycien, Carlen und Mesopotamien. 75
Araceae.
1. Arilin DiosCorkUs Sibth. et Sm. Prodi-, fl. Gr. Prodr. II. p. 245. (1813j, Fl. Gr. X. t. 917. (1840). — Schott
Prodi-. Ar. p. 78. fl860i et iu Tcliich. A.-i. Min. II. p. 646. fl860).
Syn.: A. Ci/jnium Schott in Bonplaud. IX. p. 368. (1861). — A. spectabilc Reg. Gartcnfl. XXI. p. 353. t. 742. (1872).
Lycia: In clitiouc fontium fiuvii Fellcu Tschai (26. IV.); cnlt. iu hört. Viudob. e tiiberibus a D"^*^ Luschan
e Lycia missis (1883).
Cyperaceae.
1. SclrpUS nuiritimUü Linnii Spuc. plaut. ed. 1. p. 51. (1753).
Lycia: Iu paludusis ad Kasch. (13. VII.)
Gramineae.
Auetoru Ed. Hackel.
1. Alopeetirus raginattis Paii. ind. Tuur. p. ui. (i7U7>.
Lycia: Iu cacumiue luoutis Ak Dagh. {11. VII.) — Mcsopotamia superior: Iu moute Nemrud Dagh ad
Kjäcbta (1883).
2. Stipa tortilis Desf. Fl. Atl. I. p. 99. t. 31. (i79S).
Lycia : Iu Acropoli supra Xauthos. (23. IV.)
3. Orys:oi)sis coerulesceus Dcsf. Fl. Atl. I. p. 66. t. 12. (i798) swh Miiw.
Syu. : FiiiftUhei-diii coeriile-iceiis IJeiiuv. Agr. p. 17. ' lS12j. — ( Ori/zupsis Michx. anno 1803, Piptaflieruin Beaiiv.
1812 conditum est.)
Lycia: Prope Gjölbaschi. (29. V.)
4. JliUuni veriMlle Marsch, abiub. Fl. Taur. Cauc. I. p. 53. (1808).
Caria: In moute Ujuklu Dagh. (14. VI.)
Var. ßj Montiamiin Cuss. Expl. Alg. II. p. 72. — Pari. Fl. It.-d. I. p. 156. (1848) pro specie.
Lycia: Iu moute Nif Dagb. (5. VI.)
5. Phleam teiiue Host. Gram. II. p. 27. (1802; a\ih Fhularklu. — Schrad. Germ. I. p. I8I. (1806).
Var. j3. ciliatum Boiss. Fl. Or. V. p. 480. (1884).
Lycia: Ad Acropoliu supra Xauthos (23. IV.); pfope Gjölbaschi. (2U. V.)
6. Phleuin exaratUin Griscb. Spicil. IL p. 462. Il843i uon Höchst.
Lycia: Trope Gürlek. (7. VI.)
Syn.: Fit. Griiecum Boiss. et Heldr. Diagn. Ser. 1. XIII. p. 12. (1853).
Lycia: Prope Auar (KJ. VII.) et Balbura. (23. VIII.)
Vou Pli. arenuriuni Liuu6 Spec. plant, ed 1. p. 60 kaum specifisch veischiedeu.
7. LiUJtirus ovatns Liuuö Spcc plant, ed. 1. p. 81. (1753).
Lycia: In iusula Kekowa.
8. Koeleria phleokles Pers. Syn. I. p. 97. (isos).
Lycia: Prope Sidyma. (2. V.)
'.t. Melica Cupani Guss. Pi-odr. sie. Suiipl- P- l*- fl832).
Var. inaequii-lumis Boiss. Diagu. Ser. 1. Vll. p. 121. flS46) pro s])C(ie, Fl.Or. V. p. 590. (1884).
Lycia: Ad Anar supra Gjöiube. (6. VII.)
U). ?Jellea ininnUl Linn6 Maut. I. p. 32. (1767j.
Syn.: iL sa.mlilis Sibth. et Sm. Prodr. fl. Graee. I. p. 55. (1806).
Lycia: Prope Gjölbaschi. (2'.i. V.)
k*
76 Otto Stapf.
11. Dactylis glomerata L.
Viir. Sibthorpii Hack, iu Ost. bot. Zoitschr. XXVIII. p. 192. (187«) pro varietate D. Hispankac. — Bois». Fl. Or.
V. p. 596. (1884).
Lycia: Ad Gjölbaschi (29. V.) et Güiiek. (7. VI.)
12. BrifiCi maacima Linii6 Spcc plant, od. i. I. p. 70. (i75b).
Lyciii: Ad Budruii (!). IV.); ad Gjölbaschi (8. et 28. V.). — Galt, in hört. Vindob. e seniiuibus a Dr.
LiLschan c Gjölbaschi missis. (188.3.)
13. Brisa spicata Sibth. otSm. Prodr. fl. Graec. I. p. 61. t. 77. (1806).
Lycia: Ad Gjölbaschi (1. et 29. V.); in monte Nif Dagh. (5. V.)
14. Poa alpina Linn6 Spcc. plant, ed. i. p. 67. (1753).
Lycia: In montis Ak Dagh cacumine versus meridiem vcrgente. (17. VII.)
15. Poa. bullosa Linnö Spec. plant, ed. 1. p. 70. (1753).
Forma genuina. Lycia: Ad fontes fluvii Feileu Tschai. (26. IV.). — Mesopotamia superior: In monte
Nemrud Dagh prope Kjächta. (1883.)
Forma vivipara. Lycia: In monte Baba Dagh (21. IV.), ad Razergyan JaYllassy (26. IV.) , Gjölbaschi
(1. V.); in monte Nif Dagh. (5. VI.)
16. Poa Timoleontis Heldr. in Boiss. Fl. Or. V. p. 607. (1884).
Lycia: In monte Ak Dagh. (16. VII.)
17. Poa Persica Trin. iu C. A. Mey. Enum. p. 18. (1831).
Lycia: Ad Subaschi JaTla. (16. VII.)
18. Neplielochloa Orientalis Boiss. Diagn. Ser. i. V. p. 68. (i844).
Carla: In monte Ujuklu Dagh. (14. VI.)
19. CynOSOrua echinatus Linnö Spec. plant, ed. l. p. 72. (1753). — Desf. Fl. Atl. I. p, Sl. fan VIII. = 1800).
Lycia: Ad Gjölbaschi (1. V.); ad Acropolin supra Phcllos. (16. V.)
Var. obliqtiatus Link in Linn. XVII. p. 406. (1843) pro specie.
Lycia : Ad Gjölbaschi cum Briza maxima.
20. Festuca OVina L., Hack, emend.
Subsp. pinifolia Hack, in Boiss. Fl. Or. V. p. 617. (1884).
Lycia: In cacumine summo montis Ak Dagh. (17. VII.)
Subsp. sulcata var. Valesiaca Schleich. Cat. pl. in Helv. ed. 1. p. 13. (1807) pro sp cie. -- Hack. Mon. Fest.
p. 101. (1882).
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh prope Kjächta. (1883).
21. Scleropoa ri<jida Griscb. Spicil. II. p. 43i. (i843).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (29. V.)
22. Bromus tomentellas Boiss. Diagn. Ser. i. VII. p. i_>6. (is46).
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh prope Kjächta. (1883.)
Forma ad B. var/eyatnm Marsch, a Bieb. vergens, foliis brevissinic puberulis : Lycia: In montis Ak
Dagh cacumine ad meridiem vergente . (^17. VII.)
23. Bromus tectortmi Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 77. (1753).
Var. spiralis Hackel.
Gluma tertia et quarta fertiles, superiores numerosae, vacuae, spiraliter dispositae, e glumis reliquis longe
exsertae.
Carla: In monte Ujuklu Dagh. (14. VI.)
Beiträge zur Flora von Lycien, Carlen und MesopotamieM. 7 7
Var. anisanthus Hackel.
Syn.: Amsanlha. Pontka C. Koch in Liun. XXI. p. 394. (Isl8) ex dcscr.
Gluma tertia sola fertilis, quarta florem masculum fovens, supcriores numerosae (9 — 12), vacnae, distichac,
e reliquis parum exsertis, arLstis omnibus .subfa.stigiatis. rauiciila clcnsa, .saepe compacta; spiculae mmc
glabrae mmc hispidulae. Culmi humiles, vix semipedales.
Carla: Prope Budrun. (9. IV.)
24. Broniiis stei'ilis Linu6 Spec. plaut. od. 2. p. 113. (1763).
Lycia: Ad Bazergyau JaiUassy (26. IV.) et Gjölbaschi. (29. V.) — Carla: Ad Loryma.
25. Bronius intermeditis Guss. Picxlr. Sic. l. p. lu. (is27).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (1. et 29. V.)
26. Broinus patulus Meit. et ICuch iu KöLl. Dcutachl. Fl. 1. p. 685. (1823).
Var. y.. (jenuinus-
Carla: Ad Eskere Boghas. (10. VI.)
Var. ;5. AnatoUcus Boiss. et lleldr. Diagn. Ser. 1. XIII. p. 63. (1853) pro spccie, FI. Or. V. p. 655. (1884).
Syn.: li. aqiian-osias [i. Cyri Trin. in C. A. Mey. Ind. Cauc. p. 24. (1831).
Lycia: Ad Bazergyan Jailassy (23. V) et Guruva. (14. VII.)
Forma spiculis glabris: Carla: Ad Gozlar. (11. V.)
Diese Varietät hält genau die Mitte zwischeii B. patulHf; und li. squarrosus lune.
27. Jirochypodium (Ustachi/tt/m Ueauv. Agrost. p. lui. (1812).
Lycia : Ad Acropolin supra Xantiios. (23. IV.)
28. TritiCWm sativum Lam. Encycl. II. p. 554. (1786).
Syn.: T. vulgare Vill. Daupli. II. p. 153. (1787).
Specimen macrum, verosimiliter subspontaneum.
Lycia: Ad Acropolin supra Bazergyan Jaiilassy. (24. V.)
29. Aeyllops orata Linn6 Spec. plant, cd. 1. p. U15O. (1753).
Lycia: Ad Gjölbaschi (1. V.) et Eskere Sowany. (12. VI.)
30. Aegilops divaricata Willd. Spec. IV. p. 943. (1805).
Lycia: Ad Bazergyan Jaiilassy et Gjölbaschi. (23. V.)
31. Mordeum nuiritlnmm. with. Arr. l. p. 127. (1787).
Lycia: In insula Kekowa. (14. V.)
32. Jloi'deuui vulgare Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 84. (1753).
Lycia: Ad Gjölbaschi (29. V.) (Subspoutancum?)
33. Ilordemn distichum Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 85. (1753).
Lycia: Ad Gjölbaschi (29. V.) (Subspontaneum V)
34. Hordeuni criuitum Schreb. Gram. p. Iö. t. 21. f. 1. (I772) suh Ehjin,). — Dest. Fl. Atl. I. p. 113. (an VIII.
= 1800).
Lycia: Ad Gjölbaschi et Bazergyan Jaiilassy (^23. V.) et Katara; ad Anar supra Gjömbe (^16. VIl.j.
Carla: In faucibus ad Eskere Boghas.
35. Ilordeuiii secaUnuin Guss. PI. rar. p. 58. t. n. (1826).
Syn.: //. Ounnoiieanmn Pari. Fl. lt. I. j). 523. iu obs. (1S48). — //. WinUeri Hack. In Ost. bot. Zeitschr. XXVII.
p. 49. (1877).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (23. V.)
78 Otto Stapf.
Jimcaceae.
1. JunCHS marititHUs{?) Lam. Encycl. mtitli. III. p. 204. (IVö'Jj. — Boiss. Fl. Or. V. p. 351. (1884).
Specimiua manca.
Caria: Ad Piaukaifa. (13. VI.)
Liliaceae.
1. Asparagus acutifolillS Linn6 Spcc. plant, ed. 1. p. 314 (17.53) — Boiss. Fl. Ur. V. p. 337. (1884).
Lycia: Ad GjölbascM. (1. V.)
2. Aloe Vera Linnc Spec. plant, ed. l. p. 320. (1753). — Boiss. Fl. Or. V. p. 329. (1884).
Syn.: Ä. vtihjaria Lam. Eucycl. uietb. I. p. 86. (1783).
Lycia: Ad Dembre. (8. V.)
3. AsphodelUS microcarpus Viviaui Fl. Cors. p. 5. (1824). — Boi.s.s. Fl. Ol-. V. p. 313. (1884).
Syn.: A. ramosus Linne Spec. jjlant. ed. 1. p. 310. (1753) pro ])arte. — Schult. 8yst. VII. 1. p. 487. (1821)).
Lycia: In ditione tbntium fliivii Fellen Tschai. (26. IV.)
4. Asphodelus fistuloSH.S Linuc Spec. plant, ed. 1. p. 309. (1753). — Boiss. Fl. Or. V. p. 431. (1884).
Carla : Ad Budruu. (8. IV.)
5. Asphodelbie sp.
8pecimina monstrosa, an A. liiteae (L.) Rcbb.(?)
Lycia: Ad ruinas monasterii supra Owadjik. (2. VIII.)
6. Hyaeinthus Orientalifi Liune Si)ec. plant, ed. l. p. 317. (175,3).
In borto Vindob. cult. c bulbis a Di'e. Luschan c moute Nemrud Dagb Mesopot. sup. piope Kjächta
missis.
7. 3IuscaH: COniOSUm Linnö Spec. plant, ed. l. p. 318. (1753) sub llyaciiilhu. — Mill. Dict. d. jard. V. p. 197. (1785).
Caria: Ad Budrun. — Lycia: Ad Bazergyan Jailassy et ad Acropoün .supra Gjölbascbi. (1. — 11. V.)
8. 31uscari pauperiduni stapf (n. sp.).
Bulbus ovatus. Seapus gracilis, humilis, erectus. Folia bina vel tcrna, erccta, in parte superiore plus luinusve
curvata, lineraria, versus basin valde attenuatta^ sensim in apiceni angustata, scapuni superantia. Kacenius
pauciflorus (2 — 5 fl.), brevissimus, floribus omnibus fertilibus vel summo sterili. Pedicelli ilore luulto hrcvidrcs,
horizontales vel oblique erecti. Pcrigonium obovato-globosnm, apice leniter constrictum, coeruleum, denium
violascens, lobis albis, ovato rotundatis, paulo rcflexis. Staiuina biseriata, seriebus approximatis, tilamcntis
brevibns, subulatis, autheris eaeruleis. Capsula . . .
Bulb. 2'='" lg. ; 1 • 3™ lt.
Scap.: 5-6 •5"="' lg.
Fol.: 6 — lO^-^lg.; 2 — 2-5™Mt.
Perig.: 4""" lg. 27,-3'"'" lt.
Lycia: In summo cncninine montis Ak Dagb. (17. VII.)
Dieses kleine armbliitbige Uiiscari liegt in vier Stücken vor, von welchen eines auch noch die Zwiebel
besitzt. Es gehört in die Gruppe des M. hotnjoides, unterscheidet sich aber von allen Verwandten durch die arm-
blüthige Traube und die Form des Perigons, welche bereits sehr au jene des M. discohr Boiss. et llaussku.
und M. acHÜfolium Boiss. erinnert, deren Blüthen aber viel grösser und weniger gedrungen sind.
'.). Allitim, junceum Sibth. et Smith Fl. Gr. prodr. I. p.226. (1806), Fl. Gr. IV. p. 19. t.322. (1823). — Beg. Monogr.
All. in Act. hört. Petrop. III. p. 2. p. 71. (1875). — Boiss. Fl. Or. V. p. 238. (1884).
Lycia: Ad Sidyma; ad Acropolin supra Pinara et Xantbos (23. IV.); ad Gjölbaschi. (29. V.)
10. Allium yotundain Liun6 Spec. plant, ed. 2. I. ]). 123. (1762J.
Var. Waldsteinii Don. Mouogr. All. p. 17. pro speeie.
Beiträge zur Flora von Lycien, Carlen unil Mesopotamien. 7 9
Syu.; A. Ampelopi-dsiuii W. et Kit. l'l. rar. Hung. p. .S4. I. t. 82. (1802). — A. nitiiiKluiii v;ir. ^. Waldsteinianum
Koem. et Schult. Syst. VII. 2. \\. lOU. (1830; oxcl. syn.. — lieg. Monogr. All. iu Act. liort. Petrop. III. 2.
p. 60. (1875).
Lycia: In summis montis Ak Dagli. (17. VII.)
Die drei vorliegenden Pflanzen sind kleine, armblUtliige Exemplare, wie sie ihrem hochgelegenen Stand-
orte entsprechen, stimmen aber im Übrigen mit der paanonischen Pflanze vollständig iiberein.
11. AUium SllhhirSUtum Linue Spec. plant, ed. 1. p. 29.i. (17.i3J. — Ueiclieiib. le. Fl. Germ. X. t. 502. f. 1099.
(1848). — Keg. Monogr. All. in Act. hört. Petrop. III. 2. p. 219. (1875). — Boiss. Fl. Or. V. p. 270. (1884).
Lycia: Ad Acropolin supra Gjölbaschi. (4. V.)
12. AUlutn ^eapOlitaimui Oirillo PI. rar. Neap. I. p. XIII. t. 4. (1788). — Reichenl). Ic. Fl. Germ. X. t. 507.
t. 1108. (1848). — Peg. Mon. All. in Act. hört. Petrop. III. 2. p. 224. (1875). — Boiss. Fl. ür. V. p. 274. (1884).
Syn.: A. aWmn Sauti Viagg. p. 352. t. VIII. (1795). — A. laoteiim Sibth. et Smith Fl. Gr. Prodr. p. 22G. (180G),
Fl. Gr. IV. t. 325. (1823).
Caria: Ad Budrun. (8. IV.)
1.']. AlUum Ol'ieiltale Boiss. Diagn. Ser. I. XIII. p. 25. (1853). — Reg. Monogr. All. p. 229. (1875) — Boiss. Fl.
Or. V. p. 2.-;2. (1884).
Mesopotamia superior: In monte Nomrnd Dagh i)rope Kjächta. (1883).
14. OmithOffallim, Pyrenaicmil Linnii Spec. plant, ed. l. p. 30G. (1753). — Jacq. Fl. Austr. II. p. 2. t. 103.
(1774). — Boiss. Fl. Or. V. p. 213. (1884).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (22. VI.)
15. Oi'HithoydliDU nlpiyemini Stapf (n. sp.).
Nanum, paucifloriim, t'oliis angiistissirnis, bnlbo proportionc magno iusigue. Bulbus ovatus, tunicis cxternis
griseis. Scapus humillimus, gracilis. Folia glabra, angustissiuie liuearia, crecto-arcuata, canaliculata, plicata.
Kacemus paucitlorus. Pedicelli florc bracteaque breviores. Bractea ovato lanceolata, membranacca, in cuspidem
attcimata. Peiigonium pbyllis elliptico-itblongis, exteruis acutiusculis, internis obtusis, cuspidatis, late viridi-
vittatis. Filamenta, e basi paulo dilatata, sensim et aequaliter attenuata. Ovarium brcviter obovatnm, puuctulis
albis oruatum, style aequilongo, stigmate cai)itato, obsolete trisulco. Capsula. . . .
»
Bulb. l-ö^-^lg.-, 7^"" lt.
Scap. 2'='" lg.
Fol. 6— 7™ lg.; lVj,-2'""Mt.
Bract. 1™ lg.
Pedic. 3—4'"'" lg.
Perig. phyll. 10-11""" lg.; 3""" lt.
Filam. 5 — 6'"'" lg.
Anth. 4""' lg.
Ovar. s. anth. 3"'"' lg.
Styl. S"'" lg.
Lycia: In cacnmine montis Ak Dagh ad meridiem vergeute. (17. VII.)
Von 0. bremjjedicelhdiiin Boiss. et Bourg. PI. Lyc. exs. 1800, Fl. Or. V. p. 215. durch noch schmälere
Blätter, kleinere BlUthen und relativ längere Filamente verschieden.
10. OriUthotjalurn platy phyll tun. Boiss. Diagn. Ser. i. V. p. 64. (1844).
Syn.: 0. Hiontanum var. p. jitalifplii/l/ion Boiss. Fl. Or. V. p. 217. (1884).
Lycia: Ad Sidyma. — Caria: In monte Ujuklu Dagh.
17. OriiitJiogalum L/uschanl stapf (n. sp.).
Bulbus parvus, ovatus, tunicis internis albis, externis griseo-brunncis, membranaceis, integris. Scapus
glaberrimus, gracilis, foliis longe superatus. Folia lingulato-liuearia, loiigc in ijasin atteuuatta, breviter acumi-
uata, leniter falcato-erecta vel subrecta, plana. Racemus bi- vel triflorus, brevissimus, densns, deiude paulo
elongatus, internodiis sub anthesi ])edicellis glabris paulo longioribus, t'ructiferis aequilongis. Braeteae ovato-
laiiceolatae, acutae, sub anthesi flores aequautes vel subaequautes, albidoniembranaceae, teuuiter et ijallide
viridi-striatae. Perigonium pbyllis clli|)tico-oblongis, obtiisiusculis, externis jtaulo latioribiis, latins vittatis,
vitta pallide-viridi, uiargiue uivca.
Perig
. pliyll.
11-
-15'""' lg.;
Filara. 7— S""" lg
Anth
3—4""" lg.
Ovar
Ol/ mm
ig.;
oiiim
lt.
Styl.
^mm ]n._
yO Otto Stapf.
Stamiua filamentis e basi lata subulatim attenuatis, phyllis dupln et ultra brevioribus, antheris lineari-
oblongis, filamenti dimidio aequilongis. Ovarium turbinatum, hexapterum, alis angustis subundulatis, stylo
1 VxPlo longiore, filiformi, stigmate capitato. Capsula ....
Bulb. IV*— IV*""!^-; 7— 9"° lt. Peris:. übyll. 11—15"'"' lg.; 4—5"'"' lt.
Scap. 11 -15™ lg.
Fol. 22— 26""' lg.; 4-8"'™ lt.
Racem. lVs-2'^" lg-; fmct. -S''"' lt.
Bract. inf. 13— IS'"" lg.; 3"'"' lg.
Pedic. s. anth. 4"'"' lg.; deinde 6"'"' lg..
Mesopotaniia superior: In moiite Nemrud Dagh prope Kjäcbta. (1883.)
Aus der Gruppe des O.Balaiisae Boiss., aber von allen verwandten Arten schon babituell sehr verschieden.
Die schlanken, zarten .Schäfte, von den schmalen Blättern weit überragt, die armblüthige Traube mit den
kurzgestielten, einander sehr genäherten, blass gelbgrün gestreiften Blüthen verleihen der Pflanze ein ungemein
charakteristisches Aussehen.
18. TuUpa saxatiUs Sieb. Sched. pl. Cret. (1820). — Spreng. Syst. veg. I. p. 63. (1825). — Reichenb. Ic. Grit.
IV. p. 69. t. 396. f. üSO. (1826).— Boiss. Fl. Or. V. p. 196. (1884).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (9. V.)
19. Tuli/pa foUosa stapf (n. sp.).
Humilis, flore solilario, mediocri, foliis saepe valde superato.
Scapus flexuoso-erectus, plerumque quadrifoliatus, folio iufimo infra medium, tribus superoribus approxima-
tis, supra impositis. Folia glauca, lanceolata, erecta, summum lineari-lanceolatum, omnia longe in apicem acu-
tum attenuata, margine angustissime cartilagineo-raembranacea, minute ciliato-scabriuscula. Perigonium phyllis
oblongo-lanceolatis, acutis, interioribus paulo latioribus, pulcbre puniceis, basi macula atra, elliptica, flavo-cincta
ornatis vel interdum concoloribus (sicc. pallide fusco-cocciueis, striolis et punctis flavis aspersis). Stamina fila-
mentis brevibus, subulatis, basi et apice exeeptis, nigricantibus, anthera duplo vel subtriplo longiore, apiculata.
Ovarium triangulari-cylindricum, angulis subacutis, sensim in stylum brevissimum, attenuatum, stigmatibus tribus
angustis, recurvis. Capsula ....
Scap.: 11— 12'^"' lg. j Filam. 4— 5"'"' lg.
Fol. interm. 13—14="' lg.; 1— 1-5""' lt. j Anth. 11—14"'"' lg.
Perig. phyll, 2% -3-" lg.; 1-1 '/,"'"' lt. | Ovar. 8"""' lg.; 1%"'- lt.
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh prope Kjächta (1883); cult. in hört. Vindob. e bulbo a
D"- Luschan e ditione Iudicata misso. (1884.)
Mit Tulijia Gesneriana nahe verwandt, aber in allen Theilen kleiner.
20. Gayea Uiteoides stapf (n. sp.).
Bulbus parvus, unicus, erectus, apice folium basale et prope basin lateraliter caulem floriferuin edens,tunicis
nigro-brunneis, coriaceis, apice fissis. Caulis gracilis, erectus. Folium basale solitarium, angustissime lineare,
acutum, erectum, umbellam subaequans, floralia bina, inaequalia, inferius lauceolatum, basali 3— 4plo latius,
superius anguste lineari-lanceolatum, hrevius, utroque margine lanato-ciliatum. Bractea solitaria ad pedicelli
floris Intimi basin subulato-filiformis, dense ciliata. Umbella inaequalis, 2—5 flora. Pedicelli tenues, plus minusve
pilis albis, moUibus, crispulis obsiti. Perigonii pbylla liueari-oblonga, acutiuscula, glabra vel ima basi parce
pilosa. Stamina tilamentis phyllis duplo brevioribus, antheris late-ellipticis. Ovarium obovato-oblougum, media
anthesi perigonio triplo vel subduplo brevius, stylo aequilougo. Capsula
Buib. 7"'" lg.; 5""' lt.
Caul. ad umb. basin. 5V«— e'/i'" lg-
Fol. bas. 9-10'//"' lg; 1—1'/,"'"' lt.
Fol. flor. inf. 3— 5'''" lg.; 4-5"'"' lt.
„ „ .sup. 2-3'//"' lg.; 2"'"'lt.
Perig. phyll. 8-9'""' lg.; 1'/,,- 2"'"' lt.
Beifiiific ZKT Flora von LijcieH, Cun'cii und Mesopotamien. 81
Filam. 5""" lg. Ovar. m. aiitli. o""" lg.
Aiith. l'"™ lg. Styl. a°"" lg.
Mesopotamiii superior: lu monte Neninid Dagli prope Kjächta. (1883.)
Diese zierliclic Gwjm erinnert in ihrer Tracht au G. lutea L., von welcher sie sich diucli die schmäleren
Blätter, vor Allem aber dureli das kleinere Perigon mit seinen sehmalen Al)schnitten sofort unterscheiden lässt.
In Form und Grosse der Blütheu scldiesst sie sicii an die Arten aus der Gruppe der G. Fersim Boiss. an.
21. Gmjea Persica Boiss. Diagu. Ser. l. VII. p. lus. (ISitij, Fl. Or. V. p. -ilu. (1882).
Syn.: G. nmhhiopetala \nr. hu/hifeni Boiss. in Kotschy PI. Pcrs. aiistr. exs. — Ueg. Fl. Tiirk. p. 112. 1. 17. f. s — 12.
(1876). — IJiilhilliiriti (jiiiicoulcs '/.ncc. iu Al)li. l):iy. Akad. Wiss. III. 1. p. 2;50. t. 2. f. 1. (1840).
Mesopotamia superior: In monte Nenirud Dai;h prope Kjächta. (^1883.)
22. Lloydid Graeca LiuuO .Spec. plant, (mI. 2. ji. 111.. (17(52j sub Antiuri,:,,. — La lull. Icoii. pl. .Syr. Duo, V. t. 8.
(IS 12;. — r.oiss. Fl. ür. V. p. 202. (1884;.
Caria: Ad Budrun. (9. IV.)
23. Colchicmii ^,. liiuU'teim.).
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh. (1883.)
Aüiaryllitlaceae.
I. Jjciolirion montfinum La Bill. Ic. pl. Syr. Deo. 11. p. ö. t. 1. flTul; sub AmanjUirk. — Huib. Aiaar. p. 125.
t. 20. (I8;i7). — Boiss. Fl. Or. V. p. Iö4. (1884;.
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh prope Kjächta. (1883 j.
Irideae.
1. Gknliolu.S segetum- (Jawl. Bot. Mag. t. 719. (isol). — Rcicbeub. Ic. Fl. Gurm. IX. t. xys. f. 781. (1S17;. —
Boiss. Fl. Or. V. p. 139. (1884).
Syn.: G. Italiens Gaud. Fl Helv. I. p. 96. (1828).
Lycia: Ad Tyrsa et Gjölbaschi. (28. V.)
2. Gliuliolus COnuminis Linnö Spec. plant, cd. 1. p. 4u. (17.53) pro partu.
Var. lotigispatheata Stapf (n. v.)
Spatha valvis inaequalihus, inferiore tlorum inferiorum perigoniuni multo superante, superiore dimidium
eins aequante, sumiuis dense imbricatis, alabastris duplo Iriplove longioribus.
Lycia: Ad Gjölbaschi. (IV. 1882.)
Ich halte diese durch die langen Spathen und durch die Zahl uud relativ bedeutende Länge der Blätter
ausgezeichnete Pflanze nur für eine 8tandorts\arietät des typischen G. aminiitnis L.
3. GlmUolus AimtoUeus Boiss. Fl. Or. V. p. 140. (1884) pro var. G. Illi/ria Koch.
Lycia: Ad Gjölbaschi (11. V.) et Minara; ad Acropolin supra Phellos. (16. V.)
4. Gkuliolus humilis stapf (n. sp.;.
Humilis, pauciflorus, angustifolius, perigonii lacinüs valde iuaequalibus.
Cormus tunicarum fibris tenuibus, subparallelis, anastomosantibus, areolis tingustissimis, lineari-oblongis.
Caulis ad medium vel ad tertiam j)artem vaginatus, tri])hyllus, flexuoso-crectus. Folia inferiora lincari-hmcco-
lata, acuta, nervis quattuor validioribus, basi approximatis, superne divergentibus, spicae l)asin aeqnantia vel
superantia, sunimum angustissinie lineare, brevius. Spica pleriinuiue triiiora, laxa. Spatha valva exteriore
herbacea, lanceolata membranaceo-marginata, ])erigonii dimidium suiiaequans, interna tubo aeciuilonga, lan-
ceolata vel latissime membranaceo-marginata. Perigonium ambitu distincte l)ilabiatuni, labio inferiore provecto,
superiore abbreviato, tnbo angusto, leniter elongato-curvato, lacinia summa obovato-cuneata, scnsim in ungiicm
attenuata, latcialibns ouuiiuni brevissimis, obovato-ellipticis, acutiusculis, in unguem bre^iurcnl attenuatis; iabii
DeaJ<9cbrilltiu der matbera.-naturw. Gl. L. Bd. Äbhandlungeu von Nichtmitgliöderu. \
Anth. lO-"™ lg.
Styl. 27—32™"' lg.
Stigm. 2V,— 3—lg.;
82 Otto Stapf.
infcriori.s lacinia media bievior, e laniiua elliptica subacuta in uiigueni aequilonguni angustata, lateralibus
lamina obovato-elliptica obtusa in unguem l'/gplo longiorem abeunte, omnibus puipureis vel inferioribus albido-
pallescenfibus. Stamina filamentis antlierae aequilongis vel paulo longiovibus. Stylus leviter incuivatus, stig-
niaiibus a basi aequaliter in laminam angustam, oblougam dilatatis. Capsula
Corm. 1— lä/^"» lg.; 1™ lt. Perig. lab. inf. med. 13—20"'" lg.; 5—6""" lt.
Caul. spie. excl. 15— 20™ lg. „ „ „ lat. 25 -28™"" lg.; 6— 7'""' lt.
Fol. iuf. 11 15"" lg.; 6—7"" lt. Filam. 12—13™"" lg.
Spatii. valv. 18—20"'™ et 15'""' lg.
Perig. tub. antice. 15'""', post. lO""" lg.
„ lab. sup. med. 25™™ lg.; 87,,- 10™™ lt.
„ „ „ lat. 18— 20™™ lg.; 6-8'^™ lt.
Mesopotamia supevior: In Monte Ncmrud Dagh prope Kjäcbta (1883).
Stellt dem G. trijjhijUus Sibtli. et Sm. jedenfalls sebr nabe, wenn er nicht damit etwa gar identisch ist.
Doch ist der Tubus nicht ^brevissimus, rectus", die Pflanze im Allgemeinen noch niederer und die Blätter sind
breiter.
5. Gladiolus tricolor stapf (n. sp.).
Humilis, gracilis, pauciflorus, foliis erectis, cauli aequilongis, perigonio tricolore.
Cormus. . . .Caulis basi vaginatus, ad medium quadriibliatus, flcxiioso-erectus, tenuis. Folia lanceolata-
liuearia, louge in apicem atteuuata, iuaequinervia, ncrvis 5 validioribus, lateralibus margiuautibus, basi partim
in latus interins flexis et inter se valde approximatis, superne fere parallelis, inferiora florem summum aequantia,
summum brevius. Spica laxa, triflora. Spatha bivalvis, valva exteriore inlimi floris duplo longiore quam interior
membranacea, perigonio subaequilonga, berbacea, lanceolata, acuta, superiorum floriim hrevioribus. Perigonium
tubo reeto, ore oblique, postiee laciniae suprcmne dimidio breviore, antice paulo elongato; laciiiiarum suprenia
oblongo-elliptica ac caeterae obtusa, basi band unguiculata, lateralibus labü superioris obovato-spathulatis,
versus basin aequaliter in unguem lamina breviorem attenuatis ac suprcma subaequilonga purpureis, labü
inferioris lamina obovato-elliptica, abrupte in unguem tenuem aequilongum attenuata, infima paulo longiore,
hacce lamina elliptica in unguem aequilongum abeunte; labio inferiore paulo porrecto laminis flavis, unguibus
albidis. Antberae filamentis vix brcviorcs, apice apiculatae. Stigmata a basi fere ad medium aiigusta, deliinc
vero in laminam obovato-oblongam seiisim dilatata. Capsula. . . .
Caul. 18™ lg. (spie, exel.) Perig. lab. supr. 23™™ lg.; ü™™ lt.
Fol. inf. 22— 24*^™ lg.; 6™™ lt. | „ „ lat. lab. sup.: 23'"™ lg.; 9"'"' lt.
„ summum 97^"" lg.; 37^™™ lt.
Späth, valv. inf. 4V2'™ lg.; 13°'™ lt.
Perig. tub. jiost. 13™™ lg.
„ „ ant. 15%™™lg.
Caria: Ad Loiyma.
Jedenfals mit dem vorhergebenden und mit G. friphyllus Sibth. et Sm. sehr nabe verwandt und dessbalb
noch weiter zu beobacbten.
6. Gladiolus mlcraiitJius Stupf, (n. sp.).
Humilis, gracillimus, foliis angustissimis, floribus paucis, parvis, saturate purpureo-violaeeis, laxe in spica
dispositis.
Cormus ovatus tunicis externis in fibrillas pluri-seriatas, superne angustissime anastomosantes dissoiutis.
Caulis gracilis, leniter flexuoso-erectus, basi ad fere tertiam partem vaginatus, ad medium trifoliatus. Folia
angustissima, linearia, erecta, leuitcr cnrvata, spicae basin subaequantia nervis inaequalibus, uno valido,
3 — 4 debilioribus, paucis, tenuissimus, omnibus parallelis, supra basin non ad alterum latus flexis. Spica triflora,
„ „ „ , inf.: 23™™ lg.; 7'//'"' lt.
„ ,. intim.: 18™™ lg.; 7'"™ lt.
Anth. 12™™ lg.
Styl. 30™™ lg.
i;
n n
n
n n
Qth
. 9-""' lg.
Beliräf/e zur Flora cun hijcien, Carlen und Mesopotaini'en. 83
laxissima, iiitcniodiis flores diiplo et ultra supeiiuitil)us. .Spatlia bivalvis, licrl)acca, lineari-laneeolata, acuta,
valvis inaequilougis. Perigonii tubus brevissimus, rectus, ore obliquo, auticc elougatus, lacinia suprema obovato-
elliptica in basin sensim attenuata, non unguiculata ac caeterae obtusa, labii superioris laterales oblongo-
ellipticae, lato et lireviter unguiculatae, vix suprema breviores, sed angustiorcs, labii inforioris laterales breviores,
obovato-spatliulatae, in ungueui laniina duplo l)reviorem abeuutes, infinia snbacquilonga, oblongo-elliptica, in
ungnem sensim attenuata, omnes saturate ])nrpurco-violaceae. .Stamina anfheris apice obtusiuscnlis, basi
bicuspidatis. Capsula. . . .
Corm. 18'='" lg. (spie. exci.). Perig. lac. lat. lab. sup. 12""" lg.; 5"" lt.
Spie. 7 V,'-" lg. „ „ „ „ iuf. ll-"'"lg.; 5""lt.
Späth, inf. c. valvo l'«/^'-'" et ly^"" lg. „ „ „ infiin. lO'""" lg.; 6"™ lt.
Perig. tub. post 4"" lg.; ant. 5""" lg.
„ lacsupr. 13""° lg.; 6""" lt.
Lycia: In monte Nif Dagh.
Wenngleic!! nur ein einziges Stück dieses zierlichen Gladiolus vorliegt, so stehe icli doch niclit an, diese
Pflanze besonders zu erwähnen und so weit es möglich ist, zu beschreiben, weil sie durch eine Reihe von Merk-
malen vor den übrigen Arten der Gattung ausgezeichnet ist, so dass sie nicht leicht verkannt werden dürfte.
Der Nervatur der Blätter nach hält sie die Mitte zwisclien den lnaequi)ieri)ii und den Aequitierril. Im Übrigen
ist sie besonders durch die nur ly^"™ breiten Blätter, die ungemein lockere Ähre und die kleinen Blüthen von
den übrigen aus dem Gebiete bekannten Arten leicht zu unterscheiden.
7. IrLs SisyHnchium Linne Spec. plant, ed. 1. p. 40. (1753). — Redoutö Lil. I. t. 29. (1802). — Boiss. Fl. ür. V.
p. 120. (1884).
.Sy n.; Iris fugax Fers. Syn. I. p.54. (1805). — Ten. Fl. Neap. I. p, 15. t.4. (1811 — 1815). — Moruea fayu: Ten. Syll.
p.26. (18.S1). — M. S/syrim:hiitm Gawl. Bot. Mag. 1. 1407. (1811)- — Gi/namlririti Syah-iiicMum Pari. Nuov. gen. p.49.
(1854). - Xiphion SisynncUum. Bak. in Seen). Joiirn. IX. p. 42. (:S7l). — ,J. U. Hook. Bot. Mag. t. 6096. (1874).
Lycia: In ditione fontium fluvii Fellen Tschai. ("IQi. IV.)
8. Iris Pseild- Acorus Linn6 Spec plant, ed. 1. p. ^S. (1753).
Syn.: Xiphion Pseudo-Acorus Pari. Fl. It. III. p. 295. (1858).
Lycia: In paludibus ad Furnaz. (2b. IV.)
Orchideae.
1. Linwtlorum abortivurn Linn6 Spec pl. ed. l. i).943. (175.5) siib Orchide. — Swartz in Act. Holm. VI. p. 80. (1805).
Lycia: Ad .Sidyma. (3. V.)
2. Cephalauthera CUCUllata Boiss. et IleUlr. in Sched. lierb. Cret. (,1847), Diagu. Siir. I. f. 13. p. 12. (1853), Fl.
Or. V. p. 86. (1884). — ßeicheub. Ic. Fl. Germ. XIV. t. 120. f. 3—9. (1851).
Syn.: C. epipactoides Fisch, et Mey. in Ann. sc. nat. Ser. I. p. 30. (1854).
Lycia : Ad Acropolin supra Kadyanda. (4. VI.)
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh prope Kjächta. (1883.)
3. CephalnutJtera rubra Linne Syst. ed. XII. p. 594. (1767) sub Sertipia. — IJicli. in Mem. Mus. IV. p. 00. (181.S).
— Boiss. Fl. Or. IV. p. 84. (1882).
Syn.: Serapias Udieborhie 0. Liuue Spec. plant, ed. 1. p. 949. (1753).
Lycia: Loco non indicato.
4. Ophrys ferruin equitium Desfont. Coroll. 'l'.iitrn. p.9. t. 5. (I8O8). — Reichenb. Ic. Fl. Germ. Xlll. p. 92.
t. 99. (1851).
Lycia: Inter Makri et Lcvissi. (20. iV.)
S4 Otto Stapf.
Ö. Ophrys ((lUchnHes Liunc Syst. «d. XIII. )). 678. (1774) pri) Viir. ji. O. liisectifenw.
Syu.: O. iiisectifei-ti r,. udria-hiiiHs Linni^ Spec. jilaut. ed. 1. p. S»49. (175.^) excl. syu. liiiuli., Touriiof., Lob. ((|U(iad
Vaill.). • — Orchis rudicilms suhroluiidis, labelln holoserkvu , emaryimdo , iqtpendicHhito Haller Hist. stiip. llelv. p. 134.
t. 24. (1758].
Lycia: Art Grjölbascbi.
Liinic unterschied in der ersten Auflage der Sp. \A. a. a. 0. eine Varietät /, der 0. hisectifera, die er nach
dem von ihm auch citirten Lob elius 0. andrachnitis nannte. Es heisst wohl an der angeführten Stelle 0. adracli-
iiifh. E.s kann das aber nur ein Druckfehler sein. Ausser Lobelius citirt er noch Rauhinius, Tournefort
und Vaillant. Die ersteren führen ebenfalls aufLobelius zurück. Die bei diesem abgebildete Pflanze ist aber
offenbar gar nicht die 0. arachmtes der nach Linne 'sehen Autoren und auch von der Vaillant'schen Pflanze
ganz verschieden. Es ist zweifellos die 0. aranifera Aut. In der Mant. II. p. 490. (1771) citirt Linne zu Var. v;
der 0. insectifera mit Hinweglassung anderer Citate die oben angeführte Phrase aus Haller und ebenso in der
13. Auflage des Syst. p. 67S. (1774), hier aber mit der Bezeichnung 0. aracJmifes. Die vorzügliche Abbildung
bei Haller lässt nun keinen Zweifel mehr, was darunter verstanden ist. Es ist die schon von Vaillant abge-
bildete und gegenwärtig allgemein als 0. arachmtes angeführte Pflunze. Der ältere Name 0. adrachnitis kann
auch in seiner corrigirteii Form 0. andrachnitis nicht gebraucht werden, einerseits, weil er an der Stelle, wo
er bei Linne zuerst auftritt, zwei verschiedene Ophys-kvi&w umfasst, von welchen jede gleiches Anrecht darauf
hat, und weil es offenbar ist, dass die Bildung des Wortes durch Lobelius schon auf einer Verwechslung der
griechischen Worte «vopä-/vv; (Portulaccaj und ä.^dyyr, (Spinne) beruht. Die erste Correctur dieses Fehlers liiidet
sich bei Hallcr 1. c. p. 135, wo er die Stelle in Osbek (Dagb. Ostind. Ees. p. i')5.) y,0])lirijs insectifera adrach-
nifes" mit den Worten „Orchidesinsectiferae arachnitesOshekü" wiedergibt. Von hier ging dann der verbesserte
Name zunächst als Varietätsbezeichnung in Linnes Systema über.
G. Seraptas lomjipetala Ten. Prodr. fl. Neap. p. LIII. (1811) snh IMlebor ine, Fl. Nap, II. p. .S17. (l.sso.)
Syn.: IMleborine pseurhcordigera Sebast. Kom. pl. fasr. I. p. 14. t. IV. (1813). — S. pxeudocDnlhieni Morie. Fl. Vini.
p. .S74. (1820). — Boiss. Fl. Or. V. p. .'54. (1884).
Carla: Ad Budrun. (8. IV.)
7. Orchis Simia Lam. Fl. Früng. III. p. 570. (1778;. — Boiss. Fl. ür. V. p. G3. (18S4).
Syu.: O. tephrosanfho.y Vi 11. Daiiph. II. p. .32. (1787).
Lycia: In monte ßaba Dagh (21. IV.), ad Gjölbaschi (I. V.) et Kasch. (28. IV.)
8. Orchis lOllffiCrtirifi I.ink in Sdu-ad. Jon™, f. d. l'.ot. IV, p. .323. (1799). — Boi.ss. Fl. Or. V. p. 05. (1SS4).
.Syn.: Ojiliri/s itiseclifera var.),. Linni' Spee. plant, ed. l. p. 949. (1753).— O. Hiiilididifolki A. Biv. Bern. .Sie. plant.
Cent. II. p. 44. (1806).
Lycia: Ad Gjölbaschi. ( 1 . V.)
9. Orchis mascula Linn6 Spee. plant, ed. 1. II. p. 941. (1753) pro v.arietate 5. 0. Morionk.
Lycia: Ad Kasch et Gjölbaschi. (28. IV.)
10. Orchis quadripunctat« Ten. Prodr. fl. N:ip. ji. Uli. (ISU). — Boiss. Fl. Ur. V. p. 69. (1884).
Syn.: O. IJosf/i Tratt. Obs. p. 107. (1812). — O. Brancifiirtii Biv. Bern. Rar. stirp. in Sic. Manip. I. Nr.5. t. I. (1813).
Lycia: Ad Kasch et Gjölbaschi (28. IV. et I. V.); cult. in hört. Vindob. e tuheribus a D"" Luschan e Lycia
mi.ssis. 1883.
11. Orchis Anatolica Boiss. Diagu. Ser. l. f. V. p. 50. (1S44). — Reicheub. Ic. pl. Germ. XIII. p. 47. t. 37. (1851;.
Lycia: Inter Makri et Levissi (20. IV.), inter nionteni Baba Dagh et Miuara (21. IV.); ad Acropolin supra
Bazergyan Jaillassy (26. IV.) et ad Sidynia.
12. Anacaniptis pyrmuidnlis X/umt Spee. plant, ed. 1. )). 940. (1853) snb Oirliiil,'. — Rieh, in Meni. Mus. IV.
p. 55. (1818).
Beiträge zur Flora ruii Lyden, Curlev und Meso/iofttiiilni. 85
.Syii.: Accru^ piimiiiiilalif: Keiclicnb. Ic. Fi. Gci'iii. XIII. p.c. t. ;((U. (1851).
Carla : Ad Jeiuiscbiu Kaii'a et Loryma.
Lyciii: Kadyaiida. (4. VI.)
Convolvulaceae.
1. Conrolvulus Cantnht'ira Linne Spcc. plant, cd. l. p. läS. (IVö.S). — J.aeq. Fl. Anstr. III. p. .5.!. t. 29C. (177f))
Lycia: Ad Gjiilbasclii. (I. V.)
2. CoHVOlmilus aUhaeoides Finne Spec. plant, od. i. p. i.-.c. (iT.iS) excl. var. ,5. — Boi.ss. Fl. Oi-. IV. p. 10.!.
(1879).
Syn.: ü. hirsutii.< 'Von. Prodr. fl. Noap. p. XV. (1811), Fl. Nap. I. p. do. t. 15. (1811 — isiöj. — C. Ilnliciin Itocm. et
Schult. Syst. IV. p. -206. (1810).
Caria: Ad Loryma. (11. IV.)
3. ConVOlvulnS tcmiissinms Sibtii. et Smith Fl. Gi. piodr, I. p. I.i4. (18()(;). -^ Boiss..Fl. Üi-. IV. 11.1(14. (1879).
Syn.: C. arf/ymeits DC. Fl. FranQ. IV. p. 42:5. (181.5).
Lycia: Ad Guniva. (14. VII.)
4. Coitrolvulus Semmnonia Linne Spoc. pl.-mt. od. l. p. I5:i (I75.)). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 108. (1879).
Lycia: In Mille fluvii Karanfil Tscliai.
5. CotWOlvulus arvensis Linuö Speo. plant, ed. 1. p. I5.S. (1753).
Lycia: In dcclivibiis iiiontis Ak üajjb. (16. VII.).
Caria: Ad Gozlar, 1100'" s. in. (11. VII.)
(). CilSCUfa Uuropaen Finne Spoc. pl.ant. ed. 1. p. 124. (175.3) excl. var. ,5. — Enselni. Onsc. p. 18. (in Trans. Ac.
Sc. S(. Louis, p. 4G8. (1859|].
Lycia: Ad Katara.
7. Cusruta glohulosa Bois.s. et lieut. Di.agn. Ser. .3. 1'. II. [i. 126. (185C;, Fl. Or. IV. p. 117. (1879).
Syn.: C. breoistyhi var.(?) glolmlnxa Engolin. Onsc. p. 18. [in Trans. Ac. Sc. St. Louis, p. 4fiS. (1859)|.
Lycia: In dcclivihiis ranutis Ali Dagb. (16. VII.)
Borragineae.
Auctoie R. de Wettstein.
1. HeUotrojiittni Eirh'iraldi Stond. Nomcnel. I. p. 744. (1841). — DC. Prodr. IX. p. 535. (1845).
Syn.: //. cllijitic.imi Ledeb. in Eichw. PI. nov. itin. Casp. Oaue. fatc. I. p. G. t. 4. (18.31). — Fisch, et Mey. Ind. IV.
sem. hört. Petrop. p. 38. (1837) non R. Kr. in Salt. A Voyage to Abyssin. (1814). — //. (hihsum Notar. Report,
tlor. Lig. p. 319. (1814). — IL /itonile Stev. Observ. Asj). 10. (1851). — //. miifriicdriniiii Onsson. Ennui.pl. ins.
Inarini. p. 214. t. 7. (1854).
Lycia: Ad Elnialy (28. VII. 1882); ad Balbura et Katara. (2;i. VIII. 1882.)
2. HeliMroplum Elll-opcieuni, Linne spoc. plant, od. I. I. p. 130. (1753).
Lycia: Ad Katara. (23. VIII. 1882.)
3. Heliotroplum, SUaveolenS Marsch. aBieb. Fl. Taiir. Cane. III. Siiiipl. |i. lir,. (1819).
Syn.: II. Turcicuiii Friv. in „Flora". IX. 2. p. 43G. (1836).
Caria: Ad Hemirola Kaifa. (27. VI. 1881.)
4. HeliOtropinm Villosaiu Willd. Spec. plant. Tom.I. p.741. (1797). — Of. Dcsf. Ohoix d.pl. deC^oroll. tab.ic. (1808).
Lycia: Ad Hoirau (13. VI. 18s2); iu jugo prope Karnkiöi. (2. VIII. 1882.)
f). CerintJie hirsuta Wettsteiu (spec. nov.).
Tota plnnta glancescens. Caiilis ercotus, ramosus, ad ramos florileros pilis dispersis obsitiis. Folia c;uilina
ovata^ aiiipicxieaiilia, auriculis rotiiudatis, glabra, vcrrucuUisa, pergauiea. Bracteae ovato-oblongae, aciitiusculae,
86 Otto Stapf.
senipiamplexicaules, ciliatae, calycibus longiorcs. Pediinculi pilis patentibns hirsuti. Calyx laciniis lanceolato-
cordatis pallide viridibus, ciliati.s, inaequalibus, fructifeiis accretis. Corolla (in speeini. uiiico!) calyce lougior
laciniis lanceolatis, aciiminatis. f'arpella laevissima fusca.
Folia caulina 20— Sf)»" lg-., 18—22""" lata. Calyx friictifer 8—1 3'"™ longus.
(Descriptio ex specimine incompleto ! )
Lycia: In Monte Ak Dagh. (16. YII. 1882.)
Obwohl das vorliegende Exemplar nur unvollständig ist, stehe ich doch nicht an auf Grund desselben
Cerinthe hirsufa als Art aufzustellen, da sich dieselbe von C. minor (L. Spec. plant, ed. 1. p. 137. |1753]), der
sie am nächsten steht, schon durch die abstehend behaarten Blütenstiele, die dichtgevvimperten Brakteen und
Kelchzähne, sowie die derbere Consistenz der Blätter gut unterscheiden lässt.
0. Anchusa hyhrida Ten. Fl. Nap. I. p. 45. t. ii. (isii— isis).
Syn.: A. undulatn Bertol. Fl. Ital. II. p. 2S7. pro parte (1835).
Lycia: Ad ßjölbaschi (29. V. 1882).
Ob^. amplexkaulk .Sibth. et Smith. Prodr. flor. Graec. I. p. liG. (ISCX;) niit^. hyhrida Ten. identisch ist,
(Cf. Boiss. Flor. Orient. IV. j). 152), lässt sieh nach der unvollständigen Diagnose (1. c.) nicht entscliojdcn. In
diesem Falle hätte die Pflanze den Namen A. arnji/ej-imiditi Sibth. et Sni. als den älteren zu fiilnen.
7. Anchiisa Italica Retz. Obs. bot fasc. I. p. 12. (1779). — Boiss. Fl. ür. IV. p. 154. (IS79).
Lycia: Prope Sidyma. (2. V. 1881.)
8. Anchusa Lusclmni Wettstein (spec. nov.).
Perennis, tota plauta setis brevibus, densissimis aspera, erecta vel asceudens.
Caulis Simplex, setulis patentibus asper, in paniculam floriferam densam abiens. Folia canescentia setulis
adpressis ve! ad nervös patiilis aspera, inferiora oblongo-lanccolata, integra, in petiolum longum abeuntia, obtu-
siuscula, superiora sessilia, lanceolata acuminata. Braeteae lineares, obtusiusculae, calycibus subaequilongae.
Pedicclli breves, calyce multo breviores. Calyx qninquefidus laciniis acqualil)HS, linearibus, acutis, tubo corollae
aequilongis. Corollae tubus rectus, lobi linibi aequales, tubo breviores, obtusi caerulei. Fornices ovatae, velu-
tinae, albae. Nuculae et calyx fructifer
Plant, tot. 18—24'^"' lg.
Fol. sup. 30— 35"'"' lg.; 3 — f)'""' lt.
Cal. florif. 6—7"™ lg.
Cor. 7_9n>m lg.
Fol. inf. pet. 3—4'="' lg.
Lam. 4 — ö""" lg. ; 5 — 8"=" lt.
Lycia: In cacumine montis Ak Dagh. (17. VIL 1882.)
9. Anchusa obliqua Vi.s. in Sem. rar. in horto Patav. coli. 18.^4. p. 4.
Lycia: Ad Gjölbaschi. (1. V. 1882.)
10. Anchusa officinalis Linne Spec. plaut. ed. 1. p. 133. (1753).
Var. vulffat-is Kchb. Ic. fl. Germ, et Helv. XVIII. p. 62. t. 108. (185G).
Lycia: In monte Baba Dagh. (21. IV. 1882.)
11. Anchnsa undulata Linu6 Spec. plant, od. i. I. p. 133. (1752).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (29. V. 1882.)
12. Onosma frutescens Lam. 111. Nr.l837 sec. A. DC. Prodr. X. p.58. (184C). - BoiH.s. Fl. Or. IV. p. 190. (1879).
Syn.: Onosma Orientale Lehm. Asperifol. I. p. 376. (1818).
Lycia: In Acropoli prope Bazergyan JaYllas.sy. (26. IV. 1882.) (Specimeu incompletum!)
13. Onosma niutabile Boiss. et Hausskn. in Sched. 1866, Dec. 2. p. 3. (1875) sec. Boiss. Fl. Or. IV. p. 199. (l,'!79).
Mesopolaniia superior: In monte Nenirud Dagh prope Kjächta. (VI. 1883.)
Beiträge zur Flora von Lycien, Carien und Mesopotamien. 87
Boissicr sagt 1. c: „corolla adpresse liiita". Obwohl die Coiollen der vorliegenden Pflanzen bis auf die
schwach behaarten Kronenzipfel ganz kahl sind, stehe ich doch nicht an, dieselben für O. mutahih zu erklären,
da Boissier's Diagnose im Übrigen vollkomnien passt.
14. Onosma Boussaei A. DC. Prodr. X. p. 59. (is46}. — Boiss. Fl. Or. IV. p. -200. (is79;.
Lycia: In monte Nif Dagh (6. VI. 1881.)
Carla: Ad Gozlar. (11. VI 1881.)
15. lUchluni Italicum Liune Speo. plant, üd. -2. p. 200. (1762).
Ad Ounan, Kalfala.
Echium Italicum L. wird von Boissicr in seiner Flora Orient. IV. p. L'O.') mit E. a/thsiiiiiuii. Jacq. (Fl.
Austr. V. App. T. 16) vereinigt, indem letzteres als Synonym zu erstercm gezogen wird. Kerner hat in den
„Vegctationsvcrh. d. mittl. u. östl. Ung." p. 3.'}6. (1875) bereits die Verschiedenheiten der beiden Pflanzen
betont und als Unterscheidungsmerkmale den pyramidenförmigen Wuchs, die Länge der luflorescenzästc, die
weissborstiiien Kelche und kleineren lUüthen des E. i^nZ/cM/;* hervorgehoben. Die vorliegende Pflanze ist hienach
'ö
E. ItalicumL. Inwieweit sie mit den von Boissier I. c. aus dem Gebiete angegebenen Pflanzen übereinstimmt,
lässt sich nicht angeben, da ein Theil derselben höchst wahrscheinlich dem E. aHksimum Jacq. angehört.
IG. Bchluin plantagilieum Lin. Mantisaa jil. p. 202. (1771). — Boiss. Fl. Or. IV. p 208. (1879).
Lycia: In declivibus montis Ak Dagh. (IG. VII. 1882.)
17. Lit/lospertnillH calycimini Wcttsteiu (spuc. uov.;. (Cf. descrlptionem iu Stapf Die bot. Eigeli. d. Pul. Exp.
iu Duuksclir. d. kais. Akad. d. Wi.sseu.'ich. Wien 1885.)
Lycia: luter montem Baba Dagh et Minara. (21. IV. 1882.)
18. Lithospefnmtn Incrassatuni Guss. Fl. sie. prodr. Vui. i. p. 211. (is27).
Syn.: L. Gaspiiriiii Heldr. in (J11S.S. Syn. fl. Sie. I. p. 217. (Is42)
Lycia: In jugo inter montes Mendes et Baba Dagh. (21. IV. 1882.)
Carla: Ad Gozlar. (11. VI. 1881.)
10. Lifhosperimtm sp. (Specimen iuconipletum.)
Lycia: In Akropoli supra Xanthos. (2o. IV. 1882.)
2ü. Alkanna tnbulosa Boiss. Diagn. plant, or. uov. Ser, 1. läse. l. p. 48. (1S44),
Carla: Ad Gozlar. (11. VL 1881.)
21. Myosotis Mspida Schlecht. Bemerk. Uli. d. Myos.-Art. in Mag. d.Ges. uatnrf. Fr. Berlin. VIII. p. 230. (1818). —
Cf. Rchb. Ic. fl. Genn. et Helv. XIII. t. 122. (1858).
Lycia: In iugo montis Baba Dagh (21. IV. 1882); ad Gjölbaschi. (1. V. 1882.)
22. Myosotis refracta Boiss. Voy. bot. Esp. II. p. 433. t. 125. (1845) |cit. scc. Boiss. Fl. Or. IV. i.. 210. (is79)].
Lycia: In iugo montis Baba Dagh. (21. IV. 1882.)
2;i. Myosotis Stricta Link Enum. pl. hört. Berol. I. p. 164. (1821).
Lycia: In monte Nif Dagh. (5. V. 1881.)
Carla: In monte Ujuklu Dagh. (VI. 1881.)
24. Pafacai'yUDl inyOSOtOicles La Billard Icon. iilaut. Syr. rar. Dec. II. p. li. lab. 2. (1791) sub Cijnuglusso. —
Boiss. Uiagn. pl. nov. Or. Ser. 1. Vol. 11. fase. 11. p. 13o. (IS49).
Syn.: Uiiipliahdcs Carieimis Boiss. Diagn. Siir. I. fasc. 4. p. 41. (1844). — Punicafi/iiiii Cancnac Boias. I. c. tasc. U.
p. 130. (1849).
Lycia: In cacumine montis Ak Dagh. (17. VII. 1882.)
Carla: In monte Ujuklu Dagh. (14. VI. 1881.)
25. CyUfKjlossmn Cohannae A. Bivon Bern. Stirp. v.ir. in Sieilia prov. M.mip. II. p. i. (1814).
Lycia: In monte Nif Dagh. (5. VI. 1881.)
88 Otto Stapf.
26. CyHO{flo.S.smH plvMim, Ait. Hort. Kuw. I. p. 179. (I7.S9).
Lycia: Ad Minara (V. 1882); in paludosis ad fluvium Dembre Tschai. (1882.)
27. Solenanthus Stainineus Desf. Choix d. pl. d. Coroll. p. 2s. pl. m. sub Cynoglosso (1808).
Syn.: Mattia äuminia Roem. et Schult. Syst. IV. p. 82. (1819). — Multkia Lihanutka Zucc. PI. nov. fasc.lV. p.28.
Tab. 3. (1840). — tiolenanthus Tourncfurlii A. DC. Prodr. X. p. 164. (1846). — S. comjlohatua A. DC. Prodr. X. p. 166.
(1846).
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh prope Kjächta. (1883.)
Es ist die.ss dieselbe Pflanze, die von A. De Candolle nuter dem Namen ,s'. Toiirmfortii in Prodr. X.
p. 164 beschrieben und auch von Boissier in der Fl. Or. IV. p. 269 (1879) angeführt wird. Da jedoch bereits
im Jahre 1808 diese Pflanze von Desfontaines 1. c. als Gynocßossum stamineum beschrieben und gut abgebildet
wurde, hat sie den Namen S. staminem als den ältesten zu führen. — S. conglobatiia A. D C. ist mit uuserer
Pflanze sicher identisch (Cf. Boiss. 1. ct. Überdiess gehören hieher: Muttiu staminea R. et Seh., die ihre
DiagnoseDcsfontaines entlehnten imd Moltkia LibaHoticaZncc, wenn auch letztere nicht mit Bestimintheit,
da Zuccarini die grundständigen Blätter nicht beobachten Iconnte. Die erste Angabe über »S. daminmia findet
sich bei P. Tournefort in seinem CoroUar. Instit. rei herb. p. 139 (1703), wo seiner als „Cynoglossum Orien-
tale vulgari similis, flore ininimo, longis staminibus donato" Erwähnung geschieht.
28. Maltia lanafa Lam. 111. Nr. I8O2. s«b Cynoglosso (sec. Boiss. Fl. Gr.). — Schult. Observ. bot. p. 31. (1809).
Syn.: Gypliomaltia laiui/a Boiss. Fl. Or. IV. p. 272. (1879).
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh prope Kjächta. (1883.)
Boissier trennte (v. 1. c.) diese Pflanze von dem Genus Malt'm unter dem Namen Cijphomattia. Dieses
soll sich von ersterem unterscheiden durch die unterhalb der über der Basis stehenden Hohlsehuppen stark
verengten Kronenröhre, die zusammenneigenden Kronenzipfel und die längeren Antheren. Ich sehe mich den-
noch veranlasst, diese Pflanze mit Muttiu zu vereinigen, da die angeführten Merkmale die Aufstellung einer
neuen Gattung wohl nicht gerechtfertigt erscheinen lassen, umsonichr, als dieselben zum Theilc auch bei
anderen Arten des Genus Mattia sich finden, so die unterhalb der tiefstehenden Hohlschuppen verengte Kronen-
röhre h&i Mattia u/bida m., die längeren zusammenneigenden Kronenzipfel bei M. caesjntosa A. DC. u. M. umbel-
lata C. Koch.
29. Matllu sp. (Spccimen incompletiim!).
Lycia: In jugo prope Karakiöi. (2. VIII. 1882).
Solanac<me.
Auetore R. de Wettstein.
1. Hyosvyumus albus Linne Spec. plaut. cd. 1. I. p. tsu. (I7ö3).
Lycia: Ad ÜzümlU. [ß. VL 1881.)
2. Ilyoscyaums reticulatUS Llnn. Spce. plant, cd. 2. I. p. 257. (1762).
Syn.: IL Camerarii Fisch, et Mey. Ind. quart. scm. hört. bot. Petrop. p. 3s. (ls37j. — //. inniuUißdus Schlecht, in
Liuuaea XVII. p. 127. (1843).
Carla: Ad Gozlar. (11. VL 1881.)
3. Mandi-affOI-a officimiruin Linne Spec. plant, ed. 1. I. p. 181. (1753).
Syu.: Aliopa MdiKlndjura Linne Spec. plant, ed. 2. I. p. 259. (1762;.
Carla: Ad Budrun. (8. IV. 1881.)
Scroplmliiriuoae.
Auetore C. Richter.
1. C'elma tnipaefolki stapf (n. sp.).
Biennis e foliorum carnosulorum flabellato-deltoideoruin losubi densa in paniculam abeuns. Folia omnia in
rosulam disposita, exteriora late semiorbiculata, repaudo-cuneata, in petiolum aequilongum abeuntia, obtusis-
Beitrii(/e zur Flora von Lycieii, Carlen und Mesojiofaiii/fn. 80
sima, interiora sensini niagis deltoidea, miuus obtusa vel etiain acuuiinata et brcvius vel brevissime petiolata,
omnia g-rosse crenato-deiitatn. earnosula, supra sulcato-nervosa, utrinque brevissime puberula; dentibiis vel in-
teriomin laniiua tota puipurco-sutfii.sa. Infloresccntia tota glandulosa, viscida, paniculata. Bracteae ovatae. acu-
minatae, iiitegrae. Calycis fere ad basin fissae laciniae lineari-lanceolatae, acutae, glandidosae. CoroUa
Stamiuum antiierae aeqnales, rciniformes, medio fixae, filaineuta ad tricntcin suprcmnni densc bavbata.
Fol. ext. 3-5—5™ lg. (c. pet.); 2-5—4™ lt.
„ interm. 2-5— 3-5™ lg. ; 2—2-5™ lt.
Caria: In monte Nif-Dagb. (6. VI. 1881.)
Obwohl die Pflanze nur in zwei unanfgebliibten Exemplaren vorbanden ist, sclieint sie mii' doeli besonderer
Heriiclvsiclitigung wertli. Die Form und Anordnung der Blätter ist so ungemein charakteristisch, dass sie allein
vollauf die Aufstellung einer neuen Art begründet. Die Rlüthenknospen geben wenigstens soweit Aufschluss
über die Stellung derselben innerhalb der Gattung Celsia, dass sie mit aller Bestimmtheit zu der Section Nefßea
gerechnet werden muss.
2. Verha^setim, Jjyciwm stapf (n. sp.).
Folia basalia obovato-oblonga in i)etiolum brevem attenuata, obtusissima, abrupte in enspidem brevem pro-
ducta, margine basi integra, apicem versus obtuse ereuulata, utrinque dcusissime asperulo-panuosa, pauno albo-
flavido; suprema floruni fasciculis axis primariae intermixta, late et breviter ovata, cuspidata, cuspide plerum-
(|ue iuflexo inaequilonge lateque dccurrcntia, panno albido, densissimo vestita, integerrima, superne diminuta,
in bracteas e basi ovata acumiuato-cusi)idatas calycibus breviores abeuntia. Axis primaria paniculae rigidae
dense floccoso-villosa, ultra medium inter floruni fasciculos foliata, superne ae rami nuda. Fasciculi florum ses-
siliuni vel breviter pedicellat(u-um densissinii circiter sua longitudine remoti vel magis approximati. Bracteolae
lanceolatae vel lineari-lanceolatae, longe in apicem attenuatae, calyces accretos haud aequantes. Calyx profunde
partitus, dense tomentosus loliis lanceolatis, longe acuminatis. Corolla lutea, inaequalis lobis biuis, superioribus
multo minoribus. Anthcrae omnes reniformes, subaequales. Filamenta villo aurautiaco, in parte superiore den-
sissime vestita.
Fol. bas. 23™ lg.; 8-5™ lt. ! CoroU. diam. 2-5-3'='°.
Cal. 9—10'""' lg. I
Lycia: Prope Subascbi JaYla, 1900—2000™ s. m. (IG. YU. 1882j et in jugo inter Karakiöi et Owadjik,
1800—1900™ s. m. (-2. VIII. 1882.)
Obwohl die Pflanze nur in zerbrochenen, mangelhaften Exemplaren vorliegt, glaube ich doch, sie so voll-
ständig als miiglich beschreiben zu sollen, da sie von dem zunächst verwandten V. (jlomeratum Boiss. gut zu
unterscheiden ist, von den übrigen Arten der C4attung aber überhaupt soweit absteht, dass an eine Vereinigung
mit einer derselben auch bei einer weiteren Fassung des Artbegriffes nicht zu denken ist. Von V. glomeratum
unterscheidet sie sich besonders durch die Form der Blätter, viel kleinere Kelche und mehr genäherte Blüthen-
bUschel.
3. Verhaseuni chrysochaete stapf (n. sp.).
Folia caulina inlima flavido-viridia, late lineari-oblonga, acuta, integra tomento stellato, subtus denso,
cano. facie laxiore, aureo vestita; summa paniculae ramos fulcrantia e basi in auriculas lanceolatas adnatas
decurrentia, ovato-lanceolata, longe in apicem tenuem, acutissimum attenuata, dense anreo-stellato-tomentosa,
.superne in bracteas lanceolatosubulatas calycibus aequilongas vel iis lougiores abeuntia. Paniculae amplae,
rigidae, erecto-ramosae, axis primaria ac secundariae tomento breviter et minute stellato, aureo densissime
obsita. Florum fasciculi densi, circiter sua longitudine remoti, 3 — 6 flori floribus breviter peti(datis vel sul)ses-
silibus. Calyx parvus, profunde partitus loliis lanceolatis valde acutis dense aurco-tomentosus. Corolla aurea,
extus tomentosa lobis subaequalibus. Filamenta dense albido- barbata. Antherae omnes reuiformes, sub-
aequales.
Denkschriften der mathera.-naturw.Cl. L. Bd. Abhandlungen von Nichtmitgliedern. m
imm
90 Otfo SlapJ.
Fol. caul. iuf. 20—27''" h^.; &'" lt. ' Cal. 3"™ lg-.
Panic. 45™ lg. Coroll. diaui. 2"°.
Lycia: Loco non indicato. (24. VIII. 1882.)
Von dieser Pflanze liegen leider nur zwei der untersten Steugelhlätter und ein vollständiger Blüthenstand
vor. Sie gehört zweifellos in die Rection der Gloincndosae und zeichnet sich insbesondere durch die goldgell)en
Steruliaare auf der Oberseite der Blätter und in allen Theilen der Inflorescenz aus. Auf der Rückseite der
Blätter sind die Haare weisslich, wesshalb dieselbe im Ganzen graugrün erscheint.
4. Vevhascfiiii la.» iflomini Stapf (n. sp.).
E basi crebre foliata plurcs caules subnudos, nidx in panieulam teuuiter crecto-ramosam, laxiflorani
floribus solitariis abeuntes edens, foliis stellato-tfimentosis, caeterum glabrescens, floribus saturate aurois,
l)arvis.
Caulis teres, inferne i»rinio teuuiter tioccoso-tomentosus, demum pube detersili, ut rami paniculac, glabre-
scens, atrorubens. Folia basalia conferta, oblonga, obtusa, integra, in petiolum lamina 3 — 4plo breviorem
attenuata pilis stellatis cano-tonientosa ; caulina oblongo-spathulata basin versus longo attenuata, obtusa,
parva, pauca; summa paniculae ramos fulcrantia sessilia, lanceolato-oblonga vel lanceolata, minus pilosa.
Bracteae raiuimae ovatae vel lanceolatae, acuminatae, pedicellis dn|)Io breviores. Calyx parvus, fere ad l)asin
partitus lobis linearibus vel linearioblongis, obtusis, glabcrrimus. Corolla aurea glaberrima, crebre glaudu
losa. Filainenta villo albido ecquidem biua, caeterum minus dense barbata. Antherae omues reniformes, sub-
aeqnales.
Plant, tot.: 48—50"" alt. Bract. 1—2"
Fol. bas.: 9— 12'^"Mg.; 2— 2 •5'"" lt.
„ caul. interm. : 2-5™ lg. ; 4—5"""^ lt.
Carla: In monte Nif Dagh. (6. VI. 1881.)
Aus der Section der Leiaiiflii, durch die auffallend verschiedene Grösse der grundständigen und der
stengelstäudigen, durchaus ganzrandigen Blätter, durch lockere Inflorcscenz und kleine dunkelgoldgelbe
Blüthen ausgezeichnet.
5. HcropMilaria peregrina Linne Spec. plant, ed. i. p. o-2i. (1753). — Boiss, Fl. Ur. IV. p. 395. (1870).
Lycia: Loco non indicato (2. V. 1882); culta in horto bot.IMv. Vindobonen. e seniinibiis a ü''- Luschan
e Lycia missis.
(3. Scrophiilaria lucida Linne Syst. ed. 10. p. UM. (i7r>9). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 40.3. (t.S79).
Lycia: In ditione fontium fluvii Fellen Tschai. (2(u IV. 1882.)
7. Sei-ophularia Cailhia Linne Spee. pl.ant. ed. ]. p. r,2I. {nr,3). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 419. (1S79).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (1. V. 1882.)
8. Scrophiilaria uniflora K. Richter (n. sp.).
Planta glabra, radice perenni, multicauli, caulibus ascendentil)ns, laxis, parcc rainosis, in tiiyrsum folio-
sum, paucifluruni abeuntibus, foliis tenuibus ovatis, inciso-dentatis vel pinnatifidis, lobis acutis, dentatis, petio-
latis, inferioribus oppositis, superioribus alternis; thyrso elongato, racemoso, cymis rcductis, subuniHoris, glau-
dulose pilosis, calycis laciniis ovatis, obtusis, scarioso-niarginatis, staminis (|uinti rudimento rcnifonni, Capsula
globosa.
Scr. caninae L. similis habitu, sed thyrso paucifloro et forma appendicis statira dignoscenda.
Lycia: In monte Ak Dagh. (17. VII. 1882.)
9. TUffitaUs ferrUf/fnca Limir Spee. plaut. ed. 1. p. .sr,7. (I7.-)3). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 429. (IS79).
Lycia: In dorlivibiis nionlis Ak Dagh (IG. VIL 1882); ad rivuni inter Knju JaTla et Bnlbura. (20. YIII.
1882.)
Cal. 2V2'"™ lg.
Coroll. diam. IV^— 1%
Beitnir/c zur Flora ron Lijcien, Carlen und Mesopotaui'ioi. 91
10. DiyittlUs ClirieHSin Boiss. iu l'iuurd uxs. I.si3: Di;igu. Scr. •_'. III. i». lö'J. (1850;; Fl. Ur. IV. j). 431. (1879).
Lycia: Ad Guruva. (4. VII. 1882.)
11. Digitalis longehracteata K. Kichtoi- (n. sp.).
Glaberrinia, ladice perenni, caule erccto, folioso, in spicaiu densam, mferne ramosani abeuutc; toliis coria-
ccis, liiieari-laneeolatis, Ita.salihii.s loiigis. falci<oniiil)us, ad l)asiii ;uij;u.stali.s, qua.si in iietioluni alaliiiu dccur-
reutibus, caulinis diminutis, iuferioribu.s l'ornia ba.saliuni, .snperioriltiis basi rotimdatis, sessilibus, lanceolatis,
sensim in bracteas transformatis, floribus iu spica densa, pyramidal!, iiifenie ramosa, longebracteatis, bractei.s,
praecipue inferioribus maximis, floribus dupio tiiplove longioribus, foniia foliorum cauiinoruin snpcriorum, acu-
lissimis, margine revolutis, demum reflexis, su})erioribiis luindribus, flurein aequantilms, glandiilosc ciiiatis;
floribu« breviter ])edicellatis, calycis iaeiniis subaequalibii.s, liueari-lanceulatis, acutissiniis cum pediceliis dense
glaudulose pubescentibus, corolla glaadulose pubescente luho subgloboso, laciniaiii iiiliiiiam circitcr aequantc,
hac porrecta oblougo obtusiuscula, cum ('eteii.s dense ciliolatis staminibus inclusis, Capsula acuta, glandiüose
pilosa.
Species bracteis lougis, demum reticxis insignis.
Caria: Ad Gürlek. (7. VI. 1881.)
12. Liiiaria Avmeniaca Ch;iv. MouoKr. p. m7. (ih33j. — Boiss. Fl. Or. IV. p. asi. (ust'j).
Lycia: Intcr Makri et Levissi (20. IV. 1882); ad Gjölbascbi. (1. V. 1882.)
i;3. Liudrifl {jeiliStifolKl Llnne Spec. plaut. ed. 1. p. S5y. (1753) suh Antin-Iilin,.
Viu-. j3. conferUfioriim Boiss. Fl. ür. IV. p. 377. (1879).
Lycia: Ad luinas monasterii supra Owadjik. (2. VIII. 1882.)
14. Liimria corifolid Hi-atont. Chdix ik-s plant. coroU. iust. p. 32. t. 22. (1808). — Boi.ss. Fl. Gr. IV. p. .-JSS. (1879)
[„ernjre coridifolia"].
Lycia: Ad Serkiz Jaila (31. VI.) et Guruva. (14. VII. 1882.)
Es dürfte richtiger L. corifoUa beissen, und nicht L. coriilifolia, wie Boissier verbessert, wie denn auch
schon bei Tourn. Cor. Inst. „L. Orkntalh Corinfolio" steht. Der Stamm von -/Arji.^ (Wanze) lautete ursprüng-
lich zop'. und erst später auch noch xdpt'}. Von xöfjig (Hijpericuiu Coris) findet sich aber bei Diosroridca nur
diese Form.
15. Veronica Anagalli.s Liunö Spcc. plant, ed. l. p. 12. (1753). — Kchb. Icou. XX. t. Sl. (1862). — Buiss. Fl.
Or. IV. p. 137. (1879.)
Lycia: In paludosis ad Kasch (13. VII. 1882); in monte Nif Dagh. (5. VL 1882.)
16. Veronica anagalloide.s Guss. PI. rar. p. 5. t. 3. (i82ü). — Boiss. Fl. ür. IV. p. i38. (1879.)
Lycia: In paludosis ad Furnaz. (25. IV. 1882.)
17. Veroitica Beccahaiuja Liuue spec. plant, ed. 1. p. 12. (i753j.
Culta in liorto bot. Univ. Viudob. e seminibus a Dre. Luscban e Kasch in Lycia uiissis.
IS. Veronica Ctmeifolia Don. in Ann. Nat. Hist. 7. p. •l.=)7. (1836;. — Boiss. Fl. Ür. IV. p. 115. (is7;t.)
Syn.: V. Carieiinis Boiss. Diagn. Ser. t. fasc. IV. p. 75. (1S14).
Lycia: In summis montis Ak Dagh. (17. VII. 1882.)
19. Veronica yiiHrodi K. Ricliter (n. sp.).
Öuffruticüsa, cauescens; caulibus e radice lignosa numerosis, ascendeutibus vel ercctis, basi raiiiosis,
lignosis, cum tota planta dense pilosis, superne parce ramosis; foliis biformibus: inferioribus late ovatis, obtu-
siusculis, basi cuneatis, grosse et irregulariter deutatis margine revolutis; snpcrionlms linci-aribiis, obtusis,
iiitegerrimis, margine revolutis; racemis binis axillaribus, oppositis, pedunculatis, densis, floribus pcdicellatis,
bractea pedicellum aequante vel eo longiore suft'iillis, niainseulis, calycis deutibus valdc inaeqnalibus, lougiori-
bus, corolla diinidio brcvioribus, corolla majusculla (iiindritida lobis acutis, stylo exserto longitudine corollac,
Capsula et seminibus ....
92 Otto Stapf.
E sectione Chamaedrys, V. prudratae L. affinis sed habitu et forma foliorum, necnou caiilc irutescente
maxime diversa.
Mesopotamia supevior: In nionte Nemrud Dagh prope Kjäehta. (1883.)
Die vorliegende Pflanze aus der formeureichen Gruppe der V. Teiwrium L. stimmt mit den anderen Arten
derselben durch die grosse Variabilität der Blätter, welche bald nahezu ganzrandig, bald doppelt gezähnt und
etwas fiederspaltig sind, Ubereiu; doch linden sich, abgesehen von der Constanten Zweigestaltigkeit der unter
und über den Blüthentrauben stehenden Blätter, mit welchen letzteren die der sterilen Seitenästchen überein-
stimmen, an ein und derselben Pflanze die mannigfachsten Übergänge. Im Allgemeinen ist diese Species durch
den halbstrauchigen Wuchs und die zahlreichen mehr oder minder aufrechten Stengel, die dichte weissgrane
Behaarung und die schon betonte Zweigestaltigkeit der Blätter habituell sehr ausgezeichnet. Die Blütlienfarbe
variirt bei den vorliegenden Exemplaren in weiss, blau und rosenroth.
20. Veroniea Cymhalaria Bod. Diss. p. 3. (i798). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 467. (is79).
Syn.: V. hederaefoJia ß. Linn6 Spoc. pbxut. ed. 1. p. 14. (1753).
Lycia: In paludosis ad Furnaz (25. IV. 1882); in acropoli supra Bazergyan Jailassy (26. IV. 1882); inter
moutes Mendes et Baba-Dagh (21. IV. 1882); ad Gjölbaschi (2d. V. 1882.) — Carla: In monte Ujuklu Dagh.
(14. VI. 1881.)
21. FedictllaHs orthantha Griseb. Spicil. IL p. IS. (1843). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 486. (1879).
Lycia: In cacunüne montis Ak Dagh. (17. VII. 1882.)
22. PediCUlarls Noi'dinauiUanU Buuge in Ledob. Fl. Koss. lll. p. -277. (1847). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 4s9.
(1879).
Lycia: In cacumine montis Ak Dagh. (17. VII. 1882.)
Lentibulariiieae.
Pingnicilla Vulgm-is Linnc Spfc. plant, ed. 1. p. 17. (1753). — Sturm Deutsch!. Fl. 11. IV. \). II. (I803;, nun 1'.
leptoceras ßeicheub. Icon. crit. I. f. 171., ut Boissier indioat.
Lycia : Ad rupes udas riparum fluvii Fellen Tschai et Gisil Dcrc. (U. VI.)
Acanthaceae.
Auetore K. Richter.
1. AcUHthus Dioscoridis Linne Amoen. Ac. IV. p. 3-21. (1759). — Boiss. Fl. Or. IV. p. .ö-21. (t.s79).
Syu.: Ä. limhki Trautv. Spec. nov. p. 3. in Act. hört. Petrup. III. p. II. \). 269. (1875).
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh prope Kjäehta. (1883.)
2. Acaitthus hlrsutUS Boiss. Diagu. Ser. 1. IV. p. 86. (Iö44). — Fl. Or. IV. p. ö-21. (1879).
Lycia: Loco non indicato.
3. Acanthus spinomtS Linue Spec. plant, ed. 1. p. 939. (1753). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 52-2. (1879).
Caria: Ad Piankaifa (13. VI.) — Lycia: Ad Gjölbaschi. (25. VI.)
Orobaucheae.
Auttore G. Beck.
1. Orobmiche 3IuteU F. Schulti^ inJIntel Flore fran?. II. p. 353, Atlas t. 43. fig. 314., Suppl. t. 2. tig. 5. (1835).
Caria: Ujuklu Dagh.
2. Orohatiche Aegyptmcn Persoon. Euch. II. p. 181. (i807).
In den Formen: O. Deliki Decaisnc in Ann. scienc. nat. 2. s6r. IV. p. 102. (1835) und 0. loiu/ißora Persoon Ench.
n. p. 181. (1807)'?= 0. hngiflura Treviranus Observ. in Magaz. d. üesellsch. naturf. Fr. Berlin. VII. Jahrg. (1816).
p. 150. Taf. II. Fig. 10 u. 11.
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh. (1883.)
Beiträ(/e zur Flora vun hijden, Carlen und Mcsoputainkn. l) 3
3. Orobauche uretuiriu ßorkhauseu liciti-. z. deutscli. Floni iu Kocmci-'s Nim. Ma;,';«. t. Butiin. I. p.e. (1797).
Syn.: Fhelypam arenaria Walper's Kepert. botan. HI. p. 45y. (1811—15). — Kcutur in DC. Prodr. XI. p. 6. (I.sl7).
— Boiss. Fl. Or. IV. p. 195.
Lyeia: In jugo propc Karakiöi. (2. VIII. 1882.)
4. Orobmiehe i^peciosa DC Fl. Fiang. VI. p. 393. (1S15). — Reuter in DC:. l'i-ütlr. XI. p. 19. (1847). — Boiss.
Fl. Or. IV. p. .006. (1879).
Lycia: Ad Makvi. (24. IV)
5. Orohanrlie pubesceits Dumout (l'Urville Enum. pUmt. Or. p. 70. Nr. 5ü7. (ls-22). — Keuter iu DC. Prodr.
XI. p. 27. (1847). — Boiss. Fl. (»r. IV. p. 507. (I879j.
Lycia: Ad Gjölba.scbi (29. V. 18S2) et Sidyina (forma corollis niiiiii.s pilosis iiitcriuixta).
B. Orobanche full,[linosa Reuter in DC. Prodr. XL \). -li. (1847; — Boiss. Fl. Or. IV. p. 510. (1879).
Lycia: Gjölbaschi. (29. V. 1882.)
Die Pflanze war bisher aus Kleinasieu hlos von der Insel Kbodos, wo .-^ic l'.durgeau sammelte, bekannt.
Sic eneicht somit durch den Fund Dr. Luschan's iu dem Standorte bei (4jölbaschi den am weitesten nach
Osten vorgeschobenen Standort.
Plaiitaa^ineae.
1. Pldlltago major IJnne Spec. ])laut. ed. 1. p. 112. (1753).
Lycia: In paludibus ad Kasch. (13. VII. 1882.)
2. Plailtago Asiatica Linne 8i)Ci'. plant, ed. 1. p. 113. (1753).
Syn.: P. major ß. Decnc. in DC. Prodr. XIII. p. I. p. 494 (185-2).
Lycia : Ad Katara.
Die lycische Pflanze stimmt aufs genaueste mit Exemplaren von Ui)sala, der Insel Cscpel und dem
Mt. Denis (Hennegau).
3. Plantayo lanceolata Linne 8pee. plant, ed. 1. p. 113. (1753). — Sturm Deutsehl. Fl. IL 7. (.1799j. — Boiss. Fl.
Or. IV. p. 881. (1879) quoad var. a. ,/cjii(iiia.
Lycia: Ad Chertek et inter ßaschibunar et Gürdef Jailassy. (19. VII. 1882.)
4. PlantmjO OrientaliS stapf Bot. Ergebn. d. Pol. Exp. Pers. (1885).
Var.: Lycia Stapf (n. var.).
Planta humilis, tbliis breviter lanceolatis, deusius sericco-lanceolatis, scapis folia paulo superantibus,
ascendcntibus, spicis parvulis, bractcis, saltem florum inferiorum, dorso lanato-pilosis vcl pilis parvis obsitis vel
subglabris, corollae lobis plerunique paulo angustioribus quam in forma typica.
Lycia: Ad Guruva. (14. VIL 1882.)
Man hat es hier offenbar mit einer durch trockenen Standort bedingten Varietät der P. OrkntaUs zu tliun.
Abgesehen von den angeführten Merkmalen slimmcn die Pthurzen von Guruva und von Persien vollständig
überein. Die Behaarung dei Bracteen ist an einer und derselben Pflanze sehr schwankend und was die Form der
Krouenzipfel betrifft, so sind sie bei der lycischen Pflanze allerdings meist etwas schmäler und der grösste
Qucrdurchmesser liegt mehr gegen die Mitte zu; allein daneben finden sich andererseits alle Übergänge zur
typischen Form.
Yerbeiiaceae.
Viteop Afjtms Castus Linne Spec. plant, cd. 1. p. 638. (1753/.
Lycia: In valle Dembra (26. VI. 1882) et Jailas.sy Tschai (Ki. VII. 1882); ad Ilemirola Kaifa.
94 Otto Stapf.
Labiatae.
1. Mentlia rotUlulifoHa Liuuc .Siieo. i)l;iut. cd. l. p. ö7e. (170a) \no y-M. iL splcatae.
Lycia: In paludibiis piope Kasch.
2. Ol'iynnurn Ollites Liunc Spcc. iihmt. ed. 1. p. ÖOO. (1753). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 5Ö3. (1879).
Lycia: Ad Gjölbasclai (^9. V., 25. VI. 18^!2), (3. VI. ls8l); ad Acropuliu supra Kadyauda et Bazeigyan
Jailassy. — Caria: Ad Piaukail'a. (13 VI. 1881.)
3. Thymus zygiokles Griseb. Spicil. iL p. 11«. (isu).
!Syn.: 27«. sfriatiia Boiss Fl. ür. IV. p. 557. (1879) pro p;u-te. — 'l'/i. i:utiS2Krsas var. Lijcauiika Col. iu Flora. LXVl.
p. 156. (1883).
Caria: Ad Gozlar.
Celakovsky behauptet n. a. 0., dass die Angabe iu Walp. Ann. t. V. p. 672 (1851), wornach die auf
den Bergen zwischen Beychehr und Kouiah gesammelten und als Th. dnatua in den pl. Heldr. Auat. aus-
gegebcueu T%»M/.s-Exeinphire Th. zij<ji<jidea Gris. sind, unrichtig sei. Nun liegen mir aber Exemplare von der
citirteu Ausgabe, sowie vom gleichen Standorte, aber im Jahre 184S von Held reich gesammelte und als
TA. hirsutus bezeichnete Stücke vor, welche mit dem Grisebach'schen 27/. zijywides, wie ihn Kerner aus
Grisebach'sHand vonEodosto bekomen, vollständig übereinstimmen und zwar auch im Bau des Kelches, der
nach Celakovsky für Th. zijyioulcs Gris. charakteristisch sein soll. Ein Vergleich dieser Th;/iiü bestätigt die
Kichtigkeit jener Angabe in Walp. Ann. vollkommen. Mit den Pflanzen von Beychehr und Kouiah ist aber aucli
jene von Gozlar identisch. Es scheint eben der Th. zijtjioides im Südwesten Kleinasiens weit verbreitet zn sein.
So gehören hieber nachfolgende, im Herbar des Hofmuseums in Wien vertretene Thymi: Th. striatus Sibth.
Caria 1843, C. Pinard. — 301. Th. zinjioidex Griseb. (Boiss.) Coteaux situes au nord de Loudja, pres de
Smyrne. 21. Mai 1854 aus Balansa's. PI. d'Or. — 293. Th. zi/yioklen Griseb. (^Boiss.) In gramiuosis montis
Ballonklardan, 17. juin, 1860 aus E. Bourg., Plaut. Lyc.
4. TJll/inuS SipyleUS Boiss. Diagn. S6r. I. f. 5. p. 16. (1844).
Syu.: Th. Seriyn-am ä. aquurrosus Boiss. Fl. Or. IV. p. 556. (1879).
Lycia: Ad Subaschi Jaila (19. VII.), Gilewgy Jailassy et iuter Baschibunar et Gürdef-Jaiilassy. (19. VII.)
5. Thymus CiUciCUS Boiss. üiagn. S6r. I. f. i. p. 8. (1859). — Öol. in Flora. LXVI. p. 168. s. (1883).
Lycia: Ad Tscheschme. (14. VII. 1882.)
6. Thymhrd spicata Liun6 Spec. plant, cd. 1. p. 869. (1753). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 561. (I879j.
Lycia: Ad Gjölbaschi. (21—29. V.)
7. Mivroinei'ia I/i/cia stapf (n. sp.).
E basi suffrutesceute valde ramosa, ramis erectis, virgatis, tenuibus, plerumque elongatis, cymulis in race-
mos longos cougestis, remotis, peduuculatis, parvifloris.
Caulis obtuse quadrangularis, reverse et adpresse hirtulus, scabridiusculus. Folia caulina elliptica vel
lauccolatodinearia, acutiuscula, margine revohita, ima brevissime petiolata, caetera sessilia, breviter hirtula,
iuternodiis duplo et ultia breviora; floralia laueeolata vel linearia, obtusiuscula, cymulas superantia. Cymae
subsexflorae, vel in speciminibus debilibns ad 1 — 4 flores reductae, pedunculatae, remotae, internodiis 2 — 2'/2 plo
brcviores, rarius magis approximatae. Calyx angnste tubulosus, breviter hirtellus, subbilabiatus, dentibus labii
superioris tubo triplo, inferioris subduplo brevioribus, lanceolatis, acutis, deiuum erecto-pateutibus, faucc hispi-
dulus. Bracteae lineari-subulatae, dimidium calycis superantes vel aequnntes. CoroUa rosea, breviter exserta,
tubo extus miuute hirtello, labio infero trilobo, lobo intermedio lateralibus paulo longiore, spathulato-cuncato,
labio supero erecto, brevissime bilobo. Nucnlae oblongae, apice in acumen muticum contraetae.
Plant. 15-35'"" alt.
Fol. —II"'" lg.; 2—4""" lt.
Cal. 3- 5""" lg. (tub. 2-6— 2-8""".)
Coroll. tub 4'/2""" lg.
„ lab. inf. 2'"'", sup. 1 • 5""" lg.
Beiträge zur Flora ron Lycicn, Cnrieii innJ Alfsapo/amien. 95
Lycia: Ad GJölbascbi (27. V., 22. VI.) et ad Piankaifa.
Vom Habitus der M. Graeca L., jedocli dnrcli die weiter vou einander entfernten Cyinen, kürzeren Kelcb-
zäbne und mit einem stumpfen Spitzcben versebeucn Samen verscbieden. Von M. Julia im (L.~) Btb. dagegen
weicbt sie durcb den bebaartcn Scblund und nacb auswärts gebogene Kelcbzäbne scbr entscbieden ab.
8. Calaminfha stenostoina stapf (n. sp.i.
Annua, pumila, piiberula, cymulis ad 2, rarius o fiores pnrvos reduetis, e basi raniosis, calycibus interne
valde gibbosis, sub ore angustc constrictis, basi iiirtis.
Caulis erectus, Simplex, obtuse quadrangularis, breviter pubescens. Folia caulina duo, parva, ovato-elliptica,
obtusa, utraque faeie, imprimis subtus, minute hirtello-pubeseentia, petiolo himinae aequilongo sufftüta; floralia
majora, rbomboideo-elliptica. inferiora obtusa, supcriora acuta, in petiolum attennata, obsolete serrata vel
integra, indumento caulinis consimilia, nervis secundariis arcuati.s, seeuudum marginem angustissime revolutum
evanescentibus. Calyx pedicello rigido, crassiusculo triplo longior, curvatiis, basi valde gibbosus, pilis albis,
longiusculis birtus, superne valde constrictus, breviter glandulose hirtellus, vix l)iiabiatus, dentibns subulatis,
ciliatis, fauce pilorum annulo instruetus; fruetifcr arcte clausus, apiee brunneus. CoroUa parva, vix exserta,
tubo brevi, extus birtello, labio supero brevi, latd, cmarginato, infero trilobo, duobus maculis breviter barbatis
ornato, lobo interniedio obovato, siibtruncato. Staminum tilamenta antieorum dimidio labil iuferi vix breviora,
posticorum brevissima ; antlierae loculis binis, paulo divergentibus, eonuectivo lato.
Plant. 5 -5"° alt. C'al tub. 7'""> lg. (tub. 5""")
Fol. caul.5"""lg.; 4°"Mt. ! Coroll. tub. 6™" lg.
„ floral. inf. 9—11'"" lg.; 4—6""" lt.
Pedic. ext. 2— 2V2"""lg.
Caria: Ad Eskere Bogbas.
Aus der Gruppe der Calaminfha graveolens.
lab. sup. IV2"'™ lg.; 2"""lt.
„ inf. 2""" lg.
'.J. Caldinlntha piyereUoides .stapf (n. sp.).
Suflfruticulosa, bumilis, trunco brevi, crasso, ramos ninltos lignosos repetite ranioso edente, ramis vetuslis
nudis, bornotinis birtellis, multifoliatis, foliis pallidis, floribus tubo longe exsorto, singulis in axillis sujje-
rioribus.
Caulis teres, pilis brevissimis et longiusculis circumcirca patule birtellus. Folia ovata vel ovato-elliptica,
in basin atteuuata, rarius truncata, minute serrata, obtusiuscula, margine revoluta, utraque facie, imprimis
subtus, minute hirtello-pubeseentia, nervis prominulis, arcuatis, secunduni marginem evanescentibus. Cymulae
ad unum florem reductae, bibracteolatae, braeteolis subulatis, pedicellum subaetiuantibus, breviter birtellis.
Calyx longe cylindrico-tubulosns, pedicello multiple longior, 10 — 13 nervius, minutissime birtellus, vix
bilabiatus, labio infero ad basin, snpero ultra medium fisso, dentibus e basi triangulari subulatis, intus nudus.
Corolla tubo calyce cylindrieo superne paulo ampliato, extus pilosiusculo, intus nudo, dnplo longiore, labio sujiero
lirevi, lato, bilobo, infero profunde trilobo, lobis latis, rotnndatis, mcdio emarginato, basi usque ad staniiimni
antieorum insertionem villoso-barbato. Staminum tilamenta ascendentia antice labio infero dimidio breviora,
connivcntia, postica brevissima, antlierae biculis paralleiis. Stylus bifidus, breviter exsertus.
Suffrut.: 6— 12''" alt. Cal. tub. 6—7""" lg.
Cor. tub. IG— 2U™'° lg.
„ lab. sup. 3 • 2'"-" lg. ; 5""" lt.
„ lab. inf. 7 y^""" lg.
Lycia: Ad Gjölbascui. (4. V. 1882.)
Diese schöne, durch die weit den Kelch überragenden CoroUen ausgezeichnete Calaminfha ahmt in auf-
fallender Weise die Tracht der C. I'iprrflla (W. K.) nach, nur ist sie etwas straucldger; nicht viel weniger
erinnert sie an die Calaminthen aus der Gruppe der C. alpiiia. Allein der Bau des Kelches und der Blumen-
Fol. 7 — 10'"" lg.; 5 — 8"'" lt.
Pedic. 2—3""" lg.
Cal. tot. 8— 10"" lg.
96 Otto Stapf.
kröne weisen entschieden auf die Gruppe Eucalamintha hin, die aber andererseits durch die mehr oder
weniger reich verzweigten Cynien ausgezeichnet sind, während diese hier stets auf eine Einzelhlüthe redu-
cirt sind.
10. 7Aziphora. Brantii c. Kocli in Limi. XVII. p. 294. (i84.'?).
Syn.: Z.canescenx Boiss. Fl. ür. IV. p. r.SO. (1879) ex parte.
Lycia: Ad Guruva. (14. VH.)
11. Zhlphora eapttUta Linue Spec. pl.ant. ihI. 1. p. -21. (175.3). — Boiss. Fl. Ür. IV. p. 5SG. (1879).
Syii.: Z.compacta Friv. iu Fli)r. XVIII. p. :i.3ü. (18.3.")).
Lycia: Loco non indicato.
12. Salvia chrysophylla stapf (n. sp.).
Caulis elalus, simplex, ohtuse qnadrauguhiris, breviter villoso-tomentostis, su])erne viscosiis. Folia inferiora
et intermedia petiolata, e basi cordata vel subcordata hitc ovato-lanceolata, acuta, irregulariter crenulata, supra
vcrrucoso-rugosa, iu rugulis brevissime aureo-tomeutoso-viscosa, subtus breviter incano-luteoviridia, tomentosa,
glandulis aurcis conspersa, summa caulina lanceolata, in basiu attenuata, sessilia, caeterura couformia; floralia
c basi rotundato-ovata longe acuiuinata calices superantia vel summa aequantia, viscoso-papillari-hirsuta. Ver-
ticillastro internodiis calyce 2 — 4i)lo longioribus di.stincta, 2 — 4 , rarius ßflora. Calyx Cdnico-campanulatus,
striatus, viscoso-pubescens, labio supero tridentato, dentil)us lateralibus brevissime aristulatis, brevibus, inter-
mcdio niinimo, inferioribus ovato-triangularibus brevissime aristulatis. Corolbx formae macranthae calyce 27.-) ph)
longior, tubo vix exserto, labio supero longo, falcafo, violascente, infcro, ut videtur, flavescente, formae micran-
thae minor, calyce subduplo longior, Libio su))cro subrecto, apicc incurvo, in iitraque forma villosula, glaudu-
losa. 8tamina sect. Go)iyrosph.aces.
Plant. 30™ alt. j Coroll. form. macr. 2n"'™(tub. IU"""); micr. 16"^"^ lg.
Fol. interm. 9— g'/^"^" lg.; 2^^— SV/"' lt. (i\xh. 8"™).
Cal. 9—10""" lg.
Lycia: Ad Guruva. (14. VII. 1882.)
Es liegt leider nur ein vollständiges Exemplar der kleinblüthigcn und eine Inflorescenz der grossblüthigen
Form vor. Allein die Form der Blätter, die Behaarung, namentlich der Oberseite derselben, sowie die grossen
Tragblätter, die aber doch wieder viel kleiner als bei »S*. Sditren sind, charakterisiren die Pflanze in so
bestimmter Weise, dass sie nicht zu verkennen i.st. Näher als der ^'. Sciarea L. steht sie der S. Aeihiopk L.
und der S. Kochiana Kunze, unterscheidet sich aber von beiden durch das Indunient, die Form der Blätter
lind durch kleinere Blüthen mit relativ längeren Tragblättern.
13. SalvMi ^lichroantha Stapf (n. sp.^.
Caulis obtuse quadrangularis, inferne glaber, superne tomentcllus, elatus. Folia infima...., intermedia
petiolata, basi truncata, oblongo- lanceolata, subacuta, crenulata, supra rugulosa, brevissime pubesceutia,
pallide viridia, subtus reticulatim venosa, breviter incano-tomeutclla; superiora breviter petiolata, basi cordata,
anguste oblongo-lanceolata, minora; summa minima, sessilia, lanceolata, indumento densiore vestita; floralia
perminima, calycibus multo breviora e basi lat'ssima breviter ovata, obtusa. Verticillastra 4 — 6 flora, approxi-
mata, internodiis floribus brevioribus, in spicam densinsculam congcsta. Calyx subsessilis, campanulatus, vis-
ciiso-pubescens, labio supero tridentato, dentibus brevissime aristulatis, iutermcdio breviore, inferiore bideutato,
dentibus ovato-triangularibus, cuspidatis. Corolla parva, calyce 2 — 3y2plo longior, tubo albido, exserto, labio
supero apice violascente, incurvo, infero intense coeruleo, lobis lateralibus ovato-oblongis, deflexis, dimidio hilii
intermedii longioribus.
Fol. interm. c. pet.: 7%™ lg.; 17^-2'/^™ lt.
Spie. 6'"' lg. ; vix 2"" lt.
Cal. 4™" lg.
Coroll. tot. 10—11"^"^ 1
„ tub. G""" lg.
)-i*
Beiträge zur Flora von Li/cien, Carlen und Mesopotamien. 0 7
Lycia: Loco nou indicato.
Es liegt leider mir ein unvollsfüiuliges Exemplar, nämlich ein über den untersten Blättern abgebrochenes
Stück vor. Die mittleren und oberen Blätter sind indessen ebenso, wie die Inflorescenz vollständig erhalfen.
Ohne Zweifel gehört die Art in die Nähe der S. prittensis L. nnd <S'. Jiimdorum Andrz., initerschcidet .sich aber
von beiden durch die Form der derbconsistenten Blätter, deren feinfilzige Behaarung auf der Unterseite und
durch die kleinen, dichter gestellten Bliiflicnwirtel so sehr, dass sie keiner von beiden zugerechnet werden
kann. Von 8. silrestria L. und .S'. eluta Host unterscheidet sie sich ebenfalls durcii Form, Behaarung und C'on-
sistcnz der Blätter, sowie auch durch die winzigen Tragblätter.
14. Salvia Lihanotica Uoiss. et Giüll. Diagn. S«r. -2. f. IV. p. IC. (1850). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 594. (1879).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (1. V. 1882.)
15. Stllma triloba lAuui fil. Suppl. p. sS. (1781). — Sibth. ot Um. Fl. Gr. I. p. 13. t. 17. asoG).
Syu.: S. friiticnlosa Mill. Dict. (l. jard. t. 6. p. ll-i. (1785;. — S. Sijii/lai Lam. lU. gcur. I. t. 63. (1791).
Carla: Ad PiankaYfa.
IG. Salvia Conra dl stapf, (n. sp.).
Fruticosa, ramis lignosis prostratis vel ascendentibus, crassitndine pennae corviuae, rainulos brcvcs, dense
foliatos, in spicam densam patule villosam abeuntes edentibus, floribus albidis, niagnis.
Rami vetusti cortice demum sc laeiniatim disiungente obscure griseo-briinneo, superne patule piloso obtecti,
hornotini virides vel rubescentes, patule villosi, breves, alii floriferi, alii fascicnlos foliorum formantes vel cloii-
gafi, vegeti. Folia ranuilorum vegetorum elongatorum petiolo laminae subaequilongo suflfulta, ovato-oblonga,
basi cuneafa, obtusa, parvo-crenulata, subtus elevatim nervosa, supra rugulosa, hirta; intima ramulorum flori-
ferorum et fasciculorum in petiolum aftenuata, oblonga- vel ovato-oblonga, obtusa, brevissime crenulata vel
subintegra, caeterum superticie supra descriptis conformia; Horalia oblonga vel oblongo-lanceolata, in petiolum
brevem attenuafa, obtusa, pubescentia, in margine, praesertim versus basin, villosule eiliata, infera calyce super-
anfes vel aequantes, supera breviora. Verticillastra circiter tres approximata, 2—6 flora, internodiis Horibus
brevioribus. Calyx conico-campanulatus, ad medium bilabiatus, labio supero latissime ovato apice emarginato,
infero breviore bidentato, dentibus late ovato-triangularibus, acutis, totus, imprimis vero inferne, longe patule-
que villosus. Corolla tubo superne aiuplo exserto, labio supero subrecto, brevi, villoso, infero lobis laferalibus
brevissimis, latissimis, intermedio bilobo, albida. Stamina autherarum connectivo antice porrecto, loculum
crassum ferente.
Kam. hörn, tiorif. 8—12°"' alt.
Fol. iufer. c. pet. 2—3™ lg.; 8—12"" lt.
„ floral. infl. 27,-37,=- lg. ; 7,— 1-5
Cal. tub. 1—1 -2"" lg.
Cal. lab. sup. O—U"'"' lg.; 8— O"'"' lt.
„ „ inf. 5-6"™ lg.
CoroU. circ. 3""' lt. (tub. 27/"')
Carla : In nioute lljuklu Dagh.
Bildet innerhalb der Section HymeHOsphacc einen eigenen Typus, der sich von den verwandten Formen
sehr bestimmt unterscheidet.
17. Salvia, viridis Liüu6. Spec. plant, ed. 1. p. 24. (17.53). — BiMtol. Fl. Ital. I. p. 138. fI833). — Boiss. Fl. Or
IV. p. 630. I1879J.
Lycia: Inter montem Babadagh et Minara. (21. IV.)
18. Salvia Sr^OVitxiana Bunge Lab. I^ers. p. 44. (1873). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 607. (1879).
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh prope Kjächta. (1883.)
19. Salvia vefbcusvifoUa Marsch, a Hieb. Fl. Taur. Caue. III. ]). 51. a819).
Var. cana Boiss. Fl. Or. IV. p. 619. (1879).
Denkschriften -lor mathera.-nalurw. Hl. L. Bd. jVhhandlunj'en von Niclitniili,'lieilern. n
98 Ofto Stapf.
Syn.: .5. microstegia Boiss. Diagn. Ser. II. f. 4. p. 17. (1859). — iS. atomaria Boiss. 1. c. p. 18.
Lycia: In monte Nif Dagb, 1600'" s. m. (5. V.)
20. Salvia chnoodes stapf (n. sp.).
E trunco bvevi pluricipite cortice atro-brunneo vestito, c maxima parte subterraneo caules ecquideni et flori-
feros rigidos basi crebrius foliatos, mox in pauiculam rig-idani, parce longo ramosani, viscidani verticilla.stris
approxiraatis, grauditloris, summis saepc abortivi.s et alios vegetos ad folioriuu iascicula abbreviatos edeu.s, foliis
impiimis junioribus dense niveo pannosis, floribus albidis.
Caulis obtuse quadrangularis plus minusve dense arachnoideo-villosus, superue viscosus. Folia ba.salia et
ramonim vegetorum e basi cuneata vel truncata vel subcordata ovata, ovato-oblonga vel oblonga, obtusa, grosse
croso-crenata vel sinuato-loljata, dense pannosa, tandem vero panno partim evanido cauo-tonicntosa, petiolo
laminam aequantc vel paulo brcviore suflfulta, caulina pauca, augnstiora in petiolum decurrentia vel scssilia,
densissime niveo-pannosa; floralia lanceolata, superne diminuta atque latiora, villo densissimo albo involuta,
suprema et ramulornm late rotiindato-ovata, acuminata, minus villosa, viscida, facie glabrescentia, basi pallida
cxcepta, viridia. Verticillastra circiter sexfiora, approximata, internodiis flores vix aequantibus vel brevioribus.
summa interdum abortiva. Calyx breviter tubuloso-campanulatus labiis brevibus, superioris deute iutermedio
minimo, inferioris dentibus late ovatis in mucronem attenuatis, totus glauduloso-villosulus. CoroUa calyce triplo
longior, tubo calycem vix superante, antice abrupte ampliato, intus squamula fimbriata munito, supra eam
glanduloso-pilosulo, caeterum glabro, labil inferi flavidi lobis lateralibus oblique obovatis, uiargine assymetrice
iuvolutis ideoque in siecatis per speciem linearibus porrectis, intermedio valde coucavo, emarginato, crenulato,
labio supero albido, falcato-erecto, apicc truucato, extus superne glanduloso-piloso. Antberarum connectiva
antice deflexa^ abrupte dilatata, loculi rudera gerentia. Antberae augustac sublineares. Stylus in anthcseos
fastigio ex apice labii superioris longe exsertus stigmate breviter bifido.
Tot. plant, ca. 30™ alt.
Fol. bas. c. pet. 9—11™ lg.; 3—3'//™ lt.
„ „ s. pet. 4—5™ lg.
Inflor. 12— IG"" lg.
Cal. 12—13™'" lg.; tub. ca : D'""' lg.
CoroU. 3™ lg.; tub.: 13—14""".
Diese schöne, durch den schneeweissen, dichtwolligen Überzug der jüngeren grundständigen und der
oberen Laubblätter, sowie der Floralblätter ausgezeichnete Art steht der S. catuli'lis.fima Vahl nahe. Sie unter-
scheidet sich aber von ihr nach der Beschreibung bei Vahl Eiiuni. I. p. 278. durch kleinere, tiefer buchtig-
gelappte Blätter, mehr genäherte Wirtel und den iMangel der „setae" an den Floralblättern und den Seitenzipfeln
der Unterlippe. Von .S'. odorata Willd. weicht sie durch die Art der Behaarung, die Form der Blätter und den
viel dichteren Blüthenstand mit reicheren Wirtelu sehr entschieden ab.
21. Salvia potentillaefolia Boiss. et Heldr. in DC. Prodr. XII. p. 270. (1848). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 597.
(1879).
Lycia: Ad Gilewgy JaYlassy ; in declivibus montis Ak Dagh. (16. VII.)
22. Wepeta tolypantJia Stapf fn. sp.).
E basi caules plures simpliccs ramososve edens, breviter albo-tomentclla, verticillastris densissiniis inferne
remotiusculis, superne in spicam approximatis, floribus miuutis, corolla fiavo-albida, valde incurva. Caulis
quadrangularis, dense et breviter albo-tomentellus. Folia caulina petiolata, e basi truncata vel cordata trian-
gulari-ovata, acuta, crenata vel eroso-denticulata, supra pallide viridia, brevissime et adpresse tomeutella,
subtus indumento densiore, caeterum conformi vestita, incana; floralia ininora, verticillastra aequantia, sessilia.
Verticillastra e cymis binis valde ramosis, deusissimis, fere sessilibus, inferne reiiiotiusculi, superne plus minus
confluentes, magnitudine pisi. Bracteae subulato-lanceolatae, acutissimae, villosulae, calycem aequantes, vel eo
paulo breviores, numerosae. Calyx oblongus, minutissime puberulus, pilis longis sparsis obsitus, tubo sulcato-
striato, ore recto, dentibus subulato-lanceolatis, acutissimis, strictis vel leviter iucurvis, fructiferi liumcfactis
conuiventibus tubum claudentibus. Corolla tlavo-albida, extus brevissime villosula, tubo angusto, imprimis
Beiträge zur Flora von Lycien, Carien und Mesopotamien. 9vt
demum valde incurvo, calyce exserto, hibio ssupero brevi, subplniu), infero miiltn majore. Nucnlae obtuse tri-
quetro-ovatae, minutissime tuberculatae, apice muriculatae.
Plant. 20—30'^" alt. Cal. 4«"° lg. , fiuct. 5™" lg.
Fol. IV2-2™ lg.; l-iy^™ lt. I Coroll. 7—8""" lg.
Lycia: Ad Tsclieschme et Guruva. (14. VII.)
Der N. camphorata Rois.s. et Heldr. nahe verwandt luid von sehr ähnlicbem Habitus. Doch sind <lie
Blüthen noch etwas kleiner, die Form des Kelches nähert sich mehr derjenigen der Arten aus der Seclion
Orthonepeta Benth., die Corollen sind bedeutend kleiner, einfarbig gelblichweiss und besonders nach dem
Verblühen auffallend stark gekrümmt; die einzelnen Wirtel sind endlich reichblüthiger und weniger weit von
einander entfernt oder wenigstens im oberen Theil in eine ununterbrochene Ähre verschmolzen.
23. Nepeta Lycia Stapf (n. sp.).
Elata, remote foliata, viridis, in paniculam angaste contractam, laxani, sparsifloram abeuns.
Caulis quadrangularis, breviter pubescens, glandulis sparsis obsitus. Folia infima. . .., intermedia scssilia,
e basi subcordata ovato-oblonga, obtusa, utrinque, impriniis in facie dorsali, glandulis chlorophaeis conspersa,
tenuiter pubescens, crebre ac obtuse dentata, superne in floralia minora abeuntia. Verticillastra e cymis binis
hmgiusculis, pedunculatis, iteratim dichotomis 3 — 5 floris formata, in ;uigustam paniculam congesta, sua longi-
tndine vel inferiora longius remofa. Bracteolae setaceae, tnbi dimidinm aeqiianfes vel breviores. Calyx fruetifer
snbsessilis, ovato oblongus, sulcato-striatus, minute puberulus, glandulis iutcrmixtis couspersus, deutibus acfpia-
libus lanceolato subulatis, tubo aequilongis, acutis, nervo usque ad apicem percursis, margine membranaceo-
marginato, breviter ciliatulo. CoroUa ....
Nuculae atrobrunneae, oblongae, tenuiter tubcrculatae, apice minute muriculatae.
Fol. iuterm. 3'/j — 4"" lg.; 2"^"' lt.
Cal. 8"™ lg.
Nucul. 2""" lg.
Lycia: Ad Gjölbaschi. (15. V.)
Der Nepeta Me.ila Stapf sehr nahe verwandt, aber durch die noch schmälere, lockere, relativ armbliithige
Rispe, grössere Kelche und Früchtchen verschieden.
24. Seutellaria Orieivtalifi Linuö. Spec. plant, od. 1. p. .-,9s. (1703).
Var. piiiihaUßda Reiclieub. Ic. bot. sou pi. eiit. |). 10. t. VIII. f. 16. (IS23}. — Ledi^b. Fl. Koss. t. III. p. 395
(1847— IS49). — Jaub. et Spach. 111. pl. Or. V. p. 14. t. 413. (1854). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 082. (I879J.
Carla: Ad Gozlar. (11. VI. 1881.) — Lycia: 8upra Karakiöi. (2. VIIL 1882.)
Var. alpina Boiss. Fl. Or. IV. n. 682. (1879).
Lycia: In iugis montis Ak Dagh. (17. VII.)
25. Seutellaria brevibracteata stapf, (n. sp.)
Basi indurata radicans, caules inferne nudos, ramosos vel simplices ascendentes cdeus, tota glanduloso-
pubescens, superne praeterea pilis longioribus patule viscoso-birta, foliis parvis, racemis laxis, eloiigatis,
bracteis brevibus.
Caulis inferne uudus, basi glabrescens, superne indumento supra indicato obsitus, quadrangularis, rigidus.
Folia cauiiua late triaugulari-ovata, basi truncala, obtuse crenato-dentata , petiolo dimidio breviore sulfulta;
ramulina ovato-elliptica vel elliptica, Integra vel obsolete paucicreuata, obtusa, breviter petiolata; floralia
petiolata, ovata vel oblouga, superne cito minora, calyce florifero breviora, pedicellos demum pauIo superantia
vel vix aequantia, omnia glanduloso-pubescentia, glandulis aureis. Calyx pilis brevibus et aliis longis glandu-
ligeris hirto-viscosus, dorso squama demum longa ac lata instructus; fruetifer bracteas florum saltem inter-
mediornm supcriorumquc duplo et ultro snjjcrans. CoroUa fulvo-violacea, breviter hirtula, calyce quadriiplo
lougior.
lOO Otto Stapf.
Plant. 25—35'='" lg.
Fol. caul. 17-20-"'° lg.; 15—111""" lt.
Bract. interm. 3-4""" lg.; 2-3'"'" lt.
Cal. demum 6'"" lg. ; 4™™ lt.
„ squam. 4""" lg. et lt.
CoroU. 14-16'""" lg.
Lycia: Inter Kiiju Jaila et Balbura. (20. VIII. 1882.)
Leider liegen nur wenige, ziendich .schleoht erhaltene Exemplare vor. Soviel scheint aber sicher zu sein,
dass diese Art mit i<einer des bisher bekannten Scutellarien zu identificiren ist. Ziemlich nahe steht sie der
S. liirta Sibth. et Sm., unterscheidet sich aber von ihr sofort durch den lockeren BlUthenstand, durch die
kleinen Braeteen , verhältnissmässig höheren Kelche und schlankeren Blütheu. Eine Eigenthümlichkeit der
Pflanze ist das Itesonders an einzelnen Exemplaren stark hervortretende gelblichgrUne Colorit, das zum Theil
durch die goldgelben glänzenden Drüsen bedingt wird.
26. PruiieUa milf/ariS Li und Spec. plant, ed. 1. p. 600. (1753).
Lycia: Ad Gilewgy Jailassy, inter Baschibunar et Gürdef Jaiiassy. (19. VII.)
27. SidsriUs curvidens stapf, (n. sp.).
Annua, pumila, pilis mollibus sublanata, e collo raniosa, ramis prostratis, diifusis fere a basi in racemos
elongatis, t'oliis perpaucis basilaribus confertis, floribus vix magnitudiue S. Romanae, corolla parva tubo vix
exserta, alba.
Caulis pilis longis, mollibus patulis lanato-villosus. Folia basalia obovata, in basin attenuata, crenato-
deutata, intima obtusa, caetera mucronata; floralia oblonga, obsolete dentata vel intcgra, apiee pungente-mucro-
nata, omnia piÜs longis, mollibus, subadpressis lanato-viilosa. Verticillastra 6 flora, primo approximata, deinde
distantia.
Calyx breviter pedicellatus, basi saccato-gibbosus, pilis longis, mollibus laxe villosus, dentibus anticis
quaternis, e basi triangulär! spinnloso-aristatis, incurvo-reflexis, postico maximo late ovato, spinnloso-aristato.
Corolla alba parva limbo calycis tubum vix superaute, labio infero trilobo, lobo niedio multo majore, supero bre-
viter lineari, illo subduplo breviore.
Plant. 2—3™ alt.
Fol. basal. 14-17™ lg.; 7 — 10™ lt.
„ floral. interm. 7 — 9"" lg. ; 3 • 5 — 4 • ö"" lt.
Lycia; In Acropoli urbis Xauthos. (2'i. IV. 82.)
Cal. tot. 7—8""'" lg.
„ tub. 4"""" lg
Coroll. tub.: 37,
1 / mm
28. SideritlS Stricta Boiss. et Heldr. in PI. An.at. exs. 1S46; üiagn. S6i-. I. f. 12. p. 72. (ISö.S), Fl. Or. IV. p 713.
(1879).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (29. V. — 21. VI.)
29. SideritlS lanflta Linue 8pec. plant, ed. 2. p. 804. (176.!). — Boiss. Fl. Ur. IV. p. 706. (1879).
Syn.: S. deyans Murr. Obs. plant, min. cogn. in Comui. (iott. I. p. 92. t. 4. (177S). — S. niyricmif Pers. Syn. II.
p. 117. (1807).
Lycia: Ad Budrun. (14. V.)
30. SideritiH remota D'Urvillo Enum. pl. p. 66. (I822). — Boiss. Fl. Gr. IV. p. 707. (1879).
Lycia: Loco natali non indicato.
31. SideritiS linearis A. DC. Prodr. XII. p. 44S. (1848) \m) wm. S. Lilmimllmc La Bill.
Lycia: In ruinis monasterii supra Owadjik (2. VIII.); in iugo supra Karakiöi. (2. VIII.)
32. StacJiyS Cretica Sibth. et Smith Fl. ür. Prodr. I. p. 408. (18O6), Fl. Gr. VI. p. 47. t. 558. (1827). — Boiss. Fl.
Or. IV. p. 719. (1879).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (29. V.)
33. Htnehys spinulosa Sibtli. et Smith Fl. (ir. Prodr. I. p. 410. (1806). - Boiss. Fl. Or. IV. p. 746. (1879).
Lycia: Ad Sidyma et Katara.
Beiträge zur Flora von Lyden,, Carlen und Mesopotamien. 101
34. Stachys imhescens Ten. Fl. Niip. rrodr. p. XXXIV. (ISU), Fl. Nap. t. -239. (1811 — 1815). — Reiche ab. Ic.
Fl. Germ. XVm. t. 12. f. II. (1858;. — Boiss. Fl. Or. IV. p. 745. (1879).
Lycia : In nionte Nif Dagb.
35. Stachys lavandulaefolia Vahl. Symb. l. \>. i->. fi790). — Boi.ss. Fl. Oi-. IV. p. 743. (i879).
.Syn.: St. parva, florilms parimreis Bii.xb. PI. ceat. V. p. 3-_>. t. LXI. f. 1. (1740;. — Zklenia Orien/alis (ileclitsch in Act.
ßerol. 1766. p. 3. exBcntli. — SUIeritis calycanllut Marsch, a Bicb. Fl. Taiir. Caiie. III. p. 393. (IS19).
Lycia: In cacuiuine ad meridiem vergente mdiitis Ak Dagh. (17. VII.)
3lj. Lamium amplexicaule Liun6 Spec. plant, ed. 1. p. 579. (1753;.
Lycia: In ditioue fontium fluminis Fellen Tschai; inter inontes Mendes et Baba Dagb. (2\. V.)
37. Lamium cymbalariaefolluni Boiss. iuBourg. Exsicc. Lyc. isco; Fl. Or. IV. p. 759. (i879).
Lycia: In cacumine ad meridiem vergente montis Ak Dagb. (17. VII.)
38. LmniuiU lUOScJuitU/tn Mill. Dict. jard. IV. p. 3-29. (1785). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 765. (1879).
Syn.: L. adijcinum D'Urv. Enmu. ]). 07. (1822). — L. ochroleucum Link in Linn. IX. p. 574. (1835).
Lycia: Ad Rudrun. (14. VII.)
39. Lamium reniforme Montbr. et Auch, in Herb. Moutbr. teste Benth. in Ann. sc. nat. .Scr. II. VI. p. 47.
(1836).
Syn.: L. striatum var. reniforme Boiss. Fl. Or. IV. p. 756. (1879).
Lycia: Ad Acropolin supra Bazcrgyan Jailas.sy. (26. IV.)
40. Lamium la.sioclades Stapf (n. sp.;.
E trunco iudnrato, valde abbreviato multos caiiles, humile.s, ascendentes, dense patiile-villosos edens, foliis
inferioribus longa, superioiibus breviter petiolatis et internodiis siiperne abbrcviatis ideoqiie laminis interne
caules eonspicuos praebentibu.s, superne aggregatis floribus carneis dimidio superiore e foliis exsertis.
Caulis quadrangularis, circumcirca dense pilis albis, patidis, diametriim aequautibus villosus. Folia infima
parva, rotundato-ovata, basi subeordata vel triincata, obtusa, obtuso-erenata, teuiiiter puberula, petiolo diiplo tri-
plovc longiore, gracili, villoso siiffulta, intermedia multo majora, caeterum coufomiia, superiora verticilliim inti-
nimn fulcrantia, aequalia, sed petiolis laminas aequantibus vel iis brevioribus, summa etiam brevius petiolata,
miiiora. Bracteae subulatae calycum tubos aequantes, villoso-ciliatae. Verticillastra plerumque biaa pauciflora
valde approximata. Calyx tubulosus pilis albis, longioribus brevioribiisque, patulis et glaudulis breviter stipitatis
conspersus, dentibus e basi triangulari subaristatis, subaequalibus, tubo paulo brevioribus. Corolla calyce triplo
longior, tubo gracili, recto, superne scnsim ampliato, intus nudo, galea recta, tubo triplo et ultra breviore, extus
bii'suta, breviter biloba, labio infero lobis lateralibus brevissimis, latissimis, obtusis, intermedio bilobo, lobulLs
rotundatis, obtusis, deflexis. Stamina filamentis birtulis, antheris hirsutis.
Fol. interm. pet. 2—27/™ lg.
Cal. 10-12™" lg. (tub. G— 7""".)
Coroll. 3'™ lg.
Plant. 7 — 8*^™ alt.
Fol.inf. lam. 5— 9™™lg.; 6— 10""° lt.
„ „ pet. 1-5=™ lg.
Fol. interm. lam. 10—15™™ lg.; 13—16™™ lt.
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagb prope Kjäcbta. (1883.)
Lamium lasiodades scbliesst sieb am näcbsten an die Arten aus der Gruppe des L. strialmn^^Wyih. etSm.
an, ist aber von allen durch die dichte zottige Behaarung der Stengel, länger gestielte und relativ grössere
blütheiiständige Blätter und etwas abweichenden Habitus ver.schieden.
41. Jiallota PseudodiCtamUS Linne Spec. plant, ed. 1. p. 583. (1753; snh .Murnihio. —Boiss. Fl. Or. IV. )>. w2.
(1879;.
Lycia: Ad Üziimlü.
102 Otto Stapf.
42. Phlont/iS lunariaefolkl Sibth. et Smith Fl. Gr. Prodi-. I. p. 414. (I,s06j. — Boiss. Fl. Or. IV. p. 785. (1879).
Lycia: Ad Guruva. (15. VII.)
43. PhlomiS ViSCOSa Poir. Eneycl. m6tb. V. p. 271. (;m XII. = 1804). — Beuth. in DC. Prodr. XII. p. 540. (1848).
Boiss. Fl. Or. !V. p. 788. (1879).
Syn.: P. glandulosa Schenk PI. sp. Aog. Arab. Syr. p. 20. (1S40).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (29. V.)
44. Fllloinls lAfCla Don. in Tayl. Ann. nat. hist. VII. p. 458. (1841). — Benth. in DC. Prodr. XII. p. 541. (1848) —
Boiss. Fl. Or. V. p. 78G. (1879).
Lycia: Ad Acropolin supra Bazergyan JaYlassy (26. IV.) — Carla: Ad Loryuia.
45. Phlomis Armenidca Willd. Spec. plant. III. p. 1I9. ri800). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 7S.^. (1S79).
Lycia: Ad Auar et Subascbi JaTla (16. VII.); in declivibus montis Ak Dagh, fere 1600"' s. m.; ad Katara.
(23. VlIL)
46. Aiuga IJycin stapf (n. sp.).
Humilis, aimua (?), e stirpe valde abbreviata plures ramos basi procumbentes, superne ascendentes, fere ab
infima parte in racemuni inferne deinde laxiusculam abeuntes edeus, tota pilis longis, albis incano-villosa,
flnribus Inteis mediocribus.
Caiilis brevissimus, iudiimento supra indicato vestitns. Folia infima lauceolata, paucideutata vel anguste
cuneato-linearia, infra apicem utrinque deute iino aucta; floralia anibitu obovatocuneata, trilobata vel tripartita,
lobis inferiorum foliorum breviter lauceolatis, interdum parce denticulatis, superioriim linearibus elougatis,
obtusis, lateralibus medio distincte brevioribus, incano-villosa, iraprimis versus basin, ideoque caule et partibns
foliorum basalibus villo albo occultis. Calyx tubo villosiilo, dentibus, summo brevissimo excepto, eo sublougio-
ribus, e basi triangulari-laneeolatis, acutis, longe villosis. Corolla tubo recto, caiyce dimidio longiore, labio
supero brevissimo, retuso, villoso, infero lobis lateralibus brevibus, triangularibus, obtusiusculis, medio bilobo,
iuteo, basi rubropunctato, tota calycem fere 4plo superans.
Plant. 3 — ö"' alt.
Fol. flor. interm. 12— 15"'"' lg.; 7— <)"'"' lt.
Cal. 5—6""'". lg.
Coroll. tot. 18—20"'"' lg. (tub. g»")
Lycia: In monte Nif Dagb. — Carla: In monte Ujuklu Dagh.
Diese Art, der im Orient offenbar reich gegliederten C/wa-Gruppe angehöiig, ist besonders durch ihren
Wuchs, die im oberen Theil ziemlich dichten Blüthenstände, und ihre grauliche Behaarung, sowie durch die aus
dreieckiger Basis gleichmässig zugespitzten Kelchzähne charakterisirt.
47. AllKja Chkl Schreb. PI. unilab. p. 25. (1774). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 8o2. (1879).
Syn.: Teucrium Chia Poir. Eneycl. ineth. Suppl. II. p. 772. (1811).
Lycia: In iugo supra Karakiöi. (2. VIII.)
48. Aluga ClmmnepUyS Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 5G2. (1753) sab Teticrio. — Schreb. PI. unilab. p. 24. (1774).
— Boiss. Fl. Or. IV. p. 802. (1879).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (29. V.)
49. Aluga vestUa Boiss. Diagn. Ser. I. f. 5. p. 62. (1844), Fl. Or. V. p. 803. (1879).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (29. V.)
50. Aiuga cuneatifolia Stapf (n. sp.).
E stirpe lignosa, brevi plures ramos basi indurato.s, ascendentes, floriferos et brevissimos, alios dense foliatos
edens, humilis, cano-viridis, lanato-villosa, late cuneatifolia, racemis densiusculis, verticillastris bifloris, floribus
luteis mediocribus.
Beiträge zur Flora von Lycien, Carlen und Mesopotamien. 103
Caulis circumciica patule lanato villosiis. Folia iufima parva, cuneato liuearia, apice obtiise tricrenata vel
breviter trilobata, ramulorum non floriferorum oblongo-elliptico-spatluilata, paucicrcuata; floralia exacte cnneata,
breviter triloba, lobis lateralibus nicrtio paiilo miiioi-ibus, omnibii.s pilis longis, iiiollibus, patiilis plus minus dense
vestita. Calyx villoso-lanatus, tubo brevi, deuium late campauulato, deutibus co paulo longioiibus, postico bre-
viore excepto, omnibus lineari-subulatis. Corolla villosa, tubo recto, breviter exserto, labio supero brevi.ssimo, art
basin fisso, lobis lauceolatis acutis, iufero lobis lateralibus lanceolato-lineaiibus, breviter obtusiusculis, medio
bilobo, lutco, rubro-striolato puiictatoquc, expausa calyce triplo longior. Nuculac calycis tubo paulo longiores,
in parte inferiore transverse rugulosae, in superiore foveolatae.
Lycia: In cacumine meridionali montis Ak Dagb. (17. VII.)
Plant. ö-lO"^" alt.
Fol. floral. interm. 15— 25""" lg.; 9—12"™ lt.
Cal. G— 7'"™ lg.
Cor. tot. 18—20'"" lg. (tub. 8— 9"'"'.)
Nucul. 2Vj""" lg.
A. ctmeatifoliu bildet nacb dem Bau der Corolle den Übergang von der Section Chamaepitijs zu Pheboanthe,
bei welcber der Seblitz durcb die Oberlippe der Corolle sieb bis zur Mitte des Tubus fortsetzt. Im Übrigen
scbliesst sie sich an^. Chia an, von welcher sie sich, wie von den anderen Arten der CItamaepiti/s-GrnpTpe, sofort
durch die breit-keilförmigen Blätter mit ihren äusserst kurzen Lappen unterscheidet.
51. AlUfja sallcifoUa Scln-eb. Ic. ut descr. dec. I. p. 17. t. 9. (1766) aiili Tciia-iu, PI. unilab. p. 26. (1774). — Sibth.
et Smith FI. Gr. p. 22. t. 526. (1826). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 800. (1879).
Syn.: Teiicrinm salicifoJhim Liune Maut. ]). 8u. (1767).
Lycia: Ad Owadjik. (1. VIII.)
52. AliKja argyrea stapf (u. sp.).
E stirpe brevissima crassa, lignosa ramos procumbentes vel ascendentes, brevc.s, floriferos et brevissimos,
alios dense foliatos, hoc anno non florentes edens, humilis, tota densissime arachnoideo-villosa, foliis cuneatis,
basi laxiusculis, racemo denso, fioribus liiteis, mediocribus.
Caulis circumcirca dense arachnoideo-villosus. Folia ima et ramulorum vcgetorum anguste cuneata, subin-
tegra vel bicreuata vel apice brevissinie triloba, lobis obtusis, obovatis vel suramoruni lincaribus, omnia den-
sissime arachnoideo-villosa, interdum villo inter se contecta. Calyx totus longe lanato-villosus, dentibus tubo,
postico brevi excepto, paulo longioribus, lineari-subulatis. Corolla tubo subrecto, calyce fere duplo longiore,
labio supero brevissimo, retuso, sinu lato, infero lobis lateralibus brevibus triangulari-lanceolatis, obtusiusculis,
medio bilobo, tota calyce 3 — 4plo longior.
Plant. 3—5'='^ alt.
Fol. interm. flor. 10—15"" lg.; 6—8"" lt.
Cal. 5"" lg.
CoroU. 15—18"" lg.
Lycia: Ad Acropolin supra Bazergyan JaTlassy.
Eine durch das dichte weisse Haarkleid sehr ausgezeichnete Art. Mit A. boiiibi/cina nahe verwandt, aber
nicht einjährig oder dünnwurzelig, wie diese.
53. TeUCrium Creticmn Linne Spcc. plaut. ed. l. p. 563. (1753;. — Beuth. Lab. p. 666. (1832— 1836>
Syn.: T. hyssopifolium Schreb. PI. uuilab. p. 2s. (1774). — T. rusiiuirinifoliuin Lam. Dict. II. p. 693. — T. Charamu-
niense. — Cav. Descr. p. 82. (1802).
Lycia: In monte Nif Dagh. (5. VI.)
54. TencriUin Folium Liun6 Spec. plant, ed. l. p. 566. (1753). — Benth. in ÜC. I'iodr. XII. p. 592. (1848j quoad
var. 7. vuhjurh Boiss. Fl. Or. IV. p. 821. (1879).
Var. intertnedimn Öelak. in Bot. Centr.-Bl. XIV. p. 152. (1883).
Ad Eskere Sowany.
104 Otto Stall f.
Vav. latmytnosum Celak. 1. c.
Lycia: Ad ruinas monasterii supra Owadjik. (2. VIII.)
hb. Tencritint alyssifoUitin stapf (n. sp.).
8uffrutex humilis, ramis vetustis bnmneis, denudatLs, hornotini.s brevissime albo-tomentosis, foliis subin-
tegri.s, iitrinquc canis, floribns pauci.s, solitariis in folioruiii superioruni axillis, roseis (?).
Cauli^i obtuse quadraugularis, brevissime et adprcssissiinc albu-toiiieutosus. Folia elliptica, acuta, iu basi
attennata, ferc petiolata, maigine rcvoluta, iiitegra vel interdum dente uno a,ssymetrice aucta, iutima fasci-
culifera, supcine in floralia conformia, minora calyces superantia abeuntia, omnia utrinque adpresse incauo-
tomeiitosa. Flores solitarii in foliorum floralium axillis, peduncnlo calycis tubo aequilougo. Calyx canipaniilatus,
rectus, aequalis, nervis deceni, iinpriiiiis 5 in dentes abeuntibus, proniinnli.s, endcni indumento ac folia vcstitns,
dentibiis subaequalibiis, c basi triangulari-subulatis, acutissiniis, tubo aequilongo. Corolla tubo brevissimo, lobis
quattnor posticis late lanceolatis, obtusis, intermedio subtus secundum lineam crispule piloso, late elliptico, ob-
tusissinio ; staminibus longa exsertis, basi villoso-pilüsis.
Rami florif. 7— 8*^" alt.
Fol.: 16— 18™"" lg.; 5— 7°"" lt.
Cal. 5—7""" lg.
Cor. tub. post. 2'""' Ig.
Cor. lob. post. 7'""'lg. ; 3— 4"""lt.
„ „ intermed. 10'""Mg.; 7"'"' lt.
Cor. tot. (expansa) 2™ lg.
Stam. exp. 18">"' lg.
Lycia: Ad Clicrtek. (8. VI. l.SSl.)
Diese schöne Pflanze liegt leider nur in einem einzigen, allerdings gut eihaltencu Exemplar vor. Sie steht
dem T. ^rcawMWJ Boiss. und T. PestalozzaeBoisa. am nächsten, unterscheidet sich aber von ersterem durch
etwas kleinere, manchmal unsymmetrisch gezähnte Blätter und kleinere Blüthen mit grauem Kelch. Von
T. Pesfalozzae Boiss. weicht sie durch die dichte, angedrückte, fast spinnwcbig-filzige Behaarung des Stengels,
der Blätter und des Kelches, durcli breitere Blätter, kürzer gestielte und, wie es scheint, anders gefärbte
Blüthen ab.
56. Teucviuin ChamaedryS Linne Spcc. plant, ed. l. p. 565. (1753). — Boiss. Fl. Ol-. IV. p. Sic. (1879).
Lycia: Ad Guruva (14. VII.), Subaschi-Jaila (16. VII.), Baschibunar et Gürdcf Jaila (19. VII.), ad ruinas
monasterii supra Owadjik et supra Karakiöi (2. VIII.) — Caria: Ad Go>*]ar et Piankaifii.
57. TeuCl'iuni Siehei-i Öelak. in Bot. Cuntr.-Bl. XIV. p. IST. (1883).
Syn.: T. divarkatiis Boiss. Fl. Or. IV. p. 8ie. (1879) ex parte.
Lycia: Ad Gjölbaschi (22. VI.) et in iugo supra Karakiöi. (2. Vm.)
Oleaceae.
1. PhylUrea media Linnö Spoc. plant od. -2. t. l. p. lo. (1762). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 37. (1879).
Lycia: In monte Baba Dagh; ad Gjölbaschi (2b. VI.) et (24. VI.); in ditione fontium fluminis Fellen-
Tschai. (26. IV.)
2. FfaxinUS Onms Linne Spce. plant, ed. 1. p. 1057. (1753).
Syn.-. F. ßorifera Scop. Fl. Carn. ed. -2. T. II. p. •282. (1772).— Oruns Ennipma Fers. Syu. I. p. 9. ^1807).
Lycia: Ad Tscheschme. (14. VII.)
Apocyneae.
NeHum Oleandef Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 209. (1753).
Lycia: In valle Dembra. (26. VI.)
Beiträge zur Flora vun Lycien, Carlen und Mesopolumien. 105
Asclepiadeae.
1. VincetOXiCUni canescens Willd. in Nov. Act. Nat. Cur. III. p. 418. siib Asdepkidc. — Roem. ut Schult. Syst.
VI. p. 8-2. (\HW). — A. DC. l'roilr. XHI. p. 523. (1844). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 52. (1879).
Lycia: In acropoli supra Kadyanda (4. VI. 1881); ad Gjömbe. (ly. VII. 1882.) — Mesopotamia superior:
In monte Nemrud Dagh prope Kjäclita. (1883.)
Specimina minus canescentia foliis lougius petiolatis.
Lycia: Ad Siibaschi Jaila.
2. Cyomira erecta Liune Spec. plant, cd.l. p.2i;i. (I753) sub Cijiiaii — Griseb. Spie. II. p.69. (1843;. — Boiss.
Fl. Or. IV. p. 62. (1879;.
Syn.: üynanchum erectuin Jiieq. Mise. I. p. 26. t. -2. f. 1. (1778).
Lycia: Ad Chertek; in valle Dembra. (26. VI.)
Stellatae.
J. Plltoria Caldhfica Liunö Hl. Suppl. p. 120. fl7Sl) sub Aspmtla. — Pers. Syn. I. p. 524. (1805). — Boiss. Fl. Or.
III. p. 12. (1875).
Syn.: Sherardia foetidissima Cyr. Plant, char. comm. p. LXIX. (1784).— Piwdla fudidissima Cyr. Plaut, rar. Ncap.
f. I. p. VII. t. I. (1788).
Caria: Ad Piankaifa.
2. Orticlanella latifolia Linne Spcc. pl. ed. 2. p. 1U8. a763). — Boiss. Fi. Or. III. p. 20. (1875).
Lycia: Ad Chertek.
3. Crucianella disticha Boiss. Diagn. Ser. I. f. 3. p. 25. (1843), Fl. Ur. IV. p. 21. (1875.;
Caria: Ad Gozlar. (11. VIL 1881.)
4. Asj)€ritl<l <jlonierata Marsch. aBieberst. Fl. Taur. Gaue. I. p. 107. (1808) sub Cruciandla. — Griseb. Spicil.
II. p. 166. (1843). — Boiss. Fl. Or. III. p. 28. (1875).
Lycia: In cacumine meiidionali montis Ak Dagh. (17. VII. 1882.)
.5. Asperilla arvensis Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 103. (1753).
Lycia: In monte Nif Dagh (5. VL 1881); intcr moutem Baba Dagli et Minaia (21. IV. 1882V, ad Budrun.
Caria: Ad Gozlar. (^11. IV. 1881.)
6. üttbia OUvieri Kich. in Mm. Soc. Nat. Par. V. p. 132. (1834).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (24. VL 1882.)
7. Asperilla Lycia staiit.
Caespitosa, pumila, rauiis aniiotiui8 prostiatis, denudatis vcl partim l'oliis vetustis, exaridis vestitis, horuo-
tinis dense foliosis, ascendentibu«, glabrescens, foliis parvis, floribus paulo c caespite exsertis magnitudine
eorum A. nitkhie vel paulo minoribus, luride rubellis.
Folia quaterna, lineari-subulata, subincurvo-crecta, nervo crasso, paliidiorc percursa, margine uon vcl vix
revoluta, minutissime scabrido-ciliata, caeterum glabra, apice plerumqne mucronata vel sallem acuta; floralia
lanceolata, niagis plana, caeterum infcrioribus consiinilia. Calyci.s limbu.s obsoletu.s. Corolla iiifundiliuliforuii.s,
sensim ampliata, extus glabra, luride rubclla, lobis lanceolatis, obtusiusculis, apice callosis et in siccatis quidem
subcucullatis, tubo 27jplo brevioribus. .Staminum antherae lineares, nigricantes. Ovarium glabrum, minutissime
parceque granulosum, stylo supra medium bipariito, stigmatibu.s subglobosis.
Caesp. 2—4'='" alt.
Fol. 4— ö""" lg.; Vj""" lt.
Coroll. tub. 2Vj — 3""" lg.
Deuksclirifleu der muthem.-naturw. Ci. L. lid. Abh.mdluuijca vuu NichtmilgUüdern,
Coroll. lob. 1—1 ' ^■""' lg.
Anth.: 1""" lg.
106 Otto Stapf.
Lycia: In cacumine montis Ak Dagh. (17. VII.)
Der ^. /«Y/rf« '^ibtli. vei-waiidt, aber durch kürzere, weniger gekrümmte, trocken nicht glänzende und
kurzbespitzte Blätter, kleinere BlUthcu mit stumpferen Krouenzipfeln und schmäleren Anthcrcn deutlich
verschieden.
8. Asperula bri/oides stapf.
Puniila, basi suflfruticulosa, densissime caespitosa, ramis vetustis denudatis, annotinis foliis exaridis, griseis
vel argenteis plus minusve vcstitis, hornotiuis ascendentibus vel erectis, floriferis laxius, vegetis densissime
Ibliatis, pallide viridis, minute puberula, floribus majusculis, luride roseis paulo exsertis, ad ramulorum apicem
congestis.
C'aulis quadrangularis, in aciebus pallidioribus et inter eas brevissime papilloso-puberulus. Folia quatcrna
incurvo-erecta, curvatura, imprimis in ramulis vegetis, distincta, anguste-linearia, intima breviora atque latiora,
omuia in aristulam albam vel mucronem attenuata, nervo valido percursa, in margine paulo revoluto dense
ciliatula, caeterum dense papillosopuberula; floralia consimiliii, ovarium multo superantia. Calycis limbus
minimus, dentato-lobulatus, cellulis superficialibus in papillas ecrescentibus. Corolla tenuiter infundibiliformi.s,
luride rosea, lobis lineari-laiiccolatis, obtusiusculis, apice callosis et in siccatis a dorso in cristulam albam
productis, tubo triplu brevioribus. Staminuni antherae anguste lineares. Ovarium papilloso-graniilosum stylo
ultra medium bipartito, stigmatibus globosis, nigricantibus.
Caesp. 3-4'^"' alt.
Fol. 6— 8""" lg.; V^"""lt.
Coroll, tub. 7—9°"" Jg.
Coroll. lob. 2V2— 3""" lg.
Anth. 1""" lg.
Caria: In monte Ujuklu Dagh. (14. VI. 1881.)
Ä. bryoides sieht habituell dichtrasigen Exemplaren der A. Gusnonü Boiss. ziemlich ähnlich, unterscheidet
sich jedoch sofort durch die grösseren Bliithen und schmälorc, i'cinbehanrte, begranntc Blätter. Von A. niliihi
und deren Verwandten weicht sie, abgesehen von anderen Merkmalen, durch die vcrhältuissmässig längere und
schlankere Kroneuröhre ab.
9. Galiuni pulchelluni stapf (nov. spec).
E basi prostrata vel ascendente, denudata erectum, glabrum, laeve, caule firmulo, internodiis inferne
abbrcviatis, superne valde elongatis, infra medium ranioso, ramis repetite trichotomis elongatis ac ramulis
inaequalibus, nempe altero lateralium magis, altero minus quam alari aucto, quare panicula subcorymbosa in
corymbulis obliquis disposita, floribus an)is, majusculis.
Caulis quadrangularis, glaber, laevis. Folia sena vel septena lineari lanceolata, subplana, acuta vel
mucronata vel summa brevitcr aristulata, nervo tenui percursa, glabra, laevia; floralia cymulas fulcrantia bina
vel solitaria lineari-subulata, brevia vel obliterata. Corolla lobis ovatis, acutiusculis nee mucronatis nee aristu-
latis. Antherae pallidae, oblongae. Ovarium glabrum, stylo ultra medium bipartito, stigmatibus globosis, nigri-
cantibus.
Plant. 18—20™ alt.
Fol. 12—16"- lg.; 1— l'/^""" lt.
Coroll. diam. 4—5™'" lg.
Lycia: In monte Nif Dagh. (.5. VI. 1882.~)
Dieses zierliche Galium dürfte am ehesten in die Nähe des G. IdvpliijlluiH Boiss. zu stellen sein, mit
welchem es im Baue des Blüthenstandes, der allerdings viel armblUthiger ist, vieles gemein hat. Im Übrigen
weicht es aber von demselben durch seine viel geringere Höhe, kleinere und anders geformte Blüthen
u. s. w. ab.
10, Galium erevtu-ni HiuLs. Fl. Angl. p. 56. (1762). — Boiss. Fl. Or. III. p. 54. (1875).
Lycia: Ad Tscheschmc et Gnrnva. (14. VII.)
Beiträge zur Flora von Lijcien, Carlen und Mesopotamien. 107
11. Gallutn incanum Sibth. et .Smith Fl. Gr. Prodi-. I. p. 91. (,180«), Fl. Gr. II. p. ISO. (ISOG).
Syu.: G. Orientale Vitr. (ilpiiium Biiiss. Diagu. Ser. 1. f. 3. p. .'SS. (1843), Fl. Or. III. )>. r>7. (1875).
Lycia: In summa planitie montis Ak Dagh. (17. VII. 1882.)
12. Galiuni tenerum Boiss. Fl. Or. III. p. .57. llS75j pro var. G. Onentidis.
Lycia: In monte Nif Dagh. (^15. VI. 1882.)
13. Galium Carium stapf.
Nanum, dense caespitosum ramis vetustis intricatis, denudatis, annotinis foliis exaridi.s, .stramiucis vel
griseis dense vestitis, lioruotinis paulo elongatis, laxiu^s foliatis, in axillis inferioiibus plerumque fasciculos folio-
rum valde abbreviatos gerentibus, ligidiilum, glauceseens, cymulis terminalibns et in verticillo suprenio axil-
laribus 1 — 3 floris, floribus albis.
Caulis quadrangiilaris, piiberulus. Folia .sena lineavia, subplnna vel maigine leniter revoluta, in mucronem
aciitissimum, album aljenntia, subtus nervo prominente, angusto, sed distincto percnrsa, puberula, glaueescentia.
Bracteae cymnlainim axillarium solitariae, niembranaceae, angusti.ssimc laneeolatae. Corolla alba, lobis ovato-
lanceolatis breviter cuspidatis, in siccatis subcucullafis et dorso versus apicem in cristulam productis. Autberae
oblongae pallidae. Ovarium glabrum, stylo bipartito, stigmatibus globosis, nigricautibus.
Caesp. 3—4"° alt. Coroll. diam. 4""" lg.
Fol. 4—6™" lg.; 3/^_l">'" lt.
Caria: In monte Ujuklu Dagh. (14. VI. 1881.)
Dem G. OJijmpicum Boiss. nahe verwandt, aber durch die etwas breiteren, steifereu, fein behaarten,
grauliehen Blätter und im Allgemeinen kräftigere Tracht verschieden.
14. Galluni Incui'VUni Sibth. et Smith Fl. Gr. Prodr. I. p. 92. (I806j; Fl. Gr. II. p. . . t. 132. (1S13).
Syn. : G. aureiim var. inciirvum Boiss. Fl. Or. III. p. 61. (1875).
Lycia : Ad Gilewgy JaVlassy.
15. Galium vertun Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 107. (1753).
Lycia: Ad Guruva (14. VII. 1882); in declivibus montis Ak Dagh. (IG. VIL 1882.)
16. Galium Graecum Linne Mant. p. 38. (1767). — Boiss. Fl. Or. III. p. 04. (1875).
Lycia: Ad Gjölbaschi. (21. VL 1882.)
17. Galium triflorum Lam. FI. Frang. VII. p. 384. (1778) siib Va/anllu; non Miehau.x: Fl. Bor. Am. I. p. SO. (ISO.-i).
Syu.: Valiintia Aparme Linnö Spec. plant, ed. 2. p. 10.il. (1753). — G. triennie With. Bot. Arrang. ed. 2. p. 153.
(1787) et al. auct.
Lycia: Ad Gjölbaschi. (1. V. 1882.)
18. Galiuni Chium Boiss. etOrph. Diagu. Ser. II. f. 6. p. 91. (1859) pro var. (f. Miidnli Boiss.
Lycia. In Acropoli supra Bazergyau Jailassy. (26. IV. 1882.)
19. Galium humifusum Willd. Spec. plant. IV. p. 949. (IS05) sub Vdhintiii. non Marsch, a Bioberst. Fl. Tanr.
Cauc. L p. 104. (1808).
Syn.: G. coronatum Sibth. et Smith Fl. (ir. Prodr. p. 90. (180G). — Valatüia .humifusa Marsch, a Bieli. Fl. Taur
Cauc. II. p. 436. (1808).
Lycia: In monte Nif Dagh. (5. VL 1881.)
20. Galium, PefSiClim DC. Prodr. IV. p. cos. (1830).
Syn.: G. coronatum 7. stenophyUum Boiss. Fl. Or. III. p. 80. (1876).
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagh prope Kjächta. (1882.)
21. Vaillantitl hiMpida Linne Spec plant, ed. 2. p. 1490. (1703). — Boiss. Fl. Or. III. p. 82. (1875).
Lycia: In Acropoli snpra Xautbos. (^23. IV. 1882.)
o*
108 OHu Stapf.
Capritoliaceae.
1. Lonicera numnmlarkiefolia j.iuh. et sp.uii lll. Or. l. p. i.is. t. 70. (is4-2— 43). — Boiss. Fl. Or. Iir. p. 7.
Lycia: Ad Auar. (16. VIT.)
2. Lonicera lUrunra Santi Viagg. Tose I. p. 113. 1. 1. (i79r)). — Boiss. PM. Or. III. p. 5. (1875).
Lycia: Ad Tscbe.schme. (14. VU.)
3. Lonicei'o LiiseJiani stapf (imv. spec).
Frutex crebre foliis miuoribus obsitus, veiticillis bittoris, subsessilibus insignis, caetennii babitii L.
niyrae L.
Rarai vetusti grisei, iuniores rubescentes, crispule tomentelli, breves. Folia breviter petiolata, obovato-
oblouga, obtusissima vel superiora acuta, basi cuneata, infegra, utriuque torsu vero densius crispule pnbenila,
subcoriaeea, uervi.s snbtus prominulis. Vcrticilli biflori, axilhires et terminales brevissime peduncnlafi. Bractcae
lil)erae, obovatae, iDpriiuis apice puberuiac, brevissiiuae. Calyx lobis ovatis, acutiusculis, ciliatis. Corolla tubo
a basi sensim apliato, supra medium leuiter curvato, limbo aequilongo puberulo, flavescens. Filameuta atque
Stylus pilosa.
Fol. 2-b~3"^ lg., 17^ — 2™ lt.
Pedunc. 1—3""" lg.
Bract. 2 — 272°"" lg.
Coroll. tub. 8—9'"™ lg.
Mesopotamia superior: Tu monte Nemrud Dagh ad Kjäcbta. (1883.)
L. Luschuni stebt der L. Orientalis Lam. am uächsteu, unterscbeidet sieb aber sebr deutlicb durch die
fast sitzenden zweiblUtbigeu Quirlen, die böckerlose längere Kronenröbre und die Farbe der Blüthen.
Valerianeae.
1. Valeriana tllherosa Linne Spec. plant, ed. 1. t. I. p. 33. (1753). — B()is.s. Fl. Ur. III. p. 90. (IS75).
Lycia: In acropoli supra Bazergyau JaTlassy (26. IV.); inter montem Baba Dagb et Minara. (21. IV.)
2. Ceutranthtis lomjifloras Steven iu M6m. Snc. nat. Mose. VII. p. -272. (18..). — Leileb. Fl. Ross. II. p. 434.
(1844—46). — Boiss. Fl. Or. III. p. 92. (1879).
Mesopotamia superior: In monte Nemrud Dagb ad Kjäcbta. (1883.~)
3. Valerianella lara Boiss. et Bai. Diagn. Ser. I. 1'. II. p. 12I. (isäc). — Kiok. Mon. Valer. p. 95. t. 4. l'.4i. (1864).
— Boias. Fl. Or. III. p. 103. (1875).
Lycia: In Acropoli supra Bazergyan Jaillassy. (26. IV.)
4. Valerianella vesiraria Linii6 Spec. plant, ed. I. t. I. p. 33. (1753) pro varietate Viihriaiicm Lacustm. - Münch.
Metli. p. 493. (1794). — Krok. Mon. Valer. p. 8G. t. IV. f. 39. (1864). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 112. (1875).
Lycia: Ad Sidek Jailassy. — Carla: Ad Eskere Boghas.
.'). Valerianella ecflinata Linne Spec. plant, ed. 2. t. I. p. 47. (1762j snb Vahriumi. — Krok. Mon. Valer. p. 93.
t. IV. f. 43. (1864). — Boiss. Fl. Or. III. p. 102. (1875).
Lycia: In Acropoli supra Bazergyan Jailassy. (26. IV.)
6. Valerianella nervata Höchst, et Steud. ap. Fleisch. Exs. itin. (1S27) see. Krok. Mon. Valer. p. 85. (1804).
Syn.: V. tibtiisihba Boiss. Diagn. Ser. I. f. 3. p. 59. (1843), Fl. Or. IV. p. 112. (1375).
Lycia: In ditione fontium fliuninis Fellen Tschai (26. IV.); ad Sidek Jailassy supra Timum Kalamaki;
932"' s. m. (^14. V); inter monteiii Bai)a Dagh et Minara. (21. IV.)
Beiträge zur Flora ron Lyden, Carien und Mesopotamien. 109
7. Valerkinella GjölbdschieHsis >stapf (uov. spec).
Hiimilis, auuua, erecta, superne dichotoma, capitulis miniitis, deusis, floribus roseis.
C'aulis angulatus, striatus, infra deuse papillis retrorsis scabrido-liirtellus, superne glabreseens, in parte
superiorc (lichotüine divisus, ramis oblique erectis. Folia inferiora lineari lauceolata, obtasa, integra, intermedia
et superiora linearia, laeiuulis iiiaequalibus brevissiiiiis vel elougatis, liiiearibus, obtnsis, utrinnue 3 — 1 aiicta,
mavgine, imprimis versus basin, retrorso-hispidulo-ciliata,, dorso nervo medio angusto, valde prominente. Cymae
minutae, deuse cougestae, capituliformes. Bracteae exteriores lineari-lauceolatae, acutiusculae, anguste
membranaceo-margiuatae, erectae, inferiores e basi latiore fere totae membranaceae, triangulari-lauceolatae,
uervo versus apicem dilatato, viridi pereursae, sub antbesi calycibus breviores, omues dense ciliatae. Caiyx limbo
usque ad basiu in 6 lobos lanceolatos, longe atleuuatos, apice uncinatos divisus, basi villosus. Corolla miuuta,
limbo roseo, tubo albo villosulo. Staniina antberis flavis, tilameutis albis. Capsula (immatura) dense ])ilis brevis-
simis, adpressis vestita, postice convexiuscula, antiee salcato concava, loculis sterilibus in medio lertili iiiiilto
angustiores.
Caul. 8^"- altus. i Bract. 3-4'"'» lg.; inf. 1 y^— ] y^-'", med. 0-C.
Fol. inf. 2'"' lg., 3'""^ lt.; iuterm. 22'^""lg. : 2"""lt. | -0- 7'"' lt.
Lycia: Gjolbascbi. (1. V.)
Der ViiIen'fUH-JIa coroi/uta L. nnlie stehend, aber durch den bis an die Basis getbeilten Kelehsauni mit
seinen lanzettförmigen Zipfeln und die schmalen Bractceu verschieden.
Dipsaceae.
1. Morea PerSWa Linnö Spoc. plant, ed. 1. p. 2S. (17.53). — Boiss. Fl. Or. III. p. IM. (IST.'i).
Lycia: Ad Anar supra Gjömbe. (16. VIT.)
2. CepJutlnria Syi'ioea Liune Speo. plaut. ed. l. p. gs. (1753) sub Soihiii.'ia. —Boiss. Fl. Or. ill. p. rüO. (ls75).
Lycia: Loco non indicato.
3. KumitUi hidens Sibth. et Smith Fl. Gi-aec. Prodr. II. p.80. (1S06), Fl. Graec. II. p.e. t. 104. (isi.S) siib Scnhlnx,,.
— Boiss. Diagn. Ser. I. f. 2. p. 108. (1843), Fl. Or. III. p. 127. (187.'->).
Carla: Ad Loryma. — Lycia: Ad Sidyma et ad Acropoliu supra Kadyanda.
4. Hcdhiosa eblU'nea Smith et Sibth. Fl. (Ti-aoc. Prodi-. II. p.s2. (IsOfij, Fl. (Iraee. II. p. 9. t. 106. (181.S). — Boiss.
Fl. Or. 111. p. 138. (187j) pro var. S. Ucranicue.
Caria: Heuiirola Kaifa. (2(1 VL)
f). Sealdosa Ucranica Linne Spoc. plant, ed. 2. p. H4. (17G2). — Biiis.s. Fl. Ol-. III. p. 139. |1S7.'>: e.K parte.
Lycia: In summis aditus ad Karakiöi (2. VIIL); ad Katara.
G. Scabiosa Lycia stapf (nov. spec).
Annua, 25 — 55"'" alta, tenuiter virgata simplex vel paulo supra basin et altius ()pj)0site rainosa, capitnlis
longissime pedunculatis, meiiiocribus pallide coerulescentibus.
Canlis basi breviter pubescens, superne glaber vel hieinde pilis sparsis obsitus, inferne plus niinusvc
rubescens. Folia intima lauceolata vel oblonga, acutn, versus apicem acute dentata, in basin longe attenuata et
versus eani setuloso-ciliata; superiora vel oinnia lineari-lanceolata, demuni linearia, integra vel piunatiiida,
laciniis angustis.sime linearibus, indumcnto superiorum c(mformi vestita. Feduiiciili longissimi, infra capitula
setulis reversis hispidi, caeterum glabii. Iiivolufnim 8 — 10 pbylluni, phyllis, imprimis basi, pilis adpressis,
110 Otto Stapf.
Iiirsutis, linearibus, acuta seta brevi terminatis, floies radiantes aeqnantibus vel panlo longioribus vel brevioribus.
Involucellum tubo basi valile albo-pilosum, foveolis oblongis costa vix sulcata seiunctis eius dimidium
aequaiitibue oniato, Corona alba iuter nervös circiter 27 in aristas iam ante antbesin rufescentes vel saepius
atrorufas producta erispata, tubo duplo longiore. Calyx brevissiuie slipitatus, aristis scabvis nigris involucellum
coronae longitudine superantibus. Corollae iuteriores flavo-albidae, exteriores radiantes, caerulesceutes bisce
lobis valde inaequalibus denticulatis.
Fol. inf. 3-5-4-5™ lg.; 6—10""" lt. | Involuc. .3'""- lg.; arist. eal. G™'" lg.
Cap. diam. 2 • 5-3"". i Flor. rad. 1 • .5"" lg.
Lycia: Ad Gürlek; ad Gjölbaschi. (29. V.)
Aus der Gruppe der Sc. Vcranim h., von dieser aber durcli die ganzen, nicht gefiederten, sondern mir
"■ezähnten Blätter, die Blütbenfiirbe und die schon an den jungen Köpfclieu Fiber die Blüthenknospen weit
vorragenden schwarzen oder schwarzbraunen Borsten des Kelches verschieden.
7. HeabiOSa setulosa Fisch. etMey. in Ann. sc. nat. Ser. III. Vol. 19. p. .30. (ls.i4). — Tcliili. As. Min. II. )). 225.
t. XXVIII. (ISGO).
Syn.: S. Fhrygia Boiss. Diagu. Ser. II. f. 0. p. 96. (,1859). — .S'. Pahieittimi var. »m-mrc/ihahi Boiss. Fl. Or. III.
p. 145. (1875).
Lycia: Ad Guruva (5. VII.); iu summis aditus ad Karakiöi. (2. VIII.)
8. Pterocephalus plumOSUS Linne Mant. p. 197. (1771) sul) KiKiiiliii. — Conlt. M6m. Dipsac. p. 31. t. I. f. 15.
(182.3). — Boiss. Fl. ür. III. p. 147. (1875).
Lycia: Ad GUrlek.
Compositae.
Auctoie A. Heimerl.
1. Erigeron Mln'USense Boiss. Diaguoses plant, nov. I. 11. p. 1. (1849), Fl. Or. III. p. 165. (1875).
In summo monte Ak Dagh.
Vorliegendes Exemplar stellt eine Mittelform von E. uniflorum Linne und E. Elbrusense Boiss. dar, indem
es mit ersterer Art die längeren Liguleu, mit letzterer die nicht zottigen Involucreu gemein hat.
2. ßelUs perennis Liunö Spec pl. ed. l. p. 886. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 173.
Prope Minara.
Vorliegendes Exemplar wäre dem Habitus nach last als Mittclform von Bellis perennis L. und B. .■^i/lvet^fris
Cirillo zu bezeichnen, indem es mit letzterer Art in der Grösse übereinstimmend, doch durch kürzere, breitere
Blätter, oberwärts etwas verdickten Schaft, kleinere Köpfchen seine Zugehörigkeit zu Bellis permnis Linne
documentirt.
3. AsteriscUS aqiiaticUS Linne Spec. plant, eil. 1. p. 90.S. (175.'ij sab liuphUmbm. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 179.
Prope Eskere-Sowany et in ditione „Kasch".
4. PaleniS spinosa Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 903. (1753) sub Duphthitlmo. — Boiss. 1. c. p. 180.
Circum Gjölbaschi.
5. Inula Oculus CJuristi Linne Spec plant, ed. 1. p. 881. (17.53). — Beck Monogr. von Imda, etc. p. 41. (ISSl). —
Boiss. Fl. Or. 1. c, p. 192.
0. Imila candiiUl Linnö Spec. plant, ed. 1. p. 862. (1753). — Beck Monogr. von Lmla, etc. p. 44. (I8SI). — Boiss.
Fl. Or. L c. p. 196.
In ditione Gjölbaschi et ad ruinas supra Owadjik.
Beiträge zur Flora von Lycien, Carlen and Mesopolamlen. 1 1 ]
7. P/KUJlKtlon Graeciini Boiss. Diagn. plant, nov. I. 11. p. 6. (1819), Fl. Or. 1. c. p. 221.
In iusula Cephalonia ad Akropolin.
8. Helichrysuni scandens Sieb. Ex.sicc. swh Gnaphalwl — Boiss. Fl. Ür. I.e. p. 229. Hub H. Siciilo Spl•cnJ,^
Syn.: H. conglobatum Boiss. iu Kotschy Iter Cilic. Kurdicum. Suppl. Nr. 479!
In ditione Bazergyan Jailassy.
;». Ilclichrysmtl pUeatum DC Prodr. VI. p. 183. (1S37). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 231. (1875).
.Syn.: H. AnatoUcum Boiss. Diag. jilant. nov. I. 1. p. 11. (1844)!.
Ad ruinas supra Owadjik.
10. llelk-hrymim cMonopIlllmn, Bois». ut ]5al. Diagu, plant. Ür. nov. Sur. II. f. ö. p. 103. (1859). — Hausskn.
Exsicc. !
Syn.: JI. raUa^ii Spreng. j3. chionopliilwn Boiss. Fl, Or. 1. e. p. 230.
Var. albida Heimerl (var. nov.)..
Foliola involncraüa ut pappi trichomata sordide albida. In suranio monte Ak Dagli.
AVeicht von den ohen citirten Hau sskn echt 'sehen Exemplaren durch weissliclie Färbung der Involucren
und des Pappus, .sowie geringere Filzigkeit ab. Das ILl. rtillasii Sprengel ist leicht durch die linealen Blätter,
das Uel. 2)ti(jchi-ophilum Boiss. (Kotschy Exsicc!) durch kleinere Köpfchen zu unterscheiden.
11. Bvax AnatOlica Boiss. etHeldr. Diagn. plant. Or. I. U. p. 2. (1849) et in Heldr. Exsice. anni läl9! — Boiss.
FI. Or. 1. c. p. 243. (1875).
Prope Guruva.
12. FilmjO Gerniimica Linne Spec. plant, ed. I. p. S57. 117531 sub Ginipluilio. — Boiss. Fl. Or. !. c. p. 245. (1875).
In ditione „Gjölbaschi".
13. Mlayo spatJmlata Presl. Deliciae Ilorti Prageusis p. 93. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 216.
In inferiore valle fluvii Karanfil Tscliai.
14. Achillea setacea Waldst. et Kit. Plant, rar. Hung. I. p. 82. t. 8o. (1802). — Boiss. Fl. Or. I. c. p. 256. Compa-
ravi specimiua numerosa Orientalia!
Prope Balbura.
15. Achillea SailtoUna Linne Spec. plant, ed. 1. p. 896. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 266. (1875).
Prope Serkir- Zaillach, Anar, Gussuwa; in inferiore monte Ak Dagh.
16. Achillea falcata Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 897. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 267. (1875).
Syn.: Ä. sulphurca Boiss. in Diagn. plant. Or. I. 11. p. 18. (1849).
Prope Subaschi Jailassy ; in transgressu montium supra Karakiöi.
17. Achillea tJOttiocephala Boiss. et Bai. in Boiss. Diagn. plant. Or. II. 6. p. 98. (Is59). — Boiss. FI. Or. 1. c.
p. 268. (1875).
Ad Loiyma.
18. Achillea tet-etifoUa Willd. .Spee. plant. III. p. 2198. (ISOO). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 268. (1875). — Kotschy
Exsicc.! — Ileldr. Exsicc!
Syn.: A. microlobii DC. Prodr. VI. p. 23. (1837).
In ditione Owadjik.
19. AnthetniS Unctoria Linne Spec. plant, od. I.. p. «96. (1753)
Var. |3. discoidea Boiss. Fl. Or. I. c. p. 281. (IS75).
Syn.: A. discoidea Smith Fl. üraec. I. p. 69. t. 890. (1806).
Prope Gjölbaschi.
112 Otto Stapf.
20. Anthctnifi moiitaua (LinucV) Boiss. Fl. Or. III. p. 29i. var. a.
lu cacumine niontis Nif Dagh; prope Go/Jav.
21. Anthemis Cronia Boiss. Diagn. plant, nov. Or. II. 3. p. 22. (IS5G). — Boias. Fl. Or. I.e. p. 291. flS75j sub
variet. A. montanae L.
In summo moute Ak Dagh.
22. Anthemis mcana Boiss. in Kotschy Exsicc. e moute Tamo (1836)!
Syn.: A. moiilana ?. AiiiituUca Boiss. Fl. Or. I. c. p. 292. (1875).
Ad Sidyma.
23. Ailthemlff Carnea Boiss. Diagn. Sw-. I. l. p. 4. (I844). - Iluldr. Exsicc! — Piuaid Exsicc! — Boiss. Fl
Or. 1. c. p. 306. (1875).
In ditione Gjölbaschi et Sidek Jailassy.
24. Anthemis Pmnphylica Boiss. ut HeUlr. in Hcldr. Ex,sicc.! — Boiss. Fl. Or. 1. c p. 317. (1875).
Circum Gjölbaschi.
25. Anthemis . . . . ?
In monte Nemrud Dagh.
26. Cliamaemeltt/m discifovine C. A. Mcycr Verz. d. Pflanzen des Kaukasus p. 75 (1831) sub ChnjamUhcmu. —
Vis. Fl. D.ilm. II. p. 85. (1847). — Boiss. Fl. Or. I.e. p. 327. (1875).
Ad ruinas monasterii snpra Owadjik.
27. Chainaemelwm oreades Boiss. Diagn. plant, nov. I. G. p. S7. (1845) sub Matrkaria, Fl. Or. 1. c. p. 333. (1875).
In summo jugo montis Ak Dagh.
28. Chrysanthemum, seyetmil Linu6 Spcc plant, cd. l. p. S89. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c p. 336. (1875).
Circum Kekowa et Budrun.
29. Chrysanthemmn covonarinm Linne Spec. plant, cd. 1. p. soit. (i753j. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 336. (i875).
Prope Sidyma ; in insula Cephalonia ad Akropolin.
30. Pyrethvmn densum. Labillardierc Iconcs plautarum Syriac rariorum Uec III. p. 12. tab. 8. (1809) — Boiss.
Fl. Or. 1. c. p. 34.8. (1875).
Syn.: P. Syriacum Boiss. Diagn. plant, nov. Scr. I. f. 11. p. 24. (1849).
Prope Subaschi Jailassy ad 2000'" s. m.; in monte Nemrud Dagh.
31. Fyrethrum Aucheri DC. Prodr. VII. p. 298. (1838) sub Tamicäu. — Ilddr. Exsicc!
Syn.: I'. teiiuilobum Boiss. Fl. Or. I.e. p. 352. (1S75).
Prope Guruva.
32. Pyiethtum Cuppadocicum DC. Prodr. VII. p. 297. (1838). — Boiss. Fl. Or. 1. c p. 347. (1875).
Syn.: P. Cedrorum Schott et Kotscliy iu Kotschy Exsicc. anui 1853!
In caciiminis montis Nemrud Dagh.
33. Senecio vuh/aris Linne Spcc plant, ed. 1. p. 867. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 386. (1875).
Ad ruinas Akropolcos insulae Xautlios.
34. Calendula arvensis Linu6 spcc plant, cd. 2. p. 1303. (1763;. — Boiss. Fl. Or. I. c. p. 418. (1875).
Ad rivulos montis Fellen Tschai.
35. Ctindelia Tournefortii Linne Spcc plant, ed. 1. p. 814. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c p. 421. (1875).
In cacumine montis Nif-Dagh.
36. Bcliinops visCOSUS DC. Prodr. VI. p. 525. (I.s37j. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 130. (1875).
In infima valle fluvii „Dembre".
Beitrüge zur Flora von Lycien, Carien und Mesopotamien. 1 1 3
Ob in der That die zahlreichen von Boissier 1. c. angeführten Echinops-Arten wirklich als Synonyme
hieher gehören oder doch abzutrennen sind, wage ich nicht zu entscheiden. Jedenfalls dürfte die Länge der
Köpfchen und des Penicillums an derselben Pflanze beträchtlichen Schwankungen unterliegen und nur mit
Vorsicht zur Artenscheidung benützt werden. Die von Kotschy als „E. si/riacmBoiss." ausgegebenen Stucke
haben längere Köpfchen (Iter Syriaoum No. 7G0!), sind sonst aber ganz ähnlich, dagegen machen jene von
Boissier 1. c. (als ebenfalls hiehergehörig) citirten Exemplare von Gumgum in Armenien (Kotschy, Iter
Cilico-Kurdicum No. 412) der ganz anderen Blattform, der geringeren Dornigkeit, dann der viel kleineren
Köpfchen halber den Eindruck einer gut verschiedenen Art.
37. Echinops BUro Linnö Spec. plant, ed. 1. p. 815. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 439. (1875).
In montibus Ak Dagh et Baba Dagh.
38. Xerantheinum. sqiiarrosuni Boiss. Diagn. plant, nov. Ser. I. f. 6. p. lOi. (1845). — Fl. Or. 1. c. p. 444. (1875).
Ad Gjömbe, Owadjik, Balbura, Subaschi Jailassy, Anar, Katara; in lateribus montis Ak Dagh.
39. Tyrimnus leucographlis Linnö Spec. plant, ed. l. p. 820. (1753) sab Cardno. — Boiss. Fl. Or. I. c. p. 555.
(1875).
Prope Loryma.
40. Cirsium cynaroides Lamarck Dictionnairo des sciences natur. I. p. 702. (1783) siib Canluo. — Boiss. Fl. Or.
1. c. p. 546. (1875).
In ditione Gjölbaschi.
41. Cirsium Acarna Linnö Spec. plant, ed. 1. p. 820. (1753) sub Carduo. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 549. (1875).
Prope Gjölbaschi, Onnan^ Kalfala.
42. Onopordon Illyricum Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 827. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 500. (1875).
In ditione Gjölbaschi, Onnan, Kalfala.
Var. |3. Libanoticum Boiss. 1. c. — Kotschy Plantae Syriae Nr. 566'..
Mixtum cum typico prope Kalfala,
43. Jurinea Anatolica Boiss. Diagn. plant, nov. Ser. I. 4. p. 21. (1844), Fl. Or. 1. c. p. 574.
Syn.: J. dura Fiscb. et Mey. in Ann. d. sc. natur. IV. 1. p. 32. (1854).
Props Kadyandra ad ruinas Akropoleos.
44. Phaeopappus drabifoliUS Sibth. et Smith Flora Graeca. X. p. 7. tab. 910. (I.s70) sub Cenfaurea. — Boiss
Fl. Or. 1. c. p. 594. (1875).
Syn.: Clmrolepis drabifolia Boiss. Diagn. plant, nov. I. 10. p. 107. (1849).— Ckarlolefis drabifolia Feuzl inTchih.
Asie mineure (Botanique). II. p. 329. (1860) !
Prope Gjölbaschi.
Der Pliaeopappus L/&a«o//cMs Boissier Diagn. plant, nov. I. 10 p. 107 (184.) sub Cheirolepide dViiite kaum
von vorliegendem Phaeopappus abzutrennen sein, der, da er mit den Exemplaren vom bithynischen Olymp (dem
Originalstandorte Sibthorps) gut übereinstimmt, mit Recht als Ph. drabifoHus zu bezeichnen ist ; das für ersteren
angegebene Merkmal der kurzen Wimpern an den Involucralblattanhängseln ist, nach den verglichenen Exem-
plaren zu schliessen, wohl ein sehr unconstantes.
45. Cenfaurea Luschaniana Heimerl n. sp. ex .affinitate Centaurea Cadmeae Boiss. (Sect. Phalolepis).
Tota adpresse cano-tomentosa, rarius hinc inde paulum glabrescens, oaespites humile.s, sat densos for-
mans, perennis. — Radix lignosa, verticalis, superne in rhizoma brevc, pluriceps abiens. Gaules complurcs
adsceudentes vel erectiusculi (10— lö^'^alti), rarius simplices, saepius a medio aut superne in ranios 1 — 3 erecto-
patentes divisi, angiilati, vix crebre foliati, 1—3 cephali. Folia basilaria adulta dense conferta (5'='" longa,
1-4— 1-5'''" lata), petioio laminam ambitu obovato-oblongam aequante, pinnatisectain seginenta (^2— 3 utrinque)
Denkschriftea der malhem.-naturw. Gl. L. Bd. Äbhaadluagoa vou NicUtinitgliedora. p
114 Otto Stapf.
lanceolata, integerrima , obtusiuscula, lobo teriiniuali segmentis lateralibiis duplo latiore vel obovato-oblongo
vel obovato-Ianceolato vix acuminato; folia caulina (praeter infima partita) integra, parva (media 11°'" longa,
2-5"'"lata), basi parum angustata sessilia, lineari-lanceolata, acuta. Capitula solitaria, minora (15 — l?™"
longa, 12—14'"'" lata), basi bracteis minutissimis suffulta, ramos parce foliatos ad 20 — SO"""" longos terminantia.
Involucra ovato-oblonga (8 — 10'"'" longa, iuferne 5'""" lata), glaberrima; foliola involucri inferue adpressa,
appendicibus parum cucullatis, inferiora breviter lanceolata, superiora late, summa elongata, lanceolata, stria-
tula, viridescentia marginem versus pallida, antice in appendicem triangulari-lanceolatam plus minusve fusces-
centem, foliolo ad 2— 3plo breviorem, minute tenuiterque cuspidatam atque in lateribus membranam latissime
hyalinam, nitidam denticulatam vel laciniatam gereutem, producta. Flores marginales radiantes vel pulcbre
purpurei vel albescentes, flores disci hitescentes ob antherarum tubum rosaceum quasi variegati. Achaenia
immatura lutescentia, matura bruunea ac nitidula, luteo-striata, glabriuscula, compressa (cum pappo ß™"^, sine
pappo S"'" longa); pappi persistentis albi series Intermediap achaenium aequant, series intima achaenio ad
3 — 4plo brevior.
Habitat in transgressu montium supra Karakiöi Lyciae, ubi legit clar. D'''- Luscban. (2. VIII.
1882.)
Centaurea Luschaniana kommt in der Section Phalolepis der vielgestaltigen Gattung offenbar der C. Cadmea
Boiss., dann der C. Lycia Boiss. am nächsten, während sich die anderen von Boissier Flora Orient. 1. c.
p. 622 — 627 angeführten Arten so bedeutend von vorliegender, zierlichen Pflanze unterscheiden, dass sie kaum
bei einem Vergleich in Betracht zu ziehen sind. — Cenfaurea Cadmea. Boiss. unterscheidet sich nun, soweit
sich dies aus der Boissier'schen Beschreibung entnehmen lässt, durch reichköpfigere (5 — 7-köpfige) Stengel,
durch mehr getheilte Stengelblätter, von denen nur die obersten ungetheilt, durch Köpfchen, welche an Grösse
fast jene der Centaurea alba L. erreichen, durch verlängerten, borstigen Dorn der Involucralblätter, endlich
durch längere Pappusstrahlen, von denen die der mittleren Reihe das Achaenium um ein Drittel an Länge
übertreffen, etc. — ■ Centaurea Lijcia Boi'ss. hat die Basalblätter ungetheilt oder leierförmig gelappt, den End-
zipfel derselben gezähnelt, dann stumpfe entweder unbedornte oder mit ungemein feinem Enddorn versehene
Involucralblätter. Beide Arten kenne ich übrigens nur aus der Beschreibung und konnte keine Vergleichs-
exemplare zu Gesichte bekommen.
46. Centaurea Cyanus Linnö Spec. plant, ed. l. p. 911. (1753) — Boiss. Fl. Gr. I.e. p. 634. (1875).
Akropolis urbis Ohelling.
47. Centaurea depressa Marsch, a Bieberst. Flor. Taiir.-Cauc. IL p. 346. (1808;. — Boiss. Flor. Gr. 1. c. p. 635.
(1875).
Prope Owadjik.
48. Centaurea cana Sibth. et Smith. Prodr. Florae Graecae. H. p. 198. (1813).
Syn.: C. acmophyUa Boiss. Diagu. plant, nov. Ser. 11. 3. p. 68. (1856). — C. axillaris Willd. 5. cana Boiss. Fl. Gr.
1. c. p. 636. (1875).
In summo monte Ak Dagh et Nemrud Dagh ; prope Guruva.
49. Centaurea Bourgaei Boiss. in Burgeau Exsicc. 1860, Fl. Gr. 1. c. p. 637. (1876).
In summo cacumine montis Ak Dagh.
Keine Vergleichsexemplare gesehen.
50. Centaurea Beuteriana Boiss. Diagn. plant. Or. Ser. I. f. 4. p. 18. (1844), Fl. Gr. 1. c. p. 639. (1876).
In monte Ujuklu Dagh. (1750™ s. m.)
Die verglichenen kleiuasiatischen Exemplare (Heldreich: in monte Davros Pisidae ! ; Pinard: Caria!)
weichen wohl dureh niedrigeren Wuchs und dichteres ludument von den Luschan'schen Stücken ab, doch
stehe ich nicht an. bei der bekannten Veränderlichkeit dieser Merkmale an derlei Bewohnern höherer Berge,
die Luschan'schen Exemplare hieher zu ziehen.
Beiträge 2:ur Flora von Lycien, Carien und Mesopotamien. 1 1 5
51. Centaurea virgata Lamarck Dictionnaü-e d. sciences natur. I. p. 670 (1783).
Syn.: C. squarrosa Willd. Spec. III. -2319. (1800).
Ad ruinas monasterii supra Owadjik. (100"' s. m.)
52. Centaurea microlepis Boisa. in Bourgeau Plantae Lyciae 1860, Fl. Or. 1. c. p. 651. (1875).
Circum Anar.
Keine Vergleiehsexemplare gesehen.
53. Centaurea Zfrvillei DC. Prodi-. VI. p. 592. (i837). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 665. (i875).
Syn.: C. dorxjphwa Fenzl iuKotschy Exsicc.!. — C. Syriaca Boiss. in Pinard Exsicc!
In declivibus montis Nif-Dagh.
Vorliegende Stücke stimmen mit den oben citirten Pinard'sehen Exsiccaten fast yöUig, während die
Hausknecht'schen Specimina (Aintab!) dichter behaart sind nnd feiner getheilte Blätter besitzen.
54. Centaurea Pestalozzae Boiss. Diagn. plant, nov. Ser. I. 10. p. 118. (1849), Fl. Or. 1. c. p. 678. (1875).
In transgressu montium supra Karakiöi.
Obwohl ich kein Originalexemplar dieser äusserst seltenen Cenfaurea (man kennt sie blos vom Ak Dagh
in Lycien) vergleichen konnte, halte ich doch, gestützt auf die Übereiustimmung, welche — von dem sofort zu
erörternden Punkte abgesehen — mit der Boissier'schen Beschreibung stattfindet, die Luschan'sche PHanze
für echte Centaurea Pestalozzae. Boissier beschreibt die Achänen seiner Pflanze „acheniis (immaturis) dense
hirsutis, pappi rufescentis serie intermedia achenio longiore", was daher durch folgende Angaben, die den reifen
A ebenen entnommen sind, ergänzt werden möge.
Diese sind ohne Pappus 7""" mit demselben 15""" lang, letzterer ist gauzblass röthlich gefärbt, die längsten
Trichome der äusseren Reihe überragen etwas die Länge des Achäniums, während die innerste Reihe aus
spreublattähnlicheii, nur 2"'"' langen Gebilden besteht. Das Achänium selbst ist massig compress, auf beiden
Seitenflächen gewölbt und mit zwei feinen Längsfurchen auf diesen blassgelblich-braunen, glänzenden und
völlig kahlen Flächen versehen; das Hiliim ist gross, liegt seitlich und besitzt am Umfange lange Haare. Es
erklärt sich daher die Boissier'sche Angabe „achaeiiia immatura dense liirsuta," dadurch, dass die langen
Haare, sowie die im unreifen Zustande sparsam haarigen Achänenseiten eben den Eindruck eines „achaenium
hirsutum" hervorrufen.
55. Centaurea SolstitialtS Linue Spec. plant, ed. 1. p. 917. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 685. (1875).
Prope Gozlar, Owadjik, Kasch, Balbura, Gürdek JaTlassy.
56. Centaurea Iberica Trevirauus in Sprengel Systema plant. III. p. 406. M8'26). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 6ü0.
(1875).
Syn.: C. Calcitrapa Marsch, a Bieb. Flora Taurico-Cauc. III p. 594. (1849).
Kasch; in declivibus ad Gürdek Jailassy.
57. Cichorium Intybus Linnö Spec. plaut. ed. 1. p. 813. (1753). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 715. (1875).
Prope Katara.
58. Cichorium sp.
Ad Guruva.
59. Khayadiolus eduUs Willd. spec. plant. III. p. I625. (I800).
Syn.: Rhagadiolus stdiatus a. hebelaeuus Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 722. (1875).
Ad Bazergyan Jailassy.
60. Garhadiolus Medyjmois Fisch, et Mey. index IV. horti Petropol.|p. 48. (1837) sub Rhagadiolo (non vidi). —
Jaub. et Spach. Icones pl. Or. 111. (1847— 50j. tah. 264 et 265. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 723. (1875).
In ditione Eskeri-Boghaz.
116 Otto Stapf.
61. Leontodon asperi'knum Willd. Spec. plant. III. p. 732. (ISOO) sub Scorzonera. — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 733.
(1875).
Prope Gozlar; in declivibus inferioris montis Ak Dagh.
62. Geropogön ylabruni Linu6 Spec. plant, ed. 2. p. 1109. (1763). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 7-14. (1875).
Syn.: G. Jtirsutum Linn6 1. e.
In ditione Loryma.
63. Tragopogon plantagineuni Boiss. et Huet Diagn. plant, nov. Ser. II. 3. p. 91. (1856). — Kotschy Plantae
ex Armenia. Suppl. C4l!
Syn.: Tr. huphthalmoides a. latifoUum Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 751.
Circum Guruva.
Ich ziehe zu diesem sehr auffälligen Tragopogon zwei schlecht erhaltene Exemplare, welche wahrscheinlich
auf sehr ungünstigem, dürrem Terrain herangewachsen, durch den nur 1''"' hohen, obevwärts nackten Stengel
von der gewöhnlich reichblättrigen und höheren Pflanze des Orientes abweichen, sonst aber keine nennens-
wertheu Differenzen von den zahlreichen verglichenen Exemplaren ergaben.
64. Tragopogon OlymplCUin Boiss. Diagn. plant, nov. Ser. I. li. p. 46. (1849), Fl. Or. I.e. p. 753. (I875j. —
Heldr. Exsicc.!
In summe iugo montis Ak Dagh.
65. Podospermuin Jacquiuianuin Koch Synops. fl. Germ., etc. p. 425. (1837). — Boiss. Fl. Or. 1. e. p. 757.
(1875).
Circum Gozlar.
Var. /3. alpina et y. subinfegra Boiss. 1. c. p. 758.
In saxosis summi montis Ak Dagh.
66. Scorzonera elata Boiss. Diagn. plant, nov. Ser. I. 4. p. 25. (1844), Fl. Or. 1. c. p. 769. (1875). — Balansa
Exsicc. Nr. 263. (Smyrna) !
In inferiore valle fluvii Karantil Tschai.
67. Taraocacuni serotillUtn Waldst. et Kit. Flantac rar. Hung. II. p. 119. tab. 114. (1805) sub Leontudonfe. —
Sadler Flora Pesthineusis. II. p. 243. (1826). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 78«. (1875).
Prope Gilweg Jailassy.
68. ChondrUla juncea Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 79c. (1753) — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 792. (1875).
Prope Gilweg Jailassy.
69. Lactuca Scariola Linne Spec. plant, ed. 2. p. 1119. (1763). — Boiss. Fl. Or. I. c. p. 809. (1875).
Prope Guruva.
70. Lactuca Cretica Desfontaine Choix des plantes du Tourrefort p. 44. tab. 34. (1808). — Boiss. Fl. Or. 1. c.
p. 805. (1875).
In ditione Piankaifa.
Leider kann ich an dem völlig abgeblühten Exemplare nichts Sicheres über die Blüthenfarbe constatiren,
welche Färbung bekanntlich das beste Unterscheidungsmerkmal von Lactuca ttiberosa L. til. fsub SoiicJioJ
abgibt, da aber die Herbav-Exemplare von Lactuca Cretica Desf. völlig übereinstimmen, dann die geogra-
phische Verbreitung ebenfalls für diese Art spricht, so halte ich die Bestimmung als L. Cretica Desf. für
begründet.
71. Zacyntha verrucosa Gaertner De fructibus et seminibus. U. p. 358. tab. 157. (1791). — Boiss. Fl. Or. 1. c.
p. 830. (1875).
In inferiore valle flu\ ii Karanfil Tschai.
Beiträge zur Flora von Lycien, Carlen und Mesopotamien. 1 1 7
72. Mieraciuni niacranthum Tenore Flora Neapolitana. V. p. 190. (1835). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 860. (1875).
In declivibus montis Ak Dagh.
73.- Mieracitim sartnentOSUm Frölidi iu DC. Prodr. VII. p. 20-2. — Boiss. Fl. Ol-. 1. c. p. 862. (1875; sub H.
praealto.
In valle fluvii Karanfil Tschai; ad Piankaifa.
74. Hieraclum sp.
In monte Nif Dagh.
75. Hodigla COmmiltata Sprengel Neue EutdeLkiingen I. p. 273 (1820). — Boiss. Fl. Or. 1. c. p. 880 (1875).
Prope Eskere Boglias, Loryma, Gjölbascbi.
Campanulaceae.
Auetore R. de Wettstein.
1. Campauula beionicifolia Sibth. etSm. Fl. Graec. prodr. I. p. 141. (1800). — Boiss. Fl. Or. III. p.S99. (1875).
Lycia: Ad Gjöibaschi. (29. V. et 25. VI. — 24. VI. 1882.) Flore albo.
2. Campauula drnhifolkl Sibth. etSm. Fl. Graec. III. p. 11. tab. 215. (1819).
Carla: Ad Loryma. — Lycia: Ad Minara. (28. IV.) et ad Gjölbascbi. (29. V.)
3. Campauula iuncea Witt stein (spec. nov.).
Humilis, compacte caespitosa, caulibus strictissimis, 8 — 12™ longis.
Radix perenuis, uapiforuiis, fusca, collo reliquiis foliorum obsita. Gaules glabri .strictissimi crassiusculi
simi)lices rarius ramulosi uuifluri rarius floribus 2 — 4 sparsis lateralibus obsiti. Folia radicalia rosuias deusas
formaiitia augnste spatbulata, obtusiuscula, louge attenuata, petiolata, integra, supra glabra, infra brevitev velu-
tina, exsiccata plevumque replicata, caulina pleiumque desunt, rarius iu parte inferiore caulis singularia, luinuta,
lanceolata, sessilia. Bracteae fiorum lateralium eadem forma. Flores laterales peduneulati. Calyx glaber laciniis
exappeudiculatis, lanceolatis, acutiusculis tubo obcouico aeqnilongis vel subbrevioiibus, erectis. Corolla calycis
laciniis 8 — 4plo longior, glabra, tubulosa ad Vs"^ '^^ lacinias lineares, acutas partita. Stigmata tripartita.
Capsula glabra erecta poris versus apicem sitis debiscens.
Caulis 8—12'^" lg. | Cal. lac. 2-3""" lg.
Fol. rad. (iucl. petiol.) 22-25""° lg. | Cor. 10—14°"° lg.
Lycia: In cacumiue meridionali montis Ak Dagb. (17. VI.)
Von C. cow/»ac<a Boiss. et Held r. in Boiss. Diagn. pl. Orient, nov. Ser. L f. ll.p. 71.(1849), der C. iuncea
am nächsten steht, ist sie durch kahle Stengel, die ganzrandigen, oberseits kahlen Blätter, die kürzeren Kelch-
zipfel und relativ längeren Corolleu leicht zu unterscheiden.
4. Campanula Strlcta Linn6 Spec. plant, ed. 2. I. p. 238. (1762). — Cf. Icou. iu La Billard Icou. plant. Syr. rar.
Dec. V. tab. IV. (1812).
Lycia: Serkiz Jaila. (31. VI.)
5. Campanulu tomentosa Veut. Doscr. pl. uouv. de jard. d. Cels. tab. IS. (1800).
Lycia: Ad Gjölbascbi. (29. V.)
6. JPodailthlim Ihlifoliutn Boiss. et Heldr. iu pl. Anat. exs. 1840. sub Campanula. — Boiss. Diagn. plant. Or. nov.
Ser. I. f. 11. p. 75. (1849). — Boiss. Fl. Or. III. p. y:,4. (1875).
In declivibus montis Ak Dagh. (36. VII.)
7. Podauthuni teimifoUuin DC. Prodr. VII. p. 454 (ISSS) sub rkyteumate. — Boiss. Fl. Or. III. p. 952. (1875).
Lycia: Iu declivibub montis Ak Dagh. (lü. VU.)
118 Otto Stapf.
8. Fodailthlim sp. Specimen incompletum.
Lycia: Ad Katara. (23. Vm.)
9. Specidaria falcata Ten. Fl. Neap. Prodi-, p. 16. (sec. Roem. et Schult.), Flora Nap. I. p.77. tab.20. (1811—1815)
sub Prismatocarpo. — A. de Cand. Monogr. d. Camp. p. 345. (1830).
Syn. : Campanida falcata Roem. et Schult. System veg. V. p. 154. (1819).
Lycia: Ad Sidek Jailassy. (14. V.)
10. Specularla pentagonia Linn6 Spec plant, ed. l. I. ]i. 169. (1753) sub Campanula. — A. de Cand. Monogr. d.
Camp. p. 344. (1830).
Lycia: Ad GUrlek.
11. Specularia Speculum Linnfe Spec. plant, ed. 1. I. p. 168. (1753). — A. de Cand. Monogr. d. Camp. p. 346.
(1830).
Lycia: Ad Sidek Jailassy.
Primulaceae.
1. Anagallis arvenMs Linn* Spec. plant, ed. i. p. 148. (1753).
Lycia : lu insula Kekova et iuter urbes Makri et Levissi. (20. IV.)
2. Cyclamen Coutn Mill. Diet. jard. II. p. 730. (1785). — Boiss. Fl. Or. IV. p. U. (1879).
Caria: Ad Loryma.
3. Cyclamen NeapoWanuin Ten. Fl. Neap. III. p. 197. (1824). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 13. (i879).
Syn.: C. hederaefoUum Willd. Spec. plant. I. p. 810. (1779)..— Reichenb. Icon. Fl. Germ. XVII. t. 47. (1854—55)
Lycia: Ad GjOlbaschi (1. V.) et Tyrsa. (28. V.)
4. Androsace dasijphylla Bunge in Ledeb. Fl. Alt. I. p. 218. (1829), Icon. pl. Fl. Ross. Alt. tab. 15. (1829).
Syn.: A. Olympica Boiss. Diagn. plant, nov. S6r. I. f. 4. p. 37. (1844). — A. villosa ß. conyesta Boiss. Fl. Or. IV.
p. 14. (1879).
Lycia: In cacumine montis Ak Dagli. (17. VII.)
A. dasijphijlht Bunge scheint mir von A. viUosa L. specifisch verschieden zu sein. Ob auch A. odoratissima
Schreb. [Ic. et descv. pl. dec. I. p. 7. t. IV. (1766)] hieher gehört, wie Boissier a. a. 0. annimmt, ist zweifel-
haft, da sie Schieber mit abstehenden Blättern und mehrblüthiger Dolde abbildet und auch so beschreibt,
während die Pflanze vom Ak Dagh einander dicht anliegende, aufrechte Blätter und einblüthige Schäfte besitzt.
Diese Abweichung kann indessen immerhin in Standortsverhältnissen begründet sein.
5. liysiinachia atropurpurea Linn6 Spec. plaut. ed. 1. p. 147. (1753). — Boiss. Fl. Or. IV. p. 7. (1879j.
Lycia: Ad Gürlek (1882). - Caria: Ad Piankaifa. (13. VI. 1881.)
Plumbagineae.
1. Plumbago Europaea Linn^ Spec. plant, ed. 1. p. isi. (1753).
Lycia: Ad ruinas monasterii supra Owadjik (2. VIII.) et ad Gilewgy Jailassy.
2. AcanthoUnion acerosutn Willd. Neue Schriften d. Gesellsch. naturf. Fr. in Berlin. III. p. 420. (1801) s\ib Statice.
— Boiss. Diagn. plant, nov. Ser. I. f. 7. p. 80. (1846). — Bunge Gatt. Acanth. p. 33. (1872).
Syn.: A. Phryyium Boiss. Diagn. plant, nov. Ser. I. f. 7. p. 79. (1846),
Lycia: Ad Anar (16. VII.); ad Acropolin supra Podalia (27. VII.); in declivibus montis Ak Dagh, fere
1600" s. m. (1. VIII.) ; in iugo supra Karakiöi. (2. Vm.)
3. AcantholiinOll Caryophyllaceuni Boiss. Diagn. plant, nov. S6r. I. f. 7 p. 78. (1846).— Bunge Gatt. Acanth.
p. 34. (1872).
Lycia: Infra Gürdef Jailassy. (VII.)
Beiträge zur Flora von Lycien, Cnrien und Mesopotamien. 119
4. AcantJloUrnon Pinardi Boiss. Diagn. plant, nov. Ser.I. f.7. 11.79.(1846).— Bunge Gatt. Acanth. p. 34. (1872)
Syn.: A. fiarosum ß. hrachystachya Boiss. Fl. Or. IV. p. 838. (1879).
Lycia: In declivibus montis AkDagh. (16. VII.)
Styracaceae.
Styrax Offtcinale Linn6 Spec. plant, ed. 1. p. 444. (1753).
Lycia: Ad Gjölbascbi. (29. V.)
Ericaceae.
1. ArbutltS Andrachne Linnö Spec plant, ed. 2. p. 566. (I7ß2). — Boiss. Fl. Or. III. p. 966. (1875).
Lycia: Ad Kascli (28. IV.) et Gjölbascbi. (1. V.)
2. Pentapera Sicula Guss. Cat. H. R. Bocc. ann. 1822. p. 74. et Fl. Sic. Prodi-. I. p. 463. (1827—28) sub Erica. —
Link in Linn. XII. p. 497. (1838). — Boiss. Fl. Or. III. p. 969. (1875).
Lycia: Ad Gjölbascbi. (L V. - 25. V.)
3. Erica verticillata Forsk. Fl. Aeg. Arab. p. 25. (1775). — Boiss. Fl. Or. III. p. 970. (1875).
Lycia: In valle fluvii Jailassy Tschai. (19. VII.)
120 Otto Stapf. Beiträge zur Flora von Lycien, Carlen und Mesopotamien.
INDEX.
Pag.
Fungi Auctore R. de Wettstein 73
Filices „ 0. Stapf 73
Cotiiferae „ 0. Stapf 74
Giielaceae „ 0. Stapf 74
Najadeae „ 0. Stapf 74
Alismaceae „ 0. Stapf 74
Äraceae „ 0. Stapf 75
Cyperaceae „ 0. Stapf 75
Gramineae „ E. Ha ekel 75
Juncaceae „ 0. Stapf 78
Liliaceae „ 0. Stapf 78
Ämaryllideae „ 0. Stapf 81
Iriduie „ 0. Stapf 83
Orchideae „ 0. Stapf 83
Convolvulaceae „ 0. Stapf 85
Borragineae „ R. de Wettstein 85
Solanaceae „ R. de Wett stein 88
Scrophularineae „ C. Richter 88
Lentibularineae „ 0. Stapf 9"2
Acanthaceae „ C. Richter 92
Ch-obancheae „ G. Beck 92
Plantagineae „ 0. Stapf 93
Verbenaceae „ 0. Stapf 93
Läbiatae , 0. Stapf 94
Oleaceae „ 0. Stapf 104
Apocyneae „ 0. Stapf 104
Asclepiadeae „ 0. Stapf 105
Stellatae „ 0. Stapf 105
Caprifoliaceae „ 0. Stapf • 108
Valerianeae „ 0. Stapf 108
Dipsaceae „ 0. Stapf 199
Composüae , A. Heimer 1 110
CampanuJaceac „ R. de Wettstein 117
PrimuJaceae „ 0. Stapf 118
Plumbagineae „ 0. Stapf 118
Styracaceae „ 0. Stapf 119
Ericaceae „ 0. Stapf 119
121
GEOLOGISCHE UNTEKSIICHÜNGEN
IN DER
„OEAUWACKENZONE" DER NORDÖSTLICHEN ALPEN,
MIT BESONDERER BERCCKSICÜTIGUNG DES SEiMERING-GEßlETES.
Von
FRANZ TOULA.
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 22. JÄNNER 1885.
1. Im Wechsel-Semmering-Gebiete.
Zwischen der der Hauptsache nach aus krystallinischen Schiefergesteinen gebildeten Centralkette und der
ans mesozoischen Gesteinen aufgebauten Kallczone treten bel^^anntlieh in den Nordalpen Schiefer, Sandsteine,
Conglomerate und Kalke auf, die mau als Ganzes unter dem Namen der nördlichen Grauwackenzone
der Alpen zu bezeichnen pflegt. Ihre Gliederung war wegen der Seltenheit bezeichnender Fossilreste nicht
mit Sicherheit durchzuführen, doch wurden die betreffenden Gesteine bei den Ubersichtsaufnahmen als der
silurischen Formation zugehörig betrachtet und dem entsprechend auch auf der grossen geologischen Über-
sichtskarte von Franz Ritter v. Hauer zur Darstellung gebracht.
Die Anhaltspunkte für diese Annahme bilden die bei Dienten im Pougau in dem Eisensteintagbaue bei
der „Nagelschmiede" aufgefundenen und von Fianz v. Hauer bestimmten Versteinerungen (Haidinger's
Berichte 1846, I. 187, Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 1854, S. 379), sowie die am Erzberge bei Eisenerz
gesammelten Petrefacte, welche von Prof. Suess als obersilurisch bestimmt (Jahrb. 1865, S. 271 — 273), und
neuerlichst aucli durch Oberbergrath G. Stäche eingehend studiert wurden (Verhandl. 1879, S. 217).' Dieser
Grauwackenzone gehören nun auch als Endglieder einer langen Reihe von Vorkonnnnissen jene Gesteine an,
welche zwischen dem Semmeringsattel und Gloggnitz auftreten. Im Süden von den imposanten Kalkniassen
der Raxalpe und des Schneeberges trifft man unter den Werfener Schichten einen Zug von Schiefergesteinen,
die in neuerer Zeit von Prof. Tschcrmak untersucht worden .sind. (Verliandl. d. geol. Reichsanst. 1873, S.62.)
Manches davon, sagt Tschermak, lässt sich mit dem vergleichen, was von Theobald in Graubünden als
1 Auf der ueuen kleineu Übersichtsliarte ist neben Silur auch Carbon ausgeschieilen. Hier sei übrigens darauf hiu-
gewiesen, dass Stur auch an das Vorkommen von Devonkalken in Verbindung mit Quarziten dachte. (Geologie der Steier-
mark, S. ',)6 und 115.)
Denkschriften der matbem.-naturw. Cl. L. Bd. Abhandlungen von Nichtmitgliedem. g
122
Franz Tonla.
Casannaschiefer bezeichnet wurde, woran« aber, wie ganz richtig hervorgehoben wird, nichts weiter folgt, als
die zu wenig betonte Ähnlichkeit der älteren alpinen Sedinientbildungen überhaupt.
Prof. E. Suess sprach schon früher wiederholt die Ansicht aus, dass in diesem Schiefer-Conglomeratzuge
Äquivalente der erwähnten Casannaschiefer vorliegen. In seiner Arbeit Über die Äquivalente des Rothliegcnden
in den Slidalpen gibt er an, dass ein ganz bestimmter Theil der alpinen Schieferbildungen, welcher jünger ist
als die Anthracit führenden Schichten der Tarantaise oder der Stangalpe, mit diesem Namen zu bezeichnen sei.
(Sitz. Ber. 1868, Bd. 57, S. 784.)
Auch Stur in seiner Schrift über die ,,Fossilen Pflanzenreste aus dem Schiefergebirge von Tergove in
Croatien" (Jahrb. 1868, S. 131 — 138), weist auf S. 136 darauf hin, dass Theobald unter den Casannaschiefern
krystallinische und halbkrystallinisehe schieferige Gesteine begreift, die von anderen Forschern kurzweg als
krystalliuische Schiefer bezeichnet werden. „Wenn ich" — sagt Stur — „irgend ein Äquivalent der Casanna-
schiefer bei uns angeben wollte, so wäre es der von mir namentlich im Ennsthale beobachtete und hervor-
gehobene Thonglimmerschiefer, dessen Beschatfenheit den Beschreibungen der Casannaschiefer bestens
entspricht, dessen Complexe Gneisse, körnige Kalke, Serpentine, Chloritschiefer und Talkschicfcr und auch
Granite angehören. Dieser Thonglimmerschiefer gehört aber noch sicher der eozoischen Formation an, da
auf demselben aufgelagert die nun hinlänglich sicher erwiesene Siluiformation der nordöstlichen Alpen
beobachtet wird."
Wie ganz anders stellen sich diese Verhältnisse heute dar, nachdem die Beobachtungen im Semmering-
• gebiete durch jene JenuH's bei Leoben in so schöner Weise bestätigt worden sind, Beobachtungen, welche
durch Stur selbst in objectivster Weise in seiner neuen ausgezeichneten Arbeit beleuchtet worden sind.
(Jahrb. 1883, S. 189, Verh. S. 40.) Auch die neuesten Aufnahmsergebnisse Vacek's im Gebiete zwischen der
Mur einer- und der Enns andererseits (Radstädter Tauern und ihre östliche Fortsetzung) sind wohl geeignet,
neues Licht auf die Deutung der einzelnen Formationen zu verbreiten. (Krystallinische und hall)krystallinische
Schiefer und discordant, in alte Erosionsfurchen derselben, eingelagerte Kalke und dolomitische Kalke.)
Verhandl. 1883, S. 310—316.
Eine Vorstellung von der Schichtenfolge der betreffenden Region am Ostende des ganzen Grauwacken-
zuges gibt das nach einer Skizze Prof. Tschermak's gezeichneten Profil, welches sich in dem grossen Werke
Karrer's: „Geologie der Kaiser Franz Josef -Hochquellenwasserleitung" S. 50 findet, und welches hieher
gestellt werden soll.
Fig. 1.
Ein Idealprofil, welches, wenn es auch in Bezug auf die Lagerungsverhältnisse ganz schematisch ist,
alle die verschiedenen Gesteinsvarietäten, wie sie auf der Linie Umschussberg (Wechsel)— Grillenberg—
Geologische ÜidersuchuiKjeii in der ,,Grauwaekenzoiie" der nordöstlichen Alpen. 123
Schneeberg-Vorberge auftreten, zur Anschauung brachte, findet sich in der I. Auflage von Hauer's Geologie
von Österreich auf Seite 219.
Die Glieder zwischen dem Otterberg, Schottwien und dem Klammrücken müssen dabei nur in diseor-
danter Lagerung eingezeichnet werden.
Durch die Auffindung von Fossilien führenden Horizonten in dieser Zone, welche auf andere Glieder der
Formationenreihe hinweisen, Funde, welche ich selbst im Wechsel-Semmeringgebiete zu machen das Glück
hatte, wurde eine andere Auffassung der Verhältnisse eingeleitet und vor Allem das Vertretensein der Carbon-
formatiou in dieser Zone nachgewiesen, welcher Nachweis durch die erwähnten neueren Funde weiter westlich,
in der Gegend von St. Michael bei Leoben, bestätigt wurde. Durch jenen Nachweis wurde eine grosse
Lücke in der Formationsreihe ausgefüllt, eine Lücke, welche auffallend genug war. Auf Seite 22 seines grossen
Werkes „ Die Dolomitriffe von Südtirol und Venetien" (Wien 1879) that Oberbergrath v. Mojsisovics ja noch
den Ausspruch: „Dem nördlichen Silurzuge zwischen Schwaz undPayerbach fehlen die Präcarbon- und Carbon-
bilduugcn".
Wie gross die Schwierigkeiten sind, die sich einer Altersbestimmung dieses Complexes entgegenstellen,
geht aus der Verschiedenheit der Deutung hervor, welche von verschiedenen Autoren gegeben wurde. Es war
im Frühlinge 1868 (15—19. April) als von Seite der Professoren v. Hochstetter und Suess eine Excursion
in die Gegend von Glogguitz, auf den Semmering und in das Quellengeljiet au der Schwarza unternommen
wurde. Bei dieser Gelegenheit lernte ich die fraglichen geokigischen Verhältnisse des Semmeringgebietes
kennen. Dabei hatte ich aber auch Gelegenheit, die so verschiedene Auffassung der geologischen Verhältnisse
dieses Gebirges von Seite meiner beiden verehrten Lehrer kennen zu lernen.
Während v. Hochstetter die Schiefer als der Phyllitzone der Alpen entsprechend, die für Devon
erklärten Kalke und Dohnnitc des Göstritz- einer- und der Adlitzgräben andererseits als discordant darüber
liegende synclinale Mulden, und das Senimeringjoch als einen Aufbruch der als sericitische Schiefer ausgebil-
deten Pliyllite auffasste, hielt Prof. Suess an der Ansicht fest, die Schiefer des Kobermann Rückens, zwischen
Breitenstein und Gloggnitz einer- und Payerbach andererseits seien ein Äquivalent der von G. Theobald —
(Geologische Beschreibung der nordöstlichen Gebirge vouGraubünden 18G4; — man vergl. auch die Besprechung
von Fr. V. Hauer im Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanst. 1865, S. 81—86) — als Casannaschiefer bezeich-
neten „metamorphischen Gebilde^ und zwar erklärte er sie als dem Carbon und noch näher, als derFarrenzone
entsprechend. (Theobald hatte übrigens die Annahme als möglich hingestellt, dass die Casanna-Schiefer aucii
devonische und silurische Formationsglieder vertreten könnten.) Der Forellenstein bei Gloggnitz wurde als
jüngeres Glied angesehen, die gegen Süden folgenden Gesteine aber sollten verschiedenen anderen Gliedern
der paläozoischen Schichtenreihe entsprechen. Die Adlitzgrabenkalke wurden als dem Carbon angehörig, die
Schiefer am Semmeringjoche und die Kalke des Göstritz als Devon aufgefasst, indem sie als auf krystallinischeu
Schiefern liegend angenommen wurden. Die beiden Profile, wie sie von v. Hochstetter in den im Jahre 1871
erschienenen Autographien seiner Vorlesungen ' einander gegenüber gestellt wurden, mögen das Gesagte näher
versinnlichen.
V. Hochstetter sagt im Texte: „Eine specielle Erwähnung verdienen noch die Verhältnisse am
Semmering, wo devonische Kalke, Dolomite und Rauchwacken unter eigenthümlichen Lagerungsverhältnissen
auftreten, die eine sehr verschiedene Deutung erfahren haben, wie folgende Durchschnitte zeigen sollen.
„Die Südbahn durchschneidet von Gloggnitz bis Mürzzuschlag die nördliche Grauwackenzoue der Alpen
in einer die Streichungslinie der Schichten, die von WSW. nach ONO. geht, unter verschiedenen Winkeln
schneidenden Linie. Die mittlere Richtung der Bahnlinie geht aber nahezu parallel dem Streichen. Das Ver-
flachen der Schichten ist, locale Störungen abgerechnet, im Allgemeinen gegen Nord gerichtet, mit 30—70°
und scheinbar liegen sämmtliche Schichten concordant über einander. Von Payerbach bis Klamm oder bis zum
Lechnertunnel durchschneidet die Bahnlinie Thonglimmerschieferschichten (Phyllile) von verschiedener Farbe
1 Vorlesungen über üeologic, II.TLeil; gcliahou im Sümmersemester 1k70/T1, H. 140—14-2.
124
Franz Toiila.
(röthlicligraii, stellenweise graphitiscb) mit Einlagerungen von Talk, von Magnesit und Ankerit. Vom Leehner-
tunnel bis kurz vor dem .Semmeringtunnel auf der Strecke, wo die Bahnlinie längs der Weinzettelwand und au
Fig. 2.
Aidfassua^ v Huchsicttci's
•I
Sonnwendsteiiv ^ J
Bii'on.Kaüc u..
Hauch»'"^!'''^
Derojt^Srh. lioltictiknlk Casajtnasdtwfej-
den Adlitzgräben vorbeiführt, durchbricht die Linie in einer Reihe von Tunnels Kalke von lichter und dunkler
Farbe, Dolomit und üauciivvacken, die thcils deutlich geschichtet, theils massig und uugeschichtet erscheinen.
Der Sennneringtunuel führt dem Streichen der Schichten nach durch sehr zerklüftete lockere Schichten, von
dem verschiedenartigsten petrographischen Habitus. Theils quarzige Schiefer, theils röthliche, grünliche und
weisse sericitartige Schiefer, theils Schiefer, die den Charakter von Talk-, Chlorit- uudThonschiefer haben, treten
in der Einsattelung zwischen dem Sonnwendstein und Alpkamm oder Wolfsberg zu Tage. Auf der Schottwiener
Seite, unterhalb des Tunnels, enthalten diese Schiefer Gypseinlagerungeu. Im Bereiche dieser Schiefer füiirt die
Bahn jenseits abwärts nach Mürzzuschlag. Bleiben wir oben auf der Höhe, so erheben sich im Sonnwendstein
von neuem Kalke, Dolomite und Rauchwacken zu bedeutender Höiie. Diese lagern südlich auf Quarziten und
graphitisclien Thouschiefern auf, die allmälig in die krystallinischen Schiefer (Glimmerschiefer, Amphibol-
s chiefer u. s. w.) des Wechsels übergehen.
Die Lagerungsverhältnisse dieser Schichteureihe lassen eine ganz verschiedene Deutung zu und da man
Versteinerungen nirgends gefunden hat, so hängt die ganze Auifassung von der Deutung der Lagerungsver-
hältnisse ab. Nimmtman wie Prof. Suess in der ganzen Schicbtenstrecke eine concordanteÜbereinanderlagerung
an, so bekommt man die ganze Reihenfolge von Schichten, die man nur nach Wahrscheinlichkeitsgründen und
nach dem petrographischen Charakter in verschiedene Formationen abtheilen kann, wie der Durchschnitt
Fig. 3 zeigt. '
Meine Anschauung gibt der Durchschnitt Fig. 2, nach welchem man es vermuthlich nur mit zwei
Schichtencomplexen zu thun hat, mit einem Complexe von krystallinischen und halbkrystallinischen Schiefern,
auf welchen in zusammengepressten, isoklinen Mulden discordant der Kalk und Dolomit aufgelagert sind, die
nach ihrem Zusammenhang mit den devonischen Kalken von Graz als devonisch gedeutet werden dürfen."
Diese letztere Auffassung, das Alter der Kalke betreifend, verleitete mich in meiner ersten Notiz über die
Funde am Semmeringjoche noch die Meinung festzuhalten, dass man es dabei mit Devon zu thun habe, eine
Meinung, von der ich bei \Yeiterer Verfolgung der Verhältnisse bald abkommen musste.
Abgeseiien von dieser Altersbestimmung sind die tektouischen Angaben, sowie die ganze Schilderung der
herrschenden geologischen Verhältnisse Wort für Wort zutreffend.
1 Auch Czjzek nimmt in seiner Abhandlung: Das llosaliengebirge und der Wechsel (Jahrb. 1854, S. 509; eine Über-
einaudei-folge an. Die Aufeinanderfolge der Schichten der Grauwackengesteine ist nach seiner Darstellung die folgende: Über
schwarzem Thonschiefer folgt Quarz, dann dunkler Kalk, Grauwackenschiefer, eine mächtige Lage von dolomitischem, lichtem
Kalk und obenauf eiue sehr miiohtige Lage von Grauwackenschiefern.
Geologische Untersuchmgen in der „Gramvackenzone" der nordöstlichen Alpen. 125
Auf dem Wege von Kapellen iilter den Nasskam wurden bei jener Exeursion die Verhältnisse wieder recht
verschieden erklärt. Suess erklärte die nach den lichten krystallinischen Kalken, bei den ersten Häusern
Alteubergs auftretenden grünlich gelarbten falkigen Schiefer für Glieder der oberen Steinkohlenforniation,
respective für die jüngsten Ablagerungen der paläozoischen Reihe in diesem Gebiete, während
Stur und V. Hochstette r dieselben als der altpaläozoischen Grauwackenformation entsprechend auffassten.
Zwischen den Schiefern und dem im unmitttelbar Liegenden der Werfener Schiefer auftretenden Quarzcon-
glomerate treten die Eisenerze (Siderit, Eisenglimmer und Braun eisen) auf.
Wiederholt habe ich später in dem Wechsel-Semmeriuggebiete längeren Aufenthalt genommen, und bei
dieser Gelegenheit manche Beobachtungen gesammelt. Später ward mir eine Subvention der kaiserlichen
Akademie zu Theil um vergleichende Beobachtungen im Bereiche der Grauwackenzone weiter im Westen vor-
nehmen zu können. Im Nachstehenden versuche ich es, meine Beobachtungen mit jenen in der Literatur sich
findenden vergleichend zur Darstellung zu bringen. Das Ergebnis« ist, wie ich offen gestehen muss, ein mich
durchaus nicht befriedigendes und wenn ich nach langem Zaudern die Blätter dennoch der Veröffentlichung
übergebe, so geschieht es, weil ich der Meinung bin, dass eine Zusammenstellung des auf das genannte Gebiet
und besonders auf die von mir beobachteten Verhältnisse Bezüglichen vielleicht zu erfolgreicheren weiteren
Forschungen veranlassen könnte. Ganz besonders gerne hätte ich früher auch das Gebiet von Eisenerz-Leoben-
Rottenmann eingehender studiert, als dies bei flüchtigen Passagen geschehen kann.
1. Die Aufschlüsse am Semmeringjoche und entlang der Bahnlinie zwischen Semmering und Gloggnitz.
Die erste Mittheilung über die Semmeringgesteine findet sich im IIL Bande der Mittlieilungon der
Freunde der Naturwissenschaften 1858, S. o49; daselbst ist zu lesen: , über den grünen und rothen Grau-
wackenschiefern liegen schwarzer Kalk und drusige Rauehwacke." Bei Mürzzuschlag wird Grauwacke mit
nördlichem Einfallen angeführt, „bei Kapellen und gegen Neuberg zu von Kalksteinen überdeckt." (W. Hai-
dinger.) Ausführlicheres berichtet Kudernatsch (Jahrbuch I.Bd. 1850, S.375): „Der Tunnel durchsehneidet
ausschliesslich einen vielfachen Wechsel von mannigfaltigen, dem silurischen Gebirgssystem angehörenden
Gesteinschichten, Grauwacken-Sandstein, meist dicht als Grauwacken-Quarz erscheinend, oft mit Zwischen-
lagen von Talk, schieferigem Dolomit-, Talk- undThonschiefer und mancherlei Kalkstein." Oberhalb der Ruine
Klamm wird das Vorkommen eines zum Theil selbst grosskörnigen, leider oft scliwefelkieshältigen Dolomites
angegeben, der auf schieferigen Grauwackcnquarz aufgelagert ist, und zu Quadern verarbeitet wird.
In demselben Jahre (1. c. S. 57G — 587j berichtet dann Fr. Foetterle ausführlicher über den „Eisen-
bahnbau am Semmering am Schlüsse des Jahres 1850."
Er unterscheidet in der „Grauwackenbildung, die dem silurischen Systeme angehören dürfte", vier
Abtheilungen (Fig. 2 auf Tafel VIII), und zwar von unten nach oben:
aj einen dunklen geschichteten Kalk, zum Theil auch dolomitisch, der als an der Mörtenbrücke und
am Sonnwendstein anstehend angeführt wii'd, und „anscheinend" die Unterlage der Semmeringgesteine
bildet;
bj Grauwackengebilde, Quarz-, Dolomit- und dunklen Kalkschiefer, die ersteren mit T;ilk- und Thonschiefer-
Wechsellagerungen. Es sind dies die Hauptgesteine des grossen Semmeringtunnels.
cj lichten feinkörnigen Kalkstein mit Gyps und Dolomit, oben in Rauchwacken übergehend: Adlitzgräben,
Schottvvien, Pinken- und Semmeringkogel;
dj Darüber eine körnig-schieferige, bald licht, bald dunkel gefärbte Grauwacke. Von Klamm bis zum Lechner-
tunnel entblösst. Westlich vom Klamm-Tunnel, unter dem ersten Viaduct, findet sich darin fast ganz
reiner Graphitschiefer.
Fast der ganze Tunnel befindet sich in einem weisslichen und grauen Quarzschiefer, der beinahe überall
mehr oder weniger aufgelöst ist; Einlagerungen von Talkschiefer, Chloritschiefer und Thonschiefer (stellen-
weise reicii au SdiwefVlkies und l'rauneisen) durchsetzen ihn in allen lüchfungen und wechsellagern mit dem-
126 Franz Toni a.
selben oft in mehrere Schuhe und Klafter mächtigen Schichten". Besontlcrs der Talkschiefcr, der am siidhchen
Tunnelende in grosser Mächtigkeit aufgelöst auftrat, bereitete beim Bau ungemeine Schwierigkeiten.
Im Qnarzschiefer treten mächtige Quarzfelsmassen nicht selten auf. In den Schächten VIII, VI und V,
(südwestliche Tunnelstrecke) wurden über dem Quarz schwärzlichgraue Kalkschiefer angetroffen. Auf der
sterreichischen Seite wurde dasselbe Gestein in den Scliäcliten III und II und zwar gleich vom Tage aus
angefahren. Es ist dies eine Schichte, welche in dem betreffenden Profile als Hangendglied über Dolomit und
röthlichera Schiefer angegeben wird. (Diesen Hangendschichten sind aUgh die Pentacriniten und Pelecypoden
führenden Kalkschiefer auf der Passhöhe zuzuzählen. An derTunnelmündung auf der steierischen Seite wurden
fester Kalk und Zellenkalk in geringer Erstreckung angefahren.
Auf Seite 583 gibt Foetterle auch in Kürze die Gesteine einzelner Tunnels auf der bezeichneten
Strecke an.
Lipoid war es, der in der Sitzung am 17. Februar 1854 die Sericit- und Quarcitschiefer des Taunus mit
den Schiefern der nördliclien Grauwackenzone der Alpen verglich und darauf hinwies, dass Schiefer von ganz
ähnlicher petrographischer Beschaffenheit (besonders die grünen Varietäten) in der ganzen Gesteinsreihe von
den krystallinischeu Schiefern bis in die Region der Werfener Schiefer verbreitet sind. (Jain-buch V. Bd. 1854.
S. 201.) Karl Koch (Neues Jahrbuch 1877, S. 541) erklärt neuerlich den Complex Am- Sericitgneisse, Grün-
schiefer und Sericitschiefer des Taunus für Vordevon, ja er möchte sie für Repräsentanten des Cambrischen
Systems halten.
K. V. Hauer analysierte zwei grüne Schiefer, das eine Stück vom Kochhof (bei der Station Klannn), das
zweite aus dem Gypsbruche von Schottwien. Dieselben haben auffallend verschiedene Zusammensetzung und
ist bei beiden der Alkaligehalt weit geringer als bei dem Tauuus-Sericit. (Jahrbuch V. Bd. 1854. S. 869.)
Fr. V. Hauer (Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanst. 1868, S. 268 und 356) in seiner ausführlichen
Besprechung der die Frage nach der Altersbestimmung der Grauwackengesteine neu belebenden hochwichtigen
Abhandlung von Prof. Suess „Über die Äquivalente des Rothliegenden in den Südalpen'' (Sitzber. d. kais.
Akad. d. Uiss. Bd. LVII, 1868) spricht zuerst dieSchlussfolgerung aus, dass— die von Suess ausgesprochenen
Annahmen als zutreffend vorausgesetzt — „die mächtigen Thouglinnnersehiefer der Nordalpen, die unter der
silurischen Grauwacke liegen, nach petrographisciien Merkmalen und ihrer Erzführung eben so gut mit den
Casanaschiefern vereinigt werden könnten, wie in den Südalpen".
A. V. Groddeck schreibt in seiner Abhandlung:
„Zur Kenntniss der grünen Gesteine (grüne Schiefer) von Mitterberg im Salzburgischen" (Jahrb. 1883,
8. 397—404), dass, nach Mittheilungen des Bergmeisters Hans Pirchl, die Grünschiefer zwischen dem im
Süden auftretenden Silur und den nördlich entwickelten Triasschichten liegen. Siebestehen aus Sericit, Chlorit
und Quarz. Letzterer enthält FlüssigkeitseinschlUsse mit sehr beweglichen Libellen, v. Groddeck ist trotz
der oben erwähnten Angabe geneigt anzunehmen, dass die grünen Schiefer Mitterbergs „wahrscheinlich dem
Silur angehören". Die Annahme eines eruptiven Ursprunges (Zugehörigkeit zum Diorit) sei entschieden auf-
zugeben. 1
Die mächtigen Complexe von grauem und grünem Schiefer mit Sandsteinen und Conglomeraten in
den Savoyer Alpen, welche durch wohlerhaltene Pflanzenreste als cariionen Alters wohl charakterisiert sind,
wurden von Peters (in seinem Vortrage über die Centralkette der östlichen Alpen, Schriften d. Ver. zur
Verbr. nafurw. Kenntn. III, 1864, S. 192) zum Vergleiche mit den ähnlichen Bildungen der entsprechenden
Gebirgsglieder an der Grenze von Steiermark und Kärnten herbeigezogen. Es ist nun gewiss überraschend,
dass die petrographische und nun auch die phytopaläontologische Übereinstimmung der betreffenden Bildungen
für den gleichen Theil der nördlichen Grauwackenzone in wenigstens gleich hohem Grade besteht.
Herr Heinrich Baron v. Foullon hat in seiner Arbeit „über die petrographische Beschaffenheit der unter-
carbonischen Schichten und einiger älterer Gesteine aus der Gegend von Kaisersberg bei St. Michael ob.Leobeu,
" Man vergl. Posepny, S. 291, in seinem Archiv f. pvakt. Geoloj^ie I, 1S80
Geologische Untersuchungen in der ,,(iraiiwackenzone'' der nordöstlichen Alpen. 127
luul kiytstallinischer Schiefer aus dem Pulten- und oberen Ennsthale in Obersteiermark'* (Jalnbucb 1883,
S. 207 — 252.) wichtige Darlegungen gebracht. Von den Gesteinen der Carbonformation werden Pbyllitgneiss
mit Einlagerungen graphitiscber Quarzphyllite und Grapbitsehiefern (pflanzenfUhrender Horizont) besprochen;
die Quarzphyllite werden als Chloritoidsclii efer tiestimnit, da sie bis zu 207o t"'loritoid enthalten. Die
Grapliitscliiefer werden als graphitische Glinimer-Chloritüidschiefer beschrieben. Zu den ersten waren die
Glimmerschiefer, Phyllite, die grauen und schwarzen .Schiefer („Thonglimnierschiefer") zu stellen. Im Palten-
thale werden graphitische Kalk-Chloritoidsehiefer besprochen, welchen auch ilie von mir gesammelten Gesteine
aus dem Veitschgraben am Wege von der Grube in der Veitseh zum Radwirth zugezählt werden (1. c. 8. 235),
die icli mit ziemlicher Siclierheit als Carbonscliiefer bezeichnet habe. Der Feldspath der Oncisse wird als
Albit bestimmt, wenn auch nur einige Schnitte polysynthetische Zwilliiigstreifung zeigen. Es wird dadui-cli eine
gewisse Übereinstimmung mit den von Böhm (1. c.) bearbeiteten Wechselgneissen hergestellt. — Es wäre im
höchsten Grade erwünscht, wenn die Gesteinszone der grauen und grünen Schiefer, sowie der ,,serieitischen
Schiefer" im Semmeringgebiete recht bald in ähnlicher Weise bearbeitet würde.
Die gneissartigen Gesteine des Wechselgebietcs haben durch A. Böhm (Tschermak min. u. petr. Mitth.
Bd. V, 1883, S. 197 — 214), die Talkschiefer und „sericitischen Schiefer" des Rosalicn-Gebirges (Umgebung
von Frohsdorf und Aspang) durch G. Starkl (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 1883, S, G44— 657) eine
neuerliehe Bearbeitung erfahren. In der letzteren Arbeit wird besonderes Gewicht gelegt auf die bei der Papier-
fabrikation in Verwendung kommenden mulmigen Zersetzungsprodncte („Weisserde"), sowie auf die dieselben
begleitenden, bisher als Talkschicfer oder sericitische Schiefer bezeichneter Schiefer, welche nun als Kalk-
talkschiefer (die graugrünen Talkscbiefer Czjzek's mit CaO:MgO = 7-3 :tM), und als Leukophyllite
(die weissen bis gelblich und lichtgrün gefärbten „weissen Talkschiefer" Czjzek's MgO-Gehalt 8-856 und
8-899) unterschieden werden.
Am Semmeringsattel NW vom Wirthshause „zum Erzherzog Johann" liegen die dunklen
plattigen Kalke, mit glimmerig glänzendem Zwischenmittel — (nach Ober-Bergrath Stacbc's Eintheilung
könnte man die Gesteine zu den Kalk-Phylliten rechnen) — Hacli nach NNW. einfallend (Str. hora 4 — 5), eine
discordant auf den steil aufgerichteten dünn geschichteten „sericitischen Schiefern- liegende Scholle bildend.
Das anstehende Vorkommen dieser Schiefer wurde schon von Foetterle' als an der Wasserscheide zu Tage
tretend und als das Hauptgestein des grossen Semmeringtuunels angeführt.
Ganz nahe dabei treten dann gegen die „Mirten- oder Mörtenbrücke" hin steil aufragende Rauehwaeken-
Felsen auf. Es sind gelblich gefärbte Zellen-Dolomite.
In Nr. 14 der Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanstalt vom Jahre 1876 veröffentlichte ich (S. 334 —
341) einen kurzen Beitrag zur Kenntniss des Semmeringgebirges, aus dem ich der Vollständigkeit und Zusam-
mengehörigkeit wegen die wichtigsten Angaben mit den nöthigen Ergänzungen, auf Grund weiterer Beobachtun-
gen, hier anführe, umsomehr als sich in jener Notiz mehrere sinnstörende Druckfehler finden.
Bei einem Ausfluge auf die Semmering-Passhöhe fand ich in einem dunkelgrauen, dünnjilattigen Kalke
einige deutliche Pentacriniten-Stielglieder,* welche mir in Anbetracht der Thatsache, dass bis dahin in diesen
Gesteinen keinerlei deutbare Fossilreste bekannt geworden, von einigem Interesse zu sein schienen. Die
betreffende Fundstelle liegt nahe an dem Fusswege der vom Gasthause zum „Erzherzog Johann" auf den im
NW davon befindlichen Pinkenkogel führt. Es sind ganz gute Aufschlüsse im anstehenden Gesteine, das man
als einen dunklen Kalkschiefer bezeichnen kann, welcijer mit ziemlich mächtigen dunklen und weissaderigen
1 Jahrb. (1. k. k. geol. Reichsanst. I, S. 576.
- Der erste, der das Vorkommen von Crinoideu in den dunklen Killken des Semmeringgebietos erwähnt hat, ist Prof.
Tschermak. In seinem Vortrage „Die Zone der älteren .Schiefer am .Semmering" (Vorhand!, d. k. k. geol. Reichsanst. 1873,
S. 6-2, 63) führt er an, dass über den gypstührenden quarzigen .Schiefern bei Schottwien „schwarze Thonscliiefer, dunkle Kalke
voll von Crinoidenbnichstüeken und ebenso gefärbte Kalkschiefer" auftreten. „Diese Kalke — so heisst es dort — welche
auch am iSemmeringjofh auftreten, sind, wie ich glaube, von jenen des Adlitzgrabens verschieden."
128 Franz Ton Irr.
Kalken weclisellagert, die Tuaii nacli ihrem petrographisclien Ausselien als Gnttensteiner Kalke aiispreclien
möchte. Als auffallendes Merkmal ist das Auftreten von glimmerig-thonigen Anflügen auf den Schicht-
flächen hervorzuheben, wodurch die leichte Spaltbarkeit des Gesteins vornehmlich bedingt wird. Diese
Zwischenmittel werden stellenweise stärker und nehmen ganz und gar das Aussehen der silberglänzenden
Schiefer an, welche am Semmeriiig eine so wichtige Rolle spielen. Auch die Dicke der Kalkplatten variiert
sehr, indem sie bald in papierdünnen Lagen, bald in dicken Bänken auftreten. Das Streichen ist an dieser
Stelle ein nordsüdliches, bei westlichem Einfallen. "Weiterhin am Wege auf den Pinkenkogel zeigen sie jedoch
die herrschenden, normalen Lagerungsverhältnisse. (Streichen hora 3 und fallen mit 20° nach Nordwest.) Nur
an abgewitterten Stücken des Kalkschiefers treten die eingeschlossenen, stellenweise recht häufigen Penta-
crinitenstielglieder deutlich hervor.
Es sind zumeist kleine Täfelcben (die grössten haben etwa ö""", die meisten aber nur 4—5'"'° Durch-
messer).
Nur ein einziges der vielen Exemplare hat fast kreisförmigen Umriss, mit fünfsti-ahliger Figur auf der
Gelenkfläche, alle übrigen bilden fünfeckige Sterne. Auch die kleinen Glieder der Hilfsarme sind zahlreich
vorhanden. Eine Bestimmung der Art ist wohl kaum möglich. In jener ersten Mittheilung war ich noch nicht in
der Lage eine genauere Altersangabe tür die Kalkschiefer des Semmeringsattels zu machen, und war that-
sächlich der Meinung, es könnte derselbe doch der paläozoischen Formationsreihe zuzurechnen sein, wesshalb
ich hauptsächlich die ältesten Arten des Genus Pentacrinns zum Vergleiche herbeizog. Ich dachte damals
an Pentacrinns priscus Gldf., obwohl ich die abweichenden Merkmale der gleich hohen Stielglieder der
Semmering-Pentacriniten hervorhob. Seither habe ich durch die Güte des Herrn H. Zugmayer Pentacriniten
aus dem Rhät (vielleicht Pcnfacrinites burariciis Wiukler vom Kitzberg bei Waldegg) erhalten, und ich nniss
gestehen, dass diese kleinen Formen mit jenen vom Semmering auf das Beste übereinzustimmen scheinen. lu
meiner citierten Mittheilung (Verb. 1877, S.242) habe ich diesbeztiglich auch ant Pent.propinquus Münst. aus
den Schichten von St. Cassian hingewiesen.
Ausser diesen Pentacriniten-Stielgliedern fanden sich noch einige andere undeutliche Reste von Echino-
dermen. So z. B. gar nicht selten Cidariten-Stacheln, sowie ein nicht näher bestimmbares Bruchstück einer
Seeigelschale (mit zwei Paaren von Ambulacralporenreihen). Bei meinem letzten Besuche der Localität bei
Gelegenheit einer Studienexcursion auf den Semmering mit den Hörern des V. Jahrganges der Ingenieur-
schule (am 7. Juni 1884) wurde hier von einem der Herreu ein wohlerhaltenes Warzenplättchen eines echten
Cidaris mit durchbohrter Warze aufgefunden.
Sonst fanden sieh noch Spuren von Korallen in Einzelzellen und Stöcken. Der innere Bau derselben lässt
sich nur schwierig feststellen. An einem der hergestellten Schliffe lassen sich jedoch drei Cyclen von Sternleisten
unterscheiden, von denen die längeren (14 an derZahl) bis zum Centrum reichen. Die Stöcke zeigen dichotome
Verästelung und besonders an später (am Haarbreii) gemachten Funden Hess sich die Übereinstimmung mit
den „Lithodendren", den Rhätkorallen recht gut feststellen. (Auch bei den Korallen wurden anfänglich
paläozoische Formen zum Vergleich herbeigezogen.) Endlich wurde auch ein kleines Stöckchen von einer an
die Favositidaeen erinnernden Form aufgefunden.
In den Hangendschichten der Kalksehiefer endlich fanden sich nicht näher bestimmbare Bivalven und
Gastropodenreste in Durchschnitten und Schalenbruchstücken.
Unter den Fossilien füin-enden Schichten folgen wohlgescliichtete, dunkle, graue Kalke mit Lagen von
lichterer Färbung, wodurch das Gestein wie gebändert erscheint. Weisse Calcitadcrn durchziehen diese
Liegendkalke.
In einem Schreiben an Hofrath v. Hauer ddo. Kirchberg am Wechsel vom 3. Sept. 1877 (Verhandl. 1877,
S. 105 ff.) habe ich alle damals bekannt gewordeneu Fundpunkte, an welchen die Pentacriniten führenden
dünnplattigen, bis schieferigen Kalke auftreten, angeführt. Ich konnte schon damals feststellen, dass sie in dem
Gebiete zwischen dem Semmoringsattel im Westen und dem Raachberge im Osten sehr verbreitet seien und
zwar in ganz übereinstimmender Lagerung über quarzitischen Schiefern und Quarziten der Gyps führenden
Geologische Untersuchungen in der „Grauwackenzone" der nordöstlichen Alpen. 129
Formation liegend und überlagert von bald dunkel-, bald lichtgraueu, nielir oder minder doloniitischen Kalken,
die von unzäiiligen weissen Calritadern diirchsciiwärmt, stellenweise auf das Lebiiafteste an die Giittensteiner
Kalke erinnern könnten. Die angegebene Ubereinandertblge stellt wolii ausser allem Zweifel, sie ersebeint in
den meisten Fällen als eine coueordante, docli feblen aucb solobe Stellen nicbt, wo durch Verwerfungen Discor-
danzen entstnnden sind.
An dem Hocbweg vom „Erzherzog Johann" zum Semmeringhötel kommt man so ziemlich in derselben
Höhe mit dem Kalkvorkommen, links (N) vom Wege, an Quarzitaufschlüsse vorbei, wo ein zu Grus aufgelöster
Quarzit als „Reibsand" gewonnen wird. Die Seliichten fallen nach WNW ein. Auch dieses Vorkommen spricht
für die Annahme von Verwerfiingsklüften.
Die schwarzen Kalkschiefer wurden bis nun an folgenden Punkten mit Pentacriniten-Stielgliedern
angetroffen:
1. Am Semmeringsattel NW vom „Erzherzog Johann" (Verliandl. 1876, Nr. 14).
2. Im hinteren Mörtengraben.
3. Am Haarbreit, an der Kreutznngsstelle der alten und neuen Semmeiingstrasse. Aber auch am Wege
vom Bären-Wirthshause am Haarbreit zum Eselsteinberge trifft man über den zum Theil in ansehnliclien
Felsen anstehenden Quarziten plattigen Pentacriniten- und Rivalvenkalk.
4. Am Wege vom „Schlagl", am Nordabhange des Otterberges nach Wartenstein und in der Schlucht,
die von liier am Jägerbrand vorbei nach Weissenbach führt.
5. Beim unteren Mundloche des Tunnels durch den Weberkogel (zwischen Station Semmering und Station
Breitenstein).
6. Unweit der Papiermühle zwischen Schottwien und dem Dorfe Göstritz, beim Kalkofen des Herrn
Krenthaller. (Man vergl. das Profil auf S. 19.) Ausser den angegebenen sechs Localitäten mit Petrefacten-
fiihriing, können noch folgende Stellen angeführt werden, wo dieselben Kalkschiefer auftreten, aber ohne dass
bisbei' sichere Versteinerungen darinnen aufgefunden werden konnten.
7. An der ersten Strassenwendung unterhalli des Seuimeringsattels. (Verhandl. 1876, Nr. 14.)
8. Im vorderen Mörtengraben, nahe der Einmündung desselben in den vorderen Adlitzgraben, unter dem
lichten dolomitischen Kalk dieser herrlichen Thalschhicht.
9. Am unteren Mundloche des Tunnels durch den Kartnerkogel unterhalb der Station Semmering.
10. Gegenüber der Polleroswand oberhalb der kalten Rinne (an der Bahntra^e).
11. Am Absturz an der Weinzettelwand-Gallerie, und am unteren Muudloche des Weinzettel-Tunnels (über
der Gypsstampfe im vorderen Adlitzgraben).
12. Oberhalb Schottwien am Pfarrerwald (gleich nach den letzten Häusern des Marktes).
13. Am Nordabhang des Göstritz, zwischen Maria Schutz und Schottvvien.
14. Am Südabbange des Raachberges, beim Dorfe Sonnleiten.
15. Am Ostgehänge des Otterberges, oberhalb Otterthal.
Am SUdalihange des Pinkenkogels treten in mittlerer Höhe dolomitische Kalke auf, welche sich mit ihren
licht- gelblich gefärbten Steilwänden bis nach Mürzzuschlag verfolgen lassen, und weithin als Rauchwacken
entwickelt sind. Über diesen dolomitischen Kalken folgt Zellendolomit und eine Dolomitbreccie, zu oberst alier
findet man einen grauen plattigen Kalk. Der untere Theil des Pinkenkogels bietet längs des Weges keine
deutlichen Aufschlüsse.
Etwas westlich von dem Kalkschiefervorkommen mit F^entacriniten treten am Sattel graugrünliche, weiss-
glimmerige thonige Schiefer auf, welche in einzelnen Lagen viele, äusserlich in Brauneisenstein umgewandelte
PyritwUrfel enthalten. Diese Schiefer sind auch längs der neuen Semmeringstrasse auf steierischer Seite mehr-
fach aufgeschlossen, so z. B. besonders schön oberhalb des „Hofer" Bauernhauses.
Das Gestein ist an dieser Stelle sehr spiegelklUftig, fühlt sich trotz seines erdigen Aussehens fettig an
und wechsellagert mit grünHchen, ungemein kieselerdereichen Schiefern, bei welchen die thonige Substanz nur
Denkschrllten der malhem.-naturw. Gl. L.Bd. Abhandlungen von Nichlmilgliedem. r
130
Franz Toula.
FiK. 4.
auf den Oberflächen der dünnen Quarzlagen auftritt. Diese Gesteine sind wohl dem Liegendscliiefercomplexe
zuzurechnen. (Sericitisclie Werfener Schiefer?) Die Liegendschiefer treten übrigens thatsäcldieh zwischen
den dolomitischen Kalken und Kauchwacken an mehreren Stellen hervor.
So z. B. zwischen den zwei ,.Kogeln" gegenüber von Stehihaus, wo unter dem Zelleiidolomit ein violetter
Talkthonschiefer hervortaucht, der petrographisch mit dem Schiefer des grossen Semmeringtuunels recht gut
übereinstimmt.
Ähnlich so verhält es sich auch auf dem Wolfsbergkogel auf der österreichischen Seite, wo bei der Grund-
aushebiing beim Bau des „Semmeringhotels" zwischen dolomitischeu Kalken einerseits sericitische Quarzite,
andererseits aber, ganz nahe dabei, auch ein dunkel grausch warzer (mulmig-graphitischer) Schiefer angetroffen
wurden, welch letzterer gewissen „Thonschiefern" aus dem Semmeringtunnel (Foetterle Jahrbuch 1850,
S. 580) entspricht.
Ein nicht uninteressanter Aufschluss des Liegendschiefers der düuu-
plattigen Kalke mit Pentacriniten findet sich am Wege von der Station
Semmering zum „Erzherzog Johann".
Oberhalb des Stationsgebäudes am Wege zum „Erzherzog Johann"
liegen in grossen Halden die beim Tunnelbau herausgescliaiften Gesteine
herum. Man findet graue dünnplattige Quarzitschiefer mit oft spiegelnden
Flächen, die sich talkig anfühlen. Es sind dies dieselben Gesteine, die an
der Stelle, wo der Fiissweg in die Semmeringstrasse einmündet, an der
grossen Strassenwendung zu Tage treten. Ich habe diese Loealität bereits
in meinem ersten Aufsatze (Verhaudl. 1876, S. 337) erwähnt und führe
sie der Vollständigkeit wegen hiernochmals an, umsomehr als dieser Auf-
schluss die Übereinanderfolge der Schichten am besten erkennen lässt.
(Fig. 4.)
1. Zu Unterst liegen dünnplattige quarzitische Schiefer, die sich talkig anfühlen; sie sind licht gefärbt und
glänzen lebhaft. Auf 66''"' aufgeschlossen.
2. Darüber liegen lichtgraue weissaderige Kalke mit thonig-schieferigen Zwischeulngcn. Petrographiscli
erinnern sie an Guttensteiner Kalk. Sie zeigen deutlich die Wirkungen starken Druckes; die thonigen Zwischen-
mittel bilden glimmerige Überzüge auf den Schichtflächen. — Vier Lagen von je 20 — 25"" Mächtigkeit.
3. TTngemein diiunplattiger Thonschiefer von lichter Färbung, mit dünnen Lagen von Kalk. Dieser ist
dunkel, sehr dünn geschichtet, weissaderig, und wird in seinen obersten Lagen zu einem wahren Kalkschiefer,
indem er hier aus fast papierdünneu Schichten besteht, die mit thonigen, glänzenden l'berzügeu versehen sind.
Im Ganzen circa 75"™ mächtig.
4. Darüber liegen eine dickere und zwei dünnere Kalkbänke von dunkelgrauer Färbung (65""" mächtig).
5. und 6. Körnige Quarzite in dünnen Schichten, die zu oberst eine dickere Lage bilden. Sehr ähnlich
dem Gesteine der ersten Schichte, nur grobkörniger (circa l'/s'" mächtig).
7. Das Hangende bilden lichte, silberglänzende Talkscliiefer von ungemein zarter Schiefening. An der
Grenze gegen 6 gehen sie in Quarzitschiefer über. (Auf einen Meter Mäclitigkeit entblösst.)
Die Kalkschiefer (3) erinnern in ihrem Aussehen an die Pentacrinitenkalke auf der Passhöhe. Von Fossil-
resten wurde hier jedoch nichts gefunden. Die Schichten liegen vollkommen concordant übereinander, zeigen
fast genau nordsUdliches Streichen, und fallen mit geringer Neigung nach Westen ein.
An der neuen Strasse, welche die Station Semmering mit der Reichsstrasse verbindet, stehen die Qnarzile
in mächtigen Bänken an, so dass sie zu Werksteinen für die Stützmauern der Strasse verwendet werden
konnten. Der damit in Verbindung stehende Talkschiefer ist zum Theil vollkommen aufgelöst, so dass er theils
sandig-ockerige, theils mulmig-plastische Massen bildet, welche an die „Weisserde" im Rosalien- Gebirge
erinnern. (Ganz ähnliche aufgelöste Massen und zum Theil förmliche Weisserde findet sich am Haarbreit hinter
Geologische Untersuchungen in der „ Grauwackenzone" der nordöstlichen Alpen. 131
dem Bären-Wirthshause.) Auch mein sehr geehrter Freund Herr Dr. A. Brcziua sammelte längs der erwähnten
Strasse mehrere Handstücke, welche er mir freundlichst zur Ansicht überliess. Es sind „Quarzreiche Talkschiefer,
ähnlich Werfener Schiefern bei Kirchbühel", ,,Talkschicfer mit Quarzlinseu, stellenweise mit quarzitischen Aus-
scheidungen", und ..Kalk, ähnlich Guttensteiuer Kalk-. Ein Gestein, das auf das Vollkommenste übereinstimmt
mit den Kalken am Otterberge, im Mörteu- und Göstritzgrabeu.
Aus den von Foetterle (1. c. S. 580) gegebenen Daten über die Gesteine des Haupttunnels geht hervor,
dass derselbe nahezu im Streichen der Schiebten verläuft und lichte Quarzitschiefer, ausserdem aber auch Talk-
und Thonscliiefer durchfährt; die letzteren sollen stellenweise Graphitschiefern ähnlich sein. Aber auch die
hangenden grauen Kalkschiefer wurden in den Schächten V, VI und VHI durchfaliren.
Die Quarzitschiefer halten übrigens bis gegen die Passhöhe hin zu Tage an, wie die Aufschlüsse am
Abhang des Semmeringkogels zeigen, wo splitterige lothe und grünliche Quarzite auftreten, die gegen NW ein-
fallen. Der Semmeringkogel besteht, nach den herabkommenden Blöcken zu urtheilen, ganz ähnlich wie der
Pinkenkogel aus dunkleren und lichteren Kalken.
Der dunkel blaugnuxe Kalkschiefer tritt am Fussweg zum Stationsgebäude überall hervor, und zwar zum
Theil mit Spuren von Pentacriniten Stielgliedern.
Beim Hause des Bahnaufsehers (Nr. 39) stehen an der Bergseite massige weisse Quarzite an. Zum Theil
ohne alle deutlichere Schichtung zeigen sie ;in einer Stelle Streichen hora 2—3 bei nordwestlichem flachen Ein-
fallen.
Vor dem Steintunnel (durch den Kartnerkogel) treten schwarze weissaderige Breccienkalke auf. Sie
sind vielfach gestört, ohne deutliche Schichtung.
Beim unteren Mundlochc dieses Tunnels stehen dunkle Kalke an. Sie sind deutlich geschichtet und mit
ungemein dünnplattigem, thonigem Zwischenmittel versehen. Streichen hora 2 — 3, Fallen nach NW mit 30 Grad.
Weiterhin tiuden sich mächtigere Bänke von dunklem, dolomitischem Breccienkalk (wie vor dem oberen
Tunneleingange).
Aus dem Wolfsbergtunnel wurden gleichfalls die glänzenden Talk-Quarzitschiefer herausgebracht.
Am Tage stehen aber nur lichte dolomitisclie Kalke an, welche zurZellenkalkbildung geneigt sind.
Am oberen Eingange in den Tunnel durch denWeberkogl treten die blauschwarzen, dünnplattigen Kalke
wieder auf, die von den dolomitischen Zellenkalkeu überlagert sind. Ganz dieselben Plattenkalke stehen in
schöner Schichtung auch beim unteren Mundloch (Fig. 5) wieder an (uj, und zwar
ganz so wie im Walde über dem oberen Eingange mit überlagernden Zellen-
kalkeu (bj, die hier gelb gefärbt sind. Die Plattenkalke enthalten hier gar nicht
seltene Pentacriniten-Stielglieder. Das Streichen ist, ähnlich wie beim Steintunnel
hora 3, das Fallen NW. mit 65°. Zahlreiche Rutschflächen durchsetzen das
Gestein, dasselbe ist gegen die Furche des „unteren Adlitzgrabeus" vielfach ab- «. Plattenkalk mit Pentacri-
gesetzt, dadurch kommt es auch stellenweise zu Discordanzen in der Schichten- i"*'^''-
^ ' b. Zelleukalk.
Stellung.
Ein solcher Abbruch tritt besonders deutlich am Gehänge des Alpkammes hervor.
Die Thalrinne des unteren Adlitzgrabeus liegt hier noch in der Richtung des bisher herrschend gewesenen
Streichens. Nun ti-itt aber eine völlige Änderung in dem Verlaufe der Schichten ein.
Schon an der Fleischmannbrücke über den unteren Adlitzgraben zeigen die schwarzen, weissaderigen
Kalke, welche petrographisch mit den Kalken am Kartnerkogel vollkommen übereinstimmen, westöstliches
Streichen (hora 6— 7) und nördliches Verflachen. Dicke Kalkbänke wechseln mit wohlgeschichteten, dünn-
bankigen Kalken ; die letzteren gleichen stellenweise ganz und gar den Pentacriniten-Kalken. Darüber liegen
lichtgrau gefärbte, dolomitische Kalke.
Diese dolomitisclien Kalke werden nun herrschend. Aus ihnen ist der Alpkamm aufgebaut; aber auch
jenseits der kalten Rinne bestehen die grandiosen Abstürze der „Bollers--' (Polerus-) und „Krauslwand" aus
denselben Gesteinen. An der Boilerus-(Polleros jwaud ist das Streichcu sogar hora 7 — 8 bei steilem nördlichen
132 Franz Toula.
Einfallen. Der Kalk an der Polleroswand ist krystallinisch körnig mit Glimmerschüppchen auf den Schicht-
flachen (erinnert an den krystallinischen Kalk in der Nähe von Kirchberg; man vergl. w. u. S. 42).
Eine totale Änderung der Gesteinsbeschaffenheit tritt bei der Station Breiten stein ein. Man kommt an
eine scharf charakterisierte Formationsgrenze. Die Bahnlinie bildet bei Breitenstein einen nach Norden gerich-
teten Bogen, die riesigen Kalkschollen der grossen Steilwände dieses Gebietes bilden förmliche Mauern und
verkleiden das ältere, nördlicher davon deutlich zu Tage tretende Schiefergestein, an welches sie bei ihrer Auf-
richtung förmlich angepresst v^orden sind. Von Stelle zu Stelle ist diese, von hier vreit nach Osten bis Khimm
ziehende Schollenwand von Wasserrissen, „Gräben- durchbrochen, welche immer aus einem flachgeböschten,
muldigen Thalbecken das Wasser in die Hauptkalkschlucht, dem Adlitzgrabenbaehe zufllhren. Der erste dieser
Durchrisse ist der enge Krauslgraben zwischen der Bollerus- (FoUeros-) und Krauslwand, der zweite aber ist
der nach oben beckenförmig sich erweiternde Breitensteingraben.
„In der Nähe der Station Breitenstein, mehrere hundert Schritte unterhalb derselben und vielleicht 10 Klafter oberhalb
dem Eisenbahngeleise wurde vor einiger Zeit krystalliniseher Graphit als Ausbiss zu Tage, mit 3 Fuss Mächtigkeit, gefunden,
jedoch verlor sich derselbe bei einem Einbaue von einigen Fuss Tiefe. Nicht weit davon, aber tiefer, besteht auch ein verlas-
sener Graphitbergbau von Günther." (Aus einem Briefe des Herrn k. k. Oberverwesers Schliwa in Reichenau an Prof
Suess, der mir denselben freundlichst zur Verfügung gestellt hat.) Nach einer Mittheilung, die ich Herrn Prof Rzi ha ver-
danke, kamen die Bahnarbeiter bei Breitenstein auch bei Gelegenheit des Aufstelleus von Telegrafenstangen schon vor längerer
Zeit auf Graphit. Derselbe wurde hier thatsächlich wiederholt gegraben.
Zu Unterst treten hier dunkle Quarzite und blauschwarze, mürbe graphitische Schiefer auf; auch finden
sich Thonschiefer- und Quarzit-Breccien. Es sind dies ganz dieselben Gesteine, in welchen sich (man vergl.
weiter unten) bei Klamm die Steinkohlenpflanzen finden.
Am unteren Eingang des Weinzettelfeldtunnels steht wieder grauer dolomitischer Kalk an, der mit
dem der Poleruswand übereinstimmt.
Der obere Eingang in die Weinzettelwandgallerie liegt in grauem, weissaderigen, massigen Kalk,
der keine deutliche Schichtung erkennen lässt. Darüber folgen lichtgraue und röthlich grauweisse, zum Theil
halb krystallinisch aussehende Kalke, die partienweise sehr dolomitisehe Zellenkalke
werden und in grosslöcherige, mit dolomitischem Mehle erfüllte Gesteine tibergehen.
An der Aussenseite der vertical abstürzenden Wand zieht ein Gehsteig hin. Hier zeigen
sich viele Anzeichen der grossartigen VerstUrzungen des Gesteins. An einer Stelle
lassen die Kalkschichten den neben anstehend (Fig. 6) gezeichneten Verlauf erkennen.
Diese Stelle liegt gerade ober dem Ausgange des Haidbach-Mörtengrabens.
Bei der kleinen Gallerie streichen die Schichten hora 5 — 6 und fallen fast ver-
tical stehend ganz wenig nach Norden ein. Über diese Schiehtköpfe weg führt hier '• t^rauerKalk.
„, „ , TTT • i^ 1 -• Köthlichcr Kalk,
der Fussweg in schwindelnder Höhe. Bei dem obersten Stollen ans dem Weinzettel-
tunnel sind diese Kalke sehr dUnnplattig und erinnern petrographisch einigermasseu an die Pentacriniten-
Kalke.
Am unteren Ende des Weinzettelwandtunnels (über der Gypsstampfe im Adlitzgraben) sind wir
wieder unmittelbar an der Grenze zwischen den Kalken und den dunklen Schiefern der Steinkohlenformation.
Die Verhältnisse sind hier aber ungemein verworren, indem die schwarzen Thonscliiefer zwischen die Kalke
hineingreifen. (Fig. 7, S. 13.)
Beim oberen Mundloche des Gamperltunnels treten lichtgrünlichgraue, quarzitische Schiefer auf. Es
sind diess die sogenannten „grauen Schiefer" des Eüekens zwischen dem Adlitzgraben im Süden und dem
Thal der Schwarza im Norden, Gesteine, welche in dem bezeichneten niederen Gebirgsrücken, an dem sich die
Bahnlinie hinzieht, die wichtigste Rolle spielen, vielfach mit den Sericitschiefern des Taunus verglichen und
sehr häufig als graugrünliche Phyllite bezeichnet wurden.
Meiner Meinung nach bestehen hier nicht nur zwischen den lichtgraiien wohlgeschichteten Kalken und
den dunklen Steinkohlenschiefern, sondern auch zwischen diesen und den graugrünlichen Schiefern (graue
Schiefer) Diecordanzen. (Fig. 8.)
Geologische Untersuchungen in der „Grauwackenzone" der nordöstlichen AljJen.
133
Vom Gamperltuuuel an bleibt die Bahnlinie im Gebiete der Carbonschiefer.
Unterhalb der Brücke über den Gamperlgraben liegt au der Bergseite ein schöner Aufschluss in den
gefältelten, lichten, talkigen t^iiarzitschiefern. Aber auch dunkle glimmerige Schiefer treten auf, auf welchen
im Gamperlgraben selbst Blöcke von grauen, weissaderigen, dolomitisclieu Kalken aufliegen.
FiS- 8.
« Lichte weiss.-idei-ige Kalkbänkc.
b Schwarzer weissaderiger Kalk.
'^ Dünnplattiger, giausehwarzer, weissaderiger Kalk.
(I Schwarze Schiefer wie bei Breitensteiu, mit Kalk-
kuauern.
Stirn erwalÄ
OiimperZ TiumcL
a Lichter wohlgeschii-liteter Kalk.
b Diiukii' qnarzreiche Schiefer,
c (irüiilichgraue Schiefer.
Zwischen der Gamperl- und Wagnerbrücke endlich stehen dunkelgraue, beim Verwittern braun
werdende, auf den Schichtfläclien stark glimmerige, schieferige Sandsteine an, in welchen ich so glücklich war
deutliche Pflauzeureste zu entdecken. Sie streichen hora 6 — 7 und fallen nach N.
Die bei Klamm aufgefundene Flora (man vergl. die erste Mitth. darüber: Verhandlungen 1877, S. 241,
242) ist zwar sehr artenarm, doch sind die gefundenen Reste hinreichend, um eine genaue Altersbestimmung
vornehmen zu können. Es sind nach den Bestimmungen, die Herr Obcrbergrath I). Stur vorzunehmen die
Feuudlichkeit hatte :
Lepidodendron cf. Goeppertl Pres).
Calamites Suckowi Brongn.
Neuropteris gigantea Sternberg, und (von einer anderen Fundstelle)
Sigillaria sp. ind.
Die wichtigste Art ist Nmropteris cjigantea, welche, wie dies bei dieser Form so häufig, in einzelnen Fieder-
blättchen vorliegt. Obcrbergrath Stur bestimmte darnach den pflanzentuhrenden Horizont als den Schatzlarer
Schichten entsprechend. (Man vergl. D. Stur: Funde von untercarbonen Pflanzen der Schatzlarer Schichten am
Nordrande der C'entralkette in den nordöstlichen Alpen. Jahrb. d. k. k. geol. Reichsaust. 1883, S. 1!'7 u. 198.)
Die schieferigen Carbon Sandsteine halten bis zur Station Klamm an.
Der Tnnnel bei Klamm (zwischen der Ortschaft und der Station) ist durch einen grauweissen, körnigen
Quarzit geführt.
Zwischen dem 22. und 21. Kilometerzeicheu (Entfernung von Gloggniiz) liegt die Bahnlinie im grünen
Schiefer. Derselbe streicht fast genau westöstlieh und fällt flach gegen Nord.
Der kurze Tunnel ist durch glimmerige, lebhaft glänzende, licht gefärbte Quarzitschiefer („Silberschiefer"
sogenannte sericitische Quarzite) getrieben. Diese Gesteine halten in verschiedenen Abänderungen bis zur
Station Eichherg an, dessgleichen am Abhänge gegen das Schloss Gloggnitz. Es sind hier theils (luarzreiche
körnig-schieferige Gesteine, welche an die ,,Grauwacken-' am Sclilosslierge bei Gloggnitz erinnern, theils ganz
feinkörnige, dUnnplattig brechende „graue Schiefer", mit Einlagerungen von quarzig- körnigen Schichten (Strei-
chen hora 5 — 6, Fallen nach N).
Beim Wächterhaus Nr. 16 zwischen den beiden Tunnels dieser Strecke treten auch licht violett gefärbte
Schiefer mit talkiger Beschaffenheit der Schichtflächen auf. Die grauen Schiefer halten bis zum Kübgraben an.
Von hier bis Payerbach stehen dann die „Grünschiefer" au.
134 Franz Toula.
2. Von der Bahnlinie aus besuchte Aufschlüsse.
aj Südlich von der Bahn.
Beim Aufstiege vom Erzherzog Johann auf den Ho uu wendet ein (Göstritz = 803°) kommt man zuerst
über Quarzit und zwar theils in dichter, lichter oder dunkler grau gefärbter, theils in zuckerkörniger Ausbil-
dung. Beim Anstieg zu dem Sattel, der in den Dürrgraben hinüberführt, kommt man an einer Halde vorbei, auf
welcher eine Menge von Kalkschutt herumliegt: Stücke eines grauen dolomitischen Kalkes, sowie auch die
echten Pentacriniten-Kalkschiefer. Hier steht der Kalk auch an. Bald kommt man jedoch wieder auf den
Quarzitschiefer, der an einer Stelle körnig wird und ein gneissartiges Aussehen annimmt.
Der Quarzit hält an bis zu jener ersten Sattelhöhe. Diese bezeichnet die Grenze zwischen dem Quarzit im
Norden und dem dolomitischen Kalke im Süden, der an der Grenze iu der Form von Zellenkalk auftritt. Der
Weg hält sich nun eine Strecke weit im Gebiete des dolomitischen Kalkes, der dort, wo der gut ausgetretene
Theil des Weges beginnt, der gegen den Erzkogl führt, in dunkler, weissaderiger Ausbildung auftritt, und dann
auch die Form von Kalkschiefern annimmt, ganz ähnlich jenen am Semmering- Joche und am „Haarbreit."
Derselbe ist hier vielfach durch Schürfungen aufgedeckt und tritt das Liegende in der Form von Urthon-
schiefern (quarzreichen Pliylliten) hervor, welche discordant gegen den Kalk abstossen. (Streichen nach
hora 5, Fallen steil nach N. ) Die Erze (Siderit, Brauneisen und Pyrit) liegen hier an der Grenze der Schiefer
gegen den Kalk.
Auf dem Wege vom Erz- (Arz-) Kogel gegen den Göstritz kommt man über „Grauwacken" Sandstein und
Quarzit. Letzteren trifft man schön aufgeschlossen in wohlgeschichteten Bänken. (Streichen westöstlich und
fallen mit 2ü° nach S.) Es ist ein Gestein welches petrographisch (bei makroskopischer Untersuchung) auf das
Beste mit den Quarziten bei Klamm übereinstimmt.
Der Quarzit hält nun wieder au bis zur Holzhütte („Ochsenhütte") im Sattel zwischen dem Göstritz und
dem „Arzkogel".
Auf der Höhe des Sonnenwendsleins dagegen steht Kalk an, der bei westöstlichem Streichen mit 20—30°
nach Süden einfällt.
Der Kalk des Göstritz gehört offenbar demselben Zuge an mit jenem vom Otterberge, sowie mit jenem,
der im Fröschnitzgraben bei Steinhaus am Semmering austeht.
Auffallend ist, dass hier Quarzit und Kalk fast vollkommen gleiche Lageruogsverhältnisse dicht neben
einander zeigen.
Beim Abstieg nach Mariaschutz kommt man nur über dolomitischen Kalk; leider konnten keinerlei Fossil-
reste gefunden werden.
Zwischen Mariaschutz und Schottwien kommen unter demKalke die lichten (..sericitischen") Quarzitschiefer
(mit Gypsführuug) uud grobkörniger Sandstein abermals zu Tage, die hier in innigem Contacte mit einander
auftreten.
Die Lagerungsverhältnisse des Kalkes am Steilhange des Göstritz bis gegen Mariaschutz konnte ich leider
nirgends siclier beobachten. Das südliche Einfallen auf der Höhe Hesse es nicht unglaublich erscheinen, dass
der Absturz, an welchem der Kalk in einer grösseren Mächtigkeit, aufzutreten scheint, als es hier sonst besitzt
eine ähnliche Erklärung finden könnte, wie sie jüngst (Verhandlungen 1884, Nr. 5, S. 84.) Bittner für die
Kalkwände am Seewaldsee bei Golling gegeben hat, wo die scheinbar grosse Mächtigkeit der rhätischen Kalk-
masseu sich durch annähernd parallele Längsbrüche in denselben erklären lassen. (Man vergl. Fig. 2 auf der
beifolgenden Tafel.)
Ahnliche Abbruche lassen sich auch im Göstritzgraben, bei Göstritz, am Südabhange des Jägerbrand
erkennen, wenigstens möchte ich das Auftreten der Kalkfelsmasseu unterhalb der Gypsbrüche unweit der
Gypsmühle auf solche abgesunkene Kalkschollen des „Jägerbrand" zurückführen.
Czjzek erwähnt in seiner Arbeit: das Eosaliengebirge und der Wechsel, Jahrb. d. k.k. geol. Reichsanst.
1854, 1. c. 507, den Quarzit des Sonnenwendsteins („ein Quarzzug") und verfolgt ihn bis nach Hinterotter.
Geologische Untersuchungen in der „Gramoachenzone'^ der nordöstlichen Alpen.
1H5
Über das Erzvorkommen südlich vom Honuenwendstein spricht er sich daliiii aus, dass dasselbe im
Liegenden einer schwachen ,,Ka]klag-e im Quar/.e" auftrete uml sich sowohl östlich in den Göstritz- und Otter-
graben, als auch westwärts iu den Thier- (Dürr) und Fröschnitzgraben fortsetzen. Eine Darstellung 'über das
letztere Vorkommen habe ich in meinem kleinen Beitrage zur Kenntniss des Semmeriuggebirges (Verhandl.
187G, S. 337 u. 339) gegeben, wonach ich die Erze als im Liegenden der dolomitischen Kalke, au der Grenze
gegen die azoischen Schiefer auftretend auffasste. (Man vergl. darüber auch Tuuner, die berg- und hütten-
männischen Hauptexcursionen in den Jahren 1844 — 1846.)
Czjzek vergleicht die Kalke des Göstritz, petrographisch ganz zutreffend mit den Guttensteinerkalken
und gibt auch ihre Verbreitung an, über den Otter und bis Raach und an den Goldberg, sowie das Auftreten
der Kauchwacken im nördlichen Theile.
An derselben Stelle wird auch die Ausdehnung des dolomitischen Kalkes im Norden davon, im Adlitz-
graben, Bürgerwald, Jägerbrand, bei Wartenste in, am Eaachberg (die Spitze des letzteren besteht aus
reinem Kalk) geschildert.
Die zwischen beiden Kalkzügen auftretenden „bröckeligen" verschiedenartigen Schiefer (mit Gypseinlage-
rungen bei Schottwien ) werden vom Semmering, über die südlichsten Häuser von Schottwien, in den Göstritz-
graben, und unter dem aus Dolomit bestehenden Sattel zwischen Otter und Jägerbrand, bis über Wartenstein
hin verfolgt.
Über die "\'erhältnisse des dolomitischen Kalkes zu den Liegend-Quarziten und den azoischen Schiefern,
sowie über die Erzführung erhält man im Fröschnitzgraben bei Steinhaus (Semmering W) hübsche Auf-
schlüsse. Ich will mir erlauben aus meinem ersten Aufsatze iu den Verliandlungen 1876, S. 337, 339 if. die
betreffenden Sätze hierher zu stellen:
Über die Lageruugsverhältnisse im Fröschnitzgraben bei Steinhaus am Semmering findet sieh eine Notiz
in dem Generalbericht über die berg- und hütteumännischen Hauptexcursionen in den Jahren 1843 — 1846
von Hofrath Tunner. Ausserdem erwähnt sie aucli Herr Oberl)ergrath D. Stur (Geologie von Steiermark,
S. 114) und rechnet sie nach Czjzek (^das Eosaliengebirge etc. Jahrb. 1854) zur siluriseheu Formation.
In jenem citierten Berichte heisst es von den Erzlagerstätten des Fröschnitzgrabens (S, 27 und 28): „Die
Eiseusteinbaue befinden sich mehr im Liegenden der Gebirgsscbichten, an der Grenze zwischen Grau,
wacke und Uischiefer-Formiition, und zwar unseres Erachtens schon iu der letzteren gelegen, wiewohl
bei der nicht scharfen Grenze und der gleichmässigen nördlichen Lagerung der Grauwacke am Urgebirge,
das Erzvorkommen auch noch für die unteren Schichten der Grauwacke angesprochen werden kann.
Das erzführende Gebirgsglied ist hier Glimmerschiefer,
der zum Theil chloritisch , im Liegenden der Erze
mehr quarzig-gneissartig, im Hangenden mehr talkartig - --
wird." 5^
Meiner Meinung nach liegen die Erze au der Grenze ^-^
zwischen den Kalken und Schiefern, also in der That ^
sowohl in den ersteren, wie auch in den letzteren. Ein
recht instructives Bild über das Erzvorkommen erhält
man gleich am Eingange in den Fröschnitzgraben, au der
rechten Tbalseite.
Ein im Allgemeinen von SW. nach NO, streichender
uml nach SO. steil einfallender Gang (1) bezeichnet eine
Verwerfungsspalte, an welcher an der östlichen Seite ein
feinkörniges Kalkgesteiu (2) anliegt, das ander Ganggrenze reich ist an Erzeinschlüssen (Siderit in Adern
und Nestern).
Im Gange herrscht theils körniger Kalk vor, mit Sii'erit un<l l'yrit, (}a), theils in Brauneisen umgewan-
delter Siderit mit Eisenglanz. ( 1 , />.)
Fig. 9.
136
Franz Totild.
Westlich vom Gange liegen diinnplattige, glänzende Tlionschiefer von grauer Farbe (3) mit zwischengela-
gerten dünnen Lagen eines ungemein harten, quarzreichen, graugefärbten Kalksteines (4). Diese Schichten
fallen naichNW. ein und entsprechen offenbar den am Semmering auftretenden, silberglänzenden Schiefern und
Kalken. Auch hier zeigen die Kalke auf den Schichtflächen thonig-glimmerige Überzüge.
Im Fröschnitzgraben selbst treten bis zur Erzgrube dolomitiscbe Kalke auf, welche sehr verschiedene
Lagerungsverhältnisse zeigen. Ihr Streichen ist fast constant hora 4— 5 (ONO.— WSW.). Das Fallen aber
verhält sich so, dass man vom Eingange in das Thal bis zur Erzgrube zwei Anticlinalen und zwei Synclinalen
passiert. (Man vergl. Fig. 10.)
Fig. 10.
1. Krystallinische Schiefer.
2. Qiiarzit und (Juarzit Talkschiefer.
3. Diinnplattige Thonschiefer (luitKiesel-
liallv).
4. Plattenkaliv (im Liegenden).
5. Dolomitische Kalke.
6. Zelleukalk.
7. Plattenkalk (im Hangenden).
Vor dem Stollenmunde sind die dolomitiscben Kalke steil aufgerichtet und ist hier eine Einlagerung von
dünnplattigen, grauschwarzen Kalkschiefern mit thonig-glimmerigen Überzügen auf den Schichtflächen,
zwischen grauem, licht röthlichem Kalke wahrnehmbar, welch' ersterer petrographisch auf das Beste mit den
Pentacriniten-Kalkschicfern üboreinstinnnen. Das Einfallen nach N mit 64°.
Weiterhin folgen nun mächtige weisse Quarzitlagen, die auf den azoischen, chloritischen und abwechselnd
gneissartigen Schiefern auflagern. (Man vergl. Stur, Geolog, von Steiermark, S. 100.) Die Quarzite stimmen
mit ilen am Sonnwendstein-Erzkogel vorkommenden vollkommen (auch im Streichen) Uberein, dessgleichen
ist der Kalk des Fröschnitzgrabens mit jenem des Sonnwendsteins in bester Übereinstimmung. Nach Westen
hin hält hier der Kalk nicht lange an; er reicht nur bis in das Hasenthal bei Steinhaus, wo er wie das Ende
eines grossen Lappens auf den azoischen Schiefern aufliegt.
In den dolomitischen Kalken des Fröschnitzgrabens konnte ich ausser undeutlichen Korallendurchschnitteu
keinerlei organische Überreste auffinden. —
Unterhalb des Gypsvorkommens im Mörten graben finden sich am Fig. ii.
rechten Thalgehänge die grauschwarzen Kalke mit Crinoidendurchschnitten,
und zwar sowohl in dünnplattiger Ausbildung, ganz ähnlich wie am Semniering-
joche, als auch in der Form von dickbankigen, weissaderigen Kalken, welche
in ihrem Aussehen sehr an die Guttensteiner Kalke erinnern.
Einen guten Aufschluss bietet ein kleiner Steinbruch an der rechten Thal-
seite. (Schottergewinnung.) (Fig. 11.) Zu unterst liegen grauschwarze, von
unzähligen Adern nacli allen Eichtungen durchzogene Kalke ohne deutliche
Schichtung (1). Darüber liegen papierdünne geschichte Kalkschiefer (2) und
Kalke in mächtigeren Bänken (3). Im Hangenden treten schön geschichtete Plattenkalke (4) von 2-3™
Mächtigkeit auf. Dieselben haben ganz und gar den Charakter der Pentacrinitenkalke vom Semmeringsattel.
Streichen ostwestlich und Fallen nordwärts.
Geologische Untersuchungen in der ,, Grauwackenzone" der nordöstlichen Alpen.
137
Fig. 12.
Bei der Gypsstauipfe.
Die Abstürze rechts auf der Höhe, der Station Semmering gegenüber, bestehen aus lichtgrauen, dolomi-
tischen Kalken, ähnlich jenen im Fröschnitzgraben.
In der Enge, nahe der Ausmündung des Mörtengrabens in den Adlitz-
graben, an der Brücke, finden sich rechts am Bache ganz dieselben grau-
schwarzen, plattigen Kalke mit glimmerig-glänzenden Schichtflächen anstehend.
(Pentacrinitenkalk.) Desgleichen am Eingange in den Adlitzgrabeu finden sich
auch am linken Ufer, hier zu unterst dünn geschichtete, etwas dolomitische Kalke.
Dieselben sind gebogen und gefaltet.
Bei der Gypsstampfe im Adlitzgraben erkennt man am linken Steilgehänge
sehr deutlich die Schichtung (Fig. 12) und das nördliche Einfallen der grauen
dolomitisclien Kalke. Die Schichten streichen daselbst hora 5 und fallen mit 40°
nach N, bei leichter Krümmung der Schichten.
Eine Strecke weiter abwärts im Thale sieht man an einer Stelle die Schich-
ten complicierter gebogen, so dass sie ein förmliches Gewölbe zu bilden scheinen.
(Fig. 13.)
Schöne Eutschflächen treten auf den Verwerfungsklüften auf. Die Schichten
streichen auch im weiteren Verlaufe ziemlich parallel mit der Richtung der
Schlucht und zwar übereinstimmend auf beiden Thalseiten.
Auffallende Felsformen, Pfeiler und Pyramiden, zahlreiche Höhlen, zum Theile
hoch über der heutigen Thalsohle, zeichnen diese romantische Schlucht aus.
Brecciendoloniit und Zelleudolomit mit ,,Dolomitmehl" in den Höhlungen treten auf.
Diese dolomitischen Gesteine dürften auch hier das Hangende der Plattenkalke
bilden, wie an einer Stelle vor dem Gamperlgraben zu ersehen ist, wo diese letzteren
mit glimmeiigen Schichtflächen hervortreten.
Unterhalb des Kalkofens beim Gamperlgraben treten röthlich graue Kalke auf,
mit halbkrystalliuischem Korne. Sie streichen hier hora 6 und fallen mit 45° nach
N. DieselbenVerhältnisse halten an bis zur Ruine Klamm. Zu unterst treten hier sehr schön
dünnplattige, dolomitische Kalke auf. Die Schichtung lässt sich übrigens bis zur Burgruine
hinauf verfolgen. Die Stellung der Schichten erscheint jedoch noch weit steiler, wie beifol-
gendes Beispiel zeigt. (Fig. 14.)
Die Schichtung ist am rechten Ufer bei Schottwien, unterhalb der kleinen Thurm-
ruine ganz übereinstimmend mit jener weiter oben im Adlitzgraben. Auch hier fallen die
Schichten (mit etwa 40°) nach N. ein. Ebenso an der Strasse im Schottwiener Graben, am
rechten und linken Ufer, und auch an der Enge beim oberen Eingange in denselben. Bei der
Enge fallen die Kalke mit 00° gegen N., weiter uördlicli aber im Allgemeinen mit 45°.
Gleich oberhalb der Enge stehen am Steilabsturz des Bürgerwaldes, bei der ersten
Wendung der Semmeringstrasse, dunkle dolomitische Kalke an. Mächtigere Bänke wechseln
Zwisclien Lechner- und
Gamperlgiaben.
Str. hora 5.
Fig. 14.
Eine Felsparthie
östlich von der
Burgruine.
Fig. 15.
hier mit dünnplattigen, glimmerig flächigen Schichten
ab, weich' letztere vollkommen übereinstimmen mit
den Plattenkalken beim Krennthaler'schen Kalkofen
bei Göstritz (man vergl. weiter untenj, und den Pen-
tacrinitenkalken am Semmering. Die Schichfen lie-
gen hier ganz flach (mit circa 10° nach N. geneigt)
und die Aufeinanderfolge zeigt die folgende Skizze
(Fig. 15).
An der alten Semmeringstrasse zwischen Schottwien und Mariaschutz liegt Nu von Mariaschutz
ein kleiner Steinbruch zur Gewinnung von Strassenschotter, wo gleichfalls grauschwarze, weissaderig,
Denkschriften der mathem.-naturw. Gl. L. Bd. Abhandlungen von Nichtmitgliedem. a
1. Mächtige Bänke, grauschwarz, weiss-
aderig. (Fallen N.)
2. Kalkschiet'er und glimmerig schiefe-
rige Schichtflächen.
3. Silberglänzende Schiefer. Talkführend
mit Kalkzwischoulagen.
4. Grauer dolomitischer Kalk.
188
Franz Toula.
dichte und feinkörnige Kalke in mächtigen Bänken anstehen. Sie streichen hier hora 7 und fallen mit r)U°
nach N. Sie lassen Spuren von Criuoiden und Pelecypoden erkennen.
Fis. 17.
Fig. 16.
1. Talkführender Schiefer.
2. Kalkschiefer und Plattenkalke mit glimmerigen
Schichtflächen, reich an Pentacriuiten.
3. Dunkle, feste Kalkbänke.
2. u. 3. zeigen nördliches Einfallen mit 40 — 50 .
Streichen hora 6 — 7.
Gefaltete Kalke bei der Mörtenbrücke.
An der Kreuzungsstelle der neuen und der alten Strasse am Haarbreit liegen, am Stidfusse des Göstritz,
die lichten glänzenden Quarztalkschiefer zu Tage, ganz wie am Semmering. (Gyps führendes Gestein.) Weiter-
hin und zwar scheinbar darunter einfallend, treten am Gehänge des Göstritz die Kalkschiefer auf, welche hier
ganz besonders reich sind an Pentacriniten.
Die Lagerungsverhältnisse sind ganz ähnlich jenen an der Enge oberhalb Schottwien. (Fig. 16.)
Am Wege gegen die Mörten- (Martin-) Brücke folgen dann in vielfach gestörter Lagerung mit gebogenen
und gefalteten Schichten (Fig. 17) dolomitische Kalke und Zellenkalke und (unmittelbar bei der Brücke) grau-
schwarze, weissaderige Kalke. Nach der Brücke zeigen die Schichten ein Streichen nach hora 4, bei nörd-
lichem Einfallen mit circa 35°.
Beim „Erzherzog Johann", etwas unterhalb der Sattelhöhe, treten die hier roth gefärbten Liegend-
schiefer auf.
Der ganze Schichtencomplex zeigt westöstliches Streichen und fällt nach N ein. Er bildet das Liegende
der dolomitischen Kalke des Bürgerwaldes und des Jägerbrandes. In einiger Entfernung von diesem Auf-
schlüsse gegen Südost hin findet man eine unter dem Pentacrinitenkalkschiefer einfallende, circa SO"" mächtige
Quarzitschichte, deren Liegendes sehr feste licht grau gefärbte weissaderige Quarzsandsteine bilden.
Der Gyps der benachbarten Gruben lagert, in circa 6 Meter Tiefe, in dünnplattigen, lebhaft glänzenden
Schiefern von violetter Färbung, welche ganz und gar mit jenen aus dem grossen Semmeringtnnnel, auf der
österreichischen Seite herausgebrachten Gesteinen übereinstimmen. Auch diese gypsfUhrenden Schiefer fallen
nach N ein.
Über den gypsftihrenden Schiefern lagern an der Krennthaler Wand (Himmelreich) gleichfalls dunkle
Rhätkalke. (Fig. 18.)
Die häufigsten unter den bestimmbaren Resten aus den dunklen mergeligen Kalken mit braunen Flecken
(Nr. 4 des vorstehenden Profils) sind die folgenden:
Änomia alpina Winkl.
Pecten Valonimsis Defr.
Ävicula cf. contorta Porti.
Leda alpina Winkl.
Leda Borsoni Stopp.
Mytilus minutus Gldf.
Myophoria Emmerichi Winkl.
„ sp. (cf. liasica Stopp.)
Geologische Untersuchungen in der „ Grauwackenzone" der nordöstlichen Alpen.
139
Cardita cf. multiradiata Emm.
Anatina &iL praecursor Quenst.
Cypricardia Marcignyana Martin.
Es sind durcliwegs Bivalven, eine Fauna bildend, welche die grösste Ähnlichkeit hat mit der nach
Suess (in seiner mit v. Mojsisovics herausgegebenen Arbeit über die Gebirgsgruppe des Osterhornes,.
Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst. 1868, S. 188 if.) für die schwäbische Facies der rhätischen Stufe bezeich-
nenden.
Fig. 18.
Ansicht des Kiennthal er' sehen Kalk Steinbruches im Göstritzgrabeii.
1. Düunplattige Schiefer.
2. Kalkbank mit undeutlichen Crinoiden.
.3. Dicke Kalkbank mit spärlichen Calcitadern
4. Graue, z. Th. braunfleckige, mergelige Kalke, in
dicken Bänken (10 — 40'° mächtig) mit schiefe-
rigen Zwischenmitteln (3 — 8'"). Bivalven führende
Schichte.
5. Dunkel grauschwarze braunfleokige Kalkbänke.
6. Grauschwarze weissadrige Kalke. Unzählige feine
Klüfte durchziehen das Gestein, und machen es
in ei'kige Bruchstücke zerfallen. Andeutung einer
plattigen SchiL-htung.
7. Dünnplattige schwärzliche Kalkschiefer und Penta-
criniten.
Die rhätisclien Fossilien aus den dunklen Kalken (Schichte 4) im Göstritzgraben (Krenn-
thaler'scher Kalkbruch).
1. Anomia alpina Winkl. (Seh. d. Av. contorta S. 5, Taf. I, Fig. 1.) Quenstedt, Jura. Taf. I, Fig. 16.
Dittmar: contorta Zon. S. 156.
Ein kleines Exemplar zeigt recht gut die allgemeinen Schalenform. Ein grösseres Stück lässt auch die so
charakteristische feine Radialstreifung in der Nähe des Stirnrandes erkennen. Es gleicht ganz und gar der von
Qnenstedt gegebenen Abbildung.
2. Peeten Valoniensis Defr. Oppel und Suess: Sitzungsber. d. kais. Akad. der Wissensch., Bd. XXI,
Taf. II, Fig. 8.
Peden acuteauritus Schafh. Neues Jahrbuch 1850. Taf. VII, Fig. 10.
Peeten cloaemus Qnenstedt, Jura. Taf. I., Fig. 33, 34.
In drei Stücken vorliegend. Das eine, ein Bruchstück eines auffallend grossen Exemplares mit scharfen
weit von einander abstehenden Rippen, stimmt am besten mit der von Quenstedt abgebildeten schwäbischen
Form überein. Im Übrigen möchte ich auf die von Schafhäutl gegebene Beschreibung hinweisen (1. c.
S. 416).
3. Avictila, cf. contorta Porti. Syn. Diltmar, S. 163.
Liegt in einigen Sclialenstücken vor.
140 Franz Toula.
4. Leda percaudata GUmbel. Leda AlfinaWiu}s.\.
Nur ein ziemlich gut erhaltenes Stück konnte herauspräpariert werden. Es ist ein etwas gedrungeneres
Exemplar.
5. Leda Borsonl Stopp. S. 33, Taf. XXX, Fig. 25.
Stimmt recht gut mit der citierten Abbildung überein.
6. Mytilus minutus Gldf.
Die von Moore 1. c. Taf. XV, Fig. 26, gegebene Abbildung seiner 3Iodiohi minima stimmt recht gut. Selbe
wurde von Dittmar mit Mytilus minutus vereinigt. Nur die bei der citierten Abbildung angegebene Ein-
krümmung des Stirnrandes ist an unserem Stücke nicht vorhanden, sondern verläuft bei diesem der Stirurand
in gleichförmiger Krümmung.
7. Myophoria Emmerichi Winkl.
Am besten stimmt die Abbildung in Quenstedt's Jura (Taf. I, Fig. 4), wo auch daraufhingewiesen wird,
dass bei dieser kleinen Form Andeutungen von Radialstreifen ..auf der Area" vorkommen. Bei einem unserer
Stückeist diese Radialstreifung sehr deutlich ausgeprägt. Winkler, der die citierten Formen mit seiner
Myophoria Emmerichi identificiert, erwähnt nichts von dieser Streifung.
8. Myophoria sp. (cf. liaslca Stopp.)
Nur in einem grösseren Steinkern erhalten.
9. Cardita cf. multiradiata Emm. u. Dittmar.
In einer grösseren Anzahl vorliegend; leider ist jedoch kein einziges Exemplar vollkommen erhalten.
Die meisten der Abdrücke würden jener Form entsprechen, welche gewölinlich als Cardita austriaca v. Hauer
bezeichnet wird, doch sind diese Steinkerne unserer Art gerippt und ist die Zahl der Rippen der Schalenober-
fläche eine geringere. Cardita munita Stopp, ist durch die bei dieser Art vorkommenden Zwischenrippen
unterschieden.
10. Anatina cf. praecursor Quenstedt.
Nur ein Exemplar, das zwischen Anatina praecursor Quenst. und Anatina Suessi Oppel zu stehen
scheint. Von ersterer Art unterscheidet es sich durch die gleichmässigere Wölbung des mittleren Theiles der
Schale und durch die weniger scharf ausgeprägte Runzelung. Auch ist die Verlängerung des hinteren Theiles
der Schale weniger beträchtlich. Von Anatina Suessi unterscheidet es auch der Mangel der Einbuchtung des
Stirnrandes.
11. Cypricardia Marcignyana Martin. (1859 Mem. strat. del'infra lias. Mera. de la soc. geol.de France.
2. s6r., Bd. 7, Taf. IV, Fig. 13, 14.)
Pleurophorus elongatus Moore. (Quart. Journ. geol. Soc. Bd. 17, S. 504, Taf. XV, Fig. 12, 13.)
Die von Moore gegebenen Abbildungen stimmen anf das Beste mit unserem Stücke überein.
Die plattigen Kalke halten bis über die Wirthschaft des Grafen Guteuhofen an, immer über den gyps-
führenden Schiefern auftretend. Am „Schanzsattel", gegen „Schlagl" hin, stehen graue dolomitische Kalke an,
welche am Wege zum „Schlagl" theilweise als gelblieh gefärbte Zellendolomite, Rauchwacken, ausgebildet
sind. Im Hohlwege, der vom Schlagl nach Otterthal führt, sind am Anfange diese Gesteine förmlich in Dolomit-
staub umgewandelt. Später folgen dann auf diesem Wege dunkle dolomitische Kalke in verschiedener Ans-
bildnng: zum Theile weissaderig, in einzelnen Bänken krystallinisch körnig. Unweit des Kohlenbrenners
treten schwarze, weissaderige , plattige Kalke mit etwas glimmerig flaserigen Schichtflächen anf, welche
liora 5 streichen, aber leicht nach S geneigt sind, und petrographisch, sowie auch ihrer Stellung nach ganz
mit den Pentacrinitenkalkschicfern übereinstimmen. Bei dem ersten Hause von Otterthal treten gegen den
Otterberg hin einzelne Blöcke von weissem Quarzit auf.
Geologische Untersuchungen in der „Grauwackenzone" der nordöstlichen Alpen. 141
Das Liegende am Ausgange des Grabens bei Otterthal bilden Phyllite, die auch in dem Ideinen nach NO,
gegen den Ramsrlicken hinauf führenden Seitengraben anstehen. Unter demselben treten echte Gneisse mit
Quarzadern auf. An einer Stelle wurde hier auch das Vorkommen von Granitgneiss constatiert.
Im hinteren Mörtengraben tritt schneeweiss gefärbter, körniger Gyps (am Haarbreit) in fast horizontaler
Lagerung auf. Diese Bänke wechseln mit dünnplattigen Partien ab.
Über das Vorkommen heisst es im ,, Führer zu den Excursionen der deutschen geologischen Gesellschaft"
1877, S. 195 (nach Hofrath Tschermaks Mittheilungen):
„Der Gyps lagert zwischen Quarzit und Thonsehiefer in wohlgeschicliteten, fast horizontalen Bäni^en, ist
weiss oder blauroth gefärbt, kleinkörnig, dem Alabaster ähnlicli und enthält oft Stückchen von Thonsehiefer
und Kalkstein, zuweilen auch Anhydrit. Accessorisch und nicht häufig finden sich: Bitterspath, Albit und
Pyrit.«
über die Gypsvorkommnisse in unserem Gebiete finden sich einige Angaben in dem Aufsatze: „Gyps-
brüche in Niederösterreich und den angrenzenden Landestheilen," von Job. Czjzek. (Jahrb. der k. k. geol.
Reichsaust. II, 1851, S. 31.)
In der Nähe von Payerbach wird zwischen Gloggnitz und Reichenau ein „gegenwärtig" verfallener
Gypsbruch angegeben. „Er ist an der Grenze zwischen Kalk und den bunten Schiefern" gelegen, also offen-
bar ganz analog jenen im Göstritzgraben.
Von diesem und einem zweiten, westlich davon „im Wolfsgraben gelegenen" heisst es, dass der letztere
von Kalkstein überlagert sei, und dass „diese Localität bisher dem Gebiete der Grauwacke zugezählt wurde."
Schliesslich wird in der citierten Arbeit der Gyps der nordöstlichen Alpen ganz allgemein als den bunten
Sandsteinen angehörig, und zwar als ein oberes Glied derselben bezeichnet, entstanden „nach der Ablagerung
der bunten Sandsteine und der Doloniitisation zum Theile ihrer eigenen Kalklager".
b) Nördlich von der Bahnlinie Semmering-Eichberg.
Auf dem Wege zum Bollerus- (Pollero8-)Bauer treten in dem kleinen Graben dunkle Schiefer auf,
welche kreuz und quer durchsetzt sind von Quarzadern. (Carbon.)
Vom Poileros aufwärts gegen die Kammhöhe trifft man grüne und graugrüne Schiefer. Vorherrschend aber
sind die Quarzsandsteine mit dem silberglänzenden Zwischenmittel. (Übereinstimmend mit dem Gestein der
Lehne beim Gloggnitzer Bahnhofe.) Auf der Höhe finden sich in einzelnen losen Stücken grüne Schiefer. Nach
Norden hinab trifft man weiterhin die silberglänzenden schieferigen Quarzsandsteine. Nur hie und da findet
sich ein loses Steinstück aus grünem Schiefer. Erst dort, wo die Wege nach Reichenau und Hirschwang sich
scheiden, werden die Grünschiefer wieder herrschend, so dass wir also in diesem Profile die Griinschiefer
sowohl scheinbar im Liegenden, als auch im Hangenden der glänzenden Quarzsandsteine auftreten sehen.
(Man vergl. Fig. 3 auf beifolgender Tafel.)
Im Breitensteiner Graben stehen, wie schon erwähnt, die Carbonsandsteine an. Von oben herab werden
glimmerig- glänzende quarzreiche Schiefer gebracht, sowie auch die typischen feinkörnigen grauen Schiefer.
Von Breitenstein über den Ortsbauer in die Prein.
Vom Viaduct bei der kalten Rinne, wo noch graue weissaderige, krystallinisch- körnige und zum Theile
löcherige Kalke anstehen, kommt man sofort auf die schieferigen Carbonsandsteine mit Conglomerat-Einlage-
rungen, welclie auch beim Ortbauer anstehen. Die erzherzogliche Villa auf der Kammhöhe steht an der Grenze
gegen den Kalk des holien Reith (dicht, grau, halb krystallinisch.)
Der Weg verläuft im Schiefer (an einer Stelle fand sich ein grünlicher Quarzitschiefer) nahe der Kalk-
grenze. Nahe der Einmündung des Weges in den „Eselbachgraben" trifft man auf weisse Quarzitschiefer und
grauweissen Quarzit, ganz von derselben Ausbildung wie beim Lechnerviaducte und bei Klamm (Streichen
hora 6, Schichtstelliing saiger). Weiterhin kommt man dann wieder auf echtes Carbongestein, sehieferige Sand-
142 Franz Toula.
steine mit Conglomerathigern, und feinkörnige Graphitschiefereinlagerungen. Bei dem Kalkofen im Eselbach-
graben wird licht röthlich grauer, und dunkelgrauer, weissaderiger Kalk gebrannt.
Am Eingange in den Lechnergraben stehen dichte Quarzite an. Oberhalb des Lechnerbauernhauses
ist der Quarzit in einer Materialgrube aufgeschlossen.
Beim Lechner liegen allenthalben die grobkörnigen Conglomerate herum, welche dieselbe Ausbildung
zeigen wie beim Grilleuberger Eisensteinbergbaue (unweit Payerbach.) Auch finden sich hie und da
Blöcke von röthlichem Kalke.
Das Eisenockervorkommen im Gamperlgraben.
Im Hintergrunde des genannten Grabens, der aus dem vorderen Adlitzgraben gegen den „Todenberg"
hinanführt, treten typische plattige Carbonsandsteine auf, die unmittelbar auf Quarzit lagern. Sie streichen hora
7 — 8 und fallen mit 45° nach N ein.
In diesen treten graugrüne Schiefer als Einlagerungen auf und darunter erst liegt späthiger, gelblich-
weisser Kalk, der von zahlreichen Quarzadern netzartig durchzogen ist und Spuren von Pyrit enthält, der zumeist
in Brauneisen umgewandelt ist. Dieser Kalk stellt eine linsenartige Masse vor, vergleichbar den Magnesit- und
Spatbeisen-Einlagerungen des benachbarten Gebietes. Im Gehänge, wo der Bach einen kleinen Wasserfall
bildet, ist das kalkige Gestein stark zersetzt und tritt der Eisenocker als Ausfüllung zelliger Räume etwa so
auf, wie die „Dolomitasche" in den Zellen der ,,Raucliwacke". Eine Beschreibung desselben Vorkommens
entnehme ich auch einigen Notizblättern, die mir von Herrn Prof. Suess vor längerer Zeit freundlichst über-
lassen wurden, dem ich an dieser Stelle dafür meinen besten Dank sage.
„Im oberen Gamperlgraben ist der Quarzit normal überlagert, von graugrünlichem Phyllit, der Bänke
von sehr hartem, zum Theil dunkelgrün gefärbtem Quarzconglomerat enthält. In einer Vertiefung des letzteren
liegt der Ocker. Alle die hier sich findenden Kalk- (oder Ankerit?) Blöcke sind durch Zersetzung netzförmig
zerklüftet, in den Klüften aber liegt allenthalben Ocker. In ganz zersetzten Blöcken zeigen sich blauschwarze
gebänderte sphäroidale Zeichnungen". Das Ganze ist nach Prof. Suess als eine secundäre Bildung aufzufassen.
Die Quarzite, die im Gamperlgraben unter den Phylliten liegen, dürften (nach Suess) jünger sein als die
Quarzite des Semmering.
Im Wagnergraben bei Klamm liegen zu oberstim Bachrisse grüne Schiefer, diese enthalten dichten
weissen Magnesit, der dünngeschichtet in Bänken auftritt, und stellenweise krystallinische Ausbildung zeigt,
so dass er nach Rumpf als Pinolit bezeichnet werden kann. Die dünngeschichteleu Gesteinspartien erscheinen
durch dünne Ockerzwischenlagen förmlich wie gebändert.
Rumpf bespricht in seiner Arbeit über die krystallisierten Magnesite aus den nordöstlichen Alpen' auch
die Pinolite zwischen Semmering und Gloggnitz und erwähnt unter anderem auch, dass das Magnesitgestein
förmliche Adern von Pyrit enthalte. Die erwähnten Ockerzwischenmittel dürften wohl auf umgewandelte Pyrite
zurückzuführen sein.
Neben dem Magnesit findet sich in den grünen Schiefern im Wagnergraben auch milchweisser Quarz, in
Knauern und Linsen, im Gestein eingeschlossen.
Unter dem Grünschiefer liegen violett gefärbte, glänzende Schiefer, welche sich talkig anfühlen
und vollkommen übereinstimmen mit den talkhältigen Schiefern des Semmeringtunnels und mit den bei Schott-
wien über dem Gyps sich vorfindenden Schichten. Darunter treten Sandsteine, mit lebhaft glänzenden schie-
ferigen Bmdemittel auf, welche petrographisch vollkommen überstimmen mit den beim Stationsgebäude von
Gloggnitz, am Steilgehänge, anstehenden Gesteinen.
Unter diese Grauwacken einfallend, finden sich endlich die feinkörnigen, dunklen, graphitisch glänzenden
Sandsteine mit Pflanzen der Steiukohlenformation (S. 13).
1 Tschermak, Min. Mitth. 187 , S. 270, 271. Das Vorkommen findet sich auch schon besprochen von Foetterle,
Jahi-b. (1. k. k. geol Reichsanst., 1850, S. 578 und 1852, IV. Heft, S. U5.
Geologische Untersuchungen in der ,, Grauwackenzone" der nordöstlichen Alpen.
143
Die Steinkohlensaud steine stehen auch beim Wächterhause östlich vom Wagnergraben an. Sie sind
hier steil aufgerichtet, streichen hora 5 und fallen mit 80° gegen N.
An dieser Stelle fand sich ein freilich schlecht erhaltenes Sigillarien- Stammstück.
Über den Steinkohlensaudsteinen treten hier Quarzcouglomerateauf, ganz und gar jenen gleichend, welche
über dem Siderit am Grillenberge bei Payerbach vorkommen. Hier scheinen die Magnesite stellvertretend
anstatt des Siderites aufzutreten. Der Quarz der Conglomerate erscheint an manchen Stellen eigenthümlich
zerfressen.
Unter dem Carbonsandstein liegt beim Wächterhause lichtgrünlich gefärbter, mürber Schiefer.
Au der Bahntrage aufwärts gehend triift man bei dem Zeiger „04 Kilora.-' weiter im Liegenden der Sand-
steine grauen wohlgeschiohteten Quarzit (halbkrystallinisch erscheinenden Quarzsandstein), der etwa 150"
weiter eine Wand bildet und daselbst hora 7 — 8 streicht, bei nördlichem Einfallen.
Vom Orte Klamm zur Eisenbahnstation.
Graue geschichtete Quarzite, dieselben durch welche auch der Tunnel gefUlirt ist, stehen an dem Eingange
des Hohlweges bei Klamm an. Die Bänke sind unten 2 — 5''"° mächtig, werden aber auch oben zu dünn-
geschichtet und sind von weissen Quarzadern durchschwärmt. Sie streichen hora 7 — 8 und fallen nach N.,
scheinen also concordant mit den übrigen gelagert. Sie bilden das Liegende der Steiukolilengesteine. Gegen-
über der Station Klamm treten zwischen den Sandsteinbänken dunkle, grünlich und bläulieh gefärbte
Schiefer auf.
Die Carbongesteine streichen unmittelbar bei der Kirche von Klamm vorbei (hora 6—7).
Fig. 19.
niiierSi-ii .
Unter dem Kalke, auf welchem die Ruine Klamm steht, findet sich ebenso wie auch nordwärts davon in
der Einsenkung Quarzitschiefer, welchen man auch auf dem Wege nach Schottwien hinab uuter dem steil auf-
gerichteten Kalkfelsen antrifft.
Von Klamm zum Weninger Bauern (Stinzer d. Generalstabskarte).
Auf dem Wege durch die Mulde zur Kammhöhe halten, bis in die Mitte etwa, die glimmerig-schieferigen
Carbonsandsteine an, welche nach oben grobkörniger werden und Conglomeralbänke eiuschliessen. Im Hangen-
den treten sericitähnliche (graue) Schiefer auf, mit zarter Druckfälteluug. Auf der Höhe kommt mau dann auf
typisch entwickelte grüne Schiefer.
In dem vom Weninger nach Norden ziehenden Graben wurde auf dem Grunde des genannten Bauers auf
Kohle geschürft. Der betreffende Stollen durchfährt zuerst graue (sericitähnliche) Schiefer und quarzreiche, an
den Forellenstein erinnernde feste Schiefer. Es soll hier Kohle gefunden worden sein. Was uns der Bauer zeigte,
war jedoch nichts anderes als eine glänzende Braunkohle. Es scheint mit der Leichtgläubigkeit des Mannes
ein Spiel getrieben worden zu sein, das denselben in seinem ehemaligen Wohlstand geschädigt hat.
144
Franz Toula.
Fig. 20.
Vom Klamm zum Lechner-Viaduct.
Am Fahrwege oberhalb des Gamperlgrabens kommt man auf graue Schiefer („Silberschiefer" =: „seri-
citische Schiefer") und Carbongesteinen (schieferige Sandsteine und Conglomerate). Beim Lechner- Viaducte
stehen weisse Quarzite an, entsprechend jenen l)ei Klamm.
Gl oggnitz- Eichberg.
Zu Unterst (NO vom Schlosse) steht weisser, wohlgeschichteter Quarzit an, darüber folgt Quarzit mit
Talkschiefer-Zwischenmittel, dann grauer glänzender Scliiefer mit einer Magnesit-Einlagerung. Der Magnesit ist
krystallinisch körnig und von weissen Quarzadern durchzogen. Darüber tritt (nur in Findlingen und Bruch-
stücken und nicht anstehend angetroffen) grauer „sericitischer" Schiefer auf mit Quarzköruern (Gestein wie am
Silberberg bei Gloggnitz). Zu obeist scheint das dunkle Carbongestein (wie bei der Ffianzenfundstelle) anzu-
stehen. Auch Conglomerate finden sich in Bruchstücken.
Auf dem Wege zu dem vorderen Eichbergtunnel
kommt man auf schwarzen Kalk mit weissen Calcit-
adern, der petrographisch vollkommen mit jenem am
Schlagl und im Göstritzgraben übereinstimmt und eine
discordant über den Schiefern liegende kleine Scholle vor-
stellt, vielleicht den letzten Rest einer früher weiter aus-
gedehnten Decke. (Sti-eichen hora 2, Fallen nach NW mit
45°.) An der Bahnlinie zwischen den Kilometerzeichen
91*5 und 91-6 beim Wächterhause Nr. 21 und bis zu dem
Tunnel bei Hinter- Eichberg (wo dann die Grünschiefer
darüber folgen), stehen die typischen Carbongesteine an.
(Streichen hora 8 — 9, bei nördlichem Einfallen.)
Am Fusse des äussersten Vorsprunges des Schloss-
berges von Gloggnitz liegt das längst bekannte Vorkommen
des sogenannten „Forelleusteines". Die Art des Vorkom-
Forellensteinfels bei Gloggnitz. ' . i , . , , r , ■
mens wird die nebenstehende Skizze am besten erläutern.
« 1. ForeUenstein.
2. Grauer Schiefer. Der Forellenstein, „ein granulitähnliches Gestein",
3. Quarzreiche Lage. scheint mit den Quarziten der hangenden Gesteinspartien
der Grauwacken/.one in einem innigeren Zusammenhange zu stehen, wie ich schon an anderem Orte (Verband).
1877, S. 242) andeutete. Mit dieser Meinung würde auch die Angabe Czjzek's (1. c. S. 491) in guter Über-
einstimmung stehen, dass die Grundniasse des Gesteines nur aus Quarz bestehe. Auch bei Besprechung des
Quarzitvorkommens am Stickelberg zwischen Wiesmath und Lichtenegg weist Czjzek anfeine Varietät hin,
welche er trotz des gröberen Kornes mit dem ForeUenstein von Gloggnitz vergleicht (1. c. S. 514). Eine mikro-
skopisch-petrographische Untersuchung dieses Gesteines, sowie der anderen grauen und grünen Schiefer steht
schon seit längerem in Aussicht, nur sie kann hier Entscheidung bringen.
Gloggnitz-Payerbach.
Bei der Station Gloggnitz, an der steilen Berglehne des sogenannten Silberberges, stehen graublaue
Quarzitschiefer an mit Wechsellagerungen, von quarzreichen Conglomerateu und groben Sandsteinen, deren
Bindemittel eine lebhaft glänzende glinimerig- schieferige Masse bildet (sericitähnliches Zwiscbenniittel).
Diese quarzreichen „Grauwackengesteine" streichen von West nach Ost und fallen nach N ein. Es sind meta-
morphosierte Sedimente, grobkörnige Quarzsandsteine, deren thonig-glimmeriges Bindemittel in einen silberig-
glänzenden Schiefer umgewandelt erscheint. Bei der ersten Krümmung der Schwarza, au der Thalenge,
stehen an beiden Thalseiten die „grauen Schiefer" an. Am linken Ufer, „am Geiiänge über der Bahn", treten
aber auch die soeben erwähnten „Grauwacken" auf. Dieselben finden sich auch beim Ausgange des Baches
von St. Christoph.
Geologische Untersuchungen in der „ Grauwackenzone" der nordöstlichen Alpen.
145
Fig. 21.
Über den grauen Schiefern liegen (nach dem Wächterhau.se Nr. 5) echte „Grün schiefer". Dieselben
streichen hier hora 8 und fallen ebenfalls nach N. Sie erscheinen au den Abbruch- (Quer-) Flächen wie
g-ebändert, da sie von verschieden mächtigen weis-
sen Quarzlagen durchschwävmt sind. Diese folgen
allen Krümmungen des Gesteins und sind in Folge
nachmaliger Faltungsvorgänge verschiedenartig aus
dem Zusammenhange gebracht, wie die beistehende
Skizze zei£;t. (Fig. 21.) Über den Grüuschiefern tre-
Quarz
OaoTZ
Grüuschlefer mit Qu.arzlagergängen oberhalb des Schulhauses
zwischen Schlöglmühl und Payerbach
(zwischen 78-8 u. 78-9Kilom.)
teu weiterhin wieder die Silberberg-Grauwacken
und zwischen den 80 und 80 ■ 2 Kilometerzeigern
grobkörnige Quarzconglomerate auf Diese letzteren
streichen hora 8— 9 und zeigen auch hier nördliches
Einfallen.
Beim Wächterhause 8 stehen sehr dünn-
plattige Schiefer au, die mit zum Theil arkosear-
tigen festen Sandsteinen wechsellagern. Die Schie-
fer streichen bei nördlichem Einfallen hora 9 — 10.
Die Sandsteine sind quarzreich, braun gefärbt und bilden Lagen von 2—15"° Mächtigkeit. Gegen die Station
Payerbach hin treten gleichfalls diese lebhaft glänzenden Schiefer mit Sandstein-Zwischenlagen und vielen
weissen Quarzadern auf.
Vom Wächterhause Nr. 8 führt ein Weg zu den alten Eisengruben am Grillenberge. Am Wege dahin
werden die Schiefer sandig, treten dann zurück und die Sandsteine werden herrschend. Dieselben streichen hier
hora 7 und zeigen auf den Unterseiten ganz ähnliche und zum Theile sehr mächtige Wülste, wie man sie auch
auf den Flyschsandsteinen so häufig findet. Die Erze (Siderif, Brauneisen, Eisenglanz, Pyrit etc.) liegen im Han-
genden der Schiefer und zwar über grobkörnigen Quarzsandsteinen und Conglomeraten, die ihrerseits über
den silberglänzenden Schiefern lagern. Der Siderit bildet an einer Stelle das Bindemittel einer Schieferbreccie.
Im Hangenden des Erzlagers treten sofort die hier grau gefärbten Werfener Schiefer auf.
Dieselben .sind im Norden des Grillenberges im oberen Weruinggrabeu graublau gefärbt und nehmen beim
Verwittern eine licht bräunliche Färbung an. Sie streichen hora 6 — 7 und fallen mit 50° (^stellenweise noch
viel steiler) nach Nord. (Unter den Blöcken finden sich viele vom Aussehen des Guttensteiner Kalkes.)
Die West- und Südseite des Grillenberges wird von den Sandsteinen gebildet. Die groben Conglomerate
— man wird versucht an Verrucano zu denken — treten in gestörter Schichtenstellung auch im vorderen
Werninggraben auf.
Es sei hierbei bemerkt, dass diese Quarzconglomerate aus der Nähe des Erzlagers petrographisch voll-
kommen übereinstimmen mit jenen, welche bei Klamm im Hangenden des Carbon auftreten.
Für das Erzvorkommen am Grillenberg nimmt Miller v. Hauenfels (Berg- und Hüttenmännisches Jahr-
buch XIII, 1864, S. 230) an, dass dasselbe in einem zwischen den Werfener Schiefern und den Guttensteiner
Kalken gelegenen Quarztrümmergesteine auftrete. Ebenso wird das Gollrader Erzvorkommen als Han-
gendes des Werfener Schiefers angegeben (1. c. S. 232). Für die Eisensteine von Altenberg und Bohn-
kogel dagegen wird angenommen, dass dieselben ebenso wie in der Veitsch unterhalb des Buntsandstein-
Horizontes gelegen seien.
Ein ähnliches Verhalten zeigt das Erzlager von Eisenerz. (Man vergl. das MiUer'sche Profil Fig. 4,
1. c. 233.) Es sprechen diese Angaben nur dafür, dass die Erzlager nicht an einen bestimmten Horizont
gebunden sind.
Schon im Tun ner 'sehen Jahrbuche (III. Jahrgang) wurde darauf hingewiesen, dass die Siderite, im
östlichen Theil der Erzzone wenigstens, in der Hangendregiou der Schiefer unterhalb, oder noch im Bereiche
der Werfener Schiefer auftreten, womit unsere Beobachtungen überstimmen, ja es rauss ganz besonders noch
Uenkschriftuu der mathem.-naturw. Gl. L. Bd. AbhandlangeD von NicbtmitgUiidera. t
146 Franz Toula.
betont werden, dass die Siderite in siclier noch jüngere ( untertriadische) Bildungen hineinreichen, wie dies
z. B. für das Erzvorkommen im Klausthale beim „Gasteiner" (Vöstenhof West) am Ostabhang des Gahns-
berges zu beobachten ist.
Oberhalb des Viaductes, am linken Ufer der Schwarza, stehen, dunkel blauschwarze, glänzende Schiefer
an, welche von Quarzadern durchschwärmt ersclieinen und zarte Drucktaltelung zeigen (Streichen hora 7 ). Sie
folgen über violett gefärbten, mit sericitischen Schiefern weclisellagernden Silberschiefern, welche petro-
graphisch mit den Semmeringtunnelgesteinen übereinstimmen. Darüber liegt plattiger Quarzitschiefer (der wohl
als eingelagert in die dunklen Schiefer aufgefasst werden muss).
Das kleine Vorkommen von Kauchwacke ist meiner Meinung nach dem Schiefersysteme nicht eingelagert,
sondern als eine herabgebrocheue Scholle von untertriadischem Zellenkalk aufzufassen (zeigt aucli ganz
abweichend von den sonst herrschenden diesbezüglichen Verhältnissen südliches Einfallen). (Man vergl. das
Profil nach Prof. Tschermak Fig. 3.) Die plattigen Quarzitschiefer gehen nach oben, gegen die Weifener
Schiefer zu, in schwarze Kieselschiefer über. Bei den obersten Häusern des Schneedörfl's stehen typisch
entwickelte Werfener Schiefer an. Es treten aber auch graublau gefärbte Schiefer auf, die entweder bereits den
Werfener Schiefern zugehören oder aber als oberstes Carbon aufgefasst werden müssen.
Bei der Kirche von Payerbach stehen die echten Grünschiefer in povphyrartiger Ausbildung an. (Dies
Aussehen wird durch das häufige Aufteteu von Krystallen bedingt.) Streichen im Graben oberhalb der Kirche
hora 7 — 8 und fallen mit 50° nach N. Wohlgeschichtet wechsellagern ganz dünnplattige Partien mit mächtigen
Bänken, reich an Quarzadern, die zwischen den Schichten eingelagert erscheinen, ganz ähnlich so, wie es an
der Strasse rechts, oberhalb des grossen Eisenbabnviaductes (Fig. 21, S. 145), oder am linken Schwarzaufer
zwischen Payerbach und Schlöglmühl sehr schön zu sehen ist. Diese Gesteine halten auch in dem Schacher-
graben bis über die Köhlerstätte hinaus an (sie führen ab und zu Kiesel), dann tritt darunter ein quarzreicher
Schiefer auf, unter welchem sich dann graugrüne Schiefer in concordanter Lagerung einstellen. (Typischen
Forellenstein fand ich in einzelnen Findlingen.) Kurz vor dorn „Schacher", nahe der Höhe, treten nochmals
quarzreiche Schiefer auf, während jenseits der Klammhöhe, gegen Klamm hinab, die graugefärbten dünn-
geschichteten und lebhaft glänzenden „grauen Schiefer" anhalten. Dieselben zeigen ganz dieselben Lagerungs-
verhältnisse. Streichen hora 7 — 8, Fallen mit circa 40° nach N.
Am Südgehänge stellen sich nochmals grüne Schiefer ein. Auf dieser Linie liegt auch das Mngnesit vor-
kommen desKobermann-Rückens. Es bildet einen kleinen „Kogl" nahe der Bahnlinie. Ein durch ober-
flächliche Umfärbung braun-schwarzes Magnesitriff liegt auch rechts vom Wege im Felde. Der Magnesit
erscheint hier im grauen Schiefer eingebettet.
Kaum 50 Schritte vom Magnesit beginnen im Graben, durch den die Strasse steil hinabführt, die sandigen
Carbonschiefer. Das unmittelbar Hangende des Carbon bilden grüne Schiefer. In den Hangendpartien des
Carbon treten grobkörnige Quarzconglomerate auf.
Oberhalb des „Fink"-Bauernhauses, am rechten Ufer des Baches, finden sich graublaue, mürbe, sich
fettig anfühlende Schiefer (ganz analog jenen im Semmeringtunnel) in sehr gestörter Lagerung; am linken Ufer
aber graugrüne, feste Schiefer, welche stellenweise Pyrit und Pseudomorpbosen von Brauneisenstein nach Pyrit
enthalten. Dünne Lagen von Quarz erscheinen eingeschaltet. Das Gestein erinnert lebhaft an die mit dem
Forellensteiu von Gloggnitz zusammen vorkommenden qnarzreichen Schiefer. Zwischen dem Fink-Bauer und
der „Kostenweiuhütte" erscheint der graue, plattig brechende Schiefer, und zwar in den Grttnschiefer ein-
gelagert.
Die grünen Schiefer von Payerbach vergleicht Tsche rmak (Verhandl. der k. k. geol. Eeichsanst, 1873,
S. 62) mit den entsprechenden Gesteinen im Oberhalbstein in der Schweiz (Epidot und Calcit führend). „Von
den, dem Coniplexe der grauen Schiefer angehörenden Gesteinen lässt sich manches mit dem vergleichen, was
von Theobald als Casannaschiefer bezeichnet wurde, woraus aber nichts weiter folgt als die bisher zu wenig
betonte Ähnlichkeit der älteren alpinen Sedimentbildungen überhaupt." Eine gedrängte Darstellung der Ver-
bältnisse südlich von Reichen au findet sich in dem „Führer zu den Excursionen der deutschen geologischen
Geologische Untersuchungen in der ,, Grau wackenzone" der nordöstlichen Alpeti. 147
Gesellscliaft", Wien 1877, S. 190, vvelcüe auch hier anzufülireu ist (sie wurde nach deu brieflichen Mitthei-
lung-en Prof. Tschermak's gegehen).
„Die flachen, zum Theil waldigen Abhänge im Süden von Reichenau, auf denen viele Gehöfte zerstreut
liegen, bestehen bis .Schottwien hinaus aus paliiozoisclien Schiefern, von sehr verschiedenem petrographischen
Charaliter, die im Allgemeinen von Westen nach Osten streichen.
Es finden sich :
aj Thonschiefer (Pliyllite) oft glimmerreich, zuweilen in Sericitschiefer übergehend,
b) Grauwackensaudsteiue, die manchmal dem Sericitgneiss nahe stehen,
cj Qiiarzitschiefer und
dj Griinschiefer. Diese sind petrographisch interessante, graugrüne, schieferige bis unvollkommen schieferige
Gesteine, zuweilen gebändert, znweilen kleinkörnig oder dünnplattig, mit deutlich hervorstehenden Augit-
krystalleu, zuweilen Fhjckschiefer darstellend. Ihre Gemengtheilc sind: Plagioklas und Orthoklas in
Körnern, Hornblende in dünnen Nadeln, Epidot in Körnern, Biotit, C'alcit, öfters auch Augit, Chlorit und
Magnetit. Accessorische Bestandtheile sind: Calcit, Albit, Eisenglanz, Quarz, Pyrit und Clialkopyrit. (Man
vergl. auch die Notizen in Tschermak's Min. Mitth. 1872, S. 262.)
In demselben Rücken, aber in einem südlicheren Streichen, tritt wiederholt Magnesit mit Talk auf,
ersterer grobkrystallinisch als Pinolit. Bei Gloggnitz am Scldossberg steht ein granulitäliidiches Gestein an, das
in der Gegend Forellenstein genannt wird."
Auf der Linie Pettenbach — Kobermannberg — Klamm trifft man die nachstehend verzeichneten
Gesteine:
Der Abhang bei Pettenbach besteht aus Schutt von „grauem Schiefer". Vor dem Viaduct stehen die
typischen grobkörnigen „Silberbergsandsteiiie" an. Sie streichen hora 5 — 6, liegen also genau im Streichen
der Gesteine des Silberberges und fallen steil (mit 60°) nach N ein.
Darunter liegen dunkelgrau gefärbte Schiefer. Die glimmerigen Sandsteine halten bis zur Klamnihöhe an,
wo wieder graue Schiefer hervortreten, die hier auf der Höhe einen mächtigen Quarzgang umschliessen. Bei
der Kapelle (beim Kochhof) treten seidenglänzende, quarzreiche, graugrüne Schiefer auf, welche bis zu dem
Magnesit-Vorkommen anhalten.
Gegen die Station Klamm hin kommt man sodann unter jenen graugrünen Scliicfern auf die gröber
körnigen, schieferigen Sandsteine der Steinkohlenformation, von ganz demselben Aussehen, wie an
der Bahnlinie zwischen der Gamperl und Wagnerbrücke, der Localität der PflanzenfUhrung bei Klamm. Hier
konnte ich jedoch ausser einigen schlechten Calamitcs-Abdrücken nichts Bestimmbares finden.
Das Liegende dieser Sandsteine bilden die schon früher erwähnten Quarzite, durch welche sich der kurze
Tunnel zieht. Auf dem Wege der von der Kapelle nach Osten führt trifft Tuan grünliche seidenglänzende Schiefer
an, welche westöstlich streichen (genauer hora 7 — 8i und flach nach Nord einfallen. Beim Wäehterhause 22 a
treten wieder die gliramerigen Steinkohlensandsteine auf, unter welchen matte graugrüne Schiefer folgen, die
sich von den grünen Schiefern von Payerbach nicht unterscheiden lassen.
Derselbe Weg führt weiterhin am Bauernhofe bei den „drei Kreuzen" vorbei zu Thale. Bei dem Hofe
treten unter den graugrünen Schiefern dieselben starkglinimerigen Sandsteine hervor, die man schon beim
Wächterhause 22 a antrifi't, so dass man es hier ohne Zweifel mit einer Verwerfung zu thun hat. Hier bei den
„drei Kreuzen" findet man die Sandsteine wieder in verschiedener Ausbildung, bald feinkörnig, bald von gröberem
Korne, ja fast conglomeratartig. Sie lassen sich kaum unterscheiden von den am Eiuijange in die Klause beim
Gasteiner zu erwähnenden festen „Grauwacken". Die letztere Ausbildungsform hat wieder auÖallcnde Ähnlich-
keit mit den Grillenberg-Conglomeraten. Die Sandsteine streichen hier geuan westöstlicli (hora 6) und fallen
mit 4i>° nach Nord. Sie sind in den oberen Partien in dicke Bänke abgesondert, während sie in der Tiefe ganz
dünnplattig werden. Diese dünuplattigen unteren Partien entsprechen wieder dem pflanzenführenden Horizonte.
In dem Wildbachgraben sieht man die Unterlagerung der Steinkohlensandsteine durch die Quarzite auf
das beste aufgeschlossen. Diese sind wohlgeschichtet, licht grauweiss gefärbt, feinkörnig bis dicht uud bilden
148 Franz Toula.
Bänke uud Lagen von 3 — 15 und mehr Centimeter Mächtigkeit. Auf den Schichtflächen desQuarzites findet man
allenthalben einen talkig- anzufühlenden, zum Theile spiegelnden Überzug, der zwischen manchen Bänken auch
etwas dicker wird. Die Bänke lagern ganz und gar concordant mit den graugrünen Schiefern. (Streichen
hora 5—7 und fallen nach N.)
Die untersten Bänke des Quarzites sind vielfach gefaltet uud zerklüftet und von rein weissen Quarzadern
durchschwärmt.
Der Quarzit bildet hier im Graben Wände bis zu 20"° Höhe (!) und hält an, bis er endlich unter dem
Schutte (in diesem findet sich besonders viel grüner Schiefer) verschwindet.
Im Thale selbst ragt eine Kalkscbolle auf, welche das östlichste Rift' der Ad litzgraben wände vor-
stellt. Sie besteht aus einem dünnplattigen, grauen und weissaderigen Kalke, dessen Schichten westü.stlich
streichen (hora 5 — 6) und mit 800 nach Nord einfallen, also fast vertical stehen. In der Richtung des Ver-
flächens zeigen sieb allenthalben die deutlichsten Spuren von grossen Pressungs- uud Verschiebungsvorgängen
in der Form von parallel verlaufenden Furchen und Rillen auf den Schichtflächen. Es zeigt sich also auch
hier dass diese Kalkscholle nicht in den Schiehtencomplex älterer Schiefer gehört, sondern dass sie erst viel
später, an diese gewaltsam angepiesst und dadurch zerbrochen und aufgerichtet worden ist.
Im Preinthale.
Die grünen Schiefer reichen im Preinthale bis etwa 4 Kilometer weit hinein, wo bei der Sägemühle auf
der rechten Thalseite unterhalb Prein noch graugrüne Schiefer (streichen hora 8 — 9, fallen mit 40" uaeh N)
anstehen.
Vorher an der Wegabzweigung nach Gross-Au, streichen die typischen Grünschiefer hora 7 (fallen mit
45° nach N). Von der Prein zur Graphitgrube „im Gsöhl" findet man allenthalben graphitische Schiefer mit
Graphiteinlagerungen und dunkle, damit verbundene glimmerig schieferige Sandsteine. Neben Graphit erscheint
auch an einer Stelle Eisenkies. Eine der Gruben liegt oberhalb der Stelle, wo der Weg von Sonnleiten nach
Norden gegen die Königsschusswand abzweigt, die andere weiter oberhalb in dem nach Süden ziehenden
Graben.
Herr Oberverweser Schliwa schreibt in einem an Herrn Prof. E. Suess gerichteten Briefe (vom
25. Februar 1868), den mir dieser freundlichst überlassen hat, über die Graphitvorkomnmisse bei Reichenau
folgendes: „Hier in Reichenau haben wir einen Bau in der Prein, oberhalb dem oberen „Eggeh' links, 10
bis 15 Klafter ober dem Wege auf Graphit, in einem schwarzen Thonschiefer, eingelagert in schieferiger
Grauwacke, geführt, auch mehrere hundert Centner davon gewonnen, aber der Graphit war zu wenig feuer-
beständig, das Vorkommen sehr unregelmässig, in einzelnen Knollen, die einen krystallinischen Kern haben.
Das Meiste war schlammig d. li. feinkörnig." (Bei meinem Besuche im Jahre 1877 wurde soeben ein neuer
Stollen aufgemacht^
„Bei dem sogenannten Maierhofe des Fleischhauers OberdorlVr am Gsöhl, auf derselben Seite des Thaies,
aber nahe gegen den Rücken des Bergzuges, welcher den Adlitzgraben von der Prein trennt, und welcher vom
Gscheid gegen Gloggnitz fortläuft, hat Oberdorfer ebenfalls auf Graphit gebaut und mehre hundert Centner
gewonnen, derselbe war auch zu wenig feuerbeständig."
Auf dem Rücken zwischen dem Preingraben und dem Hollensteinergraben stehen weisse feinkörnige
Quarzite (analog jenen von Klamm) und weiterhin schieferige Quarzite an, die zum Theile mit löcherig aus-
gewitterten Breccien verbunden sind. Ich glaube, dass man es dabei mit Carbongesteinen zu thun habe.
In dem Steinbruche westlich von der Kirche in der Prein stehen diese Carbonsandsteine und Conglomerate
gleichfalls an. (Streichen hora 1 — 2, Einfallen nach 0.) Erstere sind im Liegenden, letztere, in Bänken bis über
1"" Mächtigkeit, im Hangenden vorherrschend. Die Gesteine erscheinen vielfach zerklüftet und in gestörter
Lagerung.
Der Hollensteinergraben zieht sich durch Quarzite hinan, bis in die Nähe der Kalke des Kalten-
bergzuges, der sicli als Fortsetzung der Kalke des Adlitzgrabens über die steierische Grenze hinüberzieht. Im
Geologische Untersuchungen in der „ Grauwackenzone'' der nordöstlichen Alpen.
149
Hangenden der körnigen Qiiarzlte und Quarzitschiefer stellen sich die grauen, hier weniger mächtigen Schiefer
(„Silberschiefer") ein.
Im Thalschutte findet man neben den lichten Qnarziten und dem dunklen Carbongestein auch das Silber-
berggestein („sericitische" Quarzconglomerate) und hie und da auch Brocken des an Quarzphyllite erinnernden
Gesteins.
Weiter aufwärts im Hollensteinergraben (oder Kaltenbaehgraben) trifft man in der Enge gegen „Kohl-
hiitten" auf gefältelten Quarzphyllit, als das Liegende der hier wohlgeschichteten, an der Grenze in einzelne
Schollen aufgelösten Kalke. Ein Vorkommen ganz ähnlich jenem oberhalb Kranichberg (man vergl. unten).
Auch petrographisch gleichen sicli die Kalke an beiden Orten auf das vollkommenste, er ist auch hier zumeist
halb krystaliiuisch, und besitzt glimmerige Schichtdäclien. (Streichen hora 6 — 7 bei steiler Aufrichtung der
Schichleu.) Die Kalke sind theils ganz düunplattig und dann stellenweise gebogen und gefaltet, theils zeigen
sie plattenförmige Absonderung; auch zeigen sie Übergänge von dichten Varietäten bis zu vollkommen zucker-
körnigen; die Farbe variiert von rein weis (zuckerkörnig) bis dunkelgrau (Plattenkalk und Kalkschiefer).
Gegen Thalhof hin findet sich viel weisser Quarzit, welcher an der Basis der Kalke anstehen dürfte, ^^■ie bei
Kranichberg (s. S. 40).
Es scheint nun nach Allem keinem Zweifel zu unterliegen, dass die krystallinischen und halbkrystallini-
schen Kalke der Adlitzgräben sich über den Kaltenberg einer- und über die Kampalpe andererseits bis nach
Mürzzuschlag und Kapellen fortsetzen und eine im Grossen und Ganzen gleichartige und gleichalterige Bildung
vorstellen.
Hirschwang über Edlach zu den Eisenerzgruben.
Vor der Giesserei treten graue glimnierige Schiefer auf, welche reichlich von Qnarzadern durchzogen sind.
(Streichen hora 7 — 8.) Sie stehen fast saiger und zeigen feine Druckfältelung. Weiterhin folgen über diesen
glimmerigeu Schiefern die grauen Schiefer und bei den unteren Hänsern von Klein-Au grangrüne Schiefer.
Vor den Tagbauen kommt man dann vorübergehend auf blauschwarze Schiefer.
Bei den Tagbauen treten über den Grünschieferu Quarzconglomerate auf, über welchen dann die Werfener
Schiefer folgen. Dieselben Quarzconglomerate stehen auch am Eingange des unteren Stollens an; sie sind
daselbst mittelkörnig und ähnlich jenen am Grillenberg. Im Stollen wurden, im Hangenden der Werfener
Schiefer, auch die untertriadischen Kalke angefahren.
In den weiter nordöstlich gelegenen Gräben (zu Klein-Au am Knappen- oder Altenberg) liegen die Erz-
Vorkommnisse in vielleicht schon zu den Werfener Schiefer zu rechnenden, graugrünlich, bis violett und rotli
Fig. 22.
gefärbten, glimmerreichen, mit den Schiefern oberhalb der Sta-
tion Payerbach übereinstimmenden Gesteinen und zwar in den
liegenden (graugrünen) ^'arietäten. Die Erzproben sind sehr
quarzrcieh und zum Theil breccienartig, sie führen Siderit mit
Kupferkies und Pyrit; Eisenglanz in der Form von Eisenglim-
mer ist sehr häufig; Malachit und Azurit finden sich in Anflügen
auf einzelneu grossen VersetzstUcken an der Haldenumgren-
zung.
Vergesellschaftungen, wie sie die nebenstehenden Figuren
(Fig. 22 a h) zeigen, sind nicht selten.
In dem Generalberichte über die Berg- und Hüttenmänni-
schen Hauptexcursionen in den Jahren 1843 — 1846 (III. Jahr-
gang von Tunners's Jahrbuch) finden sich über die Eisenstein-
baue in der Umgebung von Reichenau folgende, für unsere Auffassung wichtige Angaben: „Diese Erzvor-
kommen gehören, wie jene von Veitsch, den obersten Schichten der Grauwacke an", . . . .„sie brechen nicht
in einem Kalklager, wie in der Veitsch, sondern im Schiefer, von Quarz mit vielen Kiesen begleitet ein",
1. Grauer Schiefer.
2. Eisenocker.
3. Siderit.
1. Grauer sandiger Schiefer.
2. Quarz.
3. Siderit.
150
Franz Toula.
das Einfallen aller Eisenerzlagerstätten von Veitscli bis zum Grilleuberge bei Gloggnitz ist gleicli den
Gebiro-sschiehten ein nördlicbes". (Die einzelnen Baue liegen am Grillenberge und westlieh davon in Altenberg,
Schendeleck und Schwarzeck).
Was das Verliältniss der Eisenerze und des Graphites zu einander betrifft, so darf ich wohl die Bemerkung
des Herrn k. k. Oberverweser Schliwa aus seinem schon citierten Schreiben an Prof. Suess anführen, wonach
die Graphit- und Eisenerzvorkommen sich nicht neben einander finden, weder am Altenberge noch am Grillen-
berge oder am Siidfusse des GrUnschacher bei Reichenau.
Prof. Suess hat bald nach meiner ersten Mittheilung über die Fossilienführung der Kalkseliiefer am
Semmeringsattel eine Excursion in das Semmeringgebiet unternommen, und hatte schon vor längerer Zeit
die grosse Freundlichkeit mir seine AuCzeichuungen über die von ihm ausgeführten Touren zu übergeben, mit
der Erlaubniss sie benutzen zu dürfen. Ich kann für diese Liberalität nur herzlichst danken, und erlaube mir
die Ergebnisse dieser Excursion im Nachfolgenden anzuführen, da sie die im Vorhergehenden gegebenen Dar-
stellungen theils bestätigen, theils ergänzen.
Prof. Suess besuchte zuerst den Fundort der Crinoiden auf der Sottelhöhe und fand die Kalkschiefer
ganz vom Habitus der Partuat-lischichten, und constatiert auch das Darüberlageru von dünnplattigen, wohl-
spaltbaren, schwarzblauen Kalken. Unter dem Semmeringkogel traf er auf die verschiedenfarbigen Quarzite,
welche er als Verrucano bezeichnet.
Auf dem Wege gegen den Kartnerkogel verzeichnet er das Vorherrsehen des Quarzites und das Vor-
kommen von viel Kalksehutt, in welchem auch Penfacriniteukalk constatiert wird, was deutlich zeigt, dass die
Pentaci-initenkalke vom Semnieiingkogel bis zum Kartnerkogel hinüberreicheu. Weiterhin verzeichnet Suess
d;is Vorkommen eines dem Crinoidenkalk entsprechenden Kalkes, auch vor dem Bauernhause über dem
Wolfenkogeltunnel. Derselbe steht mit Rauchwacke in Verbindung. Vorher, beim Abstieg vom Kartnerkogel,
wird das Vorkommen eines dunklen Kalkes angeführt, der mehr dem dunklen AlpenkalUe älmlicli ist. Unter
demselben tritt wieder Quarzit auf, so z. B. beim unteren Tunnelende des Wolfsbergtunnels. Rauchwacke wird
weiters angegeben beim Doppelreiter am Wolfsberg und sie hält auch an, bis in die Tiefe gegen die Weinzettel-
wand. Nur vorübergehend wird etwas Quarzitschutt erwähnt.
Die Weinzettelwandkalke und die dunklen Kalke in der Enge im Adlitzgraben unterhalb des Ausganges
des Haidbach-Mörtengrabens werden als abgesunkene und verstürzte Massen betrachtet.
Au einer Stelle oberhalb der Gypsstampfe im Adlitzgraben wird an der Weiuzettelwand und Gamperlhöhe
ein ziemlich flach nordwestliches Einfallen angegeben, während in der Tiefe eine steile Aufrichtung der
Schichten zu beobachten ist. (Fig. 23.)
Fig. 23.
Fig. 24.
k'einxeüjclwa ntL
I
^lUU-zii' y^
Xa2k
Hier sei der Adlitzgraben als eine Spalte aufzufassen.
In der Tiefe erscheint Zelleukalk.
Am Eingange in den Gamperlgraben liegt ein abgestürztes Riff von blaugrauem Kalk von ganz geringer
Breite. Sofort hinter demselben tritt lichter Quarzit auf, der die Weinzettelwand rückwärts zu umgeben scheint.
Wichtig für die ganze Auffassung ist der Ausspruch, dass der ganze Weinzettelkalkzug als ein ganz einge-
quetschter schmaler Streifen zu betrachten sei.
Geologische Untersuchungen in der „Grauwackenzone" der nordöstlichen Alpen. 151
Den auf das Eisenocker- Vorkommen im Gamperlgraben bezüglichen Passus habe ich au anderer Stelle
(S.142) benutzt. Durch den Gamperlgraben nahm Prof. Suess seinen Weg gegen den Payerbachgraben. Die
den runden Rücken zusammensetzenden Gesteine werden als Phyllit mit etwas Quarzitschiefer bezeichnet.
Im Payerbachgraben vor der Einmündung des Schachergrabens fand Suess Forellenstein, ein Vorkommen,
das ich an anderer Stelle (S. 146) besprochen habe.
Gegen Payerbach fallen die Phyllitc steil unter die Gesteine der Kalkzone ein.
Von Payerbach ging Suess über Küb auf die Höhe oberlialb Klamm: „Nur Phyllit"! Vergeblich wird
auf dieser Route nach dem Forelleustein gesucht. Die Grenze des Phyllites gegen den Qnarzit fällt so ziemlich
mit der Eisenbahnstation Klamm zusammen. Durch Qnarzit hinab ging is nach Schottwien. Erst knapp vor der
Thalsohle stehen Riffe von gebändcrteni, durch Druck dünngeschichtetem Kalk an, der mit circa 7.5° nach
Norden unter den Quarzit einfällt. (Fig. 25, man vergl. S. 148.)
Fig. 25.
Qnarzit
Prof. Suess besuchte von Schottwien aus das Gypsvorkommen im Himmelreich. Der Gypszug erstreckt
sich vom Himmelreich „längs dem SUdrande des Bürgerwaldes quer über den Haarbreit in die Tiefe des
Myrthengrabens".
Auf der alten Straf^se aufwärts gehend traf Suess „im Greiss" auf Moränen-Schutt. „Gegen die Myrtlien-
brücke: Quarzit, dunkler Kalk, Spuren von Gyps". Die grosse Aufbiegung im schwarzen Kalk bei der
Myrthen- (Morien- ) Brücke wird erwähnt neben lichtem Kalk und viel Rauchwacke. Beim Aufstieg zum Erz-
herzog Johann wird Quarzit angegeben. Prof Suess entwirft beifolgendes Profil vom Südabhange des Göstritz
bis in den Payerbachgraben. (Fig. 26. Man vergl. auch Fig. 19 und 27.)
N.
Fig. 26.
Cgps
Raarhuraäcc-
I^unrzLfc
Beim Abstieg von der Senimering-Passhöhe gibt Suess an der ersten scharfen Biegung der neuen Strasse,
im Streichen der Haupttunnelaxe das von mir auf S. 130 besprocliene Abwechseln von grauem Kalk mit
sericitisehen Schiefern an, darüber serieitische Schiefer mit schwarzen dachschieferähnlichen Bänken. Von den
dunklen Kalken wird angegeben, dass sie ähnlich seien jenen von e, im Obersilur. Nahe unter dem Gasthaus
zum Erzherzog Jobann wurden violette, splilterige Scliiefer angetroffen, mit harten, lichtgelben Bänken. Die
152
Franz Toula.
Schichten fallen hier leicht nach S, über ihnen kommt man auf ebenflächigen Schiefer und auf Bänke von
hartem dunklen Quarzit.
Auch bei der Einmündung der alten Strasse kommt der Quarzit herab. Dann folgt gegen dieMörtenbriicke,
an der hier ostwestlieh laufenden neuen Strasse, gelbliche Rauehwaeke. Dieselbe findet ihre Fortsetzung
jenseits des Mörtengrabens an der neuen Strasse. Darüber stehen die violetten Schiefer an (ob hierin der
„Gyps?"), steil nach Nord fallend.
Über den violetten Schiefern folgen die Pentacriniten-Schichten. An der Quelle stehen dunkle weissaderige
Kalke mit Bivalvendurchschnitt an, sie fallen steil nach Nord. Bald folgt lichter Quarzit mit schmierigen
Zwischenlagcn und hält an bis zur Abzweigung der alten Strasse.
Beim Bären- Wirthshause (^im Greiss) finden sich grauviolette Phyllite, wo der Weg links abzweigt, findet
man bei den ersten Häusern an der neuen Strasse grell bunt gefärbte (violette und grüne) dünnblätterige
Schiefer (Gypsformation), darüber Kalk mit Spuren von organischen Resten (Bivalven — keine Crinoiden).
Viele feste Qnarzitblöcke. Am Wege zurück zum „Bären" wurde nur fester Quarzit angetroifen.
Schliesslich nimmt Prof. Suess folgende Ubereinanderfolge der Schichten an:
1. Dunkler Kalk in der Tiefe des Mörtengrabens.
2. Lichtgraue splitterige Kalke.
3. Rauehwaeke.
(Quarzitzug an der alten Strasse unterhalb Erzherzog Johann.)
4. violette Schiefer des Haupttunnels.
5. Pentacrinitenkalk.
6. Bivalvenkalk.
7. Quarzit
8. Rauehwaeke des Wolfsberges
9. Grosser Weinzettelwand-Kalkzug.
10. Quarzit des unteren Gamperlthales.
11. Grosser Phyllitzug.
12. Forellenstein.
13. Phyllit.
Ausser dem oben angeführten Hinweis auf die Ähnlichkeit der mit den sericitischen Schiefern wechsel-
lagernden grauen Kalke, an der Strassenkrümmung unterhalb der Passhöhe, mit den obersilurischen Kalken
(gj), findet sich nur noch die Vermuthung ausgesprochen, dass ein Theil der Rauehwaeke von Reichenau dem
Perm oder der Trias angehören könnte.
Auf einer später hinzugefügten, nach Auffindung der Steinkohlenpflanzen bei Klamm ausgeführten Profil-
skizze, werden die Kalke der Adlitzgräben als Rhät angesprochen.
Gypszug.
Fig. 27
Werfener. idL
Farrcllciht tcul/
Wenn ich nach dem vorstehend Ausgeführten meine dermalige Vorstellung über die Gliederung der
Schichten im Semmeringgebiete geben soll, so würde sie sich in Kürze dahin aussprechen lassen, dass ich
Geologische ünfirsiirJNiiH/fi/ in i/ir ,,Gr'(iiiP(ickefizone" der iiordiisllirhen Alpen. 153
nach dem heutigen Stande der Kenntniss von dem stratigraphischenBau des genannten Gebietes cigentlicii nur
eine einzige, wenn auch gegliederte Kalkformation, zwischen Göstritz- Otter einer- und dem .Schieferrücken des
Eichberg-Kobermannberges andererseits, annehmen zu sollen glaube, so dass nach dem obigen 13-gliede-
rigcn Schema die Glieder 1, 2, 3 — 5, 6 und 8, 9 als äquivalente Bildungen aufzufassen und dem Riiät
zuzuzählen wären. Das Liegende bildet der Quarzit mit den violetten, talkhältigen und gypsführenden Scliie-
fern, welche wohl der Trias zuzurechnen wären (ob Werfener Schiefer?): die Glieder 4, 7 und 10 der obigen
Reihe.
Die gegenseitige Lage der beiden Systeme (Kalk- und Quarzitschiefer) ist in dem bisher besprochenen
Gebiete nicht überall festzustellen, doch lassen sich an mehreren Punkten bestimmte Discordanzen beobachten.
Der Kalk-Kauchwackenzug erscheint an die Quarzite und Schiefer hinangepresst bei Klamm, während amierer-
seits im Semmeringtunnel die Quarzite und grell gefärbten Schiefer förmlich zwischen zwei Kalkmassen ein-
geklemmt und emporgedrückt zu sein scheinen. Wie die Verhältnisse im Kobermanurücken liegen, so wäre die
Annahme einer gegen Süden übergelegten Anticlinalen erlaubt, wonach dann auch das höhere Alter wenigstens
eines Theiles der grauen und grünen Schiefer', der chloritiscben Phyllite und Gneisse mit dem Forellenstein,
sich sehr natürlich ergeben würde, während zwischen diesen und dem Horizonte der Quarzitschiefer und Quar-
zite die Schiefer und schieferigen Sandsteine der Carbonformation mit GrapliitfUhrung zu liegen kämen.
Diese Vorstellung bringen auch die auf der beifolgenden Tafel gegebenen drei, in annähernd natürlichen
Massverhältuissen gezeichneten Profile zur Anschauung.
Die allergrösste Schwierigkeit würde mir nach dem Vorstehenden die Beantwortung der Frage bereiten,
wo die Äquivalente der älteren paläozoischen Bildungen in dem behandelten Gebiete zu suchen und anzu-
iiclinicn seien, wenn wir von den grauen und grünen Schiefern etwa absehen müssten, die freilich, zum Theil
wenigstens, auch silurisch-devonischen Alters sein können, wie wohl dies nach den im folgenden Abschnitte
zu ))esprechenden Verhältnissen nicht allzu viel Wahrscheinlichkeit für sich hat.
Dorthin aber, wo die Erze liegen, in das unmittelbar Liegende des Werfener Schiefers die silurische Grau-
wacke zu verlegen, erseheint mir nicht thunlich.
Wenn ich die Kalke der im Vorstehenden besprochenen Gebiete als der obersten Trias äquivalent, demOppo-
nitzer Haujitdoloniit und dem Rhät entsprechend hinstellen zu düri'en glaube, wobei auch die Möglichkeit, dass
die ganze Kalkformation des Gebietes dem Kliät allein zuzurechnen sei, nicht ausgeschlossen ist, so macht mir
dagegen die Deutung der darunter auftretenden Schiefer und Quarzite, speciell jene des Semuieringsattels und
der Mulde zwischen Schottwien und Göstritz grössere Schwierigkeit. Ich glaube jedoch nach Allem die Mög-
lichkeit andeuten zu dürfen, dass man es auch bei diesen Gebilden mit triasischen Gesteinen zu thun haben
dürfte. Man könnte an Äquivalente des Werfener Schieferhori/.ontes denken. (Quarzite ganz ähnlichen
Anseliens habe ich in der Brühl, Haus Nr. 103, Westabhang des GrillenbUhels, angetroffen. Ihr Alter freilich
scheint mir noch nicht ganz sicher gestellt. Man könnte dabei an Werfener Schiefer, aber auch an Lunzer-
Sandstein denken.)
Aber auch der Deutung des Quarzit- und Talkschiefers am Semmering als Äquivalent des Verrucano steht
nichts im Wege. Höheres Alter aber wäre wohl nicht anzunehmen.
Die unmittelbare Überlagerung der Rhätschichten auf einem den Werfener Schiefern zu parallelisirenden
Horizonte stände durchaus nicht beispiellos da. So schildert D. Stur (Geologie der Steiermark S. 404) eine
derartige Überlagerung in der Gegend von Klein-Zell, wo über typischem Werfener Schiefer sofort ein Mergel-
kalk mit Mergelschieferlageu wechselt, der durch das Vorkommen von Myophoria inflata und anderen Formen
als der Zone der Avicula coidorta entsprechend gekennzeichnet ist.
1 In soiner neuesten PubHcition „Ül)er die petrograpliische Beschaffenheit kiy.stalHnischer Schictergesteine aus den
Radstätter Tauern" (Jahrb. d. li. li. geol. Koielisaust. I88J, 4. Heft, S. 647) bemerkt Baron Foul Ion, „dass auch beim Eiseu-
bahuviaduct bei l'ayerbaeh, ain rechten Ul'er der Schwarza ein ganz gleiches Gestein austeilt", wie jenes aus deui Wild-
biichelth;il bei Wagieiu, welches als „sehr t'ciukörniger TTornblende-Epidor-Schiefer" Cschon im .I.ahrbuehe tsS3, S. 244—297)
ausführlich beschrieben wurde, uur dass das Payerbaoh-Gestciu vielleicht ein paar Erzkörnchen mehr enthält".
Denkschriften der mathem.-Qaturw. Cl. L.Bd. Abbandlungen von Nichtmitgliederii. U
154 Franz Tonla.
Ein lieispicl von einem Übergreifen von Khät und Lia.s über Werfener Schiefer führte jüngst Dr. Bittner
in seiner interessanten Mittheilung ül)cr den geologischen Bau des Untersberges und der nächsten Umgebung
von Golling (Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanst. 1883, Nr. 42, S. 203) an. „Auch die Südgehänge des Unters-
berges sind durch merkwürdige Unregelmässigkeiten und durch das unvermittelte Auftreten von Dachsteinkalk
und Lias mitlen im Terrain des Werfener Schiefers ausgezeichnet, wobei er freilich hinzufügt, dass er eine
genauere Einsicht in diese Verhältnisse sich erst durch eine zusammenhängende Aufnahme des Berchtes-
gadener Gebietes erzielen Hesse."
Das angenommene Transgrcdiercn der dem Rhät und vielleicht tlieilweise auch dem Lias zugehörigen
Kalke, über Bildungen von viel hölierem Alter erinnert an das Übergreifen des unteren Lias über permische
Bildungen (Röthidolomit und Quartenschiefer) in der westlich an den Rhein stossenden Region der Ostschweiz.
Im Hefte IL des Jahrbuches der k. k. geologischen Reichsanstalt 1884 endlich beschreibt Dr. C. Diener,
der Graubünden in Gesellschaft mit l'rofessor Sucss besuchte, die Kalkfalte des Piz Alv in Graubünden und
führt an, dass Studer in den gelbgrauen und bläulichschwarzen Kalksteinen in den unteren Partien des
Berges gegen Süd an der Berninastrasse zuerst Versteinerungen, die auf rhätisciies Alter hinweisen, gefunden
habe. Dr. Diener sammelte hier Terehratulu ef. (jregarlu Suess, welche „zu tausenden ganze Bänke erfüllt"
und Cidaritenstaeheln (Cidaris Falgeri), sowie Pentacriniten Stielgliedcr und hebt hervor, dass die Brachio-
podonbänke keine Pentacrinus- und Cidarisreste führen und dass die Brachiopoden- und Pentacrinusschiefer
miteinander vielfach in Wechsellagerung aufti-eten.
Herr Dr. Diener erwähnt dabei, dass Pentacriniten „an einer ähnlichen Localität sich wiederfinden,"
nünilich am Senimcring. Derselbe hatte die Freundlichkeit, auf mein Ersuchen mir Graubüuduer-Stücke zur
Anschauung zu bringen, wofür ich ihm hier verbindlichen Dank sage. Die betreffenden Stücke stimmen in über-
raschender Weise auch in petrographischer Beziehung mit den Vorkommnissen der Pentaerinitenschichten im
Semmeringgebiete überein, so dass für mich in Bezug auf die Frage nach der Übereinstimmung der räumlich
so weit voneinander abstehenden Ablagerungen im Westen und Osten kein Zweifel besteht. Dieselben sind in
der That als äquivalente Bildungen zu bezeichnen, wenngleich im Semmeringgebiete von Liasbildungen im
Hangenden sich nichts findet, indem hier über die fossilienführenden Schichten sowohl beim Krennthaler'schcn
Kalkbruche bei Göstritz, als auch an der Bahntrace, und zwar beim unteren Eingange in den Tunnel durch den
Weber-Kogel die doloniitisehen Kalke und Zcllenkalke einerseits des Bürgerwaldes, anderseits des Alpenkammes
folgen, man müsste denn diese als Äquivalent auch der Liasformatiou auffassen, wofür bis nun keinerlei Ver-
anlassung vorliegt.
In Graubünden folgen unter dem Rhät Kalke, (über 200 Metermächtig, von Theobald als Haupt-
dolomit bezeichnet), welche nach Diener auch die untere Trias mit repräsentieren dürften, wenngleich diese
liier jedenfalls nur sehr schwach entwickelt ist. Für uns ist von Interesse, dass im Liegenden der Kalkformation
Quarzite folgen (von Theobald als Verrucano bezeichnet), „manchmal durchzogen von grünen Flasern eines
talkähulichen Minerals-', und dass diese Quarzite die Grenze gegen die gleichfalls NW fallenden krystallini-
schenSchiefer (Augengneiss und Casannasehiefer) bilden.
Von Interesse ist hiebei auch ein Vergleich mit den Verhältnissen in den kleinen Karpathen. (M. vergl.
Jahrb. 1864, Freih. v. Andrian und K. M. Paul: Die geol. Verhandl. der kleinen Karpathen u. s. w., S. 325
bis 3i;i6.) In dieser Beziehung muss sofort hervorgehoben werden, dass das, was ich selbst von den kleinen
isolierten GrauwackenschoUen im Leitha- und im Rosaliengebirge gesehen habe , grosse Ähnlichkeit mit den
Rhätkalken im Göstritz-Semmeringgebiete zeigt. (M. vergl. darüber die neueste Publication des Herrn Roth
von Telegd über d. L^mgebung v. Eisenstadt, Budapest, 1884, S. 14—19).
Die Aufeinanderfolge der in Betracht zu ziehenden Schichten wäre die folgende:
1. Thonschiefer (erzführend) auf Granit liegend, der mit den Gneissgraniten von Kirchberg am
Wechsel in Parallele gebracht werden könnte. (Bei Theben fehlt auch Granitgneiss nicht, 1. c. S. 346, Durch-
schnitt 5.) Sie enthalten Einlagerungen von krystalliuischem Kalk und von Kalkschiefer. (Entspr. den PhylUten
des Kirchberg-Gloggnitz-Protiles).
Geologische VntersuchwKjen in der „Graaicuckenzone" der nordödlichen Alpen, 155
2. Qiuiizit. Eine schmale Zwischenzone zwischen den iiiystallinischeu Schiefern und den Liaskalken
bildend.
Interessant ist die Angabe (1. c. S. 347), dass mit den Quarziten der kleinen Karpathen auch weisse nnd
graubraune Schiefer ..mit vielen Quarzeiningerungen" (z. B. im Ballensteiuerthale) auftreten. Diese Gesteine
scheinen den reinen Quarziten, und vielleicht auch dem Gyps führenden Horizonte im Liegenden der Kalke
äquivalent zu sein. In der citierten Arbeit wird dabei an „Grauwacke'- gedacht, .,da die Werfener Schiefer. . .
hier durchaus fehlen". Unmittelbar darüber folgen
3. dunkle Kalke (welche auch bei Neudörfl a. d. March hervortreten) und dolomitisehe Kalke, welche
z. Tb. als Plattenkalke mit glimmerigen Schichtflächen (wie ich mich bei Neudörfl a. d. March überzeugte) ent-
wickelt sind und dann recht sehr an die Rhätkalke des Semmeriuggebietcs erinnern. — S. 349 (1. c.) wird
angeführt, dass dem fast schwarzen, bald dichten, bald breccienartigen Kalke deutlich, wenngleich selten,
Belemnitendurchschnitte gefunden werden, wodurch die Annahme, dass man es dabei mit Liaskalk zu thun
habe, unterstützt wurde.
Das Gebiet der kleinen Karpathen zeigt sonach eine ähnliche grosse Lücke in der Aufeinanderfolge der
Schichten, wie das Wechsel-Semmeringgebiet. ,
Auch auf die von Herrn Oberbergrath Dr. G. Stäche gemachten Angaben in Bezug auf die Gliederung
der Grauwackenzone muss hier hingewiesen werden. Die erste Mitthe'lung Stache's über die paläo-
zoischen Gebiete der Ostalpen bezieht sich auf „die Steinkohlenformation der Centralalpen" (Ver-
handl. der k. k. geolog. Eeichsanst. 1872, S. 78—81) und behandelt die zuerst von Professor Pichler am
Steinacher Joche aufgefundenen pflanzenführenden Schichten. Dieselben bilden das obere Glied eines
umfangreichen, aus Schiefern, Sandsteinen und Conglomeraten bestehenden Schichtencomplexes (oberes
Carbon).
Ein zweiter Bericht (1. c. S. 234, 235) betrifft die Entdeckung von „graphitischen Schiefern in den Süd-
alpeu", wodurch eine hochwichtige Erweiterung unserer Kenntnisse gewonnen wurde, da bis dahin angenommen
worden war, dass ältere Formationen in den SUdalpen fehlen sollten, ,,man müsste denn nur den Urthonsehiefer
sammt einem Theile des Glimmerschiefers dafür nehmen wollen", wie Peters (Jahrbuch 185G, S. 631,
Anni.) sagt.
Im selben Bande werden (1. c. S. 283—287) neue Fundstellen von Fusuliuenkalk den von Höfer
(Professor Suess in den Verhaudl. 1870, S. 11) und Tietze (Jahrb. 1870, S. 264 ff.) im Gail- und Canalthale
gefundenen hinzugefügt.
Die erste der grossen Arbeiten Stache's über die Gliederung der paläozoischen Schichtenreihe der
Alpen : „Der Graptolithen-Schiefer am Osternigberge in Kärnten" (Jahrb. 1873, S. 175—248) gibt auch eine
historische Darstellung der Fortschritte unserer Kenntnisse über den Bau der Grauwackenbildungen in den
Südalpen. In dieser Abhandlung finden sich auch gelegentliche Vergleiche mit den Verhältnissen in der uord-
alpinen Grauwackenzone. So heisst es am Schlüsse Seite 243: „Das wichtigste Resultat, welches das Gailthaler
Gebirge in seiner Verbindung mit den Karawanken uns durch zwei sichere silurische Horizonte bietet, liegt in
der nunmehrigen Aussicht auf die Möglichkeit der Parallelisierung der südalpinen nnd nordalpincn Grau-
wackenzone und der weiteren Entzifferung der Reihenfolge ihrer Glieder auf Grund vergleichender Studien
unter sich und mit den Verhältnissen der mitteldeutschen, als der zunächst verwandten Grauwackengebietc . ..."
In der zweiten Abhandlung: „Die paläozoischen Gebiete der Ostalpen" (Jahrb. 1874, S. 135 — 274 und
333—423) kommt Stäche auf Seite 147 und 151 auf die Radstädter Tauern zu sprechen, die als der Kalk-
thonphyllitgruppe angehörig betrachtet und somit dem paläozoischen Schicbtgebirge eingereiht werden. Auf
Grund der Verhältnisse im Brennergebiete kommt Stäche zu dem Ausspruche (S. 152), dass dieselben über
wiegend der obersten Dyas angehören. Auf der dieser Abhandlung beigegebenen Karte wird der ganze Zug
der Grauwackengesteine vom Inn bis nach Gloggnitz dem älteren Grauwackengestein (Silur, Devon- und
Präcarbon zugezählt, S. 166 und 1(57) auf Grund der Finule von Dienten (silnr Et. E.) Vordcrnberg-Eiseuerz.
(Et. F. G.)
15r. Franz Toida.
Was die „Präcarbon" (8. 168) und „obere Carbon- und Permgesteine" (S. 170) anbelangt, so werden nur
die oberen Pcrmscbichten, als im nördlicben Grauwackengebiete vermutblicb vertreten, angefübrt.
Weiters muss eines vorläufigen Reisebericbtes (Verbandl. 1883, S. 210 — 216) gedacbt werden, weil in
demselben ueuerlieli auf die Übereinstimmung von Nord- und Südalpeu bingewiesen wird ; beiderseits finden
sieb auf „dem krystalliniscben älteren Gneissgebirge subkrystalliniscbe Facies der paläozoiscben Formationen,
unter welchen das Silur die hervorragendste Stelle einnimmt, nicht minder in den Nordalpen, wie in den
Südalpen/' .
Seliliesslich muss auch des Vortrages: „Elemente zur Gliederung der SilurbikUiugen der Alpen" gedacht
werden (Verbandl. 1884 S. 25 — 29), welchen Dr. Stäche am 8. Jänner in der Jahrcssitzung der k. k. geol.
Reichsaustalt gebalten hat.
Die Fauna von Dienten wird als dem Stockwerke E, Abtbeilung e^, entsprechend bestimmt: „Der
Complex von scliwarzeu Thouscbiefern (zum Theile Graphit- und Kieselschiefern) mit eingelagerten Kalkstein-
zügen und linsenförmigem Dolomit entspricht somit im weseutliclien der Etage des böhmischen Silur. (Steht
somit im vollen Einklänge mit Dr. Stur's Annahmen, Geol. d. Steiermark, S. 93.)
Das Liegende bilden vorherrschend graue und violette Schiefer, das Hangende die, vorwiegend aus
weissen und röthlichen gestreckten Quarzkörnern und grünlichem oder grauem talkigeu Schiefer bestehende
„schieferige Grauwacke" Lipold's.
(Auf die das Eisenerzgebiet bezügliclien Angaben konnte im Vorliegenden nicht eingegangen werden.
Dieses Gebiet erfordert eine weit eingehendere Untersuchung, als ich bei gelegentlich kurzen Besuchen ihm
widmen konnte.)
Die Verhältnisse im Wechsel-Semmeringgebiete sind in dem citierten Vortrage nicht' weiter in Betracht
gezogen worden, es wird nur Eingangs in Bezug auf die „Nordalpen" erwähnt, dass ausser dem „palä-
ontologisch constatierten Auftreten der Steinkohleuformation auch Äquivalente devonischer Schichten sich
werden nachweisen lassen."
Aus den im Vorhergehenden gegebenen Schilderungen geht für mich der Schluss hervor, dass in dem öst-
lichsten Theile der sogenannten Grauwackenzone ein paläontologischer Nachweis des Auftretens von älteren
als carbonen Ablagerungen dermalen nicht erbracht werden kann. Wir haben es in dem Wechsel-Semmering-
gebiete und weiter westwärts bis in die Gegend von Leoben-Bruck in Bezug auf die paläozoischen Schieler mit
Carbonbildungen zu thun. Ob in der Gewölbekernregion unter diesen ältere Gebilde anzunehmen seien, dal'ür
dürfte dermalen kaum ein Beweis zu erbringen sein. Höchst wünschenswerth ist ein eingehendes Studium der
Verhältnisse in dem Gebiete von Eisenerz, welclies in naher Aussicht steht.
3. Östlich von der Linie Göstritz-Schottwien.
In dem Gebiete östlich von der Linie Göstritz-Schottwien setzen sich die Kalke des Sonnweudsteines
über den Otter, die Kalke, Dolomite und Rauchwacken der Adlitzgrabenberge aber über den Jägerbrand nach
Wartenstein, und über den Raachberg gegen Kranichberg fort, indem sie sich nach Osten hin immer mehr in
einzelne getrennte Schollen auflösen und auch zum Theil auffallend verschiedenes petrographisches Aussehen
zeigen, welches sich in dem Krystalliniscbwerden des Kornes ausprägt, wie dies die Kalke des Krauichberges,
des ]{anisbeises und der Kalkberge bei Kirchberg am Wechsel zeigen, während sich die Kalke bei Thernberg und
Gleissenfeld, zum Theile wenigstens, wieder inniger an die Kalke und Kalkschiefer des Semnieringgebietes
anschliessen. Die Verhältnisse, wie sie in diesem östlichen Gel)ietc herrschen, mögen durch die folgenden
Notizen etwas näher erörtert werden.
Weitaus die wichtigste Arbeit über das östliche Grenzgebiet der Grauwackeu- und Schieferzonen der
nordöstlichen Alpen ist jene von Job. Czjzek: „Das Rosaliengebirge und der Wechsel in Niederösterreicb"
(Jahrbuch d. k. k. geol. Reiciisanst. 1854, S. 465—529).
Uns interessieren daraus in erster Linie die Bemerkungen über die Kalke dieses Gebietes. Die körnigen
Kalke bei Kirchberg betrachtet Czjzek (S. 574) als „grössere und kleinere Einlagerungen", was mit meiner
Geologische Untersuchiuu/tit. in der ,, (Tniiiwackenzone" der nordöstliihe», Alpen.
157
Auffassung nicht übereinstimmt. Den Zusammenhang der körnigen Kallie mit Eauchwacken und Dolomit führt
Cz.jzek übrigens gleichfalls au (I. c S. 494).
Die Kalke von Pitten, von Sebenstein, von Gleissenfeid und von Leidiug werden (S. 477) als verschieden
hingestellt und die Frage als kaum beantwortbar bezeiclinet, „mit welcher von diesen Lagern der körnige
Kalk von Kranichberg parallel ist". Die Kalke am Kranichberge bezeichnet Czjzek (1. c. S. 499) als zum
Theile dem Gneiss, zum Theile dem Glimmerschiefer eingelagert; ich selbst konnte bei Kranichberg nur Auf-
lagerung bemerken. Vom Semmering sagt Czjzek (S. 495) dagegen, dass sich daselbst nur allein die Kauch-
wacke der Grauwaekenkalke finde.
Die Art der muldenförmigen Einlagerung der Kalke bei Thernberg in die Glimmerschiefer schildert
Czjzek auf das zutreffendste (1. c. S. 512 u. 514) und weist bei Besprechung der isolierten Grauwacken-
vorkommnisse am Ostrande der krystallinischen Zone (zwischen Gloggnitz und Mattersdorf) wiederholt auf
das Zusammenvorkommeu von körnigem Quarzit und dolomitischem Kalke hin, und in den betreffenden Profilen
SW.
Gneiss
Fig. 28.
GluTuner Schutfa
a. Grauwackenquarz. h. Grauwackeukalk.
Glimjiwr Seh. Granit
Gneiss
NO.
z. B. das beifolgende von S. 47o (Fig. 28), werden Kalk und Quarzit in discordanter Lagerung dem Glimmer-
schiefer in Mulden aufgelagert dargestellt.
Als Unterschied zwischen den krystallinischen Kalken und den Kalken der Grauwacke gibt C! zj z ek an die
concordante Lagerung gegenüber dem krystallinischen Gestein bei den ersteren, und die discordante Lagerung,
Sowie das Zusammcnvorkommen mit körnigen und dichten Quarzen des letzteren. Es gibt jedoch auch Ein-
lagerungen von krystallinisch-körnigem Kalk zwischen dichten, grauen, schieferigen Grauwackeukalk iS. 490),
sowie mannigfaltige Wechsellagerungen (z. B. S. 497 südlich von Schildern).
Czjzek möchte auch die am Nordfusse des Wechsel vorliegenden, westlich von Kirchberg auftretenden
Kalke als „eine dünne Einlagerung von Kalk-' im Gneiss des Wechsel auffassen (1. c. S. 499).
Auch der von Czjzek (1. c. S. 473) gebrachte Durchschnitt vom Wechsel nach Schciblingkirchen zeigt
auf das beste die discordante Auflagerung des Kalkes („Grauwackeukalk-') mit einer zum Theil discordnnteu
Einlagerung von Quarzit („Grauwackenquarz").
(i) Nürdlicli von der Scliwarza.
Potschach — Vöstcnhof [Festenhof].
Im Bereiche des östlichen Ausläufers der „Grauwackenzone" nördlich von der Schwarza wurden von
Potschnch aus Excurse unternommen. Bei Potschach selbst, gleich oberhalb der Wasserleitung, an dem Wege
der von dem Eisenbahn-Stationsgebäude um den Burgstallberg nach dem Dorfe führt, stehen in einem kurzen
Einschnitte unter der jüngeren Schutt- und Schotterbedeckung ältere schieferige Gesteine an. Dieselben lassen
deutliche Schichtung erkennen, stehen steil aufgerichtet und streichen von NO und SW (hora 4). An ihrem
steilen Verflachen, es ist bald nach Nord und bald nach Süd gerichtet, lässt sich der hohe Grad der Störung
erkennen. Es lassen sich hier in Aufeinanderlagerung folgende Gesteine unterscheiden:
1. Sandige, sehr feinkörnige und dünnplattige Schiefer von gr;iiier Far))e, mit vielen weissen, silber-
glänzenden, zarten Giinjmerscliüppelicn auf den Spaltiliicheu.
158 Franz Toitla.
2. Lebhalt seidenglänzeude, eine überaus zarte Cleavagefälteluug zeigende phyllitähiiHcLe .Schiefer. Auf
den Spaltflächen fühlen sie sich wie talkführende Schiefer an.
Diese beiden Gesteine wechseln dreimal miteinander ab und werden überlagert
3. von Quarzsandsteinen mit dem lebhaft glänzenden Tbonschieferbindemittel, denselben Gesteinen, wie
sie auch bei Glogguitz am Südabhange des Silberberges anstehen.
Nach den letzten Häusern des Ortes, am Waldwege unter Vöstenhof, kommt man wieder auf diese
„schieferigeu Grauwackengesteiue", welche hier viele Quarzgänge enthalten.
Kurz vor dem Vöstenhof sind diese Gesteine unter mächtigen diluvialen Kalk- Block- und Schutt-
massen verborgen. Erst beim Anstieg zum Vöstenhof treten die älteren deutlich geschichteten, krystallinischen
Schiefergesteine wieder hervor und zwar unter ganz ähnlichen Lagerungsverhältnissen, wie die Gesteine bei
Potschach, sie streichen nämlich wieder NO— SW (^hora 3 — 4) und fallen mit 75—80° nach Süden ein.
Es lassen sich auch hier mehrere Gesteinsvarietäteu deutlich untersclieiden:
1. Ein grünlichgrauer Glimmergneiss mit Quarzadern. Kaum 1'" mächtig.
2. Ein glimmerarmer grauer Thonschiefer, ganz ähnlich den „grauen Schiefern" dieses Gebietes. Etwas
gefältelt. Nicht einmal 1" mächtig.
3. Quarzreicher lichter Gneiss.
4. Mit Nr. 1 übereinstimmendes Gestein. 8™ mächtig.
5. Weisser plattiger Gneiss. 1-5'". Zum Tlieile verwittert mit Quarzausseheidungen
6. Ein dunkelgraues, stark zersetztes Gestein, das aus Feldspathkrystallen und einem grünlichen
(chloritischen ■?) Zwischenmittel besteht.
Man wird versucht, es dem Ausehen nach für ein stark zersetztes (dioritisches?) Eruptivgestein zu halten,
um so mehr, als keine Spur einer schieferigen Structur vorhanden ist, sondern vielmehr eine Neigung in poly-
edrische uuregelmässige Stücke zu zerfalleu vorherrscht. Ist nur wenig mächtig, tritt aber wiederholt zwischen
den Schichten des lichten Gueisses auf, der lageuweise sehr reich an Quarzaderu wird.
7. Grobkörniger, lichter, stark glimmeriger Gneiss.
Beim Vöstenhof stehen jene grünen Gesteine (6) abermals an. Der Vöstenhof selbst steht auf einem riff-
artigen Felsen dieses Gesteines, das hier lebhaft an gewisse körnige Varietäten des „grünen Schiefers" von
Payerbach erinnert.
Ober dem Vöstenhof treten dunkle, kleinkörnige Feldspath- Amphibolgesteinc neben grünen Schie-
fern auf, welch letztere fast vertical stehen und bei den letzten Häusern nordöstliclies (hora 4) Streichen erken-
nen lassen. Diese Amphibolitgesteine treten am Wege zum „Gasteiner" (im Westen von Vöstenhof) mehr-
mals hervor, so auch bei dem Kreuze am Wege. Sie zeigen nicht ganz dasselbe Streichen, sondern scheinen
die Schiefer zu durchsetzen (hora 2 — 3). Über das Auftreten dieser krystallinischen Gesteine hat zuerst Czj-
zek (Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst. 1854, S. 477) berichtet. Die lichten Gneisse bezeichnet er dabei als
„Weissstein-artig" imd bringt sie in einen Zusammenbang mit dem Forellenstein bei Glogguitz. Diese stark
gestörten Gesteine würden uns einen Aufbruch der älteren Gesteine durch die Carbongesteine bezeichnen.
Czjzek führt auch das Vorkommen von Serpentin neben Hornblendeschiefer an.
In Ainzberg und in Eichberg wurde in früherer Zeit wiederholt auf Steinkohlen geschürft, darauf lässt
sich auch die Angabe eines Steinkohlenstollens auf der Generalstabskarte zurückführen.
Der Hügel im Niveau vom Vöstenhof ist bedeckt mit abgerundeten Kalkblöcken, welche sich auch längs
des Weges zum Gasteiner, im ,,Bürg" allenthalben finden. Es sind schwarze, lichtgraue und röthliche Kalke,
welche als erratische Bildungen zu erklären sind, ganz ähnlich jenen von Hettmannsdorf, Würflach am Ketten-
loisberge u. s. w. (Wasserlcitungsbericht S. 50—55).
Kaum 150 Schritte westwärts von jenem Kreuze — uuweit davon die Tafel mit der Bezeichnung „Birg"
— stehen lichtgraugrUne Schiefer an, welche lichtere und dunklere Partien zeigen. Sie sind zu den GrUn-
schiefern zu stellen.
Geologische üntersurhiiniicii in der ,,Graiiivackcnzonc" (Jer nurdo.'^tlichen Alpen. 159
Am Wege zum Gasteiner treten etwa 100 .Schritte vou jcucr Tafel entfernt t;raul)lauc und vielette
glänzende, ungemein dünnschieferige und feinkörnige Gesteine auf, welche auf das beste den .Schiefern auf
dem Fusswege von der Station Paycrbach nach dem Schneedörfi (Seite 145) gleichen, wo sie die Abhänge
unmittell)ar unter dem Werfener Schiefer zusammensetzen, also das unmittelbare Liegende derselben bilden.
Auch in Klein-Au beim Pulverthurm treten dieselben Schiefer unter ganz ähnlichen Verhältnissen auf.
Im Bürg streichen diese Gesteine von West nach Ost (hora 6 — 7) und fallen steil nach Norden ein.
In dem tiefen Hohlwege am Wege zum Engelhart (früher Heider genannt) liegen über diesen blaugrauen
und violetten .Schiefern dünnschieferige, graue, auf den Schichtflächcn glimmerige Quarzitschiefer. Beim
Engelhart selbst stehen Quarzconglomcrate an, ganz ähnlich jenen am Grillenberge bei Payerbach.
Am Al)sticge in dou Graben zum Gasteiner kommt man zuerst über die dunkelvioletten und blaugrauen
Schiefer und sodann auf lichtgraugrüne Schiefer. In diesen letzteren findet sich stellenweise ziemlich viel
nitiicr Eisenocker.' Am Eingange in den Klaus-Graben stehen harte, grobkörnige, verrucanoähnliche Sand-
steine an. Sie sind in dichten Bänken geschichtet und zeigen Zerklüftungen und l)lockartige Ablagerungen,
ganz wie grobkörnige Masscngcsteine. Sie bestehen aus wenig abgerundeten Quarzit-, Gneiss- und Schiefer-
brocken.
Darüber folgen gnuischwarzc, dünnplattigc, etwas mergelige, auf den Schicbtfiächen glimmerig sandige
Schiefer, welche SO und NW streichen (liora 8) und nach N mit 50° einfallen. Diese Gesteine .sind schon dem
AVerfener Schieferhorizonte angehörig. Auf ihnen liegen abgebrochene Schollen von zum Theile halb krystal-
liniscliem Kalke, der weitcriiin aueli anstehend getrotfen wird. In der Nähe der Schiefer sind die Kalke jedoch
als Zellcnkalkc entwickelt. In diesen Kalken liegt hier das Eisenerz, vorwaltend in der Form von Eisenglanz
entwickelt. .Siderit fand ich auf den Halden nicht vor.
Das Vorkommen in der Klans unterscheidet sich demnach sowohl in Bezug auf die Beschaffenheit der
Erze, als auch in Bezug auf die Einlagerung derselben auf das bestimmteste von jenem am Grillenberge.
Der Weg vom Gasteiner über Gas teil nach Prigglitz führt nahe an der Grenze zwischen den älteren
Schiefern und den Werfener Schiefern hin. Beim Wernhard im Gasteil fand sich unter dem vorherrschenden
Kalkschutt auch glimmerig glänzender Quarzsandstein, ähnlich jenem am Silberberge bei Glogguitz.
In dem Holdwege, der von der Calvarienbergliöhe nach Prigglitz hinabführt, treten graue glimmerarme
Schiefer auf, die dem Werfener Schiefer entsprechen und steil unter die Kalke einfallen. (Streichen hora 7 — 8.)
Dieselben Gesteine finden siuh auch nördlich von Prigglitz. Unter den hier auftretenden Kalkblöcken sind
auch rothe sandig körnige Kalke, die unter undeutlichen Schalenstücken zahlreiche Inoceramenschalen-Bruch-
stücke enthalten und der Gosauformation entstammen, deren Vorkommen an dieser Stelle längst bekannt ist.
(M. vergl. die gccd. Karte z. Wasserleitungsberichte, 1864.) Unter den Werfener Schiefern bei Prigglitz liegen
die violetten und blauschwarzen Schiefer und darunter die glänzenden Conglomerate vom Silberberge.
Von St. Christoph bis nach Schlöglmühl halten die typischen grauen seidenglänzenden Schiefer an.
Es scheinen demnach in diesem östlichsten Theile der Grauwackenzone zwischen den sicheren Werfener
Schiefern und den grauen Schiefern ein Zug von violett und bläulich gefärbten Schiefern eingeschaltet, ganz
ähnlich wie sie zwischen Payerbach und dem Schneedörfi auftreten, Gesteine, welche in vieler Beziehung
ähnlich sind den lebhaft gefärbten Varietäten der Gesteine des Semmeringtunnels.
1 Stur (1. c. S. lUj führt in der Gegentl von Tann und Bing ein Vorkommen vou Quarzit au, der liier einen langen
von Ost mich West verlaufenden Rücken bildet, im Norden von den Hornblendeschiefern bei Vöstenhof, auf welchen er auf-
znhigern scheint. Die Schiefer, aus welchen die Hornblendegesteiiie am rechten Ufer des Sierninghaclies auftauchen, werden
dabei als kaum von Thouglinunerschiefern untersiheidbar geschildert, während sie von C/.jzek als „(Trauwackeuschiefer"
bezeichnet wurden. Dabei werden von Czj zek auch die Grünschiefer erwähnt, „feste quarzige und grüne chloritische Schiefer
mit dunkleren und lichteren braunen, theilweisc pislaziengrünen Streifen," und es wird constatiert, dass sich solche Schiefer,
auch südöstlich von Bürg (Poftschach NW.) in der Nähe der krystallinischen Schiefer finden.
160 Franz Touln.
h) Südlich von der Schwarza.
Von Gli^ggnitz über Kraniclibcrg auf die Riinis.
Aul' <ler Karte des Wasserversorgmigsbericlües (1864) ist dem Kalivc des Raachberges, der zur f4ran
wutdvenzonc gereclnict wird, ein sclimaler, aber zusammenluängend gezeiclmeter Zug von Kalli und Raiicli-
waeke der C'entralkctte gegenübergestellt. Der letztere Zng bestellt in der Tliat aus mehreren, heute aus dem
unmittelbaren Zusammenhang gebrachten, auf gefältelten Phyllit auflagernden Kalkscliollen, welche sich ganz
besonders am rechten Ufer des Siring-Grabens bei Kranichberg und an der Strasse nach der Eamshöhe ver-
folgen lassen.
Zwischen dem „Mildestein" und dem Ucächsten Kalkfelsen tritt beispielsweise der Phyllit deutlich hervor.
Zwischen diesem zweiten Kalkriffe und dem Kamsberge liält dann der Pliyllit an bis zur 8attelhöhe.
Schon Czjzek gibt (1. c. auf S. 509) die isolierten Partien von Grauwackenkalken an; so erwähnt er auch
einen schmalen Streifen von grauem dolomitischen, bröckeligen Kalk, der von Zottelhof (Zettelhof) östlich
gegen Eams liinzieht; er erwähnt weiters den Quarzit auf der Eanis und bei Friedersdorf, östlich von Kranich-
berg, sowie zwei kleine Partien von dunkelgrauem, nach Nordwest geneigten Kalke. Die dunklen Kalke bei
Friedersdorf düriten mit dem Kalk der Göstritz identisch sein und denmach dieser Kalkzug, der im Rürger-
wald, Jägerbvand und am Raachberge auftritt, über das untere Kranichbergerthal weit nach Ost bis an die
Felsen des Türkensturzes, wenngleich vielfach isoliert, zu verfolgen sein. Überall herrscht NW-Einfallcn.
Von der Einsattelung auf der Rams, beim Wirthshause, bis zum ersten Bauernhause im Westen,
treten weisse Quarzite und Quarzit-Breccien auf, als deren Liegendes nach dem Bauernhause gefältelte Pliyl-
lite anstehen. Die Kalke des Aigenbevges reichen offenbar, discordant über den Phyllit liegend, von Süden bis
in die Nähe des Phyllitkammes heran, wäiirend im Norden die Kalke des Ramsberges aufragen. In den Stein-
haufen an den Rainen der Felder fand ich die ersten Blöcke aus rothem und röthlichweissen, an Lithothamnien
reichen Kalk, welche in meinen ersten Aufzeiclinungcn als „Kreidekalke" bezeichnet wurden. Sie machen
2—5 Percent der Steinfindlinge aus, welche sich au den Rainen aufgehäuft linden. (M. vergl. d. Notiz unten
S. 166.)
Die Kalkabstürze im Norden des Ramsrückens bestehen aus deutlich geschichteten Kalken, welche nach
Nordost streichen und zu oberst steil nach Nord einfallen. Das Gestein ist cipollinartig, krystallinisch körnig und
liciit gclldichgran gefärbt. Weiter nach Nordwest wird das Gestein fast diclit und dolomitisch und ähnlich den
dolomitischen Kalken, welche auch vor Raach auftreten. Auch Zellenkaike finden sich.
Wenn man den Ramsberg gegen Nordwest hinabsteigt, so trifft man auf einer Höhenstul'e des Berges, auf
welcher die dolomitischen Kalke kuppenartig aufgelagert siud, grauweisse, sehr feinkörnige und in kantigen
Grus zerfallende Quarzite. Es finden sich aber auch grobkörnige Quarzite, förmliche Qnarzitbreccien, welche
in ihrer Ausbildung lebhaft an die Brecciendolomite erinnern, wie wir sie in der Region des ..Ilanptdoloniites"
so häufig antreffen. Die ganze Quarzitetage liegt über gefältelten Quarzit-Pliyllit und dürfte eine Mäclitigkeit
von 15 — 20 Meter haben.
Bei Kranichberg tritt der Kalk bis au die Strasse herab.
Dieses Auftreten von Quarzit unter den Kalken ist, wie aus dem Angeführten hervorgeht, eine sehr ver-
breitete Erscheinung.
Vom Ramssattel nach Raach-Schlagl und nach Weisscnbach.
An der Localität ,.Ani Eck-' tritt neben gefälteltem Quarzit-Pliyllit, l'iiyllitgneiss mit Quarzadern auf.
Aber auch Granitgneiss liegt in der Form von grossen Blöcken herum und sclieint unter demPhyilitgneiss auf-
zutauchen.
Die Kuppe, welche mau vor Raach passiert, besteht schon aus grauem, feinkörnigen, dolomitischen Kalk,
der in feinen Grus zerfällt. An der Grenze gegen die krystallinischeu Schiefer tritt auch hier viel körniger
Quarzit auf.
Geologische UiitersuchiiiHjcn in der „Granwackenzone" der nurdöstlivlioi Alpen. 161
Ausserhalb Raach, gegen Schlagl bin, beginnt bald Zellendolomit. An der Strasse vom Wirthsbause, am
„Schlagl" nach Wartenstein-Weissenbach, stehen dünnplattige, glimmerige Quarzit-Schiefer (Sericitschiefer
iihnlicli) au. Frisch blaugrau gefärbt, erscheinen sie verwittert bräunlich. Ihr Streichen nach hora 8, ihr Ein-
fallen flach nach Nord. Sie erscheinen auch seidenglänzend und zeigen Cleavagestructur (eine überaus zarte
wellige Fältelung auf den Schiehtflächen).
Unmittelbar darüber lagern die grau.schwarzen Plattenkalke mit Pentacriniten.
Im Hohlwege, der nach Weissenbach hinal)führt, treten beide Gesteine nebeneinander auf bis an die
Enge, wo lichte schieferige, sericitische Quarzite anstehen. Diese Schiefer entsprechen offenbar den Schiefern
des Semmering-Sattels. Weiterhin fällt ein Kalkfelsen auf, der aus dunklem, gescliichteten dolomitischen
Kalk bestellt. Dieser ist steil aufgeschichtet und streicht westöstlich. (Dürfte wohl eine von oben herab-
gebrochene Scholle vorstellen.) Auch Blöcke eines blendend weissen, halb krystallinischen Kalkes liegen
herum, doch herrschen die grauen dolomitischen Kalke vor, neben welchen Fig. 29.
Rauchwacken auftreten, ganz wie am Schlagl. Bei den ersten Häusern von
Weissenbach treten dann gefältelte Quarzphyllite auf, ganz dieselben Gesteine
wie am Rücken bei Raach. Beim Ausgange des Grabens treten sie rechts an die
Strasse heran.
In Findlingen trifft man an der Strasse einen Grünschiefer.
Die oben erwähnten sericitischen Schiefer halten bis nach Raach und weiter-
iiin bis an den Fuss des Raachberges an, und gehen dort in fast reine Quarzit-
schiefer über. Sie finden sich auch, und zwar ganz in derselben Ausbildung wie
im Senimering-Tunnel, als sichere „Silberschiefer" in dem Hohlwege der von .,' piattiger Kalk
Raach nach Sonnleiten führt. 3. Graublauer Kalk.
In der Ortschaft Sonn leiten selbst treten am SUdabhange des Raach- 1. Dolomit, Zellenkalk imd
berges zu oberst graue weissaderige dolomitische Kalke auf (wie im Graben :
Otterthal-Schlagl), darunter liegen die plattigen dunklen Kalke. Das Liegende der Kalke aber bilden die
sericitschieferartigen Gesteine. Bei der kleinen Kapelle in Sonnleiten wurden Spuren von Fossilien: verdrückte
Korallen und undeutliche Crinoiden in den plattigen Kniken aufgefunden.
Die dolomitischen Kalke und Zeilendolomite halten über den Burgslallberg l)is zur Sagemühle vor
Siring an.
Vom Ramssattel nach Hasshach.
Arn Ramsrücken, von der Einsattelung gegen Osten stehen quarzreiche Phyllite und PhylHtgneisse au
(Str. hora 10, Fallen gegen NO 20°). Auch findet man eine Kuppe von gelblichwcissem, dünnplattigen Quarzit
über den Quarzphyllit. Am Nordabhange des Eselberges, oberhalb Fliedersdorf stellt Kalk an. Es ist ein
grauer, gebänderter Kalk, ganz ähnlich jenem am Otterberge. Die Schichtflächen sind glimmerig, wodurch er
etwas an Cipollin erinnert. Stellenweise ist er in Zellenkalk verwandelt. Gegen den Eselberg hin liegt Quarz-
phyllit darunter, der seinerseits auf Gratiitgneiss aufruht. Im Quarzphyllit beim Weidenhofe (genau nördlich
von St. Corona) tritt ein Gang von niilchweissem Quarz auf. Erwähuenswerth sind vielleicht die schöneu circus-
aitigen oberen Thalböden am südlichen Abhänge, die bis in die Nähe des Kammes hinanreichen.
Am Wege nach Friedersdorf kommt man über grobflaserigen Gueiss auf echte Glimmerschiefer mit Gra-
naten, welchen Hornblendgneiss und Aniphibolit eingehigert sind. Friedersdorf liegt auf granatenführendem
Glimmerschiefer. An der Ausmündung des Kiengrabens findet sich viel Granitgneiss, der offenbar vom Esel-
berge herabkommt.
Sodann kommt man abermals über weisse Quarzite, über welche hier beim Zerschlagen stark stäubende
Rauchwacken (Zellendolomite) folgen. Über diesen liegt dann Kalk. Es ist eine kleine auf Quarzit auflagernde
Scholle. Der Quarzit seinerseits liegt bei Haidenberg wieder auf Quarzphyllit (Str. hora 10, fällt flach nach
NO). Dieser letztere hält an bis Ha.-sbaeh, wo auf der linken Thalseite krystalliniscli körnige Kalke darüber
Denkschriften der malhem.-naturw. Gl. L. Bd. Abhandlungen von NicUtmilgliedern. Y
102
Fr ((HZ Toni
(I.
gelagert auftreten. Der zum Theile gefältelte riiyllit von Hassbach enfiiält kopfgrosse Quavzknauern und ent-
spricht vollkoniuieu jenen von Kranichberg und der Rams.
Kurze Notizen über geologische Details aus der Umgebung von Kirchberg am Wechsel.
fTColon-iseli n Profile an bei den Thalseitcn des von Kircliberg anf dou R.amsrü ckeu fiihrendon Thaies.
Fisr. 30.
Barns
Profil an der linken föstlichen) Thalseite von NNW. — SSO.
I. Gninitgneiss. 3. Phyllit- und Pliyllitgneiss. i. Halb- und vollkrystallinischer Kalk.
Fig. 31.
Ranu
Aiannhiirn
Profil an der rechten (westlichenj Thalseite von NNW.— SSO.
a. llermannshöhle. 1. Granitgneiss. 2. Glimmergneiss. 3. Phyllit- und Phyllitgneiss. 4. Halb- bis vollkrystalliniseher Kalk.
Bis gegenüber dem oberen Eingange in die Hermannshöhle hält an der linken Thalseite der Kalk an.
Hier ist derselbe in einem Steiubrnche aiifgescblos.sen. Er liegt discordant auf Granitgneiss.' Der letztere hält
nun au bis zum Beginn der Serpentinen der Fahrstrasse. Der Kalk streicht hier hora 3 und fällt wenig geneigt
(24°) gegen den Granitgneiss nach Westen hin ein. Weiterhin tritt sodann echter seidenglänzender Phyllit
auf, welclicr weisse Quarzadern und Quarzknauern entliält. Der Kalk ist krystallinisch körnig bis halb-
krystallinisch und liegt discordant, theils unmittelbar auf Granitgneiss, der auch in der Nähe des Sattels nocli
einmal hervortritt, tlieils auf den seidenglänzenden Phylliten auf. Diese letzteren schieben sich auf eine weite
Strecke hin zwischen den Granitgneiss und den Kalk ein. — Auf der Höhe stehen gefältelte Glimmerphyllite
(Glimmerschiefer ähnliche Phyllite) an. Der vom „Aigenberg" gegen die Rams ziehende Kalk ist eine Strecke
weit unterbrochen und tritt daselbst Quarzphyllit und Phyllitgneiss zu Tage, ganz analog dem Verhalten auf
der Nordseite des Sattels bei Kranichberg.
Der obere Eingang in die Hermaunshö iile liegt gerade an der jetzigen Thalenge und zwar schon
ausserhalb der Höhe des ehemals zusammenhängenden Kalkzuges. Er stellt einen nach unten zu weiter
werdenden, vertical in die Tiefe führenden Schlot vor. Der Kalk in der Nähe der Ausmündung dieses Schlundes
ist von mehreren ähnlichen Verticalröhren, iörmliehen Strudellöehern, durchzogen. Aber auch in annähernd
horizontaler Richtung durchziehen gewundene cylindrische Caniüe den Kalk. Nahe dei- Ausniündung des Haupt-
schlotes finden sich Incrustationen und au einer Stelle ein ziemlich mächtiges flaches Gewölbe aus faserigem
Kalksiuter, vor einer der Ausmündungen.
1 Die riiuuiliciie Verbreitung des (iranitgncisses („porphyrartiger üneiss") in unserem (iebiete gibt Czjzek (J. 1858,
S. 47.5) sehr genau an.
Geologische Untersuchifnfiei/ in der ,,Gffiiiiracke»zoiie" der nonlöslUrlicn Alpen. 163
iMiie recht ausführliche Beschreibung der Hermanushöhle hat Czjzek gegebeu (1. c. ,S. 50l' und 503).
Der überhängende isolierte Kalkfels, welcher an der Enge bei Ofeubach ansteht, bildet eine Fortsetzung
der terrassierten Kalkmasse am linken Ufer, am Südhange des Aigeu-(Eulen)berges. Es ist hier wie dort ein
grobkörnig, krystallinisch-köruiger, diiuugeschichteter Kalk. Das Verflachen nach Südwest mit 16°. Los-
getrennte, riffartig auftretende, krystalliuisch-kürnige Kalke finden sich auch im Osten von Kirchberg, im
weiten Thalboden des Otterbaches, am „Ebenfelde-' und zwar sowohl genau im Süden von der Wolfgang-
Kirche als auch im Südosten bei der Häusergruppe „am Stein".
Am linken Ufer des Otterbaches erstrecken sich die krystallinischen Kalke aufwärts bis gegen die
„Lodenwalke". Ihr Liegendes bilden hier Quarzphyllite und Phyllitgneiss. (Der Quarzphyllit (des „Gold-
berges").
Die Auflagerung des Kalkes auf den Liegendschiefern sieht mau beispielsweise sehr schön in dem
engen steilen Graben, der oberhalb der Lodenwalke gegen den Ramsrüeken hinaufführt. Oberhalb der kleinen
Bauernhütte treten hier lichtgrau gefärbte quarzreiche Giimmerphyllite auf.
Der krystallinisch körnige Kalk ist in dünnen Bänken geschichtet und fällt gegen WSW mit 24° ein.
Zum Theile erscheinen die Kalke bankweise bläuliehgrau und gebäudert, zum Theile aber weiss, ungemein
dünnplattig mit glimmerigen Schichtflächen als förmliche Kalkglimmerschiefer (CipoUin). Vorherrschend sind
sie aber weiss und grobkrystallinisch und bilden steilabstürzeude Wände. Eine Einlagerung in die krystal-
linischen Schiefer, wie sie von Czjzek (M. vergl. oben) zum Unterschiede von seinen Grauwackeukalken
angenommen wurde, konnte ich nirgends mit Sicherheit auffinden.
Oberhalb des erwähnten kleinen Steinbruchs am Wege von Kirchberg nacli dem Ramsrüeken zieht ein
Graben nach Nordost hinauf, der an der Grenze zwischen der vom Aigenberg herübergreifenden Scholle von
krystallinischem Kalk und dem Granitgneiss verläuft. Auch hier scheint ein auf den Schichtfläehen fcin-
glinimeriger grauer quarzreicher Schiefer an der Grenze zwischen beiden Gesteinen aufzutreten, ähnlieh so
wie er in dem Graben oberhalb der Lodenwalke erwähnt wurde. Es dürften Gesteine der Phyllitgneiss-Familic
sein. Sie bilden in der That Übergänge zum typischen flaserigen Gneisse. Hier findet man hie und da alte
Schlacken als Anzeichen ehemaliger Versuche, Eisenerze zu verhütten. Die Liegendpartie des Kalkes in ihrer
Entwicklung als Zellenkalk dürfte nesterweise erzführend sein.
Der Granitgneiss besteht aus einem grobkörnigen Gemenge von grauem Quarz, dunklem Glimmer und
lichtem Feldspath (Orthoklas), der in grossen Krystallen ausgebildet ist, so dass das Gestein Pseudoporphyr-
struetur annimmt. Aber auch der Quarz bildet grosse Ausscheidungen, und auch Gänge von milchweissem
Quarz treten auf.
An einer Stelle zeigen die Bänke eiu Streichen nach hora 5. Das Gestein l-'sst hier kaum eine
Andeutung von Parallelslructur erkennen. Beim „Buchinger Bauer" lässt sich am Südhange eine ausgezeich-
nete Quellmulde beobachten, typisch ausgebildet, wie sie z. B. Strefflcur und neuerlich auch Th. Fuchs
besehrieben haben, eine Ausbildungsform der oberen Thalböden, welche sieh hier an beiden Seiten des vom
Bamssattel zum Hollabrunner Riegel verlaufenden Kammes in vorzüglicher Entwicklung wiederholt beob-
achten lässt.
Der Eselberg besteht aus dem geschilderten Granitgneiss.
Der aufgelagerte krystallinische Kalk reicht nach Osten hinüber bis zum Calvarienberge von Kirchberg,
wo sicii jedoch zwischen ihn und den Granitgneiss krystalliuLsche Schiefer in geringer Mächtigkeit einschieben
und zwar zu unterst ein weisser Quarzglimmersehiefer und darübrr gewölnilidi grau gefärbte, gefältelte
Quarzphyllite.
Gegen den Kirehgraben hin liegt der Kalk auf (luarzreieben Glimmergneiss auf, unter dem der Granit-
gneiss hervortritt, der auch hier Quarzgänge enthält, jedoch keine pseudoporphyrisclie Ausbildung zeigt. Der
kleine Wasserfall im Kirchgraben liegt in diesem Gestein. Weiter hinauf, gegen den Wolfenkogel hin, findet
man am Südosthang denselben feinkörnigen Gneiss und darüber Quarzphyllit, der grünlich gefärbt ist und sich
talkig anfüidt. (^Quarzreicher C'hloritgneiss.) Auch dieses grüne Gestein ist reich an Quarzeinschiüssen in der
164
Franz Toiila.
Form von Acieni und Gängen. Der Nordabhang des Wolfenkogels wird von Granitgueiss mit grossen Feld-
spathkrystallen gebildet.
Die Höhen des Kogels aber bestehen aus krystallinisch körnigem Kalk. Derselbe zeigt längs des Grates
südöstliches Einfallen.
Auch oberhalb der Kirche kommt man auf Granitgueiss, der wie echter Granit in Grus zerfällt und sich
förmlich in Lehm umwandelt.
Auf dem Wege gegen den Kirchgraben tritt zwischen dem Calvarienberg und dem Wolfenkogel wieder-
holt Pliyllit zwischen Kalkauflagcrungen hervor. (Durch tiefer gehende Erosion entblösst.) Am Südfusse des
Wolfenkogels streichen die Kalkscliichtcn hora 8 und fallen nach Süd ein. Die liegende Partie des Kalkes ist
gelblich gefärbt und stellenweise als Zelleukalk entwickelt.
Auch bei der Pfarrkirche von Kirchberg steht plattiger, krystallinisch-körniger Kalk an.
+ % + + + ■- t
1. Grauitgneiss. 2. Phyllit. 3. Krystallinischur Kalk.
Am südöstlichen Gehänge des Otterberges zwischen Otterthal und Baumgarten findet man in den
steilen Runsen zu unterst (hier nur in Rollstücken und Brockenwerk) Quarzit, darüber steht krystallinisch
körniger Kalk an, der theils rein weiss, tiieils lichter und dunkler blaugrau gefärbt ist und durch die auf den
Schichtflächen auftretenden Glimmerschüppchen cipoUinartiges Aussehen erhält, wodurch er vollständig in
Übereinstimmnng steht mit dem am Aigen- (Eulen-) Berge auftretenden Gestein, t'ber diesen kiystallinisch
körnigen Kalken (die durcii Verwerfungen stellenweise abgerutscht sind) findet sich ein graublauer plattiger
Kalk mit undeutlichen Crinoiden, der dem Pentacrinitenliorizonte entsprechen dürfte. Deutlicher erkennt man
die Übereinanderlagernng der Schichten, wenn man in dem Otterbache von Baumgarten aus nach Hinterotter
und zur Kammliöhe hinansteigt.
Schon beim ,,abgel)rannten Hammer", oberhalb Otterthal, trifft man den weissen Quarzit anstehend unter
der Bedeckung von grauem doloniitischeu Kalk. (Die Gesteiusgrenze bildet hier ein Quellenniveau.) Am
Wege von Baumgarten aufwärts kommt man, von dort aus wo das Thal zum Kessel sich erweitert, auf
grauen, glänzenden, quarzreichen Schiefer, der in seinem petrographischen Aussehen an die „grauen
Schiefer" des Kobermannrückens erinnert. Es sind ebenflächige, leicht spaltbare Schiefer und zeigen eine
sehr feine Druckfältelung. Der Quarzit tritt dagegen hier in bedeutenderer Höhe erst bei den oberen
Häusern von Hinterotter anstehend auf. Er hält dann oberhalb des „Haselbacher Hauses" im Walde an
bis zum dritten Etagenfahrwege, wo man ihn auch in schieferiger Ausbildung als förmlichen Quarzitschiefer
antrifft.
Über dem Quarzitschiefer liegt dann dünnplattiger Kalk von dunkler Färbung und mit thonig-glimmerigen
Flecken auf den Schichtflächcn. Der Kalk umschliesst stellenweise ziemlich viel in Brauneisen umgewandelten
Pyrit. Dieses Gestein setzt aucii die Kammhöhe zusammen.
Gegen den „hohen Otter" hin treten lichtgraue, dolomitische Breccien über grauen, weissaderigen,
dolomitischen Kalken auf, welche zum Theil infolge des Wechsels lichter und dunkler gefärbter Lagen förm-
lich gebändert erscheinen.
Geologische UnfersKchiingeii in der „Grauwackenzoiie" der iiordöstlichcn Alpen. 165
Am Nordabhange gegen „Sclilagl" hinab gehen sie übrigens oberflächlieh vielfach in Zellenliaüce über.
r
FifC. 33.
1. Granitgneiss.
-2. Phyllit und Phyllitgneiss.
3. Grauer Schiefer.
4. Quarzit uml Qiuuzit-Talkschiefer.
>a
b. Doloiüitischcr Kalk.
6. Zellenkalk.
In dem Graben, der sich vom Posthause in Kirchberg (am rechten Ufer des Baches) gegen den „Sau-
rücken" hinaufzieht, steht zuerst grobkörniger Granitgneiss an, mit gross entwickelten Feldspathkrystallen,
sodann tritt ein echter feldspathreiclier Gnciss in der Tiefe des Bacheinschniltes unter Phyllit hervor.
Der Granitgneiss ist stark zersetzt, der Feldspath zum Theil kaolinisiert. Nesterweise treten glimmerarme
Partien von granitisch körniger Ausbildung auf, und diese sind frischer in ihrem Aussehen. Als Kluft.iusfiillung
tritt ein lettiges Material mit vielen eingeschlossenen Quarzkörnern auf.
Durch eine energische Auswaschung bei einem jüngsten Hochwasser wurden sehr in.structive Erosions-
formen, wie sie an Wildbächen in den festen Gesteinen auftreten, entblösst, welche seit langem unter Schutt-
bedeckung verborgen lagen: an Riesentöpfe erinnernde Gruben, lialbcylindrische Canäle u. dgl.
Am Eingänge in den Molzgraben bilden die äussersten Ausläufer des Saurückenberges eine Enge, an
deren Ausgange die Häuserrotte „In der Molz" gelegen ist. Zum Zwecke der Erweiterung des Fahrweges
wurde vor Kurzem (1877) daselbst ein Einschnitt hergestcdlt. Hier steht ein grauer, etwas getaltelter Phyllit-
gneiss an. Derselbe zeigt nordöstliches Streichen und fällt wie der ganze Complex nach West mit 30° ein.
Darüber folgen graue phyllitartige Glimmerschiefer mit einzelnen Quarzkuauern. Die Gesteine sind in ver-
schiedenem Masse, zum Theile sehr stark zersetzt, werden dadurch mürbe, bröckelig und zeigen gelbbraune
Farbe. In der mittleren Partie de;ä Einschnittes sind die Schiefer sehr schön gefältelt; nach oben sind sie
förmlich durchscliwiirmt von Qiiarzsclinüren und Quarzlinsen. Weiter aufwärts gegen Molzegg stellen sich
quarzreiche Gneisse ndt kleinen Glimmerschüppchen und kleinen hellen Feldspathkryställehen ein. (Albit-
gneiss Böhm's, Tschermak's Mitth. 1883.) Sie erscheinen dem Quarzphyllit au mehreren Punkten ein-
gelagert.
Zwischen Ofenbach und Otterbach führt nach Süden hin der Weg in den Sumpersbachgraben.
Der Graben ist in krystallinische Schiefer (Phyllit und Pliyllitgneiss) eingeschnitten. Beim Kalkofen, sowie
beim „Riegler", beim „Frohiier" und auch im Lehen beim „Nothnagel" finden sich isolierte Vorkommnisse eines
dunklen, gebänderten Kalkes, die letzen Reste eines früher verbreiteten und zusammenhängenden Kalkzuges,
der stratigraj)hisch als eine analoge Bildung aufgeführt werden kann mit dem Trias-Kalkvorkommen, von dem
ims jüngst Herr Dr. Teller aus der Ccntralzone des mittleren Tirol berichtet hat. (Verhandl. 1883, S. 193.)
Die wenig ausgebildeten Reste im Sumpersbachgiaben werden allenthalben zur Weisskalkgewinnung ver-
wendet und wird bald nichts mehr davon übrig sein.
166 Franz Toni
a.
Mein Besuch des Siiiupersbachgrabens galt einem kleineu Rrauiikolilenvorkonimen. Dasselbe ist läumlicli
sehr beschränkt, jedoch am Bache an einer Stelle recht gut aufgeschlossen.
Über einer Breccie tritt brauner Kohlensandstein und darüber blauer Kohlenletteu mit kleinen Kohlen-
schnitzchen unter einer mächtigen Scliuttdceke auf. Der Aufschluss zeigt die Öcliichten in einer Mächtigkeit
von etwa 2"° entblösst. Die Schichten liegen fast horizontal und zeigen nur eine ganz leichte Neigung nach Süd.
Man versicherte mich an Ort und Stelle, dass auch im Lehn (Lehen „Lechen") ähnliche unbedeutende
Braunkohlenvorkonnnnisse angetroffen worden seien und dass dieselben Veranlassung zu erfolglosen Schürfungen
gegeben haben sollen.
Braunkohle ist hier sonach in manchen Gräben anzutreffen, und ich mochte an diesem Orte zugleich des
Vorkommens von Braunkohle oberhalb des Marktes Kirehberg gedenken, wo die Braunkohlenformation:
Sandsteine und Schieferthon mit einem wenig mächtigen Flötzchen, oberhalb der Kirche am Waga gegen den
Kirchgraben, unmittelbar über dem, in feinen Gruss zerfallenden Granitgneiss auftritt und eine kleine Mulde
bildet. Dessgleichen treten Braunkohlenschnitzchen in Letten eingelagert im Katzgraben, am Fnsswege von
Kirchberg nach Aspang, unweit vom Nagelbauer, schon nahe der Sattelhöhe beim „Stadelbaucrnkreuz", auf,
hier offenbar in einer Mulde im Phyllitgneissgebiete, also analog wie im Sumpersbachgraben.
Auf dem Wege von Kirchberg zum Stadelbaucrnkreuz auf der Sattelhöhe gegen Aspang kommt man
zuerst über Granitgneiss mit porphyrähnlicher Structur, der vielfach durch die Schuttmengen, die vom Kamp-
stein herab gebracht wurden (Phyllit, Chloritgneiss und Phyllitgneiss) bedeckt ist. Auch Findlinge aus gcbän-
dertem Kalk finden sich hie und da. So finden sich z. B. auch im Schutt des Baches, der von St. Corona herab-
kommt, Kalkbrocken. Es scheint dies auf ein Vorhandensein von Besten eines Kalkzuges hinzudeuten, ähnlicli
jenem im Sumpersbachgraben und im „Lehn". Der anstehende Gneiss hält an bis an den Graben von Both-
moos, wo der Qnarz-l'hyllit, hier in grüner Färbung, und grüner Phyllitgneiss mit ganz kleinen Hirsekorn
grossen, hellen Feldspathkrystäilchcn auftreten, Gesteine ganz ähnlich jenen, welche kürzlich von Dr. Böhm
als Albitgneiss, von Maricnsce, besciirieben wurden (Tschermak, Min. Mitth. 1883) und wie sie ganz ähnlich
auch im oberen Molzgraben sicli finden. Ganz dasselbe Gestein trifft mau auch im Ofenbachgraben (oberluilb
Kirchberg) in Verbindung mit Phyllitgneiss und Qiiarzphyllit mit Milchquarzgängen.
Oberhalb Trattenbach im Pfaffenljachgraben treten Phyllitgneisse in recht verschiedener Ausbildung auf.
Bei der sogenannten „Schmelzhütte", einem unansehnlichen Mauerrestc, befinden sich leichte, weissglini-
nicrige', gneissartige Schiefer, gneissartige „Muscowit-Schiefer". Unterhalb lührt der Fahrweg ül)er echte
typische Quarzphyllite, gefältelt und wohlgeschichtet (streichen hora 10 und fallen mit 30° nach West), mit
mächtigen Gängen von weissem Quarz.
Sodann treten „Perlgneissc" auf. (= Albitgneiss" von Mariensee.)
Au der Einmündung des Pfaffenbaches in den Tratfcnbach steht am linken Ufer des ersteren wieder echter
Phyllitgneiss an, nnt ostwestlicliem Streichen (hora G) und Einfallen nach N. mit 30°. Es ist ein feldspath-
armer und grobflaseriger Gneiss. Bei der Kirche von Trattenbach steht ein feinkörniger quarzreichcr Phyllit-
gneiss an, der viele Schnüre und Nester von Quarz enthält. Seine Schichten streichen hora 7 und fallen nach
N. ein. Diese Gesteine halten auf eine längere Strecke hin an. Nach den Häusern „im Auger" treten dann
darüber gefältelte Pliyllitc auf, die durch Übergänge mit den Phyllitgueisseu verbunden sind.
In Bezug auf das Vorkommen der rotheu Kalkblöcke mit Lithothamnien, Orbitoiden und verschiedenen
anderen Fossilien, welche ich seiner Zeit für obereocäu zu halten geneigt war, verweise ich auf meine dies-
bezüglichen Bemerkungen im Jahrb. der k. k. geol. Keichsanst. (1870, S. 123—136), fühle mich jedoch
gedrängt hier anzuführen, dass ich in Bezug auf die Richtigkeit jener Altersbestimmung heute einige Zweifel
hege, besonders seit ich die überraschend ähnlichen Bilduugeu am Kammbügl bei Flatz, am Fasse des Kctten-
loisberges gesehen habe.
Czjzek erwähnt das Vorkommen der rothen Kalke bei Kirchberg nicht.
(}(iolo(jische Untersuchungen in dir ^, dran irackenzone" dir nordöstlichen Alpen. 167
Ausflug von Nennkirclicii in das Gebiet der Kalke von Sebenstein, Glcissenfeld, Scheib-
lingkirclien und Thernberg.
Von höchstem Interesse musste für mich der Vergleich der Kalke in der Gegend von Kirchberg mit jenem
am Pitten- und Schlattenbaehe sein.
Auf der dem Wasserleitungswerke beigegebeuen ausgezeichneten Karte wird bei Natschbach „Grau-
wackenschiefer" angegeben. Der Rücken südlich davon besteht aus Schuttanhäufungeu ; Phyllitgneiss und
Quarzitgeschiebe spielen die Hauptrolle. Sodann kommt man zuerst rechts von der Fahrstrasse auf weissen und
gelblichen dolomitischen Kalk, der auch als Zcllendolomit (Rauchwacke) entwickelt ist. Bei der Kirche in
Sebenstein ist das Gestein wohlgcschichfet und liegen die Schichten fast horizontal. Es gleicht im petrographi-
schen Verhalten ganz dem Zellendolomit, wie er am Pinkenkogel, auf der Kampalpe und bei Mürzzuschlag
ansteht.
Unter dem alten Schlosse Sebenstein ist dasselbe Gestein anstehend. Hier liegen Stücke eines grauen,
gebänderten, kr^'staliinisch-körnigeu Kalkes herum, der eine Strecke weiter aufwärts am rechten Ufer des
Pittenbaciics ansteht. Seine Schichtflächen sind mit Glimmerschüppchen bedeckt. (Cipolliuartiger Kalk.) Am
Türkensturz bei Gleissenfeid findet sich ganz dasselbe Gestein. Hier treten die Kalke in mächtigen Bänken
mit zwischengelagerten, dünngeschichteten Lagen auf. (Zwei Tage vor meinem Besuche der Localität war
längs einer nach hora 2 streiclienden, steil nach N. einfallenden Kluft ein gewaltiger Absturz der Gesteine
erfolgt.)
Im benachbarten Sollgiaben, oberhalb der Steinwand, tritt das Grundgebirge (quarzreicher Glimmer-
phyllit) zu Tage, discordant unter dem Kalke.
Auf der Strasse von Scheiblingkirchon gegen Thernberg treten zuerst Zellendoloraite auf, dann, kaum
einen Kilometer tiialaufwärts, kommt m;in an plattig brechende, dunkelgrauc, weissadcrige, dolomitisclie
Kalke, mit glimnicrig-tiascrigen Schiclittläclien, welche pefrographisch auf das vollkommenste mit dem Penta-
criniten -Kalke übereinstimmen. Ganz dieselben Gesteine stehen auch bei der Brücke von Innerschildgraben
an. Sie sind hier dunkclgrau (fast schwarz), schichtweise ausgezeichnet plattig (mächtigere Bänke weciiseln
mit dlinnplattigeii Lagen ab). Sie streichen hora 1 und fallen nach West. Gegenüber der Ausmündung des
Scldattenliaclics streiclien ganz ähnliche Kalke liora 7 und fallen nach Nord. Es stimmt dies auf das Beste mit
den Darstellungen Czjzek's überein.
Auf der Karte des Wasserversorgungsvverkes (1864) sind die Kalke beim alten Schlosse Sebenstein als
„Kalk und Rauchwacke der Centralkette" ; die Kalke und Ranchwacken am linken Ufer bei Sebenstein, bei
Gleissenfeid und Scheiblingkirchen aber sind analog der Czjzek'schen Darstellung als der Grauwackenzone
angehörig bezeichnet.
Wie gesagt konnte ich an keiner Stelle eine Einlagerung der Kalke in die krystallinischeu Schiefer beob-
achten; übernll und auch bei den kvystallinisch-körnig ausgebildeten Kalken lassen sich Discordanzen gegen
das Grundgebirge erkennen, und auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Varietäten sind durch
Übergänge vielfach al)geschwächt, so dass ich die Meinung, dass ein sicherer Altersunterschied zwischen den
einzelnen Kalkschollen nicht anzunehmen sei, als den Thatsachen nicht wiederstreitend bezeiclinen möchte. Der
Grad der Umänderung des Kornes der verschiedenen Kalkvarietäteu ist eben ein recht verschiedener, aber fast
überall ein weitgehender, und werden dadurch die Übergänge derselben in einander erklärliar.
Sicher paläozoische Kalke sind nach dem l)isher in diesem Gebiete erkannten deiinalen nicht anzu-
nehmen.
168 Franz Toxli
II. Die geologischen Verhältnisse westlich vom Semmering.
a) M in- z z 11 s c li 1 a g — N e u b e r g.
Über die Verhältnisse der GramFackenzone an der Mürz, besonders in der Umgebung von Neuberg und
Kapellen, findet man bei Stur (1. c. 110) einige Angaben. Dieselben sind in Kürze die folgenden: Die Mürz
durclibricbt den erzführenden Kalk, dem auch das Magnesitvorkommen im Osten von Neuberg angehört. Im
Liegenden desselben, durch eine wenig mächtige Zone von Schiefern davon getrennt, folgt in südöstlicher
Eichtiing eine sehr ausgedehnte Ablagerung von Kalken, die sich aus der Umgebung des Rosskogels (Kapellen
SW) über Kapellen verfolgen lassen, von wo sie in zwei gesonderten Zügen weiter ziehen, deren einer
nördlich vom Tratikogel üher den Kaltenberg, die Hohe Reith und den Falkenstein, südlich von der Prein, sich
an den schmalen Riffrücken der an die Grauwacken angepressten Kalke anschliesst, während der zweite sich
südlich davon über die Kampalpe und den Alpenkamra hinzieht und so an den Bürgerwald-Jägerbrandkalk
anschliesst.
Über die Besciiaffenheit und die Lagernugsverhältnisse des Kalkes bei Kapellen fehlen nach Stur aus-
führlichere Mittheilungen. Nach den Angaben der Karte lagert der Kalk an seiner Südgrenze unmittelbar auf
Gneiss. „Am Rosskogel und Lerchkogcl (Langenwang N.) erscheint zwischen dem Kalk und dem azoischen
Gebirge der Quarzfels". (^Haue r u. Foetterle 1852, IV. Heft, S. 61.) Stur schlicsst daraus mit vollem Rechte,
dass der Kalk von Kapellen mit den in den Cetisclien Alpen auftretenden, durch das Quarzfels-Mitvorkommen
charakterisierten Schiefern und Kalken in Parallele gestellt werden müsse, „die sich von den eigentlichen
silurischen Gebilden unterscheiden". In der That verhalten sich auf ähnliche Weise beispielsweise auch die
Kalke am hohen Göstritz (Sonnwendstein), am Otterberge und Raachberge, sowie auch die erzführenden
Kalke im Fröschnitzgraben. Etwas ausführlicher kommt Stur in einer schon an anderer Stelle erwähnten
Anmerkung auf Seite 115 des citierten Werkes auf dieses Gebiet zurück, indem er nämlich „jungeozoische"
Gesteine auf der Linie Gloggnitz-Neuberg bespricht. Tlionglimmerschiefer, überlagert von chloritischen und
dioritischen Gesteinen, treten südlich von Neuberg und nördlich von der nach Süden einfallenden Kalkmasse
von Kapellen zwischen dieser und der „Silurformation" von Neuberg, die steil nach Nord einfällt, zu Tage.
Auch nördlich von dem Zusammenflusse des Raxenbaches mit dem Bache des Altenbergerthales treten
quarzreiche „Thouglimmerschiefer" (= Quarzphyllite) auf, unter der nördlich folgenden „körnigen Grauwacke",
über der sodann die „Hangendbreccie", ans quarzkörniger Grauwacke und verschiedenen Schiefern bestehend,
und darüber sofort der Werfener Schiefer auftreten, während die rothen Sandsteine der GoUrader Bucht hier
vollkommen fehlen.
Derselbe Zug von Quarzphyllit tritt, wie wir gesehen haben, auch im oberen Kaltenbergthale (Prein SW)
unter den Grauwacken und Quarziten zu Tage.
Im Folgenden führe ich die von mir bei meinen Excursioncn in diesem Gebiete gemachten Wahr-
nehmungen an.
Im Steinbachgraben bei Mürzzuschlag (südlich davon) steht grauer plattiger Kalk an, der fein
krystallinisch-körnige, dolomitische Einlagerungen und Einschlüsse zeigt, wie dies auch bei dem Kalke bei
Steinhaus (rechte Thalseite, neue Semmeringstrasse) der Fall ist. Auch die Varietät mit glimmerig-glänzenden
Schichttlächen findet sich in den Rollstücken. Die dolomitischen Kalke zeigen Neigung zur Zellenkalkbildung.
Am Abhänge des Gansberges gegen Mürzzuschlag werden aus Zellenkalk Strasscnweichsteine gewonnen. Im
Bachschutte des Steinbaches finden sich neben Phyllit- und Gneissrollstücken auch solche, und zwar weniger
stark abgerollte, von Quarzit.
Geologische Untersuchungen in der „Grauwackenzone" der nordöstlichen Ali)en. 169
Mürz zu schlag — Kapellen.
Die lichten Kalke an der Einmündung der Fröschnitz in die Mttrz bei Mürzzusclilag sind wohlgeschichtet
und fallen mit 20° nach 8W. Sie stellen eine riesige, von oben lierabgebrochene Seholle dar. Beim „Tiefen
Thal-', au der linken Thalseite der Mürz, stehen graue und weissaderige, zur Zellenkalkbildung geneigte
doloniitische Kalke an. Sie erinnern in ihrem Aussehen an Guttensteiner Kalk, bilden dicke Bänke und sind
vielfach gestört. Bei der Brücke befindet sich ein Steinbruch in dem diinkelgrauen Kalke. Derselbe ist hier
deutlich geschichtet und besitzt glimmerige Schichtfläclieu ; viele Verwerfungsklüfte durchziehen die fast
Jiorizontal gelagerten Bänke; kleine Crinoidendurchschnitte sind hie und da zu erkennen, ganz so wie in dem
gleichartigen Kalke am Otterberge bei Kichberg.
Fig. 34.
S.
N.
Streichen honi 3—4, Fallen nach SO. mit 20°.
Durch einen kleinen Bahneinschnitt sind die Kalke ganz schön aufgeschlossen, liier fiiulen sicii (Fig. 34)
zu Oberst Kalkschiefer (1), die nach abwärts auffallend dünnplattig (2) werden. Das Liegende bilden krystal-
liuisch körnige, feste Bänke (3), welche auf das schönste gebändert erscheinen. Die Hangendkalkschiefer (1)
füln-en Crinoiden und entsprechen den dünnplattigen Schiefern (1) im Krennthaler'schen Bruche (S. 13'Jj und
den Semmeringkalkschiefern.
Bei der ersten Tbalweitung kommt man auf Quarzphyllit. Auf der rechten Tlialseite, an der Bahn, stehen
aber noch dieselben Kalke an.
Beim Eisenhammer treten am Eisenbahneinsehnitte am rechten Ufer starkglimmerige, gefältelte Quarz-
phyllite auf. Quarz findet sich in Form von Knauern und Linsen. Oberhalb des Eisenhammers stehen an der
Strasse (linken Ufer) sofort wieder lichtgraue, wohlgeschichtete Kalke an, welche WO streichen (hora 6—7)
und mit circa 25° nach Nord einfallen. In dem grossen Steinbruche oberhalb des Hammers stehen, abwechselnd
in mächtigen Bänken (1) und dünngeschichtet, (2) lichte, krystallinisch-körnige Kalke an, mit vielen Adern
und Linsen aus späthigem Kalk und mit glimmerigen Schichtflächen. Sie stimmen mit jenen von Kirchberg
Fig. 35.
(Aigenberg) und von der Polleroswand am Semmering, auf das Beste überein. Sie zeigen oben eine mit Geröll
(3), feinem Sand (4) und Schutt (5) bedeckte Terrasse, welche sich auf das schönste bis Kapellen und dar-
über hinaus am Eaxenbach verfolgen und vollkommen ausgeprägte Erosionsformen erkennen lässt.
Beim Hanselbauer (linke Tlialseite) sind die Kalke mehr oder weniger krystallinisch-körnig, wohl
geschichtet und gleichen ganz und gar den Kalken in den Adlitzgräben bei Klamm. Sie erscheinen partien-
weise auch hier wie gebändert (Streichen hora 7, Fallen nach N. mit 35° ), indem dunkel graublaue Lagen mit
rein weissen abwechseln. Sie streichen schräg über die Mürz und stehen an der Bahn vor der Ausmündung
des Dietler Grabens gleichfalls an, fallen aber dort etwas steiler nach Nord ein. Es ist kein Zueiiel, dass die
Denkschriften der mathem.nalurw.Cl. L. Bd. Abhaiidlunjjeu von Niclitmitgliederii. W
170
Franz TokIü.
Kalke bei Mürzzuscblag sowohl, als auch jeue oberhalb des Eisenhammers auf den dazwischen durchstreichen-
den Quarzphyllit aufgelagert sind.
Ein interessanter Aufscbluss folgt hierauf kurz vor Kapellen. Hier treten zwischen in Schollen gebrochenen
Kalken Grapliitsehiefer in vielfach gestörter Lagerung auf (Fig. 36).
Die graphitischen Schiefer dürften dem Carbon entsprechen und erscheinen wie zwischen die Kalk-
schollen hineingepresst oder zwischen dieselben eingeklemmt. Sie bilden die unmittelbare westliche Fort-
setzung des von der Prein, über den Sattel, in das südliche Gehänge des Raxenthales sich erstreckenden
Zuges. Die Kalke erinnern in ihrem Aussehen sehr an jene bei der Eiseuockergrube im Gamperlgrabcn. Sie
gehen gegen Kapellen hin im Zellenkalke über, und reichen Ijis an die Thalbiegung ausserhalb Kapellen. Auch
oberhalb der Brücke und gegenüber der Einmündung des Raxenbaches stehen graphitische Schiefer an. An
ersterem Punkte in gestörter Lagerung, an letzterem wieder mit WO.-Streichen, aber mit südlichem Einfallen,
dabei stark gefältelt und mit lettigen und sandig-ockerigen Einlagerungen. Der Kalk liegt discordant darüber,
hat graue Färbung und ist reich an weissen Calcitadern.
Bei der oberen Brücke, gleich oberhalb Kapellen, treten abermals graphitische Schiefer unter und zwischen
den gelblich gefärbten Kalken hervor. Sie sind stark gefältelt, quarzreich und durch zahlreiche Klüfte zerstückt.
In den Klüften findet sich Graphit.
Fig. 36.
1. Gelblicher Kalk, iingesehichtet.
2. Lichter und dunkler grau gefärbter Kalk, dolomitisch.
3. Zarte graphitische Schiefer.
4. Sandige grapbitische Schiefer.
(I. Lettenkluft, h. Kluft mit tascheiiartiger Erweite-
rung, mit gelblichem Sand gefüllt, c. Verwerfung.
(/. Kluft mit gelblichem Sand wie bei h.
Streichen hora 6 — 7, Fallen nach N.
Kapellen — Reichen au.
Am Ausgange des Raxenthales (linkes Ufer) steht ein dunkel grau gefärbter Dolomit (dolomitischer
Kalk) an, der ganz und gar das Aussehen des Hauptdolomites (Opponitzer Dolomit) an sich trägt und in feinen
Grus zerfällt. Bei Stoien mündet au der rechten Thalseite ein Graben aus, in dem von der Raxalpe ein grau-
weisser Kalk herabkommt. Oberhalb Stoien verengt sich das Thal. In der Klause steht beiderseits ein lichter
wohlgeschichteter Kalk an, der thouig-glimmerige Zwischenmittel in Form von kleinen Flecken und Flasern
auf den Schichtflächen zeigt. ( Rhätischer Kalk.)
Beim Steinhammerl mündet von Nord her ein wasserreicher Graben aus, in dessen Schuttwerk man neben
grossen Blöcken ans Conglomerat der Steinkohlenformation, Quarzite, graue Schiefer und dunkle eisenockerige
Breccienkalke (wie Guttensteiner Kalk) findet.
Bei der kleinen Kapelle mündet an der linken (südlichen) Thalseite ein Graben aus, durch den in das
Haupttbal ein mächtiger Schuttkogel herausgeschoben wurde, der fast durchwegs aus älteren Gesteinen:
grossflaserigem Quarzglimmerschiefer, Phyllitgneiss, gefälteltem Phyllit, zusammengesetzt ist, was für die Nähe
der krystallinischen Schiefer im Süden spricht.
Auch vor dem nächsten Graben an der linken (südlichen) Thalseite, dem Brandigraben, befindet sich ein
ganz analog zusammengesetzter Block- und Schuttkegel.
Geologische Untersuchungen in der „G mmvachenzone" der nordöstlichen Alpen. 171
Etwa einen Kilometer weiter nach dem Grampesgraben kommt man auf anstellende Carbongesteine:
dunkle schieferig-glimmerige Sandsteine und Conglomerate. Im Schutt tritt auch Grünschiefer auf. Auch die
graphitischen Carbonschiefer finden sich, ganz wie bei Breitenstein und Klamm. (Streichen hora 6 — 7, fallen
nach N.)
Bei der kleinen Mühle werden graue und grüne Schiefer häufig und auch die glänzenden Silberberg-Grau-
wacken finden sich.
In dem aus Nord kommenden Blockwerk sind viel schwarze Kalke (echte Guttensteiner Kalke) mit spär-
lichen, schleclit erhaltenen Gastropoden (Naticellen). Am Gscheid endlich stehen, auf steierischer Seite, graue,
feinkörnige, etwas sericitiseh aussehende Quarzsandsteine an, während gegen Osten, auf der österreichischen
Seite, dünnplattig brechende, mürbe, grauweisse, talkig sich auliihlende Schiefer den Steilhang zusammen-
setzen, welche die grösste Ähnlichkeit haben mit den am Semmering unter den Kalken auftre-
tenden sericitischen Schiefern.
Am Gschaid streichen die Schichten hora 7 — 8, fallen mit 40° nach N ein, und sind stellenweise reich
an Quarz in Form von Knauern und Linsen. Das unmittelbar Liegende dieser wohl mit vollem Recht dem
Werfener Schiefercomplex zugezählten Schiefer bilden echte Grünschiefer. Unter diesen folgt eine Bank der
Silberberg-Grauwacke und darunter ganz dünnplattiger grauer Schiefer, der auch weiter nach abwärts anhält
und vielfach verstürzt die Berghänge zusammensetzt.
Im Liegenden folgen — - nur auf eine kurze Strecke aufgeschlossen — graphitische Schiefer, welche mit
echten dunklen Carbongesteiuen verbunden zu sein scheinen.
„Grauwackenschiefer" verschiedener Ausbildung, theils sericitisch-silberglänzend, theils licht graublau,
theils graugrün (letztere stellenweise gefleckt und wie geflammt aussehend) halten bis zur Abzweigung des
Sonnleiteuweges an, wo unter den fleckigen, graugrünen Schiefern echte GrUuschiefer auftreten.
Kapellen — Altenberg.
Bei der Sägemühle stehen licht graublaue Kalke an, welche jenen bei Klamm gleichen und steil nach N
fallen. (Streichen hora 6 — 7.)
Nach der Wegtheilung (Abzweigung in das Raxenthal nach Ost) kommt man auf typische Carbongesteine,
schieferige, quarzreiche Sandsteine. Sie streichen hora 9 und fallen steil nach NW. Sie halten bis gegen die
Eisengruben hin an, gehen aber im Hangenden in grobkörnige Sandsteine mit glimmerig-thonigem Binde-
mittel über (ähnlich dem Gesteine vom „Silberberge" bei Gloggnitz). Auf den Halden herrschen grünliche und
röthlichbraune, schieferige Gesteine vor, welche bereits den Werfener Schiefern entsprechen dürften.
Kapellen — Neuberg.
Von Kapellen nach Neuberg bilden die Grauwackenschiefer die Unterlage für die darauf lagernden, ver-
hältnissmässig wenig ausgedehnten, in einzelne Schollen zerstückten Kalke.
Über das Auftreten der Erze im Ncuberger Revier vergleiche man Tunner's Jahrbuch III, S. 30 — 31.
Beim Steinbauer kommt Siderit mit Kalk vor (Rohwand), an allen anderen Punkten aber ist „das wahre taube
Hangend und Liegend, der feste Grauwackenschiefer, der theilweise selbst in grobkörnige Grauwacke über-
geht und überall sein nördliches Verflachen beibeliält-'. Die Einlagerungen erfolgten nicht überall dem Schicht-
streichen entsprecliend. „Südliches Einfallen der Erzmittel wurde wiederholt beobachtet."
Miller (Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch 18(34, S. 220) gibt auch ein Vorkommen von Anthracit
im Mürzthale bei Neuberg an, das er mit jenem von Turrach in den Centralalpen in Verbindung bringt.
Aus den Mittheilungen über die Neuberger Eisensteinbaue (1. c. Tunner's Jahrbuch III, S. 30)
seien folgende Angaben hervorgehoben:
Die Baue folgen von Ost nach West in nachstehend angegebener Aufeinanderfolge: Altenberg, Bohnkogel
(Lohnkogel auf der Generalstabskarte), LichtenViach, Steinbauer, Rettenbacher, Tebrin, Steinkogel und im
Dürnthal. Sie liegen genau in der Richtung des Hanptzugcs und zwischen den einzelnen Bauen kennt man
172 Franz Toula.
überdies noch „ärmere Erzfindlinge". Streichen und Verflachen ist an den verschiedenen Stellen verschieden.
Die Hangend- und Liegendgesteine bildet „der feste Grauwackenschiefer, der stellenweise selbst in
grobkörnige Grauwacke übergeht und überall ein nördliches Verflcächeu beibehält". Nur heim Stein-
baucr liegen die Erze im Kalk, am Steinkogel „kommt nur wenig Kalk mit vor" — überall sonst liegen die
Erze in den Grauwackenschiefern, die „zunächst den Erzen mehr talkig und mürber" werden.
In der Nähe der Erzlager selbst sind vielfache Schichtenstörungen constatiert: „Biegungen der Schiebten,
Theilungen, Abscheiduiigen u. dgl." Am Scheidestollen in Tebrin wurden sogar zwei südlich fallende Erz-
mittel angefahren. Besonders auffallend ist die Angabe betreffs des Verhaltens der bebauten Erzmittel im Stein-
kogel. Dieselben fallen nämlich nach Süden, während die Grauwacke über Tags ihr nördliches Einfallen bei-
behält. Es scheint dies auf das Deutlichste dafür zu sprechen, dass das Erz hier in einer Verwerfungskluft der
Schiefer abgesetzt wurde. Die einzelnen Erzmittel wechseln in ihrer Mächtigkeit „von unbauwürdigen Schnür-
chen bis zu einigen Lachtern .... über 100 Lachter in edler Erstreckung ist uns keines bekannt". Erwähnt
wird an jener Stelle auch das nesterweise Vorkommen von Braun- und Rotheisensteiu im „Alpenkalke" selbst,
der oft in grossen Partien „durch Eisenocker roth gefärbt" ist. Sodann wird auch hervorgehoben (S. 32), dass
in der Nähe der Erze am Tage fast regelmässig erzfreie Kalklager vorkommen.
Hier sei auch angeführt, dass auch das Erzlager in Solln (Niederalpl SW) südUches Einfallen erkennen
lässt, wie am Steinkogel bei Neuberg und dass die Erze hier mit Quarz und Kalk einbrechen. Auch sei die
Angabe erwähnt, dass der tiefste Stollen im Alpler Bau selbst durch „körnige bis dickschieferige Grauwacke"
geführt ist, sowie dass weiterhin gegen Wegscheid jene grünsteinartige Grauwacke auftritt, „welche bei
Eisenerz das Liegende bildet".
h) Mitte rndorf — Veit seh — Erzgrube.
Am Eingange in das Veitschthal trifft man grobkörnigen Granitgneiss mit Neigung zur quaderförmigen
Absonderung.
Ein Quarzgang in demselben wird abgebaut und zu Kapfenberg bei der Fabrication feuerfester Ziegel
verwendet.
Etwa einen Kilometer weiter nach aufwärts beginnt ein schmaler Kalkzng. Er istdolomitisch, krystallinisch-
körnig, geschichtet, streicht hora G und fällt nach N mit 50 — 60°. Nach oben wird er cavernös („Kauciiwacke").
Dieses Vorkommen hat am meisten Ähnlichkeit mit den krystallinischen Kalken bei Kirchberg am Wechsel
(man vergleiche die Figuren 30 und 31 auf Seite 162). Nach dem Kalke tritt quarzreichen Phyllitgneiss auf.
Im Thale des grossen Veitschbaches kommt man dann weiterhin zuerst auf grauen, wie gebändert aussehenden
Gneiss mit Quarzkrystallen.
Sodann folgt grauer weissaderiger Kalk, viel zerklüftet, aber ohne deutliche Schichtung, mit runden
Crinoidenstielen. Er zeigt südliches Einfallen und dürfte als eine Scholle analog jener am Eichberg bei Glogg-
nitz aufzufassen sein. Unmittelbar darunter liegt typischer Steinkohlensandstein, ganz analog jenem bei
Klamm, theilweise graphitiscb, leider ohne Pflanzeuspureu. Fällt südlich unter den Kalk ein.
Gleich nach dem Pretalgraben kommt man an der recliten Tlialseite auf gefältelte „graue Schiefer"
(zuerst phyllitartig), welche wieder nördliches Einfallen zeigen (mit 40—78° bei westöstlichem Streichen).
Diese Schiefer finden sich auch im Pretalgraben westöstlich streichend und steil aufgerichtet. Etwa 3 Kilometer
aufwärts im Graben kommt man an der südlichen Thalseite auf grauweissen feinkörnigen Quarzi t. Von Süden
her kommen Kalkblöcke herab. Diese Gesteine halten im Veitschgraben an bis zum Raabbaueru. An der
Theilungsstelle des Weges („Hutniann"), an der Fahrstrasse zur Erzgrube, oberhalb des Lohnegger Hauses,
tritt wieder der Steinkohlenschiefer auf und zwar theils vollkommen ebenflächig und glänzend, theils mit
knollig-runzeligen Schichtflächen.
Auf der Halde bei der Erzgrube findet man neben den Erzbrocken : grauen Quarzit, schwarze, quarz-
reiche, glänzende Schiefer (Graphitschiefer, Carbon), ausserdem Quarzbreccieu mit talkig-glimmerigem
Geologische Untersuchungen in der ,,Grauwackenzone" der iiordösflichen Alpen.
173
Bindemittel (Silberberggestein). Bei dem untersten Stolleu treten graphitisclie Quarzite auf. Auf dem Wege
zum „Radwirth" kommt man dann über dünngescbichtete Kalke, welcbe lebhaft an jene im Göstritzgraben
erinnern.
Die Lagerungsverhältnisse dieser plattigen Kalk konnte ich nicht sicherstellen, doch möchte ich sie für
discordant den Carbonschiefern aufgelagert halten, ähnlich wie jene oberhalb Veitsch. An der Strasse beim
„Pamer" liegen dieselben Kalke in losen Blöcken herum. In einem kleinen Steinbruche sind graue weissaderige
Kalke aufgeschlossen, welche keine deutliche Schichtung zeigen und ganz nnd gar jenen vor der Abzweigung
des Pretalweges gleichen. Kurz vor der Vereinigung der beiden Wege beim Hutmann (Lohnegger Haus) stehen
dünnplattige, glänzende Thonscliiefer an (ähnlich jenen bei der Station Payerbachj. Sic gehören wohl in die
Schichtreihe der auf der ganzen unteren Strecke herrschenden „grauen Schiefer".
Fig. 37.
i,^-i''
1. Granitgueiss.
(I. Quarzgang.
2. Phyllitgneiss.
3. Gi'aue Schiefer.
4. Carbonsandsteiu.
5. Conglomeratc.
6. Wert'ener .Seliiefor.
7. Tiiaskalk.
8. „Kalk der Grauwackenzono".
Über das Erzvorkommen in der Veitsch vergleiche man Tunner's Jahrbuch III. Bd., S. 26 und 27.
Daselbst wird dargelegt, dass die Erze „in einem mächtigen Kalklager einbrechen, das seinerseits wieder in
Grauwackenschiefer eingelagert ist'. Die weitere Angabe, dass die Erze mit Kalk und Schiefer derart unter-
mengt seien — wovon die Haldenstücke gute Belege liefern — dass man sie kaum auf SO'/o im gerösteten
Zustande bringen kann, machen es wohl wahrscheinlich, dass die Erzlager an der Grenze zwischen Schiefer
und Kalk auftreten, wie das auch aus dem folgenden Miller 'sehen Profile hervorgeht.
Fig. 38.
(I. Giobflaseriger Gneiss. b. Weisser Dolomit, c. Dunkler Kalk. (7. Feinflaseriger Gneiss. i: Verschiedene
rwahrscheinüph durchwegs krystall.) Schiefer mit Kalken. /■. Körnige Grauwacke. .«/. Grauwacken-'^chiefer
und schieferige Grauwacke. h. Dunkler Kalk. /. I/ichte Schiefer. /,-. Erzlager. /. Graphitische Schiefer.
in. Rothe und grüne Werfener Schiefer, ii. Sehr feinkörnige Quarzsandsteine, o. Guttensteiner Kalk.
p. Hallstätter Kalk.
Prof. .\. Miller v. Hauen fels l)ringt in seinem Aufsatze über „Die nutzbiiren Mineralien von Ober-
steiermark'' (Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch XIII. Bd., Wien 1804, S. 213— 245j unter anderem auch
]74 Franz T» 1,1 u.
ein geologisches Profil von Mitterndoif bis an die hohe Veitsch. Nach demselben sind alle Schichten als eine
concordant übereinander folgende Schichtenreihe dargestellt.
In schöner Übereinstimmung mit dem vorstehenden Durchschnitte steht bei v. Miller auch das Profil
von Kalwang bis zum Leopoldsteinsee bei Eisenerz.
Der Unterschied in der Autt'assung des Veitscher Profiles geht aus meiner Darstellung wohl zur Geniige
hervor. Die Schichten mit den Kalken gehören nach meiner Meinung ebenso wie /und g zum Carbon. Gegen
die Annahme Mi 11 er 's, dass das Erzvorkommen der Veitsch nicht der silurischen Grauwacke angehöre, habe
ich von meinem Staudpunkte aus nichts einzuwenden, sobald festgehalten wird, dass hier das Erz im Liegen-
den der echten Werfener Schiefer auftritt — unter Umständen ganz ähnlich jenen am Grillenbcrge und
am Grünschacher bei Paycrbach.
c) Von Veitscb nach Neuberg.
Im kleinen Veitscbgraben vor der Einmündung des Dressgrabens (am rechten Ufer) steht weisser zart-
glimmeriger Gneiss an.
Über diesen liegt bei der Mühle an der Gabelung des Thaies der dunkle, glimnierige und schieferige
Steinkohlensandstein. Auf der Höhe am linken Ufer des vom Veitschegg herabziehenden Grabens liegt Kalk
auf den Carbonsandsteinen. Am Fussweg zum Zwicklbauer kommt mau vorübergehend gleichfalls über Kalk,
und zwar ganz von derselben Ausbildung, wie vor dem Pretalgraben im grossen Veitschtlial: grau, weiss-
aderig, etwas mergelig.
Den Abhang hinauf halten Schiefer an. Dieselben sind dünnplattig, wohlgeschichtet, reich an Quarzadern
und schliessen sich den Phyllitgueissen au. (Streichen hora 6, fallen nach N mit 35°.) Darüber folgen dann
dunkle, etwas sandige Grauwackenschiefer, ohne dass die Lagerungsverhältnisse zu erkennen wären.
Bei der Hocheckalpe kommt man auf Krystallgneiss (Phyllitgneiss) ganz analog im Aussehen den Albit-
gneissen. Sodann beim Abstiege zum Veitschbach-Bauer halten fort und fort Schiefer an.
Später, unterhalb des Bauernhauses kommt man nochmals über gneissartige Schiefer (Phyllitgneiss) und
gegen Neuberg hin auf scliwarze Schiefer mit Kalklagen, stellenweise grajjhitisch, an anderen Orten eisen-
ockerig (Erzführung). Beim Thalausgange endlich stehen wohlgeschichtete liehtgrau gefärbte Kalke an. (Ob
Ehätkalke?^
(1) Der graphitisehe Anthracit bei Dietraan nsdorf und der Grajjliit im Sunk-
graben.
Beim Ödenburger Bauer in Dietman nsdorf ist ein graphitisches Anthracitvorkommen seit langem
bekannt.
In den betreffenden beiden, 8 Klafter von einander entfernten Versuchsstollen wird seit dem Jahre 1864
nicht mehr gearbeitet. Der tiefer gelegene ist vollkommen verfallen. Ich besuchte dieses Vorkommen im August
1879. Die Anthracit führende Formation entspricht in petrographischer Beziehung vollkommen der Stein-
kohlenformation am Semmering, bei Klamm und Breitenstein, wenngleich es mir in Dietmannsdorf nicht
gelang Pflauzenrcste aufzufinden. Die Kohlenstoff führenden Gesteine sind hier wie dort dunkel getarbte,
sandige Schiefer und Sandsteine mit stellenweise auftretenden grobkörnig-conglomeratartigen Einlagerungen.
Die Schichten sind steil aufgerichtet und streichen hora 6. Am Abhänge vom Ödenburger Bauer nach Diet-
mansdorf treten glimmerige Quarzphyllite auf, welche im Phyllitgneiss übergehen und der Steinkohlcnfor-
mation zuzurechnen sein dürften. Grosse Quarzlinsen mit Umhüllungen von Grünschiefer ähnlichen Gesteinen
finden sich vor. (Man vergleiche darüber die von D. Stur publicierteu Angaben v. Miller's: Jahrbuch der
k.k. geol. Eeichsanst. 1865, S. 274.)
V. Miller schildert das ganze Vorkommen überaus klar und zutreffend und weist in seinem Briefe auch
auf das Anthracitvorkommen bei Neuberg und bei Reichenau hin.
Geoiofjlsche Untersuchungen in der ,,(Traiiwuchenzone" ihr nordöstlichen Alpen. 175
Auf dem Wege von Trieben in den Sunkgrabcn bei „Holientauem" kommt man zuerst über grauen,
gefältelten Phyllit, welcher anliält bis zur Brücke am Eingänge in den Suukgraben. Nur einmal (bei 2-5 Kilo-
meter) findet sich eine Einlagerung von festem gneissartigen Quarzphillit. Am Eingange in denSnnkgraben stehen
graphitische Phyllite an, die bald sehr dunkel werden, und mit einem eigeutlichen Conglomerate mit phyllit-
ähulichem Bindemittel wechseln. Dieses Gestein erinnert etwas an die Conglomerate am Grillenberge bei Payer-
bach, doch ist das schieferige Zwischenmittel im Sunkgrabcn viel mehr entwickelt. Der Graphit liegt in der
Form eines linsenartigen Lagers zwischen sehr feinkörnigen Schiefern. Dasselbe streicht hora 2 und fällt nach 0
ein. Eine kurze Strecke oberhalb der Graphitgrube treten discordant über den Schiefern krystallinische und
halbkrystallinische Kalke auf, welche reich sind an meist schlecht erhaltenen, aber deutlichen Crinoiden. (Auf-
fallend ist im hintern Sunkgrabcn die grosse Menge von Grauitgneissblöcken.)
Die Crinoiden sind theils als kreisförmige Scheibchen, theils als rechteckige Durchschnitte aus-
gewittert.
Die ersten Angaben über das Vorkommen von Crinoiden im Sunkgrabcn verdanken wir Herrn Professor
Rumpf in Graz, der in den mineralogischen Mittheihmgen 1874 anführt, dass er in grauen, plattigen, zumeist
recht glimmerreichen krystallinisch-körnigen Kalken, theils etwas ausgewitterte, theils im Bruche erscheinende
runde Crinoidenstielglieder von 1 — 20""" Durchmesser aufgefunden habe. Rumpf erklärte auf diese Funde hin
die Pinolite, die er früher als den krystallinischen Schiefern angehörig betrachtet hatte, für silurisch und kam
damit in Übereinstimmung mit den von D. Stur vertretenen Anschauungen.
Ausserdem wurden auch von Helmhacker Funde von Korallen, Crinoiden und Brachiopoden im Sunk-
grabcn gemacht. (In einem Briefe vom 18. December 1877.) Helmhacker war auch der Meinung, dass man
es dabei mit Silurschichten und mit Fossilien der III. Fauna zu thun habe.
Hält man dagegen an der Ansicht fest, dass die im Liegenden auftretenden graphitischen Schiefer dem
Carbon entsprechen, so wird die Annahme, dass die Kalkschiefer mit Fossilien der Silurformation angehören,
wohl kaum festzuhalten sein. (Man vergleiche darüber v. Hauer Geologie v. Österreich, II. Auflage, S. 245.)
Diese Crinoidenkalke sind wohlgeschichtet, streichen hora 2—3 und fallen an der rechten Thalseite flach
nach Südosten ein. Das Streichen ist somit fast vollständig übereinstimmend mit jenem der graphitischen
Schiefer.
Weiter nach rückwärts im Thale kommt man an einen mächtigen Bergsturz im Kalkgebiete mit unter-
irdischem Verlaufe der Wässer.
Sodann erreicht man bald das Vorkommen des so auffallenden Magnesitsvorkommens, welches als „Pinioli-
.stein" seit langem bekannt ist und von Prof. Rumpf (Jahrb. 1873, Min. Mitth. S.268— 272) als Pinolit bespro-
chen wurde.
Fig. 39.
Schüfcr'iqer. Krystaü . halk
Eine Beschreibung des Vorkommens dieses Gesteines findet sich schon in dem im Jahre 1 809 von den
Lehrkanzeln für Eisenbahn-Brückenbau und Geologie herausgegebenen Excursionsberichte auf Seite 2U des
geologischen Theiles, freilich noch unter der älteren Bezeichnung ..Ankerit". Nach den schwarzen graphi-
tischen „Urthonschiefern" folgen „lichte graue krystallinische Kalke von grosser Mächtigkeit, welche das Han-
gende des Piniülisteines bilden. Die mächtigen Massen krystallinischer Kalke bilden im hinteren Sunkgrabcn
176
Franz Toida.
schroffe Felsmassen, deren Formen ganz an jene der Triaskalke der nördlichen Kalkalpen erinnern. Ist man
au den schroffen, eigenthümlich gerifften Felswänden dieser Kalke vorbei, so gelangt man auf eine kleine,
von einem versumpften Grunde eiugenommene Fläche, an deren südlichem Ende man die ersten Blöcke des
Finolites und bald darauf ganze Felsmeere derselben zu beiden Seiten des Grabens antrifft. Der Ankerit (Pinolit)
steht hier als ein gegen 300' mächtiges Lager in dicken Bänken (Streichen hora 8, Verflachen gegen N
mit 40°) dem krystallinischen Kalke eingelagert an, denn aucli das Liegende bildet krystallinischer Kalk in
dünnen, schieferigen, wellig gebogenen Bänken."
Nach Prof. Rumpf, der das Pinolitvorkommen im Sunkgraben als einen „isolierten Fleck" bezeichnet, hat
derselbe eine Mächtigkeit von „sicher 500'". Prof. Rumpf führt weiters allgemein an, er habe nirgends eine
eigentliche Vergesellschaftung mit den Kalken beobachten können (1. c. 1873, S. 270), setzt aber doch hinzu,
dass auch im Sunkgraben „riesige Kalkfelsen, in zumeist gestörter Lagerung, den auch mehrfach zu kolossalen
Klötzen zerbrochenen Pinolit einzugrenzen scheinen". Ober dem Zusammenflüsse des Tauern- und Böseustein-
baches bildet nach Rumpf ein „nahezu graphitischer Schiefer die Scheidewand zwischen dem körnigen Kalke
und den Pinolit." Nach D. Stur (^Geol. der Steiermark 1871, S. 108) wäre der Magnesit des Sunkgrabeus eine
stockförmige, dem körnigen Kalke des Triebensteiues augehörige Masse".
Bei meinem Besuche im Jahre 1879 glaubte ich den Pinolit als mit den graphitischen Schiefern verbunden
betrachten zu sollen, und finde ich in meinem Notizbuche die Bemerkimg „analog den Magnesiten am Sem-
uiering", nebst beifolgender Profilskizze (Fig. 40).
Fig. 40.
1. Grai)hitische Schiefer.
2. Pinolit.
3. Kallcscliiefer mit Ciinoiden.
i. LicLtgniuer Kalk.
Am oberen Ende der Thalenge streichen die gefältelten und hier ftxst vertical gestellten Kalkschiefer hora 8.
Es treten dann an der Thalausiuündung nochmals Pinolite auf. Das Liegende derselben, sowie der Kalke
bildet oberhalb der Enge ein graphitischer Thonschiefer. An der Grenze beider entspringen viele Quellen. Die
dunklen Schiefer haben ganz das Aussehen sicherer Carbongesteine. Sie zeigen dort, wo sie ganz feinkörnig
entwickelt sind, zarte Cleavage-Fältelung. '
Aus dem vorstehend Gesagten dürften die vielen noch offenen Fragen für diese, sowie für die Route
Mittendorf- — Veitscher Erzgruben deutlich genug hervorgehoben sein. Bei den flüchtigen Besuchen der betreffen-
den, sowie auch der im folgenden zu besprechenden Routen Hess sich eine endgiltige Lösung der verschiedenen
Schwierigkeiten wohl nicht erreichen. Trotz dieses Erkenntnisses hielt ich mich für verpflichtet meine Notizen
über diesen Theil der Grauwackenzone zu bringen. Die Gegenüberstellung der älteren Anschauungen in den
Literaturangaben schien mir nicht unzweekmässig.
Über die Graphitvorkommnisse haben wir einige Angaben der Literatur zu entnehmen:
H. Wolf schrieb: Über den steirischen Graphit. (Verhandl. 1871, S. 115. Man vergl. auch S. 169.
Bemerkungen über J. Stingl's Untersuchung eines Graphites aus Steiermark in Dingler's polytechn. Journal
1871, S. 115 und Prof. A. Bauer: Zur Kenntniss des steierischen Graphites.)
1 Mau vergl. die neuesten Bemerkungen D. Stur's über den von Dir. Du 11 gemachten Fund eines organischen Restes
„luiiglicher Weise eines lirljcmiihüii sp. im Piiii)Iif. Vei-h. der k. k. geol. Kciclis.-inst. 188.5, S. 142.
Geolof/iiiche Üntersuchunyen In der ,,(Jrauwackmzone" der nordös/lichcn Äljoen. 177
Nach Prof. Miller hätte man den Graphit von Lorenzen den krystalliuischen Schiefern zuzuschreiben,
ebenso wie jene von Wald, Kallwang und von Kaisersberg.
Wolf dagegen sprach die Meinung aus (1. c. S. 49), dass der Graphit von Lorenzen „in den silurisehen
Schiefern des Ennsthales" liege, nimmt aber später diese Meinung (1. c. S. 116) zurück und schliesst sich
Miller's Anschauung au. Nach den neuesten Darlegungen Stur's ist wenigstens für den Graphit von Kaisers-
berg an dessen Zugehörigkeit zum Carbon nicht zu zweifeln.
Herr Oberbergrath D. Stur hat in seiner Arbeit über die durch F. JenuU gemachten „Funde von unter-
carbonen Pflanzen der Schatzlarer Schichten am Nordrande der Ccntralkette in den nordöstlichen Alpen"
(Jahrbuch der k. k. geol. Eeichsanst. 1883, S. 189—206) eine grosse reformatorische Arbeit in dem besagten
Gebiete ausgeführt, indem er darin darlegt, dass ein Zug von „Thonglimmerschiefern mit Chloritschiefern,
Graphit und Graphitscbiefern von Rottenmann bis St. Michael und über Leoben, südlich von der Mur, bis Brück
an der Mur hinzieht, der sich weiterhin über Thörl bei Turnau fortsetzt,'- die Carbon-Formation repräsentirt.
„In den Gehängen der Veitsch, der Schnee- und Raxalpe, im Liegenden des dortigen silurischen Schiefcr-
zuges wäre nach Stur's Ansicht die Fortsetzung der Schichtenreihe der Wurmnlpe bei Kaiserslnirg (Fundurt
der von Jenull gesammelten Pflanzen) zu suchen; damit ist constatiert, dass Schichten, die früher allgemein
für älter als Silur angenommen wurden, als von „untercarbonischem Alter" erklärt werden müssen.
Die zwischen Payerbach und Klamm „im Liegenden des Silur folgenden grünen und grauen Schiefer sind
vollkommen identisch mit dem Gestein von Kaisersberg."
In Bezug auf die Anführung des Vorkommens von Graphit bei l{ciclien;\u (1. c. S. 198) sei nur erwähnt,
dass dieses Vorkommen, wie ich au anderer Stelle angegeben^ lange vor meinem Besuche der betreffenden
Localität bekannt war.
Aus der von Herrn Oberbergrath Stur gegebenen Darstellung geht hervor, dass in dem Wechsel-Sem-
meringgebiete weitaus der grössfe Theil der bisher als silurisch betrachteten Schichtenglieder als Carbon auf-
zufassen sei, wie das schon aus meinem ersten Funden als nothwendigc Folge hervorgegangen ist.
Nur die Kalke im Wechsel-Semmeringgebiete dürfen dieser Formation nach meiner Ansicht nicht zuge-
rechnet, aber auch nicht dem Devon oder Silur zugezählt werden. Sie sind als analog den Kalken am Pitz Alv
in Graubünden (Theobald, Diener) im Südosten von Matrei in Tirol (A. Pichler) imd wohl auch gewisser
Kalke der Radstädter Tauern zu betrachten. Vergleicht man den in der citierten Abhandlung vertretenen
Standpunkt mit jenem in der „Geologie der Steiermark", einem Werke von fundamentaler Bedeutung, das
durch seinen bewunderungswürdigen Reichthum au Thatsachen, das durch alle Änderungen der theoretischen
Altersauff"assung wenig oder nichts an seinem Werthe einbüssen kann, so wird die Bezeichnung des ersteren
als einer reformatorischen Arbeit wohl vollkommen gerechtfertigt erscheinen.
Für das Silur, das, wie Stur (S. 147, 2. Absatz von unten) selbst angibt, im Norden wenigstens das Han-
gende des Carbon bilden müsste, bliebe somit in dem Profile vom Semmering- Schneeberg nur der ganz schmale
Streifen bei Reichenau übrig, der dort unter dem Werfenerschiefer lagert (man vergl. die „Sideritzone" in
dem Tschermak'schen Profile, S. 122), der aber nur unter der Annahme einer Überlappung der ganzen Masse
vor Beginn der Ablagerung der Werfenerschiefer scheinbar in das Hangende der Cavbongesteine gebracht
worden sein könnte. Höchst interessant sind die Auseinandersetzungen auf S. 206 über die Umänderung der
Pflanzensubstanz in Anthracit und Grafit, welche eine Bestätigung der von Dawson und Dana gegebeneu
Erklärung bilden. Die unter der Sideritzone liegenden „grünen Schiefer", erklärt Stur für übereinstimmend
mit seinen „sogenannten Chloritschiefern/' die „grauen Schiefer" aber sind seine „sogenannten Thonghmmer-
schiefer." Der „Kalksandstein" in Professor Tscherniak's Sammlung aber ist vollkommen ähnlich jenen
Gesteinen, die er „unmittelbar aus der Umgebung des Graphites im Kaiserbergerbaue" geholt iiat. Die grauen
und grünen Schiefer werden auf das hin als Äquivalente der Schichteureihe an der Wurmalpe erklärt.
Nach Bergrath Paul kommen bei St. Lorenzen sieben übereinnnder folgende Graphitflötze von 2, 3, (y,
7 und Kl Fnss Mächtigkeit vor. (Vcrhandl. 1S72, S. 171.)
Dt'ukschriften der niuthoin.-ualurw. Gl. L. Md. Al»liiUi<Uuinjeit von NicIiliuitglitHieru. X
178
Frans Toula.
Den Grapbit von Loienzen haben wir nach den von Prof. Bauer und Director Stingl erbrachten
Beweisen (Verhandl. d. k. k. geok Reichsanst. 1871, S. 114 und 48) als echten Graphit anzusehen.
Wogegen der „Graphit von Dietniannsdorf im Paltenthale" nach F. v. Mertens (Verh. d. k. k. geol.
Reichsanst. 1873, S. 185) als graphitischer Anthracit anzusprechen wäre.
e) Über die Verhältnisse in den Radstätter Tauern und ihren westlichen Fort-
setzungen
bat in letzter Zeit Herr Vacek berichtet, ich will hier wieder nur die Eindrücke, welche icii au Ort und Stelle
(am 1. August 1879) empfing, kurz andeuten und erst später versuchen, sie mit Vacek's Darstellung in Ein-
klang zu bringen. Nur einige Bemerkungen aus dem Notizbuche mögen mir anzutühren erlaubt sein. Die Kalk-
schiefer bei Lend scheinen dem Semnieringgestein zu entsprechen, durch Druck oder Schub wurden sie viel-
fach verändert. Am Eingang in die Klamm zeigen die vielfach gebogenen Kalke dünne Seliieferthonzwischen-
mittcl. Streichen westöstlich.
Die Kalke brechen in Folge des Druckes theils in Form von rhombischen Platten, theils in stabförraigen
Stücken.
Das thonige Zwischenmittel wird stellenweise ganz mulmig. Sodann folgen mürbe talkig sich antühlende
Schiefei-, ganz ähnlich den Leucophylliten am Semmering.
Fig. 41.
Fig. 42.
1. Kalke in dicken Platten.
2. Düunplattiger Kalkschiefor mit
Thouschieferzwischeuniitteln.
Schichteuwindimgeu dos dunklen Kalkschiefers
in der Klamm oberhalb Lend.
Schöne und so überaus complicierte Schichtenkrümmungen, dass es kaum möglich ist, ihreu Verlauf fest-
zuhalten, zeigt die Felswand an der Strasse (Fig. 41). Am Eingang in den Klammpass fanden sich Spuren
von undeutlichen Versteinerungen.
Am Ausgange der Klamm kann man an der westlichen (Jj Thalseite deutlich ein Abstossen der wellig
gebogeneu, im Allgemeinen gegen S einfallenden Kalke gegen die, rundrückige Berglehnen bildenden Schiefer
beobachten (Fig. 42. )
Der Kalk ist hier von lichter Färbung, im übrigen was die Beschatfenheit der thonig glimmerigen Schicht-
flächen anbelangt, recht ähnlich den dunklen Kalkschiefern in der Klamm.
Die Schiefer sind theils silberig glänzend („sericitische Schiefer" und „Leucophyllit"), theils lichte oder
dunklere Quarze (Phyllite). Auch grüne Schiefer kommen vor.
Weiterhin treten die Kalkschiefer noch einmal auf und zwar wieder mit glimmerigen Schichtflächen. Sie
sind zuerst halbkrystallinisch körnig und von dunkelgrauer Färbung; aber auch völlig krystallinische Platten-
oder Bänderkalke (wie bei Kirchberg am Wechsel und bei Ofenbaeh) treten discordant über den (piarzreichen
GeulogificJie Untersuch inu/cii in. iJcr ,,Grauwackenz()ne" der nnrdihtJichni Alpen.
179
chloritischen Schiefern auf. Die Kalke krönen die an ilirem Fusse aus lichten Talkquarzscbiefern (Lcucophyl-
liten) bestehenden Berge.
An Ort und Stelle zweifelte ich keinen Augenblick, dass hier eine grosse Ähnlichkeit der Verhältnisse
mit jenen amSemmering liestehen. Die serieitiscben Schiefer, „Lcucophyllitc," stimmen ganz und gar mit jenen
am Semmering liberein, die Kalke aber treten in älmlichen Erscheinungsformen auf wie die Kalke in der
„Grauwackenzone" zwischen Schottwien-Göstritz und Payerbach.
Eine kleine flüchtige Skizze möge die an Ort und Stelle gebildete Vorstellung zur Anschauung bringen.
(Fig. 43.)
Fig. 43.
KloJtl'IL
Von Unter-Neudeck aus gesehen.
1. Phyllite. 2. Kalk, i a. Plattenkalk und Kalkschiefer.
Oberhalb von Dorf Gastein finden sich talkig- chloritische Schiefer.
Die erste scharfe Charakterisirung der Radstädter Tauerngebilde verdanken wir Stur. (Jahrb. 1.S54,
S. 833 ff. und Geol. der Steiermark, S. 330.) Zwei Glieder: Schiefer vorwiegend unten, Kalke und Dolomite
oben herrschend, setzen sie zusammen. Erstere sind schwarz, matt, thonig und wurden mit dem Raingrabeuer
Schiefern in Vergleich gebracht. Ein Belemnit (!) wird angegeben, ausserdem Aviculeu und eine Modioht,
welche an die Arten von St. Cassian erinnern sollen.
Peters (die geologischen Verhältnisse der Nordseite der Radstädter Tauern, Jahrb. 1854, S. 808) citirt
die Angabe des Vorkommens von Encriniten an der Taucrnalpe ans ]\[nrchisons ,.Gebirgsban der Alpen
und Karpathen", übersetzt von Leonhard, S. 0.
Von den von Vacek gemachten wichtigen Angaben über die Radstädter Tauern iVerhandl. 1882,
S. 310 fi".) seien nur die folgenden vergleichsweise angeführt. Der schmale Kalkzug südlich bei Radstadt, auf
den Karten als Grauwackenkalk bezeichnet, lehnt sich an einen Hang aus sericitischen Schiefern, welche
nach oben in Talkschiefer übergehen, mit welchen talkige Quarzschiefer und schieferige Quarzite in Verbindung
stehen. (Nach Oberbergrath Stäche zu den Schiefern der Schieferhülle gehörig.) Dieser Kalkzug setzt sich
gegen Osten über den Mandlingpass hinaus fort. Vacek führt nun (S. 315) aus dem Kalke des Mandling-
passes das Vorkommen von Diploporen (Gyroporellen) an, und zwar oifenbar dieselbe Art me sie in den
Kalken der Radstädter Tauern gefunden wird.
Einige neue Fundorte von Gyi'oporellen wurden neuerlichst im Jahresberichte für 1883 (Verhandl. 1884,
Nr. 1, S. 3) angeführt.
Nach Prof. Gümbel (Verhandl. 1882, S. 289), dem die Stücke vom Raucheneckkahr näciist dem Moser-
mandl in den Radstädter Tauern durch Prof. Fugger in Salzburg zugesandt worden waren, sind die überaus
1 Ausführlicher berichtet Vacek neuerlichst (.J.ihrb. 1884, 4. Heft, S. 609—634) über seine Arbeiten im Radstädter-
Tauern-Gebiete. Interessant trotz Altersverschiedenheiten, welche bestehen mögen, ist für die Vergleiche mit den Verhält-
nissen im Semmeriuggebiete ein Blick auf die von Vacek gebrachten Profile, da in denselben an vielen Orten eine Über-
lagerung von Quarzitschiefern durch die Diploporenkalkc zu beobachten ist, wenngleich die letzteren meist nur einseitig an
die älteren Quarzitschiefer angelagert dargestellt werden.
] 80 Franz Tanhi.
liäiifigen Gyroporelleu der Gi/mpoirl/d niuuilala .Schafli. spec. sehr ähnlich, nur etwas kleiner und dünn-
wandiger, und würden der dijropofelld dcbilis des Wettersteinkalkes entsprechen.
In den Kalken der Eadstädter Taiieru führt Vacek ausserdem nur noch das Vorkommen von Crinoiden-
stielg-liederu au.
Über diesen grossen dolomitischen Kalkmassen liegen discordant in alten „Erosionsmulden", also trans-
gressiv über den Diploporenkalken, in einzelne Lappen aufgelöste, schwarze Schiefer mitPyrit und Kalkmergel-
einlagerungen, die wieder als oberstes Glied hlassrothe schön gebänderte Kalke tragen. Crinoiden und
undeutliche Korallen werden von Vacek angeführt, ausser den oben erwähnten, von Oberbergrath ,Stur
gemachten Funden.
Vacek erklärt, „dass die Altersfrage vorläufig in suspenso bleiben" müsse. Nichts desto weniger drängt
sich mir die Meinung auf, dass gerade diese nacli Vacek's Darstellungen obersten Ablagerungen des Rad-
städter Tauerngebietes mit Aviculen und Modiolen, mit Crinoiden und Korallen neben den Vorkommnissen
in Graubüuden in erster Linie zum Vergleich mit den Crinoiden-Lithodendronkalken einer- und den Bivalven
führenden Platten- und Bänderkalken des Semmeringgebietes anderseits herbeigezogen werden müssen. •
Bei den Parallelen zwischen den Kalkgesteinen der Grenzregion der krystallinischen Schiefer müssen
aber auch ohne allen Zweifel seinerzeit die Petrefacten führenden Kalke und Kalkschiefer der Tiroler Central-
Gneissregion mit in Betracht gezogen werden, deren Kenntniss wir Prof. A. Pichler in Innsbruck
verdanken. (Zeitschrift des Ferdinaudeums für Tirol und Vorarlberg. Dritte Folge VIII, 1859.)
/■) Saalfelden — Dienten — Lend.
Ein Profil vom Nagelschmiedbau oberhalb Dienten durch den Dientcner Graben über das „Filzer Häusel"
zur Schwarzdientener Alpe und zur Wechselwand zeichnet M. V. Lipoid (Jahrb. 5, 1854, S. 371) in seiner
Abhandlung über die Grauwackcnforniation und die Eisensteinvorkommen im Kronlande Salzburg.
Unter den Werfener Schiefern folgen zunächst „schieferige Grauwacke" und „Grauwackeuschiefer" mit
der Einlagerung von „schwarzem Grauwackeuschiefer" ober dem Filzenhäusel und beim Nagelschmiedbau. In
diesem Grauwackenschiefercomplexe werden vier verschieden mächtige Einlagerungen von Eisensteinkalken
angegeben. Der unterste steht in Verbindung mit den unteren schwarzen Grauwackenschiefern, aus welchen
die Pyritknolleu und die von Fr. v. Hauer (Haidinger's Mittheil. I. Bd., S. 187) bestimmten Silurfossilien
stammen. Ob wir es dabei mit einem System isokliner Falten oder mit Aufbrüchen in den Gewölbekernen zu
thun haben oder wie sonst wir das Auftreten des Silur zu deuten haben, diese offene Frage wage ich nicht
zu beantworten.
Was meine Ausflüge in die Gegend von Saalfelden-Dienten-Lend anbelangt, so scheint mir hierüber
ein Bericht dermalen wohl eigentlich unnöthig, da wir den ausführlichen, auf vielfachen Begehungen basierten
Aufnahmsberiehten von Herrn Dr. Bittuer in Bälde entgegensehen dürfen. Es seien daher nur ganz beiläufige
Bemerkungen und Vergleiche der Gesteine in Kürze angeführt. Es sei hier erwähnt, dass sich grauschwarze
schieferige Sandsteine, deren Äusseres lebhaft an das der Carbongesteine im Semmeringgebiete erinnert,
beim Übergange über den Filzensattel aus dem oberen Urschlauthale nach Dienten, und zwar vor der dritten
Station des Kreuzweges auf der westlichen Seite des Sattels vorfinden. Auf der Seite gegen Dienten hin treten
unter den Werfener Schiefern graue quarzsandig-glimnierige und blauschwarze Schiefer auf. Letztere enthalten
Quarz mit ockerigen Anflügen. Vor den Häusern „im Berg" treten dunkle Schiefer im Verbände mit Sand-
steinen, ganz vom Aussehen der Carbongesteine auf. In der Enge oberhalb der Nagelschmiede streichen die-
selben Schiefer hora 7 — 8 und fallen mit 30° nach N ein. Darunter liegen wohlgeschichtete Bänke von
schwarzen weissaderigen Kalken. Bei der Nagelschmiede selbst stehen Kalkthonschiefer mit graphitischen
Oberflächen, mit Pyritknauern und dünnen Kalkblättchen au. Auch Kieselschiefereinlagerungen treten auf.
Siderit findet sich nesterweise.
Unterhalb der Kirche treten ])hyllitartige Schiefer auf.
Gfioloqische Uiifrrs/ic/nn/(i) u in ihr ,,(lr(iitir(irkrii:iiiir'' ilcr iKirilösflichen Alpen. 181
Hervüi'geliuben sei weitcrs uocli das Aiifticteu von (uiistcliendcii) plattijjeu Kalken mit ^limmerigcn
Zwisclicnniilfelu (Scheiblegg), welche überaus ähnlich sind den Kalkschiefern im .Semmeringgebiote. Von
Fossilien konnte leider nichts wahrgenommen werden. In der unterhalb Scheiblegg folgenden Enge stehen
halb krystallinisch plattige und krvstallinisch körnige Kalke an, welche an die ganz ähnlichen Kalke ober-
lialb Kirchberg am Wechsel (bei Ofenbach) erinnern. Darunter folgen (bei der Hammerschmiede) paläozoisch
aussehende dunkle Schiefer (zum Tlieile grapliitischen Schiefern ähnlich). Im Engpasse kommen dann halb
krystallinische Schiefergesteine hervor. Beim Abslieg gegen Lend endlich treten Talkthonscbiefer (an die
„Leucophyllite" des Wechsel-Senmicringgcbietes erinnernd) auf, mit Einlagerungen von Kalkschiefern, die
ganz ähnlich den Pentacriniteukalken des Semmeringgebietes sind und auch bei Lend, am rechten Ufer der
Salzach, in der Nähe des Wasserlalles auftreten.
Der Besuch des oberen Urs chlaub ach es ist ganz besonders wegen der Grossartigkeit der erratischen
Phänomene von hohem Interesse.
Oberhalb des Wirthshauses (Einmündung des Jetzbaches) kommt man auf Schiefer von ganz derselben
Beschaifenheit wie jene bei Klamm und zwischen Kapellen und Preinsattel.
Unweit (oberhalb) der Einmündung des Obergasseubaches treten abermals wie auf der letzten Strecke
wiederholt unter der Bedeckung durch riesige Granitblöcke, schwarze saudige Schiefer auf, welche ich mit
den schieferigen Carbonsandsteinen in Parallele bringen möchte. Dieselben umschliessen eine immerhin au-
schnliche Siderit- (Rohwand) Masse.
Von hier bis zur Einmündung des von der Wasserfallscharte kommenden Baches ist alles über und über
mit Granit- und Granitgneissblockwerk bedeckt, das in solcher Menge auftritt, dass es dem Bache ungeheure
Wehren entgegensetzt. Alle Gehänge sind, soweit man blickt, mit den Blöcken bedeckt, die ganz ungeheure
Dimensionen bis zu mehreren Kubikmetern Inhalt erreichen. Man findet diese Blöcke in dieser Gegend wohl
allenthalben zerstreut, aber in solcher Menge und Grösse habe ich sie wenigstens in keinem der von mir
besuchten Thäler angetroffen.
Vom anstehenden Gebirge ist unter dieser Decke nicht viel zu beobachten, doch treten etwa 2 Kilometer
unter der letzt erwähnten Bacheinmündung in einer Thalenge typische roth gefärbte Werfener Schiefer zu
Tage. Sie sind hier ganz flach gegen S geneigt. Unter denselben findet man eine Strecke weiter oberhall)
dunkle, an die Carbougesteiue erinnernde grauschwarze, sandige Schiefer aufragen, die sofort wieder unter
dem rothen Werfeuer Schiefer verschwinden, welcher bis au den Fuss der grandiosen Wände des steinernen
Meeres hinanreicht.
Aus dem Hinter-Thal (obere Urselau) über den Fitzensattel nach Dienten.
Zuerst kommt man zwischen der 1. und 2. Station des Kreuzweges über typische rothe, gefleckte
Werfener Schiefer. Oberhalb der zweiten Station fand ich Amphibolit. Ein Vorkommen, dass mich lebhaft au
jenes bei Vöstenhof (unweit Potschach) erinnerte.
Vor der fünften Station treten wieder die grauschwarzen schieferigen Sandsteine (Carbon?) auf. In Find-
lingen finden sich auch Granitgneiss und vereinzelte Kalkstücke. Sodann herrschen bis zur 10. Station die
ganz flacli liegenden Werfener Schiefer. Bei der 11. Station fallen sie flach gegen SO, bei der 12. zeigen sie
eine Neigung von 45°, nach der 12. Station aber fallen sie genau nach S ein.
Schliesslich unternahm ich noch einen Ausflug
(j) Von Kirchberg bei Kitzbüchel ins Spertenthal.
Am Eingange in das Spertenthal stehen zum Theil gefältelte Thonschiefer an. Sic fallen gegen SO.
An der Thalenge oberhalb Kais treten graue Schiefer auf, welche lebhaft an die Schiefer am Preinsattel
erinnern. (Streichen hora 2, fallen steil gegen SO.)
182 Frcmz Tnnla.
Nahebei kommt man auf gelblich weisse, mürbe, sich talkig anfUhleiule Schiefer, die sich uach ihrem
Aussehen an die sericitischen .Schiefer des Semmering anschliesseu lassen.
Vor Aschau kommt man bereits auf gefältelte Quarzphyllite.
Die Kalke, welche sich hier finden, sind graugefärbt und enthalten undeutliche Crinoiden ganz wie am
Otter bei Kirchberg. Auch die grauen Quarzite und Quarzitschiefer finden sich in Menge.
Noch sei erwähnt, dass die Kalke des Gaisberges bei Kirchberg in der That auf das Beste gewissen, mehr
triadischen Kalken gleichen. Von Fossilen, welche daselbst vorkommen sollen, war ich nicht so glücklich
etwas aufzufinden.
(Über das Schiefergebirge bei Kitzbühel besitzen wir aus neuerer Zeit eine Darstellung von Oberberg-
rath V. Mojsisovics (Jahrb. der k. k. geol. R. Aust., 1871, XXI. Bd., S. 207—210.)
Die im Vorstehenden gemachten dürftigen Angaben über meine Versuche, in den westlichen Gebieten
der „Grauwackenzone" Vergleichsmaterial für die Deutung der im Osten beobachten Verhältnisse zu erhalten,
sind bei der verhältnissmässig kurzen darauf verwendeten Zeit überaus unzureichend geblieben, wie dies bei
den complicierteu dort herrschenden Verhältnissen wohl nicht anders sein konnte.
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Geologische Untersuckimyen in der „Grauwackenzom" der nordöstlichen Alpen. 183
1 11 li a 1 1.
Seite
I. Im Wechsel-Semmei-ing-Gebiete 121
Eiuleitiing: Hauer. — .Siiess. — Tscherm.ik. — Tlieobald. — Stur, Casanna-Seliicfer, Exciirsion (1SC9). — Hoch-
stetter's Darstellung der Verhältnisse am Semiiifring und Vergleielie mit der damals durch Suess vertretenen
Auffassung. Czjzek 121
1. Die Aufschlüsse am Semmeringjoehe und entlang der Bahnlinie zwischen Semmering und
Pa}-erbacli 125
V. Haidiuger. — Kudernatseh. — Foetterle. — Lipoid. — K. v. Hauer. — F. v. Hauer. — v. Groddeck.
— Peters. — v. FouUon. — A. Böhm. — G. Markl 125
Am Semmeringsattel : Pentacrinitenkalk 127
Pinkenkogel s . 129
Verbreitung des Pentacriniten führenden Kalkes • 129
Quarzit. Quarzitschiefer. Talkschiefer („Serieitische Schiefer") 130
Strasse zum Hotel am Wolfsbergkogel • l.'iO
Bahnlinie Semmering — Payerbach l.it
Carbon bei Klamm 133
2. Von der Bahnlinie aus bes uchte Aufschlüsse 134
a) Südlich von der Bahn 134
Aufstieg auf den Göstritz (Sonnweudsteiu) 134
Kalk. Rauchwacke. Quarzit. Phyllit (Arzkogel). Erzvorkommen 134
Czjzek's Angaben 135
Fröschnitzgraben. Erzvorkommen. Kalk. Quarzit. Phyllit , 135
Mörtengraben 136
Adlitzgraben 137
Schottwien. Alte Semmeringstrasse. Mörtenbrücke 137
Krcnuthaler's Kalkbruch bei Göstritz {X. A.. Aviciüa coivtoiin) 138
Fauna daselbst 139
Schottwien— Schlagl 140
Gypsvorkommen 141
h) Nördlich von der Bahnlinie: Semmering — Eichberg 141
Pollerosbauer. Breitensteiner Graben 141
Breitenstein. Ortbauer 141
Lechnergraben 142
Gamperlgraben (Eisenocker) 142
Wagnergraben bei Klamm (Stoinkohlenformation) 142
Von Klamm zur Station, zum Weningerbauer, zum Lechner-Viaduct 143
Eichberg — Gloggnitz (Forellenstein) 144
Gloggnitz — Payerbach. (Graue Schiefer. Silberberg-Conglomerat. Grüner Schiefer) 144
Grillenberg (Erzvorkommen) 145
Schneedörfl 14G
Payerbachgraben— Klamm 14G
Pettenbach — Klamm 147
Preinthal. (Grünschiefer. Carbon. Graphit.) 148
Hirschwang über Edlach zu den Eisenerzgruben 149
Prof. Suess: Mehrere Angaben über das Semmeringgebiet 150
Ergebnisse. Zusammenfassung und Vergleiche. (Stur: Klein Zell ; Bittner: Uutersberg; Diener: Grau-
bündten; Paul: Kleine Karpathen 152
3. Östlich von der Linie Göstritz — Schottwieu IS«
Einleitung. Czjzek's Darstellung 156
u) Nördlich von derSchwarza 157
Pottschach — Vösteuhof (= Festenhof) — Bürg — Prigglitz 157
St. Christoph— Schliiglmuld 159
184 Franz Toula. Geolog. Unfcrs. hi. der ,,(ji(inwackenzone" der nordöstlichen Alpen.
h) Sudlich von der Schwainji lt>0
Von Glogg'üitz über Kranichbeig auf die Rams 160
Vom Eamssattel nach Raach— Schhigl und nach Weissenbach • . . 160
Vom Ramssattel nach Hassbach 161
Geologische Profile an beiden Thalseiten vom Ramssattcl nach Kirchberg am Wechsel 162
Die krystallinischen Kalke bei Ofeubach und Kircliberg und ihr Verhalten zu den Phylliten und dem
Granitgneiss 163
Der Otterberg 164
Geologische Details aus der Umgebung von Kirchberg. (Molzgraben. Sumpersbachgraben. Pfaffengraben.
Goldberg 165
Ausflüge in das Gebiet der Kalke von Sebenstein, Gleissenfeid, Scheiblingkirchen und Thernberg ... 167
II. Die geologischen Verhältnisse westlich vom Semmering 168
a) Mürzzuschlag — Neuberg - 168
Steinbachgraben bei Mürzzuschlag 168
Mürzzuschlag — Kapellen 169
Kapellen — Reichenau 170
Kapellen— Altenberg 171
Kapellen — Neuberg (Eisensteinbergbau) 171
h) Mitterndorf — Veitsch — Erzgrube 172
c) Von Veitsch nach Neuberg 17-1
(IJ Der graphitische Anthracit bei Dietraannsdorf und d(M- (iraidiit im Sunkgraben 174
Literaturangaben: Wolf. Stur. Dawson. Paul etc 176
c; Über die Verhältnisse in den Radstädter Taue ru 178
Literaturangaben: Stur. Peters. Vacek. Gümbel 179
f) Saalfelden— Dienten — Lend 180
y) Von Kirchberg bei Kitzbühel ins Spertenthal 181
-^►-*^;fe=^-
V . Toiila . Geolog isrhe Untersuchungen in der Grauwackenzone der nordöstljUpen
Fi(],l .
Tarn.
NNW. 5
Fi()3 5
SSO.
1 Jcttuini* Gffi\^lcincuxt ßct iLtfi^AfriwozI^.
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Cötmlc 11.1.^ v<x t
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wKriiotoXl tvu«p-i Cjröic'
Denkschriften d.kais.Akad d.W.math.uatunv. Ciasso L BtlllAblh .
Drucfc-rJ ßarthmWien
185
CLEJVDIYS SARMATICA n. sp.
AUS
DEM TEGEL VON HERNALS BEI WIEN.
VON
CARL ARTHUR PURSCHKE.
VOIiGIOLEGT IN DER SITZUMG AM 5. TEBHUAR 1885.
I/ie Tertiärgebilcle des Wiener Beckens haben bisher trotz ihres grossen Fossilienreichthums relativ sehr wenig
Schildkröteureste geliefert. Von den drei grossen Familien der Chelonier, den Testudiniden, Trionychiden und
Cheloniiden (nach Strauch) sind nur die ersten zwei und auch diese in geringer Artenzahl vertreten. Überdies
besteht noch ein Theil dieser Funde aus unbedeutenden Panzerfragmenten, auf welche hin eine Bestimmung
fast unmöglich, oder doch sehr unsicher war. Um so interessanter war es demnach, als sich in der Tcrtiär-
collection des k. k. Kriegscommissärs Letociia, welche vor mehreren Jahren in den Besitz des geologischen
Museums der Wiener Universität überging und eine Menge prächtig erhaltener Wirbelthierreste aufweist, neben
mehreren Exemplaren von Trionyx VindoboneHsis, Pet. auch zahlreiche Bnichstiicke einer anderen Schildkröte
vorfanden, aus denen sich nach langwierigen Versuchen der Rücken- und Bauchschild eines emysartigen
Thieres theilweise zusammenstellen liessen. Vom internen Skelett war gar nichts vorhanden, während bei den
Individuen von Trionyx zum Mindesten einer oder der andern der massigen, obern Extremitätsknochen, häufig
auch andere Theile des Schulter- und Beckengürtels erhalten waren. Immerhin genügte das Vorhandene zu
einer generischen Bestimmung vollkommen, die im Folgenden versucht werden soll.
Wie erwähnt, besteht unser Fossil aus Rücken- und Bauchpanzer; ersterer ist, wenn auch lückenhaft, so
doch mehr als zur Hälfte erhalten, letzterer bis auf das fehlende rechte Hyposternale vollständig. Die Zusammen-
gehörigkeit beider Stücke ist, abgesehen von ihrem gleichartigen Habitus auch dadurch zweifellos, dass die
Enden der dritten Marginalplatte und des Hyosternalflügels jederseits aufeinander passen. Aus diesem Um-
stände und der Beschatfenheit der SterualflUgel überhaupt, ergibt sich die wichtige Thatsache, dass RUcken-
und Bauchschild nicht durch Knoi-pel, sondern durch eine Knochennath mit einander in Verbindung standen. Der
Erhaltungszustand des Rückenschildes gestattet es nicht, die Dimensionsverhältnisse in genauen Zahlen aus-
zudrücken; da er aber, wie aus der Betrachtung hervorgeht, in Länge uml Breite von dem Bauchschilde wenig
difterirt haben dürfte, und der letztere durch seine grössere Vollkommenheit einer Messung weit günstiger ist
so wird es der Wahrheit ziemlich nahe kommen, wenn wir die Länge des ganzen Panzers mit ungefäln- 20, die
Breite mit 12-5, und die Höhe, d. h. die grösste senkrechte Entfernung der beiden Schilder mit 8"" angeben.
DeakschriftsQ der mithein.-uilurvr. Gl. L. Bi. Abhaadluagea von NichtmitgUodern. v
186 Carl Arthur Purschke.
Die verschiedenen Krümmungsverhältnisse der Länge und Quere nach sind durch die Profile 3 und 4 auf der
beigegebenen Tafel anschaulich gemacht.
Auf den ersten Blick unterscheidet man die einzelnen Knochenplatten, die den Panzer zusammensetzen, so-
wie die Spuren der Hornschuppen, die jene überdeckten; die Näthe der ersteren und Grenzeindrücke der
letzteren sind deutlich sichtbar, woraus wir auf ein erwachsenes, wenn auch nicht sehr altes Thier schliessen
dürfen. Eine besondere Sculptur ist auf den Platten mit Ausnahme weniger, schwach gestreifter Stellen, nicht
vorhanden.
Was nun den Eückenschild (Carapax) im Besonderen anbelangt (Fig. 1), so ist er, so weit eine Beurthei-
lung möglich, von schwach ovalem Umrisse und massiger Wölbung, deren grosse Gleichförmigkeit nur durch
die Formation der Nuchal- und ersten Neuralplatte eine Störung erleidet. Seine hintere linke Hälfte fehlt
vollkommen, von der rechten sind nur drei Marginal- und Bruchstücke der correspondirenden ÜQStalplatten
erhalten.
Die Nuchalplatte, die grosse Lücken aufweist, lässt die Form eines Sechseckes mit ungleichen Seiten-
paaren erkennen. An ihrem Hinterende scheint sie eine leichte Concavität zur Aufnahme der ersten Neural-
platte besessen zu haben. In ihrer Mittellinie erscheint sie dachförmig gehoben, so dass dieser Theil nach
rechts und links etwas steiler abfällt als die andern. Die 1. Neuralplatte ist breit spateiförmig und besitzt eine
mediane Leiste, die vor der Grenzlinie zwischen der 1 . und 2. Rückenschuppe beginnt, und sich bis zum Vorder-
ende der Platte stetig verbreitert; dadurch ist einerseits ein steiler Abfall der Nuchalplatte im Längsschnitt
und ein Vorspringen der Neuralplatte auf der Oberfläche im Querschnitt bedingt. Von der 2. Neuralplatte ist
nur die linke Hälfte, und auch die schlecht erhalten; sie dürfte indess kaum von der typischen Emydenforra,
dem unregelmässigen Sechsecke mit geschweiftem Vorder- und Hinterrande, abgewichen sein. Die 3. und best-
erhaltene Neuralplatte bringt die eben erwähnte Form in vollkommenster Weise zur Geltung. Sie ist die
breiteste der drei Platten, welche in der ganzen Mittellinie ihrer Unterseite die Reste der dorsalen Fortsätze
der entsprechenden Wirbel tragen. Die 1. (rechte und linke) Costalplatte, das massigste Stück des Carapax,
schliesst einerseits an die 1. und 2. Neural- andererseits an die Nuchal- und die vier ersten Marginalplatten an.
Der Verlauf der stark gekrümmten, 0-7™ breiten Rippe ist an ihrer Unterseite deutlich sichtbar, der Kopf der-
selben ist abgebrochen. Die 2. (rechte und linke) Costalplatte, welche oben au die 2. und 3. Neural- unten an
die 4. und 5. Marginalplatte anschliesst, zeigt eine schwach keilförmige Gestalt, indem sie sich gegen ihr
unteres Ende etwas verbreitert. Die Rippe ist in die Platte vollkommen eingesenkt und ihr Verlauf lässt sich
nur aus dem vorspringenden Köpfchen beurtheilen. Was die weiteren Costalplatten anbelangt, so sind nur die
3. und 4. rechte ziemlich vollkommen, die 3. linke aber, sowie die 5., 6. und 7. rechte nur fragmentarisch
erhalten. Auch sie zeigen sämmtlich, und zwar in weit höherem Grade als die 2., eine Neigung zur Keilform,
und zwar in alternirender Weise, so dass die 3. im obern, die 4. im untern Ende u. s. w. ihre grösste Breite
erreicht. Die 5. und 6. sind naturgemäss au der Stelle gewaltig verdickt, die mit den Hyposternalflügeln corre-
spondirt. Die 3. Costalplatte schliesst an die 5. und 6., die 4. an die 6. und 7., die 5. au die 7. und 8. Marginal-
platte u. s. w. an.
Was die Marginalplatten betrifft, so sind deren rechts acht, links drei fast vollkommen erhalten. Die 1.,
2., 3., 7. und <S. haben annähernd trapezoide, die 4., 5. und 6. rechteckige, die 9. rhomboidische Gestalt. Die
1., 2. und 9. besitzen ungemein scharfe Ränder; die 3. und 7., welche an der Bildung der, jedenfalls nicht
unbeträchtlichen Sternalkammer Antheil nahmen, sind dem entsprechend ebenfalls stark verdickt und an der
Innenseite ausgehöhlt. Wir sehen also fünf Marginalplatten die Verbindung mit dem Plastrou vermitteln. Von
Bedeutung ist ferner eine Einschnürung dicht ober dem Rande (resp. der Knickung) der 2., 3., 4. und 5. Platte,
wodurch derselbe leicht aufgebogen erscheint.
Gehen wir nun zum Bauchschild (Plastron) über. (Fig. 2.) Er ist gross, ziemlich massiv und bildet ein
langgestrecktes Oval mit vielfach schön geschweiften, mehr oder weniger scharfen Rändern. Im Grossen und
Ganzen ist er sowohl in der Länge als in der Quere schwach nach aufwärts gekrümmt, am meisten im Vorder-
Iheile, vom hinteren Ende des Entostcniale angefiingen bis zur Spitze, die einen ausgebauchten, lippenförmigen
Clemmj/f! sarmatica n. sj). aua dein Tegel von Ilemals bei Wien.
187
Vorspi'ung darstellt. Ansserdem finden sich zwei untergeordnete Krümmungen im entgegengesetzten Sinne am
Hintertlieile, so dass dieser mehrfach sanft gebogen erseheint. Der Bauchschild besteht aus neun, regelmässig
angeoidneten Platten, die durch feste Näthe zu einem unbeweglichen Ganzen verbunden sind.
Die Epistern.-ilia sind mehr breit als lang und sehr massiv. Das Entosternale zeigt an seiner Unterseite die
Form eines unregelmässigen Sechseckes, dessen kleinster Winkel nacli vorne gekehrt ist; an der Oberseite
hingegen erscheint dieser Winkel abgestutzt, so dass eino ähnliche Form resultirt, wie die der dritten Neural-
platte des Carapax. Das Entosternale trägt auf dieser Reite die Spur eines medianen Kiels und eines Muskel-
eindrucks am Vorderende. Die ITyo- und Hyposternalia, deren Gren/nath die Mittellinie des Bauclischildes
halbirt, sind fast gleich gross und vermitteln durch sanft ansteigende Flügel den Anschluss an den Bückenschild.
Die Xiphisternalia, bei deren seitlichen Aussenränderu die früher ei'wähnte Eigenscliaft der mehrfachen
Schweifung am scliönsten ausgeprägt ist, enden jederseits in eine scharfe Spitze, so dass das Hinterende des
Bauchschildes durch einen einspiiugenden Winkel von weniger als 90° auffallend zweigezackt erscheint. Es
seien nunmelir die Dimensionen der einzidnen Panzerpliitten angegeben,' so weit es ihr Erhaltungszustand
gestattet :
Bezeichnung der Platte
Länffe
Breite
I. Eückenschild
Nuchalplatte .
Neuralplatte .
n
n
Costiilplatte .
V
n
V
Margiualplatte
(.•i-6)
(a-
4-4
1-9
•2-0
2-a
3-4
•8-2-1
•G— 1-y
• 8—2 • 3
•a— 1-6
4—2 • .5
■8— 2-6
■3-2-3
2-0
6—2 • 5
1-8-
."> ■ -2
Bezelclimina: der Platte
Läna
Breite
II. Bauchschild
Epistei'uale .
Entosterualc
Hyosternale
Hypostcrnalc
Xipliisternale
1-9 (2-8)
3-4 (2-2)
3-7 (4-0)
.5-2
3 - G— 5 - 0
3-5
2-S
4-5— G-0
4-5-0-0
4-4
Bezüglich der Dicke der Platten sei nur angegeben, dass sie bei beiden Schildern, wie normal von der
Mitte gegen die Peripherie zunimmt und zwischen 0-2 und 1-0 sehwankt.
Wir haben uns bis jetzt nur mit den Knochenplatten des Panzers befasst, und wollen nun auch die An-
ordnung und Gestalt der Hornschuppen einer nähern Betrachtung unterziehen. Ihre Grenzeindrücke sind, wie
schon einmal erwähnt, fast überall deutlich, stellenweise als tiefe Furchen auf der Oberfläche des knöchernen
Gehäuses sichtbar. Wie bekannt, ist die Anordnung der Hornschuppen der der Knochenplatten ähnlich, es
stimmen jedoch jene an Gestalt und Zahl mit diesen keineswegs überein. Es sei diesbezüglich Folgendes
bemerkt: Die 1. Eückenschuppe, welche im hintern Drittel der ersten Neuralplatte endet, ist mehr breit als
lang, verschmälert sich nach rückwärts stetig und h.at sanft geschwungene, nach aussen convexe Bänder. Die
2. Rückenschuppe, deren Hinterrand die dritte Neuralplatte ungefähr in der Hälfte durchschneidet, ist eben-
' Zu Ccntimetern. Die in Klammer gestellten Zahlen sind approximativ zu verstehen. Wo die Dimensionen bei einer
Platte wechselten, sind immer die grössten, in einigen Fällen auch beide Extreme angegeben. Bei den Marginalplatteu spe-
ciell wurde die Länge (Höhe) von ihrem oberen Ende bis zum unteren Rande, rcsp. 7au- Knickung gemessen. Beim Bauch-
sehilde wurden die Dimensionen auf der Unterseite bestimmt und allentViU.sigc x^bweichungen auf der Oberseite in Klammer
beigesetzt ; die Liingenangabeu beziehen sich sämmtlich auf die Linea alba. Wenn auch der Werth derartiger Zahlen gering
ist, da Altersunterschiede und individuelle Differenzen gerade hier von weitgehendem Einflüsse sind, so geben sie docli
immerhin in ilirer Oesiinimthcit ein Bild der relativen Grüssenverhältni.sse, das zum Vergleiche sehr dienlich ist.
188
Carl Ärihm rurschle.
falls mehr breit als lang und hat im Ganzen achteckige Form mit einem einspringenden Winkel am hinteren
und drei abgerundeten Ecken am vorderen Ende. Von der dritten ist zu wenig erhalten, um ähnliche Angaben
machen zu können; es scheint, dass sie im Umriss weniger complicirt und der geometrischen Form näher war«
als die vorhergehende. Die 1. .Seitenschuppe, die in der Mitte der /.weiten Costalplatte endet, hat ebenfalls
geschwungene Grenzlinien und die beiläufige Form eines oben abgestutzten Kreisausschnittes; sie stösst
einerseits au die 1. und 2. Eücken-, andererseits an die 2., 3., 4. und 5. Randschuppe. Die 2. Seitenschuppe
endet auf der 5. Costalplatte und nähert sich in der Form einem Parallelogramm; sie wird von der 2. und
?>. Rücken-, sowie von der 5., 6. und 7. Raudschuiipe begrenzt. Die dritte, deren Grenzlinien nur zum Tiieil
erhalten sind, dürfte ihr ähnlich, nur etwas schmäler gewesen sein.
Von den Randschuppeu ist bezüglich ihrer Form nicht viel zu erwähnen ; sie wechselt ziemlich regellos
zwischen Rechteck, Rhomboid nnd Trapezoid. Von ungleich grösserer Wichtigkeit ist der Verlauf jener Linie,
in welcher sie mit den Seitenschuppen zusammenstossen : dieselbe fällt nicht mit der Grenznath zwischen
Costal- und Marginalplatten zusammen, sondern verläuft unterhalb derselben, also auf den Marginalplatten
selbst, mit einer leichten Neigung zum Zickzack, besonders gegen den Hintertheil zu. Die einzelnen Rand-
schuppeu stossen ungefähr in der Mitte einer Marginalplatte zusammen und eorrespondiren die dadurch ent-
stehenden Eindrücke nicht mit denen der Seitenschuppen, wovon nur die Grenzlinie zwischen der 1. und
2. Eandschuppe eine Ausnahme macht.'
An dem vorderen Ausschnitte der Sternalflügel finden sich massig entwickelte Axillarplatten; von den
Inguinalplatten ist nur eine undeutlich erhalten.
Der Bauchschild zeigt die Spuren von zwölf Hornschuppen, deren Umrisse durch mehr oder weniger
geschwungene Linien bezeichnet sind. Die Gularplatten am Vorderende sind ziemlich langgestreckt und reichen
über die Spitze des Entosternales herab, das zum grössten Theile von den Brachial- und an seinem Hinterende
auch von den Pectoralplatten bedeckt wird. Intergularplatte ist keine vorhanden. An die Peetoralplaften, die
1™ vor der Nath der Hyo- und Hyposternalia enden, schliesseu sich in einer von der Mittellinie ab geraden,
gegen den Rand zu wellenförmigen Grenzlinie die .^bdominalplatten, welche alle übrigen an Grösse übertreffen.
Der Eindruek, der sie von den Femoralplatten scheidet, verläuft zu Beginn fast senkrecht auf die Mittellinie,
um sich dann, gleich den vorhergehenden, nach vorne zu krümmen, während die nahezu gerade Grenzlinie
zwischen Femoral- und Analplatten schon von der Mitte aus nach rückwärts verläuft, parallel zur Nath der
Xiphisterualia und diese ungefähr in zwei gleiche Hälften theilend.
Schliesslich seien auch bei den messbaren Hornschuppen die Dimensionen angegeben:**
Bezeichnung der Platte
Länge
Breite
Bezeichnung der Platte
Länge
Breite
I. R ü c k e u 8 c h i 1 d
II. B a u c h 8 c h i 1 d
1. Rückenschuppe
"• _ n
1. Seitenschuppe
i)
»
3. „
2. Randschuppe
3. .
•t- n
5. „
9- „
3-5
3-5
4-7
4-9
1 •(>— 2- 1
1-6
10
1-8
2 • 0—2 ■ 8
2-9— 5-1
2-9- 4-2
2 • 0—5 • 3
4-2
.■i-4
2-0
1 • 6—2 • 3
2-0
2-2
2-0
Gularplatte
Brachialplatte
Pectoralplatte
Abdoraiualplatte
renioralplattc
Analplatte
3-0
1-6
3-4
4-2
3-6
2-0 — 3-0
1-7
3-9
4-5- 5-8
4-5- 5-8
4-5
.i-0
1 Wir erwähnen diesen Unifitand, weil H. v. Meyer in seiner Besclireibung- von Emijs proloyaea (L. u. Bronn, .Jahrb.
f. Mineralogie, lS.i2, p. 304) auf eine solche Ilelation zwischen Band- uud Seitensehuppen besonderes Gewicht legt.
3 Über die Art und Weise der Messung und die Bedeutung der Zahlen s. Anmerkung zur'ersten Tabelle, p. 3.
Clemmys sarmatka ». kJ). (I'is dem Tegel von Hernais hei Wien. 189
Wenn wii- nnnmelir die vorhergehenden Beobachtungen in Kürze zusammenfassen, so gelangen wir zu
folgendem Ergebnisse :
Unser Fossil stellt einen vollkommen verknöcherten Schildkröteupanzer dar, dessen Rücken- und Bauch-
schild niil Honiplatten bedeckt und duicli Synostose mit einander verbunden waren; er lässt in der Form und
Anordnung der Platten den Typus der Emydcn ' deutlieh erkennen. Der Rückenschild ist oval und n)ässig
gewölbt, der Bauchschüd gross, an der Unterseite convex und unbeweglich.
"Wenn schon uacli oberflächlicher Betrachtung unseres Tliieres kein Zweifel obwalten konnte, dass es der
Familie der Testudiniden oder Emydeu augehört, so ergibt sich aus den vorstehenden Untcrsuchungsresnllateii
mit zwingender Nothwendigkeit der Sclduss, dass wir es hier mit dem Emydengenus Cleiiiiiiya zu thuu haben.
Für Testudo würde einzig und allein die Neigung der Costalplatten zur alternirenden Keilform sprechen;
andererseits fallen aber die wesentlich sechsseitige Gestalt der Neuralplattoii, die geringe Wölbung des Carapax,
der Verlauf der Grenzlinie zwischen Rand- und Seitenschuppen auf den Marginalplatten, die Einschnürung der-
selben am Vordertheile des Rückenschildes und nocli zahlreiche andere Details so sehr zu Gunsten derEmyden
ins Gewicht, dass eine Zutheiluug zu Testudo in liohcm Grade unnatürlich erscheinen müsste. Wir haben es
eben auch hier mit einer jener interessanten Verschmelzungen von Gattungscharakteren zu tliun, wie sie bei
den fossilen Cheloniern und besonders bei Testudo und Emijs häufig vorkommen; so zeigen z. B. die eocänen
Emys testudiniformis Owen,^ dessgleichen die eocänen Testudo Nebrasceusis Leidy* und T hemisphaerku
Leidy, sowie in geringerem Grade die niiocäne Testudo untiqua Bronn* und T. praeceps Haberlandt-' viel-
fach eine Oombination von Merkmalen, die heute theils für Emtjs, theils für Testudo charakteristisch sind. Es
bleibt uns demnach nur die Entscheidung zwischen Ernys^ und Clemmys, die indess, abgesehen vom Gesammt-
habitus schon wegen der knöchernen Verbindung l)eider Schilder, sowie wegen der Grösse und Unbeweglichkeit
des Plastrous unbedingt zu Gunsten von Clemmys ausfallen muss.
Nachdem wir auf diese Weise zur Feststellung der Gattung gelangt sind, erübrigt uns noch, unsere
Clemmys einerseits mit den fossilen, andererseits mit den lebenden Arten des Genus zu vergleichen, um eine
etwaige Verwandtschaft herauszufinden. Was den ersten Theil dieser Aufgabe betrifft, so ist derselbe bald
erledigt ; unter allen tertiären Emyden, die wir zur Parallele heranzogen, existirt keine, die unserer Species
besonders nahe stehen würde. Wii- finden allerdings bald da, bald dorl einzelne Merkmale wieder; so erinnert
z. B. die Form der ersten drei Neuralplatten an die eocäne Emys hicarinata Bell ' und die Bildung der Hinter-
hälfte des Plastrons auftallend an die untermiocäne E. Michelottü Peters,^ sowie auch an E. Charpentieri Pict.
et Hu m b. ^ aus der Schweizer Molasse, während sich wieder die Form der lüickenschuppen sowohl bei gewissen
Emyden aus der steirischen Braunkohle, als auch bei solchen aus dem amerikanischen Eocäa vorfindet; nähere
Verwandtschaft in allen Stücken zeigt aber, wie erwähnt, keine fossile Form. Ganz anders gestaltet sieh die
1 Wie schon Eingangs angedeutet, haben wir unserer Abliandhmg da.s 8 traiich'scho Syntem zu Grunde gelegt, da»
er in seinem Werke : „Chelouologische Studien" (Mömoires de Tacadöraie imperiale des scienees de St. Pßtersbourg 1862,
V. Bd.) aufstellt. Er vereinigt Land- und Sumpfschildkröten fC7(e;-.sv7e.s &t PuliuHnr^ criiptoiln-ex Dum. otl'.ibr. und Textur] iriidac
et Eiiii/flidac Gray; zu einem Tribus Clierscnnjda mit 1.") Gattungeu.
- Owen and Dell, Moniigi'aph ou tlio tos.sil reptilia of the l>i>nd(iu Clay, isli).
ä Leidy, The ancient Fauna of Nebrasca, Washington 185.3.
1 H. v. Meyer, IndividucSle Abweichung.^ bei Tesludo aiäiquit und Pjdiijs Europaea.
'•> Haberlandt, über Tsstudo praeceps n. sp. (Jahrb. d. geol. Iteichsaust. XXVJ. Bd., 187 •;, p. 24:!.)
" Die .-inderen Genera der Emyden kommen niclit in Betracht, da sie sich schon auf den ersten Blick zu wesentlich von
unserer Form unterscheiden. Emyä Strauch =; Cistudo haillaiites Dum. etBibr., iJemmi/s Strauch = Ewy/.s Dum. et Bibr.
Analog wie Strauch fassen die Genera £m^.-( und Clemmys auch Wagler (Nat. System d. Amphibien, München, Stuttgart
und Tübingen 1830), Fitzinger, (Annalen d. Wiener Museums, L Bd., is.HG) u. a. m. Die Gattung Clemmys wurde übrigens
zuerst von Ritgen autgestellt; Wagler hat sie dann genau .abgegrenzt und am-li eine Ableitung des Namens gegeben:
zXsji/jiUi, testudu, „quia se sua testa (piasi occultat- — eine Eigenschaft, die allerdings sehr vielen Schildkröten zukommt.
' Monogr.-iph of thc London Clny.
•* Peters, Beiträge z. Kenntnis der Schildkrüteurc.'<te aus den österreichischen 'J'crtiärablageruugen in Hauer's Palä-
ontographie Österreichs, I. Bd., Wien 1858, p. 59.
'■> Bietet et Humbert, Monographie des Cheloniens de la molasse Suisse, Genöve 1856.
190 Carl Arthur Purschke.
Sache, wenn wir uns zu den lebenden Species wenden. Wir konnten allerdings von den 62 ClemmifS- Arten, die
im Jahre 1862 bekannt waren, ' nur einen kleinen Bruchtheil zum Vergleiche heranziehen ; '^ nichts desto-
weniger aber gewannen wir schon aus diesem Materiale die Überzeugung, dass unsere sarmatische Species den
recenten und insbesondere der europäischen Ol. cn^pka ^ in auffallender Weise nahe steht. Wir besitzen gerade
von dieser Schildkröte zwei vorzügliche Beschreibungen, die eine von Dumöril und Bibron. die andere von
Bonaparte, beide fast gleichzeitig erschienen und auch fast gleichlautend;" sie passen zum grossen Theile
auch auf unsere fossile Form und nur durch sorgfältige Vergleichung derselben mit zwei Exemplaren der
kaspischen Schildkröte, war es möglich, folgende Ditferenzen zu constatiren:
Die sarmatische Form ist relativ etwas stäiker gewölbt als die kaspischc, die Ovalform des Riickenschildes
ist bei jener schwächer ausgeprägt als bei dieser; im Querschnitt erscheint er bei unser Species gleichmässig
gerundet, fost elliptisch, bei der kaspischen mehr dachförmig. Die Einschnürung oberhalb des seitlichen Randes
am Vordertheil, wodurch dieser etwas aufgebogen erscheint, ist bei der recenten Form in höherem Grade vorhan-
den, der Abfall der Nuchalplatte hingegen weniger steil als bei der fossilen ; diese ist überdies durch eine deutlich
aus gesprochene Neigung der Costalplatten zur alteruirenden Keilförmigkeit, besonders gegen den Hintertheil
zu ausgezeichnet. Was den Bauchschild betrifft, so ist er bei der kaspischen Form am ^'ordereude wulstig und
abgestutzt, während er bei der sarmatischeu in einem scharfrandigen, lippeuförmigen Vorsprunge endet. Der
Verlauf der Schuppeneindrücke ist bei dieser im Allgemeinen complicirter; im Verhältnisse ist die erste
Kückenschuppe breiter, die zweite schmäler, die erste Seitenschuppe schmäler, die zweite breiter als bei jener
Die Gularplatten sind bei der sarmatischen Form um ein ziemliches langgestreckter, die Pectoral- und Abdo-
minalplattcn hingegen etwas kürzer als bei der kaspischen.
In allen übrigen Stücken herrscht nahezu vollkommene Übereinstimmung, und wenn wir uns überdies den
weiten Spielraum, der den imlividuellen Abweichungen bei den Cheloniern geboten ist, sowie die geringe
Zahl der verglichenen Exemplare vor Augen halten, so müssen wir so manche der angegebenen Unterschiede
als geringwerthig bezeichnen. Hoffentlich werden uns weitere Funde in die Lage setzen, ein vollkommeneres
Bild der sarmatischeu Clvnnmjx entwerfen zu können, um den interessanten Vergleich mit der kaspischen in
allen Stücken durchzuführen.
Es wird heute mit grosser Berechtigung angenommen, dass das sarmatische Meer vom Osten her über
ganz Mitteleuropa bis in unserer Gegend trausgredirte, und dass das jetzige schwarze und Asow'sche Meer,
der Kaspi- und Aralsee, sowie die zahlreichen kleineren Stcppcnseen östlich davon als die Überbleibsel jenes
grossen Meeres aufzutassen seien. In der Übereinstimmung, die wir soeben zwischen der fossilen Schildkröte
des Hernalser Tegels und der recenten kaspischen Form ■' constatiren, liegt ein neuer Beweis für die
^ Nach Strauch, Clielouologisclac Studien.
2 Es sind dies: CI. casjnca (Gmelin) Wagler, Cl. leprosa Schweig., Cl. inctu Schneid., Cl.japonica Gray, Cl. orego-
nensisKai-]., Cl. gmgraphiai Wagl., Cl . pseudoijeoy raiMcn LeSieur, Cl. serrata Wagl., Cl. Frooslü Holbr., Cl. Ilamiltoni Fitz.
C/. puiicfatu W agh, Cl. ocdlata Dum. etBibr., Cl. Cmnberlandiinsis Holbr.
3 Syn.: Emys caspica G ray, Terrapene caspica Bonaparte, Emi/de Caspieiiiie Dum. et Bibr. — Cl. caspica und Cl. leprosu
(Syu.: Emys Sigriz Dum. etBibr.) sind die einzigen Repräsentanten der Gattung in unserem Erdtheil, erstere für den Osten
letztere für den Westen (Spanien); sie zeigen übrigens so viel Übereinstimmung, dass sie von mehreren Fonscheru in eine
Species zusammenget'asst wurden.
1 Dumeril et Bibron, Erpetologie generale, Paris 1835 und Carlo L. Principe Bonapaite, Iconografia della Fauna
Italica per ie quattro classi degli animali vertebrati. Tome II, Amfibi, Roma 1832 — 41. Erstere beschreiben sie als
E. Caspienne, letzterer als Terrapene caspica; es ist zweifellos, dass diese Form mit Cl. caspica ident ist, da der Autor selbst
ala Syn. E. caspica. Gray (Syn. Rept. p. 74) angibt und wie oben erwähut, seine Beschreibung mit der der Franzosen genau,
stellenweise sogar wörtlich übereinstimmt, was uns wohl auf eine einlache Übersetzung schüessen liisst. Strauch bezeich-
net zwar das Genus Geoemys Bonap. als das Syn. von Clemmi/s (Ritgen) Wagl er; es muss aber diese Angabe nachdem
A'orhergehenden wohl auf einem Übersehen beruhen, falls nicht vielleicht Bonap arte in einem späteren Werke seine
Komenclatur geändert hat, was uns unbekannt ist.
•'' Cl. caspica findet sich vorzüglich an den Küsten obgenaunter Gewässer, in nächster Nähe der Sümpfe, wo sich Süss-
und Salzwasser mengt; sie geht noch südlich bis Kleinasien und Syrien und kommt ausserdem auf Morea, den Inseln Greta,
Tino und Zante, wie auch in Dalniatien vor.
Clemmys sarmatica n. sp. aus dem Tegel von Hernais bei Wien. 191
Richtigkeit obiger Anuahme und wir sind wohl zur Behauptung berechtigt^ dass wir in Clemmijs caspica einen
directeii Nachkommen der sarmatischen Clemmijs vor uns haben, für die wir die Bezeichnung Clemmys sarma-
tica iu Vorschlag bringen.
Wir glauben, an dieser Stelle eine ähnliche Relation erwähnen zu müssen, welche Peters im Jahre 1867
eonstatirte. ' Vor 30 Jahren wurden aus den Ziegelgruben von Heru;\ls die ersten Seehundsreste zu Tage
gefördert, über deren Stellung man längere Zeit im Zweifel war, bis weitere Funde an derselben Stelle und
eingehende Untersuchungen der südrussisehen Phoca pontica die Zusammengehörigkeit beider Arten erwiesen,
ein Umstand, der unter den Belegen für die Provenienz unserer sarmatischen Ablagerungen eine gewisse
Rolle spielte. Es zeigt uns dieser Fall, ebenso wie der unserige deutlich den Connex zwischen zwei, räumlich
weit getrennten Gebieten; dort eine Identität zweier fossiler, hier eine sehr nahe Verwandtschaft einer fossilen
zu einer recenten Species.
Auifallend bleibt noch der schon Eingangs erwähnte Umstand, dass sich vom internen Skelette unserer
Schildkröte keine Spur vorgefunden; wenn wir uns aber vor Augen halten, dass der Hernalser Tegel den
Charakter einer ausgesprochenen Strandbildung an sich trägt, so erklärt sich die Sache so ziemlich. Das
todte Thier wurde jedenfalls vom Wasser vielfach transportirt, ehe es eine schützende Sehlammsehicht
der weiteren Zerstörung entzog. Immerhin weist der Umstand, dass bis heute, unseres Wissens, nur dieses eine
Exemplar gefunden wurde, darauf hin, dass unsere CJemmys in der gleichalterigeu Fauna zu den Selten-
heiten gehörte. ^
So hätten wir denn eine obermiocäne Emydenspecies kennen gelernt, welche sich in den meisten Stücken
ungemein eng an eine lebende Form anschliesst, andererseits aber durch das Vorhandensein eines ausge-
sprechenen Testudinidenmerkmals in der Form der Costalplatten eigenthümlicli charakterisirt ist. Wenn schon
sämmtliche ClemmijS'kxi&xi durch grössere Massivität, durch stärkere Wölbung des Rückenpanzers, durch die
knöcherne Verbindung desselben mit dem Bauchschilde durch die Uubeweglichkeit des letzteren, sowie durch
die Gestalt ihrer Costalplatten, die bei den meisten der, von uns verglichenen Species grössere oder geringere
S])uren von Keilförmigkeit zeigen (wenn auch ziemlich regellos und häufig nur bei denjenigen Platten, die zu
den Hyposternalstrahien in Beziehung stehen), zwischen Emtjs und Testudo den Übergang vermitteln, so ist
dies bei Cl. sarmatica noch mehr der Fall, wenn auch nicht in dem Grade, wie bei den früher aufgezählten
Zwiseheuformen der Eocänzeit, in der sich eben das Genus Testudo erst diiferenzirte.
Es sei nunmehr zum Schlüsse eine Zusammenstellung aller Chelonierreste gegeben, die bis heute aus dem
Wiener Becken bekannt geworden sind, wobei wir allerdings der Aufzählung Peters' vom Jahre 1855 nicht
sehr viel hinzuzufügen haben. Weitaus überwiegend an Arten- und Individueuzalil ist das Genus Trionijx
vertreten, während von E)nys {Clemmijs) nur wenige, zum grösseren Theil dubiose Reste, von Testudo blos
ein einziges Exemplar gefunden wurden. Es fehlen somit, wenn wir von dem sonderbaren Pseplwplioriis
(s. späten absehen, zwei grosse Gruppen, die der Chehjda und Cheloniida vollständig. Speciell haben wir
folgende Vorkommnisse zu erwähnen:
1. Triomjx {Gijmnopus) Vindobonensis Peters in vielen, zum Theil sehr schönen Exem])laren. (Beschrieben
iu Peters, Schildkrötenreste a. d. österr. Tertiärablageruugen. Denkschr. d. math.-naturw. Cl. d. k. Akad. d.
Wiss, Wien 1855.)
2. Triony x Partschü Fitziüger. Ein einziger Rest, aus den ersten drei Costalplatten der rechten Seite
bestehend, gefunden im Leithakalkc von Loreto am NW.-Abhaug des Leithagebirges. (Zuerst erwähnt \ov\
Fitzinger, Annalen d. Wiener Museums, Bd. I, 1836, beschrieben von Peters 1. c.)
3. Trionyx sp. von Grund. Ein einziger Rest, aus dem Mittelstücke einer Costalplatte bestehend.
(Peters 1. c.)
1 Peters, Phoca pontica Eichw. bei Wieu. (Sitzungsber. d. k. Ak.ul. d. Wissensoll.. I. Alitli., Jännerlieft 1S(;7.)
2 Es .sind auch nocli einige Fragmeute lies Riick("n.scliilite.s erli.-ilteu, die sU-h dem iccoustruirton P.anzcr nicht einlügcu
lassen, worunter zwei fast vollständige Marginalplatten, wahrscheinlich die neunte und zehnte linke.
192 Carl Arthur Purschke. Glemmys sarmatica n.sp. aus dem Tegel von Hernais bei Wien.
4. Emys Loretana H. v. Meyer. Eine einzige Costalplatte, wahrscheinlich die dritte rechte, gefunden im
Leithakalke von Loreto. (H. v. Meyer, Leonh. u. Br., Jahrb. 1847, p. 579 und Peters 1. c.)
5. Ein kleines Unterkieferstück von Brunn a. Geb., das H. v. Meyer als das Zahnbein der linken Unter-
kieferhälfte einer nichtineerischen Schildkröte bestimmte. (Leonh. u. Br., Jahrb., 1845, p. 308. Peters lässt
es unentschieden, ob der Rest einer Trionyx oder Einijs angehört.)
6. Diverse Fragmente einer beschuppten Schildkröte fCUmmys?), die im Tegel der, südöstlich bei AYien
gelegenen Anhöhen beim Bau des Arsenals gefunden wurden. (Peters 1. c.)
7. Clemimjs sarmatica u. sp. aus dem Hernalser Tegel. Ein ungefähr zu zwei Dritteln vollständiger Rücken-
und Bauchpanzer.
8. Testudo 2»'aeceps Eaherlandt aus der oberen Blediterranstufe von Kalksburg. Ein wohlerhaltener
Steiukern. (Haberland t, Über Testudo praeceps n. sp., die erste fossile Landschildkröte des Wiener Beckens.
Jahrb. d. geol. Reichsanst. 1876. p. 243.)
9. Psep}M])honis polygoaus H. v. Meyer aus dem Sande von Neudorf a. d. March. Einige Panzerstücke
(Erwähnt in den Verh. d. geolog. Reichsanst. 1870, p. 342 und 1880, 311.) '
Wir hätten demnach, wenn wir von den zweifelhaften Fragmenten absehen, im Ganzen sieben Reprä-
sentanten der Chelouier im Becken von Wien, von denen nur ein einziger eine grössere Individuenzahl
aufweist, gewiss eine äusserst dürftige Vertretung dieser grossen Gruppe im Vergleiche zu anderen Tertiär-
ablagerungen. ^
Zum Schlüsse lühle ich mich verpflichtet, Herrn Regierungsrath Dr. St ein da ebner, sowie Herrn
Dr. Heider, Assistenten a. d. zoologischen Lehrkanzel der Universität für die Unterstützung, die sie mir in
liebenswürdigster Weise durch Beschaffung des Vergleichsmaterials zu Theil werden Hessen, meinen ver-
bindlichsten Dank auszuspreciieu.
1 Wir erwähnen diesen liest gleichsam im Anhange, da seine Natiu- noch immer nicht mit absolnter Sicherheit ent-
schieden ist. H. V. Meyer beschrieb ihn zuerst Im Jahre 1847 (Leonh. und Bronu's Jahrb., p. .579), ohne sich über seine
Stellung recht khir zu sein; weitere Fiiude und Vergleiclie festigten seine Vermutlmng, dass man es hier mit einem, den heu-
tigen Ledersehüdkröten (Spharr/idina) ähnlichen Thiere zu thun liabe, was in neuester Zeit auch H. G. Seeley bestätigte.
(Quart. Jonrn. of the geol. Society, 1880, p. lOC.)
- So zählen z. B. Pictet und Humbert schon im Jahre 1850 Inder nahezu gleichaltcrigen Schweizer Molassc sechs
Genera mit 28 Species, welche seitdem noch eine, nicht unbedeutende Vermehrung erfahren haben; Mack erwähnt in seinem
ausgezeichneten Werke: „Die bis jetzt bekannten fossilen Schildkröten u. s. w. C'assel 1869", circa eo miocäne Species.
Purschke: flpmmvs sarmatir.i nov.sp.
v.i:\i il.Nat.gez.u.htL.
la. 2 nat. Grösse, S.uf Vs 3. Hat.
Denkschriften d.k.Aka<l.d.W:nialli naliiiwClasse I.. Bd.D. Ablh.
KkKoi-i; itaatcirucKete;.
193
BEITKAGE
ZUR
"lllLlllil^^i
M'H-Ti':i!iu:sTii.isi:[iEiu;p.
JOHANN UNTERWEGER.
(5?tit 2 EafeCi uil3 J .H'ofi-xflnilKMl.)
(VORGKI.EGT IN DER SITZUNG AM 18. DECEMBRR 1S84.)
ÜBER DAS POLARLICHT.
Mehrere grossartige Erscheinungen in der Natur, zu welchen in erster Linie das Polarlicht, die elektrischen
Gewitter und der Erdmagnetismus gehören, sind dadurch ausgezeichnet, dass sie untereinander im engsten
Zusammenhange stellen und aller Wahrscheinlichkeit nach nur aus dem Zusammenwirken kosmischer und
terrestrischer Ursachen erklärt werden können.
Die Erklärungsversuche, welche in Bezug auf diese Phänomene gemacht worden sind, beschränken sich
mein- oder weniger nur auf einzelne derselben und scheinen desshalb unzulänglich zu sein. Mit der vorliegenden
Abhandlung und den weiteren, welche ihr folgen sollen, wird nicht beabsichtigt, an den von Andern aufge-
stellten Theorien Kritik zu üben, sondern vielmehr durch selbstständige Untersuchungen des bis jetzt
gesammelten, bedeutendsten Beobachtungsmatcriales Beiträge zur Konntniss dieser kosmisch-terrestrischen
Erscheinungen zu liefern und auf gewisse Erklärungsmöglichkeiten hinzuweisen, die von Andern meines
Wissens noch nicht angegeben worden sind, jedoch zur Aufstellung einer allgemeineu und einheitlichen Theorie
von grosser Bedeutung sein dürften.
Das Polarlicht gilt zwar seiner Natur nach für eines der am wenigst bekannten Phänomene; gleichwohl
halte ich dasselbe zufolge meiner Untersuchungen und Hypothesen auch für ein Licht im ügürlichen Sinne für
eine ganze Reihe anderer Erscheinungen, und demnach scheint es mir zweckmässig, in meinen Erörterungen
dieses zuerst zu behandeln.
L Über die Gesetze des Polarlichtes.
Die Formen des Polar-, insbesondere des Nordlichtes, .sind von verschiedenen Beobachtern und Eeisenden
z. B. Weyprecht,' Capron,^ eingehend und deutlich beschrieben worden, und ich verweise diesbezüglich
1 Denkschriften der k. Akademie, Bd. XXXV.
- Aurorae: Tiieir Ciiavacters and Spectia. London 1879.
OeaLiCiu'ifteu der mathem.-naturw. Gl. L. Bd. Abhaadlungen von NichtmitgUudui'a.
194
Johann ünterweger.
auf deren Schriften. Auch mit der Untersuchung des Beobachtungsmateriales haben sich mehrere Theoretiker,
besonders Professor H. Fritz', beschäftigt und gewisse Gesetze über die geographische Verbreitung, Höhe,
Richtung der Sichtbarkeit u. s. w. nachgewiesen, welche ohne Zweifel richtig sind. Dieselben sollen im
zweiten Theile erwähnt werden, wo sie eine theoretische Begründung tinden. Was aber die Periodicität betrifft,
habe ich mich überzeugt, dass sich die catalogisirten Aufzeichnungen noch besser ausnützen lassen, wenn mau
sie theilweise nach neuen Gesichtspunkten behandelt, wodurch nicht nur die bereits erwiesenen Gesetze
deutlicher hervortreten, sondern noch andere erkennbar werden.
Die Wanderung des Polarlichtes Ton Osten nach AVesten.
Wenn über ein Nordlicht eine grössere Zahl von Beobachtungen aus verschiedenen Orten, die angenähert
dieselbe geographische Breite haben, vorliegt, so zeigt sich in den Notirungcu der Localzeit ciue gewisse
Übereinstimmung, die so ziemlich die nämliche bleibt, mögen die Orte nun kleinere oder grössere Längen-
differenzen aufweisen. Es liegt dalier nahe, die Frage aufzuwerfen, deren Beantwortung für die Kenntniss
und Erklärung des Polarlichtes von fundamentaler Bedeutung ist: Sind in einem solchen Falle die
Abweichungen in der Ortszeit nur zufällige, etwa wegen der verschiedenen localen Verhältnisse der Atmo-
sphäre, oder besteht eine Beziehung zum Längenunterschied, oder ist gar kein Gesetz nachweisbar? Mit dieser
Frage hat sich zuerst eingehender G.-B. Donati^ beschäftigt, und die Grundlage seiner Untersuchung
bildete das grosse Polarlicht vom 4. zum 5. Februar 1872.
Als Ergebniss folgt die Zusammenstellung:
Zone
Mittlere Länge
der Zone
von Greenw.
Mittel
der Ortszeiten
des Maxim.
Mittel
der Ortszeiten
des Endes
Zahl der
Beobachtung's-
orte
1. Zone (östl.)
2. „ (mittl.)
3. „ (westl.) ....
211 5™Ö.
0 20 „
5 38 W.
s'A*^
8'/2
83/,
1214t'
11'/.
9^4
9
17
13
Donati spricht das hierin erkennbare Gesetz in dem Satze aus:
..Die leuchtenden Phänomene des grossen Polarlichtes, welches in einer sehr grossen Ausdehnung auf
der Erde in der Nacht vom 4. zum 5. Februar 1872 beochachtet wurde, sah man zuerst im Morgen- und dann
im Abendlande; sie zeigten sich an den verschiedenen Punkten der Erde fast zur selben localen Stunde, jedoch
mit einer Tendenz, der genannten Stunde vorzulaufen, sowie sie sich von Osten nach Westen fort-
pflanzten.''
Um zu sehen, ob dieser Satz nur zufälliger Weise für das Nordlicht vom 4. Februar 1872 richtig ist, wie
einige Theoretiker zu glauben scheinen, oder ob und in Avelchem Umfange ihm allgemeine Giltigkeit zuge-
standen werden muss, habeich eineselbstständige Untersuchung ausgeführt, zu welcher Nordlichtbeobachtungen
aus den vereinigten Staaten Amerika 's-' ein geeignetes Material boten, indem sie sich auf ein Gebiet von
grösserer Längenausdehuuug beziehen und Tage mit zahlreichen Zeitnotiruugeu aufweisen.
Die Untersuchung konnte jedoch nur in Bezug auf das Mittel der einzelnen Beobachtungszeiten gemacht
werden, weil das Verzeichniss von Greely entweder nur einen Zeitpunkt, — den man wohl als Maximum oder
1 Das Polarlicht. Leipzig 1881. Die Beziehungen der Sonnenflecken zu den magnetischen und meteorologischen Erschei-
nungen der Erde. Haarlem 1S78. Preisschrift.
2 Sul modo con cui si propagarono i fenomeni luminosi della grande aurora polaie osservata nella notte dal 4 al
5 febbraio 1872. Memorie del B. Osservatorio ad Arcetri. Tomo I. Num. 1.
3 A. W. Greely, Chronological List of Auroras observed from 1870 to l.'<7 9. Professional Papers of the Signal Ser-
vice Nr. 3.
Beiträge zur EiJdärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen.
195
Mittel ansehen muss, — oder Anfang und Ende der Erscheinung angibt. Aus derTabellC; pagv. 23, in Donati's
Abhandlung erkennt man, dass das Mittel der Beobachtungszeit, von welchem selbstverständlich das Maximum
der Häufigkeit abzuleiten ist, gut mit dem Maximum der Intensität übereinstimmt und dass letzteres in vielen
Fällen direct kaum angenähert angegeben werden kann. Rechnet mau in dieser mit den mittleren Beobachtungs-
zeiten, so erhält man als .Schlussresultat: für die erste Zone D"» 22", für die zweite Zone S"" 37'" und iür die
dritte Zone 8'' 25™, also nahezu die nämlichen allgemeinen Mittel, wie sie die Maxima geben.
Die amerikanischen Beobachtungen wurden in zwei Zonen oder Gruppen — östlich und westlich vom
85. Meridian von Greenwich — getheilt; eine dritte Gruppe konnte nicht eingeführt werden, weil Beobachtungen
westlich von 100° fast gänzlich fehlen. Die beiden Gruppen haben einen mittleren Längenunterschied von
ungefähr l*", der wohl genügend ist, um sich bemerkbar zu machen, wenn der geographische Zeitunterschied
überliaupt einen Einfluss auf die Ortszeit des Polarlichtes ausübt. In der folgenden Tabelle sind nun beispiels-
weise die Nordlichtbeobachtungen vom 19. Februar ISTH zusammengestellt.
Staat
Connecticut
Maine
n
Maryland
Massachusetts
n
rt
n
Michigan
n
n
New Hampshire
n
New Jersey
New Yorii
North Carolina
Ohio
0 r t
Ortszeit
Beobachtet
Erste Gruppe, östlich von 85'
Sonthington
Eastport
Standish
Cumberland
Fallston
Üwing's Mills
Woodstock
Fall River
Florida
Springfield
Worcester
Adrian
Alpina
Detroit (W. Oein.)
Dunbarton
Plaistow
Atlantic City
Barnegat
Freehold
Hightstown
Moorestown
Sandy Hook
Vineland
Ardenia
Buffallo
Depauville
Hector
Hudson
Ithica
Kensico
Lockport
Malone
Moriches
North Hainmond
Rochester
Starkey
Wappinger's Falls
Waterburgh
Cape Hattoras
Bethel
Carthagena
Cincinnati
Cleveland
Kentou
Urbana
Westervillo
7h3om _ nach 9i»30"'
10'' — lOhaom
7h
9"
9I'
S'- — lOlilom
9I'
7h _ 9I1
8li30"i — f2^
7h3om_ iQ^x
71100'" — nach 9'>
6i'3U'" — löi^SO""
6I130'" — nach giiiä""
9"
Sl' — Ul'
10l'30'" — 15''
,;li3üm _ 8''30™
7'' — nach lli^
7'' — nach 9^
8h30"> — 9I130™
9h3om _ nach 10''30'"
9h
6h5om — 12''30'"
eU45m
7U _ iQli
7h
9h
ü'' — nach 9''
9''
7h _ X7li
7'^ — nach 10'»
6"
7h-2om — nach 12'»
7I1 _ 8i»30'"
711.20m — nach 7''45"'
()i'45™ — nach 9''
7'UO'" — S"»
7ii_ 9h
()'' — 16''
7'' — 9I'
71130m _ gl»
gü — 14''
7h _ 9h
7'' — nach 9''
Mittel
8l'35"'
10 15
9 —
7 —
9 —
9 —
9 S
9 —
8 —
10 15
8 45
8 15
[9 15]
S 13
9 —
9 —
9 30
11 15]
7 30
9 5
8 5
9 —
10 5
9 —
9 40
6 45
8 30
7 —
9 —
7 35
9 —
[9 30]
8 35
G —
9 45
7 45
7 37
7 58
7 35
8 —
|9 -]
8 —
7 45
[10 30]
8 —
8 5
190
Johann Unterweger.
Staat
0 r t
Ortszeit
Beobachtet
Mittel
Pennsylvania
Ehfule Island
Vermont
West-Virginia
Emporiuin
Elia
Fallsington
Hanover
Oregon
Tarentum
Tioga
Williamsport
York Siilplnir Springs
Newport
West Charlotte
Morgantown
gh — ISi»
S^ — 11''
8i> — lO''
8t
7h35m _ gli
S^ — 9^
7 h f(li
kV'
gl»
Sil _ 111105m
S'' — 8''30"'
Sl'lO™ — 11''
Allgemeines Mittel aus 58 Beobachtungen: /, = S^HV
Wahrscheinlicher Fehler: H- 5-3™
[10-1
9 30
9 —
8 —
7 48
8 30
8 —
10 —
9 —
9 33
8 15
9 35
Summe — 503l'57"'
Dakota
Illinois
Indiana
Jowa
Michigan
Minnesota
Missouri
Nebraska
rt
Wisconsin
Zweite Gruppe, westlich von 85'
Vembina
Belvidere
Friendville
Henepin
Lyndon
Eiley
Sandwich
Somonauk
Lacouia
Rising Sun
Spiceland
Vevay
Alton
Hudson
Independcnce
Montieello
Roekforri
Grand Haven
Grand Rapids
Marquette
Traverse City
Minueapolis
Corning
Clear Creek
Howard
Embarras
Mauitowoc
Rocky Run
Wautoma
Cl'35'" — 7''15"i
6l>45'
7h
■J"
ßhßom — iQh
8 15
gl"
9 —
7I14O™ — 9I13O"
8 85
6 ''45" — 10"°
8 -23
9I'
9 —
C''30"' — nach 9
7 50
8"
8 —
7'' — Sl'SO'"
7 45
gl!
9 —
61145m _ gh
7 53
10''
10 —
7I'
7 —
11''
11 —
11''
11 —
Sil _ lOliSO"'
9 15
Cl.30m _ lel"
9 151
7'' — 15''
g 50j
6'i30"' — nach I2I'
9 20
7I' — nach giiSO'"
8 20
9''30"' — nach 10l'20'"
10 —
7''15 — nach 10''30'''
8 57
71. _ Sil
7 30
7I' — nach 9''
8 5
61'45'n
6 45
7'' — nach 11''
9 5
61145111 — Tagesanbruch
[9 22]
7"
7 —
Allgemeines Mittel aus 29 Beobachtungen: t, = 8''35"'.
Wahrscheinlicher Fehler: + 8-6"
Summe = 249''
Die hier zusammengestellten Beobachfungeu sind — wie fast alle Benbaclitungen in G reely's Catalog —
fast aiisscbliesslich aus den nördlichen Vereinigten .Staaten; der Einttnss der geograpliischen Breite auf die
Ditferenz in der Localzeit ist daher sicher verschwindend klein. Er ist in niederen und mittleren Breiten über-
haupt gering, wie bei Untersuchung der tätlichen Periode gezeigt werden wird. Ebenso kann die Declinatiou
der Sonne keine Ditferenz hervorrufen, weil die Beobachtungen demselben Tage angehören. Gleichwolil
bemerkt man Abweichungen in der Localzeit und sielit sofort, dass dieselben zwischen Orten ^-on geringer
Entfernung ebenso gross sind, als zwischen Orten von bedeutender Entfernung. Es müssen demnach Veriiält-
nisse Einfluss in dieser Beziehung haben, welche sclion in unmittelbarer Nachbarschaft verschieden sein können,
also locale Verhältnisse. Zu diesen gehören ohne Zweifel: Zustände der Atmosphäre, Bodenbeschaffenheit,
Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen.
19'
Verscliiedenheit der Beobachter efc. Au einem Orte sind die Verhältnisse der Luft und des Bodens der Ent-
wicklung des Polarlichtes günstiger als an einem andern. An diesem hindert die Bewölkimg das .Sichtbar-
werden der ErscbeinuDg bei Beginn, an jeuem lässt sie dieselbe nicht bis zu Ende verfolgen. Ein Beobacliter
notirt genau Anfang und Ende, ein anderer nur ein angenähertes Mittel oder Maximum; dieser wird nur durch
bedeutende Erscheinungen angeregt, jener fasst das Licht schärfer auf. Daraus folgt, dass sich aus einzelnen
Beobachtungen kaum eine Regel, geschweige ein Gesetz, erkennen lässt, und dass nur Mittelwerthcn aus einer
grossen Zahl von Beobachtungen Beweiskraft beizulegen ist, weil in solchen die zufälligen., theils positiven
theils negativen Fehler ausgeglichen werden.
Donati musste die vereinzelten Zeitangaben von Shangiiai, Tientsin und Bombay, die nach Mitternacht
fallen, unberücksichtigt lassen, ebenso konnte meine Untersuchung nur in Bezug auf die Abendstunden aus-
geführt werden; für die Morgenstunden wäre eine besondere Untersuchung erwüusclit, wozu aber die Zahl der
vorliegenden Beobachtungen nicht ausreicht. Bei Zeitnotirungen über Mitteruaclit wurde das Mittel nur von
Beginn bis Mitternacht genommen. Dies hat seinen Grund darin, dass — wie bewiesen werden wird — in den
Abendstunden das tägliche llauptinaximum, in den Morgenstunden ein secundäres Maximum und um Mitter-
nacht ein secundäres Minimum stattfindet. Will man dieses Abbrechen mit 12'' gleichwohl nicht a priori als
gerechtfertigt gelten lassen, so kann man die in obiger Tabelle in Parenthese gesetzten wenigen Mittel weg-
lassen und erhält dann aus den übrigen 52, beziehungsweise 26 Beobachtungen die allgemeinen Mittel:
tf = 8'' 33'" und t^ = 8'' 29'". Die Differenz i^ — t^, auf die es hier hauptsächlich ankommt, ist denmach
entweder 6 Minuten oder 4 Minuten, also nahe dieselbe, was auch der Fall ist, wenn man die Beobachtungen
über Mitternacht in ilirer vollen Dauer nimmt, denn dann ergibt sich t^ — t^ ^ 3 Minuten.
Eine solche kleine positive Differenz der Nordlichtzeiten lui einem Längenuuterschiede von einer Stunde
entspricht genau dem von Donati aufgestellten Satze; allein die Ableitung beruht wieder nur auf den
Beobachtungen eines einzelnen Tages, und die Übereinstimmung kann daher möglicherweise eine zufällige
sein. Zum weiteren Beweise müssen möglichst viele Tage ebenso behandelt weiden. Der Catalog enthält
12 Tage mit genügender Beobachtuiigszahl, welche folgende Resultate liefern.
Mit vereinzelten um !•_>'' absebrocheiien BeobachtuDH-eu
D :i t u m
Zahl d. Beob.
I. Gr. II. Gr
Oliue iibu-ekürzte Beobachtuiifj
h-h
Zahl d. Beob.
I. Gr. II. Gr.
17. Januar 1S74
7. März „
April „
Octob. „
Febr. 1S7.5
„ 1S7IJ
März 1877 .
April „ .
Mai „
Jan. 1S7S .
G.
3.
4.
•26.
tu.
9.
14.
-2^
■2S.
■23.
91'
8
8
0
'.)
S
3m
22
50
4
n;
38
27
43
16
27
30
37
9I'
8
8
9
9
s
8
9
9
10
9
9
32""
— 29™
44
23
— 1
17
32
18
17
t>
0
.56
11
32
21
13
22
1.5
29
6
6
30
- 6
-34
1.5
8
27
48
58
20
42
43
7S
31
8
21
11
33
9
25
29
20
11
1.3
;'>i
10
9h 3111
8 22
8 50
S 50
8 48
8 31
8 19
17
9
20
9 29
9 3.5
91132"'
8
23
8
32
8
61
9
3
8
30
8
15
9
0
9
17
9
55
9
15
9
16
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24
11
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8
23
26
15
9
11
34
8
Mittel {tj—f.2) = 1'7"'
— ()■'
Die Differenz /, — t^ ist stets kleiner als der mittlere Längenunterschied und entweder positiv oder
negativ; im Durchschnitte ist .sie nahezu Null, nämlich l-?"' oder — 0-7'" mit einem wahrscheinlichen
Fehler von ± 3-5 "" respective ± 3-2'°, je nachdem man die mit 12'' abgebrochenen Beobachtungen, die
nur vereinzelt vorkommen, einrechnet oder nicht. Demnach ist Donati's Satz nur in seinem ersten Theile,
198
Johann Unterweger.
welcher das Fortschreiten eines grossen Polarlichtes von Ost luioh West ausspricht, allgemein richtig; der
zweite Theil, der eine Tendenz in der Loealzeit vorzulaufen behauptet, muss etwas geändert werden.
Diese Tendenz ist im grossen Durchschnitte gar nicht vorhanden, indem sich das
Polarlicht im Allgemeinen wie eine Erscheinung verhält, die an der Dotation der Erde nicht
theilnimmt; in besonderen Fällen lauft das Polarlicht, während es sich gegen Westen
fortpflanzt, in der Ortszeit etwas vor oder bleibt etwas zurück.
In vorstehender Zusammenstellung wurden mir Nordlichter von grösserer Ausdehnung und Dauer
berücksichtigt. Man kann nun die Frage aufwerfen: Ist eine Abhängigkeit der Ortszeit des Polarlichtes von
der geographischen Länge bei kleineren Erscheinungen nachweisbar?
Zur Beantwortung dieser Frage kann man nicht Mittel aus den Beobachtungen einzelner Tage nehmen,
weil solche Beobachtungen wegen der geringen Ausdehnung der Erscheinung nur in beschränkter Zahl
vorliegen können. Da sich indessen die Ortszeit des Polarlichtes, wie gezeigt werden wird, in niederen und
mittleren Breiten mit der Declinafion der Sonne nur wenig ändert, so ist es, um brauchbare Mittel zu erhalten,
ohne Zweifel zulässig, die Beobachtungen mehrerer aufeinander folgender Tage zusammenzuziehen. Auf diese
Weise geben andere Beobachtungen aus den Vereinigten Staaten folgendes Resultat.
Mit einigeu Beobachtungeu, abgebi-ochen um 12'>
Ohne Beobachtung, abgebrochen uvn 121^
D a t u m
U
t,-tn
Zahl d. Beob.
I. Gr. II. G
t,-to
Zahl d. Beob.
I. Gr. ü. Gr
10. bis 16. Januar 1S74
1., 3., 4., 5. April „
9. bis 16. Juli „
10., 11., 12. Sept. „
12. bis 15. Octob. „
28. Febr., 1., 2. März 1875 . . . .
6., 7., 8. April 1875
16., 17., 18. Februar 1S7G . . . .
24. bis 30. März 1876
22. bis 27. Sept. „
5. bis 9. April 1877
19., 20., 22. April 187U
7., 8., 9., 12., 15., 17., 18. Juni 1829 .
9. bis 13., 15., 18. bis 21. Sept. 1879
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9 20 9 3
10 29 10 27
9 26 9 27
9 33 9 35
9 21 9 —
9 27 9 54
9 52 10 2
10 7 9 35
9 48 10 2
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18
10
24
19
16
11
13
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12
12
19
8
14
23
13
5
6
9
6
Mittel (<i— «2) = S-S"
Wie man sieht, sind die Differenzen t^ — f^ in der Regel nur in solchen Fällen erheblicher, wo die ihnen zu
Grunde liegenden Mittel /, und f^ aus verhältnissmässig wenigen Beobachtungen berechnet werden mussten,
also nicht viel Verlässlichkeit beanspruchen können; nichtsdestoweniger erscheinen die Differenzen ebenfalls
theils positiv theils negativ, und ihr durchschnittlicher Wertli ist beinahe Null. Hieraus folgt der Satz:
Kleinere Polarlichter, bei welchen wegen der kurzen Dauer ein Fortschreiten von Ost
nach West kaum merklich ist, entwickeln sich an Orten von verschiedener Länge unter
sonst gleichen Umständen zur selben localen Stunde.
Wegen dieser Übereinstimmung mit dem Gesetze grosser Erscheinungen ist es zulässig, aus den Resultaten
beider obiger Tabellen ein totales Mittel für die Differenz t^ — f^ zu nehmen. Hiefür ergibt sich der ver-
schwindend kleine Werth 1 Minute oder 1-2 Minuten.
Wenn von kleinen Abweichungen abgeselien wird, kann man nun das Ergebniss dieser Untersuchung kurz
in den Satz zusammenfassen:
Die Local/.eit des Polarlichtes ist von der geograjihis eben Länge des Beobachtungsortes
unabhängig.
Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen.
199
Die tägliche Periode des Polarlichtes.
Vor der eigentlichen Darstellung der tägliclien Periode müssen die allgemeinen Grundsätze erörtert
werden, nach welchen bei der betreffenden Untersucliung vorgegangen wurde.
Wenn man gi'össere Verzeiclaiisse von Ueoliachtnngen durchsieht, so tallt zunäclist auf, dass die meisti'n
Notirungen von örtlichen Stunden, zu welchen das Polnrlicht erscheint, in die Abendzeit und zahlreiche
Notirungen in die Morgenzeit fallen, während Mitternacht verhältnissmässig wenig und die Mittagsstunde
fast gar nicht vertreten sind.
Desshalb ist es wahrscheinlich, dass ein doppeltes tägliches Sfaxinium und Minimum der Häufigkeit und
Intensität besteht. Hierauf macht auch H. Fritz aufmerksam, glaubt jedoch, dasselbe nur für eine Zone nahe
dem Nordlichtgürtel annehmen zu sollen und begründet diese Ansicht durch Beobachtungen von Toronto
und bei Lake Athabasca nach Lefroy und Richardson. Die Frage, ob das doppelte Maximum wirklich
nur in einer solclieu Zone oder auch in nnttleren und niederen Breiten besteht, muss zuerst beantwortet
werden, weil deren Beantwortung eine Grundlage der ganzen folgenden Untersuchung bildet.
.Abgesehen davon, dass ein kleines Gebiet theoretisch nachweisbar ist, wo das Maximum zu jeder Stiimle
eintreffen kann, unterhegt es wohl keinem Zweifel, dass das tägliche Hauptminimuin im Allgemeinen in die
Mittagszeit fällt, was von mehreren Gelehrten sogar für die Wintermitte und hoiie Breiten nachgewiesen
wurde. Zweifelhaft ist es aber, ob um Mitternacht ein secundäres Minimum stattfindet. Um hierüber ein
Urflieil zu gewinnen, habe ich die catalogisirten Beobachtungen in vier Gruppen eingetheilt, nämlich in
Beobachtungen vor Mitternacht, um Mitternacht, nach Mitternacht und über Mitternacht, und dann eine
Zählung vorgenommen, deren Resultate hiemit folgen.
Gebiet
Zeit
Zaiil der Beobachtungen
vor
Mitter-
nacht
um
Mitter-
naelit
nach
Mitter-
nacht
über
.Mitter
uaclit
Rubenson-
Force'
Greely
Capron-'
Letroys and Richardson
n
Fritz
Hohe Breiten
Europa^ von 55° bis Polarkreis
Europas von 46° — .")5°
Europas südl. 46°
Schweden
Amerilia von 42° — 79°
Nördliche Ver. Staaten
Floel)crg-Beach aud Discov. Bay
Toronto
Ijitke Athabasca
SUdl. Hemisph. (Südlicht)
1701—1872 (vereinzelt)
1701— 1.S72
1720— 1.S77
isdil — 1850 (vereinzelt)
Aug-iist 1873 bis Dec. 1S79
Oct. 1875 bis Febr. 1876
.Jan. 1840 bis .Juui 1848
n
1773—1872 (vereinzelt)
115
432
618
44
9317
8
12
16
80
164
37
2582
32
30
3
283
96
51
23
61
5
174
54
91
14
263
58
161
16
197
79
30
153
37
45
3
287
337
21
Für das Südlicht liegen fast nur Notirungen aus mittleren Breiten — nämlich aus Süd-Australien — vor.
In obiger Zusammenstellung sind das secuudäre Mitternachtminimum und das Abend- und Morgenmaximum
in niederen und mittleren Breiten deutlich ausgesprochen sowohl beim Nord- als auch beim SUdlicht, denn
man kann in den Abtheilungeu für diese Breiten die Zahl der Beobachtungen „über Mitternacht" aus-
1 Verzeichniss beobachteter Polarlichter. Gedruckt auf Kosten der kais. Akad. d. Wisaensch., Wien 1873.
2 Catalogue des aurores boreales observ6es en Suöde. Abhandlungen der königl. schwedischen Akademie. Bd. 15, Nr. 5
und Bd. 18, Nr. 1. Stockholm 1879.
■■' Record of Auroral Phenomena observed in the Higher Northern Latitudes. Anhang zu Deuisou Olmsted's: On tlie
Kecent Secular Period of the Aurora Borealis. Sinithouian Contribiitions to Knowledge. Wasliiugtlion 1856.
4 Aurorae etc. S. 187.
s H.Fritz, Das Polarlicht. Seite 108.
" Mit einigen Beobachtungen aus Asien und Nordafrica.
200 Johann Unterweger.
schliesslich den Beobachfuugcn „um Mitternacht" beizählen, und es zeigt sich uocli immer ein Überwiegen
der Erscheinungen vor und nach Mitternacht.
Das Abendmaximuni ist in der Regel stärker ausgeprägt als das Morgenmaximum ; uiiv das westliche
Amerika — Lake Athabasca und hohe Breiten (meist Point Barrow) — macht eine Ausnahme, indem dort
die Aufzeichnungen der Morgenstunden zahlreicher sind.
Weniger deutlich ist das sccundäre Minimum in den uördiicheu Vereinigten Staaten, in Sciiweden und
hohen Breiten zu erkennen, für welche Gebiete sich eine verhältnissmässig bedeutende Zahl von solchen Nord-
lichtern herausstellt, die in den Abendstunden beginnen und ohne Unterbrechung über Mitternacht manchmal
bis in den späten Morgen fortdauern. Wo bei derartigen Erscheinungen iuRubenson's Catalog eine nähere
Beschreibung gegeben wird, ist öfters ein Maximum vor 12'', manchmal auch nach 12'' angedeutet. Die einzelnen
Zeitnotirungen im Verzeichniss von Fritz sind, wenn sie niedere oder mittlere Breiten und einen gewissen Tag
und Ort betreffen, in der Regel entweder Abend oderMorgenstunden und wenn sie hiSheren Breiten angehören
Abend- und Morgenstunden. Daher ist es natiirlicli, dass die Erscheinung wegen der mit der geographischen
Breite bis zum Nordlichtgürtel zunehmenden Intensität nahe und unter demselben um Mitternacht seltener eine
Unterbrechung erleidet. In solchen Gebieten lassen sich also die beiden Maxima nicht mehr deutlich von
einander unterscheiden, oder es wird das Morgenmaximum durch das stärker ausgeprägte Abenduiaximum
verdeckt, ja es können sogar mehrere Maxima auftreten. Dass Derartiges in Amerika schon in den nördlichen
Vereinigten Staaten bemerkbar ist, erklärt sich aus der Lage des Nordlichtgürtels, der sich dort bekanntlicli
weiter nach Süden liinabzieht als in Europa. Südlich von Franz Josefs-Land besteht nach Weyp recht nur
ein einfaches Maximum vor Mitternacht. Es ist jedoch zu bedenken, dass, weil das eigentliche Nordlicht-
jonrnal der österr.-ungar. avctischen Expedition leider an Bord des „Tegetthotf" zurückbleiben musste, in
Weyprecht's Denkschrift zur Angabe der Localzeit nur uacli dem meteorologischen Journal bemerkt wird,
ob innerhalb der zweistündigen Wachen Nordlicht sichtbar war oder nicht. Das Verhalten der Mittevnachts-
stimde kann also kaum deutlich hervortreten. Übrigens zeigen die Beobachtungen von Floeberg Beach und
Discovery Bay, dass wenigstens um die Wiutermitte das secundäre Minimum auch in einer Breite von 82',j°
vorkommen kann.
Es entspricht demnach der Wahrheit am besten, wenn man in obiger Tabelle die Beobachtungen „über
Mitternacht'' sowohl als Beobachtungen vor 12'' als auch um 12'' und nach 12'^ zählt. Dann stellt sich aber
für alle Gebiete ein unzweifelhaftes Minimum für Mitternacht heraus. Dass in hohen Breiten — jedoch nirgends
das ganze Jahr — Maxima um Mitternacht auftreten, kann hieran nicht viel ändern. Als erster Grundsatz
soll also festgehalten werden, dass die Beobachtungen als Abend- (0'' — 12") und als Morgenbeobachtungen
(^12'' — 24") getrennt zu behandeln sind.
Man erkennt aus obiger Tabelle, dass die geographische Breite auf die tägliche Periode des Polarlichtes
Einfluss hat und bemerkt bei Durchsiclit grösserer Verzeichnisse eine gewisse Ungleichheit dieser Periode
in verschiedenen Jahreszeiten. Daraus folgt der zweite Grundsatz: Die Beobachtungen sind nach Breitenzonen
und Jahreszeiten zu untersciieiden.
Die Polarlichter treten fast ausschliesslicli in der nächtlichen Dunkelheit auf, denn es finden sich nur
wenige verzeichnet, die in der Tageshelle beobachtet wurden. Die österreichische Expedition hat übrigens
keinen einzigen derartigen Fall constatirt.
Mau kann einerseits behaupten, dass die Erscheinung nur desshalb bei Tag selten ist, weil das Sonnen-
licht — wie im geringen Grade auch das Mondlicht — das Sichtbarwerden derselben hindert; andererseits
sprechen gewichtigte Gründe dafür, dass sie bei Tag in der Regel überhaupt nicht entstehen kann. Diese sind
die folgenden.
Wie Fritz gezeigt hat, ents[)richt jedem grösseren Südlicht auch ein Nordlicht, womit die Gleichheit der
jährlichen Periode der zwei Evsrheinungen zusammenhängt. Beide sind im Allgemeinen im Sommer seltener
als im Winter. Wäre das Nordlicht durch den langen Sommertag der uördiicheu E'-dhälfte bloss in der Sicht-
barkeit beeinträchtigt, so müsste sich für das Südlicht die umgekelirte Jahresperiode herausstellen. Die
Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen. 201
Beobachtungen, welche in neuerer Zeit in Bezug auf die tägliche Periode der Luftelektricität gemacht worden
sind, stimmen gut mit der Periode des Polarlichtes. Endlich zeigt sich auch in der langen Polarnacht die
periodische Schwankung während 24 Stunden.
Wegen dieser Thatsachen ist es niciit gerechtfertigt, die Beeinträchtigung derPolarlichtbeobaciitungen durch
die Tageshelle als gross anzunehmen und sie etwa der Tagesläuge proportional zu setzen; gleichwohl sind
die Tagesbeobachtungen ohne Zweifel in zu geringer Zahl verzeichnet, und bei Berechnung der Mittel ( Masima)
finden die Beobachtungen aus der Zeit gegen Mitternacht nicht die nöthige Correetion durch Notirungen aus
der Zeit gegen Mittag, wesshnlb dieMaxima etwas gegen 12'' verschoben erscheinenmüssen. Einediesbe/Aigliche
Correetion, die Anspruch auf Wahrscheinlichkeit machen kann, lässt sich jetzt nicht geben, wird aber im
theoretischen Theile vorkommen.
Eine Schwierigkeit für die Untersuchung der Periodicität bieten auch die wechselnde Bewi3lkang und
die andern localen Verhältnisse, welche zufällige Beobachtungsfehler verursachen. An eine direete Correetion
wegen der Bewölkung könnte nur gedacht werden, wenn bei jeder Beobachtung zugleich die Bewölkungs-
verhältnisse genau angegeben wären. Sowie jedoch das Beobachtungsniaterial vorliegt, mnss man den Einfluss
der Bewölkung wohl zn den zufälligen Beobachtungsfehlern rechnen, welchen am besten durch möglichst
viele, sich gegenseitig corri?:irende Aufzeichnungen begegnet wird. Dies ist der dritte Grundsatz.
Aus diesem Grunde ist es auch nicht möglich — oder es hätte nur sehr zweifelhaften Werth — Kelativ-
zahlen der Häufigkeit von Stunde zu Stunde aufzustellen, sondern man nmss sieb begnügen, Mittel für die
Abend- und Morgenbeobachtungen anzugeben, welche vom Maximum der Intensität nicht viel abweichen
können und nach dem ersten Grundsatze der Wahrheit jedenfalls näher kommen, als ein einziges Mittel für
alle Beobachtungen innerhalb 24 Stunden. Dass, um für ein Gebiet möglichst viele Notirungen zu gewinnen,
der Längenunterschied nicht zu lieacliten ist, versteht sich nach dem eingangs begründeten (Donati'scheu)
Satze von selbst.
Für meine, auf S. 202 und 203 folgenden tabellarischen Zusammenstellungen wurde die in den Cata-
logen angegebene mittlere Ortszeit auf wahre Ortszeit reducirt, und die Jahrestheile (Monatshälften) sind
vom Solstitium aus genommen, um die Mittel, welche gleicher Declination der Sonne entsprechen, später
zusammenziehen und mit theoretischen Werthen vergleichen zu können.
Zur Berechnung der ersten Tabelle sind beim Abendmaximum in Schweden nur die Zeitangaben von
grossen Erscheinungen benützt worden, bei denen in Rüben son'sCatalog Bemerkungen stehen wie: „Krone",
„über den ganzen Himmel", „überall", „sehr gross" etc. Solche Angaben kommen, wenn sie überhaupt gegeben
werden, in Schweden Abends und Morgens nur einmal vor und deuten daher ohne Zweifel das Maximum der
Intensität an. Desshalb glaubte ich mit Weglassung der übrigen, meist kleinen und unsicheren Erscheinungen
der Wahrheit besser entsprechende Mittel zu erhalten. Für die Zeit nach 12'' liegen jedoch auch für Schweden
zu wenig Aufzeichnungen grosser Nordlichter vor und mnssteu demnach alle in Eechnung gezogen werden.
Um indessen zu sehen, inwiefern die Mittel von den obigen abweichen, habe ich gelegentlich der Zählung für
die Jahresperiode auch eine Berechnung des Abendmaximunis aus allen Zeitangaben ausgeführt und die
Resultate in der zweiten Tabelle anf Seite 202 zusammengestellt.
Man sieht, dass die Abweichung wenig bedeutet und meistens in einer kleinen Verschiebung gegen
Mitternacht besteht, wie zu vermuthen war.
Einige Plätze in den Tabellen auf den zwei folgenden Seiten sind leer geblieben, entweder weil für die-
selben zufällig keine Aufzeichnungen vorliegen, oder weil überhaupt keine gemacht werden konnten. Man
erkennt sofort eine gewisse Gesetzmässigkeit, die sich nur dort weniger deutlich ausspricht, wo die Mittel
wegen einer kleineren Zahl von Beobachtungen unsicher sind, nämlich in Nordschwedeu und im Allgemeinen
nach 12''.
DenkEChriften der matheni.-naturw. Gl. L. Bd. Abhandlungen vouNichtmitgliedern
202
Johann Untertoeger.
für das Maximum vor Mitternacht.
Wahre Ortszeit
Jjihrestheile
22. Dec.
7. Jan. -
22. Jan.
6. Febr.
21. Febr.
7. März -
22. März
7. April
22. April
7. Mai —
22. Mai -
7. Juni -
22. Juni
7. Juli —
22. Juli -
7. Aug. -
22. Aug.
7. Sept.
22. Sept.
7. Oct. -
22. Oct.
7. Nov. -
22. Nov.
7. Dec. -
— 6. Jan.
— 21. Jan. .
— -,. Febr.
— 20. Febr.
— 6. März
— -21. März
— H. April
— 21. April
— (j. Mai
21. Mai .
— 0. Juni
-21. Juni
— fi. .luli
-21. Juli .
— 0. Aug.
— 21. Aug.
— G. Sept.
— 21. Sept.
— (1. Oct.
-21. Oct.
— (j. Nov.
-21. Nov.
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— 21. Dec.
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—55°
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9 49
9 15
1 Ans vereinzelten Beobachtungen im Süden vom Zenith.
Wahre Ortszeit des Abendmaximums in Schweden.
(Mittel aus allen Aufzeichnungen.)
Monatshälften
Breiten ZG nen
70°— 05°
05°- 611/3°
611/2°— 581/2°
5SlA''-55°
Januar
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Februar
0.
1.
7^
März
1.
April
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Mai
0
1.
1.
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Juni
2.
1.
Juli
2
1.
August
0
1.
n
Septembei
October
1.
2.
1.
n
November
2.
1.
December
1.
1. Hälfte
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8
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9
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10 8
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9 9
9 9
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9 6
8 54
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8
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9
48
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9
28
9
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8
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9
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41
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10
4
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9
35
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10
9
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0
9
1
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9 0
8 55
9 3
9 20
9 31
9 45
10 2
10 16
10 23
10 31
11 28
10 34
9 58
9 53
9 50
9 46
9 34
23
33
22
ÖS
9
Beiträge zur Erldärmig der lostnisch-ferrestrischen Erscheinungen.
2()ä
im Mittel
für d.ns Maximum nach Mittemacht.
Z 0 n
Südlich
von
Frauz-Josefs-
Laiul
Schweden
70°
-65°
65°--61°30'
61°30'-
ös-ao'
58°30 — 55°
Nord-
Schweden
Süd-
Schweden
Nördliche
Verein.
Staaten
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17 3->
14 0
l-l 17
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13 15
14 19
14 13
14 50
16 18
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14 33
14 40
Der Eiufliiss der gcograpliisclien Breite und der Jahreszeit tritt gegen den Äquator zurück; desshalb ist
es zulässig, in mittleren und niederen Breiten Mittel für grössere Zonen und Jalirestheile zu nehmen. Nach
Fritz' Verzeichuiss, in welcliem Stundennotirungen nur sporadisch vorkommen, erhält mau noch folgende
Mittel, denen in besonderen Columnen auch die Maxima des Südlichtes — ebenfalls nach (vereinzelten) Beob-
achtungen aus mittleren Breiten — beigefügt sind.
.lahreszeiten
Wahre Ortszeit des Max. vor 12^
Nördl. Hemisphäre
Alte Welt
55°— 46°
Alte Welt
südlich
von 46°
SUdl. Hemisphäre
Südaiistralien
—40° (Mittel)
— 64°18'
(Mittel)
Nach 12''
Nördl. Hemigpäre
Alte Welt
55°— 46°
Alte Welt
südlich
von 46°
Südl.
Hemisphäre
Südaustralieu
— 4o°( Mittel)
Winter .
Frühling
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15 46
13 54
I3 41
Die Gesetze der täglichen Periode des Polarlichtes, wie sie sich nach all' diesen TJntersuchungen lierans-
stellen, lassen sich nun wie folgt aussprechen:
1. Es bestehen im Allgemeinen zwei tägliche Maxima, ein Haiiptmaximum vor und ein
secundäres Maximum nach Mitternacht.
ä04
Johann Unterweg er.
2. Den beiden Maximis stehen zwei Minima gegenüber, ein Hauptmi nimuiii um Mitlag
lind ein secnndäres Minimum um Mitternacht.
3. Die Ortszeit der Maxima ist in ähnlicher Weise mit der geographischen Breite und
der Jahreszeit veränderlich wie die Ortszeit des Sonnen- Auf- und Unterganges.
4. In der Winterhälfte entfernen sieh die Maxima mit zune hmender Breite von Mitter-
nacht. (Ihr Verhalten um den Nordpol kann jedoch nur theoretisch erörtert werden.)
5. In der Sommerhälfte nähern sich die Maxima mit zunehmender Breite und vereinigen
sich in einer gewissen, veränderlichen Zone zu einem einzigen Maximum nahe um Mitter-
nacht.
6. Diese Zone ist der Nordlichtgürtel. Nördlich davon ist das Nordlicht nur kurze Zeit
und in südlicher Richtung sichtbar.
7. Soweit die wenigen Beobachtungen ein Urtlieil gestatten, dürften für das SUdlicht
analoge Verhältnisse, jedoch mit vertauschten Jahreshälften bestehen.
Die jährliche Periode des Polarlichtes.
Wie bekannt, haben nielirere Forsclier behufs Untersuchung der jährlichen Periode die Nord- und Süd-
lichttage, welche durch eine Reihe von Jahren auf die einzelnen Monate entfielen, gezählt und hiebci entweder
einzelne Orte oder grössere Beobaclitungsgebiete ins Auge gefasst. Ks hat sich herausgestellt, dass die
Erscheinung in niederen, mittleren und theilweise noch in höheren Breiten ungefähr um die Aquinoctien und
in hohen Breiten um die ^^'intermitte mit grösserer Häufigkeit auftritt, und dass diesen Maximis einerseits
zwei Minima um die Solstitien andererseits nur ein Minimum um die Sommermitte gegenüber stehen.
N 0
r d 1 c h t-
Monatshälften
Gruppe I
Gruppe 11
Gruppe III
Gruppe IV
Alte Welt südlich 46°
46°— 55°
55° — Polarkreis
Amerika südlich 6o°
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7-67
287
10-43
182
6-61
Beiträge zur ErJdäriing der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen.
205
Uin zu sehen, ob ausser der täglichen Periode nicht noch eine andere bestehe, die der jährlichen unter-
geordnet ist, und ob sich die Abhängigkeit der jährlichen Periode von der geographischen Breite nicht besser
erkennen lasse, wenn man Summen für kleinere Zeiträume als Monate biklet, habe ich eine eigene Zäldung
nach Monntsliälften ausgeführt und dabei die Zonen- oder Gruppeneintlieilnng der Cataloge von Fritz und
Rubensou' beibehalten. Wegen Ungleichheit der Mouatshälften — die erste vom 1. bis 15. und im Februar
vom 1. bis 14. — wurden die Summen nach der allgemein üblichen slatistischen Methode auch in Percente
der Gesamrattagzahlen umgerechnet.
Während in der Tabelle Seite 12 und 13 bei den Columnen, welche mit I— IV und I— V überschrieben
sind, ein Nordlichttag nur einfach gezählt wurde, wenn er auch in mehreren einzelnen Gruppen I, II, 111 etc.
verzeichnet erscheint, habe ich, um auch die Ausdehnung der Erscheinung einigermassen zu berücksiclitigen,
in einer besonderen Tabelle (Seite 14 unten) einen Nordlichttag ein-, zwei-, dreifach etc. gezählt, je nachdem
er einer, zwei, drei ete. Zonen angehört. Einer Erscheinung schon desshalb höheres Gewicht beizulegen, weil
sie in niederen Breiten beobachtet wurde, halte icli für eine nicht immer gerechtfertigte Annahme.
Zweifelhafte Aufzeichnungen, soweit sie als solche in den Catalogen irgendwie kenntlich gemacht sind,
wurden nicht berücksichtigt. Ich hätte noch einige Columnen anbringen können; es war jedoch nicht zu
erwarten, dass aus denselben etwas wesentlich Neues erkannt werden würde, weil die Gesetze der jährliehen
Periode bereits aus diesen unzweifelhaft hervorgehen.
Aus den Gründen, welche schon gelegentlich der täglichen Periode angegeben worden sind, glaube ich,
ist auch hier von einer Correction wegen der Tagesläiige al)zuselien, insbesondere, weil sich beim Südlicht,
übschon von demselben nur wenige Beobachtungen vorliegen, dasselbe Gesetz herausstellt wie beim Nordlicht,
sowohl in Betreff der allgemeinen als auch einer kleineren, untergeordneten Periode.
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a g e 1701—1871
Südlichttage 1730—1871
Gruppe V
Hohe Breiten
Gruppe- I— IV
Nördl. Henii8])h. ohne
hohe Breiten
Gruppe I— V
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Südliche Hemisphäre
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Monatshälften
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2 (I-H)
Alte Welt, niedere und
mittlere Breiten
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Alte Welt, ohne hohe
Breiten
7o
2 (I— IV)
Nördliche Hemisphäre,
ohne hohe Breiten
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Nördliche Hemisphäre
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10-35
13-52
10-93
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4-38
3-49
4-03
4-22
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9-19
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471
523
515
664
632
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631
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702
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20-85
14-03
11-67
9-77
13-10
13-34
18-72
26-68
36-51
43-45
41-51
43-93
38-99
35-74
34-61
33-65
Beiträge zur Erklär unfj der hosmisch-terrestrischen Erscheinungen. 20 7
Was den Einfliiss der F.cwölkuug auf die jährliche Periode anbelangt, ist insbesondere Weyprccht's
AhlKUidlung- lehrreich. In derselben wird niicli eine Untersuchung der genannten Periode für das Gebiet südlich
von Frnn/ Josefs Land mit und ohne Berücksichtigung der Piewölkung ausgeführt, und Weyprecht kommt
zu folgendem Schlüsse:
„Die vorliegenden Beobachtungen ergeben also, wie immer man sie boliandelt, ob man die Bewölk ii ng
in lieciinung zieht oder niclit und auf welche Art dies auch geschieht, dass in den dem Winter-
solstitiiim näher liegenden Monaten die Nordlichter häufiger sind, als in den den Äquinoctien näher
liegenden".
Diese Verschiebung der Jahresmaxima gegen die Wintennitte — die sogenannte Anomalie holier
Breiten — ist aucli iu meiner Untersueltung für Nordsehweden und Indie Breiten (V) deutlich zu erkennen-
insbesondere zeigen die schwedischen Frühjalirsbeobachtungen, dass diese Verschiebun"- mit der Breite
— ungefähr von Mittclschwcden an — regelmässig zunimmt.
Die Beeinträchtigung der Sichtbarkeit des Polarlichtes durch die Bewölkung ist im Allgemeinen nicht zu
bezweifeln; Weyprecht findet aber auch: „dass die Wolken doch in einem gewissen Zusammenhange mit
den Nordlichtern stehen, und zwar würde es erscheinen, als begünstige die Bewölkung die Ent wieklun»-
der Nordlichter". Nach der unten folgenden Theorie lässtsich das auch erklären. In den Nordlichterverzeich-
nissen werden einerseits Fälle angegeben, wo sogar in hohen Breiten bei heiterem Himmel ganze Nächte
hindurch kein Nordlicht gesehen wurde, andererseits auch Fälle, wo dasselbe sichtbar war trotz der
Bewölkung, sei es, weil die Wolken nicht den ganzen Himmel verdeckten, oder sei es, weil die Erscheinung
sehr intensiv auftrat.
Weil nach all' dem die Bewölkung nicht als ein bedeutendes Hinderniss für die Sichtbarkeit des Polar-
liclites betrachtet werden kann, weil ferner die jährliche Periode aus den unmittelbaren Beobachtungen
bestimmt hervorgeht und die Bewölkung keine derartige, überhaupt keine so ausgesprochene Periode befolgt:
so ist aus der Anbringung einer Correction nach Bewölkuugsmitteln, die noch dazu ihrer Natur gemäss öfters
sehr zweifelhaft sind, keine Verbesserung zu erwarten.
Übrigens wird, meines Eraehtens, der Einfluss der Bewölkung am besten beseitigt, wenn man sich bei
Untersuchung der jährlichen Periode nicht auf einzelne Orte und Jahre beschränkt, — wobei die Bewölkung
das Resultat zufälliger Weise bedeutend unsicher machen kann — sondern wenn man dieselbe auf grosse
Gebiete und viele Jahre ausdehnt, wie es oben geschehen ist. Wenn nun auch ein Nordlichttag an vielen
Orten wegen trUlier Witterung nicht verzeichnet ist, so ist doch kaum anzunehmen, dass er nicht irgendwo
in demselben Gebiete für wenige Minuten sich bemerkbar machte und notirt wurde. Monate, die in einem
Jahre stark bewölkt waren, sind es in einem andern weniger. Kurz, die Fehler müssen sich insoweit aus-
gleichen, dass die Summen für ein und dasselbe Gebiet ziemlich gleichmässig zu klein ausfallen, — was ohne-
hin mehr oder weniger auch aus anderen Ursachen, wie ungünstige Lage des Gebietes, Mangel an
Beobachtern etc. eintrifft — jedoch untereinander gut vergleichbar werden und in ihrer relativen Grösse im
Wesentlichen der Periode des Polarlichtes entsprechen. Weniger zulässig ist die Vergleichung der Summen,
die in obigen Tabellen nebeneinander stehen, also verschiedenen Gebieten angehören. Eine Vergleichung
dieser Gebiete ist aber auch nur in Bezug auf das allgemeine Jahresresultat nöthig.
Die Maxima wurden in den Tabellen durch grössere Zitfern hervorgehoben. Wenn man von kleineren
Schwankungen einstweilen absieht, lassen sich für das Nordlicht folgende Sätze aussprechen.
1. Die jährliche Periode hat — hohe Breiten ausgenommen — zwei Maxima ungefähr
um die Tag- und N a c h t gl e i c h e n.
2. In hohen Breiten vereinigen sich die beiden Maxima zu einem einzigen um die Winter-
mitte.
3. In niederen Breiten sind die Maxima weniger deutlich ausgesprochen; sie treten mit
zunehmender Breite besser hervor und eine allmälige Verschiebung gegen die Wintermitte
zeigt sich erst in höheren Breiten.
208
J oh an 71 Unter wege r.
4. In Amerika, südlich von 60°, besteht dagegen eine kleine Verschiebung der Maxima
gegen die Sommermitte.
6. Das Hauptminimum fällt in allen Breiten auf das Sommersolstitium und das secun-
däre Minimum, welches in hohen Breiten verschwindet, auf das Wintersolstitium.
7. Soweit die wenigen Beobachtungen einen Schluss erlauben, befolgt das Südlicht trotz
der entgegengesetzten Jahreszeiten der beiden Erdhälften dieselben Gesetze.
Die siebenuudzwanzig ein halbtägige Periode des Polarlichtes.
Nach obigen Tabellen scheinen sich die Jahre-;raaxinia um die Aquinoctien in je zwei getrennten Maximis
mit einem Zeitabstande von ungefähr einem Monate geltend zu machen. Dies zeigt sich sowohl beim Nord- als
auch beim Südlicht und bei ersterem in allen Breiten, wenn man einfache und deutlicher noch, wenn man
corrigirte Summen nimmt.
Um zu sehen, ob diese Schwankungen nicht mit einer Periode von einigen Tagen zusammenhängen, und
zugleich die Dauer einer solchen, möglicherweise bestehenden Periode besser beurtheilen zu können — der
Zeitabstand ein Monat ist tlieihveise nur der Untersucliung nach Monatshälften zuzuschreiben — habe ich auf
Grund des Ver/-eichnisses von Fritz noch eine besondere Zählung nach einzelnen Tagen beispielsweise für
das Gebiet I — IV ohne Eücksicht auf die Ausdehnung des Nordlichtes und für das Gebiet I — III mit derselben
Correction wegen der Ausdehnung wie oben vorgenommen. Um die zufälligen Unregelmässigkeiten einiger-
massen auszugleichen und eine bessere Übersicht zu erhalten, wurden auch fünftägige Mittel, und zwar für
jeden Tag aus der Summe dieses Tages und den Summen der zwei vorhergehenden und der zwei folgenden
Tage, berechnet. Tafel I gibt eine graphische Darstellung der Mittel und folgende Tabelle das Zahlen-
resultat. Die Schalttage wurden zum 28. Februar gezählt und die Summe verhältnissmässig reducirt.
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13-6
Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen.
209
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12.
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45
16-
Denkschriften der malhem.-Daturw. Cl. L.Bd. Abhandlungen von Nichtmitgliedern.
bb
210
Johann Unterioeger .
T a g
25. October
26.
27.
28.
29.
30.
31.
1. Noveiüber
2.
3-
4.
5.
6.
7.
8.
9.
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31-4
Von anderen derartigen Zäblungen wurde abgesehen, weil bereits aus diesen unzweifelhaft zu Piitnohnien
ist, was die Doppelmaxima um die Äquinoctien sagen wollen, und weitere Ergebnisse nicht zu erwarten sind.
Man erkennt, insbesondere aus };: (I— III\ eine Periode von etwas kürzerer Dauer als ein Monat, die durch
das ganze Jahr besteht, jedoch mit veränderlicher Amplitude auftritt. Für die Dauer derselben findet man als
Mittel der deutlicher ausgesprochenen Zeitabstände derMaxinia 27-4 Tage. Fritz findet hiefür aus einzelnen
grossen Nordlichtern 27-68 Tage. Demnach dürften rund 21^^ Tage anzunehmen sein. Eine genauere Bestim-
mungwäre illusorisch, weil diese Periode offenbar kein aliquoter Theil des tropischen Jahres ist, zu diesem
nicht einmal in einem rationalen Verhältnisse steht und daher die einzelnen Maxima in verschiedenen Jahren
kaum angenähert auf dieselben Tage fallen können. Das Ergebniss lässt sich in fol-endeu Sätzen aussprechen:
1. Das Polarlicht befolgt ausser andern eine Periode von ungefähr 27'/2 Tagen.
2. Die Maxima und Minima dieser Periode sind um die Tag- und Nachtgleichen am besten
ausgeprägt.
3. Dieselben sind um die Wintermitte weniger deutlich und um die Somniermitte fast gar
nicht erkennbar.
II. Zur Theorie des Polarlichtes.
Der erste Hauptsatz: Vom Ursprung der Luftelektricität.
Zahlreiche Thatsaclien, die in Bezug auf das Polarliclit feststehen, insbesondere seine Beziehungen zum
Erdmagnetismus und zur atmosphärischen Elektricität, deuten darauf hin , dass dasselbe eine elektrisclie
Erscheinung im Grossen ist. In neuester Zeit ist dies durch Lemström's Versuche im nördlichen Finnland
sogar direct nachgewiesen worden*.
Demnach kann über den elektrischen Charakter des Polarlichles kein Zweifel obwalten, und eine Theorie,
welche in systemastischer Weise entwickeln will, warum die Erscheinungen desselben gewisse festgestellte
Gesetze befolgen, wird zunächst von der Luftelektricität handeln müssen. Wir sind jedoch bei diesem Gegen-
1 Zeitschrift der osterr. Gesellschaft für Meteorologie, redig. von Dr. Hauu, Bd. XVIII u. fl'.
Beiträge zur ErJdärmH/ der hoftwiisch-terrestrischen Erscheinungen.
211
Stande genötliigt, die bypotlietische Methode zu befolgen, weil die Entstellung der atmosphärischen Elektricität
im Grossen durch eine bestimmte Ursache noch nicht direct nachgewiesen werden konnte, und wahrscheinlich
— so lange das Wesen der Elektricität unbekannt ist — kaum jemals nachgewiesen werden dürfte.
Wie bekannt, sind über den Ursprung der Luftelektricit.ät verschiedene Hypotliesen, die mehr oder
weniger Wahrscheiuliehkeit für sich haben, aufgestellt worden. Wenn ich mir gleichwohl erlaube, dieselben
um eine neue zu vennehren, so geschieht es in der Überzeugung, dass sie zur Erklärung der in Frage stehenden
Erscheinungen eine sehr gute Grundlage bietet.
Unser Planetensystem schreitet im Weltraum fort entweder in einer geraden Linie oder in einer Bahn,
deren Krümmung doch erst im Verlaufe von Jahrtausenden nachgewiesen werden kaim. Mehrere Astronomen
haben sich damit beschäftigt, den Zielpunkt H der Sonne zu linden, inid aus ihren Arbeiten geht wenigstens
soviel mit Sicherheit hervor — was für die folgende Theorie genügt — dass dieser Pimkt H in der nördlichen
Hemisphäre und zwar im Sternbilde des Herkules liegt. Die sicherste Bestimmung ist wohl die von Mädler,
weil sie auf die scheinbare Bewegung der grössten Zahl von Fixsternen gegründet ist, und ich habe desshalb
dessen Angaben der folgenden Pvcchnung zu Grunde gelegt, nändich: gerade Aufsteigung a^ 261°38'50";
nördliche Abweichung b ^ 39° 53' 50"; Geschwindigkeit c der Sonne (als constant angenommen) =: 7'/., geo-
graphische Meilen per .Secnnde. Da die Erde au dieser Bewegung theilnimmt und sich ausserdem in einer
Ellipse mit der bekannten veränderlichen Geschwindigkeit v (von 3'59 bis 3-84 geographischen Meilen) um die
Sonne bewegt, so beschreibt sie in Wirklichkeit als resultirende Bahn eine elliptische Schraubenlinie mit der
resultirenden, veränderlichen Geschwindig-
keit V, die im Verlaufe des Jahres jeden
Augenblick gegen einen andern Punkt M des
Himmels gerichtet ist. Dass dieser Punkt
stets auf der nördlichen Hemisphäre liegen
und um den allgemeinen Zielpunkt H des
Systems eine nahezu kreisförmige Curve
beschreiben und die nördliche Erdhälfte in
der schraubenförmigen Bahn stets der süd-
lichen voraus sein muss, bedarf zwar keines
Beweises ; es ist jedoch behufs weiterer Er-
örterungen von Vortbeil, tiir mehrere Tage
des Jahres die Coordinaten des Zielpunktes
M und die resultirende Geschwindigkeit V
der Erde zu wissen, und ich habe desshalb
eine Berechnung dieser Grössen für 24 Stellungen der Erde, die Längenabständen von 15° in der Ekliptik
entsprechen, in folgender Art ausgeführt.
Es sei (Figur 1) in geocentrischer Darstellung E die Erde, EP die nördliche Hälfte der Welt-
achse, APBD der Himuielsiiquator, FCD die nördliche Hälfte der Ekliptik, H der Zielpunkt des Planeten-
systems, AHPB der Meridian desselben, F der Früblingspunkt, S der Stand der Sonne für eine gewisse Länge
•/ = arc. PCS und Sn die Richtung der scheinbaren Geschwindigkeit — v der Sonne in der Ekliptik; so ist EG,
parallel zu — Sn, die augenblickliche Richtung der wahren Geschwindigkeit ^' der Erde in ihrer Bahn um die
Sonne, gerichtet gegen den Punkt G in der Eklii)tik, welcher von S um 90° absteht, und EM die Richtung der
resultirenden Geschwindigkeit ]' der Erde, gerichtet gegen einen gewissen Punkt M im Bogen HG, der dem
Winkel ß zwischen den beiden Geschwindigkeiten c und v gleich ist.
Ferner ist JGP der Meridian des Punktes G und <J GPJ = s der Neigungswinkel zwischen Äquator und
Ekliptik. Im rechtwinkligen Dreiecke PJG sind demnach die zwei Elemente FG = Ä — 90° und £ = 23°28'
(für den Anfang dieses Jahrhunderts) gegeben, und es lassen sich mittelst derselljen nach bekannten Formeln
der sphärischen Trigonometrie die Seiten PJ und JG berechnen. Nun sind im Dreiecke HPG die drei Elemente
bb*
212
Johann Unterweger.
HP = 90° — b, GP = 90° — JG und <HPG= 360° - a + FJ — für b und a Miidler's Angaben genommen —
bekannt und man erbäit damit arc HG =: <^|3 und den Hilfswiukel PHG-
Mittelst der drei Grössen c, v und <J /3 ergeben sich nach dem Satze vom Parallelogramm der Geschwindig-
keiten die resultirende Geschwindigkeit T' der Erde und der Winkel 7 = arc HM, den sie mit c bildet. Im
Dreiecke M H P sind also wieder drei Elemente bekannt und nach diesen lassen sich endlich die Kectiiscension Ai
und die Decliuation A des jeweiligen Zielpunktes M der Erde berechnen. In nachstehender Tabelle folgen die
Resultate meiner Rechnung.
Tag
(angenähert)
Lauge •/
der
.Soune
Ort (los Zielpunktes IVI der Erdr
am Himmel
Abstand -j
vom allgem.
Zielpunkte H
Gerade
Aufsteigiinj:
All
Nördliche
Abweichuug
A
Kesultireude
Geschwindig-
keit V der
Erde.
Kilometer
per Secunde
•21. März . .
1 4.-5. April .
! Ol)
5. Mai . . .
21. „ ...
5. — 6. Juni
21. „ .
7. Jidi . . .
-o. „ ...
7. August .
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8. September
8. Oetober .
OQ
7. November
«-. „
7. December
2I.-22. „
5. Januar . .
20. „ . •
3.-4. Februar
18.
6. März . .
0°
lö
.•50
45
m
7ö
90
105
120
135
150
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240
255
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282 32
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296 29
299 34
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298 54
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231 42
223 47
221 47
222 58
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230 5
235 9
240 40
246 29
252 30
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20 23
22 13
24 20
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64 34
69 34
69 31
64 54
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32 57
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25 LS
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20 49
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Die Tbatsache der Verbreitung des Lichtes und der Wärme ist nur durch die Annahme eines Mfdiiims,
welches die schwingende Bewegung fortptlanzt, erklärlich. Gewisse Gründe sprechen sogar für die Existenz
einer kosmischen Atmosphäre, die (wenn wirklich vorhanden) in einem gewissen Masse an der Bewegung des
Planetensystems theiluimmt. Sei dem wie immer, irgend ein Agens muss im Räume verbreitet sein, und ich
nenne dasselbe, ohne weiter eine Ansicht über seine Natur auszusprechen, wie allgemein üblich den Welt-
äther.
Die Fortpflanzung des Lichtes und der Wärme ist aber eine gewaltige Kraftübertragung, und es ist kaum
denkbar, dass ein Agens, dem einerseits eine so grosse Leistung zugemuthet wird, andererseits gar keine Wir-
kung ausüben soll, wenn eine wenigstens nach irdischen Verhältnissen gewnchtige Masse wie die Erde sich
mit der bedeutenden Geschwindigkeit von circa 60 Kilometer in ihm fortbewegt. Ohne Zweifel muss der Welt-
äther an der Oberfläche der irdischen Atmosphäre vorzugsweise an der Hälfte, welche in der schrauben-
förmigen Bahn voraus ist, verdichtet und in dem Räume, aus dem die Erde augenblicklich heraustritt, ver-
dünnt werden. Es ist nun sehr wahrscheinlich, dass der Ursprung der Luftelektricität hiemit irgendwie
zusammenhängt. Am einfachsten ist es wohl, anzunehmen, dass der Überschnss an Weltäther an der Grenze
der Luft und der Mangel an solchem in dem erwähnten Räume mit positiver, respective negativer Elektricität
identisch sei. Nach dieser Annahme hätte die Lufthülle ein um so grösseres, positiv elektrisches Potential, je
grösser die Geschwindigkeit V der Erde ist, und dasselbe wäre nach obiger Tabelle ein Maximum gegen das
Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen.
213
M
Frühlings- und ein Minimum gegen das Herbstäquinoetium. Hieraus folgt indessen nicht, dass die Gravitation
der Erde gegen die 8ouue ebenfalls variabel sein müsse, was man wegen des gleichen Fernwirkungsgesetzes
der Gravitation und Elekiricität vermuthen könnte, denn es liisst sich bekanntlich experimenteil nachweisen,
dass das Gewicht wägbarer Massen durcli l'.lektrisiriing nicht verändert wird.
Wenn sich die Ei'de mit der Geschwindigkeit T" gegen den Weltäther bewegt, so hat dies in Bezug auf
Verdichtung desselben die nämliche Wirkung, als wenn ein Strom Weltäther vom Querschnitte gleich der
Fläche des grössten Kreises der Lufthülle mit der Geschwindigkeit — V gegen die Erde ginge. Die Mitte
dieses Stromes muss die Erdoberfläche in einer geographischen Breite treffen, welche der Declination A des
Zielpunktes IVl der Erde gleich ist. Wie mau aus der Tabelle auf Seite 2ü sieht, hat A stets einen positiven
Werth, und demnach ist die Mitte des Ätherstromes immer gegen die nördliche Erdhälfte gerichtet, oder der
grössere Theil dieses Stromes wird von der nördlichen und der kleinere von der südlichen Erdhälfte auf-
genommen.
Lässt man die obige Annahme über die allgemeine Ursache der Luftelektricität gelten, so muss mau auch
annehmen, dass durch die Verschiedenheit der erwähnten Stromtheile eine elektrische Differenz zwischen
den Erdhemisphären hervorgerufen und die nördliche Lufthülle gegenüber der südlichen positiv erregt
werde.
Ist ah, (Fig. 2) im Grundriss ucbd, der ganze Querschnitt des Stromes Fi?- '-•
tS, eij der Äquator, welcher, auf den Querschnitt projicirt, als Ellipse ced(ij)
erscheint, so fällt jener Theil des Stromes, der vom sphärischen Zweiecke
über arc ePb aufgenommen wird, auf die nördliche und der Theil^ welcher
das Zweieck über arc ac trifft, auf die südliche Hemisphäre. Die Projectionen
jf'und/ dieser Zweiecke auf den Gesammtquerschnitt ah sind demnach die
speciellen Querschnitte der beiden Stromtheile. Es ist klar, dass die elektri-
sciie Differenz zwischen den Erdiiälften sowohl der Gcscliwindigkeit V als
auch der Differenz F — /, d. h. demProducte V{F — f) proportional sein muss.
Die Flächendifferenz F — / ist, wie mau aus der Figur sofort erkennt, gleich
der Ellipsenfläclie ec{(j)d, und diese ist, weil der Neigungswinkel zwischen
Äquator und Querschnitt = 90° — A, gegeben durch R^t: sin A, worin li den
Badius der Lutthülle bezeichnet, der hier wohl constant angenommen werden
kann. Die elektrische Differenz zwischen den Erdhälften ist also dem Pro-
ducte FsinA proportional.
Bildet man dieses Product für die Werthe von V und A, welche in obiger
Tabelle berecimet wurden, so findet man es veränderlich mit einem Ma,\imum
zur Herbst- und einem Minimum zur Frühlungstag- und Nachfgleiche. Da in
der elektrischen Action der Lufthülle auf die Erde wie begreifiicli Vorzugs- tv^
weise die elektrische Differenz zwischen den Erdhälften sich äussern muss,
— (denn eine directe Bewegung positiver Elektricität von der nördlichen
Hemisphäre gegen deu Weltraum dürfte nur selten in grossen, strahlenden
Nordlichtern zu Tage treten) — sei es nun als Gewitter, Polarlicht, Elmsfeuer
»ider nur als elektrische Spannung; so können diese Producte einigermassen
als Verbältnisszahlen für den jährlichen Gang der Luftelektricität gelten. Wie die Zusammenstellung auf
Seite 22 zeigt, stimmen sie gut mit den Summen der Zahlen für die Gewitter- und Polarlichthäiifigkcit, welche
Professor Piazzi Smyth * angegeben hat, welche Summen auch angenähert der jährlichen Periode der Luft-
elektricität entsprechen dürften.
d
1 Caproü, Aurorae etc. pag. 54.
214
Johann Unter weg er.
Die Beobachtungen der Luftelektricität mittelst selbstregistrirender Apparate, über welche mir einige
Notizen vorliegen,' zeigen theilweise analoge Ergebnisse, widersprechen sich aber nntereinaiuler so selir, dass
aus ihnen leider keine sicheren Schlüsse in Bezug auf die jährliche Periode gezogen werden können. Die
Beobachtnugsreihen sind wold noch viel zu kurz und daher in ihren Mittelwertlien den zufälligen Einflüssen
der meteorologischen Elemente zu sehr ausgesetzt. Auch die geographische Breite muss sicii ohne Zweifel
geltend machen.
Producte V siu i
T a g
Fsin A
Noidlicht- imil (ii'wittei'Iiiiuli^^kcit iiaeli l'i;izzi .Sinyth
Gewitter
Nordlicht
.Summe
Monat
5. Januar . . .
20. Jänner . . .
3. — 4. Februjtr . .
18. „ . .
6. März ....
21. „ . . . .
4.-5. April . . .
20
5. Mai
21. r,
5. — 0. Juni . . .
21. „ . . .
7. Juli
23- V
3 Aiif^-iist . . .
23- „ . . .
8. Septeuibor . .
23. „ . .
8. October . . .
23. „ . . .
7. November . .
22. „
7. December . .
21.-22. „ . .
31M(S
•29 --jy
■J7-ül
•2Ö--JU
■24 • 2 1
23-93
24-30
25-8.''.
27-27
29 -.54
32-14
34-90
37-00
40-27
42-54
44 ■ 30
45-48
45-87
4.5 -.iO
44-51
42-79
40-51
37 - 82
34-91
21
1)
14
4
1
0
15
4
37
4
48
(1
55
2
3S
4
22
-4
20
8
15
•0
15
-0
29-7
42-5
35 - U
27-5
4-8
0-0
0-5
12-0
30-0
49-4
32-4
28-8
53-7
.Tauiiar
50-9
Februar
42-0
März
Min.
42-9
April
42-2
Mai
48-0
Juni
5.-) -7
Juli
51-0
August
59-0
September
70 2
October
Max.
47-4
November
43-8
December
Ohne weiteren Untersuchungen dieses Gegenstandes vorgreifen zu Molleu, halte ich es einstweilen für
wahrscheinlich, dass die elektrische Differenz zwischen den Erdhälften mit der Jahreszeit entweder gar nicht
oder doch weniger veränderlich ist, als obiges Product T'sin A, weil die Geschwindigkeit c der .Sonne etwas
grösser sein dürfte als T'/j geographische Meilen oder 54-4 Kilometer. Kliukerfues fand sie nach der
spectral-aualytischen Methode 62 Kilometer, Ireilich mit einer TTnsicherheit von 10 Kilometer. Ist aber c grösser,
so ist auch T grösser, der sphärische Abstand •/ des Punktes M von H kleiner und A weniger variabel. Das
Product wird dadurch, und weil ^'die entgegengeselzte Periode befolgt, ebenfalls gleichwerthiger.
Für die Periodicität des Polarlichtes werden sich übrigens noch andere, wie mich däucht, gewichtige
Ursachen herausstellen, und zur Erklärung der Erscheinung genügt es, meinem hypothetisehou Satze über den
Ursprung der atmosphärischi^i Elektricität nachstehende allgemeine Fassung zu geben:
Durch die Gesammtbewegung der Erde im Weltäther wird eine elektrische Differenz
einerseits zwischen der irdischen Lufthülle und dem Räume, aus welchem die Erde in ihrer
schraubenförmigen Bahn augeublicklich tritt, andererseits zwischen der nördlichen und
südlichen Lufthemisphäre hervorgerufen, so dass letztere sich gegen erstere elektronegativ
und gegen jenen Raum ebenfalls positiv verhält.
1 Zeitschrift der Österreich. Gesellschaft f. Meteorologie XIV— XVIII.
Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen. 215
Der zweite Hauptsatz: Ton der Vertheilung der LiiftelektricitJit.
Nach den Sätzen über die tägliche Periode bildet sich das Polarlicht in einer gewissen Entfernung von der
Beleuchtungsgreuze fast aiisscldiesslich auf der Nachtiiälfte der Erde, oder es bewegt sich mit der Beleuchtuno-s-
greuze von Osten nach Westen und tritt innerhalb 24 Stunden an demselben Orte häufig zweimal stärker auf,
nämlich einmal bald nach der Abenddämmerung und ein zweites Mal in einem grösseren Zeitabstande und
weniger intensiv und häufig vor der Morgendämmerung. Die allgemeine Ursache der Erscheinung kann also
nicht gleichmässig über der Erdoberfläche vertheilt sein, sondern ist insbesondere in einem Luffgürtel nahe
der Dämmeruugszone und auf der Nachtseite zu suchen, und zwar in grösserer Quantität oder Actionsfahigkcit
im westlichen Theile desselben. Nach allem, was man von der Natur des Polarlichtes weiss, ist dessen
unmittelbare Ursache Luftelektricität im Grossen, und diese rauss also entsprechend vertheilt sein. Die bereits
erwähnten Beobachtungen der Luftelektricität, deren Ergebnisse betreffs der täglichen Periode wie begreiflich
bereits verlässlicher sind, stimmen im Abendmaximum sehr gut mit dieser Ansicht, denn dasselbe wird wie das
Nordlichtmnximum in mittleren Breiten im Mittel überall um 0'' p. m. gefunden. Weniger sicher ist das Mor"-en-
maximum. Mascart fand für die Sommermonate März bis Juli kein solches Jlaximum, sondern vielmehr ein
continuirliches Maximum in der Nacht. Andere Beobachter fanden Maxima nach Sonnenaufgang. Es ist übrigens
zu bedenken, dass es sich beim Polarlicht um die Vertheilung der I'^lektricität an der Grenze der Atmo-
sphäre oder doch in höheren Luftschichten handelt, und dass die Vertheilung in den tieferen Luft-
schichten aus terrestrischen Gründen häufig eine bedeutend andere sein kann. Auch beim Polarliciit ist indessen
das Maximum a. m. mehr oder weniger unsicher. Es finden sich vereinzelte Verspätungen, z. B. zu Öfver-
Torneä ausnahmsweise, freilich nur zweifelhaftes Nordlicht, um 9*' a. m. am L, 2., 3., ,5. und 6. März 1818
also zu einer Zeit, wo die Sonne in dieser Breite bereits über dem Horizonte steht.
Wenn die positive Elektricität der Luft nur der eigenen Kepulsion überlassen wäre, so müsste sie sich
nach den Gesetzen der Elektrostatik über die Oberfiäche verbreiten und eine Hülle bilden, deren Totalaction
auf einen innerhalb liegenden Punkt gleich Null ist, und wegen der sphäroidischen Gestalt der Luft müsste die
Spannung eine Function der geographischen Breite und am Äquator ein Maximum sein.
Es entsteht nun die Frage: Lassen sich Ursachen angeben, welche die Luftelektricität hindern, die
spbäroidische Gleichgewichtslage anzunehmen und sie zwingen, sich auf der Nachthälfte und insbesondere in
der Nähe des Dämmenmgsgürtels mit grösserem Potential anzuhäufen? Hiefür lassen sich in erster Reihe
folgende Ursachen angeben, die natürlich theilweise hypothetisch sind.
In consequeuter Anwendung des ersten Hauptsatzes muss auch angenommen werden, dass die Sonne ein
positiv elektrisches Potential habe und daher abstossend auf die gleichartige Elektricität der irdischen Lufthülle
wirke. Diese Annahme ist übrigens nicht neu, denn dadurch wird z. B. Zöllner's Kometentheorie begründet.
Die elektrische Ladung der Sonne muss entsprechend der Sonnenmasse grösser und vorzugsweise über die
Oberfläche, also in der Corona vertheilt angenommen werden.
Für jeden Punkt der irdischen Atmosphäre, insofern er der Sonnenstrahlung au.sgesetzt ist, lässt sich die
Repulsion der Sonne in eine verticale und horizontale Componente zerlegen ; ersfere drückt die positive
Elektricität gegen die Erdoberfläche, letztere verschiebt sie tangential zur Erdoberfläche. Die stärkste Ver-
schiebung gegen die Nachtseite muss offenbar an dei- Beleuchtungsgreuze stattfinden, wo die Vcrtical-
componente gleich 0 ist.
Kirchhoff und Spörer erklären die Fackeln in der Sonne als Eruptionen und die Flecken als aufge-
schleuderte und dadurch abgekühlte Gasmnssen. Sind diese Ansichten richtig, — und sie haben unter allen
Sonnenfleckcntheorien die grösste Wahrscheinlichkeit für sieh — so folgt aus meiner Hypothese und aus
Gründen der Elektrostatik, dass durch die aufgeschleuderten Gasmassen das Gleichgewicht der Sonnen-
elektricität gestört wird und diese sich über den Flecken mit grösserer Dichte anhäufen muss, und noch um so
mehr, wenn auch durch die Eruptionen Elektricität erzeugt wird. Demnach muss die Repulsion der Sonne vor-
züglich von den heliographischen Fleckeuzonen und in diesen von den grössten Flecken oder Fleckengruppen
216 Johann Unterwe.(jer.
ausgehen und zur Zeit der Bildung oder Veränderung der Flecken am stärksten sein. Eine grössere Aus-
dehnung der Corona Über den Fleckenzonen und einzelnen Flecken zeigen thatsächlich die Abbildungen,
welche bei Finsternissen aufgenommen worden sind. ' Die Corona dürfte daher in fleckenreichen Jahren am
grössten sein und am stärksten repulsirend wirken.
Wegen dieser mächtigen, von der Sonne ausgehenden Abstossung muss sich die positive Luftelektricität
in grösserer Menge auf der Nachtseite befinden oder es besteht eine elektrische Differenz zwischen der Tag-
und Nachtseite, ohne dass man desshalb annehmen niüsste, auf der Tagseite sei nur negative Elektricität, was
nur dann richtig wäre, wenn die Luft keine positive Ladung hätte und nur durch Influenz elektrisch würde.
Wie ich aus einem Referate^ über M ascart's Beobachtungen mit einem selbstregistrirenden Elektrometer
entnehme, bestätigen dessen Beobachtungen, dass das Potential der Luft im Allgemeinen positiv
und in der Nacht erheblich grösser ist als bei Tag. Hieraufist gegenüber andern derartigen Beobach-
tungen um so mehr Gewicht zu legen, als Mascart auf eine bedeutende Fehlerquelle bei solchen Appa-
raten aufmerksam machte, welche er bei seinem eigenen selbstverständlich möglichst beseitigte.
Die eigene Repulsion der Luftelektricität wirkt aber der Ansammlung auf der halbkugelförmigcn Fliiclie
entgegen, und es ist also erklärlich, dass sich auf der Nachtseite in der Nähe der Dämmerungszone ein elektri-
scher Gürtel von grösserem Potential bildet.
Der aus dem Weltraum einströmende Äther kann nicht die Rotationsgeschwindigkeit der Erde haben,
und wenn er sie auch annimmt, in dem Masse als er in die irdische Atmosphäre eindringt, so muss er doch in
der Bewegung gegen Westen zurückbleiben. Hierin dürfte die Hanptursache liegen, dass der westliche Tb eil
des elektrischen Gürtels besser entwickelt und der Beieuchtungsgrenze näher ist als der östliche.
Da der erdmagnetische Pol im Norden thatsächlich wirkt wie ein elektronegativer Pol, so wird dadurch
der elektrische Gürtel aus der Lage, die ihm die ersterwähnten Ursachen anweisen, theils nach Nordwest,
theils nach Nord oder Nordost abgelenkt, je nachdem er sich über Europa, America oder über dem grossen
Ocean befindet.
Die geringere Höhe und die grössere relative Feuchtigkeit der Luft in der Polarregion können auch nicht
ohne Einfluss auf die Vertheilnng der Elektricität sein, was übrigens mehr oder weniger von allen meteorolo-
gischen Elementen gelten dürfte.
Wie man sieht, ist das Problem höchst complicirt und es wird wohl kaum jemals gelingen, die Vertlieilung
der Luftelektricität aus den allgemeinen und speciellen Ursachen abzuleiten und in Formeln auszudrücken,
die zur analytischen Untersuchung geeignet siutl. Ich glaube desshalb, es ist für die Erklärung des Polar-
lichtes und anderer Erscheinungen erspriesslicher, sich das Problem in anderer Form, nämlich in der Frage
vorzulegen: Wie müsste die Vertlieilung der atmosphärisclien Elektricität angenommen werden, damit
sich zunächst jene grossen Polarlichter, welche augenscheinlich in einer Bewegung oder Entladung der Luft-
elektricität im Zenith des Beobachtungsortes bestehen, ungezwungen erklären lassen?
Gelingt es, diese Frage zu beantworten, so wird man einigermassen beurtheilen können, ob die Antwort
mit den angedeuteten allgemeinen Ursachen, und sicherer noch, ob sie mit den erwiesenen Thatsachen
vereinbar ist.
Nach Allem, was von der täglichen Periode des Polarlichtes bekannt ist, genügt es zur Beantwortung der
vorliegenden Frage, dass mau untersucht, nach welchem Gesetze der Gürtel, in welchem das Potential der
Luftelektricität als Maximum angenommen wird und den man sich als eine Curve vorstellen kann, längs der
Beleuchtungsgrenze auf der Nachtseite verlaufen müsste, damit die Ortszeit t, zu welcher er durch das Zenith
eines Ortes geht, der Ortszeit des Polarlichtmaximums entspricht.
Ist in Figur 3 die Papierebene zugleich die Meridianebeue des Beobachtungsortes N, P P' die Erdachse,
A B der Äquator, H H' der Horizont, E F die Beleuchtungsgrenze, 0 S der gegen die Sonne gerichtete Erd-'
1 Secchi-Schellen. Die Sonne.
2 Osten-. Zeitschrift für Meteorologie, XV.
Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen.
217
lialbmessev, PSP' der Meridian der Sonne auf der Erdoberfläche, NSC die Hälfte des Kreises, dessen
Ebene durch den Radius OS und durch den Ort N geht, also, weil SO±Eb. EF, auf der Beleuchtungs-
grenze senkrecht steht; so ist DS =o die Declination der Sonne, < D PB =< der Stundenwinkel, B N = '^ die
geographische Breite des Ortes N, arc. NS = NG + GS = .r4-90° und .r der sphärische Abstand des Ortes N
von der Beleuchtungsgrenze.
Durch Anwendung bekannter Gruudformel auf
Fiff 3
das Dreieck SPN erhält man sofort die Bedingungs-
gleichung
1)
sin a; := — sin ^ sin o — cos fCOsScoät,
welche für den durch das Zenith des Ortes gehenden
und auf die Erdoberfläche projicirten Punkt der Mit-
tellinie des elektrischen Gürtels besteht.
Wenn man den Bogen x für verschiedene zu-
sammengehörige Werthe von f, o und f nach dieser
Gleichung berechnet, so finden sich hiefür Werthe
zwischen 10° und 40°, am häufigsten ungefähr 23°.
Dieses Schwanken hat nichts Auffallendes, indem
der elektrische Gürtel ohne Zweifel eine gewisse
Flächenausdehnung besitzt und das Nordlicht nicht
immer aus der Mittellinie kommen muss. Einzelne
Beobachtungen reichen also nicht aus, um eine Vor-
stellung vom Verlauf der CUu'vc zu gewinnen; es
müssen dazu viele Beobachtungen in Rechnung ge-
bracht werden. Nun liegt es nahe, die im ersten Tlieile für verschiedene Breiten und Jahreszeiten zusammen-
gestellten täglichen Sfunden der Maxima zu benützen ; allein diese beziehen sich nicht ausschliesslich auf
grosse Erscheinungen, die in der Nälie des Ortes stattgefunden haben, sondern auch auf kleinere, deren
Entstehungsherd oft augenscheinlich weit entfernt war, und bei welchen also nicht angenommen werden kann,
dass die elektrische Curve gleichzeitig durch das Zenith gegangen sei.
Hiezu hielt ich nur Beobachtungen aus Schweden und südlich von Franz Josefs-Land geeignet, erstere
weil der Catalog von Rubenson viele Notirungen — wenigstens für die Abendzeit — mit Angaben wie:
Krone, im Zenith, über den ganzen Himmel etc. aufweist, letztere weil sie sich ebenfalls meist auf grosse
Erscheinungen beziehen, in bedeutender Zahl vorliegen und die Beobachtungen aus Nordschweden, welche
weniger zahlreich sind, gut ergänzen. ICs gibt nur sehr wenig Orte, bei welchen für dieselbe Jahreszeit eine
zur Rechnung genügende Anzahl derartiger Nordlichter verzeichnet steht. Da sich aber die Ortszeit des
täglichen Maximums mit f und o nur wenig ändert, so kann man die Beobachtungen nach (f und 3 in Grui)|)en
tlieilen, so dass innerhalb einer solchen die Werthe von f und 5, also auch von t, nur wenig variiren, für jede
Gruppe ein Mittel von diesen Grössen nehmen und darnach einzelne Wertlie von x berechnen, die gewisse
Punkte der in Frage stehenden Curve ohne Zweifel besser markiren. In der Tabelle auf Seite 26 und 27 sind
diese Mittel und die daraus berechneten sphärischen Abstände .;• zusammengestellt und wurde, um einiger-
massen das Gewicht bcurtheilen zu können, bei jeder Gruppe die Zahl der Beobachtungen in Parenthese bei-
gesetzt.
X ist deutlich als abnehmende Function sowohl von y als auch von o zu erkennen. In der Westseite
maclien nur vereinzelte Bestimmungen für die Wintermitte eine Ausnahme; in der Ostseite ist die Unsicherheit
etwas grösser, weil hiefür alle Beobachtungen in Rechnung gezogen werden mussten und ihre Anzahl noch
öfters zu klein war.
Denkschriften der mathem.-nalurw. Gl. L. Bd. Abhandlungen von Nichtmitgliedem.
218
Johann ünteriveger.
Mittlerer sphärischer Abstand ' des Nordlichtes
im Allti-emeinen
Schweden
70° — 05°
(■.ö°— 611,.,°
Ull,.,°— 081 •.,°
581 o°— Ö5°
Südlich vom
Franz- Josefs-Land
761/2°— S0°
Schweden
7U° — 65°
0Ö°— 61i/o°
6li/o°— 581/./
581/..°— 55°
r) = ■2;i°2.s' bis -211° r)=-20" bis 15
0 15° bis 111°
f) = 10° liis 5°
bis 0°
Südlich vom i
Franz- Josefs-Laud
761/.,°— 80°
t =
x =
t =
—
x =
—
fj —
ö =
—
t =
—
X =
—
o ^
59°39' r-i
!i =
•20°33'S'
t =
10l'39"'
X =
8°o'
? =
55°3S'20"
S =
21°58'52"
t ^=
101-48"" (6)
X =
10°Ö2'
'a= 05°53'
5 — 20°21' 13"
t= 12l'24'n (1)
X =3°38'
X ^ —
rf= 59°-27'l5"
5 = 21°.s'35'
t= 12l"42"' (4)
x= 8°56'
65°25'
15°21'24'
lOho.s'H (I)
.<- = 7°'23'
6-2°38'
15°45'41°
lOl'3'n (2)
,r = 8°19'
59°35'20"
16°48'59'
lOl-öS"" (15)
.- =12°33'
57°6'30"
17°26'16'
I0°40"' (14)
.T = 13°37
62°3S'
17°14'42'
12l'37"' (2j
X = 9°47'"
59°42'51"
16°13'26'
12l'31"' (13)
.i- = 13°48'
57°5r24°
17°ö'l4°
12l'30'" (5)
.c = 14°48'
65
■53'
12°20'-27''
10l'27"' (2)
,< : = 9°Ö3'
62°46' 15"
11°23'9"
10l'19"> (li
.. =13°20'
59° 12 '13"
12°20'30'
10l'20"' (18)
x = 15°12'
56°37'34"
ll°4r8"
9l'59"' (16)
j, = 17°15'
G5°52'30''
11°21'59''
1-21141"' (2)
a; = 12°23'
59°47'
11°46'7''
12l'52"' (29)
.t = 17°41'
50°20'
12°6'10'
12'i41"i (7)
,c = 21°2'
Nordlicht vor
78°40'34"
1°40'47''
ll'U'" (9)
.(• = {)°16'
65°57'14"
7°47'1"
10l'15'" (13)
.r = 13°48'
62°36'36"
8°9'14°
9''r)9'» (10)
j=15°30'
ö9°5o'39"
7°20'48''
9i'52' (23)
..■ = 1S°13'
57°4'13"
7°16'42"
loi'O'n (19)
.(• = 21°8'
66°iri0"
7°44'44"
12i'35'» (G)
X = 1.5°47 '
62°52'12'
6°59'5r
12''11™ (5)
.r=20°e'
59°50'30"
7°39'4r
131' 18 (36)
X = 20°45 '
56°42'20''
7''43'48"
13l'4'» (18)
x = 24°15'
65°Ö8'
1°42'34''
9l'22"' (24)
.e = 16°41'
63°2'53'
2°17'6'
9''5'" (16|
r = 16°51)'
59°3S'35"
2°25'68'
9l'37"' (34)
.c = 21°56'
56°45'9"
2°17'53''
9 ''43'" (14)
.r = 24°49'
N o r d 1 i c li t nach
76°31 '42°
1°18'34''
13I12I'" (2)
t = ll°19'
67°56
0°55'45'
14(137,11 (1)
.1 = 16°1 '
63°13'30"
1°19'57"
12l'58"n (2)
a=24°32'
59°52'7'
2°35'11"
I3I16'" (26)
.r = 26°14'
5T°33'26'
2°27'5"
13''21'" (7)
X = 27°-18"
Ans diesen Gnimlwcrtlien von u-, ^ und dimiss sicli eine allgemeine Funiiel entstellen lassen, welche siux'
iiiiabliängig von der Ortszeit f als eine Function von '^ und 0 au.sdrückt und als Gleicluing- der Mittellinie des
elektrischen Gürtels für Europa nnd Westasien und angenähert auch für die übrigen Theile der nördlichen
Hemisphäre gelten kann. Nach verschiedenen Versuchen habe icli mich überzeugt, dass die Gleichung
2) sin*' — A + B cos (_f-h^), [ ^J\y, '?)]?
Beiträf/e zur Erkläriifuj der l-osiuhrli-lcrrcsfrisclwii ErscJieiiiinKjcii.
von der Beieuchtungsgrenze.
219
.} = (1° bis — .^° f}== _5° bis — 10°
-10° bis — 1S°
5 = ^15° bis —-20°
ö -20° bis — •23°-28'
M i t t e r u a n li t (Westseite).
7s°4(;'r.7'
— 2°45'39'
OliSS"" (17)
« = 12°16'
65°5ö'42'
— 1°49''22'
8l'5G"' (iO)
3; = 18°11'
C2°59'43"
— 2°34'-29'
8l'41'n (IS)
i^ = 19°30'
59°4r37''
— 2°49'5'
9''38™ (29)
,<; = 2C°.53'
56°58'38°
— 2°7'48"
9l'33"> (25)
.<: = 27°.50'
79°10'55"
— S°3'9'
ghogm (27)
X = 1G°27 '
66°2'
-7°M'ö''
g'M'" HC.)
X = 24° 27 '
C2°37'39"
— 7°47'10"
9''im (20)
.r = 26°2:i'
59°47'ir
— 7°39'0"
8l'59'" (33)
x = 21°iH'
56°43'2"
— 8°4'3"
9114111 (oo)
.r = 30°3:{'
Mitternacht (Ostseite).
I
7S°33'l°
— 3°12'32'
13''22'" ((1)
u; = 13°55'
(;fi°2o'
— 2°4G'4l"
13i'53'» (2)
./•=23°26'(?)
(;2°r)4'20"
— 2°17'S"
13l'24'" (3)
a; = 27°24'
59°ö3'37"
— 2°49'50'
13l'48"' (37)
.£ = 29°19'
57°l.s'44''
— 1°59'45"
13''21'n (U)
.r = 32°25'
79°14'4(r
— 8°7'2(;"
I4I46'" (IG)
.,=16°59'
G5°ör3G"
— 8°2ii'59"
1GI'S"> (ö)
.r=18°47'f?)
62°41'20''
— 7°33'43"
13l'46"" (3)
a: = 31°35'
.59°43'49"
— 7°:)3'37"
14l'22"> (34)
.c = 31°40'
.>JG°32'20"
— 7°47'.S"
14i'27"' (6)
.i = 33°26'
79°G'42'
— 12°29'59"
8l'29"> (41)
a: = 18°55'
66°42'30"
— 12°33'.')r
8l'49'" HG)
a: = 27°22'
G2°37'39"
— 12°30' 13'
Sl'28m (23)
.r = 27°35'
.')9°4,-)'3r>"
— 12°öG'2'
8I13G"' (29)
a; = 30°9'
5G°53'
— 12°8'46'
8l'J4'n (28)
x = 31°48'
79°4 17'
— 12°57'12"
141'IU"' (23)
X = 22°.5 '
G5°.-ir30'
— 12°15'21'
17i'15'" (2)
.t = l«°10'(?)
G2°40'ö3°
— 12°3G'14"
U''19'" (8)
x = 34°ll'
59°54'25'
— 12°53'5'
14l'7"' (19)
x = 37°28'
56°38'40'
— 12°1G'10°
13l'25"' (6)
a: = 42°44'(?)
79°8'5"
— 17°3ü'24°
8'']«'" (50)
X = 23°21 '
— 17°2S'.')G"
7 ''48™ (IG)
i = 26°43'
G2°43'55'
— 17°49'53"
7''29'" (12)
x-=25°53'(?)
59°43'27'
— 17°52'3'
8l'39'n (18)
x = 34''54'
56°41'34"
— 17°2G'19"
8'M3'" (7)
,t=3e°i8'
79°9'59"
— 17°23'43"
14l'2G"' (27)
a^ = 25°58'
fifi°0'l5"
— 17°57'47''
lGl'58'n (4)
a; = 22°41'(?)
G2°33'
— 17°14'3'
17''13i" (5)
,r= 20=40 '(?)
59°57'37"
— 17°40'23"
14l'2G"' (29)
.c = 40°14
5G''37'27'
— 17°1S'5'
15''9'" (U)
.,- = 37°ll'(?)
78°58'24"
— 22°16'39'
7l'17'» (85)
a = 25°29'
GG°5'45"
— 22°2r59'
S''32"' (28)
:c = 35°23'(?)
G2''39'39"
— 22°32'9'
7''47'" (34)
.r = 32°8'
59°42'40"
— 22°15'2r
8l'54"' (18)
.i- = 40°24'(?)
57°ir
— 22°38'25'
8l'15"' (12)
x = S'!°l
79°3'n'
— 22°11'44°
l(il'27'" 149)
x- = 2e°8'
GG°58' 18"
— 22°28'29°
17l'5G'n (13)
a:=21°0'(V)
C2°33'35'
22°2() '11"
lGl'29'" (12)
:r=30°12';?)
Ö9°48'55"
— 22°8'3"
141.7m (34)
x = 4fi°14'
57°(l'30"
— 21°ö9'ö3'
13l'52"- (8l
.,=49°25'
worin A und B einpirisclie Constaiitcu bezeichnen, die Wertlie von x verbältnissm.ässi,"- gut darstellt. Die
Constanten A und B wurden nach Grundsätzen der Differentialrechnung wie folgt bestimmt.
.Sind siu,r,, sin.r2. . . .sinr„ n Gnindwerthe nach obiger Tabelle, so werden dieselben möglichst genau
durch f(f^, fJJ./C^ajOj). . ./(cp„,o„) ausgedrückt, wenn .( und B so bestimmt worden sind, dass sie die Summe
derFehlevquadrate zu einem Minimum machen. Dies ist der Fall, sobald die partiellen Differeutialquotienlen
cc *
220 Johann Ünierweger.
von 'S.[smx—f{f,d)Y nacli A und B gleich Null sind, was auf folgende Bedingungsgleicliungen führt:
2 sina: — nA — B. S cos (y + o) = 0
2 sina;cos(y4-5) — A S cos(y+o)— B. S cos(ij. + ^)^ = 0.
Zur Berechnung der Summencoeffic-ienten wurden 12, respective 13 Werthe von x, f und iJ benutzt, welclie
Mittel aus vielen Beobachtungen sind, also angenähert gleiches Gewiclit beanspruchen können. Als beste
Bestimmung ergab sich:
iyl=:0-06599 . (^ = 0-03251
für Abend j ^^ 0-65751; *"'" ^°'-»^^" ( iJ = 0-83769.
Die allgemeinere Gleichung:
3) sina;=:a + i siny sin^+c cosy cos^
würde sich den Grundwerthen noch besser anschmiegen, wenn die drei empirischen Constanten a, h, c mit
derselben Sicherheit bestimmt werden könnten. Übrigens fand sich in älinlicher Weise aus grösseren
Gleichungen :
|a = 0-07981 ja = 0-01727
für Abend K=— 0-65790 für Morgen 'i = — 0-82034
(c =0-60878; (c = 0-88088.
Die Gleichungen 2 und 3 sind für alle Werthe, welche 5 annelmien kann, jedoch nur tür solche Werthe
von tp giltig, die der Bedingungsgleichuug 1 niclit widersprechen. Der von o abhängige Grenzwertii ^„,„^. wird
zweckmässig später angegeben werden.
Für die südliche Hemisphäre kann man dieselben Gleichungen wenigstens nls wahrscheinlich gelten
lassen, wenn darin die geograpliisclie Breite — an sich für diese Erdhälfte negativ — ebenfalls positiv und
die Declination o der Sonne mit entgegengesetztem Zeichen genommen wird. Bei Anwendung dieser
Gleichungen kommt die Höhe der Curve über der Erdoberfläche nicht in Betracht; man kann jedoch annehmen,
dass sich dieselbe nach der Höhe der Atmosphäre richtet, also in höheren Breiten kleiner ist. Auch dürfte die
weitere Annahme gerechtfertigt sein, dass innerhalb der Curve das Potential in jenem Theile, welcher dem
erdmagnetischen Pole am nächsten liegt, den grössten Werth habe.
Die wesentlichen Punkte dieser Erörterung lassen sich in nachstehenden, hypothetischen Satz zusammen-
fassen :
Die positive Luftelektricität ist auf d e r Nachthälfte in grösserer Menge angehäuft als
auf der Taghälfte und bildet auf der erstereu eine Curve grössten Potentials, welche an der
Grenze der Atmosphäre in einem gewissen sphärischen Abstände x von der Beleuchtungs-
grenze nach dem Gesetze
sin.c=: 0-06599 + 0-65751 cos(y+i5),
respective sina- = 0-03251 +0- 83769 cos(y + o")
verläuft; innerhalb dieser Curve ist das Potential im westlichen Theile grösser als im öst-
lichen und wird es, abgesehen hievon, durch die Nähe des erdmagnetischen Poles verstärkt.
Über die Erkläning der Einzelersclieinungen uud der Gesetze des Polarlichtes.
1. Die Beziehung zwischen Nord- und Südlicht. Aus dem ersten Hauptsatze folgt, dass ein
continuirlicher, wenn auch nicht constanter elektrischer Strom von der nördlichen gegen die südliciie Erdliälfte
und von dieser gegen den Weltraum geht, denn die Spannung kann stets so gross sein, dass gewisse Leitungs-
widerstände überwunden werden, indem ja die Ursache der elektrischen Differenz, nämlich die Bewegung
der Erde, beständig wirkt. Weil ferner der Widerstand des festen Erdkörpers verschwindend klein ist im
Vergleiche zum Widerstand der Luft und dieser mit der Dichte der Luft abnimmt, so ist wohl anzunehmen.
Beiträge ztir Erl-Jäi-inu/ der l-osmisch-ferrestrischen Erscheinungen. 221
diiss der Srom sich verzweige und ein Tlieil desselben dnrcli die liöclisten Luftscliichten odrr nn der Grenze
der Atmospliäre sich bewege, während andere Theile die Lufthülle durchbrechen und die Erde als Leiter
benutzen.
Es ist klär, dass ein grosser, intensiver Zweigstrom dort durch die Luft gehen wird, wo der Widerstand
wegen geringerer Höhe und grosser relativer Feuchtigkeit verhältnissmässig klein und das elektrische Luft-
potentiäl gross ist, also meist in höheren und hohen Breiten.
Das Polarlicht ist als eine Lichtentwicklung zu erklären, welche stattfindet, wenn der
elektrische Strom durch Luftschichten geht, die hiefür geeignet sind.
Leniström's Versuclie beweisen das Bestehen eines positiven, von der Luft gegen die Erde gerichteten
Stromes in nördlichen höheren Bi-eiten. Ähnliche Versuche, gleichzeitig im Süden, etwa auf Wilke's Land
oder Victoria -Land, .veranstaltet, würden sehr wahrscheinlich zeigen, dass liier ein positiver Strom von der
Erde gegen die Luft geld, also die Richtigkeit der Erklärung schlagend dartluin und auch aus anderen Grün-
den höchst lehrreich sein.
Fritz hat gezeigt, dass jedem grösseren Südlichte auch ein Nordliclit entspricht, und dass beide
Erscheinungen dieselben Perioden befolgen, was auch aus der obigen Zusammenstellung hervorgeht. Dieses
Verhalten erklärt sich einfach aus der gemeinschattlichen Ursache, die der von Nord nach Süd zum Tlieil
durch die Erde gehende Strom bietet.
Es wird behauptet, dass das Südlicht weniger ausgedehnt sei als das Nordlicht, und die Aufzeichnungen
weisen viel weniger Südlichtbeobachtungen auf. Letzteres ist zwar wegen der für Südliclitbeobachtungen
ungünstigen Verliältnisse, als geringere Ausdehnung der Gontineiite und meist stärkere Bewölkung auf der
südliehen Hemisphäre, wohl begreiflich; der unterschied in der totalen Beobachtungszahl ist jedoch so auf-
fallend gross, dass er nur durch wirklich grössere Häutigkeit des Nordlichtes erklärt werden kann. In dieser
Beziehung dürfte insbesondere jener Strom bedeutungsvoll sein, welcher an der Grenze der Atniosiiliäre direct
gegen den Weltraum geht; denn derselbe hat ohne Zweifel dort, wo er entsteht, also an und in der nördlichen
Lufthemisphäre, die grösste Dichte und dürfte sich fächerförmig ausbreiten. Es ist wohl gestattet, dabei an
grosse strahlende Nordlichter zu denken, die nachweisbar in inittleren und niederen Breiten Höhen von über
100 Meilen haben, also kaum mehr der irdischen Atmosphäre angehören, und nicht nothwendig von SUd-
lichtern begleitet sein müssen.
2. Die Formen des Polarlichtes in allen Einzelheiten erklären zu wollen, wäre vergebliches Bemühen
schon aus dem Grunde, weil sie so mannigfaltig sind, dass sie sich, wie die besten Beobachter angeben, oft
nicht einmal beschreiben lassen. Es ist natürlich, dass alle meteorologischen Elemente darauf mehr oder
weniger Eintluss haben. Vom Standpunkte obiger Hypothesen können jedoch immerhin etliche Umstände
angedeutet werden, welche, meines Erachtens wenigstens, die Entstehung der Hauptfornien begreiflich
machen.
Ausser der Lage des Beobachtungsortes und derBewegung deiLnlt diiri'te insbesondere das verschiedene
Verhalten der Luftschichten gegen elektrische Ströme zu beachten sein.
Man kann die Atmosphäre von der Erdobeifläche aus nach dem Feuchligkeilsgehalte in vier, allmälig in
einander übergehende sphärische Schichlen theilen. Die erste hat die grösste Dichte und wegen der hohen
Temperatur, die sie durch Wärmemittheiliing von der Erde annimmt, geringe relative Feuchtigkeit; ihr
Leitungswiderstand für elektrische Ströme ist also sehr gross. Die zweite ist die Schicht der Wolkenbilduiig
mit kleinerer Dichte und grosser relativer Feuchtigkeif, also mit geringem Widerstände. Der höchste Tlieil
derselben, die Kegion der Cirruswolken oder Eisiiadeln, kann als dritte Schicht betrachtet werden. In ilir ist
der Widerstand wieder grösser, weil die gut leitenden Theilchen nicht so engen Znsammenhang haben, als in
der zweiten. Die vierte oder höchste Schicht dürfte, obschon sehr trocken, wegen der kleinen Dichte höchst
geringen Widerstand haben.
Mancherlei Tliatsachen beweisen, dass das Ptdarlicht, wenigstens in den gewöhnlichen Formen, seinen
Hauptsitz in der Cirrnswolkeuschicht hat. Diese Wolken haben nämlich vor und nach der Lichterscheinung
222 Julian» IJ)itenveger.
liäufig ganz dieselbe Gestallt und befindcu sieb atieh au dcrselbeu 8telle wie das Liclit. Wegen der spliiiroidi-
schen Gestalt nimmt die Höbe aller Scbiebten mit der geograpbiscben Bieite ab; da aber auch die Temperatur
abnimmt, so verscbwindet die erste, scblecbt leitende Scbicbt in boben Breiten, der Gesammtwiderstand der
Luft ist dort ein Minimum und die Eisnadelscbicbt liegt der Erdoberfläebe am näcbsten.
Wenn nun liier ein grosser Strom — oder vielmehr ein System von elektrisclien Strömen — dureli die
Luflsebicliteu gelit, was wegen des geringen Widerstandes möglieb ist, sobald das elektrische Luftpotential
einen gewissen Werth erreieht, so findet in der Eisnadelregion eine Liebtentwicklung statt, gleichsam veran-
lasst durch Stauung des Stromes zwischen Theilciien ^ on verschiedenem Widerstände, welche Lichtentwiek-
lung in der darunter liefindlicben, besser und gleicbmässiger leitenden, feuchten Schicht, gleichgiltig ob in ihr
Wolken vorhanden sind oder nicht, wieder verschwindet. Es ist also begreiflich, dass Bewölkung die Ent-
wicklung des Polarlichtes begünstigt, obschon die Sichtbarkeit der Ersclieinung darunter leidet.
Wenn die Luft ruhig ist, so bildet die feuchte Luftschicht über dem Horizont des Beobachtungsortes ein
Kugelsegment und die darüber l)efindliche Cii-ruswolkenregion eine damit concentrische Kugelscbale. Findet
dann, wie es natürlich ist, ein gleicbzeitiges Abflicssen der Elektricität in solchen Punkten der Eisnadelscbicbt
statt, die vom Magnetpol nahe gleichen Abstand haben, so liegen diese Punkte in einer Ebene, welche in
einer gewissen Entfernung nördlich oder südlich vom Beobachtungsorte angenähert auf dem magnetischen
Meridian und auf dem Horizont senkrecht steht, und die Eisnadelscbicbt in einem Eingstücke oder Bogen nnd
das darunter befindliche Kugelsegment der Wolkenschicht in einem Kreissegmente schneidet. Hiemit ist
die Form des regelmässigen Bogens mit dem dunklen Segmente gegeben. Letzteres dürfte
theils aus der Contrastwirkung theils daraus zu erklären sein, dass die Bewölkung am Horizont gewöhn-
lich dichter erscheint. Ob der Bogen strahlend ist oder nicht, hängt wohl von den \'erh:iltnissea in der
höchsten Luftschicht ab. Ist der Absland zwischen der Bogenebene und dem Beobachter gross, so ver-
schwindet das dunkle Segment und theilweise auch der Bogen, so dass allenfalls noch der strahlende Theil
sichtbar bleibt.
Die Polarlichter schreiten, wie oben erörtert wurde, im Allgemeinen von Ost nach West fort; die Einzel-
erscheinungen, von den besonderen Verhältnissen der Atmosphäre abhängend, haben jedoch ohne Zweifel
Eigenbewegungen nach verschiedenen Eichtungen, welche jene allgemeine mehr oder weniger unkenntlich
machen und den Bewegungen der elektrischen Gewitter ähnlich sein dürften.
Solche EigenbewegUDgen können als ein Fortsclireiten der Entladung aufgefasst werden. Wenn die
Bogenebene, in welcher die stäi'kste Entladung stattfindet, gegen den Beobachter rückt, so muss der Bogen,
wie begreiflich, aufsteigen und sich vergrössern, bis er das Zenith erreicht, und nach dem Übersehreiten des-
selben wieder sinken. Geht der Bogen durch das magnetische Zenith, so kann sich statt desselben, insbeson-
dere wenn die Ebene von der Verticalstellung etwas abweicht, eine Krone entwickeln, welche Erscheinung
bekanntlich theils als AVirkung der Perspective erklärt wird, iheils aber auch in einem wirkliehen Auseinander-
gehen der sich gegenseitig abstossenden und in der feuchten Luft verschwindenden Strahlen bestehen kann.
Hat sich nach dem Aufsteigen eines Bogens die Elektricität an der ursprünglichen Stelle wieder in
grösserer Menge angehäuft, so wiederholt sich der Vorgang. Auch Drehungen der Bogenebene kommen vor.
Bei bewegter Luft ist die Entwicklung regelmässiger Bögen natürlich unmöglich. Statt solcher erscheinen
dann die Bandformen, welche den Eindruck von zerrissenen, aus der Lage gedrehten, aufgerolUen, im
Winde flatternden, überhaupt mannigfaltig abgeänderten Bögen machen. Die in hohen Breiten Amerika's häufig
auftretende Erscheinung der „merry dancers" dürfte nur bei massig bewegter Luft stattfinden.
In Bezug auf die Bandform scheint die Linie grössten Potentials eine besondere Eolle zu spielen, denn
es ist auffallend, dass z. B. in Schweden häufig Bänder in der Eichtung Nordost-Südwest beobachtet werden,
welche zugleich der genannten Linie entspricht, wenn sie in den Abendstunden durch das Zenith geht.
Ist die feuchte Luftschicht niedrig, also die Cirruswolkenschicht der Erdoberfläche verhältnissmässig
nahe, so dürften die Strahlen, aus welchen das Polarlicht zusammengesetzt ist, deutlicher erkennbar und /.um
Greifen nahe gerückt erscheinen, wodurch die Falten- oder Gardinenform erklärt wird.
Brifräge zur Erl-Iäniiir/ (h'r kosiiiiscJi-fi'rresfrischt'ii Ersrhciiiinif/im. 223
Die Bewegung der Licbtwogeu oder Wellen scheint niclit immer der Richtung der leuchtendoi Materie
oder der elektrischen Ströme zu entsprechen und dürfte öfters eine optische Täuschung sein; denn es ist klar,
dass die Entladung zumeist dort beginnt, wo die Spannung am grössten ist, z. 13. in einem Punkte am West-
horizonte, und dass die Entladung von da rasch etwa nach Osten fortschreitet. Man wird in diesem Falle das
Licht zuerst im Westen sehen und das sclmelle Nachfolgen au östlichen Stelleu wird den Eindruck einer von
Westen nach Osteu gehenden Lichtwoge machen. In ähnlicher Weise scheint es sicli auch öfters mit den vom
Horizont gegen das Zenith gehenden Lichtwellen zu verhalten.
Manche Formen, die dem Wetterleuchten nahe kommen, mit dem seltenen Geräusche verbunden sind etc.,
dürften als Übergänge zu elektrischen Gewittern anzusehen sein und entstehen, wenn der Widerstand der
tiefsten Luftschicht, also aucli die zu seiner Überwindung nöthige Spannung, grösser als gewöhnlich ist.
3. Das St. Elmsfeuer betrachte ich ebenfalls als eine Übergangsforni, die ausserhalb der hohen Breiten
zu Stande kommen kann, wenn der Widerstand der tiefsten Luftschicht kleiner als gewöhnlich ist. Folgende,
eb(-n gelegen gekommene Beobachtung, die im vollen Wortlaute eingeschaltet wird, weil sie zu den hier ent-
wickelten Anschauungen in mehrfacher Beziehung steht, spricht sehr dafür.
Der Beobachter auf dem Hochobir in Kärnten, Herr Pissonitz, schreibt:
„Am IL October 1884 Abends hatte icli den Anblick einer seltenen Naturerscheinung. Nachdem bereits
durch 48 Stunden heftiger Sturm ans SW gewüthet hatte, Hess derselbe am IL October 8 Uhr Abends plötz-
lich nach. Um 8 Uhr 15 Minuten sah ich blitzen. Um zu beobachten, von wo das Wetter käme, ging ich vor
das Schutzhaus hinaus. Das Schutzhaus lag im Nebel, der Wind kam schwach aus NW. Da bemerkte ich an
den beiden vor dem Hause aufgestellten Windfahnen (eine hölzerne und eine eiserne) weisse Flämmchen so
augeordnet, dass an jeder der beiden nach NW gerichteten Windfahnen zwei Flämmchen, und zwar das eine
am NW- und das andere am SE-Ende der Fahne sichtbar waren, von denen das erste in horizontaler Richtung
nach NW, und das zweite horizontal nach SE brannte. Später kam auf der Stangeuspitze der eisernen Wind-
fahne noch ein senkrecht in die Höhe gerichtetes dazu.
Die hölzerne Windfahne ist nicht hoch. Ich griff mit der Hand nach dem Lichte; es erlosch sofort, wurde
aber wieder sichtbar, wenn ich die Hand entfernte. Die hölzerne Windfahne ist 32 Ceutimeter lang und steht
■2-3 Meter über der Erde, während die eiserne Fahne 68 Centimctcr lang ist und 3 Meter über dem Erdboden
auf einer Stange sich dreht.
Mich gegen Osten wendend, sah ich den 5 Millimeter dicken Eisendraht der Telegraphenleituug gegen
Kappel in weissblauem Lichte glühen, während an jeder Telegraphenstange am Isolator ein weisses Licht, so
gross wie ein Stern, sichtbar war. Des Nebels wegen konnte ich nur drei Telegraphenstangen weit sehen,
welche letztere 20 Meter von einander abstehen. LTm 9 Uhr oü Minuten bemerkte ich nur noch an der eisernen
Windfahne ein kleines Flämmchen. Um 9 Uhr 45 Minuten war auch dieses erloschen.
Während der ganzen, höchst interessanten Erscheinung war im Westen entferntes Gewitter mit kaum
hörbarem Donner, beim Schutzhause aber heftiger Schneefall von trockenen Eisnadeln. Das Thermometer
zeigte — 5"2° C, der reducirte Barometerstand warö87'0 Millimeter, 6 Millimeter unter dem normalen Luftdrucke,
die Feuchtigkeit der Luft 100" „.•'
Von diesen Angaben siud besonders folgende, die Erscheinung begleitende Umstände hervorzuheben:
Der durch 48 Stunden vorher anhaltende Sturm aus SW, welcher wie begreiflich viel Was.'^erdampf mit-
brachte; der während der Erscheinung aus NW wehende Wind, der die Feuchtigkeit durch Abkühlung
relativ erhöhte; das Gewitter im Westen; der heftige Schneefall von trockenen Eisnadeln; die Temperatur
— 5'2° C. ; die relative Feuchtigkeit lOO^y, welch' letztere Umstände an Verhältnisse in hohen Breiten
erinnern, und endlich die Ortszeit 8'' 15°^ - 9'' 30"\
Die aus den schwedischen Nordlichtbeobachtungen abgeleitete Formel (2) gibt, wenn man die der obigen
Beobachtung entsprechenden Wertbe y=:46° 30', o = — 7° 14' 35" substituirt, sin .c::^ 0-57612, und mit
diesem Wcrthe erhält man aus der Bedingungsgleichung (1): ;=:9'' als wahre Ortszeit, um welche die Linie
des grössten Potentials durch das Zenith gegangen ist.
224 John im Unterweg er.
Das Mittel der bürgerliclieii Beobaclitungszeit ist 8'' 52'" oder 9"' 5'" wahre Zeit; es ist jedoch zu beachten,
dass der Beobachter den eigentlichen Anfang, nämlich das erste schwache Flämmchen, nicht gesehen hat,
und dass man denselben arigenähert um 10'" früher annehmen kann, wodurch die Übereinstimmung mit der
theoretischen Zeit bis auf die Minute genau wird. Soll das alles Zufall sein?
5. Die Höhe des Polarlichtes. Nach reiflicher Überlegung der von verschiedenen Beobachtern aus-
geführten Messungen findet Weyp recht, „dass die Nordlichter in ihrer Normalgegend im Allgemeinen weit
niedriger stehende Erscheinungen sind, und dass ihre Erhebung über der Erde zunimmt^ je weiter sie gegen
Süden herabreichen, dass jedoch auch in jenen Gegenden der grössten Intensitcät und Häufigkeit die
einzelnen Erscheimmgcn je nach der Art und Weise ihres Auftretens in sehr verschiedenen Höhen vor sich
gehen."
In ähnlicher Weise spricht sieh Fritz über diesen Gegenstand aus und bemerkt ferner, „dass die HfJhen
liöclist wahrscheinlich nicht so bedeutend sind, als manche auf Messungen beruhenden Berechnungen ergaben".
Einige fanden nämlich 100, 200 und noch mehr geographische Meilen.
S. Tromholt findet nach Beobachtungen, die meistens an der Küste Norwegens ausgeführt wurden, „dass
das Nordlicht in vielen Fällen eine ziemlich locale Erscheinung ist, und dass es sich oft in geringer Höhe
über der Erdoberfläclie befindet."
Bedeutungsvoll sind ferner die Messungen der internationalen Beobachtungsstation zu Godthaal), geleitet
von A. Paulsen 1882—1883. Die Höhe wurde gefunden
in 1 Falle 67-8 Kilometer in 1 Falle 20—30 Kilometer
„ 2 Fällen 50—60 ., „ 1 „ 10-20 „
., 2 „ 40—50 „ „14 Fällen 0—10 „
„ 1 Falle 30—40 „
Die niedrigsten Erscheinungen waren: 3-72, 3-69, 3-22, 2-87, 1-99, 1-96, 1-35 und 0-(Jl Km. Die
geringsten Höhen seheinen also der Gegend des Luftdruckminimunis nahe zu sein.
Wie man sieht, stimmen die Höhenangaben, so weit sie Vertrauen verdienen, gut mit den früheren
theoretischen Erörterungen; wenigstens kann darin nichts gefunden werden, was sich nicht mit denselben ver-
einbaren Hesse.
5. Das Spectrum. Capnm hat die spectralanalytischen Arbeiten, welche verschiedene Forscher in
Bezug auf das Polarlicht ausgeführt haben, einer eingehenden, kritischen Vergleichung unterzogen, eine
bedeutende Zahl selbständiger, schon an und für sich höchst interessanter Untersuchungen zu demselben
Zwecke angestellt und kommt zu folgendem, leider negativen Schlüsse: „Als allgemeines Resultat der bis zur
gegenwärtigen Zeit über das Polarlicht ausgeführten Spectralarbeiten ergibt sich, dass wir es ganz verfehlt zu
haben scheinen, irgend ein Spcchum zu finden, welches nach Lage, Intensität und allgemeinem Charaktei' der
Linien gut übereinstimmt mit dem des Polarlichtes. Wir können in der That sagen, wir finden kein Spectrum,
das auch nur mit Theilen des Polarlichtspectrums so nahe verbunden wäre, um uns zum Schlüsse zu leiten,
wir hätten die wahre Natur eines Polarlichtspectrums entdeckt (vorausgesetzt, dass es, wie Einige meinen,
zwei oder mehrere umfasse). Der ganze Gegenstand kann noch immer als ein wissenschaftliches M.ysterium
charakterisirt werden, welches — wie wir immerhin hoffen dürfen — einige künftige Beobachter, ausgerüstet
mit Spectroskopen von grosser Ötfnung und geringer Zersti-euung, jedoch mit hinlänglichen Mitteln zur Messung
der Linienstelluug und wahrscheinlich durch Photographic unterstützt, lösen helfen können,''
Gleichwohl sind auf diesem Wege einige Thatsachen aufgedeckt worden, die für die Erklärung des
Polarlichtes einmal von Bedeutung werden dürften, nämlich:
(tj Eine charakteristische hellgrüne Linie il259 nach Ivirc hlioff's Scala), die im Nordlichtspectium in
der Regel am deutlichsten auftritt, und worauf sicii d.isselbe in hohen Breiten zu reduciren scheint. Nach
Angström soll sie auch dem Zodiakallichte angehören.
Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen. 225
bj Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Speetrum der Somien-Corona, indem die Linie 1474 und walir-
scheinlieh auch die Linien 1250 und 1350 in beiden Spectren vorkommen. Wenn diese und vielleicht eine noch
weitere Übereinstimmung mit Sicherheit festgestellt werden könnte, so würde sie ohne Zweifel eine höchst
gewichtige Thatsache sein, und ich möchte dann die Ansicht, dass die Sonnen-Corona entweder ein solares
Polarlicht oder eine auch Polarlicht enthaltende, viel grossartigere Erscheinung sei, gar nicht für „bizarre
and puzzling", sondern um so mehr für richtig halten, als sie ohnehin mit Wahrscheinlichkeit aus meinem
ersten theoretischen Hauptsatze zu folgern ist.
c) Auffallend ist das von A. S. H ersehe! und Capron beobachtete Flackern der hellgrünen Linie, was
ein Schwanken in der Dichte des leuchtenden Gases andeuten dürfte, und
d) die Verschiedenheit des Spectrums sowohl, wenn dasselbe Polarlicht von verschiedenen Orten als auch
wenn verschiedene Polarlichter von demselben Orte beobachtet werden. Daraus folgt mit ziemlicher Sicherheit,
dass das Spectrum des Polarlichtes nicht nur von der Natur der leuchtenden Materie, sondern auch von den
Verhältni.ssen abhängt, unter welchen es zu Stande kommt, und die sich wahrscheinlich nicht künstlich dar-
stellen lassen.
In Erwägung dieser Umstände kann ich mich einer Idee über die Natur der Elektricität nicht erwehren.
Wenn man nämlich die Athertheorie der Elektricität annimmt, — eine Theorie, zu der meine Hypothesen
neigen — so ist es denkbar, dass das, was wir unter terrestrischen V^erhältnissen Elektricität nennen, nur ein
specieller Fall einer anderen, allgemeineren Erscheinung ist, die in Folge des Ätherüherganges im Universum
auftritt. Denn unter bedeutend anderen Verhältnissen des Druckes, der Temperatur etc., ist z. B. die Geschwin-
digkeit des elektrischen Stromes wahrscheinlich eine andere, und schon in Folge dessen dürften die Licht-
wirkungen, welche zum elektrischen Strome überhaupt in viel engeren, fundamentalen Beziehungen stehen
können, als man vielfach glaubt, sich nach und nach moditiciren, wenn der Weltäther aus kosmischen in
terrestrische Verhältnisse oder umgekehrt übergeht.
6. Der Nordlichtgürtel. Der westliche und östliche Theil der im zweiten Hauptsatze definirten Linie
grössten Potentials vereinigen sich in einem Punkte, welcher im Maximum y,„ der geographischen Breite liegt,
das die Curve erreicht. Dieser Punkt soll Scheitel genannt werden.
Für einen gegebenen Werth der Declination o der Sonne ist f eine Function der Ortszeit t und man findet
fm nach einem bekannten Satz der Differentialrechnung aus der Bedingungsgleichung
Aus den Gleichungen 1) und 2) folgt:
3 ^ cos ta . cos 0 . sin t
8/ cosö.sinij — sin y cos o cos ^ — 5 sin (y + 8) '
welcher Ausdruck Null wird für sin t = 0, also für t = 0*" oder 12''.
Das heisst: Jener Punkt b der Curve hat das Maximum f,„ der geographischen Breite, der um Mittag oder
um Mitternacht durch das Zenith geht, was übrigens ohnehin klar ist. Es kann immer nur eine von diesen
Bedingungen erfüllt werden, und zwar um die Wintermitte die erste, sonst die zweite. Nach den Formeln 2
und 1 lässt siidi die Orts/.eit bereclmen, zu welcher bei gegebenen Werthen von v und o die Curve
grössten Potentials durch das Zenith geht. Diese Rechnung wurde in Breitenintervallen von 10° für die
Solstitien und Aquinoctien ausgeführt und dann die Curvcnstellung auf Tafel H in stereogiapluscher Polar-
jirojection dargestellt. Die gegen die Nachtseite schraffirte Linie bezeichnet die Grenze zwischen Tag und
Nacht auf der nördlichen Erdhälfte. Für den Scheitel b ergilit sich unter Berücksiclitigung der obigen Bedin-
gung folgendes Resultat.
Denkschriften der mathem.-nalurw. Cl. L. Bd. Abhandlungen von Nichlmilgliedcrn. ^^
226
Johann TJnterweger,
Jahreszeit
Geographische Breite i^m des Scheitels
Ortszeit des
Durchgangs
durch das
Zenith
Aus der
Formel für
Abend
Aus der
Formel für
Morgen
Mittel
Wintersolstitium ....
Äquinoctium
Sommersolstitiuni ....
87°-20'
78 55
55 20
S8''5G'
7S 30
55 —
SS° 8'
78 +2
5.i 10
0"
12
12
Der Scheitel h beschreibt in 24 Stunden einen Pavallelkreis und das nördliche Cnrvenstück (t b c eine
Zone von gewisser Breitenausdehnung-, unter welcher das Nordlicht 'am häufigsten und intensivsten auftreten
niuss, weil die Curve innerhalb derselben lange dem Zenith des Bnobachtungsortes und dem Magnetpol nahe
bleibt und die Höhe der Atmospliäre in diesem Theile der Curve ein Minimum ist. Demnach kann man
diese Zone den theoretischen Nordlichtgürtel nennen. In den Figuren wurde er durch radiale Schraf-
firung angedeutet.
Der Pol des wahren Nordlichtgürtels fällt nach Nordenskjöld nicht mit dem geograpliischen Nordpole
zusammen, sondern liegt in der Breite von 81° und westlichen Länge von 80°, was mit dem Mittelpunkte des
von Fritz aufgestellten Isochas men-Systems gut übereinstimmt.
Man erhält daher den wahren Nordlichtglirtel aus dem theoretischen, wenn man die natürliche Annahme
macht, da SS das Cent rum durch den Erdmagnetismus um 9° abgelenkt werde.
Der Radius des Nordlichtgürtels ist, weil sieh <f,„ mit o ändert, ebenfalls variabel. Abgesehen von der
Ablenkung des Mittelpunktes, welche die folgende Frklärnng überhaupt nicht viel beeinflusst, hat der Kadius
seinen kleinsten Werth zur Wintermitte, wo der Nordliclitgürtel ein kleines Gebiet um den Nordpol bildet,
seinen grössten Werth zur Sommermitte, wo der Gürtel über mittlere Breiten geht, und einen mittleren Werth
um die Aquiuoctien, so dass der Gürtel um diese Zeit über den Magnetpol geht, wenn man eine Breiten-
ausdehnung von ungefähr 12° annimmt. Nacb dieser Auffassung bildet der Nordlichtgürtel keine mit
der Erde verbundene, geschlossene Aureole, sondern nur einen ringförmigen Raum, in welchem das Nord-
licht aus den bereits angegebenen Gründen nach und nach am häufigsten und intensivsten zur Entwicklung
kommt.
Für das SUdlicht kann selbstverständlich ein analoger Gürtel mit vertauschten Werthen des Halbmessers
angenommen werden.
7. Geographische Verbreitung und Richtung der Sichtbarkeit.
Aus dem Bisherigen ergibt sich sofort, wie es den Thatsnchen entspricht, dass die Häufigkeit der Sicht-
barkeit des Polarlichtes mit der Breite bis zum Polarlichtgürt(d zunimmt, unter diesem ein Maximum ist und
jenseits desselben wieder abnimmt. Gegen den Äquator nimmt die Häufigkeit vom Polarlichtgürtel aus nicht
so rasch ab als gegen den Pol, einerseits weil die elektrische Zone sich gegen den Äquator zieht und ander-
seits weil in der Richtung gegen den Pol (^ Wintermitte ausgenomineiO und jenseits desselben das Zustande-
kommen der Erscheinung durcli die Tageshelle verhindert wird.
Die Richtung der Siclitbarkeit hängt zunächst ab von der Stellung des Ortes zum PolarlichtgUrtel. Ein
Ort, der südlich vom Nordlichtgürtel liegt, sieht die Erscheinung überwiegend in nördlicher, ein Ort, nördlich
von diesem Gürtel, in südlicher Richtung.
Die allgemeine Richtung der Sichtbarkeit wird jedoch abgeändert durch den Erdmagnetismus, durch die
augenblickliche Stellung der Linie grössten Potentials und durch zufällige atmosphärische und locale Ver-
hältnisse. Nach der zweiten Hypothese ist das Potential in dem Theile der genannten Curve ein Maximum,
welcher dem Magnetpol am nächsten ist; in diesem Theile müssen sich also die Polarlichter um häufigsten
entwickeln, wcsshalb man sie meistens in der Richtung der Declinationsnadel sieht. Das heisst in Europa sUd-
Beiträge zur lErMänmg der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen. 227
lieh vom Nordlichtgürtel siebt man das Nordlicht meist iu Nordnordwest, in Amerika in Nord, in Westamerika
und Ostasien in Nordnordost. Damit hängt auch zusammen, dass in den zwei letztgenannten Gebieten die
Nordlichterscheinungen nach Mitternacht verhältnissmässig häufig sind.
Ein Ort N^ (Taf. II, Fig. für Äquin.) kann das Nordlicht in den frühen Abemlstunden in Ost, Nordost oder
Südost sehen, je nachdem dieVerhiiltnisse der Entwicklung in d, a oder e günstig sind. Für iVj können die Er-
scheinungen beinahe iu allen Richtungen vorkommen, am seltensten jedoch in Süd. N^ (Fig. für Som. = Solst.)
kann Polarlichter in Südwest, Süd, Südost sehen, schwerlich aber in Nord. Wenn man endlich bedenkt, dass
die Curve grössten Potentials nur eine angenäherte Mittellinie einer elektrischen Zone vorstellt, so findet man
es begreiflich, dass noch andere Abweichungen vorkommen. So kann z. B. N, zu früher Abendstunde das
Nordlicht ausnahmsweise schon in West oder Nordwest sehen.
Ein Ort südlich vom Nordlichtgürtel sieht die Erscheinung, wie begreiflich, am seltensten in Süd. Gleich-
wohl ist diese Richtung nicht ausgeschlossen, wird aber häufiger in den Abend- als in den Morgenstunden
beobachtet, wie z.B. Trom holt 's Untersuchungen beweisen,' und hat die Ursache iu dem Umstände, dass
die Abendseite der elektrischen Zone stärker ausgeprägt ist und in ihren Wirkungen weiter nach Süden reicht
als die Morgeuseite.
8. Die Dauer. Die Beobachtungen gehen in Bezug auf die Angabe der Dauer sehr weit auseinander,
denn man findet Angaben von wenigen Minuten, von einer Stunde bis zu mehreren Stunden, in höheren Breiten
sogar von ganzen Tagen und Wochen. Es ist ein Zusammenhang mit der geographischen Verbreitung unver-
kennbar, und demnach ist auch die Erklärung eine ähnliche.
In der Regel dürfte die Dauer nur auf die Zeit beschränkt sein, in welcher die elektrische Zone durch
das Zenith geht. In höheren Breiten hat diese grössere Ausdehnung von West nach Ost, wenigstens in Längen-
graden ausgedrückt, weil die Gradlänge der Parallelkreise mit zunehmender Breite abnimmt. Die elektrische
Zone braucht also in höheren Breiten auch längere Zeit, um das Zenith zu passiren.
Aus der Stellung des Nordlichtgürtels für die Wintermitte sieht man, dass die elektrische Zone für einen
Ort, der sich in der Polarnacht befindet, Tage, Wochen, Monate laug in der Nähe des Zenithes bleibt. Dem
entsprechend ist daher dort die Dauer des Nordlichtes.
Häufig werden Nordlichter beobachtet, deren Entstehungsherd mehr oder weniger nordwärts vom
Beobachtungsorte liegt, und es ist desshalb ganz wohl begreiflich, dass sich die längere Dauer von einem bis
zu mehreren Tagen, insbesondere in Maximum-Jahren, manchmal auch in Breiten bemerkbar macht, die nicht
der Polarnacht angehören. So kann z. B. ein Ort wie N^ (Taf. II, Fig. für Wint. = Solst.) unter sonst günstigen
Verhältnissen die Erscheinung bei hellem Tage wahrnehmen.
9. Die tägliche Periode. Die Linie grössten Potentials wurde im zweiten Hauptsatze so angenommen,
dass die Zeit, zu welcher sie durch das Zenith geht, der Ortszeit des Maximums grösserer Nordlichter in
Schweden und südlich von Franz Josefs-Land entspricht. Damit ist die Erklärung der täglichen Periode für
diese Gebiete in hypothetischer Weise gegeben. Es liegt nun ob zu zeigen, dass diese Erklärung auch auf
andere Gebiete ausgedehnt werden kann. Zu dem Zwecke habe ich in nachstehenden Tabellen die im ersten
Theile angegebeneu Zeiten der täglichen Maxima für gleiche Declination der Sonne zusammengezogen und
den Mitteln die nach den Formeln 1) und 2) berechneten, also theoretischen Werthe von t behufs Verglei'
chung beigesetzt.
1 Nacli einem Referate iu Bd. XVIII der östei-r. Zeitschrift fiii- Meteorologie.
dd ♦
228
Johann Ünterweger.
Wahre Ortszeit
Jahreszeit
Brei
t e n-
Mittel f
jr das Abend-Ä
a X i m u m
Südlieh
S c h w
e d e n
von Frauz-
.Tosefs-
Nördl.
Verein.
rj *_/ k? V * fc^
Land
80°— 7672°
70°— 65°
65°— 611/.°
611/.,° —
581/2°
581/2°— 55°
Nord-
Schweden
Süd-
Schweden
Staaten
22. November — 21. Jänner
7hi7,n
gl.lgm
71147111
81' 43"
8''15'n
gli 2"^
81132111
9h]5ni
22. Jänner — 5. Februar . )
7. November — 21. Nov. )
6. Februar — 20. Februar )
22. October — (3. November)
21. Februar — ü. März . . |
(85) 1
(30)
(34)
(19)
(1^2)
(64)
(31)
(316)
8 20
7 57
7 28
8 49
8 43
7 43
8 47
9 15
(41)
(11)
(10)
(15)
(")
(21)
(22)
(194
8 17
(44)
S 43
(15,1
8 16
(20)
8 36
(29)
8 49
(23)
8 28
(35)
8 42
(52)
9 12
(270)
7. October — 21. October j
7 März ^^1 l\räv7 i
9 22
(31)
9 0
(19)
8 52
(23)
8 59
(31)
8 42
126)
8 56
(42)
8 51
(57)
9 19
(314)
22. September — 0. October)
22. März — 6. April . . . )
7. September — 21. Sept. j
7. April — 21. April . . )
22. August — 6. September)
22. April — 6. Mai . . . . )
7. August — 21. August . j
7. Mai — 21. Mai . . . . i
22. Juli — 6. August . . . )
9 59
(20)
9 4
(22,,
8 48
(22)
9 32
(35)
9 39
(32)
8 56
(44)
9 35
(67)
9 20
(4IS1
10 57
(8)
9 29
(•26)
10 9
(10)
9 16
(15)
10 3
(12)
9 41
(40)
10 2
(23)
9 42
(15)
10 0
(27)
9 24
(41)
10 6
(22)
9 41
(55)
10 1
(50)
9 34
(290)
9 41
(279)
[10 27] -^
(3)
10 14
10 32
(18j
10 21
(9)
10 21
(6)
10 28
(27)
9 44
(225)
U 11
l7j
10 40
(9J
10 54
(16)
10 0
(109)
22. Mai — 21. Jidi ....
[10 39J
(2)
10 48
(6)
[10 46]
(8)
9 52
(436)
T h e
0 r e-
Declination S der Sonne
Mittel
<p = 79°
67Vo°
63°15'
60°
56°45'
65°23'
58°23'
43°
22°
7hl4in
yU 3m
ghum
gbxgra
ghoim
gl. 7ni
ghigm
8"35'°
—17 57'
7 47
8 19
8 25
8 29
8 32
8 22
8 30
8 4 2
—13 23
8 26
8 37
8 41
8 43
8 44
8 40
8 43
8 50
— 8 6
9 17
9 2
9 1
9 0
8 59
9 1
8 59
8 59
— 2 27
10 32
9 31
9 23
9 19
9 16
9 27
9 18
9 9
3 28
12 0
10 7
9 51
9 43
9 36
9 58
9 39
9 20
9 14
11 1
10 29
10 10
9 59
10 40
10 4
9 33
14 20
11 26
10 44
10 25
12 0
10 33
9 45
18 31
11 38
10 55
11 10
9 57
(21 32))
22 19 J
U 33
12 0
10 9
1 Die Zahlen in ( ) be
ideuten die
Anzahl der
äeobaehtunj
Jen.
■•; Die Mittel in [ J au.
i wenigen B
eobaehtung«
n in Süd.
Für mittlere und niedere Breiten auf der nördlichen Hemisphäre und für das Südlicht ergibt sich die
Zusammenstellung auf Seite 38.
Zur Berechnung der theoretischen Werthe für das Südlicht wurde in der Formel 5 mit entgegengesetzten
Zeichen und ^ positiv genommen. Es liegen jedoch viel zu wenig Beobachtungen vor, um die Wahrscheinlich-
keit dieser Annahme besser ersichtlich zu machen.
Die Übereinstimmung der beobachteten mit den theoretis eben Zeiten ist, wie man sieht, im Allgemeinen
gut und in der Regel besser, wo die Mittel auf eine grössere Zahl von Beobachlungen basirt sind.
In Amerika scheint eine constante Abweichung in dem Sinne zu bestehen, dass sich die beobachteten
Abeudmaxima gegen die theoretischen etwas verspäten. Dies mag theils vom Einflüsse des Erdmagnetismus,
theils von dem Fehler hentibren, den die Abenddämmerung verursacht. Die theoretischen Werthe dürften d( r
Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen.
229
des Nordlichtes.
~
Zonen
Mitte
für das M
0 r g e n - M a
X i m u m
Südlich
von Franz-
S c h w c
den
Nördl.
Verein.
1
Josefs-Land
SO»— 761/2°
70°-65°
65°~ülV/
611/.°— ÖSV.2°
58i/.°-55°
Nord-
Scliweden
Süd-
Schweden
Staaten
lfi''25"'
17''45"'
lüi'29"'
14''13™
13i'16">
n'- .-.'"
14'' 2"'
I4I1171.1
(4Sj
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(12J
(33)
(8)
(23)
(il)
(73)
14 37
Ki 58
10 36
14 30
15 17
10 48
14 43
14 23
(■■24)
(-1»
(••i)
(20)
(10
(7)
(36)
(25)
14 10
10 16
15 20
14 19
14 6
15 20
14 15
13 53
(27j
(1)
(9^
(1»)
(7)
(11)1
(25)
(44)
14 17
16 29
13 31
14 16
14 2
15 18
14 14
13 21
(15)
(6J
(■')
(32)
(Ol
(10,
(38)
(52)
13 2G
13 49
13 2 +
13 51
13 28
13 37
13 47
13 27
(7)
(3)
Oi)
(44)
(11)
(6)
(55)
(80)
13 21
14 5
12 40
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13 17
13 14
13 13
13 15
(2J
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(:i)
(30)
(10)
(5)
(40)
(64)
12 2S
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12 50
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13 4
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(•■2)
(40;
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(8)
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(52)
12 22
12 51
12 37
12 22
12 47
12 59
(1)
(19)
17)
(11
(26)
(33)
[12 37]
12 15
12 29
[12 37[
12 20
13 17
(-;
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(•^;
(2)
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(12 24]
[12 55]
[12 24;
[12 55]
13 2
(IJ
(3)
(1)
(3)
(53)
t i s c 1
79°
671/2°
63°15'
60°
56°45'
65°23'
58°23'
43°
15h 7m
14'i38'"
14''33'"
l^Uogm
14h.27m
14''36in
I4I128™
14" 18"'
14 47
14 27
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14 22
14 20
14 20
14 21
14 13
14 22
14 15
14 13
14 12
14 11
14 14
14 12
14 8
13 4S
13 59
14 0
14 1
14 2
13 59
14 1
14 2
13 2
13 40
13 45
13 48
13 50
13 43
13 49
13 55
12 0
13 15
13 26
13 32
13 37
13 21
13 35
13 48
12 36
12 55
13 13
13 21
12 46
13 17
13 39
12 0
12 50
12 0
13 3
12 42
12 10
12 56
12 31
13 31
13 23
13 14
Walirlieit öfters uäher kommen, weil die Formeln aus grossen Erscbeinimgeu, die in unmittelbarer Nähe aul-
traten, abgeleitet worden sind.
Es ist natürlich nicht anzunehmen, dass ein in niederen und mittleren Breiten beobachtetes Nordlicht
seinen Entstehungsort in der Nähe, etwa im Zenith, habe, indem eine solche Erscheinung immer in nördlicher
Richtung gesehen wird. Dass die Beobachtungszeit gleichwohl angenähert — iu manchen Fällen sogar ganz
gut — mit der Zeit übereinstimmt, zu welcher die theoretische Curve durch das Zenith geht, hat seinen Grund
wohl darin, dass diese Curve in niederen und mittleren Breiten insbesondere um die Aquiuoctieu, wo die
meisten derartigen Nordlichter aultreteu, vom Meridian wenig abweicht.
10. Die jährliche Periode. Der NordlichtgUrtel bewegt sich jährlich, so dass er sich gegen die
Winter uiitle in hohe Bieileu zurvckzieht und gegen die Sommermitte nuhr in mittlere Breilen heiabsenkt. Auf
230
Johann Unterweger.
Grund dieser Thatsache, die mehrseitig coustatirt worden ist, wurde sebon z. B. von Weyprecht eine
Erklärung der jälirlichen Periode angedeutet, die einige Wabrscheinlicbkeit hat. Um die Äqninoetien geht der
Nordlicbtgürtel nach meiner Darstelkiug über Nord-Europa und Nord-Asien und die Nordlichter können südlich
davon, also in ganz Europa, beobachtet werden. In der Wintermitte bildet er ein enges Gebiet um den Pol;
die Erscheinungen können daher in Europa nicht so leicht gesehen werden, obscbou sie in hohen Breiten im
Maximum auftreten. In der Sommermitte liegt der Nordlicbtgürtel zwar über Mitteleuropa, und die Erscheinungen
könnten gut beobachtet werden ; allein sie dürften minder häufig sein, weil hier der Wiederstand der Luft
gegen elektrische Ströme selir gross ist, so dass, wenn schon Entladungen stattfinden, sie mit hoher Spannung,
also in Form von elektrischen Gewittern auftreten. Diese Erklärung befriedigt mich jedoch nur theilweise,
weil sie von der Beziehung zur 27 '/gtägigen Periode keine Rechenschaft gibt. Man könnte auch auf die Ver-
änderlichkeit der elektrischen Diiferenz zwischen den Eidhälften liinweisen, was jedoch auch zu unsicher ist.
Die beste Erklärung ergibt sich meines Erachtens aus der Stellung der Erde zu den heliographiscben
Fleckenzonen.
J a li 1- e s z e i t e n
A b e u d m a x i ni ii in
M 0 r g e n ni a X i in 11 m
Nördl. llemisi)liäre
Südl. Hemisphäre
Nördl. Hemisphäre
Südl.
Hemisphäre
Alte Welt
55°— 46°
Alte Welt
südlich von
46°
Süll-
australien
— 64°18
Alte Welt
55°— 40°
Alte Welt
siullich von
4G°
Süd-
australieu
Winter
Frühling- uuii Herbst . .
Sommer
8l'48i"
(184)
9 16
(395)
10 24
(59)
9"31"'
(12)
8 43
(23)
9 38
(11)
10'' 1'"
(48)
9 10
(29)
10 2
(«)
10 14
15'' 6™
(34)
14 23
(70)
12 58
(1-lj
14''10"i
14 0
(13)
13 2
(1;
14 1' S"i
(lOi
14 40
(19)
13 54
(-t.)
Declination der Sonne
Mittel
Theoretisch
y = 491/2°
35°
—40°
— 64°18'
491//
35°
—40°
— 19°30'
0 —
20 —
8h34m
9 19
10 23
8h45m
9 10
9 45
9l'53'n
9 12
8 41
91,45m
iö = — 1°44')
I4IUS'"
13 50
13 5
14''12'>i
13 55
13 31
13''26'"
13 53
14 14
Die Sonnenflecken sind bekanntlich nidit über die ganze Sonne gleichmässig verbreitet, sondern treten
am häufigsten in der heliographischen Breite von 10° bis 30° auf. Ein Fleck kann als eine kegelförmige Ver-
tiefung angesehen werden, und die Achse desselben, einen Sonnenradius bildend, ist offenbar dann gegen die
Erde gerichtet, wenn der Fleck, von der Erde ans gesehen, in der Mitte der Sonnenscheibe erscheint. Da nach
See Chi 's Abbildungen die Sonnen-Corona über den Flecken am stärksten entwickelt ist, so wird ein so
gesehener Fleck (oder Fleckengruppe) gleichsam ein grosses und langes Büschel Sonnen-Corona gegen die
Erde lenken und sieb durch elektrische Eepulsion besonders bemerkbar machen. Die Flecken erscheinen aber
am häufigsten in der Sonuenmitte um die Tag- und Nachtgleichen aus folgendem Grunde.
Der Sonnenäquator, und also auch die Babnebene eines Fleckes, bildet mit der Ekliptik einen Winkel
von 7'/^° und erscheint um den 5. Juni und 6. December, also gegen die Solstitien, von der Erde aus als
Beiträge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen. 231
gerade Linie, weil an diesen Tagen die Erde durch die Ebene des Sonnenäquators geht. In solcher Stellung
kann, wie begreiflich, kein Fleck in der Sonneninitte gesehen werden. Vom December bis Juni erscheint die
Bahn eines Fleckes als eine nach Norden und in der andern Jahreshälfte als eine nach Süden ausgebogene
Ellipse. Um die Aquinoctien muss demnach ein Fleck der südlichen respective nördlichen Zone, wenn er vom
Äquator nm 7V^° absteht, in der Sonnenniitte gesehen werden, sobald er vom Ost- und Westrande gleichen
Abstand hat, und die Achse eines Fleckes höherer Breite muss mit der Richtung gegen die Erde einen möglichst
kleinen Winkel bilden.
Die elektrische Repulsion der Sonne gegen die Erde erscheint demnach in diesen Zeiten als Maximum
und in Folge dessen ist die positive Elektricität der Erde auf der Nachthälfte am stärksten angehäuft und die
elektrische Zone am deutlichsten ausgeprägt, wodurch die beiden Jahresmaxima des Polarlichtes für niedere,
mittlere und zum Theil für höhere Breiten eine ungezwungene Erklärung finden.
Dass das Polarlicht in der Wintermittc häufiger ist als in der Sommermitte, findet seine Erklärung con-
sequenter Weise in der Sonnennähe und Sonnenferne.
In hohen Breiten kann um die Aquinoctien kein Jahresmaximum hervorgerufen werden, weil diese Region
sich überwiegend in der Dämmerung befindet. Die Anomalie hoher Breiten ist daher nur aus der Stellung
des Nordlichtgürtels zu erklären. In Amerika zeigt sich eine entgegengesetzte Anomalie, indem dort die beiden
Jahresmaxima etwas gegen die Sommermitte rücken. Dies dürfte seine Hauptursache in der Nähe des Magnet-
pole» haben, denn es ist wahrscheinlich, dass diese die elektrische Entladung in der Form von Nordlicht dort
auch dann noch begünstigt, wenn sich der Nordlichtgürtel gegen die Sommermitte weiter nach Süden senkt.
11. Die 27y2tägige Periode. Auf den ersten Blick wäre man versucht, diese Periode dem Einflüsse
des Mondes zuzuschreiben; man überzeugt sich aber bald, dass derselbe zur Erklärung nicht ausreicht. Die
Periode stimmt nämlich zu wenig mit der synodischen Umlaufszeit des Mondes imd tritt im Jahre nicht
gleichmässig auf, wofür sich im Monde keine Ursache finden lässt. Übrigens möchte ich dem Begleiter der
Erde, welcher keine wahrnehmbare Atmosphäre hat, aus theoretischen Gründen nur geringen Einfluss auf das
Polarlicht zuschreiben, welcher Einfluss, wenn überhaupt vorhanden, gegen den des riesigen Centralkörpers
verschwindet.
Wenn man bedenkt, dass 27^/^ Tage fast genau die scheinbare Rotationsdauer jener Sonnenflecken ist,
die vom Äquator um 10° entfernt sind, und dass eine Periode der Fleckenhäufigkeit von nahe gleicher Dauer
besteht, so muss man diese Thatsachen um so mehr für die wahren Ursachen der fraglichen Periode erkennen,
als dadurch zugleich ihre Beziehung zur jährlichen Periode eine natürliche Erklärung findet, indem es keinem
Zweifel unterliegt, dass um die Zeit grossen Fleckeneiuflusses auch jede Veränderung in ihnen durch Fern-
wirkung am deutlichsten zu Tage tritt.
12. Die 11- und 56-jährige Periode des Polarlichfes sind nach Fritz identisch mit Perioden
der Sonnenfleckenhäufigkeit. Dadurch erhält das über die kleineren Perioden Gesagte eine sichere Stütze.
Meine Antwort auf die Frage, warum einem Maximum der Sonnenflecken zugleich ein Maximum des Polar-
lichtes entspricht, ist also, wie schon früher angedeutet wurde: Weil die Entstehung und das Vorhandensein
grosser und zahlreicher Sonnenflecken die repulsirende Fernwirkung der positiven Sonnenelektricität verstärkt,
wodurch die gleicliartige Elektricität der irdischen Atmosphäre insbesondere auf der Nachtseite und, weil hier
die Verticalcoraponente der Repulsion gleich Null ist, weniger in den unteren als in den oberen Schichten der
Luft angehäuft wird, wo sich ihre Bewegungen und Entladungen häufiger durch Polarlicht als durch elektrische
Gewitter zu erkennen geben.
Nach W. v. Bezold (Abhandl. d. k. Itayer. Akad- d. Wiss. IL Cl. XV. Bd., 1. Abtli.) sind die grösseren
Perioden der Gewitter-Frequenz denen der Sonnenflecken entgegengesetzt. Ein analoger Gegensatz besteht
demnach zwischen Polarlichtern und Gewittern, er scheint sich auch in kleineren Perioden auszusprechen und
ist aus den angegebenen und anderen Gründen sehr wohl erklärlich. Eine nähere Erörterung dieser Bezie-
hungen muss jedoch einer anderen Abhandlung vorbehalten bleiben,
232 Johann Unteriveger. Beitrüge zur Erklärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungen.
Von Tromholt ist nach Beobachtungen /.n Godtliaab eine gewisse Umkelivung der grösseren Perioden
in hohen Breiten als wahrscheinlich dargethan worden. Um als erwiesen zu gelten, müssten viel mehr
Beobachtungen und von verschiedenen Orten in Rechnung gebracht werden.
In theoretischer Hinsieht scheinen solche Umkehrungen nicht unmöglich; denn es ist unter Anderem denk-
bar, dass die Curve grössten Potentials in Maximumjahren etwas weiter von der Beleuchtniigsgrenze absteht
als in Minimumjahren, was ein Schwanken des Xordlichtgürtels und damit möglicherweise eine Veränderung
der Perioden in hohen Breiten zur Folge hätte. Eine Veränderung des Abstandes x findet nach den angegebenen
Formeln im Verlauf des Jahres wirklich statt, indem derselbe z. B. für den Scheitel im Sommer kleiner ist als
im Winter.
In den Figuren auf Taf. II entsprechen die Stellungen jener Curve den Jahren mit mittlerer Nordlidit-
Frequenz. weil zur Aufstellung der theoretischen Formeln schwedische Beobachtungen aus Maximal- und
Miniinaljahren und Beobachtungen aus dem Gebiete südlicli von Franz Josefs-Land, welche zufälliger Weise
Jahren mit mittlerer Nordlicht-Häufigkeit angeliören, benützt worden sind.
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MITTHEILUNüEN AUS DE« (JEOLOtilSCIlEN INSTITOTE DER K. K. DEUTSCHEN UNIVERSITÄT IN PRAIJ, N"^- 6.
DIE
FAUNA DER JURAABLAGERUNG VON HOHNSTEIN
IN SACHSEN.
BEARBEITET VON
GEORU BRUDER,
ASSISTENT AM GEOLOOI.SCHKN INSTITUTE DEU IC. K. DEUTSCHEN UNIVERSITÄT IN PttACi.
(ÖtUt 5 S'af^fn 1.1.3 1 JCof^-x-fn.iW.)
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 5. MÄRZ 188S.
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Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen. 235
Vorwort.
Die erste Anrc{,aini; v.n der vorliegenden Arbeit gab Herr Professor Dr. A. Stelzner, welcher micb im
Jahre 1881 anf eine Suite böhmischer Jurafossilien aufmerksam machte, die sich in der geologischen Sammlimg
der königlich sächsischen Bergakademie zu Freiberg befand. Im Herbste jenes Jahres besichtigte ich die-
selbe an Ort und Stelle, und erhielt auf meine Bitte sowohl das eben bezeichnete Material, als auch die sehr
reichhaltige Suite Hohnsteiner Jinapetrefactcn zur Bearbeitung. Ihm gebührt zunächst mein Dank. In meiner
Abhandlung: „Neue Beiträge zur Kenntniss der Juraablagerung im nördlichen Böhmen", welche im Mai 1882
in den Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. erschienen ist, fand auch die Freiberger Suite böhmischer
Jurafossilien Berücksichtigung. Die viel reichhaltigere und sehr interessante Hohnsteiner Fauna beschloss ich
hingegen in einer besonderen Abhandlung monographisch zu bearbeiten. Es war daher zunächst meine Auf-
gabe, nach weiterem Mnteriale zu forschefi.
Herr Professor Dr. Krutsch in Tharand, au welchen ich mich zuerst wandte, legte mir das dort vor-
handene Material, das nur aus einigen Brachiopodeu besteht vor, machte mich aber darauf aufmerksam, dass
die dort gesuchte Cotta'sche Sammlung von der Berliner l'uiversität erworben worden sei.
In Dresden wurde mir von Herrn Geheimrath H. B. Geinitz die Durchsicht der sehr umfangreichen
Sammlungen Hohnsteiner Jurapetrefacten, welche sich an dem königl. mineral. und geol. Museum und dem
geologischen Institute des königl. Polytechnikums befinden, in liberalster Weise zugestanden, und mir dieselben
auf mein Ansuchen auch nach Prag zugesendet.
Während meines Aufenthaltes zu Berlin im Juni v. Jahres, gestatteten mir die Herren Professoren Geheim-
rath Beyrich und Dames die Besichtigung und Bestimmung der reichhaltigen Cofta'schen Collection und
Uberliessen mir die gewünschten Exemplare mit dankenswerther Bereitwilligkeit zum Abbilden.
Endlich stellte mir auch Herr Professor Dr. K. Zittel jene Hohnsteiner Fossilien zur Verfügung, welche
aus der Münsterischen Sammlung stammen und mit dieser in den Besitz des paläontologischen Staats-
museums in München übergegangen sind.
Weitere Sammlungen von Hohnsteiner Jurapetrefacten konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Wenn das
vorliegende Werk somit eine möglichst vollständige Charakteristik der Fauna dieser Ablagerung enthält, so
danke ich selbes nur der liebenswürdigen Unterstützung, welche mir durch die genannten hochverehrten
Herren zu Thcil wurde. Dessgleichen fühle ich mich Herrn Custos Th. Fuchs in Wien für die freundlichst zu
Gebote gestellte Literatur aus der Bibliothek des k. k. mineral. Hofmuseums, und meinem hochgeehrten Vor-
stände und Lehrer, Herrn Professor Dr. G. Laube, für die mannigfixche Förderung bei der Lösung meiner Auf-
gabe zu innigem Danke verbunden.
236 Qeorg Bruder.
Einleitung.
Zwischen Oberau bei Meisseu und Zittau liaben auf einer Strecke von 127 Kilora. an vielen l'unkteu der
Granit- und Quadersandsteingrenze Aufrichtungen von Kreide an Granit stattgefunden, so dass eines Theils die
Grenze saiger steht, anderen Theils Quaderschichteu vom Urgebirge abfallen, wodurch ein grosser Rruch
niarkirt ist. Derselbe durchschneidet südöstlich von Zittau zwischen Grottau und Fankraz das böhmische Kaiid-
gebirgc und es folgt theils auf cambrischcn und krystallinischeu Schiefer, theils weiter östlich auf Dyasglieder
aufgeschoben, der steil aufgerichtete Quaderrand der südwestlichen Abhänge des Jeschkengebirges aus der
Gegend von Pankraz über Liebenau bis an die Iser bei Klein-Skal.
Saiger stehende Grenze wurde beobachtet:
1. Bei Nieder warta am linken Elbeufer zwischen Meissen und Dresden.
2. Im Kirnitzthale oberhalb Schandau.
3. Zwischen Ottendorf und dem Weissbachthale.
4. Bei Neu-Daubit z.
5. Am Fusse der Lausche bei Waltersdorf.
Vom Urgebirge abfallende Quaderschichten :
(j. Am letzten Heller nördlich von Dresden.
7. Bei Dittersbach unweit Lohmen.
8. Zwischen Spittelgrund und Freudenhöhe am Tröglsberg, und zwischen Liebenau und der Iser bei
Klein-Skal.
Das höchste Inteiesse verdienen jedoch jene Aufschlüsse an dieser Grenze, in welchen sogar wahre (iber-
schiebungen von Granit (Syenitj über den Quader nachweisbar sind. Nämlich:
9. Bei Oberau. Hier liegt der Granit gleichförmig auf den mit 20 — 35° gegen N einfallenden Pläner-
schichten.
10. Bei Weinböhla. Granit verbunden mit Syenit rulit mit 10-15° gegen N geneigter Grenzfläche auf
Plänerkalk.
11. Bei Weisstropp und in der Schlucht zwischen Niederwarta und Costebaude fallen die Schiciiten des
Pläner mit 45° gegen N ein.
12. Bei Hohnstein in der Kalkgrube fallen jurassische Schichten mit anfangs 47°, zuletzt nur noch
37° betragendem Winkel gegen Nord unter den Granit
13. Au mehreren Punkten zwischen Hohustein und dem tiefen Grunde wurden unter dem Granite mit
20 — 25° gegen N fallende Juraschichten durch Versuchsarbeiten angetroffen.
14. Im Kirnitzthale ist nebst saigerstehender auch steil nach Nord geneigte Grenze aufgeschlossen.
15. Bei Saupsdorf fallen Qnaderschichten mit 30° (stellenweise 60°) gegen Nord unter den Granit ein,
dazwischen lagern Jurasedimente, welche gegen West und Ost bald auskeilen.
16. Zwischen Ottendorf und dem Weissbachthale wurden durch Versuchsarbeiten au vielen Stellen Auf-
lagerungen des Granites über Quader, jedoch bei sehr verschiedenem Verhalten der Grenze nachgewiesen.
17. Bei Neu-Daubitz im Kalkbruche sind Juraschichten zu beol)achten, die zunächst mit 5° gegen
Ost unter den Granit einfallen, die sich aber am nordwestlichen Ende desselben mehr aufrichten, so dass sie
saiger stehen und sogar steil gegen West vom Granit abfallen.
18. Zwischen Oybin und Zittau wird der Quadersandstein von Granit bedeckt.
Die Fauna der Jitraablageruug von Ifohns/ein in Sticlisen. 237
Diese unverkennbareu Spuren eines grossen geologischen Ereignisses, welche auf eine Hebung des Granites
in bereits erstarrtem Zustande schliessen lassen, lenkten schon vor einem halben Jahrhunderte die Aufmerksam-
keit der bedeutendsten Geologen auf sieb. So führte B. v. Cot ta, welcher sich eingehend mit denselben liefasstc
zu Beginn der Dreissiger Jahre, AI. v. Humboldt, L. v. Buch, Elie de Beaumont, G. Rose, C. Leonhard
und Nöggeratb an Ort und Stelle.
Wie aus dem vorstehenden Literaturnachweise hervorgeht, liaben dieselben bis in die neueste Zeit vielfach
zum Studium angeregt. Insbesondere gilt dieses für jene Stellen der besagten Grenze, an welchen Juraschichten,
durcli reichliche Petrcfactenführung ausgezeichnet, mit an die Oberfläche gedrängt worden sind, so dass sie in
umgekippter Lagerung zwischen Granit als Hangendem und Kreide alsLiegendem eingeklemmt erseheinen.
Es ist das Verdienst Herrn Geheimraths v. De eben ' die wahre Natur des angedeuteten Ereignisses in
einem Vortrage: „Über grosse Dislocationen" hervorgehoben zu haben. Er bezeichnet den Granit als das
geliobene und die Kreide als das gesunkene Gebirgsstück. Die emporgeschobenen Jurnscliichten, welche
dem über derUberschicbungsklutt betiiidiichenGebirgstheile angehören, vergleicht er passend mit den Schweifen
der Kohlenflötze auf dem zwischen den beiden Kreuzliuien gelegeneu Theile der Dislocationsspalten im pro-
duetiven Carbongebirge der Ruhrgegend, und erklärt die Lage der Juraschichten als mit denselben vollkommen
analog. Die untere Kreuzlinie der sächsisch-biihmischen Überschiebung und der Juraschichten liegt in der
Tiefe unter dem Quader verborgen. Die obere Kreuzlinie ist dur( h grossartige Denudation und Erosion an der
Oberfläche seit dem Ende der Kreideperiode verschwunden.
Herr Prof Suess^ fasst die inKede stehendenLagerungsverhältnisse alsRückfaltuugen auf, hervorgebracht
durch eine Bewegung der Masse des Riesen- und Lsergebirges in nordöstlicher Richtung; denn auf der liiucli-
linie, welche den Innenrand dieser Gebirgsmasse abschneidet, ist der Granit mit anderen archäischen Gesteinen
gegen Südwest über oberen Jura und Kreide gebeugt. Nicht die Hebung des Granites, sondern das Absinken
des südlich von der Bruchlinie gelegenen inneren Gebirgsflügels hat nach dessen Ansicht die Aufriclituug der
Kreide, sowie Einklemmung und Überstürzung der Jurasehichten zur Folge gehabt.
Eine sehr detaillirte und sorgfältige Darstellung der tektonischen Verhältnisse, welche sich auf gründliche
Untersuchungen und langjährige Erfahrung stützte, gab im Jahre ISoB B. v. fJotta im II. Theile seiner geogno-
stisciieu Wanderungen, unter dem Titel: „Die Lageruugsverliältnissc an der Grenze zwischen Granit und
Quadersandstein bei Meissen, Hohnstein und Liebenau", sowie auch 0. Lenz in der Abhandhiug: „Über das
Auftreten jurassischer Gebilde in Böhmen", erschienen in der Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften,
Bd. XXXV. 1870. Was dieselben hierüber mittheilen, ist noch immer das Massgebende und um so wichtiger,
als gegenwärtig sich die Verhältnisse für eine Beobachtung wesentlich ungünstiger gestaltet liaben, wovon ich
mich gelegentlich meines Aufenthaltes in Hohnstein im Herbste 1881 persönlich überzeugen konnte.
Dagegen erschien es wüuscbenswerth, dass die sehr interessante Fauna der Hohnsteiner Jurasehichten dem
gegenwärtigen Staude der Wissenschaft entsprechend bearbeitet werde. Wohl hat Cotta seiner Arbeit auch
eine Petrefacteuliste, versehen not kritischen Bemerkungen, beigetiigl, doch ist dieselbe niclit bloss durch
neuere Funde unvollständig geworden, sondern auch die Bestimmungen haben sich vielfach als unzureichend
erwiesen, stammen sie doch aus einer Zeit, in welcher die Fossilien noch nicht so gut bekannt und beschrieben
waren, als dieses gegenwärtig der Fall ist.
In der Erwartung, dass demzufolge ein Beitrag zur Keuntniss dieser Fauna willkommen sein dürfte, und
crmulhigt durch die freundliche Aufnahme, welche meinen .\bliandlungcn über die böhmischen Juragebilde zu
Thcil wurde, schreite ich hiermit zur Mittheilung der Ergebnisse meiner diesbezüglichen Studien.
1 Declien, Über grosse Dislocatioucu. p. is— 2.5. Sitziiugsbor. der niederrheiu. Uesellscli. f. N:iturliuuile in Bouu. 1880.
2 Suess, Antlitz der Erde, I. Abtti., p. isl und p. 275 — 76. issa.
238
Georg Bruder.
Geologisches.
Zur Erkeuntniss der tektonischeii Verhältnisse an der Griinit- und Quadersandsfein-firenze eignet sich
wohl der Aufschhiss ain besten, welchen uns die grosse Entblössung über Tage in der südöstlich von der Stadt
Hohnstein gelegenen Kalkgrube darbietet. Dieselbe ist entstanden durch Zusammenbrechen der ausgebauten
Stollen, sowie durch steinbruchweise Gewinnung von Bausteinen. Wie beigetxigte Skizze zeigt, sieht man hier
recht schön jurassische Schichten (mit einem Anfangs 47°, zuletzt nur noch 37° betragenden Winkel) in nord-
östlicher Richtung unter den Granit einfallen,
Dieser ist bei a von Schutt und Vegetation bedeckt. Die unter denselben einschiessenden Sandsteine b und
d sind durch beigemengte Kohleiitheilchen dunkel getarbt und von sehr lockerem Gefüge, zwischen beiden
lagert eine festere, gelblichgraue Sandsteinschichte r. In den mürben Sandsteinen wurden spärliche Reste von
Belemnites canaMculafus und Cidaritenstacheln gefunden. Nach Cotta folgen dann weiter noch Sandsteine,
welche Terebratula Graßciim und perovaUs enthalten, sowie Kalksteine mit vielen undeutlichen Versteinerungen
aus den Geschlechtern Ostrea, Exoc/yra, Terebratnln, Belemnites u. s. w., die jedoch gegenwärtig fast vollständig
unter Gerolle und Pflanzenwuchs verborgen sind.
Wesentlich anders erweisen sich die Verhältnisse in der Grube selbst, welche leider zur Zeit meines Auf-
enthaltes wegen Einbruches von Wasser nicht zugänglich war. Die meisten hier beobachteten Schichten sind
über Tage zum Theile ausgekeilt, theils unter Rasen verborgen oder so in ihrer Natur verändert, dass man sie
nicht wieder erkennt.
Die Fiiuna der Jumahlagerung von Ifohnsfein in Sachsen. 239
Unter dem Granit folgt hier:
1. Die sogenannte „rothe Lage", bestehend aus rotbem, weissem und gelbem Thone, mit 30° bis 45°
Neigung unter dem Granit einschiessend, 14 ))is 20 Meter mäebtig.
2. Die schwarze Lage, aus schwarzem, bituminösem Tlione bestehend, welcher oft Peclikohle und viele
Versteinerungen entliält, die fast durcbgeheuds mit wohlerbaitener weisser Schale versehen sind. Die Mächtig-
keit beträgt 1 bis 8 Meter.
3. Mergel mit festen Kalksteinknollen, 1— S'/j Meter mächtig, Petrefacten führend.
4. Fester, dnnkelgrauer Kalkstein, welcher etwas Talkerdc enthält, aus lauter unzusamnienhängenden
Massen bestehend und viele Versteinerungen eiuschliessend.
5. Sandstein mit einzelnen Kalkknollen, wohl den Schichten der Sandwand entspreciiend. Demselben
entstammen einige schlecht erhaltene Fossilien, darunter EjuHjyrd coliimha Lam.
In Betreff der Vertheiluug der bei Hohnstein gefundeneu Fossilien in den dortselbst auftretenden Schichten
hat bereits Cotta (1. c. pag. 33) eine Zusammenstellung gegeben. Dieselbe wurde Nachstehendem zu Grunde
gelegt, doch fanden auch die neuen Funde Berücksichtigung, soweit Etiquette und Erb.altungszustand solches
gestatteten. Die bereits von Cotta angeführten Versteinerungen sind mit einem Sterne (*) bezeichnet, und jene
seiner Bestimmungen, welche sich als unrichtig erwiesen haben, sind in einer Klammer beigesetzt.
A. Schwarze bituminöse Hangendthone (Lettenschichtj.
Peltoceras Geinitzii n. sp.
Peltoceras sp. (Ein loser Stachel eines Riesen-Peltoceras).
^Perisphinctes plicatilis Sow sp. {Am. Parkinsoni).
"Perispiundes Murtinsi d'Orb. [A^n. Bnih'nrldyk?)
Oppelia semiplana Opp sp.
Haploceras cf. Bruckneri Opp sp.
*Harpoceras canaliculatum v. Buch sp. [Am. Murchisonae?)
Amaltheus alternans v. Buch sp.
AmaUlu'us tenuiserratus Opp sp.
*Turrite/ln sp.
*Pleurotomaria (/ranulata Sow sp. (PI. ornata?).
* Astarte cf. cordata. Trautsc hold [Isocardia elongata?)
Nticula variabilis Sow.
* Asterias impressac Quenst.
*Pentacrinus penfayonalis Goldf. (P. hasaUifonnis).
B. Mergel und Kalksteine.
Plesiodus pustidosas Wagner.
*Belemnites cf. postcanaltculatus Bruder (Bd. eanaliculatus).
Belemnites iinieanaUculatiis Ziet.
Aspidoceras hinodum Opp sp.
Aspidoceras acanfliicum Opp. sp.
* Aspidoceras lotujispinum Sow. sp.
Aspidoceras intermediuni. nov. sp.
Aspidoceras cf. liparnm Opp. sp.
Aspidoceras cf. Schilleri Opp. sp.
Perisphincfes cf. cnisoHviisis Font. sp.
Perisphlnctes Basllicae E. Favre sp.
Perisphinctes cf. Lothar! Opj). sp.
240 Georg Bruder.
*Perisphinctes inconditus Font. .sp. (Am. poltjplocus).
Perisphindes cf. lictor Font. sp.
Perispli'nides pohjgyratus Rein sp. (Am. jxjli/iji/ratus).
Pen'.sph/iutes biplex Sow. sp.
Pefisphindes involutua Quenst. sp.
Penqihindes (Simoceras?) n. f. ind.
PeiiieMa pseudotnutdhUis Loriol. sj).
Bei'iiekid äff. Calisto d'Orb. sp.
Ueinekia Eudoxus d'Orb. sp.
Olcosfephanus striolaris Quenst. sp.
Okostephnnus cf. Strauchiamis Opp. sp.
*OlcO!<fepha)ius Frischliiü Opp. sp. (A7n. iripUcafus),
Olcostephanus stephanoides Opp. sp.
* Olcosfephanus repastimdus Möscb. sp. (Am. Könaji).
Ha2)loceras nov. sp.
Oppelia gigantea nov. s}).
Oppelia Holheini Opp. sj).
*Aptychus hteois latus Quenst.
'■"Nautilus franconicus Opp. (N. aganticus).
*Pleurotomaria suprajurensis Rom. (Trochus? sp)edosus z. Tbl.)
Pleurotomaria cf. bijuga Quenst.
'*Pleun)fom.ariajurensis Hartni. s]). (Trochus? speciosus z. Tbl.).
*Pleurotomaria cf. sublineata MUnstr. sp. [Trodius speciosus z. Tbl.).
*Pholadomija multicostata Ag. (Ph. acuticosta).
*Pholadomya acuminata Hartm. (Ph. clathrata).
Pleuromya tellina Agass.
Mndromga cf. rugosa Rom. sp.
Anisocardiu sp.
*Trigonia papillata Agass. {LyrodoH clavellatuni).
*Trigoma Cottae nov. sp.
'*Oucullüea Hohtisfeijieiisis nov. sp. (C. oblonga).
*Modio/u suhaequipUcata Goldf. sp. (^M. cuneata).
Lithodomus s\). jurassica Geinitz.
Inoceramus laevigatus M s t r.
Äincula laainosae Quenst. sp. (Motiotis simüis).
*Lima Möschi Loriol. (L. elongata).
*Lima cf. notata Goldf. iL. diiplicata).
Lima cf. Quenstedti Möscb,
Pecten subarmatus Münstr.
*Peden subtextorius Münstr. (P. fcctoritis).
*Pecten vitreus Römer (P. vitreus).
*Gryphaea dilatata Sow. ((?. gigaufea).
*Alectryonia {Ostreci) ItasteUatn Scblotb. (O. gregaria).
*Ostrea cf. Thurmanm Et all.
Ostrea cf. Römer i Quenst.
Serpula sp.
*Terebrafula {Waldheimia) Möschi Mayr. (T. hiplicuta).
Die Fauna der Juraablagerung von Hohnsfein in Sachsen. 241
Terebratula (WaldheimiaJ humeralis Römer.
Terebratula cf. formosa S u e s s.
Terebratula saxonica nov. sp.
*Terebratula subsella Leym. (T. perovalis).
Terebratula bisuffarcinata Schlot!).
Terebratula Ziefeni Loriol.
Terebratula elUptoides MöscL.
*Terebratulina substriata Schloth sp. [T. elongata).
Bhi/nchonella triloboides Quenst. sp.
*RIiij)ichonella moravica\]h\ig(T. trilobata),
*BliijiK'Jiondla lacHiiosa var. ilichotonw Quenst. (7". Grafiana).
Bhi/Hchonella »S.pinyuis Römer sp.
*Rhynchonella Astieriana d'Orb. (T. inconstans).
*Disaster granulosus Mtinst. sp. {Spat, intermedius).
*CoUyrites bicordatus Desm. {Spat, carinatus).
*Ifolecti/pus corallinus Desor. [Gal. dejiressHs).
Pediua sublaeois {aspera) Agass.
Pseudodiadema cf. mamillanuni Desor.
Hetnicidaris crenularis Lam.
*Cidaris coro>iat(i y Quenst. {Cid. glandiformh).
Cidaris Bluntenhachi Miinstr.
*Bhabdocidaris nobilis Müustr. sp. [Cid. maximus).
Apiocrinus sp.
*Corytiella Quenstedti Zitt. (Scyphia sp.)
Spongien div. sp.
C. Sandstein mit Exogyra columba und undeutlichen Resten von Cidariten und Brachiopoden, bildet das
Liegende der Juraschichten, gehört aber bereits der Kreideformation an.
Der Erhaltungszustand der Fossilien scheint für eine weitere Gliederung in noch mehr Gruppen Anhalts-
punkte zu geben. So deutet der Fnistaud, dass ein Theil der Petrefacten aus den dunklen Thoneu verkiest ist,
während die übrigen mit wohlerhaltener Schale versehen und verkalkt sind, darauf hin, dass dieselben hin-
sichtlich ihrer petrographischen Beschaffenheit kein vollständig homogenes Gebilde seien. In ähnlicher Weise
lassen die Versteinerungen der „Mergel und Kalke", die von Cotta in der zweiten Giuppe zusammengestellt
wurden, die Annahme gerechtfertigt erscheinen, dass sie ursprünglich in getrennten Schichtensystemen zur
Ablagerung kamen. Die Brachiopoden, Echinodernien. Spongien und einige Acephalen, dnnmter Gryj^fiaea
dilatata und Akdryonia haddlata, liegen zumeist in vollständigen Exemplaren vor, ohne daran haftendes festes
Gestein, wohl aber mit einem thonig- mergeligen Überzuge bekleidet, der leicht durch putzen mit angesäuertem
Wasser entfernt werden kann. Dieses Verhalten spricht dafür, dass die eben bezeichneten Fossilien den Mer-
geln eigenthUmlich seien. Dagegen sind die Ammoniten, Gastropoden und die Mehrzahl der Acephalen noch
von festem Kalksteine begleitet und meist nur als Steinkerne erhalten. Es kann daher kein Zweifel bestehen,
dass dieselben der letztgenannten Schichte entstammen. Diese Kalke bilden unzusammenhängende Massen,
welche zum Theile in die Mergel eindringen. Sie waren gewiss ursprünglich als einheitliche Schichte gebildet,
mussten jedoch gelegentlich der Dislocation vermöge ihrer grösseren Sprödigkeit bersten, wobei ihre Trümmer
in die weicheren Mergel gepresst winden.
Nur die Fossilien aus den festen Kalksteinen, und zwar in erster Reihe die Ammoniten, lasseu die Sjiuren
eines auf sie ausgeübten Druckes erkennen. Viele derselben zeigen Verschiebungen und Verdrückungen , wie
solches in ähnlicher Weise, aber nocli höherem Grade bei jenen von Steruberg der Fall ist.
Deukschrifton der mathem.-naturw. Gl. L. Bd. Abhandlungen von Nichtmitgliedern. j'f
242
Georg Bruder.
Über Alter und Facies der Fossilien führenden Schichten von Hohnstein, und deren Verhältniss zu den
böhmischen Juragebilden, sowie jenen der angrenzenden Länder.
Vergleichen wir das von Cotta ml tgeth eilte Profil der Hohnsteiner Kalkgrube mit jenem, weiches 0. Lenz
für Sternberg entworfen hat, so fällt die grosse Übereinstimmung auf, die hier sowohl in Bezug auf die petro-
grapbische Beschaffenlieit der Schichten, als auch in Betreff der Reihenfolge, in welcher die verschiedenen
Sedimente einander folgen, zum Ausdrucke kommt. Es gelingt leicht und ohne Zwang, die äquivalenten Gebilde
beider Localitäten in nachfolgendem Schema einander gegenüber zu stellen, so dass man nothwendig die Über-
zeugung gewinnen muss, man habe es mit gleichartigen und gleichzeitig gebildeten Sedimenten desselben
Meeres zu thun.
Hohusteiu in Sachsen.
a) Hangendos: Granit.
Sternberg in Böhmen.
a) Hangendes: Granit.
b) Kothe, gelbe und weisse Thone.
b) Dunkelrothe Thone.
c) Sandsteine und Conglomerate.
c) Grobkörniger Sandstein.
Schwarzer bituminöser Thon mit Pethlcohle verunreinigt. Ver-
steinerungen theils verkiest, tlieils verkalkt, dann mit
Schale versehen.
A. convolutus.
Wenig mächtiger, dünn tafelförmig abgesonderter, tief dun-
kelblauer Mergclkalk.
Fragment von A. conrohifiis verkiest.
d) Mergel mit festen Kalksteinknolleu. Versteineruugen vor-
herrschend. Brachiopoden und Echiuoderuieu, nebst die-
sen auch Spougieu.
e) Spuren eines hellen dichten Kalksteines.
<i) Nester oiues thonigen Mergels. Hauptlager der Spougien.
<') Helle diclite Kalke mit zahlieichen Brachiopoden und Echi-
nodermenresteu und eingewachsenen Schwammkörpern.
/; Fester dunkelgrauer feinkörniger Werkalk, aus lauter unzu-
samraenhiingendcu Massen bestehend, mit zahlreichen
Ammoniten.
A. acanthicus, A. jiohjyijratus, A.incoiiditus, A. stepha iwidcg etc.
/) Dunkler feinkörniger blaugrauer Kalk, reich an Ammoniten.
A^ poJi/yiirafus, A. incunditm, A. stephanoides etc.
g) Sandstein mit einzelnen Kalkknollen.
,g) Fetter schwarzer Thon mit Kalkknollen.
h) Liegendes: Quadersandstein.
h) Liegendes: Quadersandstein.
Die dunkelgrauen, feinkörnigen Kalke, die sowohl bei Hohnstein als auch in Sternberg das Haupt-
lager der Ammoniten sind, können in einzelnen Handstücken kaum von einander unterschieden werden, so
gross ist die Ähnlichkeit ihrer petrographisohen Beschaffenheit. Auch in ihrer Petrefactenfüliruug stimmen sie
vollkommen mit einander überein, indem sie 17 gemeinschaftliche Arten aufzuweisen haben. Fast sämmtliche
aus den Sternherger Ammonitenkalken bekannten Fossilien wurden in den oben bezeichneten Schichten Hohn-
steins wieder gefunden. Daraus geht hervor, dass alles, was ich an anderem Orte über Alter und Facies der
Ammonitenkalke von Sternberg, sowie deren Beziehungen zu analogen Ablagerungen der Nachbarländer mit-
getheilt habe, auch auf die Hohnsteiner Werkkalke Anwendung findet.
Sie sind somit Gebilde der Zone der Oppdia teiniilobala und zeigen jene Eigenschaften in der Zusammen-
setzung ihrer Fauna, welche für deren Entwickelung als Cephalopodenfacies sprechen.
Unter den aus ihnen stammenden Petrefacten haben sich aber auch noch weitere Belege gefunden, welche
diese Altersbestimmung richtig erscheinen lassen, indem Aspidoceras acantkicum, Asp. longispinum , Perisphindes
Basilcae, Perisph. Lothari, Beinekia psmdonmtahiUs, Oppelia Holbeini etc. als Leitfossilien der Tenuilobatusstnfe
bekannt sind.
l)ie Pauna der Juraahlagenmg von Hohnstein in Sachsen. 243
Über den Ammonitenkalken folgen in Sternberg die hellen dichten Bracbiopodenkalke, zwischen beiden
erscheinen stellenweise thonige Mergel eingelagert, die sieh durch ihren Reichthum an Spongien auszeichnen.
Die Bracbiopodenkalke führen eine Fauna, welche der Scyphienfacies der Bimmaniatusstiife entspricht. Der
statthabende Facieswechsel ist auch die Ursache, wesshalb hier zwischen den beiden Schichten sowohl in
petrographischer als auch in paläontologischer Hinsicht eine so schaife Grenze besteht.
Während also in Böhmen eine entschieden heteropische Ausbildung der beiden oben genannten geo-
logischen Horizonte Platz gegriffen hat, ist dieses Verhältniss in Sachsen etwas abweichend.
Helle, dichte Kalke wurden nach Cotta in der Hohnsteiner Grube nicht angefahren, es liegen mir aber in
einzelnen Petrefacten Spuren einer solchen Schichte vor; ferner wurde in dem nahegelegenen Saupsdoif that-
sächlich ein also beschaffener Kalkstein, der aber keine Fossilien lieferte, abgebaut. Die Stelle derselben ver-
treten hier thonige Mergel mit festen Kalksfeinknollen; welche vennuthlich das Haupflager der
Brachiopoden und Echiniden, sowie der allerdings selteneren Spongiten sind.
Die Fauna dieser Mergel besitzt in Folge des Mangels an bezeichnenden Ceplialopoden einen mehr indif-
ferenten Charakter, indem die Mehrzahl der Arten wenigstens zwei geologischen Horizonten, nämlich der
Bimmamatus- und Tenuilobatusstufe gemeinsam sind, zum Theile aber noch bis in die nächst ältere Trausver-
sariuszone hinabreichen. Es ist somit in Bezug auf ihre Petrefactenführung nicht möglich über die Stellung
dieser Schichte mit Bestimmtheit zu entscheiden. Dagegen lässf ihre Lagerung zwischen denWcrkkalken, die
der Zone der OppcJia tenHilobatu angehören und den bituminösen Thonen, welche, wie nachstehend gezeigt
wird, Gebilde der Transversariusstufe sind, kaum eine andere Deutung zu, als dieselben für Gebilde der
Bimammatusstufe anzusprechen.
Die Möglichkeit einer lückenhaften Ausbildung der Juraschichten in Sachsen, welche jeder anderen
Annahme zu Grunde gelegt werden müsste, scheint unter den obwaltenden Verhältnissen vollkommen aus-
geschlossen, da in dem benachbarten Sternberg und Khaa eine ununterbrochene Entwickelung der in Frage
stehenden geologischen Horizonte nachgewiesen wurde.
Die Feststellung der Facies, in welcher der Bimammatushorizont hier in den Mergeln entwickelt ist,
stiisst ebenfalls auf Schwierigkeiten; wohl erinnert der Mangel an Cephalopoden und das Vorwiegen von
Brachiopoden und Echinodermen lebhaft an die Faunen der Scj^ihienfacies dieses Horizontes, dagegen lässt
das sporadische Vorkommen von Spongien und die abweichende petrographische Beschaffenheit sie nicht
als typische Ausbildung einer solchen erkennen, vielmehr dürfte hier ein Übergang zur Cephalopodenfacies
stattgefunden liaben, der schon bei Sternberg in der nesterweisen Einlagerung von Mergelthonen eingeleitet
erscheint.
Die Brachio])odenkalke von Sternberg haben mit den oben genannten Mergeln 9 Arten gemein, während
sie mit deren Hangendem und Liegendem nicht eine übereinstimmende Species aufweisen können, gewiss ein
Grund mehr, sie als äquivalente Bildungen zu erkennen.
Eine ähnliche Entwickelung des Bimammatiis Horizontes beschreibt Herr Prof. Waagen, » welche in dem
schihien Profile, das die Steige bei dem Dorfe Würgau in Franken entbliisst hat, aufgeschlossen ist. Sie besteht
dortselbst aus einer tlionig-inergeligen Scyphienlage von 5—7 Meter Mächtigkeit mit ziemlich reicher Petre-
factenfüln-iing; Bh. lacuuosa tritt zum erstenmale auf, ebenso Teirhnitnlo hhitjfarcimta, ausserdem noch viele
Echinodermen und Bryozoen.
Etwas verschieden verhält sich die Ausbildung dieser Stufe in Niederbai ern, wo sie als sogenannter
„Kieselnierenkalk" eine weite Verbreifung gefunden hat. Diese Kieselnicrenkalke, welche ihren bezeichnenden
Namen der reichlichen Führung von Kieselknollen danken, zeigen kaum eine erkennbare Schichtung, sind von
heller, fast weisser Farbe und dichtem Geflige. Ihre Fauna ist charakterisirt durch das Zurücktreten der
Ammoniten und das Vorwiegen der Brachiopoden, Echinodermen und Spongien. Nicht bloss aus dieser Zusam-
mensetzung der Fauna im Allgemeinen ergibt sich eine Analogie der Kieselnierenkalke mit den Mergeln Hobn-
ö
1 Waageu, Dei' Juni iu Fiaukeu, Schwaben und der Schweiz, p. 114.
tf*
244 Georg Bruder.
Steins, sondern dieselbe wird nocli auffallender durch das Vorbandensein von acbt, beiden Gebilden gemein-
samen Arten.
Begeben wir uns um den Südraud des böhmischen Massivs weiter nach Osten, so treffen vpir erst in der
Umgebung von Brunn auf Juraablagerungen, welche der niitteleuroi)äischen Juraprovinz augehören. Dieselben
sind in jüngster Zeit von 0. Uhlig ' in trefflicher Weise beschrieben worden.
Hier ist der Horizont des Peltoceras bimammatum in den sogenannten Ruditzer Schichten in auffallend
abweichender Weise entwickelt. Dieselben bestehen nämlich aus weissen Thonen und Sauden mit Einschlüssen
versteinerungsfiihreuder Kieselcoucretionen und Eisenerzen. Der Charakter ihrer Fauna ist nach Uhlig ein
koralliner und zeichnet sich aus durch Mangel an leitenden Cephalopoden, dagegen häufiges Vorkommen
vonBrachiopoden, Echinodermen und Korallen.
Ungeachtet der verschiedenen Faciesentwickelung haben diese Schichten mit den in Rede stehenden
Mergeln sieben Specics gemeinschaftlich, unter denen ich RliijuchoneUa morconca und EJiijnch. Astieriana beson-
ders hervorheben möchte.
In Polen und Schlesien sind die plumpen Felsenkalke, welche ebenfalls unter Dazwischentreten zahl-
reicher Amorphozoen gebildet wurden, mit unseren Mergelu, wenn auch nicht in petrographischer Hinsicht, so
doch in Bezug auf Petrefactenfiihrung übereinstimmend. Unter den sechs gemeinschaftlichen Arten befindet
sich wiederum i('A(/HcA. Astieriana und eine Form von RIu/hcJi. trilobata, welche nach Uhlig mit Bhi/nch. mora-
vica zu identificiren ist.
Der bituminöse Tlion, auch „schwarze Lage oder Lettenschicht" genannt, welcher in Hohnstein die
eben besprochenen Mergel überlagert, ist in Böhmen entweder nicht aufgeschlossen, oder aber es fand hier eine
abweichende Entwiekeluiig dieser Etage statt. In letzterem Falle würde die sogenannte „faule Wand" das
Äquivalent derselben darstellen. Ein verkiestes Fragment von Ferisphinctes convolutm impressae, welches
sich unter den böhmischen Jurafossilien vorfand (a. a. 0. pag. 31), dürfte wahrscheinlich dieser Schichte
entstammen.
Die spärlich auftretenden Versteinerungen sind zum Theile verkiest, zum Theile verkalkt, und dann noch
mit wohlerhaltenen weissen Schalen versehen, welche überdiess bei einigen Annnoniten ein buntes Farbenspiel
zeigen. Hierin ähneln sie in höchst auffallender Weise den Petrefacten aus den Ornatenthonen von Tschulkowo
in Russland.
Für die Bestimmung des geologischen Horizontes dieser Schichte haben die Ammoniten die grösste Bedeu-
tung. Unter ihnen sind Perisphincfes convolutus, Oppelia semiplana, Harpoceras canaliculatum, AmaltJieus aUernans
und Amaltheus teimiserrafus schon von Oppel und Waagen unter den Leitfossilien der Transversariusstufe
angeführt. Nebst denselben deutet das Vorkommen von Perisphincfes plicafilis, Perisphinctes viryulafus, Peltoceras
Geiiiitzii sowie Astarte cor data und Pleurotomaria granulata daraufhin, dass auch noch die Zone des Ammaltheus
cordatus in dieser Etage iln'e Vertretung gefunden habe. Die verkalkten Petrefacten haben sich als die dem
älteren, die verkiesten als die dem jüngeren Horizonte angehörigen erwiesen.
Die Cordatus- Zone ist an manchen Localitäten in bedeutender Mächtigkeit entwickelt, an anderen
Orten auf eine ganz dünne Lage reducirt. In ihrer typischen Ausbildung finden wir sie in England, Frankreich
und der westlichen Schweiz, wo sie fast ausschliesslich aus grauen oder schwarzen Thonen und Mergeln
besteht, mit reichlicher Führung von verkiesten Versteinerungen.
In Franken ist diese Stufe so dürftig entwickelt, dass sie als blosser Anhang zu dem Transversarius-
Horizonte abgehandelt werden kann. Herr Oberbergrath (TÜmbel hat dieselbe gar nicht von letzterem getrennt.
Sie bildet nämlich liier das sogenannte Geodenlager mit Am. Lambertl und Am. biarmatus, welches im Han-
genden der Ornatenthone und im Liegenden der Transversariusschichten auftritt.
In Niederbaiern steht der eben erwähnten dürftigen Entwickelung der Biarmatusstufe die zwar nicht
mächtige, aber paläontologisch sehr reichhaltige Dingelreutherbank entgegen, welche liier aus grauen Mergel-
1 Uhlig, Jui-abiMuugen in der Uingebiiug vou Brunn, Neuinayer, Beiträge u. s. w. 1882.
Die Fauna der Jnraablagerung von Hohnstein m Sachsen. 245
kalken voll Brauneisensteinpntzen und Glaukonitfasern besteht. Die von Amnion mitgetheilte Fossilienliste
ergibt Perisphinctes plicatilis und Asteriaa impressae als mit den Hohnsteiner bituminösen Thonen gemein-
same Arten.
Auf der Ostseite des böhmischen Massives treten uns bei Olomutschan in Mähren die Cordatus- oder
Biarmatusschichten in wesentlich abweichender Ausbildung und bedeutender Mächtigkeit entgegen. Sie bestehen
hier aus weissen, meist dünngeschichteten Kalksaudsteinen, die eine bald mehr sandig-kieselige, bald mehr
kalkig-mergelige Beschafl'enheit annehmen. Paläontologisch sind sie ausgezeichnet durch die ungemein starke
Vertretung des Genu» Peltoccrds, sowohl nach Zahl der Species, als Häutigkeit und Grösse der Individuen.
Unter selben findet sich zwar keine mit dem Hohnsteiner Vorkommen übereinstimmende Art, doch erinnert
Peltoceras Geinäzü in seinen Dimensionen, in der raschen Gehäusezunahme, sowie in Gestalt und Stellung der
Rippen an Peltoceras nodopetens und Peltoceras instahile, welche Uhlig a. a. 0. beschreibt und abbildet.
PcrispJüiufes plicatilis ist hQiO\oxQ\\is(i\\im in den Cordatusschichten eines der häufigsten Vorkomnniisse,
obgleich es dortselbst bis in die Transversariusschichten hinaufreicht.
Im polnisch-galizischen Jura sind die äquivalenten Schichten in bedeutender Mächtigkeit als wohl-
geschichtete, weisse, fossilreiche Kalksfeine entwickelt. Sie führen hier die grosse Form des Anialtheus cordatus,
und haben Perisplünctes ■plicatilis, Perispldndes vinjidatus und Astarte conkdu mit dem schwarzen, bituminösen
Thou von Hohustein gemein. Perisphinctes plicatilis ist nach Römer das häufigste Fossil dieser Schichten,
welches überall dort, wo selbe aufgeschlossen sind, gefunden wird.
Die Tran sversariusstufe finden wir im nordöstlichen Franken nur diuch eine sehr wenig müchtige
Lage vertreten, welche aus gelblichweissen bis röthlichen Kalksteinen besteht, die sich durch den Einschluss
von pulverförmigen grünen Oolithkörnern auszeichnen, stellenweise sind dieselben noch überlagert von weichen
grauen Mergeln mit verkalkten Pelrefacten. Im südwestlichen Franken gegen Schwaben zu treten an ihre
Stelle Mergel mit zahlreichen verkiesten Versteiuerungen in Begleitung der Terebratula (Aulacothyris) impressae.
Aus den Transversariusschichten des Staffelberges führt Waagen (Jura pag. 139) unter Anderem auch an
Oppelia semiplana und Harpoceras canaliculatuin.
Bei Voglarn, Dingelreuth und Münster in Niederbaiern wu-d die Stufe des Peltoceras fraiisversariuiu ans
zwei Scliichtencomplexen gebildet, die erste Bank besteht aus einem Grünoolitlie und über dieser lagern dichte
weisslichgraue Kalke, hie und da von Mergelschnüreu durchzogen. Unter den von Animo n angeführten Fos-
silien dieser Schichten sind nachstehende auch in der Lettenschicht Holinsteins enthalten: Harpjoceras canali-
culattim, Perisphinctes convolutiis impressae, Perispirinctes plicatilis, AmaJtliciis alternans, Opellia semiplana,
Asterias impressae.
Da unter den sechs gemeinschaftlichen Arten sich tünf Ammoniten befinden, so scheint die Übereinstim-
mung des geologischen Horizontes der in Rede stehenden Gebilde mit genügender Sicherheit erwiesen. Der
Ausfall an Brachiopoden, Echinodermen und Spongien dürfte einem Faciesunterschiede zuzuschreiben sein.
Während niindich in Niederbaiern die Transversariusstufe als Schwammschiclite ausgebildet ist, etwa nach dem
Typus der Birmensdorfer Schichten, spricht die Zusammensetzung der Fauna der Lettenschichte Hohnsteins
mehr für eine Entwickeluug als Cephalopodenfacies, da die Ammoniten vorherrschen, während Brachiopoden
und Spongien zu fehlen scheinen.
Bei Olomutschan sind die iiellgelben, nur wenig mächtigen Kalksteine dieses Horizontes grössten-
theils aus Spongien gebildet, und enthalten überdiess eine charakteristische Schwammfauna. Trotz der hie-
durcli bedingten verschiedenen Faciesentwickelung ist die Zahl solcher Fossilien, die sowohl in Hohnstein als
auch in Olomutschan in dieser Stufe gefunden wurden, eine nicht unbedeutende. Es sind diess folgende:
Amaltheus alternans, Amaltheus tenuiserratus, Harpoceras canaliculatuin und Perisphinctes p)licatilis. Unter densel-
ben verdient AmaltJmis tenuiserratus besondere Beachtung.
In Polen ist dieser Horizont im Regierungsbezirke von Krakau bei Paczaltowice durch hellgraue Mergel
und weisse Kalke, zahlreiche Spongien enthaltend, vertreten. Harpoceras caiialiculatum, Amaltheus alternans
und Perisphinctes plicatilis sind als gemeinschaftliche Arten hervorzuheben.
246 Geor<i Bruder.
Im benachbarten Oberschlesien l'ehlt nacli Römer' die Transversariusstufe gänzlich, beziehungs-
weise bildet sie einen Tlieil der Schichten mit der grossen Form des Amaltheus cordatus, welche oben beschrie-
ben wurde.
Aus dem Vergleiche mit den gleichalterigen Gebilden von Franken, Niedcrbaiern, Mähren, Galizien und
Obersehlesien geht somit hervor, dass die bituminösen schwarzen Thone eine Fauna bergen, welche in den
meisten der bezeichneten Juragebiete auf zwei geologische Horizonte, nämlich jenen des AmaUheus cordatus
und Pdtoceras transversarium vertheilt ist. Die beiden Flügel der um das böhmische Massiv bogenförmig
gereihten Juradepots in Franken und Oberschlesien zeigen eine ähnliche Concentrirung der Fossilien in einem
Schichtencomplexe wie die schwarze Lage bei Hohnstein.
Die Hangendschichten der bituminösen Thone bestehen aus kalkhaltigen Sandsteinen und Con-
glomeraten, weissen, gelben und blutrothen Thonen, über denen unmittelbar der Granit lagert. Da
dieselben bisher keine Fossilien geliefert haben, so lässt sich über ihr Alter nichts Bestimmtes angeben, doch
dürften sie höchst wahrscheinlich Gebilde des oberen und mittleren Doggers sein. Letztere Annahme bezieht
sich besonders auf die Sandsteine und Conglonievate. Denn in Khaa bei Schönlinde weisen Belemnites semi-
hastatus rotundus, Leda palmae, Lucina ci'. zonai-ia, Pecteu pumilus, Pecten demissus und Inoceramus fuscus aus
dem grobkörnigen Kalksandsteine auf dieses Alter hin.^
Einige Versteinerungen aus der Hohnsteiner Kalkgrube, darunter ein Fragment von Belemnites (/ifiimfeus,
Stepliiiiioceras aiiceps ornati und Plioladoiiitja Murchisuiii, über deren ursprüngliches Lager weder die Etiquette,
noch ihr Erhaltungszustand sichere Anhaltspunkte liefern, welche aber doch von den übrigen im Aussehen
wesentlich abweichen, könnten möglicherweise aus den Greuzpartien der Lettenschichte und der Sandsteine
stammen. Spuren des gelblichen Saudsteines sind noch an Pholadomi/a Murchisoni wahrzunehmen. Die
genannten Fossilien berechtigen zu der Vcrmntliung, es seien bei Hohnstein auch Schichten, welche dem
mittleren und oberen braunen Jura entsprechen, zur Ablagerung gekommen.
Die sogenannten Macrocephalus-Schichten des Krakauer Gebietes, welche ans grauen bis brauneu grob-
körnigen Sandsteinen bestehen, die in ihren oberen Lagen in sandige Kalke übergehen, und betreffs ihrer
Petrefactenführung eine Beisamnienlagerung des Bathonien mit dem Callovien erkennen lassen, ■* dürften als
äquivalente Bildungen anzusprechen sein.
■ Die Eigenthün)lichkeit der vorwiegend sandigen Enfwickelung des mittleren Doggerstockwerkes in den
rings um das böhmische Massiv auftretenden Juradepots der mitteleuropäischen Provinz, sowie das innige Ver-
schmelzen der oberen, meist wenig mächtigen Doggerlagen in paläontologiscli schwer zu gliedernde Schichten-
Systeme verdient gewiss bei der Deutung der Hangend-Sandsteine in Erwägung gezogen zu werden.
Dagegen bestehen keine, den bunten Hangend-Tlionen äquivalente Bildungen Jurassischen Alters in den
bezeichneten Ländern. In Polen und Schlesien überlagern die Eisenoolithe des mittleren braunen Jura bunte,
zum Thoile blutrothe Thone des Keuper, so z. B. bei Baiin, Pomorzany, Grabowa und Blanowiee, welche
übrigens, analog jenen in Sachsen und Böhmen, keiue Versteinerungen geliefert haben
In Mähren liegen die Doggerablagernngen, welche dortselbst aus Kalksteinen bestehen und durch Ein-
schlüsse von abgerundeten Qiiarzkörneru ausgezeichnet sind, tlieils über Syenit, theils über mitteldevonischem
Kalkstein, während in Niedcrbaiern am Rande des Urgebirgsmassives zwischen Passau und Ortenburg die zahl-
reichen isolirten Juragruppeu unmittelbar dem Urgebirge auflagern. Sie bestehen fast ausnahmslos aus den
Gliedern des Dogger und Mahn von der Stufe des Harpoceras Murchisonae bis hinauf zu den Kieselnierenkalken
des Bimamraatus -Horizontes. Nur bei Voglarn hat G Um bei* auch noch Spuren des Lias mit Aimdtheus spinatits
aufgefunden. In dem Zuge von Jiiragebilden, welcher sich vom Maierhofe au der Wolfach, südlich von Zeitlarn
1 Roemer, Geologie von Oberschlesien, p. 255.
' Bruder, Neue Beiträge z. Kenntn. d. Jiiniablagerung im nördl. Bobinen, p. 19.
s Hohenegger, Geognostisclie Karte des ehemaligeu Gebietes von Ki-alcau, Denkachr. d. kais. Aliad. d. Wissensch.,
Bd. XXVI, Abth. U, p. 249.
* Gümbel, Geogaostische Besclireibnng d. ostbayeiisch. Öreuzgeb., p. CJG.
Die Fauna clrr Jurciahlarjeruvci von HoIniKfein in Sachsen. 247
bis nach Söldenan hinzieht, entsprechen die gelblich oder grau gefärbten Kalksteine, die über dem Kiesel-
nierenkalke liegen, der Stnfe der OppeJia leniiilohato. Das Fehlen des Lias und der ältesten Doggerhorizonte
haben die bölunisch-sächsischen Juragebilde mit den übrigen um das alte böliniische Festland gruppirten
Juradepots gemeinsam, ebenso das Vorherrschen der vorzugsweise als Scyphienf'aeies entwickelten Bimam-
matus-Stufe.
Rückblick.
Das böhmische Massiv wurde zur mittleren und jüngeren Jurazeit im Westen, Süden, Osten und Nordosten
vom Meere umspült, dagegen hing es im Nordwesten, also an der Erzgcbirgsseite, mit der deutsch-französischen
Festlandmasse zusammen. Die Annalime einer Verbindung des helvetogermanisclien Jnrameeres mit der juras-
sischen Nordsee über Passau, Linz, AVien, dann nordöstlich entlang den Sudeten bis in die Gegend von Krakau
gründet sich auf die grosse Übereinstimmung, welche zwischen den Faunen der schwäbisch -fränkischen und
schlesisch-polnischen Juraablagerungen besteht, sowie auf das Vorkommen zerstreuter Juradepots in Nieder-
baiern und Mähren, welche sich ebenfalls dem Typus der mitteleuropäiselien Provinz Neumayr'sanschliessen.'
Diese zuerst von Neumayr und Römer geäusserte Ansicht wurde in neuerer Zeit von Ammon und Uhlig
bestätiget. Letzterer* glau))t jedoch, dass die Communication der liciden Meere mit dem Schlüsse des Oxiordien,
also noch vor Ablagerungen der Tenuilobatusschichten aufgehoben worden sei, indem sowohl in Mähreu, als
auch in Polen keine denselben analogen Juragebilde vom schwäbisch-fränkischen Typus bekannt seien.
Aus den Ergebnissen meiner Studien über den böhmisch-sächsischen Jura folgt jedoch, dass während der
Bildung des Tenuilobatusliorizontes diese Verltindung mit dem süddeutschen Meeresarme noch fortbestanden
haben müsse, denn nur unter dieser Voraussetzung ist die vollkommene Übereinstimmung zwischen der Fauna
der Sternberger und Hohnsteiner Ammonitenkalke mit jenen der Radener Schichten der Schweiz, dem Horizonte
der Kragenplanulaten (7) Schwabens, der Thalmässinger Schichten Frankens und der Söldeuauer Schichten
Niederbaicrns erklärbar. Die innigen Beziehungen zu denselben sind, wie aus der am Scldusse beigelegten
Tabelle A iiervorgeht, durch nahezu dreissig gemeinsame Arten nachgewiesen, während solche zu den Malm-
ablageruugen Norddeutscldands in gleichem Grade nicht bestehen.
Ich glaube somit, dass die Kuditzer Schichten Uhlig's als eine isopische Entwickelung der Bimammatus-
und Tenuilobatusstufe aufzufassen sind. Letzterer hebt übrigens selbst hervor, es reiche ein nicht unbedeu-
tender Tlieil ihrer Fauna bis in den Horizont der Oppelia kimilohatu hinauf, während er seine Annaimie der
ausschliesslichen Vertretung des Bimammatus-Horizontes nur auf das Vorkommen von Glijpficus lnero(jliphkus
stützt. Dasselbe ist jedoch gewiss auch nut der Annahme einer isopischen Entwickelung der oben bezeichneten
Malmhorizonte in den Ruditzer Schichten Mährens vereinbar. Die Armuth an Cephalopoden dürfte in dem mehr
corallinen Charakter ihrer Fauna begründet sein. In ähnlicher Weise ist die etwas abweichende Zusammen-
setzung der Fauna der mittleren Malmschichten des polnischen Gebietes durcli deren Ausbildung in der Scy-
phienfacies bedingt, im Gegensatze zu den als „Ammonitenkalke" entwickelten Tennilobatusschichteu Böhmens
und Sachsens.
Versucht man aus der verschiedenen Faciesentwickelung, der in den besprochenen Nachbarländern des
böhmischen Massives auftretenden Jurahorizonte, einen Sciduss zu ziehen auf die Tiefenverhältnisse des Meeres
aus welchen sie zum Absätze kamen, so gelangt man zu nachstehendem Resultate.
Zu Ende der Liasperiode hat eine Verbindung der Nordsee mit dem helvetogermanischen Meeresarme nur
im Westen bestanden, während das Gebiet von Schlesien, Polen und Mähren ein mit dem böhmischen Massive
zusammenhängendes Festland bildete, was aus dem gänzlichen Fehlen von Liasschichten in diesen Ländern
hervorgellt.
1 Neumayr, Jahrbuch d. k. k. geol. Keichsanstalt 1871, p. .521. (Jurastudien.)
2 V. Uhlig, Die Jurabilduiiffcn in derUuigeb. von Brunn. Beitiäge zur Paläontologie Österreich- Ungarns, von Neumayr
und Mojsisovica, Wien iss-j, I. Bd., p. 14.3.
248 Georg Bruder'-
Von dieser Gliederung des Meeres wesentlich verschieden ergibt sich die Vertheilung von Wasser und
Land während der mittleren Dogger- und Malmperiode. Mit Beginn der ersteren machte sich ein allmähliges
Wachsen des Festlandes, und damit Schritt haltendes Zurückweichen des Meeres im westlichen Mitteleuropa
geltend, so dass sich nach und nacii ein zusammenliiingender französisch-deutsch-böhmischer Läudercomplex
herausbildete, während im Osten eine Ausbreitung der Wassermassen stattfand, die bis zu einer vollkommenen
Vereinigung der nördlichen und südlichen Meerestheile über den heutigen Gebieten von Polen, Mähren, Ober-
und Niederösterreich führte.
Der Rückzug des Meeres im Westen und dessen Übergreifen über bestehendes Land im Osten des böh-
mischen Massivs erscheinen in einer genetischen Beziehung zu einander. Durch Senkung des polnisch-mährischen
Gebietes unter das Niveau des Meeres war ein Abfliessen der Gewässer nach Osten bedingt, wodurch der
Spiegel desselben vertieft werden musste, so dass, bei gleichzeitiger Hebung des Meeresgrundes im AVesten,
hier eine Trockenlegung der seichteren Uferstellen stattfinden konnte, welche bis zu der Bildung des zusammen-
hängenden Festlandes von Mittelfrankreich, Süddeutschland und Böhmen führte.
Wann sich die Vereinigung des so entstandenen polnisch -mährischen Beckens mit dem schwäbisch- frän-
kischen vollzogen hat, lässt sicli nicht bestimmt ermitteln. In Schlesien und Polen sind nach Römer bereits
Schichten mit Inoceramus polyplocus und Am. Parkinsoni zur Ablagerung gekommen, dagegen scheinen diese
Gebilde in Mähren nachUhlig (1. c. pag. 143) gänzlich zu felilen, so dass die Transgression des südlichen
Meeresarmes wohl erst am Schlüsse der Doggerperiode stattgefunden hat.
Die Küsten des böhmischen Festlandes müssen zur Zeit der Umfluthung durch das Malmmeer im Nord-
osten und Südwesten, also längs des heutigen Iser- und Riesengebirges einerseits und des Böhmerwaldes
anderseits, sehr steil gewesen sein, weil die an denselben in unmittelbarer Nähe des Urgebirges zum Absätze
gekommenen jüngeren Juraschichten Gebilde der Tiefsee sind, was aus ihrer Entwickelung tiieils in der
Scyphien-, theils in der Ceplialopddenfacies mit Bestimmtheit hervorgeht.
Fuchs bemerkt in seiner Abhandlung über Tiefseebildungen' ausdrücklich, dass Tiefseethiere bei steilen
Küstenbildungen ihren eigentlichen Sitz in der Nähe derselben haben, und dass der weitaus reichste und
wichtigste Theil der Tiefseefaunen einen verhältnissmässig schmalen Saum längs der Ufer einnimmt.
Für die Ablagerung in grosser Tiefe spricht auch der Umstand, dass die Ammoniten und viele Zweischaler
in den Kalken nur als Steinkerne erhalten sind, wie solches auch bei den äquivalenten Gebilden Schwabens und
Frankens der Fall ist. Denn die Firfahrung hat gelehrt, dass der in grosser Tiefe abgesetzte Kalkschlamm auf
zartgebaute Molluskenschalen eine auflösende Wirkung ausübt,^ während thonige Ablagerungen, selbst wenn
sie in bedeutenden Tiefen gebildet wurden, dieselben zumeist noch in vorzüglicher Erhaltung zeigen.
Im Südosten, also auf mährischem Boden, sprechen die Ruditzer Schichten mit dem corallinen Charakter
ihrer Fauna und der sandigen Beschaffenheit ihres Materiales, wie auch Uhlig (1. c. pag. 144) hervorhebt,
für eine grössere Seichtigkeit des denselben bedeckenden Meerestheiles.
Nach Absatz der Tenuilobatusschichten hat das Meer jedenfalls dieses Gebiet wieder verlassen, da jüngere
Ablagerungen hier gewiss nicht mehr zum Absätze gekommen sind, und allem Anscheine nach sich weiter
gegen Nordosten ausgebreitet; vielleicht durch eine stetige Vertiefung des Meeresgrundes im polnisch-
russischen Becken hiezu veranlasst. Die bedeutende Mächtigkeit der weissen Kieselnierenkalke, welche dort-
selbst den höchsten Jnrahorizont einnehmen, könnte wenigstens in diesem Sinne gedeutet werden.
Aus dem oben Dargestellten geht hervor, dass die Juraablagerungen Sachsens und Böhmens von einem
Meerestheile gebildet wurden, welcher einerseits mit der über ganz Norddeutschland sich ausbreitenden juras-
sischen Nordsee, anderseits durch das iiolnisch-mährische Becken mit dem helveto germanischen Jura-
meer in offener Verbindung stand. Die grosse Übereinstimmung der Faunen der böhmisch -sächsischen
1 Fuchs, Tiefseebilduugen, Neues Jahrb. f. M. 1883, II. Beilageband, p. 49-J.
2 Fuchs, 1. c, p. 512.
Die Fauna der Juraablaf/erung von ILAindehi in Sachsen. 249
Malinhorizonte mit jenen der entlegenen Gebiete Siiddentschlands und der Schweiz muss gewiss auffallen, da
eine solche in gleichem Grade für die benachbarten äquivalenten Gebilde Norddeutschlands nicht besteht.
Diese beachtenswerthe Erscheinung kann wohl nur in den abweichenden Tiefenverhältnissen des mittel-
europäischen Juiameeres ihre Ursache gehabt haben, d. h. mit anderen Worten : durch verschiedene Facies-
entwickeluug hervorgebracht worden sein. Während die rings um das iiöhmische Massiv grnppirten Malm-
ablagerungen, sowie auch jene Schwabens und Fraukens fast durchwegs entschiedene Tiefseebiidungen sind,
kamen die Meigel und unreinen Kalke des norddeutschen Korallenoolith und des Kiranieridge auf seichtem
Untergrunde zum Absatz. Im nordwestlichen Deutschland bringt die Fauna der untern und mittleren Malm-
horizonte das allmälige Siid<en des Meeresspiegels in klarer Weise zum Ausdruck.
Die Hersumer Schichten, welche aufweite Strecken hin, sowohl in pctrograpliischer Hinsicht als auch durch
iiire Petrefaktenführung, eine gewisse Gleichartigkeit erkennen lassen, zeichnen sich hierdurch nocii mehr aber
durch ihren verhältnissmässigeii Reichtlnim an Aninioniten gegenüber den höheren Zonen aus.
Das Vorkommen von ['crisplii/iiic^i pUvatilis, AmmiiUlieHs conhitim und Lamberfi haben sie mit den gleich-
zeitigen Ablagerungen Sachsens, Schlesiens, Polens, Russlands, Miihrens und SUddeutschlands gemeinsam.
Die Peraiinatu.sschichten dieser Gebiete besitzen somit einen universellen Cliarakter, der nur möglich wurde
bei Absatz aus einem grossen offenen Oecan. Der Horizont des Korallenoolith (Schichten d. Cidaris fIori(/eiiuna,
Zone des Peltoceras bimammaium) und in noch liöherem Grade die Kimmeridge- und Portlandschichfen Nord-
deutschlands sind bereits in seichterem Wasser entstanden, und letztere durch ilne Faunen als entschiedene
UitoralbilduDgen charakterisirt. Ihr Studium ergali, dass vollständig glcichalterige Ablagerungen von genau
üi)ereinstimmendcr Faciesentwickelung bei ziemlicli geringer Horizoutalentfernung wesentliche Abweichungen
zeigen, so dass hier die starke Beschränkung im Ausgleiche der Lebewesen recht deutlicli zum Aus-
drucke kommt.
Nur unter Berücksichtigung dieser Faktoren wird die Zusammensetzung der Fauna der Honsteiner Jura-
schichten verständlich.
Die schwarzen Thone der „Lettenschicht", welche als die Äquivalente der Hersumer Schichten
aufzufassen sind, haben mit selben Pen'siikiiidef: pJ/mtilis gemeinsam, dagegen kommen Ammnltheus aUernans,
Am. tonmerratus, Perisphinctes riiujii/dtiis, Hnrpoceras ranaliculatum, sowie grosse Peltocerasarten nur in den
östlich und südlich gelegenen Transversarius- und Cordatusschichteu vor, offenbar da in diesen Gebieten die
Lebensbedingungen für Ammoniten, in Folge bedeutenderer Tiefe, sich günstiger gestaltet hatten. In der über
den Hersumer Schichten liegenden Korallenbank ist Gri/phdcd diiatata und Ostrea hastdlata häutig, während
selbe weiter oben in der Schicht mit Pecieu mr/ans schon seltener wird. Möglich, dass für diese grösste
Gryphae^ hier bereits das Meer zu seicht geworden war, während bei Hohnstein die Bedingungen für ihre
Existenz noch fortdauerten.
Da die Schichten der Cidaris fiorigemma
aj oberer Korallenoolith (Zon. d. Peetm mrians),
h) unterer Korallenoolith iZon. d. Ost. ranfeHnris und Korallenbank)
in Norddeutschland durchgeliends in der corallinen Facies entwickelt sind, so ist schon Iderdurch das Zurück-
treten der Ammoniten in ihnen bedingt. Trotz der abweichenden Facies haben sie mit den Hohnsteincr
Bimammatus Mergeln Gryphaea diiatata, Ostrea hastellafa, Rlujncli(iiii'/I(( pinguis, Terebratula hnmeralls. Col-
lyriti\s hicorddtus und Holedijpus conitliiuis gemeinsam.^ Hievon ist Gri/phaea diiatata auf Norddeutschland
beschränkt. Rlii/iichoiiclla pii/i/iiis, welche ein häufiges Vorkommen des norddeutschen Korallenoolith ist, wird
aus Polen, Mähren, Niederbaiern, Franken und Schwaben nicht angegeben. Colli/rites bicordalus, eine vorzugs-
weise auf Norddeutschland beschränkte Form, wurde von U lilig' in einem Exemplar in den Ruditzer Schichten
' Fuchs, 1. c, p. 51-2. Die Grypliacu des tiefen Wjisscms müsson /,u dpii grossen Conchylien gerechnet werden.
- Uhlig. 1. c. )). 199.
' D:unes, Zcitscbr. der deutsch, ^'eolog. Gesellsch., Bd. XXVI, p. '210.
Uentschriftea dar luatbem.-aaturw. Gl. L. Bd. Abhandluugen von Niclitmitgliedorn. g-g-
250 Georg Bruder,
Mährens gefunden, während er in den Hohnsteiner Mergeln sehr häufig auftritt. Holedypus coralUnus aber ist
eine beiden Gebieten gemeinsame Art, doch soll hervorgehoben werden, dass selber in Polen und Mähren bis-
her noch nicht aufgefunden wurde, aus Hohustein aber in mehreren Exemplaren vorliegt.
Terehratiila suhsella scheint hier etwas früher aufzutreten, denn in Norddeutschland beschränkt sich ihr
Vorkommen auf das untere und mittlere Kimmeridge, doch lässt sich hierüber nicht mit vSicherheit entscheiden,
da die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, dass die jüngeren Lagen der zwischen den Thonen und Kalken
eingeschalteten Mergel bereits dem Kimmeridge entsprechen.
Endlich darf das Vorkommen der Spongien nicht unerwähnt bleiben, welche zwar ans den Mergeln von
Hohnstein nur in einigen wenigen, wegen des ungünstigen Erhaltungszustandes kaum bestimmbaren Stücken
vorliegen, von denen jedoch die thonige Lage zwischen den Animoniten- und den Brachiopodenkalken von
Sternberg bei Zeidler in Höhnien zalilrciche und wohlerhaltene Exemplare verschiedener Gattungen und Arten
geliefert hat, die sämmtlich mit solchen aus den mittleren Malmgebildcn Polens und .Süddeutschlands über-
einstimmen.
Die unteren und mittleren Kimmeridgeschiehten Norddeutschlands, welche sich durcli ihren grossen Keich-
tiiuni au Gastropoden sowohl nach Zahl der Gattungen und Arten ;ils auch Menge der Individuen, dagegen
auffallende Arnuitli an Cephalopoden und vollständigen Mangel an Schwämmen auszeichnen, sind hiednrch als
Litoralbildungen charakterisirt. — Es ist aus diesem Grunde nicht zu erwarten, dass zwischen deren Fauna
und jener der Mergel und Kalke Hohnsteins eine auffallende Übereinstimmung bestehen könne, auch wenn
die Meerestheile, aus welchen sie abgesetzt wurden, in offener Verbindung gestanden sind. — Letzteres musste
in der That der Fall gewesen sein, denn PhoJmlomya multicosata^ Madromija ruyosa, Pleuromya tellina var.
Voltzi, Triyoniu papillata, Modiobt mhnnpiipliada, sind bisher nur aus Kimmeridgeschiehten des nordwestlichen
Europa bekannt, während sie den Malmablagerungen Polens, Mährens und .Süddeutschlands fehlen. Dieselben
mussten demnach aus dem nordwestdeutschen Jurameere zugewandert sein. Die Geschlechter Fholadomya,
Pleuromya, Tr/yoiiiK und Modiola sind nicht ausschliesslich an seichtes Wasser gebunden, selbst unzweifelhafte
Tiefseeablagerungen liaben Vertreter derselben aufzuweisen.
Die auf tiefes Wasser beschränkten Ammoniten, sowie die seichten Grund liebenden Gastropoden konnten
dagegen trotz Nachbarschaft und iiffener Meeresverbindung ihre Wohnplätze nicht vertauschen.
Endlich fehlt es auch nicht an Arten, welche beiden Gebieten gemein sind, so z. B. F/eHrofomaria supra-
jurensis, Peden suhtextoritis, Odrea TImrinamü, Ostrea Bönwri und TerebratuUna substriata.
Es steht übrigens zu erwarten, dass eine monographische Bearbeitung der Fauna des oberen Jura von
Polen noch manchen sehr werthvoUen Auhaltspuidvt für die Beurtheilung dieser ^'erhältnisse liefern werde. So
weit mir polnische Malmversteinerungen bekannt geworden, herrscht besonders in Bezug auf Brachiopoden und
Ammoniten eine auffallende Übereinstimmuug der Formen.
Paläontologisclier Tlieil.
In diesem Abschnitte fanden hundert und eine Art Aufnahme. Es ergaben sich acht neue Species, zwei-
undzwanzig Formen konnten in Folge ungünstigen oder unvollständigen Erhaltungszustandes nur mit einem
conf. bezeichnet werden, die übrigen gehören bereits bekannten Arten an, welche den Juraablagerungen der
mitteleuropäischen Provinz eigenthümlich sind. Nur wenige Reste erwiesen sich als ganz unbestimmbar.
Grössenangaben wurden bei bereits beschriebenen Arten absichtlich vermieden und Literaturausweise auf
ein Minimum beschränkt, jedoch die Quellen für eine ausführliche Synonymik an Ort und Stelle angedeutet.
Unter diese wurden auch Cotta's Bestimmungen, so weit dieselben aus vorhandenen Originaletiquetten oder
der gegebenen Beschreibung ermittelt werden konnten, aufgenommen.
Die Fauna der Juraablagerunri von Hohnstein in Sachsen. 251
Solche Arten, welche ich in meinen Abhandinngen: „Über die Jnragebilde im nördlichen Böhmen" bereits
abgebildet und ausführlich besprochen habe, wurden in der vorliegenden Arbeit nur kurz erwähnt und auf die
betreffenden Notizen verwiesen.
Der Anordnung des Stoffes und der Bezeichnung der Gattungen wurde Zittel's Handbuch der Paläon-
tologie zu Grunde gelegt.
Pisces.
S e 1 a c li i e r.
Plesiodus ^S. pustulosus Wagner.
Taf. II, Fig. 1.
18C1. PlesioduH jmstnlosHs Waguer. Monographie der fossilen Fische aus den lithograpliisehen Schiefern Baierns, \). S^,
Taf. IV, Fig. -2.
Die Abbildung ist nach einem sorgfältig ausgeführten Gypsmodclle angefertigt worden, welches in der
Sammlung des geologischen Institutes der königlieh sächsischen Bergakademie zu Freiberg aufbewahrt wird.
Das Original, welches laut Etiquette sich in Händen des Grundbesitzers des Hohnsteiner Kalkbruches befinden
soll, konnte ich leider, trotz eifrigen Nachforschens, worin mich auch die Herren Professoren Geheimrath
Geinitz und A. Stelzner freundlichst unterstützten, nicht mehr eruiren. Das Modell zeigt fünf Längsreiheu
von Pflasterzähnen, welche nach vorne convergiren. Die vorderste Qnerreihe trägt die kleinsten Zähne von
ovnlkegelförmiger Gestalt mit bauchig gewölbter Spitze. In der zweiten Querreihe besitzt nur noch der am
rechten Aussenrande stehende eine ähnliche Gestalt wie die Zähne der ersten Reihe, die vier übrigen sind
schon flacher und lassen nur in der Mitte ein feines Spitzchen erkennen. Die Zähne der dritten Reiiie sind noch
etwas grösser und flacher. Jene der letzten Reihe, vier an Zahl, sind die grössten, haben einen fast kreisrunden
Umfang, sind ebenfalls flach mit kleiner, kaum bemerkbarer zizenartiger Pustel im Centrum. Der grösste Zahn
hat einen Durchmesser von 9""", während Wagner's Original solche bis zu 10""° aufweist. Im ganzen sind
auf der beschriebenen Zahnplatte 19 Zähne in ihrer nittürlichen Stellung erlialten, sie ist aber keineswegs
vollständig, und dürften zu ihrer Ergänzung noch ziemlich viele abgehen.
Ein weiteres Modell, sowie ein Fragment mit 6 kleinen Zähnchen, und ein isolirler Zahn sind im Besitze
des geologischen Museums der Berliner Universität. Es ist auffallend, dass in den festen Kalken von Hohu-
stein, welche dem Tenuilobatushorizont entsprechen, Reste dieses Fisches, oder doch jedenfalls einer sehr
nahestehenden Art gefunden wurden, da solche bisher nur aus den lithographischen Schiefern Baierns
bekannt sind. Auch Lepidotm yigaitfeus aus den P^erofe/'«s-Schiciiten Hannovers ist eine im Gebiss verwandte
Form. *
Mollusken.
A. Cephalopoden.
Belemnites cf. (jUjanteus Schloth.
Es liegt nur ein Stachelfragment vor, welches, da sowohl Spitze als Alveole fehlen, nicht mit Sicherheit
bestimmbar ist. Der elliptische Umriss, der durch einen grössten Durcinnesser von 40'"'" und einen kleinsten
gleich 28""" bedingt ist, so wie die angegebenen bedeutenden Dimensionen sprechen für die obige Deutung.
Über sein Lager ist ein Urtheil nicht möglich, da Belemniteu sowohl in den Sauden als auch in den
Kalken von Hohnstein und Sternberg gefunden wurden, ich glaube aber, dass er aus den ersteren stammen
dürfte, Bele)iinite:i f/if/aiiteua ist ein Leitfossil des mittleren Dogger.
Das beschriebene Exemplar ist Eigenthuni des königlich miueralogisclieu und geologischen Museums
in Dresden.
1 Flicke, Foss. Fische d. ol). .Tnra von Hannover. Palaeontogr. Bd. XXII, p. .377, Taf. IV, Fig. 7. (L. yiganteus = cf.
f'l. pustulosus.)
es*
2ö2 Georg Bruder.
ßelemiiites (Belemnopsis) cf. posteanalivtilatu.s Bind er.
I8.H8. lieh-miiiUs /■amdiculatm Cotta, Geogn. Wanderung-en, II. Theil, p. '2!t.
1881. „ sp. Brudei-, Zur Kemitniss u. s. w. Sit/.img,sb. d. Akad. d. Wiss. Bd. LXXXIII, I. Abtli. p. 20.
1882. „ 2"^slcuiudkulutU!i Bruder, Neue Beiträge u. s. \v. Sitzungsb. d. Akad. d. Wiss. iu Wieu, Bd. LXXXV, p. 8,
Taf. I, Fig. 4—5.
Es liegen fünf Rriiclistiicke dieses Belemuiten vor, welcher durch seine deutlich zusammengedrückte
Scheide und die rundliche last bis an die Spitze reichende Furche ciiarakterisirt ist. Das Auftreten dieser Form
im Sandsteine, der sogenannten Sandwand im Liegenden der Mergel und Kalksteine (Cotta a. a. o. pag. 29),
also in einer Schicht, welche jünger ist als die letzteren, spricht ebenfalls für die Übereinstimmung mit dieser
bereits aus Sternberg bekannten Art, während in Folge des ungünstigen Erhaltungszustandes eine sichere
Untersclieidung von der nahe verwandten Form BelcnDiifes canalicuJatus des Dogger nicht möglich ist.
Die Exemplare befinden sich in der Sammlung des königlich sächsischen Museums zu Dresden.
JBelemnites (HiboUtes) unicanaliculatus Ziet.
1881. Belemnites uniainaliculatus Bruder, Zur Kenntniss der Juraablagerung von Sternberg, p. 19 (65), Taf. I, Fig. 1 u. 2.
Die vorliegenden sieben Fragmente entsprechen verschiedenen Partien der Scheide und gestatten die
Identificirung mit dieser Art.
Die Exemplare befinden sicli im mineralogischen und geologischen Museum zu Diesden.
Aspidoceras sp.
Es liegen mehrere Exemplare von Riesenbispinosen ^■or, welche bei unvollkommenem Erhaltungszustand
Durchmesser von 140 bis 200'"'" besitzen. Der gekammerte Theil erscheint mit ähnlichen Wülsten geziert, wie
solche durch A' erschmelzen zweier übereinander liegender Knoten, z. B. bei Am. loiigispiiius auftreten. Die
Loben sind nur gekerbt, nicht deutlich verästelt. Ähnliche Formen von gleich bedeutenden Dimensionen finden
sich auch in den Tenuilobatusschichteu der Schweiz, Schwabens und Frankens.
Das grösste Exemplar ist Eigenthum des Freiberger Museums, drei weitere sind im Besitze der Berliner
Universität.
Aspidoceras binodmn Opp. sp.
1847. Amnion itp.s inflatus binoäosus Quenst., Cepluil., p. 197, Taf. XVI, Fig. 10.
186Ö. „ Unochis Oppel, Paliiontol. Mittheilungen, p. 217.
Ein Exem])lar dieser Speeies, welches auch von Herrn Professor Neumayr so bestimmt wurde, leider
aber nicht vollständig erhalten ist, befindet sfch im Besitze der Berliner Universität.
Vorkommen. In der Tenuilobatusstufe (W. J. 7.) Schwabens.
A.spidocerffs (leanthicHiH "pp. sp.
I8c:i, Amnioiiites cicaiifJiicus Opiiel, .Jurassische Cephalo)). Paläont. Mittheil. HI, ji. 219.
1878. „ (Aspidoceras) iicaiilliiciix Loriol, Monogr. de la zoue a Aiiini.. foiiiiluhafits, p. I 10, Tab. XVII, Fig. 2 u. 3.
Weitere Literaturaugabeu sielie Loriol.
Ein Fragment der Wohnkammer mit ansitzenden Lul'tkammern liegt vor. Auf dem gekammerten Theil
sind meist nur die Nabelknoten deutlich, jene der zweiten Reihe seltener, mit ausgesprochenen Stachel-
ansätzen versehen.
Das Exemplar gehört der Berliner Universität und wurde von Professor Neumayr während seines
Aufenthaltes dortselbst bestimmt.
Aspidoceras acanthicum zählt zu den wichtigsten Leitfossilien der Tenuilobatusstufe, welche in der medi-
terranen Provinz durch die Schichten des Aspidoceras acanthicum vertreten wird.
A.tpidoceras longispinum Sow. sp.
1825. Ammonites longispinus Sowerby, iMineral Coneh. of Great Britain, Tab. 501, Fig. 3, 4.
1878. „ (Aspidoceroa) lo>i(/ispiHUs Loriol, Mouogr. de la zoue a Anim. teiiuilohalus, \>. lUS; Tab. XVII, Fig. 1. M6ui.
SOG. pal. Suisse, Bd. V.
Weitere Literaturaugabeu siehe bei Loriol.
Die Fauna der Jnraahlafjerung von Hohnste'm in Sachsen. 253
Von dieser Species liegen sechs Exemplare vor, das besterlialtene hat eiueu Diivchmesser von 1 28™'", dabei
eine Nal)el\veite von circa 49™". Dicke und Höhe der Windungen lassen sich uicht mehr genau ermitteln, da
dasselbe verdrückt ist, besonders die Wohnkammer erscheint hiedurch selir deformirt. Am gekammerten Theil
des Gehäuses sitzen auf jeder Seite zwei Reihen Knoten in der Weise, dass stets einem Naht knoten ein Extern-
knoteu entspricht, und dieselben durch eine wulstige Brücke miteinander verbunden werden. Ani der Wolm-
kammer fehlt diese Verbindung der beiden Knoteureihen.
Die wenig verästelten Loben stimmen in allen charakteristischen Verhältnissen vollständig mit Loriol's
Zeichnung a. a. 0. Tab. XVII, Fig. 1 b iiberein.
Vorkommen. Zone desAmmomtes tenuilohatus in Schwaben, Franken und der Schweiz. (Canton Aargau).
Die Exemplare befinden sich an den Museen zu Dresden, Freiberg und Berlin.
Aspldoceras hitertnediwm Bruder.
Taf. U , Fig. 4 u, h, c.
Durchmesser 132™™, Nabelweite 45™'", Dicke des Umganges 53""™, Höhe des Umganges 50'"™.
Diese neue Art ist ein Verbindungsglied zwischen Aspldoceras loiigisphium und Aspldoceras acanthkum.
Mit letzterem hat es nicht nur die bedeutenden Dimensionen gemeinschaftlich (da das vorliegende Exemplar
durchwegs gekammert ist, so fehlt mindestens die ganze Wohnkammer, es dürfte also der Durchmesser des
vollständigen Gehäuses kaum weniger als 200'"™ betragen haben), sondern auch im Habitus steht es diesem
näher. Die Knoten der Nahtreihe sind ziemlich dicht gedrängt, deutlicii ausgebildet, aber flacher als bei
Asp. IoH(jispnnum, und krönen wie bei Aspidorerus aeantJ/inim die Umbiegungslinie der Seitenfläche, welche
steil gegen die Naht einfällt. Nebst diesen ist noch eine zweite Reihe viel schwächerer Knoten wahrnehmbar,
ihre Zahl ist jedoch geringer als jene der inneren Reihe, und stehen sie auch nicht jedesmal genau über-
einander, wie solches bei ylsp. /omßspiims der Fall zu sein ])flegt. — Einige Knoten der äusseren Reihe
erscheinen durch einen breiten schwachen Wulst mit den unter ihnen liegenden der Nahtreihe xerbuiiden, worin
eine Ähnlichkeit mit Aspldoceras longispimis besteht.
Der circa 1""" breite Sipho ist stellenweise aufgedeckt uiul mit einer glänzenden schwarzen Scheide
umhüllt.
Wie ein Vergleich der fjoben von Aspidorera^ intermediuiii mit jenen von A. /ninjis/ii/tus einerseits und
A. acanthiruni anderseits lehrt, zeigen dieselben nähere Verwandtschaft mit der ersteren Species. Wie bei
dieser sind die .Vste des Siphonalohus fast zueinander parallel , die Lateral- und Auxiliarloben erscheinen bei
beiden durch das Doniiniren ihres mittleren Astes deutlich cins|)itzig, dagegen sind die Aste des Siplnomllobus
bei Aspldoceras amntliicum auffallend divergent, und die Eiuspitzigkcit der Laterale und Auxiliare kommt
nicht so scharf zum Ausdrucke. An einigen Stellen sieht man auch, dass die Zaciken der Loben lang und spitzig
sind, wodurch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal von Aspldoceras acanthlrum geboten ist.
Das Original befindet sich am geologischen Museum der königlichen Bergakademie in Fieiberg. Ein
Fragment dieser Species ist im Besitze des mineralogischen Museums in Berlin.
Aspidoceras cf. lipai-tim üi)))e] sp.
1863. Äinmoiiiles lijmru.^ Oppcl, Über jurassische C'ei)li;ilo]). Palüoiit. Mittlieil. 111, p, •_'■_':!. I.if. r)<.t, Fig. I.
1878. „ (Aspldoceras) iipants Loriol, Couch, de Ui zont^ :'i Amin. tcHiii/obafKn, \i. IM, 'l'.ib. XIX, Fig. I. Miiui. suc.
pal. Suissc, Bd. V.
Weitere Litevaturangabeii sieiie bei Loriol.
Es ist nur ein Exemplar vorhanden, welches, soweit dieses sein Erhaltungszustand zu beurtheilen gestattet,
gewiss dieser S))ecies zuzuweisen ist. Das Gehäuse erscheint stark zusammengedrückt, und der Steinkeru
lässt noch deutlich radiale Runzeln erkennen, welche in der Nahtgegend entspringen und sich über den
gerundeten kiellosen Rücken erstrecken. Die kräftigen Stacheln erheben sich über der Suturfläche und sind
schräg gegen einwärts gerichtet. Die Dimensionen stimmen mit den Abbildungen Oppel's und Loriol's
gut Ubereiu.
254 Georfi Bruder.
Vorkommeu. Zoue des Amtn. tenui/obatus in Schwaben, Franken, der Schweiz und in den Schichten
mit Aspi'locerax ncaiitliiciim der mediterranen Provinz.
Das Original ist Eigenthuiu des mineralogischen und geologischen Museums der Universität in Berlin.
Aspfdoceras cf. SchiUeri Opp. sp.
1847. AmmiDiiteK et', iiiflatus nodosus Qiienst., f'eiihalopoJen, \). 197.
1863. „ Schilleri Oppel, Paläout. Mittheil. Über jurassische Cephalo)). III., \>. 221, Taf. Gl, Fig. 1 « u. i.
Ein gekammertes Stück eines Inflaten stiinnit, soweit dieses der unvollständige Erhaltungszustand zu
beurtheilen erlaubt, mit dieser Species gut Uberein. Auf den steil einfallenden Nahtflächen sitzen deutliche, aber
.stumpfe Knoten. Die Flanken gehen rasch in den gewölbten Rücken über. Die Loben sind mit zahlreichen, aber
kurzen Ästen besetzt. Der Sipho ist am Steinkerne noch stellenweise erhalten.
Diese Art ist ziemlich selten in der Tenuilobatusstufe Frankens und Schwabens.
Das beschriebene Exemplar befindet sich in der geologischen Sammlung des königlichen sächsischen
Polytechnikums in Dresden.
Peltocerns Geinitiili Bruder.
Taf. I, Fig. 4 a, h.
Diese neue Art aus dem Formenkreise des Peltoceras consfanti d. Orb. sp. ist durch ein leider nicht ganz
vollständiges Exemplar und mehrere Fragmente von inneren Windungen vertreten. Die Umgänge sind hoch und
rasch anwachsend, was an dem beigefügten Diagramm des Querschnittes deutlich zu ersehen ist. — Der letzte
Umgang hat bei einer Höhe von lüO""" eine grösste Breite in der Nälie der Externseite von 90 — 95™'".
Das vollständige Exemplar dürfte somit mindestens einen Durchmesser von 250 — 300™" gehabt haben.
Sünimtliche Exemplare sind noch mit der Schale versehen, und folgt schon daraus, dass selbe den bitumi-
nösen Thonen, der sogenannten schwarzen Lage entstammen, überdies findet sich auf der Cotta'schen Eti-
quette die Angabe: „Lettenschicht". Die ältesten Windungen fehlen gänzlich, dagegen sind Fragmente der
zwei vorletzten Umgänge erhalten, an diesen ist zu ersehen, dass je zwei Rippen in der Nathgegend zusammen-
hängen, oiaie jedoch durch einen Knoten oder eine gemeinsame Primärrippe verbunden zu sein. — Die
mächtigen, beinahe geraden wulstförmigen Rippen des letzten Umganges sind durch eben so tiefe, aber etwas
breitere Thäler getrennt, an der Naht am schwächsten und etwas nach vorne gezogen. Gegen die Externkante
verdicken sie sich keulenförmig und an derselben erscheinen sie abgestumpft, so dass die Externseite selbst
ganz glatt und flach ist. Die hohen Rippen, welche mit tiefen Thälern wechseln, bedingen eine wellenförmige
Begrenzung der Externseite.
Der Querschnitt des Gehäuses ist hoch rectangulär, besitzt an der Aussenseite die grösste Breite, verjüngt
sich gegen die Naht hin allmählig, und fällt endlich steil gegen dieselbe ein, ohne dass es hiebei zu der Bildung
einer Nabelkante kommt.
Es bestehen unter den bisher beschriebenen Peltocerasarten keine nahestehenden Formen. Wohl erinnert
Pe/foci'ras nodopefens Uhlig' durch seine bedeutenden Dimensionen und kräftige Berippuug an diese neue Art,
letztere unterscheidet sich jedoch hievon wesentlich durch noch rascheres Anwachsen der Windungen, voll-
ständigen Mangel wirklicher Knoten an den Rippen, und eine flachere Externseite. Noch abweichender ver-
halten sich die inneren Umgänge in ihrer Sculptnr.
Das Originalexemplar befindet sich im Museum zu Freiberg. Fragmente der vorletzten Windung im
Berliner Universitäts-Museum.
Perisphinctes cf. ernsioUensifi Font. sp.
187G. Ammoiiites (T'eviaiihlnct's) criisoJii'iisis Foutanues et D iimo r tier, Deseript. des Ammunites de la zoue k Amin, ieiiiii-
lobatiis de Criissul, )). <i7, Tab. XIV, Fig. 8.
1878. » n n Loviol, Mouogr. pal. de Couch, de la zoue a Amin, ieniiilubaliis de Baden, p. 53,
Tab. V, Fig. 0 — S. M6ra. soc. pal. Suisse, Bd. IV.
1 Uhlig, Jurabilduugeu ia der Umgebung vou Brüuu, Taf. XV, Fig. 1.
Die Fauna der Jiiraohlageruiuj von Hohristpin in Sachsen. 255
Das ^orliegen(le Fragment, ist .stark znsaiiiinengedrtickt, so dass die Rippen der beiden Seiten an der
Basis des Umganges sich berühren, es ist aber mit Bestimmtheit zu eriiennen, dass der ursprüngliche Quer-
schnitt die für diese Species eigentliüniliclie, naliezu kreisförmige Gestalt besessen habe.
Vorkommen. In der Zone der OppeUa fcnidlobata der Schweiz.
Das beschriebene Exemplar befindet sich an der Bergakademie in Freiberg, zwei andere im Besitze des
mineralogischen und geologischen Museums der Berliner Universität.
Pevisphinctes sp.
Kin gekamniertes Fragment eines Riesenplanulaten besitzt der Beschaffenheit der Rippen und der geringen
Involubilität des Gehäuses nach grosse Ähnlichkeit mit Amin, lurqiiatii.s So wer by. — Die wnlstformigen, hoch
erhabenen Rippen stehen nahezu senkreclit zur X;iht, sind an dersell)en etwas schwächer und nach vorne
gerichtet, oberlialb der Mitte erscheinen sie keulenförmig verdickt und theilcn sich an dieser Stelle in 4 bis
5 schwächere Rippen, wclcli' letztere ohne Unterbrechung über der Externseite veilaufen. Die Lobenlinie ist
nur in der Nahtgegend siclitbar und lässt das tiefe Herabreicheu des Kahtlobus erkennen. — Perisphinctes tor-
quatm und die nahestehende Form 1\ Krat<)hn>^h Waagen sind Leitfossilien der Katrol group Indiens, welche
der Zone der Oppelia tenuilobata äquivalent ist.
Das beschriebene Exemplar befindet sich im geologischen Museum der Bergakademie zu Freiberg.
Perisphinctes BaslUrae E. Favre.
1877. Ämiiiijniles (l'erUphiiictes) Basilicac E. Fiivre, La zonc a Amm. ucanlhicm (laus Ics 9.\\wü de la Siiisse et de la Savoie.
p. I.i, Tab. TTI, Fig. 9, 10. M6m. soc. pal. Snisse. Bd. IV.
Von dieser fcinrippigeu l'lanulatenart liegt nur ein Exemplar vor. Die gedrängt stellenden Hippen sind
schräg nach hinten gerichtet, spalten sicli oberhalb der Mitte der Seiten in zwei bis drei .Vste, ersteres Ver-
hältniss kommt häufiger auf dem jüngeren Theilc des Umganges, letzteres auf dem älteren vor. Dasselbe
gehört dem mineralogischen und geologischen Museum in Dresden.
Vorkommen. In den Acauthicusschichten der Schweiz und Savoyens, sowie in den Tenuilobatus-
schichten Schwabens.
PerispMnvtes cf. Lothar i Opp. sp.
1863. Ammonilea Lotharii Oppel, Über Jurassische Cephalop. Paläont. Mittlieil. III. ji. -2 14, Tat'. 67. Fig- 6
1881. „ (Perispi/iiides) Lothari Loriol, Monogr. de la zone ä Amm. leiiuilubittna de Baden, p. 15. Tab. V, Flg. 3,
Tab. VI, Fig. 1, 2.
Weitere Literaturangaben siehe Loriol.
Die Rippen sind sehr scharf ausgeprägt, einige derselben theilen sich bereits in der Mitte in zwei Theile,
und letztere spalten sich nach kurzem Verlaufe abermals dichotom, so dass die ohne Unterbrechung über die
Externseite laufenden Rippehen ziemlieh fein und gedrängt erscheinen.
Vorkommen. Zone der Oppelia tetiuilobafa von Baden (Canton Aargau) Schwaben und Franken.
Das beschriebene Exemplar befindet sicli in der Sammlung der Bergakademie zu Freiberg.
Pevisphinctes inconditus Font. sp.
1858. Ammonites polyplocim Cotta, Geogii. Wanderungen II, p. 30 u. 33.
1880. l'erisphiiictes iitcomlitus Bruder. Zur Kenntniss der Juraablagerung von Sternberg, p. 28.
Weitere Literaturangahen ebenda.
Diese Art zählt zu den häufigsten Vorkommnissen der festen Kalksteine Hohnsteins, und wurde bereits
von Cotta und Gut hier angeführt. Die neun vorliegenden Exemplare sind fast sämmtliche mehr oder weniger
verdrückt. Parabelknoten kommen nur selten und undeutlich vor, so dass sie in dieser Hinsicht mit Q neuste dt' s
Fig. 2 auf Tat. XII der Ceidialopoden gut übereinstimmen. — Die Gehäuse sind mit tieferen Einschnürungen
versehen, deren auf den letzten Umgang 2- J? entfallen. Die inneren Windungen sind nicht gut erhalten, lassen
aber eine gedrängtere Rippeustellung erkennen.
256 Georg Bruder.
AmmonitespohjplociiSj Amin, poli/i/i/j-afits und RyncJwiielhi lacunosa Hessen bereits Graf Münster das juras-
sische Alter der Hohnsteiner Kalke erkennen.
Vorkommen. Zone des Amin, fcnuilohutm der Schweiz, Schwabens*, Fraukens, Niederbaierns und Polens.
Die vorliegenden Exemplare befinden sicii an den Museen zu Dresden, Freiberg und Berlin.
Perisphinctes cf. lictor Font. sp.
1881. Peri'sjiluiiiiiif cf. lictor Bfuiler, Zur Keuntniss der Jurajibliigening von Sternl)erg etc., p. 30.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Leider liegt nur ein unvollständiges Exemplar und einige Fragmente vor, welche eine Identificirnng nicht
gestatten. Die Primärrippen sind ganz gerade und spalten sich zumeist in drei, seltener in vier Aste. Auf den
inneren Windungen herrscht dagegen Zweitheilung vor.
Vorkommen. Selten in der Zone des Ä.-ipidoceras umnihiciis im Bauate, Siebenbürgen und im Salz-
kammergute, sowie in der Teuuilobatenstufe der Schweiz, Frankens, Schwabens und Polens.
Die Exemplare gehören der Bergakademie in Freiberg.
I*erisphmcles polyyyratus Rein. sp.
1818. AiHiiioiiihv iioiijijijratiiü Reineckc, Maris protogaci Nautilos et Argonautus desciipt., p. 73, Tab. V, Fig. 1, 5.
1S38. „ „ Cotta, Geogn. Wanderungen, II. Thoil, p. 8(i u. 33.
1881. Fa-injikiiictes polygi/rafus Bruder, Zur Keuntniss der Juraabhigerung von Stornbrrg, \). 26.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Der Durchmesser der gut erbalten Scheibe beträgt 85""", dabei fehlt die Wohnkammer gänz.lich, so dass
der grösste Diameter des vollständigen Exemplares mindestens 120 — I3U""" betragen haben musste. Die meist
drei, seltener zvveitheiligen Rippen sind entfernt gestellt und mit ihrer Basis schräg nach hinten gerichtet,
welches Stellungsverbältniss eben für diese Art bezeichnend ist.
Der ^'erlauf der Loben stimmt mit Quenstedt's Fig. 4a auf Taf. 12 lin dessen Cephalopoden) in allen
wesentlichen Verhältnissen vollkommen überein, besonders ist das tiefe Herabreichen des Nahtlobus sehr deut-
lich ausgesprochen.
Vorkommen. Sehr häufig in den Tenuilobatusschichteu der Schweiz, Schwabens, Frankens, Nieder-
baierns, Böhmens und Polens.
Das beschriebene Exemplar gehört dem königl. geologischen Museum in Dresden.
I'ei'lsj>hincfes Itütimeyeri Loriol.
184',). AmmmiUes hiplej: Qucnst., Cephalopoden, p. 162, Taf. XII, Fig. 16.
1882. Ferispfiipcfes bipUjc ß. Bruder, Neue Beiträge zur Kenutniss der Juraablagerungen iui nöidl. Böhuien, p. -Jü, Taf. III.
Fig. 5.
Es liegen drei Exemplare vor, die scharf hervortretenden Rippen sind durcli regelmässige Zweitheilung
ausgezeichnet, dieser Charakter und der fast kreisrunde Querschnitt der Umgänge spricht eben iiir Am. biplex ß
var. rotumhis Quenstedt (a. a. 0. Taf. 12, Fig. 6).
Vorkommen. Im weissen Jura ß Schwabens und in den Ammonitenkalken von Khaa in Böhmen.
Die Belegstücke befinden sich in den geologischen Sammlungen des königl. Polytechnikums in Dresden
und der Universität in Berlin.
JPerisphincteti invoiiitus Quenst. sp.
1846. Ammonites involutus Quenst., Cephalopoden, p. 165, Taf. XII, Fig. 9.
1870. „ plamdatus inooUUun 0. Lenz, Über jurassische Gebilde in Böhmen, p. 35.').
1877. „ (I'erisphi iict.es) involutus Loriol, Monogr. de la zone a Aiii„yi,. temiilobalui. Mem. soc. pal. Suisse. Bd. IV,
p. 75, Taf. XI, Eig. 7.
1882. Perisphiiictes involutus Bruder, Neue Bei tiäge zur Kenntniss der Juraablagerungen \m nördl. Böhuien, p. 28.
Weitere Literaturangaben siehe Loriol.
Das vorliegende Wohnkammerfragment stimmt vollständig überein mit einem Exemplar von Ainm. invo-
lutus aus dem Aveissen Jura •/ von Thieriiigen (bei Balingi-n), welciies einen grösstcn Durchmesser von 120"""
Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen. 257
aufweist. Die entfernt stehenden Primärrippen sind in der Nahfge^end wulstig erhaben, worin eine An-
näherung an Ammonifes suhiwolutus Mo e seh. (vergleich. Loriol a. a. 0. Tab. XII, Fig. 3 u. 4) ausgedrückt
erseheint. Auf der Mitte der Flanken des Ura.uanges verflachen dieselben fast vollständig, so dass sie uahe/.u
verschwinden. Die aus der Spaltung der Primärrijipen hervorgegangenen Sekundärrippen stehen auf der
Externseite dichtgedrängt, ohne in der Medianlinie eine Unterbrechung zu erleiden. Dagegen werden sie gegen
ihren Urspiung hin immer flacher, bis sie auf der Mitte der Flanken fast gänzlich verwischt erscheinen.
Die Dimensionen der Höhe und Breite des Umganges sind wegen Verdrüekung nicht mehr mit erforder-
licher Genauigkeit bestimmbar, doch ist dessen Hochmündigkeit unzweifelhaft.
Vorkommen. In den Schichten der Oppelia tenuHohatu der Schweiz, Schwabens, Frankens und Nieder-
baierns.
Das beschriebene Exemplar befindet sich am geolog. Musenm des königl. Polytechnikums in Dresden, ein
weiteres in der geolog. Sammlung der Berliner Universität.
Perisphinctes impressne Bruder.
1838. Atmnoiiites Brakein-idgül Cotta, Geogn. Wauderimgeti, p. 30.
1858. „ CDiicohitus impressae Quenst., Jura, p. .178, Tat". 7o, Fig. 16.
1881. p sp. Binder, Zur ICeiintniss der Jura ablagerung von Sternberg etc., p. 31.
Von dieser Species liegen zahlreiche (12) Exemplare vor, welche tlieils verkiest und theils verkalkt sind.
Einige sind noch mit weisser, perlmutterglänzender Schale versehen, woraus schon auf ihr Lager geschlossen
werden kann. Die den Berliner Exemplaren beigelegte Cotta'sche Etiquette bestätiget ihr Vorkommen in der
Lettenschicht.
Die Rippen sind meist zweitheilig, seltener dreitheilig, an einigen Exemplaren findet auch das Verhältniss
statt, dass die Eippengabel der einen Seite sich mit zwei nicht eorrespoiulirenden Rippeuästen der anderen
Seite verbindet. Auf den letzten und vorletzten Umgängen, welche einen rundlichen Quer,schuitt besitzen, finden
sich 3—4 Einschnürungen.
Vorkommen in den Transversariusschichten Schwabens, Frankens, Niederbaierns , Polens und
Oberschlesiens.
Die Exemplare sind theUs im Besitze des königl. mineralog. und geolog. Museums in Dresden, theils in
jenem der Berliner Universität.
Perisphinctes äff. plicatiUs Sow. sp.
Taf. I, Fig. 3 a,b.
1817. Ammonites plicatiUs Sowerby, Mineral. Conch, t. 166.
1882. Perisphinctes plimtitis Uhlig, Die Juiabiidungen in der Umgebung von Brunn, p. 153.
Es liegen mehrere Fragmente aus den bituminösen schwarzen Thoneu vor, welche noch mit wohlerhaltener
Schale versehen sind und höchst wahrscheinlich dieser Art angehören, wenngleich die Möglichkeit nicht aus-
geschlossen erscheint, dass einige derselben auch von der sehr nahe stehenden Form des Perisphinctes Martelli
Opp. stammen dürften. Die Rippen stehen durchgehends ziemlich dicht, .spalten sich erst in der Nähe der
Exteiuseite fast ausnahmslos dichotom, doch kommen auch einzelne einfache Rippen vor.
Das abgebildete Exemplar unterscheidet sich von deu übrigen in manchen Merkmalen, so durch einen Ein-
druck der Eijipen über der Medianlinie der Extemseite, und einen etwas mehr viereckigen Querschnitt, worin
eine Annäherung an Quenstedt's Amm. Ijiplex bifurcafus ( Jnia, p. 593, Tab. 74, Fig. 2 und 3) ausgedrückt
erscheint. Perispliiiictes pJiratitis und Perispliiiirfi-s Maiielli zählen zu den iiäufigsten Fossilien der Tranversarius-
stufe in Suddeutschland, Mähren, Polen, Oberschlesien und Norddeutschiand.
Das abgebildete Exemplar und die übrigen noch vorliegenden Fragmente befinden sich im Besitze der
Berliner Universität.
Perisphinetes cf. virgulatus Quenst. sp.
1858. Ammonites i^irrpilatiix Quenst., Jnra, p. 593, Taf. 74. Fig. 4.
1870. „ „ Uoemer. Ueologie vou Obersclilesieu, p. 251, 'I'af. XXIV, Fig. 5.
Deokschrilten der matbem.-naturw. Gl. L. Bd. Abhandlungen toq Nichtmitgliedem. hlr
258 Georg Bruder.
Gleiclifalls ans den bituminösen Thonen stammend, liegen einige unvollständige Exemplare dieser Art
vor, welche sicli von der vorhergehenden leicht durch die grössere Zahl der feineren, aber unbestimmt dicho-
tomen und schräg nach vorue geneigten Rippen unterscheidet.
Vorkommen: In den Schichten mit der grossen Form des Jw. conlutus Oberschlesiens und im weissen
Jura |3 von Schwaben.
Die Exemplare befinden sich in dem geologischen Museum der Berliner Universität.
Perisphinctes (Simocevas?) nov. sp.
Taf. II, Fig, 3.
Es liegen mti Bruchstücke von Riesenpianulaten vor, welche eine grosse Ähnlichkeit mit der letzten
Windung von Simoceras Herbiclii v. Hauer ' haben.
Besonders sind es die einfachen, vyeit auseinander stehenden Rippen, die zwar hoch erhaben, aber nicht
scharf abgesetzt sind, sondern nllmäldig sich verflachen, welche eine gewisse Übereinstimmung mit der citirtcn
Art bedingen. Doch sind die Rippen bei der letzteren schärfer ausgeprägt, aber weniger hoch.
Ganz ähnliche Amnioniten, welche noch unbestimmt sind, von nnhezu einem halben Meter Durcliniesser
aus dem weissen Jura von Busk in Polen sah ich in der Sammlung der Berliner Universität.
Das abgebildete Exemplar befindet sich im Museum der Bergakademie zu Freiberg, das zweite erwähnte
im geologischen Museum der Universität zu Berlin.
Helnekla (HoplUes) pseudomutahiUs P. d. Loriol. sp.
1878. Ämmoiiites (Hoplites) psei(do»iiihihi/is P. tl. Loriol, Monogr. Pal. de la zone a Amm. feiniilubatifs de Baden, p. 101,
Tab. XVI, Fig. 2—3.
Weitere Literatiu'angaben ebenda.
Es liegt nur ein Fragment eines Umganges vor. Obgleich nicht vollständig, glaube ich doch mit Bestimmt-
heit, selbes m\i Hoplites p!<(;ndomutabiUs Loriol idcntiticiien zu dürfen, da es in allen wesentlichen Merkmalen
gut mit demselben übereinstimmt.
Vorkommen: In den Tenuilobatusschichten der östlichen Schweiz, sowie in der darüber liegenden
Mutabilisstufe (Quenstedt's o) in Schwaben, Franken und Niederbaiern.
Das Exemplar befindet sich im Besitze der Berliner Universität.
Meiuekia atf. Calisto d'Orb. sp.
Taf. II, Fig. 2 a, b.
1847. Amnion ites Calisto d'Orbigny, Cöphalop. jurass., p. 551, Tab. "213, Fig. 1—2.
1879. „ (Perisphinctes) CWIlsto E.Favre, Description des Fossiles des couches thitoniques des alpes Fribourgeoiscs,
p. 37, Tab. III, Fig. 5 u. 7.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Es liegen zwei unvollständig erhaltene Ammoniten vor, welche zwar kaum mit dieser titiionischen Art
identisch sein dürften, aber doch gewiss derselben sehr nahe stehen.
Das abgebildete Exemplar besteht aus einem Wohnkammerfragmente mit theilweise erhaltenem Mund-
saume und Ohifortsatz. Der erstere verläuft mit kreisförmiger Krümmung convex nach vorne, wendet sich an
den Externkanten nach rückwärts und st'tzt sich in einen Lötfeianhang fort. Dem Mundsaume parallel sind
sehr feine Anwachslinien zu bemerken. Der Quersciniitt bildet ein verlängertes Rechteck, dessen Höhe die
Breite übertrifft. Die Skulptur des Gehäuses lässt folgende Eigcnthümlichkeiten erkennen:
Die Rippen sind meist gabelförmig gespalten und liegt die Theilungsstelle ungefähr in der Mitte ihrer
Länge, auf der abgeflachten Externseite sind sie unterbrochen, wodurch eine Medianfurche gebildet wird, welche
von den etwas verdickten Enden der Secundärrippen begrenzt erscheint.
1 Neiimayr, Fauna der Schiclifcn mit Aspiil. amiühicum, p. 186, Tat'. XL, Fig. 1.
Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen. 259
Nebst den ilichotomirenden kommen iiucli einzelne einfache Kippen vor, welche aber gewöhnlich nicht bis
zur Naht reichen, sondern schon in der Mitte der Flanken eu<lig-en, dieselben scheinen somit selbsiständig
gewordene Secundärrippen zu sein. Die Rijipcn verlaufen nicht gerade, sondern sind schwach sichelförmig
gekrümmt, worin eine Annäherung an die Gattung Hoplites zum Ausdrucke könnnt, auch die etwas verdickten
Enden der Secundärrippen finden wir bei letzterer wieder.
Aitmi.CaUsto ist bisher nur aus thitouischen Schichten bekannt, das Vorkommen einer sehr nahe stehenden
Form in den Ammonitenkalken Hohnsteins in Gesellschaft von Leitfossilien der Teuuilobatusstufe ist somit
gewiss von Interesse.
Das Original befindet sich in der geologischen Sammlung des königl. Polytechnikums in Dresden, ein
zweites Exemplar in jener der Berliner Universität.
Seinekia Eudoxtis d'Orb. sp.
1S47. Aiiiiiioiiilex Eidh.i-ioi d'Orbig'uy, C6plialop. jnrass., p. 552, Tab. 213, Fig. 3 — C.
1877. „ (Perisphinctes) EudoxKs E.Favre, La zone ä, Amm. acanthicus d:ins les alpes de la Siiisse et de la Savoie,
p. 39, Tab. III, Fig. 7.
Das einzige Exemplar ist ziemlich gut erhalten, es lässt deutlich die knotige Anschwellung der l'rimär-
rippe in der Nahtgegend erkennen, dieselbe spaltet sich sehr bald vorherrschend in drei Äste, letztere sind in
der Medianlinie der Externseite durch ein glattes Band von 3 Mm. Bieite unterbrochen.
Vorkommen: In den Acanthieusschichten der Mediterranprovinz und in der unmittelbar auf die Tenui-
lobatusschicliten folgenden Mutabilisstufe Siiddentschlands. (= W. J. oQueust.)
Das beschriebene Exemplar ist Eigenthum des Museums der Berliner Universität
Olcostephanus striolaris Quenst. sp.
1858. Amnioiiifei plainildtiis »friohiris Quenst., .luia, p. 600, Taf. 75, Fig. C.
1882. Perinjihiiictes j-iliiHHiatus sfriolaris Bruder, Neue Einträge zur Kenntniss der Juraablageruug im uordl. Bölimcn, p. 27 .
Gleich den schwäbischen besitzt dieser höchst feinrippige und sehr involute Plauulat einen elliptischen
Umfang, welcher durch Verdrückung entstanden ist.
Vorkommen: In den Tenuilobatusschichten der Schweiz, Schwabens, Frankens und Niederbaierns.
Das Exemplar befindet sich in der geologischen Sammlung des Dresdner Polytechnikums.
Olcostephamts cf. Strauchianus Opp. sp.
1862. Ammonites SlntuchiuHus Oppel, Übei' jiirassisclie Ceplialopoden. Paläont. Mittheil. 111, p. 236, Tat". 6G, Fig. 6 « — e.
1881. „ (Ferhphim-tes) SfruKchiamis Loriol, Monogr. de la zone a Amni. teiiui/obulus d'überbuelisitteu et de W;uigen,
p. 22, Tab. VI, Fig. 6.
Weitere Literaturaugaben ebenda.
Ein Fragment einerinneren Windung mit breiter coronatenartiger Gestalt dürfte von dieser Art herrühren.
Die Primärrippen sind kurz und sehr kräftig au der Theilungsstelle mit einem Knoten bewehrt, von welchem
drei Secundärrippen ausstrahlen und vihne Unterlirechuug über den flach gewölbten Rücken verlaufen.
Vorkommen: Selten in der Tenuilobatusstufe der Schweiz und Süddeutschlands.
Das Belegstück ist Eigenthum der Bergakademie in Freiberg.
Olcostephanus FriscTiliiU 0 p p. sp.
1862. Ainmoiiites Frischüiii Opp., Jurassische Cephalop. Paläont. Mittheil. III, p. 238.
Es liegen drei Exemplare dieser Species vor.
Vorkommen: Tenuilobatusstufe der Schweiz, Schwabens und Frankens.
Die erwähnten Exemplare befinden sich au den Museen zu Freiberg und Berlin.
hli*
260 Georg Bruder.
Olcostephanus stephanoldes Opp. sp.
18SI. Ste/jJ/inioceras stei>hanoii/es Bruder, Zur Kenntniss der Juraablagerung: von Steruberg bei Zeidler, p. 22.
1882. „ „ Bruder, Neue Beiträge zur Kenutuiss der Juraablagerungen im uördl. Böhmen, p. 2S,
'J'af. III, Fig. 3.
Vorkommen: Häufig in den .Schichten dei' Oppelia teimüohata der Schweiz, Schwabens und Frankens.
Die zahlreichen vorliegenden Exemplare iiefinden sich an den Museen zu Dresden und Berlin.
Olcostepha/iius repastinatus M ö s c h. sp.
1881. Perisjihinctes cf. repastinatus Bruder, Zur Kenntniss der Juvaablagerung von Sternberg, p. 24.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Das einzige vorliegende Exemplar befindet sich in der geologischen Sammlung der Berliner Universität.
Vorkommen: Ammonites repastinatus ist Leitfossil der Tenuilobatusscliichten der Schweiz und Süd-
deutschlands.
SfepJunioceras cf. coronatuni Brongn. sp.
1789. Ammonites coronatus Brug., Enc. meth., p. 43.
Ein gekammertes Fragment eines Umganges mit sehr breiter und niederiger Mündung und flachem Rücken
dürfte von dieser Art stammen. Die Stacheln sind stumpf, die Rippen undeutlich und die Naht steil einfallend.
In diesen Merkmalen, sowie in dem vorzüglich erhaltenen Bauchlobus herrscht gute Übereinstimmung mit A.
anceps oniati Quenst. (Ceph. Tab. 14, Fig. 5, p. 177) aus den Ornathenthonen, welcher von Oppel (Jura,
§. 68, Nr. 34) mit Ammonites coronatus identificirt wird.
Aus welcher Schichte Hohnsteins das Fragment stamme, kann nicht mit Bestimmtheit erschlossen werden,
sicher ist nur, dass selbes keinesfalls den feinkörnigen blaugrauen Kalken angehört habe, da es eine mehr
tiionig-mergelige Beschaffenheit und gelbliche Farbe besitzt. In Folge des Mangels der Schale ist aber auch
das sicherste Merkmal für die Abstammung aus der Lettenschichte verloren gegangen, so dass auch die Mög-
lichkeit nicht ausgeschlossen ist, dass es in den kalkigen Sauden eingebettet war.
Das erwähnte Stück ist Eigenthuin des geologischen Museums der Berliner Universität.
Haplocm'as nov. sp.
Es liegen zwei, leider sehr ungünstig erhaltene Ammoniten-Steinkerne vor. Dieselben besitzen bedeutende
Dimensionen (D = 380 Mm., Höhe des Umganges 151 Mm., Nabelweite = 100 Mm., Dicke des Umganges
= 80 Mm.) und bestehen ausschliesslich aus gekammerten Windungen, so dass das vollständige Gehäuse von
seltener Grösse gewesen sein musste. Die Windungen sind wenig evolut und ziemlich eng genabelt. Die Extern-
seite ist gerundet, die Flanken erscheinen am Steinkerne glatt. Die Suturlinie ist fein verästelt, von derselben
konnten nur der Siphonallobus, die Laterale und ein Auxillar vollständig präparirt werden, weiter dürften noch
zwei Auxilliare bis zur Naht folgen. Der Siphonallobus ist kurz, der erste Laterallobus wenig grösser als der
zweite und unsymmetrisch verästelt. Die Stämme der Sättel erseheinen durch breite Secundärloben in zwei
unsymmetrische Hälften getheilt. Der Sipho ist nicht erhalten.
Die Gattung Haploceras fand ihre Hauptentwickelung im oberen Jura, eine mit der vorliegenden überein-
stimmende Art ist mir nicht bekannt geworden.
Die Exemplare befinden sich am geologischen Museum der Berliner Universität und an der Bergakademie
zu Freiberg.
Haploceras cf Brückner i Opp. sp.
Taf. I, Fig. 2 a, h.
1863. Ammonites Bruckneri Opp., Jurassisclie Cephalop. Paläont. Mittlieil. III, p. 192, Taf. 54, Fig. 4.
Aus der Lettenschichte liegen fünf, fast vollständig glatte Schalenexemplare dieser Art vor. Die Wohu-
kammern fehlen, die Loben sind undeutlich.
Die Fauna der .Turaahlagerung von Hohndein in Sachsen. 261
Vorkommen: Zone des Ammonites transvermrlus Blumberi;' (Baden), Berg Crussol bei Valence (Ardeche)
und Schwaben.
>Sänimtlicbe Exemplare sind im Besitze der Berliner Universität.
Oppelia (figantea Bruder.
Durclimesser = 287 Mm., Dicke des letzten Umganges = 77 Mm., Nabelweite = 25 Mm., Höhe des
letzten Umganges über der Naht = KiOMm., Höhe des letzton Umganges in der Windimgsebene = 96 Mm.
Das sehr involute, engnabelige und hoehmiindige Gehäuse zeigt bei oben angegebenen Dimensionen noch
keine Spnr der Wohnkammer, es moclite somit der Durchmesser der ganzen Scheibe nahezn 500 Mm. betragen
haben. Die Windungen erscheinen am Steinkerne vollkommen glatt und wachsen rascii an. Die Flanken sind
flach, wenig gewölbt, gegen den Bücken etwas zugeschä.rft, die grösste Dicke herrscht etwas unterhalb der
Mitte der Umgangshöhe. Die Nabelwand bildet keine Kante, sondern fällt allmählig ab. Der Bücken ist von
massiger Breite (circa 15 Mm. am letzten Umgange) und scheint zu beiden Seiten mit schwachen Knoten
besetzt. Die Sntur ist in ihren Details verwischt, doch ist mit Bestimmtheit zu erkennen, dass der Siphouallobus
bedeutend kürzer als der erste Ijaterallobus sei, und dass die Bänder der Lobenkörper parallel laufen. Der
Sipho bat die Stärke eines Gänsefedeikieles und ist mit einer schwarzen, kalkigen Scheide umschlossen.
Ich finde keine dieser nahestehende Form mit ähnlichen Dimensionen beschrieben; es dürfte somit für die-
selbe der Name Oppelia yigantea bezeichnend sein.
Das beschriebene Exemplar befindet sich im Museum des königl. Polytechnikums zu Dresden.
Oppelia Holbeiul Opp. sp.
186^. Ammonites Holheini Opp., .Iiirassische Ceplwiloii. Paliiont. Mittheil. III, p. 213.
1880. „ (Oppelia) Holbeiiü Lorlol, Monogr. pal. des couches de In zone ä Amin. lenHihbalus d' Oberbuclisitteu et de
Wangen, p. 9, Tab. I, Fig. 7—8.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Eine Scheibe von circa 100 Mm. Durchmesser, aber leider ungünstigem Krhaltungszustande liegt vor.
Dimensionen, Involubilität und Sculptur, welche aus schwachen flexuosen Bippen besteht, die auf der Extern-
seite unterbrochen sind und in der Mitte der Flanken sich verwischen, stimmen, soweit dieses beurtheilt werden
kann, mit Loriol's Fig. 8 gut überein, Sutur nicht erkennbar.
Vorkommen: In den Tennilobatusschichteu der östlichen Schweiz, Schwabens, Frankens und Nieder-
baierns.
Das beschriebene Exemplar gehört dem geologischen Museum der Berliner Universität.
Oppelia seiniplaiui Opp.
ise.s. AmmoniUs scmiplanus Opp., Jurassische Cephalop. Paliiont. .Mitth. III, p. -209, Tat', .iö, Fig. 4 11 u. I,.
Von dieser Species liegt nur ein Exemplar \tir. Die stark abgeflachten Seiten, der enge Nabel, die deut-
liche Nabelkante und die sehr feinen Sichelstreifen, sowie die Spuren eines vorhanden geweseneu Kieles und
die gut erhaltenen Loben lassen keinen Zweifel br: tehen an der Bichtigkeit dieser BcRtin,mung. Dieser noch
mit opalisirender Schale verseliene Amnionit stammt aus den schwarzen bituminösen Thonen, was auch auf der
Uotta'schen Originaletiquette durch die Bemerkung „Lettenschicht" bestättigt wird.
Ammonites semiplanua ist ein wichtiges Leitfossil der Ztnie des reltocerus fransrersdriiini der östlichen
Schweiz, Schwabens, Frankens und Niederbaierns.
Das Exemplar ist Eigenthuui des geologischen Museums der Berliner Universität.
Hnrpoeeras eanalieulMtwm Buch. sp.
1831. Ammonites canaliculatus Buch, Kecueil de plauches de Petrific. remarq. Tab. I, Fig. G — 8.
1838. „ Murchisonue'i Cotta, Geogu. Wanderungen. III. Thl., p. -29.
1863. „ canaliculatus Oppel, Jurassische Cephalop. Paläont. Mittheil., p. 157, Taf. ;">1, Fig. 3.
1870. „ canaliculatus Römer, Geologie von Oberschlesien, p. iO-i, Tat". -24, Fig. 4.
Weitere Liteiatuiaugaben siehe Oppel und lliimer.
262 Georg Bruder.
Es liegt Ulli- ein, mit bunt angelaufener Schale versehenes Fragment dieser Species vor. Auf der Mitte der
Seiten ist die Rinne gut erkennbar, zwischen ihr und der Externseite werden die sichelförmigen Ripjjen kräfti-
ger, der Rücken ist mit einem Kiele versehen, und zu beiden Seiten verlaufen stumpfe Nebenkanten. Durch
diese Merkmale ist diese Species genügend cliaraktcrisirt.
Vorkommen: lu Aer Z^)ne des Peltvceius transversariuiii der Schweiz, Schwabens, Frankens, Nicder-
baierns, des Krakauergebietes und (tberschlesieus, reicht auch zuweilen in die Zone des Animo)iitet< cor-
datus hinab.
Anuiltheus altemaiis v. Buch sp.
1S33. Ammonites varians Cottii, (ieiigii. W;iiuleruugeu. II, \i. :fO.
18S1, „ alternaiiH Biufler, Zur Keuutuiss der Juraabliigerimgeu von Sternberg etc., p. 20.
Weitere Uteraturangaben ebenda.
Es liegen drei gut erlialtene verkieste Exemplare dieser Species vor, welche höchst wahrscheinlich der
Lettensohicht entstammen, doch gibt die Etiquette hierüber keinen Aufschluss. Sie gehören jener Formenreihe
an, welche Quenstedtmit Am. nJtenians quadi-atus bezeichnet.
Vorkommen: In der Oxfordgruppe bis hinauf in die Schichten der Opßeh'a tenuilobafa in der Schweiz,
Schwaben, Franken, Niederbaiern, Mähren, Polen und Böhmen.
Die Exemplare befinden sich im mineral. und geol. Museum zu Dresden.
Aniftltheus tenuiserratus Opp. sp.
Taf. I, Fig. \ u,b (4mal vergr.), c (natürl. Gr.).
1863. Ammonites tenukernitus Opp.. Jurassisclic (,'ephalop. Piiläiint. Mittheil. III, p. 200, Taf. 53, Fig. 2.
1SS2. AmaUheua teiiuiserrntKA Ulli ig, Jiuabildungeu iu der Umgebung von Brunn, p. 148, Taf. XIII, Fig. 1 u, h, c, d
Beiträge zur Paläontologie v. Österreich-Ungarn vonNeumayr u. Mojsisovics. I.Bd.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Von dieser Art liegt ein wohlerhaltenes Exemplar von 12 Mm. Durchmesser aus der Lettenschicht vor.
Dci zugescliärfte Rücken ist mit einem erhöhten gekerbten Kiele versehen. Auf jeder Seite des letzten Umgan-
ges stehen 12 Rippen, die an der Tnteniseite beginnen und in der Mitte der Flanken in je einen abgestumpften
Knoten endigen. Im Übrigen ist die theilweise erhaltene Schale glatt.
Vorkommen: Nur in der Zone des PeUnceras tnmsrersfiriiun der Schweiz, Frankreichs, Mährens und in
gleichalterigen Schichten der karpathischen Klippen.
Das Original befindet sich im geologischen Universitätsmuseum zu Berlin.
AptycMis laevis latus Q neust.
1882. Aptychus laeois latus Brudei-, Neue Beitiäge /.ur Keuutniss der Juraablageruug iiu uürdl. Boliuien, p. 7, p. 28, Tal'. 1,
Fig. 2.
Das vorliegende Exemplar ist vollständig isolirt, so dass sowohl die mit netzartigen Grübchen versehene
Oberseite, als auch die Unterseite, welche mit sehr feinen concentrischen Anwachsstreifeu bedeckt ist, unter-
sucht werden konnten. Auf der letzteren sind Spuren von Radiallinien wahrnehmbar. Der Aussenrand ist
etwas zugesehärft, wodurch eine, demselben parallel verlaufende stumpfe Kante auf der Oberseite gebil-
det wird.
Vorkommen: Häufig im mittleren weissen Jura Schwabens.
Das Original befindet sich im geologischen Museum der Bergakademie in Freiberg.
Nautlltis (Ayanides) frimconieus Opp.
1838. NuiitÜHs agaiiticus Montf., Ootta, Geogu. Wauderungeu, II. Tbl., p. 29.
1880. „ franconkiis Lorioi, Monogr. pabieont. des coucbes de hi zone a Aniin. teiiidlobatus, p. 8, Tab. I, Fig. 6. M6iu.
SOG. pal. Suisse, Bd. VII.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Das einzige vorliegende Exemplar ist gut erhalten und stammt aus den blaiigraueo Kalken Hohnsteius.
Die Fauna der Jinriahla/jeruvfj von TTohiiftfein in Sachsen. 2fi3
VorkomnuMi: In den Schichten der Oppeliu tenuiJohatii der Schweiz, Schwabens, Frankens nnd Nioder-
baierns.
Das Orij;iual ist Eigeuthum des geologisclien Museums der i?erliner Universität.
B. Gastropoden.
PleurofotHfU'ifi ffranukita Sow. sp.
Tat'. I, Fig. 5 a, b, c.
1818. Trochun firanula/iis Sow. M. C. Tat'. 220, Fig. 2.
1835. l'hnifuluiiHtraia uniata? Cotta, Geog-n. W.')ndeningeu, II, p. 2;».
1867. „ (/niiii(hi/i( Laiihe, Ga.'ätiopodcn des hiauncu .Iiua von Baiin, Dcnlisclii-. der math.-natmw. Class. der
k. Akad. d. Wissenacli., Bd. XXVII, p. 18.
Weitere Litcratiuangaben ebenda.
Sieben Exemplare, welche aus den bituminösen Thonen stammen, liegen vor. Dieselben lassen sowohl die
Ornamentik der Schale als auch die vollkommen glatte Beschaffenlieit des Steinkernes gut erkennen. Das
stufenförmig abgesetzte Gewinde hält zwischen Quenstedt's P/eiirototnarin onuifa, Tali. .56, Fig. 14, und
i''/. ;//•«« «7ff^f, Tab. 57, Fig. 7; die Mitte, der Gewindewinkel des abgebildeten Exeniplares beträgt ungefähr
100°, die beiden übrigen, minder gut erhalten, scheinen etwas flacher gewesen zu sein. Die S])iral nnd Zuwaciis-
streifen sind nahezu von gleicher Stärke, so dass durch deren Kreuzung ein regelmässiges Gitterwerk entsteht.
Die Basis ist in ihrer Totalitiit mit Spiralstreifen bedeckt, dagegen treten hier die Anwachsstreifen bedeutend
zurück, so dass auf ihr die Gitteruug nicht so deutlich ist.
Pleurotumaria (jramdata kommt in Frankreich vom Bajocien bis zum ( »xfordieii vor. In England im Unter-
oolithe, in Schwaben im braunen Jura ö — i. In der Zone des Ammonites Humphresianus, bei Swinitza im Banat
und in der Juraablagerung von Baiin.
Originalexemplar im königl. baierischen Universitätsmusenin in München, weitere Belegstücke l)etinden
sich im geol. Museum der Berliner Universität.
Pleurotomarifi »uprajurensis Roem.
1836. I'leiuuloHinric siqirajurciisis Römer, Norddeutsche.'i Oolitligeb., p. 148., Taf. X, Fig. 15.
1840. „ Jiahmiiana d'Orb., Pal. Fr. ,Tur., p. 562, Taf. 241.
1858. „ suprajiireiisis Qiienst, .Jura, p. 623, Taf. 77, Fig. 13.
1878. „ iiWa V. d. Loriol, Couche.s de la zone a Ämm. liiiiii/i)hcUus. M6m. soc. pal. .Suisse. Bd. V, Tab. XXI,
Fig. 10—11, p. 134.
1882. „ cf Baheauana var. germaitiai Schlosser, Fauna d. Kelheimer Diceraskalkcs, I. Abth., Palaeontogra-
phica. 3. Folge, IV. Bd., p. 98, Tab. XIII, Fig. lö u. 16.
Aus dem blaugrauen Kalke stammen sechs Steinkerne mit je 2 — 3 ganz glatten Umgängen (die Spitze
ist nicht erhalten), welche mit den oben citirten Abbildungen gut übereinstimmen. Fünf Exemplare gleichen
fast vollständig der Figur Loriol's und sind nur etwas kleiner.
Ein weiterer Steinkern, welcher Eigenthum des königl. Polyteciinikums in Dresden i.st, besass jedoch
bedeutend grö sere Dimensionen. Von den erhaltenen 2 Umgängen zeigt der letzte einen grössten Durchmesser
von 120 Mm. Die Kanten der Windungen sind an demselben in ähnlicher Weise etwas erhaben, wie solches
an Schlossers's Abbildung (1. c.) ersichtlicli ist. Ähnliche Riesenformen von P/eurotomaria mprajurensis
bcsclireibt Qnenstedt aus dem mittleren und oberen weissen Jura v(m Schwaben, welche zuweilen einen
Durchmesser von nahezu 150 Mm. erreichen. Auch Pleurotomaria (/randis Römer (a. a. 0. pag. 150) scheint
dieser letzteren Form von Pleurotomariu suprajurmsis nahe zu stehen. Siehe hierüber Braun 's: „Der obere
Jura" pag. 229.
Pleurntomarin siiprajurensis ist häufig in den Schichten der Oppelia tenuilobata der Schweiz, Schwabens
und Frankens, in den Söldenauer Schichten Niederbaierns, in dem Diceraskalke von Kehlheim.
Belegstücke befinden sich in den geologischen Museen der Bergjikademie Freiberg, des königl. Polytecii-
nikums in Dresden und der Universität in Berlin.
264 Georg Bruder.
Pleurotomaria et', bijuga Quenst.
1858. Pleurotomat-ia bijuga Qiienst., Jura, p. 624, Taf. 77, Fig. 15.
Drei Steinkeviie mit niedere ui Gewinde und otfenem Nabel zeigen ähnlich wie Pleurotomaria suprajurensis
Rom., iiber nur an,i;edcutet, die Zweikantigkeit des letzten und vorletzten Umganges, und stimmen in diesen
Merkmalen mit Queustedt's Pleurokmiaria bijuga gut ü!)erein.
Diese Species findet sich im unteren und mittleren weissen Jura Frankens, Schwabens und der Schweiz.
Geologische Sammlung des königl. sächsischen Polytechnikums in Dresden und der Universität in Berlin.
Pleim'otomarla jurensis Hartm. sp.
Tab. n, Fig. 5.
1838. Trochiiü? i<ptriosus Miinat., Cot.tii, Geogn. Wandoriingen, II, p. 29.
1841. „ jurensis Hartm., Goldl'., Pet. Gf^riii. III, Tab. ISO, Fig. 12, p. 57.
1841. „ speciosiis Mstr., Goldf. Pet. Germ., III, Tab. 180, Fig. 10, p. 56.
1858. Pleurotomaria c/athrata Quenst., Jura, p. 624.
Das Gehäuse ist niedrig, kreiseiförmig, die Basis weit genabelt und flach convex mit .scharfkantigem
Umfange wie bei Troclms cindm Goldf. Tb. 180, Fig. 11. Die Umgänge haben einen gestreckt rhombischen
Querscliiiift, .sind theilweise mit feinen Spiralstreifen geziert, besonders an der Basis und am Saume des Schlitz-
baiides wenlen dieselben deutlicii si(ditbar. In der Näiie der Mündung wurden die Spiralstreifen (Gürtelehen)
noch durchkreuzt von feinen, schief nach bluten gerichteten sichelförmigen Anwnchslinien.
FleHrofomaria jurensis findet sich in zahlreichen Varietäten im unteren und mittleren weissen Jura Scbwa-
l)ens, Frankens und der Schweiz, besonders in der Zone der Oppelia tenuilobata.
Das Originalexemplar gehört dem geologischen Museum des königl. Polytechnikums in Dresden, weitere
Exemplare dem Museum der Bergakademie in Freiberg.
Pleurototnaria cL siibUneata, Müiist. sp.
1838. TrocIiHfi'^ specionm Münst, Cotta, Geogn. Wanderungen, II, p. 20, 3. Form.
1841. „ sublineatus Miinst., Goldf. Petr. Germ., Bd. lU, p. 56, Taf. 180, Fig. 9.
1878. l'lciirolomaria subliiteata P. d'Loriol, Couches de la zone a Amin, fenuilnbatits. M6m. soc. pal, Suisse, Bd. V, p. 132,
Tab. XXI, Fig. 9.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Von dieser Species liegen mehrere vollkommen glatte Steinkerne vor, mit 2 — 3 erhaltenen Umgängen,
während sämmtlichen die Spitze fehlt. Das krciselförmige Gewinde lässt einen tiefen Nabel frei, der Quer-
schnitt der einzelnen Mündungen ist nahezu drehrund.
Vorkommen: In den Schichten der Oppelia fenuilobatu Frankens, Schwabens und der Schweiz.
Das erwähnte E^xemplar befindet sich im Museum der königl. Bergakademie in Freiberg.
(1. Bivalven.
Pholadomya cf. Murchisoni Sow.
Tat". III, Fig. 1.
1827. I'lio/w/omi/a Miircliiaijiii Sowerby, Min. douch., Tab. 545 u. Tab. 297, Fig. 4.
1842. „ „ Agassiz. E't. crit. Myes., Tab. 4 t, Fig. 5—7.
1870. „ „ Römer, Geologie Ohersehlesien's, p. 214, Taf. 18, Fig. 7.
1874. „ „ Moesch, Monogr. der Plioladomyen. p. 44, Tab. XVII, Fig. 6—9, Tab. XVIIl, Tab. XIX. I. B<1.
Zeitschr. der schweizer, pabäont. Gesellschaft.
Weitere Literatnrangaben ebenda.
Da das vorliegende Exemplar nicht mehr vollständig erhalten ist (es fehlt ihm nämlich ein Theil der
klaifendcn Schnauze), so ist es nicht mehr möglich, selbes mit Sicherheit zu identificiren, da z. B. Fholudomya
deltoidea in ganz ähnlichen Viirletäten auftritt. Soweit es aber der Erhaltungszustand zn bcurtheilen gestattet,
stimmt es mit obiger Species bestens übercin, so z. B. mit Fig. o und 4 auf Tab. XIX in Mösch's „Mono-
graphien der Pholadoniyen." Die Vorderseite ist gerade abgestulzt, herzförmig, die stark übergel)ogenen
Die Fauna der Jaraahlaf/erinig von Hohnsfein in Sachsen. 265
Wirbelliegen an derselben, und von ibnen laufen 8 — 9 grobe, deutlich geknotete wulstförmige Rippen aus,
welche über die .Seiten der Schale gehend bis zur Basis reichen, wo sie allmählig schwächer werden. Die erste
Rippe, welche das herzföruiige vordere P'eld begrenzt, stellt naliezu senkrecht zur Hasis, auch die folgenden
sind nur schwach zu derselben geneigt.
Diese Muschel hat eine grosse horizontale und eine bedeutende vertikale Verbreitung im mittleren Jura,
denn sie reicht aus dem Sowerby Horizonte bis ins Callovien.
Das vorliegende Exemplar ist verkalkt, doch deuten daran haftende l'^ragmente des gelblichen Sandsteines,
welcher alle Vertiefungen und Spalten ausfüllt, daraufhin, dass es nicht aus der Mergellage, sondern aus den
älteren zum Theilc sandigen Schichten stammen möge.
Das abgebildete Exemplar ist Eigenthum der königl. sächsischen Bergakademie in Freiberg.
Pholadouiya inultieostata Agass.
Taf. III, Fig. 2.
1842. l'hohtdomyii niii/ticostata Agass., Etud. critiq., p. 52, Tab. 2^^ Fig. 1 — 12; Tab. 2,. Fig. 3, 4; Tab. 3', Fig. 10 — U.
1874. „ „ Moesch., Monogr. der Pholailomyen. p. Ü9, Taf. XXV, Fig. 7— IG. Abhaudlungeu der .Schweiz.
p.iläont. Gesellscliaft. Bd. I.
1874. „ „ Brauus, Der obere Jura im nordwestl. Deutschland, p. 262.
Weitere Literaturangaben Moesch. u. Brauns.
Das vorliegende Exemplar ist verlängert eiförmig mit etwas gerundetem Vorderende. Demselben zunächst
liegen sieben hohe Rippen, die durch tiefe und breite Mulden von einander « eit abstehen. Darauf folgi-n noch
circa 20 feine und dicht aneinander gestellte Rippen, welche gegen den Hauchraud an Schärfe zunehmen.
Zuwachsstreifen sind am vorderen Dritttheile bemerkbar.
Vorkommen: Plioladomt/a iiuilt/cosfatu ist weaenüich dem oberen Kinimeridge eigen, kommt jedoch im
nordwestlichen Deutschland bei Fallersleben, Goslar, Wendhausen, Ahlen u. a. a. 0. schon im mittleren Kim-
meridge vor. In der Schweiz und in Frankreicb im Pterocerien und Vii-gulien bei Porrentruy, Haute -Saone,
Boulogne sur Mer, St. Jean d'Angely u. s. w.
Das Originalexemplar ist Eigenthum des königl. sächsischen Polytechnikums in Dresden.
Pholadomya acumlnata Hartm.
1838. Plw/ac/iiiiiyu cliilhrata var. oviforwis Gutta, Geogn. Wauderungeu, II. ThI., p. 2(5.
1881. „ acuminata Bruder, Zur Keuutniss der Juraablagerungeu von Sternberg. p. 32, Tab. I, Fig. 6.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Mösch bildet in seiner „Monographie der Pholadomyen" auf Tab. XXH, Fig. 4 — 6, drei verschiedene
Typen dieser schönen Art ab. Hievon stimmen seine Figuren 4, sowie 5 und ü mit je einem der vorliegenden
Exemplare Uberein.
Vorkommen: Sehr verbreitet, wenn auch nicht sehr häutig im unteren und mittleren weissen Jura,
besonders in der Zone der Oppelia temiilohata der Schweiz, Schwabens, Frankens, des Krakauer Gebietes und
Böhmens.
Die beiden erwähnten Exemplare befinden sich in der Sammlung des geologischen Museums der Berliner
Universität.
Pleuromya teiUna Agass.
1842—45. Pleuroiiii/d ti'lliiia Agass., Monogr. de Myes, p. 250, Tab. 29, Fig. 1 — 8.
1842—45. „ Voltzli Agass., Monogr. de Myes, p. 249, Tab. 26, Fig. 1. 2. Tab. 29, Fig. 12—14.
1874. „ jiirassi Brauns., Der obere Jura im nordwestl. Deutschland., p. 254.
1881. „ Mliiia P. d. Loriol., Monogr. palaeontol. des couches de la zone a Amm. tenuüohatux. d, Oberbuch-
sitten et de Wangen, p. 43, Tab. VIII, Fig. 21—23, Me.mor. soc. pal. Siiisse, Bd. VII.
Weitere Literaturaugaben sielie Loriol und Brauns.
Dem Beispiele Oppel's, Loriol's und Brauns' folgend, welche Pleuromya Voltzii und P/. tellhia unter
letzterem Namen vereinigen, habe ich einen glatten Steiukerii aus dem Mergelkalke von Hohnstein als PI.
Oenkschriftea der mathem.-naturw. Gl. L. Bd. AbhaadluagsD von Nichtmitgliedern. \\
266 Geor<i Bruder.
tellina bestimmt, obgleicli ich selben nur mit der Varietät Voltzii (Agas.s. Tab. 20, Fig. 14) identificiren
möchte, und meinerseits die Trennung dieser beiden leicht unterscheidbaren Typen als einigermassen gerecht-
fertigt halte.
Vorkommen: Sehr verbreitet, wenn auch nicht häutig, in den Kimmeridge- Ablagerungen des nordwest-
lichen Deutschland, den Schichten der Oppelia tenuilobata Niederbaierns und in jenen des Äspidoceras acantlü-
cum Siebenbürgens.
In der Westschweiz und Nordfrankreich reicht diese Art von der Zone Pelfoceras himammatum bis ins
Portlandien hinauf.
Das Original ist Eigenthum der königl. sächsischen Bergakademie in Freiberg.
Mactromya ct. vugosa Roem. sp.
1836. Mjiü ni<iu!<(( Römer, Nordcleutscbcs dolithgebirge, p. 12.5, Taf. 9, Fig-. 16—17..
1868. LuciiiK riiijimi V. d. Loriol etCotteau, Monogr. piil. et geol. (1. l'dUgu Portlandien du departemeut de la Yonne.
p. 135, Tab. IX, Fig. lo— 11.
1S71. Miuiroiiii/ii riif/oso Brauns., Der obere Jur;i, p. 256.
1878. „ n Struckmann, Der obere Jura von Hannover, p. 48, Nr. 247.
Weitere Angaben von Literatur und Synoninien siehe Loriol und Brauns.
Ein nahezu glatter Steinkern von fast vierseitigem Umrisse, mit abgerundeten Ecken und abgestutzten,
nahezu in der Mitte liegenden Buckeln, mit einem inneren Leisteneindrucke nahe dem vorderen Schlossrande,
scheint dieser Art anzugehören.
Vorkommen: Madroinya riujom ist verbreitet im mittleren und oberen Kimmeridge des nordwestlichen
Deutschland.
Das einzige, vorliegende Exemplar ist im Besitze der königlichen Bergakademie zu Freiberg.
Auisocurdia sp.
Taf. III, Fig. 3.
Ein Steinkern zeigt grosse Ähnlichkeit mit Aiil^DConlia Leyru/i Sauvage sp. Struckmann tler obere
Jura der Umgebung von Hannover pag. 96. Taf. V Fig. 3 — 4.
Derselbe stammt aus den Kalksteinen und befindet sich am geologischen Museum der Berliner Universität.
Astarte cf . cordata T r a u t s c h o 1 d t.
Tal'. I, Fig. 6 a, b.
1838. Isucaräia eloiiijata? C'otta, Geogn. Wanderungen, IL Tli., p. 26.
1870. Astarie cordata Eömer, Geologie Oberschlesiens, p. 225, Taf. 20, Fig. 10.
So weit das einzige, etwas unvollständige Schalen exemplar eine Beurtheiluug gestattet, stimmt dasselbe
mit dieser Art, welche in den P«rÄ:/«.w«/-Schichten Oberschlesiens in Gesellschaft von Fleurotomarid yramdata
und Nucula vdrinhilh auftritt, gut übcreiu. Es stammt aus der schwarzen Lettenschiclit und ist Eigenthum des
geologischen und mineralogischen Museums der Berliner Universität.
Trkjonia paplllata Agass.
1838. TrUjoiiias^. C'otta, Geogn. Wanderungen, II. Th., p. 26.
1840. „ pupiUata Agass., Et. Grit. etc. Trigonies Taf. 5, Fig. 10 — 14, p. 39.
1840. „ siiprajureniiis Aga.s., Et. crit. etc. Trir/ouies, Tab. 4, Fig. 1—6, p. 42.
1881. „ papillata P. d. Loriol., C'ouches de la zone a Amm. tcimilobaliis, p. 64, Taf. X, Fig. 17—18, Mem. S05. pal.
Suisse, Bd. VIII.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Zahlreiche Steinkerne und ein Schalenabdruck liegen vor; dieselben gehören durchwegs Formen aus der
Gruppe der Costateu an. Obgleich etwas variabel in ihrer Gestalt, zeigen sie doch eine gute Übereinstimmung
mit Agass. Fig. 13 auf Tafel V, so dass ihre Identität wohl ausser Zweifel steht. Der Schalenabdruck (Eigen-
timm der Bergakademie Freiberg) lässt noch die mit gekörnelten Läugsrippen gezierte Area erkennen, welche
(Uirch eine kräftigere Mittellippe in zwei Felder gelhcilt erscheint.
Die Fauna der Jiiraahlaf/erunf/ ron Tlokndein in Sachsen. 207
Trigonia papiUotd ist selir verbreitet im oberen Jura Norddentschlaiuls, in den Schichten der l'^xixjijra
oirgula Obersehlesieu.s und Polens und in den TeuuiloliiiUisschichten der Schweiz und Fraidcreicli.s.
Die Exemplare betindeu sich au den Museen zu Frciberg', Dresden, Uerlin und München.
Trigonia Cottae Bruder.
Tat'. V, Fig. 8 i,, h, c.
Nebst Steiukerneu der typischen Form von Trigonia papillata kommen auch welche vor, die zwar nnt
derselben eine gewisse Ähnlichkeit besitzen, und, wie es scheint, durch Ül>ergänge mit ihr verknüpft sind. Sie
unterscheiden sich aber doch wesentlich von dcnsell)en durch minder entwickelte Buckel, geringere Dicke,
also flachere Gestalt und stumpfere Schnauze, so dass eine Vereinignng mit der genannten Art nicht zulässig
erscheint.
Das Originalexemplar befindet sich im paläontologischen Museum der Universität Milnclieu, weitere
Exemplare in den Sammlungen der Bergakademie in Freiberg und der Berliner Universität.
NuculavarlablUs Sow.
Tat". I, Fig. 7.
IS24. Nucida mrichilis Sow., M. C, Tab. 475, Fig. 2.
1858. „ „ Quenst., .Jura, p. 443 u. 505, Tat". 60, Fig. 15— IC.
1870. „ „ Römer, Geologie von Oberschlesieri, p. 223, Tat'. 20, Fig. 12.
Von dieser Species liegt ein Steiukern vor, mit theilweise erlialtener Schale, an welcher die Schloss-
partie gut erkennbar ist.
Vorkommen: Vom mittleren bis in den obersten braunen Jura und in den Irapressathonen Schwabens,
sowie in den P«rÄmso;//-Schichten Oberschlesiens.
Das beschriebene Exemplar befindet sich in der Sammlung der Berliner Universität.
Cucullaea Hohnstelnensis B r u d e r.
Tat". III, Fig. 5a b c, Fig. 6.
1838. ('Hculhieu ohlomja Cotta, Ueogii. Waudeniugeu, II. Th., p. 26.
Es liegen vier Steinkerne vor; davon stammen drei aus dein blaugrauen Kalke von Hohnstein, dei vierte
besteht aus einem hellen, weissen Kalksteine, welcher grosse Ähnlichkeit mit den Brachiopodenkalken Stern-
bergs besitzt, wurde aber ebenfalls in Hohustein gefunden, und es scheint somit, dass auch hier solche helle
Kalke in Spuren vorgekommen sind.
DieGestalt ist eine quer verlängerte, ungleichseitige und stark gewölbte. Die Wirbel liegen im ersteuDritt
theil, sind einwärts gekrümmt und durch eine sehr breite, concave P)andarea von einander weit abstehend.
Die Area zeigt an einem Exemplar (Fig. 2) noch deutliche, geknickte Furchen, welche zur Anheftung des
Bandes gedient hatten. Vom Wirbel nach rückwärts und abwärts erstreckt sich ein deutlicher Kiel, längs
desselben erscheint die Hinterseite abgeflacht.
Die Schale und deren Sculptur sind leider nicht erhalten. Lage und Beschaffenheit der Muskeleindrücke
ist verwischt.
Das grösste Exemplar hat eine Länge von 100 Mm. und ist 85 Mm. breit.
Es ist mir keine, dieser Form nahestehende Art bekannnt. In den Dimensionen kiimint derselben Cuculliu-a
{Area) Lau/oueiisis Etallon, Lcfli. ßnadnitaiiu, Tab. XXV, Fig. 4, p. 21;') aus dem Epicorallicn von Laufon
am näcbsteu, unterscheidet sich aber wesentlich von derselben durch bedeutend grösseren Abstand der Wirbel,
welche überdies bei C. Laufoniensis nahezu gegen die Mitte gerückt erscheinen, und durch den geraden Ver-
lauf des Kieles auf <ler Hinterseite.
Das Original zu Fig. 1 abr, befindet sich am geologischen Museum der königl. Bergakademie in Freiberg,
jenes zu Fig. 2 ist im Besitze des mineralogischen und geologischen Museums in Berlin. Die übrigen Exemplare
befinden sich ebenfalls in Freiberg.
268 Georg Bruder.
3Iodlola subaequlpUcata Goldf. sp.
Taf. m, Fig. 7.
1834—40. Mytilus siibaequiplicatiis Goldf., Petr. Germ., II. Tlieil, p. 177, Tab. 131, Fig. 7.
1287. „ „ l.oriol, Foss. Haute Marne, p. 344, Tab. XXX, Fig. 7—8.
1874. Modiola aequiplicata Brauns., Der obere Jura im nordwestl. Deutscbl., p. 301.
Weitere Literaturaugaben ebenda.
1878. Modiola aequij)Hcala z. Tbl. .Struck mann. Obere Jura der Umgebung von Hannover, p. 38.
Das einzige vorliegende Exemplar ist gut erhalten, hat eine länglich runde Form, ist ziemlich hoch
gewölbt, und von dem fast endständigen Wirbel zieht sich diagonal gegen das entgegengesetzte Ende hin eine
gei-ade Falte. Die Schale ist mit dicht gestellten und scharfen coneentcischen Anwachstreifen geziert.
Vorkommen: In Frankreich, in der Schweiz und in Norddeutschland verbreitet, wo sie vom Corallien
bis ins obere Kimmeridgen (Niveau des Amm. gigas.) reicht.
Das Original befindet sich im Besitze der königl. Bergakademie zu Freiberg.
Lithodomus jurassica G e i n i t z.
1S71 — 75. Lithodomiis s\}. jiifussica Geinitz, Elbthalgebirge in Sachsen, I. Th., p. 220, Tab. 51, Fig. 31.
Wie H. B. Geinitz 1. c. angibt, wurde dieses Fossil inmitten eines jurassischen Kalksteines in den Con-
glomeraten von Zeschnig nächst Hohnstein gefunden. Sie ist mit der Masse desselben hellen und dichten
Kalkes erfüllt, von welchem sie auch umschlossen wird, und stammt daher jedenfalls aus diesen Schichten,
während andere Bohrmuscheln, welche ebenfalls in Brocken verschiedener jurassischer Gesteine dortselbst auf-
treten, mit Grünsaudmasse ausgefüllt sind und daher cenomaneu Alters sein müssen.
Das Exemplar befindet sich im mineralogisch-geologischen Museum in Dresden.
Inoceramus laeviyatus Münst.
Taf. IV, Fig. 7 a h.
1833 — 40. Inoceramus laevigalus Goldf. Petref. Germ., p. 111. Tab. 104. Fig. 6.
1874. _ „ v. Ammon, Juraablagerangen zwischen Regensburg und Passau, p. 158.
Es liegt ein Steinkern dieser grossen Inoceramus-Art vor.
Der nach vorne geneigte, stark Ubergebogene Wirbel ist spitz, von ihm ab nach hinten erstreckt sich der
kurze schräge Scblossrand.
Die Oberfläche des Steiukernes lässt etwas verwischte, coucentrische Anwaehswülste erkennen, aus
deren Veilauf man die ursprüngliche Grösse und Gestalt der Schalen erschliessen kann, welche auf der Ab-
bildung durch die punktirte Linie angedeutet ist. Die Vorderseite des hochgewölbteu Steinkernes erscheint
gleichsam steil abgeschnitten.
In allen diesen Eigenschaften herrscht vollkommene Übereinstimmung mit der Beschreibung, welche
Goldfuss von dieser Species entwirft, sowie mit dessen Abbildung. (Fig. 6. Tab. 104.)
Vorkommen: In den oberen Juraschichten von Bamberg (Zone ist unbekannt) und in der Stufe der
Oppelia tenullohata bei Söldenati unfern Urtenburg in Niederbaiern.
Das Originalexemplar befindet sich in der geologischen Sammlung des königl. Polytechnikums zu
Dresden.
Avlcula lacunosae Quenst. sp.
Taf. IV, Fig. 2 a h.
1882. Avicula lacunosae Bruder, Neue Beiträge zur Kenntuiss der Juraablagerung im uördl. Böhmen, p- 481.
Von dieser, durch ihre zarte Sculptur gut charakterisirteu Art, liegen zahlreiche Individuen vor, welche
auf einigen Handstücken und Ammoniteugehäusen aus den blaugrauen Kalken ein förmliches Haufwerk von
Schalen und Schalenfragmenten bilden.
Vorkommen: In den Teuuilobatusschichten Niederbaierus, Frankens und Schwabens.
Die Exemplare befinden sich in den Museen zu Dresden und Freiberg.
Die Fauna der .luraablagerung von Hohnstein in Sachsen. 269
Lima MoescM P. d. Loriol.
Taf. III, Fig. 8 a, 6, c.
1838. Lima elonytita Cotta, Geogn. Waudeningeu, II. Th, p. 26.
1878. „ Musschi P. de Loriol, Mouogr. de la zoue ä Amm. temälobatus de Baden, p. 156, Tal). 22, Fig. 19. (M6m. soc.
pal. Suisse, Bd. V.)
1881. „ MoescM P. de Loriol, Mimogr. du la zoiic k Aitmi. teimilobalKa de Oburbuühsitteii ete., p. 83, Tab. XI, Fig. 14.
Von dieser Species liegt eiii wohleiUaltenes Scbalenexemplar vor, so dass über dessen [deudität kein
Zweifel herrscht.
Vorkommeu: lu den Badener Schichten der östlichen Schweiz.
Das Originalexeinplar betindet sich am Berliner Universitätsmuseuni.
Lima itotafa Goldf.
1833. I/iiiia dapikata Cotta, Geogu. Wanderuugen, II. Tli., p. 28.
1882. „ et', iiotata Bruder, Nene Beiträge zur Keuntnias der Jiiraaldageruugeu iui uürdl. Bülimeu, p. 10, Tat'. I, Fig. .s.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Wie bei Sternberg und Khaa in Böhmen stammt diese Muschel auch bei Hohn.stein aus den blaugrauen,
feinkörnigen Kalken, und stimmt überhaupt vollständig mit dem böhmischen Vorkommen übcrein.
Vorkommen: In den l'eiiuilobatusschichten der Schweiz, Frankcn.s und Schwabens, in den Voglarner
Schichten Niederbayerns und den Schichten mit Ehi/Hcfionella Astiertaiiu Oberschlesiens.
Die Exemplare befinden sicii an den Museen der Bergakademie in Freiberg und der Berliner Universität.
Jjima d. Queustedti Mos eh.
1881. Lima ii\). Bruder, Zur Kenntniss der Juraablaberung von Sterubcrg bei Zeidler, p. .■i2.
Nur ein Fragment der Schale mit der charakteristischen Ornamentik ist von dieser Art erhalten, dasselbe
befindet sich am mineralogischen Museum in Dresden.
Vorkommen: Im mittleren und weissen Jura der Schweiz, Schwabens, Frankens und Niederbaierus.
Pecteii cf. sahtifiHatus Münster.
Tat'. IV, Fig. :>,.
1816. Pecleii Mhai-mutiin Müust. Goldf. Petref. Genn., IL, p. 47. Tab. 90, Fig. 8.
1881. „ „ P. de Loriol, Mouogr. de la zoue ä .L»»;. /(•//«//oi^/irs de Oberbuelisitten, ]). 88, Tab. XII. Fig. 2 — 4.
Mem. soc. pal. Suisse, Bd. VIII.
1882. „ „ Bruder, Neue Beiträge zur Keuutniss der Juraablageruugeu iiu iiürdl. BöliiutMi, p. :i(;.
Weitere Literaturangaben siehe Loriol.
Von dieser Art ist die linke Klappe nahezu vollständig erhalten, es fehlt blüs.s das hintere Ohr deiselbeii
und die Wirbelpartie ist etwas verletzt, unter ihr kommt in etwas verschobener Lage die Schlosspartie der
rechten Klap{)e und zwar mit der Innenseite zum Vorschein.
Der Umriss ist nahezu kreisförmig, die Zahl der stellenweise knotig angeschwollenen Rippen beträgt
11 — 12. Deutliche Stachelan.sätze sind au dem ai)gf^bildeten Exemplare nicht erhalten, ein Fragment derselben
Art aber lässt scharfe Auwaclisri[ipeii und Spurcni von Stacheiansätzen erkennen. Am vorderen Ohre der
rechten Klappe ist ein Ausschnitt für deu Bissus bemerkbar, welcher in gleicher Deutlichkeit bei Pecten
subarmafus nicht vorkömmt.
Vorkommen: In den 'renuilobatusschichten der Schweiz und Südileutschlands.
Das Origiualexemplar botindet sich in der geologischen Sammlung der Bergakademie in Freiberg,
ein weiteis Exemplar besitzt die Berliner Universität.
Pecten subtejctorius M ü n s t e i-.
1836. Peoteu nubtextui-iits Müust., (ioldt., Petref. Germ., 11. TU., p. 48, Tab. 90, Fig. 11.
1838. „ IvMorius Cotta, Geogu. Wanderungeu, IL Th., p. 27.
1881. „ sublexluriiis Bruder, Zur Keuutniss der Juraablageruug von Sterubcrg, u. s. w., p. 33.
Weitere Literaturungabeu ebenda.
270 Georr/ Bruder.
Von diener Art liegt ein grosses, aber imvollständig erhaltenes Exemplar vor, welches die charakteristische
Ornamentik der »Schale erkennen lässt.
Verbreitet im mittleren und oberen weii^sen Jura der Schweiz, Siiddeutschlands, Mährens, Polens und
Norddeutschlands.
Das Exemplar befindet sich in der geologischen Sammlung der Berliner Universität.
Peeten vitreus R ö m e r.
Tab. m, Fig. 9.
183G. reeteii vitreus Römer, Norddeutsdi. Oolithgeb., p. 72, Tab. 13, Fig. 7.
1838. „ chiguhiHts Cotta, Geogn. Wanilenmgen, II. Th., p. 27.
1882. „ „ Bruder, Neue Beitiäge zur Kenntniss der Juraabliigerung im nördl. Bölimeu, p. 35.
Weitere Literat uraugaben ebenda.
Vorkommen: In den Ammonitenkalken Böhmens, den Cordatusschichten Mährens, den Tenuilobatus-
schichten der Schweiz und in den Hersuraerschichten sowie dem Korallenoolith Norddeutschlands.
Originalexemplar befindet sich in der geologischen Samndung der Berliner Universität.
Gryphaea dilatatn Sowerby.
Taf. IV, Fig. 4 a 6 c.
1816. Gnj[>haea dilatata z. Th. Sowerby, Miu. Couch., Taf. 149, Fig. 1.
1834. „ gigantea Goldf, Petref. Germ., IL, p. 31, Tab. 29, Fig. 2.
1836. „ controversa Römer, Norddeutsch. Oolithgebirge, p. 63, Tab. 4, Fig. 1.
1838. „ i/ii/iii/ted (dihitata) Cotta, Geogn. Wanderiuigei), IL, p. 27.
1874. „ ililaJiifa Brauns., Der obere Jura. p. 453.
1878. „ „ Strukuiann, Olieie Jura von Haunover. p. 34 — 35, Nr. 93.
Von dieser bei Hohnstein häufigen Muschel liegen zahlreiche Exemplare vor, worunter einige einen Durch-
messer von 150 Mm. erreichen.
r!oldfuss hat dieselbe als Gnjphaea (ji(/cmtea beschrieben und abgebildet. Da ihm die Deckelklappe
nicht bekannt war, so konnte eine Verwechslung mit dieser Art, welche sich durch eine dünne Deckelschale
auszeichnet, leicht geschehen.
Das abgebildete Exemplar, an welchem die Deekelklappe noch ansitzt, zeigt jedoch dass selbe ebenso
kräftig gebaut ist, als die untere Klajuie. Sie ist in der Mitte vertieft, also concav, und hat eine excentrisch-
blättrige Streifung, deren Mittelpunkt nahe der Schiosspartie liegt. Die grosse Klappe ist sehr gewölbt, dick
und der Quere nach blättrig gestreift. Ein breiter Seitenlai)pen ist durch eine vom Wirbel aus strahlende
Furche abgesondert. Der Wirbel selbst liegt in der Mitte, ist schmal, hakig übergebogen und etwas abge-
stumpft.
(injpliara iUhdafa ist im nördlichen Deutschland an der Grenze des mittleren und oberen Jura sehr häufig
und verbreitet; dagegen ist sie in der östlichen Schweiz, Schwaben, Franken, Niederbaieru, Mähreu und Polen
nicht gefunden worden.
Das Originalexemplar befindet sich in der geologischen Sammlung der Bergakademie zu Freiberg, weitere
Exemplare ebendortselbst, sowie in den Museen zu Dresden und Berlin.
Osfrea (Alectt'i/oiiia) hasfeUftta Schlotheim. sp.
Tat. IV, Fig. 5.
1820. Ostracites crisla-galli hastellalm (pura) Schlot he im. Die Petrefactenkunde, p, 243.
1834—40. Oatrea cohibriiut Goldf. Petref. Genn., IL, p. 8, Tab. 74, Fig. 5.
1858. „ „ Cotta, Geogn. Wanderungen, IL, p. 27,
1870. „ rastellaris Römer, Geologie von Oberschlesipu, p. 2(56, Taf. 25, Fig. IG.
1838. „ hastellata u. rastellata Quenst., Jura, p. 750, Taf. 91, Fig. 27.
1874. „ gi-egaria (z. Th.) Brauns., Der obere Jura, p. 347.
1881. n hastellata Loriol., MoiiDgr. pal. d. couches de la zone ä -4/«)». teiiullohutus, p. 97. Tab. XIII, Fig. s— 9.
Die Fauna der Juraablagening von Ihihnsfe.in in Sachsen. 271
Es i^t nicht immer leicht, Odrea (/re[/((ri(i Sow. 1112 wie Goldfuss 742 von Osln« ImsfcHafa Gciidfiiss
75t zu unterscheiden, da diese extremen Formen durch alle Übergänge mit einander verbunden erscheinen.
Im vorliegenden Falle ist jedoch kein Zweifel, dass jene Form vertreten sei, welche Walch bei Knorr,
Merkw. Pars II, Tab. 1) II, Fig. 7, als „versteinerten Harken" bezeichnet. Die Schale ist, von oben betrachtet,
schön nach links gekrümmt, und in der Mitte am höchsten, gegen die Spitze wird sie wieder dünner. Auf den
Fristen der Schalen, welche schmal bandförmig sind, beginnen die Rijipen, ziehen sich eine Strecke schräg
nach vorne, um dann senkrecht abzufallen. An der Umbiegungsstolle formt sich eine Kante, die äussere
Grenze der Friste. Die Eänder der beiden Schalen greifen in einer Zickzacklinie ineinander.
Vorkommen: (Mrea (jreyaria und Ostrea haateUata sind sehr häufig in den unteren und mittleren Malm-
schichten Norddeutschlands, Polens, Mährens, Niederbaierns, Frankens, Schwabens und der Schweiz.
Das Originalexemplar befindet sich im Besitze der geologischen Sammlung der Berliner Universität.
Ostren ci. TItunnamti Etallon.
T:it. IV, Fig. 6 a, b.
1838. O^itrea sp. Cott;i, Geogu. Wanderungen, II. Th., p. 27.
1862. „ TJiiiniKiiiiii E'tallün, Letheji biuntrutana, p. 27:^, p. 3S, Fig. 7.
1881. „ n Loriol., Monogr. pal. de eoiiclies ile la Zone ii Amin, lemtilobafiis, p. 9.5, Tab. XIII, Fig. 6, (Mem.
soe. i>al. Siiisse. Bd. VIII.)
Weitere Literaturaugaben ebenda.
Bei der unvollständigen Erhaltung ist es nicht gut möglich, diese Auster mit hinreichender Sicherheit zu
bestimmen.
Obgleich eine grosse Ahntichkeif mit (J»trm 'Vhunnaimi besteht, so stimmt andererseits die ziemlich
bedeutende Dicke der Schale nicht gut mit den Merkmalen dieser Art überein, und hierin nähert sich die Form
jener von Ostrea comeiifrica und menoidea Goldfuss, Tab. 80, Fig. 1. welche von Dunker, Credner,
Struckmann und Brauns als (Mira miMi/ornÜK beschrieben werden.
Sowohl Ostrea Tlnirmaimi als auch Ostrea muUiformis sind verbreitet im Kirameridge Norddeutschlands;
erstere auch in den Tenuilobatusschicbten der Schweiz und Niederbaierns.
Das Originalexemplar befindet sich in der geologischen Sammlung der Berliner Universität.
Ostrea cf. Roemerl Quenst.
1882. Ostrea cf. Hocmeri Bruder, Neue Beiträge zur Kenntniss der Juiaablagerungeu im uördl. Böhmen, p. 36.
Weitere Literatnrangaben ebenda.
Auf einigen Riesen-Bispinosen und Planulatcu-Ammoniten sitzt eine ziemlich breite Auster von unregel-
mässiger Gestalt und dünner, an den Rändern schwach wellig gefalteter Schale, welche wohl mit dieser Species
identificirt werden darf.
Vorkommen: In den Tenuilobatusschichteu der Schweiz, Frankens, Schwabens und Niederbaierns,
sowie im unteren Kimmeridge von Norddeutschland.
Anneliden.
Se)'ptila sp.
Dem Schalcnabdruckc von Tn'i/on.iu /laplllata (pag. M) sind mclirere Gehäuse einer Serpnla- Art auf-
gewachsen, da aber alle aufgebrochen sind, ist eine genaue Bestimmung nicht mehr möglich. Der liackcn-
förmig gebogene Ursprung und die Dimensionen erinnern an Serpula thermarum. (Loriol, Mem. soc. pal.
Suisse Bd. III, Tab. I, Fig. 1) und an Serpula limata (Lethea Bruntrtitana, Tab. LXI, Fig. 20).
Die erwähnten Exemplare befinden sich in der geologischen Sammlung der Bergakademie zu Freiberg.
27 2 Georg Binder.
Brachiopoden.
Tei'ebrattilft (Waldheiinia) Moeschi Mayr.
T;if. V. Fig. 1 a, b.
1838. Terebratula viciualis Cotta, Geog-n. Wanderungen, p. 28.
1881. Waldheimia Moeschi Brudor, Zm- Kenntni.ss der Juraablageiim;;- von Sternberg u. s. w., p. 35, Taf. I, Fig. 11.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Von dieser in den Hohnsteiner Mergeln sehr häutigen Art liegen sowohl schmälere als auch breitere
Formen vor. Die meisten Exemplare lassen noch deutlich das Septum erkennen, welches bis zur Mitte der
kleineren Klappe reicht.
Vorkommen: In den unteren und mittleren Malmhorizonten der Schweiz, Schwabens und Nieder-
baierns.
Das Originalexemplar befindet sicli in der geologischen Sammlung der Bergakademie in Freiberg, weitere
Exemplare in den Museen zu Dresden und Berlin.
Terebratula (Waldheimia) humei-alis Römer.
Taf. V. Fig. 2 rt, h.
1839. Terebratula humeraU^ Römer, Norddeutsches Oolitligeb. Nachträge, p. 21, Taf. 18, Fig. 14.
1881. WaMhdmia humeraUs Loriol, Monog. pal. couches de la zoue ii Aiiim. leiiinlubalKs, p. 104, Tab. XIV, Fig. 1.5—19.
(Mein. soc. pal. Suisse, Bd. VIII.)
Weitere Literatiirangaben ebenda.
Es liegen mehrere Exemplare vor von 12 — 15 Mm. Länge, ilir Umriss ist ein regulär fünfseitiger, mit
abgerundeten Ecken. Auf der kleinen Klappe ist das Septum erkennbar. Bei dem durchschnittlieh etwas
ungünstigen Erhaltungszustande kann nicht mit genügender Sicherheit festgestellt werden, ob die Form mehr
der norddeutschen Terchratnla Inmierali^ oder der süddeutschen pentagonalis entspricht, welche übrigens nach
Brauns (pag. o65) zuweilen auch miteinander auftreten sollen.
Vorkommen: Terebratula humeraUs findet sich häufig im oberen Theile des Korallenoolithes Nord-
deutschlands, reicht aber auch noch in ältere Schichten hinab. In der östlichen Schweiz und in Frankreich
wird sie aus denTeniiilobatusschichten beschrieben. Terebratula pentagonalis nimmt einen etwas höheren Hori-
zont (s) in Schwaben ein.
Originalexemplar am geologischen Museum in Dresden, weitere Exemplare am Universitäts-Museum in
Berlin.
TerehratttUi ctformosa. Suess.
Taf. V. Fig. 3 a, b, c, (I.
1859. Terehratuki formosa Suess, Brachiopoden Stramberg, p. 27, Taf. I, Fig. 10—13.
1882. „ „ M.Schlosser, Brachiopoden des Kelhcimer Diceraskalkes. p. 124, Taf XXV, Fig. 10, Palaeonto-
graphica. III. Folge, 4. Bd.
Es liegt leider nur ein Exemplar mit etwas ausgebuchtetem Stirnrand vor, welches gut mit Schlosser' s
Figur 10 auf Tafel XXV übereinstimmt. Diese bezeichnet der genannte Autor als eine Mittelform zwischen
Terebratula cyclogonia {■= strictiva Uhlig, Jurabild. i. d. Umg. von Brunn, pag. 172, Tab. XVII, Fig. 9 — 10)
und Terebratula formosa und glaubt somit die letztere als eine Varietät der ersteren auffassen zu sollen.
Vorkommen: Terebrafida formosa findet sich in den Diceraskalken von Kelheim, sowie im Tithon von
Stramberg und Koniakau und im Koralleuoolith der Mont Saleve. Die nahe stehende T. ci/clogonia wurde
ausser in tithonischen Ablagerungen von Inwald, Stramberg etc. auch in den Kalksteinen der Schwedenschanze
bei BrUnn gefunden.
Das Originalexemplar befindet sich im geologischen Museum der Berliner Universität.
Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen. 273
Tei^ehi'atula siAhsella Leymerie.
Tab. V. Fig. 4 a 6 c.
1838. Terebratula hiplkata Cotta, Geogu. WanderungeD, II. Th, p. 28.
1846. „ subsella Leymerie, Statistique geol. del'Aube, p. 249, Tab. 10, Fig. 5.
1881. „ „ Loriol. Monogr. Pal. de la zone ä Amni. temiilobaftis de Baden, Pag. 105, Tad. XIV, Fig. 21— 22.
Mem. soc. pal. de Suisse, Bd. VIII.
Weitere Literaturangaben ebenda.
1882. „ „ A. V. Alth., Versteinerungen des Nizuiower Kalksteines, p. 301— 302, Taf. XXVIII, Fig. 7.
Die Hohnsteiuer Exemplare zeigen denselben Typus dieser Art, wie er von Loriol aus den Tenuilobatus-
schicbten von Baden besehrieben und abgebildet wird. (Mem. soc. pal. Suisse, Bd. V, Tab. XXIII, Fig. 15.) Die
Übereinstimmung findet sowohl in Bezug auf die ziemlich beträchtlichen Dimensionen als auch ganz besonders
betreff des Verlaufes der Stirnfalten statt. Die beiden Stirnfalten sind scharf und greifen von der grossen in
die kleine Khippe über; der zwischen denselben liegende Stirnrand bildet eine ebenso entschiedene Rlick-
faltung. Den beiden Falten des Stirnrandes entsprechen flach vertiefte Einnen auf der g;rossen Klappe und
wulstartige Erhebungen der Rinnen auf der kleinen Klappe, welche eine Hohlkehle begrenzen.
Die norddeutsche Form dieser Species ist nicht nur meist kleiner und flacher, sondern bei derselben ist
die Rüekfaltung des Stirnrandes nur unbedeutend, so dass die Hohlkehle auf der kleinen Klappe viel
seichter ist.
Vorkommen: Die häufigste Art des norddeutschen Kimmeridgen, und ebenfalls häufig in den Tenuilo-
batusschichten Frankreichs, der Schweiz und Suddeutschlands.
Das Originalexemplar befindet sich im paläontologisehen Museum der Universität in München, weitere
Exemplare an den Museen zu Freiberg, Dresden und Berlin.
Terebratula saxonica Bruder.
Taf. V, Fig. 6abcd.
Von dieser neuen Form liegt nur ein Exemplar vor, es dürfte der Terebratula subsella noch am nächsten
stehen, unterscheidet sich von selber jedoch nicht nur durch seine viel bedeutenderen Dimensionen, sondern
auch durch die Gestalt sell)st. Bei Terebrafithi ^uxonira liegt nämlich die grösste Breite nicht in der Nähe der
Stirnseite, sondern nahezu in der Mitte, wodurch der lünfseitige Umriss mehr zurücktritt, und das Ganze eine
eiförmige Gestalt annimmt. Die Hohlkehle auf der kleinen Klappe reicht viel weiter hinauf und ist auch von
höheren und längeren Wülsten begrenzt. Auf der grossen Klappe sind die Rinnen, welche den beiden Falten
des Stirnrandes entsprechen, schärfer und lassen sich weit hinauf bis in die Nähe des Buckels verfolgen,
so dass durch dieselben eine mittlere Wulst von den beiden Flanken der genannten Schale abgesetzt
erscheint.
Das Originalexemplar befindet sich am Museum der Berliner Universität.
Terebratula bisuffarcluata Schloth.
1820. Terebratula bisuffarcluata Schloth., Petrefactenkunde, p. 279.
1882. „ „ Bruder, Neue Beiträge zur Kenntnis der Juraablagerxingen im nördl. Böhmen, p. 12, Fig. 2.
Die typische Form der Terebratula bisuffärcinata ist durch zahlreiche Exemplare vertreten.
Vorkommen: Im unteren und mittleren weissen Jura der Schweiz, Schwabens, Frankens, Niederbaierns,
Polens und Böhmens.
Die vorliegenden Exemplare befinden sich au den geologischen Museen zu Freiberg, Tharand, Dresden
und Berlin.
Terebratula Zieteni P. d. Loriol.
1881. Terebratula Zieteni Bruder, Zur Keuntniss der .Juniablagerung von Sternberg. u. s. w., p. 37, Tab. II, Fig. 1 u. 2.
Weitere Literaturangaben ebenda.
1882. „ „ „ V. Uhlig, Die Jurabildungeu in der Umgebung von Briinu, p. 173.
Odukschrit'tea der mdtlieia.'aaturw.Cl. L. Bd. Abbaadluagea voaNichtmitgliedern. ^\^
274 Georg Bruder.
Diese Art, welche durch die flache kleine Klappe und den geraden Verlauf der Stirnlinie ausgezeichnet
ist, liegt in vielen Exemplaren vor.
Vorkommen: In den Tenuilobatusschichten der Schweiz und Schwabens, sowie im Jurakalksteine der
Schwedenschanze bei Brunn.
Die erwähnten Exemplare befinden sich in den Samndungen zu Freiberg, Dresden und Berlin.
Terehratula elliptakles Moesch.
1882. TerebratH/ii clliploiile^ Bruder, Nene Beiträge zur Kcnntuiss der Juraablagerung im nördl. Böhmen, p. 12, Tjif.Il, Fig. 1 a, b.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Von dieser grossen eiförmigen Terebratel, welche mit scharfen concentrisclien Anwachsstreifen bedeckt
ist und nur eine kurze und flache, von niederen Wülsten umgebene Hohlkehle auf der kleinen Klappe besitzt,
liegt nur ein Exemplar vor.
Vorkommen: In den Crenularisscliichten der Schweiz, in den Tenuilobatusschichten Schwabens, wie in
den Brachiopodenkalken desselben Horizontes in Böhmen.
Das Exemplar befindet sich in der geol. Sammlung des Polytechnikums in Dresden.
Terehvatuliiia siibstrkita Schlotheim sp.
Taf. V, Fig. 6 a, h.
18-20. Tercbratnlifes suhstriatHs Schlotheim, Petrcfactenkunde, p. 283.
1878. Tei-cbratii/imi substruita Loriol, Monogr. pal. d. Cüuches de la zone ä Amin, fcniti/obalus, p. isl, Tab. XXIII, Fig. 33.
Aus den Kalken von Hohnstein stammt das einzige vorliegende Exemplar dieser Species; es wurde beim
Präpariren eines Aramoniten gewonnen.
Vorkommen: In den Tenuilobatusschichten der Schweiz, Schwabens, Frankens, Niederbaierns, Polens,
Böhmens und im unteren Korallenoolithe Norddeutschlauds.
Das Originalexcmplar befindet sich in der Sammlung des geologischen Institutes der Bergakademie in
Freiberg.
Shyncho Hella trllohoides Quenst. sp.
Taf. V, Fig. 1 abc.
1851. Terebrcitnhi Irilohoides Quenst., Petretactenkuude. p. 45.5, Taf. 36, Fig. 29.
1878. RhyiichoiieUa triloboüles Loriol. Mouogr. Pal. de coiiches de la zone a Ainm. kiiaiJubutats u. s. w., p. 188, Tab. XXJII.
Fig. 41—45.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Diese Species ist durch 2 Exemplare vertreten, welche der grobgefalteten Form angehören.
Vorkommen: In den Tenuilobatusschichten der Schweiz, Schwabens, Frankens und Niederbaierns.
Die Exemplare befinden sich in der geologischen Sammlung des königi. Polytechnikums in Dresden.
IthynchoneUa moravlca Uhlig.
Tab. V, Fig. ?,ab c de.
1882. Bhynchonella moravica n. f. Uhlig, Die Jurabildungen in der Umgebung von Brunn, p. 175, Taf. XVII, Fig. 6.
Die gleichmässig stark gewölbten Schalen sind mit 35 — 40 dachförmigen, durchwegs einfachen Rippen
versehen. Die grössere Klappe trägt einen tiefen Sinus, welchem auf der kleinen ein Wulst entspricht, wodurch
eine dreilappige Gestillt gebildet wird. Auf dem Wulste sind 6 — 8 Rippen, auf den Flügeln je 5 — 7. Jener
Schalentheil, welcher gegen den Sinus abfällt oder zum Wulste sich erhebt, lässt 1 — 2 schwache Rippen
erkennen, die jedoch, ehe sie den Stirnrand erreichen, verschwinden. Die Schlosslinie bildet unterhalb des
zugespitzten, etwas übergebogenen Schnabels einen stumpfen Winkel. Der Schnabel selbst trägt deutliche
Schnabelkanten, unter der Spitze liegt das durchbohrte Deltidium. Auf der Rückseite des Schnabels werden
zwei nnter spitzen Winkeln geneigte Zahnstützplatten bemerkbar. Die kleine Klappe besitzt ein medianes
Septum.
t)ie Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen. 275
Nach TJhlig ist Rh. moravicd theilweise mit Rh. trilobdta und cräcoviensis verwechselt worden, und findet
sich in den Jurakalken der Schwedenschan/e bei Briinn, in den Ruditzer Schichten Mährens, dem oberen Felsen-
kalke Polens und den Ortenburger Schicliten Niedcrbaierns.
Mos eh (Der Aargaucr Jura, pag. 34, X. Lief.) beschreibt eine Form aus den Creuulariensehichten, welche
die Grösse einer Kinderfaust erreicht und durch einen weniger hoch erhabenen Stirnwulst sich von der typischen
Rh. trilobata unterscheidet.
Das Originalexemplar befindet sich an der Bergakademie in Freiberg, weitere an den paläontologischeu
Museen der Berliner Universität und des königl. baierisehen Staates in München.
Hhynchonella laeunosa var. dlchotonia Quenst.
Taf. V, Fig. 10 a, b.
1858. Ehynchonclla laeunosa var. dichotoma Quenst., Jura, p. 633, Taf. 78, Fig. 17.
Diese Form ist die iiäufigste unter den Rhynchonellenarten Hohnstein.'«. Sie ist ausgezeichnet durcii einen
langen Schnabel uud vorherrschend dichotomiiende Rippen, deren Zahl zwischen 27 und 34 schwankt. Das
grösste Exemplar misst 37 Mm. in der Länge, die mittlere Grösse beträgt circa 26 Mm. Es ist ein Sinus erkenn-
bar, doch ist derselbe nur sehr massig entwickelt und trägt 9 — 10 Rippen.
Die sächsischen Formen sind etwas mehr aufgebläht und fcinrippiger als vorliegende schwäbisclie Exem-
plare. Unter den zahlreichen vorliegenden Exemplaren sind auch einige von etwas unsymmetrischer Bildung,
welche an Rhjnchonella laeunosa subsiniUis (Bruder: „Zur Kenntniss der Juraablagerung von Sternberg,"
Tab. II, Fig. 5, pag. 41) erinnern.
Vorkommen: Häufig im weissen Jura 7 von Schwaben.
Das Originalexemplar befindet sich in der geologischen Sammlung der Bergakademie in Freiberg, weitere
Exemplare auch noch au den Museen zu München und Dresden.
Bhynchoiiella äff. phujuls Römer sp.
Tat'. V, Fig. 9 « J c.
1836. Terebratala pimfuh Römer, Norddeutsch. Oolithgeb., p. 41, Taf. II, Fig. 15.
1874. Rhiiiichiiiielhi itimjim Brauns, Obere .lur.T. p. 373, Taf. III, Fig. 22— 24.
1881. „ „ Loriol, Monogr. pal. de couuhea de la zone ä Amm. teiiKÜoha/iis u. s. w., p. 107, Tab. XIV.
Fig. 25—28. CMcm. soc. pal. Suisse, Bd. VIII.)
Weitere Literaturangabeu siehe Brauns u. Loriol.
Ein Exemplar von ziemlich bedeutender Grösse und Dicke mit durchgehends einfachen Rippen und
unsymmetrischer Gestalt dürfte mit dieser Species identisch sein.
Von der ebenfalls vorkommenden RhijnclioncUa Adieriana unterscheidet sie sich gut durch die aufgeblähte
Schale und den minder stumpfen Schlosskantenwinkel (derselbe beträgt nahezu 90°). Der Schnabel ist etwas
hackiger gekrümmt, als dieses bei Rh pirnjuis gewöhnlich der Fall ist, die Schnabelkanten sind deutlieh aus-
geprägt, wodurch sie sich von unsymmetrischen Formen der Rli. lartuiosa unterscheidet.
Vorkommen: Im Korallenoolithe des nördlichen Deutschlands und in den Tenmlohatus-'tic\A(M,&ü. der
Schweiz.
Das Originalexemplar befindet sich im paläontologischeu Museum der Universität zu München.
HhynchoiieUa Astierkma d' 0 r b.
1838. Terehratiila liicoHstiiHS Cotta. Geogn. Wanderungen, II. Th., p. 28.
1881. Rhtjnchuiidhi Aslicriaiiu Bruder, Zur Kenntniss der Juraaldagerung von Sternberg. u. s. w.. p. 39, Tab. II, Fig. 3« i c.
Weitere Literaturangabeu ebenda.
1882. Rlii/iichoiiellii AatieridHii Uhlig, Die Jurabildungen in der Umgebung von Briinn, p. 177, Taf. XVII, [V.] Fig. i — 5.
Das vorliegende Exemplar ist ein vollständig ausgewachsenes Individuum, hat 23 scharfe, dachförmige
Rippen (welche stets einfach bleiben) auf jeder der massig gewölbteu Klappen. Das Gehäuse erscheint seiner
Länge nach in zwei gleiche Hälften getlieilt, welche gegeneinander verschoben sind, was besonders in der
kk*
276 Georg Bruder.
Stiniansicht deutlich hervortritt. Der Schnabel ist schlank mit wenig iibergebogener Spitze. Deltidium, welches
die Öffnung- umfasst, erkennbar, dessgleichen deutliche Schnabelkanten. Die Zickzacklinie der Stirnnaht ist
schärfer als bei Suess („Brachiopoden der Stramberger Schichten," Tab. VI, Fig. 2 — 3\ doch zeigen schwä-
bische Exemplare von Rhj)ichoiie1la inconsfans ganz ähnliclie Verhältnisse.
Mit vorliegenden Exemplaren von Weisseustein (weisser Jura 7) herrscht vollkommene Übereinstimmung.
Auch in Polen (Pusch Paläontologie, Taf. III, Fig. A abc) kommen vollständig identische Formen von Rhyn-
chonella inconstans im oberen dolomitischen Jurakalke vor.
Rhynchonella Astieriana ist weit verbreitet, so in den nach ihr benannten Scliichten Oberschlesiens und
Polens, welche dem Kimmeridge angehören, in den Euditzer Schichten Mährens und im mittleren und oberen
weissen Jura Schwabens. In Franken, in der Schweiz und in den Juraklippeukalken von Stramberg beschränkt
sich ihr Vorkommen auf die höchsten Stufen der Malmformation.
Das Originalexemplar befindet sich am königl. mineral. und geol. Museum in Dresden.
Echiniden.
Dtsaster granttlosus MUnst. sp.
1R74. DiMiMer ynnuilosus Dames, Über Echiniden von Hohustein p. 210. Zeitsch. der deutschen geologischen Gesellachaft.
18S2. „ „ Bruder, Neue Beiträge zur Kenntniss der Juraablagerungeu im nördl. Böhmen, p. .tg.
Weitere Literaturangabeu ebenda.
Es liegen mehrere Exemplare dieser Species vor, dieselben befinden sich an den Museen zu Freiberg,
Dresden und Berlin.
Vorkommen: Im unteren und mittleren weissen Jura der Schweiz, Schwabens, Frankens, Nieder-
baierns und Böhmens.
Collyrites bicordatus vsir. thermariitn Mo es eh.
Taf. V, Flg. 11 a, b, c, d\ Flg. 12.
1778. Spatangites bicordatus Leske, Echiu., p. 244, pl. 47, Fig. 6.
1838. „ carinatiis Co tta,, Geogu. Wanderungen, II. Th, p. 25.
1867. Collyrites thermarum Mösch, Der Aargauer Jura, Bd. IV, T;if. VII, Fig. 4 a b c, p. 315.
1868. — 62 Collyrites hicordata Desor u. Loriol. Echinologie Helvetique. Echlnides de la periode jurassique. Tab. LVIII,
Fig. 7 — 11, p. 365.
Weitere Literaturaugaben ebenda.
1874. Collyrites bicordata Dame.s, Echiniden von Hohnstein, p. 210, Zeitschr. der deutscheu geologischen Gesellschaft.
1882. „ cf. bicordatus Uhlig, Die Jurabildungen der Umgebung von Brunn, p. 179.
Die Hohnsteiner Exemplare, deren zahlreiche vorliegen, haben durchwegs jenen breit herzförmigen Umriss,
welchen Mösch (1. c.) bei Collyrites thermarum besonders betont, mit dessen Abbildung überhaupt die sächsi-
schen Formen vollkommen übereinstimmen, so dass ich sie Collyrites bicordatus var. thermarum bezeichnen
möchte. Die letztgenannte Art wurde von Mösch aus den Badener Schichten (Stufe der Oppelia tenuilobafa) der
Schweiz beschrieben, die typische Form des Collyrites bicordatus findet sich in den Oxfordschichten Frankreichs
und Norddeutschlands, in neuester Zeit wurde diese Art auch von Uhlig in den Ruditzer Schichten Mährens
in einem unvollständigen Exemplare aufgefunden. Dagegen fehlt sie den süddeutschen Jurabildungen
gänzlich.
Zahlreiche Exemplare befinden sich an den Museen zu Berlin und Dresden, das Original gehört der königl.
Bergakademie zu Freiberg.
Holectypus coralUnus Desor.
Taf. V, Fig. 13 a b.
1838. Galerites depressits Co tta, Geogn. Wanderungen, 11. Th., p. 25.
1872—75. Oahrites corallinui Queust., Petrefacteukunde, p. 425, Taf. 77, Fig. 14 — 15.
Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen. 277
1873. Gdleriten corallinus Dames, Echiniil. d. nonlw. doiitneli. Jiirabildiingen, p. CS7, Tat'. 24, Fig. 3, Zeitschr. der deutschen
geologischen Gesellschaft.
Weitere Literaturangaben ebenda.
1S74. Holedypus coruninus Dames, Über Echiniden von Hohnstein, p. 210, Zeitschr. der deutschen geologischen Gesellschaft.
Vou dieser Species liegen mehrere vollständig; erhaltene Exemplare vor, dieselben befinden sich au den
Museen zu Freiberg, Dresden und Berlin. Das Origiualexemplar ist im Besitze der Freiberger Bergakademie.
Holedypus coralUnus ist ein seltenes Vorkommen des unteren und mittleren Kimmeridgc Norddeutsch-
lands, der mittleren und oberen weissen Juraschichten der Schweiz, Schwabens, Frankens und Nieder-
baierns.
JPedina sublaevis (+ aspera) Agass.
Taf. V, Fig. 14 a, b.
1838. Ciiluris variolaris Cotta, Gengn. Wanderungen, U. Th., p. 65.
1840. Fedina subhievis Agassiz, Echinodermes Suisses, 2. partie, p. 34, Taf. XV, Fig. 11 — 13.
1840. „ uspera Agassiz, Echinodermes Suisses, 2. partie, p. 34, Taf. XV, Fig. 8—10.
1871. „ suhlaevis Desor et Loriol, Echinologie helvötique, p. 238, Tab. XL, Fig. 1—4.
Weitere Literaturangaben ebenda.
1874. Pedina suhlaevis + aspera Dames, Über Echiniden von Hohnstein. Zeitschr. der deutschen geologischen Gesellschaft.
Diese Species ist durch ein einziges, aber wohlerhalteues Exemplar vertreten, welches besonders auch die
Verhältnisse der Scheitelregion, Fig. 14 b, recht gut erkennen lässt, so dass die Bestimmung mit genügender
Sicherheit möglich ist.
Wrkommen: Im Corallien (Terr. ä Chailles) Frankreichs, der westlichen Schweiz und Nordwest-
dcutschlands.
Uas Originalexemplar befindet sich am geologischen Museum der Berliner Universität.
Pseudodiadema cf. Tna/tnillami/m, Desor.
1836. Oidarites tnamülanus Römer, Norddeutsches Oolithgebirge, p. 26, Tab. II, Fig. 1.
1858. Pseudodiadeiiui mamilhmum Desor, Synopsis de Echinides Foss, p. 64, Tab. XII, Fig. 1 — 3.
1873. „ , Dames, Echinideu der uordw. deutschen Jiirabilduugen. p. r_'4, Tab. s, Fig. 1.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Das einzige vorliegende Exemplar ist leider sehr ungünstig erhalten, sowohl Scheitel als Afterpartie
sind zerstört, so dass eine genaue Bestimmung nicht möglich ist. Soweit eine Beurtheilung zulässig, dürfte es
mit der obenangegebenen Art übereinstimmen. Die Gestalt ist rundlich, fünfeckig und sehr flach. Die Warzen der
Fussstrassen stehen wie die übrigen in zwei Reihen, sind gekerbt und durchbohrt.
Vorkommen: Nur im Corallien Englands, Frankreichs und des nordwestlichen Deutschlands.
Das Exemplar befindet sich am geologischen Museum der Bergakademie in Freiberg.
Memicidaris crentilaris Lam.
1816. Cidarites crenularis Laniark, Animaux saus vertebiüS. Bd. VI, p. 59.
1840. Ilemieidarix cremdaris Agass., Echin. foss. de la Suisse. Bd. II, p. 44, Taf. XIX, Fig. 10—12, Taf. XVIII, Fig. 23—24.
1869. „ „ Desor et Loriol., Echiuologie Helvetique, p. 104, Tab. XVI, Fig. 6 — 17, Tab. XVII,
Fig. 1—7.
Weitere Literaturaugaben ebeuda.
Von dieser Species liegt ein ziemlich gut erhaltenes Exemplar vor. Es ist hoch gewölbt und hat einen
kreisförmigen Umriss. Die Porenstreif eii sind wellig gebogen, die Stachel warzen reichen bis zur Scheitel-
region, welche in allen Details vollkommen mit den vorhandenen Abbildungen übereinstimmt.
Vorkommen: Im oberen weissen Jura (s) der Schweiz und Schwabens und in den Ortenburger Schichten
Niederbaierns. In Norddeutschland findet sich die nahestehende Form llemkklaris intermedia Flem. im unteren
und oberen Korallenoolithe.
Das erwähnte Exemplar befindet sich am miucral. und geul. Museum zu Dresden.
278 Georg Bruder.
Cidaris coronata Q u e n s t.
Taf. V, Fig. 15 a b.
1838. Cidarites glandiformis Cotta, Geogn. Wanderungen, IL, p. 25.
1881. „ coronata Bruder, Zur Kenntnisa der Juraablagerung von Steruberg u. s. w., p. 16.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Es liegen mehrere Stacheln vor, welche theils dem Typus der Fig-. IIa, theils jenem von 11 ^ angehören.
Beide Formen schreibt Quenstedt dem Cidaris coronatus 7 zu. (Jura Fig. 36 und 37, und Echiniden Tab. 62,
Fig. 30—50.)
Vorkommen: Im mittleren Malmhorizonte der Schweiz, Schwabens, Frankens, Niederbaierns, Mährens,
des Krakauer Gebietes, Oberschlesieus und Böhmens.
Eigenthum des königl. mineral. und geol. Museums in Dresden.
Cidar is Blumenhachi Münster*.
1826. Cidaris BlimenbcwM Münst., Goldf., Petref. Germ., p. 117, Taf. XXXIX, Fig. 3 a 6.
1869. „ „ Desor etLoriol, Echinologie helvetique p. 40, Taf. VI, Fig. 1 — 5.
1874. „ „ Dames, Über Echiniden von Hohnstein, p. 210, Zeitschr. d. deutsehen geologischen Gesellschaft.
Ein unvollständiges Exemplar liegt vor. An demselben stehen je sechs, mit kleinen durchbohrten Gelenk-
köpfchen versehene Asseln in einer Reihe. Ihre Höfchen sind nahezu kreisförmig und von kaum etwas grösseren
Perlknoten umfasst, als solche den Rand der Asseln bedecken.
Vorkommen: Im oberen weissen Jura (j) Schwabens und der Schweiz, in den Ortenburger Schichten
Niederbaierns, den Ruditzer Schichten Mährens und im mittleren weissen Jura Polens.
Das Origiualexemplar befindet sich in der geologischen Sammlung der Berliner Universität.
Ithnbdocidarls nobllis Münst.
1838. Cidarites mammus Münst. Cotta, Geogn. Wanderungen, IL Th., p. 25.
1874. Ehahdoüdaris nobffis Dames, Über Eehiuiden von Hohnstein, Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft.
1881. „ „ Bruder, Zur Keuutniss der Juraablagerung von Sternberg. u. 3. w., p. 46.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Von dieser Art liegt ein gut erhaltenes Exemplar vor. Es hat eine bedeutende Grösse, die Porenstrassen
liegen in Furchen. Die Gelenksköpfe sind klein, durchbohrt und stark gestrahlt, das Höfchen, welches die-
selben umgibt, ist kreisrund, von entfernt stehenden Perlknoten umfasst. Der Rand der Asseln, deren Zahl
nicht mehr genau ermittelt werden kann, ist fein gekörnt und breit.
Vorkommen: Lagert im weissen Jura Süddeutschlands von unten bis hinauf (sc — i) in verschiedeneu
Varietäten. Ferner findet er sich in den Ortenburger Schichten Niederbaierns und den Brachiopodenkalken
Sternbergs.
Das Originalexemplar befindet sich am mineral. und geol. Museum der Berliner Universität.
Ästenden.
Asterias cf. vm/pressae Quenst.
Taf. I, Fig. 8 a, b.
1838. Asterias jurensis Münst., Cotta, Geogu. Wanderungen, IL Th., p. 25.
1876. , impressae Quenst., Echiuodermeu. p. :59, Taf. 91, Fig. 23 — 84.
Weitere Literaturangaben ebenda.
Eine sechsstrahlige Centralplatte ist auf de-r Ober.seite mit Grübchen bedeckt. Die Strahlen ragen leisten-
artig au den Seiten hervor und sind mit fnrcheiuii-tigen Vertiefungen versehen. Die vollkommenste Überein-
stimmung besteht mit Fig. 55 auf Taf. 91 in Qnenstedt's Echinodermen.
Vorkommen: In den Impressathonen Schwabens und den Transversariusscbichteu Niederbaierns und
Frankens.
Das Originalexeniplar befindet sicli am Museum der Bergakademie zu Freiberg.
Die Fauna der Jnraablagerung von Hohnsfein in Sachsen. 279
Crinoiden.
Pentacrlnus cf. pentagonalls Gold f.
Taf. I, Fig. 9.
1833. Peiitacriiius penlagomdis Goldf. Petref. Genii. Bd. I, p. 175, Taf. 53, Fig. 2 c de f.
1838. „ basattiformis Cotta, Geogn. Wanderungen, II. Th.. p. 25.
1879. „ pentagonalis Loriol, Monogr. erinoid. tbss. d. 1. Suisse., p. 168, Taf. XVII, Fig. 18—28. (M6m. soc. pal.
Suisse. VI. Bd.)
Weitere Literatuiangaben ebenda.
Die vorlieg-eiulen Säuleufragmente bestehen .ans wenigen Gliedern, haben einen scharf fUnfseitigen Quer-
schnitt und fast glatte Seiten. Die Gelenkfläche ist mit einem gekerbten Blatte geziert. An den Kanten sind
callusartige Anschwellungen bemerkbar.
Nach Cotta (1. c. pag. 33) stammen dieselben aus den bituminösen schwarzen Thonen (Lettenschichte)
von Hohnstein.
Vorkommen: Häufig in den Oxfordseliiciiten der Schweiz und Süddeutschlands, selten höher als bis in
die Zone der Oppelia tenuilohata reichend.
Das Originalexemplar befindet sich am geol. Museum der Bergakademie in Freiberg.
Apiocrlnus sp.
Ein Glied einer Apiocrinus-Säule liegt vor, welches mit Quenstedt's Fig. 71 auf Taf. 103 (Echinodermen
pag. 330) von Apiocrinus mespiliformis gut übereinstimmt. Der Nahrungskaual ist an den beiden Gelenkflächen
des Gliedes von einer kreisförmigen Vertiefung umgeben. Die Gelenkflächen selbst sind durch feine Radial-
linien, welche aber nur unter der Loupe sichtliar werden, geziert. Die Höhe des Gliedes deutet auf Ap. mespi-
lifornm, denn jene von Ap. rosaceus, die sonst sehr ähnlich sind, pflegen etwas niedriger zu sein.
Das Originalexemplar befindet sich am mineral. und geol. Museum zu Dresden.
Spongien.
Corynslla Qtien.stedtl Zittel.
Taf. V, Fig. 16 u b c.
1878. Sjwnyites astrophorut: Quenst. Schwämme, p. 310, Taf. 124, Fig. 63.
1878. Corynella Qmiistedti Zitt., Studien über foss. Spongien, III. Abth., Culcispoiigiae p. 36, Fig. 126, Abth. d. königlich-
bayrischen Gesellsch. der Wissensch. II. Cl.. XIII. Bd.
Der vorliegende Amorphozoeiistock stimmt in allen Merkmalen mit der Abbildung und Beschreibung,
welche Quenstedt (1. c. pag. 210) gibt. Er ist einfach und kreiseiförmig, Magenhöhle ist ziemlich seicht,
Osculum gestrahlt, an der Basis eine Dermalschichte bemerkbar, Skeletfasern anastomosirend.
Vorkommen: Weisser Jura e in Schwaben.
Eigenthum des geol. Museums der Berliner Universität.
280 Georg Bruder.
ERKLÄRUNG DER ABBILDUNGEN.
A. Versteinerungen der schwarzen Lage.
TAFEL L
Fig. 1. Amaltkeus teiiitigerraliin Opp., ab 4mal vergrössert; c natürliche Grösse, p. 262. Universität Berlin.
„ 2. Haploceras Brucl-iieri Opp., natürl. Gr. a von der Seite; b von vorne, p. 260. Univ. Berlin.
„ 3. Perisphhiates et plicatiUs Sow., natüil. Gr. a v. d. Seite; b Siphonalseite. p. 257. Univ. Berlin.
„ 4. Pe/toceras Geinitzii n. sp. natürl. Gr. a v. d. Seite; h Diagramm dos Querschnittes, p. 254. B. A. Freiberg.
„ 5. Pleurutomai-ia dt yramilala Sow., ah natürl. Gr.; c Schalcnfragnient vergr. p. 263. Museum Müuthen.
„ 6. Astaiie et", cordata Trautsch, natürl. Gr. a. v. vorn; b v. d. Seite. Schalenexemplar. p. 266. Univ. Berlin.
„ 7. NKciiIa variabüis Sow., natürl. Gr. Steinkern. p. 2G7. Univ. Berlin.
„ 8. Asterias impressae Quenst., natürl. Gr. Centralplattc; a v. oben; b v. d. Seite, p. 278. Freiberg.
„ 9. PeiUacn'nm pentagoiialis Goldf., natürl. Gr. Säuleuf'ragment. p. 279. Freiberg.
B. Versteinerungen der Mergel und Kalke.
TAFEL IL
Fig. 1. Ple.vo(ius cf. jmsfiilosKs Wagn., natürl. Gr. gezeichnet nach dem Modell, p. 251. Freiberg und Berlin.
T 2. Beinekia cf. Calisto d.Orb. , natürl. Gr. Wohnkammer mit Mundsaum und Ohr. p. 258. Polyt. Dresden.
„ 3. Perisphhwtes {Siimcerasl) n. sp. natürl. Gr. Wohnkammerfragment, p. 258. Freiberg.
„ 4. Aspiduceras intermedium n. sp. natürl. Gr. a v. d. Seite; b Siphoseite; c Lobenlinie. p. 253. Steinkera. B, A. Freiberg.
„ 5. Pleurotomariu jttrensis Hartm., natürl. Gr. Steinkern. p. 264. Polyt. Dresden.
TAFEL IIL
Fig. 1. Pholadomya cf. Murchisoni Sow., [Aus den Hangend Sanden] natürl. Gr. p. 264. Freiberg.
„ 2. Pho/adomi/a mn/ficosMa Agass., natürl. Gr. Steinkern. p. 265. Pulyt. Dresden.
„ 3. Anisocardia sp. natürl. Gr. Steinkern. p. 266. Univ. Berlin.
„ 4. Triyonia Cottae n. sp. natürl. Gr. Steinkem. a v. d. Seite ; b v. oben ; c v. vorn. p. 267. Mus. München.
„ 5. Ciicullaea Hohnsteimnsis n. sp. natürl. Gr. Steinkern, a v. d. Seite; 6 v. vorn; c v. oben. p. 267. Freiberg.
„ 6. „ „ n. sp. natürl. Gr. v. oben. p. 267. Univ. Berlin.
„ 7, Modiola subaequiplicata Goldf. sp., natürl. Gr. Schalenexemplar, p. 268. Freiberg.
„ 8. Lima Moeschi Loriol., natürl. Gr. a v. d. Seite; b v. oben; c Schalent'ragment vergr. p. 269. Univ. Berlin.
„ 9. Pecten vitreus Römer, natürl. Gr. Schalenexemplar, p. 270, Univ. Berlin.
TAFEL IV.
Fig. 1. Inoceramus laeviffafits MUnst, uatürl. Gr., Steinkern, a v. vorn; b v. d. Seite, p. 268. Polyt. Dresden.
„ 2. Avicula lacunosae Quenst., sp. a natürl. Gr.; b 3 mal vergr. p. 268. Freiberg.
„ 3. Pecten subannatus Münst. Steinkern natürl. Gr. p. 269. Polyt. Dresden.
„ 4. Gryphaea dilatata Sow., Schalenexemplar, natürl. Gr. a gr. Klappe v. d. Seite; b v. vorn; c kl. Klappe. p.270. Frei-
berg.
;, 5. Ah'dryoma hasteUata Schloth. Schalenexemplar, natürl. Gr. p. 270. Uuiv. Berlin.
6. Ostrea äff. Tiiurmanni Etall. natürl. Gr. a kl. Klappe v. oben. p. 271. Univ. Berlin.
Brinlf'r: Fmiua (l..lniM.ilil.v llulinslci
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Tar.I.
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K k Kol-u. Staatsdruckerei
'-Kat.del.Rud ScIißiiTL.ljTh.
Denkschriften d.k.Akad.d.W.math.natunv. Classe LBd.n.Abth.
Bruder: Fauna d.Jnraahl.v Hnhnslein.
Taf n.
K K ll?£-ii S{aalsdrud«T9i.
Bruder ad nat delRud Schönn.lit>t
Denkschriften d.k.Akad.d.W.math.nalurw. Classe LBdüAbth.
Bf lldtT : Fauna ij.lunialil.v llulinslein
1.
Taf m.
K k.Hof-u Staatsdruckerei.
Bruder ad nat.del Rud Schönnlitli,
Denkschriften d.k.Akad.d.W.math.naturw. Classe LBd.II.Abth.
BnullM': Fauna d.Juraahl.v Huhnstpin
Taf.F.
Bruder ad nat del Rud Schörni liiK
K k-Eof-u Staatsdruckcrei.
Denksrhriften d.k.Akad.d.W.matli.naturw. Classe L.Bd.Il.Ablh.
Hriuli'r: riiiiiia il .liiraiililA' lliiliMsti'in
51
Taf.\:
Sruäer id nal del.Rud Schönn ]i*li-
K-k. Ho f-u Staatsdruckerei.
Denkschriften d.k.Akad.d.W.niath.natunv. Classe L. Rd.II.Abth.
Die Faii,ii((. der Juraablagerung von ilohiidei)! in Sarhuen. 281
TAFEL V.
Fif;-. 1 rill. ]V<thlhciini(( Mocxclii May IT, uatiirl. Gr. )). -ili. Freiberg.
„ ''.ab. Waklheimia humemUs Röraor, ap. natiirl. Gr. p. 272. iniueral. Mus. DrcstUm.
,, ?>abcd. TercOrafula ct. formosu Suess, uatiUl. Gr. p. 272. Uuiv. Berlin.
„ idbc. Tei-ebratuJa subsella Leyui., natiirl. (ir. p. 273. Mus. München.
„ 6 ab cd. Terehraiitla nnxonlca n. sp. natiirl. Gr. p. 273. Univ. Berlin.
„ 6. Terebraluliiai suh^triata Selil. « natiirl. Gr. h 3mal vergr. p. 27 1. P'reiVierg.
„ labt. RhynchotieUa triloboides Q uenst. sp. nat. Gr. p. 274. Polyt. Dresden.
„ üabcde. Rhynchonella moravka nat. Gr. p. 274. B. (1. Fveiberg.
„ y (( bc. liliyncliondhi aS. piitynis natiirl. Gr. p. 275. Mus. Münclien.
„ lOrtii. lihijHelwiicIkt lacunoisd var. dicliotoma Qucnst. sp. nat. Gr. p. 275. B. A. Freiberg.
„ Vlabcd. Co//i/riteti bicordatii Ynr. thcrmuriiDi Moesch. nat. Gr. p. 276. Freiberg.
„ 12. CoJfyriles bicordata \'ar. thirmanAiu Moesch. Ambiihicra. 3mal vergr. p. 276. Freiberg.
., 13. Uohctyims condlimis (l'Orb. a nat. Gr. ; b Ambulacra 3 mal vergr. p. 276. Freiberg.
., 14. l'cdiiia subhtevis -+■ iasiicra) Agass. a uat. Gr. : b Ambulacra 3mal vergr. p. 277. Univ. Berlin.
„ \bah. Ciduris Q,i. coronata Q uenst. Stacheln iu natiirl. Gr. p. 278. Mineral. Mus, üresileu.
„ 16 ((6 c. Curyiw/la (^ueiisicdti Zitt. uatiirl. Gr. p. 279. Univ. Berlin.
Denkschrifion der mathoui.-uaturw. Gl. L. Bd. Abhaudluiifjou vuu NichimittiliütlerD.
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Die Fauna der Juraablacjernnq von Ilohnstein in Sachsen.
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285
EIN BEITllACJ
ZUR
KENNTNISS DER FISCHE DES BÖHMISCHEN TURON'S.
VON
PitoF Dk. GUSTAV C. LAUBE.
VOKOELEOT IN DER SITZUNG AM in. APRIL 1885.
Die untere Etage des böhuiiselieiiTuron's, Seliloeubach's Zone AesLioceramiis /ahidfus, wird in derUni-
gebung von Prag von einem gelblicbeu, in den unteren Lagen häufig kieseligen Grobi^alk gebildet, welcher /u
den Bauten der böhmischen Landeshauptstadt ein viel verwendetes Material liefert. Auch der Rücken des
Höhenzuges, westlich von der Stadt, dessen Abfall gegen die Moldau den Laurenzberg bildet, der historisch
berühmte „Weisse Berg-' besteht aus diesem Gestein, und wie der Ort wohl von dessen Farbe seinen Namen
erhielt, so haben in neuerer Zeit die Herren Professoren Krej.ci und Fritsch diesen Ablagerungen, die ehe-
dem als „unterer Pläner" bekannt waren, mit dem Namen „Weissenberger Scbichten-' belegt. Diese Grobkalke
deren genaue Scbilderung wir Herrn Professor Ant. Fritsch verdanken,* haben, obwohl sie eigentlich nicht
reich an Versteinerungen sind, eine grosse Anzahl von zum Theile trefflich erhaltenen Fischresten geliefert.
Schon Agassiz hat in seinen „Recherches sur les Poissons fossiles" Deryx Zippei aus diesen Ablagerungen
bekannt gemacht. Später hat Reuss (^Denkschriften d. kais. Akad. d. W., XIIL Bd.) zwei neue Fische von
hier beschrieben. In seiner Monographie über die Reptilien und Fische der böhmischen Kreideformation zählt
Herr Fritsch 23 Fische aus diesen Ablagerungen auf, für die er auch den Namen „Fischpläner" in Vorschlag
bringt. Es ist hiemit die Liste noch nicht erschöpft. Herr Fritsch hat in den Sitzungsberichten der böhmischen
Gesellschaft der Wisscuschaften (Sitzungsberichte 1879, p. 3) noch einen neuen Istieus genannt, ich kann
dem Verzeichnisse der Plagiostomen noch FUjchodmlatissimus Ag. hinzufügen, den mein Herr College von da
nicht aufzählt. Endlich wurden vom geok)gischen Institute der deutschen Universität in Prag zwei vorzüglich
erhaltene Fische erworben, deren eingehende Beschreibung der Zweck der nachfolgenden Zeilen ist. Sie
stammen beide aus den unmittelbar vor dem Reichsthore gelegenen, sehr ausgedehnten und nun schon bedeu-
tend ausgebauten Steinbrüchen des Stiftes Strahow. Der eine derselben, welchen ich mit dem Namen J'folelopfs
•' Anton Fritsch, Stiulieu im (icbioto der böhinisclien Kreidolormatiou. II. Die Winssoiibcrsoi- imd Macnifzci- Si-liichten.
Prag 1877. Archiv der iiatui\vis.seii.s('liaf'tlielieii liande.serl'i)i«f.liiiiig von Bolinien. IV. Bd.
286 Gustav C. Laube.
Geinitzii belege, ist der Vertreter eines bisher unbekannten Elopidengcsclil echtes. Es wird hiedurch neuerlich
die schon von Johann Jakob He ekel (^Denkschriften der kais. Akad. d. Wissensch., XI. Bd., p.250) ausgespro-
chene Ansicht bekräftiget, dass die gegenwärtig erlöschenden Formen der Elopiden, in früheren Erdperiodeu
vorherrschend lebten, und schon in der Kreidezeit zahlreich vorhanden waren. Der andere Rest gehört wohl
einem Fische Osmeroides Lewesiensis Mant. sp. an, der längst gekannt ist. Das, wie ich anzunehmen mich
berechtigt glaube, bis nun besterhaltene Exemplar dieses Thieres bietet jedoch zahlreiche noch nicht beob-
achtete Einzellieiten dar, wodurch eine Reilie bisher irriger, oder ungenügend begründeter Ansichten berich-
tiget und ergänzt werden konnten, wie sich denn auch Gelegenheit bot, einige Anlialtspunkte für die bis
gegenwärtig noch nicht ganz sichere systematische Stellung dieses Fisches zu gewinnen.
PE0TEL0P8 GEINITZII Laube.
Von den Resten dieses schönen Fisches sind ausser dem auf der beigegebenen Tafel zur Abbildung
gebrachten Haupttheil noch einige denselben ergänzende Stücke vorhanden. Man muss den wieder gegebeneu
vollständigsten Theil wohl als Steinkern bezeichnen, er zeigt, wie man sieht, die Abformung des fast voll-
ständig erhalteneu Schädels, der paarigen Flossen und der Rückenflosse, eines Theiics der Beschuppung und
der Kiemenhautstrahlen, aber auch den Hohlabdruck der Wirbelsäule, der Rippen, Flosseuträger, Stützgräten
und des Beckens. Die dazu gehörigen Theile bilden den Hohlabdruck des Steinkernes, sie geben die äussere
Abformung der Schädelbedeckung, der Beschuppuug und einen Theil der Wirbelsäule wieder. Der zur abgebil-
deten rechten Seite des Fisches gehörige äussere Hohlabdruck ist bis auf die obere Schädelpartie für die ganze
wiedergegebene Seite erhalten, von der linken Seite ist er nur für den unteren Theil des Schädels vorhanden,
da der Rest des Fischleibes im festen Gestein steckt, einige kleine Bruchstücke, welche die Brustflossen
ergänzen, sind ganz unwesentlich.
Von der Abbildung des Aussenabdruckes des Fisches konnte Umgang genommen werden, weil er zu den
am Steinkern ersichtlichen Theilen des Skelettes keine besonders bemerkenswerthe Ergänzung bietet.
Die Länge des Fischrestes beträgt 43"". Hievon misst die Länge des Kopfes 15 ■ b"", gemessen von der
Symphyse der Mandibeläste zum Hinterende des Opereulura. Der hintere Theil des Körpers mit der Schwanz-
flosse ist leider nicht in meine Hände gekommen. Nach der Lage des Beckens, den bereits sich verkürzenden
Hämapophyseu und nach dem Vergleiche mit den Verhältnissen bei einer nahestehenden lebendenForm, glaube
ich annehmen zu können, dass etwa ein Fünftel, höchstens ein Viertel des ganzen Fisches fehlt.
Sämmtliche Theile der Fischreste haben ihre natürliche Lage beibehalten, obwohl von der Kuochen-
substauz nirgends etwas erhalten ist, treten die einzelnen Elemente doch deutlich und scharf hervor, sie
erscheinen durchwegs durch Eisenoxydhydrat, welches der unmittelbar abformenden Steinschichte beigemengt
ist, gelbbraun gefärbt auf der gelblichen Grobkalkmasse, darin sie eingebettet sind. Überhaupt scheint der
Brauneisenstein bei der Erhaltung dieser Fischreste eine wesentliche Rolle gespielt zu haben, indem offenbar
die reichliche Aufnahme von Eisenbestandtheilen in die einbettende Knlksteinmasse die Erhaltung der hiedurch
entstandenen Abformungeu selbst der zarteren Körpertheile nach deren vollständiger Hinwegführung ermög-
lichte.
Der Schädel des Fisches ist fast vollständig vorhanden, namentlich lässt die dem Beschauer zugekehrte
Seite kaum etwas zu wünschen übrig. Die abgewendete linke Seite ist allerdings weniger gut erhalten uud
etwas verdrückt. Man wird aus der Abbildung bemerken, dass der Schädel von oben gegen unten etwas ver-
schoben ist. In Folge dessen wird die obere Partie von der Seite sichtbar, und aus demselben Grunde ist auf
der anderen Seite die Orbitalregion nicht gut erhalten geblieben. Am Schädel vorn fehlt das Praemaxillare, es
konnte auch in dem zugehörigen Hohlabdruck nicht biosgelegt werden. In seiner Anlage war der Schädel
namentlich über die obere Gehirnkapsel breit, der Seitenumriss ist dreiseitig, keilförmig, länger als hoch. Die
Höhe von der Vereinigung der Parietalen zum Gelenke des Quadratbeines mit der Mandibel verhält sich zur
Länge vom vorderen Ende des Maxillares zum Hinterrand des Operculum wie 83 : 90.
Ein Beitrag zur Kenntniss der Fische des Ijöhnmchen Turon\.
287
Von den Knochen der Schädclkapsel ist am wenigsten erlialten. Deutlich siclit man nur im Abdrucl^ die
gegen die Ethnoidalpartie herabgehenden schmalen Theile der Frontalia principalia {Fpr), welche zu beiden
Seiten einer kanimartig aufgeworfenen mittleren Sutnr rinnenartige Vertiefungen bilden, indem die ebenfalls
deutlich in ihrer unteren Partie erhaltenen, die Orbita von oben begrenzenden Frontalia auteriora (Fa) dies-
seits und jenseits der gedachten Rinnen wieder wulstartig hervortreten. In dieser gegen oben auseinander-
weichenden, gegen vorn zusammentretenden Rinne sieht man eine deutliche seichte Furche, welche den
Verlauf der vorderen Aste des Frontalcanales markirt. In dem dreieckigen Räume zwischen! dem hinteren
oberen Rande der Orbita, dem Unterrande des Frontale anterius und dem vorderen oberen der grossen Iiifra-
orbitalc fünf sieht man das Frontale posterius {Fp) als dreiseitigen mit der Spitze gegen vorn gekehrten Kno-
chen jedoch nicht ganz deutlich erhalten. Von den übrigen zum Schädeldach gehörenden Knochen hat sich
nichts erhalten. An deren Stelle zeigen sich hier die Abgüsse der unter den hinwcggenonimenen Knochen
gelegene Schädelhöhlen. Die mittlere unpaare Ausfüllung der Gehirnzelle (C'e) ist zum Theile ausgebrochen.
Ihr vorderes Ende sjiitzt sich zu und zieht sich als enger Gang mit ovalem Querschnitt zwisclien und unter
den Seiten der Frontalia principalia hinein, offenbar der Canal für den Nervus olfactorius. Seitlich und hinter
der Hirnzelle liegen die grossen Temporalhöhien (Fot), die dieselben abtrennenden Knochenwände sind im
Negativ, d. i. als kluftartige Höhlen angedeutet. Eine quer von der Hirnzelle nach rückwärts gegen den Ober-
rand des Operculums ziehende, sich hier erweiternde Lücke deutet das Mastoideum ii\f<() an. Dasselbe ist der
F'mII mit dem Occipitale sujicrius (O.s), auch dessen Lage ist an einer die Temporaliiöhlc von liinteii begren-
zenden nach innen gekrümmten, etwas stumpfwinkelig gebogenen^ steilgestellten Lücke zu erkennen. Als
kurzer, gerade gegen den Rücken gekeluler Fortsatz ist die Crista occipitis [Co) sichtbar.
Unter den (Jesiclitskuochcn fallen zunächst die in der Fläche sehr stark entwickelten Infraorbifalknochen
( Jo) auf. Der fünltc Infraorbit.-ilknocheu überdeckt die ganze Wange zwischen dem Mastoideum, der Orbita
288 Gustav C. Laube.
und den Operculen. Der untere Theil ist abgebrochen, es ist aber wahrscheinlich, dass sich dieser Knochen
noch weiter herab, jedenfalls bis an den Oberrand des Maxillare erstreckt hat. Die Trennungsnähte der
Infraovbitalknocheu 4 — 1, welche zwischen dem fünften, der Orbita, dem Oberkieier und Frontale anterius
liegen, sind nicht deutlich wahrzunehmen. Diese Knochen scheinen äusserst dünn und zart gewesen zu sein,
man sieht weder auf dem abgebildeten Stück, noch in dem zugehörigen Hohlabdruck eine Andeutung von
Ossificationsstrahlen, nur bemerkt man aui der Fläche des fünften lufraorbitalknochens die Spur zweier feiner,
in gleichen Abständen von dem Hinterrande der Orbita quer über die Fläche verlaufender Linien, wie sie sich
auch an der gleichen Stelle bei Elops zeigen. Dieser Knochen zeigt auch an seiner hinteren Begrenzung eine
flache, breite Furche, wclclie oifeubar daher rührt, dass die dünne Kuochenplatte sich über den darunter-
liegenden striemenförmigen Vorderrand des Präoperculums ausbreitet.
Von einem durch die Infraorbitale verlaufenden Lateralcanal ist keine deutliche Spur vorhanden. Im
Winkel zwischen der Orbita, dem Frontale anterius und dem abgebrochenen ersten lufraorbitale sielit man die
Stelle, welche dasLacrymale (La) einnahm, auch zeigt sich in der weiten Augenhöhle \0r) ein o"™ breiter Rand
der verknöcherten Sclerotis (S'c). Der Kiefergaumenapparat zeigt das bis auf den hintersten Theil fast voll-
ständig erhaltene, rückwärts sehr breite und kräftige, gerade gestreckte Maxillare {Mx) besetzt mit zahlreichen
auf demselben senkreclit stehenden, geraden Hechelzähnen. Oberhalb ist, da die Infraorbitale weggebrochen
sind, die Fläche des Palatinale {Pa) zu sehen, bedeckt mit den Ansatzstellen dicht stehender, kleiner aber
kräftiger, schräg gestellter Zähne. Die Mandibula (Md) ist fast in ilirer ganzen Länge erhalten, das Dentale
(Z>) derselben trägt gleichfalls in vier Längsreihen dicht und abwechselnd geordnete kräftige, senkrecht ste-
hende Hechelzähne, die noch stärker als die des Maxillare sind. Das Articulare {art) ist nicht recht deutlich
abgegrenzt, es scheint sich keilförmig zwischen einen weit nach hinten aufsteigenden oberen, und einen noch
weiter rückwärts reichenden Ast des frülier genannten Theiles einzuschieben. Das Augulare ist nicht erhalten.
Die Mundspalte ist verhältnissmässig klein und reicht nur wenig über die Mitte der Orbita hinaus. Da der
Unterrand der Wangenbedeckung fehlt, ist hiedurch die untere Hälfte des Quadratum {Q) und des damit zu-
sammenstossenden Praeoperculum (Po) blosgelegt. Das erstere verbreitert sich rasch von der Gelenkstelle mit
der Mandibula zu einem wie es scheint dreiseitigen Flachknochen, dessen untere zum Gelenkkopf ausgebildeten
Ränder wulstig erhoben waren.
Die Opercularknochen zeigen in ihrer Gesammtheit einen halbmondförmigen Umriss. Offenbar war auch
diese Schädelpartie aus sehr dünnen lamellaren Knochen zusammengesetzt. Das Operculuni (0) zeigt eine drei-
seitige Gestalt. Der Hinterrand ist zwar abgebrochen, doch sieht man aus der Contour des erhaltenen Abdruckes,
dass die Ränder abgerundet, der Unterrand sanft ausgebuchtet war. Die verdickte Gelenkstelle ist auch wieder
als Hohlraum zu erkennen, dabei liegen einige Ossificationsknötchen, sonst ist die ganze Fläche des Knochens
glatt. Vom Praeoperculum {Po) ist auf der rechten Seite des Fisches nur der unterste Theil sichtbar. Der
wulstige Innenrand dieses Knochens prägt sich, wie oben erwähnt, in der Begrenzung des Infraorbitales aus;
die nach rückwärts und unten gerichtete flächige Ausbreitung desselben ist zerstört. Dagegen ist die erstere
Partie dieses Knochens auf der linken Seite des Fisches recht deutlich zu sehen. Von dem darunter gelegenen
Infraoperculum (J6) ist nur ein kleiner nach oben zwischen dem vorgenannten und dem Suboperculum gelegener
Theil erhalten. Dieses letztere {So) ist bis auf den Unterrand ganz erhalten. Es war mehr als halb so gross
wie das Operculum. Der Hinterrand scheint ganz randig bogenförmig in den Unterrand verlaufen zu sein. Wie
vorerwähnt, trennt eine feine buchtig geschweifte Naht dieses Stück von dem Operculum.
Auf der Unterseite des Kopfes ist ein Theil des Branchialapparates sichtbar. Beide Äste des Hyoideum
sind vorhanden und zwar sieht man das basale iHijh) und das mediane Stück {Hyni) desselben, ihre weit
zwischen die Mandibeln eingeschobenen Vorderenden sind von einem dünneu, zwischen die Mandibelenden und
deren Symphyse eingeschobenen Os sublinguale {ST) bedeckt. Sieben dünne Kiemenhautstrahlen, die Zahl
derselben ist jedoch grösser, da ein Theil abgebrochen ist, sitzen an dem basalen, sieben breite, blättrige am
medianen Stücke des Hyoideum, deren Abdrücke unter dem Suboperculum wie sechs scharf abgesetzte Falten
sichtbar werden.
Ein Beifjrif/ zur Kennfnisx dcy Fische def; höhnische.)! Turoii's. 289
Der schlanke Rumpf lässt die Hohlabdrücke von vierzis; Wirbelkörpern in der Wirbelsäule erkennen,
davor liegen etwa 3 — 4 Halswirbel von der Beschuppung- und dem Rchulterblatte verdeckt, der 41. Wirbel ist
abgebrochen. Die Wirbelkörper waren sehr kr.äftig, höher als breit. Vorn ein wenig schwcächer, werden sie in
der Lumbairegion etwas stärker. Die dazu gehörigen Apophysen sind verhältnissniässig schwach. Die zu den
Neurapophysen gehörigen Processus spinosi superiores sind breit, säbelförmig. Die vorderen sind verdeckt, in
der mittleren Partie des Rumpfes zählt man 21 wolilerhaltene, dann folgen noch einige minder vollständige.
Zu ihnen gesellen sich noch in der Nackengegend sehr deutliche und wohlerhaltene Stützgräten, die sich
allem Anscheine nach bis zur Ansatzstelle der Rückenflosse fortsetzten. Die Hohldrücke der Rippen werden
gleich hinter der Schulter sichtbar, sie sind in der vorderen Partie stärker, namentlich die ersten sechs, die
hinteren sind schwächer, bleiben aber dann sammt den geschlossenen Hämapophysen gleich.
Der Schultergürtel ist auf der rechten Seite bis zum Ansatz der Extremität vollständig kenntlich. Die
Scapula (Sc) mit der Suprascapula {Ssc) bildet einen schmalen, flachen, sichelförmigen Bogen, dessen oberstes,
wie aus dem Abdruck erkenntlich, gabiiges Ende an die Lücke der Occipitalia lateralia sup. heranreicht. In
gleicher Höhe mit der Lücke des Mastoideum hinter dem Oberrand des Oi)erculum sieht man die Abgrenzung
der Suprascapula von der Scapula deutlich durch einen Eindruck markirt, von welchem unter dem Operculum
hinweg der Hohlabdruck einer stielförmigen Fortsetzung zur Gelenkung mit dem Ende des Mastoideum
abzweigt. Die Scapula ist anfangs schmal, erweitert sich aber hinter dem Rande des Suboperculum zu einer
halbmondförmigen Fläche, an deren unteren Verdickung die Pectorale angelcnkt ist. Die inneren Theile des
Sciiultergürtels sind unter den Kiemenknochen versteckt, von unten sieht man jedoch vom Ansatz der Pectorale
den gegen die Kiemenbogen gekehrten Abdruck eines breiten vorn zugespitzten Coracoides. An der Gelenkungs-
stelle der Flosse sieht man die Abdrücke der Carpalia, die sich aber nicht gut unterscheiden lassen und hier-
auf in natürlicher Lage an den Körper angeschmiegt, die Flossenstrahlen der Pectorale, deren ich zwanzig
zähle. Der äusserste erste Flossenstrahl ist an seiner Basis 10""" breit, die folgenden weit schwächer. Nach
einer Lücke von 27""" Weite, an deren innerem Rand nur Spuren der Flossenstrahlen vorhanden sind, zeigt
sich weiter rückwärts ein zweiter aus sehr deutlich gegliederten Strahlen bestehender Theil der Flosse, doch
scheint dies noch nicht das Ende derselben gewesen zu sein. Die Pectorale misst darnach über 65""" Länge.
Das Becken ist ebenfalls in seiner rechten Hälfte erhalten. Der keilförmig dreiseitige Beckenknochen hat
seine nach vorn gekehrte Spitze etwa unter dem 30. Wirbel, der Abstand des Ansatzes der Abdominale von
dem der Pectorale beträgt 160""". Die Länge des Beckenkuochens entspricht dem Durclimesser von sechs
darüber gelegenen Rückenwirbeln. Die an das Becken anlenkenden Extremitäteuknochen sind auch hier nicht
deutlich zu unterscheiden. Von den Flossenstrahlen zählt man nur etwa fünfzehn, da die Lage der Abdominale
zwar in natürlicher Stellung, aber weniger günstig für den Überblick ist. Die äusseren Flossenstrahlen sind
auch hier stärker als die inneren, die Gliederung derselben ist sehr gut ausgedrückt. Die Abdominalen waren
breiter und allem Anscheine nach kürzer als die Pectoralen.
Von den unpaaren Flossen ist nur die Dorsale vorhanden. Die Anale lag hinter der Dorsale, und ist mit
dem zugehörigen Hintertheil des Fisches verloren gegangen. Die Dorsale beginnt, da einige Vorderstrahlen
fehlen, gegenüber der Spitze des Beckens, man kann neun kräftige, nach rückwärts zusammengefaltete, getheilte
Flossenstrahlen zählen, es folgen dann, der Zusammenhang ist ausgebrochen, noch weitere schwächere, kür-
zere, ebenfalls deutlich gegliederte Strahlen, so dass die ganze Länge der Dorsale etwa 90™" betragen haben
wird. Die zu der Flosse gehörigen über den Neurapophysen sichtbaren Flossenträger sind kurz, nach unten
zugespitzt, oben breit, die rückwärtigen verhältnissmässig schwächer.
Von der äusseren Körperbedeckung ist eine Partie zwischen der Pectorale und der Nackenregion
erhalten. Die Schuppen waren zart, verhältnissmässig klein und gerundet. Sie nehmen in der Grösse vom
Rücken gegen die Bauchseite ab, und zeigen sowohl am Nacken als gegen den Bauch am vorderen Rande
kleine köpfchenförmige Hervorragungen, die übrigens auch auf der Seite nicht ganz fehlen. Die Zald der
Reihen lässt sich nicht genau feststellen, doch glaube ich etwa vierzig von oben bis unten übereinander zählen
zu können.
Düiikäclirifteu der muthem. ualurvv. Cl. h. Bd. Abhuudluugtiu vuu Nichtmiti^liedera. mm
290 Gustaf C. Laiihe.
Für die systematisclie Stellung- des Fisches, welchem die vorstehend beschriebenen Reste angehören,
ergibt sich Folgendes. Die deutlich gegliederten Strahlen der Rückenflosse verweisen ihn in die Ordnung der
arthropteren Teleostier, u. zw. in die Unterordnung der Physostomen mit abdominalen Bauchflossen. Nach
seinem seitlich comprimirten Körper, den dünnen, kreisförmigen Schuppen und der Bildung des oberen Mund-
randes durch die Maxillen, nach dem vorliandenen Os sublinguale, sowie der mittelmä*<sigen Dorsale, und wie
das feinknochige Skelett überhaupt andeutet, gehört er iu die Familie der Clupeiden (Halecoiden ohne Fettflosse
nach Cuvier), von denen wir bereits eine Reihe Vertreter in der Kreide, speciell auch in den böhmischen
Ablagerungen dieser Formation finden. Schon L. Agassiz hat in seinen „Recherches sur les poissons fossiles"
(V. Bd., 2. Abth., p. 123, Tat". 63) einen böhmischen Clupeiden ah Hake Steniberyi beschrieben, welcher noch-
mals von Reuss (Versteinerungen der böhmischen Kreide. I, p. 13, Taf. 22, 23) und in neuester Zeit von Herrn
Prof. Anton Fritsch nach Bloslegung einiger unbekannt gebliebenen Skeletttheile in seiner Monographie
„Über die Reptilien und Fische der böhmischen Kreideformation" (p. 37, Taf. 9) wieder abgebildet und besprochen
worden ist. Herr Fritsch konnte unter dem Namen Haler Laubei eine neue Art aus dem turonen Grobkalk
des Weissen Berges bei Prag hinzufügen. In seinen „Beiträgen zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs"
n. (Denkschrift, d. kaiserl. Akad., XI. Bd. 1856, p. 187 ff'.) bat Job. Jac. Heckl ebenfalls eine Anzahl fossiler
Clupeiden, die Gattungen Chirocentrites aus den bituminösen Kreideschiefern von Comen bei Görz, ferner die
Gattungen Elopopsis ebendaher beschrieben, zu welcher Reuss iu seiner Abhandlung „Über neue Fischreste
aus dem böhmischen Pläner" (Denksclir. d. kais. Akad. d. Wissensch., XIII. Bd., 1857, p. 33 ff'.) eine neue
Art Elopopsis Heckeli ' ebenfalls aus den Grobkalk desWeisseu Berges liiuzufügte. Bietet liat ferner von Saeh
el Aalma am Libanon unter dem Gattungsnamen .S^a?j«oc/ow zwei Arten Clupeiden bekannt gemacht (Description
de quelques Poissons fossiles du Mont Libanon, p. 33, Taf. 5 u. 6). In seiner schon citirten Monographie (p.39,
Taf. 8, Fig. 2, Taf. 10, Fig. 5) hat Herr Fritsch sodann noch eine Art der Clupeidengattung Alosa aufgestellt,
endlich erwähne ich noch der von Herrn v. d. Marck (Fossile Fische, Krebse, und Pflanzen ans dem Platten-
kalk der jüngsten Kreide in Westphaieu. Paläontogr. XI. Bd. 1863, p. 1 ff".) beschriebenen Gattungen Sarduiim
und Sardinoides, sowie eines von demselben Paläichthyologen aus dem westphälischen Turon beschriebenen
(Neue Fischreste und Krebse aus der Kreide von Westphalen, Palaeontographia, XV. Bd 1868, p. 269 ff".) der
böhmischen sehr ähnlichen Elopopsis Zieyleri.
Sardinius und Sardinoides haben Borstenzähne, und weiche, zum Theil grosse Brustflossen, ferner wird
bei beiden der obere Mundrand durch die sehr verlängerten Äste des Praemaxillare gebildet. Die weitereu
von Herrn von der Marck aufgestellten Clupeidengattungen Microcoelia, Leptosomus und Tachynectes weichen
ganz wesentlich ab , und können ganz ausser Vergleich bleiben. Die Gattung Alosa hat wie Clupea Bauch-
rippen (Costae steruales) ausserdem in der Mitte des Oberkiefers eine Ausbuchtung. Beide Merkmale
finden sich an unserem Kreidefische nicht, der wohl an und für sich durch seine ganze Gestalt und seine
Grösse merklich abweicht. Heckel's Gattung Cliirocentriies unterscheidet sich sofort durch seine Bezah-
nung, die säbelförmigen Maxillen und die weit nach rückwärts geschobene Dorsale. Auch Pictet's Gat-
tung Spaniodou ist durch seine ganz eigeuthümliclie Bezahnung verschieden. Es bleiben also noch Halec
und Elopopsis. Halec hat wie Elopjs einen breiten flachen Kopf, keine Baucbrippen und lässt auf den ersten
Blick eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren Kreidefisch nicht verkennen. Vergleicht man aber genauer,
so sieht man bald, dass bei Halec der Muud weit tiefer gespalten, die Gaumeuzähne stärker, das Maxillare
und die Mandibel schwächer sind, dass ferner der Kopf spitzer, die Orbita kleiner, die Opercularstücke
durchwegs anders gestaltet sind; daher zwischen Halec und dem beschriebenen Fisch ein sehr wesentlicher
Unterschied besteht. Heckel's Gattung Elopopsis hat wie Elops eine hechtartige Gestalt, welche unser
i Herr Fritsch hat E/opojms Heckeli in seiner öfter citirten Monographie, p. 49, unter die Acanthopterigier gesteüt,
ohne hiefür einen Grund anzuführen. Gehört der mit diesem N.araen bezeichnete Fischrest wirklich zu Elopo^jsis, wie diess
Keuss mit ziemlicher Sicherheit dargothan hat, so ist er au unrichtiger Stelle aufgenommen; im .anderen Falle wäre der Gat-
tungsname desselben zu ändern und dieses auslülirlich zu begründen gewesen.
Ein BeUrafj zur Kennfiiis.s r/rr FisrJic des höhmischen Turon's. 291
Fiscli iillcm Anscheine nach auch hatte. Elopo2)sis liat aber conische, starlie Zähne iu einer Keihe in den
Kiefern, während wir bei dem neuen nur Hechelzähne in mehreren Reihen finden, und hiedurch unterscheidet
sich Elopox-isK abgesehen von dem spitzeren Schädel wie von Elops auch von unserem Fische wesentlich,
dagegen hat dieser mit Elopop^h den starken ungetheilten Anfangsstrahl in der Brustflosse gemein. Vergleicht
man aber den Kreidefisch mit der lebenden Gattung Elops, so fällt eine ausserordentliche Ähnlichkeit zwischen
beiden sofort auf. Ich habe ein gutes Skelett von Elops saurus L. aus der Sammlung des zoologischen Univer-
sitätsiustitutes vor Augen, von welchem ich auf der beiliegenden Tafel zum Vergleiche mit dem fossilen Elo-
piden den Schädel in Umrissen beigefügt habe. Die gestreckte, hechtartige Körperform, die dünnen, äusserst
zarten Schädeldeckknochen und Opercularstücke, die weite, hochgelegene Orbita sammt dem schmalen Ring
der Sclerotis, selbst die auf dem fünften Infraorbitale sichtbaren Querlinien, nicht minder die breitblätterigen
Kiemeuhautstrahlen am mittleren Theil des Hyoideums, das Sublinguale, der SchultergUrtel, die Wirbelsäule
mit ihren Fortsätzen und Anhängen, und ebenso der hintere Extremitätengürtel stimmen in ganz auffälliger
Weise überein. Wenn ich aber doch Anstand nehme, das Geschlecht Elops bis in die Kreide zurück zu
datiren, indem ich die beschriebenen Fischreste hierbei unterbringe, so geschieht dies zunächst in Würdigung
derselben Unterscheidungsmerkmale, welche Heckel zur Begründung von Elopopsis verwerthete. Die Brust-
flosse ist bei Elops, wie Heckel hervorhebt, weich, bei dem Kreidefisch ist der erste äussere Strahl sehr stark,
und so würde ihn dieses Merkmal mit Elopopsis gemeinsam von Elopi> unterscheiden. Was unseren Fisch aber
von Elops sofort unterscheidet, das ist auch hier die Bezalinuug. Elops hat auf den Kiefern, dem Vomer und
Palatinale feine Borsteuzähne, der Kreidefisch hat starke, kräftige Hechelzähne. Ein weiterer Unterschied liegt
wohl auch in den verhältnissmässig schwächeren Kiefern von Elops, und darin, dass bei diesem die Mundspalte
bis weit hinter den hinteren Rand der Orbita reicht, während bei dem fossilen Fische die Vereinigung von
Ober- und Unterkiefer schon unter derselben stattfindet, darnach die Kieferäste auch entsprechend kürzer,
aber auch stärker sind als bei dem lebenden Fische. Es lassen sich auch noch weitere Unterschiede auffinden,
wie der kräftige Bau, die bei weitem stärkeren oberen Dornfortsätze der Wirbelsäule, auch das Becken besteht
aus breiteren, robusteren Knochen nicht minder die von Elops abweichende Gestaltung der Opercularregion,
namentlich das grössere Suboperculum, indessen sind diese Unterschiede wohl weniger in die Wagschale
fallend. Es dürften die zuerst angeführten hinreichen, die Ansicht zu begründen, dass wir es hier mit
dem Vertreter einer bisher nicht bekannten Gattung der Elopiden zu thun haben, welche
einerseits mit Elopopsis, andererseits mit Elops, und mit diesem Geschlecht vielleicht
noch näher als mit dem anderen verwandt ist. Ich belege sie mit dem Namen Frotvlops , und
benenne die Art Protelops Geinitzii. Ich stelle hier am Schlüsse die unterscheidenden Merkmale der drei ver-
wandten Elopiden noch einmal kurz einander gegenüber.
Elops Lin.
Gestalt Uechtiirtig gestreckt.
Skelett feinknocliig.
Mund weit gcspalteii.
Kieferiiste schlank.
Alle Kiioeheu der Mumiliülili^ dielit lie
setzt mit feinen Borsten/.iilineu.
Elopopsis Heck.
Gestalt hechtartig gestreckt.
•Skelett kräftig.
Mund weit gespalten.
Kieferäste schlank.
Kiefer mit einer Reihe starker coni.'ich
s])itzer Zähne.
Kicmenstrahlen zahlreich.
Ktickenflus.se mitten.
Urustflosse weichstrahlig.
.Schwanzflosse gegabelt ,
schuppe im Anfang
strahlen.
Kiemenstrahleu zahlreich.
Uiickcntlosse mitten,
Hrustflossc mit einem starken, ungetheil-
ten Strahle,
eine Stachel- Schwanzflosse gegabelt, mit einer Sta-
ihrer Stütz- chclschu]ipe im Anfang ihrer Stütz-
strahleu.
Protelops Lbe.
Gestalt hechtartig gestreckt.
Skelett kräftig.
Mund weniger weit gespalten.
Kieferäste stark und kurz.
Im Oberkiefer schwächere, im Unterkie-
fer stärkere, im Palatin hackige,
kräftige Hechelzähne in mehreren
Reihen.
Kicmenstrahlen zahlreich.
Rückenflosse (?) mitten.
Brustflosse mit einem starken, ungetheil-
ten Strahle.
Schwanzflosse (i).
292 Gustav C Laube.
OSMEROIDES LEWESIENSIS Man teil .sp.
1822. Salmo Lüirvxkiisis Mantell, Gi'ology of Siissex, p. 235, tab. 33, fig. 12, t;ib. 34, fig. I, 3, tab. 10, fig. 1.
1S34. Osmeroiilcs Lewesiensis Agassiz, Kecherches sur les Poissons fossiles. V. Bd., 2. Abtli., p. 105, tab. 60 6 excl. fig. 2 u.
3, tab. 60 c.
1S45. Reuss, Vcistemfiiimgen der böhmischen Kreide. I. Bd., p. 12, Taf. 5, Fig. 10, 16, 19.
1847. Giebel, Fauna der Vorwelt. I. Bd., 3. Abtli., p. 122.
1872. Geinitz, Das Eibthalgebirge in Sachsen. II. Tbl., p. 22,s, Taf. 43, Fig. 21, Taf. 45, Fig. 10—14. (Hier Literaturüber-
sicht von 1822— 1S71.)
1878. Fritsch, Die Eeptilien und Fische der böhmischen Kreideformation, p. 32, Taf. 7, Fig. 56, Taf. 8, Fig. 1; Holzschnitte
Fig. 55—57.
Es dürfte für den ersten Augenblick überflüssig erscheinen, an dieser Stelle von einem seit langer Zeit
bekannten, in der mitteleuropäischen Kreide weit verbreiteten Fisch eine neuerliche eingehende Schilderung
und ausführliche Darstellung zu geben. Indessen handelt es sich um die Wiedergabe eines Exemplares, von
dem ich wohl anzunehmen berechtigt bin, dass es alle bisher beschriebenen an Vollständigkeit weitaus über-
triift und hiedurch Gelegenheit bietet, eine Anzahl bisher noch nicht bekannt gewordener Verhältnisse klar-
zulegen, oder andere bis nun ungenügend beobachtete zu ergänzen und zu berichtigen.
Die seinerzeit von Louis Agassiz a. a. 0. abgebildeten Exemplare aus den unteren Schichten der Kreide
von Kent sind nach seiner Angabe im Schädel am besten erhalten gewesen ; man wird aber leicht ersehen, dass
die meist von obenher zusammengedrückten Köpfe doch über viele wichtige Verhältnisse im Unklaren lassen.
Auch die von Herrn Prof. Fritsch abgebildeten Köpfe sind von oben gedrückt, ein von der Seite dargestellter
aber entbehrt des äusseren Knochenbelages und scheint überhaupt sehr unvollständig zu sein.
Wie verschieden die Ansichten über die eigentliche Gestalt dieses sonst nur durch verstreute Schuppen
bekannten Fisches sind, zeigt sich am besten, wenn man die häufig in älteren (z. B. Bronn, Lethaea, III. Aufl.,
Tab. 33^, Fig. 9) und selbst in ganz neuen Büchern copirte restaurirte Gestalt des Fisches , wie sie zuerst von
Mantell gegeben wurde, mit der von Herrn Fritsch entworfenen (a. a. 0. pag. 33, Fig. 57) vergleicht. Erst
aus dem zu beschreibenden Exemplare wird die Form des Schädels vollständig tlar, und es wird sich zeigen,
dass die Vorstellung, welche Herr Fritsch von der Form des Fisches hatte, der Wahrheit näher kommt, als die
des englischen Paläontologen, die im Ganzen und Grossen vollständig unrichtig ist, wiewohl kein Zweifel
darüber sein kann, dass der aus dem böhmischen Turon stammende Fisch mit dem englischen von Agassiz
aus der Mantell'schen Samndung abgebildeten vollständig identisch ist. Dies vorausgeschickt, düifte es
gerechtfertigt erscheinen, die vorliegenden Fischreste einer genaueren Untersuchung zu unterziehen.
Das zu schildernde Exemplar von Osmeroides Lewesiensis Mtl. sp. wurde einer der unteren Lagen des
Grobkalkes entnommen, welche häufig von Kieselsäure durchtränkte Stellen enthalten, die ausserordentlich
hart, fast hornsteinartig spröde sind. In einer solchen Partie liegt die vordere Hälfte des Fisches. In seinem
Erhaltungszustande ist er dem früher beschriebenen Protelopa sehr ähnlich. Es ist auch hier der Steinkern vor-
handen, welcher die Abformungen der Unterseiten der Knochen und Schuppen zur Schau trägt, welche bis auf
den letzten Rest fortgeführt sind, und der in seinem Inneren die Wirbelsäule, die Rippen und andere Knochen
birgt, welche nicht wohl blosszulegen sind. Die rechte Seite ist fast vollständig abgedeckt, die linke dagegen
steckt zur Gänze im Gestein. Der Fisch liegt ganz auf dieser Seite, so dass Dorsale und Abdominale in die
Gesteinsebene fallen, und scheint kaum merklich seitlich zusammengedrückt zu sein, ist aber thatsächlicli auf
der linken Seite flach gedrückt.
Von der rechten Seite des Fisches konnte auch der prächtig erhaltene, verschiedene bemerkenswerthe
Eiuzelnheiten zeigende Hohlabdruck des Schädeldaches und der Wange bis zum Oberkiefer geborgen werden-
Das hintere Ende des Fisches mit der Anale fehlt. Die ganze Länge des Fischrestes von der Spitze des
Praemaxillare zum abgebrochenen Ende beträgt 290""". Die Länge des Kopfes bis zum Vorderrande des
Opercuhim 75"'"'. Agassiz vcrmuthet, die Länge des Kopfes sei ungefähr viermal in der Rumpflänge ent-
hiilten, es würde sonach noch ein 75 — 80'""' langes Stück fehlen, das stimmt auch mit den betreffenden
Ein BcilnKj zur Keiiiihiiss der Fische dev hö/rinischen Turoit's. 293
Angaben des Herrn Fritsch überein. Die Höhe des Fisclies unter der Dorsale beträgt 60'"™, am abgebro-
cheneu Ende (ungefähr 100'"'" hinter dieser Stelle) 40"""; hier ist der Leib auch Hacher zusammengedruckt,
die Gestalt daher spindelförmig.
Der Schädel hat eine breite^ dreiseitige, keilförmige, nach vorne zugeschärfte Gestalt, und ist keines-
wegs, wie die obenerwähnten Abbildungen nach Mantell glauben machen wollen, abgestumpft. Der l'mriss
des Schädeldaches ist gleichfalls spitz dreiseitig. Die Breite des Schädels über das Oceiput beträgt SS'"",
die Höhe des Dreieckes von dort zum Kande des Praemaxillare 75""". Die Höhe des Schädels vom Vorderrande
des Praeoperculums zum Schädeldache misst 50"'".
Von den Knochen des Gehirnschädels ist au dem Steinkerne wenig erhalten. Es zeigen sich ziemlieh die-
selben Verhältnisse wie oben bei Protelops. Nur die vordere Verlängerung des paarigen Frontale princiiiale
{Frpr) ist im Abdrucke erhalten, der vorderste Theil ist jedoch abgebrochen, und es sind die darunter
gelegenen Knochen der Kiefergaumenapparate , Ethmoideum («) und die vordere Spitze des Vomer, zu
sehen.
Die Oberseite des Schädels lässt wieder die Abdrücke der Unterseiten der P'routalia auteriora über der
Orbita, und hinter diesen und zwischen den Abformungen der Fossae temporales den Abguss der Gehirnzelle
vollständig erhalten sehen. Bei dem abgebildeten und bei einem anderen Stücke hat der an dieser Stelle
liegende Steinkern übereinstimmend eine herzförmige, vorne zweimal eingelappte, mit der Spitze nach rück-
wärts gekehrte Form. In dieser Gestalt möchte derselbe wohl sogar für eine Abformung des Gehirnes des
Fisches selbst angesehen werden können, indem der vordere kleinere Abschnitt dem Vorderhirne, der grössere,
dahinter gelegene dem Mittelhirne und dem damit — wie bei Salmo — engverknüpften Hinterhirne entspräche.
Vor derselben liegt überdies eine zweihügelige, vor und unter den Stirnbeinfortsätzen sich vereinigende Braun-
eisensteinmasse, welche auf mich den Eindruck macht, als sei sie die Abformung des hier gelegenen Lohns
olfactorius. Die Lage des Mastoideum und der Occipitalia superiora ist wieder durch weite und tiefe Lücken
angedeutet, man sieht auch die Lücke für eine schwachentwickelte Crista occipitis.
Der zu diesem Theile des Schädels mitgehörige äussere Hohlabdruck hat eine Anzahl wichtiger Verhält-
nisse bewahrt. Es wurde davon ein Wachsabdruck hergestellt, nach welchem die auf der Tafel gegebene
Zeichnung Fig. 3 entworfen wurde, der die verschiedenen Schädeldachelemente in vorzüglicher Deutlichkeit
erkennen lässt. Darnach sieht man, dass das Frontale principale (Frpr) mit seinem oberen breiten Theile den
hinteren Oberrand der Orbita bilden hilft, es verschmälert sich jedoch über der Mitte der letzteren plötzlich zu
einem schmalen, gegen die Nasenbeine {N^ ziehenden Fortsatze. Von diesem nach Aussen liegt das, den vor-
deren Oberrand der Orbita bildende Frontale anterius (Fra).
294 Gustav C. Laube.
Die Nasalien (N) schieben sich mit ihrer Spitze zwischen die Fortsätze der Frontalia principalia und der
Frontalia anteriora liiuein. Im Winkel zwischen der Orbita, dem Frontale priucipale, dem Vorderraude des
Parietale, liegt ein lileines Frontale posterius {F^ir) von dreiseitiger Form. Die Parietalia (Pj umfassen mit
ihrem vorderen inneren Eande die hinteren äusseren der Frontalia principalia. Am Unterrande des rechten
Parietale liegt, durch eine sehr feine Naht getrennt, das schmale Mastoideum {Md) mit seinen dünnen Enden
gegen das Frontale posterius und das Operculum gerichtet, von unten durch das Infraorbitale fünf begrenzt.
SämmtHche Knochen zeigen sehr scharf ausgeprägte, von einem Ossificatiouspunkte ausgehende, aderformig
verlaufende und vertheilte, körnigruuzliche Ornamentirungen. Bei den Parietalien liegen die Ossifications-
punkte excentrisch, bei den Frontalia principalia mehr gegen den lunenrand gerückt. Agassiz hat diese Ver-
hältnisse a. a. 0. auf Taf. 60 6, Fig. 5, ähnlich, aber wie ich glaube, etwas weniger genau dargestellt, auch
die auf Taf. 60 c, Fig. 1 und 2 wiedergegebeuen Exemplare lassen übereinstimmende Verhältnisse erkennen.
Die von Herrn Fritsch a. a. 0. Taf. 7, Fig. 6 gegebene Abbildung dieser Partie zeigt bis auf die Abgren-
zung der Parietalien grosse Übereinstimmung.
Die Wangen des Fisches werden von den Infraorbitalknochen {lo 1 — 5) bedeckt, von diesen sind
jedoch nur die letzten drei erhalten, die den unteren Vorderrand der Orbita bildenden zwei sind am Steinkerne
zerbrochen. Die hinteren bedecken den ganzen Raum zwischen dem hinteren Ende des Oberkiefers, dem
Vorderrande des Praeoperculum, dem Mastoideum und der Orbita. Sie sind von einander durch bogenförmige,
abwärts laufende Nähte getrennt, der 3. und 4. Infraorbitalknochen werden gleich gross gewesen sein. Der
5. ist mehr als doppelt so gross als der vorhergehende. Der erhaltene äussere Abdruck dieser Partie lässt einige
beachtenswerthe Einzelnheiten erkennen. Zunächst sind hierauf alle, auch die ersten beiden Infraorbital-
knochen erhalten, die Trennung derselben ist sehr deutlich durch Nähte angedeutet. Alle lassen Spuren von
einer chagrinartigen Oberflächen-Narbung erkennen. Der 5. zeigt weit von einander liegende, vom Hinterrande
der Orbita ausgehende Strahlenleisten. Sehr interessant ist die auf dieser Knochengruppe erhaltene Abformung
eines sonst gewiss selten zu bemerkenden Organes. Fast mit der Vollkommenheit eines anatomischen Injections-
präparates zeigt sich der Verlauf des Infraorbitalastes des Lateral(nerven)canales. Er ist von der
Stelle ab zu verfolgen, wo sich in der Occipitalregion der laterale, occipitale, supraorbitale und infraorbitale
Ast mit einander vereinigen. Die ersteren zwei haben wohl keine Spuren hinterlassen, der Infraorbitalast ist
jedoch seiner ganzen Länge nach von seinem Eintritte in den 5. Infraorbitalknochen vorhanden. Am oberen
Rande dieses Knochens gibt derselbe einen nach dem Operculum in schwach geschwungener Linie verlau-
fenden Nebenast ab, welcher nur auf der Seite gegen das Mastoideum, also nach oben, sechs sich noch weiter
gabelnde Zweige abgibt. Der innerste, im vorderen Drittel des Knochens gelegene, ist der stärkste, er theilt
sich unmittelbar an der Abzweigungsstelle in zwei, sich in kurzer Entfernung wieder tbeilende Äste. Die fol-
genden theilen sich erst in einem grösseren Abstände von ihrem Ursprünge. Die Theilungsstellen sind varix-
artig angeschwollen. Der Infraorbitalcanal verläuft sodann, wie es den Anschein hat, ungetheilt am Hinter-
rande der Orbita zum 4. Infraorbitalknochen. Am Unterrande des 5. Iiifraorbitale ist in etwa 2""" Abstand vom
Hauptaste der Rest eines abwärts gericliteten Nebenastes zu sehen. Das wird etwa die Spur der Abzweigung
des Mandibularastes des Lateralcanales sein. Im 4., 3. und 2. Infraorbitalknochen entsendet der nahe dem
Orbitalrande verlaufende Canal zwölf Nebenäste in die Fläche der Knochen. Der oberste im 4. Infraorbi-
tale bleibt ein grosses Stück ungetheilt und verästet sich erst von der Mitte, die folgenden Äste theilen sich
nahe am Ausgangspunkte und in einiger Entfernung abermals in der Art, dass die abgegebenen Zweige in
der Gabel der ersten Theilung liegen. Die vordersten zwei Nebenästc bleiben einfach. Bei allen sind die
Ausgangs- und Theilungsstellen varixartig verdickt. An der Greuznaht zwischen dem 2. und 1. Infraorbi-
tale theilt sich der Canal. Der im letzteren Knochen zur Nasengegend verlaufende Arm lässt fünf kurze,
schräg nach rückwärts und aussen gerichtete Zweige oder Ausfuhröifnungen erkennen, der vorderste sechste
ist ein wenig länger und hackenförmig nach aufwärts gekrümmt. Der andere, von der Theilungssfelle
um die Orbita verlaufende, als Supraorbitalast oberhalb derselben zurückbiegende Ast ist in seiner vor-
deren Erstreckung nicht erhalten, doch ist sein hinterer Theil unter dem Parietale von der Orbita bis zur
Ehi Beitrag zur Kenntnisfi der Fische des böhmischen Turon^s. 295
Vereinigungsstelle mit den übrigen Haiiptästen des Lateralcanales als einfacher starker Strang deutlich vor-
handen.
Die durch die Infraorbital- und Frontalknoclien abgegrenzte niittelgros^se Orbita (Or') umfasst einen an der
Hinterseite buckelföruiig aufgetriebeneu Rand der verknöcherten .Sclerotis [Scr). Den Winkel zwischen dem
vorderen Orbitalrande, dem Frontale anterius und dem 1. Infraorbitale nimmt ein schiefdreiseitiges Lacrymale
[Lac) ein.
Vom Kiefergaumenapparate sind fast alle Knochen ganz oder zum Theile zu sehen. Die Mundspalte ist nur
kurz, wie dies schon vordem bekannt gemacht wurde, sie reicht nur bis unter den Vorderrand der Orbita. Der
Oberrand derselben wird von dem Praemaxillare (Pni) und Maxillare {Mx) gebildet. Der fein zugespitzte Ast
dem Praemaxillare reicht beinahe bis in die Mitte der Maxillare, und legt sich an meinem Exemplare nicht,
wie es von Herrn Fritsch dargestellt wurde, hinter, sondern vor diesen Knochen.
Die Maiidibula (Md) ist namentlich in ihrer hinteren Partie sehr stark und hoch, die Abgrenzung ihrer
Theile nicht recht kenntlich, dasArticulare (At) wird sieh keilförmig in das hoch aufragende Dentale einschieben,
das Angulare ist ausgebrochen. Wie Herr Fritsch an seinen Exemplaren schon bemerkt hat, zeigt Maxillare
und Praemaxillare keine Spur einer stärkeren Bezahnung, wie sie Agassiz gesehen haben wollte, sondern diese
Kiefertheile sind wie die Mandibula in ihrer ganzen Breite mit, wie es scheint, allerdings kräftigen Borsteu-
zähnen bedeckt gewesen. Das an unserem Exemplare blossgelegte vordere Ende des Vomer zeigt, wohl weil
es die Oberseite zukehrt, keine Bezahnung, dagegen sieht man, dass das, im Grunde der durch den Aufbruch
der vorderen Wange zwischen dem Maxillare und der Orbita vorhandenen Lücke sichtbare Palatinale mit dicht-
stehenden, gegen ein- und rückwärts feiner werdenden Zahuborsten besetzt gewesen war. Unter dem abge-
brochenen Infraorbitaltheile ist sodann auch noch der Abdruck der Unterseite des breit angelegten Quadrafum
{Qu) zu sehen, welches demnach bei dmi Fische durch die Wangeubekleidung ganz verdeckt gewesen sein
wird. Es lässt ferner der llohlabdruek der Aussenseite des Maxillare erkennen, dass auch dieser Theil eine
chagrinartige Oberfläche hatte.
Nach dieser Darstellung ist die au dem vorliegendem Exemplare besonders gut erhaltene Wangen- und
Kiefergaumenpartie dazu angefhan, die bisher gerade hierüber noch unvollkommenen Berichte wesentlich zu
ergänzen, und eine richtige Vorstellung von dem Kopfbaue des Fisches zu geben.
Über die Opercularpartie ist kaum etwas Neues zu berichten. Das Operculum (0) hat eine schief
nierenförmige Gestalt. Der Abdruck der Aussenseite lässt genau jene von einem im oberen inueren Drittel
gelegenen Ossificationspunkte ausgehende, aderig-strahlige Ornamentirung erkennen, wie sie Agassiz a. a. 0.
auf Taf. 60 c, Fig. 4, abbildet. Das darunter gelegene Huboperculum (Äo) mag wohl in einem etwas breiteren
sichelförmigen Theile unter dem Operculum vorgeragt haben, als wie es Agassiz in der angezogenen Figur,
und Herr Fritsch in seinem Diagramm darstellt. Das Fraeoperculum {Po) ist, wie es auch Herr Fritsch dar-
stellt, gegen die Vereinigungsstelle der drei übrigen OpercularstUcke zackig ausgebogen. Das Interoperculum
{lo) ist nur zum Theile erhalten, und zeigt etwa die Form, welche ihm Herr Fritsch gibt.
Von der Branchialpartie ist an unserem Exemplare nichts wahrzunehmen. Der Kopf eines anderen Exem-
plares, welcher in der Sammlung des geologischen Institutes aufbewahrt wird, zeigt die theilweise erhaltene
Anlage in einer Art, die wohl mit der von Agassiz gegebenen, oben citirten Abbildung übereinzustimmen
scheint; es liegen hier unter dem Rande des Interoperculums eine Reihe blätteriger, sichelförmiger Kiemen-
hautstrahleu.
Über die Verhältnisse, wie sie am Rumpfe sichtbar sind, ist nur wenig zu sagen. Die Wirbelsäule hat
innerhalb des dichfgefügten Schuppenpanzers ihre ursprüngliche Lage verändert, man sieht ihre Spur jetzt
fast in der Mitte der Seite durch die Beschuppung hindurch. Der SchultergUrtel zeigt oben den Abdruck der
Suprascapula als einen gabelförmigen, nach vorne übergebogenen, flachen Knochen, dessen äusserer, längerer
Theil bis an die Crista occipitis und das Occipitale superius heranreicht, von der Verbindungsstelle der Supra-
scapula mit der Scapula und dem Mastuideum zeigt sich eine Lücke für einen stielförmigeu Fortsatz. Der übrige
Theil der Scapula ist bis auf das untere hintere Ende ganz mit Gesteiusmasse bedeckt. Erst der Ansatz des
296 Gustav C. Laube.
Pectorale ist wieder frei, leb zähle, wie HerrFritsch, 14 getheilte Strahlen in derselben. Sie scheint nur
schmal gewesen zu sein und war wohl auch nicht sehr lang. Sie liegt, wie dies auch schon Herr Fritsch
bemerkt hat, unmittelbar hinter dem Rande des Suboperculums. 120 Mm. vom vorderen Rande der Pectorale
entfernt zeigt sich die Insertionsstelle der Abdominalen und einige Reste beider Flossen. Sie waren ungewöhn-
lich klein, wie diess schon Agassi z gesehen hat, auch ihre Lage zur Dorsale stimmt mit dessen Angabe; diese
ebenfalls kleine, unpaare Flosse liegt etwas vor den Abdominalen, so ziemlich in der Mitte, und nicht, wie
Bronn (Lethaea, III. Auflage, II. Bd., 5. Theil, pag. 377) und Bietet (Trait6 de Baleontologie, II. Bd., pag. 107)
meinen, im vorderen Drittel des Körpers.
Die oft beschriebene Form der Schuppen brauche ich nicht besonders zu erwähnen, ich will nur bemerken,
dass jene an den englischen Exemplaren vorkommenden eigeuthiunlichen Längsstreifen auch bei unserem
Fische sichtbar sind, indem sich die quer über die Schuppen laufenden Triglyphen genau in eine Linie hinter
einander legen, und so jene Streifen hervorbringen, welche namentlich dann auffällig hervortreten, wenn man
den Fisch von vorne ansieht.
Zum Schlüsse darf ich wohl noch Einiges anführen, was zur Sicherung der bislaug nicht ganz zweifel-
losen systematischen Stellung des Fisches beitragen kann. Mantell hat denselben seinerzeit geradezu
als Salmo beschrieben. Agassiz (a. a. 0. pag. 105) bezeichnet die geuerische Verwandtschaft für zweifelhaft,
solange man nicht alle Flossen desselben kennen gelernt habe, und glaubt, dass er zu denClupeiden oder noch eher
zu den Salmoneiden gehöre. Giebel (a.a.O. pag. 122) hat ihn unter den Salmoneiden neben der lebenden ver-
wandten Gattung Osiiiej-us aufgeführt. Bronn a. a. 0. und Bietet a. a. 0. stellen die Gattung zu den Scopeliden
(Scojjelini J. M. Müller). Herr von der Mark (Fossile Fische, Krebse und Pflanzen aus dem Plattenkalke der
jüngsten Kreide Westphalens, Paleontogr. 1863, Bd. XI) hat die früher von Agassiz zu Osnieroides gerech-
neten westphälischen Kreidefische zu einem eigenen Geschlechte — Sardhioides — vereinigt, und dieses den
Clupeideu einverleibt. In einer weiteren Abhandlung (Neue Fische und Krebse aus der Kreide von Westphalen,
Paleontogr. 1868, Bd. XV, pag. 285) bemerkt er hiezu, dass er hiervon Osineroüles Lewesiensis seiner grossen
Zähne im Oberkiefer, seines flachen Kopfes, seiner zahlreichen Kiemenhautstrahlen und eigenthümlichen
Beschuppung, sowie der breiten Brustflossen wegen, ausgenommen wissen will. Herr Geinitz a. a. 0.
bezeichnet ihn als Salmoneiden, während Herr Fritsch die Frage einer engereu systematischen Gruppirung
offen lässt.
Dass man es mit einem arthropteren Teleostier aus der Gruppe der Pltysostonii abdominalen zu thun hat,
ist ausser Zweifel. Bietet führt a. a. 0. als Characteristicum der Scopeliden an, dass der Oberrand der Mund-
spalte ganz vom Zwischenkiefer gebildet werde; dies ist, wie wir gesehen haben, nicht der Fall, und so bleibt
nur die Frage über, ob man es mit einem Clupeiden oder Salmoneiden zu thun habe. Der von Herrn von der
Marck für Osmeroides Lewesiensis geltend gemachte Unterscheidungsgrund der angeblichen Oberkieferbezah-
nung ist, wie erwiesen, hinfällig, auch eine breite Brustflosse ist nicht vorhanden. Dagegen haben die von ihm
viütev Sarditioides abgetrennten westphälischen Formen jene Charaktere an sich, welche Bietet den Scope-
liden zuschreibt, den vom Praemaxillare gebildeten Oberkieferrand und die vor der Mitte des Rückens liegende
Dorsale. (Man vergleiche Agassiz a. a. 0. V. Taf. 60 c/, Fig. 2—4, und von der Marck, Paleontographica,
Bd. XI, Taf. 6, Fig. 2 — 4, Taf. 7, Fig. 8 — lO.j Dies hat wohl auch Bietet besonders im Auge gehabt. Hie-
durch aber ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen diesen und Osnieroides gegeben. Sie haben
übrigens, wie Herr von der Marck besonders betont, niemals eine Spur von einer Adiposa gezeigt, weiche doch
das sicherste Kennzeichen für die Salmoneiden wäre. Diese so charakteristische Flosse ist aber auch bei Osme-
roides Leicesiensis niemals beobachtet worden.
Aus dem Vergleiche des Schädels mit dem eines Salmo sind mir aber doch einige bemerkenswerthe über-
einstimmende Merkmale aufgefallen. Ich habe vor mir das Skelett von Salmo fario L. Am Schädel finde ich
zunächst, dass der obere Theil des Frontale principale wie bei Osmeroides an der Bildung des Oberrandes der
Orbita theilnimmt, was bei dem weiter vorn öfter besprochenen Elops nicht der Fall ist. Das verhältniss-
mässig breite Frontale anterius ist auch beiderseits vorhanden. Obwohl weniger ausgebreitet, und nicht die
Ein Beifrag zur Keiiidiiiss der Fische des höJimisc/ien Turoiis. 297
ganze Wange bedeckend, zeigt doch der Infraorbitalkreis im Baue und in der Anordnung seiner Theile eine
grosse Ähnlichkeit, auch das oben ausführlich beschriebene Canalsysteni scheint bei Salmo sehr ähvdich gebaut
zu sein. Weiter finde ich in den zahlreichen, säbelförmig gekrümmten, platten Kiemenhautstralilen bei Sabiio
noch eine bemerkenswerthc l'bereinstimnning mit diesen Gebilden bei Osmeroides, und möchte endlich noch
erwähnen, dass auch die Lage der Abdominalen zu den Pectoraleu nnd der Dorsale bei beiden Fischen über-
einstimmt. Rechnet man nun noch hinzu, dass Agassiz die äussere Ähnlichkeit des Fisches mit dem lebenden
Salmoneiden Omiierus durch den Namen Osmeivide^i kennzeiclmctc; so dürften die aus dem Vergleiche mit
Salmo fario sich ergebenden sehr ähnlichen oder selbst übereinstimmenden Vcrliältnissc wohl darnacli angcthan
sein, die Ansicht zu bestärken, dass man Osmeroides Lewesiensis und dessen Verwandte als eine
zu den Salmoneidcn zu zählende Gattung aufzufassen habe.
Ich kann diese Abhandlung nicht abschliessen, ohne in dankbarer Anerkennung der Beihilfe zu gedenken,
welche mir mein dermaliger Assistent, Herr Georg Bruder, zu Theil werden Hess, indem er die beigegebenen
Zeichnungen mit so vielem Verständnisse und grosser Vollendung anfertigte.
Denkschriiten der m;ithein.-niiturw. t:l. L. Itii. Al)liaiullimgeii von NichtmilgliederD . ^itl
•298 Gustav C. Laube. Ein Beifrag zur Keuntnias der Fische des böhmischen Tiiron's.
Erklärung der Abbildungen
auf der b eig^e geb enen Tafel.
Fig. 1. Protelops Geinitzii L.aiibe, in uatürlicher Grösse. In der wie(lcrf>-egebeiicn Ansicht der rechten Seite des Fisclios sind
sämmtliche im Text berührte Verhältnisse sichtbar, nur das zwischen den Mandibeln gelegene Os sublinguale ist
• nur im hintersten, kleinsten Theile wahrzunehmen.
„ 2. Osmeroides Lewesieiisis Mantell sp., in natürlicher Grösse. Es ist die Ansicht der rechten Seite des Steinkernes wie-
dergegeben. Der Kopf zeigt ausser den Abformungen der Unebenheiten der Schädel- und Gcsichtsknochen die
Abgüsse der Schädelhöhlen, in der Mitte die herzförmige Masse in der Gehirnzelle. Die Insertion der An.alcn ist
durch eine Lücke im Schuppenpanzer des Abdomens deutlicli kenntlich gemaciit.
„ ;?. Oatnernkhs Leweisiensis Mantell sp. Darstellung der Anssenform der Schädelbedeckung und der Gesichtsknochen
nach einem Wachsabguss , welcher direct aus dem Negativ des zu Fig. 2 gehörigen Hohlabdruckes des Kopfes
gewonnen wurde. Man übersieht den Verlauf des ausführlich beschriebenen Infraorbitalcanales, sowie die Abgren-
zung und äussere Verzierung der einzelnen Knochen des oberen Kopftheiles sammt dem Operculum.
„ 4. Elopg Saums Linn6. Contour des Schädels zum Vergleiche mit l'rotelops Geinitzii nach einem Exemplare .-lus di^r
Sammlung des zoologischen Institutes der deutschen Carl Ferdinands-Universität.
ljlllM':Fisrlir iIps liölimisrhcii Tnron.
Tiif.I.
k k Hof u SMsrsdruGk»rti
tiii.l P,ül,loi,s lU-miUii Lniibr . Ky. !u 3 Osmi-nulf.-. /.mr.smisiA Jlaillsp «,/. 'f lilops suiirus Im
Denkschriften d.k.Akad.d.W.math.nalurw. Classe L. Bd.II Ablli,
K,
299
ÜBER EINEN
[KiiyillL-SCilllEl ULIS BEI TIETIlHABÜGEIliiGEi M imMU
i^mummum.
EINE PALÄONTOLOGISCHE STUDIE
VON
PuoF. FRANZ TOULA
UND
Assistent JOHANN A. KAIL.
(LKUEKANZEL tÜK MINKKALOGII', UND GEOLOGIE AN »ER K. K. TElllNISCHEN IIOCIISOIIULE JN WIEN.)
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 7. MAI 1885.
Der hochintcressautc uud sehr ansehnliche Rest, dessen ausführliche Bearbeitung- im Folgenden geg'eben
wird, stammt aus einer Sandablagerung am Westhauge des Calvarienberges bei Eggenburg. Er befindet sieh
im Besitze des Herrn J. Krahuletz jun. in Eg'genburg, eines eifrigen und unermüdlicheu Sammlers, der eine
ganz besonders in Bezug aut die in der Nachbarschaft von Eggeuburg aufgefundenen prähistorischen Gegen-
stände sehr reichhaltige Sammlung besitzt.
Herr Krahuletz überliess uns diese von ihm acquirierten, zum grossen Theile in Bruchstücken auf-
gesammelten Knochenreste zum genaueren Studium.
Es gelaug uns, aus diesen Bruchstücken den Kopf der Hauptsache nach wieder zusammenzufügen, und
förmlich zu reconstruieren, worauf, da Herr Krahuletz bis nun nicht bewogen werden konnte, den Rest an
eines unserer grossen Museen in Wien abzutreten, eine Abformung in Gyps vorgenommen wurde, um auf diese
Weise das interessante Stück wenigstens in einer wohlgelungcnen und genauen Copie als Vergleichsobject
zugänglich zu machen.
Am Westabbange des Ciilvarienberges von Eggenburg und zwar in der unmittelbaren Nähe der von Herrn
Gustos Th. Fuchs (1. c. S. 591) bcscliriebenen Localität „im Schindergraben" findet sich in einer grösseren
Mächtigkeit ein ziendich reiner Quarzsand. Derselbe ist in mehreren tiefen, stolleuförmigen Gruben aufge-
schlossen, welche nahezu genau nach Ost verlaiffen (hora 7), über mannshoch sind und bei 15"Tiefe erreichen.
Das Profil am Eingänge in die gi-össten dieser Gänge ist aus folgender Darstellung (Fig. 1) zu ersehen.
L Zu Unterst tritt, über 1'" mächtig, grauer Quarzsand (ohne Fossilreste) auf.
nn*
300
To 1(1 a — Ka i l.
2. Darüber liegt eine etwa V" niäclitige Lage vou Granitjjerölleii uiit grösseren Brocken und Ivollstcinen.
Hierin finden sich nur wenige, zerbrechlicbe Bivalvenschalen. An der liasis dieser Scbiclitc lag im
Hintergrunde des Stollens der Krokodilschädel. Aus einem ganz ähnlichen Quarzsande derselben
Localität stammen auch mehrere Eeste von Halitlierhim Schinzi, welclie sich im Besitze des Herrn Kraliuletz
jun. belinden. (Darunter auch Oberarmknochen von zwei gleich grossen Exemplaren, welche das in Darm-
stadt bctindlichen ausgezeichnete Exemplar um ein Beträchtlielies an Grösse übertreffen, wie ein Vergleich mit
dem uns vorliegenden wohlgelungenen Gypsabgusse der vorderen Extremität ergibt. Der Oberarmknochen des
Darmstädter Exemplares niisst circa IS""', während der besser erhaltene Eggenburger Halithenum-Ohera,vm
circa 18"" misst.)
3. Bis zur Decke der .Stollen hält dann ein grauer, stellenweise eisenschüssiger Quarzsand an. Derselbe
enthält viele grössere Bivalven: Venus sp., Mytilus HauUngeri, Ferna, Ostrea. (TurriteUa sp.. Notica sp.,
Fusiis sp. fanden sich in der Hangendpartie dieser Schichte.) Die Gesammtmächtigkeit dieses Horizontes
beträgt über 3"\
In der Höhe der Decke findet sich eine wohl markierte Sandlage mit Coucretioneu.
4. Darüber liegt, stark deformiert, eine etwa 3*^'" mächtige Lage eines feinen gelben Sandes, dann folgt
5. eine weisse, kalkig-thonige Schichte, etwa 8'"' mächtig und darüber
6. eine Schichte mit sandigen Kalkconcretionen, welche dann vom Humus (7) bedeckt ist.
Fig. 1.
y*t ^'^'-^slfcg
Aut'schluss bei den Sandgnibeu am Westabliauge des Calvaneuberges bei Eggcuburg („im Schluderg-raben").
Vergleichen wir nun das angegebene Profil mit den nächstgelegenen schon früher beschriebenen Auf-
schlüssen.
Herr Cust. Tb. Fuchs hat in seiner Arbeit über die Tertiärbildungcn der Umgebung von Eggenburg
(Jahrb. d. k. k. geol. Eeiclisanst. 1868, S. 591) auch die Ablagerungen in der nächsten Nähe der Krokodil-
Fundstelle besprochen.
Das betreifende ausführlich beschriebene Profil („Pernabank im Sehinder-Graben", Taf. VI, Fig. 1) ist,
ganz in der Nähe, gegen den hohen Bahndamm zu gelegen. „In den untersten Schichten der Ablagerung", heisst
es an der citierten Stelle, „namentlich in den sonst versteinerungslosen Conglomeraten von Granitbrocken"
fanden sich nach den Angaben des Herrn Zelebor grosse Massen zum Theile riesiger Kippen von Halitherium.
Vor Allem fällt auf, dass näher dem Bahndamm, in nur geringer Entfernung von unserem Fundorte die
Granitbrocken Anhäufungen viel mächtiger sind, als bei den Sandgruben, wo dieselben auf die eine Lage über
über einen Krokodil-Schädel aus den Tcrüärahlagenmgen von E(j(jenhur(j. 301
eleu ver.stoineriuigsfreien Liegend-Saud beschränkt sind. Die llangendscbichten („Mergel und feiner gelber
Saud" bei Fuchs) scheiueu in grü.sscrer Übereinstimmung zu steheu. '
Nadi durchgeführter Reconstructiou des Schädels ging es au die weitere beschreibende uud vergleichende
Bearbeitung desselben. Zu diesem Behüte wurden gute Scbädelskelctte von drei lebeuden Arten herbeigezogen
und zwar von
Crocodilus Dulijaris Cuv.
Tomistoma (Rynchoaucliiis) Schleyelü Gray, und
Gavialis (jamjef.iciis Geoffr.
Erstes Object wurde uns von Herrn Prof. Dr. Andreas Komb über (Zoologische Sammlung d. k. k. techn.
Hochschule) zur Verfügung gestellt; Herr Prof. Dr. Carl Beruh. Brühl überliess uus mit grösster Liberalität
ein ausgezeichnetes Exemplar von Tomidouia (Bi/nchosucJms) SrhlecjeUi zur unbeschränkten wissenschaftlichen
Benützung; Herrn Director Regierungsrath Dr. Franz Steindachner al)er verdanken wir einen gewaltigen
Gavialschädel.
Es ist uus eine angenehme Pflichterfüllung, den genannten Herren für die freundliche Unterstützung
hiermit unseren verbindlichsten Dank auszusprechen. Die literarischen Hilfsmittel wurden uns vor Allem mit
gewohnter Liberalität von Seite der Leitung des Hof-Miueralien-Cabinetes zugänglich gemacht. Wir sind Herrn
Gustos Tb. Fuchs dafür zu grossem Danke verpfliclitet.
Für die Beschreibung entschieden wir uns für einen Vorgang ähnlich dem von Brühl in seinem vor-
züglichen Werke über das Skelet der Crocodilineu (Wien 1862) eingehaltenen.
Wir betrachteten zuerst 1. die von oben sichtbaren Knochen des Kopfes, sodann 2. die au der unteren
Seite des Schädels auftretenden, und endlich 3. die an der Rückfläche des Schädels befindliciieu einzelnen
Knochen (Übersicht S. 6).
Der weitere Plan der Arbeit geht am besten ans einem Blicke auf den Inhalt (S. 355) hervor.
Ausser dem im Vorstehenden ausführlichst beschriebenen Schädelreste und dem erwähnten vereinzelten
Zahne liegen von demselben Fundorte noch mehrere Wirbelstücke vor, von welchen nur eines etwas besser
erhalten ist, so dass es eine nähere Bestimmung zulässt. (M. vergl. Taf. HI, Fig. 3, 4, 5.)
Derselbe stammt aus der Lendenregion.
Hier sei nur noch angeführt, dass als Anhang auch ein chronologischer Überblick über die bei den Vor-
arbeiten herbeigezogenen Publicatiouen gegeben wird in der Hoffnung, dass derselbe trotz seiner Unvoll-
kommeuheiten vielleicht nicht ganz unerwünscht kommen mag. Dasselbe gilt für die angeschlossenen beiden
abellarischen Übersichten: 1. über die fossilen pocoelen Crocodiliueu (und ihre Vorläufer) in der alten Welt,
und 2. über die amerikanischen fossilen Crocodilineu. Bei ersterer Tabelle wurden die sicheren und auf voll-
kommene und ausreichende Reste begründeten Arten durch auifallenden Druck hervorgehoben. *
1 Dr. M. Hoernes gab das Vorkommen von Haütheriiim auch aus Sandsehicliten nördlich von Eggenburg, sowie auch
vou Burgschleiuitz an. fMan vergl. die Angaben bei Kolle; Geol. Stellung der Horner Seh. 1859, S. 13 [47] und v. C^jzck:
Geol. Karte d. Umgeh, von Krems etc. 1853. S. 31. In einem lockeren, oben gelblichen, unten bläulichgrüuem Sande, mit
Anomia costaia, über blauem Thone mit Mijtihis HaüUiigeri.)
Prof. Suess (Unters, über d. Charakter d. österr. Tertiärablagoriiugeu. 1866, S. 15) gibt das Vorkommen von llalithe-
riiim auch aus den Liegeudschichten: Mugels.aude der Bruunstube westlich von unserem Fundorte au; ausserdem aus dem
tiefsten grünlichen Sand von Gauderndorf (1. c. S. 11).
2 Der Unterzeichnete hält sich für verpflichtet, hier auszusprechen, dass die Detailbeschreibung vou Herrn Kail mit
grosser Sorgfalt nach gemeinschaftlich festgesetztem Plane durchgeführt wurde.
J''ranz Toula.
302
Toula — Kall.
A. Verzeichniss der am fossilen Reste vorhandenen Knochen.
I. Obere Fläche des Kopfes.
1. Das uupaare Parietale.
2.
V
»
Frontale principale.
3.
yj
paarige Nasale.
4.
n
n
Mastoideum. (Cuv.)
5.
n
»
Frontale posteriori«
6.
17
n
Tympanicum.
7.
))
n
Temporale. (Cuv.)
8.
»
n
Jugale.
9.
n
)!
Frontale anterius.
10.
n
!)
Lacrymale.
11.
)?
)J
Supramaxillare.
12.
^^
n
luternuixillare.
II. Untere Fläche des Kopfes.
Ausser dem paarigen Intermaxilkire und dem
paarigen Supramaxillare noch:
13. Das paarige Palatinum.
14.
15.
16.
„ Pterigoideum.
„ Transversum.
unpaare Splieuoideum basilare, sowie
dessen verticale, seitlich zusammen
gepresste Fortsetzung :
17. Das Splieuoideum anterius (nur in seinem
hintersten Theile erhalten.)
^ finden sieh nur in
paarige Petrosum und / völlig uudeut-
18. „
19. die
Ala temporal is( liehen, zerbro-
' chenen Partien.
III. Riickfläche des Kopfes.
20. Das unpaare Oceipitale superius.
21. „ paarige Oceipitale laterale.
22. Das iini)aare Oceipitale basilare.
Fig. 2.
1. Crocodiliis ( GcioicdosuchusJ Egifenhunjeimis (Verkleinerung 1
2. Gamalis gangeticus ( „ 1
3. l'omiatuma (Rhij nchusiwhus) Sch/ei/dii { „ 1
4-86)
5)
•i-s)
B. Auffällige Merkmale am Kopfskelet.
aj Im Allgemeinen.
1. Der Schädelautheil des Kopfes geht ganz allmälig in den Schnauzenantheil über, ähnlicli wie bei
Tomistoma Sclile(jeUi. (Man vergleiche Fig. 2.)
übet- einen Krolodil-tichiidel aus den. Tertiärahhicjerungen von Egf/enhur;/. 303
Das Verhältniss des Schnauzeutheiles ' zur ganzcu Kopflänge wird aus deu uachfolgendeu
Zahlen ersichtlich.
Länge des Kopflänge vom Hinter- Kopflänge vom Hintcr-
Schnanzentheiles ende des Parietale ende des Timpanirnms
Beim fossilen Reste 58™^ 73™ 86'^"'
=1 : 1-26
Bei Gavialis gangeticus . . 59 75 83
=1 : 1-27
„ Tomistoma SchlegelH 32 42 45
=1 : 1-31
h) An der Oberseite des Kopfes.
1. Das Occipitale superius ist in der Dachsicht ganz wohl zu bemerken, u. zw. nicht nur die
dem Parietale zunächst gelegenen Partien desselben, sondern fast in seiner ganzen Ausdehnung; ebenso tritt
in Folge des minder steil abfallenden Hinterhauptes das paarige Occipitale laterale in der Draufsiclit viel
deutlicher in die Erscheinung, als dies bei CroroiJilus oder Gavialis oder gar bei Tomistoma Schlegelü der
Fall ist. Bei letzterem Genus sind die Occipitalia lateralia in dieser Ansiebt kaum mehr wahrzunehmen.*
2. Das Verhältniss der Scheitelflächeubreite zur Stirnflächenbreite.
(=: Scheitelbeinbreite zwi-
schen den inneren Rändern
der Eingänge zu der beider- Stiuifliichenbreite
seitigen Fossa temporalis, zwischen den beiden
in der Mitte gemessen) Orbitae)
Beim fo.s.siien Reste 0'8'^"' 4-5'^'" =: wie 1 : 5-6
Hei Crocodilus imlgaris 0-9 5-0 =;„ 1:5-5
„ Gavialis gangeticus 2-2 9'5=:„1:4'3
„ Tomistoma Schlegelü l'O 1-7=:,, 1:1-7
Bezüglich dieses Verhältnisses kommt der fossile Rest dem CrorodUus vulgaris am allernächsten. Mit dieser
Art und mit GaoiaUs gangeticus theilt der Rest auch die Eigenschaft seines Scheitelbeines, gegen die Innenwand
der Schläfengrube steil abzufallen, unterscheidet sich aber bierin von Tomisto)ini SchlegelH.
3. In Bezug auf das Verhältniss der Fossa temporalis zur Orbita-' hält der fossile Rest die Mitte
zwischen Tomistoma St'hlegelH und Gmmdis gangeticus.
Die Längenausdehnuugen sind:
Fossa temporalis ürbitii
Gavialis gangeticus 7-2''" 6-9''"' =: 1 : 0-95
Fossiler Rest 6-3 7-5 =1:1-2
Tomistoma SchlegelH 2-7 52 ^1:1-9
1 = Länge iles Kopfes von dessen Vorderendn bis zh einer durch die vorderen Orbitawände gelegten Verticalebenc.
'i Die Angabe bei Brühl („Das Skelet des Crocodiliuen", p. 17 obeuj : „Bei Alliijrdur dcrops kommt ausnahmsweise
das sonst bei keinem Crocodiliuen an der Schädeldeckc auftretende Occipitale superius in dieser Sicht
hinter dem Parietale zum Vorschein", erscheint nicht ganz zutreffend, da sowohl bei Crocodiius vulgaris, als auch bei Tom'islomu
Schlegelü, besonders aber bei Gavialis in der Daraufsicht Theile des Occipitale superius hinter dem Parietale sichtbar werden,
und zwar: bei CrocodUus vidgat-is ist es eine median stehende, aufwärts ragende, sich zwischen zwei Lajipen des Parietale
einkeilende Partie, bei Tomistoma Schlegelü sind es zwei, seitlich schw-ach hervorragende Knoten des Occipitale superius, bei
Gavialis gangeticus endlich ist es ein ziemlich stark entwickelter, dreilappiger Antheil des Supra occipitale.
3 Die Fossa temporalis, gemessen vom vorderen und äusseren Ende des I'rontale posterius p.arallel zur Medianlinie. Die
Orbita, gemessen vom Vorderrande des Lacrymale parallel zur Medianlinie.
304 T o u In — Ka iL
4. Die Längenausdehnung,- des Orbita-Einganges steht, zur Schädellänge' in folgendem Ver-
hältnisse:
Orbita Schädellänge
Tomistoma ScMegeUi 5-2™ 42- = 1 rS^S
Fossiler Rest 7-5 73 m 1 : 9 • 8
GaviaUs gangeticus 6-9 7o =1:10-8
5. Die Ausdehnung der Nasalia: Von dem von ihrem Ursprünge bis zum hinteren Rande der Nares
externae verlaufenden Theile der Mediannnht bilden die Nasalia vier Fünftheile; ein Fünftheil dieser Naht
wird von dem paarigen Intermaxillnre gebildet.
Das Verhältniss des von dem paarigen Nasale gebildeten Antheiles der Mediannaht zu den zwischen dem
paarigen Intermaxillare liegenden Theile derselben ist etwa:
Bei GaviaKs gangeticus . . . . wie 0-32:1
„ Tomistoma Schlegeln ... „1-8:1
Beim fossilen Reste „ 4-0 :1
cj An der Unterseite des Kopfes.
1. Die Gaumenuaht zwischen Intermaxillare und Supramaxillare ist im allgemeinen V-förmig
und schliesst sich in ihrer Form inniger an die hei GaviaUs als an jene bei Tomistoma an, bei welch' letzterem
Genus jedes Intermaxillare einen etwa 2"" laugen Lappen nach rückwärts sendet; diese Lappen sind durch zwei
nach vorne gerichtete, dem Supramaxillare angehörige, in ihrer Medianlinie die Naht bildende Fortsätze getrennt.
Bei dem fossilen Exemplare ist von diesem Verlaufe der Naht kaum eine schwache Andeutung vorhanden.
2. Der Verlauf der Naht zwischen Palatinum und Supramaxillare ist V-förmig, ganz ähnlich
wie bei GaviaUs, nach vorne spitz zulaufend.
3. Das Foramen palatinum nähert sich in seinen Dimensionen mehr denen von Tomistoma ScJdegelii,
als jenen von GaviaUs gangeticus.
Von der Apertura Eustachii (Vorderraud) bis zur Schnauzenspitze misst:
Der fossile Rest Tomistoma Schlegelii GaviaUs gancieticus
73cm 40 cm 75 cm
Länge des Foramen palatinum 14 7-5 10-2
Breite „ „ „ ca. 5 2-5 5-3
4. Die am Nasenthcile der Pterygoidea beim erwachsenen GaviaUs vorkommenden Kuochen-
b lasen fehlen.
5. In Bezug auf die letzten Oberkieferzähne lautet eiue Regel Burmeister's: „Je mehr Ober-
kieferzähne unter der Orbita stehen, desto jünger ist ein Krokodil-'.
l'jeim vorliegenden Reste ist das hinterste Ende des Supramaxillare nicht erhalten, wohl aber die Ansatz-
stelle des Transversum an demselben ganz gut wahrzunehmen; verhalten sich nun diese beiden Knochen hier
wie bei Tomistoma Schlegelii und GaviaUs gangeticus, d. h. reicht die vorderste Spitze des Transversum nur bis
zum vorletzten Oberkieferzahn, und nicht wie etwa beim Nilkrokodil bis gut zum 4. (von rückwärts gezählt),
so stehen beim fossilen Exemplar, wie bei den oben genannten Vergleichsobjecten, nur 2 Zähne des Oberkiefers
unter der Orbita.
Es drängt also auch diese Regel Burmeister's zu dem Schlüsse (zu dem übrigens viele Wahrnehmungen
an dem Funde berechtigen), dass wir es hier mit einem ganz oder wenigstens fast ganz ausgewachsenen
Exemplare zu thun haben.
1 Schäilellänse vom Vordereiide des Kopfes bis zum hinteren Ende des Parietale.
Ühi^r einen Knih-dtHI-i^eliiidel aiis den Tert'iärabJinjerniKjeii ron E(j(jeiiliiii(j. 305
'J) An der Rückseite des Kopfes
fallt vor Allem die Einsenkung des Oberraudes der Occipitalansicht gegen die Medianebene auf, was der fossile
Rest mit Crovodl/Ks tidijaiix gemein liat, während dieser Oberrand sieh bei Tonnstomn kaum, bei Gavialis (jun-
(jetkug aber ganz merklich von der Medianlinie nach aussen senkt.
Von Gavialis gangeticas wohl unterschieden, sich vielmehr an Tomistoma Schkgelii anschliessend, erweist
sich der fossile Kest auch in Anbetracht des Verhältnisses, in dem die grösste Breite der Schädeldachfläche
(vom höchsten Punkte des rechten Mastoideum zum linken) zur grössten Breite des Schädels steht.
Dieses Verhältuiss ist :
Bei Crocodilus vulgaris .... wie 1:2-2
Beim fossilen Reste .... „ l:l-82
Bei Tomistoma Schlegelii . . ■ „ 1 : 1 • 76
„ Gavialis gangeticus . . . . „ 1 : 1 • 41
Bei letzterem ist also die Schädeldachbreite die verhältnissmässig grösste, und sie tritt um su mehr in die
Erscheinung, als der Abfall des Schädeldaches gegen den Ausseurand des Kopfes ein viel beträchtlicherer und
unvermittelterer ist als beim fossilen Reste oder bei Tomistoniu Scidegelü.
V. Detailbeschreibung der einzelnen Knochen.
1. Das unpaare Parietale.
Fossiler Rest GaoinHa yanrjeticus Tunmtuma Schlegelii
Länge geringste 6-25™ 7-_™ 4-1'=
grösste 7-2 7-9 4-5
Breite an der Dachfläche vorne 5"5 9- — 4-6
mitten 0-8 2-2 1-0
hinten ca. 6-4 9- — 3.5
f ein
In seinem allgemeinen Umrisse, dem eines X ungefähr vergleichbar, kommtdas Parietale des fossilen Restes
jenem bei Gavialis gangeticus am nächsten, und unterscheidet sich durch seine schmalen, wohl ausgebildeten
vorderen Querbalken von dem bei Tonustoma ScJdegelii, während es in dieser Beziehung mehr mit Ciocodihis
vulgaris übereinstimmt. Von Tomistoniu Schlegeld ist der Rest durch sein Parietale auch darin unterschieden,
dass dieses au seinem hinteren Rande ganz so wie Gavialis (und CrocodUus vulgaris) einen Ausschnitt trägt,
der zur Aufnahme einer Crista des Occipitale superius dient.
Während Tomistnma Scldegelii und Gavialis gangeticus ein in seinem hinteren Theile ziemlich flaches
Parietale besitzen, in das bei Tomistouia Schlegelii gut markierte Gruben vertieft sind (beim vorliegenden
Exemplare etwa 25), so ist der hintere Antheil dieses Knochens bei unserem fossilen Reste gegen die Mittel-
linie zu etwas eingebuchtet und mächtig geknotet.
An dem ganzen derFossa temporalis zugewendeten Rande der Obenansicht besitzt das Parietale des fossilen
Restes, ähnlich wie jenes von Gavialis gangeticus, einen wohl entwickelten, zum steilen Abfalle gegen die Fossa
temporalis mit beitragendem Wulst, der bei Crocodilus vulgaris an der vorderen Fossabegrcnzung viel weniger
ausgebildet, bei Tomistoma ScJdegelii aber kaum mehr zu gewahren ist.
Die Verbindungen des Parietale mit seinen Nachbarknoehen anlangend, so verläuft die vorne
gelegene Naht mit dem Frontale principale ziemlich gerade von rechts nach links, sie zeigt nur eine
schwache Concavität nach vorne. Darin liegt eine Ähnlichkeit mit Gavialis gangeticus; bei Tomistoma Schlegelii
finden sich viel beträchtlichere Auszackungen vor.
Auch die rückwärts gelegene Naht mit dem Occipitale superius verläuft mit Ausnahme des Aus-
schnittes für die Crista des eben genannten Knochens olnie l)esondere Auszackungen, ist aber, wie sciiun her-
Denkschriften der malhem.-naturw. Cl. L. Bd. Äbhaadlungeu von Nichtmitgliedero. Oi>
306 Toula — Kfill.
vorgehoben wurde, von ol)eu ganz wohl sichtbar, besser als bei Tumistoma Svlthydii, wiilireiul sie bei Gaiiulis
(jungefinis in der Draufsicht eigentlich nur in der Gegend der Occipital-Crista wahrzunehmen ist.
Die seitlich gelegenen Begrenzungen gegen die Ala temporalis und gegen das Tympanicum lassen
sich gar nicht, jene mit dem Frontale posterius nicht mit Sicherheit angel)en.
Die seitliche Naht mit dem Mastoideum endlich verLäuft an ihrem der Scliädeloberfläche zugekehrtem
Theiie rein sagittal, und ist, der Breite der Knochen an dieser )Stelle entsprechend (etwa 1-4''"), kurz.
Bei Tomistoma ScMegelii beträgt diese Nahtsti'ecke 1 • 4™ (im Mittel) bei Croeodüus vulgaris 2 ■ 4'^"' nnd
verläuft bei denselben ganz ähnlich. Bei Gavialis gangeticus, wo diese Entfernnng etwa 1 • 3"" misst, ist der Ver-
lauf im Allgemeinen von vorn und innen nach hinten und aussen.
2. Das Frontale priucipale.
Fossiler Rest Gavialis gangeticus Toiiiislomn Schlegdä
Grösste Länge 13-6'="' 16-4'-"' 1-b"^
Länge von hinten bis zur Naht mit Frontale
anterius • 6-0 6-8 4*4
Länge von der Naht mit Frontale anterius bis
zum Vorderende 7-6 9-6 3-1
Grössste Breite 10-9 (mit Reserve) 13-1 4-0
Breite, gemessen von einem Nahtwiiikel
zwischen Parietale und Frontale posterius
zum gegenüberliegenden (hinten) .... 6-2 8-7 3-3
Breite, gemessen am hintersten Theiie der
durch das beiderseitige Frontale anterius
bedingten Einschnürung der Frontale prin-
cipale 2 1 ca. 5 • 6 1-1
Ein recht in die Augen springendes Merkmal unseres fossilen Restes ist vor Allem die starke mediane Ein-
buchtung des Frontale principale. Die absolute Vertiefung ist wohl bei Gavialis gangeticus fast dieselbe, etwa
1 • 6'""; hiebei ist aber zu bemerken, dass bei dieser Art an der Bildung der Concavität das Frontale principale in
seiner gesannnten Ausdehnung Antheil nimmt, was bei unserem Reste nicht der Fall ist: hier steigt der Knochen
von der tiefgelegeuen Medianlinie nach links und rechts ziemlich steil an und biegt dann in seiner hinteren,
breiteren Partie in die horizontale Lage um. Unter Festhaltung der oben angeführten Masszahl für die grösste
Breite, deren Richtigkeit wegen mehrfachen Verbruches in der Gegend der Naht mit dem Frontale posterius
nicht ganz verbürgt werden kann, würden sich die mehr oder weniger horizontal erstreckenden Theiie zu den
die Concavität bildenden Partien des Frontale principale etwa verhalten wie 2 : 3. Bei Tomistuma Sclihgelii ist
die beschriebene furchenförmige Concavität des Hauptstirnbeines ganz unbedeutend und fehlt insbesondere am
rückwärtigen Abschnitte gänzlich.
In Bezug auf die Neigung des Frontale principale gegen den Schnanzentheil des Schädels stehen der
fossile Rest, Gavialis gangeticus und Tomistoma Schlegelii in einer Reihe.
Diese Neigung ist am stärksten beim fossilen Reste, weniger in die Augen springend bei Gavialis gangeticus
und am geringsten bei Tomistoma Schlegelii.
Die Vertheilung der Unebenheiten des Knochens ist bei den beiden erstercn ziemlich analog, mehr auf
die breite, rückwärtige Fläche beschränkt und sind der Hauptsache nach quer verlaufende, in die Länge
gezogene Wülste und zwischen ihnen ebensolche Gruben vorhanden; bei letzterer Species rücken die hier fast
kreisrunden Gruben weiter vorwärts und sind am kräftigsten entwickelt in dem sich stark verschmälernden,
zwischen den Orbitae gelegenen Theiie desselben.
In Ansehung des Längenverhältnisses von dem hinteren, mehr flächenartig ausgedehnten Theiie des
Frontale principale zu seinem vorderen, theils zwischen das paarige Frontale anterius, theils aber zwischen das
Üher einen Krokodil- Schädel ans den Tertiiirdldafin-niKjen von l'Jijffeidmrg. 307
l)aai-ige Nasale eingekeilten Antlieile stellt sich der fo.ssile Rest zwisclieu GacMlis yanijetirm und Tomistoma
ScJdegelii; die erstgenannte Ausdeliining = 1 gesetzt, ergeben sich folgende Verhältnisszahlen:
Gavialis gangeticus . . . . 1 : 1 ■ 4
Fossiler Rest 1 : 1 • 26
Tomistoma Scfdegelii ■ ■ . 1 : 0 ■ 7
Der genannte vordere Abschnitt des Frontale principale ist beim fossilen Reste verhältnissmässig
am schmälsten, er verhält sich znr grössten Breite des Knochens wie l:ö-2 (bei Tomislomn Schlegel ü v^ie
1 : 3-6, bei Gavialis gaiigeticiis wie 1 : 2-3).
Die seitlichen, gegen die Orl)itac zu gelegenen Flächen sind wohl entwickelt und fallen ziemlich steil nach
unten und einwärts ab, ähnlicli wie bei Tomistoma Schlegelü, während sie bei Gamalis gangeticus sehr stark nach
einwärts gezogen erscheinen. Die an der unteren Cranialfläche sichtbaren, bis zum absteigenden Theil des
Frontale anterius verlaufenden, zur Bildung des Canalis olfactorius beitragenden Leisten au der Grenze
zwischen der Seiten- und Basisfläche des Knochens sind recht deutlich sichtbar.
Von den Verbindungen des Frontale principale mit seinen Nachbarknochen wurde die rückwärts
gelegene Naht mit dem Parietale schon besprochen.
Die Naht mit dem Frontale posterius ist, wie schon angedeutet, nicht in ihrem ganzen Verlaufe
sichergestellt und nur in ihrem hintersten Tlieile unzweifelhaft constatirt.
Die Grenze gegen das Frontale anterius verläuft zuerst fast quer nach einwärts, etwa bis zu einem
Drittel der Gesammtbreite des Hauptstirnbeines am äusseren Beginne dieser Nalit und zieht dann, gegen die
Medianlinie nur wenig geneigt, bis zum vorderen Ende des Knochens, wobei sie stetig in die Naht zwischen
Frontale principale und Nasale übergeht. Die dem Frontale anterius zugewendeten, respective dem
Nasale anliegenden Absclinitte dieser Grenzlinie sind bei dem fossilen Reste der Länge nach einander gleich.
Bei dem vorliegenden Exemplar von Gamalis gangeticus übertrifft der vordere Nahtantlieil den hinteren 1 V« m^i',
Ijci Tomistoma Schlegelü etwa 2nial an Länge, bei Crocodilus vulgaris ist der hintere fast doppelt so lang als
der vordere !
3. Das paarige Nasale.
Fossiler Best
Länge 41 -0™'
I ( Grösste) Breite im hinteren Theile . . 3-1
Breite ungefähr in der Mitte 1 • 5
3 t'^ ( Breite in der Mitte des vorderen Theiles 2-1
-■ö^
^
a S
o •? 2
Gavialis gangeticus
17 • 3'''"
Tomistoma Schlegelii
18-6™
4-2
1-5
3-1
0-6
2-2
0-5
Die Nasalia — sie werden in dieser Beschreibung zusammen erwähnt, sowie sich auch die Breitenmasse
auf die Summe der Breiten vom linken und rechten Nasale beziehen — nehmen in ihrem hintersten Theile den
vordersten Antheil des Frontale principale zwischen sich auf und werden andererseits in dieser Gegend aussen
von dem paarigen Frontale anterius begrenzt.
i Bei dem von Brühl (1. c, Taf. IX, Fig. ß) in einer nach Biirmeister gebrachten Copie von Tomistoma ScJikgcJH
nehmen die Nasalia an der Begrenzung des Fiontule principale gar keinen Anllieil ; ]iitM- legt sich dieser Ivnochen nämlicli
nicht in eine durch die hintersten Enden der N.asalia gebildete Gabelung, sondern derselbe stüsst .an dem schädelwärts gele-
genen Ende der Nasalia, die in der Medianuaht nicht auseinandcrweiehen, direct ab.
In der vonBlainville (Ost6ographie, Reptiles, pl. 2; gegebenen Abbildung von Tomistonui Schlegelü ist ein schwaches
Eingreifen des Frontale principale in eine Gabehing der Nasalia zu bemerken.
Als ein Beispiel mehrfach beobachteter Asymmetrie der Nähte am Krocodilskelet soll hier die Naht zwischen Frontale
principale und Parietale des vorliegenden Exemi)lares von Gaoicilis gangrticm Erwähnung Knden. (Jegen die Fossa tempor.ilis
hin findet sich ein dieselbe begrenzender Wulst vor, der au der linken Fossa von dem Parietale allein, an der rechten
Fossa aber innen vom Pariet.ale, aussen vom Frontale priucipale gebildet wird. Die in Keile stehende Naht zieht nun links
vor dem Wu'st hin, rechts aber übersteigt sie denselben und biegt in die VordiTwand der rechten Fossa temporalis ein.
00*
308 Toula— Kall.
Die Breite nimmt bis auf eine Entfernung von 6™, von hinten gemessen, stetig zu (bis auf S-l""), ver-
ringert sich dauu eben so allmälig bis auf eine Entfernung von etwa 12"° von hinten gerechnet, und bleibt dann
auf eine Erstreckung von abermals etwa 12"" ziemlich constant(l-5 — 1-3""); hierauf erreicht die Breite,
12- 7"" vom vorderen Ende, 2- 1"" und vermindert sich dann immer mehr, so dass die Nasalia- nach vorn in eine
scharfe Spitze auslaufen.
In der Gegend der grössten Breite des Nasenbeines übertrifft bei dem fossilen Rest die Schnauzenbreite
die Breite der Nasalia 4-7mal, bei Tomistoma Schleyelil 4mal, bei Gavialis gangeticus nur 3mal.
In Bezug auf die Längenausdehnung der Nasalia und deren Yerbindungsart mit den Intermaxillaren steht
die fossile Form entschieden dem Tomistoma Schlege/ü am nächsten.
Das Verhältniss der Länge der Nasalia zur Gesammtschädellänge (vom Hinterrande der Parietale
gemessen) ist folgendes:
Fossiler Rest 0 • 56 : 1
Tomistoma Schlegeln . . . 0"44:1
Gavialis gangeticus . . . . 0 • 23 : 1
Die Nares extevnae werden von den Nasalia nicht erreicht. Bei dem fossilen Reste tragen aber die Nasen-
beine zur Bildung von etwa vier Fünftheilen der gesammten Mediannahtlänge bei, bei Tomistoma Sehlegelii '
etwa drei Fünftheile, bei Gaoialis gangeticus nur etwa ein ^'iertheil.
Betreffs der Median naht der Nasalia wäre noch anzufülu'en, dass sie in ihrem rückwärtigen
Abschnitte (in der Kegion der hinteren Verbreiterung) eine deutliche Ausbicgiing nach rechts beschreibt, sich
dann aber wieder ziirückbewegt und sodann bis zum Vorderende ziemlich gerade verläuft.
Das am hinteren Ende die Nasalia medianwärts den vorderen Theil des Frontale principale
zwischen sich fassen, wurde schon erwähnt. Die Länge der dadurch entstehenden Nähte beträgt
circa 4"" das heisst etwa den 9. Theil von der Länge der Mediannaht der Nasalia. Fast das gleiche Verhält-
niss obwaltet bei dem uns vorliegenden Exemplare von Tomistoma Sehlegelii.^ An Gavialis gangeticus messen
diese Nähte 6 ■ 2"°, bei einer circa 45"" langen Nasenbeinmitteluaht.
Fast ebenso lang wie die nach innen gelegenen Nähte der Nasalia mit dem Frontale principale sind die
nach aussen auftretenden Begrenzungen m i t d e m p a a r i g e n F r o n t a 1 e a n t e r i u s. Bei Tomistoma Sehle-
gelii 2-4'^°", bei Gavialis gangeticus 2-9™ im Mittel. (Die linke und rechte Naht sind bei letzteren ungleich lang.)
Die Naht mit dem paarigen Lacrymale begrenzt ungefähr den breitesten Abschnitt des Nasale seitlich
und misst am vorliegenden Reste nur um ein Geringes weniger als die beiden oben besprochenen Nähte, näm-
lich 3 • 8"" (Mediannaht der Nasalia = Bö"^). Die analoge Nahtlänge beträgt bei Tomistoma Sehlegelii 5 • 1"'"
(auf eine Nasenbeinmittelnaht von 16-3""), bei Gavialis gangeticus 2-9°'" (Mittelnaht der Nasalia =^ 11"").
Über den Verlauf ist nur zu sagen, dass die linke und rechte Naht fast parallel laufen, mit einer nur ganz
schwachen Divergenz nach vorne. Ganz ähnlich ist es mit dem Verlaufe der entsprechenden Nähte bei Gavialis
(/angeticus, während diese Linien bei dem vorliegenden Exemplare von Tomistoma Sehlegelii anfänglich eine
entschiedene Wendung nach aussen nehmen, dann aber in ihrem längeren Theile geringe Convergenz auf-
weisen. '
In weiterer Folge wird das paarige Nasale durch das paarige Supramaxillare begrenzt. Die hiedurch
gebildeten Nähte (circa 29"" lang) lassen bezüglich ihres Verlaufes drei Abschnitte unterscheiden : zwei gleiche,
' Dieses Verhältniss ist auch ausgeprägt an der von lilainville gegebenen Abbildung. (Osteogr. Reptiles, pl. 2).
Diese Figur bringt aber andererseits die Begrenzung der Nas;ilia gegen die Intermaxillaria ähnlich zur Darstellung, wie die
von dem Aneinanderstossen von Frontale principale und der Nasalia in der Drühl'schen Copie hervorgehoben wurde,
während sich hierin das uns vorliegende Exemplar von Tomistonw Sehlegelii dem fossilen Reste sein- nähert.
2 Die Abbildung bei Blainville (1. e.) zeigt ein viel weniger tiefes Eindringen des Frontale principale zwischen die
Nasalia.
» Die von Blainville (1. 0.) vorliegende Abbildung, sowie auch die Brühl'sche Copie nach Burraeister von Tomi-
stoma Schhydii zeigen am Beginn dieser Nalit nicht nur eine Wendung nach aussen, sondern sie verläuft sogar zuerst ein
wenig nach rückwärts, nm dann die liichtuiig nach vorn mit geringer Convergenz lieiznbelialten.
JJJier einen Krokodil-Schädel ivus den Terfiärahldf/erimr/en von Efigenhun/. 309
kürzere, circa 7™ betragende, von denen einer hinten, der andere vorne liegt, und einen mitten gelegenen,
längeren (circa 10''"'). Im hinteren Absclinitte convergieren die Nähte, laufen im nüttleren parallel und weichen
dann am Beginne des \ orderen wieder etwas auseinander, um bald darauf wieder, und zwar bis an die heran-
tretenden Intermaxillarien parallel zu verlaufen. Bei Towistoma Schlef/elii (am vorliegenden Exemplare) messen
diese Nähte 9 ■ 3"" und verlaufen mit stetiger, minimaler Convergenz nach vorne. Bei Gavialis gangetirus ist
diese Convergenz beträchtlicher. Die Nasalia werden hier bis zu ihrem vorderen Ende in einer Länge von (im
Mittel") 1 2 • 2"" durch das Supramaxillare begrenzt.
Weitaus am interessantesten ist die Begrenzungslinie der Nasalia durch das paarige Inter-
maxi 11 are. Die Naht des Nasale mit dem Intermaxillare misst am fossilen Reste circa lO""" (Mittelnaht der
Nasalia := 36"") und verläuft mit stetiger Neigung nach einwärts bis zum sehr spitz zulaufenden Nasenbein-
ende. Das uns vorliegende Kopfskelett von Tomidonm Schlegelii zeigt ein ganz ähnliches Verhalten der in Rede
stehenden Nachbarknoehen: die bezügliche Nahtlänge misst l-ö"". * (Mittelnaht der Nasalia = 16-3'^".)
Bei Gaviaiia kommt es, wie schon erwähnt, zwischen Nasale und Intermaxillare zu keiner Berührung.
4. Das paarige Mastoideum.
Fossiler Rest Gavialis gangeticus Tomistoma SchJec/elii
Gesammtlänge (= geradlinige Entfernung des
hintersten Punktes des sich an das Tym-
panicum anlegenden Theiles von dem vor-
dersten Punkte gegen den absteigenden
Theil des Frontale posterius hin) .... 13-5"" 13 •C" 7-4""
(rechts)
Entfernung des erstgenannten Punktes von der
höchstgelegenen Stelle des Mastoideum . . ca. 8-9 5*8 3 '3
(links)
Entfernung der höchstgelegenen Stelle des
Mastoideum bis zum vordersten Punkte der
sich an den absteigenden Theil des Frontale
posterius anlegenden Partie des Knochens . 8-3 10- 1 4-6
Länge, gemessen am Margo cranii exteruus
(des Mastoideum) 5 -.5 G-7 3-8
Breite (in der Richtung des Margo cranii
posterior) ca. 5-5 7-1 2-6
Breite in der Gegend der Naht mit Frontale
posterius 2-3 2-3 1-8
(im Mittel)
Entfernung des hintersten Punktes der Naht mit
dem Occipetale latuale bis zur Naht mit dem
Parietale 9.8 10-1 4-4
(im Mittel)
Das linke Mastoideum ist recht gut erhalten; kleine Verletzungen hat es erlitten an der Verbindungsstelle
mit dem absteigenden Theile des Frontale posterius, am Margo cranii exteruus und an dem mit dem Parietale
in Verbindung tretenden Stücke.
Das rechte Mastoideum, das aus mehreren Bruchstücken reconstruiert werden nuisste, zeigt sich an der
Fossa auricularis stärker verbrochen ; hingegen ist der Margo cranii externus hier gut erhalten und auch die
Naht gegen das ganze Frontale posterius lässt an dieser Seite nichts zu wünschen übrig.
1 Auf die abweicheiule Daistelliiug dieser Stelle lici Biiilil uud Blainville wurde bereits hingewiesen.
310 Totihi — Kail.
In der ObenansiVlit ist etwa in der Begion der höchsten Stelle des Knochens eine sehr kräftige Sculptur
wahrzunehmen, ja es kommt unter anderen zur Bildung einer förmlichen Grube, in der man das vorderste Glied
des kleinen Fingers ganz gut einpassen kann (ungefähr l-B"" tief.) Am nächsten kommt dem fossilen Reste
hierin Crocodilus vulgaris; GaviaUs i/angeticus zeigt an dieser Stelle weniger starke Unebenheiten, und bei
Tomistoma sind die Gruben, ziemlich regelmässig vertheilt, in die fast horizontal sich erstreckende Fläche
eingesenkt.
In Folge des stark erhabenen hinteren Theiles des Margo cranii externus zeigen die beiden Knochen, das
paarige Mastoideum und das Parietale zusammengenommen, eine mählige Senkung gegen die Medianlinie,
ähnlich wie bei Crocodilus vulgaris; bei Tomistoma Sc/ilegclii senken sich die Mastoideen ganz wenig nach aussen
und bei GaviaUs gangeticus nimmt an dieser hier ganz merklichen Abdachung auch schon das Parietale Antheil.
In Bezug auf die Breite des quer nach einwärts (zum Frontale posterius) ziehenden Theiles des Mastoideum
steht der fossile Rest zwischen GaviaUs gangeticus und Tomistonia SchlegelU, und zwar dem ersteren näher.
Bei Gaoialis gangeticus misst das Mastoideum an dieser Stelle l-l"", bei Tomistoma Scli/egc/ii 1-4'''"; der
fossile Rest lässt eine genaue Messung hier zwar niclit zu, erreicht aber die Maasszahl des verhältnissraässig
kleinen Tomistoma SchlegelU nicht !
In der Ansicht von oben und aussen ist an dem Knochen sofort das Verhältniss des vorderen Abschnittes
zu seinem hinteren, sich an das Tympauicnm und Occipitale laterale anlegenden in die Augen fallend: dieser
ist etwas kürzer als jener. Bei Tomistoma SchlegelU übertrifft der vordere Abschnitt den hinteren um ein Bedeu-
tendes, bei GaviaUs gangeticus sogar um das Doppell e !
In der Seitenansicht zeigt das Mastoideum des fossile Restes bezüglich seiner Tiefe entschieden Krokodil-
charakter. Der Knochen misst nämlich vom äusseren, oberen Rande bis zu dem nach vorne von demselben
etwas divergierenden, unteren Kiele in maximo circa 2-8'""' (bei Crocodilus vulgaris circa 2 •4'™, bei mehr
parallelem Verlaufe der genannten Linien). Recht ähnlich ist dieses Verhältniss bei Gavicdis gangeticus; nur
nimmt die Tiefe bei dieser Art von hinten nach vorne rascher zu (von 1 • 4 auf 2 • 7™). Beim fossilen Reste kann
diese Tiefendimension des rückwärtigen Theiles nicht gut gemessen werden; sie beträgt aber jedenfalls mehr
als bei GaviaUs gangeticus, jedenfalls über 2''".
Bei Tomistoma SchlegelU misst die Tiefe des Mastoideum hinten 0-f), vorne 0-7''™. Der untere kielartige
Rand springt hier, besonders in der mittleren Partie des vorderen Kuocheuabschuittes hervor. Der Seitenabfall
der vorderen Hälfte des Mastoideum ist bei dem fossilen Reste steil, fast wie bei Crocodilus vulgaris, der Margo
cranii externus bis an das Frontale posterius wohl ausgebildet. GaviaUs gangeticus und Tainistoma SchlegelU
zeigen einen viel weniger steilen Abfall dieser Seite und den sich mit dem Frontale posterius verbindenden
Theil von oben zur Aussenseite abgerundet.
Noch erscheint über die Seitenansicht des Mastoideum erwähnenswerth, dass es sich an den absteigenden
Theil des Frontale posterius inniger anlegt, als bei GaviaUs gangeticus; die Naht ragt etwa bis zur Hälfte der
Breite dieses Fortsatzes vor, ähnlich wie bei Tomistoma SchlegelU; bei GaviaUs gangeticus nur bis zu einem
Drittel.
In der Occipitalansicht des Kopfes kommt es bei dem fossilen Reste nicht zur Bildung eines wohlausge-
bildeten, nach hinten deutlich vorspringenden Wulstes wie bei GaviaUs gangeticus und Tomistoma SchlegelU; es
schliesst sich der Rest darin wieder mehr an Crocodilus vulgaris an. Der Rückabfall der Knochen ist viel
weniger steil als bei allen hier in Vergleich gebrachten Arten.
Verbindungen des Mastoideum mit seinen Naehbarknochen.
Die Naht mit dem Frontale posterius ist ganz gut erhalten. Sie verläuft an der zur Bildung der
Fossa temporalis beitragenden Innenwand ein ganz kleines Stückchen (O-S''") zurück — bei Tomistoma beträgt
dieses Stück O-ß"^"", bei GaviaUs gangeticus 2-0™ — steigt dann ohne besondere Auszackungen diese Innen-
wand empor, zieht mit ganz schwacher Neigung nach vorne quer über den Dachtheil des Knochens und über
den Margo cranii externus, ohne stärker nach vorne abzuknicken, den absteigenden 'J'heil des Frontale poste-
über einen Kiolidilll-Sc/iädr/ ans dr/i Trr/iiir<i/)l(ttjt'riiii(jcii ron PJf/gcnlnuy. 311
rius eine Strecke (3- 6""", bei Gavkdw (jangetkus 3-7"'", bei Tomistoma ScJile(/elii 0-7''") hinab und biegt dann
zurück, um bald mit dem Tyuipanicmu in Verbindung zu treten. Bei Gavialis (jamjeticus biegt die Nalit, nacli-
dcm sie den Daclitheil des Knochens mit groben Zacken übersetzt hat, deutlich nach vorn ab, zu fast horizon-
talem Verlauf. Tomistoma ScJileijelH hält in Bezug auf den Verlauf dieses Theiles der Naht zwischen Gavialis
und dem fossilen Reste die Mitte.
Die kurze Naht mit dem Parietale ist, wie bereits einmal angegeben wurde, nicht deutlich zu
verfolgen.
Die Naht mit dem Tympanicum: Das Mastoideum tritt mit dem in die Fossa temporalis von unten
heraufgebogenen Theile des Tympanicum in geradlinige, von vorne nach hinten fast horizontal verlaufende
Verbindung. Diese Naht wird plötzlich abgebrochen durch eine am hinteren und äusseren Winkel der Fossa
temporalis befindliche Verletzung des Knochens. Aussen und vorne tritt das Mastoideum wieder in einer bogig
gegen die in ihren Wandungen ebenfalls verletzte Fossa auricularis hin verlaufenden Strecke mit dem Tym-
panicum in Contact. Der ganz vorne, besonders gut bei Gdrialls (juinjctirus, minder deutlich bei Tomistoma
Sclilegelii, an das Mastoideum herantretende innere Fortsatz des Temporale ist am fossilen Reste nicht wahr-
zunelimen: er ist, wie man aus der lieschatfenheit des Tympanicum au dieser Stelle schliessen kann, gar nicht
vorhanden gewesen.
In ihrem weiteren Verlaufe ist die Naht mit dem Tympanicum von der hinteren Wand der Fossa auricularis
an wieder gut zu verfolgen bis an das Occipitale laterale. Dieser Theil der Naht verläuft ganz analog wie bei
Gariulis (jangetiatfi etc. Dasselbe gilt auch bezüglich der Grenze des Mastoideum gegen das Occipitale
laterale. Diese Linie ist aber nur in ihrer äusseren Hälfte gut charakterisiert; in dem medianwärts gelegenen
Abschnitte ist sie nicht mehr scharf nachzuweisen. Es scheint aber, dass sie sich in stetiger schwacher Krüm-
mung gegen das zwischen Occipitale laterale, Mastoideum, Parietale und Occipitale superius befindliche Loch
hinzieht, und nicht, wie bei Tomistoma Schleijvlü und in noch höherem Grade bei Gavialis (/anyeticus, etwa in
der Glitte ihrer Erstreckung eine deutliche Ausbiegung nach oben und aussen bildet.
5. Das paarige Frontale posterius.
Fossiler Rest Gdoialia fffnii/eliciis Tomisluma Schteijdii
Länge des äusseren, freien Randes .... 4-5"" 5.3=01 2.5cm
Breite in der Nähe derNaht mit dem Mastoideum 2' 6 1-9 1-1
Breite vom vorderen Winkel der Fossa tempo-
ralis aus gemessen ca. 33 3*0 1-1
Entfernung der äusseren, vorderen, freien Ecke
von der Naht mit dem Frontale principale . ca. 2-5 4 1-5
Entfernung der äusseren, vorderen, freien Ecke
vom Nahtwinkel mit Parietale und Frontale
principale 4-8 6-3 ca. 1 ■ 8
Tiefe in der Fossa temporalis gegen die Naht
mit dem Mastoideum 1-5 2*0 0-3
Tiefe des Knochens aussen, in der Nähe des
absteigenden Theiles 3-2 2-6 1-0
Das linke Frontale posterius ist mit Ausnahme eines absteigenden Tlieiles, der fast ganz fehlt, ziemlich
gut crlialten. An der Unterseite ist der Knochen verletzt; es dürfte aber, besonders an jener Stelle, die bei den
receuten in Vergleich gebrachten f'rocodilinen vonTympanicum und Ala temporalis frei bleibt, nicht viel fehlen,
was aus dem in dieser Gegend auftretenden, noch deutlich zu erkennenden Loche zu entnehmen ist.
Das rechte Frontale anterius zeigt einen ähnlichen Erhaltungszustand wie das linke; nur ist hier auch ein
guter Theil der absteigenden, sich an den Fortsatz des Jugale anlegenden Partie des Knochens erhalten. Die
in der Fossa temporalis dem Parietale zustrebende Partie fehh.
312 Tuula — Kall.
In Bezug auf die Länge des Frontale posterius nimmt der fossile Rest eine Mittelstellung zwischen GaviaUs
ijuiKjeticus und Tuinistoina Scli/e(/elii ein. Bezüglich der Breite des Knochens, respcctive der Breitenzunahme
von hinten bis zum vorderen Winkel der Fossa temporalis schliesst sich der fossile Rest an GaviaUs (jumjetlcus
an (2-6"" auf 3-3""), wird aber darin von diesem noch übertroffen (von l-Q™ auf 3-0'""); bei Tomlstoma
Schleijelil sind diese Breiten fast einander gleich.
Recht auffällig ist am fossilen Reste, ähnlich wie bei Gurlalls (jamjetkus, das starke Vorspringen der
vorderen, äusseren Ecke, und der von hier aus gegen die Verbiuduugsnaht mit dem Mastoideum laufende,
kräftige, seitliche Wulst, unterhalb welchem links 3, rechts 2 Gruben sichtbar sind (^rechts ist eine durch einen
Bruch unkenntlich gemaelit), wahrscheinlich Mündungen von Ernährungslöchern.
Der Winkel, den die Seiten des Knochens an dieser Ecke einsehliessen, beträgt am fossilen Reste etwa
06°. Bei GaoiaUs (jangetlcus ist er = 90°, bei Tomlstoma ScJdeyelü aber viel stumpfer (123°).
In Bezug auf die Tiefe des Frontale posterius in der Fossa temporalis schliesst sich der fossile Rest enger
an GaviaUs gamjeUcus an als an Tomlstoma ScJtleyeHl. Dasselbe gilt hinsichtlich der Tiefe des Knochens aussen,
in der Nähe des absteigenden Theiles. Die etwas kleinere Masszahl für diese Dimension bei GaviaUs gangeticus
erklärt sich durch das Herabbiegen des seitliehen Theiles des Frontale posterius. Es wurde bereits erwähnt,
dass das Mastoideum stark auf die pars descendens des vorliegenden Knochens übergreift. Der Verlauf der
Naiit mit dem Mastoideum stellt es ausser Zweifel, dass an der Seite des Arcus temporalis superior unter dem
Mastoideum keine Leiste der absteigenden Theile des Frontale superius vorhanden war, die das Foromen
postorbitale (Brühl) oben begrenzen half wie dies etwa bei 'Tomlstoma SchlegeUi und noch deutlicher bei
GaviaUs gangeticus zu beobachten ist, wo diese Partie mit dem inneren Fortsatze des Temporale in Verbindung
tritt. Es wurde schon hervorgehoben, dass dieser Fortsatz am fossilen Reste nicht constatiert werden kann.
An der Bildung der Brücke zwischen dem Arcus temporalis superior und inferior scheint der absteigende
Antlieil des Frontale superius in ganz ähnlicher Weise beigetragen zu haben, wie bei GaviaUs gangeticus:,
wenigstens reicht am reconstruierten Schädel der erhaltene Rest dieser Brückenpartie aussen gut über ein
Drittel der ganzen Entfernung der beiden Bögen hinaus. Die Nähte des Frontale posterius mit
seinen Nachbarknoten anlangend: so ist diejenige mit dem Mastoideum bereits beschrieben
worden. In Bezug auf die Naht mit dem Frontale prineipale muss hervorgehoben werden, dass dieselbe
nur am vorderen Abfalle der beiden Knochen gegen die Orbita hin völlig sicher zu verfolgen ist, während sie,
wie schon einmal bemerkt wurde, an der Oberseite der Knochen nicht ganz sicher angegeben werden kann.
Interessant ist die Naht der Frontale posterius mit dem Tympanicum: Bei dem fossilen Reste
ist an der Aussenwaud der Fossa temporalis eine Nahtstrecke zwischen Frontale posterius und dem sich in die
Fossa von unten hereinwölbenden Theile des Tympanicum zu constatieren, die beiderseits in fast horizontaler
Richtung von dem Nahtwinkel zwischen Mastoideum und Tympanicum (0-9"°) nach vorne zieht. Bei Tomlstoma
Schlegeln und bei GaviaUs gangeticus treten die beiden Knochen in der Innenansicht von der Fossa temporalis
aus nicht in Verbindung.
In der Aussenansieht verbindet sich beim fossilen Reste und bei GaviaUs gangeticus das Frontale posterius
mit dem Tympanicum nicht; bei Tomlstoma ScltlegeUi hingegen legt sich das Tympanicum an das Frontale
posterius von unten her an, und lässt von letzterem einen schmalen Streifen zwischen sich und dem Ma-
stoideum frei
In der Untenansicht endlich verhalten sich der fossile Rest und Tomlstoma SrlilegeUl recht ähnlich, indem
der nach vorne ziehende Lappen des Tympanicum sich innig an das Frontale posterius anschmiegt, bei erste-
rem greift derselbe jedoch noch weiter vor als bei letzterem, wo dieser Lappen gegen die vom Mastoideum
zum Frontale posterius vorgeschickte Partie um circa 0-6"" zurückbleibt.
Bei GaviaUs gangeticus treten die in Rede stehenden Knochen auch in dieser Ansicht nicht in directe
Verbindung.
Von dem sich an das Frontale posterius und des Parietale anlegenden Theüe der Ala temporale fehlt am
fossilen Reste jede Spur; es ist aber die flachgrubige Vertiefung wohl erhalten, in der die Ala temporalis
3cm
W)cr ('inen Krohidil-Schiidal aun den Ti'riinrcfhlafjerungen von Eggenlnirg. 313
niittelist einer Scli uppeii Dalit mit dem Frontale posterius in Verbindung war, und es scheint,
dass iu Bezug auf die Art dieser Anlagerung der fossile Rest sich von den jetzt lebenden Crocodilinen nicht
wesentlich unterschieden hat.
6. Das paarige Tympänicum.
Fossiler Rest Gavialis (/angelicus Tomistoma Schlegelii
Länge, vom hinteren Ende dos inneren Knorrens
bis zu dem vordersten (erhaltenen ) Punkte des
aussen mit dem Mastoideum verbundeneu
Theiles (links) 14-5™ 13-6™ T-S"'
Entfernung vom hinteren Ende des cäusseren
Knorrens bis zu dem vordersten (erhaltenen)
Punkte des aussen mit dem Mastoideum ver-
bundenen Theiles ca. 16-9 12-5 8-3
Grösste Breite des in der Obenansicht frei-
bleibenden Theiles, senkrecht auf obige Di-
mension ; (die hinten iu der Fossa auricularis
sich oben an das Mastoideum anlegende
Knochenleiste nicht gerechnet) ca. 4-5 4-0 2*3
Breite des Condylus maxillaris ca. G 5-8 2*7
Entfernung des hinteren Endes des inneren
Knorrens (unten) bis zu dem vorderen, sich
in der Fossa temporalis an das Frontale
posterius anlegenden Theile ]7-3 15-3 8-3
Entfernung des inneren Knorrens des Condylus
maxillaris von dem hintersten Punkte des
Condylus occipitalis 12-0 10-4 5*4
Entfernung des äusseren Knorrens des Con-
dylus maxillaris bis zum hintersten (und äus-
scrsten) Punkte des Occipitale laterale . . 0-0 3-8 2*5
Am linken Tympänicum fehlt die äussere, dem Temporale zugewendete Ecke und damit auch der äussere
Theil des Condylus maxillaris ossis tympauici, ferner die die Ruckwand des Foromeu temporale bildende,
nach einwärts an dieAlsa temporalis angrenzende Partie grösstentheils (nur ein undeutlicher Rest dieser Partie
ist vorhanden), und endlich zwei, vermuthlich nur sehr kurz gewesene Knochenleisten in der Fossa auricu-
laris. Alle ubiigeu Tlieile des linken Tympänicum sind am fossilen Reste wohl erhalten.
Das rechte Tympänicum hat den inneren Knorren des Condylus maxillaris eingebüsst, während die dem
Temporale zugekehrte Partie intact ist. Die verloren gegangenen Theile sind dieselben wie am linken Tym-
pänicum, dann noch ein Stück des dem Pterygoideum zustrebenden Astes, sowie auch der vordere Abscluiift
des Knochens, der den Boden der Paukenhöhle bildet und sich im weiteren Verlaufe an das Mastoideum von
unten her anlegt.
Der vom Condylus maxillaris, dessen innerer Knorren nicht so stark nach abwärts gekrümmt ist wie bei
Gavialis gangeticus, bis zum hinteren, seitlichen Ende des Occipitale laterale ansteigende Theil des Tympänicum
ist beträchtlich länger (6'=™) als bei Gavialis gangeticus (3 • 8'"'). Das Verhältniss dieses Theiles zur (lesammt-
länge des Knochens (vom äusseren Knorren gemessen) ist
beim fossilen Reste wie 1:2-8
bei Tomistoma Schlegelii . . . „ 1 : 3 • 3
„ Gavialis gangeticus . . . . „ 1 : 3 • 3
Denkschriftau der matUeiu.-naturw. Cl. L. Uil. Abtiuudluugeu von NichtmitgUedöru. pp
314 Toula — Kail.
Das bei den recenten Ciocodilinen an diesem Knochentbeile und zwar nahe dem inneren Rande desselben
auftretende Foromen aereuni, in welchem der „Caiialis Stannii" Brühl nach hinten mündet, konnte an dem
Fossile nicht aufgefunden werden, ebensowenig macht sich in dieser Gegend, wie dies an den recenten
Crocodilinen der Fall ist, eine wulstartige, schief gegen das Occipitale laterale hinziehende, dem Verlaufe des
Canalcs entsprechende Erhabenheit bemerkbar; auch die vordere Mündung des Canales, die am äusseren
Umfange des Paukenhöhlenbodens liegen soll, lässt sich mit Sicherheit nicht angeben.
Der „Canalis temporalis" Brühl, (Canalis Fallopii Burmeister) ist linkerseits völlig erhalten. Seine
untere Hälfte ist furchenartig in das Tympauicum eingeschnitten, sein Dachtlieil wird vom Occipitale laterale
gebildet. Der medianwärts gelegene Rand seiner Mündung ist von dem inneren Knorren des Condylus niaxil-
laris circa 7 •5'^™ entfernt.
In der grossen Öffnung des Porus aeusticus externus ist nur eine Knochenleiste deutlich erlialten, die
mittlere, die die ganze Öffnung in zwei Hauptabtheilungen, eine hintere und eine vordere, scheidet. Die
hintere, sich in der Fossa auricularis an das Mastoideum anlegende Knochenleiste ist abgebrochen, ebenso ist
der Knochen an jeuer Stelle, wo er sich an den vorderen Tiieil des Mastoideum anlegt, etwas verletzt. In Folge
dessen lässt sich über die vorderste Knochenleiste nicht viel sagen. Ein von dieser Spange überwölbter Canal,
der sich an Tomistoma Schlegelii, auch an Grocodilus vulgaris etc. findet, scheint vorhanden gewesen zu sein,
eine in der Richtung des muthmasslichen Canales auftretende Vertiefung in dem Knochen lässt darauf
schliessen. Bei Gupialis gamjeiims fehlt dieser Canal. Das viel weitere Vorragen des Tympanicum in der Fossa
temporalis gegen das Frontale posterius als aussen gegen das Mastoideum wurde bereits früher angul'ülirt.
Auf der Unterseite zeigt der Knochen an seinem hinteren Theile einen bei GaviaUs gaiigeticus ganz tehlen-
den, bei Tomistoma Schlegelii aber ebenfalls vorhandenen Längswulst. Während derselbe aber bei letzterer
Species von vorne und von hinten gleichmässig zunimmt, und auch nach links und rechts gleichmässig ver-
läuft, schwillt er bei dem fossilen Reste nach hinten stärker an und steigt von aussen ganz allmäiig an,
während er nach innen zu sehr steil abstürzt.
Nähte des Tympanicum mit seinen Nachbarknochen.
Die Grenze des Tympanicum gegen das Temporale verläuft an der Unterseite fast geradlinig schief
nach einwärts, und zwar schliesst diese Naht mit der Medianlinie des Fossils einen grösseren Winkel ein
(circa 40°) als bei Toniistoma Schlegelii (circa 3.^°) oder gar bei Gaoialis gangeticus (circa 20°).
Die Länge dieser Linie beträgt circa 13-4™, ist also verhältnissmässig kurz im Vergleich zu den ana-
logen Strecken an Tomistoma Schlegelii (8-8™) und an GaviaUs gangeticus (15-2'""). Die relativ bedeutende
Länge der Naht bei diesen Arten rührt daher, dass das Temporale an seiner Innenseite einen langen Fortsatz
vorschickt, der bis an das Frontale posterius reicht, und besonders bei GaviaUs gangeticus auch an der Unter-
seite bis nach vorne sehr mächtig entwickelt ist, während am fossilen Reste diesbezüglich ein ganz ähnliches
Verhältniss herrscht wie bei Grocodilus vulgaris, d. h. dieser Fortsatz des Temporale das Tympanicum uiciit
bis nach vorne begleitet und das Frontale posterius daher nicht erreicht.
An der Oberseite des Schädels verläuft die in Rede stehende Naht vom Aussenrande des Condylus maxil-
laris zuerst eine Strecke geradlinig schief nach einwärts (circa 7-5™) — bei GaviaUs gangeticus beträgt diese
Länge 4-1'"", bei Tomistoiua Schlegelii 2-3"" • — biegt hierauf unter einem Winkel von etwa 100° nach aussen,
behält die neue Richtung auf eine Länge von circa l-G"'" bei, um dann wieder nach vorne umzubiegen, und
mit der Anfangsrichtuug ungefähr parallel, bis zu ihrem Vorderende ziemlich gerade hinzuziehen. Dieses
Vorderende bleibt vom Mastoideum 3"" entfernt, wodurch sich der fossile Rest, wie schon angedeutet, von
Tomist oma Schlegelii und GaviaUs gangeticus unterscheidet.
Die Naht des Tympanicum mit dem Mastoideum ist au der Aussenseite der Fossa auricularis
ein Stück gut zu verfolgen. Dieselbe geht dann am unteren Rande des Arcus temporalis superior in die Naht
mit dem Frontale posterius über, umschliesst als solche den an letztern Knochen sich anlegenden Lappen des
Tympanicum, und ziclit, nun wieder die Grenze gegen das Mastoideum bildend, an der Aussenwand der Fossa
über einen Krokodil-Si-liädel ans den Teiiiäfahlugenin.fjen ro)i Effgeidmir/. 315
temporalis, vom oberen Rande ungefähr l-b"" entfernt, nach rückwärts, bis zu der verbrochenen Stelle des
Tyrnpanicum. Die Naht des Tympanicum gegen den hinteren Abschnitt des Mastoidcuni, von der Hinterseite
der Fossa auricularis an, verläuft ganz ähnlicli wie bei den vorliegenden recenten Crocodilinen.
Vom hintersten Ende des Mastoideuni zweigt die Naht mit dem Occipitale laterale ab, von der
man schon in der Seitenansicht des Schädels ein verhältnissmässig grosses Stück gewahr wird (1-2'"" beim
fossilen Reste, 0-7™ bei Gavkdis ijaiujetirus, fast nichts bei Tomistoma ScMeyelii).
Die Naht zieht unter dem Knorren des Occipitale laterale hinweg zur Schädelhinterseite, wird in einer
Entfernung von circa 3-3"" vom Knorren nach einwärts von der Mündung des „Canalis temporalis" unter-
brochen, zieht jenseits dieser Mündung scharf am unteren Rande des Occipitale laterale medianwärts bis zum
„Foramen caroticum" (Owen, Stannius), das beim fossilen Reste wie bei Crocodüus vulgaris knapp am
Rande des Occipitale laterale liegt. Schon bei Tom.istoJiia Srli/ege/H weicht die Naht an diesem Orte etwas
nach vorne von dem Rande ab, so dass derselbe hier vom Occipitale laterale allein gebildet wird; viel mehr
aber weicht sie bei Gavialis gangeticus ab, die Entfernung der Naht bis zur Mündung des Canalis coroticus
beträgt hier bereits 1™ !
Die Abgrenzung des Tympanicnm gegen das Sphenoideum basilare, und die anderen an der Unterseite
des Schädels noch mit demselben in Contact stehenden Knochenfragmenten lässt sich zuverlässig nicht
angeben.
Der hinterste querliegende Thcil des Tympanicum bildet den von diesem Knochen allein gebildeten
Gelenkskopf für die Maxiila inferior.
7. Das paarige Temporale.
Fossiler Rest Gavkdis i/anr/eticus Tomistoma Schlegelü
Grösste Länge IS-S"" 14-5'^'" S-ö""
Länge bis zum Hinterrand des Foramen post-
orbitale ca. 11 9-0 5-7 aussen
6-2 innen
Entfernung des hinteren Knochenendes bis zur
Naht mit dem Jugale (am Aussenrande) . . 6 1 3-7 1-3
Breite vorne 4-0 3-6 1-5
(am Bcgiuü (1. Gabehing) (am Boginn d. Gabuluug)
Breite vor dem Nahtknie 2-3 2-5 0-8
Breite vom innersten Punkte des Nahtknies aus 4-8 3-9 1-6
Vom linken Temporale fehlt am fossilen Reste der hintere Theil vollständig, der vordere Theil ist gegen
das Foramen postorbitale hin verletzt; trotzdem ist auf dieser Seite ein Rest des inneren, sich an das Tym-
panicum anlegenden Zacken erhalten, der eine Abgrenzung des Knochens nach vorne zulässt.
Das rechte Temporale ist mit Ausnahme des verbrochenen Vorderrandes völlig iutact. Das Temporale
hat am fossilen Reste jedenfalls nicht soweit gegen die Gelenksfläche des Tympanicum zurückgereicht als au
Tomistoma Schlegelü und an Gavialis gangeticus.
Besonders auffällig ist aber bei dem vorliegenden Reste der bedeutende Antheil, den der Knochen an der
Bildung des unteren Randes des Arcus temporalis inferior nimmt — 6-r"' gegen 3-7 bei Gavialis gangeticus und
l-3°™ bei Tomistoma Schlegelü.
In der Gesammtlänge des Temporale wird der fossile Rest vom Gavialis gangeticus übertroffen, da bei
Ictzterm noch mehr als bei Tomistoma der innere Zacken des Knochens nach vorne reicht; in der Länge des
soliden Antheiles übertrifft das Temporale des Restes jenes von Gavialis merklich. Bezüglich des inneren
Zackens — der an den vorliegenden recenten Crocodilinen frei in das Foramen postorbitale hineinragende ist
nicht anzugeben — schliesst sich der fossile Rest enger an Crocodilua vulgaris an als an die anderen zwei in
Vergleich gezogenen Arten.
PI'*
316 To 1(1(1 — Kall.
Die Breite der hinteren Hallte der tioliden Partie des Knochens beträgt am fo.sxilcn Keste, sowie auch an
Tomistoma Schleijeln gut das Doppelte der Breite der vorderen Hälfte dieses Abschnittes; bei Guviaiin
(fanyeticus ist die Breitenzunahme nach hinten nicht so beträchtlich (von 2-5"" auf 3-9"").
Von den Nähten des Temporale mit seinen Nachbarknochen
ist jene mit dem Tympauicum bereits beschrieben worden. Ausser mit dem Tympanicum konmit an dem
fossilen Reste das Temporale, ganz so wie bei CrocodÜKs vulyaris nur noch mit dem Jugale in Berührung.
Diese Naht geht aber vom äusseren Rande des Knochens nach vorne zuerst mit einem schwachen Bogen nach
innen, dann mit einer noch viel schwächeren Biegung nach aussen; an der Unterseite ist der Verlauf der
Naht mit jenem an der Oberseite ziemlich correspondierend , lässt aber eine zw eimalige Krümmung nach
innen erkennen
8: Das paarige Jugale.
Fossiler Rost GavIaUs f/aitgeticus Tomistoma ScMiyelii
Länge "^0^26"^^^" ^~'^2i"'' " "~"^^"" "
Entfernung des hinteren Endes bis zum Vorder-
rande des grossen Gefässloches unmittelbar
hinter dem aufsteigenden Theile des Kno-
chens (Processus frontalis) 10-8 V6-1 7-0
Breite vom Vorderrande derNaht mit demTem-
porale gemessen .. 3-2 1"6 1-3
Breite unmittelbar hinter dem Processus fron-
talis gemessen 3-2 2-3 1-4
Breite (grösste) vor dem Processus frontalis . ca. 5-8 5-8 2-8
Am linken und rechten Jugale fehlt ein Stück Knochen in der Gegend des Überganges in den Schnauzen-
theil des Schädels. Das Vordereude des linken Jugale ist vorhanden, am rechten fehlt auch dieses. Das
rechtsseitige Jugale zeigt einen Theil der Schuppennaht mit dem Supramaxillare. Vom Processus frontalis ist
beiderseits nur die untere Partie vorhanden.
Die verhältuissmässig geringe Länge des Knochens vom Hinterende bis zum Processus frontalis hängt
damit zusammen, dass er vom Hinterende des Temporale um mehr als 0°™ entfernt bleibt. In Bezug auf die
Breite des Knochens in seinem hinteren Theile schliesst sieh der fossile Rest mehr an Tomistoma Sclileijeli
an als an GaviaUs, von dem er sich im ganzen Baue dieses Knochens unterscheidet. Während nämlich bei
Gavialis gangetkus das Jugale bis unter den Processus frontalis an Breite nur unbeträchtlich zunimmt und erst
eine Strecke vor demselben und dann aber fast senkrecht zu dem Seitenraude der Orbita hoch emporstrebt, ist
die Breitenzunahme beim fossilen Reste ein stetiger, wenn es auch noch nicht, wie bei Tomifsfoma Schlegelii,
bereits unter, ja schon hinter dem Processus frontalis zur Bildung eines aufwärts ragenden Kieles kommt.
Von dem aufsteigenden Theile an biegt der Oberrand in sanfter Krümmung in die Höhe, um dann im Niveau
des hinten stärker aufgewulsteten Lacrymale zu bleiben. Das Jugale erreicht eine grösste Breite, die jener an
Gavialis gangeticvs gleich ist (etwa 5-8""). Im Allgemeinen stellt sich der fossile Rest in Bezug auf die Form
seines Jugale zwischen Tomistoma Schlegelii und Gavialis gangeticus.
Von den Nähten des Jugale mit seinen Nachbarknochen wurde bereits jene mit dem Tem-
porale besprochen. Von den übrigen lässt sich nicht viel angeben, da die Verbindungsstellen mit den
angrenzenden Knochen grösstentheils verletzt sind (gegen das Frontale posterius, Supramaxillare, Lacrymale),
theils diese Knochen sich nur in kleinen Resten vorfinden (Transversum, von dem beiderseits an der Innenseite
des Jugale das hintere Ende mit dem hier beschriebeneu Knochen in Verbindung geblieben ist).
Das an dem Jugale von oben und aussen sichtbare Gefässloch am Grunde des Processus frontalis hat
linkerseits grössere Dimensionen als rechterseits.
über einen Krokodil-Schädel aua den Tertiärabluyerunf/en von E(j()enhurcj. 317
9. Das paarige Frontale auterius.
Fossiler Rest Gavialis yaugelicus Tomistitma Schlegeln
Länge 7-4'='° 6-5™imMittel d-b"^
Breite (grösste) des zwisclienNnsale undLacry-
male gelegenen Theiies 1-3 23 1'3
Länge dieses Theiies 3-7 2 • 8 im Mittel 2 • 1
Am linken Frontale auterius fehlt der der Orbita zugekehrte Theil, vom rechten ist nur die schmale,
zwischen Nasale und Lacryniale sich einkeilende Partie des Knochens erhalten.
Der nach aussen gewendete Rand dieser Partie des Frontale anterius liegt tiefer als der dem Nasale
zugekehrte. Es nimmt der in Rede stehende Knoclien nämlich bereits Antheil au einer Wölbung, die haupt-
sächlich von den hinteren Enden der Nasalia und dem von ihnen eingeschlossenen Vorderende des Frontale
principale gebildet wird und die in der Medianlinie culminiert. Dieselbe findet sich, aber auch nicht annähe-
rungsweise gut entwickelt, nur bei Gavialis gangeticus vor; bei Tomistoma SchUgelii ist diese Schädelpartie
ganz flach.
Die Naht mit dem Nasale wurde bereits angegeben; jene mit dem Frontale principale verläuft
(3"5'^"') nach rückwärts, mit der Medianlinie fast parallel und biegt dann fast reclitwiuklig nach aussen ab.
Darin steht der fossile Rest dem Tomistoma Schlegelii viel näher als dem Gavialis gangeticus^ bei welchem
sclion der vordere Abschnitt dieser Naht nach rückwärts sehr stark divergiert.
In Bezug auf die grösste Breite des zwischen Nasale und Lacrymale liegenden Knocheutheils im Ver-
hältniss zur Gesammtlänge des Frontale anterius, weicht der fossile Rest von beiden genannten Arten wesent-
lich ab ; im Hinblick auf das Verhäitniss der Länge dieses Stückes zur Gesammtlänge des Knochens steht der
Rest aber zwischen Gavialis gangeticus und Tomistoma Schlegelii.
Anmerkung. Von dem zum Palatiniim hinabragendeu Theile des Frontale anterius ist linkerseits ein Rudiment wahr-
zunehmen.
_ 10. Das paarige Lacrymale.
Fossiler Rest Gavialis r/atigäicus Tomistuma Schlegelii
Länge vom vordersten Orbitarande au ... 9 •8'="' 9-7'='» 7-l'^°'
Breite, grösste 4-2 3-5 2-0
Das linke Lacrymale ist bis auf den hintersten Theil, der den knöchernen Vorderrand der Orbita bildet,
erhalten. Am recliten Lacrymale fehlt vorne die seitliche, dem Jugale zugekehrte, hinten vom Randtheile die
innere, dem Frontale anterius benachbarte und wenig von der äusseren, an das Jugale .'inschliessenden Partie.
Das Lacrymale ist bei dem fossilen Reste breit-zungenförmig entwickelt, nach vorne nicht besonders
verschmälert, es erstreckt sich von hinten ziemlich gerade nach vorne.
Das Verhäitniss seiner Breite zur Länge ist hier
etwa := 1:2-3,
bei Gavialis gangeticus zr . . .1:2-8,
„ Tomistuma tSchlegelii := . . .1:3-5.
In Bezug auf die Länge des Lacrymale steht der fossile Rest dem Gavialis gaiigi'liius näher als Toiiiisfoma
Scltlcgelii.
Diese Länge verhält sich zur Länge des Kopfes (vom Hinterende des Parietale gemessen)
bei Gavialis gangeticus . . . wie 1:7-7,
beim fossilen Reste . . . . „ 1:7-4,
bei Tomistoma Schlegelii . . „ 1:59.
318 Toula — Kail.
Am Orbitarande zeigt das Lacrymale des fossilen Restes eine sehr starke Aufwulstung; allerdings steigt
dieser hintere Theil des Knochens nicht so stark und weitaus nicht so plötzlich und steil an, wie bei Gavialis
(janyetirus. Bei Tovnsfoma ScMe(/eIn schwillt der Knochen gegen seinen Orbitarand kaum an.
Der Canalis lacrymalis ist am fossilen Reste beiderseits nicht mehr ganz erhalten ; seine obere Hälfte ist
in Gestalt einer tiefen Furche wahrzunehmen. '
Die erhaltenen Theile der Nähte des Lacrymale mit seineu Nachbarknoehen haben, der bereits
hervorgehobenen Form des Knochens entsprechend, einen sehr einfachen Verlauf. Im Grossen und Ganzen
scheint der Umriss des Knochens jenem bei Crocodilus vulgaris am nächsten gekommen zu sein, am vorderen
Theile ganz sicher; denn es zeigt sich der spitze Verlauf der Nähte nicht, wie er an den anderen in Vergleich
gezogenen recenten Crocodilinen gefunden wird ; und was den hinteren Theil des Knochens anbelangt, so hat
sich derselbe gewiss nicht so stark • — wenn überhaupt — nach aussen gebogen, wie an Gavialis gangeticus.
Aussen ist die Verbindungsnaht mit dem Supramaxillare, sowie jene mit dem Jugale, letztere nur
theilweise, erhalten.
Die innere Begrenzung des Lacrymale ist in Anbetracht des Verhältnisses der den einzelnen Nachbar-
knochen zugewendeten Nahtstrecken interessant. Das Nahtstück mit dem Supramaxillare misst 2-5'="', das mit
dem Nasale S-S"", jenes mit dem Frontale anterius endlich mindestens ebensoviel (ist nicht vollständig
erhalten). Bei Gauialis gangdicuf! misst das erste Stück 2-4, das zweite nur 1-5 (im Mittel), das dritte circa
6-5"". Bei Tomidoma Sclihgclii tritt das Lacrymale an seiner Innenseite mit dem Supramaxillare gar nicht
in Verbindung; das Nahtstück mit dem Nasale misst hier 5-3 (!), jenes mit dem Frontale anterius 2-4'^'".
11. Das paarige Supramaxillare.
Fossiler Rest Gavialis yangeticus Tomistoma Schlegelä
Länge, vom Vorderrande des Foramen palati-
num an SO«" 47 • ^'^'^ 22™
Länge, vom Hinterrande des vorletzten Ober-
kieferzahnes an 45 48 25
Entfernung des Hinterrandes des vorletzten
Oberkieferzahnes bis zu dem von unten sicht-
baren Nahtende mit dem Palatinum . . . 6-9 4 im Mittel 3-6
Länge der Mediannaht auf der Unterseite . . ca. 25-5 31 19*
Entfernung der Aussenränder der Supramaxil-
laräste hinter dem vorletzten Oberkieferzahnc 18-6 16-8 7*6
Breite (doppelte) hinter dem 8. Oberkieferzahne 9-0 7-0 3-2
9 -0 hinter d. 16.
!> n »„l- „ 7-3 6-6 2-8
,) „ in der Bucht zwischen Supra-
maxillare und Intermaxillare 5-4 6-5 2-3
Tiefe des Supramaxillare am Hinterende des
Intermaxillare 4 4-1 2
Tiefe am Vordereude des Lacrymale .... 4-2 5-4 2-5
Oberkieferzähne 15? 24 16
Von dem paarigen Supramaxillare felilt beiderseits das hinterste, sich zwischen das Jugale und Trans-
versum einschiebende Stück. Auf der linken Seite kann man aber die Stelle, an der das Transversum von
1 An dem vorliegenden Exemplare von Gavialis r/angeticiis ist aussen vom Orificium posterius des Canalis lacrymalis ein
demselben an Grösse völlig gleich kommendes Gefässloch wahrzunehmen.
- Mit Vorbehalt; es wurden n<ämlich die sich vom Vorderende des Palatinum zwischen die Intermaxillaria einschieben-
den Knöchelchen (?) nicht berücksichtigt.
Wier einen Krokodil- Schädel aiifs den TaiiäraUdgerunr/en von Ef/c/cn/nvg. 319
unten und innen her mit dem Knochen in Verbindung stand, ganz gut wahrnehmen. Diese Tliatsaehe und das
ganze Veihältuiss des Siipramaxillare zum Jugale und Trausversum lassen die Annahme zu, dass die hinterste
erhaltene Alveole dem vorletzten Oberkieferzalin angehört.
In Bezug auf die Länge des Supramaxillare vom Vorderrande des Foramen palatinum au steht der fossile
Rest zwischen Tomistoma ScJileyelü und Guviid.is yangeticus, ersterem aber näher als letzterem.
Das Verhältniss dor Länge des Supramaxillare (vom Foramen palatinum an") zur Länge des Kopfes (vom
Hinterrande des Parietale an) ist :
bei Tomistoma Schlegelü . . wie 1:1-9,
beim fossilen Reste . . . . „ 1:1'87,
bei Gavialis gangeticus ... „ 1:1' 65,
Von oben gesellen, fällt die bedeutende Breitenzunabme des Supramaxillare von vorne nach rückwärts
auf; so beträgt beim hinteren Ende des Intermaxillare die Breite 3-2'''", in der Nähe des Voreudes des Lacry-
male 6-4''"', als das Doppelte. Bei Gavialis gangeticus misst das Supramaxillare an den bezeichneten Stellen
3-4'"'", respective 3-7"" (hat beim Vorderende des Nasale 4-U die grösste Breite), bei Tomistoma Schkgdii l-S""
und 1-5™.
An der Unterseite zeigt das Supramaxillare von rückwärts bis fast nach vorne verlaufend einen nicht
überall gleich hohen Wulst, der die /.ähnetragende Partie von der inneren scheidet. Ein solcjier, jedoch mehr
kielartiger Wulst findet sich auch bei Tomistoma SchlegelU, nur fehlt er hier am rückwärtigen, das Foramen
palatinum aussen begrenzenden Tlieile des Knochens; bei Gavialis ist ein derartiger Wulst nur an jener Stelle
zu finden, wo der seitliche Ast an das Forameu palatinum herantritt. Der innere Theil des Supramaxillare
bildet mit seinem Nachbar gegen die verhältnissmässig kurze Mediannaht eine Rinne und diese Naht lieg-t im
Allgemeinen tiefer (der Oberseite näher) als die Innenränder der Alveolenmündungen.
Bei 6raOTV/7«s (/aw(/e<j«<s steigt die Unterseite gegen die Mediannaht hin im Bogen an; der Schnauzen-
querschnitt ist elliptisch. Die Mediannaht liegt infolge dessen merklich höher als die Mündungen der Zahn-
alveolen. Tomistoma SrhlegeJü steht diesbezüglich zwischen dem fossilen Reste und Gavialis.
Die an der Seite der Schnauze in der Gegend des Zusammenstosses von Supramaxillare und Inter-
maxillare befindliche Bucht, die „incisura dentalis", ist bei dem fossilen Reste viel deutlicher als bei
Totnistoma Schlege/ii; so plötzlich nach einwärts gebogen und daher so auffällig wie bei Crocodilus vulgaris
ist diese Einschnürung jedoch nicht.
Zahnalveoleu sind au Supramaxillare jederseits fünfzehn, die hinterste nur undeutlich erhalten. Die
Alveolen sind im Allgemeinen im vorderen und mittleren Theile des Supramaxillare voneinander weiter entfernt
als im hinteren Theile. So messen beispielsweise die Abstände zweier Alveolen 1-8, 2-4, 2-(J, 2-9"" in der
ersteren und im Durchsclinitte circa 1™ in der letzteren Region.
Der Vorderrand der Alveole des ersten Oberkieferzahnes steht vom Hinterrande des letzten Zwischen-
kieferzahnes 4-9''" weit ab.
Die Fossae dentales zwischen den Alveolen, zur Aufnahme der Spitzen der Unterkieferzähne bei
geschlossenem Manie bestimmt, sind gut ausgebildet.
Alle diese Verhältnisse finden sich bei Tomistoma Schlegelü mehr weniger wieder: Zahnzahl 16, vorne
Abstände der Alveolen von 1-4 bis 1-9"", hinten solche von 0-5, 0-7""; Abstand der vordersten Alveole des
Oberkiefers von der hintersten des Zwischenkiefers 1-6™; die Fossae dentales deutlich, relativ tiefer als am
fossilen Reste, zwischen 4. und 5. Supramaxillarzahn deren zwei ! Der 5. Zahn des Oberkiefers ist hier der
stärkste; beim fossilen Reste scheint der 6. am kräftigsten gewesen zu sein.
Weitaus anders gestalten sich diese Verhältnisse bei Gavialis gangeticus. Das vorliegende Exemplar
besitzt 24 Supramaxillarzähne jederseits, zeigt keinen besonders auffallenden Unterschied in Bezug auf die
vorderen und hinteren Alveolenentfernuugen und eine Fossa dentalis ist nur zwischen dem ersten und zweiten
Zahne sichtbar.
320 Toida—Knll.
Von den Zähnen ist bei dem fossilen Reste im Supraniaxillare linkerseits der 6. und 8., rechterseits der
3., 5., 6., 7., 8. und 11. erlialten.
Die Zähne sind sanft nach einwärts gebogen, mit einem braunschwarzen Email versehen, äusserst zart
längsgestreift, vorne und rückwärts kommt es zur Bildung einer etwas stärkeren Rille. Der Querschnitt ist
elliptisch mit sagittalem Verlauf der längeren Axe. Die Zähne von Tonmtoma Schltyclii und Crocodilus i'uhjaris,
die eine ähnliche Stellung zeigen wie jene am fossilen Reste, sind viel deutlicher zweischneidig und gröber
längsgestreift als die des vorliegenden Restes. Bei Gavialis gangeticus, der ebenfalls ausgesprochen zwei-
schneidige Zähne besitzt, ist die Längsaxe des Zahnquerschnittes sehr schief nach einwärts gelegen.
Nähte des Supramaxillare mit seinen Nachbarknochen.
Die Naht verläuft an der Aussenseite des Jugale, biegt an der Spitze desselben um und zieht eine kurze
Strecke nach rückwärts (1™), bildet dann, wieder nach vorne laufend, die Grenze gegen das Lacry-
male, von dessen Vorderende sie abermals nach hinten umbiegt (circa 2"5™') gegen das Nasale hin. Von hier
aus bildet die Naht auf etwa 24™ die Grenze zwischen Supramaxillare und Nasale. In derselben
Richtung, der Medianlinie ziemlich parallel, läuft anfänglich die Grenze gegen das Intermaxillare (8'""'),
später wendet sich dieselbe aber schief nach vorne und abwärts, in die Incisura dentalis. Das vordere Ende
dieser Naht ist bereits auf der Unterseite gelegen.
Die angegebenen Nahtschlingen zwischen Jugale und Lacrymale, dann zwischen Lacrymale und Nasale
kommen bei Tomistoma Schlegelii nicht vor. Gavialis gangetir.us zeigt diesbezüglich ein ähnliches Verhältnis«
wie der fossile Rest.
Der zurücklaufende, schief zur Mediannaht hinziehende Theil der Naht zwischen Intermaxillare
und der Gaumenplatte des Supramaxillare misst etwa 7™ (9-3 bei Gavialis, 'd-Q""^ bei Tomistoma
ScJilegelii. Über die Form dieser Gaumennaht wurde bereits gesprochen (Auffällige Merkmale am Kopf-
skelett c. 1").
Die Naht zwischen Supramaxillare und Palatinum geht vorn vordersten Punkte des Foramen
paliitinum schief nach rück- und einwärts (2-P"') unter einem Winkel von beiläufig 45° gegen die Medianlinie,
biegt dann, 1-8'''" von der Mediannaht entfernt, nach vorne, bildet hiebei in ihrer liinteien Hälfte einen flachen
Bogen nach einwärts und zieht endlich ziemlich geradlinig fort bis zum Vorderende, unter einem Winkel von etwa
30° gegen die Mittelnaht geneigt. Bevor sie aber die Mittelinie erreicht, biegt sie mit einem scharfen Knie
nach rückwärts und umgrenzt so zwei kleine Fortsätze des paarigen Supramaxillare, die sich zwischen das
links- und rechtsseitige Palatinum einschieben. Bei Gavialis gangeticus ist der Verlauf dieser Naht ähnlich; sie
beschreibt aber in ihrem hinteren Theile einen ganz flachen Bogen nach aussen, um weiterhin geradlinig zur
Mediannaht hinzuziehen. Bei Tomistoma strebt diese Naht von ihrem hinteren Winkel sofort geradlinig der
Mediannaht zu.
Am hintersten Ende des linksseitigen Supramaxillare ist, wie bereits erwähnt wurde, die Verbindungs-
stelle mit dem Transversum deutlich ersichtlich.
12. Das paarige Intermaxillare.
Fossiler Kest Gavialis gangeticus Tomistoma Schlegdii
Gesammtlänge — 23'""
Länge von hinten bis zum Vorderrande der
Nares externae ca. 25""" —
Länge von hinten bis zum Hinterende der
Nares externae 19 14-7
Länge an der Unterseite : von hinten bis zum
Vorderrande der Alveole des (von hinten ge-
rechnet) 3. lutermaxillarzahnes 16-5 13-8 8-6
1.5 •3™
14
12-0
beim fossilen Reste. .
von 5-3"" auf 7 •4'-'
bei Tomistoma Schlegeln
„ 2-3 „ 3-3
„ Gavialis (jangeticus
„ ß-5 ,, lU-0
tJher einen Krol'odll-Seliiidel ans den Teffiöjyi/iJrujeruii.geii von Ef/gen/jiny. 321
Fossiler Rest Gavialis gangeticus Toiiiistoma Schhgelii
Breite (giösste) etwa in der Mitte der Nares
externae (doppelt) 7 •4™ 10-0™ 3-3"="
Breite (geringste) an der seitliclien Grenze
gegen das Supramaxillare 5-3 6-5 2-3
Grösste Breite des zwischen Nasale und Supra-
maxillare eingekeilten Tbeiles { einfach) . . 1-2 — 0-2
Das paarige Interinaxillare ist nur an seinem vorderen Ende verletzt, das rechte stärker als das linke.
Die Alveole des vordersten Zahnes fehlt gänzlicli, jene des zweiten Zahnes ist noch theilweise erhalten.
Die Breitenzunahnic der Intermaxillarien von der seitlichen Bucht gegen vorne ist nicht sehr beträchtlich:
bei einer Entfernung der Breitenzunalime auf 1 '" Entfernung
schmälsten v. il. breitesten .Stelle dieser beiden Stellen
ca. 9-5™ =0-2™
„ 4-5 =0-2
„ 5-5 =0-G
Es fehlt dem fossilen Reste also die starke löffelartige Verbreiterung des Schnauzenendes.
Die hintere Grenze der Nares externae ist am fossilen Reste scharf ausgeprägt; sie verläuft quer über die
Medianlinie, darin Crocodilus vulgaris viel näher kommend als Tomistoma ScJdegelii, bei dem der Iliuterrand
des Nasenloches nicht scharf begrenzt und stark nach rückwärts gezogen ist, so dass die Gesammtunigrenzuiig
eine birnförmige Gestalt bekommt. Nach rückwärts, zwischen Nasale und Supramaxillare sich einzwängend,
läuft das Intermaxillare in einem etwa 8™ langen in maximo 1-2™ breiten Fortsatz aus.
Die Gaumenseite des paarigen Intermaxillare lässt vorne das Foramen incisivum durch einen Ausschnitt
der Gaumenplatte des jederseitigen Knochens gebildet, gut erkennen. Dieses Loch ist am fossilen Reste
merklich grösser als beim vorliegenden Exemplare von Gavialis gangeticus.
Nach aussen und etwas nach vorne hievon ist eine Grube erhalten (Fossa dentalis). Sie liegt wie auch bei
Gavialis gangeticus nach einwärts von der 4. Intermaxillaralveole (von hinten gerechnet). Bei Tomistoma
Schlegeln liegt dieselbe vor- und einwärts von dem 3. Zwischenkieferzahne.
Eine ähnliche, aber viel stärker ausgebildete Grube kommt beim fossilen Reste auch vor der (von hinten
gerechnet) 2. Intermaxillaralveole vor; sie hat fast denselben Durchmesser wie die Alveolenmündung. Bei
Tomistoma Schlegelü ist diese letztere Grube gleichfalls vorhanden, erreicht aber den Alveolendurchmesser
nicht.
Nach rückwärts reicht das Intermaxillare bei dem fossilen Reste bis zum vorderen Rande der 2. Zalin-
alvcole des Supramaxillare; bei TomisloDia Schlegdü bis zum Hinteriande derselben Alveole, bei Gavialis
gangeticus bis zum Hinterrande des 4. Supramaxillaizahnes.
Die Gaumenseite zeigt wieder die schon beim Supramaxillare erwähnten Wülste. Die Mediannaht liegt
hier nicht mehr so vertieft wie bei den Oberkieferknochen; es herrscht diesbezüglich vielmehr genau das
Verhältniss wie bei Tomistoiiia Schlegelü, indem zwischen der Nalit und dem beiderseitigen Wulste eine flache
Rinne nach vorne zieht.
Was die Zähne' des Intermaxillare betrifft, so sind, wie bereits bemerkt, die Alveolen von vier
solchen constatiert; die Schnauzenspitze, die bei dem fossilen Reste ganz gewiss, wie bei allen anderen Croco-
dilinen einen Zahn trag, ist leider völlig verletzt. Im Zwischenkiefer befanden sich somit jederseits fünf
Zähne, wie bei Gavialis gangeticus, wie bei Crocodilus vulgaris und nicht wie bei Tomistoma Scldegeüi vier!
1 Im linken Intermaxillare sind (von hinten gerechnet) vom 2. und 3.. im rechten vom 3. Zwischenkicf'erzahn in der
Alveole steckende Bruchstücke erhalten.
DenkschrUten der maUiein.-naturw. Gl. L. BJ. Aljluiadliingeu von Nichtmitglieilern. Qq
322 Toula — Kail.
Die Abstände der drei biuteren Alveolen sind wieder gross, 2-2'"°, respective 2-4™ von Rand zu Rand;
die (von hinten gerechnet) 3. Alveole steht von der 4. kaum 0-5™ ab. Ganz äbuliob ist es bei Gavialis gangeticiis
und bei Crocodilus vulgaris. Bei Tomistoma Scläegelii fehlt dieser vierte Zahn. '
Nähte des Intermaxillare mit seinen Nachbarknochen.
An der Dachseite läuft die Mediannabt von dem Hinterrande der Nares externae 9™ nach rückwärts
Hieran schliesst sich die gegen die Mittellinie schwach geneigte Grenze gegen das Nasale (etwa 9'"'
laug) und der mit der Medianlinie fast parallele (circa 8''"' lauge) Abschnitt der Naht mit dem Supra-
maxillare.
Diese letztere Grenzlinie biegt in ihrem weiteren Verlaufe schief nach abwärts, und erreicht uach etwa
G™ den vordersten, dem Inter- und Supramaxillare gemeinsamen, unten an der Seitenansicht eben noch wahr-
nehmbaren Punkt, liiebei ein Kieferstlick von circa 5''™ durchziehend.
Bei Tomistoma ist der hinten, zwischen Nasale und Supramaxillare gelegene Fortsatz kurz (circa lö''™).
Die Naht mit dem Supramaxillare zieht hier ziemlich stetig nach aussen und vorne: über ein Kieferstück von
circa ß"" hinziehend, steigt sie zu dem 7-2"" vom Beginne der Divergenz mit der Medianlinie entfernt gelegenen
vordersten Punkte des Oberkiefers herab, die bei Tomistoma Schlegelii wie bei Gavialis gangeticus auf der
Seitenfläche der Schnauze, beim fossilen Reste aber entschieden auf der Unterseite liegt.
Die Entfernung dieses vordersten Punktes des Oberkiefers von seinem Widerpart beträgt beim fossilen
Reste 4-4'"°, bei einer Schnauzenbreite an dieser Stelle von 5-5"". An Tomistoma Schlegelii sind diese beiden
Punkte um 2-1"" von einander entfernt, wobei an dieser Stelle die Breite der Schnauze 2-3'^'" beträgt.
Die Naht verläuft nun, gegen die Mittellinie sehr schwach geneigt, zurück und erreicht in einer
Entfernung von 4-4'^" vom vordersten Nahtwinkel die Höhe des ersten Supramaxillarzahnes (Abstand der Naht
der einen Seite von jeuer der andern Seite 3-5™'); von hier zieht sie (2-8"") stärker nach einwärts geneigt, zu
ihrem Hinterende. Über die Form der Naht an diesem Ende wurden früher bereits Details angegeben. (Auf-
fällige Merkmale am Kopfskelet, c. 1.)
13. Das paarige Palatinum.
Fossiler Rest Gavialis gangeticus Tomistoma Schlegelii
Länge in der Medianlinie ca. 21-5™ 16- 7"™ 7 -ß^'im Mittel
Länge, grösste 21-5 18-1 8-5 „
Breite an der Grenze gegen das Pterygoideum 4-5 6-5 2-8
Breite, am Vorderwinkel des Foramen palati-
num gemessen 6-8 7-6 3-1
Breite des zwischen dem paarigen Supramaxil-
lare gelegenen Fortsatzes hinten 3-9 5-2 2-0
mitten 2-6 3-3 1-2
Länge dieses Fortsatzes 7-8 9-1 1-5
Das Palatinum hat sich aus den vorhandenen Bruchstücken ziemlich gut reconstruieren lassen; der hin-
tere, mitTheilen des paarigen Pterygoideum verbundene Abschnitt konnte aber wegen Mangel an Stützpunkten
am Schädel nicht befestigt werden.
Der seitliche, das linke Foramen palatinum innen begrenzende Rand fehlt.
1 Nicht nur das vorliegende Exemplar von Tomistoma Schlegelii zeigt im Intermaxillare lilos vier Zähne, sondern auch
die von Blaiuville (Ostöogr. Keptiles, pl. 2) gegebene Abbildung weist nur vier Alveolen im Zwischenkiefer auf. Audi
BomhifroHS imJicus Gray, Jlalicrosia nigra Gviiy \ind Mecistops catap/iractus Cuv. »{i. besitzen im Zwisclienkieter jedei'seits nur
vier Ziihne. (Trans. Zool. Soc. of London. 1869. Vol. VI, pl. 31 u. 32.) Die Stelle bei Brühl (Skelet der Krokudilineu , j). 39,
Zeile 9 von unten) : „Fünf Alveoli für die fünf, coustant bei allen Krokod ilinen im lutermaxillare enthal-
tenen Ziihne" ist also einzuschränken.
über einen. Krokodil- Schädel am den Tertiärahlafjermii/eH von Ef/(jenliurg. 323
Ein reclit auifälliges Merkmal des Palatiüuin unseres fossilen Restes besteht in dem lani;en spiessförmigen
Fortsatz, den es zwischen das paarige Supramaxillare vorwärts sendet. Hierin kommt der Kest dem vorliegenden
Exemplare von Gaoialis gangeticus recht nahe ; nur ist bei letzterem dieser Fortsatz im Verhältnisse zur Gesammt-
länge des Palatinum noch grösser:
Lauge
Gavialis (jangetkus . . Fortsatz : ganzes Palatinum = 1:1-9,
fossiler Rest .... „ : „ „ =1:2-7,
Tomistoma Schlegelü . „ : „ „ =1:5-6.
Noc'li interessanter als das Vorderende des Palatinum ist dessen Hinterende. Die Mediannnht zwischen
dem rechten und linken Palatinum endigt um ein ganz Geringes (O-o"") hinter dem hintersten Winkel des
Foramen palatinum; die seitlichen Ränder des Knochens erreichen den Hinterrand dieses Loches nicht, sie
bleiben fast 2'"" von demselben entfernt: das paarige Palatinum ist nach hinten halbkreisförmig abgerundet.
Hierin unterscheidet sich der fossile Rest sowohl von Gavialis gangeticus als auch von Tomistomu Schlegelii
wesentlich.
Bei beiden Arten nämlich reicht die Mittelnaht der beiderseitigen Palatina nicht soweit zurück als das
Foramen palatinum, wohl aber der dieses Loch innen begrenzende .Seitenrand des Knochens. Hiedurch erhält
die hintere Begrenzung des paarigen Palatinum die Form eines Ausschnittes. Der seitliche, freie Rand biegt
seiner ganzen Länge nach, also auch in der vorderen, dem Canalis museularis zugekehrten Partie, fast senk-
recht nach aufwärts zu einer Fläche um, welche das Foramen palatinum innen begrenzt. Die Verbindungsstelle
dieser Fläche mit dem abwärts steigenden Theile des Frontale anterius ist aber nicht mehr erhalten.
Bei Tomistoma Schlegelii verhält sicli die hintere Hälfte des .Seitenrandes fast gleich, an der vorderen
Hälfte des Knochens sind aber die seitlichen Flächen vom Rande aus zuerst stark nach einwärts gezogen und
steigen erst .später aufwärts. Dadurch wird der Ausseurand des Palatinum in dieser Region kielartig. Ähnlich
verhält es sich bei Gacidlis; die hintere Hälfte der .Seitenflächen des Palatinum ist hier aber fast ganz durch
die dem Pterygoideum angehörigen gänseei grossen Knochenblasen verdeckt, von denen am fossilen Reste keine
Andeutung vorhanden ist.
Die Gaumennaht mit dem Pterygoideum ist halbkreisförmig. An dem aufwärts gebogenen Rande
verläuft die Grenze, soweit sie erhalten ist (circa 1-5™'), schief nach oben und vorne. Die Begrenzung des
Knochens gegen das Frontale anterius ist nicht erhalten. Vorne tritt das paarige Palatinum mit dem
Supramaxillare in Verbindung. Die Nath ist schon beschrieben worden. (Supramaxillare.)
14. Das paarige Pterygoideum,
Fossiler Kest Gavialis gangeticus Totnistoma ScMegdii
Breite, von dem vordersten Nahtende mit dem
Transversum linkerseits bis zu jenem rech-
terseits gemessen 11-2'"' 9-1"" 3-6°
Die hintere Partie des paarigen Pterygoideum ist stark verletzt. Von der Umgrenzung der Choanenöfiuung
ist nur der hintere Rand vorhanden. Ein zweiter Punkt des Knochenhinterrandes wird durch das rückwärtige,
weit (4'™) über das Transversum iiinausragende Ende des porösen Wulstes markiert. Denkt man sich auf Grund
dieser Anhaltspunkte denHinterrand des Pterygoideum reconstruiert, so ergibt sich, dass dasselbe beim fossilen
Reste eine Längeuausdehnung gehabt hat, die jener an einem vorliegenden, circa 48*^" langen Exemplare von
Crocodiltis vulgär is gemessenen von 1 0™' ziemlich nali e kommt ( Gavialis gangeticus 8-2"^'", Tomistoma Schlegelii 4-9"").
Ebenso dürften die Neigungsverhältnisse der Theile des Knochens zu einander und des Gesammtkuochens zu
den weiter nach vorne gelegenen Gaumenknochen denen an Crocodilus vulgaris recht älinlich gewesen sein,
jedenfalls aber sehr verschieden von denen an Gavialis gangeticus, wo diese Neigung gleich Null ist.
Vom linken Pterygoideum ist ein grosser Theil der vorderen Gaumenfläche erhalten. Die hintere Partie
fehlt, wie bereits bemerkt, ebenso von dem seitlichen Theile des Knochens der rückwärtige, wulstartig auf-
getriebene, poröse, mit dem Transversum durch eine Schuppenuaht verbundene Aussenrand.
?cm
324 Toula — Kall.
Vom rechten Pteiygol'dcum ist nur dieser wulstige Aussenrand, sowie eine kleine, median gelegene Knochen-
partie erhalten.
Die Nasenseite des PterygoYdeuni ist beiderseits stark verletzt. Die rückwärtige Begrenzung der Choanen-
öfFnung befindet sich am reconstruierten Schädel, alle anderen Theile des Knochens konnten zwar mit den
vorhandenen Besten desTransversum in Verbindung gebracht, nicht aber am Schädel dauernd befestigt werden.
Der mediane Theil der Gaumcu|datte des Pterygoideum ist am hinteren Ende circa 1-7"" dick, mclir als
doppelt so dick, als bei dem vorliegenden Exemplare von Gacialis garnjeticus.
Der wulstige Aussenrand des, sich mit seiner Unterseite an das Transversum anlegenden Knochentheiles
misst beim fossilen Eeste der Länge nach 8'7™, der Breite nach in maximo 2-4''"'. Bei Gacicilif< (janyeticus
betrugen diese Dimensionen 7-4'" respective 2-3'^'°, bei Tonmtoma ScJileyelii 3-5'=" und l-2'°'.
Die wulsttragenden Flügel werden bei diesen beiden Arten nahe dem Aussenrande von unten her durch
Fortsätze des paarigen Transversum fast ganz bedeckt; bei dem fossilen Reste bleibt, ähnlich wie bei Croco-
äiliis vulgaris, an dieser Stelle ein grosser Theil, fast die Hälfte, des unteren seitlichen Randes frei.
Interessant ist der Autheil, den das Pterygoideum an der Begrenzung des Foramen palatinum nimmt.
AYährend nämlich bei Gavialis garnjeticus dieser Knochen zur Bildung des Inneurandes kaum, bei Toniislomu
Sclilegeiii gar nicht beiträgt, begrenzt er beim fossilen Rest das grosse Gaumenloch an der Innenseite auf eine
Strecke von ungefähr 2"", verhält sich also in dieser Beziehung ähnlich wie bei Crocodilus vulgaris. Während
aber bei letzterer Art der vom Pterygoid gebildete Antheil des Hinterraudes des Foramen palatinum halbkreis-
förmig nach rückwärts gebogen ist (etwa 1'" Durchmesser), verläuft er am fossilen Reste, wie bei Gavialis
gaiigeticus, in ganz flachem Bogen von fast 3"" Weite zum Transversum. Bei Gavialis müsste die Weite dieses
Randtheiles nur 1-7™, bei Tomistoma Schhgelii nur 0-4"".
Von den Nähten des Pterygoideum mit seinen Nachl)arknochen ist jene mit dem Palatinum
bereits beschrieben worden. Weiters ist an dem Reste noch die Medianuaht zwischen den links- und rechts-
seitigen Knochen erhalten, sowie am linken Pterygoideum ein Theil der Verbindungsnaht mit dem
Transversum, die vom Vorderrand des Foramen palatinum aus nach rück- und auswärts zieht, wie bei
Crocodilus vulgaris etwa unter einem Winkel von circa 30° gegen die Mittellinie geneigt. Bei Gavialis gaiigeticus
und Tomistoma Schlegeln divergiert dieses Nahtstück stärker nach hinten, mit einer Neigung von etwa 45° gegen
die Medianlinie. Rechterseits ist auch das hintere Stück der Verbindung des Pterygoideum mit dem Trans-
versum erhalten, und zwar wie auch bei den übrigen Crocodilinen, in Form einer wohlausgeprägten
Schuppenuaht.
Von der Naht mit dem Occipitale laterale ist nur das untenste, quer von links nach rechts laufende
Stück erhalten (am reconstruierten Schädel). Andere Nähte, wie die mit dem Sphenoideum basiiare und
mit dem Tympanicum (^am reconstruierten Schädel) sind nicht mehr scharf zu verfolgen und die Grenzen
gegen den Vomer und das Frontale anterius in Folge des Erhaltungszustandes des in Rede stehenden Kno-
chens natürlich gar nicht anzugeben.
15. Das paarige Transversum.
Fossiler Rest Gavialis gaii(/eliciis Tomistoma Schhgelii
Länge (grösste Ausdehnung) ca. 13- 5"" 14-9"" S-O"^™
Entfernung des vorderen Nahtendes mit dem
Pterygoideum vom Hinterende des Knochens „7 8*4 4-2
Breite, vom vorderen Nahtrande mit dem Pte-
rygoideum bis zum äusseren Vorderende der
Schuppennaht mit demselben Knochen . . 5-3 5-7 2-4
Breite, von demselben Anfangspunkte quer nach
aussen gemessen 4-3 6-U 2-5
Grösste Dicke 1-8 1-3 0-5
tJJier einen Krokodil-Schiklel aua ilen TertiärahhujcniiKieii roii. Eggenhurg. 325
Am rccon.struierteu Schädel des fossilen Restes finden sich nur ganz kleine Reste des Tran sversnms, näm-
lich die sich an das Jugale, respective dessen gegen das Frontale anterius aufsteigenden Theil anlegende
Partie des Knochens, sein Angulus anterior externus. Alles andere wurde nicht dauernd am Schädel befestigt.
Das linke Transversum ist an der sich zum Jugale hin biegenden Partie stärker, an seinem vorderen und
hinteren Ende aber ganz unbedeutend verletzt. Vom rechten Transversum liegt nur die hintere Hälfte des
Knocliens vor, da auf dieser Seite durch die Schuppennabt mit dem Seitentlieile des Pterygoideum in Ver-
bindung geblieben ist.
Der nacli vorne ziehende, sich an das Supramaxillare, mittelst einer faltigen Schuppennabt anle-
gende Fortsatz ist verhältnissmässig breit, der Innenrand desselben zeigt keine Einkerbung, die auch bei
Croroilllu^ imigairs fehlt, während sie bei Tomistoma, besonders wohl ausgeprägt aber bei Gaviaiis gangetiais
vorhanden ist.
Das Hintereude des Transversum ist nicht wie bei den in Vergleicii gezogenen recenten Crocodilinen
spitz zulaufend, sondern quer abgestutzt und es erreicht, wie bereits einmal angeführt wurde, den Hinterrand
des Pterygoideum nicht.
Besonderes Interesse bietet die Verbindungsart des Transversum mit dem Pterygoideum.
Während nändicli bei den recenten, hier berücksichtigten C'rocodilinenarten das Transversum nur in dem vor-
deren Theile mit dem Pterygoid diireii eine gewöhnliche Naht verbunden ist, in dem hinteren Abschnitte aber
mit diesem Knochen an dessen Unterseite durcli eine Schuppennabt in bisweilen recht losem Connex steht
(Giteiülis (jamjetirus, Crocoflilm vulgaris), tritt es hier mit dem Pterygoideum vom Foramen palatinum bis zum
hinteren Ende in innigen Contuct mittelst einer wohl ausgebildeten, gewöhnlichen Naht, die sich fast unmerk-
lich, besonders rückwärts, auf die Oberseite hinüberzieht und erst hier in eine typische Schuppennaht übergeht,
längs welcher die beiden Nachbarkuochen fest aneinander liegen. Wie das Transversum mit dem Supra-
maxillare in Verbindung tritt, wurde bereits kurz erwähnt, über die Naht mit dem Jugale lässt sich nicht
viel Sicheres augeben.
16. Das unpaare Sphenoideum basilare,
17. das unpaare Sphenoideum anterius,
18. das paarige Petrosum und
19. die paarige Ala temporalis
finden sich in so undeutlich erhaltenen Bruchstücken vor, dass die Messung und somit auch einen Ver-
gleich mit den correspoudierenden Knochen an den lebenden Crocodilinen nicht zulassen. Das von den beiden
letzten Knochen umfasste Foramen ovale ist nur seiner Lage, nicht aber auch seiner Form nach zu
erkennen.
20. Das unpaare Occipitale superius.
Fossiler Rest Gavialis yanrjdicus Tumhtoma Schlegelii
Höhe 4"=" 4-5"" l-?"""
Grösstc Breite der Rückfläche ca. 5-6 5-6 2'0
Das nicht steil, sondern ziemlich schräg nach hinten abfallende Occipitale superius besitzt nur einen ganz
unbedeutenden (kaum ü-5 langen) ^'orsprung gegen das Paiietale, der in einen entsiirechenden, flachen Aus-
schnitt des Hinterrandes desselben hineinpasst. Bei Gavialis gangetiais ist, wie auch bei Crocodilus vulgaris
dieser Vorsprung viel stärker, bei Tomisto7tta ScJdegelii fehlt ein solcher vollständig. Die obere Region der llück-
fläche des Knochens ist bei dem fossilen Reste im Allgemeinen ganz wenig concav, bei Bhgnclwswlius fast
eben, bei Gavialis gangeticus stark convex. Die letztere ist durch drei mächtig hervorspringende Knorren
bedingt, von denen der mittlere in der Fortsetzung des obenerwähnten Vorsprunges gegen das Parietale liegt,
und zusammen mit diesem circa 2 "" inisst, die seitlichen aber, oben durch je eine Rinne vom mittleren getrennt,
sich, von dem zwischen Occipitale superius und Mastoideum befiudliciieni Loche aus, gegen die Mitte hin wölben
326 Toula — Kail.
mul fast ebenso weit znrückragen als der erstere. Der fossile Rest zeigt nur gegen den oberen, seitlichen Rand
zu jcderscits einen kleinen Knorren, ganz ähnlich wie Tomistoma ScMeyelii (der bei dieser Art der einzige in
der Obenansicht des Kopfes in die Erscheinung tretende Theil des Occipitale siiperius ist).
Die untere Region des Occipitale superius besitzt bei Gavialis und Tomisloma keine Vorsprünge. Beim
fossilen Reste aber l)eginnt in einer Entfernung von circa 1"" vom Oberrande des Knochens in der Medianlinie
eine kielartige Erhabenheit, die bis zum unteren Ende des Occipitale superius hinzieht, an Stärke stetig
zunehmend. Der Oberrand des Knochens, respective dessen Naht mit dem Parietale, verläuft wie bei
JHii/twhosiuhuf! ScJileyelii fast horizontal, bei Gavialis gangeticvs hingegen im Allgemeinen nach oben gewölbt.
Die Naht mit dem Occipitale laterale läuft mit derselben Neigung wie bei Tomistoma SrldeycJii (circa
45°) geradlinig schief nach unten und einwärts. Bei Gavialis (jamjetivm neigt dieselbe zuerst geradlinig, aber
unter einem spitzen Winkel der Medianlinie zu, wölbt sich aber unten bogig nach einwärts, so dass das untere
breite Ende des Occipitale superius bei dieser Species wohl gerundet erscheint.
21. Das paarige Occipitale laterale.
Fossiler Rest Gavialis gangcticus Tomistoma ScMcgelii
Breite, vom äussersten Punkte des Knochens
bis zum unteren Ende des Occipitale superius 1 3 • 5"" 13 ■ 0"" 6 • 1™
Entfernung des äussersten Punktes (seitlich)
bis zu dem untersten (gegen Occ. basilare) . 12-8 10-0 6-0
Höhe (grösste) 10-0 12-2 4-7
Höhe, vom obersten Punkte vertical nach ab-
wärts gemessen bis zur Naht mit dem Tym-
panicum 7 0 7-0 3-3
Am paarigen Occipitale laterale fehlt beiderseits die median gelegene, sich in einer Mittelnaht vereini-
gende Partie, deren freier Rand das Foramen occipitale nach oben begrenzt. Diese und die am linken Knorren,
sowie an der Seitenwand des Foramen occipitale (Vestibulum auditus) befindliche Verletzung abgerechnet, ist
das linksseitige Occipitale laterale völlig gut erhalten. Das rechtsseitige musste in der Gegend dei' grössten
flächenartigen Ausbreitung aus mehreren Bruchstücken zusammengefügt werden. In Bezug auf die grösste
Breite des Occipitale laterale übertrifft der fossile Rest Gavialis (jaiH/eticus nur* um ein Geringes, und was das
Verhältniss dieser Breite zu der Länge des Kopfes (vom Hinterrande des Parietale an) und zur Schädelbreite
betrifft, so ist dies folgendes:
Breite d.Occip.lat..
Beim fossilen Reste 1
hei Gavialis gangeticus ... 1
„ Tomistoma Schlegelii ... 1
Rücksichtlich der allgemeinen Form des Occipitale laterale, schliesst sich der fossile Rest viel enger an
Tomistoma Schlegelii an als an Gavialis gangeticus, bei welchem zum Beispiele circa 3"^'" vom seitlichen Knorren
entfernt, der Knochen noch eine Höhe von 3-3"" besitzt (beim fossilen Reste l'S""). Dies macht sich aber
besonders bei dem unteren Rande des Knochens geltend: derselbe bleibt nändich, ganz so wie bei Tomistouia
und auch bei Crocodilus vulgaris, vom äussersten Punkte des Knorrens, grösstentheils am ünterrandc der
Occipitalansicht hinziehend, bis zum „Foramen carotis externum" (Rathke), welches knapp am Rande des
Knochens gelegen ist, (Forameu caroticum Owen, Stannius) fortwährend von hinten sichtbar. Bei Gavialis
gangeticus biegt die untere Grenze des Knochens schon viel früher, (die Stelle ist etwa 3"" von dem genannten
Loche entfernt) auf die Unterseite des Schädels hinüber, und der Rand des Foramen carotis externum, das
auch hier noch in der Hintenansicht auftritt, liegt vom Kuochenrande noch ein gutes Stück ab.
Auch in Bezug auf den abwärts gerichteten, sieh an das Occipitale basilare anlegenden Fortsatz des seit-
lichen Hinterhauptbeines stimmt der fossile Rest vielmehr mit Tomistoma Schlegelii und Crocodilus vulgaris als
fopfläuge
Sei
lädelbreite
5-8
2-4
6-9
2-6
tlher einen Krohodil-ScIirnJcl ans den TertiärahlrKjcrungcn ron Eggenhur (f. 327
mit Gavialis (/augeticus übercin, .sowohl was die Lauge dieses Fortsatzes als aucli seinen Antheil an der Bildung
der Riickfläclie des Schädels anbetrifft:
Dieser Fortsatz misst beim fossilen Reste vom Unterraude der Mündung des Foramen carotis cxtennnii an
circa 2-6'"" , bei Tomistoma Schh<jelii l-ö*"", bei GaviaJis gmigeticns 4'()'''".
Verhältniss dieser Strecke znr Gesammthölie des Occipitnle laterale:
Beim fossilen Rest wie 1:3-9,
bei Tomistoma Scldegelü ... „ 1 :3*1,
„ Gavialis gangeticus ... , 1:2-6.
Bei den beiden crsteren und bei Ciocodilus vulgaris lässt der Fortsatz des Occii)itnle laterale die halbe
Höhe des Occipitale basilare frei, bei Gavialis gangeticus hingegen zieht er fast bis zum unteren Ende des-
selben hin.
Bei Gavialis gangeticus sieht man von diesem Fortsatze von hinten bloss dessen schmalen Rand; die Flüche
ist seitwärts gekehrt. Bei den anderen lebenden Crocodilinen und beim fossilen Reste ist derselbe auch nach
rückwärts flächenartig entwickelt, und besitzt bei dem fossilen Reste eine Maxinialbreite von l-l)'"", bei Tomi-
stoma von 0-G''".
Von dem Oberrande des nach rückwärts stehenden Fortsatzes zieht beim fossilen Reste ein ziemlich
deutlieh ausgeprägter Wulst quer nach aussen, zum seitlichen Knorren des seitlichen Hinterhauptbeines.
Dadurch wird die Rückfläche des Occipitale in zwei Theile geschieden : eine obere breite und eine untere
schmale, die in dem Winkel gegen den Ooudylus oceipitalis die gleicii zu besprechenden Löcher trägt.
Dieses Verhältniss findet sich unter den verglichenen lebenden Crocodilinen am ähnlichsten bei Crocodilus
vulgaris wieder, viel weniger deutlich bei Tomistoma Scklegelii und Gavialis gangeticus.
Die drei, dem Occipitale laterale allein angeliörigen Löcher: das Foramen condyloideum
(Owen, Burmeister, Stannius), das Foramen jugale (Burmeister, Rathke, Staunius) und das bereits
genannte Foramen carotis exteruum (Rathke), die, wenigstens linkerseits, gut erhalten sind, stimmen sowohl
in der gegenseitigen Lage, als auch in der relativen Grösse ihrer Mündungen am meisten mit denen an Tomi-
stoma Schlegeln überein.
Das kleinste dieser drei Löcher, das Foramen condyloideum liegt am fossilen Reste am meisten
medianwärts, am Beginne des sich von der Hauptfläche des Knochens nach rückwärts zum Condylus oceipitalis
hinziehenden Fortsatzes des Occipitale laterale; da dieser seitliche Fortsatz fast rechtwinkelig von der Rück-
fläche abbiegt, so istdas in Rede stehendeLoch in der geraden Ansicht von hinten nicht sichtbar. Bei Tomistoma
Schlegeln tritt dieses Loch in Folge einer allmäligen Rückwärtsbewegung des eben genannten Fortsatzes in der
Ansicht bereits in die Erscheinung.
Bei dem vorliegenden Exemplare von Gavialis gangeticus ist das Forameu condyloideum doppelt vor-
handen (siehe auch Brühl, zu Tafel VIII, Fig. 4): das obere ist von hinten gut sichtbar, das untere liegt so
versteckt wie beim fossilen Reste das Eine und kann erst schief von der Seite gesehen werden.
Das mittlere, quer ovale Loch, das Foramen jugale ist das grösste von den dreien, und ist beim fossilen
Reste von hinten deutlich zu sehen, ebenso das untere, das Foramen carotis externiim, der Grösse nach zwischen
den beiden anderen stellend. Dieses letztere ist vom Foramen jugale 1"" entfernt (von Rand zu Rand gemessen)
und im Vergleich zu jenem ganz wenig medianwärts, bei Tomistoma Schlegelii dagegen etwas nach aussen
gerückt.
Bei Gavialis gangeticus liegt das Foramen jugale bereits an der Umbiegung der Fläche des Occipitale
laterale nacii unten und ist das Forameu carotis exteruum von demselben nur durch eiue verhältnissmässig
dünne Wand (kaum 0-3"" messend) getrennt.
Der „Canalis temporalis" Brühl, dessen Dachtheil das Occipitale laterale bildet, mündet dem Unterrande
der Schädelhiutenansicht viel näher als bei den recenten in Vergleich gezogenen f'rocodilineu, und es ist selir
wahrscheinlicli — mit Sicherheit ist dies allerdings nicht anzugeben — dass unterhalb der Mündung dieses
ö
328 Toula—Kail.
Canales sich kein seitlicher Fortsatz des Occipitale laterale nach auswärts erstreckte, wie dies bei den genannten
lebenden Formen — besonders breit ist derselbe bei Tomistoma Schlegeln (0-5™) — der Fall ist.
Von den Nähten des Occipitale laterale mit seinen Nachbarknochen wurden jene mit dem
Occipitale superius, dem Mastoideum und Tympanicum bereits bei diesen Knochen beschrieben.
Die Mediannaht der beiderseitigen Occipitalia lateralia fehlt natürlich, da ja die unter dem Occipitale
superius sich vereinigenden, gegen das Foramen occipitale mit einem freien Rande vorragenden Knochentheile
abgebrochen sind. Es bleibt also von den äusserlieh sichtbaren Verbindungen nur noch die Nalit mit dem
Occipitale basilare übrig. Diese zieht am Boden des Foramen occipitale parallel mit der Medianlinie nach
rückwärts, umfasst das Hinterende des nach rückwärts laufenden Fortsatzes, geht vom hintersten Punkte des-
selben schief nach abwärts und vorne (circa 2-7"" laug) und zwar viel weniger stark nach vorne gerichtet als
bei Tomistoma Schlegeln oder gar bei Gavialis yangetkus, bei dem diese Richtung mit dem folgenden, abwärts-
steigenden Theile der Naht fast einen Winkel von 90° einschliesst, biegt dann I)ogig etwas nach einwärts, um
ein kleines Stück (circa 0-ü''"') mit dem Aussenrande des seitlichen Hinterhauptbeines parallel zu ziehen, hierauf
ebenso allmälig nach aussen und unten und erreicht den untersten Punkt des Knochens in einer Entfernung
von circa l-5°"; das nun folgende Nahtstück bezeichnet die seitliche Grenze zwischen Occipitale laterale und
basilare und verlauft uacli vorne und aufwärts. In dieser Gegend liegt das Sphenoideum basilare mittelst
einer Schuppennaht, die am fossilen Reste wahrzunehmen ist, auf dem in Rede stehenden Knochen auf.
Bei Toiiiistoma Schlege/ü und bei Gavialis gaageticus verläuft die Naht vom vorderen, auf der Rückfläche
gelegenen Knie fast geradlinig dem unteren Knochenende zu, welches bei diesen beiden Arten viel mehr aus-
gefranst erscheint, als beim fossilen Reste.
22. Das unpaare Occipitale basilare.
Fossiler Rest Gavio/is gatHjeticus Tomistoma Schleyelii
Höhe (Dimension, gemessen in der Verticalen) 7-G"" j.X'm 3-4'''"
Höhe (desgleichen) des Condyhis 3 4'3 1'4
Breite, am unteren Ende des Occipitale laterale
gemessen 5-3 8 2-9
Breite des Condylus 3-9 4-7 2-0
Das Occipitale basilare ist am fossilen Reste vollständig erhalten. Es ist höher als bei Garialis gangeticus
und im Verhältnisse auch höher, als bei Tomistoma Schlegelii, verbreitet sich vom Condylus nach abwärts bis
gegen die Mitte und verschmälert sich von hier au bis unten nur ganz wenig (auf circa 4-5°"').
Bei Tomistoma Schlegelii ist der Grad dieser Verschmälerung beträchtlicher, von 2-9''" auf l^"", bei
Garialis gangeticus verbreitert sich das Occipitale basilare vom Condylus nach abwärts stetig, und zwar sehr
bedeutend, so dass es nahe dem unteren Ende fast die dopi)elte Breite des Condylus aufweist!
In Bezug auf die Lage des verhältnissmässig schmalen Condylus occipitalis zu den inneren Knorren des
paarigen Tympanicum schliesst sich der fossile Rest an Tomistoma Schlegelii an: bei beiden nämlich liegen der
unterste Punkt des Condylus und die tiefst gelegenen Punkte des paarigen Tympanicum in einer zur Cranial-
dachfläche parallelen Ebene; bei Garialis gangeticus hmgegen steht der Condylus von dieser Ebene merklich
nach oben ab. Was den unter dem Condylus gelegenen Theil des Knochens betrifft, so ist derselbe bei dem
fossilen Reste an den Seitentheilen ziemlich flach, in der Mitte aber springt er, besonders in der unteren Hälfte
nach rückwärts vor, und ist hier und am ganzen Unterrande mit Längszacken versehen. Im Allgemeinen ist
dieser Knocheuantheil also convex. Ähnlich verhält es sich bei Tomistoma Schlegelii. Bei Gavialis gangeticus ist
die unter dem Condylus gelegene Knochenpartie des Occipitale basilare stark concav; ihre untere Grenzlinie
beschreibt von der Mittellinie aus einen doppelten, nach abwärts gerichteten Bogen.
Die Dicke des Knochens am Unterrande ist beim fossilen Reste (circa 1-5"") und bei Tomistoma Schlegelii
(1-1™) in der Mittellinie am grössten; bei Gavialis gangeticus beträgt sie an dieser Stelle 2-5'''", die grösste Dicke
aber liegt weiter nach aussen und misst etwa 3-4'''".
ö
über einen Krokodil-Hrhiidel (i/is den TeyÜämhl(i<jefiin(jeii von Efjf/enimrg. 329
Die Ajieituva Eustachi! (median Eustacliian foramcn Owen") tritt bei dem fossilen Reste in der Hinten-
ansicht deutlich in die Erscheinung ; bei Tomistoma ist dieselbe in dieser Ansicht nur wenig, bei Gavialis
(jangetkus gar nicht sichtbar. Bei den beiden ersteren ist das Loch fast kreisrund, bei letzerem queroval.
Der dem Seitentheile des Oceipitale basilare angehörige Halbcanal des von Burmeister der „Fissura
Glaseri hominis" verglichenen Canales (lateral Eustachian foramen Owen) ist am fossilen Reste theilwcise
blossgelegt, da der zugehörige, den Spalt canalartig abschliessende Theil des Sphenoideum basilare nicht
vorhanden ist.
D. Die grossen Öffnungen.
1. Das Foramen oceipitale
hat einen Querdurchmesser von 3-2''"', sein Höhendurchmesser lässt sich einer Verletzung des dasselbe oben
abgrenzenden Oceipitale laterale wegen nicht angeben.
Durch die stark gekrümmte, im Querschnitte fast halbkreisförmig gestaltete untere Hälfte dieses Loches
schliesst sich der fossile Rest viel enger an Crocodilus 'vulgaris an als an Tomisloma Sch/egelii und Gavialis
gangeticus, bei denen der Hoden der Hinterhauptloches eine viel flachere Krümmung besitzt.
2. Die Fossa temporalis.
Fossiler Rest Gavialis gangeticus Tomistoma Schlegelii
Länge 6-3"» 7-2'="' 2-7""
Breite 5-9 8-3 2-2
Das Verhältniss der Länge des Fossa temporalis zur Breite ist
bei Tomistoma Schlegelii . . wie 1:0'81,
„ dem fossilen Reste . . . „ 1:0*84,
„ Gavialis gangeticus . . . „ 1 : 1 • 15,
es schliesst sich somit hierin der fossile Rest an Tomistoma näher an als an Gavialis gangeticus.
Der längste Durchmesser beträgt beim fossilen Reste 7-1"° und ist nach vorne unter circa 45° gegen die
Medianlinie geneigt. Eine noch grössere Convergenz gegen die Mittellinie, aber ebenfalls nach vorne, zeigt der
längste Durchmesser bei Gavialis gangeticus ; derselbe misst 8-5"". Bei Tomistoma Schlegelii hingegen conver-
giert der längste Durchmesser (2-8''"'j nach rückwärts gegen die Mittellinie.
Betreffs des Verhältnisses der Grösse der unteren Fossamündung (des Foramen temporale) zur Grösse des
oberen Fossaeinganges scheint der fossile Rest, soweit es die erhaltenen, die Fossa temporalis begrenzenden
Knochenlheile zu beurtheilen gestatten, die Mitte zu halten zwischen Gavialis gangeticus und Tomistoma
Schlegelii; bei letzterem beträgt der grösste Durchmesser der unteren Mündung nur 1-7"", der längste Durch-
messer des Einganges aber, wie bereits erwähnt, 2-8''™.
In Bezug auf die Umrandung der Fossa temporalis weist der fossile Rest manches Eigenartige auf.
Während nämlich bei Gavialis gangeticus der Innenrand höher liegt als der Aussenrand, bei Tomistoma Schlegelii
diese beiden Ränder sich in gleicher Höhe befinden, ist bei dem fossilen Roste der nach vorne abfallende gerad-
linige Innenraud merklich tiefer situiert als der Aussenrand der Fossa; in maximo beträgt der Höhenunterscliied
2-2™! Vom vorderen, innern Winkel steigt der Rand nach aussen allmälig an, biegt bogig um, läuft fast gerad-
linig eine Strecke nach rückwärts und aussen, wendet sich dann in scharfem Bogen nach einwärts und zieht nun
wieder fast geradlinig dem hinteren Ende des Innenrandes zu, dabei ein wenig nach vorne neigend. Der Innrn-
rand selbst convergiert gegen die Medianlinie fast unmerklich. Bei Gavialis gangeticus ist der allgemeine Ver-
lauf der Raudliuien dem beschriebenen nicht unähnlich; der Innenrand aber ist nach hinten und vorne stetig
gekrümmt, lässt also einen geradlinigen Antheil kaum unterscheiden und geht viel allmäliger in den Vorder-
rand über als beim fossilen Reste.
Deakschriftua liüi- matlidiu.-uülur^. Cl. L. BJ. Atili.ttiiUiiiigen vou NichtmilgliBiloru. tV
3B0 Toula — Kall
Bei Tomistoma Schlegelü hat der Umriss der Fossa temporalis Birngestalt, die Spitze liegt uacli vorne und
aussen gekehrt.
3. Die Orbita.
Fossiler Eest Oavialis gangeticus Toimstoma Schlegeln
Länge vom Dachtheile des Frontale posterius '
an 7-5=" 6-9 ■=" 5-2™
Breite ca. 85 7-— 3-7
(im Mittel)
Trotz des schlechten Erhaltungszustandes der Orbita-Umgrenzung — es ist nämlich auf der rechten,
besseren Seite nur der Dachtheil des Frontale posterius, das Frontale principale bis zur Naht mit dem Fron-
tale anterius, ein Theil des aufgeworfenen Bandes des Lacrj-male und mit Ausnahme des vorderen Endes,
auch das Jugale vorhanden — lässt sieh mit Sicherheit angeben, dass beim fossilen Beste die Breitenaus-
dehnung der Orbita gegen ihre Länge überwiegt, und dass hierin dem Beste nur Gavialis nahe kommt. Bei
Tomistoma Schlegeln ist die Orbita bedeutend länger als breit, der Umriss im Grossen und Ganzen eiförmig, mit
dem spitzeren Ende nach vorne gerichtet.
Der Vorderrand der Orbita ist im Verhältniss zum Hinterrand l)eim fossilen Reste bei weitem nicht so
hoch als bei Gaeialis gangeticus, bei dem die den Vorderrand bildenden Knochen — Frontale anterius und
Lacrymale — sich plötzlich, steil zur Orbita-Umgrenzung erheben. Der Seitenrand der Orbitalöffnung stürzt
beim fossilen Beste nach rückwärts nicht so steil ab gegen den aufsteigenden Theil des Jugale wie hei Gavialis
gangeticus (circa 2™); immerhin aber biegt sich auch hier dieser Rand gegen den aufwärts gerichteten Fort-
satz des Jugale merklich herab, jedenfalls mehr als bei Tomistoma Schlegelü, bei welchem der seitliche Rand
ziemlich stetig verläuft.
Über den Antheil der Frontale anterius und des Lacrymale an der vorderen Orbita-Umrandung, der bei
Gavialis gangeticus und Tomistoma Schlegelü ein sehr verschiedener ist, lässt sich in Folge des schlechten
Erhaltungszustandes der hiefür wichtigsten Knochenabschnitte beim fossilen Reste keine bestimmte Angabe
machen; nur so viel steht fest, dass das Lacrymale nicht soweit zurückgereicht hat, wie bei Tomistoma Schlegelü,
wo dieser Knochen fast die Hälfte des Orbita-Seitenrandes bildet.
4. Das Foramen postorbitale.
Mit Sicherheit lässt sich nur angeben, ' dass der Längendurchmesser des Foramen postorbitale kürzer ist
als der der Orbita, dass sich hierin also der fossile Rest näher an Tomistoma Schhgdii anschliesst als an
Gavialis gangeticus, und zweitens, dass das Temporale zur Bildung des Unterrandes des Foramen postorliitale
mehr beiträgt als bei den beiden genannten recenten Crocodilinen, an der oberen Umgrenzung desselben aber
viel geringeren Autheil nimmt als bei Tomistoma Schlegelü oder gar bei Gavialis gangeticus.
5. Die Nares externae.
Fossiler Eest Crocodilus vulgaris'^ Tomistoma ScMegela
Länge grösser als 5-0'=" 45'="' 2-l=""
Breite 4-9 4-7 1-6
Die vordere Umgrenzung der Nares externae fehlt, es kann daher die Länge nur approximativ angegeben
werden ; jedenfalls aber kommt die Breite der Längeuausdehuung der Nares externae sehr nahe, oder viel-
leicht sogar gleich. Bei Tomistoma Schlegelü überwiegt die letztere Dimension über die erstere beträchtlich.
1 Der Längendurchraesser des Foramen postorbitale dürfte ca. 6'" betragen haben; bei Gavialis gaiigeticuft beträgt er
7 • "'"', bei Tomistoma ScMegelii 2 • 6'".
•ä Bei dem vorliegenden Exemplare von Glavialis gangeticus sind die Nares e.xtcrnae grösstentlieils verdeckt (liufli ver-
trocknete Haut- und Floisehpartien.
über einen Krakni/il-Srhüdc/ k/is (Ich Tniiärablaf/eritiij/en von E<j(ieii1>uf(j. 33 t
Die äussere Umramluug des Loches hat beim fossilen Reste die Gestalt einer Ellipse mit geringer
Excentricität, bei Tomidoma SchhgeUi ist sie birnförmig, mit der Spitze nach rückwärts gekehrt.
Die Seitenwände der Nares externae fallen beim fossilen Reste in ihrer hinteren Hälfte minder steil ab,
als bei Crocodilus vulgaris, bei welchem die durch die Nasenfläche der Dachlamelle des Intermaxillarc gebildete
Umgrenzung der Nasenöffnung sich mit der oberen Umrandung des Loches fast deckt; beim fossilen Reste
springt vielmehr der untere Rand der Dachlamelle deutlich vor, und der in der Höhe dieses Randes gelegene
Nares-Umriss ist auch hier, ähnlich wie bei Tomistoma Schlegeln birnförmig. Die durch die Dachlamelle des
Intermaxillarc gebildete Hinterwand der Nasenöffnung ist in der Nähe der Mediannaht grubig vertieft. Das
verhältnissmässig grosse Foramen incisivum der Gaumenlamelle ist von oben sehr deutlich sichtbar.
6. Das Foramen palatinum.
Fossiler Rest Gavialis ganijeticus Tomistoma Schlegelii
Länge 14 '^'° 10-2'''° 7-3™
Breite grössfe ca. 5 5-3 2-5
„ in der Mitte ca. 4-5 5-3 2-3
Die Länge des Foramen palatinum verhält sich zur Sciiädellänge (vom Hintcrrnnde des Parietale)
Beim fossilen Reste wie 1:5-2
Bei Tomistoma Schlegelii ... „ 1 : 5 ■ 7
„ Gavialis gangeticus .... „ 1 : 7 • 3
Die Länge des Foramen palatinum verhält sich zu seiner (grössten) Breite:
Bei Tomistoma Schlegelii . . . wie 1 : 0 • 35
Beim fossilen Reste „ 1:0-36
Bei Gavialis gangeticus ... „ 1:0-52
Sowohl betreffs des Verhältnisses der Länge des Foramen palatinum zur Schädellänge als auch der Länge
des Loches zu seiner Breite schliesst sich der fossile Rest innig an Tomistoma Schlegelii au. Dies zeigt sich
übrigens auch noch darin, dass bei beiden Formen der grösstc Breitendurchmesser nicht in der Mitte des
Loches liegt, sondern etwa im hinteren Drittel; sowie in dem verhältnissmässig grossen Antbeile, den das
Supramaxillare sowohl bei Tomistoma Schlegelii als auch, und zwar ganz besonders beim fossilen Reste an der
äusseren Begrenzung des Foramen palatinum nimmt: weit über ein Drittheil. Bei Gavialis gangeticus ist das
Foramen palatinum in der Mitte am breitesten und das Supramaxillare trägt nur etwa den fünften Theil zur
Bildung des Aussenrandes bei.
An Gavialis gangeticus erinnert beim fossilen Reste nur der gut entwickelte Hinterrand des Gaumenloches.
Mit Crocodilus vulgaris theilt der fossile Rest die Eigenschaft, dass zur Bildung des Innenrandes des Foramen
palatinum auch das Pterygoideum beiträgt, wodurch er sich sowohl von Gavialis gangeticus als auch von Tovd-
stoma vulgaris unterscheidet.
Dass am Aussenrande des Gaumenloches beim fossilen Reste, wie auch bei Crocodilus vulgaris keine, dem
Transversum angehörige Einkerbung vorhanden ist, w'e sie bei den anderen zwei in Vergleich gebrachten
rcccnten Crocodilinen vorkommt, ist bereits bei dem betreffenden Knochen erwähnt worden.
332 Toula — Kail.
E. Tabellarische Übersicht der Grössenverhältnisse, einerseits der einzelnen Kopfknochen und
Schädeltheile untereinander, und anderseits bei den in Vergleich gebrachten Individuen, und zw.:
Fossiler Rest Gavialk (jangetkus Tomistoma SMcyelii
Schnauzentheil des Schädels = 1 : '
Gesammtschädelläuge 1 ■ 26 1"27 1-31
Länge der Fossa temporal is = 1 :
Länge der Orbita 1'2 0-95 1-9
Länge der Orbita = 1 :
Gesammtschädellänge 9-8 10-8 8-08
Länge der Mediaunaht der Intermaxillare
(bis zu den Nares externae) = 1 :
Länge der Medianuaht der Nasalia 4-0 0"32 1'8
Scheitelflächenbreite (in der Mitte) zwi-
schen der Fossa temporalis zr 1 :
Stirnflächenbreite 5-6 4-3 1-7
Länge des Forameu palatinum ^ 1 :
Gesammtschädellänge 5-21 7-35 5-6
Schädeldachbreite = 1 :
Gesammtbreite des Schädels 1-82 1-41 1-76
Grösste Länge des Parietale = 1 :
Gesammtschädellänge 10 -1 9-5 9-3
Grösste Länge des Frontale principale ■= 1 :
Gesammtschädellänge 5'4 4-6 5*6
Länge des Frontale principale von hinten
bis zur Naht mit Frontale anterius = 1 :
Länge von dieser Naht bis zum vorderen Ende 1-26 1'4 0*7
Länge der Nasalia z= 1:
Gesammtschädelläuge 1-8 4*3 2"3
Länge des Mastoideum z= 1 :
Gesammtschädellänge 5-4 5-5 5-17
Länge des äusseren freien Randes vom
Frontale posterius = 1 :
Gesammtschädellänge 16-2 14-1 28-0
Länge des Tympauicum =: 1 :
Gesammtschädellänge 4-3 6-0 5-0
Länge des Temporale = 1 :
Gesammtschädellänge 5-5 5-2 4-9
Temporale vom Hiuterende bis zur Naht
mit dem Jugale = 1 :
Gesammtschädellänge 11-9 20-3 32-3
Länge des Jugale ■=. 1 :
Gesammtschädellänge 2-8 3-1 2.6
Man vergleiche die AnmerkuiJg auf S. 7.
über einen Krokodil-Schädel aus den TertiärabkKjcruiujen von Eggenburg. 333
Fossiler Kest Gavialis yangeticus Tomistoma SMegclä
Länge des Frontale anteriiis = 1 :
Gesanimtscbädellänge 9-8 11-5 12
Laciymale vom Orbitaiande bis zum Vor-
derende = 1 :
GesammtschädeMnge ,. 7-4 7-7 5-9
Breite des Lacrymale = 1 :
Länge vom Orbitarrande an 2-3 2'8 3-5
Länge desSupramaxillare vom Hinterrande
des vorletzten (3) Oberkieferzahnes = 1 :
Gesammtscbädellänge 1-6 16 1'7
Länge der Intermaxillare an der Unterseite
von hinten bis zum 3. (von hinten ge-
rechnet) Intermaxillarschnitte ■=. 1 :
Gesammtscbädellänge 4*4 5'4 4-9
Grösste Länge des Palatiuum = 1:
Gesammtscbädellänge 3*4 4-1 4*9
Länge des Transversum =: 1 :
Gesammtscbädellänge 5-4 5-0 5-3
Breite des Occipetale laterale = 1 :
Scbädeibreite 2-7 2-4 2-6
Länge der Fossa temporaUs = 1 :
Breite der Fossa temporalis 0-8 1"2 0-8
Länge der Orbita z=. 1 :
Gesammtscbädellänge 8-7 10-8 8-1
Länge des Foramen palatiuum = 1 :
Gesammtscbädellänge 5-2 7-3 5-7
Breite des Foramen palatinum 0-4 05 0*4
F. Zusammenfassung der vergleichenden Betrachtungen.
1. Der fossile Best bat mit Tomit^totaa Schlegelii gemein:
1. Die Nasalia reichen verbältnissmässig weit nach vorne.
2. Längen- und Breiten-Verhältnisse des Forauien palatinum.
3. Der das Foramen palatinum aussen begrenzende Oberkieferast trägt mindestens 4 Zähne.
4. Die Breite der Schädeldachfläcbe in Rücksicht auf die Gesammtbrcite des Schädels ist verliältniss-
mässig gering.
5. Die Schädeldacbfläche fällt gegen den Aussenrand des Kopfes allmälig ab.
6. Die Naht zwischen Parietale und Frontale posterius verläuft auf der Vorderwand der Fossa temporalis
schräg nach aussen.
7. Die seitlichen, gegen die Orbitae zu gelegeneu Flächen sind wohl entwickelt und fallen ziemlich steil
nach unten und einwärts ab.
8. Die Nasalia werden vorne ein gutes Stück von dem paarigen Intermaxillare begrenzt.
9. Die Naht des Mastoideum greift bis zur halben Breite des absteigenden Theiles des Frontale posterius vor.
10. Die Untenansicht des Schädels zeigt eine innige Anlagerung des nach vorne ziehenden Lappens des
Tympanicum an des Frontale posterius.
11. Das Vorbandensein eines von der vorderen, in der Fossa auricularis befindlichen Knochenspange des
Tympanicum überwölbten Cauales ist nach dem Befunde am fossilen Reste böclist wahrscheinlich.
334 - Toula — Kail.
12. Das Tympanicum besitzt an dem hinteren Theile der Unterseite einen deutlichen Län^swulst.
13. BetreflFs der Breitenverhältnisse der hinteren Hälfte des Jngale kommen sich der fossile Kcst und
Tomistuma ScJdegelii sehr nahe.
14. Der vordere Abschnitt der Naht des Frontale anterius mit dem Frontale principale verläuft von vorne
nach rlickvFärts mit der Medianlinie fast parallel.
15. Das Supramaxillare zeigt an seiner Unterseite beim fossilen Reste einen von vorne bis nach rück-
wärts verlaufenden Wulst, der die Zähne tragende Partie des Knochen von der inneren scheidet. Bei Tomistoma
fehlt dieser Wulst nur an dem rückwärtigen, das Foramen palatinum aussen begrenzenden Theile des
Supramaxillare.
16. Die Zahl der Supramaxillarzähne ist gering: beim fossilen Rest 16, bei Tomistoma Schlegelii 15.
(Gavialis 24). Die Alveolen sind im vorderen und mittleren Theile des Supramaxillare weiter von einander ent-
fernt als im hinteren Abschnitte.
17. Die Längsaxe des Supramaxillarzahu-Querschnittes ist sagittal gestellt.
18. Das vordere Schnauzeuende ist nicht löifelartig verbreitert. Die Breitenzunahme der Intermaxillare
von der seitlichen Bucht an ist
bei dem fossilen Reste = 0-2°" auf 1™ Längeuausdehnung,
„ Tomistoma Sddegelü = 0-2"'' „ V'^ „
(„ Gavialis gangeticus = 0'6"" „ 1°" r !)•
19. Das von der Gaumenplatte des paarigen Intermaxillare gebildete Foramen incisivum ist verhältniss-
mässig gross.
20. Das Intermaxillare reicht nicht über die zweite Zahnalveole des Supramaxillare hinaus : beim fossilen
Reste erreicht es den Vorder-, bei Tomistoma Schlegelii den Hinterrand dieser Alveole; (bei Gavialis gangeticus
den Hinterrand des vierten Oberkieferzahnes!)
21. In der oberen Region des Occipitale superior springt der seitliche Theil etwas nach rückwärts vor.
22. Die obere Begrenzung des Occipitale superius verläuft fast horizontal, also nicht nach oben gewölbt.
23. Die Naht des Occipitale superius mit der Occipitale laterale verläuft geradlinig schief nach unten und
einwärts (circa 45° geneigt).
24. Allgemeine Form des Occipitale laterale. Der Unterrand des Knochens bleibt vom äussersten Punkte
des Knorrens bis zum Forameu caroticum fortwährend von hinten sichtbar.
25. Der nach abwärts gerichtete, sich an das Occipitale basilare anlegende Fortsatz des Occipitale laterale
lässt die halbe Höhe des ersteren Knochens unbedeckt. Dieser Fortsatz ist auch nach rückwärts flächen-
artig entwickelt.
26. Das Occipitale laterale besitzt nur ein Foramen condyloidem jederseits.
27. Das Forameu jugale steht vom Foramen carotis externum merklich ab.
28. Das Occipitale basilare hat ungefähr in der Gegend des unteren Endes des abwärts ziehenden Fort-
satzes des seitlichen Hinterhauptbeines seine grösste Breite.
29. Der unterste Punkt des Condylus occipitalis und die tiefst gelegenen Punkte des paarigen Tympanicum
liegen fast in einer zur Cranial-Dachfiäche parallelen Ebene. Bei Gaimlis liegt der erste Punkt merklich iiöher
als die letzteren.
30. Die unter dem Condylus gelegene Partie des Occipitale basilare ist im Allgemeinen. nach rückwärts
convex, das untere Ende mehr weniger abgerundet.
31. Die fast kreisrunde Apertura Eustachii ist in der Hinteransicht des Schädels wahrzunehmen.
32. Die Fossa temporalis ist länger als breit. Das Verhältniss der Länge der Fossa temporalis zu deren
Breite ist
bei Tomistoma Schlegelii = 1 : 0-81
beim fossilen Reste = 1 :0-84
bei Gavialis gangeticus ■= 1 : 1-15.
über pinrn Krol-odil-Srhädd auH den Tertiärahlagerwu/en rnn Ef/ffeubiirfi. 335
33. In den Nares externae springt der untere Kaiid der Dachlamelle des lutermaxillare deutlich vor, und
der in der Höhe dieses Randes gelegene Naresumriss ist birnförmig. Bei Tomistoma Schlegelü hat übrigens auch
der Aussenumriss entschiedene Birngestalt, beim fossilen Reste kommt die Breite der Längenausdehnung fast
gleich (ähnlich wie bei Crocodilus vulyaris).
34. Sowohl betreffs des Verhältnisses der Länge des Foramen palatinums zur Schädellänge als auch der
Länge des Loches zu seiner Breite schliesst sich der fossile Rest innig an Tomistoma SchlegeUi an.
35. Das Foramen palatinum ist nicht in der Mitte, sondern etwa im hinteren Drittel am breitesten.
36. Das Supramaxillare nimmt einen verhältnissmässigen Antheil au der äusseren Begrenzung des
Foramen. (Beim fossilen Reste weit über ein Drittel !)
2. Der fossile Rest hat mit Gavialis gangeticus gemein:
L Steiler Abfall des Parietale gegen die Innenwand der Fossa temporalis, ebenso bei Corodilus vulgaris
2. Die Gaumenuaht zwischen lutermaxillare und Supramaxillare umschliesst keinen deutlich ausgebildeten
rücklaufenden L;ippeu der Interuiaxillare.
3. Der allgemeine Verlauf der verliältnissmässig laugen Naht zwischen Palatinum und Supramaxillare.
4. Der allgemeine Umriss des Parietale, abgesehen von der schmalen Wand zwischen den Schläfengruben.
5. Das Parietale hat an seinem Hinterrande einen deutlichen Ausschnitt zur Aufnahme einer Occipital-
Christa.
6. An dem ganzen, der Fossa temporalis zugewendeten Rande der Obenansicht hat das Parietale einen
wohl entwickelten, zum steilen Abfalle gegen die Schläfengruhe mit beitragendem Wulst.
7. Der Verlauf der Naht zwischen Parietale und Frontale principale ist ein sehr einfacher, ohue Aus-
zackungen.
8. Starke Einbuchtung des hinteren und mittleren Abschnittes des Frontale principale gegen die
Mittellinie.
9. Die Naht des Nasale mit dem Frontale anterius ist ungeföhr gleich mit jener des Nasale mit dem
Lacrymale.
10. Die Nähte des paarigen Nasale mit dem paarigen Lacrymale linker- und rechterseits zeigen bei ihrem
Verlaufe nach vorne eiue ganz schwache Divergenz.
11. Der Winkel, den der vordere und äussere freie Rand des Mastoideum an der Dachfläche bilden, ist
ungefähr gleich einem rechten.
12. In der Aussenansicht treten Tympanicum und Frontale posterius nicht in Verbindung.
13. In Bezug auf die Länge des Lacrymale, vom vorderen Orbitarande an gerechnet, schliesst sich der
fossile Rest enge an Gavialis gangeticus an; diese Länge verhält sich zur Schädellänge (vom Hinterrande
des Parietale an) :
bei Gavialis gangeticus vrie 1 : 7"7
beim fossilen Reste „ 1:7-4
bei Tomistoma Schlegelü „ 1:5-9
14. Das Lacrymale ist am Orbitalrande stark aufgewulstet.
15. An der inneren Begrenzung des Lacrymale nimmt ausser Frontale anterius und Nasale auch das
Supramaxillare Antheil.
16. Das Supramaxillare schiebt sich nicht nur zwischen Nasale und Larymale, sondern auch zwischen
Lacrymale und Jugale ein; die Naht mit diesen Knochen bildet also zwei nach vorne gerichtete Schlingen.
17. Die nach aussen und etwas nach vorne von dem Foramen iucisivum befindliche Fossa dentalis liegt
nach einwärts von der (von hinten gerechnet) vierten Intermaxillaralveole. (Bei Tomistoma Schlegelü liegt
dieselbe vor- und einwärts von dem 3. Zwischenkieferzahne.)
18. Das lutermaxillare des fossilen Restes besass wie jenes von Gavialis gangeticus jederseits f ü nf Zähne,
und nicht wie bei Tomistoma Schlegelü vier.
336 Toiila — Knil.
19. Der (von hinten gerechnet) dritte und vierte lutermaxillarzahn stehen viel weniger weit von einander
entfernt als die übrigen.
20. Die von dem links- und rechtsseitigen, sich zwischen das paarige Supramaxillare einschiebenden Fort-
sätze des Palatiuum gebildete, mehr weniger dreieckige Fläche ist circa zweimal höher als breit. Tomistoma
Schlegeln breiter als hoch! (Fossiler Rest 2 mal, Gavialls (/nn(jeficna 1-8 mal.)
21. Der längste Durchmesser der Fossa temporalis convergiert nach vorne gegen die Mittellinie
des Kopfes.
22. Die obere Orbitamündung ist breiter als lang.
3. Der fossile Rest unterscheidet sich sowohl von Tomistoma Schlegelii als auch von
Gavialis gangeticus:
1. Occipitale superius in der Draufsicht der ganzen Ausdehnung nach deutlich wahrzunehmen.
2. Geringe Breite des Parietale zwischen der linken und rechten Fossa temporalis (wie bei Crocodilus
vulgaris).
3. Die Einsenkung des Oberrandes derOccipitalansicht gegen die Medianebene (wie hei Crocodilus vulgaris).
4. Das Parietale trägt am hinteren Theile eine mächtig ausgebildete Sculptur.
5. Die Naht zwischen Parietale und Occipitale superius ist in der Draufsicht gut sichtbar (besser als bei
Tomistoma Sclilegelii).
G. Deutliche Einbuchtung gegen die Mittellinie des Frontale principale in dem zwischen dem paarigen
Frontale anterius gelegenen Abschnitte.
7. Die Breite des theils zwischen das |)aarige Frontale anterius, theils zwischen das paarige Nasale
eingekeilten Fortsatzes des Frontale principale beträgt nicht den fünften Theil der grössten Breite des
Knochens.
8. Der vordere Theil der Naht des Frontale principale mit dem Frontale anterius ist eben so lange wie die
Naht desselben Knochens mit dem Nasale.
9. Die Naht des Nasale mit dem Frontale principale ist ungefiihr gleich jener desselben Knochens mit dem
Frontale anterius.
(Bei Tomistoma Schlegelii betragen diese Dimensionen 1 '8 und 2-4 im Mittel)
(bei Gavialis gangeticus „ „ „ 6-2 „ 2-9 „ ,, )
10. In der Ansicht von oben und aussen ist der vordere Abschnitt des Mastoideum nur um ein geringes
länger als die hintere, sich an das Tympanicum und das Occipitale laterale anlegende Partie.
1 1 . Der vordere Abschnitt des Mastoideum fällt seitlich steil ab, fast wie bei Crocodilus mdgaris.
12. Das Mastoideum zeigt in der Occipitalansicht keinen wohlausgebildeten, nach hinten deutlich vor-
springenden Wulst und der Rückahfall des Knochens ist nicht besonders steil,
Ki. Das Foramen postorbitale wird oben nicht bis nach vorne von einer Leiste des Temporale begrenzt
(ebenso bei Crocodilus vulgaris!)
14. Der sich von unten in die Fossa temporale hereinwölhende Theil des Tympanicum tritt mit dem Fron-
tale posterius an der Aussenwand der Schläfengrube in direete Verbindung, weit inniger als bei Crocodilus
vulgaris.
15. Der von Condylus maxillaris bis zum hinteren, seitlichen Ende des Occipitale laterale ansteigende
Theil des Tympanicum ist verhält nissig lang, ähnlich wie bei Crocodilus.
Das Verhältniss dieses Theiles des Tympanicum zu seiner Länge, vom äusseren Knorren bis zum vordersten
Punkte der sich aussen an das Mastoideum anlegenden Partie des Knochens ist:
beim fossilen Reste .... wie 1 : 2-8,
bei Crocodilus vulgaris . . ,, 1 : 2 • 9,
„ Gavialis gangeticus . . „ 1 : 3 • 3,
„ Tomistoma Schlegelii . „ 1 : 3-321
über einen Krokodil- Schädel aus den Terfiärahlagerungen von Eggenburq. 337
16. Das bei den recentenCrocodilinen nahe dem hinteren Theile des Innenrandes desTympanicum vorfind-
liche,, Foramen aereum" und die den Verlauf des „CanalisStannii" Brühl — dessen äussereMündung das ange-
gebene Foramen ist — aussen bemerkbar machende, wulstartige, schief gegen das Occipitale laterale hinziehende
Erhabenheit können am fossilen Reste, trotz guten Erhaltungszustandes dieser Stelle nicht constatiert werden.
17. Die Naht des Tympanieum mit dem Temporale ist auf der Unterseite verhältnissmässig kurz:
Nalitlänge Grösste Länge des Tyraiianicum
Fossiler Rest 13-4™ ca. 20-0™ =1:1-5
Tomlstoma SchlegeUi 8-8 9-4 =1:1-06
Gavialis gangeticus 15-2 15-2 ^1:1.
1 S. Die innere Hälfte der Naht zwischen Tympanieum und Occipitale laterale entfernt sich bis zur Mün-
dung des Canalis caroticus nicht vom Unterrande des letzteren Knochens.
19. Das Temporale hat einen bedeutenden Autheil an der Bildung des unteren Randes des Arcus iem-
poralift inferior: beim fossilen Reste 6-1"", bei Gavialis gangeticus 3-7'''", bei Tomist oma Schlegelii 1-3™.
20. Der vordere Abschnitt des Frontale anterius, der hintere Antheil des Nasale und das Vorderende des
Frontale principale bilden zusammen eine wohlausgeprägte Wölbung gegen die Medianebene.
21. Die grösste Breite des zwischen Nasale und Lacrymale liegenden Knochentheiles des Frontale anterius
ist auffallend gering; es verhält sich zur Länge des ganzen Knochens:
beim fossilen Reste .... wie 1:5-7
bei Gavialis gangeticus . . „ 1:2-8
„ Tomisfoma Schlegelii . „ 1:2-7.
22. Das Lacrymale ist breit-zungenförmig entwickelt, nach vorne nicht in eine Spitze auslaufend. fÄlin-
lich wie bei Crocodilus vulgaris.)
23. Die Breite des Supramaxillare steigt beim fossilen Reste vom Ilinterende des Intermaxillare (3-2"")
bis etwa zum Vorderende des Lacrymale (6-4"") auf das Doppelte.
(Bei Tomistoma Schlegelii von 1 • 3"" auf 1 - 5'")
( „ Gavialis gangeticus „ 3-4°'" „ .3-7"").
24. Der Schnauzenquerschnitt ist stark abgeplattet, die Mediannaht der Snpramaxillaria auf der Unterseite
liegt in einer wohlausgeprägten Furche und zwar im allgemeinen der Dachfläche näher als die Innenwände
der Zahnalveolen-Mündungen.
25. Der Alveolenrand des vordersten Supramaxillarzahnes steht vom Alveolenrande des hintersten Inter-
maxillarzahnes bedeutend ab: 4-9""! Bei Totnistoma Schlegelii 1-6™, bei Gavialis gangeticus circa 2-0''".
26. Die erhaltenen Supramaxillarzähne besitzen eine äusserst zarte Längsstreifung, einen elliptischen
Querschnitt und kaum eine Neigung zur Zweischneidigkeit.
27. Der rückwärts laufende, sich zwischen Nasale und Supramaxillare einschiebende Fortsatz des Inter-
maxillare ist auffallend lang (8'^'", bei Tomisfoma Schlegelii circa 1-5'='").
28. Bei Tomistoma Schlegelii gibt die Entfernung der vordersten Punkte des links- und rechtsseitigen
Supramaxillare fast, bei Gavialis gangeticus genau auch die Schnauzenbreite an der betreffenden Stelle an;
beim fossilen Reste bleibt diese Entfernung merklich hinter dieser Breitendimension zurück (4-4"'" gegen 5-5'''").
29. Der seitliche Rand des Palatinum erreicht den Ilinterrand des Foramen palatiuum nicht.
30. Das paarige Palatinum ist nach hinten halbkreisförmig abgerundet. Bei Gavialis gangeticus nnäTomi-
stoma Schlegelii erhält die hintere Begrenzung der beiderseitigen Palatina die Form eines Ausschnittes.
31. Der seitliche, freie Rand des Palatinum biegt seiner ganzen Länge nach, also auch in der vor-
deren, dem Canalis muscularis zugekehrten Partie, fast senkrecht zu einer aufwärts steigenden, das
Foramen palatinum innen begrenzenden Fläche um.
32. Der mediane Theil der Gaumenplatte ist auffallend dick; er misst am hinteren Ende 1-7''", ist also
doppelt so dick als beim vorliegenden Exemplare von Gavialis gangeticus.
Oenkschrifien di'i iiialhäm. n.ilurw. Cl. L. Bd. AblLiiidlunt^en von NichLinitgliedern, S3
333 Toula — Kail.
33. Beim fossilen Reste ist der wulstig aufgeblähte Aussenrand des Pterygoideum unterseits um wenig
über die Hälfte vom Transversum bedeckt; fast die ganze hintere Hälfte des unteren, seitlichen Randes also
bleibt frei. (Ahnlich bei Crocodüus vulgaris.)
34. Das Pterygoideum nimmt beim fossilen Reste entschiedenen Antheil an der Bildung des Innenrandes
des Foramen palatinum (etwa 2""!). (Ahnlich verhält es sich bei Crocodilus vulgaris.)
35. Der vom Pterygoideum gebildete Hinterrand übertrifft bei dem fossilen Reste jenen bei dem fast gleich
grossen Schädel von Gavialis gangeticus fast um das Doppelte (3 — 1-7"").
36. Der lunenrand des verhältnissmässig breiten, zum Supramaxillare hinziehenden Fortsatzes des Trans-
versum zeigt keine Einkerbung. Fehlt auch bei Crocodilus vulgaris.
37. Das Hinterende des Transversum ist quer abgestutzt, nicht wie bei den in Vergleich gezogenen,
recenten Crocodilinen, spitz zulaufend.
38. Das Transversum tritt mit dem Pterygoideum vom Foramen palatinum an bis zum hinteren Ende in
innigen Contact mittelst einer wohl ausgebildeten, gewöhnlichen Naht, die sich fast unmerklich, besonders
rückwärts, auf die Oberseite hinüberzieht, und erst hier in eine typische Hchuppcnnaht übergeht.
39. Die untere Region des Occipitale superius zeigt beim fossilen Reste eine median gelegene, kielartige
Erhabenheit, die, an Stärke stetig zunehmend, bis zum unteren Ende des Knochens hinzieht.
40. Vom Oberrande des nach rückwärts strebenden Fortsatzes des Occipitale laterale zieht beim fossilen
Reste ein deutlich ausgeprägter Wulst ohne Unterbrechung quer nach aussen bis zum seitlichen Knorren des
Occipitale laterale.
41. Der von der Hauptfläche des Occipitale laterale nach rückwärts zum Condj'lus occipitalis liinziehende
Fortsatz biegt fast senkrecht ab; das an der Umbiegungsstelle, medianwärts gelegene kleine Foramen con-
dyloideum ist somit von hinten nicht sichtbar.
42. Der „CanaHs temporalis" Brühl mündet sehr nahe dem Unterrande des Occipitale laterale.
43. Die untere Hälfte des Foramen occipitale ist stark gekrümmt, fast halbkreisförmig gestaltet. (Ahnlich
vne bei Crocodilus vulgaris).
44. Der nach vorne abfallende, geradlinige Innenrand der Fossa temporalis liegt um circa 2 •2°'" tiefer
als der Aussenrand.
45. Das Tenipoiale nimmt einen verhältnissmässig grossen Antheil an der Bildung des Unterrandes des
Foramen ijostorbitale, einen bedeutend geringeren Antheil aber als bei Tomistonia und Gavialis an der Bildung
der oberen Umgrenzung dieser Öffnung.
G. Schlussfolgerungen.
Was die Zugehörigkeit unseres Restes anbelangt, so kann es nach allen Merkmalen keinem Zweifel unter-
liegen, dass wir es dabei mit einer neuen Zwischenform zwischen Gavialis und Crocodilus zu tliun
haben. Von den recenten Gattungen, wie sie Gray (1. c. 1869) aufstellt, kommen dabei nur Tomisfonia Sc/ile-
gelii {BJiyncIwsuchus Huxley) und Mecistops Gray in Betracht.
Von Tomistoma heisst es in Bezug auf die an unserem Exemplar wahrnehmbaren Charaktere : Schnauze
20 20 20
konisch, am Grunde dick, Zähne t-; — -; (,-5 — r-, nach Carus), die hinteren Zähne des Oberkiefers und fast alle
lö — -lo ^lo — ly '
unteren passen in Gruben zwischen den gegenüberliegenden Zähnen; Zwischenkiefer kaum verbreitert. Orbital-
rand nicht aufgewulstet. (Dem fügt Carus noch bei: Zwischenkiefernalit nicht bis zum dritten Zahn reichend.)
Von Mecistops lautet die Charakteristik (bei Carus, Handbuch d. Zoologie, I. ßd. S. 409): Schädel ver-
längert, Schnauze schmal, Zähne 18/15, weniger ungleich als bei den anderen (Crocodilinen). Bei Gray
heisst es (1. c. S. 156): „Face subcylindrical, scarcely dilated in the middle. Orbita simple .... Intcrmaxillary
produced behind and embracing the front end of the nasal."
Mecistops wurde früher zu Gavialis gestellt; Gray stellte die neue Gattung auf, da die Structur des
Schädels und die Stellung der Zähne wahre Krokodil-Charaktere aufweisen.
über einen Krokodil-Schädel aus den Tertiärablageriingen von Efigenhurg.
339
cbrachten Maassc.
Auf die nahe Verwandtschaft von Mcciatopä mit Toinidoma Schlegeln wird wiederholt hingewiesen.
Von auffallenden, von unserer Form abweichenden Merkmalen seien betreffs der Art Mecistops cata-
Fig. 3. (V5 nat. Gr.) pJmictus Cii\. sp. hervorgehoben: DasLacrymale legt
Übersicht über die in der folgenden Tabelle in Vergleich gid, unmittelbar an das entsiirechende Nasale. Die
"^Supramaxillaren sind an der Unterseite nicht so stark
zuugenförniig vorgezogen. Die Interraaxillaren sind
an der Unterseite nicht so spitz nach rückwärts gezo-
gen. DieNälite derGaumenbeine mit den Flügelbeinen
bilden einen stumpfen Winkel nach vorne, während
bei unserer Form die Nähte etwas nach rückwärts
gezogen sind. (Eine Übereinstimmung besteht dage-
gen in den stark nach vorne vorgezogenen Enden der
Gaumenbeine). Das Transversum ist mit einem auf-
fallend weit nach vorne reichenden Aste versehen.
Die Fossa temporalis ist länger als breit.
Die Hauptunterscheidungsmerkmale aber blei-
ben immer: die bei Mecistops vorne auffallend verbrei-
terte Schnauze, die Anscli wellung derselben in der
Gegend des fünften, grössten Zahnes im Supramaxil-
lare, die viel geringere Anzahl der Zähne in den
Supramaxillaren (13!), von denen, wie erwähnt, der
fünfte, in der Anschwellung gelegene, der grösste ist;
in den Intermaxillaren stehen nur vier Zähne jeder-
seits, so dass die Gesammtzahl der Oberkieferzähue
(1. c. Taf. 32, Fig. 3) nur 17 jederseits beträgt.
Aus dem Gesagten geht hervor, dass die Gat-
tungscharaktere, wie sie h\r Tomistoma gegeben wur-
den, mit Ansnahme des Abganges derAufwulstung des
Lacrymale am Orbitarande und der walzlich konischen
Form der Schnauze bei Tomistoma gegenüber dem
breit ellipsoidischen, abgeplatteten Schnauzenquer-
schnitt von Crocodilus Egyenburgensis, mit diesem weit
besser übereinstimmen als jene des Genus Mecistops.
Die fünf Zähne in den Intermaxillaren unseres
Fossils, sowie die Anfwulstung des Lacrymale am
Orbitarande unterscheiden dasselbe dagegen wieder
\on Tomisfoiim. Die detailliertere Unterscheidung von
den verwandten Formen ist schon im Vorhergehenden
für Tomistoma Schleyelii wwA Gavialis gamjeticus gege-
ben worden, sie geht aber auch aus der folgenden
Übersicht- und Vergleichungstabelle hervor.
In der nachfolgenden Tabelle sind die Dimensionen des Krokodiles von Eggenburg mit jenen der zunächst
stehenden lebenden und fossilen Formen in Vergleich gebracht. Dabei wurden für die lebenden Formen die
erwähnten Schädelskelette zum Theile direct benützt ; für Mecistops mussten die Masse nach den vortrefflichen
Abbildungen in den Transactions der zoolog. Soc. genommen werden. — Bei den fossilen Formen waren wir
gleichfalls auf die Abbildungen in Owen, Blainville undZigno angewiesen.
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Ein Überblick über die Ergebnisse dieser vergleichenden Messungen zeigt, dass das Krokodil von Eggen-
burg in den Maassverhältnissen mit den in Vergleich gebrachten recenten Gattungen und Arten in viel grös-
serer Übereiustiminung steht, als mit den ihm zunächst kommenden fossilen Formen.
Wir ersehen aber auch daraus, dass unser Rest mit keiner der genannten recenten Typen in Bezug auf
die Gattungscharaktere in vollkommene Übereinstimmung zu bringen ist, sondern dass er von einer neuen
Mittelform herstammt, indem die Maassverhältnisse der Kopflvnochen vielfach Mittelwerthe vorstellen zwischen
den entsprechenden Maassen von Gavialis, Tomistoma und Mec/stops.
Die wichtigsten Abweichungen, welche Gavialis zeigt, liegen in den Maassen 3 (Länge der
Nasalia) und 16 (Länge des Foramen palatinum). Aus dem ersteren folgt auch der auffallende Unterschied in
den Verhältnissen der Mediannahtlänge der Nasalia zu jener der Intermaxillaren (22 : 21). Aus dem zweiten
Maassenverhältnisse ergibt sich auch das verschiedene Verhältniss der Breite zur Länge des Foramen pala-
tinum. Ausserdem wäre auch das abweichende Verhältniss zwischen Schädeldach und Gesammtbreite des
Schädels (27 : 26) anzuführen.
Dazu kommen': die plötzliche Verschmälerung der Schnauze bei Gavialis unmittelbar vor den Augen-
öffnungeu und die löifelartige Verbreiterung des Schnauzenendes. Die Zahl der Zähne bei Gavialis beträgt im
Oberkiefer und Zwischenkiefer 27 --28.
Die wichtigsten Abweichungen, welche bei ToDÜstoina auffallen, sind:
Die geringe Länge des Temporale (7),
„ „ „ „ Palatinum (13),
„ abweichenden Maasse des Frontale principale (2),
„ weit grössere Länge des Lacrymale (23),
„ bedeutende Scheitelbeinbreite (24).
Die wichtigsten Abweichungen, welche ifet/s^o^js auszeichnen, sind:
Die grosse Länge des Frontale principale (2) und zwar ganz besonders der vorderen Spitze des-
selben (20),
„ geringe Länge des Temporale (7),
„ grosse Länge des Frontale anterius (9),
„ ,, ,, „ vorderen Transversum-Astes (14),
„ .. Breite des Scheitelbeines zwischen den Schläfengruben (24),
„ geringe Breite des langen Lacrymale (23). •
Bringt man diese Folgerungen aus der vergleichenden Tabelle in Zusammenhang mit den am Eingange
dieses Abschnittes erwähnten Thatsachen in Bezug auf die Bezahnung, so ergibt sich als thatsäcliliches Schluss-
resultat der durchgeführten Vergleichung die Bestätigung des gemachten Ausspruclies, dass wir es bei dem
Krokodil-Schädel von Eggenburg mit einer neuen Zwischenform zwischen Gavialis und Crocodilus zu thun
haben, für welche wir den Namen Gaoialosuchus vorschlagen möchten, wobei wiederholend hervorgehoben
werden soll, dass unsere Form, mit den lebenden Gattungen verglichen, als mit Tomistoma (Rhynchosiichus
Huxl.) nächst verwandt bezeichnet werden muss. Unser Fossil würde sonach als Crocodilus {Gavialosuchus nov.
gen.) E(j(jcnbur(/ensis nov. sp. zu bezeichnen sein.
' Eine grosse Schwierigkeit bleibt, wie z.B. aueli Gray mit Recht hervorlicbt, für gewiss noch längere Zeit der Ab-
gang von vergleichenden Messungen, ausgeführt an einer grösseren Anzahl von Individuen derselben Art, eine Schwierigkeit,
die freilich auch für viele andere Familien besteht.
über einen Krokodil- Schädel aus den Tertiärahlagerungen von Eggenhiirg. 343
Zusammenstellung der auf die tertiären procoelen Crocodilinen und ihre Vorläufer Bezug habenden
Literatur.
1824. K. Harlan beschreibt im Journal of the Acad. of nat. Sc. in Philadelphia, im IV. Bd. S. 1.5, Taf. 1 ein Krokodil mit
1 1 Zähnen oder Alveolen eines ecliten Krokodiles unter dem Namen Crocodiltis »mcrorhyiichus aus den Kreideschichten
von New-Jersey. Die Zähne sind ungemein dick und kurz. (Man vergl. Neues Jahrb. 1855, S. 105).
1825. Cuvier: Reeherches sur les ossements fossiles de quadrupedes (i. Auflage. Paris 1812 in 4 Bänden) III. Aufl. V. Bd.
2. Partie, Paris 1825. Sur les Ossements fossiles de Crocodiles, S. 109 — 173. Nach ausführlicher Besprechung der
mesozoischen Crocodilinen (im weiteren Sinne) werden die tertiären Beste aufgezählt und in Kürze besprochen u. zw. :
1. Das Krokodil des Lignetes und des argile plastique von Auteuil bei Paris, S. 16.3, Taf. VI, Fig. 18 u. 19.
2. Das Krokodil aus dem Lignite der Provence: die Hälfte eines Humerus, Taf. VI, Fig. 17). Gefunden von
Blavier.
3. Das Krokodil von Sheppey an der Themsemündung (ges. von G. A. Deluc). Ein kleiner Wirbel (nicht
abgebildet).
4. Das Krokodil aus demGyps von Mont-martre (Crocodilus des plätriöres, S. 116). Aus dem Gyps des
Mont martre beschreibt Cuvier Knochen von Krokodilen Vol. III, S. 335— .JST. Ein Frontale einer kleinen
Form, Vol. III, Taf. LXXVI, Fig. 7 u. 8, (ob von Alligator'?). Eiu Humerus-Bruchstütk 1. c. LXXVII,
Fig. 3 u. 4 eines etwas grösseren Thieres.
5. Das Krokodil von Argenton (V. S. 166). Aus den Kalken mit Paläotherien liegen vor: Einige Zähne
Taf. X, Fig. 17, ein Stück aus der Orbital-Kegion Taf. X, Fig. 18, und Stücke der Tibia, Taf. X, Fig. 21 n. 22.
(Ges. vou RoUinat).
6. Krokodile aus dem Schotter von Casteluaudary (ges. von Dodun). Vol. V. S. 168, Taf. X, Fig. 35
u. 36 werden zwei Wirbel abgebildet.
7. Das Krokodil von Blaye, V. S. 169. Zähne besprochen im Vol. I, S. 333 (ges. von M. Jouannet).
8. Das Krokodil von Brentfort in Middlessex, fges. von M. G. A. Deluc. Ein Calcaneum.
9. Das Krokodil von Mans' (ges. von Mauny). Ein Kieferstück mit 6 gestreiften, jenen des Gavial ähnlichen
Zähnen.
Von den mesozoischen Resten werden als von Krokodilen stammend angeführt: i. Ein Zahn aus der Kreide
von Meudon (S. 161, Taf. VI, Fig. 9) und 2. die von Mantell in den eisenschüssigen Sauden von Tilgate Forest in
Sussex gesammelten Zähne (Taf. X, Fig. 25—27 u. 30) und die Wirbel (1. c. Fig. 31, 34 n. 28), welche jedoch an
ihren Gelenksflächen, wenn auch nur wenig, concav sind.
1826. Scortegagno: Sopra le ossa dei Coccodrillo della Favorita presso Lonigo. Giournale dell' italiana letteratura I.
LXIV, Ser. 3, III. Padova 1826 con due Tavole S. 3—34.
Aus den Eocänschichten südlich von Vicenza werden eine Anzahl von Schädelknochen in Bruclistücken, Zähneu
und Wirbeln beschrieben und abgebildet. Aus denselben Schichten hat Arduino schon viel früher (Giornale
d'Italia Venezia nel Milocco 1765) Reste von Krokodilen erwähnt und neuerdings hat Zigno über ein Krokodil
dieses Gebietes ausführlich berichtet (I. e. Roma 1880).
1828. W. Clift: Qu the fossil Remains of new si>ecies of Mastodon, and of other vertcbrated auimals, formed on tlic left
Bank of the Jrawadi (250 Miles unterhalb Ava). Transact. of the geological Soc. of London. See. Series. Vol. II
Fam. Crocodilkhte. S. 375, Taf. XLIII.
Lepturhynchus sp. Nahe stehend „wenn uicht identisch mit dem grossen Gavial", und ein Krokodil, vergleich-
bar dem Crocodilus vuhjans. Cuv. Vou ersterem Thlere liegen nur einige Wirbel und zwei Unterkiefer-Bruchstücke
vor. (Fig. 4 u. 5).
1832. Herrn, v. Meyer: Palaeologica zur Geschichte der Erde und ihrer Geschöpfe, S. 108 nannte die beiden, von Clift
1828 gefundenen Formen Leptwhynchiis Cliftii und Crocodilus Cliflü.
1831. J. E. Gray: Synopsis reptilium; on chort deseription of the species of Reptiles. London.
Gibt aufS. 54—64 eine sy.steniatische Uebersiclit über die Emydosaurier und führt auch die fossilen bi.s d;ihin
(hauptsächlich durch Cuvier) bekannt gewordenen Reste an, wobei er wohl auch ganz unzureichende Fundstücke
mit neuen Namen bezeichnet. Von tertären Gavialen ist nichts verzeichnet, dagegen werden 11 verschiedene
Crneodüus- Arten angeführt, wovon 9 tertiär sind u. zw. Crocodilus Bequerdi Gray (= Cr. d' Auteuil Cuv.)
Cr. Bhnueri Gray (=Cr. de Provence). Cr. Deluci! Gray (= Croc. de Sheppey Cuv.). Croc. Citvicri Gray (= Cr. des
Piatieres Cuv.) Cr. BotUiialii Gray (= Cr. des Marnieres d' Argenton Cuv.) Cr. Dodimii Gray (= Cr. des Graviers de
344 Toula — Kail.
Castellnaudary Cuv.) Cr. Fouaneti Gray (= Cr. de Blaye Ciiv.). Cr. Trimmer! Gray (= Cr. v. Brentfort Cuv.)
Cr. Maunyi Gray (= Cr. du Mans. Cuv).
Die genannten Formen sind, wie sclion erwähnt wurde, durchwegs von Cuvier als nicht nälier bestimmbar
bezeichnet, und somit auf voUltomraen unzureichendes Materiale gegründet. Gray führt am Schlu.ssc ; einer Auf-
zählung an, dass einige der genannten Ai'ten zu dem Genus AUiyator gehören mögen.
Das Krokodil von Meudon Cuvier wird als Crocodilus lironyiiiarlii Gray, das Krokodil aus dem VVealdeu von
Tilgate forest als Crocodilus MatUdli Gvay citiert.
1833. Geoffroy Saint Hillaire: 1' Institut. Journ. des Acad. et See. scient. de la France 1833 I., S. 137— 13S.
Das Vorkommen von Krokodil-Kesten in der Auvergne wird hier in einer Notiz zuerst erwähnt und hervor-
gehoben, dass sich das betreffende Krokodil mehr den recenten als den mesozoischen Formen {Tehosutirus und
Steiieosaurus) nähere, und ein neues Geschlecht bilde.
(J835). Im 42. Bande der M6m. et Ann. du Museum d'Histoire nat. Paris, S. 101 u. 108 wird für dieses Krokodil der Gattungs-
name OiiJiosourus aufgestellt. {Crocodilus Elaverensis Bvav a.\(l 1844).
1834. R. Harlan. In den „kritischen Bemerkungen über einige bisher in Nordamerika gefundene organische Reste" in den
Transactions of the geol. See. of Philadelphia I, (James Edinburgh new philos. Journ. 1834, XVIII, S. 28—40)
wird das Vorkommen einer dem Crocodilus gangeticus Cuvier sehr nahe verwandten Form aus New-Jersey erwähnt.
In Bronn: Geschichte der Natur, III 1 a, S. 352 und III 2, S. CS7 wird diese Form als Crocndihis Ilarhiiri
Meyer) citiert). (Palaeologica: Zur Geschichte der Erde und ihrer Geschöpfe 1832. 108, 198, 363).
1835. Scorteg'agna, Sopra il teschio di un Coccodrillo fossile rinvenuto nel Monticello di Louigo. Atti del'Ateneo veneto
vol II, Venezia 1835.
1835 — 1837. Cautley u. Falconer führen in mehreren Journalen das Vorkommen von tertiären Krokodilen in den Sewalik-
Bergen an. 1. Journ. of the Asiatic Soc. of Bengal. Calcutta 1835 Sept. 2. Asiatie Researches of Calcutta 1836 XIX,
S. 25). 3. London. Edinburgh phil. Magazine 1847 XI, S. 393 u. 394. 4. Ann. Sc. nat. 1837, B. IV, S. GO -62. Von
Cautley: 1836: Note on the fossil Crocodile of the Sivalik Hills.
Es werden genannt: Crocodilus hijmrcatus (?J, Gavialis ganyeticus (?) und eine dritte an denGavial sich ansehlicssondc
Form, welche von Giebel, PictetundR. Owen (Palaeont. 1860, S. 278, 2. Aufl., S. 306) als Crocodilus crassidc.ns
citiert wird.
1836. W. Buckland in seiner Bridgewater Treatise (London 1836, Vol. II, S. 36. Taf. 25, Fig. 1), führt ein laugschnauziges
Krokodil unter dem Namen Crocodilus Spenceri an, unter welchem Namen nach R. Owen sowohl Crocodilus toliapicus
als auch Cr-Ocodilus chanipsoides zusammengefasst erscheinen, während Vailland (1. c. 1872, S. 13 u. 14) nur Crocodilus
toliapicus Owen als Synonym für Crocodilus Spencer! Buckland betrachtet wissen will, womit auch die Buckland'-
sche Charakterisierung „Crocodil with a chort and broad snout" bestens stimmen würde, und daher den erstoren
Namen zu Gunsten des älteren einziehen möchte.
1838. M. deSerres: Note über die Thiere der ober-tertiären Meeres-Formation der Gegend von Montpellier. Annal. nat.
Zool. B. IX, S. 280—292 (286).
Das seltene Vorkommen von Krokodil-Resten, von mehreren Arten stammend, wird angeführt.
(1844). In den Annalen von 1844, C. 1, S. 168 — 190 wird von Marcell de Seres das Vorkommen mehrerer Zähne von Croco-
diliuen in den Süsswasserbildungen von Castelnaudary angeführt.
1838. H. V. Meyer: Neues Jahrbuch 183S, S. 6G7. Aus der Molasse von Stein am Rhein wird das Vorkommen einzelner
Zähne mit compacter Zahnkrone erwähnt (Crocodilus plenidens, H. v. Meyer).
1839. H. V. Meyer schlägt (Neues Jahrbuch, S. 76 u. 77) vor, Crocodilus plenidens als den Typus einer neuen Gattung hinzu-
stellen und als PlerodOn crocodiloides zu bezeichnen.
(Bietet: Trait6 de palöont. 1853, S. 481 denkt dabei nur' an eine Anomalie der Zahnaiisbilduug oder des
Erhall ungszustandes.)
1841. R.Owen. Zweiter Bericht über die fossilen Reptilien Grossbritanniens, Report, of the British Association for the
advancement of Science 1841 (l'Institut Paris 1842 X, S. 11 — 13, Neues Jahrb. 1842, S. 491.
Von procoelen Krokodil-Resten wird nur angeführt:
Crocodilus (SuchosaurusJ cultridens Owen aus dem Wealden {Siwhosaurus nov. gen. Owen). Goiuopliolis crassidens
Owen aus dem Purbeckkalke von Swenage und im Tilgate Forest bei Battle Abbey. (Zwei amphicoele Vorläufer-
formen.) Crocodilus toliapicus Qf^exi aus dem Londonthon von Bracklesham auf Sheppey.
1843. H. V. Meyer: Summarische Übersicht der fossilen Wirbelthiere des Mainzer Tertiärbeckens. Neues Jahrbuch 1843,
S. 393 — 395, verzeichnet das Vorkommen von vier verschieden grossen alligatorartigen Krokodilen unter deu Namen
Crocodilus Bruchii, Crocodilus Bahtii, Crocodilus medius und Crocodilus Brauniorum, Formen , welche neuerlich von L u d-
wig als verschiedene Altersstufen des Alligator Darwitii Ludw. (s. w.u.) erkann; wurden.
1843. Bravard: Ann. scient. etc. dell' Auvergne Clennont Ferrand 1843, Bd. XVI. S. 439.
1844. Bravard: Consid. sur la distr. des Mammifeies du Puy-de-D6rae.
Crocodilus Elaverensis wird benannt. (Ohne Beschreiljung und jVbbildung.)
über einen Krokodil-Schädel aus den Tertiürahlayerungcii ron Kyyeiihiuy. 315
ISll. Scarics-Wood. Recorcl of tlic discovery of an Alligator witli several ncw Mammalia in tlic iVcshwater Strata at
Hordwcll, Ann. and Mag. of nat. Hist. 1844, Bd. XIV., S. 349.
Audi 184.5: riustitut: Journ. des Acad. et Soc. scient. de la France et de 1' Etranger 1815, Xlli, S. 39 u. 40.
Der später von K. Owen (1850) ausführlich beschriebene und abgebildete schöne Alligator wird zuerst
namhaft gemacht.
1844 11. 1845. Sam. George Morton. Descriiition of tlie Head of a fossil Crocodilc from the Cretaceous Strata of New-
Jersey. The american Journal of Science and Arts by Sillinian. Vol. 48, April 1845, S. 265—267. (From tlio l'roo.
of the Acad. of Natural Science of Philadelphia for August 1844j. (Neues Jahrb. 1817, S. 381).
CrocudUus (Gavialis?) clavirostris Mort.
Ein Mittelglied zwischen OrococUhis und Gavialis, offenbar ein Vorläufer von Toniif,foma (Ehynchomdtm) und
naher Verwandter von Gavialia macrurhijnchus Blainv. aus dem Danicn, eine grosso Form, die wohl ganz äliuliche
Dimensionen mit unserem Eggenburger Fossil gehabt haben dürfte. (GesailTmtlänge wird sogar auf ca. 34 Zoll,
also sogar bis ca. 90 cm. angegeben). Vom Jugale an fehlte an beiden Seiten das Temporale und Tympanicum
mit dem Kiefer-Gelenke. Die Oberkiefer sind bis zum 13. Zahne (von rückwärts gezählt) erhalten, die Schnauze
fehlt. Nach Morton gehört die betretfeude Ablagerung der oberen Kreideformation an.
1815. Prangner. Über Enneödon Ungeri, ein neues Genus fossiler Saurier aus den Tertiärgebildeu zu Wies im Marlmrger
Kreise Steiermarks, Steiermark. Zeitschrift 1845 5. VIII, mit 1 Tafel, (Neues Jahrb. 1846, S. 112—114).
Ein Schnauzenstuck von 18"" Länge und 8'^"'Breite mit etwas abgeschnürtem vorderen Ende, allmälig an Breite
zunehmend, also in dieser Beziehung an Tomistoma (Rhynchosuclms) auschliessend. „Die Nasenbeine, sehr lang und
breit, reichen bis fast an den Hinterrand der vorderen Nasenöffnung." Durch dieses Merkmal schliesst sich diese
Form inniger an Crocot/ilus an.
(Gerne hätten wir den Originalrest einer nochmaligen, genaueren Betrachtung unterzogen; wie uns jedoch Herr
Dircc-tor Dr. J. Aiclihorn freundliehst brieflich mittheilte, hat der hochlöbl. steierm. Landesaussehuss „die Über-
sendung des Restes nach Wien nicht gestatten können", (übrigens „sei die Abbildung zur Beschreibung dieser
Reste von Prangner recht gut", so dass wir „daher am wirklichen Exemplar kaum viel mehr sehen" würden).
Man vergl. zugleich:
1816. L. Fitzinger. Bemerkungen über Prangner's Enneoilon Uiiyeri aus der Tertiärformation von Steiermark. Neues
Jahrbuch 1846, S. 188—191.
Die unberechtigte Aufstellung des „neuen Genus", sowie die Unrichtigkeit mancher osteologiacher Details
wird dargelegt und der Rest als CrocodiJas Uiigei-i Prangner spcc. bezeichnet.'
1844. Dunker. Programm der Kasseler Gewerbeschule.
1846. Herm. v. Meyer in Dunker. Norddeutsche Wealdenbildung, S. 74—79, Taf. 20. Mau vergl. Neues J.ihrbuch 1846,
S. 856 und 1848 S. 109, oder Bronn: Lethaea II, S. 538).
Macrorlii/iichi'ü ilei/eri Dunker. Zwei in Abdruck erhaltene Schädel eines schm.-ilschnau/.igen, gavialähulichen
Krokodils mit verbreiteter und abgestutzter Schnauze und 34 Zähnen jederseits im Oberkiefer, also um wenigstens
4 mehr als beim Gavial. Die Verschmälerung des Schädels begintit schon in der Augengegend (ähnlich so auch
bei Tomistoma). Die Länge der Nasenbeine ist wohl etwas grösser als bei Gavialis, sie enden schon in 0-446 Met-
Entfernung vom Schnauzenende. Die Gesammtlänge des Schädels inass 0-724 Met., wovon 0-544 auf die Schnauze
(bis zum Augenhöhleuwiukel) entfallen.
Die Frage, ob wir es dabei mit einem procoelen Krokodilier zu thun haben, wurde von Herm. v. Meyer
nicht gelöst.
1S4G u. 1847. Pomel. Note über die im Dep. AUier entdeckten fossilen Thiere. Bull, de la soc geol. de France, i847, Bd. IV,
S. 383, Taf. IV, Fig. 10. (Die erste Mittheilung über die Fossilien im Dep. Allier I. c. 1846, Bd. III, S. 372.)
Das Genus Diplocynodon Poinel wird aufgestellt für die Art Crocoililus llatdli. Der dritte und vierte Unter-
kieferzahn, fast gleich stark, stehen nahe aneinander und greifen gemeinschaftlich in eine grosse Grube des Ober-
kiefers. Zahl der Zähne grösser als bei den lebenden Alligatoren.
Auch in dem „Catalogue inöthodique et descriptif des Vertebrös fossiles etc. Paris 1854, S. 123 wird nur
diese Form aus dem Loire-Becken angeführt. Nach Gervais (s. w. u. 1859) wird Crocodilus (Diplocijnndon) liatdli
Poni. (im Texte irrthümlich Ci: liathii P o m. genannt) als Synonym mit Crocodilm Elaverensis Bravard angeführt.
Crocodilus heterodus von Cuyse-la-Motte. Unzureichende Reste.
Desgleichen Crocodilus obtusidens Pom.
1S17. Pomel (Supplement a la Bibliothique universelle de Geneve, Archives des sciences physiques et naturelles, V. Bd.
S. 302 ff.) bezeichnet ein im Cakaire pisolithique vorkommendes Krokodil als Croaidiliis ciielorliiniis. Dürfte nach
Vaillant (I.e. S. 12) als Synonym für Cr. depressifrons angenommen werden.
Crocodilus isorhijvciius Pomel (^ Gavialis macrorht/iiclius Blainv.) hat einige Alnilichkrit mit de; ui Genus Tomislomu.
1) Erwähnt muss übrigens werden, dass das Genus Enneödon ebenso wie ürfliosaiirus Gcoffr. (I.S35) in dem Hand-
buche von V. Carus (I. Bd., S. 409) sowohl, als auch in jenem von C. Claus (Gruudzügc II. Bd , vierte Auflage, 1882,
S. 311) als zu Recht bestehend angeführt werden. In ersterem Werke wird auch das Genus Plerodoii H. v. M. (1839) angegeben.
Deniöchrii'ien der matiicm ualurw. CI. L. Bd. Äbliaudiungen von Miclitraitgliederu. tt
346 Toula — Kall.
lS-17. R- 0 wen : On thc Fossils obtained by the Marchioness of Hastings from thc freshwaterEocene Beds of the Hordle C'liffs.
Eep. of the Brit. Association. Transact. of tlie Sections, S. 65 Crocodäus Sjienceri Bukl. v. Shepry wird angeführt.
Crocodilus Hastingsiae Owen.
18-17. Giebel in seiner Fauna der Vnrwelt, I. Bd., S. 120 gibt 19 Species an, darunter h neue Namen u. zw :
Crocodilus j>af!!siensis für Cr. Cuvieri Gray, Crocodilus indelerminatits im- Cr. Beajuerili Gvnj, Crocodilus proi'incialis
für Crocodilus Blavieri Gray, Crocodilus communis für Pristichampsus IloUinali Gray, Crocodilus Uelucii für Crocodilus
Trimmeri Gray.
Das Krokodil von Castelnaudary bezeichnete Giebel offenbar unabhängig von Gray, da dieser nicht citicrt
wird, als Crocodilus Dodunii.
1SJ9. 11. Owen. Notes on Reinains of Fossil Reptiles decovered by Prof. Henry Rogers of Pennsylvania U. S. in Greensand
Formation of New Jersey. Proceedinga of the geol. Society 1849, Vol. V, S. 380—383. (Quarterly Journ. 1849 V^
S. 188). C'onvex-concave Wirbel von zwei verschiedenen Species, welche als Crocodilus f Alligator) husifissus Owen
und Crocodilus hasitruncatus Owen beschrieben und Taf. X, Fig. 1, 2, 3 und 4 abgebildet werden.
1840. E. W. Gibbes. Smithsonian Contributions to Knowledge, Vol. II, art 5 führt Zähne von Croc. claviroslris Mort. von
Darlington aus Süd-Carolina an, aus Pleiocän-Gebilden, welche auf Kreide liegen. (Neues Jahrb. 18.52, S. 703 u.
764.) (Ob auf seeundärer Lagerstätte ?) Auch Zähne von Croc. macrorhguchus Harlan werden als damit vorkom-
mend erwähnt.
l.söo. R. Owen. Monograph on the fossil Reptilia of the London Clay, Part. IL Crocodilia, Ophidia. London. The Palaeon-
tographical Society 1850.
Crocoddia, S. 5 — 49, Taf. I— XII. — Gavialis Dixoni Owen. S. 46, Taf. X. — Crocodilus toliupicus Owen, S. 29,
Taf. II, fig. 1, Taf. 11^1. Crocodilus champsoides Owen, S. 31, Taf. III (Taf. II, fig. 2 ?j lan Tomistoma [Rhgnchosuchus]
annähernde Formen). Crocodilus Hastingsiae Owen, S. 37, Taf. VI, VII, VIII, IX u. Taf. XH, fig. 2 und 3. (Echtes
Krokodil). Alligator Ha ntoniensis Wood. Owen, Taf. VIII, fig. 2.
Die beiden letztgenannten Formen sind im allgemeinen überaus ähnlich in allen Verhältnissen, nur die Ober-
kieferbeschaffenheit, dem vierten Unterkieferzahne (Caninj gegenüber, unterscheidet.
Von den Formen aus dem Londonthon von Sheppey kommen vor allen nur Crocodilus toliuiucus Owen und
Crocodilus champsoides Owen in Bezug auf unser Krokodil in Betracht.
Bei beiden Formen ist die Schnauze verlängert und vorne löffeiförmig verbreitert , die Nasenbeine reichen bis
an den hinteren Rand des äusseren Nasenloches. Owen vergleicht beide Arten rmt Crocodilus f Tomistoma, Hhijm-ho-
suchus) Schlegeln. J. Müller von Borneo, bei welchem jedoch die Nasalia schon weiter oben, beim oberen Ende der
Intermaxillaren enden. Crocodilus champsoides steht durch die Verhältnisse der Schnauze unserer Eggenburger Form
näher als die etwas gedrungenere Form von Crocodilus foliapicus. Die Nasalia reichen bei Crocodilus champsoides bis
in die unmittelbare Nähe der äusseren Nasenöffuungen. (Ein Haiiptnuterschied !) Das vordere Ende des Frontale
anterius reicht so weit nach vorne wie die vordere Spitze des Lacrymale. Das Supraraaxillare endet an der Unter.
Seite ohne eine vorgezogene Zunge in einer schrägen Zickzacknaht unmittelbar vor dem i. Zahne des Supramaxil-
lare. Die Länge des zwischen das paarige Frontale anterius und das paarige Nasale eingreifenden keilförmigen Stückes
des Frontale principale ist verhältnissmässig sehr gross. Von einer Naht der Intermaxillaria kann bei der Länge
der Nasalia kaum gesprochen werden, dieselben bleiben kaum 0-3"" von dem Hinterrande der Nares esternae
entfernt.
Die Schnauze verlängert sich übrigens verhältnissmässig immer mehr mit zunehmendem Alter (Cuvier bei Cr.
hiporcatus Taf. I 4, 18, 19).
Die Form der Zähne beider Arten entspricht jener der Gaviale, die Zahnkrone zeigt auch die Längsstreifung
der Zahnkrone der Gaviale.
Bei Cr. champsoides sind 21 Zahnalveolen auf jeder Seite des Oberkiefers vorhanden.
Garialis Dixoiii Owen (I.e.) aus den Eocänablagerungen von Bracklesham. Nur in wenigen Unterkieferbnich-
stücken und Zähnen bekannt geworden. Letztere sind nur weniger spitz und schlank, sowie weniger comprimiert als
jene des heutigen Gavialis r/aiigeticus (Ilhamphostoma gaiigcticuni) Geoffr. (Gavial, Krokodil und Alligator lebten im
Eocäu au derselben Localität in England. [R. Owen betont diese Thatsache besonders in James' Journal, 1850;
49. Bd., S. 248—250.])
1851. R.Owen. Monogr. on the Fossil Reptilia of the cretaceous Form. Palaeontographical Society. 1851, S. 45, Taf. XV_
In einem Grün.saudstücke von Sussex fanden sich einige unbedeutende Reste eines ganz kleinen Sauriers, den
Owen in Vergleich bringt mit seinem Goniopholis crassideiis. (Man vergl. 1841.)
1851. Wright. In den Ann. Mag. nat. bist. London, VII, S. 433 — 446 wird die Beschaffenheit der Krokodilknochen führen-
den Tertiärschichten der Hordwellkliffs (ein 5' mächtiger feiner weisser Sand) besprochen. Fundstelle von ('/•oco(W»s
Hastingsiae und Alligator Hantoiiiensis Ow. (Neues Jahrb. 1851, S. 713.)
1853. Pomel. Catalogue meth. et descriptif des Vertöbres dec. dans le bassin hydrogr. super, de la Loire. Paris, S. 123.
Alligator Hoitoiiiensis wird zu Diplocyiiodon gestellt.
1853. P.Gervais. Beobachtungen über die fossilen Reptilien Frankreichs. Compt. rend. XXXVI, S. 374— 377, 470—474.
Dieselben Krokodilformen ausführlicher im Hauptwerke. 1859.
über einen Krokodil-Schädel aus den Tertiärahlagerungen von Ecjgenhurg. 347
1855. II. M. Ducr. de Blainville. (Publication posthume), Osteographie, 25. fasc. Crocodllus. Auf Tat". VI werden von fos-
silen piocoelen Crocodilineu dargestellt :
Crocodilus depfessifruiis Blainv. {^ Croctjcliliis me'orhinus Pom.) (Soissonais) , ein echtes Krokodil.
Crocodi/iis macrorhynchus Blainv. aus dem Calcaire pisolithique (Zwischenglied zwischen Kreide und Eocäu)
vom Mont-Aim6e (Dep. de la Marne). Eine langschnauzige Form mit allmälig verschmälerter Schnauze und ohne
bosondoro Erweiterung am Schnauzeuendc, somit unter den lebenden Arten am ähnlichsten dem Gavial-Krokudil
(Toiiiistimia oder BliijucJidsurlnisi von Bonieo ( Tomistomu Schlegelii Müller,. Auch die weit nach vorne bis an die Inter-
maxillaren reicheuden schmalen Nasenbeine sprechen dafür. Ihre vorderen Enden liegen nach der Blaiuville'sehen
Darstellung nicht vor.
Der Medianlappen des Frontale princip.ale erscheint verhältnissraässig kurz. Das Laorymale legt sich, nach vorne
alhnälig schmäler werdend, an das benachb.arte Nasale innig an.
Die Orbita ist im Vergleiche vntCrocoäihis clianqjsoidea Ow. sehr klein. Auffallend gross dagegen sind die Schläfcn-
grnben.
1 8.T(;. H. v. Meyer. Crocodilus BiUikonensis aus der Süsswassermolasse von Bütikon in der Schweiz. P;ilaeimtographica, Bd. IV,
S. 67—71, Taf. XII.
Eine kleine Form, deren Schädellänge mit nur 18"" angegeben wird. H. v. Meyer bestimmt denRest als ein echtes
Krokodil. Durch seine etwas schlankere Form der Schnauze würde es sich etwas an Rhynchosuchus annähern. Im
N. .lahrb. 1859, S. 428 erwähnt H. v. Meyer das Vorkommen eines Krokodil-Hautpanzers, der von Crocodilus Biitil.v-
iieiisis herstammen „konnte", aus der Braunkohle von Elgg (in der Schweizer Molassej.
185G. J. Leidy. Notiz über die vonDr. Hayden entdeckten Reptilien und Fische vom Judith-Flusse im Nebraska-Territo-
rium. Proceed. Philad. Acad. nat. so. VIII, S. 72—74.
Crocodilus humilis Leidy. Zehn ausgefallene Zähne, deren grösster 7V2'" '•i"o ^""'. •'''-' si'i'l etwas gebogen,
kegelförmig, rund, mit zwei scharfen Kanten, glatt und sehwach gestreift.
(1859.) Ausführlich beschrieben und abgebildet. Transaction of the Amer. Philos. Society, 1859, XI, 8,140, Taf. II, Fig.9— 19.
Aus Schichten, deren Altersbestimmung als mitteltertiär nicht ganz zweifellos war.
1857. Herm. v. Meyer. Beiträge zur näheren Kenntuiss fossiler Reptilien. N. Jalirb., 1857, S. 5.^7. Ein Schädelrest von Cro-
codilus Rahm aus der Braunkohle vom Krautgarten im Siebengebirge; wird als mit Crocodilus llastinysiae nahezu
zusammenfallend bezeichnet, als eine zwischen Crocodilus, AlUyator und Gaw/afe stehende Form , deren Nasalia ober-
halb der äusseren Nasenhöhlung enden.
Crocodilus Elaiiereiisis Brav, und Crocodilus (Diplocyiiodoii) liutclli Pom. von Le Puy „geliöreu offenbar derselben
Spi'Cies an". Ausser Diplocyuodon Pomel ist auch Orlhosaiu-us Geoffroy und Pleurodon II. v. Meyer n.-ich seiner
eigenen Meinung hiemit zu vereinigen.
1858. J. Jokiily. Die Tertiärablagerungen des Saazer Beckens uud der Teplitzer Bucht. Jahrb. der k. k. geul. Reichsanst.
S. 534.
Das Vorkommen von Knochen eines nicht näher bestimmbaren Krokodils im Letten der Gegend von Winteruitz
wird angeführt.
1859. Paul Gervais. Zoologie et paleontologie frauQaises. II. ed., Paris 1859.
Gervais gibt auf S. 442 — 448, Taf. 57 — 59 eine Übersicht über die fossilen, proeoelen (echten; Crocodilideu,
uuil ordnet sie nach den geologischen Formationen an. Für uns sind die obercretacisehen Vorläufer der langschnau-
zigen Tertiärkrokodile von höchstem Interesse, da der uns vorliegende Rest, ebenso wie er unter ilen lebenden
Arten sich an Tomisfonia ScJileycUi auschliesst, von allen uns bekannten Formen am meisten Ähnlichkeit besitzt mit
Gdi'ialis (Tomisfonia) macrorhyrnhus Blainv. von dem Calcaire pisolithique vom Mont Aime (= Crocodilus isorhyiichus
Pomel, abgebildet Taf. LIX, Fig. 14-24). Der Schädel war ca. 00"° lang, bei 20"" grösster Breite. Ausserdem
werden von tertiären Arten Crocodilus depressifrons Blainv. ans den Coryjihodon-Schk-hten = Cr. coclorhiiins Pom,.
die von Gray eingeführten Benennungen der Cn vier'schen Crocodiliden (Cr. Doduni und Cr. Bollinati ^ uud einige
zur Artbegründung wohl kaum zureichende Reste {Cr. heterudiis Pom., Cr. obtusidens Pom.) aus der Eocänperiode
angefühlt.
Für das Krokodil aus dem Gyps {Crocodilus Trimmeri u. Crocodilus Cuvieri) wird der Name Crocodilus Farisiensis
Gerv., den übrigens schon Gie bei gebraucht hat (1847) aufgestellt. Auch Crocodilus provinciaUs Giebel = Croco-
dilus Blavieri Gray, auf sehr unvollständige Reste (ein Huraerus-Bruchstücklj gegründet, gehört hieher.
Von Ronzon wird ein kleines Unterkieferbruchstück mit dem Aimard' scheu Namen Crocodilus (Saurocaiiins)
Gervaisii abgebildet.
Von den miocäneu Formen wird Crocodilus Ekwereiisis Bravard (Cr. Butelli Pom. Genus Oiihosaurus E. Geoffr.
ÜiplocynodoH Pomel) als sehr nahestehend den Alligatoren des Mainzer Beckens hingestellt (AlUyator DarwiniLuAwig
Abgebildet ist (Taf. LVII, Fig. 8) Crocodilus Ratelli Pom. aus dem Indusienkalk von Saint G6rand-le Puy. Die jün-
geren Reste eines Krokndils von Herault, eines pliocänen Krokodils von Moutpellier bestehen nur in einzelnen
Zähnen tu d Zahnbruchstücken. Als diluviale („pleistocäne") Form wird das Krokodd von P.rentibrd ^Cr. Delucii
Auf die Reste dieser Art wurde sugar eine neue Gattung Prislich(tmpsus gegründet.
tt *
34« Toula — Kaü.
Giebel) genannt. {= Cr. Trimmen Gray, während Cr. Mauni/i Gray das Krokodil von Mans nach Cuvier
bezeichnet).
1859. In dem „Descriptive Catalog of the fossil remains of Vertebrata froni the Sewalik Hills etc. von Falkoner n. Walker
(Caicutta 1859, S. 120) wird Crocodilus palaeindicus als verwandt mit Crocodilus bombifrons angeführt, ohne ausführliche
Beschreibung und ohne Abbildung.
1859. Hnxley. On the dermal Armour of CrocodUus Hastingsme. Proceed. of the geol. Soc. of London 1859, XV. S. C78,
Tat". XXV.
isco. R. Owen. Systematische Eintheilung und zeitliche Verbreitung der lebenden und fossilen Reptilien, Ediub. N. phil.
Journ., 1860, S. 294 — 30fi. Die procoelen Crocodilinen kommen zuerst in Nordamerika im Grünsande vor {Cr. hasi-
ßssus u. Cr. basUruncatus Ow.), in Europa treten sie erst in Eocänsehichten auf.
1862. Dr. C. B. Brühl. Das Skelet der Crocodilinen dargestellt in 10 Tafeln fol. Wien.
1865 Dr. C. B. Brühl. Laqnes Oweni und Laqiies tijmpankiis Petrosi. Ein Nachtrag zu „Das Skelet der Krokodilinen".
(Wurden bei der vergleichenden Detailbeschreibung der Krokodile von Eggenburg zu Grunde gelegt.)
1860. Dr. Alex Strauch: Synopsis der gegenwärtig lebenden Crocodiliden. Mfemoires de l'Acad. imp. des sf. de St. Peters-
bourg. VII. S6r. X. Bd., Nr. 13.
Von den Ausführungen dieser Abhandlung sei nur der i'ür uns wichtige auf GaviaUs (Tomistoma) ScliJegdii S.
Müll, bezügliche Passus hervorgehoben. Die in Borneo lebende langschnauzige Art ist nämlich, wie erwähnt, der
uns von Eggenburg vorliegenden fossilen Art am nächsten verwandt.
OavicUis (Crocodil im) Sckleyelü ist von S. Müller in der Tijdschrift voor nat. Gesch. en Physiol. V, S. 77, Taf. III
beschrieben und abgebildet wordcu. „Diese Art", sagt Strauch, „die durch die langen, den Zwischenkiefer errei-
chenden Nasenbeine mit den echten Krokodilen übereinstimmt, unterscheidet sieh vom Ganges-Gavial durch die
geringere Zahl von Zähnen, durch die grössere Zahl von Nuchalschilder, durch die im Verhältniss zum Schädel bedeu-
tend grösseren Augen, durch die stärker entwickelten Extremitäten, sowie auch dadurch, dass bei ihr der Kopf sich
vor den Augen sehr allmälig verschmälert und in die lange, fast cylindrische, an der Spitze nicht erweiterte Schnauze
übergeht."
1S6G. Rathke Heinrich. Untersuchungen über die Entwickelung und den Körperbau der Krokodile. Herausgegeben von W.
V. Witsch. Braunschweig 1866.
1868. P. Lioy. Über einige fossile Wirbelthierreste des Vicentinischen. Milano. Atti della Soc. Ital. di sc. nat. Vol. VIII,
S. 391 — 417, mit einer Tafel.
In einer Lignitablagerimg am Monte Purga (Bolca) wurden Reste einer neuen Krokodil- Art: Crocodilus viceidinns
Lioy aufgefunden und a,\a xait Crocodilus Hastingsiae Ow. verwandt hingestellt.
ISG9. Dr. John Edw. Gray. Synopsis of the species of recent Crocodilians and Emydosaurians, chiefly founded on the speci-
mens in the British Museum and the Royal College of Surgeons. Transactious of the zool. Soc. of London. VI. 1869.
S. 125-171, Taf. XXXI— XXXIV. (Vorgelegt 9. Dec. 1862.)
I. Gaoiaüdae. 1. GaviaUs. 2. Tomistoma S.Müll. (= Bhyiwhosuchns Huxley).
II. Crocodilidae. 1. Mecistoi)s: Die Nasenbeine erreichen die NasenöiTnung nicht. 2. Crocodilus (Oopholis, Mvlinia,
Bombifrons, Poliiiia): Die Nasenbeine reichen an die Nasenöflfnung. 3. Hakrosia: Die Nasenbeine theilen die Nasen-
öffnung.
Flu- unsere Zwecke sind vor allen die auf Tomistoma (Bhijnchostichm) und Mecistops bezüglichen Angaben von
Wichtigkeit, da unsere Form offenbar gleichfalls zu den den Übergang von GaviaUs zu Crocodilus im engereu Sinne
vermittelnden Formen gehört. Die auf Taf. XXXJI, Fig. 1,2,3 gegebenen Darstellungen von Mecistops cataphractus
Cuv. werden zu den auf der beifolgenden Vergleichungstabelle gegebenen Messungen herbeigezogen.
1869. Cope. Synopsis of the Extiuct Batrachia and Rept. of North America. Philad. 1869. 4». S. 104, Taf. 2—12.
Ausser den an anderem Orte (1875) ausführlich verzeichneten cretacischen Vorläufern echter Crocodilinen
werden hierin auch die jüngeren Krokodile angeführt, u.zw. Thecacampsa mitiqua Leidy sp. (= Crocodilus autiquus
Leidy) aus dem Eocäu von Ost-Virginien, Thecacampsa sicaria Cope, Miocän von Maryland, Thecacampsa sericodon
Cope, Miocän von N.-Jersey und Maryland, Thecacam.psa Squanhensis Marsh, Miocän von Mormonth Co., N.-Jersey.
1870. Gaston Plante, Sur les lignites införieurs de l'argile plastique du bassin parisieu. Bull, de la soc. geol. de France.
2. Ser., Vol. 27, S. 204-216, Taf. 1, Fig. 1 u. 2.
Bei Meudon liegt über dem Calcaire pisolitique ein Conglomerat und über diesem ein blätteriger brauner Thon
raitKnochen und Spuren von Lignit mit Pflanzenabdrücken, der von schwarzem, Lignit führeudenThon überlagert wird.
Unter den Knochen fand sich auch ein Unterkieferast von Crocodilus dep-essifrons Blainv. (Man vergl. 1855.)
1871. D. Bunzel. Die Reptilienfauna der Gosau -Formation in der Neuen Welt bei Wr.-Neustadt. Abhandl. d. k. k. geol.
Reichsanst. V. üd. Ausser einigen ihrer Stellung nach problematischen Wirbelformen liegen auch eine Anzahl von
stcher procoelen Wirbeln vor. Taf. I, Fig. 10 u. Ii Halswirbel, Fig. 12—14 Brustwirbel, Fig. 14—21 Lendenwirbel,
Fig. 22 u. 23 Schwanzwirbel.
Dr. Bunzel konnte diese Reste als von dem ersten bis dahin aus sicher cretacischen Diidungen Europ.i's stam-
menden procoelen Krokodile bezeichnen (S. 7). {Crocodilus spec.)
tfber einen Kr ohodil- Schädel aus den Tertiämhlagerungen von Eggenburg. 349
1871. Marsh. Amer. Journ. Sc. Arts, 1871, Juni. Ganz kurze Beschreibung von Crocodilus OrinnelUi Marsh und Cr. liotJon
Marsh.
1872. Dr. Leon Vaillant. Etüde zoologiquc sur les crocodiliens fossiles tertiaires de Saint-G6rand le Puy. Anuales des
Sciences geol. Tom. III, S. 1—58, Taf. I— V.
Nach einer längereu Einleitung mit Betrachtungen über die tertiären Crocodiiinen (1 — 18) werden die beiden
Krokodile von G6rand le Puy ausführlich besprochen und in vielen Figuren abgebildet. Es sind :
Diphcynodon gracile Vaill. S. 18—41, ein Alligator, mit zwei in eine Zahngrube des Oberkiefers eingreifenden
Zahnen (3 u. 4) des Unterkiefers. (Der Schädel raisst vom Hinterhauptshöcker bis zur Schnauzenspitze ca. 2ö"".
Diplocynodon liatellä Pom. (S. 41—48, Fig. 14 — 16 und 18 — 20). Unterkieferstücke wurden abgebildet. Die Sym-
physe unterscheidet sich leicht von den divergierenden Ästen des Dipl. gracile.
Crocodilus Aedaicus Vaill. ist etwas kleiner als Dipl. gracile, ein echtes Krokodil. Am nächsten stehend wird
Oroc. Biilikonensis H. v. Meyer angenommen, dessen schlankere Schnauze überaus leicht unterscheiden lässt, indem
es dadurch an die Gaviale erinnert.
1873. Prof. Jos. Leid y. Contributions to the extinct Vertebrate Fauna of the western Territories. Hayden's Report of the
United States geol. survey of the Territories, I, S. 125—132, Taf. VIII.
In der Bridger Tertiärformation (oberes Mioeän nach Hayden, Ann. Rep. 1870, S. .58) wurden viele Reptilien
gefunden, darunter auch Crocodiliden und zwar:
Crocodilus aptus Leidy (1SC9); nur ein Wirbel liegt vor (Taf VIII, Fig. 2).
Crocodilus EUiotti Leidy. Ein ca. ,t3'" langer Schädel (Taf VIII, Fig. G) vom Green River, der mit dem Nil-Kro-
kodil und mit dem indischen Crocodilus palustris verglichen wird. Die Nasalia reichen bis in die äussere Nasenöffnung,
Von einer dritten kleineren Form von Little Sandy River liegt nur ein Schwanzwirbel vor (Taf VIII, Fig. 3).
1872. Die erwähnten Crocodilideu finden sich auch im Annual Report für itsTO. S. 368 in Kürze erwähnt.
1872. Ebenso Im Annual Report für 1871, S. 366. (On the fossil Vertebrates of the early tertiary Formation of Wyoming.)
Ausserdem werden hier noch genannt: Crocodilus ziiihodoii Leidy, Croc. liodon Leidy, Croc. affin is Leidy, Croc.
Grinnelli Leidy, ohne dass nähere Angaben gebracht würden.
1873. Edw. D. Cope. On the extinct Vertebrata of the Eooene of Wyoming. Hayden's Sixth Annual Report of the Unit. Stat.
geol. Surv. of Territ. (on the year 1872), S. 612—615. — Von Crocodilideu werden beschrieben:
Crocodilus clavis Cope (Proceed. Am. Phil. Soc. 1872, S. 485). Eine grössere Form als Croc. Elliottii Leidy mit
schlankerer Schnauze. Die Nasalia dürften bis an die äussere Nasenöffnung gereicht haben.
Crocodilus Elliottii Leidy, „Abundant in the Bad Lands".
Crocodilus sulciferus Cope (I.e. S. 555) vom oberen Green River. Eine mittelgrosse Art. Die subcylindrischen
Zähne mit kurzen konischen Kronen.
Crocodilus GrinnelUi Marsh (American Journal Sc. Arts, 1871, Juni).
Crocodilus liodon Marsh (1. c.).
Diplocynodon suhulaius Cope == Croc. (Mithyosuchus) subulaius Cope spec. (Proceed. Am. Phil. Soc. 1872, S. 554).
Vom oberen Green River. Einige Wirbel- und Kieferstücke. Bezahnung ähnlich jener \ou Diplocynodon RatelU Pom.
Symphyse kurz.
Diplocynodon polyodon Cope. Von der Grösse des vorigen und des Alligators. Unterschiede liegen in der Bezah-
nung. Neun kleine Zähne liegen zwischen dem vorderen und mittleren C.anin.
Älliyutor heterodon Cope (Proceed. Am. Phil. Soc. 1872, S. 514). Die vorderen Zähne sind flach, scharfkantig
und leicht gekrümmt. Die rückwärtigen haben kurze, sehr stumpfe Kronen. (Green-River-Foi-mat.)
1875. Th. H. Huxley. 0)1 Stagonolepis Rohertsoni and on the Evolution of the Crocodilia. Quarterly Journal geol. Soc. 1875.
Vol. XXXI, S. 42,s— 438.
Die ersten Reste (Panzerplatten, Knochenabdrücke) dieses Thieres beschrieb Huxley ausführlich im Jahre 1859,
Quart. Journ. geol. soc. (S. 440 — 460) und kam zu dem Schlüsse, dass diese Thierform (vouAgassiz einem Fische
zugeschrieben) den recenten Krokodilen näher stehen dürfte, als den Telcosauren.
Eintheilung: Parasuchia: Wirbel biconcav, Nasengänge durch Knochenfortsät/.e der Gaumenbeine nicht verlän-
gert. Stagonolepis, Bdodon (Trias), — Mesosuchia: Wirbel bifoncav, Nasengiinge verlängert: Teleosaurus, Sfcneosuurus.
(Lias), Goniopholis, Macrorhynchus (Wealden). — Eusuchia: Wirbel procoel mit Ausnahme der rückwärtigen (Sacral-
und vorderen Caudalwirbel), welche biconvex sind: Tkoracosaurus, Holops, Gavialis (?).
Für uns ist von Wichtigkeit, dass Gavialis macrorhynchus Gerv. (1859) aus dem Calcaire pisolithique vom Mont-
Aime als ein „completely diferentiated Eusuchian" bezeichnet wird.
1875. E. D. Cope. The Vertebrata of the cretaccous Formations of the West. Washington, Report of the Unit. Stat. geol.
Survey of the Territories. Vol. II, S. 250—254.
In der III. Abtheilung dieses Werkes gibt Cope eine Synopsis der Wirbelthiere der nordamerikanischen Kreide-
form.ation und gibt (S. 250 — 254) auch einen Überblick über die Krokodile mit ausführlichen Literaturangabeu. Hier
sollen nur die procoelen Formen als die Vorläufer der tertiären echten Crocodilideu angeführt werden.
Tlioracosaurus neocaesariensis (Leidy Gen. 1865) de Kay = Gavialis neocaesariensis de Kay 1842, Zoology of
New -York, Pavt. III, 1844, p. 82, de Kay. Ann. of Lyceum of New -York, Taf III, Fig. 7—10, = Crocodilus
(laoialis) cldvirostris Morton 1. c. = CrocAidilus haf:iß.isus Ow. 1. c. = Crocodilw de Kayi Leidy (Jonni. of the Aca-
350 Toula — Kail.
dcmie of Nat. sc. Philadelphia, II, p. 13ö = TJiontcosaurtis yraitdis Leidy, Pioc. Ac. of Nat. sc. of Philad. 1852,
S. 85. New-Jersey.
IMops (Cope, Gen. 1869. E.xtinct. Batrach. and Rept. etc. of North Am. 1869, S.67.) Holops imeumutictis Cope,
Proc. of the Ac. of Phil. 1872. S. U.
Ein Gavial mit sehr langer und schmaler Schnauze. Die Zahne stark gekrümmt, lang und spitz mit rundem
Querschnitt, nur die hinteren sind an der inneren Seite flach (Querschnitt daher unsymmetrisch oval), etwas kürzer
■aber scharf spitzig. Grünsand von New-Jersey.
Holops hrevispinis Cope, Proc. of the Ac, of Phil., 18G7, S. 39 abgebildet. Ext. Batrach., 1869, 'I'af. I, Fig. 13,
und IV, Fig. 4—6. Holops glyptodus Cope (Ext. Batrach., 1869, S. 74, 231.) Holops obsciirus Leidy sp. (Cope, Ext.
Batrach. S. 75, Taf. IV, Fig. 1—3.) = Crocodilus ohscurus Leidy, Smithson, Contr., 1865, S. 115, Taf. II, Fig. 4.=
Thoracosaufus ohscurus Cope, Geol. Surv. of New-Jersey, Appendix C. Holops conlatus Cope (Ext. Batrach., S. 73.)
Holops basitruncatus Ow. sp. (1. e.) = Crocodilus tenehrosus Leidy (Smiths. Contr. 1865, S. 115, Taf. III, Fig. 12— l.'i)
= Holops tenehrosus Cope (Ext. Batrach., S. 78.) Holops hasitruncatus Cope, Ext. Batrach, S. 231, Fig. 19, S. 77.
Bottosaurus Agass. Gen. (Cope, Prodr. of the Am. phil. Soc, 1871, S. 48). BoUosaurus macrorhynchns Harl.
sp. (I.e.) — Crocodilus Harlani v. Mey. = BoUosaurus Harlani Agass. (Leidy, Cret. Rept. of North Am., 1865,
12—14, Taf. IV, Fig. 19—23. = Bottosaurus macrorhijnchus Cope (Proc. of the Am. ph. Soc., 1871, S. 48). Bottosau-
rus tuherculatus Cope (Ext. Batrach., 1869, S. 230. — Proc. of the Am. phil. Soc. 1871, S. 49). Bottosaurus perru-
gosiis Cope (Report, of the U. s. geol. S., Vol. II, S. 68, Taf. VI, Fig. 5 — 8); procoele Wirbel, Schädelknochen-
stücke etc. (aus Colorado); alle früheren Formen aus New-Jersey.
Bottosaurus (?) i/uiuilis Leidy sp. {= Croc. liumilis Leidy, Proc. of the Acad., 1856, S. 73, [nur Zähne]).
(Transact. of the Am. Phil. Soc. XII. S. 146, Taf. XI, Fig. 9 — 19.) Badlauds von Montana.
Gavialis Merrem. Gavialis fraterculus Cope sp. = Hi/posaurus fraterculus Cope, Ext. Batrach., S. 82, Kiefer-
stücke mit Zähnen, procoele Wirbel und Knochen. Zahnkrone einfach gebaut zum Unterschiede von Tltecachanqtsa.
New-Jersey.
1877. R. Ludwig. Fossile Crocodiliden aus dem Oligocän des Mainzer Beckens. N. Jahrb. 1877, S. 74 — 77. (Anzeige).
Fossile Crocodilideu aus der Tertiärformation des Mainzer Beckens. Cassel, 1877, 4", S. 52, 16 Taf (N. Jahrb.
1877, S. 875.) (Hauptwerk).
Alligator Darwiiii Ludw. (aus der Braunkohle von Messel bei Darmstadt), kurz und schmalschnauzig, Kopf
niedrig, Zähne glatt und conisch, mit zwei scharfen Rändern, oben 21, unten 20 auf jeder Seite.
(Syn.: Crocodilus Brauniorum v. Mey., Cr. Bahti v. Mey., Cr. medius\. Mey., und Cr. Britchi v. Hey., welche
verschiedene Alterszustände derselben Form darstellen. Neues Jahrb., 1843). In Bezug auf die Hautknnchen an
Diplocynodon gracile von S. G6rand le Puy erinnernd, in Bezug auf die Form des Kopfes zwischen Alligator Hun-
toniensis 0 w. unä Diplocynodon gracile Vaill. stehend. Ausser dem Vorkommen in der Braunkohle von Messel bei
Darmstadt noch in marinen Sanden, Meeresthon, Cyrenenmergeln und im Litorinellenkalk, also in allen Facies des
Mainzer Tertiärbeckens.
Crocodilus Ehertsi Ludwig, Länge des hohen Kopfes zur grössten Breite wie 7:4, Nasalia zwischen die Prä-
m.axillaria hineinreichend. 17 Zähne im Ober-, 16 im Unterkiefer. Zähne längsgestreift (gefaltet), dadurch unterschie-
den von Croc. Bütikonensls v. Mey., dessen Hautknochen dagegen viel Ähnlichkeit besitzen.
1877. E. D. Cope. Report upon U. St. Geogr. Survey West of the one hundredth meridian, IV. Paleontology. Crocodilia,
S. 60, Taf. XXIX, 1875, S.31— 32. Im Syst. Cat. Vertebr. Eoc. New Mexico, U. St. Geogr. Surv. West of hundredth
mer. 1874, S. 15. 1875, S. 31—33.
Thplocynodon sphenops Cope von New-Mexiko, Taf XXIX, Wirbel, Bruchstücke von Wirbel- und Extremitätkno-
chen. Das wichtigste Stück ist ein Schnauzenstück.
Crocodilus grypus Cope von New Mexico, Taf. XXX, Wirbel, Schädelknochen, (Schnauze), Oberkiefer, Extre-
mitäten-Bruchstücke.
Crocodilus Wlieeleri Cope, Taf. XXXI, Fig. 1—5. Schädelbruchstücke und Wirbel.
„ '? Elliottii Leidy, Taf. XXXI, Fig. 6 — 17. Schädelbruchstücke und Zähne.
„ liodon Marsh, Taf. XXXI, Fig. 18 — 23. Parietalknochenstück, Wirbel.
„ chamensis Cope, Taf XXXH, Fig. 1 — 22 (1874 als Alligator angeführt).
1878. J. W. Hulke. Note nu two Skulls from the Wealden and Purbeck Foimations indicating a new Subgroup of Croco-
dilia. Quarterly Jouru. 1878, Vol. XXXIV, S. 377—382, Taf. XV.
Ooniopholis crassidensl aus Mr. Willetts CoUection wird abgebildet, neben dem ausgezeichneten Schädel aus
dem British Museum (Nr. 41098). Neben den dichtstehenden kräftigen Zähnen (29) fallen die weit nach vorne, aber
nicht bis an die äussere Nasenöffnuug reichenden breiten Nasalia, sowie die vorne verbreiterten Zwischenkiefer
auf, welche fünf In einem Bogen stehende Zähne tragen. Die Länge des Schädels (Fig. i u. 2), betiägt ca. 62'"', die
grösste Breite über 18"». Während die Zähne, was ihre Zahl u. Form anbelangt, mehr an Gavialis erinnern, zeigen
die Nasenbeine Crocodilus-Charakter. Auffallend ist die Kleinheit der Orbitalöffnungen im Vergleich mit den grossen
Schläfengruben. Goniopholis simus Ow. S. 379, Taf. XV, Fig. 3, 4. Ein Hauptmerkmal dieser Vorläufer liegt in der
Beschaffenheit der Palato nares zwischen dem Pterigoideum und Palatinum. Man vergl. auch R. Owen, Quarterly
Journ. 1878, S. 421 — 430 „On the modifying Influenee of a higher Form of Life on a older and lower Form.
über einen Krokodil-Schädel ans den Tertiärahlcujerungen coii Egcjenhiirg. 351
1879. K. Owen. Supplement (Nr. IX.) to the Mouogi-aph on the Fossil Reptiliii of tlic Wealden anil Purbeck Furmatious.
Behandelt die von R. Owen in die Ordnung' Crocodilia gestellten Gattungen: GoiiiopJwlis, Brachiidectes, NaiiiwsKchns,
TIieriosHchits und Nuthdea, die Vorläufer der procoelischen echten Krokodile der Tertiär-Periode und der Gegenwart.
GoniophoUs tenuidens. (Man vergl. 1841.)
Vos Brachydectes werden Taf. I, Fig. 2, 3 Unterkieferstüoke abgebildet und S. 3 — 6 besprochen. Nannositchus,
das Zwergkrokodil und das noch kleinere, als Therioisuchus bezeichnete Formen aus dem Purbeck mit biplanen Wir-
beln werden auch von Quenstedt (Petrefactenkunde, neue Auflage, S. 109) und R. Hoerues (Elemente der Palaeon-
tologie, 1884, S. 479) als die geologisch ältesten echten Crocodiliden betrachtet. Ti&i Nannosuchus ijraciUdens Owen
(1. c. Taf. IV, Fig. 1) ist die Schnauze schlanker als bei dem nur 3" laugen Schädel von Theriosuchus pusülus Ow. (1. c.
T:if. III, Fig. 13—17 u. IV). Bei Nannoxuchus enden die Nasalia ähnlich, wie bei Tomistoma weit oberhalb der äusseren
Nasenöffnung, während sie bei Tlierioauclius so weit in die Naseuöifuiing hineinreichen, dass diese förmlich in zwei
schlitzähnliche Offnungen geschieden erscheiut. Die Zähne der extremen Zwergform 'rjieriuftwhiiiy sind auffallend uugleich
gross, mit verdickten Kronen, während sie bei Waniwsuchus schlank und ziemlich gleichmässig In ihreuDimeusionen sind.
1880. Zigno. Sopra un cranio di Croccodrillo scoperto ncl terreno eoceno del Veronese. Atti della R. Academia dei Lincei.
Vol. V. Roma 1880, S. G5— 67, Taf. I.
CrocoJilas Arduini Zigno. Aus der knoclieuführcndcu Schichte des Hauptuummulitenkalkes vom Monte Zuello
bei Ronca.
Eine mit Crocodilns loliapicus Ow. und. Cr. cJicirnjisoiiks Ow. verwandte schlanksehnauzige Form.
Ein wohlerhaltenes Crauium, ein Unterkiefer und zwei Wirbel werden auf zwei Tafeln zur Darstellung gebracht.
Das Parietale ist der Form nach ähnlich jenem unseres Exemplares. Das Frontale principale ist iu der Mitte
noch viel spitzer nach vorne gezogen als bei unserer Form, auch das paarige Frontale anterius scheint, so weit
die Zeichnung darüber eine Andeutung gibt, jederseits spitz nach vorne gezogen zu sein. Die rückwärtigen spitzen
Enden der Nasalia haben ähnlich so wie bei unserer Form zwischen die drei Stirnbeinspitzen hinein gereicht. Die
Nasalia bei Crocodilns Arduini sind im Allgemeinen etwas breiter als bei unserer Form und reichen ähnlich so wie
bei Cr. champsoides beinahe an den Hinterrand der Nares externae.
Das Lacrymale scheint sich an das entsprechende Nasale angeschmiegt zu habeu.
Die Interraaxillaren ziehen sich oben spitz nach rückwärts, an der Unterseite ist die Begrenzung derselben gegen
die Supramaxillaren nicht anzugeben.
1831. Sceley. Quarterly Journ. geol. Soc. XXXVII. Bd., S. G85. Mit Abbildungen über Crocodilns (1) pruavus Secl., eine neue
Form, die in Bezug auf ihre „Knochen und Wirbel" an den Mississippi-Alligator erinnert. Von Dr. Bunzel (1871)
als Crocodilns sp. beschrieben und abgebildet. Die Reste nach Sceley reichen zur sicheren Gattungsbes-timmung nicht
ans (S. 693).
1883. L. DoUo. Premiere note sur les Crocodiliens de Bernissart (Bull. mus. roy. d' bist. nat. de Belgique, Tome II. S. 309—338,
Taf. XII. (Dames. Neues Jahrb., 1885, I., S. 91— 93).
Bei Bernissart wurden vier Krokodil-Individuen gefunden. Sic wurden als zu zwei Arten gehörig erkannt, die
eine mit GoniophoUs simus Owen aus dem englischen Wealden ideutificiert, die andere als Beruissartia Fagesii Do Uo
beschrieben, ein Genus, das zu der Unterordnung Mesosuchia Huxley gehört, und eine neue eigene Familie dar-
stellt, welche Doli o geradezu als directe Vorläufer (Stamuiältern) der echten Krokodile der Tertiärperiode und der
Gegenwart bezeichnet.
1881. V. Lemoine. Etüde sur les caractöres gönferiques du Simocdosaiirus, Reptile nouveau de la faune cernaysienne des
environs de Reims. Reims, 1884.
Die Reste dieser interessanten, von Gervais aufgestellten Gattung stammen aus den Schichten, welche mit dem
Namen calcaire lacustre supörieur oder von Saint Thierry bezeichnet werden und den Schichten mit Physa von Rilly
entsprechen. Eine ungemein schmalschnauzigc Form, deren Nasalia bis gegen die äussere Nasenöffnung hinabziehen.
Die schmale und lange Schnauze erscheint ganz scharf abgesetzt. Die Schnauze ist Gavial-ähnlich, während
die Schädeliiartie des Kopfes Charaktere von Ichthyosaurus und ricsiosaurus an sich trägt.
18S4. V. Lemoine. Note sur TEncßphale du Gavial deMont Aime, etudie sur trois moulages naturels. (Bull. soc. g6(d. de
France 3. serie, Taf. XII, S. 158-162. Taf. VI.)
Die Gehirnbildung des Gavials {Tomistoma) aus dem Calcaire pisolitique stimmt im Allgemeinen auf das beste mit
jener der lebenden Crocodiliden überein, nur sind die Hemisphären schwächer entwickelt.
1884. R. Owen. On the Cranial and Vertebral Characters of the Crocodilian Genus Plesiosuchus Owen.
Quarterly Journal of the gcol. Soc. 1884, (Nr. 157), S. 153—159. Plesiosuchus Owen ist eine Zwischenforui mit
platycoelen Wirbeln zwischen Steiiosaiirus Geoffr. (Oolith) und den procoelen Crocodiliden mit an die äussere Nasen-
öffnung reichenden Nasenbeiniui.
1885. F. Toula u. Joli. A. Kall. Über einen Krokodilschädcl aus den Tertiärablagerungen von Eggenburg in Niederöster-
reich. Anzeiger der kais. Akademie d. Wissensch. in Wien 1885, Nr. XI, S. Tü7 — 109: Crocodilns {Gavialosuchus
u. gen.) Eggenburgeims n. sp.
352
Toula — Kall.
Tabellarischo Übersicht übor die fossilen procoeleii Crocodilideii der alten Welt ' und ihrer
Vorläufer.
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O ! S Ch
Bemerkungen
Alligator Hantoniensis
Wood.
„ Dartvini L u d w
\Beniissartia Fai/esii Dol lo
Crocodiius Aeduicus Vai 1 1 a n t.
„ Arduini Zigno. . .
„ Becquerdi Gray ....
„ hiporcatus Ciiv. äff.
Cautl. u. Falc.
„ Blavieri Gray
„ Brauniorum v. Mey.
„ Broiif/iiiarti Gray ..
„ BiKc'hi H. V. Mey. ..
Crocodüus Bütikonensls H. v.
Mey.
„ chatnpsoides 0 w. .
Crocodihis Cliftii H. v. Mey
„ coelorhliius Pom
„ coiHiiuinis Giebel
„ cnwsiVfc;;« Caut. u. Fal-
c o n e r ?
„ cidfn'dens 0 w
„ Cimieri Gray
„ Delucii Gray
n „ Gieb
Crocodüus deirressifrons
Blaiuv.
Crocodilus Dixoni Pict
„ Doduiiii Gray
Crocodilus Ebertsi Liidw
Crocodilus Elaverensis Brav. (=
Croc. Elaveris.)
„ äff. gangeticus Harl. ...
„ (GaviaJis) gangeticus
Cautl. U.Falk.
„ Germisi Aimd. (Gerv.i
„ Hantonifiisis 0 w
Crocodilus HaMingsiae 0\v. .
Crocodilus heterodus Pom
1844
1877
1883
1872
1880
1831
1835
1831
1834
1831
1843
1856
1850
1832
1847
1847
1835
1841
1831
1831
1847
1855
1850
1831
1877
1844
1834
1835
1859
1850
1850
1847
llordwell, R. Owen, 1850.
Mainzer B(K'keu, Syn: Crocodüus Braiiiiiornm VI. x. M.., Cr.
Eahti H. v. M., Cr. medius H. v. M., Cr. Bruclii H. v. M.
In die Gruppe iVesos!((7«ffl Huxley gehörig].
Gei-and le Puy.
Verona. Verwandt mit Cr. toUapicus Ow. und Cr. cJuiinp-
soides Ow.
Das Krokodil des Lignites und des Argile, plastique von
Auteuil (Cuvier 1824) nur auf ein Humeriis-Brucli-
stück und ein Zähnclien gegründet.
Sewalik. Ohne Beschreibung und Abbildung.
Das Krokodil aus dem Lignite der Provence (Cuvier
1824) = Cr. proviiicitdis Giebel. (1847).
Weisenau, Mainzer Becken = Alligator Darwiiü Ludwig
(1877).
Mcudon. Nur auf einen Zahn gegründet.
Weisenau = .UUgator Darwini Ludwig (1877).
Bütikon(Mülaase) schmalschnauzige Form von Crocodilus.
Londonthon. Crocodilus Spencer! Buckl., z. Th. Schmal-
schnauzig, an Tomistoma aunähernil.
Irawadi. ÄhnMch „Crocoddus vulgaris Cuv.„ (Clift. 1828).
Ohne eingehende Begründung aufgestellt.
Aus demCalcaire pisolithique. Nur genannt ohne Beschrei-
bung und Abbildung. Vaillaut (1872) führt CVoco-
dilus depressifrons Blainville als Synonym an (mit
einem ?).
= Cr. Bolliiiati Gray, 1831 = Krokodil von Argenton
Cuvier (1824). PristicUampsus Gervais (1859).
Sewalik. Gavial-ähnliche Form. Von Owen, Bietet u.
Giebel unter dem angegebenen Namen citiert.
Wealden. Suc/iosaurus cultridens.
Krokodil aus dem Gyps des Montmartre (Cuvier 1824)
= Cr. Parisiensis Giebel 1847.
Das Krokodil von Sheppy (Cuvier 1824). Nur auf einen
Wirbel gegründet.
Das Krokodil von Brentfort Cuvier (1824) == Crocoddus
Trimineri Gray (1831). Nur auf einen Fusswurzel-
knochen (Alcaneum) gegründet.
Aus denCoi'yphodon-Schichten. Man vergl. 0-. codorhynus
Pom. (1847).
Braklesham = Gavialis Di.coni Owen.
Das Krokodil von Castel Naudary, Cuvier (1824).
Mainzer Becken.
Puy de Dome. Nach Gervais (1859) Cr. Elaverensis Br.
== Cr. (Diplocynodon) Bafclli Pom. = Genus: Ortho-
saurusE. Geoffroy. (1835).
(?) Crocoddus (GainaUs) davirostris Mort. (1844) = Thora-
cosaurus neocaesarensis de Kay, (Cope 1875).
Sewalik. Cr. crassidens Owen. (1860).
Ronzon. Nur ein Uuterkieferstüek bekannt.
= Alligator Hautonieiisis (ISM), [Dipilocijnodoii Pom. 1853)
Echtes Krokodil. Von Hordwell.
Cuyse-la-Motte, Gervais (1859). Auf unzureichende Reste
gegründet.
Die wohlbegründeten procoelen Arten sind mit fetten Lettern gedruckt.
über einen Krokütlil-HehäAel atis den. Tertiämhhujeningen von Eggenhiirg.
ö:.3
Crocodilus IndetermiHotiis Gieb. .
„ isurhijnchus Po in
„ Jouaiwti Gray
Crocodilus niacrorhijnchus
Blaiuv
Crocodilus Maunij G r ii y
„ Miiiilclli Gray
„ iiicdius H. V. Mey
„ uhtnsklens Pom
^ jialaeindi'cHS Falcon. ..
„ I'aiisiensls Gicb
„ pJeiiidais H. v. Mi;y. ...
„ pruavus Seo!
,, provindalis Gi ob
„ liatelli P o in
„ Ralhii (Rahtii) V. Mcy. .
„ liolUnafi Gray
„ SjKiiceri Buckl
Crocodilus toliapicus 0 w. . . .
Cri>aidi/i(s Triimiwri Gray
„ Unyerl Prang, .sp
„ Via'iiliiiiis Lioy
Diplocj/nodon f/racile Vail. .
Dijiln Ijiiodoii llitntoiiiensi^ Pom...
JJiploci/ iiodon ßfitcHi Pom. .
Eiincu Ion Umjeri Prang
Eridaiiosauru^ Ball., Criv
Gavialis (Rhamphostoma)
Dixoni Ow.
Gttckdis mitcrorhijncluis Blainv. .
„ ijuiiijeliciis G m c 1. aff.C a u t.
11. Falc.
Goniojiho^is simus 0 w
„ trussldens 0 w
Lc/itorliyiicJiits Cliflii v. Moy
ytiiiiiosiicJiiis yiricilidens Ow
Mdcrorhi/iicJms Meyeri Dunk
Orfhoauunis Gooft'r. St. II il.
Plerodon crocodiloides V. Mey.
(P/esiosKclius Ow
PristicJianipsus Gervais...
„ HoUinati
Gray sp
EhampJwstoma = Gavialis
(Suchosaurus oultridens 0 w
{Simoedosaarus Lern
Toinistoiiia (Rhynchosuchus) (i)
tnacrorhytichus Blaiuv
1847
1847
1831
18.55
1831
1831
1834
1846/7
13.59
1847
1838
1881
1847
1846/7
IS43
1831
1836
1 850
1831
1845
1868
1872
1847
1847
1845
1850
1855
1835
1878
1841
183-2
1879
1844
1835
1839
1884
1831
1841
1884
ls55
. +
o la
a a
!03 :=
Bcmi-rkiingcu
= Gr. Becquerdi Gray, (1831) = Krukodil von Anteuil,
Cuvier (1824).
Cr. imwrorhyiichus Blaiuv. (1855). Ähnlichkeit mit
Toinistoiiiu (Uliyiuhostichus).
Krokodil von Blayc Cuvier (1824). Uuzurcichcmk-r
Rest (Zälinei.
Calcaire pi.solitliiciue vou Mont Aiiuc bei Eporn.iy. Ahu-
lichkcit mit Toniistomo (lUiynchosnchus).
Krokodil vou Maus. Cuvier (1824).
We.-ilden-Krokodil von Tilgate forest.'. Cuvier (1 824).
= Alliyalor Jhirwiiii Ludwig (1877). Maiuzcr Becken.
Gervais 1859. Cuysc-la-Mottc.
Nur geuaunt uud mit Cr. boinbifrons verglichen. Sewalik.
Cr. Cuoieri Gray (1831).
Stein am Kheiu. Auf einzelne Zähne gegründet = I'kro-
don crocodiloides H. v. Mey. (1839).
Die R(^ste reicheu nach Secley zur sichercu Gattungs-
bestiminuug nicht aus.
CV. lUavieri Gray (1831).
Dililocyiiodoii Loire Becken.
ÄUiyator Darwini Ludw. (1877).
Knikodil von Argentou Cuvier (l.S-J4j Gattung iV/-
sUchampsus Gervais (1859).
Nacii Owen synonym für Cr. toliapicus und Cr. cliampsoi-
des. (Man"v<'rgl. Vaillaiit (1872), I.e., S. 10. U.
Cr. Speiiccri Buckland. Nach Vaill. wäre der Name
Cr. toliopicus Ow. einzuziehen, uiul dafür der Name
Cr. Spenceri Buckland zu setzen, dem die Pii(u-i-
tät zukomme.
:= Krokodil vcm Breutford Cuvier (1821) = Cr. Uducii
Giebel (1847).
Wies in Steiermark. Enneodoit Uuyeri Praugner (1845).
Man vergl. Fitzinger (1846).
Monte Purga (Bolca). Verwandt mit Cr. Ilcisfinysiuf Ow.
Vou Saint Ger.ind la Puy.
= Alliyator Hantoniensis Wood.
Loiie-Becken-
Crvcoddns nach Fitzinger (1846).
Wird von V. Carus erwälint (..ob hieher geliörigV).
Aus dem Kieslager des Po.
Br.-icklesham. Untcrkieferstücke und Zähne.
Calcaire pisolitliiqiu; vou Mout Aiiue Toinis/oiiia (llhynclio-
suchiis) = Cr. isorhyiichus Pom.
Sewalik.
Purbeck. Wirbel biconcav, ca. 30 Zähne im Oberkiefer.
Zähne zweischneidig.
Piirbeck und Wealden. (M. vergl. auch 1851.)
Irawadi. (Nur genanut.;
Zwergkrokodil. Piirbcck.
Norddeutsche Wealden. (Ob(u-kirchcii in Westph:ilen) ob
procoelV 34 Zähne jederseils im Überkiefer,
= Cr. Eldvereiisis.
= Cr. plenidciis H. v. Meyer.
Nach Owen eine Zwischenform zviKchen Steiiosaurus und
den Crocodiliden.)
= Cr. communis Giebel.
Wealden.)
Charaktere älterer Formen. Nasenbein bis gegen die äus-
seren Nasenlöcher hinziehend. Von St. Thierry.
Schichten mit Fhysa yiyantea.)
^^ Cr. (Gavialis) macrorhynchus aus dem Calcaire pisoli-
thique.
Denkschriften der matheni.-n.ilurw. Cl. L. Bd. Abh.indluiigen von Nichtmitgliedern.
uu
:^54
Toula — Kail.
Tabellarische Übersicht der amerikanischen fossilen Crocodiliden.
M
W
CO
a a
o '.2
Bemerkungen
AUhjalor hasifissits 0 «' 18-19
„ hcteroduii C o p e . .
Crucudilits afßniü Lciily . . .
„ aptus L e i (l y . . .
„ hasijhaus 0 w. . .
., chamensis Cope
daviroatris Mort.
1873
187-2
1873
1819
1877
1844
daois C o p 0 i 1873
conhdim Cop e 1875
de Kai/i L e i d y (Cop ej 1875
miutii Leidy 1873
(jnjiHis Copc
GrinelU Marsh. . .
Iltirhiiii H. V. M ey.
„ liiiDiiliä Leidy
„ ktleivduii C o p e
„ luidoii Marsh
„ nuicrorhynchua Harl.
„ ote«07(s Leidy sp. . .
„ pohjodon Copc
, subidatus Copc
„ tsulciferiis Copc
„ tciiebrosus Leidy ...
„ Ziphodun Leidy ... .
Bottuaaiinis Agass
„ (?) htmiilis Leidy.
„ macrorliynelius Harl.,
Cope.
„ perrugosiis Cope....
„ iitherculafus Cope . . .
DijilücijHodou hetcrudoii Cope....
„ pohiodon Cope ....
„ siihidatus Cope ....
„ sphenops Cope ....
Gavialis fratercidics Cope sp 1869
1877
1871
1832
1852
1873
1871
1824
18G5
1873
1873
1873
18Ü5
1873
1856
1824
1875
1875
1870
1873
1873
1873
1877
IIulupi
neucaesarieiisis de K a y . .
hiiHitnincatHä 0 w. sp
„ brcoispiiiKs Cope
„ cordatus Cope
n (jhjptodun Cope
„ ühncartis Leidy
„ pneumaticus Cope
„ ieiiebrosiis Leidy
Ujipsosaiirus fraterculus Cope ...
Thcaichampsa aiitiqna Cope nach
Leidy.
„ sicaria Cope
., sericoduH Cope ...
„ Squaiih-ensia Marsh
T/wracusuitnis Leidy
„ iieocaesarieiisis Cop
nach de Kay
„ obscurus Cope nach
Leidy
1842
1849
1867
1869
1869
1865
1872
1869
1875
1869
1869
1869
1869
1875
1875
+
+ : .
+
+
+
New- Jersey = Thoracosattrus (Leidy) ncuaiesarkiisis de Kay
sp. (Man vergl. Cope 1875.)
Green liiver Wyoming.
Wyoming. Wird mir genannt.
Nur auf einen Wirbel gegründet.
= AUi(jatur ( 'niorai-ijsuunis) basißssics Owen sp.
New-Mexico. (1874 als Alligator bezeichnet.)
New Jersey = Alllyator (Thoracosaurus) neuaicsarkusis de
Kay.
Wyoming. Schlankschnauzige Form (keine Abljildung).
Gattung Iluhps (keine Abbildung).
= Thoracu!«(iirus iieocacfiiriensia de Kay.
Bridger Tertiär-Form. (Obcr-Miocän nacli Haydcn.) Wird
mit dem Nil-Krcdvodil und mit Cr. /icdus/ris aus Indien
verglichen. ((.V. [Vj) Cope 1877 vonNew-Mexico (Eocän).
New-Mexico.
Wyoming (Cope 1873). Ein Cranium.
New-Jersey = Cr. mucrorhiiiu-tiiis Harlan (1824) = Buttu-
saitrus inacrurhyiichuä Harlan sp. (Cope 1S75).
Nebraska.
DIplocijiKjdon. Green River Formation. Wyoming.
Nur genannt. Leidy (1872), Cope (1873, Croc(jd'dus\'i] 1877).
New-Jersey. Boftosuiiriis.
Holops obscurus Cope 1875.
Diplucijnodon Wyoming.
Oberer GreenKiver. Wirbel und Kicferstiicke. JJiphcyuodoii.
Oberer Green River.
Cope (1875). Gattung y/y?(y;s.
Wyoming. Nur genannt.
Nur auf Zälme gegründet. (Cope 1875). Montana.
an = Cr. Uarktiit v. Meyer. New
= Cr. maororliynchiis llarl
Jersey.
Colorado.
Man vergl. Cope 1875.
Green River. Wyoming.
Wyoming.
Green River, Wyoming.
New-Mesico.
Hi/psos(ciiriis fraterculus Cope. (Man vergl. C o p e 1875). Kie-
ferstUcke, Zähne, Wirbel.
(Man vergl. Cope 1875). Thoracusuurus.
'Man vergl. Cope 1875.
Gaviidis.
Ost-Viiginicn.
Maryland.
New Jersey u. Maryland.
Mormonth Co. New-Jersey.
^ Cr. basißssus 0 w e n = Cr. clavirostris Morton ^ Tlwraaj-
saurus yramlis Leidy.
= Uolops obscurus Cope.
über einen Krokodil- ScJtädd (ins den Tartiärablaijciaiujen von Efjijcnbun/.
Inhalt.
Seite
Eiuleitiin;^ 299
Über die Fimilstclle dos Kr^kodilschädels -299
Ä. Vcizeielinis der vo rhaudencu Knochen 302
B. Auf fällige Merkmale des Kopf skeletes a02
C. D e t a i 1 b e s e hr e i b 11 n g d e r e i u z e I n e n K n o e h e u 305
1. Das iinpaare Parietale 305
2. „ ., Frontale principale 306
3. „ paarige Nasale 307
1. „ „ Mastoideum 309
5. ,. „ Frontale posterius (Postfrontale) 311
6. „ „ Tympanicum 313
7. „ „ Temporale 315
8. „ „ Jugale - 316
9. „ „ Frontale anterius 317
10. „ „ Lacryiiiale 317
11. „ „ Siipraniaxillare 3ls
12. „ „ Intermaxillarc 320
13. „ n Palatinum 322
14. „ „ Ptcrygoideum 323
15. „ „ Transversiira 324
16. 17, 18, 19. Unvollkommen erhaltene Knochen 325
20. Das unpaare Occipitale supurius , 325
21. „ paarige Occipitale laterale 32G
22. „ unp:iare Occipitale basilare 32S
D. Die grossen Öffnungen 329
1. Das Foramen occipitale 329
2. Die Fossa tcmpoialis 329
3. Die Orbita .... 330
4. Das Foranieu postorbitale 330
5. Die Nares extcruae . 330
6. Das Forameu palatinum 3'U
E. Tabellarische vergleichende Über sich t der Grössenverhältnisse 33'2
/''. Zusammenfassung der vergleichenden Betrachtungen 333
1. Der fossile Rest hat mit Tumisloma SchJegelü gemein 333
2. „ „ ,, „ ,, Gdvidlia (jaiigetlcHs gemein 335
3. „ ,, „ unterscheidet sich von den genannten Arteu 336
(?. Schlussfolgeruu g 33H
Zusauimenstell uug der auf die tertiären i)rocoelen Crocodilideu und ihre Vorläufer Bezug habeu-
deu Literatur - 313
Tabellarische Übersicht der fossilen procoelen Crocodiliden der allen Welt (und ihrer Vorläufer) . 3.')2
Tabellarische Übersiclit der amerikanischen fossilen Crocodiliden 354
--«äffe?*'
Uli *
ERKLÄRUNG DER TAFELIS.
jiKi:
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unpauro l'ai'iotale.
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Fi'ouUle priücipale
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ge Fruntale auterius.
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„ posterius.
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7na.
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Mastüiileiim.
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Tynipauiciiin.
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j'i-
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Jiij^ale.
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■7
j)
Lacryiiialc.
TAFEL I.
AusiLiht des Kopfes von oben (in '/z uatürl. Grösse).
s III. Das |i;i;irig'u Hupnimaxilliirc.
pal. D;is ijiiurige Pal;itiuum.
p t. „ „ Ptcrygoideum
tv. „ „ Trausvcrsum.
//. „ Foramen iucisiviim.
( Dl. „ „ lutcrmaxillai'f.
ox. „ unpaarc! Ocoipitale suporius.
uh. „ „ „ baailarc.
o /. ., iiaarige „ laterale.
/«. „ Foramen occipitale.
fi. Die Fossa temporalis.
0 1: „ Orbita.
//* 0. Das Foranien postorbitulo.
iia.a. Die Nares cxteruae.
TAFEL IL
Bezeichnung wie auf Tal'. I.
Fig. 1. AusicLt des Kopfes von iiiitcu (in '/^ uatürl. Grösse).
f.pal. Das Foramen iialatinuui.
/'i — /.j. Die Intcrmaxillaizälme.
.sj — .s,5. „ Suiiramaxillarzälme.
Fig. 2. Ansicht des Kopfes von der linken Seite (in '/^ 'i^'^ü'''- Grösse).
au. Die Fossa auriculnris. i c o. Der Condylus occipitalis.
f.im. Das Foramen postorbitale. | ///■'. Das reelitseitige Tyiiiiiauieuui,
TAFEL IIL
Bezeiehuuugen wie auf Tat'. I iiiiil II.
Fig. 1. Ansicht des Kopfes vou hinten (in 7^ uatürl. Grösse).
a. jB«. Apertura Eiistaeliii. 1 /«. m. Das Foramen caroticiuii.
o.ju. Das Forameu juyulare. !
Fig. 2. Ein Unterkieferzahn (in natiirl. Grösse).
a. Obcrausicht. I />. Seiteuausicht.
Fig. 3. Ein Brustwirbel, liuke Seitenansicht (in natiirl. Grösse).
Fig. 4. Derselbe, Obenansicht (iu natürl. Grösse).
Fig. .5. Derselbe, von vorne gesehen (in uatürl. Grösse).
rmiia ii.Kilil: krokodilsrhädpl aus den Terliärablafjeningt'ii von EsgHulmrg (. \iedf rösterreich).
Tall.
R-Schöitn nach fl-Mat ^ei.u.Hth.
Deiiksritriftcn H.k.Akatl.dKiiiarh.nHturw. nass4» L Bd. 11 Ablli
k k Hot"TJ-Stsatsdru-->^r«
Toula ii.Ivail: Krokodilsrhiidpl ans den Terliärablagfninseu von Hsgenlmrs (NiederöslPireiili).
Tarn
R.Sctgr.n nach d.Nai.gez.u.Uth.
I)«'nkscliiin,.(i .l.k.Aka(l.aA\:iiiiilli.naturw.('!asso L. IJd U.Alflli.
k k.Hof u.Staatsdrwpkei
Toilla ii.iaiilKrokodilsihädfl ans den Terliänhlneeninsen von Eggenbnrg (XiederösteiTeich).
Taf DI.
(. I
Fig.2a.
B..Sc>.önn nac)i d.Mat.gez.u-liih
k.k.Hof M-Staatsdru .-kere:
Denkschriften d.k.Aka(l.(l.VVTmatli.naturw. Classe. L.rxl.H Ahlh.
ß
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iiiinii'T:ii!illfi
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